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SEPTEMBER 2019 LOOK NOW! BEA CUTTAT UND IHR FILMVERLEIH


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BEA CUTTAT UND IHR FILMVERLEIH

Buffalo ’66

Lueg jetzt! Was siehst du? Du siehst einen Mann, der stoisch ein Vanillecornet verspeist. Du siehst James Bond, aber noch blutjung, als schwierigen Lover des Malers Francis Bacon. Du siehst eine freizügige Kommune schwedischer Hippies, wo haarige Menschen gern mal untenrum frei durchs Bild latschen. Später siehst du sprechende Hasen und eine junge Frau in den Wäldern, die ein Eichhörnchen häutet, weil sie etwas essen muss. Und dann werden sie alle von einer gewaltigen Schneelawine verschluckt. Haben alle diese Filme irgendetwas miteinander zu tun? «Alles hat mit allem zu tun», sagt Bea Cuttat. Von ihrem Büro an der Gasometerstrasse in Zürich ist ein Eckzimmer übrig geblieben, das Lager ihres Filmverleihs Look Now! hat sie geräumt: 35-mmKopien, stapelweise Filmplakate, massenhaft Flyer. Behalten hat sie nur das, was sie braucht, um ihren Katalog von über 260 Filmen weiter verfügbar zu halten für Reprisen – oder jetzt eben für die Retrospektive im Xenix. «Sie will sich nicht mehr aufdrängen», titelte Matthias Lerf im «Tages-Anzeiger» über seinem Porträt zum Abschied von Look Now!. Sie habe einfach gespürt, sagt sie jetzt, dass sie sich mit ihren Filmen immer mehr aufdrängen musste, auch bei


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zugewandten Orten: «Die Kinos wollen die Filme, die ich gernhabe, nicht mehr spielen.» Da schwingt schon auch Wehmut mit, aber Resignation klingt anders. Nach über dreissig Jahren hat sich Bea Cuttat mit Look Now! also aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, das sich mit der Digitalisierung stark gewandelt hat und vor allem schnelllebiger geworden ist. Aber wenn sie ins Erzählen kommt, ist davon nichts zu spüren, da ist sie sofort in ihrem Element. Etwa wenn sie kopfschüttelnd die französische DVD von Ruben Östlunds Turist (2014) aus dem Regal zieht. Bei der Weltpremiere in Cannes lief der Film noch unter dem Titel Force Majeure, aber für den Kinostart in Frankreich bekam er vom dortigen Verleiher einen bescheuerten englischen Titel verpasst: Snow Therapy. So blieb ihr keine andere Wahl, als den Film in der französischen Schweiz auch unter diesem Titel zu starten. Oder wenn Bea Cuttat sich noch heute darüber enerviert, dass Fucking Åmål (1998) von Lukas Moodysson, mit 100 000 Eintritten der erfolgreichste Film aus ihrem Programm, in der Romandie erst ab sechzehn Jahren freigegeben war: «Pervers!» Die jugendschützerische Begründung damals: Der Film verführe zum Trinken. «Dabei trinken sie am Schluss eine heisse Schoggi.» Oder wenn sie erzählt, wie sie vor neun Jahren die Rechte an Winter’s Bone (2010) erstanden hat, dem in Sundance heiss gehandelten Provinzdrama der US-Regisseurin Debra Granik. Als unabhängige Verleiherin in einem vernachlässigbaren Minimarkt wie der Schweiz hat sie da eigentlich keine Chance. «Aber irgendwann haben die wohl gemerkt, dass ich sterben würde, wenn ich diesen Film nicht bekäme.» So etwas sehe man ihr an, sagt sie, und man glaubt ihr aufs Wort. Sie ist ja selber auch ein Kind der Provinz. Aufgewachsen ist Bea Cuttat als Arbeitertochter in Schaffhausen, daheim gibt es nur drei Bücher, eins davon über Giovanni Segantini. Sie wird dann Buchhändlerin, «mit Wonne» verkauft sie die Bücher von Gerhard Meier – ein halbes Leben bevor sie Friedrich Kappelers zwei Filme über Gerhard Meier ins Kino bringen sollte. Manche Kreise schliessen sich, alles hat mit allem zu tun. Noch ein Kreis, der sich sehr viel später schliesst: 1980 kauft Bea Cuttat ihre erste VHS-Kamera – und fährt damit gleich zu ihren Eltern, um sie zu filmen. Wie ihr betagter Vater in die Kamera schaut, mit diesem skeptischen Blick auf die filmende Tochter, das hat sie nie vergessen. Und 33 Jahre später erlebt sie ein Déjà-vu in Vaters Garten (2013), dem letzten Film von Peter Liechti. Da schaut Vater Liechti in die Kamera seines Sohnes, und sein Blick ist exakt der gleiche, den Bea Cuttat damals schon bei ihrem eigenen Vater gesehen hat. Es ist ein


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Blick, der den Nachkommen bedeutet: «Du filmst mich jetzt, weil du weisst, dass ich bald sterbe.» Die Kamera als Fluchtpunkt eines vorgezogenen Abschieds, als Reservoir der Erinnerung. Deshalb vielleicht liegt ihr auch ein Film wie Sreda (Mittwoch) (1997) von Viktor Kossakowski so sehr am Herzen. Der Regisseur war eins von 101 Kindern, die am Mittwoch, dem 19. Juli 1961, in Leningrad zur Welt kamen. Über dreissig Jahre später hat er versucht, sie alle wieder aufzuspüren, in ihrer Geburtsstadt, die inzwischen anders heisst. Ein etwas sperriger Film, mag sein. Aber in dieser Galerie von Gleichaltrigen zeige sich doch, «was das Leben mit den Menschen macht», wie Bea Cuttat sagt. Was das Leben mit den Menschen macht: Als sie zum ersten Mal Songs from the Second Floor (2000) von Roy Andersson sieht, diesen Reigen von abgründigen Tableaus, bevölkert von verlorenen Figuren, die aussehen wie bei lebendigem Leib verstaubt, da erlebt sie diesen Film fast wie eine tektonische Bewegung. «Das klingt jetzt komisch», erzählt sie, «aber ich hatte wirklich das Gefühl, die Welt verschiebe sich.» Ein schlechtes Omen? Als dann die Premiere mit Roy Andersson in Zürich ansteht, fährt Bea Cuttat mit dem Velo zum Hauptbahnhof, um den Regisseur am Flughafen abzuholen. Beim Bahnhof wird sie angefahren, noch an der Unfallstelle greift sie zum Telefon und sorgt dafür, dass der Gast aus Schweden nicht wie bestellt und nicht abgeholt am Flughafen steht – und als im Spital ihr Telefon klingelt, ist es Roy Andersson, der ihr gute Besserung wünscht. Etliche Jahre später findet die Geschichte noch eine glückliche Coda: Da besucht Bea Cuttat den Meister in seinem Atelier an der Sibyllegatan 24 in Stockholm, zusammen mit einem irakischen Flüchtling, den sie über Fernand Melgars Film La forteresse (2008) kennen gelernt hat. Natürlich gäbe es ein paar Konstanten oder Leitmotive, die man aus dem Katalog von Look Now! herausfiltern könnte: den Norden («Ich habs nicht gern, wenn es zu warm ist»), die Musik, die Literatur und die Kunst. Das sei ihr immer wichtig gewesen, sagt Bea Cuttat, die Künste nie auseinanderzuhalten. Die Künste lassen sich nicht separieren, schon gar nicht im Kino, wo alles mit allem zu tun hat. Immer wieder hat sie unter dem Banner von Look Now! auch unbekannte neue Talente erstmals in die Schweizer Kinos gebracht: etwa Jeff Nichols mit seinem Erstling Shotgun Stories (2007), Debra Granik mit Winter’s Bone, Ruben Östlund mit Turist. Bea Cuttat hat ihnen hier den Boden bereitet, und als deren folgende Filme dann grösser, teurer (aber nicht unbedingt besser) wurden, standen andere Verleiher bereit, die mehr zahlen konnten.


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Aber immer wieder waren da auch einzelne Autoren, die ihr über viele Filme hinweg in wechselseitiger Treue verbunden blieben: Peter Liechti etwa, oder Stefan Schwietert, Roy Andersson, Carlos Reygadas und Christian Petzold. Die eigentliche Konstante jedoch ist sie selbst, genauer gesagt: die unbedingte Leidenschaft, mit der Bea Cuttat bei jedem ihrer Filme dafür gekämpft hat, dass er sein Publikum findet, weil ihr jeder einzelne immer eine Herzensangelegenheit war. Look Now!: Dieser ironische Schaubefehl im Firmennamen, in Anlehnung an Nicolas Roegs Don’t Look Now, musste natürlich Wunschdenken bleiben. Sie weiss ja selber, dass man das Publikum nicht ins Kino kommandieren kann. Aber es lässt sich vielleicht anstecken mit bedingungsloser Hingabe. Der schönste Film fängt ja auch erst dann zu leben an, wenn er gesehen wird. Lueg jetzt! Florian Keller

A Tickle in the Heart Stefan Schwietert, Schweiz/Deutschland 1996; 83' E/df (DCP, s/w)

Das Porträt der betagten und immer noch charismatischen Epstein Brothers, einer legendären Klezmer-Band aus Amerika. Das Wartezimmer Gottes – so nennen die Brüder Max, Willie und Julie Epstein das Rentnerparadies Florida, wo die alten Herren heute komfortabel leben. Das eigentliche Pflaster der Epstein Brothers war aber die Lower East Side von New York, wo sie in den Dreissigerjahren als Klezmer-Band begannen. Ihre Musik kam wie ihr jüdisches Publikum aus Osteuropa. Die Lieder begleiteten alle Arten von Feiern und konnten so ausgelassen und fröhlich sein wie sentimental und traurig – Hauptsache, sie vermochten das jiddische Herz zu kitzeln. Erst später, mit dem Aufstieg der Klezmer-Musik bei einem breiten Publikum, wurden die Epstein-Brüder richtig gross und spielten, nunmehr als Künstler gefeiert, in renommierten Konzertsälen in Amerika und Europa. Von einem Konzert in Berlin aus tritt A Tickle in the Heart mit seinen Protagonisten eine Reise in die Vergangenheit an, mit dem Zug nach Russland, von wo die Vorfahren der Epsteins ausgewandert waren. In glänzendem Schwarz-Weiss, mit virtuos montierten Musiksequenzen hat Stefan Schwietert (Heimatklänge, Accordion Tribe) die grossartigen Musiker und Geschichtenerzähler für immer auf Film gebannt. Do 29. 8. / Fr 30. 8.

> 18.00 Uhr

Sa 31. 8.

> 18.30 Uhr

So 1. 9.

> 20.45 Uhr


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Buffalo ’66 Vincent Gallo, USA 1998; 110' E/df (35 mm, Farbe) Mit Vincent Gallo, Christina Ricci, Anjelica Huston, Ben Gazzara, Jan-Michael Vincent, Mickey Rourke, Rosanna Arquette

Einzigartiger Indiefilm der Neunziger von und mit dem verstörenden Vincent Gallo als Billy, der gar nichts wäre ohne sein weibliches Gegenüber Layla alias Wendy alias Christina Ricci. Buffalo ’66 beginnt mit dem drängenden Gefühl, wenn die Blase unerträglich stark drückt: Billy Brown (Vincent Gallo) kommt nach fünf Jahren aus dem Gefängnis und kann sich nicht richtig freuen. Das Leben im Knast war hart, doch die Freiheit gestaltet sich nicht einfacher – wo sind die Toiletten! Um seine Lebenslüge aufrechtzuerhalten, muss Billy für den Besuch bei seinen Eltern auch noch eine junge Frau (Christina Ricci) kidnappen. Die lieblosen Eltern freuen sich zwar über ihre neu gewonnene Schwiegertochter, doch auch dies hellt Billys Stimmung nicht auf, denn sein ganzes Wesen ist von Rachegelüsten besessen. Neben den Auftritten von Stars der Stunde – Anjelica Huston als Baseball-Mom, Mickey Rourke oder Rosanna Arquette – hat Vincent Gallo seinen Regie-Erstling im analogen Indie-Stil der Neunziger regelrecht durchgestaltet, mit kunstvoll eingesetzten Rückblenden, die Billys diverse Traumata auf den Punkt bringen. Die bitteren Szenen am Tisch der dysfunktionalen Familie werden dank sarkastischem Humor und Selbstironie erträglich. «Don’t tell me to relax!» Vincent Gallos Figur Billy, so gut aussehend und verzweifelt, leidet in heutigen Worten wohl an toxischer Männlichkeit. Freilich braucht er eine Frau, die ihn vor sich selber rettet. Christina Ricci ist in ihrer Rolle als Unschuldsengel umwerfend, nur ihre Liebe vermag den Lost Boy zu knacken. Do 29. 8. / Fr 30. 8.

> 20.00 Uhr

Sa 31. 8.

> 20.30 Uhr

So 1. 9.

> 18.30 Uhr

Love Is the Devil John Maybury, Grossbritannien 1998; 90' E/df (35 mm, Farbe) Mit Derek Jacobi, Daniel Craig, Anne Lambton, Tilda Swinton, Adrian Scarborough, Karl Johnson

Spielfilm über den englischen Maler Francis Bacon, geprägt von der komplizierten Beziehung zu seinem Liebhaber George Dyer (der vom späteren James Bond Daniel Craig gespielt wird). Sein Werk werfe uns auf die «condition humaine» zurück, in all ihrer Schönheit und all ihrem Leiden. Mit grossen Worten wird 1971 Francis Bacons ebenso grosse Retrospektive im Grand Palais von Paris eröffnet. Gleichzeitig nimmt Bacons Liebhaber George Dyer im gemeinsamen Hotelzimmer eine Überdosis Tabletten und Champagner zu sich. John Mayburys schillernde und zugleich sehr persönliche Annäherung an den Maler Francis Bacon (Derek Jacobi) kreist um die komplexe Beziehung des Exzentrikers und seines langjährigen Liebhabers George Dyer. Zwischen dem extravaganten Künstler und seinem aus einer ganz anderen Welt kommenden Lover entwickelt sich eine kraftvolle,


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A Tickle in the Heart

Gerhard Meier – Das Wolkenschattenboot

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aber auch traumatische Beziehung, in der Kunst, Liebe und Sex gefährlich kollidieren. «Dass Bacon hinter dem Modell den Menschen aus dem Blick verlor, ist das bewegende Motiv des Films. Wenn dieser seinen Geliebten der Malerei geopfert hat, so wird Dyer mit diesem Film daraus erlöst.» (Filmbulletin) Und so wie Bacon die emotio-nale Dynamik dieser Beziehung in seinen berühmten Porträts von George Dyer festgehalten hat, überträgt Regisseur Maybury Bacons malerische Ausdrucksmittel in die visuelle Sprache seines Films. Verfremdende Bildeffekte betonen einen atmosphärischen Zugang zur Lebenswelt von Francis Bacon und machen aus Love Is the Devil einen einzigartigen Film. Fr 30. 8.

> 22.15 Uhr

Sa 31. 8.

> 22.45 Uhr

Reisen ins Landesinnere Matthias von Gunten, Schweiz 1988; 94' Dialekt•D (DCP, Farbe) Siehe Seite 32, «Dokfilm am Sonntag»

Gerhard Meier – Das Wolkenschattenboot Friedrich Kappeler, Schweiz 2007; 80' Dialekt (35 mm, Farbe)

Nachdem Gerhard Meiers Frau Dorli verstorben war, drehte Friedrich Kappeler ein zweites Filmporträt des Schweizer Schriftstellers und «universellen Provinzlers». «Das ist eine wunderbare Liebesgeschichte, die Kappeler uns da präsentiert: Sie handelt von der Liebe zu einer Frau, der Liebe zum Leben, der Liebe zur Kleinräumigkeit und der Liebe zum Schreiben. Sie handelt nicht nur davon: Sie wird gleichsam von der Liebe wie auf Flügeln getragen.» Dies schrieb der «Tages-Anzeiger» seinerzeit über Friedrich Kappelers ersten Film zu Gerhard Meier – Die Ballade vom Schreiben (1995 ). Jener Film (und mit Ausschnitten daraus auch Das Wolkenschattenboot) zeigt, wie Gerhard Meier nach 33 Jahren Arbeit in der Lampenfabrik von Niederbipp doch noch Schriftsteller wird. Zwei Jahre nach dem Filmporträt starb Gerhard Meiers geliebte Ehefrau Dorli. Der inzwischen neunzigjährige Dichter hat von ihr in seinem letzten Text «Ob die Granatbäume blühen» Abschied genommen. Friedrich Kappeler (Mani Matter – Warum syt dir so truurig?) hat Gerhard Meier mit dem Kameramann Pio Corradi nochmals getroffen, um die Geschichte von Meier zu einem richtigen Abschluss zu bringen. Im Wolkenschattenboot lernen wir ihn nochmals neu kennen. Er führt den Dialog mit seiner verstorbenen Frau über ihren Tod hinaus fort. Was bleibt, ist eine Sehnsucht und das zärtliche Gedenken an einen geliebten Menschen. Aber auch Peter Handkes Aussage, wonach durch Gerhard Meier die Schweiz ein grosses Land werde, weil alles, was er schreibe, ins Weite übergehe. Sa 31. 8. / So 1. 9.

> 16.30 Uhr


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Die Siebtelbauern

Open Hearts

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Die Siebtelbauern Stefan Ruzowitzky, Österreich 1998; 90' D/f (35 mm, Farbe) Mit Simon Schwarz, Sophie Rois, Lars Rudolph, Julia Gschnitzer, Susanne Silverio, Kirstin Schwab, Elisabeth Orth, Tilo Prückner

Wenn der Knecht ein Herr sein will, dann gibts ein Unglück – so sagen es die Grossbauern. Doch sieben Knechte und Mägde haben ihren Hof geerbt und lassen ihn sich nicht wieder nehmen. Eine drängend flüsternde Stimme erzählt, was Sache ist: In einem Dorf im österreichischen Mühlviertel geschieht Unerhörtes: Der Hillinger-Bauer, ein Sonderling, den keiner gemocht hat, ist erschlagen worden. Dann der Skandal im Dorf: Der Grobian hat seinen Hof seinen Knechten und Mägden vermacht – nicht aus Menschenliebe, bewahre! Nein, nur damit der Pfarrer und die anderen Grossbauern sich in Grund und Boden ärgern. Und damit seine Knechte und Mägde, die es ja nicht besser wissen, einander im Streit aufreiben. Die Parabel, dass der Knecht nicht Bauer sein kann, will er als Totentanz an seiner Grube aufgeführt wissen … Doch sieben der zehn Erben nehmen die Herausforderung an und stellen sich gegen das verknöcherte System. Allen voran der Knecht Lukas (in vollen Zügen: Simon Schwarz), der alle Stadien vom liebenswürdigen Luftikus bis zum Gesetzlosen durchläuft, und die Magd Emmy (theatralisch wunderbar: Sophie Rois), die selbstbewusst, klug und sexuell provokant gleichermassen den Albtraum einer patriarchalischen Gesellschaft darstellt. Die frischgebackenen Siebtelbauern lernen, frei und selbstverantwortlich zu leben – und das bäuerliche Establishment grollt. In weitwinkligen Kameraeinstellungen nimmt der Film die soziale Ordnung unter die Lupe und erzählt vom ewigen Kampf der Jungen gegen alte, tradierte Strukturen, vom Kampf der Rechtlosen gegen ungerechte Herren. Und dies genüsslich theatralisch und auch mit Krimi-Elementen in einer vergangenen Zeit – und freilich doch aktuell. Mo 2. 9. / Di 3. 9.

> 18.00 Uhr

Mi 4. 9.

> 20.15 Uhr

Open Hearts Susanne Bier, Dänemark 2002; 113' OV/df (35 mm, Farbe) Mit Mads Mikkelsen, Sonja Richter, Nikolaj Lie Kaas, Paprika Steen, Stine Bjerregaard, Birthe Neumann, Niels Olsen, Ulf Pilgaard, Anders Nyborg

Bewegendes Drama um vier Menschen, die nach einem schweren Unfall durch Schuld und Liebe miteinander verbunden sind. So direkt die Emotionen, so auch der Film, der nach den Regeln von Dogma 95 entstanden ist. Kurz nachdem Cæcilie (Sonja Richter) und Joachim (Nikolaj Lie Kaas) beschlossen haben zu heiraten, kommt es zu einem tragischen Autounfall, der ihre Pläne abrupt über den Haufen wirft. Der Arzt Niels (Mads Mikkelsen) und seine Frau Marie (Paprika Steen) kommen unerwartet ins Leben des jungen Paars, unvorbereitet treffen Schuldgefühle auf verletzlich offene Herzen. Das grossartige Schauspielensemble bringt die dramatische und bewegende Geschichte von Anfang an zu vollem Leben. Dabei ist Open Hearts geprägt vom unverwech-


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selbaren Look der Unmittelbarkeit, den wacklige Handkameras bewirken. «Dogma 95», das Regelwerk aus Dänemark, das Lars von Trier (Idioterne) und Thomas Vinterberg (Festen) in einem Manifest aufgeschrieben haben, hat Dänemark um die Jahrtausendwende mit überraschenden Filmen zu einem wichtigen Filmland und die dänische Sprache in hiesigen Ohren vertraut gemacht. Die Regisseurin Susanne Bier sagte, dass Dogma einen durch das Fehlen von künstlichem Licht und Ausstattung zwinge, nahe an der Realität zu bleiben. Diesen Zwang wusste sie hervorragend umzusetzen: wie die Menschen in Open Hearts auf die Zerbrechlichkeit des Glücks treffen, aber auch auf die Macht der Liebe. Mo 2. 9. / Di 3. 9.

> 20.00 Uhr

Mi 4. 9.

> 18.00 Uhr

La ciénaga Lucrecia Martel, Argentinien 2000; 102' SP/df (35 mm, Farbe) Mit Graciela Borges, Mercedes Morán, Martín Adjemián, Diego Baenas, Leonora Balcarce

Die Dramen einer argentinischen Mittelschichtsfamilie in den Sommerferien. Lucrecia Martels beeindruckendes Debüt – kurz vor der grossen Wirtschaftskrise. Eine Gesellschaft mittleren Alters betrinkt sich gnadenlos am schmutzigen Pool, bis die Matriarchin Mecha (Graciela Borges) auf den Boden fällt und die Scherben ihres Glases ihr Dekolleté verletzen. Es ist Februar im Nordwesten Argentiniens. Glühende Sonne, tropische Gewitter. Auf den Feldern bleibt das Wasser stehen und verwandelt den Boden in sumpfigen Morast – tödliche Fallen für grössere Tiere und Brutstätten für Ungeziefer jeder Art. Hier verbringt Mecha den Sommer mit ihren vier Kindern, einem lethargischen Mann und rassistisch gefärbten «Dienstbotenproblemen». Nichts, was ein paar Drinks nicht heilen könnten. Oder, wie Tali (Mercedes Morán) sagen würde: In diesem Haus ist der Alkohol der liebste Gast. Tali ist Mechas Cousine. Sie hat auch vier Kinder und einen Mann, der besser zu gebrauchen ist als der von Mecha. Die beiden Familien haben sich auf einen Landsitz zurückgezogen, dessen Glanz längst verblichen ist: Diese Gesellschaft feiert ihren eigenen Untergang, der ihnen in Form von weiteren Verletzungen auf die Körper und in die Gesichter geschrieben ist. Und wenn wegen des Katzenjammers die Nerven blank liegen, ist ein Wutausbruch nie weit entfernt. Derweil berichtet das Fernsehen über die Erscheinung der Jungfrau Maria auf einem Wassertank. Trotz dem allgemeinen Wahnsinn schafft es Lucrecia Martel in ihrem Debüt La ciénaga, dass man dieser abgefahrenen Gesellschaft gegenüber nicht gleichgültig bleibt, zumindest in den kurzen Momenten der Entspannung oder den Kindern gegenüber, die bereits von den Eltern geprägt sind – und akut gefährdet. Do 5. 9.

> 20.30 Uhr

Fr 6. 9.

> 20.15 Uhr

Sa 7. 9.

> 20.30 Uhr


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Fucking Åmål Lukas Moodysson, Schweden 1998; 90' OV/df (35 mm, Farbe) Mit Rebecka Liljeberg, Alexandra Dahlström, Erica Carlson, Mathias Rust, Stefan Hörberg, Josefine Nyberg, Ralph Carlsson

Girls’ Coming of Age inklusive eines Coming-outs. Ein emotional intensiver Film über Anpassungsdruck und Ausbruch. Jung sein kann gelegentlich schon zur Bürde werden, erst recht in einem Kaff wie dem schwedischen Åmål, in dem eigentlich nie etwas passiert. Hier lebt neuerdings Agnes (Rebecka Liljeberg), die in der Schule nicht wirklich zu den Cool Kids gehört und – so wie alle – auf die hübsche und überdramatische Elin (Alexandra Dahlström) steht. Mit ihrer Entourage macht Elin den Aussenseiterinnen das Leben schwer, bis sich ihr Gewissen regt. Und Agnes, die immer glaubte, sie habe keine Freundinnen, merkt plötzlich, dass es sich lohnt, sich selbst treu zu bleiben. Der schwedische Regisseur Lukas Moodysson hat mit Fucking Åmål einen emotionsgeladenen Teenagerfilm gedreht. Auch wenn er sich nicht den damals beliebten Dogma-95-Regeln unterstellte, wurde der Film doch auch digital, wacklig und ziemlich roh gestaltet. Manchmal sind die abgeschlossene Welt der Jugendlichen und ihre Grausamkeit kaum auszuhalten – selbst wenn es tatsächlich um Sehnsucht geht, um die Freuden und Leiden des Verliebtseins, die komischen Seiten des Heranwachsens und den Mut, den es braucht, anders als die anderen zu sein. Fr 6. 9.

> 22.15 Uhr

Sa 7. 9.

> 22.30 Uhr

So 8. 9.

> 20.30 Uhr

Marina Abramovic: The Artist Is Present Matthew Akers, USA 2012; 106' E/df (DCP, Farbe)

Während dreier Monate sass sie reglos im MoMA und blickte den Museumsgästen direkt in die Augen. Dichter Film rund um die grosse Retrospektive der Performancekünstlerin Marina Abramovic. Seit über vierzig Jahren widmet die Performancekünstlerin Marina Abramovic ihr Leben der Kunst. Vierzig Jahre, in denen sie ihre physischen und mentalen Kräfte auslotete, ihren Körper malträtierte und an seine Grenzen brachte. 2010 widmete ihr das MoMA in New York eine umfangreiche Einzelausstellung, die enorm viele Menschen anzog. In der Ausstellung, die Videos ihrer älteren Arbeiten (unter anderem mit ihrem damaligen Lebenspartner Ulay) und von ihren Studierenden nachgestellte Performances zeigte, war Abramovic selbst präsent: Drei Monate lang, während der gesamten Ausstellungsdauer, sass sie sechs Tage die Woche jeweils sieben Stunden in der Mitte des Atriums bewegungslos auf einem Stuhl. Einzeln konnten sich Besucherinnen und Besucher ihr gegenüber hinsetzen, um mit ihr in einen «geistigen Dialog» zu treten. Der Film begleitet Abramovic vor, während und nach der Ausstellung, gibt Einblicke in den Umgang mit Kuratoren und Galeristinnen, zeigt sie sowohl in Interaktion mit dem


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Fucking Åmål

La ciénaga

Marina Abramovic: The Artist Is Present

Songs from the Second Floor


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Publikum als auch hinter den Kulissen und zeichnet so ein nahes Porträt einer Künstlerin, die mit grosser Lust an der eigenen Persona arbeitend ohne Zweifel als Mutter der Performancekunst bezeichnet werden kann. Sa 7. 9. / So 8. 9.

> 16.15 Uhr

Mo 9. 9. / Di 10. 9.

> 18.00 Uhr

Songs from the Second Floor Roy Andersson, Schweden 2000; 98' OV/df (35 mm, Farbe) Mit Lars Nordh, Stefan Larsson, Lucio Vucina, Torbjörn Fahlström, Tommy Johansson, Hanna Eriksson

Ein genial surrealer Film in Graublau und Grün aus Schweden zur Jahrtausendwende. Tableau-artige Szenen enthüllen langsam den Sinn der Geschichte … In einer Stadt in Schweden ereignen sich seltsame Dinge, die sich ohne ersichtliche Logik aneinanderreihen: Ein Angestellter wird auf erniedrigende Art und Weise entlassen, ein Mann, der gebrochen Schwedisch spricht, wird auf offener Strasse verprügelt, ein Zauberkünstler verpatzt jämmerlich seine Nummer, eine ältere Dame öffnet ihren Morgenmantel. Von dieser eigenartigen Personengalerie hebt sich ein Mann ab: Kalle (Lars Nordh), das Gesicht voller Asche. Er hat seinen Möbelladen in Brand gesteckt, um von der Versicherung Geld zu kassieren. In dieser Nacht findet niemand Schlaf. Am nächsten Tag machen sich die Anzeichen eines bevorstehenden Chaos bemerkbar. Die Verwaltungsräte spielen verrückt, in der Stadt entstehen monströse Verkehrsstauungen, und Jesus wird bald zweitausend Jahre alt. Songs from the Second Floor ist in staubigen Farbtönen gehalten; der absurde Humor wirft alle sozialen Positionen über den Haufen. Und während zu Beginn des neuen Jahrtausends alles aus den Fugen gerät, wird sich Kalle nach und nach bewusst, wie absurd die Welt und wie schwierig es ist, ein lebendiger Mensch zu sein. Sa 7. 9. / So 8. 9.

> 18.30 Uhr

Mi 11. 9.

> 20.15 Uhr

Tot ziens (Au revoir) Heddy Honigmann, Niederlande 1995; 114' OV/d (35 mm, Farbe) Mit Johanna ter Steege, Guy Van Sande, Els Dottermans, Stefan van de Staak, Nelleke Zitman, Warre Borgmans

Die leidenschaftliche Liebesgeschichte von Laura und dem verheirateten Jan im Amsterdam der Neunzigerjahre. Laura (Johanna ter Steege) und Jan (Guy Van Sande) treffen sich auf der Eisbahn in Amsterdam und verbringen gleich die Nacht zusammen – ein wortloser, leidenschaftlicher Einstieg in die Geschichte, die sich zu einer Amour fou entwickeln wird, die jeglicher Vernunft widersteht. Jan ist verheiratet mit Ann (Els Dottermans) und möchte deshalb kein Verhältnis mit Laura eingehen. Auch Laura will unter diesen Umständen nicht wirklich. Doch das Herz und der Körper folgen den Gesetzen, die die Vernunft übersieht.


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Tot ziens (Au revoir)

Vaters Garten

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Verabschieden sie sich voneinander, so sind sie überzeugt, sich definitiv zu trennen. Doch immer gibt der eine oder die andere ihrem gemeinsamen Verlangen nach. Jans Ehefrau und Lauras Freundinnen können auf die beiden an Liebe Leidenden nur begrenzt Einfluss nehmen. Tot ziens konzentriert sich auf die Begegnungen, die Körper, die Leidenschaft und die Verzweiflung. Bemerkenswert ist dabei, dass der Blick von Heddy Honigmann durch ihre langjährige Erfahrung als Dokfilmerin geprägt ist: «Ich wollte über diese Zweideutigkeit, über diese fantastische und nie versiegende Energie der Liebenden einen realistischen Film machen. Sozusagen eine Nahaufnahme der Leidenschaft.» Mo 9. 9. / Di 10. 9.

> 20.00 Uhr

Mi 11. 9.

> 18.00 Uhr

Mo 30. 9. / Di 1. 10.

> 20.00 Uhr

Mi 2. 10.

> 18.00 Uhr

Vaters Garten Peter Liechti, Schweiz 2013; 93' Dialekt•D (DCP, Farbe)

Als Kasperlitheater inszeniert Peter Liechti die schwierigen Momente der Wiederbegegnung mit seinen betagten Eltern – grossartig schonungslos und persönlich. In seinem letzten abendfüllenden Film möchte Peter Liechti nach langer Funkstille seinen über achtzigjährigen Eltern näher begegnen. Der einst rebellische Sohn kommt nun wiederholt zu Besuch in die kleinbürgerliche Blockwohnung in St. Gallen. Die Beobachtung des routinierten Alltags und die regelmässigen Gespräche ermöglichen ihm, Stück für Stück in ihre Welten einzudringen – der Vater lebt vor allem für seinen minutiös gepflegten Garten, die Mutter findet Trost in der Religion. Der eigentliche Kunstgriff in Vaters Garten liegt jedoch beim zweiten Schauplatz: einem Puppentheater! Vater und Mutter treten als schön gekleidete Hasenfiguren auf, ihre Aussagen werden ins Bühnendeutsche überführt. Der Sohn opponiert als Kasper und mit gezielt eingesetzter Musik. Die Inszenierung ermöglicht den Geistern der Vergangenheit, aufzutreten. Ein präziseres Bild der Eltern entsteht, das immer wieder Einblick gewährt in eine Ära, deren Ende längst eingeläutet wurde – während die Geschichte ihrer Ehe zum zeitlosen Drama wird, in dem der Sohn halbwegs seinen Platz gefunden hat. Do 12. 9. / Fr 13. 9.

> 18.00 Uhr

Sa 14. 9.

> 18.30 Uhr

So 15. 9.

> 20.30 Uhr


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Die innere Sicherheit

Darwin’s Nightmare

A Good Wife (Dobra žena)

Tillsammans (Together)


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Die innere Sicherheit Christian Petzold, Deutschland 2000; 102' D (35 mm, Farbe) Mit Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller, Günther Maria Halmer, Bilge Bingül

Coming of Age in einer aussergewöhnlichen Situation: Jeanne lebt mit ihren Eltern im Untergrund, auf der Flucht vor der Polizei und der linksradikalen Vergangenheit. Alle Teenager lügen ein bisschen, um besser dazustehen. Für die fünfzehnjährige Jeanne (Julia Hummer) ist die Täuschung jedoch existenziell, lebt sie doch seit ihrer Geburt mit den Eltern (Barbara Auer, Richy Müller) im Untergrund. Die Kleinfamilie tarnt sich an anonymen Touristenstränden in Portugal, ist stets auf der Hut. Damals haben sie ein Tabu in der linksterroristischen Szene gebrochen und ein Kind gezeugt. Ein Mädchen, das nie die Schule besucht hat, das keine Freundinnen hatte und sich jetzt in der Pubertät ihre kleinen Freiheiten erkämpft. Gerade lernt Jeanne den jungen Surfer Heinrich (Bilge Bingül) kennen, doch ausgerechnet jetzt muss die Familie wieder fliehen, diesmal nach Deutschland. Jeanne erweitert ihre Streifzüge und stellt die Familie vor eine Zerreissprobe. Unaufgeregt und deshalb umso drängender erzählt Christian Petzold (Barbara) in Die innere Sicherheit vom psychologische Korsett, aus dem sich Jeanne zu befreien sucht. Doch auch für die Eltern zeigt er Interesse und thematisiert dadurch die Konsequenzen des eigenen Handelns und wie man gezwungen wird, ihnen ins Auge zu sehen. Fr 13. 9.

> 20.00 Uhr

Sa 14. 9.

> 20.30 Uhr

So 15. 9.

> 18.30 Uhr

Tillsammans (Together) Lukas Moodysson, Schweden 2000; 105' OV/df (35 mm, Farbe) Mit Lisa Lindgren, Michael Nyqvist, Gustaf Hammarsten, Anja Lundqvist, Jessica Liedberg, Ola Norell, Shanti Roney

Eine Hippie-Kommune der Siebziger in Stockholm kommt durcheinander, als die «normale» Schwester eines Bewohners notgedrungen mit ihren Kindern einzieht. Schweden in den Siebzigern. Es gibt einen unbändigen Glauben daran, dass man die Welt verändern muss – oder zumindest müsste. In der WG namens Tillsammans züchten die überzeugten Hippies Gemüse, sie tanzen aus Freude über den Tod General Francos mit den Kindern Ringelreihen. Wichtigste Accessoires sind ein handbemalter VW-Bus, Räucherstäbchen und Strickpullover; Mao, Baader und Meinhof statt Fernsehen oder Fleisch essen. Dafür wird viel diskutiert, freie Liebe gemacht, und übers Freie-LiebeMachen diskutiert. Anders Elisabeth: Sie ist eine ziemlich normale Hausfrau aus den Vororten, und nach der x-ten Ehekrise hat sie genug. Sie nimmt ihre Kinder und zieht bei ihrem Bruder Göran in seiner WG ein. Der schön ausdefinierte Kommunen-Kosmos gerät gehörig ins Wanken, der Zusammenprall dieser zwei unterschiedlichen Welten löst etwas aus, das das Leben aller Beteiligten verändern wird. Fr 13. 9.

> 22.00 Uhr

Sa 14. 9.

> 22.30 Uhr


18

Look Now!

Darwin’s Nightmare Hubert Sauper, Frankreich/Österreich/Belgien 2004; 107' OV/df (35 mm, Farbe)

Brutal wahrer und erzählerisch spannender Dokfilm über die Konsequenzen der Globalisierung. Ostafrika ist bekannt für weite Landschaften, für wilde Tiere und schneebedeckte Vulkane im Hintergrund. Aber hier, an den Ufern des grössten tropischen Sees der Welt, ist die Arena für einen Albtraum der Globalisierung. Irgendwann in den Sechzigerjahren wurde eine fremde Fischart in den Viktoriasee in Ostafrika ausgesetzt – es war ein «kleines wissenschaftliches Experiment». Dieser Nilbarsch, ein hungriges Raubtier, hat innerhalb von drei Jahrzehnten fast den gesamten Bestand der ehemals 400 Fischarten ausgerottet. Unternommen wurde dagegen jedoch nichts, denn bis heute sind die weissen Filets dieses riesigen Fisches ein weltweiter Exportschlager. Mitten im Geschehen, in höchst direkten Begegnungen mit einheimischen Fischern, Agenten der Weltbank, Strassenkindern, afrikanischen Ministern, EU -Kommissaren, tansanischen Prostituierten und russischen Piloten trifft der Filmemacher Hubert Sauper auf die Akteure in einem Drama, das weit über die Grenzen des Landes hinausweist. Denn die landenden Flugzeuge haben eine ganz andere Ladung an Bord: Waffen. Für die unzählbaren Kriege auf dem Kontinent. Darwin’s Nightmare erteilt uns eine heftige Lektion. Sa 14. 9. / So 15. 9. / Sa 21. 9.

> 16.15 Uhr

A Good Wife (Dobra žena) Mirjana Karanović, Serbien/Bosnien-Herzegowina/Kroatien 2016; 94' OV/df (DCP, Farbe) Mit Mirjana Karanović, Boris Isaković, Bojan Navojec, Jasna Đuričić, Ksenija Marinković

Stilles, eindringliches Drama um eine perfekte Hausfrau in einem schönen Vorort von Belgrad, wo die jüngere Geschichte ihren Mann einholt. Milena (Mirjana Karanović), eine Frau mittleren Alters, ist vor allem eines: Ehefrau und Mutter. Sie hat sich ihr Leben gut eingerichtet. Im Stillen macht sie sich zurecht. Pflichtbewusst bekocht und unterhält sie die Familie mit den fast erwachsenen Kindern. Regelmässig geht sie zur Chorprobe. Sie schläft mit ihrem Mann. Hin und wieder gehen sie aus und verbringen beschwingte Abende mit befreundeten Paaren. Doch ihr geordnetes Leben droht aus den Fugen zu geraten, als Milena beim Putzen auf ein Video stösst, das ihren Mann schwer belastet: A Good Wife erzählt von den Auswirkungen seiner Kriegsverbrechen und davon, wie diese Entdeckung Milenas Leben für immer verändert. Mirjana Karanović ist in der Schweiz bekannt geworden durch ihre Hauptrolle in Das Fräulein von Andrea Štaka. Auch in A Good Wife spielt sie die Hauptrolle, und gleichzeitig ist der Film ihr Debüt als Regisseurin. Äusserst fein zeigt sie die zuerst unscheinbaren, doch unaufhaltbaren Veränderungen einer wunderbaren Hausfrau zu einer eigenständigen Person. Mo 16. 9. / Di 17. 9.

> 18.00 Uhr

Mi 18. 9.

> 20.15 Uhr


SEPTEMBER 2019

19

DO 29. 8.

DO 5. 9.

18.00 L A Tickle in the Heart

S. 4

18.30 Z Neuer Zürcher Filmpreis – Innovation oder Kommerzveranstaltung?

S. 34

20.00 L Buffalo ’66

S. 5

20.30 L La ciénaga

S. 10

S. Schwietert, CH/D 1996; 83' E/df

V. Gallo, USA 1998; 110' E/df

L. Martel, AR 2000; 102' SP/df

FR 30. 8.

FR 6. 9.

18.00 L A Tickle in the Heart

S. 4

20.00 L Buffalo ’66

S. 5

22.15 L Love Is the Devil

S. 5

S. Schwietert, CH/D 1996; 83' E/df

V. Gallo, USA 1998; 110' E/df

J. Maybury, GB 1998; 90' E/df

18.30 B Look Now and Forever

S. 31

20.15 L La ciénaga

S. 10

22.15 L Fucking Åmål

S. 11

> Mit Bea Cuttat

L. Martel, AR 2000; 102' SP/df

L. Moodysson, SE 1998; 90' OV/df

SA 31. 8.

SA 7. 9.

16.30 L Gerhard Meier – Das Wolkenschattenboot

S. 7

18.30 L A Tickle in the Heart

S. 4

20.30 L Buffalo ’66

S. 5

R. Andersson, SE 2000; 98' OV/df

22.45 L Love Is the Devil

S. 5

L. Martel, AR 2000; 102' SP/df

F. Kappeler, CH 2007; 80' Dialekt

S. Schwietert, CH/D 1996; 83' E/df

V. Gallo, USA 1998; 110' E/df

J. Maybury, GB 1998; 90' E/df

16.15 L Marina Abramovic: The Artist Is Present

S. 11

18.30 L Songs from the Second Floor

S. 13

20.30 L La ciénaga

S. 10

22.30 L Fucking Åmål

S. 11

M. Akers, USA 2012; 106' E/df

L. Moodysson, SE 1998; 90' OV/df

SO 1. 9. 12.00 D Reisen ins Landesinnere

S. 32

14.15  Das letzte Einhorn

S. 36

M. von Gunten, CH 1988; 94' Dialekt•D J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D

SO 8. 9. 12.00 D Reisen ins Landesinnere

S. 32

14.15  Das letzte Einhorn

S. 36

16.15 L Marina Abramovic: The Artist Is Present

S. 11

18.30 L Songs from the Second Floor

S. 13

20.30 L Fucking Åmål

S. 11

M. von Gunten, CH 1988; 94' Dialekt•D

16.30 L Gerhard Meier – Das Wolkenschattenboot

S. 7

J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D

18.30 L Buffalo ’66

S. 5

20.45 L A Tickle in the Heart

S. 4

R. Andersson, SE 2000; 98' OV/df

F. Kappeler, CH 2007; 80' Dialekt

V. Gallo, USA 1998; 110' E/df

S. Schwietert, CH/D 1996; 83' E/df

L. Moodysson, SE 1998; 90' OV/df

MO 2. 9. 18.00 L Die Siebtelbauern

S. 9

20.00 L Open Hearts

S. 9

S. Ruzowitzky, A 1998; 90' D/f

S. Bier, DK 2002; 113' OV/df

MO 9. 9. 18.00 L Marina Abramovic: The Artist Is Present

S. 11

20.00 L Tot ziens (Au revoir)

S. 13

M. Akers, USA 2012; 106' E/df

H. Honigmann, NL 1995; 114' OV/d

DI 3. 9. 18.00 L Die Siebtelbauern

S. 9

20.00 L Open Hearts

S. 9

M. Akers, USA 2012; 106' E/df

S. Ruzowitzky, A 1998; 90' D/f

S. Bier, DK 2002; 113' OV/df

DI 10. 9. 18.00 L Marina Abramovic: The Artist Is Present

S. 11

20.00 L Tot ziens (Au revoir)

S. 13

M. Akers, USA 2012; 106' E/df

H. Honigmann, NL 1995; 114' OV/d

MI 4. 9.

MI 11. 9.

14.30  Das letzte Einhorn

S. 36

18.00 L Open Hearts

S. 9

J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D

20.15 L Die Siebtelbauern

S. 9

H. Honigmann, NL 1995; 114' OV/d

J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D S. Bier, DK 2002; 113' OV/df

S. Ruzowitzky, A 1998; 90' D/f

14.30  Das letzte Einhorn 18.00 L Tot ziens (Au revoir)

S. 36

20.15 L Songs from the Second Floor R. Andersson, SE 2000; 98' OV/df

S. 13 S. 13


DO 12. 9. 18.00 L Vaters Garten

DO 19. 9.

S. 15

P. Liechti, CH 2013; 93' Dialekt•D S. 35

> Mit Anton Gunzinger, Thomas Schärer; Moderation: Verena Rothenbühler

S. 15

20.00 L Die innere Sicherheit

S. 17

22.00 L Tillsammans (Together)

S. 17

C. Petzold, D 2000; 102' D

L. Moodysson, SE 2000; 105' OV/df

S. 18

H. Sauper, F/A/BE 2004; 107' OV/df

S. 15

P. Liechti, CH 2013; 93' Dialekt•D

20.30 L Die innere Sicherheit

S. 17

22.30 L Tillsammans (Together)

S. 17

C. Petzold, D 2000; 102' D

L. Moodysson, SE 2000; 105' OV/df

12.00 D Reisen ins Landesinnere

S. 32

14.15  Das letzte Einhorn

S. 36

M. von Gunten, CH 1988; 94' Dialekt•D J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D

16.15 L Darwin’s Nightmare

S. 18

18.30 L Die innere Sicherheit

S. 17

H. Sauper, F/A/BE 2004; 107' OV/df C. Petzold, D 2000; 102' D

S. 15

P. Liechti, CH 2013; 93' Dialekt•D

20.00 L Tabu S. 23 M. Gomes, P/D 2012; 118' OV/d

20.00 L Tabu S. 23 M. Gomes, P/D 2012; 118' OV/d

S. 24

16.15 L Darwin’s Nightmare

S. 18

18.30 L Shotgun Stories

S. 23

H. Sauper, F/A/BE 2004; 107' OV/df J. Nichols, USA 2007; 92' E/d

20.30 P Death in Sarajevo

S. 30

22.15 L Turist

S. 24

D. Tanović, F/BA 2016; 85' OV/d R. Östlund, SE/NO/DK/F 2014; 118' OV/df

12.00 D Reisen ins Landesinnere

S. 32

14.15  Das letzte Einhorn

S. 36

16.30 L Malcolm X

S. 33

M. von Gunten, CH 1988; 94' Dialekt•D J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D S. Lee, USA 1992; 202' E/df

20.30 P Death in Sarajevo

S. 30

S. 30

D. Tanović, F/BA 2016; 85' OV/d

MO 23. 9. 18.00 P Death in Sarajevo

S. 25

C. Shortland, AU 2004; 106' E/df

DI 24. 9. 18.00 P Death in Sarajevo

S. 30 S. 25

C. Shortland, AU 2004; 106' E/df

MI 25. 9. 14.30  Das letzte Einhorn

S. 36

J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D

18.00 P Death in Sarajevo

MI 18. 9. S. 36

J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D

18.00 L Tabu S. 23 M. Gomes, P/D 2012; 118' OV/d

M. Karanović, RS/BA/HR 2016; 94' OV/df

R. Östlund, SE/NO/DK/F 2014; 118' OV/df

20.00 L Somersault S. 18

M. Karanović, RS/BA/HR 2016; 94' OV/df

20.15 L A Good Wife (Dobra žena)

21.45 L Turist

D. Tanović, F/BA 2016; 85' OV/d

DI 17. 9.

14.30  Das letzte Einhorn

S. 30

20.00 L Somersault S. 18

M. Karanović, RS/BA/HR 2016; 94' OV/df

18.00 L A Good Wife (Dobra žena)

D. Tanović, F/BA 2016; 85' OV/d

D. Tanović, F/BA 2016; 85' OV/d

MO 16. 9. 18.00 L A Good Wife (Dobra žena)

20.00 P Death in Sarajevo

SO 22. 9.

SO 15. 9.

S. 23

J. Nichols, USA 2007; 92' E/d

SA 21. 9.

SA 14. 9. 16.15 L Darwin’s Nightmare

S. 30

D. Tanović, F/BA 2016; 85' OV/d

18.00 L Shotgun Stories

P. Liechti, CH 2013; 93' Dialekt•D

20.30 L Vaters Garten

20.00 P Death in Sarajevo

FR 20. 9.

FR 13. 9.

18.30 L Vaters Garten

S. 23

J. Nichols, USA 2007; 92' E/d

20.00 E ERLEBTE SCHWEIZ Zündstoff Energie

18.00 L Vaters Garten

18.00 L Shotgun Stories

S. 18

S. 30

D. Tanović, F/BA 2016; 85' OV/d

20.00 L Somersault C. Shortland, AU 2004; 106' E/df

S. 25


DO 26. 9. 18.00 L God’s Own Country

S. 25

20.00 L Winter’s Bone

S. 26

F. Lee, GB 2017; 104' E/df

D. Granik, USA 2010; 100' E/df

FR 27. 9. 18.00 L God’s Own Country

S. 25

20.00 L Winter’s Bone

S. 27

22.00 L Life According to Agfa

S. 27

F. Lee, GB 2017; 104' E/df

D. Granik, USA 2010; 100' E/df A. Dayan, IL 1992; 100' OV/df

SA 28. 9. 16.30 L Sreda (Mittwoch)

S. 28

18.30 L God’s Own Country

S. 25

20.30 L Winter’s Bone

S. 27

22.30 L Life According to Agfa

S. 27

V. Kossakowski, RU 1997; 90' OV/d F. Lee, GB 2017; 104' E/df

D. Granik, USA 2010; 100' E/df A. Dayan, IL 1992; 100' OV/df

SO 29. 9. 12.00 D Reisen ins Landesinnere

S. 32

14.15  Das letzte Einhorn

S. 36

16.30 L Sreda (Mittwoch)

S. 28

18.30 L Winter’s Bone

S. 27

20.30 L God’s Own Country

S. 25

M. von Gunten, CH 1988; 94' Dialekt•D J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D V. Kossakowski, RU 1997; 90' OV/d D. Granik, USA 2010; 100' E/df F. Lee, GB 2017; 104' E/df

MO 30. 9. 18.00 L Step Across the Border

S. 29

N. Humbert / W. Penzel, CH/D 1989; 87' E/d

20.00 L Tot ziens (Au revoir)

S. 13

H. Honigmann, NL 1995; 114' OV/d

DI 1. 10. 18.00 L Step Across the Border

S. 29

N. Humbert / W. Penzel, CH/D 1989; 87' E/d

20.00 L Tot ziens (Au revoir)

S. 13

H. Honigmann, NL 1995; 114' OV/d

MI 2. 10. 14.30  Das letzte Einhorn

S. 36

J. Bass / A. Rankin Jr., USA/GB/J/D 1982; 92' D

18.00 L Tot ziens (Au revoir)

S. 13

H. Honigmann, NL 1995; 114' OV/d

20.15 L Step Across the Border

S. 29

N. Humbert / W. Penzel, CH/D 1989; 87' E/d

L LOOK NOW! P PREMIERE B ZU GAST: BEA CUTTAT E ERLEBTE SCHWEIZ

L RICHTIG LANG Z ZÜRCHER FILMTALK  DOKFILM AM SONNTAG  KINDERKINO

VERANSTALTUNG MIT GÄSTEN


22

Look Now!

Tabu

Shotgun Stories

Turist


Look Now!

23

Tabu Miguel Gomes, Portugal/Deutschland 2012; 118' OV/d (DCP, s/w) Mit Teresa Madruga, Laura Soveral, Ana Moreira, Carloto Cotta, Henrique Espírito Santo, Isabel Cardoso, Ivo Müller, Manuel Mesquita

Ein Film über die Sehnsucht nach dem Verlorenen. Nach der Liebe, nach einer leidenschaftlichen Jugend im Afrika der Kolonialzeit. Melodramatisches Kino, das Portugals Nostalgie zuerst im Heute, dann als Abenteuerfilm erzählt. Die alleinstehende Pilar (Teresa Madruga) hätte so gern eine junge Polin bei sich aufgenommen. Um zu helfen, aber wohl auch, um die festgefahrene Beziehung zu ihrer eleganten Nachbarin Aurora (Laura Soveral) aufzulockern, die im Casino ihr Geld verspielt und mit ihrer kapverdischen Haushälterin Santa (Isabel Cardoso) ein Leben aus einer vergangenen Zeit führt. Aurora driftet vermehrt in die Vergangenheit und spricht plötzlich von Afrika, Krokodilen und ihrem Liebhaber Gian Luca Ventura. Als Pilar diesen aufsucht, um ihn an Auroras Sterbebett zu bringen, ist es bereits zu spät – Aurora ist tot. Also ist Ventura an der Reihe, die Geschichte seiner Liebe zu Aurora zu erzählen. Damals, als Aurora eine Straussenfarm am Fuss des Berges Tabu besass und sich in eine dramatische Situation manövrierte. Tabu zitiert nicht ohne Grund den Titel von Murnaus Film aus den Dreissigerjahren. Lustvoll interpretiert und arrangiert der umtriebige Regisseur Miguel Gomes (1001 noites) historische Motive und lässt den Film mehrfach als altmodischen Stummfilm erscheinen, jedoch ausgefeilt mit Tönen und Voice-over versehen. Träume spielen eine grosse Rolle: individuelle, aber auch die kollektiven von einer verblichenen Vergangenheit und einer erfüllteren Gegenwart. Mo 16. 9. / Di 17. 9.

> 20.00 Uhr

Mi 18. 9.

> 18.00 Uhr

Shotgun Stories Jeff Nichols, USA 2007; 92' E/df (35 mm, Farbe) Mit Michael Shannon, Douglas Ligon, Barlow Jacobs, Glenda Pannell, David Rhodes

Lakonisch erzählte Rachegeschichte zwischen Brüdern im verarmten amerikanischen Rustbelt. Ein moderner Western. Ein Vater verlässt seine Familie. Seinen Söhnen hat er nie richtige Namen gegeben, sie heissen Son (Michael Shannon), Boy (Douglas Ligon), Kid (Barlow Jacobs). Die erwachsen gewordenen Brüder bleiben am liebsten unter sich. Selbst ihre Freundinnen können kaum in diese Männergesellschaft eindringen, in der Entscheidungen mit einem Kopfnicken gefällt werden. Der Vater wurde zum Christen, heiratete wieder und zeugte vier weitere Söhne, denen er richtige Namen gegeben hat. Während es die neue Familie zu einigem Wohlstand bringt, lernen die Zurückgelassenen zu hassen und leben in Fehde mit ihren vier Halbbrüdern, aufgestachelt von der Mutter, die sich nie von der Trennung erholt hat.


24

Look Now!

Doch selbst wenn Shotgun Stories von Mord und Vergeltung erzählt, bleiben die Bilder still und zurückhaltend. Kein blutiges Rot durchbricht das Türkis, Graublau und Grün des Wassers, der Wiesen und Felder. Das Debüt von Jeff Nichols (Take Shelter, Loving) verschwendet keine Worte, umso stärker wirkt Michael Shannons Mimik. Der Film ist ein zeitgenössischer Western oder auch ein gelungener Countrysong, wie die Filmkritik der «Libération» schrieb: «Repetitiv, aber nie langweilig, gespannt wie die Saiten einer Gitarre, melancholisch nach Belieben, voll von ergreifendem Kummer.» Do 19. 9. / Fr 20. 9.

> 18.00 Uhr

Sa 21. 9.

> 18.30 Uhr

Death in Sarajevo Danis Tanović, Frankreich/Bosnien 2016; 85' OV/d (DCP, Farbe)

PREMIERE : der letzte unveröffentlichte Film von Look Now! Siehe Seite 30, «Premiere».

Turist Ruben Östlund, Schweden/Norwegen/Dänemark/Frankreich 2014; 118' OV/df (DCP, Farbe) Mit Johannes Bah Kuhnke, Lisa Loven Kongsli, Clara Wettergren, Vincent Wettergren, Kristofer Hivju, Fanni Metelius, Karin Myrenberg

Ein Vater fällt in eine Krise, nachdem seine Instinkte es versäumt haben, seine Familie vor einer Lawine zu schützen. Bitterböse Tour de Force des Regisseurs von The Square. Eine schwedische Mittelstandsfamilie verbringt ihren Skiurlaub chic in den französischen Alpen. Die Sonne scheint, die Pisten sind fantastisch, der Blick spektakulär. Doch als während einer Mittagspause eine Lawine abgeht, verwandelt sich das faszinierende Naturschauspiel innert Sekunden in eine scheinbar lebensgefährliche Situation. Während die Mutter instinktiv versucht, die Kinder zu beschützen, reagiert der Vater ebenso instinktiv: Er ergreift panikerfüllt sein Handy – und die Flucht. Nach der verpassten Heldentat ist nichts mehr wie vorher: Die Familie wird in ihrem Kern erschüttert. Für die Ehefrau Ebba (Lisa Loven Kongsli) ist besonders schlimm, dass ihr Mann Tomas (Johannes Bah Kuhnke) sein Verschwinden wiederholt leugnet. Tomas muss sein eigenes Rollenbild infrage stellen. Dabei gibt der geschiedene Mats, der mit seiner jungen Freundin zu Besuch kommt, keine glänzende Alternative ab. Brillant und bitterböse, mit wiederholt schauderhaft unangenehmen Dialogen, gelingt Ruben Östlund eine starke Darstellung dessen, was passiert, wenn ein gesellschaftlicher Gewinner aus seiner Komfortzone geschleudert wird. Fr 20. 9.

> 21.45 Uhr

Sa 21. 9.

> 22.15 Uhr


Look Now!

25

Somersault Cate Shortland, Australien 2004; 106' E/df (35 mm, Farbe) Mit Abbie Cornish, Sam Worthington, Lynette Curran, Erik Thomson, Hollie Andrew

Zauberhaft schön und heftig zugleich: Die junge, driftende Heidi sucht in einem australischen Wintersportort nach Geborgenheit, doch weht ihr ein rauer Wind entgegen. Heidi (Abbie Cornish) muss nach einem Misstritt und einem heftigen Streit mit ihrer Mutter von zu Hause verschwinden. Sie schlüpft in einem Wintersportort in den Snowy Mountains südwestlich von Canberra unter. Sich dort zu verstecken, ist ihr Befreiungsschlag, und sie geniesst ihre Freiheit ausgiebig und freizügig in den Bars der Kleinstadt. Auf ihren Streifzügen begegnet sie Joe (Sam Worthington), dem Sohn eines Farmers aus der Gegend. Anfangs unbeeindruckt von dem wesentlich jüngeren Mädchen, fühlt er sich immer stärker zu ihr hingezogen. Aber sich wirklich in sie zu verlieben, verbietet er sich selbst. Verletzt durch Joes zurückweisendes Verhalten, sucht Heidi Trost bei Drinks und anderen Männern. Die Regisseurin Cate Shortland bedient sich einer träumerischen Bildsprache, die meistens ganz nah an Heidi und ihrer Perspektive ist. Ein Mädchen, das alles berühren will, mit den Fingern und Augen. Genauso berührend, detailliert und erotisch sind die Liebesszenen – im Gegensatz zu den unterkühlten Sexszenen. Somersault erzählt viel über das Bild und mit Blicken. Auch denjenigen von Joe, die seine Verletzlichkeit preisgeben, wie wenn er sagt, dass Heidi eine Parfümwolke sei, durch die man durchgehe, um sie nachher noch auf der Haut zu spüren … Mo 23. 9. – Mi 25. 9.

> 20.00 Uhr

God’s Own Country Francis Lee, Grossbritannien 2017; 104' E/df (DCP, Farbe) Mit Josh O’Connor, Alec Secăreanu, Ian Hart, Gemma Jones

In der harten Welt von Kleinbauern im nasskalten England entwickelt sich zögerlich eine liebevolle Beziehung zwischen zwei Männern, die den härtesten Kerl zu bewegen vermag. Johnny Saxby (Josh O’Connor) versucht verzweifelt, sich sein Leben auf der Farm seiner Familie in Yorkshire schönzutrinken. Doch sowohl der Alkohol als auch der zwanglose Sex mit fremden Männern können seinen Frust nicht dämmen. Johnnys Vater (Ian Hart) hatte einen Schlaganfall, und nun muss sich Johnny mit seiner Grossmutter (Gemma Jones) mehrheitlich allein um die Bewirtschaftung der Farm kümmern. Eines Frühlings beginnt der rumänische Gastarbeiter Gheorghe (Alec Secăreanu) auf der Farm zu arbeiten. Nach anfänglicher Abneigung entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen den beiden Männern, die alles auf den Kopf stellt, was Johnny von sich zu wissen glaubte. Vielmehr als eine romantische Liebesgeschichte zwischen zwei Männern (die isoliert und mit vielen Nutztieren ein bisschen an Brokeback Mountain erinnert) erzählt Francis


26

Look Now!

Somersault

God’s Own Country

Winter’s Bone

Life According to Agfa

Sreda (Mittwoch)

Step Across the Border


Look Now!

27

Lee in God’s Own Country unzimperlich, nah am Alltag der Bauern und dadurch umso eindringlicher, wie die Berührung des Innersten einen Menschen verändern kann. Do 26. 9. / Fr 27. 9.

> 18.00 Uhr

Sa 28. 9.

> 18.30 Uhr

So 29. 9.

> 20.30 Uhr

Winter’s Bone Debra Granik, USA 2010; 100' E/df (DCP, Farbe) Mit Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan, Dale Dickey, Sheryl Lee

Jennifer Lawrence in ihrer Durchbruchsrolle im grandiosen Independent-Thriller und Porträt einer abgehängten weissen Community in den amerikanischen Bergen. Tief in den Wäldern der Ozark-Bergen im US -Staat Missouri macht sich die junge Ree (Jennifer Lawrence) auf den Weg, ihren verschwundenen Vater zu finden. Viel Zeit bleibt ihr nicht. Ohne ihren Vater, der das Haus als Kaution hinterlegt hat, droht die Familie alles zu verlieren. Dass er in kriminelle Machenschaften verwickelt war, weiss jeder. Aber keiner will ihn gesehen haben. Ree macht die Runde in der von harten Drogen und Gewalt gezeichneten Gemeinschaft, in der alle entfernt miteinander verwandt sind. Wenn einer lieb zu ihr sein will, bietet er ihr eine Linie an. Und dennoch trifft Ree bei ihren Nachforschungen auf eine Mauer des Schweigens. Unbeirrbar kämpft sie sich durch ein schier unüberwindliches Gestrüpp aus Lügen, Ausflüchten und Bedrohungen. Und je näher die resolute junge Frau der Spur ihres Vaters kommt, desto gefährlicher wird ihre Suche. Mit ihrem herausragenden Schauspielensemble – mit zerfurchten Gesichtern, Baumfällerhemden und T-Shirts mit Airbrush-Ponys drauf – gelingt der Regisseurin Debra Granik ein dichter und spannender Indie-Thriller. Gefilmt in den kalten Bergwäldern entwickelt Winter’s Bone mit atmosphärischen Bildern und den von Frauen gesungenen Countrysongs einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Do 26. 9. / Fr 27. 9.

> 20.00 Uhr

Sa 28. 9.

> 20.30 Uhr

So 29. 9.

> 18.30 Uhr

Life According to Agfa Assi Dayan, Israel 1992; 100' OV/df (35 mm, s/w) Mit Gila Almagor, Irit Frank, Shuli Rand, Avital Dicker, Barak Negbi

Eine Nacht in einer Bar von Tel Aviv, wo alle Konflikte im Kleinen ausgetragen werden. Kultfilm in Schwarz-Weiss. Eine Bar irgendwo in Tel Aviv: Zufluchtsort und Kriegsschauplatz zugleich. Hier prallen aufgeheizte Soldaten auf liberal gesinnte Bohemiens, arabische Israelis und radikale Zionisten aufeinander. Hier begegnen sich Aufreisser und Lebensmüde, Junkies und Polizisten und mit ihnen alle Arten von Widersprüchen, die das Leben bereithält: Aggressi-


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Look Now!

vität und Zärtlichkeit, Lebenshunger und Verzweiflung, offener Hass und liebevoller Humor. Liora (Irit Frank) macht in dieser Nacht Fotos von ihren Gästen. Auf Agfa, schwarzweiss. Die Wirtin Daliah (Gila Almagor) ist Mutter, Zuhörerin und Freundin für alle, die hereinkommen, für die Siegessicheren wie für die Verzweifelten, die Nachdenklichen wie die Hasser-füllten. Je näher der Morgen rückt, desto unberechenbarer werden die Gäste. Wie üblich will Daliah den letzten trinkfesten Gast mit ins Bett nehmen und dabei an ihren geliebten Eli denken. Doch der allgemeine Wahnsinn setzt dem Ganzen ein drastisches Ende. Mit Life According to Agfa hat der israelische Regisseur Assi Dayan ein dramatisches und damals hochaktuelles Bild seines Landes entworfen und einen modernen Klassiker geschaffen. Fr 27. 9.

> 22.00 Uhr

Sa 28. 9.

> 22.30 Uhr

Sreda (Mittwoch) Viktor Kossakowski, Russland 1997; 90' OV/d (35 mm, Farbe)

Begegnung mit den Menschen in St. Petersburg, die am selben Tag wie der DokfilmRegisseur Kossakowski geboren sind. Ein lustvoller Blick tief in die russische Gesellschaft. Mittwoch, der 19. Juli 1961. Es ist Sommer in Leningrad. Die Welt ist warm eingebettet im Kalten Krieg. Es ist ein gewöhnlicher Tag. An diesem Mittwoch werden in Leningrad 51 Mädchen und 50 Jungen geboren. Einer davon ist Viktor Kossakowski (Tishe!, ¡Vivan las antípodas!). Mehr als dreissig Jahre später – die Stadt heisst jetzt wieder St. Petersburg, – beginnt Kossakowski, alle diese Menschen zu suchen, die am selben Tag wie er selbst das Licht der Welt erblickten. Einige leben nicht mehr, andere sind weggezogen oder ausgewandert. Aber mehr als die Hälfte lebt noch in St. Petersburg, und Kossakowski hat sie mit der Kamera besucht. Da gibt es solche mit vielen Kindern und solche, die einsam leben; solche, die arm, und solche, die erfolgreich sind. Dicke und Dünne. Patientinnen und Ärzte. Solche, die gern etwas erzählen, und solche, die nicht gefilmt werden wollen. Künstler und Knastbrüder, Links- und Rechtsgerichtete, Gläubige und Gottlose. Sie haben nur eines gemeinsam: Sie sind exakt gleich alt. Kossakowski kombiniert Bild und Musik künstlerisch frei, verbindet die Menschen zu einer fliessenden Geschichte. Nie zuvor hat man so deutlich sehen können, wie das Leben den Menschen mitspielt, wie die Zeit mit den Hoffnungen umgeht. Sa 28. 9. / So 29. 9.

> 16.30 Uhr


Look Now!

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Step Across the Border Nicolas Humbert / Werner Penzel, Schweiz/Deutschland 1989; 87' E/d (35 mm, s/w)

Kultfilm der improvisierten Musik: lustvolle musikalische Begegnung mit Fred Frith rund um die Welt. Musizieren als spontaner und unaufhörlicher Stoffwechsel mit der Welt: Der britische Gitarrist Fred Frith macht das einfach so, als wärs nicht nur die leichteste, sondern auch die selbstverständlichste Sache der Welt. Nicolas Humbert und Werner Penzel haben sich Frith zwei Jahre an die Fersen geheftet, haben sich anstecken lassen. In ihrer Zelluloid-Improvisation antworten sie auf seine Musik mit Montagesequenzen, in denen sie sich dieselbe Freiheit nehmen, die Welt zum Tanzen zu bringen. Konzertaufnahmen oder das gemeinsame Spiel im Proberaum finden genauso Platz wie das Gekreisch von Möwen, der spontane Gesang einer Frau oder das Rattern der New Yorker Subway. Die ausserordentlich symbiotische Beziehung zwischen Musik und Bild macht Step Across the Border zum Film, der selber Musik macht. Und natürlich ist da noch die legendäre Schmetterlingsflügeltheorie von Jonas Mekas, die kurz gesagt besagt, dass alles alles beeinflusst. Ein inspirierender und erfrischender Film. Mo 30. 9. / Di 1. 10.

> 18.00 Uhr

Mi 2. 10.

> 20.15 Uhr


PREMIERE

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Death in Sarajevo Danis Tanović, Frankreich/Bosnien-Herzegowina 2016; 85' OV/d (DCP, Farbe) Mit Jacques Weber, Izudin Bajrović, Snežana Vidovic, Faketa Salihbegović, Vedrana Seksan

PREMIERE : Ein schicksalhafter Tag im Hotel Europa in Sarajevo. Intelligenter Thriller und Preisträger des Silbernen Bären. Der letzte unveröffentlichte Film von Look Now! als exklusive Premiere. Sarajevo, 28 . Juni 2014. Im Hotel Europa, dem besten Haus am Platz, bereitet sich Direktor Omer (Izudin Bajrović) auf den Empfang diplomatischer Ehrengäste vor. Am hundertsten  Jahrestag jenes Attentats, das als Auslöser für den Ersten Weltkrieg gilt, soll von

hier aus ein Appell für Frieden und Verständigung gestartet werden. Doch die Hotelangestellten haben andere Sorgen: Seit Monaten ohne Lohn, planen sie einen Streik. Hatidza (Faketa Salihbegović) aus der hauseigenen Wäscherei wird zur Streikbeauftragten gewählt, obwohl ihre Tochter Lamija (Snežana Vidović), die am Empfang arbeitet, strikt dagegen ist. Währenddessen probt ein aus Frankreich angereister Gast (Jacques Weber) in der abgeschotteten Präsidentensuite eine Rede. Und oben auf dem Dach sitzt die vierte Gewalt: Eine Fernsehreporterin führt Interviews zum Krieg und seinen Folgen und findet sich in einer schrecklich absurden Situation wieder. Und so wird das Hotel Europa, das von den Kellergängen bis zur sonnigen Dachterrasse von Regisseur Danis Tanović (No Man’s Land, An Episode in the Life of an Iron Picker) bespielt wird, zur Bühne von Hoffnung, Gewalt und Tod. Do 19. 9. / Fr 20. 9.

> 20.00 Uhr

Sa 21. 9. / So 22. 9.

> 20.30 Uhr

Mo 23. 9. – Mi 25. 9.

> 18.00 Uhr


ZU GAST: BEA CUTTAT

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Look Now and Forever Der Zürcher Verleih Look Now! hat über dreissig Jahre lang Filme in die Schweizer Kinos gebracht. Es ist kein Zufall, dass manch einer dieser Filme zum Liebling von ArthouseFans geworden ist: Mit dem Herzblut einer Sammlerin hat Bea Cuttat, Gründerin und Kopf des Verleihs, ihren 260 Filme umfassenden Katalog stets liebevoll gepflegt und laufend ergänzt. Anlässlich des Monatsprogramms zu Look Now! ist Bea Cuttat im Kino Xenix zu Gast, um über ihre Arbeit zu sprechen und darüber, was es braucht, um Filme zu entdecken, zu erwerben und herauszubringen. Dazu wird sie, begleitet von Trailern und einem Kurzfilm, sicherlich auch einige wundersame Geschichten zu erzählen haben. Fr 6. 9. > 18.30 Uhr • Gespräch mit Bea Cuttat; Moderation: Jenny Billeter


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DOKFILM AM SONNTAG

Reisen ins Landesinnere Matthias von Gunten, Schweiz 1988; 94' Dialekt•D (DCP, Farbe)

Erkundungen in der Schweiz vor über dreissig Jahren. Die alte Jungfer, der Aussteiger, der Flugzeugbeobachter, der Kulturschützer, die Nachrichtenredaktorin und der Mann im Swissminiatur – eingefangen von Matthias von Gunten und Pio Corradi (Kamera). Auf seiner Expedition zum Kern unseres Landes ist der Regisseur Matthias von Gunten (Max Frisch, citoyen; Thule Tuvalu) sechs Personen begegnet, deren Leben und Alltag, deren kleine und grosse Schicksale ihn fasziniert haben. Auf den ersten Blick haben sie nichts miteinander zu tun, als dass sie hier und heute in der Schweiz leben: sechs sehr verschiedene Menschen, ihre Versuche, den Alltag zu meistern, und ihre individuellen Fluchten vor der Realität. Im Verlauf eines Jahres, in dem von Gunten sie immer wieder besucht hat, passiert im Leben dieser Menschen viel, zum Teil auch Entscheidendes. Von Gunten kommt auf diesen überraschenden Reisen ins Landesinnere dem Absurden und Dramatischen, das sich hinter scheinbar normalem Alltag verbirgt, auf die Spur. So entsteht nach und nach ein spannendes Zeitbild der späten Achtzigerjahre, in dem jede dieser Personen ihren Platz hat. Ihre Ängste und Träume, ihr Hoffen und Scheitern ergeben ein stimmungsvolles Bild des damaligen Lebens. Der viel geschmähten helvetischen Enge ins Auge zu sehen oder ihr zu entfliehen: Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten – die sechs Menschen im Film leben einige davon. So 1. 9. / So 8. 9. / So 15. 9. / So 22. 9. / So 29. 9. > 12.00 Uhr


RICHTIG LANG

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Malcolm X Spike Lee, USA 1992; 202' E/df (35 mm, Farbe) Mit Denzel Washington, Angela Bassett, Albert Hall, Delroy Lindo, Al Freeman Jr., Kate Vernon, Spike Lee

Biopic von Spike Lee über einen der Leader der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Wie Malcolm X vom Kleinkriminellen zum Prediger der Nation of Islam wurde – und sich kurz vor seiner Ermordung davon löste. Als Erstes macht der Film die Verbindung zur Gegenwart von 1992 , mit den Videoaufnahmen des unbewaffneten Afroamerikaners Rodney King, der von Polizisten niedergeprügelt wird. Dann geht es zurück in die Zwanzigerjahre zum Haus von Malcolm Littles Kindheit und wie es von Ku-Klux-Klan-Anhängern umzingelt wird, die seinen Vater rausholen wollen. Als Jugendlicher in Boston wurde der witzige Malcolm zum coolen Kleinkriminellen mit einer weissen Freundin. Bis er verhaftet wurde. Basierend auf der Biografie von Alex Haley und mit einem grossartigen Denzel Washington, zeichnet der Film sorgfältig nach, wie Malcolm im Gefängnis zum Islam konvertierte, wie er sich durch intensive Lektüre bildete und seinen Familiennamen durch ein X ersetzte. Als er endlich in Freiheit war, stieg er zum gefragten Prediger der Nation of Islam auf, einer Organisation, die von afroamerikanischen Menschen die Rückbesinnung auf ihre afrikanischen Ursprünge und, zumindest vorläufig, die totale Trennung von den Weissen forderte. Dementsprechend schlug ihm ein höchst kalter Wind entgegen. Dazu kamen interne Machtkämpfe in der Nation of Isalm, vor denen seine Frau, Betty Shabazz (Angela Bassett), ihn zu warnen versuchte … Klassischer als Spike Lees bekanntere Filme (Do the Right Thing, BlacKkKlansman), lässt Malcolm X eine gewisse Ernsthaftigkeit durchblicken. Das Bild einer Person in einem Film festzusetzen, schürt gewisse Erwartungen. Biopics müssen entscheidungsfreudig sein, um einigermassen linear zu bleiben und herauszuarbeiten, was der Spirit einer Person in ihrer Zeit war. Dies gelingt Malcolm X allemal. So 22. 9.

> 16.30 Uhr


ZÜRCHER FILMTALK

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Neuer Zürcher Filmpreis – Innovation oder Kommerzveranstaltung? Die Stadt Zürich hat im Jahr 2018 letztmals den Zürcher Filmpreis verliehen. Im September 2019 wird diese Auszeichnung zum ersten Mal durch die Zürcher Filmstiftung vergeben, und mit der Ausschreibung wurde auch das neue Reglement bekannt. Der neue Zürcher Filmpreis wird in zwei Stufen erkoren. Eine Fachjury nimmt die Nominationen vor, das Publikum wählt anschliessend im Rahmen des Zurich Film Festival die Gewinnerfilme. Bereits vor der ersten Durchführung ist in Teilen der Filmbranche eine gewisse Skepsis gegenüber dem neuen Format auszumachen. Wegen des Publikums-Votings wird der Ausverkauf des künstlerisch anspruchsvollen Filmschaffens befürchtet. Andere Stimmen begrüssen die Öffnung des Zürcher Films für das Publikum als Innovation. Was also kann vom neuen Zürcher Filmpreis erwartet werden? Wie kam das Format zustande und wie kam es überhaupt so weit, dass die Filmstiftung den Zürcher Filmpreis ausloben muss und nicht wie bisher die Stadt Zürich? Dieses brandaktuelle Thema diskutieren Vertreterinnen und Vertreter der Zürcher Filmstiftung, des Gemeinderats sowie kritische und optimistische Filmschaffende mit der Moderatorin Monika Schärer. Gäste: - Myriam Flury (Editorin, Dozentin, ehemaliges Jury-Mitglied Zürcher Filmpreis) - Micha Lewinsky (Autor, Regisseur, Stiftungsrat Zürcher Filmstiftung) - Luc Schaedler (Autor, Regisseur, Vorstandsmitglied ARF/FDS) - Mischa Schiwow (AL Gemeinderat) Moderation: Monika Schärer Do 5. 9.

> 18.30 Uhr


ERLEBTE SCHWEIZ

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Filmstill «Atomkraftwerk Beznau». Schweizerische Filmwochenschau vom 12.12.1969 (© Schweizerisches Bundesarchiv)

Zündstoff Energie Zündstoff Energie oder wie veränderte sich die Energiepolitik in der Schweiz. Memoriav präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Sozialarchiv Bilder aus Schweizer Film- und Fernseharchiven zu diesem Thema, die von Expertinnen und Experten live kommentiert werden. Energie treibt unseren Alltag und unsere Wirtschaft an – und sie birgt seit Jahrzehnten politischen Zündstoff. Denn Energieressourcen sind endlich, bergen grosse Gefahren oder verändern Landschaften über Generationen hinweg. Wie veränderte sich die Energiepolitik der Schweiz in den vergangenen hundert Jahren? Welche sozioökonomischen und politischen Visionen standen und stehen dahinter? Und wie begegnen wir den aktuellen Herausforderungen? Zündstoff Energie begibt sich mit audiovisuellen Dokumenten auf Spurensuche im Gestern und Heute. Diese erzählen von Wassermassen, Windkraft und Weichenstellungen für die Zukunft. Im moderierten Gespräch kommentieren Politikerinnen, Umweltjournalisten und Ingenieurinnen zusammen mit Historikern die eindrücklichen Zeitdokumente aus Schweizer Film- und Fernseharchiven. Gäste im Kino Xenix: - Prof. Anton Gunzinger (Elektroingenieur) - Thomas Schärer (Historiker) Moderation: Verena Rothenbühler (Historikerin) Do 12. 9. Eine Produktion von:

> 20.00 Uhr Unterstützt von:


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KINDERKINO

Das letzte Einhorn Jules Bass / Arthur Rankin Jr., USA/Grossbritannien/Japan/Deutschland 1982; 92' D (35 mm, Farbe)

Das letzte Einhorn macht sich auf die Suche nach seinen Artgenossen ausserhalb des Zauberwalds. Animationsfilm aus den Achtzigern mit viel Musik und Abenteuer. «Wir verschwinden nicht, wir sind so alt wie der Mond», sagt das sprechende Einhorn, das im Zauberwald lebt, als es von einem Schmetterling hört, dass es das Letzte seiner Art sei. Der böse König Haggard hat seinem roten Stier befohlen, alle Einhörner zusammenzutreiben, um das schönste aller Einhörner für sich zu haben. In Begleitung des tollpatschigen Zauberers Schmendrick verlässt das Einhorn darauf den Zauberwald, um seine Artgenossen zu finden und zu retten. Ihre Reise bringt die beiden zusammen mit der Räuberbraut Molly Grue nicht nur an vergessene und entlegene Orte am Rande der Welt, sondern auch in höchste Gefahr. Das letzte Einhorn, das auf dem gleichnamigen Buch von Peter S. Beagle basiert, ist ein poetisches Zeichentrick-Märchen, in dem die Welt der Fantasie und des Wunderbaren über das Reich der Macht und Gewalt siegt. So 1. 9. / 8. 9. / 15. 9. / 22. 9. / 29. 9.

> 14.15 Uhr

Mi 4. 9. / 11. 9. / 18. 9. / 25. 9. / 2. 10.

> 14.30 Uhr

• Trickfilm für Kinder ab 6 Jahren


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KINO XENIX

lat am Helvetiap

ra z / Kanzleist

Zürich sse 52, 8004

enix.ch programm@x xe nix.ch /

Impressum Xenix-Programm 9/2019 > Kino Xenix, Kanzleistrasse 52, 8004 Zürich > Programmation, Filmtexte und Redaktion: Jenny Billeter (verantwortlich für das vorliegende Programm), René Moser > Inserate: Noah Bohnert > Erscheinungsdatum: 14. 8. 2019 > Erscheint 11-mal jährlich > Auflage: 4000 Exemplare > Belichtung und Druck: Ropress Zürich > Gestaltungskonzept: Franziska Burkhardt > Satz und Bildredaktion: Cornelia Diethelm > Korrektorat: Nina Haueter, Andrea Leuthold > Gestaltung Plakat: Weicher Umbruch, Zürich > Geht an alle Mitglieder des Filmclubs Xenix > Ungefaltete Plakate (A2) sind kostenlos an der Kinokasse erhältlich > Ein Engagement des Vereins Filmclub Xenix, unterstützt durch Stadt und Kanton Zürich

© Die Texte in diesem Programmheft sind urheberrechtlich geschützt. Deren integrale Verwendung beziwhungsweise Verbreitung ist nur mit Einwilligung des Filmclubs Xenix zulässig. Für das Zustandekommen des Programms danken wir: Cinémathèque suisse, Dokumentationsstelle Zürich (Seraina Winzeler) • Cinémathèque suisse, Penthaz (André Schäublin) • Florian Keller, Zürich • Look Now!, Zürich (Bea Cuttat, Laurin Huber) • Memoriav, Bern • Miozzari, Basel (Nathalie Baumann) • Stamm Film, Zürich (Andreas Bernatschek) • Zürich für den Film (Kaja Eggenschwiler, Simon Hesse)


XENIX FILM PRÄSENTIERT

CATHERINE DENEUVE KACEY MOTTET KLEIN OULAYA AMAMRA

EIN FILM VON

ANDRÉ TÉCHINÉ

AB 26. SEPTEMBER IM KINO


ÜBERSICHT NACH FILMTITELN SEPTEMBER 2019 S. 1

LOOK NOW! BEA CUTTAT UND IHR FILMVERLEIH

S. 4 S. 5 S. 5 S. 7 S. 9 S. 9 S. 10 S. 11 S. 11 S. 13 S. 13 S. 15 S. 17 S. 17 S. 18 S. 18 S. 23 S. 23 S. 24 S. 25 S. 25 S. 27 S. 27 S. 28 S. 29

A Tickle in the Heart Buffalo ’66 Love Is the Devil Gerhard Meier – Das Wolkenschattenboot Die Siebtelbauern Open Hearts La ciénaga Fucking Åmål Marina Abramovic: The Artist Is Present Songs from the Second Floor Tot ziens (Au revoir) Vaters Garten Die innere Sicherheit Tillsammans (Together) Darwin’s Nightmare A Good Wife (Dobra žena) Tabu Shotgun Stories Turist Somersault God’s Own Country Winter’s Bone Life According to Agfa Sreda (Mittwoch) Step Across the Border

S. 30 PREMIERE Death in Sarajevo

S. 31 ZU GAST: BEA CUTTAT Look Now and Forever

S. 32 DOKFILM AM SONNTAG Reisen ins Landesinnere

S. 33 RICHTIG LANG Malcolm X

S. 34 ZÜRCHER FILMTALK Neuer Zürcher Filmpreis – Innovation oder Kommerzveranstaltung?

S. 35 ERLEBTE SCHWEIZ Zündstoff Energie

S. 36 KINDERKINO Das letzte Einhorn

Profile for Kino Xenix

Programm September 2019  

Look now! Bea Cuttat und ihr Filmverleih

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Look now! Bea Cuttat und ihr Filmverleih

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