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Brief an die Leserschaft

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kurz geschrieben der Punk ist tot Diskofestival KE 70 Regatta69

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lang geschrieben Aus für Eisenacher Theater? Bachausstellung Spitz & Steil

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Kolumne: „Was kostet...“

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Terminpost

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Kühlschrankkunst

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Theater Spielpläne / Howie the ... Dorin Gal

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Tonträgerberatung Fort Knox Kings of Leon Mainpoint Maximo Park Nine kleine Schwester Casa Electro Novo Der wei Neger Wumbaba...

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Filme/Fernsehtipps Asia Snack Fernbedienung Last Radioshow Mo/Mi Kino

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Bücher Ich Gregory | 300 Ruhelos Minibar

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ea.zip

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Horoskope

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Die Siebziger, Hippies und Schlaghosen, Bombast- und Krautrock, Ölkrise und die Explosion von Punk. Iggy Pop wird just in diesem Monat 60, alles Gute auch. Irgendwie hatten wir in diesem Monat ein kleines konzeptionelles Problem. Denn im Gesetz der Serie bleibend, kommt diese Aprilausgabe hier im Stil eben des Jahrzehnts, das heute noch Flohmärkte und ganze Wohngemeinschaften dominiert - auch wenn musikalisch mittlerweile ganz andere Epochen recycelt werden. Viele von euch haben die 70er in ihren Ausweisen stehen sind jetzt irgendwas um die 30, mancher hat auch damit ein Problem. Aber worum ging es jetzt eigentlich? Nun, ihr werdet leider in dieser Ausgabe keinen expliziten Artikel zu dieser Zeit finden, kein Feature zu Hippies in Mühlhausen, den ersten Punks vom Bad Salzunger Burgsee oder heimlichen Aufnahmen von Kraftwerksongs in Eisenacher Jugendzimmern. Auch nicht darüber, das bis Mitte der Siebziger noch die Straßenbahn durch Eisenachs Karlstraße ratterte, kaum noch vorstellbar, oder? Hätten wir wirklich Lust drauf gehabt, allerdings überschlugen sich die aktuellen Ereignisse und schmissen damit die komplette Redaktionsplanung durcheinander. Eisenach als Opfer im Machtkampf der Thüringer Kulturpolitik. Es tut schon fast weh, das 4 [brief an die leserschaft]

Wort Kultur in diesem Spiel überhaupt noch in den Mund zu nehmen. Was interessiert mich das Theater, werden vielleicht einige von euch jetzt denken. Man kann den Wert eines solchen aber nicht in Geld beziffern. Ihr wisst, für uns ist Kultur sehr weit gefächert, gehört die Subkultur genauso dazu wie eben Oper und Tanztheater. Wir sind auch der Meinung, dass diese vielmehr miteinander verzahnt sind, als mancher oft glauben mag. Daher war uns die Möglichkeit, Eisenachs Oberbürgermeister direkt zu dieser Thematik zu befragen, doch wichtiger als ein spannender Retroartikel. Ja, auch Gotha kämpft um seine Symphoniker, denen wir ebenfalls ganz viel Unterstützung wünschen! Doch der April bringt auch ein paar schöne Dinge, eine Menge toller Konzerte, von denen viele einen Artikel würdig gewesen wären. Aus Platzgründen mussten lieb gewonnene Dinge wie das Comic und die Kinderterminseite pausieren. Außerdem öffnet eine neue Location ihre Türen, die eine weitere Bereicherung verspricht. Love and Peace!


Foto: www.guyhelminger.de

Die Trends jedes Jahrzehnts kehren bekanntlich irgendwann wieder. Derzeit stammen diese unüberseh- und hörbar aus den Achtzigerjahren. Dabei gäbe es allen Grund diese Dekade, ihre musikalischen und modischen Vergewaltigungen zu vergessen: leopardengemusterte Leggins, Männer mit arschlangen Dauerwellenfrisuren und nervtötenden Synthie-Pop beispielsweise. Nun erinnert sich ein Zeitzeuge an seine Sturm- und Drangphase in den Achtzigern, als MTV und Compact Disk noch in den Kinderschuhen steckten und Punk mehr als eine Musikrichtung war. Manuel Andrack, Deutscher Fernsehpreisträger und rechte Hand Harald Schmidts, liest gemeinsam mit Autor Guy Helminger aus dem Kultroman „Die Ruhe der Schlammkröte“. Der Roman spielt in der legendären Kölner Kneipe „Station“, wo Helminger in den Achtzigern als Barkeeper arbeitete. Darin verewigt ist der exzessive Lebensstil der Punkgeneration, sprich Anekdoten über Suff, Sex und laute Musik. Während der gebürtige Luxemburger Helminger in den Achtzigern kellnerte, tanzte Andrack zur Musik von Iggy Pop

und den Ramones und hatte nicht ganz so ausschweifende Sexgeschichten. Beide studierten damals Germanistik. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die Idee zur Herausgabe einer historisch-kritischen Ausgabe von Helmingers Erstling und Meilenstein der Punkära nach einer Germanistentagung aufkam. Auf der Lesetour wird die radikal ehrliche Milieustudie anhand von lärmenden Hörbeispielen wiederbelebt und durch Harald Schmidts Chefdramaturg streitlustig kommentiert. Dabei erinnert sich Andrack an seine rebellischen Zeiten und versieht den Text mit den verschrobenen Erkenntnissen eines gealterten Teilzeitpunks.

AG [kurz notiert] 5


Foto uplifting | bereitgestellt von www.discofestival.de

Das deutschlandweit größte Housefestival öffnet in diesem Monat in den Kasseler Messehallen zum dritten Mal seine Tore. Das Line Up ist natürlich auch dieses Jahr wieder gigantomatisch. Mit dabei sind DJs aus der internationalen Clubszene, die auf drei Floors, einer Chill-Zone und einer VIP-Area mit elektronischen Klängen ihr partywilliges Publikum elektrisieren. Für die richtige Atmosphäre in den heiligen Hallen sorgen Videoanimationen, Walking Acts und Lasershows. Betrieben wird diese Housewirtschaft von der Agentur eve&com, die es sich zum Ziel gemacht hat, Erlebnisräume der Spitzenklasse zu inszenieren. Doch nun zu ein paar schillernden Namen des Abends wie etwa THE DISCO BOYS. Die zwei Jungs aus Hamburg und ihre ultimativen Hits For you und St. Peter hatte wahrscheinlich jeder schon mal im Ohr. MARKUS KAVKA aus Berlin kam als MTV-Moderator zu Ruhm und Ehre und hantiert mittlerweile nicht nur mit minimalistischen Platten abseits des Mainstreams, sondern hat jüngst auch noch seine gesammelten Kolumnen unter dem Namen Elektrische Zahnbürsten veröffentlicht. GIULIA SIEGEL aus München ist die Tochter von Mr. Grand6 [kurz notiert]

Prix-Ralph und mittlerweile eine DJane, deren Name in den Metropolen dieser Welt groß geschrieben wird. Und noch eine weitere Lady turnt an den Turntables die aufgeladene Gemeinde mit ihrem live performten Armand van Helden-Sound an: TARA MC DONALD aus London. Lokalerprobt in alter Stammheimtradition darf natürlich auch DJ PIERRE nicht fehlen. Schöner als in der Pressemitteilung von eve&com kann man seine Klangwelt eigentlich nicht beschreiben, deswegen versuchen wir es auch gar nicht: „Pierre steht für kompromisslosen Sound, der nicht verleugnen kann, immer etwas abzudrehen, sich im Hirn zu verknoten, um dann verspult aus dem anderen Ohr wieder raus zu fliegen.“ Apropos fliegen: Wenn ihr so gegen sieben aus den heiligen Hallen herausgeflogen seid, könnt ihr im ARM weitermachen. [vp] Am 28.April 2007 in den Messehallen Kassel. Wir verlosen auf www.diggla.org 2 Freikarten für diesen Abend.

BK


HipHop ist männlich? Vergesst es. Heute und hier sind ausschließlich Mädels am Mic der ersten Föstrogen-HipHop Convention im KW 70 Bad Salzungen. Über das Warum, Weshalb und Wieso können wir leider nicht viel sagen, denn diese Antwort ist uns der chronisch nicht erreichbare Veranstalter Dan bislang schuldig geblieben. Aber egal, das LineUp verrät ja auch schon einiges. Pyranja beispielsweise, die strohblonde MC von der Küste, kennt man in diesem Biz. Letztes Jahr war sie noch als Moderatorin beim großen Wartburg-Event der regionalen Sprechgesangsfraktion zu Gast, bei der ihr sie zumindest mit ein paar Freestyle-Zeilen erleben konntet. Ein damals im Gespräch gewesener Aftershowgig kam aber nicht zustande. Ihre Wurzeln liegen in Rostock, wo sie vom Breaken und Malen irgendwann zum Rappen kommt, was sie spätestens seit ihrem Umzug nach Berlin weiter ernsthaft ausbaut. 2002 beschäftigt sich die ZDF-Doku „Will einmal bis zur Sonne gehen“ mit demselben Thema wie das angekündigte Event: Frauen im HipHop. Damalige Protagonisten waren Cora E, Blixx und eben Pyranja. Die gründet irgendwann ihr eige-

nes Label und ist spätestens seit ihrem Auftritt mit „Nie Wieder“ bei Raabs Bundesvision Songcontest auch einem größeren Publikum ein Begriff. Auch Meli ist keine Unbekannte. Schon mit 15 fing sie an zu texten und gründete „Skills en Masse“. Es folgten Gastauftritte bei Xavier Naidoo, Gentleman oder Afrob, bei denen die engagierte Rapperin mit ihrer Stimme überzeugte. Heute ist sie Teil von Ischen Impossible, einer HipHop-Girlgroup aus Düsseldorf. Nummer drei im LineUp des kleinen Festivals ist die Hamburgerin Queen Sy, deren Zeilen mehr als explizit sind. Zieht man sich ihr Myspace-Profil, stellt man fest, dass Ghettolyrik mit Aggrogehabe keinesfalls rein männlich ist. „Bomben“, „Fresse“ oder „Kinder des Asphaltz“ heißen die dort geposteten Tracks. Ist die Welt wirklich so böse?

MB [kurz notiert] 7


Meldung an den Pressenwerk-Hafenmeister: Draußen vorm schwarzen Cliff liegt eine arg wilde Fregatte. Ein wahrer Seelenverkäufer scheint das zu sein. Herkunft? Unser Maat kann es nicht genau erkennen, sieht aus wie eine bunte Mischung aus Amerikanern, Franzosen, Engländern und Deutschen. Ein ganz schön feierwütiger Haufen scheint das zu sein, müssen wohl viel rumgekommen sein in der Welt. Was sollen wir also machen? Schnellstmöglich Hafeneinfahrt gewähren und ab auf die Bühne mit diesen Kerlen, was denn sonst?! Dieses maritime Vorgeplänkel liegt aber auch zu nahe, wenn eine Band sich Regatta 69 nennt und dann ihre Ska Mutiny Tour im Piratenoutfit gestaltet. Wirklich unbekannt sind die Jungs hier bei uns in der Gegend ja auch nicht mehr, spielten sie immerhin das ein oder andere ihrer mehr als 1500 Konzerte vor Jahren z.B. im Innenhof des Eisenacher Luthergymnasiums oder eben auch im Pressenwerk. Das führte dann dazu, dass das Männerklo vom Pressenwerk weltweit in Internetforen, Musikjournalen oder auch komischen Stadtmagazinen wie dem diggla hier auftauchte und so fast zu internationaler Berühmtheit gelängt wäre, 8 [kurz notiert]

ja wenn es denn dran gestanden hätte. Nun aber zur ganzen Geschichte. Also diese Typen, damals noch eine fast rein amerikanische Skakombo, rockten mit ihrer sehr für Kalorienabbau sorgenden Mixtour aus quirligem Off-Beat Rock, rasanten Reggae-Rythmen (das geht!) und fetten Bläserriffs die anwesende Menge. Tanzen, skanken, fertig, Luft raus. Nicht so die Band, denen gefiel die Location. Also machen wir Bandfotos. Kinosessel? Cool! Aber wir brauchen Licht. Plötzlich rennt der erste aufs hell erleuchtete Klo, alle hinterher und zack, ist das Bild im Kasten. Heute sind zwar einige der damaligen Musiker nicht mehr dabei, doch dafür sind halt neue Skapiraten mit an Bord. Obendrein wechseln sich auf dieser besonderen Tour Sänger wie King Django, Chris Murray oder Sängerin Mother Nature am Mikro ab, was diesen Landgang einmal mehr zum Pflichttermin jedes Skafans macht.

30.4. Pressenwerk Bad Salzungen diggla verlost 2x2 Freitickets

MB


Do 05.04.2007 - “The 54 Anthem” Line up: BOOGIE PIMPS, MARK J KLAK, STEPHANO & JON HENDERSON – JOUE JOUE CLUB RESIDENTS, On Stage: MOSES & MALAIKA live vocals, DRAQS, SHANES & SEXY BOYS + Champaign shower, Deep Lounge: Raw & soulful deephouse grooves by THIAZ

Sa 07.04.2007 - „House Nation” Line up: MARKUS GARDEWEG – KONTOR REC./HAMBURG, STEPHAN & KAY PAUL – JOUE JOUE CLUB RESIDENTS, Deep Lounge: Raw & soulful deephouse grooves by THIAZ

Sa 14.04.2007 - “Joue Joue´s Draq Disaster“ Line up: SUPERZANDY – SAGE CLUB,GMF BERLIN, STEPHANO – JOUE JOUE CLUB RESIDENT, ANDLEE – MOONRAYLOUNGE, WEIMAR, On Stage: PRINCIPESSA, JUSTINE P. JACKSON & CHI², Deep Lounge: Raw & soulful deephouse grooves by THIAZ

Sa. 21.04.2007 - “Delicious” Line up: DELICIOUS DJANES – KOPENHAGEN/DENMARK, STEPHANO – JOUE JOUE CLUB RESIDENT, ANDLEE – MOONRAYLOUNGE/WEIMAR , Deep Lounge: Raw & soulful deephouse grooves by THIAZ

Sa. 28.04.2007 - “Top 40´s Plattenbau goes Joue Joue” Line up: DJ XADIS &DJ BJÖRN – RADIO TOP 40. JON HENDERSON & KAY PAUL – JOUE JOUE CLUB RESIDENTS, Deep Lounge: Raw & soulful deephouse grooves by THIAZ

Mo. 30.04.2007 - “House Kitchen” Line up: KÜCHE 80 – CENTRUM/ERFURT, STEPHANO - JOUE JOUE CLUB RESIDENT, BLACK SHEEP – REDSTARVISION.DE, -Deep Lounge: Raw & soulful deephouse grooves by THIAZ www.jouejoue.com | Joue Joue Club | Auf der Cyriaksburg 3 | 99094 Erfurt | EGA Gelände | Doors 23:00 Uhr [kurz notiert] 9


10 [lang geschrieben]


Aus für Eisenacher Theater? „Die Thüringer Landesregierung ist mit ihrer Theaterpolitik beinahe flächendeckend gescheitert. Nur in Eisenach vermochte sie ihren ursprünglichen Sparplan durchzusetzen - und deshalb sieht es dort trostloser aus, als sonst irgendwo im Land. ... Als eigenständig wahrnehmbar wird das Theater Eisenach ab 2012 de facto verschwinden. In dieser Stadt mit viel Tradition, wo eine absurde Konstellation entsteht, die den Namen Theater kaum noch verdient, war die Thüringer Kulturpolitik erfolgreich. Der diesem Satz eingeschriebene Zynismus beschreibt die Intentionen dieser Kulturpolitik.“ (Zitat: H.Goldberg, Thüringer Allgemeine)

Für viele Freunde des Landestheaters bringt es Henryk Goldberg mit seiner Feststellung im Kulturteil der Thüringer Allgemeinen auf den Punkt. Eisenach wird zum Verlierer einer fragwürdigen Landespolitik, deren Ergebnis die Zerstörung kultureller Strukturen ist. Ursprünglich als Sparmaßnahme propagiert, zerplatzt dieser Effekt bei genauer Betrachtung des Landeshaushaltes. Für eine in diesem kaum auffallende Summe ist man innerhalb der Landesregierung bereit, Thüringens einzigartige Kulturlandschaft zu opfern. Es stört die Verantwortlichen auch nicht, dass z.B. das eigene Wirtschaftsressort mit dieser als Standortfaktor hausieren geht. Und ausgerechnet Thüringens Wirtschaftsmotoren Eisenach plus angrenzende Wartburgregion werden dabei in einem politischen Trauerspiel geopfert, das vielmehr Facetten als unser Magazin Seiten hat. Das Eisenacher Theater, welches nach jetzigem Stand stark dezimiert der Meininger Kulturstiftung beitreten soll, scheitert dabei vor allem auch an der Gebietsstruktur in Westthüringen. Eisenach, kreisfrei, ist mit seiner Haushaltssperre kaum handlungsfähig. Der Wartburgkreis, finanziell einer der solidesten überhaupt, ist zweigeteilt in Nord und Süd mit dem Rennsteig als Grenzverlauf. Niemand in Behringen, Treffurt oder Creuzburg orientiert sich nach Bad Salzungen, von Geisa oder Barchfeldt allerdings auch wenige nach Eisenach. Schon hier zeigt sich, dass weniger Parteizugehörigkeiten als lokale Interessen die Regie in diesem Drama führen. Während in Nordhausen und Rudolstadt Theater, kommunale Politikern und Bürger gemeinsam gegen die Landespläne rebellierten, gab es solch dichte Reihen hier eben nicht. In Einzelfällen wurde gar der Keil der Uneinigkeit in die Sparten des LTE hineingetragen, die Tänzer versucht gegen die Musiker auszuspielen und ähnliches. Vielleicht wäre es auch sinnvoll gewesen, eine Bürgerinitiative „pro Theater“ statt „pro Musiktheater“ zu nennen. Unterm Strich haben doch alle, die sich engagieren, ein gemeinsames Ziel: den Erhalt Eisenachs als Theaterstandort mit eigenem Charakter, der sich nicht aus kurzfristigen Optionen heraus seine Zukunft verbauen lässt. Einmal zerstörte Strukturen werden kaum neu aufzubauen sein. Viele Dinge, die man gar nicht direkt mit Theater assoziiert, die aber doch damit verbunden sind, werden schmerzhaft zu vermissen sein. Einige hochqualifizierte Musikschullehrer sind nur ein Beispiel. Einer, der selbst mit seinem Handeln starker Kritik ausgesetzt ist, ist Eisenachs Oberbürgermeister Matthias Doht. Bei einem diggla-Interview nahm er zum Thema Stellung: [lang geschrieben] 11


Interview mit Eisenachs OB Matthias Doht zur aktuellen Theaterdebatte diggla: Eisenach trifft es nach Meinung vieler Beobachter am härtesten, die anderen beiden – Rudolstadt und Nordhausen – scheinen so davonzukommen. Was macht also Eisenach verkehrt? Eisenach hat keine Lobby auf der Kulturebene bei dieser Landesregierung und es ist gewollt, dass der Standort Meiningen massiv gestärkt und erhalten wird.

Die Ausgangslage war doch sicher eine ganz andere. Wir mussten überlegen, wie wir mit den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln klarkommen, wozu wir sicher einen Partner brauchen. Eine Partnerschaft zwischen den drei am meisten gekürzten Theatern kam durch die Träger nicht zustande, also mussten wir Modelle entwickeln, um mit einem Partner und dem zur Verfügung stehenden Budget noch einen erkennbaren Beitrag als Theater in der Region darstellen zu können. diggla: Von den drei Theatern haben zwei jetzt eine andere Situation, Nordhausen kann sogar bis 2012 auf fast gleichem Niveau weitermachen wie bisher. Was also hat man dort anders gemacht?

Im Detail kann ich das nicht sagen. Ich weiß, dass die Träger teilweise ihre Zuschüsse beibehalten oder erhöht und sich dadurch eine andere Ausgangsposition geschaffen haben. Ich muss sagen, und das ist ein deutlicher Vorwurf an die Landesregierung, die Grundsatzentscheidung, welche Standorte langfristig erhalten werden sollen, welche gekürzt und welche dann doch noch Zuschüsse bekommen, sind rein politisch getroffen worden. diggla: Fehlt Eisenach also in Erfurt eine Lobby?

Ja, eindeutig ja! Eisenach hat keine Lobby auf der Kulturebene bei dieser Landesregierung und es ist gewollt, dass der Standort Meiningen massiv gestärkt und erhalten wird. Es war auch politisch gewollt, Eisenach die Zuschüsse massiv zu reduzieren. Wir haben lange Verhandlungen geführt und sind dabei gegen so viele Wände gerannt. Auch wenn das, was jetzt vorliegt, sehr hart ist und große Einschnitte bein12 [lang geschrieben]

haltet, die mir auch weh tun, so können wir im Bezug auf unsere Ausgangsposition das jetzt vorliegende Ergebnis, doch als achtenswerten Erfolg betrachten. diggla: Sehen Sie Chancen, dass im vorliegenden Modell noch Änderungen zugunsten Eisenachs erfolgen? Von welcher Seite denn? Wenn mir jemand ein handfestes Konzept vorlegt, das im Kostenrahmen bleibt und diese rechtliche Absicherung bringt, bin ich bereit, über alles zu reden. diggla: Gab es innerhalb der Verwaltung alternative Ideen außerhalb der vorgegebenen Richtung gen Süden? Ich denke an Kontakte zur Wirtschaft oder auch nach Hessen.

Wir haben im Aufsichtsrat insgesamt 34 verschiedene Varianten durchgerechnet, auf Trägerebene viel versucht und Kontakte nach Rudolstadt, nach Gotha und Suhl oder Nordhausen gesucht. Ich selber habe intensive Gespräche mit den Landräten in Eschwege und Bad Hersfeld geführt, mir aber immer nur Abfuhren oder Willensbekundungen geholt. Wir haben auch mit allen Wirtschaftsunternehmen gesprochen, ohne dass es Ergebnisse gab, die eben über eine Willensbekundung hinausgingen. Erfurt wollte ja Eisenach nur als Bespieltheater, mit der nachgelegten Keule, nur Thüringer Theater für diese Bespielung zu akzeptieren, was die Freiheit eines solchen Konstrukts ebenfalls massiv eingeschränkt hätte. diggla: Sie haben ihre Haushaltssperre. Aber auch der Wartburgkreis, ebenfalls Träger des LTE, scheint nur an einer Mittelkürzung interessiert zu sein, während das Beispiel Rudolstadt eine ganz andere Haltung der lokalen Träger zeigt. Woran liegt das?

Weil das Theater Eisenach im Wartburgkreis nicht angekommen ist und man in Bad Salzungen schon vor der Göbelschen Kürzungsrunde im Kreistag diskutierte, wie weit sich der Landkreis am Theater noch beteiligen solle. Hier wird die Argumentation vertreten, südlich des Rennsteigs orientiere man sich eh nach Meiningen. Wir hatten zu tun, den Wartburgkreis überhaupt noch im Boot zu halten. diggla: Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen hat bereits Position gegen eine Zustiftung Eisenachs bezogen, steht am Ende dieses Konzept auf der Kippe? Solange nicht der letzte Beschluss gefällt ist, besteht


die Gefahr immer. Da das Land aber Zuwendungsgeber und Träger ist, muss es auch dafür sorgen, das diese Mehrheiten in der Kulturstiftung Meiningen zustande kommen. diggla: Mehrheiten in der Stiftung, gutes Thema. Kann es dort passieren, das Eisenach durch bestehende Mehrheiten überstimmt wird, wenn es beispielsweise darum geht, die restlichen Sparten auch noch abzuwickeln?

Das liegt einzig und allein an unserer Intelligenz bei der Formulierung des Zustiftungsvertrages. Da muss die Betreibungspflicht und die Produktionspflicht für Eisenach verbindlich festgehalten werden und die Zusammensetzung des Stiftungsrates geregelt sein. Wir werden sehr deutlich darauf achten, dass für Grundsatzentscheidungen keine zu niedrigen Quoren festgelegt werden, so dass in solchen schwerwiegenden Angelegenheiten nicht gegen einzelne Orte gestimmt werden kann. diggla: Sie werden als Oberbürgermeister irgendwann mit dieser Thematik in Verbindung gebracht werden. Uns interessiert daher, wo soll Eisenach am Ende ihrer Amtsperiode stehen?

Die großen Ziele sind für mich Wirtschaftsförderung, Tourismusförderung und Bildungsförderung. Das sind die Schwerpunkte. diggla: Sind nicht genau die Punkte eng mit Kultur verknüpft?

Richtig, und Kultur ist wesentlich mehr als Theater. Kultur ist Wartburg, Bachhaus, Lutherhaus, Automobilmuseum, Thüringer Museum etc. Wir haben es hier in Eisenach zum Glück mit einer großen Vielfalt zu tun. Deshalb müssen wir unsere Mittel so einsetzen, dass wir mit allen Pfunden wuchern können. diggla: Bedeutet unterm Strich, dass ihrer Meinung nach die Kulturstadt Eisenach auch ohne Musiktheater eine Chance im Wettbewerb hat?

Es wird in Eisenach immer Musiktheater stattfinden. Woher das Orchester zu diesem Musiktheater dann allerdings kommt, ist eine ganz andere Geschichte – entscheidend ist die Qualität. diggla: Danke fürs Gespräch.

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Von außen noch Bausstelle, innen aber seit kurzem für Besucher geöffnet: der neue Ausstellungsbereich des Bachhauses in Eisenach. Trotz viel Kritik am modernen Neu(an)bau gewinnt Eisenach eine stilvolle und neuartige Möglichkeit, sich dem Werk ihres größten Sohnes zu widmen.

Eisenach – Ist es schon ein Qualitätsmerkmal, wenn eine Lounge von BMW gesponsert wird? Die Frage darf unbeantwortet bleiben, denn die Ausstellung im Neubau des Bachhauses spricht für sich. Aber erst der Kommerz, dann die Kunst: der Besucher kommt durch die Edel-Lounge, vorbei an Souvenirs und dem Bach-Petit Four, über eine Treppe in das Museum. Die Ausstellung dort besteht aus den drei Teilen „Wie wir Bach hören, sehen und was wir von ihm wissen“. Verbindend ist die Idee, der Aufführungspraxis verschiedener Zeiten je ein Instrument und ein Bildnis zuzuordnen. Der Erlebniswert soll hoch sein. So kann sich der Besucher Einspielungen einer Kantate vergleichend anhören und hinter Glas einen Bach-Autograph von 1726 bewundern. Der „Forschungstisch“ steht dafür, wie unabgeschlossen die Arbeit zu Bachs Werk ist: Verkabelte Bücher sind ein kluges Sinnbild zum Verknüpfen von Tradition und Moderne. Dieser Gedanke war wohl auch ausschlaggebend für die freischwebenden Hängesessel, in denen alte Musik in futuristischem Design erklingt. Beim Abtauchen in Bachs Klangwelten kann gleichzeitig die „Bach-Ikonographie“ bewundert werden. Ein weiterer Abschnitt ist dem „fragwürdigen Todtenbein von Leipzig“ gewidmet: Forscher hatten anhand der Vermessung von Bachs Schädel eine Büste erstellt, die dem Original nahe kommen soll. In der Mitte des Raumes ist das „Begehbare Musik14 [lang geschrieben]


PRESSENWERK

BAD SALZUNGEN

$O  5HR

Gwyn Ashton Blues from Down Under

3O 

House Party mit Heinz Felber u.a.

&R  stĂźck“, in dem der Besucher Ăźber eine 180-GradLeinwand drei zeitgenĂśssisch aufgefĂźhrte Werke Bachs erlebt. Als Spannungselement wird dazu jeweils ein historisches Exponat gezeigt. So ist dem Erstdruck der „Kunst der Fuge“ eine moderne Ballettinszenierung zugesellt. Die Kantate „TĂśnet, ihr Pauken!“ als weltliche Vorlage des Weihnachtsoratoriums verdeutlicht das Parodieverfahren des Komponisten, während der Besucher den Text des bekannten „Jauchzet, frohlocket!“ anhand des Originals mitlesen kann. Die dritte Szene mit Orgel-Musik wird veranschaulicht durch ein Manual, das Bach persĂśnlich spielte. Dieser multimediale Zugang zum Leben und Werk des Komponisten gilt in der deutschen Museumslandschaft als einmalig. „Die Ăźberwältigende Meisterschaft der Bachschen Musik muss sinnlich erfahrbar und deshalb als Erlebnis inszeniert werden“, heiĂ&#x;t es dazu. Der extravagante Neubau, der an einen FlĂźgel erinnern soll, ist Ăźber eine gläserne Fuge mit dem historischen Altbau verbunden. Dort laufen gerade die Sanierungsarbeiten. Die GesamterĂśffnung ist anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Bachhaus“ am 17. Mai mit einer Festwoche geplant.

Schandmaul „Mit Leib & Seele“-Tour

&R 

Axl Makana & Ohrkesta Das neue Projekt des ehemaligen Mutabor-Sängers

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Knorkator

Die NĂ„CHSTE Tour aller Zeiten

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Ska Mutiny

mit King Django + Chris Murray + Motha Nature + Regatta 69 Text: Susanne Sobko

Info-Tel.: 03695 / 873733 Tickethotline: 03695 / 628170 http://www.pressenwerk.com

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Bild: Aaron Vidal


Gnade ist ein eigentümliches, fast veraltetes Wort. Und doch hat man es in den letzten Wochen vermehrt und durch alle Medien geisternd vernehmen können. Für Geiselopfer in Afghanistan wird um Gnade gebeten, Anhänger abstiegsbedrohter Fußballbundesligavereine hoffen auf gnädige Spielleiter, ehemalige RAF-Terroristen ersuchen beim Bundespräsidenten Köhler um strafmildernde Gnade, und allen geht das Wort so leicht über die Lippen, als sei es etwas Alltägliches. Man spricht über Gnade, als kenne man dessen Bedeutung und Wesen ganz genau, eine Art Belohnung, wie der von Mutti gekochte Schokoladenpudding am Ende eines arbeitsreichen Tages: Geht es um Nachsicht oder um Nachtisch? Einerlei, wer sein Tagwerk nicht artig vollbracht und seinen Mitmenschen böse mitgespielt hat, muss ohne ins Bett, aber fix. Solche Menschen haben sie nicht verdient, weder Gnade, noch Süßspeise. Ob man sich Gnade allerdings wirklich verdienen kann, ist eine der großen philosophischen Fragen des Abendlandes. Wer jetzt kurz gegähnt und sich anschließend eine kleine Verschnaufpause gegönnt hat, hat es wiederum verdient, mit näheren Ausführungen aufgeklärt zu werden. Gnade, sagt der allwissende Herr Brockhaus, ist ein herablassendes Wohlwollen, eine unverdiente Gunst. Wenn also Schnellsprecher Guido Westerwelle im Falle RAF sogleich anmahnt: „Wer Gnade vor Recht erbittet, aber unsere Grundordnung nicht anerkennt, hat keine Gnade verdient“, hat er Sinn und Wesen der Gnade weder verstanden, noch zeigt er sich in diesem Fall als poetischer Mensch. Herr W. ist halt Jurist, da fällt das Verinnerlichen komplexer Zusammenhänge eben oft nicht ganz einfach; zumal, wenn noch eine irrationale Komponente zur Grundlage einer Auseinandersetzung gemacht wird. Fußballfans haben es da ebenso wie Kantversteher leichter. Der alte Aufklärer nämlich nannte das Begnadigungsrecht das schlüpfrigste unter allen Rechten eines Souveräns, konnte jener damit in alter Zeit „den Glanz seiner Hoheit beweisen und doch in hohem Grade Unrecht tun“. Für die heutige Zeit begründen ließe sich dieser Anachronismus am ehesten als letztes Korrektiv für ungewollte Härten des Gesetzes, gleichsam als „Sicherheitsventil“, wie Rudolf von Ihring formulierte. Wenn der Mann in schwarz drei Minuten nach der abgelaufenen Spielzeit und trotz eindeutiger Regelwidrigkeit doch nicht Elfmeter gibt und damit die Chancen auf den Klassenerhalt endgültig vernichtet, macht er im Zweifelsfall nichts anderes: Der in diesem Fall nicht Belohnte hat sich wahrscheinlich nicht

entsprechend benommen, als dass er den Strafstoß verdient hätte. Nicht nur, dass es ohne Schokopudding direkt in die zweite Liga geht, wir verstehen auch: Gnade hat wohl etwas mit Gerechtigkeit zu tun, die kann man bekanntlich weder kaufen, noch ist sie gesetzlich irgendwo verankert. Fair Play ist hier das Stichwort, und für die willkürliche Ausübung dessen gibt es jede Menge herrlicher und herrschaftlicher Beispiele. In Marokko beispielsweise gab die Geburt einer Tochter des amtierenden Königs Mohammed über 30.000 Menschen eine neue Wendung in ihrem Leben. Denn aus Freude über den Nachwuchs (übrigens seine zweite Tochter – die Gnade eines männlichen Thronfolgers wurde König Mohammed bislang verwehrt) begnadigte der Herrscher kurzerhand fast 9.000 Gefangene, während weitere 24.000 Gefängnisinsassen sich anlässlich dieses Jubelfestes wenigstens über eine Haftverkürzung freuen durften. Wie im Märchen darf sich fühlen, wer solche Gnade erfährt. Stalin, um ein anderes Beispiel zu nennen, hingegen hielt nicht viel von Gnadenakten: Zu viel Papierkram, urteilte der grimmige Georgier. Wer einmal verurteilt ist, hat schon genug Gerechtigkeit erfahren. Der Papst dürfte das ähnlich sehen, wie die gesamte katholische Christenheit überhaupt. Der Mensch muss tagtäglich an seiner Rechtfertigung gegenüber dem lieben Gott arbeiten, so das Diktum. Weil Luther das anders sah, darf der Papst heute allerdings nur noch gnädig lächeln; die Nummer mit dem angedrohten Fegefeuer zieht vielleicht nur noch in Fulda oder Paderborn, Geld wie beim mittelalterlich praktizierten Ablasshandel lässt sich aber bestimmt nicht mehr damit machen. Schade für Rom, gut für die Menschen, verwirrend für Guido Westerwelle. Um auf die noch immer inhaftierten RAF-Terroristen zurück zu kommen: Werden sie es wirklich als Akt der Gnade erfahren in eine Welt entlassen zu werden, in der Berufsschüler außer Stande sind, drei Prozent von 100 zu errechnen? Schwierige Frage. Horst Köhler, übernehmen sie. [Kolumne] 17


18 [lang geschrieben]


In der Gerüchteküche brodelte es ja bereits seit langem, jeder hörte irgendwo etwas und viele Vermutungen machten die Runde quer durch Eisenach. Doch so richtig konkret wurde es nie, ein paar Eingeweihte grinsten wissend, hielten aber weitgehend dicht. Ein neuer Club, eine Halle, ja was sollte das eigentlich sein, um das sich all das Getuschel drehte? Wird also Zeit, die Sache mal etwas genauer zu beleuchten. Dabei führt die Spur aus Eisenach hinaus in Richtung Norden, nach Stregda und dort vorbei am OBI-Baumarkt bis auf den Parkplatz des MAD. Wieso jetzt das MAD, was haben die damit zu tun? Inhaltlich und konzeptionell eigentlich gar nichts. Allerdings kommt man spätestens jetzt an die Stelle, wo man den oft gehörten, bisher aber wenig detailliert betrachteten Begriff der EISENACH ARENA hinterfragen muss. Das haben wir natürlich getan und uns sowohl mit MAD-Chef Stefan als auch mit den Betreibern des SPITZ getroffen. Wie ihr merkt, gibt es also schon da einen Unterschied, aber lest einfach mal weiter. Wer von euch einmal bei Tageslicht einen Blick auf das Areal an der Autobahn geworfen hat, dem werden die sehr großzügig vorhandenen, derzeit aber nicht genutzten Flächen aufgefallen sein, die sich neben der Diskothek befinden. Bereits bei der Entscheidung vor rund zwei Jahren, hier das neue MAD anzusiedeln, entstanden die ersten Ideen zu einem echten Eventareal, eine Idee die als EISENACH ARENA anfangs rein planerisch auftauchte. Das war 2005. Wenn nun also diesen Monat ein zweiter unabhängiger Eventbetrieb auf dem Gelände seine Türen öffnet, ist die Idee wieder einen Schritt weiter in Richtung Verwirklichung gegangen. In einer bis dahin ungenutzten Halle des ehemaligen Ziegeleigeländes entstand nach intensiven Umbauarbeiten eine multifunktionale Location – das SPITZ. Interessant fanden wir dabei die Frage,

ob sich die Betreiber des MAD durch eine Verpachtung an eigenständige Inhaber nicht die Konkurrenz vor die eigene Haustür holen? Stefan scheint genau diese Frage erwartet zu haben, verweist aber auch auf Synergieeffekte einer solchen Nachbarschaft. Obendrein seien die Konzepte beider Läden sehr verschieden, was unterm Strich zu einer Bereicherung führen würde. Ein erster Blick auf das geplante SPITZ-Programm bestätigt das. Die Halle ist ideal für Livekonzerte verschiedenster Arten und bietet dabei auch den auftretenden Bands angenehme Dinge. Eine direkte Bühnen-Backstageverbindung oder bereits vorhandene Technikanschlüsse zum Beispiel. Doch auch individuelle Partykonzepte passen hier gut. So steht bereits fest, dass es im SPITZ einige (hauseigene) Klassiker aus dieser Ecke wieder geben wird. Bestätigte Termine stehen sowohl für „Sound of the 80s“ (28.4.) mit Crome oder die „Milk&Water“-Reihe (12.5.). Generell soll Vielfalt und Qualität das Flair des mittelgroßen Ladens prägen, also vom Reggae bis zum Electro alles möglich sein. So erstaunt, wie wir diese Idee anfangs aufgenommen hatten, umso neugieriger sind wir jetzt auf deren weitere Entwicklung. Wenn es gelingt, ist nicht nur Eisenach selbst um einen Veranstaltungsort reicher. Denn allein die verkehrsgünstige Lage direkt an der Autobahnanschlussstelle Eisenach-Mitte macht das SPITZ auch für auswärtige Besucher schnell erreichbar und somit interessant.

Opening-Party: 21.4.2007 I diggla verlost 2 x 2 Freikarten

Mehr Infos: www.spitz-eisenach.de

[lang geschrieben] 19


mo 02.04. eisenach

ein abend mit beamish 19.00 SCHORSCHL

eisenach

di 03.04.

mi 04.04.

die puppenfee 15.00 ALTE MÄLZEREI

die kuh rosmarie [komödie] 15.00 ALTE MÄLZEREI

cocktail happy hour 18.00 SCHIFFCHEN

mittwochskino: little miss sunshine 15.00, 17.30 & 20.00 CAPITOL

eisenach

afterwork party FIFTY FOUR

eisenach

mfo [mad flirt offensive] 20.00 MAD

eisenach

coyote table night [heißer sound & girls in action] THE BEACH

eisenach

minimal is mittwoch [olaf korsten] 22.00 SOUND & CULTURE

eisenach

coyote bar [tequila für 1,- €] SCHIFFCHEN

eisenach

sekt-bowlen PIN BOWL

DJ Psichoz _06.04._20.00

Suck my Discotheque_07.04._21.00

__Fifty Four (EA)

__MAD (EA)

Eisenach meets Gotha, denn heute kommt einer der Protagonisten aus Gothas HipHop-Szene als Gast-DJ ins Fifty Four. Psichoz, einigen vielleicht als Black-Resident vom Atrium her bekannt, ist eine Hälfte der FadermanCrew und spätestens seit seinem Gewinn des Radio Top40 Black-DJ Contest 04 ein viel gebuchter Mann am Plattenteller. Außerdem gibt es für jeden ein Gläschen Sekt... denn dickes Happy Birthday für Ivonne. 22 [terminpost]

Heute wird es schrill! Wer auf House, Electro und eine ordentliche Portion Ibiza Partyfeeling abfährt, der ist hier hundertprozentig richtig. Das Programm verspricht eine freakige Szeneparty mit Show- und Fetischeffekts (huch), abgedrehte Walcingacts in phantasievollen Kostümen, sexy Girls, hochklassige Danceacts und natürlich mächtig treibende House&Progressive Beats von den begleitenden Tour-DJs wie Miss Kyami.


do 05.04.

fr 06.04.

sa 07.04.

so 08.04.

gastspiel: tartuffe [komödie] 19.30 LTE

bachwochen: musikalische vesper 15.00 ANNENKIRCHE

ein käfig voller narren [musical] 19.30 LTE

oster-brunch bowlen 10.00 PIN BOWL

faust I zu zweit 20.00 WEINHANDLUNG LEISINGER

la bohème [oper] 19.30 LTE

wartburg-festival [zauber des barock] 19.30 WARTBURG

tannhäuser & der sängerkrieg auf wartburg 19.00 WARTBURG

große osterparty [80s,90s partyband flash ] 21.00 SCHACHTHOF

ivonne‘s happy birthday party [dj psichoz] FIFTY FOUR

faust I zu zweit 20.00 THÜRINGER HOF

movienight [cocktails 4euro] 20.15 FIFTY FOUR

electroniclounge: alex [dreizehnter] FIFTY FOUR

the roof is on fire [dj jellin] 21.00 MAD

single-time [tanzabend für alleinstehende] 20.00 BÜRGERHAUS

damenwahl [minimalistisch] 22.00 SOUND & CULTURE

crazy mixx SOUND & CULTURE 22.00

ladies latin cocktail night 21.00 THE BEACH

suck my discotheque [skandalös – schrill - extravagant] 21.00 MAD

disco dice MAD

hüftschwung ost party [tanzbare funktionsmusik] 22.00 SOUND & CULTURE

beatparty [lord - oldies von abba bis zappa] 22.00 SOUND & CULTURE reggae-night mit: palmbeats international GLEIS 1

[terminpost] 23


mo 02.04.

di 03.04.

mi 04.04.

gotha

großes bier zum kleinen preis 20.00 CARNABY

mittwochskino: ein gutes jahr 17.30 & 20.00

gotha

college day [cocktails 2€ günstiger 20.00 R´N´B BAR

spieleabend 19.00 NISCHE happy hourparty 21.30 ROCK INN

gotha bad salzungen bad salzungen mühlhausen

cineextra: der letzte zug 17.00 & 20.15 CINESTAR

vorpremiere: 300 [comicroman-verfilmung] 20.00 CINESTAR

diverses

happy-jever-montag 15.00 ENGELSBURG [EF]

prinzessin lillifee [musical für kinder & erwachsene] 16.00 MESSEHALLE [EF]

spieleabend 18.00 STEINHAUS [EF]

diverses

buchpremiere: rache ist blutwurst 20.00 CAFÉ DUCK DICH [EF]

ferienspezial: black beat [hip-hop, r&b, soul] 21.00 CENTRUM [EF]

semesteranfangsparty angewandte informatik 21.00 E-BURG [EF]

Faust 1 zu 2 _06.04._20.00

Coloured Vibes _08.04.

__Kiurtheater (BaLi)

__The Londoner (GTH)

Jetzt mal ehrlich, wer von euch bekommt den Osterspaziergang noch ohne nachzulesen zusammen? Hat ja jeder von uns mal auswendig lernen müssen. Lutz Schwarze und Jethro D. Gründer vom früheren Burgtheater (feb) frischen euer Gedächtnis schon auf, wobei die es ja auch meist nicht so genau mit den Originaltextvorgaben nehmen. Zu Ostern eindeutig ein Pflichttermin! 24 [terminpost]

Wie beschreibt man am besten die Musik von Coloured Vibes? Ruhige Jazzmusik trifft auf groovenden Funk und tanzenden Swing. So entsteht eine Mixtour, die live on stage sich gern die Freiheit bunter Improvisation nimmt. Das Repertoire der Band reicht dabei von eigenen Kompositionen über Klassiker des Smooth Jazz bis hin zu Coverversionen moderner Funkgrößen á la Nils Landgren und den Brand New Heavies. (2x2 Freikarten)


do 05.04.

fr 06.04.

sa 07.04.

so 08.04.

cocktails and more 20.00 R´N´B BAR

angebraten wird [biergarten eröffnung/großes bier 1/2 preis] 19.00 NISCHE

konzert: schimpf & schande 21.00 THE LONDONER

konzert: pid gawin [england] 21.00 CARNABY

konzert: the wish [high energy rock] ROCK INN

hoppel-doppeldecker [dj blaxx & zwette, dj sledge] ATRIUM

1 euro party [main: black happy boys & dj mad dog] ATRIUM

konzert: coloured vibes 21.00 THE LONDONER

ladies night 20.00 R´N´B BAR

tripledecker [main: dj psichoz & monorecords, club: dj blaxx] ATRIUM

gwyn ashton [roots-orientierter bluesrock] 20.00 PRESSENWERK

der bunt gemixte querbeetbeat [feat.: dj lutscher] 21.00 KW 70

klub-time 20.00 HAUNSCHER HOF

house party [heinz felber, dj pierre, dj locke] PRESSENWERK

70er/80er party 21.00 KW 70

abijahrgangstreffen KULTURFABRIK

pete gavin & shanghai blues gang KULTURFABRIK

kuellmer 21.00 KULTURFABRIK

depeche mode & 80’er [leitmotiv 136 & marcus] EULENSPIEGEL [BALA]

brit-pop & independent 21.00 CENTRUM [EF]

faust I zu zweit 19.30 THEATER [BALI]

ay caramba [charts, house, 80s/90s-party] 21.00 HAUS VOGTEI/OBERDORLA

the 54 anthem [boogie pimps, mark j klak, stephano] JOUE JOUE [EF]

floorshakers [soul&skaallnighter] 23.00 E-BURG [EF]

house nation [stephano, markus gardeweg, kay paul] JOUE JOUE [EF]

nachtschwäermer meets eule [r. blunt, p.simon, eschi] EULENSPIEGEL

[terminpost] 25


mo 09.04.

di 10.04.

mi 11.04.

eisenach

traditionelle faust-matinee 11.00 LTE

eisenach

ostermontags-gratis-bowlen 12.00 PIN BOWL

eisenacher kriminalgeschichten 19.30 MARTINLUTHER GYMNASIUM

eisenach

ein abend mit beamish 19.00 SCHORSCHL

mfo [mad flirt offensive] 20.00 MAD

cocktail happy hour 18.00 SCHIFFCHEN

mittwochskino: der kick 15.00, 17.30 & 20.00 CAPITOL

eisenach

electric coffee 22.00 SOUND & CULTURE

eisenach

coyote table night [heißer sound & girls in action] THE BEACH

eisenach

coyote bar [tequila für 1,- €] SCHIFFCHEN

eisenach eisenach

Disbelief _14.04._21.00

80s mit DJ Crome _14.04._20.00

__Gleis1 (EA)

__Fifty Four (EA)

Der Metal-Tipp des Monats! Disbelief sind wieder da und haben mit „Navigator“ eine mächtig kraftvolle neue Scheibe im Tourgepäck. Seit mehr als 15 Jahren sind die Hessen fest in der europäischen Metalszene verankert, ihr eigener Sound tendiert stellenweise mächtig und düster in Richtung Doom. Als Support sind noch Human Nature (KYF) und The Unchallanged (SM) für das Metalfest gebucht. (2x1 Freikarte: info@diggla.org) 26 [terminpost]

Oh, da will sich wohl jemand aufwärmen. Denn heute in zwei Wochen (28.4) soll es zur Wiederbelebung der „Sound of the 80s“ im neuen Spitz kommen. Muss er also endlich mal wieder seine feine Achtzigersammlung durchsortieren und die Handgelenke lockern. Da er demnächst vermutlich viel zu tun haben wird, ist es also noch mal eine nette Gelegenheit, Crome bei einem kleinen Clubgig in FiftyFour-Atmosphäre zu erleben.


do 12.04.

fr 13.04.

sa 14.04.

so 15.04.

electroniclounge: crissy göring FIFTY FOUR

elisabeth.ikone [tanztheater] 19.30 LTE

spur der steine [film, diskussion & lesung] 17.00 CAPITOL

matinee zur premiere: la cenerentola 11.00 LTE

crazy mixx [verschiedene musikstile] 22.00 SOUND & CULTURE

ladies latin cocktail night 21.00 THE BEACH

brass highlights [das austrian brass consort] 19.30 WARTBURG

die puppenfee [ballett] 15.00 ALTE MÄLZEREI

friday night club 21.00 MAD

mad-member party 21.00 MAD

gastspiel: frohe feste [komödie] 15.00 LTE

day dungeon, dust over eden [deathmetal] 21.00 SOUND & CULTURE

rüdiger mund [folk & oldies] 21.00 IRISH PUB O´TOOLES

kammerkonzert [werke von mozart, schumann,..] 19.00 LTE

punkrock-night [brainlesswankers & blind approach] GLEIS 1

ugm vs. freiraumkultur [elektronisch ] 22.00 SOUND & CULTURE

movienight [cocktails 4euro] 20.15 FIFTY FOUR

metal-night [disbelief, the unchallenged & human nature] GLEIS 1 80‘s mit mane FIFTY FOUR ute freudenberg [ostrockparty dj baloo] 20.00 KUZE BEHRINGEN

[terminpost] 27


mo 09.04. gotha

anatevka [musical] 20.00 KULTURHAUS

di 10.04. großes bier zum kleinen preis 20.00 CARNABY college day [cocktails 2€ günstiger 20.00 R´N´B BAR

gotha

mi 11.04.

spieleabend 19.00 NISCHE happy hourparty 21.30 ROCK INN

gotha bad salzungen bad salzungen mühlhausen

cineextra: scoop - der knüller 17.00 & 20.15 CINESTAR

diverses

happy-jever-montag 15.00 ENGELSBURG [EF]

semesteranfangsparty 20.00 CAFÉ DUCK DICH [EF]

spieleabend 18.00 STEINHAUS [EF]

diverses

konzert: the answer 21.00 MUSEUMSKELLER [EF]

ferienspezial: black beat [hip-hop, r&b, soul] 21.00 CENTRUM [EF]

live: the fuzztones 21.00 E-BURG [EF]

Live: Schandmaul _13.04._21.00

Live: Dendemann _13.04._21.00

__Pressenwerk (BaSa)

__Club Centrum (EF)

Der Bandname deutet schon in die richtige Richtung, hier geht es musikalisch in die Ecke brachialer deutscher Rockmusik, die einstmals von Bands wie Subway To Sally oder In Extremo erfolgreich vorangebracht wurde. Allerdings sind auch Schandmaul bereits seit 1998 in diesem Hexenkessel unterwegs, weshalb die Bayern auch alles andere als unbekannt sind. Wer diese Mucke mag, macht also nichts verkehrt. (2x1 Freikarte) 28 [terminpost]

Dendemann! Mal wieder ein guter Grund für einen Kurzbesuch in der Landeshauptstadt. T’schuldigung, der Nichtschwimmer kommt, um mit euch in der Pfütze des Eisbergs zu baden. Endlich. Neben Jan Delay wohl mit einer der einprägsamsten Stimmen im deutschen HipHop-Lager beschenkt, ist er der Geschichtenerzähler, dem man so gerne zuhört. „Jedes kleine d hat ein großes Ende, Mann!“ Aber nicht doch jetzt schon.


do 12.04. cocktails and more 20.00 R´N´B BAR

fr 13.04. ladies night 20.00 R´N´B BAR

doppeldecker [main: monorecords, club: dj andre le son] ATRIUM

sa 14.04. bandstand 20.00 CARNABY

so 15.04. caipi sunday 20.00 R´N´B BAR

bandstand [irish folk band] NISCHE hot & dirty [bad boy crew on stage] ATRIUM

klub-time 20.00 HAUNSCHER HOF

schandmaul [mit leib und seele tour 2007] PRESSENWERK

housensation 22.00 KW 70 stef white & kersten de ligny [americana-trio] 21.00 HAUNSCHER HOF

ulli masuth [politisches kabarett] 21.00 KULTURFABRIK

konzert: calling card 21.00 KULTURFABRIK

bates@ villa k. SCHMALKALDEN

premiere: das gauklermärchen 20.00 3K [MHL]

joue joue ’s draq disaster [superzandy, stephano, andlee] JOUE JOUE [EF]

kudernatschs kautsch [gäste & geschichten] 21.00 E-BURG [EF]

live: dendemann 21.00 CENTRUM [EF]

bandstand [transilvanian beatclub & jack frost] ROCK INN [GTH]

Bandstand-Kneipenfestival _14.04._20.00 __Innenstadt (GTH)

Gotha zieht wieder mal quer durch seine Kneipen, mit dabei sind u.a. die schon bekannten Vibration Syndikate (Ska/Reggae), Wie’en (Fun Rock), The Crashcats (Rockabilly), Brite (Brit Pop), Millers Cat (Irish Folk) und noch eine ganze Menge mehr. Das Prinzip, einmal zahlen und dann mit Freunden möglichst viele Bands erleben, brauchen wir nicht weiter zu erklären. Immerhin ist das Bandstand in Gotha schon länger. [terminpost] 29


mo 16.04. eisenach

ein abend mit beamish 19.00 SCHORSCHL

eisenach

di 17.04.

mi 18.04.

cocktail happy hour 18.00 SCHIFFCHEN

mittwochskino: ein gutes jahr 15.00, 17.30 & 20.00 CAPITOL

novitätenlese im frühjahr 19.30 BUCHHANDL. LESELUST

afterwork party FIFTY FOUR

eisenach

gabriel vallejo-quartett with helena ruegg 19.30 ALTE MÄLZEREI

eisenach

mfo [mad flirt offensive] 20.00 MAD

eisenach

minimal is mittwoch [olaf korsten] 22.00 SOUND & CULTURE

eisenach

coyote table night [heißer sound & girls in action] THE BEACH

eisenach

coyote bar [tequila für 1,- €] SCHIFFCHEN

eisenach

ladies-fitness-day PIN BOWL

Franklin de Costa _21.04._22.00

Radio Top40-Party _21.04.

__Sound & Culture (EA)

__KUZE (Behringen)

Franklin de Costa (trapez, einmaleinsmusik) war mal Drummer in verschiedenen Bands. So richtig mit Einflüssen aus Metal, Jazz und ganz fettem 70ies Progrock. Dann kam ein Amiga Computer ins Spiel, frühe Trackermusik mit Ausblick auf eine neue musikalische Zeitenwende. Plötzlich also Techno, straighte Grooves und unzählige DJ-Sets von Frankfurt bis St. Petersburg in seiner Handschrift. (2x1 Freikarte: info@diggla.org) 30 [terminpost]

Die grünen Sounddealer Björn & Oliver sind unterwegs ins KUZE nach Behringen, unterwegs sammeln sie noch Specialguest Louis Garcia ein und dann soll sie durchstarten, die Party mit Thüringens coolstem Radiosender. Zu Garcia bedarf es kaum noch Worte, steht der Name für rockende Partysets wie kaum ein anderer. Wir sagen mal einfach „Forever“, das müsste reichen. Behringen leuchtet grün. (2x1 Freikarte: info@diggla.org)


[terminpost] 31


Fotografien von Roman Bezjak „Es sind nicht Träume, die Roman Bezjak ins Bild setzt, sondern das Erwachen danach. Und die Hoffnung darauf, dass der Himmel nicht länger geteilt bleibt. Ein Stoff also, über den sich faustdicke Romane schreiben ließen. Oder epische Theaterstücke mit unendlich viel Personal...“

Foto: Mazar I Sharif, Afghanistan 1994 Roman Bezjak arbeitete lange Zeit als Bildjournalist für verschiedene Magazine, unter anderem GEO oder das FAZ-Magazin. Viele seiner Serien entstanden dabei auf Reisen in ehemalige Sowjetrepubliken, auf dem Balkan oder eben auch in Afghanistan. Oft sind es die abgebildeten Menschen, die den Reiz seiner Reportagefotografien ausmachen. Bezjak zeigt sie in ihrem alltäglichen Lebensumfeld, ungekünstelt und respektvoll. Für eine Serie über russische Gefängnisse bekam er 1995 den Deutschen Fotopreis. Eine Auswahl seiner Arbeiten ist bis Mai in der Eisenacher Galerie Ulrich Kneise zu sehen. Galerie Ulrich Kneise I Forum Fotografie Haus Bohl e.V. Karlstraße 32, 99817 Eisenach Tel. 03691 – 74 20 78

34 [terminpost]


do 19.04.

fr 20.04.

sa 21.04.

so 22.04.

lena neudauer [sonaten für violine solo bwv] 19.30 BACHHAUS

howie the rookie [vorstadtballade] 19.00 ALTE MÄLZEREI

premiere: la cenerentola 19.30 LTE

brunch-bowlen 10.00 PIN BOWL

electroniclounge: gegendenton [gegendenton] FIFTY FOUR

gastspiel: frohe feste [komödie] 19.30 LTE

pim toscani-trio 20.30 ALTE MÄLZEREI

matinee zur premiere: deidamia 11.00 LTE

crazy mixx 22.00 SOUND & CULTURE

p‘n‘r-explosion [texas motherfuckers & flying trashbags] GLEIS 1

tripledecker 21.00 MAD

die kuh rosmarie [komödie] 15.00 ALTE MÄLZEREI

karaoke FIFTY FOUR

opening-party [live & djs] SPITZ

tannhäuser und der sängerkrieg auf Wartburg 19.00 WARTBURG

little willie littlefield 20.30 ALTE MÄLZEREI

tillerman [folk & oldies] 21.00 IRISH PUB O´TOOLES

movienight [cocktails 4euro] 20.15 FIFTY FOUR

hc-konzert: friends sucks, owen, two minutes appear 21.00 SOUND & CULTURE

stonerrock [duster 69, demonwax & sunburn] GLEIS 1

friday night club 21.00 MAD

minimal inspiration [franklin de costa, micha meyer] 22.00 S&C

ladies latin cocktail night 21.00 THE BEACH

radio top40-party [louis garcia, björn, oliver] 21.00 KUZE BEHRINGEN

[terminpost] 35


mo 16.04.

di 17.04.

mi 18.04.

gotha

großes bier zum kleinen preis 20.00 CARNABY

spieleabend 19.00 NISCHE

gotha

college day [cocktails 2€ günstiger 20.00 R´N´B BAR

happy hourparty 21.30 ROCK INN

österreichischer abend 20.00 CAFÉ DUCK DICH [EF]

spieleabend 18.00 STEINHAUS [EF]

konzert: die rockys 21.00 MUSEUMSKELLER [EF]

live: russkaja 21.00 THÜRINGENHALLE [EF]

gotha bad salzungen bad salzungen mühlhausen diverses

cineextra: goyas geister 17.00 & 20.15 CINESTAR happy-jever-montag 15.00 ENGELSBURG [EF]

diverses

Axel Makana _20.04._21.00

Delicious DJanes _21.04.

__Pressenwerk (BaSa)

__JOUE JOUE (EF)

Das war ja klar, unsere Vermutung im Artikel zur Abschiedstour von Mutabor ist damit bestätigt. Denn deren Frontmann Axel ist hiermit zurück auf den Bühnen der Republik und somit auch auf der vom Pressenwerk. Kennt sich ja aus hier. Reggae und Latingrooves werden mit afrikanischen und orientalischen Elementen verfeinert und von sehr optimistischen deutschen Texten getragen. Knüpft schon ein bisschen an Mutabor an... 36 [terminpost]

Mit Denise & Karina Jensen aus Kopenhagen, zusammen Delicious, beweist Dänemark, dass nicht nur der Weihnachtsmann aus dem hohen Norden kommen muss, um für Entzückung zu sorgen. Als Resident DJanes bespielten diese bezaubernden Damen die Bay Bar auf Ibiza & sorgten im Papagayo in St. Tropez für Ausflipp-Stimmung beim Publikum. Kein Wunder, dass sie als heiße Newcomer in Europas Clubszene gelten.


do 19.04.

fr 20.04.

sa 21.04.

so 22.04.

cocktails and more 20.00 R´N´B BAR

mode 2 rock [depeche mode coverband] ROCK INN

konzert: the thors 21.00 THE LONDONER

caipi sunday 20.00 R´N´B BAR

doppeldecker [küche 80 - monorecords & dj mad dog] ATRIUM

die schöne helena [operette] 20.00 KULTURHAUS

tripledecker [monorecords - luke & dj mad dog, blaxx] ATRIUM

jürgen von der lippe [alles was ich liebe] 20.00 KULTURHAUS

ladies night 20.00 R´N´B BAR

rockparty mit dj micha ROCK INN

axl makana & ohrkesta PRESSENWERK

6. bad salzunger kneipenfest [excite] 20.00 KW 70

klub-time 20.00 HAUNSCHER HOF

autumn rain [kneipenfest] 20.00 HAUNSCHER HOF klamms krieg [mit anschließender diskussion] 10.00 & 14.00 3K

rundumleuchten [punk] KULTURFABRIK

depeche mode-party KULTURFABRIK

das gauklermärchen 16.00 3K

erfurter spätlese- live: ingsteph & ko 20.00 PRESSEKLUB [EF]

pop ludwig präsentiert: boppin‘ b 21.00 HSD [EF]

delicious [delicious djanes, stepahno, andlee] JOUE JOUE [EF]

musikal.-literar. mozartprogramm 16.00 RATHAUSHALLE [MHL]

stokers under surface [ebm, electro, darkwave] 22.00 E-BURG [EF]

little willie littelfield 20.00 PUSCHKINHAUS [MHL]

[terminpost] 37


mo 23.04. eisenach

ein abend mit beamish 19.00 SCHORSCHL

di 24.04. cocktail happy hour 18.00 SCHIFFCHEN

mi 25.04. tequila-bowlen PIN BOWL

eisenach

coyote bar [tequila für 1,- €] SCHIFFCHEN

eisenach

coyote table night [heißer sound & girls in action] THE BEACH

eisenach

electric coffee [techhouse, electro] 22.00 SOUND & CULTURE

eisenach eisenach eisenach eisenach

Last School Day _26.04._20.00

Born To Be Wild II _28.04._20.00

__Spitz (EA)

__Alte Mälzerei (EA)

In den Siebzigern lieferte noch Alice Cooper den Soundtrack zum letzten Schultag: Schools Out. Kann durchaus sein, dass die Jungs der Stormy Weather Connection auch diesen Klassiker auf ihrem Songzettel haben. Egal ob Milk&Water oder Elis Summerjam, mit den Jungs wurde immer gefeiert bis wirklich nichts mehr ging. Dürfen übrigens auch Leute mit „Abi2000“ oder „Abi1973“ T-Shirts kommen & ohne Abi natürlich auch. 38 [terminpost]

Angret Engelmann vom Jungen Theater Eisenach startet in die zweite Runde ihrer sehr empfehlenswerten „Born To Be Wild“ Reihe. Das Dumme daran ist nur, wer erst hinterher davon hört, hat Pech gehabt. Denn diese Veranstaltungen gibt es anders als im Theater immer nur einmal. Beim ersten Teil wurde die Mälzerei zur Hafenkneipe und man hatte viel Spaß. Arbeitstitel diesmal: „Sie hören und verstehen mich nicht“.


do 26.04.

fr 27.04.

sa 28.04.

so 29.04.

co-starring [komödie] 19.00 ALTE MÄLZEREI

tannhäuser und der sängerkrieg 19.00 WARTBURG

born to be wild teil II 19.00 ALTE MÄLZEREI

gastspiel: tartuffe 15.00 LTE

la cenerentola [komische oper] 19.30 LTE

gastspiel: animal farm 19.30 LTE

4-way-street [folk & oldies] 21.00 IRISH PUB O´TOOLES

movienight [cocktails 4euro] 20.15 FIFTY FOUR

electroniclounge: mima [kozmonautenmusique] FIFTY FOUR

lateinamerikanische musik 20.00 CAFÉ BALANCE

2 elements & dj d-nice b-day bash 2007 21.00 MAD

abiparty: stormy weather connection live SPITZ

folk-konzert mit peter folk 21.00 GLEIS 1

releas ep electric coffee [electronisch] 22.00 SOUND & CULTURE

crazy mixx 22.00 SOUND & CULTURE

ladies latin cocktail night 21.00 THE BEACH

ska-rock-punk mit bockbierhagel GLEIS 1

friday night club 21.00 MAD

sound of the 80s [crome] SPITZ

[terminpost] 39


mo 23.04.

di 24.04.

gotha

großes bier zum kleinen preis 20.00 CARNABY

gotha

college day [cocktails 2€ günstiger 20.00 R´N´B BAR

mi 25.04. spieleabend 19.00 NISCHE

gotha bad salzungen bad salzungen mühlhausen

cineextra: white planet 17.00 & 20.15 CINESTAR

diverses

happy-jever-montag 15.00 ENGELSBURG [EF]

live: jesushouseband 19.30 CENTRUM [EF]

pop ludwig präsentiert: tony vega 21.00 MUSEUMS KELLER [EF]

diverses

plauderabend deluxe [lesung mit 3-gänge-menü] 19.00 E-BURG [EF]

cocktail-lounge [2 for 1] 20.00 PRESSEKLUB [EF]

eburg-semesterauftaktparty 21.00 E-BURG [Ef]

Leaves Eyes & Support _27.04._20.00

Live: Keimzeit _28.04._21.00

__KW 70 (BaSa)

__Kufa (MHL)

Wenn Disbelief Metal-Tipp des Monats sind, dann sind Leaves Eyes eben der Gothic-Metal-Tipp des Monats. Hinter den Namen stehen die Norwegerin Liv Kristine, frühere Frontfrau von Theatre of Tragedy sowie einige Musiker von Atrocity. Ziemlich atmosphärisch erzählen sie Legenden & Geschichten von Liebe und Leidenschaft aus der sagenumwobenen „Vinland Saga“ aus dem 12. Jahrhundert. Mit Lacrimas Profundere und Asgaia. 40 [terminpost]

Liebe Keimzeit-Fangemeinde, eure Lieblingsband ist wieder einmal im Lande. In Mühlhausen, in der dortigen Kulturfabrik „Ledernes Käppchen“. Nennt man so was jetzt ein feines, intimes Klubkonzert? Kann schon sein. Denn ihr habt eure Lieblingsband ja schon in richtig großen Sälen zugejubelt. Im Sommer kommen die Jubiläumskonzerte, doch so ein direktes Erlebnis ist schon was ganz Besonderes. (2x1 Freikarte)


do 26.04. cocktails and more 20.00 R´N´B BAR

fr 27.04. ladies night 20.00 R´N´B BAR

sa 28.04. konzert: stördienst & bombecks [oipunk] ROCK INN

shakespeare in music 20.00 KULTURHAUS

sound in motion [heiko mso and many more] ATRIUM

doppeldecker [danny dyk, andre le son] ATRIUM

the polars & gäste STADTHALLE

kino: frida 20.00 HAUNSCHER HOF

legend land tour 2007 [leaves‘ eyes, lacrimas profundere] 20.00 KW 70

so 29.04. caipi sunday 20.00 R´N´B BAR

1. föstrogen - hiphop convention 21.00 KW 70 knorkator [die nächste tour aller zeiten] PRESSENWERK

17 hippies – die ganze wahrheit tour 2007 21.00 HSD [EF]

deep blue light [coverrock] KULTURFABRIK

live: keimzeit KULTURFABRIK

buchlesung: 50 jahre backstage 19.30 STADTBIBLIOTHEK [MHL]

palham / 13’ter night EULENSPIEGEL [BALA]

konzert: geile götter 22.00 MUSEUMSKELLER [EF]

radio top 40’s plattenbau goes JOUE JOUE [EF]

50 jahre bummi mit den ulf und zwulf 16.00 SCHWANENTEICH

[terminpost] 41


mo 30.04.

di 01.05.

mi 02.05.

eisenach

ein abend mit beamish 19.00 SCHORSCHL

coyote bar [tequila für 1,- €] SCHIFFCHEN

eisenach

oktoberfest 21.00 MAD

coyote table night [heißer sound & girls in action] THE BEACH

eisenach

birthday-bash 2jahre! [mit zerosystem,...] 21.00 GLEIS 1

eisenach

hüftschwung ost party [tanzbare funktionsmusik] 22.00 SOUND & CULTURE

eisenach eisenach eisenach eisenach

Birthday Bash _30.04.

Walpurgisnacht _30.04.

__Gleis1 (EA)

__Blocksberg

In der Bahnpost tobt der Rock’n’Roll, das Gleis1 wird 2 Jahre jung. Herzlichen Glückwunsch und auf ein neues, drittes Jahr Livegeschichte in Eisenach. Wenn es auch nicht immer leicht ist, so sorgt der Club am Bahnhof immer wieder für neue Impulse in Sachen Livemusik. An dieser Stelle mal Respekt und Danke dafür. Heute wird gefeiert, Zerosystem und Magic Bullet spielen zum Hexentanz. Ab zum Bahnhof, eine Runde rocken. 42 [terminpost]

Lust auf ein anderes Maifest? Dann schnellstens in den Harz geflogen: In der Nacht vom 30.4. zum 1.5 versammeln sich auch dieses Jahr wieder die Hexen auf dem Tanzplatz, um zum Blocksberg zu fliegen und sich mit dem Teufel zu vermählen. In den letzten Jahren hat sich daraus eine Großveranstaltung mit umfangreichem Kultur- und Volksfestprogramm entwickelt.


mo 30.04.

di 01.05.

mi 02.05.

gotha

spieleabend 19.00 NISCHE

gotha

happy hourparty ROCK INN

gotha bad salzungen

ska mutiny tour 2007 [regatta 69 u.a.] PRESSENWERK

bad salzungen m端hlhausen

cineextra: prestige 17.00 & 20.15 CINESTAR

diverses

der knallrote gummibeat 21.00 MULTIHALLE [BERCHFELD]

diverses

jackie leven-duo 21.00 MUSEUMSKELLER [EF]

house kitchen [k端che 80, stephano black sheep] JOUE JOUE [EF]

[terminpost] 43


44 ::: theater


>> Der neue smart. Im neuen smart haben Sie da Spaß, wo andere nur fahren. Mit einem neuen, geschmeidigen Getriebe und Motoren, die nicht nur kraftvoll, sondern auch sparsam und besonders emissionsarm sind. So können Sie ruhig mal eine Extrarunde drehen. Testen Sie den neuen smart. Ab 31.03.07 bei Ihrem smart Händler. Erhältlich ab 9.490 €.* Fragen Sie nach unseren attraktiven Finanzierungsmodellen mit 3,9 % p. a. * Das abgebildete Fahrzeug entspricht nicht dem Angebot. Vorhandene Modelle

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01.04. 05.04. 06.04. 07.03. 09.04. 13.04. 14.04. 15.04.

20.04. 21.04. 22.04. 26.04. 27.04. 28.04. 29.04.

15.00 19.30 19.30 19.30 11.00 19.30 19.30 11.00 15.00 19.00 19.30 19.30 11.00 19.30 19.30 19.30 15.00

Elisabeth.Ikone Gastspiel: Tartuffe La Bohème Ein Käfig voller Narren Traditionelle Faust-Matinee Elisabeth.Ikone Ein Käfig voller Narren Matinee zur Premiere: La Cenerentola Gastspiel: Frohe Feste Kammerkonzert Gastspiel: Frohe Feste Premiere: La Cenerentola Matinee zur Premiere: Deidamia La Cenerentola Gastspiel: Animal Farm La Bohème Gastspiel: Tartuffe

03.04. 04.04. 15.04. 20.04. 22.04. 26.04. 28.04.

15.00 15.00 15.00 19.00 15.00 19.00 19.00

Die Puppenfee Die Kuh Rosmarie Die Puppenfee Howie the Rookie Die Kuh Rosmarie Co-Starring Born to be wild II

13.04. 14.04. 21.04. 22.04.

20.00 20.00 20.00 16.00

Premiere: Das Gauklermärchen Das Gauklermärchen Das Gauklermärchen theater-tee: Das Gauklermärchen

05.04. 06.04. 07.04.

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20.00 19.30 20.00

FAUST I zu Zweit FAUST I zu Zweit FAUST I zu Zweit

Weinhandlung Leisinger [EA] Theater [BaLi] Thüringer Hof [EA]


AG

Mit Mark O’Rowes Howie The Rookie wagt sich das Junge Theater Eisenach an eines der erfolgreichsten Stücke der irischen Theaterszene. Es führt den Zuschauer direkt in die dreckigen Gassen der Dubliner Vorstädte, die Heimat der jugendlichen Protagonisten Howie Lee und Rookie Lee. Für die beiden Namensvetter und erbitterten Feinde geht es ums Überleben in einer brutalen Welt. Kein Geld, keine Perspektive und keine intakte Familie: So sieht die knallharte Realität aus. Um dieser Langeweile und Trostlosigkeit zu entkommen vertreiben sie sich die Zeit mit beliebigen Sexaffären und aggressiven Bandenkriegen. Doch ein tragischer Schicksalsschlag verändert schlagartig das gereizte Verhältnis der vermeintlich harten Jungs. Die Inszenierung von Anja Horst und Marcus Coenen bietet keine einheitliche Bühnensituation, sondern lässt Rookie (Marcus Coenen) und Howie (Eric Eisenach) in separaten Räumen und Monologen agieren.

Zwischen herumliegenden Sexmagazinen, leeren Pizzaschachteln und diversen Bierflaschen erzählen beide nacheinander eine Geschichte aus ihrer jeweiligen Perspektive. Das Publikum befindet sich mittendrin und wird unerwartet selbst zum Teil der Clique. Durch die fehlenden Versteckmöglichkeiten im Zuschauerraum wird die geballte negative Energie dieser suburbanen Lebenswelt fühlbar. Den Akteuren gelingt es dabei eindrucksvoll, die jugendlichen Gefühle, Aggressionen und Probleme der beiden Hauptfiguren lebensecht darzustellen. Mitunter zwingen die erschreckend ehrlichen Monologe und das vulgäre Gossenvokabular dem peinlich berührten Zuschauer ein verzweifeltes Lächeln ab. Die Milieustudie will auf allgegenwärtige soziale Missstände wie Gewalt oder jugendlichen Leichtsinn hinweisen, die jedoch häufig wegdiskutiert werden.

[theater] 47


Zu einer gelungenen Inszenierung gehört so vieles, die Künstler, das perfekte Licht und vieles mehr. Schon mal gefragt, wie z.B. die Kostüme entstehen oder wer die Bühnendeko entwirft? Wir wollten das diesmal wissen und trafen uns daher mit Gastausstatter Dorin Gal, früher selbst einmal Tänzer und heute erfolgreich an Bühnen in Wien, Salzburg oder Budapest tätig.

diggla: Was uns schon immer interessierte – wie nähert man sich einem so komplexen Thema wie der Elisabeth?

Das ist eigentlich das Schwierigste, zuerst kommt die Idee. Die hatte Kajdanski, als er sagte, er wolle Elisabeth von Thüringen machen. Davon sprach er schon sehr früh. Ich wusste damals gar nicht, wer Elisabeth eigentlich war. Also hab ich eine Menge Bücher gekauft, mich informiert und mit Tomasz dann ausgetauscht. Die erste Assoziation ist dann natürlich die Wartburg, ein toller Saal oder ähnliches. Man denkt ein bisschen kulinarisch. Aber je mehr man liest, den Charakter kennen lernt, umso mehr kommt man zu einem anderen Ansatz ans Bühnenbild. diggla: Also gehört lesen immer mit zu deinem Job?

Ja, man sieht beispielsweise die Zeit, in der sie lebte. Das ist sehr wichtig. Anschließend sucht man nach Symbolik, weshalb ich die Ausstellung besucht und auch den Katalog dazu habe. Man konzentriert sich auf die Umgebung, wo lebte sie? Welche Zeit war das und welcher Stil? Man kann es auch in eine andere Zeit versetzten, aber gerade bei Elisabeth ist es doch wichtig, dass man es in der Zeit lässt. Nur denke ich auch, dass man dem Publikum schon seine eigenen Gedanken lassen sollte. diggla: Wie äußert sich das dann in deiner Arbeit?

Nun, ich habe nicht versucht Details der Wartburg eins zu eins umzusetzen, wichtiger ist die entstehende Atmosphäre. Ich denke, man kann das jetzige Bühnenbild auch mit einem Kloster assoziieren, oder mit einem Kerker, einem Inquisitionsraum, einem leeren Palast oder auch mit Bildern von Piranesi wenn das Bühnenbild so offen ist. Das finde ich viel wichtiger, als einen Raum zu fotografieren und daraus eine Projektion zu machen, auch wenn das heute üblich ist. diggla: Bekommt man als Ausstatter da konkrete Vorgaben vom Regisseur, der ja sein eigenes künst48 [theater]


lerisches Bild hat? Oder von der Geschäftsleitung, welche die Finanzen zu verantworten hat? Ich bekomme einen Vertrag, meist ein Jahr im Voraus. Und in diesem steht beispielsweise drin, wie viel Geld ich zur Verfügung habe. Dann mache ich ein Modell bis zur Bauprobe, die gut sechs Monate später ist, und auch die Zeichnungen. diggla: Das Modell als Art Prototyp fürs Bühnenbild. Da ähnelt ja der Job des Bühnenausstatters dem eines Designers in der Industrie doch sehr, oder?

Ganz genau, das ist auch das Schöne daran. Du hast eine gewisse Freiheit und wenn du mit den Theaterleitungen, dem jeweiligen Regisseuren oder Choreografen bereits öfters zusammengearbeitet hast, du deren Vertrauen hast, dann hast du selbst auch nicht mehr diesen Druck. Werden sie es annehmen, oder nicht? Trotzdem ist immer die Bauprobe der Punkt. Du kommst und jemand sagt „oh Gott“. Ist mir zum Glück noch nie passiert. Mein Ziel ist es immer, dass die Leute es sich ansehen und sofort verstehen, was ich damit meine. Da kommen die Symbole wieder ins Spiel. diggla: Welche sind das konkret bei Elisabeth?

Es gibt immer viele Symbole, das ist oft dann auch Klischee. Sieh diese Öffnungen da (zeigt auf die hintere Wand des Bühnenbilds, in dem rechteckige Öffnungen sind), das sind Fenster. Ich hätte sie auch im romanischen Stil machen können, dieses Klischee wollte ich nicht. diggla: Wie stark ist man denn anschließend auch an der Umsetzung involviert, arbeitet mit Bühnenbauern oder Kostümnäherinnen zusammen?

Sehr viel. Kannst du dir vorstellen, dass es sonst einen ganz anderen Charakter bekommen kann? Dazu gehören die richtigen Materialien z.B. bei der Wand da hinten. Das sind zwei Ebenen, ein Papierstoff und

ein Molton, wo man seine Vorstellungen auch klar machen muss. Das passiert bei der Werkstattabgabe, wo die ganze Crew an einem Tisch sitzt und ich ihnen meine Ideen erläutere. Hier kommen auch Vorschläge, wie man es anders oder preiswerter machen kann. Die Leute haben ja auch ihre Erfahrungen, weshalb man hier kompromissbereit sein muss. Es gibt später durch Licht und Änderungen für die Choreografie immer noch Änderungen. Das Ergebnis muss im Kostenplan bleiben und dich trotzdem am Ende voll zufrieden stellen. diggla: Wie viel Projekte bearbeitet man denn als Ausstatter parallel?

Ich hatte gerade eine Premiere in Würzburg, Romeo und Julia. Außerdem arbeite ich am Nussknacker für Wien, ein riesiger Schinken, und an Produktionen in Salzburg und Toronto. Da entsteht viel parallel und man muss auch ständig umdenken. Das ist nicht leicht, aber sehr schön. diggla: Wien, Salzburg, Toronto ... Eisenach? Wie kommt man an ein vergleichbar kleines Haus?

Tomasz Kajdanski und ich waren in München zehn Jahre lang Kollegen, wir haben gemeinsam angefangen zu arbeiten. Er hat mich eingeladen und die Arbeit an diesem Theater gefällt mir wirklich sehr. Wir verstehen uns sehr gut, es ist eine sehr harmonische Arbeit. diggla: Zum Schluss – was ist an diesem Bühnenbild das Besondere?

Der Clou ist, dass es sehr einfach ist und trotzdem eine große Wirkung zeigt. Wichtig ist auch der Torf, wieder ein Symbol für Erde. Für die Menschen, die Bauern einer der elementarsten Lebensgrundstoffe. Bei den Kostümen darf man nicht vergessen, dass die Tänzerinnen und Tänzer sich damit extrem bewegen müssen, die Kostüme dabei also auch nicht reißen sollten. Das ist schwer, aber hoffentlich gelungen.


Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin! Warum? Mit ihrem ausgeschriebenen Motto Funk For Peace liefern Fort Knox Five die Antwort. Das amerikanische DJ-Kollektiv gehört zu dem feinsten, was der Dancefloor zu bieten hat. Nicht umsonst können sie auf erfolgreiche Zusammenarbeit mit Popgrößen wie Gwen Stefani, den Beastie Boys und HipHop Urgestein Africa Bambaataa zurückblicken. Mit Reminted folgt nunmehr ein DJ Set mit exklusiven RMX der erlesensten Auswahl. Namen wie Malente, Ursula 1000, Nickodemus und Chris Joss finden ihren Weg in ein einstündiges Uptempo-Set . Die Jungs verstehen ihr Handwerk und bringen einen mit ihren feinen Übergängen vor Neid zum Erblassen. Der Bossa-Funk-Elektro treibt nach vorn, begrüßt den Frühling und leitet den nächsten Jahrhundertsommer ein. Man kann nur hoffen, dass neben dem digitalen Silberling auch die Vinylfraktion nicht zu kurz kommt. Ungemixt als 2LP. Schleck! Man wird sehen. [fs]

vö#06|04|07 Nach drei Jahren erscheint endlich die neue Kings Of Leon-Scheibe. Das gute Stück aus dem Hause Followill heißt Because Of The Times und ist laut Bandaussage das bisher reifeste Werk der Hippiesöhne aus Nashville. Zum dritten Mal macht das Quartett aus drei Brüdern und einem Cousin nun schon reine Familiensache. Die Followills haben auf dem neuen Album alle musikalischen Einengungen über Bord geworfen und die Weiterentwicklung angepeilt. Die Experimentierfreude der leidenschaftlichen Bartträger hat sich gelohnt. Während die Kings Of Leon bisher nach dreckig-ungehobeltem 70ies-Rock im Südstaatengewand klangen, spielen sie auf dem neuen Material ihr musikalisches Können erstmals voll aus. Darauf hört man neben dem gewohnt whiskeygetränkten, heiseren Gesang Caleb Followills neuerdings auch breitflächige, psychedelische Soundwände und ausgedehnte Gitarrensoli. Die komplexe und volle Instrumentierung macht Because Of The Times letztlich zu einem musikalischen Quantensprung für die junge Rockformation. [ag]

vö#20I04I07 Under water klingt recht überraschend nach perfekter Symbiose aus jüngeren Moonspell (Giterrenmelodien, Drive, Riffing) und alten Sisters of Mercy zu Vision thing-Zeiten (Vocals, Refrains). Die vier Burschen unter dem Banner Mainpoint gibt’s bereits seit 1996 und sie dürften mit diesem starken Goth´n´Roll in Kürze vor allem die schwarze Clubszene mächtig aufmischen, da sie vor allem eines kapiert und in Perfektion umgesetzt haben: Mitsingbare Hooklines, die sich bis ins hinterste deines Hirns festfressen, verständlich-cleane, dunkle und tiefe Gesänge werden dabei unterstützt von schnittigen Gitarrenmelodien, die zwar simpel, aber immer genau auf den Punkt gebracht den gewünschten Wiedererkennungseffekt erzielen und Schwung in die Beine bringen. Under water elektrisiert recht schnell und macht Lust auf mehr und vor allem Bock auf die Replay-Taste. Mit einem Durchlauf ist die Sache allerdings nicht getan, denn je öfter man die Scheibe hört, umso mehr stellt sich ein unwiderstehlicher Ohrwurmeffekt ein. Zusammen mit Bloodflowerz die derzeit wohl vielversprechendste deutsche Band im Bereich Gothic / Rock. Saustark! [dw]

vö#23I03I07 50 [platten]


Maximo Park ist wohl die bestgekleidete Combo in der Flut britischer Retro-Bands. Mit adrettem Nadelstreifenanzug und überkorrektem Seitenscheitel wirkt zumindest Sänger Paul Smith auf der Bühne wie ein Versicherungsvertreter auf Überdosis. Spätestens nach ihrem glamourösen Debütalbum wurden sie vorschnell als Kunstrock abgestempelt. Doch die Elektrorocker können mehr, als nur gut aussehen. Auf der zweiten Platte Our Earthly Pleasures fabrizieren Smith und Co. nun vielschichtigere und härtere Gitarrenmusik. Die intelligenten Texte handeln - wen wundert es - von den kleinen Alltagsfreuden: von Mädchen, Jungs und moderner Kunst. Markantes Merkmal ihrer Kunst sind weiterhin die mitreißenden Melodien. Statt auf einzelne Ohrwürmer, legte das Quintett aus Newcastle diesmal aber mehr Wert auf eine ausgefeilte Gesamtkonzeption. Obwohl das Album dadurch erst beim zweiten Hören elektrisiert, dürften zehn bedingungslos tanzbare Songs nicht nur bei Indiedisko-Freunden zu nervösem Fußzucken führen. [ag]

vö#30I03I07 Nine sind der Überraschungsüberflieger schlechthin! Die Schweden donnern mit It´s your funeral eine dermaßen harsche, megabrutale Death Rock Walze heraus, dass einem der Kittel wegfliegt! Als Grundgerüst für dieses sechste Album standen sicherlich Entombed oder Crack up Pate, zu denen man sich neben einer Spur Turbonegro und Integrity bitterbösen New Orleans Sludge der Marke Crowbar hinzudenken muss, über dem ein absolut genialer Brüllgesang thront, der einen hin und wieder doch an Skitsystem erinnert. Die sporadisch eingesetzten melodischen Vocals bzw. Refrains klingen typisch skandinavisch und passen zum Rest wie der Arsch auf den Eimer. Schöner kann man Metal, Rock, Hardcore, Sludge und Death´n´Roll einfach nicht durchmischen als Nine. It´s your funeral ist hochgradig eigenständig, wegweisend, individuell, tonnenschwer und absolutes Gift für die Trommelfelle, die nach immer mehr und vor allem mehr Lautstärke schreien. Mit dieser Band ist schwerstens zu rechnen, das hat Hand und Fuß und vor allem Zukunft. [dw]

vö#13I04I07 Geboren wurde die kleine Schwester vor einem knappen Jahr in Göttingen – genauer gesagt im Gebäude des Deutschen Theaters. Ihre Eltern heißen Jürgen Ufer von Eaten By Sheiks und Hans Kaul, Komponist und Theatermusiker am DT. Insgesamt ist die kleine Schwester zu fünft und singt mit sehr viel Lust und Liebe melancholische Texte zu harmonischen Melodien. Die musikalische Untermalung der kraftvoll-lieblichen Stimme von Rula Badeen liefern Echo-Gitarren, ein lyrisches Piano und ein feinfühliges Schlagzeug. Sie singt von Gefühlen, die wir alle schon mal gehabt haben: „Ich war mal wieder unterwegs, Freitag Nacht, jede Pore ganz weit vor Erwartung. Ich dachte schon, wenn ich noch länger einsam bin, muss ich bald zur Mentalberatung.“ Das Gute an der Schwermütigkeit in den Popsongs der kleinen Schwester ist, dass sie es trotzdem irgendwie schaffen, leichtfüßig daherzukommen. Ein Widerspruch? Spätestens wenn man sie live gesehen hat, weiß man dass subtile Trübsinnigkeit und ultimative Lebenslust einander nicht ausschließen müssen. Ach ja und: Wer die Helden mag, wird die kleine Schwester für einen halten. [vp] Hörproben gibt‘s bei MySpace und die CD bei schwestermusik@gmx.de.

vö#22I03I07 [platten] 51


Um zu wissen, wie die Musik von Casa Electro Novo klingt, nehmt ihr euch am Besten drei Freunde zur Hand und teilt die folgenden vier Zeilen unter euch auf: Freund 1: tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt tt Freund 2: bum bum bum bum bum bum bum bum bum bum bum bum bum Freund 3: tsak tsak tsak tsak tsak tsak Freund 4 (singend): I am a paiiiiiiiiinter I am painting the whole dayyyyyyyyyyy

Sind alle soweit? Ok, auf vier geht es los. Da ihr nun wisst, wie die Musik von Casa Electro Novo im Groben klingt, können wir jetzt ja zu den Feinheiten kommen: Das Album klingt äußerst homerecorded - was heutzutage jedoch nichts Negatives mehr ist - und „voll achtziger“. Die Intros einiger Lieder sind mit Roboterstimmen verziert und erinnern an frühere Tekknoklassiker wie Das Boot oder Das Omen. Wenn man nicht unbedingt auf die Texte hört, kann man das Album bestimmt im Nebenbeiweghören irgendwie weghören. Es ist schade, dass die Energie der Songs durch manch langweiliges Songwriting flöten geht. Ganz klar ist: Up Late braucht ein Update. [sb]

vö#23|03|07 Was haben Frau M. aus Passau, Herr K. aus Frankfurt am Main, Frau S. aus München und der im Hörbuch erwähnte Veranstalter des Göttinger Literaturherbstes gemeinsam? Was meinte Claudius als er schrieb: „und aus den Wiesen steiget, der weiße Nebel wunderbar“? Wie kann man Claudius Sätze so missverstehen, dass dabei „ und aus den Wiesen steiget, der weiße Neger Wumbaba“ herauskommt? Schon mal was von Der weiße Neger Wumbaba gehört? Oder besser gesagt, verhört? Die Kunst des Verhörens, darum geht es hier. Um Liedtexte, die man schon über Jahre hinweg falsch singt, die man sich von Anfang an falsch eingeprägt hat, sei es, weil man dem Englischen nicht mächtig ist, oder man einfach andere Worte versteht und diese dann als wahr erkennt (bestenfalls noch in einer großen Runde von Freunden laut mitgrölt, weil man ja „textsicher“ ist). Wie zum Beispiel den Kinder-Lehmann, der kommt, wenn man als Kind in schmutzigen Pfützen spielt. Oder Udo Jürgens, der noch niemals in Majork war, genau wie die kleine Hedwig, die jahrelang dachte, dass ein Bundesland nach ihr benannt sei: Hedwig-Holstein. Ebenfalls wird die Frage aufgeworfen, wer dieser „einsam“ ist, der bei „Stille Nacht, Heilige Nacht“ wacht. Ist er aus Erkorn? Ist er auserkoren? Die Kunst des Verhörens, vorgetragen von Axel Hacke, ist durchweg lustig und man sollte sich das Hörbuch kaufen, weil gerade die Hackesche Erzählkunst dieses urkomisch untermalt. Stellenweise erinnert seine Stimme an Karl Dall – zumindest in den lauten Passagen. Allein die Eröffnung, in der der Veranstalter des Göttinger Literaturherbstes zitiert wird mit: „Mit Interesse habe ich von Ihrem Buch der weiße Nigger gehört!“ führt dazu, dass man die CD nicht aus dem Player nehmen möchte, bis nicht die letzte Sekunde vorüber ist. „Jaja, gehört“, kommentiert Hacke die Worte des Veranstalters – mit anderen Worten: VERHÖRT! Und diese Verhörungen machen Spaß, viel Spaß. Unbedingt kaufen! [sb]

vö#09I03I07 52 [platten]


ASIA SNACK

Samurai-Blut fließt durch ihre Adern – wer Tarantinos Kill Bill gesehen hat, sollte eigentlich auch Lady Snowblood kennen: Lucy Liu hat dort gegen Ende von Kill Bill 1 einen phänomenalen Auftritt als Retroversion der japanischen Rachegöttin der frühen 70er. Asiaten sind anders, das dürfte sich auch hierzulande bereits herumgesprochen haben. Aber auch wenn man bereit ist, sich auf vieles einzulassen und wenn die weibliche Emanzipation zumindest im Westen das Eva-Herrman-Prinzip weitestgehend überwunden hat, fragt man sich doch, warum in Fernost-Filmen Frauen so gern als Rächerinnen auftreten. Was die Massenkultur Asiens, nicht nur in Japan, an solchen „starken“, „gefährlichen“ Frauen fasziniert, ist zweifellos das vermeintliche Schillern zwischen Desillusion und Unschuld, Macht und Ohnmacht, Maskulinität und Weiblichkeit. Die Figur der Schwertkämpferin Yuki im Zentrum der beiden bei Rapid Eye erschienenen Lady SnowbloodFilme geht auf den Manga-Comic Shurayuki-Hime von Kazuo Koike zurück – ein grandioses Tableau vor dem Hintergrund der Meiji Restauration Mitte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit massiver Spannungen zwischen Modernisierern und ihren Feinden, dem Ende der alten Samurai-Kultur und einer Heldin, die konventionelle feminine Züge mit denen eines männlichen Helden kombiniert. Yuki (souverän gespielt von Meiko Kaji) ist eine Betsushikime, eine weibliche Samurai. Im ersten Teil rächte sie ihre Familie, die Vergewaltigung ihrer Mutter und den Mord an ihrem Mann. Lady Snowblood 2 beginnt mit ihrer Verhaftung. Die Geheimpolizei bietet ihr einen Deal an: Sie soll als Undercover-Killerin im Staatsauftrag eine Gruppe von Anarchisten auslöschen, doch schnell wechselt sie die Seiten. Den Kultcharakter beider Filme und ihrer Hauptfigur,

der letztlich auch Tarantino inspirierte – man kann die gesamten Kill Bill-Filme als westliche Version des Lady Snowblood-Stoffes begreifen –, haben aber nicht Stoff und Story begründet, sondern die Bilder, in die beides gekleidet ist: Schnelligkeit und Lakonie, Blutlachen unter weißen Schneeflocken, ein Schwert wie Silber und ein Hintergrund, so schwarz wie Ebenholz, neonrote Fontänen und traurige Blicke… Ein Flashback ist in virtuose Schwarz-Weiß-Bilder gefasst, anderes wirkt nahezu dokumentarisch nüchtern. Am besten funktioniert Lady Snowblood 2 aber immer dann, wenn sich der Film zu seinem Nihilismus bekennt, nicht politisches Drama sein will, sondern ein Bad in purer Amoral, ein Lovesong aus Destruktion und Voyeurismus. Realismus und Lebensnähe sind hier naturgemäß kein Thema. Dem japanischen Regiekünstler Toshiya Fujita (1932-1997), der 29 Filme gedreht und auch als Schauspieler gearbeitet hat, ging es um die märchenhafte Verzauberung eines erwachsenen Publikums. Lady Snowblood 2 findet wie sein Vorgänger immer wieder Bilder, auf die man im westlichen Kino auch über 30 Jahre später noch nicht hoffen darf: faszinierende Kompositionen, in denen West und Ost kuriose Verbindungen eingehen. Lady Snowblood 2 ist ein böser Albtraum, inszeniert mit viel Eleganz und Detailfreude. Ihre Kraft bezieht die Inszenierung aber aus ihrem Sinn für die Schönheit mechanischer Abläufe. [rs] LADY SNOWBLOOD Japan 1973 - 98 min. - OmdU Regie und Drehbuch: Toshiya FUJITA LADY SNOWBLOOD 2 – Love Song of Vengeance Japan 1974 - Regie: Tohsiya FUJITA - 89 Min. - OmdU

[großes Kino] 53


FERNBEDIENUNG

foto by: Jackie Hardt | www.jackiehardt.com

Es sind teilweise schon komische Konstellationen, die sich bei Durch die Nacht mit... ergeben. Da trifft Michel Friedman auf Christoph Schlingensief, Moritz Bleibtreu auf Oliver Pocher, Franka Potente auf John Carpenter oder Bela B. auf Julie Delpy. Die Liste der mittlerweile erschienenen Filme ist lang und spannend. Das Konzept von Durch die Nacht mit... ist denkbar einfach: Zwei Künstler treffen sich zu einem „privaten“ Abend. Begleitet werden sie von zwei Kamerateams, die die Stimmungen des Abends heimlich einfangen sollen (Moritz Bleibtreu im Restaurant: „ Wir brauchen einen Tisch für zwei.... ach ja und acht Kameramänner.“). Die Protagonisten verbringen einen ganz normalen Ausgehabend miteinander. Es wird gegessen, getrunken, man geht ins Museum oder trifft sich mit Freunden. Nach einer gewissen Zeit scheinen die Akteure die Kameras zu vergessen und man hört ab und zu intime Geschichten, sieht, dass „Stars“ auch nur ganz normale Menschen mit normalen Problemen sind oder kann interessanten Menschen beim sich gemeinsam Langweilen zuschauen. Durch die Nacht mit... gewährt einen sehr privaten Einblick in die Psyche bekannter Künstler. Als Zuschauer kann man sich zurücklehnen und es einfach genießen, bekannte Menschen hautnah kennen zu lernen. 2006 wurde Durch die Nacht mit... mit dem Grimme-Preis geehrt, als ungewöhnliches, einzigartiges Fernsehformat im deutschen Unterhaltungsdschun54 [großes Kino]

gel. In der Begründung der Jury heißt es: „[...] für die Auswahl ihrer Protagonisten, haben die Macher schon einen Preis verdient. Denn hier treffen kaum oder nur ihrer Fangemeinde bekannte Künstler auf solche, über die jeder schon eine Meinung hat, die er nach dieser Sendung jedoch unter Umständen wird revidieren müssen.“ Durch die Nacht mit... läuft jeden ersten Dienstag im Monat auf Arte. Am 3. April erwartet den nachtwachen Zuschauer (Sendezeit: 1.25 Uhr) das Zusammentreffen der chinesischen Hollywoodschauspielerin und diesjährigen Berlinale Jurymitglied Bai Ling (Leinwanddebüt 1994 in The Crow als Bösewichtin Myca) und dem international bekannten DJ Hell. Zusammen werden beide verhindern, dass in München zu frühzeitig die Bordsteine hochgeklappt werden. Wem diese Uhrzeit zu spät sein sollte, der kann sich unter www.zweitausendeins.de alle Folgen kaufen. Und dazu wird geraten! * Christoph Schlingensief und Michel Friedman fahren in Friedmans gepanzertem Fahrzeug durch Frankfurt. Das Boxset mit einem besonderen Leckerbissen für die Fans: Neben den bislang erschienenen 16 Folgen sind auf einer *Bonus-DVD* ungekürzte Szenen, entfallene Locations und eine spannende Kurz-Doku über die Produktionshintergründe zu sehen.


LAST RADIOSHOW

Es ist ein Whow!-Anfang, mit dem es losgeht: Vom ersten Augenblick an zieht einen die Kamera in diesen Film hinein, schlängelt sich in virtuosen Bewegungen, ohne einen einzigen Schnitt, durch die Räume; alles ist Kulisse hier, ein Theater, dessen Unterbau und Hinterzimmer wir auf diesem Weg kennen lernen. In wenigen Momentaufnahmen, skizzengleich hingeworfen präsentiert uns der Blick des Regisseurs die Personen, die uns von nun an begleiten, um sich dann mit einer Drehung hochzuschrauben auf die Bühne, wo jetzt, Seitenblick auf Publikum, Applaus – „noch drei Sekunden!, Zwei, Eins“ – der Auftritt beginnt: A Prairie Home Companion handelt vom Ensemble einer –¬ tatsächlich existierenden – Live-Radioshow irgendwo im Middle-West bei ihrem allerletzten Auftritt. Noch einmal geben alle ihr Bestes, zugleich ist dies der Schwanengesang einer alten Kunstform, einer Darstellungsweise, die es so nicht mehr gibt – ungemein souverän und stilistisch perfekt spielt hier Robert Altman ein weiteres Mal alle seine Themen durch, zeigt voller Selbstbewusstsein, was seinen speziellen Stil ausmacht. So war dies bei der Premiere des Films auf der Berlinale 2006 auch erkennbar doppelsinnig ein herzzerreißender Abschiedsgruß des 81jährigen Regisseurs. Im November 2006 ist der 1925 geborene Altman dann gestorben, und A Prairie Home Companion die letzte Chance, noch einmal zu erleben, was die einmalige Kunst dieses Regisseurs ausmachte: Altmans Filme sind für das Kino, was der Impressionismus für die Malerei war: Eine Neuentdeckung des Mediums voller Leichtigkeit und Licht, atemberaubend unangestrengt. Formal betrachtet sieht man einzelne Farbkleckse, doch aus der Distanz, in der Gesamtsicht fügen sie sich zu einem Ganzen. Seine Filme waren zuallererst Komödien. Denn das

Leben ist komisch, je genauer man hinschaut. Wie alle guten Komödien handeln sie von traurigen Dingen, denn das Leben ist auch traurig, erst recht, wenn man den Blick nicht abwenden will. Wenn es stimmt, was Robert Altman von sich selbst sagte, er habe „eigentlich nur einen Film“ gemacht, dann ist dieser Film eine Comedie Humaine, in der sich die Liebe zum Menschen mit dem Sarkasmus über das Allzumenschliche mischt, in der Ironie und Nachsicht zusammenfallen. Altman war ein Humanist, aber einer, den sein Humanismus nicht vom Hingucken abhielt. Manche hielten das dann für Zynismus, obwohl doch nur grundsätzliche Neugier und Humor zu einem Kopfschütteln über die seltsamen Scherze führten, die das Schicksal mit den Menschen treibt. Genauso gut konnte man ihn, linksliberalen Außenseiter des US-Kinos, als verkappten Moralist verstehen – und damit als heimlichen Konservativen, der am amerikanischen Traum festhält gegen seine Erblasser, die ihn gerade verschleudern. All das kann man auch in A Prairie Home Companion erleben. Sogar der Tod kommt hier vor, und man wird, sieht man den Film jetzt an, das Gefühl nicht los, dass Altman wusste, dass dies sein letzter sein würde. Ihn kann man im Kino sehen, die anderen über 30 nur noch auf DVD: Darunter sollte man sich M*A*S*H nicht entgehen lassen, nicht Nashville, A Wedding, The Player und Short Cuts (den bekommt man in Deutschland aber nur in einer schlechten Synchronisation). Im Internet gibt es dafür die Criterion Collection zum moderaten Preis und mit einem Audiokommentar des Regisseurs. [rs] A Prairie Home Companion läuft ab dem 12.04.2007 unter dem Titel Last Radioshow im Kino. [großes Kino] 55


Der letzte Zug 02.04. 2007 17.00 & 20.15 Holocaust-Drama, das hauptsächlich in der Enge eines Zug-Waggons nach Auschwitz spielt. Scoop - Der Knüller 09.04.2007 17.00 & 20.15 Woody Allens wieder in London gedrehter „Match Point“-Nachfolger über eine amerikanische Studentin, die einen Mörder überführen will, sich aber in den Verdächtigen verliebt. Goyas Geister 16.04.2007 17.00 & 20.15 Opulenter Historienfilm über den spanischen Hofmaler Francisco de Goya von Milos Forman. Der weiße Planet 23.04.2007 17.00 & 20.15 Beeindruckende Dokumentation, die den Wechsel der Jahreszeiten am Nordpol einfängt und die Tiere zeigt, die im ewigen Winter hausen. Prestige 30.04.2007 17.00 & 20.15 Packender Historienthriller über zwei lebenslang verfeindete Zauberer, deren Rivalität mörderische Konsequenzen hat.

Little Miss Sunshine 04.04.2007 Capitol EA

15.00, 17.30 & 20.00

In der Theorie hat Richard Hoover das Leben im Griff, in der Praxis aber besteht Handlungsbedarf. Weder seinen Kunden noch seiner Familie kann er sein Erfolgskonzept verkaufen. Ein gutes Jahr 04.04.2007 KiK Gotha 18.04.2007 Capitol Eisenach

17.30 & 20.00 15.00, 17.30 & 20.00

Basierend auf dem gleichnamigen Roman des britischen Schriftstellers Peter Mayle („Mein Jahr in der Provence“) kommt mit „Ein gutes Jahr“ eine wunderbar romantische Geschichte auf die Leinwand Der Kick 11.04.2007

Capitol Eisenach

15.00, 17.30 & 20.00

In der Nacht zum 13. Juli 2002 misshandeln die Brüder Marco und Marcel Schönfeld und ihr Freund Sebastian Fink den 16-jährigen Marinus Schöberl.

56 [großes Kino]


Cross-Cult Comic-Clash

Mark Hempel - Ich Gregory Gregory, das bemitleidenswerte Jüngelchen aus der Psychiatrie oder Gregory, der kleine Spinner aus der Geschlossenen - Wie er selbst das sieht kann man nur erahnen. Außer „IK GREGORY“ Parolen hat er nicht allzu viel zu sagen. Das es dennoch was zu berichten gibt, liegt vor allem an der dankbaren Feststellung: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Einem Zellenfenster mit Straßenlage und seinen Buddies Herman (Ratte) und Wendell (Maus) sei dank, nimmt Gregory letztendlich doch Teil am Leben der Außenwelt. So offenbaren sich ihm vor seiner Zelle die Höhen und Tiefen des sozialen Alltaglebens. Von seiner Seite jeweils treffend mit AH!- und UH!-Rufen kommentiert. Die Banalität der Gesellschaft in der Außenansicht eines schwachsinnigen Kleinwüchsigen?! Episodenhaft erzählt Autor, Zeichner und Erfinder Max Hempel von dem Irren und Wirren der geschlossenen Anstallt und zeigt dabei, dass es draußen auch nicht weniger wahnsinnig abläuft. Witzig, genial bis autobiografisch? Schwarz und zynisch. Wer es mag. Frank Miller – 300 Dass Kommunikation durchaus zur Konfliktbewältigung beitragen kann, hat sich bei den alten Spartanern noch nicht rumgesprochen. Deren Anführer vermag zwar mehr zu sagen als der bemitleidenswerte „ah“ und „uh“ stammelnde Gregory, redet aber letztendlich doch nur an seinem Gegenüber vorbei. Und so schlägt er dem Gesandten der Perser bei dessen Vorsprechen auch kurzerhand den Schädel ein und greift zur Waf-

fe. Das Übel nimmt seinen Lauf. 300, hier noch wirklich spartanisch gekleidete Muskelpakete, ziehen in den Kampf gegen eine Übermacht von einfallenden Persern. „Eine Geschichte über Tapferkeit und Treue – und natürlich über den Sieg von Intelligenz über brutale Gewalt.“ So heißt es jedenfalls im hauseigenen Pressetext. Ganz heiße Aussage, von der wir hier lieber die Finger lassen. 300 ist das Machwerk des Sin City Schöpfers Frank Miller. Im Wechsel von epochalen Bildern und detaillierten Nahzeichnungen zeigt sich auch hier die von ihm bekannte blutige Ästhetik des Todes. Grafisch ein Augenschmaus. Dass ein solches Werk und vor allem die dazugehörige Verfilmung Unmengen von Angriffsflächen für das hungrige Kritikerherz bietet, ist klar. Lassen wir solche offensichtliche Schwächen wie Schwarz-WeißMalerei, Fanatismus und Gewaltverherrlichung mal außen vor. Was bleibt? Ein stilistisch einwandfreier Comic ohne Anspruch auf politische Stellungsnahme und ein vermutlich anspruchsloser Hollywoodfilm mit kurzweiligem Unterhaltungswert. Popkornkino in Reinkultur. Was das jetzt beides miteinander zu tun hat? Vordergründig nichts, außer das der Rezensent sich an dieser Stelle aus seiner Verantwortung einer ausführlichen Besprechung stielt. Wäre Gregory allerdings Zwangsjacken tragender Anführer der Spartaner und der wiederum eingesperrt in vier Gummiwände, macht das zwar immer noch keinen Sinn, mutet aber dennoch lustig und bisweilen sogar schlüssig an. [fg] ACHTUNG! Zum Filmstart von 300 verlost der diggla zwei Pakete, bestehende aus Comic und zugehörigem Filmbook. E-Mail an info@diggla.org genügt. Wer zuerst kommt, malt zuerst.

[Bücher] 57


William Boyd

Roman Berlin Verlag 2007 William Boyd steht nicht nur im Ruf, Frauen zu verstehen, sondern auch glaubwürdig aus ihrer Sicht zu schreiben. Das ist schon ungewöhnlich. Sein jüngster Roman Ruhelos ist sogar aus der Sicht zweier Frauen erzählt, Mutter und Tochter. Wirklich außerordentlich ungewöhnlich ist dabei, dass es sich um einen Spionagethriller handelt, deren zentrale Figur eben eine Frau namens Eva Delektorskaja ist. Eva ist eine russische Emigrantin und spätestens da schrillen alle Alarmglocken: schließlich spielen Frauen, und zwar gerade russische Frauen, in Agentenromanen eigentlich keine andere Rolle als die der erotischen Exotin und Femme Fatale, die den Helden von seinem eigentlichen Weg abbringt: Liebesgrüße aus Moskau. So verhält es sich natürlich nicht, sonst hätte dieser Roman kaum so hohe Wellen geschlagen. Ruhelos ist im Übrigen auch nicht einfach ein Agentenroman, sondern arbeitet eine bislang wenig belichtete Stelle europäisch-amerikanischer Geschichte auf: die englische Propaganda im zweiten Weltkrieg. Um die traditionell isolationistisch eingestellte amerikanische Bevölkerung auf den Eintritt in den Krieg einzustimmen, gründet Churchill 1940 eine Geheimorganisation mit Sitz New York. Ihre Aufgabe ist es, falsche Informationen zu streuen und damit eine Gefahr heraufzubeschwören, die so wohl nie bestan-

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den hat: Dass Hitler auch in den USA einmarschieren könnte. Dazu wird das Gerücht über eine Landkarte gestreut, die man bei einem deutschen Agenten gefunden haben will, auf der Südamerika bereits neu geordnet wurde. Tatsächlich wird Roosevelt einen Monat vor Kriegseintritt sich auf diese falsche Nachricht berufen. Ein Schelm, wer hier an irakische Massenvernichtungswaffen denkt. Aber man sieht, dass die Lüge unter „Freunden“ Geschichte hat – eine allerdings, die zu verurteilen weniger leicht fällt. Vor diesem Hintergrund erzählt Boyd die Geschichte der russischen Emigrantin Eva, wie sie sich als Spionin für die englische Organisation anwerben lässt, wie sie in diese Operation verwickelt wird und schließlich: wie sie gegen das Gebot verstößt, niemandem zu vertrauen und eine Liebschaft mit ihrem eigenen Chef anfängt. Der Roman setzt zwei Jahrzehnte nach Ende des zweiten Weltkriegs ein, zur Zeit der Studentenbewegung – von wo aus er auch Ableger ins RAF-Umfeld schlägt. Eva lebt mittlerweile unter dem Namen Sally Gilmartin in Oxford und hat eine Tochter, die von alle dem nichts weiß. Als die Mutter plötzlich anfängt, die Umgebung ums Haus paranoid mit einem Feldstecher abzusuchen, muss sie ihr Geheimnis preisgeben. Dazu übergibt sie der Tochter ein Dokument, das ihre Geschichte erzählt – und wird von der Mutter zur Fremden. William Boyd gehört neben Martin Amis zu den wichtigsten britischen Autoren. Für Ruhelos hat er den renommierten Costa Novel Award 2006 erhalten, der es sich zum Ziel gemacht hat, anspruchsvolle Unterhaltung zu prämieren. [jmb]


Kolja Mensing

Erzählungen Verbrecher Verlag 2007

Die Protagonisten in Kolja Mensings MINIBAR sind zu alt, um das Leben leicht zu nehmen, und zu jung, um sich geschlagen zu geben. In einem Interimszustand zwischen eigentlich erwachsen, aber doch noch nirgendwo angekommen, vegetieren sie in einer Welt der Vorläufigkeit vor sich hin: „Gemeinsam warteten wir darauf, dass das Leben anfangen würde oder zumindest das, was wir uns früher einmal darunter vorgestellt hatten.“ Der Leser macht Bekanntschaft mit der Vergangenheit und der Gegenwart des Ich-Erzählers, während die Zukunft als riesiges Fragezeichen im Hintergrund am Horizont herumlungert. Mit dabei sind M. und K. zwei Charaktere, die in den verschiedenen Stories immer mal wieder auftauchen. M., ein alter Schulfreund des Ich-Erzählers, mit dem zusammen er schon in seiner Jugend die Langeweile bekämpfte. Besonders beliebt war die Pornosammlung der Eltern eines anderen Freundes, die sich wunderbar für das Die-erste-Erektion-fährt-zur-Tankstelle-Spiel eignete. Diesen anderen Freund bewunderten die beiden nicht nur wegen der Pornos und auch wenn er sich später vor einen Zug warf: „Er war unser Held, und insgeheim träumten wir alle davon, mit einem Streifen Alufolie, einem Feuerzeug und ein bisschen verschnittenem Heroin ein Abenteuer zu erleben.“

Mit K. hingegen teilt der Ich-Erzähler die Wohnung und das Bett. Zusammen folgen sie den Einladungen anderer Paare, bei denen sie sich deplatziert fühlen, weil sie nicht so werden wollen wie ihre spießbürgerlichen Gastgeber, aber auch nicht wissen, was sie stattdessen mit ihrem Leben anfangen sollen. Die Erzählungen in MINIBAR sind Momentaufnahmen aus einem mit Melancholie glasierten Alltag. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie so schnell wie sie beginnen auch schon wieder vorbei sind. Den Leser lassen sie zurück – mit einem Gefühl subtiler Traurigkeit, das vorher nicht da war und später wieder verschwunden ist. Sie sind nicht nachhaltig, diese Geschichten. Sie sind viel eher wie ein Schlag in die Magengegend, der ein mulmiges Gefühl hinterlässt, das man lieber schnell wieder abschüttelt. Kolja Mensing wurde 1971 in Oldenburg geboren, studierte Politikwissenschaft und Geschichte und arbeitet heute als freier Autor und Kritiker für FAZ, taz, Tagesspiegel und Deutschlandradio. In den letzten Jahren erschienen neben einigen Kurzgeschichte 2002 sein Fluchtbuch Wie komme ich hier raus? Aufgewachsen in der Provinz. Zusammen mit Florian Thalhofer drehte er einen interaktiven Heimatfilm über das Leben in einer Trabantenstadt, der seit 2005 unter dem Titel 13terStock als DVD erhältlich ist. Seine Protagonisten in MINIBAR sind auf der Suche nach Lebensalternativen, aber finden keine. Gefangen in einer Angst, nicht so zu werden, wie sie nie sein wollten, verharren sie, da wo sie stehen: Auf der Suche nach einer neuen Wirklichkeit, wenn die Jugend vorbei ist. Und da verhallen auch die Geschichten. „Es waren flüchtige Gespräche, genau wie damals, mit Wörtern und Sätzen, die wie Zigarettenrauch eine Weile in der Luft hingen und sich dann langsam auflösten.“ [vp]

[Bücher] 59


Also Leute, jetzt mal ganz ehrlich. Wann und wo stand denn im diggla, das Tokio Hotel zum Thüringentag kommen würden? Richtig gelesen, dieses komische Gerücht ging wie ein Grippevirus quer durch Eisenachs Schulhöfe und sorgte mancherorts für heißglühende Telefonkabel. Nein, wir haben mit dieser Ente wirklich gar nichts zu tun! Großes Pionierehrenwort, oder wie auch immer das heute heißen mag. Schaut euch doch einfach mal unseren Kinospot auf der diggla-Webseite an und ihr wisst, was wir von Herbergen in Japans Hauptstadt halten. Allerdings haben wir uns mal umgehört und rausbekommen, dass die Geschichte ihren Ursprung in Eisenachs Verwaltung hatte. Was haben wir gelacht. Weniger lachen konnten wir am Abend des Sommergewinnsamstag, wo eigentlich eine Stippvisite beim traditionellen Gig der Geilen Götter (Jungs, sorry – aber ihr seid schon wieder im zip) auf dem Plan stand. Allerdings standen dort die ganz großen

Profis unter den Sicherheitsleuten am Eingang, die auf das Wort „Presse“ was mit „Fresse“ reimten und keinen Bock drauf hatten, dass wir da Fotos machten. Ziemlich daneben und gewiss nicht die Regel. Denn bei allem schlechten Ruf sind die allermeisten Türsteher sonst echt nette Zeitgenossen, muss hier mal gesagt sein. Ging es also weiter ins Schorschl, wo total verrückte Typen aus Sachsen das Kleine ordentlich durchrockten. „Brewed & Bottled“ waren jede Zeile des Tagestipps wert, hatten die Leute sofort in ihrem Bann und bliesen eine mächtige Dosis CowboyRock’n’Roll hinaus in die laue Frühlingsnacht. Wer braucht da schon BossHoss... Am Ende verrieten die Jungs, dass sie am 21. April schon wieder nach Eisenach kämen, allerdings nicht wüssten wohin. Tja Jungs, wir wissen es und wer diesen diggla mal etwas genauer unter die Lupe nimmt, der findet an diesem Abend eine Neueröffnung... ganz schön spitz. Der Sommergewinnsumzug selbst setzte in


diesem Jahr auf Tempo und straffe Organisation, weshalb an manchen Stellen der komplette Zug innerhalb einer halben Stunde vorbeigezogen war. Wenn das kein Rekord ist, aber wem will man das bei dem Wetter auch verübeln. Über die eigene Informationspolitik sollte man sich beim Jazzclub mal Gedanken machen, da stellen die ein wirklich tolles Programm zusammen und potentielle Gäste erfahren davon nichts. Nein, liebe Jazzer, nicht jeder hat ein Tageszeitungsabo und ja, es gibt tatsächlich auch diggla-Leser unter eurer Zielgruppe (das Lesen dieser Zeilen ist ja der Beweis). Mal ernsthaft, es ist verdammt schade, wenn echt coole Konzerte wie die „Night of Jazzguitars“ so dürftig besucht werden, ihr es aber trotz mehrmaliger Anfrage nicht schafft, uns eure Termine zu senden. Mal drüber nachdenken. Bleiben wir in der Alten Mälzerei. Wirklich mal was ganz anderes war der Auftakt zu „Born To Be Wild“ des Jungen Theaters. Die Zuschauer saßen als Gäste

mittendrin in der Hafenkneipe und hatten ihren Spaß. Also Augen auf, im April folgt Teil 2 und es gibt immer nur eine einzige Vorstellung davon. Muss man ja wissen. Ein bisschen was Neues liefert auch wieder unsere geliebte MAD-Zeitung. Neben der Eröffnung vom Spitz (neben dem MAD, gehört aber nicht dazu) liest man dort von einem geplanten Sommerfestival mit so schillernden Namen wie den Disco Boys, DJ Tomekk oder den Boogie Pimps. Nun ja, das hört sich doch gut an. Letztere haben übrigens grad eine neue EP veröffentlicht. Außerdem soll es im Sommer auf dem Kindel ein großes Open Air geben, bei dem Acts wie Revolverheld, Nelly Furtado und Tokio Hotel im Gespräch sind. Na, wenigstens ein Aprilscherz muss schon sein. Mehr Bilder gibt es auf www.diggla.org


______________________21.01. - 19.02. Der apokalyptische Reiter galoppiert mit rasanter Geschwindigkeit durch eine Ödnis, die es hinter sich zu lassen gilt. Du sitzt bei ihm hinten drauf und solltest höllisch aufpassen, nicht runterzufallen. Er ist der richtige Mann für dein Problem. Der apokalyptische Reiter bastelt dir aus einer Hängematte ein Sprungbrett.

vanessa pegel I text ________________________23.07. -23.08. Am richtigen Ort zur richtigen Zeit und zwar kurz vorm Ziel – da bist du. In diesem Monat erwartet dich was spektakuläres. Vorsichtshalber solltest du vorher schon mal alles gedanklich durchdeklinieren. Eines ist jedenfalls vollkommen klar: In ist, wer drin ist. _______________________24.08. - 23.09.

______________________20.02. - 20.03. Du wirst beschlichen von einem unbehaglichen Gefühl. Die ungedeckten Zukunftszusagen könnten sich als verdeckte Schulden erweisen. Was auf jeden Fall kommt, ist eine emotionale Durststrecke, die du bitte möglichst nicht versuchen solltest, mittels Alkohol zu löschen. Merke dir folgendes: Glück und Unglück sind wie zwei Scheißhausfliegen, die sich ständig verfolgen.

Irgendwie ist mit irgendwem alles total toll. Die Sterne raten dir: Lass diesen irgendwen nicht so schnell wieder gehen. Nur so als Tipp: Diffuse Sehnsucht kann man mittels einer wirklichkeitsverstärkenden Wahrnehmungsdehnung kanalisieren und anschließend von vorne bis hinten analysieren. Man kann natürlich auch einfach machen, worauf man Bock hat. _______________________24.09. - 23.10.

______________________21.03. - 20.04. Es ist mal wieder soweit: Dein schlauer Intellekt trifft sich mit seiner fragwürdigen Seite. Auf selbiger lungern deine hinterhältigen Kumpels herum. Sie heißen List, Tücke, Lug und Trug. Die vier sind so richtig unaufrichtige Ganoven, die ständig versuchen, dich auf der schiefen Bahn hinters Licht zu führen, damit du andere aufs Kreuz legst. Sie sind kein guter Umgang für dich.

Du wirst frühlingserwacht und solltest dich ein wenig aufmöbeln. Alles andere wäre nämlich Moppelkotze, wenn du verstehst, was die Sterne meinen. In der letzten Zeit hast du vor allem perpetuiert, monologisiert, assoziiert und profilneurotisiert. Soeben wurdest du von den Sternen fremdwörterhypnotisiert. Ab jetzt wird alles anders. Los geht‘s. _______________________24.10. - 22.11.

______________________21.04. - 20.05. Eine erfreuliche Überraschung kommt direkt auf dich zu. Mach was aus dieser, dir spekulativ erscheinenden Unvorhersehbarkeit, denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es fabelhaft funktionieren. Es ist wie ein Zaubertrick, den keiner kapiert, auch wenn er offensichtlich ist.

Geschmeidig nimmst du die Dinge in die Hand, die woanders liegen geblieben sind. Stell sie amtlich auf, geh glamourös rocken, betrete die Partysphäre direkt durch die Mitte. Dort wartet die spirituelle Erleuchtung auf die rationale Gewissheit. Nietzsche war der Ansicht, Gott sei eine viel zu extreme Hypothese und erklärte ihn kurzerhand für tot. Welcher Ansicht bist du?

______________________21.05. - 21.06.

_______________________23.11. - 21.12.

Die Sterne prophezeien dir jeglichen Grund zum Optimismus. Dein Sieg kann es sich in deiner Hosentasche gemütlich machen und die ist nicht am Arsch, sondern auf der Überholspur unterwegs. Frei nach dem Motto: Wer Kippen ohne Filter raucht, hat jawohl vor gar nichts Angst. In diesem Sinne: Herzliche Grüße.

Die Fragestellung ist geklärt, die Antworten liegen parat, die Chancen stehen gut. Schon mal was vom roten Faden gehört? An dem musst du dich jetzt nämlich langhangeln und nur an dem. Lass die Finger von den blauen, grünen und gelben. Die mögen zwar verlockend aussehen, aber stehen hier verdammt noch mal nicht zur Debatte.

______________________22.06. -22.07.

_______________________22.12. - 20.01.

Du praktizierst intuitives Abwägen gepaart mit objektiven Überlegungen und gelangst anschließend zu einem vernünftigen Urteil. Das sieht dir zwar nicht unbedingt ähnlich, aber steht dir außerordentlich gut. 62 [horoskope]

Das Gefühl für den Augenblick verloren, halten dich schlaflose Nächte wach. Wenn du tust, wovor du dich fürchtest, verschwindet die Angst. Du aber sagst ihr jeden Tag, sie solle doch lieber morgen wiederkommen.


diggla April 2007 - Westthüringen  

diggla ist ein kleines Stadtmagazin im Bereich Westthüringen und Südniedersachsen mit zwei regional getrennten Ausgaben.

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