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APRIL 2003

A B GA B E KOST EN LOS

facts & fiction

KOMMUNIKAZE

AU S GA B E 3

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das Café mit dem Spitz en Ambiente der Tag im Balthasar... Frühstück ab 3,50 Euro Mo-Sa, 9h-15h So und Feiertage 10h-17h

Studentenrabatt Studenten erhalten bei uns eine Ermäßigung von

20%

auf alle Speisen!*

täglich wechselnde Mittagsgerichte und jede Woche neu unsere Wochenkarte. Alle Gerichte inklusive einem Softdrink. Kuchen, dazu den fantastischen Milchkaffee im Glas genießen!

abends im Balthasar...

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Mittwoch... Happy Hour von Cocktails Longdrinks Bier 0,3l

19-23h 3,30 Euro 1,90 Euro 1,50 Euro

Samstag... Caipirinha Caipirowska

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Donnerstag... Wein und Olive 3,50 Euro Glas Wein 0,2l, dazu Oliven und Baguette

Freitag... Margarita Strawberry Peach Classic

*bei Vorlage eines gültigen Studentenausweises

2,99 Euro

2,99 Euro 2,99 Euro


Es geht wieder los...

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P EDITORIAL

ünktlich zum Beginn der Vorlesungszeit hat auch das Kommunikaze-Team seine Arbeit wieder aufgenommen. Der Erscheinungstermin für die letzte Ausgabe lag ja in der ersten Woche der Semesterferien, was sich leider nicht vermeiden ließ. Trotzdem war auch Ausgabe Nr. 2 ein Erfolg für uns. Zum Einen, weil wir uns beim Verteilen ein wenig geschickter anstellten und uns nicht wie die ganzen Flyer-in-die-Hand-Drücker an den Eingang der Mensa stellten, sondern unser Heft an ausgewählten Orten der Universität auslegten. So konnten wir die Quote der umhersegelnden Ausgaben vom vorangegangen Mal bereits deutlich minimieren. Zum Anderen haben wir auch für die zweite Kommunikaze wieder viel positive Resonanz erhalten und sind erneut auf motivierte Autoren für unser Blatt gestoßen. Das ist dann auch der Grund, warum wir diesmal auf die Berichterstattung zur grandiosen Marathonvorbereitung von Darren und Jan verzichten und hier bereits auf die nächste Kommunikaze verweisen. Ein weiterer Grund zum Freuen war, dass unser Aufruf an Euch, wie damals in der guten alten Grundschulzeit, Eure schönsten Ferienerlebnisse niederzuschreiben, mit so vielen Zuschriften belohnt wurde, dass wir gleich eine ganze Ausgabe unter dieses Thema stellten. Das Ergebnis könnt Ihr auf den folgenden Seiten nachlesen. Ansonsten bleibt zu hoffen, dass es für die Kommunikaze weiterhin so gut läuft, und wir auch für die folgenden Ausgaben wieder mit Euch rechnen können. Es gibt zwar immer noch keinen festen Ort für Redaktionssitzungen, wer sich beim nächsten Mal jedoch beteiligen möchte, der sollte eine kurze Mail an uns schicken. Wir teilen Euch dann mit, wo und wann das nächste Treffen stattfindet!

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On top of the world: In Osnabrücker Kneipen zählt Kommunikaze längst zum Standardinventar.

KOMMUNIKAZE

Euer Kommunikaze-Team


IN H ALT 4

TITEL

EvENTS

Totalschaden Wandertag CeBit Backstage Große Fernsehunterhaltung Schönschrift... Planet Jura... Bingomaschine

F ACTS

Le Malpensant II Busfahrt

Seite 5 Seite 6 Seite 7

Metallplatte

Seite 9 Seite 10 Seite 11 Seite 11

FICTION Seite 12 Seite 14

Frühlingshuldigung El jardín Eine gute Tat

Zeitschrift für Facts & Fiction

verantwortlich Finanzen: Layout/Satz: Fotos: Autoren:

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KOMMUNIKAZE

Redaktion:

Seite 21

Jan Paulin JP (ViSdP) Stefan Berendes SB Darren Grundorf DG Ines Bethge IB Sven Kosack SK Katharina Kunze KK Sonja Möller SOM

fürJan Paulin Stefan Berendes Darren Grundorf Ronny Kamrath Stephanie Schulze

Seite 16 Seite 17 Seite 18

Michael Weiner Nicolai von Ondarza Auflage: Realisation:

400 Exemplare Ruck-Zuck-Druck

Die mit Namen gekennzeichneten Beiträge geben nicht zwingend die Meinung der gesamten Redaktion wieder. Für den Fall, dass in diesem Heft unzutreffende Informationen publiziert werden, kommt Haftung nur bei grober Fahrlässigkeit in Betracht.


TITEL

Ferienerlebnisse

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Wie schon angedroht, präsentieren wir Euch dieses Mal die tollsten Ferienerlebnisse sowohl unserer Redaktion als auch einiger wohlmeinender Leser. Also: Lehnt Euch zurück und lasst bei der Lektüre das süße Nichtstun (?!) der vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren...

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Totalschaden

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as wohl „schönste“ Ferienerlebnis ereilte den Kollegen Paulin: Die genaueren Umstände entnehmt Ihr der untenstehenden Anamnese; die Profis vom Kreiskrankenhaus haben das Event besser dokumentiert, als jeder von uns es könnte...


TITEL TITEL

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KOMMUNIKAZE

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Wandertag

u den bedeutendsten Erlebnissen der Schulzeit gehörte für mich der Wandertag. In der frühen Erziehungsphase noch im eigentlichen Wortsinn als Grenzbelastungsprobe für einen mauligen Haufen Halbwüchsiger gedacht, entwickelte, verbreiterte und dehnte sich der Begriff im Laufe der Schulzeit, bis vom „Wandertag“ nur noch „-tag“ dem ursprünglichen Konzept entsprach. Da in der Erinnerung alles schöner ist als in der Realität, beunruhigt es mich heute nicht mehr, dass ich in der 2. Klasse einem Mitschüler 2 DM (kurz nach der Währungsreform, wertvolles Westgeld!) für einen Kaugummi und einen Bonbon bezahlt habe. Kapitalistischer Abzocker! Die Transaktion musste auf Elternebene wieder rückgängig gemacht werden. Ich war wohl etwas verzweifelt gewesen. Status machte sich in jenen Tagen am Inhalt des Stullenbeutels (z. dt. Brottasche) fest, der damals noch klassischer Weise vor dem Bauch baumelte. Die schöne, alte, naive Zeit! In einem Anfall von Renaissance dachte ich mir, ich packe die Weltfriedensaktion vom 15. Februar diesen Jahres beim Schopfe und mache mal wieder einen Wandertag. Wann kommt man schon mal dazu, so gemütlich auf der Straße herumzuschlendern? Bitte umfahren Sie das Gebiet weiträumig, das heißt, bleiben Sie lieber gleich zu Hause. Keine Autos, nur ab und zu ein Plakat im Nacken oder einen stahlbekappten Schuh im Hacken – das reimt sich, und was sich reimt, ist gut. Dieser Spruch stammt von Pumuckl und kann somit zum Konglomerat der frühen Kulturerfahrung „Wandertag“ gerechnet werden. Der gemütliche Spaziergang vom Breitscheidplatz zur Straße des 17. Juni, wo man sich im Anschluss an die Demo eine Abendbegleitung kaufen kann, hat nicht nur eine positive Auswirkung auf die Gesundheit der Teilnehmenden. Auch das geographische Verständnis für Zusammenhänge entwickelt sich. Otto Normal wird nicht lebensmüde genug sein, um sich als Kraftwagenfahrer dem Berliner Straßenjungle zu nähern. Die S und U Bahnen vermitteln allerdings ein eher lückenhaftes Bild. Das Vakuum von Station zu Station kann eigentlich nur ein kollektiver Wandertag wirklich füllen. Das richtige Demofeeling, wie es noch aus der Zeit der ersten Wandertage durch meine Erinnerung schwimmt, blieb jedoch aus. Damals, es war der 1. Mai oder ein anderer Feiertag der Arbeiter und Bauern, der


CeBit-Backstage

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erien auf der Cebit! Oh Gott!, mag hier jetzt so mancher denken und sich schaudernd abwenden – beides sicherlich nicht so ganz zu unrecht. Ähnliches denke ich mir auch, als wir hier vor Eingang Nord 1 des Messegeländes stehen und das kommende Ferienerlebnis sozusagen noch gar kein solches ist. Es ist Samstag, 17 Uhr, und Nord 1 wird gerade eher als Ausgang genutzt, erbricht also endlose Massen von Messebesuchern: Anzuggewandetes Fachpublikum im Dauerstress, picklig-fahle Sonderlinge und schamlose Studenten auf Werbegeschenkfang – sie alle strömen vom Gelände, und zwar so mit zusammengehamstertem Promoramsch beladen, dass sie in ihrem Leben nie wieder neue Kugelschreiber brauchen werden. Wir sind aus anderen Gründen hier. Wen interessieren schon Computer? Die laufen oder eben auch nicht. Wir laufen jetzt auch, allerdings gegen den Trend aufs Gelände, und das umsonst – fliegender Eintrittskartenwechsel macht’s möglich. Drinnen befindet sich das mehr oder weniger bunte Treiben im fortschreitenden Zerfall – nur bei Sony tanzen noch bikinigeschürzte junge Damen zu stampfenden Technobeats – von Schlipsträgern sehnsuchtsvoll beobachtet. Unser Weg führt uns schnurstracks in die Chillout-

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mit einer Pflichtdemonstration sozialistischer Stärke einherging, waren alle Menschen größer als ich und bildeten eine Art beweglichen Lochtunnel, in dem es sich bestens umliegende Hosen, Röcke und Schuhe begutachten ließ. Heute lohnt es sich trotz des eingebüßten Lochtunnels wieder, am 1. Mai für die Rechte der Arbeiter zu demonstrieren. Ein paar Fetzen Ballistik aus dem Physikunterricht können helfen, sich gekonnt aus der Flugbahn von Steinen und Gummigeschossen zu halten. Unter Umständen ist eine Dusche inklusive. Aber das ist ein anderes Kapitel... An dem Samstag im Februar, der einer Präventivkriegsprävention gewidmet war, ging es eher beschaulich zu. Man traf sich mit 499.999 anderen zum Wandertag durch die Hauptstadt. Der Haufen war noch nicht mal spürbar maulig nach mehreren Stunden Kälte. Beim Entlangtrotten konnte man der Leichtigkeit des Seins frönen oder der Schwere der Gedanken nachhängen. Und auch die kapitalistischen Abzocker am Kundgebungsort kamen mehr als weniger auf ihre Kosten: 2,50 Euro für eine Bockwurst mit Brötchen. Hurra! Es lebe der Stullenbeutel! Stephanie Schulze

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Lounge eines namhaften Elektronikherstellers, denn dort soll es Cocktails gratis geben. Schnell ist ein Tisch erobert und die erste Runde an der Bar organisiert, die nachfolgenden lassen wir uns dann direkt an den Tisch bringen. Anfängliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Aktion – wir sind ja kein Messepersonal – ertrinken in Fluten von Pina Colada. Der Kellner ist wohl selber Student und hat das Spiel bald scheinbar durchschaut – aber um sein Geld geht’s ja nicht, und deshalb serviert er grinsend Runde um Runde. Auf der Suche nach weiteren Zerstreuungen kommt es zur Begegnung mit einer Kommilitonin eines Mitstreiters, und die nennt den nächsten Wegpunkt der Reise: Ein weiterer Elektronikgigant feiert im Pavillon auf dem Messedach eine Aftershow-Party fürs eigene Messepersonal. Der erste Blick auf den wachhabenden Türsteher lässt zwar Skepsis aufkommen, doch da schwebt auch schon die unserer Führerin durch Bekanntschaft verbandelte junge Dame herbei, die zu unserer Eintrittskarte werden könnte: „Hi! Ähhh...ja, also sechs Leute sind vielleicht doch ein paar zu viel. Ich weiß nicht, ob das jetzt so...“ Noch während sie spricht, walzt der Eintrittsstempel über unsere Handrücken. Drinnen viele Menschen, viel Bier und Sekt und Unmengen zu essen. Nach den einleitenden Worten des Europa-Konzernchefs beginnen die Tiefflugattacken aufs kalte Büffet. Sporadische Fragen von Umstehenden, was unsere Daseinsberechtigung an diesem Ort sei, werden vom Infiltrationsexperten unserer Gruppe abgebügelt: Als einziger von uns mit messetauglichem, gesetzten Dreiteiler und – dem Studium sei Dank – mit umfassenden wirtschaftswissenschaftlichen und elektronischen Kenntnissen ausgestattet, kontert er skeptische Nachfragen mit erfundenen Geschichten aus den realen Zulieferunternehmen des Gastgebers. Diese Taktik geht auf, bis das Büffet nahezu restlos abgeräumt ist, dann will ein offensichtlich dem Facility-Management angehöriger Mitarbeiter mit massiver Schlagseite „malnausweissehn!“ Das Zutagefördern eines Lufthansa-Praktikantenausweises nimmt seinem Gebaren zwar die Aggression, aber dennoch wird es langsam Zeit zu verschwinden. Unser bescheidener Ausflug in die Welt von Frank Abignale jr. endet satt und zufrieden: Auf einer Messe, die für „Wiener Schnitzel mit Pommes“ 19 Euro verlangt, haben wir sogar noch Gewinn rausgefressen. Der Security-Gorilla am Ausgang wünscht uns noch einen schönen Abend... Naja, vielleicht gucken wir uns nächstes Mal sogar mal die Computer an! SB


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Große Fernsehunterhaltung

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in einmaliges Ereignis deutscher Fernsehgeschichte bahnte sich an und ich durfte dabei sein: Ein privater Fernsehsender suchte – wie zuvor schon Pfarrer, Frisöre und Bürgermeister – jetzt Deutschlands klügstes Kind. Auf windigen Wegen (übers bekanntermaßen ja nicht zu manipulierende Internet) wurden aus tausenden von Blagen die 24 vermeintlich Intelligentesten ausgesucht. Alle beteuerten, die Internetvorrunden ohne Hilfsmittel gemeistert zu haben. Wer´s glaubt, wird selig – vielleicht unter Mithilfe von Deutschlands klügstem Pfarrer. Das Aussehen der Probanden spiegelte die Klugscheißer regelrecht wieder. Und was nicht an der Erscheinung deutlich wurde, stach doch zumindest durch die Fachgebiete heraus: Spinnen, Nationalflaggen und Barbarossa. „Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen!“, dachte ich, doch man lernt nie aus. Denn wo ein Wille zur Manipulation, dort gibt es auch Wege — aber fange ich doch am besten vorne an: Nach einer dreistündigen Busfahrt im legebatterieähnlichen Fahrzeug wurden wir von Barbie und Ken (sie leben wirklich!) – ausgestattet mit Headphone und Manuskripten – ins Studio geführt. Die beiden schienen dort zu arbeiten. Oder nur gut auszusehen.Wer vermag das schon zu sagen? Zur allgemeinen Überraschung enttäuschte das im Fernsehen einer gotische Kathedrale ähnelnde Studio durch sehr überschaubare Dimensionen. Zum Auftakt führte uns „Warmupper“ Thomas in die Kunst des Klatschens ein. Als dann nach 15 Minuten die vorproduzierten Zuschaueraufnahmen im Kasten und wir im Eimer waren, brauchte Moderatorin Sonja etwa eine halbe Stunde für die Anmoderation, was nicht zuletzt an der ausgefuchsten Choreographie lag. Und endlich konnte die Sause beginnen: Die Teilnehmer kamen gestylt wie Models ins Studio, beantworteten die Vorrundenfragen und flogen dann gleich wieder raus. Denn nur drei Wissbegierige kamen weiter. Und diese konnten zu ihren Spezialgebieten alle Fragen beantworten. Oder auch nicht. Das war dann Pech. Doch das Fernsehen wäre nicht ebendieses, gäbe es keine Pannen. So zählte in der Schnellraterunde – Zeitlimit 45 Sekunden – der Computer die Antworten nicht richtig - so ein Computer ist eben auch nur eine Maschine - und der Regisseur war gezwungen, nach drei Fragen abzubrechen und das gequälte Genie in eine neue Runde zu schicken, in der die Kandidatin ebenfalls die gleichen Fragen nur falsch beantworten durfte. That´s TV. Und nach unzähligen Pausen und vier Stunden geballter Aufmerksamkeit („Die Kamera sieht jedes grimmige Gesicht“) stand endlich das klügste Kind fest. Einen Sendetermin gibt es indessen noch nicht. Doch der lässt bestimmt nicht lange auf sich warten:Wie könnten schließlich Deutschlands Fernsehzuschauer auf solch wichtige Ereignisse verzichten? SOM


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Kurzerlebnisse

Neben den kleinen Geschichten auf den vorherigen Seiten gibt es auch einige Ferienerlebnisse, die hier lediglich in aller Kürze durch ein besonders prägendes „Souvenir“ dargestellt werden sollen -- pars pro toto, sozusagen...

Schönschrift...

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en Anfang im Reigen der Kurerlebnisse macht der Kollege Grundorf aus der Kommunikaze-Redaktion: Das Thema Ferien erlebnisse hat ihn zu einer ganz eigenen, besonders fantasievollen Schilderung inspiriert...aber lest selbst:


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Planet Jura...

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imm Husemanns Ferienerlebnis schildert er in seiner Novelle mit dem Titel „Übung für Fortgeschrittene im Strafrecht: 1. Hausarbeit“, deren kompletter Abdruck die Seiten dieses Blattes leider bei weitem sprengen würde. Wer dennoch interessiert ist: Wir leiten Anfragen Interessierter gerne an den Autoren weiter!

Bingomaschine

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in besonderer Clou gelang Jörg „Maschine“ Arensmann: Im wohlverdienten Urlaub im Rentnerhotel auf Mallorca zog er deutschen Pensionären Abend für Abend mit genialem Stellungsspiel beim Bingo das Geld aus der Tasche. Eine seiner unschlagbaren Mehrfachkombinationen bezeugt nebenstehender original Bingo-Zettel (insbesondere die Nr. 135)!


XFACTS

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Le Malpensant geht in die Mensa

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in ekelhafter Tag! Die Sonne scheint, die Vögel singen, das Studentenpack sitzt auf den Bänken im Schlosspark und trinkt Kaffee. Ich hasse alles. Denn ich bin der Malpensant. „Die Mensa. Unendliche Weiten. Dieses ist das Abenteuer des Raumschiffs Studentenwerk“ – sowas in der Preisklasse muss sich wohl ein frustrierter Innenarchitekt gedacht haben, als er die neue futuristische Salat- und Getränketheke entwarf. Oder war es doch eher: „Kampfstern Salatica strikes back?“ Ziemlich dämliche Idee, eine Hightechoptik zu verwenden, wo gehobelte Gurken und schales Malzbier verscheuert werden. Mindestens genauso bescheuert ist die Granatenidee, immer wieder Making-of-Mittagessen-Videos von Noch-nicht-endgültig-gescheiterten-Kunststudenten drehen zu lassen, und diese dann auf Großleinwänden in der Caféte zu zeigen. Unglaubliche Oeuvres entstanden da! Der erste Film war noch relativ harmlos, und featurete lediglich einige popelgelbe Mensablumen, die unmotiviert durch das Bild huschten, während der Zweite einem den Kaffee schon eher vergällte. Da wurden Liveinterviews vor Schweinehälften gedreht, damit man sich mal mit den potenziellen Schnitzelazubis quasi persönlich bekannt machen kann. Naja, ich betrete mal wacker diesen Hort des Wahnsinns. Zur Linken erstreckt sich hinter einem Tunnel eine Höhle der Ödnis, in die sich nur frustrierte Birkenstockträger verirren, um ihre Koffeinplörre rauchfrei genießen zu können. Zur Rechten eine verunglückte Kopie des Ikeakinderparadieses ohne Kullerbälle, dafür aber mit lärmenden, vermutlich koffeingepuschten Kindern, die einem lärmend um die Beine wuseln und sich dabei höchstens in Konkurrenz zu dem Hund begeben, der immer mal wieder zwischen den Eingangstüren darauf wartet. Aber ich begebe mich schnurstracks zur Endlosschlange vor der Essensausgabe, die nun sogar der Effizienz wegen auf zwei Etagen verteilt wird. Und jedes Semester wird sie länger, weil diese Erstsemester es nicht schnallen, dass sie nur eine Zukunft als Studienabbrecher oder bestenfalls akademisch gebildete Taxifahrer haben werden. Grummelnd stelle ich mich an. Während sich die träge Masse nach oben schiebt, wuseln mir wieder zwei Kiddies zwischen den Füßen herum. Ob ich sie wohl unbemerkt zwischen die Schweinehälften schmuggeln kann? Nur so ein Gedanke... Oben endlich feiere ich mein Wiedersehen mit Bert, der fröhlichen Schweinehälfte aus dem Mensafilm. Bert war es wohl kalt geworden, weswegen er sich in einem Mantel aus Semmelbröseln auf einen aufgewärmten Teller gelegt hat


XFACTS

und gleich mit seinen neuen Freunden Western und Crics, beides Abkömmlinge des Hauses Kartoffeln, in meinem Magen eine Party feiern wird. Und so geschieht es dann auch. Seltsam nur, dass die Mensafrauen immer dieses leicht verstörende Kostüm aus Birkenstock, Söckchen und Kittel anhaben. Diese Kombination ist mir sonst nur aus Filmen wie „Fieber-Der Krankenschwester wird es heiß III.“ oder „Ach steck’ mir’s Thermometer rein“ bekannt. Ich beschließe, mir keine weiterführenden Gedanken hierzu zu gestatten und begebe mich zur Verdauung in die Cafete, wobei ich auf dem Weg mit Dutzenden Gutscheinen, Programmheften und Unimagazinen beladen werden, die ich ebenso hartnäckig ignoriere wie die Flyer in der Mensa, die einen immer zur „Ultimativen Party im xxx“, „Kinobesuch bei yyy“ oder „Wahl zum unglaublich wichtigen Unigremium zzz“ einladen. Durch eine Wand aus Rauch betrete ich die Rauchercafete, wo ich immer dieselben Gesichter sehe: Ein bis zwei Lesende, drei bis vier Cafétenveteranen, die hier auch sicherlich ihren Stammplatz bis zum jüngsten Gericht verteidigen werden und etwa hundert Füllpersonen, die einfach nur auf einen Kaffee hergekommen sind und auch ansonsten keine Daseinsberechtigung haben. Als ich die geniale Kombination aus Teebeutel, Fluppenresten und Kaugummi im nächstgelegenen Aschenbecher sehe, beschließen Crics und Western, ein bisschen draußen weiterzuspielen und ich flüchte aus diesem Hort des Wahnsinns. Wohin? Am besten zur heutigen EW-Party! SK

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Anzeige

Literatur Live:

Voranmeldung erbeten. Eintritt 6 Euro.

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Donnerstag, 22.5.03, 20.00 Uhr: - im Restaurant ARABESQUE, Osterberger Reihe 10 Yadé Kara „Selam Berlin“

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Montag, 5.5.03, 20.00 Uhr: Daniel Kehlmann „Ich und Kaminski“


XFACTS

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al wieder gestresst. Kind abgeholt, will mit dem Bus nach Hause, Ruhe haben. Endlich kommt er angerollt, und verheißungsvoll öffnen sich die Türen vor mir und meinem Kinderwagen... um den Blick auf zwei weitere Kinderwägen freizugeben. Grr. Das Manövrieren beginnt. „Könnten Sie vielleicht ihren Wagen ein bisschen zur Seite schieben, ja, so könnte es gehen, oh, da hakt’s noch...“ Quetschen, stehen und versuchen, bei den Vollbremsungen des Busfahrer die Balance zu halten, während man irgendwie das aus-dem-Wagen-klettern-wollende Kind in Schach halten muss, da sonst wieder eine dahingenölte Lautsprecherdurchsage wie „Das Kind muss aber sitzen!“ oder ähnliches auf einen zukommt. Dazu die Blicke der beiden anderen Bilderbuch-Mütter. Welches Kind ist das bravste, schönste, ruhigste? Vor mir zwei sogenannte ältere Damen, deren Sätze mir schauderndschüttelnde Gänsehaut über den Rücken jagen: „Also, wenn ich ganz ehrlich bin...“, „Ich muss ganz ehrlich sagen...“. Als wenn die darauf folgenden tiefgreifenden Erörterungen über die Buspreise von vor zehn Jahren ein in tiefster Seele gehütetes Geheimnis wären, das man in vollem Vertrauen zum Gesprächspartner nun offen legt. Ich muss kurz denken, dass es ja doch fast schon wieder rührend ist, wie sie mit diesen in jahrzehntelanger Übung gedrechselten Phrasen eine kurzweilig plumpe Vertrautheit herzustellen suchen. Wobei mir aufgefallen ist, dass es hierbei zwei Arten gibt, die sich in solchen Bus-Konversationen herauskristallisieren: die „dümmlich-verkrampft-glückselig Lächelnden“ und die „verzogen-säuerlich Meckernden“. Im Hintergrund ein angeregt dahinplätscherndes Gespräch zweier blondgefärbter Freundinnen darüber, welche Freundin welcher Freundin Scheiße über die dritte Freundin erzählt hat, die doch Stress mit der einen Freundin hatte, weil diese der ersten Freundin Scheiße über den Kumpel ihrer Freundin erzählt hat. Durchbrochen wird dieser stetige Fluss durch die unüberhörbar hervorgestoßenen Laute eines übergewichtigen, schwer pubertären Jungen, der aufgeregt dem ganzen Bus sein letztes Videofilm-Erlebnis vermitteln möchte. Auf den hinteren Plätzen verkichern sich 15jährige Mädchen mit glitzerüberlaufenen Augen trunken durch die Minuten, und vorne schweigen gesetzte Damen mit gesetzten Herren wortlos vor sich hin. „Mama, wie heißt der?“ Sei still Kind, BITTE, ICH MÖCHTE JETZT KEINE MÜTTER-KONVERSATION BETREIBEN! „Mama, wie heißt der?“ Es scheint keinen Ausweg zu geben. „Weiß ich nicht. Musst du mal fragen.“ Gequältes Lächeln zu Mutter Nr.1, fragender

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Busfahrt


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Studierende können sie online bestellen oder bei uns vor Ort aussuchen. Sie kosten nicht viel. Und das Beste: Sie können sie mit nach Hause nehmen.

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XFACTS

Blick. „Julian“ antwortet diese. Okay, nun führt kein Weg mehr an weiterem Austausch vorbei. „Wie alt ist er denn?“ Aaah, ich will es gar nicht wissen und ich hoffe, der Bus fährt schneller, damit ich diesen pseudointeressierten verschworenen Mütter-Blick nicht mehr lange aufrechterhalten muss. Ich bin genervt, es interessiert mich verdammt nochmal nicht, ob Julian gerade auf dem Spielplatz war oder ob es gerne Vollkornkekse mag! Zu meinem Glück klinkt sich nun Mutter Nr.2 in das Gespräch ein, so dass ich, mich dezent zurückziehend, den beiden das Feld überlassen kann und es reicht, wenn ich ab und zu wissend nicke. Und dann sehe ich sie, da leuchtet sie mir entgegen, meine Bushaltestelle, mein Rettungsanker, meine Ruhe. „Tschüüüüüüs“. Winke, winke. Geschafft! IB

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FICTION

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ie das Licht sich so frühlinglich an die Häuser wirft und die Ampeln strahlen wie von Vorfreude verschleiert. Alles scheint einem so unreal entgegen, und eine Schläfrigkeit liegt in den Gassen, wo die Märzsonne die Menschen kitzelt. Autos kriechen vor deinen Augen träge durch dieses sonnnigliche Tuch von Tag, während die Kälte angenehm in die Wangen beißt. Alles scheint sich wie hinter einem Schleier abzuspielen, sogar die Augen bewegen sich langsamer, und der ganze Körper zittert vor Genuss beim Einsaugen dieser erwartungsschwangeren Sonnendüfte. Fülle die Lungen tief mit knospender, frühlingsschwingender Luft, mit prickelnder Verheißung auf das Bessere, das kommt, wenn die Wärme kommt, und Blüten sich knospendplatzendschwellend übers Land erbrechen...Wie die Menschen da durch die wunderbar seelekitzelnde Frühlingssonne marschieren, pseudo-spazieren, die Weibchen spitzmündig an ihre Männchen gehängt, die den ausgestellten Neuwagen der Autohäuser hechelnd nachgaffen oder verträumt-sinnierend-sehnsuchtsvolle Blicke auf das glitzernde Gehäuse werfen. Es scheint, als bummelten sie nur hier entlang, weil man sonntags, wenn die Sonne scheint, eben spazieren geht. Das ist halt so und war schon immer so. Wie die prickelnde Vorfrühlingsluft, die deine Gedanken in sommerfiebrige Gefilde reißt, an ihnen unbemerkt abzuperlen scheint, an ihren resigniert-genervten, make-up-geschwängerten Gesichtern hinabtröpfelt. Ausufernde Sommer-Träumereien keimen in mir, ich flimmere in Erwartung. In Erwartung hitzegestauter Sommerwiesen und t-shirt-ärmeliger Gelassenheit unter raschelnden, grünflirrigen Blättern und Gewittermücken auf der Haut. Schlingerndes Grünzeuggewurschtel umschlingt sommerschwitzenden Hitzestaub. Von der Liege baumelnde Gliedmaße und träge verrieselnde Zeit. Im Baum hängen zwei Katzenaugen. Und tausend Sommerdüfte im Haar, das schmeckt nach Chlorwasser und eiszerschmolzenem Nass auf der Zunge, und streichelndem Wind auf nackter Haut und im auslaufenden Wasser auf schlammigem Sand liegen wie ’ne Nixe im Paradies. So in diesen Vorhang aus flirrender Wärme gepackt, ich schmeck’ es auf der Zunge... Sonne tropft ihren Glanz an die Hausfassaden und in mich hinein. Es blüht, es perlt, es strebt prall nach Leben und rinnt durch meine Venen... Frühling! IB

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Frühlings-Huldigung


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El jardín In my garden full of dying poems A laughter stands - heavenly, heavy on guard the walls are so closed the flowers left to shame on us “there’s nothing like leaving” laughter says and walks – away stay uncruzified we, doomed to die, we poems cannot do but cry caged up to rise our veins like empty prison cells there’s no more life to refresh and besing no more tragedy to fly on its wings

Nicolai von Ondarza

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in this garden full of dying poems three suns bleed through the sky and hope plays a fanciful theme celebrating yesterday


FICTION

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irekt über mir wohnt Frau Schröder. Sie ist die harmloseste Oma, die ich je auf solch wackligen Beinen gesehen habe. Sie ist nett zu den Kindern im Haus. Selbst hat sie keine, das weiß ich. Auch bekommt sie nie Besuch, und selten trifft man sie im Hausflur an. Sie hockt den ganzen Tag oben in ihrem Museum, ist so um die 70, 80, 90 – und was ich eigentlich damit sagen will, ist: Sie macht den Eindruck, als wäre sie eher da gewesen als das Haus, und man hätte letzteres um sie herum gebaut. Als ich letztens zufällig in ihren Keller schaute, nun, da fragte ich meine Augen so allerhand Sachen. Der ganze Keller bestand praktisch nur aus Holzstücken. Alles wild durcheinander, von der Kellertür angefangen ging es steil hinauf bis unters Fenster an der gegenüberliegenden Seite. Gerade mal am Eingang war noch etwas Platz. Eine freie Stelle, so dass man grad stehen konnte. Deshalb kann Frau Schröder den Keller auch nicht mehr recht nutzen, und ihr Einkaufswagen, den sie beim Einkaufen immer zitternd und in Acht auf jeden Schritt, konzentriert vor sich herschiebt, als suche sie damit Mienen, steht notgedrungen im Kellergang und stört die anderen Hausbewohner. Auch meinem Nachbarn war das aufgefallen. Bald stand er vor meiner Wohnungstür, grinste und fragte, ob ich nicht einmal eine gute Tat vollbringen wolle. ‚Eine gute Tat’, dachte ich und wusste nicht, was ich antworten sollte, stellte mich also scheu aber geistreich und fragte, was er wohl damit meine. „Na, du weißt doch, das Holz, welches Frau Schröder in ihrem Keller liegen hat,...braucht den ganzen Platz, und wenn man es vernünftig stapelte, gewönne sie viel Platz für ihren Einkaufswagen!“ „Muss ich das machen?“, fragte ich. „Nein, natürlich nicht, aber Frau Schröder freute sich bestimmt darüber! Glaube ich.“, sagte er. Ich zog ein dummes Gesicht.Warum suchte sich der Typ gerade mich aus? Und warum machte er es nicht selber? An seiner kürzlichen Herzoperation kann es ja nicht liegen, dachte ich und kratzte mich am Hintern. Nun, mein Gesicht verriet meine Gedanken. „Nun gut“, meinte er daraufhin ,“du sollst auch nicht leer dabei ausgehen! Wenn Du es machst, dann werde ich dir für deine ehrliche Arbeit auch fünfzig Mark geben!“ Einen Moment lang trat Stille ein, dann zwinkerte er mir zu, als ob wir etwas miteinander hätten. Ich blieb stumm. „Schon gut!“, meinte mein Nachbar grimmig, „es war ja auch nur eine Idee!“ Wir tauschten noch einiges an Artigkeiten aus, dann schloss ich meine Wohnungstür.

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Eine gute Tat


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Wenig später kam mein Freund Bruno. Er gehört zu der Art Leute, die nicht besonders viel Scharfsinn verraten, aber stets mein kurzweiliger Rat sind, mir also recht die Zeit vertreiben: heute mit Fußball vor dem Haus. Der Ball flog nun schon eine ganze Weile hin und her, bis dass Bruno ihn aus Versehen in Richtung Hauswand trat, wo sich das offenstehende Kellerfenster der Frau Schröder befand. Und wie konnte es anders sein, der Ball verschwand in ihrem Keller wie die Maus im Loch. Bruno wollte sich den Schlüssel von Frau Schröder geben lassen, doch ich hielt ihn davon ab. Ich hielt es für besser, das zu lassen, da ich wusste, dass sie des Nachmittags schlief. „Einer muss durchs Fenster!“, sagte ich. Bruno ließ die Luft in seinen Mund strömen, dann aber stimmte er kopfnickend zu, als nun geklärt war, dass ich in den Keller kriechen würde. Ich verlor keine Zeit, durchstieg sofort das Fenster und krabbelte in den Keller. Als erstes rutschte ich auf dem hoch übereinander gestapelten Holz aus. Das war nicht unbedingt eine himmlisch sinnberückende Erfahrung, bei der man ins Schwärmen gerät, was jeder nachvollziehen kann, der schon einmal einen Holzpflock im Arsch hatte. Aber was soll’s! „Soviel Holz!“, fluchte ich laut, sah aber schon denn Ball in der Ecke neben der Kellertür. Ich kämpfte mich auf den sperrigen Holzstücken zur Ecke durch und ergriff den Ball. Ziemlich sicher kroch ich zurück ans Fenster und übergab den Ball an Bruno. „Also, ich muss jetzt auch los, sonst macht der Spirituosenladen zu!“, meinte Bruno, legte den Ball ab und war auch schon verschwunden. Ich machte mich durchs Fenster, und noch halb drin steckend passierte es: Mein Schlüssel glitt aus meiner Jackentasche. Ich wollte noch etwas tun, zog den Kopf wieder ein, sah aber nur, wie er tief in den Holzstapel sank. Tja, das war nun schlimm! Ich versuchte, nach dem Schlüssel zu graben, aber war ich tief genug und nahe dran, dann stürzte alles von den Seiten ein, und so grub ich und grub mich in eine Aporie aus Holz. Mir blieb nichts anderes übrig. Ich fing also, wider meine Natur, tatsächlich noch an und befleißigte mich, die Holzstücke an der freien Stelle am Eingang beginnend zu stapeln. So schuf ich mir immer etwas Platz und kämpfte mich an die hintere Wand, dahin, wo mein Schlüssel liegen musste. Nun, bald hatte ich dank der systematischen Bemühung etwa die Hälfte des Stapels hinter mir und erblickte meinen Schlüsselbund, wie ich ihn kannte: Doch er lag noch gute zwanzig Zentimeter tief im Stapel. Und so bohrte ich meine Hand vorsichtig durch die einzelnen Holzstücke, um nach ihm zu fischen, doch als ich

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F X ICTIO ihn packen wollte...plink...plink...plink, verschwand er wieder im Holz. Das hätte nun auch mutvollere Seelen bedenklich gemacht. Aber da half kein Philosophieren: Stupide stapelte ich das Holz weiter und hing dabei meinen Wünschen und Träumen nach. Mittlerweile ging es ganz gut, auch wenn ab und zu ein frischer Stapel wieder in das Geschehen vor mir stürzte, alles in allem kam ich doch voran. Irgendwann war es nicht mehr viel und endlich: Nach großer Müh und langer Zeit kam ich an meinen Schlüssel und legte auch noch das restliche Holz – es war nicht mehr viel – auf Stapel, als sich hinter mir plötzlich die Kellertür öffnete und Frau Schröder eintrat. Völlig verstaubt und verschwitzt und überdies erschrokken schrie ich sie laut an. „Guten Tach!“ Frau Schröder gebrach die Wahrnehmung. Das Geäst unter ihrem Hintern hielt nicht mehr länger, sie begann zu schwanken. Ich hielt sie, während sie anfangs um Hilfe schrie, später zu Gott betete. Ich wollte sie beruhigen, aber das ging nicht so schnell. „Ich bin es doch, ich!“ Und erst nachdem ich dreimal auf meine Fratze gedeutet hatte, betrachtete sie mich genauer. „Aber was machen Sie hier in meinem Keller?“, japste sie. Ich wollte ihr gerade erklären, dass der Fußball,...also ich meine, dass ich doch den Schlüsselbund verloren hatte, aber dazu kam ich nicht mehr, denn nun fiel ihr das sauber gestapelte Holz ins Auge, worüber sie wieder Fleisch und Blut annahm. „Mein Gott, Sie haben ja das ganze Holz gestapelt!“, schüttelte sie den Kopf und war über das Lebhafteste betroffen. „Was für ein lieber Mensch Sie doch sind! Stapeln mir hier das Holz und dann auch noch heimlich! Wollten mich überraschen, was?“ Ich kam nicht mehr zu Wort. „Kommen Sie mit, junger Mann!“, befahl sie, packte mich am Arm und zerrte mich durch den Hausflur. Ich wurde nervös. „Frau Schröder, Frau Schröder..“, sagte ich, ...es hat keine Not...!“ Jedoch war ihr Wille unbeugsam. Also gingen wir zu ihr in die Wohnung hinauf und sie kochte mir - gegen meinen Willen und den Hinweis, dass ich eigentlich Bier bevorzuge – einen heißen Kakao und streichelte mein Haar. Irgendwann war ich frei und traf des Abends meinen Nachbarn im Hausflur. Die fünfzig Mark, die er mir für meine ehrliche Arbeit hinhielt, wies ich von mir. Da kniff der Kerl die Augen zusammen und kratzte sich die Stirn: „Ich habe es gewusst, tief im Innern bist du ein netter Kerl! Das denkst du doch auch, oder?“ Ich fragte ihn im Gegenzug, ob ihm das Wort „Gesülze“ etwas sagt, schloss die Tür und schlief an diesem Abend tatsächlich gut ein. Ronny Kamrath

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Die neuen Rattenfänger von Hameln

Michael Weiner

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998 wurde in Hameln an der Weser der Grundstein für das Metal Quintett „Resurrection“ gelegt, das seit 2001 in der heutigen Formation spielt. Seit Ende letzten Jahres kann man sie sich mit der EP „Faster“ ins heimische CD-Regal stellen. Auf den ersten Blick beeindruckt die CD mit ihrem tollen Coverdesign noch bevor man sie in den Player geworfen hat. Charakteristisch für alle fünf Stücke der CD sind die alles überragenden Gitarren: Die Solos sind allererste Güteklasse, gehen richtig unter die Haut und sind besser, als das, was so manche etablierte Band zu bieten hat. In dieser Hinsicht sind sie auf den Spuren ihrer Vorbilder von Metallica schon weit fortgeschritten. Den Einfluss, den Metallica und der Metal - Bereich sonst auf sie ausüben, hört man auf der ganzen CD – leider. Denn wenn sie ihren frischen Sound von dem angestaubten 80er Metal befreien können, der bei ihren Songs durchklingt, könnten sie das zweifellos vorhandene große Potenzial besser ausschöpfen und würden sicher auch außerhalb der Metal – Sparte bei vielen Leuten richtig gut ankommen. Dazu gehören auch die Vocals, die mit etwas mehr Leidenschaft den eigenen Sound der Band besser rüberbringen würden. Das Beste haben sie sich nach dem flotten zweiten Stück, das der CD seinen Namen gab, für den Schluss aufgehoben. Die gefühlvolle Ballade „Innocent“ offenbart noch mal alles, was in „Resurrection“ steckt. Auf jeden Fall solltet ihr lieben Leser Euch www.resurrectin-music.de anschauen. Die Homepage ist gut gemacht, man kann die ersten beiden Stücke der CD anhören und auch die ganze EP ordern, die mit 5 Euro für alle Freunde der etwas härteren Gangart sehr zu empfehlen ist. Man darf wirklich gespannt sein, was die fünf Hamelner nach diesem rundum gelungenen Debüt noch alles auf die Beine Stellen.

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EvENT

Resurrection

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K O M M U N I K A Z Etzt SAitA A diA lA

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Dinge, die die Erde noch retten können (Folge 1II)

Folge III: Fans im Fokus

Steckt da überhaupt was dahinter? Mike Möller und Bodo Geerds lesen Kommunikaze aus Interesse...oder auch aus Langeweile. ...manchmal wohl auch beides. Wenn Ihr Euch als Kommunikaze-Fans outen wollt, macht selber ein Foto oder schreibt eine Mail - wir bringen Euch groß raus!


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Kommunikaze 3: Mein schönstes Ferienerlebnis  

Kommunikaze, die studentische Zeitschrift für facts & fiction, Ausgabe 3: Mein schönstes Ferienerlebnis

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