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2.2009

Was Kirche für morgen heute bewegt

Von anderen lernen

www.kirchefuermorgen.de

Ökumenische Weite – Interview mit Frère Alois aus Taizé

Heimat für Grenzgänger – Ein spirituelles Zentrum auf evangelischer Grundlage

Pro und Contra – Ist Kirche lernfähig?


Editorial & Inhaltsverzeichnis

„Wir können alles außer Hochdeutsch“ … das ist die etwas ironisch gemeinte Selbsteinschätzung in einer Werbekampagne für das Land Baden-Württemberg. Wie ist das mit unserer Kirche? – besonders unserer württembergischen evangelischen Landeskirche? Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass die württembergisch-schwäbische Bescheidenheit in der Kirche besonders oft gepaart mit einer Form von Selbstgenügsamkeit auftritt. „Mir brauchet nix“. Wir können alles – zumindest besser als die anderen: • Da ist das Papier „Kirche der Freiheit“ eigentlich nur für die nördlichen und östlichen Landeskirchen geschrieben. Im Süden – da ist alles besser. • Da erlebt man Aufbrüche in und außerhalb unserer Landeskirche – aber wir wissen sehr schnell, wie theologisch fragwürdig manche Positionen sind, und deshalb können wir auch gleich das Kind mit dem Bade ausschütten. • Da erleben wir, wie immer mehr Menschen – gerade auch junge! – nach Gott fragen, aber in unserer Landeskirche keine Heimat finden – und dennoch ist das für uns kein Grund zu fragen: Was müssen wir an unserer Kirche verändern? „Von anderen lernen“ – das ist die einzige Chance den eigenen Horizont zu erweitern! Fremdes sich zu Eigen machen: genau so geschieht lernen. Indem wir Fremdes kategorisch ablehnen – bleiben wir bei dem, was wir schon immer waren. • Wir nehmen wahr, wie es in anderen Ländern Aufbrüche innerhalb von Kirchen gibt – auch in der guten alten anglikanischen Kirche. Aber wie schnell sind wir dabei, das dann wieder abzutun mit den berühmten sechs Worten: „Das geht bei uns so nicht.“ Christsein besteht wesentlich darin, unterwegs zu sein, unterwegs sein wie das Volk Israel, unterwegs sein wie Jesus selbst mit seinen Jüngern – und dabei genau das zu tun, was man nur dann kann, wenn man unterwegs ist: Von anderen lernen. Dieses Heft des Zitronenfalters will uns einladen, den Blick über unseren Horizont zu wagen und uns darauf einzulassen, dass wir – auch und gerade in Württemberg – von anderen lernen können. Vielleicht gibt es dann bald in unserer Kirche eine neue Formulierung: „Wir können alles … nämlich auch von anderen lernen! – So geht das auch bei uns!“

Friedemann Stöffler

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Heftthema: Von anderen Lernen Editorial

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Lernen im Spannungsfeld von Anpassung und Widerstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 3 Taizé – ökumenischer Ort der Begegnung

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Pro + Contra Ist Kirche lernfähig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 10 Bausteine ......................

Von anderen zu lernen ist notwendig und weiterführend. Dennoch bleiben wir oft gerne beim Alten und Bekannten. Wie Lernen voneinander sinnvoll funktionieren kann, zeigt Christoph Th. Scheilke.

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Heimat für Grenzgänger das „Spirituelle Zentrum St.Martin“ in München . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 8

Auf der Suche nach dem Übernatürlichen

Lernen im Spannungsfeld von Anpassung und Widerstand

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Von den Simpsons lernen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 13

Leicht ist es und schwer zugleich, von anderen zu lernen. Kinder brauchen andere Menschen um lernen zu können, zuerst Eltern und Geschwister. Dann als Jugendliche benötigen sie Ideale und Vorbilder – moderne Heilige à la Bonhoeffer, Martin Luther King, Mutter Teresa oder „local heroes“. Kinder wachsen am anderen. Sie müssen von anderen lernen. Menschenbildung geschieht dabei in einem ständigen Wechsel von Anpassung und Widerstand. Dieser Wechsel ist wichtig. Nachahmen allein bringt auf Dauer nichts – wir müssen auch eigene Handlungsmöglichkeiten entwickeln, durch die wir uns abgrenzen.

Gemeindeporträt

Andersheit annehmen fällt schwer

Landeskirchl. Gemeinschaft Verden / Aller –Gemeinde als Lebensraum und Hoffnungsort . . . . . . . . . . . . . . Seite 14

Vom anderen zu lernen ist aber auch schwer. Man muss ihn nämlich anders sein lassen. Mein Gegenüber immer nur an mich angleichen zu wollen, verringert die eigenen Lernmöglichkeiten. „Erst wenn der Einzelne den Anderen, in all seiner Anderheit, als sich, als den Menschen erkennt und von da aus zum Anderen durchbricht, wird er, in seiner strengen und verwandelnden Begegnung, seine Einsamkeit durchbrochen haben.“(Martin Buber, Das Problem des Menschen, Heidelberg 1954, 163 f.)

Bausteine Von Migrationsgemeinden lernen . . . . . . . . . . . Seite 17 Kfm intern Aus der Landessynode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 18 Impressum

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Zu guter Letzt

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Seite 19

Wie schwer es fällt, von anderen zu lernen, zeigen die letztjährigen Entwicklungen im deutschen Schulwesen. Da gibt es schon seit langem hervorragend arbeitende Schulen. Durch den seit 2006 verliehenen Deutschen Schulpreis hat sich ein Netzwerk exzellenter Schulen gebildet. Trotzdem arbeitet die große Mehrheit der Schulen meist vor sich hin. Das in der Vergangenheit gültige „Schema F“ macht’s leicht – da kann man ja angeblich nichts falsch machen. Man macht es eben wie die anderen. Das Problem jedoch ist: Keine Schule gleicht wirklich der anderen, jede ist einzigartig.

Mein Gegenüber immer nur an

Schulen lernen voneinander, indem sie auf die Unterschiede Acht geben. Gleichmacherei auf der Ebene von Zielen oder Verfahren funktioniert hier nicht. Es gibt z.B. Best-practice-Beispiele dafür, dass individuellere Lernmethoden an Schulen gut funktionieren können. Unter althergebrachten Bedingungen damit anzufangen ist aber nicht sehr sinnvoll. Wie genau es in der eigenen Einrichtung gehen könnte, muss jede Schule für sich herausfinden. Man muss den entscheidenden Grund, warum etwas woanders funktioniert, begriffen haben und dann nach ähnlich Erfolg versprechenden Maßnahmen für die

mich angleichen zu wollen, verringert die eigenen Lernmöglichkeiten

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Besuchen Sie unsere Homepage Es gibt sie noch, die regelmäßig erscheinenden Zitronenspritzer auf unserer Homepage. Michael Josupeit macht sich dort Gedanken über Gott und die Welt. Aktuell schreibt er über den Sinn und Unsinn kirchlicher Feste und lässt, quasi als Sahnehäubchen, Hanns Dieter Hüsch zu Wort kommen mit originellen Segenswünschen zum Pfingstfest und für die Zeit danach. Die Zitronenspritzer findet man unter: www.kirchefuermorgen.de/330 und ...315.

Fotolia(MonikaAdamczyk)

Liebe Leserinnen und Leser,

Von anderen lernen

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Fotolia (endostock)

Von anderen lernen

eigene Situation suchen. Eine charismatische Schulleiterin wie beispielsweise Enja Riegel kann man nicht kopieren, aber Elemente ihrer Wiesbadener Schule gleichwohl in die eigene Situation übertragen. Auch Schultypen wie die Jenaplan-Schulen unterscheiden sich wesentlich voneinander, weil örtliche Bedingungen, Einzugsgebiet, Kollegium, bildungspolitische Rahmensetzungen je verschieden sind.

Wahrnehmen, nachdenken, aneignen Was kann man also tun? Von anderen lernen beginnt mit dem Wahrnehmen. Im Blick auf verbesserten Schulunterricht empfiehlt sich ein Besuch im Unterricht der Kollegin, des Kollegen. Man kann sich aber auch besuchen lassen. „Critical friends“ können

Das Pädagogisch-Theologische Zentrum Stuttgart (ptz) arbeitet im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Es berät LehrerInnen und PfarrerInnen, die Religions- und Konfirmandenunterricht erteilen und bietet religionspädagogische Fortbildungen für LehrerInnen sowie für Haupt- und Ehrenamtliche im Konfirmandenunterricht an. Das ptz verantwortet außerdem die Ausbildung von VikarInnen im Bereich Religionspädagogik, wirkt mit an der Entwicklung von Lehrplänen und erstellt Unterrichtshilfen und Lehrmittel für evangelischen Religionsunterricht und den Konfirmandenunterricht. Informationen über Fortbildungen und eine Menge Materialien zum Download finden sich auf der Homepage unter www.ptz-stuttgart.de.

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einen auf Stärken aufmerksam machen, die noch ausgebaut werden könnten. Konkrete Schritte muss man dann selbst gehen, sich etwas Erkanntes „zu eigen“ machen. Lernen ist ja nur in seltenen Fällen das Resultat von Belehrung. Sie geschieht durch Aneignung. Dabei hilft das Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen, mit Freunden und mit Gegnern. Man kann ja auch durch Widerspruch des anderen lernen!

Chancen des Glaubenspluralismus Um noch einen anderen Bereich anzusprechen: In einer religiös pluralen Gesellschaft lernt man die eigene Religionsausübung nicht nur durch Reflexion und Nachvollzug der eigenen Glaubensgrundlagen. Gerade durch die Begegnung mit denen, die eine andere Konfession oder Religion leben – oder gar keine! – wird man der eigenen Besonderheiten bewusst mit ihren Chancen, aber auch Grenzen. So erfahren wir durch eine solche Begegnung nicht nur Neues über andere, sondern auch über uns selbst. Die Versuche der beiden großen Kirchen, den Religionsunterricht in Form einer Konfessionellen Kooperation zu ermöglichen, in der zwei Lehrkräfte unterschiedlicher Konfessionen eine begrenzte Zeit aus je ihren Perspektiven unterrichten, sind Resultat solcher Einsichten.

Von Jesus glauben lernen Glauben zu lernen ist nicht möglich ohne von anderen zu lernen. Ja, ohne den ganz Anderen – ohne Gott und sein Handeln an uns – ist Glauben uns gänzlich verwehrt. Damit ist glauben lernen höchst intensives Lernen. Vom anderen, von Jesus glauben lernen heißt nachfolgen. Ohne wenn und aber im Vertrauen auf die Rechtfertigung Gottes und im Bemühen um unsere Heiligung. „Mein Joch ist sanft und meine Last sei leicht,“ sagt Jesus. Von ihm zu lernen ist schwer und leicht zugleich.

Taizé – ökumenischer Ort der Begegnung Taizé inspiriert jedes Jahr tausende Besucher aus aller Welt, ihren Glauben zu erneuern und zu vertiefen. Im Gespräch mit dem Prior Frère Alois versucht Thomas Hoffmann-Dieterich, das Geheimnis von Taizé näher zu ergründen. Frère Alois ist katholisch und kommt aus Deutschland.

Frère Alois, in den normalen Gottesdiensten der etablierten Kirchen spüren viele Menschen oft nur noch wenig von Gottes Gegenwart. Anders in Taizé. Schon nach ein bis zwei Tagen beginnen entkirchlichte Menschen zu singen und zu beten. Wie erklären Sie sich solche Verhaltensänderungen? Wir sind überrascht, wie sehr sich die Jugendlichen hier öffnen. Dies hängt auch damit zusammen, dass Frère Roger es gewagt hat, die Gebetsform und auch die Form des Kirchenraumes in Taizé zu verändern. Ich nenne ein Beispiel: Dreimal am Tag lesen wir in der Kirche aus der Bibel. Wir können dazu aber angesichts der vielen Sprachen nicht dreimal am Tag eine Auslegung geben. Das machen wir in den Bibelgruppen, außerhalb des Gottesdienstes, dort geschieht die Bibelarbeit mit Auslegung und anschließendem Gespräch. In der Kirche hören wir einfach ein Bibelwort, und dann ist Stille. Damit wollen wir einen Zugang schaffen zur Mitte des Evangeli-

ums, Christus selbst, zu seinem Tod und seiner Auferstehung, und zu seiner Gegenwart heute. Darauf soll unser Gottesdienst ausgerichtet sein. Deshalb konzentrieren wir uns auf kurze Texte und die Stille vor Gott. Wir sind erstaunt, wie sehr Jugendliche das annehmen. Viele Jugendliche sagen mir am Ende der Woche, die Stille sei für sie das Wichtigste gewesen. Das ist doch erstaunlich. Sie haben ein tiefes Bedürfnis nach Stille und Einfachheit. Die Tatsache, dass Jugendliche hier unter gleichen Bedingungen leben – jemand aus Deutschland nicht anders als jemand aus Afrika – bewirkt, dass sie anders aufeinander zugehen. Sie hören ganz anders aufeinander. Die Einfachheit, die Stille – das sind ganz tiefe Bedürfnisse, die hier in Taizé geweckt werden.

Die Stille war das Wichtigste

Nach dem Abendgottesdienst bleiben viele Jugendliche in der Kirche, singen weiter oder suchen das Gespräch mit den Brüdern.

Dr. Christoph Th. Scheilke, Pfarrer, Direktor des Pädagogisch-Theologischen Zentrums der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Honorarprofessor der Uni Münster/Westf. sowie Lehrbeauftragter der Uni Tübingen.

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Wir ermutigen die Jugendlichen, in ihren

Ja, danach geschieht noch viel. Manche sagen: Da fängt das eigentliche Gebet erst an. Damit haben jedoch die Jugendlichen begonnen, das war nicht unsere Idee. Wir beteten und sangen dreimal täglich eine dreiviertel Stunde und wandten uns dann wieder unserem Tagwerk zu. Die Jugendlichen aber sind einfach dageblieben. Daraufhin meinte Frère Roger, einige Brüder müssten ebenfalls bleiben und die Jugendlichen begleiten. Die Jugendlichen kommen zu uns zu persönlichen Gesprächen. Sie wollen mitteilen, was sie hier erleben, eine Sorge loswerden, eine Frage stellen oder einfach sagen, was sie freut. Nach dem Abendgebet können sie immer jemanden von uns ansprechen oder auch einen Augenblick lang mit jemandem beten. Darüber hinaus gibt es auch Gelegenheit zur Beichte.

Herkunftskirchen Gebet und Das Abendmahl in Taizé gemeinsames Teilen zu

Ist das Abendmahl, das die Jugendlichen empfangen, eigentlich ein katholisches oder ein evangelisches, oder ist es ein „Taizé-Abendmahl“?

praktizieren Sicher kein „Taizé-Abendmahl“, denn dann wären wir ja eine neue Kirche. Das ist eine ganz schwierige Frage, für die wir im Grunde genommen keine Antwort haben. Wir wollen keine „Taizé-Lösung“. Wir ermutigen die Jugendlichen vielmehr, in ihre Herkunftskirchen zurückzukehren und dort Gebet und gemeinsames Teilen zu praktizieren. Wir ermutigen sie, ihre Wurzeln zu erkennen und von dort her die Ökumene zu entdecken. Anfang der siebziger Jahre, als die ersten katholischen Brüder in die Communauté eintreten konnten, hat Frère Roger gesagt: „Wenn wir zusammen sind, wollen wir an einen Tisch gehen.“ Es tat sich mit Einverständnis der Bischofskonferenz in Frankreich die Möglichkeit auf, dass alle Brüder an einen Tisch gehen können. Deshalb wird am Ende jedes Morgengebets die Kommunion ausgeteilt. Es gibt außerdem jede Woche am Samstag eine oder mehrere Abendmahlsfeiern in den Heimatspra-

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chen anwesender evangelischer Gruppen. So oft orthodoxe Christen unter den Besuchern sind, halten sie Eucharistie nach ihrer Ordnung. Es ist wichtig, dass hier jeder verantwortlich handelt. Es kann nichts Zwangsläufiges geben. Deshalb teilen wir auch jeden Morgen gesegnetes Brot aus, ein Brauch, der aus den Ostkirchen kommt. Jugendliche stehen mit Brotkörben bereit. Auch ganz kleine Kinder und die mitunter beträchtliche Zahl von Jugendlichen, die nicht getauft sind, können dieses gesegnete Brot nehmen. Aber auch alle anderen. Dies ist ein Zeichen der Gemeinschaft in Christus für alle, ein Zeichen, das die Trennung ein bisschen entschärft.

Ihr Vorgänger, Frère Roger, war ja ein Brückenbauer hin zur katholischen Kirche. Er konnte sogar die Türen zum Vatikan weit öffnen. Brüder von Taizé leben jedoch auch in Afrika oder Lateinamerika. Wäre es denkbar, dass die Brüder, die dort leben, die Türen auch zu den charismatischen und evangelikalen Pfingstgemeinden hin öffnen, etwa mit gemeinsamen Gottesdiensten und sozialen Projekten? Diese Frage ist wichtig und stellt sich uns ganz konkret, zum Beispiel bei den Brüdern, die im Nord-Osten Brasiliens leben, in Bahia, in einem sehr armen Stadtviertel, wo die evangelikalen Gemeinden sehr stark anwachsen. Die Brüder suchen dort einen Dialog.

Bibeln für China Da wir gerade bei der weltweiten Kirche sind: Ich habe gelesen, dass Sie gerade eine Million Bibeln für China drucken lassen. Können Sie dazu noch einen Satz sagen? In China ermutigen die Kirchenverantwortlichen dazu, mehr in der Bibel zu lesen, insbesondere ermutigen sie die Jugendlichen und die Menschen, die sich auf die Taufe vorbereiten oder erst kürzlich getauft worden sind. Dieses Bemühen wollen wir unterstützen und haben deshalb die Initiative ergriffen, vor Ort, in Nanjing, eine Million Bibeln drucken zu lassen, genauer gesagt 800.000 Neue Testamente und 200.000 Bibeln. Die Bibeln dürfen nicht importiert werden, sondern müssen in China gedruckt werden. Die ersten 100.000 Exemplare wurden nach Ostern ausgeliefert. Der Weltbund der Bibelgesellschaften stellt das

benötigte Papier zur Verfügung. Die Christen in diesem großen Land sind für diese Unterstützung dankbar. So ein Projekt kann freilich nur gelingen, wenn uns viele Menschen, die dazu in der Lage sind, unterstützen. Der Druck eines Exemplars des Neuen Testaments kostet etwa 1,50 Euro, eine Bibelausgabe etwa 3 Euro. Leser des Zitronenfalters, die diese Aktion unterstützen möchten, können auf das unten genannte Konto einen Geldbetrag überweisen1.

Frère Alois, Sie haben während ihres Noviziats auch in Lyon Theologie studiert. Gab es eine Denkschule oder einen Theologen, der sie damals besonders fasziniert hat? Unser Studium machen wir in Taizé selbst. Wir haben damals auch einige Vorlesungen in Lyon gehört. Vor allem die Geschichte der alten Kirche und die Kirchenväter habe ich dort entdeckt. Es freute mich, als ich las, dass Bonhoeffer in Tegel ebenfalls die Kirchenväter studiert hat. Ich hatte immer großes Interesse an Dietrich Bonhoeffer. Die Parallelen zu Frère Roger, auch was die Suche nach einem gemeinsamen Leben angeht, sind erstaunlich. Obwohl sie völlig verschieden waren und sich nie getroffen haben.

Wollten Sie eigentlich einmal Priester werden? Nein, Priester gehören in die Kirchengemeinden, wir sind eine Laiengemeinschaft.

wieder nach Stuttgart kommen kann. Am 10. Oktober halten wir in der Stiftskirche und der Kathedrale St. Eberhard gleichzeitig ein Abendgebet,an dem auch Landesbischof Frank O. July und Diözesanbischof Gebhard Fürst gemeinsam teilnehmen.

Wie können wir aus dem Vertrauen auf

Was ist das Anliegen bei dem Besuch in Stuttgart? Wir haben zwei Anliegen: Dass wir uns mit allen, die an diesem Tag teilnehmen, die Frage stellen, was Glauben in unserer Welt heute bedeutet. Was bedeutet Vertrauen auf Gott? Wie kann das unser Leben prägen? Der Glaube sollte ja nicht einfach eine Theorie sein, sondern soll unser Leben prägen, und da ist das Stichwort Vertrauen für uns hier in Taizé sehr wichtig. Unser anderes Anliegen ist: Wie können wir aus diesem Vertrauen auf Gott heraus auch in unserer Gesellschaft Vertrauen schaffen? Das ist etwas ganz Dringendes: Vertrauen in die Zukunft, in einer Situation, in der die Zukunft nicht rosig aussieht. In der sich viele Jugendliche fragen: Wie soll mein Leben weitergehen? Wir freuen uns darüber, dass schon viele ihre Bereitschaft bekundet haben, diesen Abend mit vorzubereiten!

Gott heraus auch in unserer Gesellschaft Vertrauen schaffen?

Infos zu Taizé Homepage: www.taizé.fr Erfahrungen von Jugendlichen: www.jugendtreffen.info Fahrtmöglichkeiten nach Taizé: www.regenbogen-tourservice.de (wöchentlicher Pendelbusverkehr von März bis November ab Karlsruhe)

Stuttgarter Wurzeln Sie sind im Stuttgarter Osten aufgewachsen. Was verbindet sie mit Stuttgart? Vor allem meine Familie. Die Geschwister leben immer noch in Stuttgart, und ich bin dort aufgewachsen. Ich habe unzählige Kindheits- und Jugenderinnerungen, die mich mit Stuttgart verbinden. Deshalb freue ich mich ganz besonders, dass ich im Oktober dieses Jahres Taizé – Jugendtreffen in Stuttgart am Samstag, 10. Oktober 2009: Auf Einladung der beiden württembergischen Bischöfe kommen Frère Alois und einige andere Brüder nach Stuttgart. 12.30 Uhr: Mittagsgebet in der Stiftskirche, anschl. Mittagessen Nachmittags: Verschiedene Angebote für Jugendliche ab 14 Jahren 19.30 Uhr: Abendgebet in der Stiftskirche und in St. Eberhard Aktuelle Infos: www.ejus-online.de/termine/taize2009.html 1. Aus den Ländern der Eurozone: Opération Espérance, IBAN: FR76 30003 01212 00037260029 02, BIC–SWIFT: SOGEFRPP bei der Société Générale, CLUNY, Frankreich (Kosten lediglich in Höhe einer Inlands-Überweisung)

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Fotolia (Bartlomiej Nowak)

Von anderen lernen

Heimat für Grenzgänger

Solange es Kritik von beiden Seiten

Martin Schmid hat das „Spirituelle Zentrum St. Martin“ in München besucht. Dort will man auf unkonventionellen Wegen Brücken zum christlichen Glauben bauen, ohne die eigene Identität aufzugeben. Der Leiter, Pfarrer Andreas Ebert, berichtet von seinen Erfahrungen. Vor fünf Jahren hat die evangelisch-lutherische Landeskirche in Bayern das Hinterhof-Gemeindezentrum St. Martin, eine Dépendance der großen St. Lukaskirche im angesagten Münchner Glockenbachviertel, in ein „Spirituelles Zentrum“ umgewidmet. Der Anlass dafür war der Rückzug der Landeskirche aus dem „Haus der Stille – Schloss Altenburg“, einer Meditationsstätte außerhalb von München. Die Gründe dafür waren finanzielle und „ideologische“. Die Spiritualität Schloss Altenburgs erschien vielen kirchlichen Insidern als zu synkretistisch: Bogenschießen, Yoga, Tai Chi, Zen-Meditation, schamanische Riten neben ignatianischen Exerzitien und christlicher Kontemplation – der Mix kam manchen Kritikern zu beliebig vor. Die christliche oder gar lutherische Identität schien in Gefahr.

Brückenbauer

Wer eine eigene Identität hat, muss die Begegnung oder Überfremdung nicht fürchten

St. Martin ist der Versuch, aus einer klaren christlichen Mitte heraus suchende Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche anzusprechen, ohne sich dabei ständig abzugrenzen. Wer eine eigene Identität hat, muss die Begegnung oder Überfremdung nicht fürchten, kann ökumenisch und sogar interreligiös lernen und anderen Traditionen und Wegen mit Respekt begegnen. Das freilich ist eine Gratwanderung, die dazu führt, dass den einen St. Martin zu christlich ist, den anderen zu offen. Aber wir sind der Meinung: Solange es Kritik von beiden Seiten gibt, müssen wir irgendetwas richtig machen. Wer Brücken baut, muss damit rechnen, dass man von beiden Seiten auf diesen Brücken herumtrampelt.

Die Rückkehr der Suchenden Viel erfreulicher ist aber die Tatsache, dass diese zugleich klare und dennoch offene Haltung auch anziehend wirkt. Zum typischen Klientel des Spirituellen Zentrums zählen Menschen, die von der Kirche entfremdet waren, aber dennoch spirituell gesucht haben, z.B. im Buddhismus oder in indischen Aschrams. Sie haben jedoch gemerkt, dass auch

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dort nur mit Wasser gekocht wird – oder sie hatten irgendwann Sehnsucht nach den eigenen abendländischen und christlichen Wurzeln. Das freilich bedeutet in der Regel nicht, dass sie einfach zu den traditionellen christlichen Formen und Formeln zurückkehren wollen. Solche Menschen bringen Erfahrungen mit. Die Frage ist, ob wir solche Erfahrungen wertschätzen oder abweisen.

Alte Gebetsformen neu entdecken Man kann das am Beispiel der Meditation festmachen: In den westlichen christlichen Kirchen waren die Mystik und die sogenannten kontemplativen Formen des Gebets (schweigende Versenkung) weitgehend in Vergessenheit geraten. Vor allem Missionare und katholische Ordensleute waren es, die im ausgehenden 20. Jahrhundert in Fernost die dortigen Praktiken der Meditation und der spirituellen Körperarbeit – insbesondere Zen-Meditation und Yoga – kennen und schätzen lernten. Manche von ihnen begannen zu forschen, ob es im Christentum nicht Ähnliches gibt – und sie wurden fündig. Vor allem in den orthodoxen Kirchen des christlichen Ostens gibt es einen spirituellen Traditionsstrom, der bis ins frühe Mönchtum zurückreicht. Er nennt sich „Hesychasmus“ (von griechisch hesychia= Herzensruhe) und basiert auf der mantrischen Wiederholung des Jesusnamens bzw. des Zöllnergebets „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich über mich“. Ein solches mantrisches Gebet geschieht in Verbindung mit Atmung, Herzschlag, und manchmal auch unter Zuhilfenahme einer Gebetsschnur, wie es sie in den großen Religionen gibt – im westlichen Christentum der „Rosenkranz“, neuerdings auch die lutherischen „Perlen des Glaubens“. Die vorurteilslose Begegnung mit dieser dem westlichen Christentum fremden Praxis führte in vielen Fällen dazu, dass die spirituell Suchenden ihre eigene Tradition neu und vertieft kennen lernten und dort verschüttete spirituelle Quellen wieder freilegten. Ähnliches gilt auch für das Körpergebet.

gibt, müssen wir irgendetwas richtig Obwohl die Bibel ein durch und durch lebensbejahendes Buch ist, mit vielen Hinweisen auf die Körpersprache (Psalm 84,3: „Mein Leib und Seele freuen sich in Gott“), hat sich das gestische Beten wenig entwickelt. Die Begegnung mit östlichen Religionen hat bei uns als Protestanten das Bewusstsein verändert und uns Mut gemacht, beim Beten auch einmal zu knien oder die Hände zu öffnen, anstatt sie vor dem Bauch zu falten.

machen

Evangelische Freiheit In St. Martin erleben wir, dass es Menschen gut tut, sich mit Leib und Seele auf Gott einzulassen. Meditativer Tanz, kontemplatives Sitzen in der Stille, Tai Chi, die Wiederbelebung alter Rituale wie das Aschenkreuz am Aschermittwoch, oder auch Segnung und Salbung unterstützen einen ganzheitlichen Glauben, der nicht im Kopf bleibt. Wir sind dankbar für die Begegnung mit anderen Konfessionen und Religionen, die uns einladen, unseren spirituellen Horizont zu erweitern, ohne unsere Identität aufzugeben. Wir als Evangelische haben zu diesem Dialog eine Menge beizutragen: unsere Liebe zur Bibel, unser Bemühen, Glaubensinhalte auch dem Verstand zugänglich zu machen, die Wertschätzung des Einzelnen und seines Weges und all das, was – richtig verstanden – „evangelische Freiheit“ heißt. Sie befähigt uns aus der Mitte heraus, die Jesus Christus heißt, alles zu prüfen und das Gute zu behalten. Oder wie Paulus an anderer Stelle sagt: „Alles ist euer – ihr aber seid Christi“.

Unseren spirituellen Horizont erweitern, ohne unsere Identität aufzugeben

Andreas Ebert, Pfarrer und Leiter des Spirituellen Zentrums St.Martin am Glockenbach in München (Autor, u.a. „Das Enneagramm“) Weitere Hinweise unter www.stmartin-muenchen.de

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Pro & Contra

Ist Kirche lernfähig?

&

PRO

Nicht nur die Menschen in der Kirche, sondern die Evangelische Kirche als Organisation? Wir haben zwei Insider gefragt, die es wissen müssen. Ihre Einschätzung hätte nicht unterschiedlicher ausfallen können. Ulrich Mack, Prälat in Stuttgart, und Reinhold Krebs, Landesreferent im ejw, beziehen eindeutig Position im Blick auf die Lernfähigkeit der Evangelischen Kirche.

„Was Lernfähigkeit angeht,

„Was Lernfähigkeit angeht, ist die

ist die Evangelische Kirche auf einem guten Weg.“ Hoffentlich! Zumindest ist sie auf einem Weg, ich meine: in vieler Hinsicht auch auf einem guten – und das schon seit 500 Jahren. Die Reformation zeugt von ihrer Fähigkeit, auf das Evangelium zu hören und immer neu zu fragen, wie Gemeinde heute leben und Verkündigung aussehen soll. Was hat sich allein in den letzten fünfzig Jahren verändert? Neue Gottesdienstformen sind entstanden, ungezählt viele neue Lieder wurden gedichtet und komponiert, Musikstile haben sich verändert, die Zahl der Gruppen, Kreise, Projekte und Aktionen (und auch die der Gemeindehäuser!) hat sich massiv vermehrt, Ehrenamtliche und gewählte Gremien wirken an der Leitung der Kirche viel stärker mit als früher. Auch die Entstehung von Kirche für morgen ist ein lebendiger Erweis kirchlicher Lernfähigkeit. Wobei ein qualifiziertes Lernen immer auch den Blick dafür schärft, was noch alles zu lernen wäre. Im Projekt „Wachsende Kirche“ wollen wir das Finden neuer Wege unterstützen und Modelle multiplizieren. Aktionen wie „ChurchNight“ werden gefördert. Neue Gemeindeformen werden zurzeit initiiert, diskutiert und probiert. Und trotzdem: Es bleibt weiter viel zu lernen und zu tun. Warum? Einfach deshalb, weil sich Menschen verändern und Gesellschaft wandelt. Und als Kirche müssen und wollen wir darauf reagieren. Ich komme aus einer aktiven Jugendarbeit.

Da haben wir gelernt, dass jede Generation neu fragen muss: Was ist jetzt dran? Wie erreichen wir Jugendliche in ihren Lebenswelten? „Ecclesia semper reformanda“ – Kirche muss immer wieder reformiert, erneuert und gestaltet werden. Erst in der Ewigkeit hat sie ausgelernt. Wobei ich verstehe, dass manches heute nötige Lernen vielen Christen viel zu langsam geschieht oder wegen zu viel Verkrustungen gar nicht. Viel wichtiger ist für mich aber die Frage: Was und vor allem von wem lernen wir? „Lernt von mir“, sagt Jesus (Mt 11,29). Lernfähig bleibt unsere Kirche dann, wenn wir hörbereit auf sein Wort, offen für seinen Heiligen Geist und sensibel für die Situation der Menschen sind. Klar – es gibt in unserer Kirche viele Gründe zu jammern. Aber es gibt einen Grund, mutig zu glauben, gelassen zu vertrauen, intelligent das Evangelium weiterzugeben und fröhlich mit anzupacken: Jesus Christus selbst. Mit ihm sind wir auf einem guten Weg.

Ulrich Mack, Prälat in Stuttgart

ABENTEUER AUSLAND 200 Organisationen bieten 12monatige Praktika als „Freiwilligendienste“ an. Junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren können entwicklungspolitische Erfahrungen sammeln und vielseitig neue Perspektiven gewinnen. Nähere Infos unter www.weltwaerts.de. Eine Zusammenstellung kirchlicher Angebote findet sich unter www.kirchefuermorgen.de/zitronenfalter.

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CONTRA

Evangelische Kirche auf keinem guten Weg.“

„Gib mir ein bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint“ singt die Band Silbermond – selbst in der jungen Generation wächst das Bedürfnis nach dem „Fels in der Brandung“. Kommt das nicht wie gerufen für die Evangelische Kirche? „Unsere Evangelische Kirche: gestern, heute – und dieselbe auch in Ewigkeit.“ Genau hier lauert der Sündenfall, das „Sein wollen wie Gott“. Eine solche Kirche mag neue Bedürfnisse moderner Gesellschaften erfüllen, aber nicht ihre Berufung. „Wenn unser Herr Jesus Christus sagt ‚Tut Buße’, will er, dass unser ganzes Leben Buße ist.“ Die erste These Luthers gilt auch der Kirche. Buße meint ja: Umdenken, herausgerufen sein aus den Sachzwängen der Welt, Neuorientierung auf das Reich Gottes hin. Ist die Evangelische Kirche eine „Veränderungs-Agentur“, die sich immer neu auf Gott und die Menschen ausrichtet – flexibel, visionsorientiert, dynamisch? Kirche, so wie sie ist, als konsistoriales System mit Beamten, gleicht am ehesten der Schule und der öffentlichen Verwaltung. Wer dort in den 1990er Jahren „neue Steuerung“ erlebte, wer Schulrektoren heute stöhnen hört über Veränderungsdruck, kann bei Kirchens nur Gemächlichkeit und Dornröschen-Schlaf diagnostizieren. Projekte wie „Notwendiger Wandel“ zeigen schon im Namen, wie Wandel gesehen wird.

Auch die deutsche Bildung hielt sich für spitze, bis sie lernte – PISA sei Dank – wirklich in den Spiegel zu sehen. Der PISA-Schock steht der Kirche erst noch bevor. Zu gern lebt man noch in Illusionen. So zählt man an vier Sonntagen die Gottesdienst-Besucher, darunter Heiligabend und Erntedank. Und Bischöfe weisen gern darauf hin, dass in den deutschen Gottesdiensten sonntags mehr Menschen seien als samstags in den Bundesliga-Stadien. Ist es intelligent zu beteuern: In unseren 16.000 Veranstaltungen sind mehr als in euren neun? Dagegen müsste man mal die Realität sonntäglicher Innenstadtkirchen in einer Fotoserie dokumentieren. Als Kirche für morgen 2003 Zahlen über die Altersstruktur der Besucher veröffentlichte, wurde uns „Alters-Rassismus“ vorgeworfen. Lieber nicht so genau hinschauen. Hesekiel 37 erzählt, wie der Prophet auf ein Feld voller Knochen geführt wird. Erst dort, in der Stunde schonungsloser Wahrnehmung, in der eigenen Hilflosigkeit, empfängt er das Verheißungswort, dass der Geist des Lebens neu wehen wird. Anders wird es mit unserer Kirche auch nicht sein.

Reinhold Krebs, Landesreferent im ejw und Vorstandsmitglied von Kirche für morgen

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Neulich führten die Vereinten Nationen eine Umfrage bei ihren Mitgliedstaaten durch. Die Frage lautete: „Bitte sagen Sie uns Ihre ehrliche Meinung zu einer Lösung der Nahrungsmittelknappheit im Rest der Welt.“ Das Ergebnis war ein kompletter Reinfall. In Afrika wussten die Menschen nicht, was „Nahrungsmittel“ bedeutet. In Westeuropa wussten sie nicht, was „Knappheit“ bedeutet. In Osteuropa wussten sie nicht, was „Meinung“ bedeutet. Im Nahen Osten wussten sie nicht, was „Lösung“ bedeutet. In Südamerika wussten sie nicht, was „Bitte“ bedeutet. Und in den Vereinigten Staaten wusste keiner, was „Rest der Welt“ bedeutet.

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Bausteine

Bausteine

Auf der Suche nach dem Übernatürlichen Spirituell Suchende samt ihren Erfahrungen ernst nehmen und dabei die eigene Glaubenserfahrung ins Spiel bringen – geht das? Christoph Schneider startete dazu die Projektgruppe „Natürlich Übernatürlich“. „Jede Suche, jede heilige Frage ist als leises Gottesahnen zu würdigen!“ (Brudereck, 2007, S. 28). Unter diesem Motto stand unser Experiment „Natürlich Übernatürlich“. Wir wollten als überzeugte Christen andere einladen zur Suche nach dem Übernatürlichen, voneinander und miteinander aus den Erfahrungen lernen. Gemeinsame Übungen wie z.B. Meditationen halfen uns dabei, auf natürliche Weise dem Übernatürlichen Raum zu geben und Gott zu begegnen.

Lässt sich jemand darauf ein? Unser Leben besteht aus mehr als natürlichen, also rational erklärbaren Dingen. Eine Freundin, Katharina, und ich hatten das Gefühl, dass andere Menschen in unserem studentischen Umfeld das ähnlich sahen. Warum also nicht zusammen mit anderen nach dem Übernatürlichen, nach Gott suchen? Wir verfassten Einladungen und luden Menschen aus unserem Bekanntenkreis ein, von denen wir hofften, dass sie auch Lust auf die Suche nach dem Übernatürlichen hätten. Tatsächlich, eine Hand voll Leute ließ sich auf unser Experiment ein. Wichtig war uns, eine lockere und entkrampfte Atmosphäre bei den Treffen zu schaffen. Sich einander ohne Vorurteile zu begegnen, ehrlich miteinander umzugehen, so dass niemand verletzt wird, das waren wichtige Elemente von „Natürlich Übernatürlich“. Literatur: Brudereck, Christina (2007): Weht denn auch der Zeitgeist, wo Gott will?, S. 25-31, in Faix, Tobias und Weißenborn, Thomas [Hg.] (2007): Zeitgeist, Kultur und Evangelium in der Postmoderne, Verlag der Francke Buchhandlung GmbH, Marburg.

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Drei mal sechs Treffen Zwischen Dezember 2007 und Januar 2009 fanden innerhalb von „Natürlich Übernatürlich“ drei so genannte Seasons statt. Jede war auf sechs Treffen ausgelegt. Zu jeder Season wurde neu eingeladen, allerdings blieben viele, sofern sie dies wollten, bei der nächsten Runde dabei. Beim ersten Treffen tauschten wir uns über Spiritualität und das Übernatürliche aus. Wer glaubt was? Wer praktiziert welche Übungen? Katharina und ich erzählten von der christlichen Spiritualität – von unseren Gebeten und unserem Leben mit Gott.

Von den Simpsons lernen Kennen Sie Familie Simpson? Homer Simpson, der Vater, ist ein Vielfraß, der seine Arbeitszeit als Kontrolleur in einem Kernkraftwerk verträumt. Seine zupackende Ehefrau Marge versorgt die Kinder: Maggie, das Baby, Lisa, die hochbegabte Tochter, und Bart, den hyperaktiven Strolch.

Natürlich waren wir besonders gespannt, ob wir als Gruppe zueinander finden würden. Im Nachhinein stellten wir fest, dass wir so etwas wie eine „gesegnete Atmosphäre“ erlebten. Bei den folgenden Treffen sammelten wir Erfahrungen auf der Suche nach Gott durch verschiedene Übungen und reflektierten unsere Erlebnisse. Wir trafen uns zum Beispiel, um gemeinsame Zeiten der Ruhe zu haben, um in der Stille Gott zu erleben. Die Exerzitien des Ignatius von Loyola begleiteten uns dabei auf unserer Suche. Durch Meditations- und Wahrnehmungsspaziergänge wollten wir Gott in der Schöpfung erkennen. Ein besonderes Highlight für mich war das gemeinsame Abendmahl in einem Park in Mannheim, wo wir das Brot miteinander teilten.

Statements von Teilnehmenden „Natürlich Übernatürlich“ war für jeden ein bisschen anders, wie diese Zitate zeigen: „Natürlich Übernatürlich“ war für mich ... • eine tolle Möglichkeit, Menschen unterschiedlichen religiösen Hintergrunds kennen zu lernen und mich mit ihnen über den Glauben auszutauschen. • eine Oase im Alltag, in der ich einfach zur Ruhe kommen konnte, meine Seele baumeln lassen konnte und dabei noch ehrliche und gute Gemeinschaft leben konnte. • eine Brücke aus dem stressigen und hektischen Alltag in eine tiefere Welt einer spirituellen Zufriedenheit. • ein Geschenk, ein Ausgleich für den Alltag, eine Oase. Hier konnte ich mich und die anderen noch mal ganz neu kennen lernen, zum Beispiel „ohne Worte". • eine Kraftquelle im Alltag und das Erleben von Gottes Wirklichkeit. Christoph Schneider, Calw, Dipl. Sozialpädagoge/Sozialarbeiter (FH), Referent beim Evang. Jugendwerk in Württemberg und der Jugendkirche Choy in Althengstett (www.churchofyouth.de)

In Deutschland verfolgen ein bis zwei Millionen Zuschauer täglich das Leben der Simpsons, die Mehrheit der Zuschauer ist zwischen 14 und 49 Jahre alt. In England hat sich sogar der Primas der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams, als Fan der Serie geoutet – auch deshalb, weil die Simpsons regelmäßig in die Kirche gehen. Marge ist die praktizierende Christin in der Familie, wogegen ihr Ehemann Homer dem Glauben gegenüber völlig gleichgültig ist – er kann sich nicht einmal den Namen seiner Ortsgemeinde merken.

Bekannter als Billy Graham Der Pfarrer der Simpsons, Lovejoy, ist ein nüchterner Realist. Trotz seines klingenden Namens strahlt er meist wenig Freude oder Liebe aus. Seine Predigten sind langweilig, und das weiß er auch. In Krisensituationen der Familie erweist er sich jedoch als geduldiger Seelsorger. Nur selten ist seine Geduld erschöpft, meist dann, wenn der Nachbar der Simpsons anruft, der überreligiöse Ned Flanders. Ned: „Herr Pfarrer, ich glaube, ich begehre meine Frau!“ Trotz seines k leinen religiösen Schadens wird Flanders als vorbildlicher Nachbar und treu sorgender Vater dargestellt.

Thomas Hoffmann-Dieterich lacht gerne über die Witze der Simpsons, der erfolgreichsten Animationsserie der Welt.

Ned Flanders, der nette evangelikale Nachbar von nebenan, versäumt keinen Gottesdienst. Er hat sogar immer eine Notfallpredigt dabei, falls Lovejoy verhindert sein sollte. Bei Umfragen nach der bekanntesten und populärsten christlichen Persönlichkeit der Gegenwart wird Ned Flanders regelmäßig auf einem der ersten Plätze genannt. Wurden bisher die Frommen von ComedyAutoren als Heuchler dargestellt, trifft dies auf Flanders keineswegs zu. Müsste man zwischen Ned und Homer als Nachbar wählen, würde sich jeder normal denkende Mensch für den freundlichen Flanders entscheiden.

Kann man von den Simpsons lernen? Die Antwort lautet: Ja – und das sogar in zweifacher Weise: Zum Einen ganz praktisch. Die anglikanische Kirche hat einen Glaubenskurs für Jugendliche entwickelt, der auf einzelnen Folgen der Serie aufbaut, in denen religiöse Themen vorkommen. Ähnliche Kurse gibt es auch in den USA. In den Kursen treffen sich gläubige und ungläubige Fans der Serie, um über religiöse Themen – wie etwa die Gebetspraxis der Familie Simpson – ins Gespräch zu kommen. Man kann aber auch von den Simpsons lernen, indem man Anteile von Homer, Flanders oder Lovejoy bei sich selber entdeckt. Die real existierende Gemeinde Jesu Christi ist eben noch keine perfekte Gemeinde. Humor lockert auf, und Humor erhellt auch manches. Es kann unheimlich erheiternd wirken, wenn man sich nicht immer allzu ernst nehmen muss.

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Gemeindeporträt

Gemeinde – Lebensraum und Hoffnungsort Ein doppelter Blick über den Tellerrand: Nach Norden und in eine Gemeinde, die aus der Gemeinschaftstradition kommt. Gerd Voß berichtet, wie bei ihnen Räume entstanden sind, in denen Menschen Freundschaft erleben, Hilfe erfahren und schrittweise Gott näher kommen können.

Gemeinde ist ein Zuhause, in dem Menschen Hoffnung finden und das Leben, für das sie von Gott geschaffen

Gerd Voß (3)

sind

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Es gibt kein Konzept oder Rezept, das einfach nur befolgt werden müsste, damit Menschen heute zum Glauben finden. Aber es gibt Wege zu ihnen und mit ihnen. Beziehungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Bei uns strömen nicht Massen, aber es kommen durchaus jedes Jahr Menschen zum Glauben und finden bleibend Heimat in unserer Landeskirchlichen Gemeinschaft (LKG) in Verden an der Aller. Wie und wodurch das bei uns geschieht, wird verständlich von unserem Konzept her. Es ist von ein paar Grundentscheidungen geprägt, die alle Bereiche der Gemeindearbeit durchziehen.

Wir verstehen uns als Gemeinde Das Doppelkonstrukt, in dem Menschen in der LKG wie in einer Kirchengemeinde zu Hause sind, ist für die allermeisten Menschen unserer Region eine zeitliche und emotionale Überforderung. Vor allem als missionarische Gemeinschaft erleben wir das, was dem Gänseküken passiert, wenn es aus dem Ei schlüpft: Wen es als erstes sieht, den betrachtet es als seine Mutter. Wer bei uns zum Glauben findet, sieht uns als seine Gemeinde.

Wir sind integraler Bestandteil der Evangelischen Kirche, und unsere Mitglieder sind auch Kirchenmitglieder. Kasualien werden von der Landeskirche oder gemeinsam mit uns durchgeführt. Soziologisch und theologisch gesehen sind wir eine Gemeinde. Die lokale Kirche betrachtet dies mit großem Wohlwollen.

Dreischritt: Sein, Bewirken, Tun Sein: Wir fragen nicht zuerst nach dem, was man so alles machen kann und welche Ideen uns begeistern. In einem Leitbildprozess haben wir geklärt, was wir als Gemeinde nach biblischen Maßstäben sind. Was bedeutet es seinsmäßig, eine Gemeinschaft von Christen zu sein? Daraus erwuchs unser Leitsatz: Unsere Gemeinde ist ein Zuhause, in dem Menschen Hoffnung finden und das Leben, für das sie von Gott geschaffen sind. Bewirken: Welche Wirkung soll unser Sosein haben? Das ergibt sich logisch aus dem Leitsatz: Das Zuhause ist von Beziehungen geprägt. Es sollen also tragfähige Beziehungen entstehen. Die Hoffnung soll aus unserem Sein und Verkün-

..Sein

digen strahlen. Das Leben in dieser Zeit soll als gottgeschenkte einmalige Chance entdeckt und gelebt werden können. Tun: Erst jetzt kommt die Frage nach der konkreten Umsetzung. In entsprechend gestalteten Gottesdiensten, Gruppen und Angeboten sollen Sein und Bewirken konkretisiert werden.

Focus Alltag Alle Gruppen und Veranstaltungen sollen so sein, dass jederzeit jeder dazu kommen kann. Darum feiern wir keine Gästegottesdienste. Jeder Gottesdienst ist gästetauglich. Darum halten wir keine missionarischen Sammelveranstaltungen, sondern Glaubenskurse, die nah an der Gemeindewirklichkeit sind nach dem Prinzip: „What you see is what you get“ („Was du hier siehst, ist auch das, was du hier später vorfindest“). Den immensen Kraftaufwand für Sonderveranstaltungen sparen wir uns. Alle Kraft fließt bei uns in die Alltagsqualität. Wir bauen kontinuierlich an einem stehenden Konzept von Gemeinde, das nicht von Projekten und Einzelaktionen lebt.

Beziehungen bauen, Heimat schaffen Jedes Mitglied der LKG und jeder regelmäßige Besucher soll die Möglichkeit haben, zu einer tragfähigen Kleingruppe zu gehören. Darum hat unsere relativ kleine Gemeinschaft mit knapp 100 Mitgliedern 14 Hauskreise. Der Schwerpunkt der Hauskreise liegt nicht auf Bibelarbeit, sondern auf dem persönlichen Austausch, dem Gebet füreinander und der gegenseitigen Begleitung. Natürlich

ist Bibelarbeit Bestandteil der Hauskreisabende, aber es handelt sich nicht um kleine Bibelstunden. Die Teilnehmerzahl sollte einstellig bleiben. Durch diese Struktur ist das Zugehörigkeitsgefühl nicht von Predigerbesuchen abhängig, sondern von der Gemeinschaft der Menschen untereinander. Das „funktioniert“ natürlich unterschiedlich gut, aber es wird angestrebt und gefördert. Wir können nur in Kleingruppen ein wirkliches Zuhause anbieten.

Angebote zwischen Distanz und Nähe Ein Foyer ist der Vorraum vor dem eigentlichen Haupthaus, ein zwangloser Treffpunkt zum Reinschnuppern. Im Großen und Ganzen sehe ich vier Foyers in unserer Gemeinde: Musik /Kultur, Essen, Sport/Hobby, Hilfe. Der Alphakurs ist nicht unbedingt der erste Einstieg für Neue. Verschiedene unverbindliche Foyers bilden Vertrauen. Zum Beispiel unsere Gemeindemusikschule ConTakte. 2007 ist sie gestartet. Über 140 SchülerInnen nehmen inzwischen ihre Angebote wahr. Die Lehrenden unterrichten nicht nur Musik, sondern haben auch ein Auge auf die Befindlichkeit der Schüler und Eltern. Gespräche zwischen Tür und Angel schaffen schon hier Beziehungen. Als kleiner Zwischenschritt werden ab Sommer 2009 monatliche Krabbelgottesdienste für Eltern und Kleinkinder angeboten. Einmal monatlich feiern wir unseren Gottesdienst statt um 18 Uhr um 10:30 Uhr. Die Kinder haben während dieser Zeit eine Spielstraße und ein Bibelabenteuerland. Im Anschluss gibt es ein gemeinsames Mittagessen, bei dem auf ganz unge-

Der Ansatz zum Glauben ist heute nicht mehr Schuld und Vergebung, sondern Kraft und Hoffnung

.bewirken

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Gruppe von Menschen wächst geistlich, in dem sie etwas tut,

das anderen Einander helfen Die Seelsorge nimmt hilft und gut tut

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breiten Raum ein. Einerseits durch ein stehendes Seelsorgeteam, andererseits dadurch, dass wir versuchen, mehr und mehr eine seelsorgerliche Gemeinde zu werden. Ungefähr 80% aller Menschen, mit denen wir es zu tun haben, haben wirkliche Lasten zu tragen. Beziehungsprobleme und Überlastungssymptome sind sehr häufig. Im Alphakurs zeigt sich die Bedeutung von Seelsorge besonders stark. Menschen sind es kaum gewohnt, eine Atmosphäre echten Interesses zu erleben. Wenn die ersten Schwellenängste dem Vertrauen gewichen sind, kommen viele Teilnehmende zu einzelnen Mitarbeitern mit einem Anliegen oder der Bitte um ein Gespräch. Es gab bisher keinen einzigen Kurs, wo nicht mehrfach Tränen geflossen wären – und das bei

Glauben lernen durch Mitmachen Zuletzt: Ich nehme wahr, dass hier in Verden mindestens 30% der Menschen durch Worte kaum erreicht werden. Sie kommen allein durch Worte nicht zum Glauben, und sie wachsen nicht geistlich durch Gespräche und Bibelarbeiten. Sie brauchen nur ein Minimum an Glaubensinformation – die so genannten Basics. Der Rest geschieht, während sie selbst aktiv werden. Eine riesige Gruppe von Menschen wächst geistlich, indem sie etwas tut, das anderen hilft und gut tut. Menschen wollen etwas bewirken, sie finden Sinn und Hoffnung nicht in Gedanken, sondern im Tun. Die Möglichkeiten dazu wollen wir in Zukunft stärker eröffnen.

Gerd Voß ist Prediger in der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Verden an der Aller. Bis 2001 war er Jugendreferent in Reutlingen und bei den ersten Anfängen von Kirche für morgen mit dabei.

Von Migrationsgemeinden lernen „Glaube ist ein Fest“ – das ist vielen Gottesdiensten so genannter Gemeinden anderer Sprache und Herkunft abzuspüren. Markus Häfele hat sich für Sie umgesehen.

Christen, die als Migranten hier leben, schon mehrfach die Augen geöffnet für unentdeckte Schätze der Bibel, und so wird meine „deutsche Bibellesebrille“ etwas zurechtgerückt. Es gibt viel voneinander und miteinander zu lernen.

Munter klappern die Stöckelschuhe von Filomena (alle Namen geändert) über das Kopfsteinpflaster. Die Brasilianerin geht mit ihrem schwäbischen Mann Michael etwas zögernd auf die Stuttgarter Schlosskirche zu, wo es fast monatlich einen zweisprachigen Gottesdienst in Deutsch und Portugiesisch gibt. Die Unsicherheit weicht gleich, als sie das Gemeindeglied Rosirene an der Kirchentüre strahlend willkommen heißt. Beim Eingangslied „Cantai ao Senhor“ weicht der letzte Rest Unsicherheit. „Vor und nach dem Amen wird hier Gemeinschaft gefeiert“ schwärmen sie. Davon ist auch Doris begeistert, die ursprünglich gar keinen Draht zu Glauben oder Kirche hatte. Sie kam zunächst vor allem, um ihre Portugiesischkenntnisse zu praktizieren. Ganz unkompliziert kommt man miteinander in Kontakt und inzwischen merkt sie, dass sie durch die Gottesdienste auch offen für den Glauben geworden ist.

Wie wäre es mit einem Kooperationsprojekt? … mit einer gemeinsamen Altpapiersammlung der Jugendarbeit oder einem gemeinsam vorbereiteten Jugendgottesdienst? Oder ein Mitarbeiter der Migrationsgemeinde berichtet bei Ihrem Männervesper darüber, wie er Globalisierung erlebt hat. Mit offenen Augen und Ohren dürfte es auch in Ihrem Umfeld nicht schwer sein, auf Migranten zu stoßen, die Christen sind. Bereichernde Begegnungen, in denen der Geist von Pfingsten weht, wünscht Ihnen Markus Häfele.

Bereichernde Begegnungen, in denen der Geist von Pfingsten weht

Eine Selbstvorstellung und aktuelle Adressliste der Gemeinden anderer Sprache und Herkunft finden Sie unter: www. elk-wue.de/arbeitsfelder/oekumene-undreligionen/gemeinden-anderer-spracheund-herkunft/ Markus Häfele arbeitet beim Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung unserer Landeskirche und koordiniert die Ökumenisch-internationale Arbeit des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg. Seit er mit seiner Familie sieben Jahre im Sudan gelebt hat, lässt ihn weltweite Kirche nicht mehr los.

Damit Gemeinschaft wächst Zu fast 30 Gemeinden anderer Sprache und Herkunft pflegt unsere Landeskirche aktiv Kontakt. Gemeinsam planen sie den „Tag der weltweiten Kirche“, der seit 2006 am Pfingstmontag in und um die Stiftskirche in Stuttgart stattfindet. Es sind Anglikaner, Orthodoxe, orientalisch-orthodoxe Christen und Evangelische aus anderen Ländern. Machen doch auch Sie einmal einen Besuch in einer Migrationsgemeinde in Ihrer Nähe und lassen Sie sich von ihrer missionarischen Kraft inspirieren. Vielleicht verunsichern Sie Elemente des Gottesdienstes zunächst auch. Mir haben

GüntherHeinzelmann

Eine riesige

zwungene Weise Kontakte entstehen. So kommt es irgendwann zu dem Punkt, an dem eine Einladung zum Glaubenskurs logisch und folgerichtig erscheint. Die Teilnehmenden des Alphakurses gehen in der Regel große Schritte im Glauben. Manche beginnen ein Leben als Christ, andere kommen zwar weiter, aber sie brauchen noch Zeit. Aber fast alle sind noch nicht so weit, z.B. ab jetzt einen Hauskreis zu besuchen. Das wäre zu schnell zu viel gewollt. Nach dem neunwöchigen Alphakurs wird darum ein Betakurs angeboten: „Dem Glauben weiter auf der Spur“. Die Themen des Alphakurses werden darin praktischer vertieft und ergänzt. Danach bilden sich aus dieser fast halbjährlichen Kursgemeinschaft Hauskreise. Oder man spricht sich ab, welchen Kreis man in kleinen Grüppchen besuchen wird. Dort setzt sich das geistliche Wachstum dann weiter fort.

Menschen, die nach außen hin nicht belastet wirken. Eine offene, freundliche und menschliche Atmosphäre ist für die gesamte Gemeinde wichtig. Das Signal: „Hier darfst du schwach sein, ich bin’s auch“ ist wichtig für die Öffnung der Herzen auch für Jesus, dessen Repräsentanten wir sind, ob wir es wollen oder nicht. Hier liegt für mich ein wesentlicher Schlüssel in der gesamten inneren Einstellung zu Evangelisation und Gemeindebau. Wenn ich missionarisch tätig bin, weil mir die leeren Stühle im Gemeindehaus mehr wehtun als die Not der Menschen, dann spüren sie das sehr bald. Ich bin dann gar nicht in der Lage, mich so auf sie einzulassen, wie sie es brauchen. Unser Team „Hilfe zum Leben“ ist für Menschen im „Foyer“ ein echtes Glaubenszeugnis: Ehrenamtliche Hilfe bei der Autoreparatur, Haushaltshilfe in familiären Problemphasen, Babysittingdienst, Beratung in wirtschaftlichen Fragen usw. Gerade im Zeitalter der Alleinerziehenden ist Zeit- und Geldnot ein echtes Thema. Der Ansatz zum Glauben, die Grundfrage, mit der Menschen an Gott herantreten, ist heute nicht mehr Schuld und Vergebung, sondern Kraft und Hoffnung. Da liegt nach unserer Erfahrung der Anknüpfungspunkt, darum braucht missionarischer Gemeindeaufbau heute mehr als Worte. Er geschieht durch die Hände und durch die zuwendende Liebe – dann wird man uns vielleicht auch zuhören.

Markus Häfele

Gerd Voß

...Tun

Bausteine

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kfm intern

Was die sieben Zitronen beschäftigt ... Gerüche aus der Landessynode Kerstin Leuz fasst zusammen.

Geschäftsordnung verändern

Zur Debatte um die Schulpolitik fordert Kirche für morgen, dass die Evangelische Landeskirche verstärkt eigene Modelle entwickelt und evangelische Schulen mit eigenem Profil für alle Bildungsgänge entstehen können. Jugendarbeit und Kirchengemeinden sollen sich aktiv in die Gestaltung von Ganztagesschule einbringen. Schüler/innen aus unterschiedlichen Milieus müssen wahrgenommen werden und eine Chance auf Bildung bekommen.

Die Gruppierung Offene Kirche fordert die Einführung eines Fraktionsstatus der Gesprächskreise, d.h. Anträge sollen künftig unabhängig von der Zahl der Unterzeichnenden von Gesprächskreisen eingebracht werden können. Dafür spricht, dass gruppierungseigene Anliegen kompromissloser eingebracht werden und Debatten profilierter geführt werden können. Der Gesprächskreis übergreifende Ausstausch erfolgt dagegen erst in den Ausschüssen. Außerdem wurde vorgeschlagen, dass man bereits mit fünf Synodalen ein Gesprächskreis sein kann. Der Antrag wurde an den Rechtsausschuss verwiesen. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob Synodale „Vertreter/innen aller Kirchengenossen“ oder „Vertreter/innen eines Gesprächskreises“ sind.

Evangelische Europa-Synode Markus Brenner fordert in einer Presseerklärung die Einführung einer europäischen Evangelischen Synode. Brenner hofft dabei auf eine europaweite Bearbeitung sozialpolitischer Fragestellungen. Themen wie die Verfolgung von Christen, Abtreibung, das ökumenische Miteinander, Verlierer der Globalisierung und Bewahrung der Schöpfung müssen besprochen werden. Geplant ist eine Begegnung mit Synodalen der evangelischen Kirchen in Europa.

IMPRESSUM Der Zitronenfalter wird herausgegeben von Kirche für morgen e.V., Am Auchtberg 1, 72202 Nagold Fon: 0700-36693669 Fax: 0721-151398429 info@kirchefuermorgen.de www.kirchefuermorgen.de

Kerstin Leuz, Landessynodale, arbeitet als Bezirksjugendreferentin & Religionslehrerin in Oedheim

Erscheinungsweise 3 x jährlich. Bestellung (auch weitere Exemplare) bei der Geschäftsstelle. Die Zusendung ist kostenlos.

Von den Anonymen Christaholikern lernen? Hat nicht schon ein großer Philosoph festgestellt, dass Religion das Opium des Volkes ist?

Neulich auf einem Schulungstreffen der ACh:

Redaktionsteam Marc Stippich, Grunbach (sti) (ViSdP), Claudia Bieneck, Malmsheim (cb), Pina Gräber-Haag, Gronau (pg), Markus Haag, Gronau (mh), Tabea Hieber, Markgröningen (th), Thomas Hofmann-Dieterich, Haigerloch (thd), Cornelia Kohler, Ostfildern (ck) Werner Lindner, Winnenden (wl), Johannes Stahl, Eschenbach (js).

Sag bloß, und bei mir in der ev. Landeskirche wirkte er eher wie Clausthaler alkoholfrei.

Anonyme Christaholiker(ACh) sind ein Verein von Menschen die gemeinsam versuchen ihre Abhängigkeit vom christlichen Glauben zu überwinden.

Cartoon:ThomasHoffmann-Dieterich(3)

Opium? Nein das ist nicht wahr. Bei mir in der charismatischen Freikirche wirkte der Glaube eher wie Kokain.

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Bankverbindung EKK Stuttgart, BLZ 520 604 10, Konto 419 435 Wir danken allen, die durch ihre Spende die kostenlose Weitergabe des Zitronenfalters ermöglichen.

Layout: AlberDESIGN, Filderstadt Druck: Druck + Medien Zipperlen GmbH, Dornstadt Versand: Tobias und Magdalene Zipperlen, Weissach Redaktionsadresse: redaktion@kirchefuermorgen.de und über die Geschäftsstelle Anzeigenpreisliste: lindner-service@gmx.de FAX: 07195-979759 Bildnachweis Titel: Fotolia (Tony)

Unser Tipp Kristina Büchle, Reinhold Krebs, Marc Nagel (Hg.)

Junge Gemeinden Experiment oder Zukunftsmodell? ca. 160 Seiten, kartoniert 14,95 € neu Die Entstehung von Jugendgemeinden ist eine faszinierende Entwicklung. Junge Menschen finden Gelegenheiten, Formen und Orte, wie sie gemeinsam am Evangelium teilhaben, Gottesdienst feiern und sich in einer Gemeinde versammeln können. Erfahrungen von sechs Jugendgemeinden geben Einblick. Beiträge von Dr. Hempelmann, Jürgen Baron, Reinhold Krebs u.a. erläutern die Geschichte von Jugendgemeinden, theologische Hintergründe, englische und europäische Einflüsse. ejw-service gmbh Haeberlinstraße 1–3 70563 Stuttgart-Vaihingen Tel.: 07 11 / 97 81 - 410 Fax: 07 11 / 97 81 - 413 buchhandlung@ejw-buch.de www.ejw-buch.de

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Kirchliche Präsenz in Schulen

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Zu guter Letzt Lust auf Aktivurlaub mit Horizonterweiterung? Hier noch zwei Urlaubstipps des ejw für junge Erwachsene mit der Option, einheimischen Christen zu begegnen und dabei Neues zu erfahren: 8.08. – 22.08.09: Aufbaulager für junge und junggebliebene Erwachsene in Polen Eine gesunde Mischung aus Arbeitseinsatz in einer evang. Gemeinde in Kattowitz und Urlaub in Schlesien, unweit von Krakau, Kosten: 333 Euro, Nichtverdienende 265 Euro 22.08. – 5.09.09: Aufbaulager in Portugal am Atlantikstrand für junge Erwachsene, 18 – 26 Jahre, Morgens Arbeitseinsatz in einem Gemeindezentrum, nachmittags Badeurlaub oder Ausflüge u.a. nach Porto und Lissabon, Kosten: 544 €, Nichtverdienende 449 €, Näheres unter: www.ejwue.de/urlaub-und-reisen/ urlaub_55.htm bzw. …urlaub_41.htm

Und nach dem Sommer… … kann man noch mal Kräfte sammeln, sich ausrichten, Ideen austauschen beim Oasentag von Kirche für morgen: 11./12.9.09 in Edelweiler. Nähere Infos unter: www.kirchefuermorgen.de/Oase

Tierisch ernst – was wir von Pinguinen lernen können Pinguine wackeln, wanken und watscheln, aber sie fallen nicht um. Wenn Menschen beim Gehen derart wackelten, würde das zwangsläufig geschehen. Dennoch laufen Pinguine weite Strecken bis zu ihren Nestern, z.B. ca. 100 km vom Südpolarmeer in die innere Antarktis hinein. Amerikanische Forscher studieren derzeit ihre Fortbewegungsstrategie, um gebrechlichen Menschen oder solchen mit Fußverletzungen Hilfestellungen geben zu können. Für die Wissenschaftler ist das Thema „Was Menschen von Tieren lernen können“ ein weites Feld. Vielleicht ein Wink, uns selbst mit unserer Denk- und Lebensweise nicht so tierisch ernst zu nehmen, sondern Horizonterweiterndes auch bei uns unzulänglich scheinenden Menschen (und Tieren!) zu entdecken. (sti)

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s dem Hören“ „Kirche lebt au erschienen: Zum Thema er ttn Bi . W n vo ist dieses Jahr r Stille. Hören in de , Gottesdienste er tiv ita ed m .90 € Praxis Ruprecht, 16 & k ec ho en Vand

Wenn Kirche Feuer fängt ... Herausfordernde Impulse beim Forum von Kirche für morgen

Hörenswert! Dr. Wolfgang Bittner referierte vor 250 Besuchern beim diesjährigen Forum im Bernhäuser Forst. Der Beauftragte für Spiritualität in der Kirche von Berlin-Brandenburg forderte eine Umorientierung von der Betreuungskirche zur Beteiligungskirche: Die lebendige Kirche der Zukunft lebt von der Heiligkeit Gottes und nicht von der Aktivität der Menschen. Gibt es in meiner Gemeinde Orte, Frei-Räume, wo ich Gott genießen kann und Impulse für mein Leben von ihm empfange? Kirche lebt davon, dass es Fenster gibt, durch die man hinaussehen kann in die Welt Gottes. Die lebendige Kirche der Zukunft entsteht aus dem Hören und nicht aus unserem Reden. Zwingli sagt: Kirche ist die, die sein Wort hört. Ein Hörereignis ist Ausgangspunkt des Glaubens: „Der Glaube kommt aus dem Hören“. (Römer 10,17) Es geht darum, Gottesdienste zu feiern, die dem Hören Raum geben. Kirche muss Räume eröffnen, wo sich dieses Hören erleben lässt. Die lebendige Kirche der Zukunft lebt von der Beteiligung der Gemeindeglieder und nicht von ihrer Betreuung. Was in der Gemeinde nicht durch Gemeindeglieder geschieht, geschieht in Wirklichkeit nicht. Die Würde und Lebenskompetenz der Gemeindeglieder muss geachtet werden. Begründet ist dies in Christus, der uns als der Heilige begegnet, als der Redende und als der Regierende, der uns die Würde gibt und zugesteht, uns an der lebendigen Kirche der Zukunft aktiv zu beteiligen. Nach einer Mitschrift von Michael Josupeit. Mehr unter: www.kirchefuermorgen.de/213.


http://www.kirchefuermorgen.de/modx/assets/files/zitronenfalter/Zitronenfalter_2009_02