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1.2005

Was Kirche für morgen heute bewegt

Zitronenfalter

INTERVIEW Prof. Michael Herbst zum Thema „Wachsende Kirche“

JUGENDKIRCHE Eine neue Gemeindeform in der Diskussion

GEMEINDE MIT VISION Porträt der evangelischen Kirchengemeinde Neuenburg

LEBENDIGER ADVENTSKALENDER 24 Gastgeber laden ein zum Advent vor ihrem Haus


Editorial und Inhaltsverzeichnis

Liebe Leserinnen und Leser,

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er sich ein gutes Frühstück ausmalt, der sieht fast unweigerlich vor seinem inneren Auge frische Brötchen auftauchen und hat schon fast den Duft von Kaffee in der Nase. Was fällt uns bei „Kirche“ spontan ein? Wohl eher düstere Stichworte: zurückgehende Finanzen, Gerangel, dunkle Wolken am Horizont. Und allen Kirchendistanzierten? Vermutlich gar nichts - eher ein Schulterzucken. Das war schon mal anders.

Die ersten Christen rochen nach Zukunft Das müssen die ersten Christen wohl vor allem ausgestrahlt haben: Hoffnung. Sonst könnte der erste Petrusbrief nicht in größter Selbstverständlichkeit dazu auffordern: Seid immer dazu bereit Rechenschaft abzulegen über die Hoffnung, die in euch ist (1. Petrus 3,15). Wenn Kirche heute etwas nötig hat, dann Hoffnung. Ohne das Vitamin Hoffnung leiden wir an kirchlichem Skorbut. Lange Zeit war Skorbut gefürchtet bei Seefahrern. Skorbut-Symptome sind gruselig: blasses Erscheinungsbild, fehlender Biss, ausfallende Zähne, Herzstörungen. Auf Schiffen liefen manche wie Zombies herum. Alles, was ihnen fehlte, waren 75 Milligramm Ascorbinsäure pro Tag. Aber dieses Vitamin C kann der Körper nicht selber synthetisieren. Es muss von außen zugeführt werden.

Heftthema: Vitamin Hoffnung Editorial

Schwerpunkte setzen für eine wachsende Kirche – Interview mit Prof. Dr. Herbst Seite 2 Fresh expressions of church – Neue Formen, wie Kirche Gestalt gewinnt Seite 6 Eine Förderverein-Hoffnungsgeschichte Seite 8 Umdenken! – Alternativen zum kirchlichen Finanzsystem Seite 9 Wie Kirche wieder jung werden kann – Zur Diskussion um Jugendgemeinden Seite 10 Dokumentation: Projekt Jugendkirche Seite 11 kfm intern Interview mit Barbara Hering, Synodale von Kirche für morgen Seite 12 Forum von Kirche für morgen Seite 12

Vitamin Hoffnung Nichts braucht die Landeskirche dringender. Nur dass man sich Hoffnung nicht selber einreden kann. Sie ist ein Geschenk, das von außen kommt. Grund aller christlichen Hoffnung ist der Auferstandene selber. Aber gerade wer ihm glaubt und auf ihn hofft wird sich einem frommen Pessimismus verweigern. Die Krise, in der wir ohne Zweifel stecken, ist ein göttlicher Kairos. Zumindest sieht das die Anglikanische Kirche Englands so und fordert auf zur Umkehr (S. 6). Daraus erwachsen dann auch wieder Hoffnungs-Szenarien. Ein wenig dabei helfen möchte dieser erste Zitronenfalter. Wenn er Sie zur Hoffnung anstiftet, hat er seinen Sinn erfüllt. Geben Sie dann die Zeitschrift weiter an andere, die auch etwas von diesem Vitamin nötig haben. Es klingt zwar trotzig und fast unrealistisch, aber wir sind wirklich davon überzeugt: „Kirche - das Beste kommt noch...“ In diesem Sinne grüßt sie im Namen des Zitronenfalter-Redaktionsteams und des Leitungskreises von Kirche für morgen

Seite 1

Landessynode aktuell Seite 13

Inhalte und Ziele von Kirche für morgen Seite 13 Porträt Gemeinde mit Vision – Neuenburg am Rhein Seite 14 Bausteine Aus Playmobil wird „Praymobil“ Seite 16 Lasst euer Licht leuchten – Ideen rund die Kerze Seite 18 Lebendiger Advent – 24 Fenster zur Hoffnung Seite 19

Reinhold Krebs

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Luther zum Pfarrerwahlgesetz Seite 20


THEMA: Vitamin Hoffnung

Schwerpunkte setzen für eine wachsende Kirche Interview mit Prof. Dr. Michael Herbst, Greifswald Prof. Dr. Michael Herbst ist Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung innerhalb der theologischen Fakultät in Greifswald.* Im Juli 2004 hielt er einen Vortrag vor der württembergischen Landessynode zum Thema „Wachsende Kirche“. Mit Pfr. Marc Stippich sprach er über die Zukunft der Volkskirche und über Projekte der Hoffnung in schwierigen Zeiten. Prof. Herbst, Sie sind an der Universität Greifswald tätig, in einer Gegend im Osten Deutschlands, wo der Prozentsatz der Kirchenmitglieder äußerst niedrig liegt. Können Christen in einem solch säkularen Umfeld noch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken? Wir machen uns hier keine Illusionen mehr über das kirchliche Umfeld, in dem wir leben. Wir haben hier noch zwanzig Prozent Kirchenmitgliedschaft. In einzelnen Bereichen, z.B. einem mir bekannten Plattenbaugebiet mit tief eingewurzelter Konfes-

sionslosigkeit, sind es nur noch vier Prozent. Andererseits sind wir eine junge Kirche, die trotz allem davon überzeugt ist, dass das Evangelium Kraft hat, und dass es von daher immer Grund gibt, zuversichtlich zu sein. Und so sehen wir auch, dass da, wo Christen neu aufbrechen, Kirche wieder lebendig wird. Wir arbeiten hier viel mit Glaubensgrundkursen und neuen Gottesdienstformen. Dabei ist es in der Begegnung mit kirchenfernen Menschen ganz entscheidend, ob unsere Interesse, unsere Liebe zu ihnen echt ist, oder ob wir sie einfach nur auf unsere Seite ziehen wollen. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, bei denen wir Verständnis für missionarische Bemühungen wecken müssen. Sowohl vom Auftrag Gottes als auch von der schwierigen kirchlichen Situation her wird uns aber gar nichts anderes übrig bleiben, als offensiv das Wachstum der Gemeinden und der Kirche insgesamt zu fördern. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass bei ernst gemeinten Kontakten auch völlig religionslose Menschen Interesse zeigen, ja dass ihnen das Herz aufgehen kann.

„Es wird uns gar nichts anderes übrig bleiben, als offensiv das Wachstum der Kirche zu fördern.“

Was für Akzente setzen Sie mit Ihrem neu gegründeten Institut? Wir arbeiten jetzt seit anderthalb Jahren an Forschungsprojekten zu den Themen Evangelisation und Gemeindeentwicklung. Wir untersuchen z.B. in der badischen Landeskirche die Wirkung von Zweitgottesdiensten. Erreichen diese neuen Gottesdienstformen wirklich Kirchendistanzierte? Wie wirken sie sich dann auf das Gemeindeleben aus? Beleben sie die Gemeinde oder führen sie zu Spaltungen, bilden sich daraus neue Gemeinden? Dann Für das alte Schiff Kirche wird es Zeit, sich wieder in offenes Wasser zu begeben... Bild: Thomas Meyer, Greifswald

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planen wir ein Gemeindepflanzungsprojekt in einer Plattenbausiedlung hier in Vorpommern und wollen das, was sich dort entwickelt, wissenschaftlich begleiten.

Prof. Michael Herbst

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Zwischen Baden-Württemberg und Vorpommern bestehen große Unterschiede. Muss man in unserer volkskirchlichen Struktur nicht ganz anders arbeiten? Es ist sicher ein großer Unterschied, ob ich in volkskirchlichen Strukturen lebe oder schon in nachvolkskirchlichen. Der katholische Pastoraltheologe Paul Zulehner rät den noch relativ gesunden Landeskirchen im Westen: Ihr solltet euch verhalten wie Josef in den sieben fetten Jahren - einen Vorrat anlegen für die sieben mageren Jahre. Bei diesem Vorrat, der Kirche überlebensfähig macht, geht es um Menschen: um überzeugte Christen und um starke Gemeinschaften des Glaubens. Zur Situation im Osten dagegen meint Bischof Noack aus Magdeburg sinngemäß: Wir müssen eine ganz merkwürdige Doppelstrategie fahren. Aufgrund des hohen Mitgliederverlustes müssen wir Gemeindeabbau betreiben. Wir können diesen Trend nicht ohne weiteres umkehren. Aber gleichzeitig bleibt es notwendig, auch in Wachstum zu investieren und Neues zu versuchen. Natürlich fällt es uns alles andere als leicht, diese widersprüchliche Bewegungen miteinander zu vereinen.

lassen muss, um verschiedene Milieus anzusprechen, die sich in ihrem Bereich befinden. In Innenstadtbereichen, wo die Parochie nicht mehr so gut funktioniert wie andernorts, kann es dazu kommen, dass Gemeinden ein bestimmtes Profil herausbilden und dadurch ganz bestimmte Gesellschaftsschichten ansprechen. Im Ganzen glaube ich, dass es heute der mobilen Generation, also Menschen zwischen 20 und 60, für ihre Freizeitplanung vollkommen egal ist, wo sie wohnen. Sie gestalten ihre Beziehungen eher in Netzwerken – knüpfen Kontakte zu Menschen, mit denen sie sich zu gemeinsamen Interessen zusammenfinden. Die Beziehungen, die am wenigsten tragen, sind oft die zu den Nachbarn. Diese Erkenntnis hat in der anglikanischen Kirche dazu geführt, Gemeinden zu pflanzen, die in Absprache mit den Ortsgemeinden arbeiten, aber doch ein eigenständiges organisatorisches Profil haben. Es gibt in England z.B. Gemeinden, die sich um das Schulleben herumbilden und von Kindern, Eltern und Lehrern frequentiert werden. Und man darf nicht meinen, das sei nur etwas Vorübergehendes. Das sind vollständige Gemeinden, die bleiben auch so. Sie sind sicherlich zerbrechlicher als die stabilen, alten Ortskirchengemeinden. Aber ich glaube, es liegt auf Dauer ein Segen darin, wenn sich neben der Grundform der Ortsgemeinde andere organisierte Formen von Kirchlichkeit herausbilden können.

Ich zitiere aus Ihrem Vortrag vor der württembergischen Landessynode: „Unsere parochiale Kirchenstruktur bedarf der Ergänzung durch netzwerk-orientierte Gemeindeformen […]. Unsere Strukturen verschließen vielen den Zugang zur Kirche“. Sehen Sie eine zweite Ebene neben den Ortsgemeinden als notwendig an? Ja, auf jeden Fall. Die Grundform der flächendeckenden Ortsgemeinde hat zwar noch lange nicht ausgedient. Aber wir müssen sehen, dass das nur eine Form von Kirche ist. Es kann sein, dass eine Kirchengemeinde unter ihrem Dach zwei verschiedene Programme laufen

Nach dem Besuch Benedikts XIV. beim Weltjugendtag in Köln urteilte die Stuttgarter Zeitung: „Die Kluft zwischen Jugendkultur und Kirchenpraxis, zwischen Alltag und Dogma lässt sich durch Benedetto-Sprechgesänge nicht überwinden. Die leeren Kirchen in Deutschland werden sich nicht füllen...Die jugendliche Religiosität sucht sich ihre eigenen Wege...“ Passen junge Menschen noch hinein in unsere eher traditionellen Kirchen? Können wir ihre Begeisterungsfähigkeit positiv aufnehmen? Ich glaube auch nicht, dass die Ereignisse um den Papstwechsel herum eine sehr nachhaltige Wirkung haben werden. Der katholische Soziologe Michael Ebertz hat dazu gesagt: „Danach wird es wieder wie vorher. Nämlich friedlich und höflich, kurzum friedhöflich.“ Wir müssen uns da keine Illusionen machen: Die Eventgesellschaft turnt von einem Event zum nächsten. Dennoch weist dieser Sachverhalt auf etwas hin, worauf wir uns einzustellen haben: Dass junge


Leute nach Erlebnissen fragen und wir gefordert sind, ihnen im Raum der Kirche gesunde, hilfreiche, lebensförderliche Erlebnisse zu vermitteln. Wir täuschen uns, wenn wir meinen, dass junge Leute nicht hungrig sind im Blick auf religiöse Dinge. Natürlich reichen ihnen die herkömmlichen Formen nicht. Sie wollen beteiligt werden. Sie wollen, dass ihre Musik vorkommt. Sie sind aber durchaus offen für Fragen, die das Evangelium auslöst. Wenn wir in die Zukunft schauen: Wie wird die evangelische Kirche in Deutschland im Jahr 2020 aussehen? Es wird vieles gestorben sein. Wir werden uns vieles nicht mehr leisten können. Die satte Volkskirchlichkeit, die im gesellschaftlichen Leben massiv vertreten ist, werden wir nicht durchhalten können. Es wird aber Gemeinden geben, die sich rechtzeitig ein- und umgestellt haben auf die neuen Herausforderungen. Es wird geistliche Zentren geben, von denen geistliches Leben ausstrahlt. Unsere Kirche wird kleiner geworden sein. Aber ich bin zuversichtlich, dass sie dennoch lebendig sein wird.

Die Kirche der Zukunft wird keine Pfarrerskirche mehr sein. Sie wird von mündigen und gut ausgebildeten Ehrenamtlichen leben. Unsere bisherige Theologenausbildung bereitet Pfarrer nicht genug auf diese kommenden Herausforderungen vor. Da sind wir in vielem noch im 19. Jahrhundert. Ich wünsche mir von Kirchenleitungen und Synoden, dass diese den Mut haben, nicht mehr verwaltungsmäßig, sondern unternehmerisch zu denken und von daher in den Strukturdebatten auch bewusst Schwerpunkte für eine wachsende Kirche zu setzen. Dafür muss man vielfach Abschied nehmen vom Prinzip der Gleichbehandlung aller. Man wird Prioritäten setzen müssen unter der Fragestellung: Was bringt unsere Kirche im Blick auf unsere veränderte Gesellschaft voran und was nicht? Mein größter Wunsch ist, dass wir nicht ins Lamentieren verfallen, sondern beständig alle ermutigen, die in der Kirche mitarbeiten. Die größte Herausforderung und gleichzeitig Hoffnung für unsere Kirche bleibt Christus selbst mit seiner nicht klein zu kriegenden Liebe zu den Menschen. Das ist Grund und Ansporn genug, zu hoffnungsvollem Arbeiten aufzubrechen.

Welche Wünsche haben Sie an die Kirche der Zukunft? *Weitere Informationen zu dem auch Ich wünsche mir, dass an den Universitäten junge Theologinnen und von der württembergischen Landeskirche Theologen befähigt werden, auch für unterstützten Institut finden Sie unter unkirchliche Menschen Gemeinde zu www.uni-greifswald.de/~theol/ieeg.htm. organisieren und das Evangelium zu verkünden.

„Mein größter Wunsch ist, dass wir nicht ins Lamentieren verfallen“

Das Institut für Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald – Neue Konzepte in altem Gemäuer

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THEMA: Vitamin Hoffnung

Fresh expressions of church – Neue Formen, wie Kirche Gestalt gewinnt 2004 erschien in der Anglikanischen Kirche die Untersuchung „mission-shaped church“. Sie lag einige Zeit auf den Bestsellerlisten christlicher Literatur ganz oben. Hier einige Zitate aus dieser Publikation, die „fresh expressions of church“ vorstellt. „Weil seit ungefähr einem Jahrzehnt verschiedene Entwicklungen zusammenkommen, haben viele das Gefühl, dass wir an einem wirklichen Wendepunkt stehen. Er besteht im Kern darin, dass wir langsam begreifen, dass sich Kirche in unterschiedlicher Weise manifestieren kann. Kirche als eine Landkarte mit territorialen Grenzen (Parochien und Kirchenbezirke) ist nur eine Möglichkeit... Aber es gibt immer mehr andere Formen, von denen einige in dieser Publikation beschrieben und untersucht werden. Die Herausforderung besteht darin, nicht alles Neue in die althergebrachte Form zu pressen, aber auch nicht die bisherige Tradition zu ignorieren und bei Null anzufangen... Sofort taucht dann natürlich auch die Frage auf, wie die verschiedenen Formen kirchlichen Lebens in Kontakt bleiben und voneinander lernen...“ (Aus dem Vorwort des Erzbischofs von Canterbury)

ten gemeinsam hätten. Ganz oben standen Menschen mit den gleichen Hobbys, dann die Familie, dann Arbeitskollegen. Am Ende der Liste standen die Menschen aus der Nachbarschaft und näheren Umgebung. Die räumliche Nähe stellt heutzutage nicht mehr den ersten Anknüpfungspunkt für neue Beziehungen dar. Die Menschen gewinnen ihre Beziehungen durch Freizeit, Arbeit und durch Freundschaften... (S. 6) „Keine Form von Gottesdienst kann für eine Mehrheit der sehr unterschiedlichen Menschen unseres Landes attraktiv sein. Die Kirche wird erst dann wieder mit der Gesellschaft und dem Einzelnen in Kontakt kommen, wenn sie Verschiedenheit in der Einheit praktiziert, verwurzelt in dem dreieinigen, unendlich kreativen lebendigen Gott...“ (S. 13).

Eine Mischung aus Orts- und Netzwerk- Nur aus Umkehr kann Neues erwachsen „Das alles ist auch ein Zeitpunkt für Gemeinden „Das parochiale System der Ortsgemeinden wird ein wichtiger und zentraler Teil unserer kirchlichen Strategie bleiben, um dem Evangelium Gestalt zu geben. Aber das parochiale System allein kann dies nicht mehr. Wir müssen verstehen, dass wir eine Vielfalt integrierter missionarischer Zugänge brauchen. Eine Mischung (mixed economy) von Ortsgemeinden und Netzwerk-Gemeinden ist nötig, die miteinander eine aktive Partnerschaft in einem größeren Distrikt eingehen... Einer der zentralen Punkte dieser Untersuchung ist die Erkenntnis, dass für den sich verändernden missionarischen Kontext eine neue Inkulturation (1) des Evangeliums in unsere Gesellschaft notwendig ist. Die Theologie und Praxis von Inkulturation ist in der weltweiten Kirche durchaus etabliert, hat aber für die Mission im Westen bisher wenig Beachtung gefunden“ (Aus der Einführung von Bischof Graham Cray).

Der unendlich kreative lebendige Gott und die Kirche

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„1996 wurden in einer Untersuchung Leute danach gefragt, mit welchen ihrer Mitmenschen sie ihrer Meinung nach am meis-

Umkehr. Wir haben es zugelassen, dass Kultur und Kirche auseinander gedriftet sind, ohne Notiz davon zu nehmen... Was ist der Grund, dass die Kirche schrumpft? Letzten Endes doch nicht, dass Jesu Botschaft irrelevant ist oder sich die Gesellschaft gleichgültig verhält. Die Kirche hat ihre Verantwortung nicht wahrgenommen, nicht schnell genug reagiert auf kulturelle Veränderungen, ein neues spirituelles Klima und auf das Reden des Heiligen Geistes. Nur durch eine Umkehr der Kirche kann ihrem Schrumpfen entgegengewirkt werden. Wirkliche Umkehr bedeutet das Ruder herumzureißen und künftig in eine neue Richtung zu gehen.“ (S. 13f.)

Inkulturation und Inkarnation (2) „Mitten in den unterschiedlichen Formen von Kirche sind gemeinsame Themen aufgetaucht: • Kirche bezieht ihr Selbstverständnis aus der „missio dei”, dem unaufhörlichen Hineinwirken von Gottes Liebe in die Welt. • Die Dreieinigkeit dient als Modell von Unterschiedlichkeit in der Einheit. • In der Schöpfung zeigt sich die Vorliebe Gottes für einen Reichtum an Formen. • Mission in einer ausdifferenzierten Welt


braucht notwendigerweise eine ausdifferenzierte Kirche. • Universalität darf nicht als gleichförmige Einheit interpretiert werden. • In Erwählung und Inkarnation zeigt sich ein Gott, der es darauf anlegt, sich kulturell in verschiedene Kontexte einzupassen.” (S.20)

Definition von Church Planting Church Planting ist der Prozess, durch den ein Samenkorn des Lebens und der Botschaft Jesu – verkörpert durch eine christliche

Die deutsche Übersetzung erscheint voraussichtlich im Frühjahr im Neukirchener Verlag

Gemeinschaft– um des Missionsauftrags willen eintaucht in einen bestimmten kulturellen oder geographischen Kontext. Dabei zielt alles darauf, dass dieser Same Wurzel schlägt und aufgeht als eine neue eigenständige Pflanze christlicher Nachfolge, bereit, Sendung und Mission fortzusetzen. (S. 32)

Das System von Ortsgemeinden – ein Schweizer Käse „Das parochiale System, das jahrhundertelang die Verkörperung einer Kirche für das Volk war, kann verglichen werden mit einem riesigen Stück Schweizer Käse. Zunächst sieht er aus wie ein solider Block. Aber Untersuchungen zeigen die vielen Löcher darin... Die theologische Überzeugung der Anglikanischen Kirche ist es, zur Volkskirche berufen zu sein. Gemeindepflanzungen und

andere neuartige Formen kirchlichen Lebens können helfen, vorhandene geographische und kulturelle Löcher zu identifizieren und zu füllen.“ (S. 35)

Fresh expressions of church Auf Seite 43-83 werden beschrieben und untersucht: • Alternative Gottesdienste: experimentelle, postmoderne Gottesdienstformen und ihre (meist kleinen) Gemeinden junger Erwachsener • Basisgemeinden, die, von der lateinamerikanischen Befreiungstheologie inspiriert, in sozialen Brennpunkten zu finden sind. • Café-Gemeinden, die geprägt sind von Gastfreundschaft, informellen Gottesdiensten und Gemeinschaft (Food for the body, food for the soul). • Zell- und Hauskirchen, die den Vierklang von worship, word, community and mission (3) verwirklichen, aber eher in einem Umfeld von Gemeindewachstum gedeihen als selber solches hervorzurufen. • Gemeinwesenorientierte Gemeinden, die in sozialen Brennpunkten als Frucht christlichen sozialen Engagements erwachsen. • Zielgruppenorientierte Tochtergemeinden innerhalb einer bestehenden Gemeinde (multiple and midweek congregations). • Netzwerk-Gemeinden, meist zahlenmäßig klein, die an bestehenden sozialen Netzwerken andocken, vor allem in der Freizeitwelt. • Schulbezogene Gemeinden, meist im Umfeld von konfessionellen Schulen. • Gemeinden für suchende Menschen, die von Willow Creek inspiriert neue Gottesdienste anbieten, aber eher die kirchlich Interessierten erreichen. • Traditionelle Gemeindepflanzungen, bei denen eine „Muttergemeinde” ein Team in eine Zielgruppe oder in ein Gebiet aussendet. • Neu belebte traditionelle Formen von Kirche, wie Einkehr-Zentren oder wie the order of mission (TOM), ein 2003 gegründeter internationaler Missionsorden in der Tradition der iroschottischen Wandermönche. • Jugendgemeinden, die sich aus Jugendgottesdiensten heraus entwickeln. Bisher gibt es noch wenige in England, aber das Interesse steigt. Übersetzung: Reinhold Krebs (1) Übertragen von Ideen, Konzepten und religiösen Vorstellungen in einen andere Kultur als die Ursprüngliche (2) Menschwerdung (3) Beten, Hören, Gemeinschaft und Mission

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THEMA: Vitamin Hoffnung

Eine Fördervereins-Hoffnungsgeschichte In Markgröningen wurden mit der Gründung eines Fördervereins gute Erfahrungen gemacht. Warum es geklappt hat und was zu beachten ist... Als Eltern von Teenagern stellten wir fest, dass es in unserer Kirchengemeinde kein Angebot für Jugendliche nach der Konfirmation gab. Schnell war klar, dass wir selbst aus Berufs- und Altersgründen nichts auf die Beine stellen konnten. Zudem wurde die Diakonenstelle auf 25% reduziert. Auf Grund von Erfahrungen einer anderen Gemeinde entschlossen wir uns, einen Förderverein zu gründen mit dem Ziel, auf Spendenbasis eine hauptamtliche Teilzeitstelle für die Jugendarbeit zu schaffen.

Die Vereinsgründung In einem kleinen Team wurde eine Vereinssatzung erarbeitet und Mitarbeitende für die Vorstands- und Ausschussarbeit gesucht. Das Projekt wurde in einer Gemeindeversammlung vorgestellt. Danach luden wir zur Gründungsversammlung ein. Die Resonanz bei der

Zu einer effektiven FördervereinsArbeit gehört auch ein eigenes Logo!

Gründungsversammlung war überwältigend: Auf Anhieb traten über 50 Menschen dem Verein bei. Das war vor sechs Jahren.

Und heute? Die Stelle ist zum zweiten Mal mit einem Jugendreferenten besetzt. Die inzwischen dritte Praktikantin konnte im September 05 ihren Dienst beginnen. Ungefähr 50 ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen bringen sich bei den unterschiedlichen Angeboten mit ein.

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Konfirmanden- und Jugendarbeit werden zunehmend miteinander verknüpft. Die Angebote der offenen Jugendarbeit werden begeistert angenommen Eine TEN SING-Arbeit entstand. Ein Mädchen-Cafe wurde gegründet. Einmal im Monat findet der „Seelenbaumler“ statt: ein Gottesdienst zum Auftanken. Ein Jugendkreis beginnt zu entstehen. Die Mitarbeiterbegleitung und der Mitarbeiterkreis haben an Profil gewonnen.

Risiken und Nebenwirkungen

In zehn Schritten zum Förderverein: 1. Erkennen, wo die Defizite in unserer Gemeinde sind und was derzeit notwendig scheint 2. Sich nach einer Veränderung sehnen 3. Verbündete suchen, die gemeinsam beten, einander vertrauen und dann tätig werden. Um Zusammenarbeit mit anderen werben (Kirchengemeinde, ejw, CVJM...)

Bei der Gründung eines Fördervereins ist die Vernet4. Gemeinsam Visionen zung mit der Kirchengemeinentwickeln de, dem CVJM und Bezirksjugendwerk zu klären. Durch 5. Ziele formulieren eine gute Vernetzung wird 6. Die Gemeinde infordie effektive Einbindung des mieren, Mitarbeitende Jugendreferenten in die örtsuchen und werben lichen Strukturen gelingen. Evtl. können so auch nicht 7. Eine Satzung erarbeiausgeschöpfte Stellenanteile ten, die Gründungsverim Bezirk befristet der örtlisammlung durchführen chen Jugendreferentenstelle 8. Vereinsgründung, zugeschlagen werden. Umsetzung der Ziele und Wie Dienst- und FachaufVereinspflege (Kontakte sicht sowie die strukturelle zu Mitgliedern, InfobriePlanung der Jugendarbeit fe, Öffentlichkeitsarbeit, geschehen soll, ist vor der Gewinnung weiterer Besetzung der Stelle zwiMitglieder) schen allen beteiligten Trägern zu klären. 9. Regelmäßige EvaluatiDie Gewinnung neuer Miton (Sind Veränderungen glieder und Spender ist eine angesagt? Werden die permanente Notwendigkeit! Ziele erreicht?) Der Förderverein für 10. Visionen und langJugendarbeit ist ein zusätzfristige Ziele formulieren licher Konkurrent für andere Fördervereine auf dem örtliTabea Hieber, chen Spendermarkt. Oft werMarkgröningen den die kirchlichengemeindlichen Spendenprojekte mit denen des Fördervereins vermischt, was zu Irritationen der Spender führt. (Nach dem Motto: Ist ja schließlich alles „Kirche“.) Für den Förderverein ist es wichtig, Eltern der nächsten Teenager-Generation zur Mitgliedschaft einzuladen und für die Mitarbeit im Vorstand zu gewinnen. Günter Belz, 1. Vorsitzender des Fördervereins für christliche Jugend- und Gemeindearbeit, Markgröningen


THEMA: Vitamin Hoffnung

Umdenken! Alternativen zum bestehenden kirchlichen Finanzkonzept Kirchliche Finanzen gehen zurück. Kirche für morgen hat erste Alternativen zum bisherigen Finanzkonzept der Kirche entwickelt Die jetzige Spardebatte ist wohl erst der Anfang einer noch größeren Sparwelle. Das Kirchensteueraufkommen und die Anzahl der Kirchensteuerzahler werden weiter sinken. Deshalb müssen jetzt Schritte eingeleitet werden, um neben der Kirchensteuer weitere Finanzierungssäulen aufzubauen. Die Spardiskussion, wie sie geführt wird, ist Zeichen einer Krise, die auf mehr als nur ein finanzielles Dilemma hinweist. Der Diskussion fehlt die Zielorientierung, eine Vision von Kirche.

Leitlinien -

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Gemeinde wird nicht durch Finanzen gebaut, sondern durch den Herrn der Kirche. Jedes Finanzkonzept muss sich daran messen lassen, ob es dem Geist, der Kirche bauen will, Raum gibt. Ein grundlegendes Umdenken ist notwendig: neben bestehenden Zuweisungen von oben gilt es die Finanzkräfte von unten zu fördern und so neue Anreizsysteme zu schaffen. Die größten Ressourcen der Gemeinden liegen im Potential und den Begabungen der Gemeindeglieder. Personalstellen müssen dem Erschließen dieser Ressourcen dienen. Die Spendenbereitschaft der Gemeinden ist enorm, wenn es um konkrete Projekte und Stellen vor Ort geht. Es braucht umfassende finanzielle Transparenz. Alle Personalkosten einschließlich der Pfarrstellen müssen im Budget einer Gemeinde auftauchen.

Gemeinden entscheiden lassen Jede Gemeinde erhält pro Gemeindeglied ein bestimmtes Budget, das alle Personalkosten einschließt. Die Gemeinde entscheidet, wofür es eingesetzt wird. Beispiele: Eine Gemeinde kann den Mesnerdienst ehrenamtlich leisten, will dafür aber eine/n Mitarbeiter/in für Jugendarbeit anstellen.. Eine andre Gemeinde entscheidet sich auf einen Teil der ihr zustehenden Pfarrstelle zu verzichten und finanziert damit z.B. eine halbe Diakonenstelle.

es eine Anlaufstelle, die Gemeinden bei der Gründung von Fördervereinen unterstützt. Viele Fördervereine können für eine Stelle die nötigen Spender finden. Schwieriger ist es mit den Rücklagen für eine langfristige Anstellung. Die Landeskirche stellt in der Form einer „Rückversicherung“ solche Rücklagen zur Verfügung.

Spendenbereitschaft gezielt fördern Schrittweise wird ein Konzept umgesetzt, das in der Entwicklungspolitik erfolgreich praktiziert wird: Jeder in den Gemeinden gespendete Euro wird aus Kirchensteuermittel verdoppelt. Die Finanzierung erfolgt durch eine Reduzierung der bisherigen Zuweisungen. Beispiele: Anstellungen werden schrittweise reduziert. Jede Gemeinde bekommt damit eine kleinere personelle Basisversorgung. Die Gemeinden entscheiden, ob sie diese durch Spenden aufstocken. Das wird ihnen erleichtert, indem jeder Spenden-Euro aus Kirchensteuermittel verdoppelt wird. Ein Finanzausgleich schafft für finanzschwache Regionen und Gemeinden günstigere Bedingungen.

Mitdenken erwünscht Natürlich können bestehende Verträge nicht ignoriert werden. Ein Umsteuern ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Noch klarer ist jedoch: Nur im bestehenden System weiterzudenken führt in eine Abwärtsspirale, die entmutigt. Neue Kräfte und eine neue Vision von Kirche können durchaus auch durch neue Finanzkonzepte mobilisiert werden. Friedemann Stöffler – Reinhold Krebs

Wir sind gerne bereit unser Finanzierungskonzept hinterfragen und diskutieren zu lassen. Wer daran Interesse hat oder uns seine Überlegungen dazu mitteilen will, wende sich an Friedemann Stöffler: mail@stoefflers.de

Fördervereine unterstützen Rechtliche Hindernisse werden beseitigt, Beratung bei der Gründung ermöglicht. Ein „Genossenschaftsmodell“ ermöglicht eine wechselseitige Absicherung. Beispiele: In jedem Kirchenbezirk gibt

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„Ein starkes Stück Kirche“ Das Projekt Jugendkirche in Württemberg - Zwischendokumentation Aus dem Inhalt: - Die „guten Gründe” für Jugendkirchen (Anne Winter) - Das Projekt Jugendkirche (Anne Winter) - Die Modellprojekte (Jugendkirche Stuttgart, MOC-Jugendgemeinde Leonberg, DOMINO Kirchheim/Teck, Rieser Jugendkirche Bopfingen) - Zwischenevaluation (Prof. Dr. Ulrich Schwab, München) Die lesenswerte Zwischendokumentation kann kostenlos über die Projektstelle bezogen werden: Evangelisches Jugendwerk in Württemberg, Projekt Jugendkirche, Postfach 800327, 70503 Stuttgart (Fax 0711-978130) www.jugendkirche@ejwue.de

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Um die Diskussion über Jugendgemeinden voran zu bringen wurde von Kirche für morgen das hier abgedruckte Flugblatt erstellt. Es eignet sich gut, um in Gremien, Hauskreisen und bei Jugendlichen in die Diskussion um neue Gemeindeformen einzusteigen. Es ist in der Geschäftsstelle von Kirche für morgen kostenlos auch in größerer Stückzahl erhältlich.

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kfm intern

Interview mit Barbara Hering, Synodale von Kirche für morgen Liebe Barbara, was fasziniert dich bei Kirche für morgen? Ich mag Visionäre - und bei kfm gibt es viele davon! Hier entstehen neue Ideen und Impulse für die Kirche, und das ist immer wieder erfrischend - bei aller Mühe und Geduld, die dazu gehören.

dern möglichst erst in ein paar Jahrzehnten, bekomme ich manchmal eine Ahnung davon, dass es sehr, sehr gut werden wird…J

Mit wem würdest du denn gerne einmal einen Tag verbringen? Mit Christina Riecke (Theologin und Jugendevangelistin aus Essen), weil sie viel Was verrätst du uns über dein Privatle- Ausstrahlung hat und mit Herz und Verstand ben? predigt. Und Cordula Stratmann, weil ich glauIch bin seit etwas mehr als einem Jahr be, dass das ein sehr komischer Tag werden glücklich mit Dennis verheiratet. Mein Mann würde. ist mein größter Ermutiger und ein Ein besonderes Buch für dich ist... sehr zuversichtli… mein Lieblingsbuch von John Ortberg cher Mensch. Wir Das Leben nach dem du dich sehnst. Ein prakhaben gerne und tisches, ermutigendes, ganzheitliches Buch viel Besuch. Des- für einen christlichen Lebensstil. Humorvoll halb mache ich mich und ehrlich geschrieben und mit guten Anreauch mehr und mehr gungen für den Alltag. mit der Kunst des Kochens vertraut. Deine Hoffnung für unsere Kirche... Ansonsten gehe Die Kirche muss sich verändern, ob sie ich gern bummeln will oder nicht. Dazu zwingen sie schon die und lese viel. finanziellen Umstände. Ich habe die Hoffnung, dass es eine noch radikalere HinwenWas ist deine dung zu missionarischen Aktivitäten gibt und neueste theologische dass viel Kreativität freigesetzt wird, wie wir Erkenntnis? liebevoll für Jesus werben können - in allen Es klingt vielleicht Altersgruppen und Gesellschaftsschichten, in merkwürdig, aber in allen Kulturen und Subkulturen. letzter Zeit stelle ich Die Fragen stellte Tabea Hieber, mir ab und zu vor, wie es im Himmel wohl Markgröningen ist. Kürzlich habe ich gedacht, dass im Himmel alles das, was wir auf der Erde Schönes Ein ausführliches Interview mit Barbara Hering finden haben, noch viel schöner und intensiver sein Sie unter www.eva-n-gelisch.de. Dort im Suchfeld rechts muss: Farben, Klänge, Gerüche, Jahreszeiten… oben „Barbara Hering“ eingeben. Auch wenn ich nicht sofort dorthin will, son-

Forum von „Kirche für morgen“

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Mit dem Thema: „Tiefe Wurzeln – weiter Raum. Spiritualität, die Kirche bewegt“ geht das nächste Forum von Kirche für morgen auf Fragen ein, die viele beschäftigen: • Wie können Gottesdienste die Bedürfnisse von Menschen nach Beteiligung und Begegnung mit dem lebendigen Gott aufnehmen? • Wie kann man Glauben einüben mit Menschen, die ohne christliche Traditionen aufgewachsen sind? • Wie kann sich die Kirche auf ihre spirituellen Wurzeln besinnen? Hauptreferentin ist Sr. Anna–Maria aus der Wiesche von der Communität der Christusbruderschaft Selbitz. Eine „Große Pause“ nach dem Einführungsreferat bietet Zeit für Begegnungen, Gespräche und für Kaffee und Kuchen. In 13 Seminaren wird das Thema entfaltet. In ihnen geht es u. a. um Gottes-

dienstgestaltung, Spiritualität im Alltag, Glaube und soziale Verantwortung, Leiten mit Perspektive, Gebetsformen für Gruppen. Den Abschlussgottesdienst gestaltet ein Team von „Kirche für morgen“ zusammen mit Sr. AnnaMaria a. d. Wiesche. Das Forum endet mit einem Abend-Imbiss. Forum von „Kirche für morgen“ Samstag, 11. Februar 2006, 13.00-19.00 Uhr in Reutlingen, Freie Evangelische Schule, Königsträßle 27 Einladungs-Flyer gibt es bei: Kirche für morgen e.V., Am Auchtberg 1, 72202 Nagold, Tel.: 0700 3669 3669 info@kirchefuermorgen.de; www.kirchefuermorgen.de


kfm intern

Landessynode aktuell In Kurzform beschreibt Markus Munzinger, Synodaler von „Kirche für morgen“ in der Landessynode, was ihn zur Zeit beschäftigt. Kommende Herbstsynode: Im Haushaltsplan werden weitere finanzielle Einsparungen nötig sein. Für uns ist weiter die Frage: Wie können wir andere Finanzierungsformen fördern und ermöglichen? – Dass die Kirchensteuer für die Aufgaben der Kirche und der Gemeinden nicht ausreicht, wird immer deutlicher. Eine Idee haben wir schon vor zwei Jahren eingebracht: Jeder gespendete Euro soll durch Kirchensteuermittel verdoppelt werden. Der Antrag dafür erhielt damals nur drei Unterschriften. Wir glauben, dass durch die Umstellung auf dieses Modell im Gesamten mehr Geld zur Verfügung stünde (siehe auch Artikel Seite 9).

Jugend- und Netzwerkgemeinden Durch das Referat von Prof. Dr. Herbst wurde die Diskussion über sogenannte „Netzwerk-Gemeinden“ angestoßen. Am 28.10. fand zu diesem Thema ein Schwerpunkttag des Theologischen Ausschusses der Synode statt, mit geladenen Gästen aus derartigen Gemeinden, aus dem Arbeitskreis „Church Planting“ und aus landeskirchlichen Gemeinschaften. Wir hoffen, dass dieser Tag weitere Impulse bringt und wir mit dem Thema innerhalb der Landeskirche weiter vorankommen. Zwei Tage vorher, am 26.10., gab es einen Studientag zum Thema „Jugendkirchen“. Dort wurde aus den vier Modellprojekten, die die Landeskirche fördert, berichtet. Die Frage wird sein, wie die Zukunft der Jugendgemeinden aussehen wird. Spricht sich die Landeskirche dafür aus, das Modellprojekt „Jugendkirche“ weiterzuführen? In der Sommersynode wurde vom Ober-

kirchenrat (OKR) und vom Rechtsausschuss (der Synode) über die Beratungen zu unserem Antrag in Sachen „Abendmahl in Hauskreisen“ berichtet.

Abendmahl durch Laien? Generell ist nach landeskirchlicher Ordnung eine Beauftragung von Laien für das Abendmahl möglich, doch der OKR möchte die Sakramentsverwaltung mit der öffentlichen Wortverkündigung zusammenbinden. Das heißt, dass die Beautragung von Laien nur über die Lektorenausbildung möglich ist. Ein Arbeitskreis unter Vorsitz von Kirchenrat Lautenschlager wird weiter klären, ob durch diese Entscheidung des OKR von Ehrenamtlichen geleitete Abendmahlsfeiern in der Praxis eher ermöglicht oder verhindert werden... Vor der Sommerpause wurde Dr. Gerhard Maier als Landesbischof verabschiedet und der neue Landesbischof Frank O. July eingeführt. Dem scheidenden Bischof haben wir als Synodale von kfm sehr viel zu verdanken, da er uns immer gleichberechtigt behandelt hat und für unsere Anliegen ein offenes Ohr hatte. Markus Munzinger, Dettingen/Erms

Kirche für morgen e.V. - Ziele und Inhalte Kirche für morgen wurde 2001 gegründet und versteht sich als Reform-Initiative innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Veränderungs-Impulse für unsere Kirche sollen von Aktionen, Veranstaltungen, Studienreisen und Veröffentlichungen ausgehen. Darüber hinaus ist die Initiative in der Synode der württembergischen Landeskirche mit zwei Synodalen vertreten. Kirche für morgen möchte Kirche fit machen für die nachchristliche Gesellschaft. Leitbild ist ein lebendiges Netzwerk, das in Christus seine Mitte hat: Wir sehen die einzelne Gemeinde als lebendigen Organismus und sind von den Kompetenzen aller Christen überzeugt. Talente und Charismen sollen gefördert werden. Luthers „Priestertum aller Gläubigen” wartet noch auf Umsetzung. Mehr Eigenverantwortung und Selbstständigkeit von Gemeinden ist notwendig. Kirchenleitung hat dienende Funktion. Wir setzen uns ein für unterschiedliche, einander ergänzende Gemeindeformen. In der Zusammenarbeit von profilierten Ortsgemeinden, Jugendgemeinden, diakonischen Initiativen und einem vielfältigen Gottesdienstangebot kann Kirche neu Gestalt gewinnen und die Menschen in den verschiedenen Lebenswelten erreichen. Die Einheit im Geist Gottes führt in die kulturelle Vielfalt, wenn wir uns von der Bewegung Gottes hin zu den Menschen ergreifen lassen. Die traditionelle Kirchenkultur aus Orgel, Bach und Bänken braucht Ergänzung. Kirche für morgen hat zur Zeit rund 80 Mitglieder. Wer eine Kirche der Hoffnung mitgestalten will, ist herzlich willkommen, sich einzubringen.

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Portrait

Gemeinde mit Vision – Portrait der evangelischen Kirchengemeinde Neuenburg am Rhein

„Unsere Sechzigjährigen sind doch die Generation der Rolling Stones!“

Gudrun und Norbert Gantert

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Vor einiger Zeit brachte unsere Tochter ein Infoblatt aus dem Kindergottesdienst nach Hause. Unter der Überschrift „Kindergottesdienst auf neuen Wegen“ wurde die neue Konzeption des Kindergottesdienstes vorgestellt. Unser Kindergottesdienstteam bekam auf einem „Promiseland“ Tagesseminar neue Impulse. Inspiriert von „Promiseland“, der Kindergottesdienstarbeit von „Willow Creek“, haben Norbert und Gudrun Gantert in Neuenburg ein auf deutsche Verhältnisse zugeschnittenes Modell entwickelt. „Treffpunkt Vaterhaus“ verspricht einen spannenden und lebensnahen Kindergottesdienst mit Band, Theater und Kleingruppen. Diese Gemeinde interessierte mich. Kurze Zeit später konnte ich mit meinem Mann den Gottesdienst im südbadischen Neuenburg besuchen: Der bunte Gottesdienst in der vollbesetzten Kirche hatte Tiefgang. Folgendes Konzept steht dahinter: „Wir sind bestrebt, die Gottesdienste lebensnah und besucherfreundlich zu gestalten. Darum verwenden wir zumeist Lieder und Musik von heute.

Was in vielen Gemeinden die Ausnahme ist, ist bei uns die Regel: Jeden Sonntag wird der Gottesdienst von einer Band begleitet. Theaterstücke und andere Beiträge sorgen für Abwechslung. Die Predigt möchte Lebens- und Glaubenshilfe bieten.“

Vermisst niemand die Orgel? Wir waren beeindruckt… „Unsere jetzigen 60jährigen sind doch die Generation der Rolling Stones“ ist die Antwort von Pfr. Gantert auf meine Frage, ob eigentlich niemand die Orgel in seiner Gemeinde vermisst. Er baue zudem auf die Rücksichtnahme der älteren Gemeindeglieder gegenüber Jugendlichen... Für mich wird deutlich: Hier gelingt, wovon viele Gemeinden träumen: der Gottesdienst am Sonntagvormittag wird Mittelpunkt gemeinsamen Lebens für alle Generationen. Parallel zu den Gottesdiensten treffen sich Kinder bis 3 Jahre im „Igelnest“ im Untergeschoss der Kirche. „Treffpunkt Vaterhaus“, der Kindergottesdienst für die Kinder ab 3 Jahren, findet im gegenüberliegenden Gemeindehaus statt. Inzwischen gibt es aufgrund des stark angestiegenen Besuches zwei identische Gottesdienste am Sonntagvormittag, um 9 Uhr und um 11 Uhr - beide mit einem Angebot für Kinder.

Gemeinde nahe dem Nullpunkt... Am Anfang war die Vision eines Pfarrers und seiner Frau. Das war vor 22 Jahren. Einige Auszüge aus dem Gemeindebrief: Vielen erscheint die Neuenburger Evangelische Kirchengemeinde heute als Hoffnungsschimmer in einer kirchlichen Landschaft, deren Bild geprägt ist von rückläufigen Besucherzahlen und dem Verlust der Jugend und der jungen Familien. Anfang der achtziger Jahre besuchten auch in Neuenburg nur noch eine Handvoll älterer Menschen regelmäßig den Gottesdienst. Die Gemeinde war nahe dem Nullpunkt. Pfarrer Hansjörg Lindner und seine Frau kamen im Jahr 1983 mit einer ermutigenden Vision nach Neuenburg, die sie im Gebet empfangen hatten:

„Gott macht die Steppe blühend“ Gott kann Menschen wieder zusammenführen, die sich längst von Kirche und Glauben verabschiedet haben oder nie damit in Berührung gekommen sind.


Beflügelt von diesem Traum wurde in den letzten 22 Jahren in Neuenburg eine Gemeinde aufgebaut, die wieder Gemeinde im biblischen Sinne sein möchte. „Eine Gemeinde voller Menschen, die eine innige Beziehung zu Jesus haben und deren Leben sich darüber verändert hat. Eine Gemeinde, die ergriffen ist von der Liebe Gottes und die diese Liebe nicht für sich behält, sondern auf vielfältige Weise weitergibt an die, die sie noch nicht kennen. Eine Gemeinde, die die ‚Gute Botschaft‘ mit großer Überzeugungskraft verkündigt und Menschen ermutigt, sich Christus anzuvertrauen und eine lebendige Beziehung zu ihm aufzubauen, gerade auch im Alltag. Eine Gemeinde, die ihren Mitgliedern hilft, im Glauben zu wachsen und echte Gemeinschaft lebt. Eine Gemeinde, in der die Menschen sich nicht nur am Sonntag sehen, sondern auch während der Woche am Leben der anderen Anteil nehmen und am eigenen Leben Anteil geben - in der Masken abgelegt werden und Menschen sich offen und ehrlich begegnen, Freude und Leid, Erfolge und Niederlagen miteinander teilen. Eine Gemeinschaft, die Hilfe in den vielfältigen Nöten des Lebens bietet, Rat, Trost und Korrektur, aber auch ganz praktische Hilfen - wenn jemand krank ist, keine Arbeit hat oder ein Umzug ansteht.“

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Kreativität, Spaß und eine fröhliche missionarische Atmosphäre herrschen.

Horscht, Harald und ein Förderverein Besonders beeindruckt haben mich die Projekte in der Gemeinde: - „soup in the city“, wo Leute ermutigt werden, andere zum Suppen essen einzuladen, um so Beziehungen untereinander zu pflegen - „Unimog“, die Männerarbeit der Gemeinde - die Jugendarbeit „Jesus House“ mit „Horscht“ und „Harald“, den zwei Jugendgottesdienstkonzepten (www.horscht.com) - viele Kleingruppen, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auftanken können und Interessierte mit ihren Fragen und Zweifeln willkommen sind.

Vor dreizehn Jahren wurde ein Förderverein gegründet, der inzwischen einen Vollzeitmitarbeiter für die Jugendarbeit, eine Sozialpädagogin in Teilzeit für die Familienarbeit , zwei 400 Euro Kräfte und ab 2006 einen weiteren vollzeitlichen Gemeindediakon finanziert. Seine Vision für die Zukunft der Gemeinde beschreibt Pfr. Gantert so: „Ich träume davon, dass Hunderte von Erwachsenen und Hunderte von Kindern mit Begeisterung der Gemeinde angehören und die Gottesdienste und Veranstaltungen der Gemeinde In Neuenburg habe ich eine viele anziehen, weil die Menschen Gemeinde erlebt, in der merken: Was hier vermittelt wird, das - das „Priestertum aller Gläubigen“ hilft mir in meinem Leben...“ tatsächlich den Gemeindealltag Tabea Hieber, Markgröningen bestimmt auf Grund einer durchdachten Gemeindestruktur, Infos unter www.ek-neuenburg.de - viele Mitarbeiter sich gabenorientiert einbringen können, Die nächste Promiseland-Tageskonfe- der Jugendreferent mit einem renz mit dem Neuenburger Team finTeam den Konfirmandenunterricht det am 28. Januar 2006, 9.30 –18.30 gestaltet, Uhr in Altensteig statt.

Eine Gemeindestruktur, in der Beteiligung aller ermöglicht wird

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Bausteine

Playmobil-Inszenierungen im Gottesdienst Durch ein Motivationsseminar von _puls wurden in Holzgerlingen Erwachsene für die Jugendarbeit gewonnen. Sie starteten mit dem „Praymobil“. Ein faszinierendes Projekt mit Jugendlichen. Frau Klausner, Sie bauen mit Jugendlichen regelmäßig ein neues „Praymobil“. Ist das die evangelische Alternative zum Papamobil? Nein, nein. Wir nehmen mit einer Digitalkamera Szenen auf, die wir mit Playmobil-Figuren stellen. Unsre erste Aktion starteten wir zum Begrüßungsgottesdienst der Konfirmanden. Wir haben Szenen aus dem Konfirmandenjahr nachgestellt und diese dann per Beamer auf die Leinwand in der Kirche geworfen. Den Figuren haben wir Texte in den Mund gelegt und diese parallel vorgelesen.

haben. Wir haben einmal im Monat den Unterricht mitgestaltet. Es war ganz entscheidend, dass wir schon im Vorfeld Beziehungen aufgebaut hatten.

Wie würden sie die Ziele der Gruppe beschreiben? Burkhard vom Schemm von _puls hat uns das „Up-In-Out-Prinzip“ vorgestellt. Also, dass bei jedem Treffen etwas dabei sein sollte für die Gruppe selbst, das „in“, dann ein geistlicher Impuls, das „up“, und auch etwas, was nach außen wirkt, das „out“. Das ist bei uns das Praymobil. An manWie war die Resonanz darauf? chen Abenden reden wir auch „nur“ Sehr positiv. Nach unserer letzten miteinander oder unterhalten uns Aktion kam jetzt eine Mutter auf uns über den Impuls - die Treffen laufen zu und bedankte sich. Ihre Tochter ganz unterschiedlich ab. wäre sonst nie in eine Gruppe gegangen, meinte sie, aber das mit dem Das Fotografieren und die Technik, Praymobil würde ihr unheimlich viel ist das dann reine Männersache? Spaß machen. Ganz im Gegenteil. Ein Mädchen besitzt eine Digicam und einen LapWie groß ist denn die Gruppe? top und bringt beides mit. Wir selbst Das sind fünf bis sieben Mädels, haben keine solche Kamera. Sie 15 und 16 Jahre alt, die sich vier- macht dann auch die Aufnahmen. zehntägig in unserem Wohnzimmer Ein Praymobil hat vielleicht 20 treffen. Mein Mann und ich leiten die Folien. Vorher überlegen wir uns eine Gruppe. Sie sind alle aus dem Kon- ungefähre Handlung. Die Szenen werfirmandenjahrgang, den wir begleitet den dann drei- bis viermal verändert,

Ausschnitte aus der Praymobil-Inszenierung zum Konfirmandenjahr

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aus verschiedenen Perspektiven oder als Nahaufnahme aufgenommen. Am Laptop suchen wir gemeinsam die besten Bilder heraus und legen die Reihenfolge fest. Die Texte für die Figuren werden auch miteinander entwickelt. Wie lange dauert denn so ein Projekt? Beim letzten Mal haben wir nur zwei Treffen gebraucht. Das ging flott, da habe ich selbst gestaunt. Welche Themen haben Sie schon umgesetzt? Außer dem Konfirmandenjahr etwas zum Thema „Gott als Vater“. Da waren zwei Playmobil-Konfirmanden im Gespräch, die vom Unterricht kamen und dort über Gottesvorstellungen gesprochen hatten. Wir haben dann als Einblendungen immer wieder verschiedene Gottesbilder gebracht. Das letzte Praymobil drehte sich um die Geschichte von der „Arche Noah“. Wir haben dabei einfach einen Predigttext mit den Figuren inszeniert.

Manchmal habe ich das Gefühl, sie werden dann sehr albern, wenn wir die Szenen aufnehmen. Aber sie bringen jedes Mal ihr ganzes Sortiment von zuhause mit, und irgendwie macht es ihnen sehr viel Spaß. Setzen sich Jugendliche dann auch mit dem jeweiligen Thema auseinander? Bei „Gott als Vater“ haben sie viel nachgedacht. Bei der Arche Noah nicht so stark. Wobei - sie stellen sich das dann lebhaft vor. Wir hatten jetzt eine Szene dabei, wo der Regen aufhört und die Frau Noahs sich als erstes einmal ein Sonnenbad gönnt... Noch ein Ratschlag noch für Leute, die eine solche Gruppe starten wollen: Der Schlüssel bei uns war, dass wir vorher ein Jahr lang die Konfirmanden begleitet haben. Das A und O ist es, Beziehungen aufzubauen. Vielen Dank für das Gespräch.

„Der Schlüssel bei uns war, dass wir vorher ein Jahr lang die Konfirmanden begleitet haben“

Reinhold Krebs, Herrenberg

Kontakt: Achim und Susanne KlausWenn Jugendliche wieder Play- ner: akl@gmx.ch mobil spielen, finden die das nicht kindisch?

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Bausteine

Lasst euer Licht leuchten - Ideen rund um die Kerze Kerzen schaffen Atmosphäre – auch die ausgeklügeltsten Lichtinstallationen erreichen nur schwer die atmosphärische Wirkung, die von Kerzen ausgehen kann. Einige Bausteine, wie man mit Kerzen auf einfache Weise große Wirkung erzielen kann Brennende Kerzen in offenen Kirchen

Teelichte mit Botschaft

Immer mehr evangelische Kirchen werden immer öfter geöffnet. Um die Besucher zu einer andachtsvollen Stille einzuladen, können brennende Kerzen eine große Hilfe sein. Warum den Gästen nicht die Möglichkeit geben, für einen ihnen wertvollen Menschen ein Licht anzuzünden? Die brennende Kerze kann als Symbol dafür dienen, dass Gott diesen Menschen nicht vergessen wird, wenn wir uns wieder anderen Dingen zuwenden müssen.

In der dunklen Jahreszeit kann man mit Teelichten einem Menschen ein persönliches Wort Gottes zukommen zu lassen: Man kopiert Bibelverse so klein, dass sie in ein Teelicht hineinpassen. Dann legt man sie auf den Teelichtboden, setzt den Wachsblock wieder darüber und gibt das Licht mit den Worten weiter: „Lasst es einmal eine Weile brennen, dann werdet ihr eine Botschaft darin entdecken.“ Wird das Wachs nach einer Weile ganz durchsichtig, erscheint der Bibelvers auf dem Kerzenboden.

Zum Ewigkeitssonntag Wenn Trauernde für ihre Verstorbenen ein Licht entzünden, tun sie dies als Zeichen großer Verbundenheit gerade in der erzwungenen Trennung. Da auch wir als evangelische Christen uns wieder mehr dafür öffnen, Kerzen in liturgische Feiern einzubinden, wird vielerorts inzwischen bei der Verlesung der Verstorbenen am Totensonntag für jede Person eine Kerze entzündet. Die Angehörigen sind eingeladen, im Anschluss die Kerzen mit nach Hause zu nehmen.

…auch für Konfis geeignet! Konfirmanden spielen gern mit Feuer und Wachs. Dennoch lassen auch sie sich gern von einer stimmungsvollen Atmosphäre gefangen nehmen. Für die Konfifreizeiten haben wir uns, nachdem wir einmal nach den Abendandachten Unmengen an Wachs vom Boden wegkratzen mussten, leere Einmachgläser besorgt. An der Tür zum Andachtsraum bekam jeder und jede ein solches Glas in die Hand gedrückt, mit brennendem Teelicht am Glasboden. So ließen sich unsere 45 Konfis auch nach einem a k t i o n s r e i ch e n Spieleabend problemlos auf eine Zeit der meditativen Stille ein.

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Lichterkreuz Zur Dekoration für Andachten und Gottesdienste eignet sich ein aus vielen Teelichten auf dem Boden erstelltes und entzündetes Lichterkreuz.

Bei Gebetszeiten Kerzen können bei Gebetszeiten die einzelnen Anliegen wirksam unterstützen. Nachdem jemand ein Gebet gesprochen hat, zündet er/sie eine Kerze an und stellt sie als Dankoder Fürbittlicht an einen vorher dafür bestimmten Ort. Man kann den Teilnehmenden die Möglichkeit geben, sich entweder einen Stein oder ein Licht auszusuchen und auf den Altar oder unter ein Kreuz zu stellen. Der Stein steht für etwas Belastendes, von dem man frei werden will – das Teelicht für etwas Schönes, für das man Gott danken möchte. Die Aktion kann entweder von den Betroffenen kurz kommentier t werden oder in aller Stille geschehen. Marc Stippich, Grunbach


Bausteine

24 Gastgeber laden ein zum Advent vor ihrem Haus Mit dem „Lebendigen Adventskalender“ machen immer mehr Gemeinden gute Erfahrungen Die Grundidee: für jeweils einen Abend im Advent erklärt sich jemand bereit, vor der eigenen Haustür eine Adventsfeier zu gestalten. Im Fenster neben der Haustür hängt dann, je nach Tag, eine Zahl zwischen 1 und 23. Das Fenster wird mit Lichtern und Fensterbildern dekoriert. Und wie beim Adventskalender wird zu Beginn der Fensterladen geöffnet für die zehn bis 100 Gäste.

Die Feier

– vielleicht passen die Bilder im Fenster dazu. Eventuell gibt es noch Punsch hinterher.

Was bringt´s? Der Sinn von Advent wird neu erschlossen. Gerade auch für Menschen, die nicht in die Kirche gehen. Familien mit kleinen Kindern kommen gern, aber auch Ältere und Einsame.

Infos und Checklisten

finden sich auf der neuen Homepage dauert nur 8 bis 20 Minuten. Zwei bis drei www.lebendiger-adventskalender.de. Lieder, mit Gitarre, Flöte oder vom CD-Player Reinhold Krebs, Herrenberg begleitet. Eine kurze Geschichte wird erzählt

Es riecht nach Schnee... Heute ist es noch früher dunkel geworden. Eine graue Wolkendecke steht über unserem Haus und es riecht nach Schnee. Worauf hab’ ich mich da bloß eingelassen? In einer halben Stunde kommen diese ‚Adventspilger’ zu uns. Meine Frau hat gerade noch einen heißen Tee aufgesetzt und unsere Tochter stimmt schon ihre Gitarre. Ich bin zuständig für Technik und Beleuchtung: Dass die geschmückte Balkontüre zur rechten Zeit illuminiert wird, die Musiker ihre Noten sehen können und die Kerzen nicht ausgehen. Und das bei diesem Wetter! Ich sehe mich schon im Schneegestöber die Regenschirme verteilen und über der Musik-Ecke die Markise herunterfahren. Außerdem ist es so kalt, dass die Liederbücher vermutlich mit den Fingern zusammen gefrieren... Warum machen wir nicht einfach eine Schneeballschlacht?

Dann müsste ich nicht diese komische Geschichte vorlesen, die Oma ausgesucht hat. Nur weil ich das lauteste Organ in der Familie hätte. Gestern hat nämlich die tragbare Verstärkeranlage, die eigens für diese Adventsfeiern ausgeliehen wurde, den Geist aufgegeben. Das habe ich selbst miterlebt. Ich war nämlich spionieren bei den Müllers – da kamen über 60 Leute. Ich musste doch einmal sehen, wie das Ganze abläuft.. Ach, guck, da kommen schon die ersten Gäste. Zwei Kinder mit Opi und Omi. Die paar Schneeflocken, die im orangefarbenen Licht der Straßenlaterne tanzen, verbreiten eine fast romantische Stimmung. Jetzt strömen die Leute aber von allen Seiten. Das wird ja richtig feierlich! Ich glaube, es war doch eine gute Sache, uns in die Liste einzutragen... Manfred Geywitz, Illingen

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Liederbuch und CD „Mitten im Dunkel“

Kirche für morgen

Ideal für den „Lebendigen Adventskalender“ – aber auch als Weihnachtsgeschenk und zum Weiterverkauf bei Basaren: Das Bestseller-Liederbuch mit 80 neuen und alten Weihnachtsliedern gibt es im Staffelpreis bereits ab 4,80 €. Die neue CD „Mitten im Dunkel“ bringt zehn Weihnachtslieder mit E-Gitarre und Schlagzeug. Ein ideales Geschenk auch für Kirchendistanzierte. Staffelpreis bereits ab 7,00 €. Liederbuch und CD unterstützen zudem gemeinnützige Zwecke. Hörproben, mehr Infos und Bestellung im Internet unter www.mittenim-dunkel.de

Vorstand: Reinhold Krebs, Herrenberg, Vorsitzender Tabea Hieber, Markgröningen, stellvertretende Vorsitzende Friedemann Stöffler, Tübingen, stellvertretender Vorsitzender Martin Mielke, Balingen, Kassier Mitglieder des Leitungskreises: Martin Allmendinger, Esslingen Michael Josupeit, Herrenberg Jens Plinke, Gomaringen Gisela Schneider, Leonberg Martin Schmid, Reutlingen Angela Schwarz, Weissach Stefan Taut, Reichenbach Synodale: Barbara Hering, Herrenberg Markus Munzinger, Dettingen

kfm-Kampagne 2005 - eine Anzeige zum Reformationstag A) jedes Mal B) jedes zweite Mal C) Nie Die Antwort erfahren Sie, wenn Sie die Seite umdrehen. Weitere Informationen dazu unter www.kirchefuermorgen.de Der Reformationstag spornt uns an, für die Erneuerung unserer Kirche aktiv zu werden. Wir laden Sie ein, sich mit uns für mündige Gemeinden einzusetzen. Richtig ist Antwort C) Es gibt bisher nur die Alternative: Entweder der Oberkirchenrat benennt den Pfarrer/die Pfarrerin oder der Oberkirchenrat wählt zwei bis drei Bewerberinnen oder Bewerber aus. Aus dieser Vorauswahl darf dann beim sogenannten „Wahl“-Verfahren die Gemeinde einen oder eine auswählen. Unter kirchefuermorgen. de finden Sie den Entwurf eines reformatorischen Pfarrerwahlgesetzes und die Regelung anderer Landeskirchen. Gerne schicken wir Ihnen dies auch zu.

Martin Luther 1523: Es „soll kein Bischof jemanden (Pfarrer / Pfarrerin) einsetzen ohne Wahl, Willen und Berufen der Gemeinde, sondern er soll den von der Gemeinde Erwählten und Berufenen bestätigen.“ Und nun raten Sie mal: Wie oft darf eine Gemeinde der württembergischen Landeskirche ihre Pfarrerin oder ihren Pfarrer frei wählen?

Kirche für morgen mitgestalten... ... und einen Beitrag für den Zitronenfalter liefern? Eine Mail an redaktion@kirchefuermorgen.de genügt. ... und drei Wohnzimmerabende zu Zukunftsthemen der Kirche durchführen? Wir haben Themen und Referenten. Infos unter karl-martin.beck@begoma.de ... und Kirche für morgen finanziell unterstützen? Die Kontonummer steht im Impressum. Für Spendenquittungen ist eine vollständige Adressangabe notwendig. ... und Mitglied werden? Mitgliedsanträge finden sich im Downloadbereich von www.kirchefuermorgen.de.

Impressum Der Zitronenfalter wird herausgegeben von Kirche für morgen e.V. Geschäftsstelle: Kirche für morgen e.V., Am Auchtberg 1, 72202 Nagold Fon 0700-36693669 Fax: 0721151398429 info@kirchefuermorgen.de www.kirchefuermorgen.de Erscheinungsweise: 3 x jährlich. Bestellung bei der Geschäftsstelle, weitere Exemplare dort erhältlich. Der Zitronenfalter wird kostenlos zugesandt. Als Email-Newsletter erscheint er jeweils nach der Synode mit einem Kurzbericht. Bezug über www.kirchefuermorgen.de Bankverbindung EKK Stuttgart, BLZ 600 606 06, Konto 419 435 Wir danken allen, die durch ihre Spende die kostenlose Weitergabe des Zitronenfalters ermöglichen. Redaktionsteam: Marc Stippich, Grunbach Reinhold Krebs, Herrenberg Martin Allmendinger, Esslingen Tabea Hieber, Markgröningen Werner Lindner, Winnenden Stefan Taut, Reichenbach Titelfoto, Foto auf S. 18: Hermann Hottmann, Grunbach Layout: Lutz Eisele, Markgröningen Druck: Druck + Medien Zipperlen GmbH Redaktionsadresse: redaktion@kirchefuermorgen.de und über die Geschäftsstelle


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