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Mehr Recht als richtig – Vom Umgang mit der Synode Hoch ging es her. Von anfänglichem Gemurmel und leisem Protest, über vernehmliches Stühlerücken, nassforsche und zornige Zwischenrufe und gegenseitige Beleidigungen fiel das Synodenbarometer zusehends auf Orkanstärke. Schließlich war es soweit, eine Reihe von Synodalen sprang von ihren Sitzen und auf die Tische, die vor ihnen standen. Gegenseitig brüllte man sich nieder, bis die ganze Synode im Tumult unterging. Ach so, sie glauben nicht, dass das auf einer Synode passieren könnte?! Ist es aber, mehrfach sogar! Und einmal war es so schlimm, dass die ehrwürdige Versammlung der Synodalen als "tanzende Synode" in die Geschichte einging. Wirklich, es ist passiert - nein, keine Sorge (oder doch?), nicht hier in Württemberg, sondern im 4. und 5. Jahrhundert in Kleinasien. Heute sind Synodentagungen in der Regel nicht unbedingt immer vergnügungssteuerpflichtig. Diese Treffen unseres Kirchenparlamentes sind eher von sachlich-nüchterner bis fühlbar-trockener Atmosphäre geprägt. Das hat, im Blick auf die Themen, die dort beraten werden, durchaus Sinn und Berechtigung ... ... Heiß bis lebhaft ging es bei der Tagung der Sommersynode im Hospitalhof deshalb eigentlich auch nur vor den Türen ab - der Himmel öffnete Backstube und Schleusen und sorgte für Feuer und Wasser. Aber irgendwie gelangte diese Mischung nicht so richtig in den Saal, in dem debattiert wurde. Denn in manchen Momenten konnte man den Eindruck gewinnen, dass dort, wo Bewegung gewünscht und gewollt war, die Reaktion so aussah, als ob nicht die Wasserträger und Feuerbringer am Ruder saßen, sondern die Bedenkenträger und Löschtrupps. Was mir als Besucher dieses Mal doch etwas mehr als deutlich auffiel, war der Umgang, der dort gepflegt wurde. Nein, nicht der Umgang in der Synode, unter den Synodalen. Die könnten von mir aus so manches Mal selbstbewusster und weniger handschmeichlerhaft miteinander debattieren. Es war vielmehr die Haltung, die Mitglieder des Oberkirchenrates gegenüber der Synode an einigen Stellen erkennen ließen. Und die war, schlicht gesagt, nicht ganz in Ordnung, wenn man bedenkt, dass die Synode das entscheidende Gremium in unserer Landeskirche ist und der inhaltlich offenen Aussprache auf Augenhöhe dient. Da stellt die Synode zum Beispiel die Anfrage an den Oberkirchenrat, wie die genaue Konzeption aussieht, die hinter dem großdimensionierten Umzug vieler kirchlicher Ämter und Dienste in diesem und dem nächsten Jahr, u. a. in den Hospitalhof, steht. Schließlich geht es nicht nur um eine funktionierende Logistik, sondern auch um einige Hunderttausend Euro - Umzugskosten und angebliche Einsparungen, die durch den Umzug erzielt werden sollen. Mal abgesehen davon, dass manche der Um- und Neubauten sich noch Monate über die geplante Fertigstellung und den bereits fest terminierten Umzugstermin hinausziehen werden; mal abgesehen davon, dass es manchen der Neuzugezogenen auf die Schreibtische regnen wird; mal abgesehen davon, dass für viele Mitarbeiter neue Möbel beschafft werden müssen, weil die alten nicht in die teilweise "niedlich" dimensionierten neuen Räume passen (off the records habe ich die Vokabel 'Käfighaltung' aufgeschnappt); mal abgesehen davon, dass es kirchliche Dienste gibt, die innerhalb von eineinhalb Jahren ein zweites Mal umziehen müssen; mal abgesehen davon, dass die Landeskirche das Kloster Denkendorf als Veranstaltungsort aufgibt - aber mittelfristig dennoch wohl einige Mittel zur Erhaltung dieses Denkmals aufwenden muss; mal abgesehen von diesen "Kleinigkeiten", konnte man bei der Antwort des Oberkirchenrates auf die Anfrage der Synode den Eindruck gewinnen, dass das Schönste am Käse wohl doch die Löcher sind. Und wenn man die nur geschickt und lange genug schönredet, fallen sie am Ende gar nicht mehr so auf! Die Mitarbeiter werden es danken, die mittelfristige Finanzplanung wird es schlucken (müssen) und die Synode ... wie wäre es mit einem Tänzchen auf den Tischen?


Noch ein Beispiel? Transparenz und Führen mit Zielen sind für viele Unternehmen mittlerweile zu Standards geworden und zeigen nach außen Wirkung. Auch im Blick auf Personalentscheidungen bemüht man sich um Klarheit und Nachvollziehbarkeit - wobei Persönlichkeit und Sachkompetenz, sowie Initiativdenken gleichermaßen im Vordergrund stehen. Und bei Kirchens, bei uns? Die Synode hat es gewagt und den Oberkirchenrat gebeten, die Abläufe, Grundlagen und die Zielrichtung bei Personalentscheidungen im Oberkirchenrat transparent zu machen. Die Antwort? Satz 1: "Der Oberkirchenrat ist ein verfassungsmäßig eigenständiges Organ und trifft seine Personalentscheidungen eigenständig". Satz 2: .... Richtig, im Endeffekt war - nach dem Verständnis des Oberkirchenrats - trotz sich anschließender seitenlanger Ausführungen, mit dem ersten Satz schon alles gesagt. Schließlich gibt es entsprechende Paragraphen in der Kirchenverfassung. Aber dem Recht Raum zu geben ist eine Sache - sich der Transparenz in bestimmten Punkten zu verweigern, mit Hinweis auf bestehendes Recht, das "nur" den Charakter des betreffenden Organs betrifft, nicht aber automatisch alles Handeln dieses Organs als richtig definiert und damit vor Einblick schützt, ist ein zweites Paar Schuhe, das eigentlich alle Synodalen mächtig drücken sollte, nicht nur an den Füßen! Wer will mich vor dem Vorwurf der Mogelpackung bewahren, wenn ich nicht - unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen - bereit bin, Entstehung, Ablauf und Entscheidungsfindung im Personalfragen gegenüber dem Gremium der Landeskirche offen zu legen, das eben auch gemäß unserer Kirchenverfassung eingesetzt und mit ziemlicher Autorität versehen wurde?! Und die Synode? Sie ist es sich und uns, dem Kirchenvolk, das sie gewählt hat, schuldig, darauf zu bestehen, dass ihr von den anderen verfassungsmäßigen Gremien, wie z. B. dem Oberkirchenrat, auch der entsprechende Respekt gezollt wird. Mit hübsch verpackten Unzulänglichkeiten und Halbwahrheiten oder mit der schlichten Berufung auf geltendes Recht geschieht das nicht! Wer Kirche und Synode so bremst und (vielleicht) geringschätzt, sollte sich vergegenwärtigen, dass Bremserhäuschen bei der Bahn schon lange dem Outsourcing zum Opfer gefallen sind und Synodale bereits schon sehr früh - siehe oben - laut und deutlich den Machtspielchen ein Abfuhr erteilten. Vielleicht geschieht ja bald nicht nur etwas, sondern es passiert dann auch. So wie nach dem Gewitter über dem Hospitalhof auch ein kräftiger Schub Frischluft durch den Hospitalhof wehte und die Reste des alten Laubs durch den Hof wirbelte. Es wäre der Synode zu wünschen, denn es wäre Recht und richtig. Michael Josupeit


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