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»It’s time for another revolution« - oder was die Kirche von der Werbung lernen kann Wer macht schon gern Reklame!? – Richtig gelesen, wer macht … Sieht man sich unsere Werbelandschaft – egal ob bei den Öffentlich-rechtlichen oder den Privaten – an, dann könnte man in den meisten Fällen den Eindruck gewinnen, entweder sind die Macher total bekifft und betrunken, wenn sie ihre Trailer produzieren – oder sie erwarten diesen Zustand von den Zuschauern. Gut ich habe jetzt vielleicht ein winzig kleines Bisschen übertrieben und die Werbeleute unter unseren Lesern wollte ich nicht wirklich vergraulen, aber … … »Du darfst« - »Ich will so bleiben, wie ich bin«, heißt doch für den oder die VerbraucherIn nichts anderes als, »Du musst so bleiben, wie Du bist« - Blödsinn mit Ansage. Der Herr Kaiser, also der von der Versicherung, bekommt alle Jahre wieder eine neue Karosserie verpasst, aber ansonsten bettelt er weiter um Kunden. Unsere Autos waren laut Werbung noch nie so »grün« - könnte es sein, dass wir uns da eine Umwelt-Blue-box zusammenbasteln, die sich unseren Wünschen nach dem »weiter so« nach Belieben anpassen lässt. Und glaubt man den Spots der Pharma- und Kosmetikindustrie, haben wir unser Recht auf Gesundheit, Falten, Haarausfall und Verstopfung schon lange vergeigt. Es lebe der Homo Vichyensis Genericus. Zum Glück gibt es hin und wieder einen Lichtblick! Dacia gönnt uns seit geraumer Zeit einen davon. Da kommt Fidel Castro in ein Seniorenhotel, in dem sich Lenin am Computer versucht, Gandhi zappend auf dem Bett liegt, Rosa Luxemburg und Martin Luther King spielen Tischfußball und Karl Marx und Che Guevara sinnieren auf der Veranda vor sich hin. Und dann die beiden Sätze, die das Ganze auf den Punkt bringen. Da sagt Che: »It’s time for another revolution!« Und Karl Marx antwortet: »But Che, it’s about what people need!« (»Es ist Zeit für eine neue Revolution!«»Aber Che, es geht darum, was die Menschen wirklich brauchen!«) Der Spot wäre doch gut als Mantra für die Sprecher beim Wort zum Sonntag! Oder als Endlosschleife für die Sitzungen vom Kirchengemeinderat bis hin zu Oberkirchenrat und Synode. Klar, vieles, was dort beraten und beschlossen wird, hat weniger den Charakter des Revolutionären, sondern eher den – zwar notwendigen aber auf Dauer doch ermüdenden – Charme der Bürokratie. Aber der Hinweis, für wen das alles auch geschieht – »what people need« – wäre sicherlich so manches Mal ganz hilfreich und angebracht. Und den Rechts-Links Gralshütern könnte er noch mal ins Stammbuch schreiben: Jede Bewegung, wie bewegungslos und –unfähig, wie konservativ oder sogar fundamentalistisch sie jetzt erscheinen mag, war am Anfang mal wirklich links, wagte den Aufbruch. Wenn Bewahrung aber zur nicht mehr hinterfragbarenTradition wird, gibt es nur noch Gedenktage, ohne Revolution. Und: Revolution, links sein, lässt sich nicht konservieren, kommt sie aus der kirchenpolitischen Retorte, ist sie genauso so muffig und erstarrt, wie ihre »konservativen« Gegner es angeblich oder scheinbar sind und zeigt Gebiss statt Biss. Soweit sind Links und Rechts manchmal gar nicht auseinander, will mir scheinen. Seit Ostern und Pfingsten ist Kirche und damit qua Ursprung revolutionär, unüberbietbar Links. Auch ihr Auftrag lautet: »It’s about what people need« – fragt sich, ob theologisch verbrämtes »es muss was geschehen, aber es darf nichts passieren« und das verteilen von linken und rechten Ketzerhüten dem dienen? Ich glaube, wer so Reklame für die Kirche macht … Michael Josupeit (Hier geht es zum Dacia-Spot: http://www.dacia.de/revolution)


http://www.kirchefuermorgen.de/modx/assets/files/Zitronenspritzer/Another%20Revolution