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Aus dem Inhalt

Neues aus Kirche und Welt Aus Lehre und Verkündigung » … und er nährt sie doch!« Unterweisung und Ermahnung nach dem Wort Gottes Der Sinn der Zwei-Reiche-Lehre Luthers Irrläufer? Johannes 8,1ff. Philipp Jakob Spener Aus Kirche und Gesellschaft InfoSpezial – thematisch geordnet

ISSN 1618-8306

Oktober 2011 Nr. 268

Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium«


kurz+bündig Personen John Stott †

Am 27. April konnte der Anglikaner John Stott, Vordenker und international einer der einflussreichsten Evangelikalen des 20. Jahrhunderts, seinen 90. Geburtstag begehen (s. Ausgabe 267, S. 23). Genau ein Vierteljahr danach, am 27. Juli ist John Stott, auf den die bedeutenden Dokumente Lausanner Verpflichtung (1974) und das Manifest von Manila (1989) zurückgehen, in Lingfield (Südengland) verstorben. Reinhard Holmer wechselt von Bad Blankenburg nach Elbingerode

Nach 18 Jahren Leitung des Evangelischen Allianzhauses in Bad Blankenburg hat Pastor Reinhard Holmer die Aufgabe des Direktors des DiakonissenMutterhauses in Elbingerode am 1. September übernommen. Er ist Nachfolger von Martin Hüffken, der bereits vor längerer Zeit als Direktor ausschied. Das DiakonissenMutterhaus in Elbingerode ist mit 229 Diakonissen und 50 Mitarbeitern eines von sechs deutschen Mutterhäusern im Deutschen GemeinschaftsDiakonieverband. Nachfolger Holmers als Direktor des Allianzhauses ist Thomas Günzel, seit 1998 als Theologe und Lehrer für Religion und Ethik

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im Berufsbildungswerk Leipzig angestellt. Bischof ­unter­sagt Buch­­präsen­ tation

Wegen seiner Haltung zur Abtreibung hat der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller dem einstigen Präsidenten des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Professor Hans Maier, untersagt, im Diözesanzentrum Obermünster seine Memoiren »Böse Jahre, gute Jahre« vorzustellen.

Klaus Vollmer verstorben. Bei einer Evangelisation mit Johannes Busch (1905–1956) war Vollmer zum Glauben gekommen. 1957 berief ihn die hannoversche Landeskirche ins Amt für Missionarische Dienste, wo er bis zu seiner Pensionierung tätig war. Viele Akademiker verdanken dem gebürtigen Berliner den Einstieg ins Leben als Christ.

Mission Sehr wenig Einsätze der Zeltmission

Manfred Kern wurde 80

Der Baptistenpastor Manfred Kern, der im Juli seinen 80. Geburtstag begehen konnte, war von 1979 bis 1988 Vorsitzender der Evangelischen Allianz in der DDR und danach bis 1991, dem Jahr der Wiedervereinigung der evangelikalen Dachorganisation, deren Generalsekretär. 1975 wurde Kern in das KonferenzKomitee der Zentralkonferenz der Evangelischen Allianz berufen. Er knüpfte Kontakte zu Allianzkreisen im damaligen Ostblock. 1983 wurde er als erster Vertreter aus einem kommunistisch regierten Land ins Präsidium der Europä­ ischen Evangelischen Allianz berufen.

Evangelist Klaus Vollmer †

Im Alter von 80 Jahren ist bereits Anfang Juni Pastor

Im Jahr 2011 fanden in Deutschland und der Schweiz so wenig Zeltmissionseinsätze statt wie seit Jahren nicht. Es waren 52 in Deutschland gegenüber 67 des Vorjahres. Vor 20 Jahren waren es noch viermal so viele. In der Schweiz waren es nur vier gegenüber neun im Jahr 2008. ERF — positive Bilanz

Die Zahl der Verbreitungswege hat sich für ERF-Medien (Wetzlar, früher: Evangeliumsrundfunk, gegründet 1959, 230 Mitarbeiter) stark ausgeweitet über Handy, Facebook und Digitalradio. Während eine Reihe von

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Missionswerken, die sich wie der ERF hauptsächlich durch Spenden finanzieren, mit Finanzproblemen zu kämpfen haben, hat der ERF für 2010 einen ausgeglichenen Haushalt (14,7 Millionen Euro). Neuer Aufsichtsratsvorsitzender von ERF-Medien und Nachfolger von Pastor i. R. Bernd Bierbaum (67, Bremen) ist der Wirtschaftswissenschaftler Professor Jürgen von Hagen (55, Bad Honnef).

Gesellschaft Erschreckend: Kaum noch Glaube

Eine repräsentative Umfrage des Apothekenmagazins »Baby und Familie« ergab, dass gemeinsamer Kirchgang und Tischgebet in deutschen Familien selten geworden sind. Nur zwölf Prozent der Befragten gehen demnach mit Partnern oder Kindern sonntags zum Gottesdienst. Noch schlechter sieht es beim Tischgebet aus: Nur acht Prozent sprechen vor dem Essen mit der Familie ein Gebet.

ko des Straßenverkehrs im Bewusstsein halten bzw. sie erhofften sich davon Schutz. Somit sind diese religiösen Symbole oft mehr Ausdruck von Aberglauben als von Glauben.

Kirche in Deutschland Kirchentag 2015 in Stuttgart

Nach 1952, 1969 und 1999 kommt der Evangelische Kirchentag 2015 zum vierten Mal nach Stuttgart. Zur Begründung des Kirchentagspräsidiums heißt es, Stuttgart habe im Streit um das Projekt »Stuttgart 21« neue Formen offener und öffentlicher Debatten erlebt. Nachhaltiger

Erfolgsgeschichte

Religiöse Symbole: kein Be­ kenntnis — eher Aberglaube

An oder in jedem zehnten Auto befinden sich religiöse Symbole, vorzugsweise Engel, Rosenkränze und Kreuze, so eine Studie über »Religion im Auto«. Diese bringen jedoch in den wenigsten Fällen ein ­Bekenntnis des Autofahrers zum Ausdruck. Vielmehr wollten die meisten damit das Risi-

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kurz+bündig

Personen +++ Kirchen +++ Glauben +++ »Modernes Leben«

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42 Millionen Besucher in 40 Jahren

Seit 40 Jahren bringen Schiffe der evangelikalen Missionsgesellschaft Operation Mobilisation (OM) die christliche Botschaft in die ganze Welt. 42 Millionen Menschen in 164 Ländern haben in dieser Zeit die vier Schiffe besucht, hauptsächlich um Sach- und Fachbücher sowie christliche Literatur zu kaufen, insgesamt mehr als 35 Millionen Bücher. Auf dem OM-Schiff »Logos Hope« arbeiten 400 Personen aus 45 Ländern, die auf Spendenbasis angestellt sind. 3


Protest und zivilgesellschaftliches engagement hätten eine landesweite Diskussion über die beteiligung der bürger an entscheidungen in der Demokratie ausgelöst. Deshalb habe der kirchentag die einladung nach stuttgart »besonders gern« angenommen. Bibelschule Aidlingen jetzt auch staatlich anerkannt

Das kirchlich anerkannte theologische seminar bibelschule aidlingen (bei stuttgart) bildet seit 40 Jahren Gemeindediakoninnen, Jugendreferentinnen und religionspädagoginnen aus und besitzt jetzt auch staatliche anerkennung für ihre ausbildungsgänge, die in einem berufskolleg für religions- und Gemeindepädagogik angeboten werden. Laut der schulleiterin, schwester Irmgard richter, ist Zielrichtung des seminars: »Jesus im Zentrum, die menschen im blick, dem reich Gottes verpflichtet«.

Mülheimer Verband beschließt Frauenordination

Im charismatisch ausgerichteten mülheimer Verband freikirchlich-evangelischer Gemeinden (47 Gemeinden, 4049 mitglieder) können jetzt auch frauen zum Pastorenamt ordiniert werden. Die jährlich stattfindende Delegiertentagung hat dies mit großer mehrheit beschlossen. bei den meisten mitgliedskirchen der Vereinigung evangelischer freikirchen, zu der auch der mülheimer Verband gehört, ist die frauenordination möglich.

90 Jahre OGV

seit 90 Jahren besteht der Ostfriesische Gemeinschaftsverband (OGV). In seinen 24 kreisen treffen sich wöchentlich rund 1000 Personen. Der OGV hat fünf hauptamtliche Prediger.

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Ethik Zellen Abgetriebener als Geschmacksverstärker

Der Us-konzern »senomyx« soll bei seinen Versuchen mit Geschmacksverstärkern Zellen abgetriebener kinder verwenden. Die konzerne Pepsico, kraft foods, sikae und nestlé arbeiten mit »senomyx« zusammen.

Katholische Kirche 80 Prozent für Reformen

Laut einer Umfrage sprechen sich 80 Prozent der deutschen katholiken für reformen und die abschaffung des Zölibats in ihrer kirche aus. Der Vorsitzende der Deutschen bischofskonferenz, der freiburger erzbischof robert Zollitsch, kündigte an, das thema zu debattieren, wies aber auch darauf hin, schnelle ergebnisse werde es nicht geben.

Aus Lehre mm UntermLeidenmprägtmdermMeisterm inmdiemHerzen,minmdiemGeisterm seinmallgeltendmBildnismein.m WiemermdiesesmLeibesmTöpfer,m willmermauchmdesmkünftgenmSchöpferm aufmdemmWegmdermLeidenmsein.m m LeidenmbringtmempörtemGliederm endlichmzummGehorsammwieder,m machtmsiemChristomuntertan,m dassmermdiemgebrochnenmKräftem zumdemmHeiligungsgeschäftem sanftmundmstillmerneuernmkann.m m LeidenmmachtmdasmWortmverständlich,m Leidenmmachtminmallemmgründlich;m Leiden,mwermistmdeinermwert?m HiermheißtmmanmdichmeinemBürde,mm drobenmbistmdumeinemWürde,m diemnichtmjedemmwiderfährt.m KarlmFriedrichmHartmann

Lehrerlaubnis entzogen

Der kölner kardinal Joachim meisner hat dem sich ende april 2010 in einem medienbericht als homosexuell bekennenden theologen David berger die Lehrerlaubnis für katholischen religionsunterricht an schulen entzogen.

mm Alles,mwasmGottmdurchmseinm Wortmtut,msindmKampfhandlungenm gegenmdenmSatanmsowohlmdas,m wasmGottm»mitmdermlinkenmHand«m tut,mwiemauchmdas,mwasmermmitmderm »rechtenmHand«mtut.mmm m GustavmWingren

Islam Muslime wachsen doppelt so schnell

In den nächsten 20 Jahren wird die anzahl der muslime doppelt so schnell wachsen wie die übrige Weltbevölkerung, womit dann ihr anteil bei 26,4 Prozent liegen dürfte. Ihre Zahl wird sich in europa von 44,1 auf 58,2 millionen erhöhen. besonders stark werden sie in belgien und frankreich zunehmen.

mm AuftragmundmVollmachtmderm wahrenmKirchemabermbestehenm darin,mdiemfrohemBotschaftmvonmderm RettungmausmdemmGerichtmdurchm denmGlaubenmanmJesusmChristusmzum verkündigen.mmm ReinhardmSlenzcka

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und Verkündigung mm NichtmdasmGerichtmdermMenschen,msondernmGottesmGericht,mnichtmdasmVerderbenm desmLeibes,msondernmdasmewigemVerderbenmdesmLeibesmundmdermSeelembringtmdemmJüngerm Gefahr.mWermdiemMenschenmnochmfürchtet,mdermfürchtetmGottmnicht.mWermGottmfürchtet,m dermfürchtetmdiemMenschenmnichtmmehr.mDermtäglichenmErinnerungmistmdiesermSatzmfürm diemPredigermdesmEvangeliumsmwert.mmm DietrichmBonhoeffer

DietrichmBonhoeffer

mm Magmsein,mdassmdermJüngstemTagmmorgenmschonmanbricht.mDannmwollenmwirmgernem diemArbeitmfürmeinembesseremZukunftmausmdermHandmlegenm–mvorhermabermnicht.mmm DietrichmBonhoeffer

mm WirmwerdenmdenmpraktischenmFragen,mdiemunsm durchmdiemneueremEntwicklungmbeimdermKirchen­ einungmgestelltmwerden,mnurmdannmgewachsenmsein,m wennmwirmihremdogmatischenmImplikationenmzuvorm hinreichendmgeklärtmhaben.mmm PetermBrunner

mm UmmdermRettungmdermMenschenmwillenmstehtmdiem KirchemuntermdemmGebot,mdasmapostolischemWortm undmdamitmdasmMerkmalmdermApostolizitätmunge­ trübtminmihrermMittemzumbewahren.mImmGehorsamm gegenmdiesesmvornehmstemekklesiologischemGebotm mussmsiemdiemfalschemLehremverwerfen.mImmGehor­ sammgegenmdiesesmGebotmmussmsiemdiemGewährungm dermKirchengemeinschaftmdortmversagen,mwomeinem ÜbereinstimmungmübermdenmInhaltmdesmWortes,m dasmalsmapostolischemBotschaftmzumverkündigenmist,m undmübermdiemdiesemmWortmgemäßemSakraments­ spendungmnichtmhergestelltmwerdenmkann.mmm m PetermBrunner

mm DermMenschmlebtmundmbestehetm nurmeinemkleinemZeit,m undmallemWeltmvergehetm mitmihrermHerrlichkeit.m Esmistmnurmeinermewigm undmanmallenmEnden,m undmwirminmseinenmHänden.m MatthiasmClaudius

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mm SofernmdiemKirchemimmWortmundmGlaubenm Christimlebtmundmredet,mistmsiemheiligemundm (wiemPaulusm1.Korintherm7,34msagt)mimmGeistm gerecht.mAbermsofernmsiemohnemChristimWortm undmGlaubenmwirktmundmredet,mirrtmsiemundm sündigt.mmm MartinmLuther

mm Esmistmernstlichmbefohlen,mdassm sichminmdermKirchemniemandmunter­ stehe,metwasm(esmseimwenigmoderm wenig oder groß) aus seinem viel,mkleinmodermgroß)mausmseinemm oder auf eigenenmVerstandemodermaufm Rat und Gut­ einesmMenschenmRatmundmGut­ vorzuschreiben oder dünkenmvorzuschreibenmoderm zumtun.mSondernmwermdametwasm wer da etwas will, der rede lehrenmodermtunmwill,mdermredem er zuvor undmtuemesmso,mdassmermzuvorm das, was er gewissmsei,mdassmdas,mwasmerm wahrhaftig redetmundmtut,mwahrhaftigm Werk GottesmWortmundmWerkm sei,mvonmihmmbefoh­ len.mOdermermlassem nurmseinmPredigenm undmAmtmundmtuem inzwischenmetwasm anderes. MartinmLuther

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» … und er nährt sie doch!« Hansfrieder Hellenschmidt

(25) Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Klei­ dung? (26) Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Va­ ter ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? (27) Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? (28) Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. (29) Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. (30) Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so klei­ det, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? (31) Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir es­ sen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? (32) Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. (33) Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. (34)Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine Matthäus 6,25–34 eigene Plage hat. 

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ieder begehen wir das Erntedankfest. Unser Dank richtet sich an Gott. Denn abermals hat er seine Sonne aufgehen lassen über Böse und Gute und fruchtbaren Regen den Gerechten und Ungerechten gegeben (Matthäus 5). Die Scholle hat er gesegnet und Wachstum

Hansfrieder Hellenschmidt Die Anschrift des Autors finden Sie auf Seite 30

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und Gedeihen nicht zurückgehalten. Die Felder haben Frucht gebracht. Bei allem Dank für die eingefahrene Ernte können wir aber nur in beschämter Freude auf die Gabentische in unseren Kirchen schauen. Zu bedrängend sind die Bilder hungernder Menschen und nur zu deutlich stehen die schrecklichen Folgen für Wasser, Luft und Erde durch geborstene Atomkraftwerke und leck geschlagene Öltanker vor unseren Augen. Fruchtbares Land ist für viele nachfolgende Generationen verwüstet. Rund um den Erdkreis bedrohen Katastrophen das Leben von Mensch und Tier. Es ist der Mensch und seine ungestillte Gier, der sie verursacht und das tägliche Brot gefährdet. Noch wächst es und füllt Jahr für Jahr die Regale. Wir können uns kleiden und haben reichlich zu essen und zu trinken. Aber unsere Sorge ist, ob Gottes Bund mit der Natur und seine Zusage: »Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht« (1.Mose 8,22), noch lange währen wird? Könnte es nicht dazu kommen, dass Gott seinen Bund mit der Natur kündigt? Könnte es nicht sein, dass Gott seine bewahrende Hand zurückzieht und jene Raum gewinnen, die die natürlichen Gaben wie einen Raub an sich reißen? Wir ahnen wohin das führt. Denn schon bemächtigt sich eine von der Gier getriebene Finanzmacht der Lebensmittel. Der agrarische Rohstoff ist in die Hände der Spekulanten gefallen. Sie häufen das Getreide und halten es zurück bis die Preise höher und höher steigen. Was ist nur aus dem täglichen Brot geworden? Statt auf dem Tisch landet viel zu viel im Gastank und im Biosprit. Wie sollen wir da mit fröhlichen Herzen Erntedank feiern? Wer mit wachen Augen sieht, was da geschieht und wie hemmungslos das Gewächs des Feldes vermarktet und vom Tisch gerissen wird, der geht mit Sorgen schwanger und fragt, ob die Multis so ungeniert das Leben drosseln und so arrogant ihren Geldsack füllen dürfen? Angst geht um. Was ist zu tun? Es muss gehandelt werden. Ob es noch gelingt? Hat doch unter den Völkern längst schon der Kampf um die noch vorhandenen Reserven begonnen. Kein Volk kann sich aus ihm heraushalten. Jedermann wird auf seine Oktober 2011

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Denn wieder und noch einmal mehr haben wir, trotz der großen Nöte in der Völkerwelt, das tägli­ che Brot empfangen und die nötige Nahrung und Kleidung kaufen können. Ein mit offener Hand vollzogener Erntedank wäre für alle, die sich sorgen oder darben, ein Zeichen der Hoffnung und ein Siegel der Verheißung: »… und er nährt sie doch!« Weise Vorsorge treiben, sein Leben zu erhalten und Nahrung und Kleidung zu sichern. Genau in dieser Situation, in der die Sorge um uns und unsere Kinder zu wuchern beginnt, sagt uns Jesus: »Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?« Bei diesen Worten möchten Herz und Verstand rebellieren: Gut geredet! Stehen doch vor uns die nackten Tatsachen: Weltüberbevölkerung, Wassermangel, steigende Preise und aus allen Weltgegenden hören wir von Hungerkatastrophen. Keiner kann sie wegdiskutieren. Aber nun nimmt uns Jesus bei der Hand und führt uns in die Natur hinaus: »Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.« Jesus ruft uns auf, gegen allen Augenschein dem himmlischen Vater zu vertrauen. Mit diesen Worten bagatellisiert Jesus keineswegs den Ernst der Lage. Er will uns weder beschwichtigen noch blenden: Es wird schon nicht so schlimm werden! Er will uns aber sagen: Euer Vater im Himmel bringt euch durch. Und wir fragen: Wie? Er wird gewiss keine Wunder tun und mit einem großen Hauruck alles zum Besten kehren, so dass wir aufatmen und sagen können: Es Informationsbrief 268

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ist alles noch einmal gut gegangen! Nein, der Geizige und Gierige wird seinen Weg fortsetzen und dem armen Lazarus den Brotkorb höher hängen. Das ist das sündige Gesetz der Welt. Sie muss zu ihrem Gericht ihren Weg zu Ende gehen und auch die Kinder Gottes auf Erden werden sich dem Verhängnis einer zu Ende gehenden Geschichte nicht entziehen können. Nun steht aber über allem Gott, der Vater. Er wird uns hindurch bringen. Jesu Wort steht dafür: »Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.« Die Witwe von Zarpat hatte einst nichts als den Untergang vor Augen. Der Bach führte kein Wasser und die Felder standen trocken. Das tägliche Brot ging zu Ende. Besorgt schaute die Frau auf das Ende ihres Lebens und das ihres Sohnes. Sie hatte keine Hoffnung mehr. Und in diese trostlose Lage hinein hatte ihr Gott den Propheten Elia gesandt. Gegen allen Augenschein hatte er ein kühnes Wort ausgesprochen: »So spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden« (1.Könige 17,14). So geschah es – und das Leben kehrte zurück. 7


Auch wir dürfen und sollen angesichts einer immer schwerer werdenden Weltlage Vertrauen fassen. Der Vater im Himmel hat viele Möglichkeiten, seinen Kindern wohlzutun und sie mit viel oder wenig durchzubringen. Der Liederdichter Paul Gerhardt ist Zeuge, dass Gott auch in schwerer werdenden Zeiten den Seinen gegenwärtig ist. Diese Erfahrung hatte ihn freudig gestimmt und singen lassen: »Gott weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl; und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual« (EG 302,5). Freilich wissen wir, dass unsere Lage heute eine ganz andere ist als die zur Zeit der Witwe von Zarpat oder die zur Zeit Paul Gerhardts. Wir wissen nur zu gut, wie schnell Nöte und Katastrophen eskalieren und weltweit Zustände schaffen können, von denen weder die Witwe von Zarpat noch Paul Gerhardt die geringste Ahnung hatten. Aber, und das will uns Jesus sagen: Euer Gott und Vater ist immer noch der gleiche – und er wird es bleiben bis zur Vollendung in der neuen Schöpfung. Darum, so Jesu Wort, soll sich keiner in Sorgen vergrämen,

denn: »Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?« Jesu Zusage, dass uns der himmlische Vater in allen Lagen wohl zu versorgen weiß, will uns, trotz der mehr und mehr aufkeimenden Nöte und Gefahren, dazu helfen, dennoch dankbar Erntedank zu feiern. Denn wieder und noch einmal mehr haben wir, trotz der großen Nöte in der Völkerwelt, das tägliche Brot empfangen und die nötige Nahrung und Kleidung kaufen können. Gott hat unsere Felder und Fluren gesegnet und schweren Schaden von ihnen fern gehalten. Das tägliche Brot »heute« haben wir wieder auf dem Tisch. Und wer reichlich erhalten hat, soll den armen Lazarus vor der Haustür und den, der in den Hungergebieten der Welt leidet, nicht vergessen. Ein mit offener Hand vollzogener Erntedank wäre für alle, die sich sorgen oder darben, ein Zeichen der Hoffnung und ein Siegel der Verheißung: »… und er nährt W sie doch!«

Unterweisung und Ermahnung nach dem Wort Gottes Zu der schrift- und bekenntniswidrigen Entscheidung der bayeri­ schen Landessynode vom 25. November 2010 zum »Zusammen­ leben gleichgeschlechtlicher Pfarrerinnen und Pfarrer im Pfarrhaus« Reinhard Slenczka

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n unseren Gemeinden hat dieser Beschluss nicht nur Befremden, sondern schmerzliche Empörung gerade bei den lebendigen Gemeindemitgliedern ausgelöst. Für viele stellt sich die

Reinhard Slenczka Die Anschrift des Autors finden Sie auf Seite 30

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Frage, ob man in einer Kirche bleiben kann, die tot und nur noch dem Namen nach Kirche ist (Offenbarung 3,1), weil ihre Leitungsorgane wiederholt Beschlüsse fassen und Erklärungen abgeben, die nicht mit dem geschriebenen Wort Gottes der Heiligen Schrift übereinstimmen, sondern ihm direkt widersprechen. Indem die Namenskirche sich den Forderungen und Gesetzen dieser Welt und heute herrschenden Meinungen und Verhaltensweisen anpasst, wiederholt sich, was als das große Versagen früherer Zeiten erkannt und angeklagt wird. In dieser Situation weisen wir auf die Unterscheidung und Trennung von wahrer und falOktober 2011

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scher kirche hin, die sich in solchen Vorgängen ßen, damit sie sich gegenseitig ermutigen und unweigerlich vollzieht. ermahnen und damit die Gemeinde sich um sie 1. Das geschriebene und daher unveränder- sammeln kann. liche Wort Gottes (Jesaja 40,6–8; matthäus 3. als »salz der erde«, »Licht der Welt« und 5,17–19; Lukas 21,33; 1.Petrus 1,24-25; 2.Pet- »stadt auf dem berge« (matthäus 5,13–16) rus 1,19–21) sagt uns, dass jede sünde von Gott haben die Jünger Jesu eine Verantwortung für trennt und dass der Übertreter der Gebote Got- die ganze Welt, auch wenn ihre Zahl nur gering tes nicht nur die Verheißung des reiches Got- sein mag. Wenn sich jedoch die Gemeinde der tes verliert, sondern auch zeitlichen und ewigen Welt anpasst (römer 12,2; epheser 4,17–19), strafen verfällt – nicht nur für sich selbst, son- wird sie ununterscheidbar; das salz wird dumm dern auch für die nachund von den Leuten folgenden Generatiozertreten; die kirche nen (2.mose 20,5–6). zerfällt. Dies gilt nicht nur, mm Alsm»SalzmdermErde«,m»LichtmdermWelt«m Das betrifft sowohl sondern auch für die die öffentliche VerkünÜbertretungen und undm»StadtmaufmdemmBerge«mhabenmdiem digung und UnterweiPerversionen im sexu- JüngermJesumeinemVerantwortungmfürm sung nach dem Wort ellen bereich (römer diemganzemWelt,mauchmwennmihremZahlm Gottes, besonders aber 1,18–32; 1.korinther den religions- und5,5; 6,9–11; Galater nurmgeringmseinmmag.mWennmsichmjedochm den konfirmanden5,19–21; epheser 5,3– diemGemeindemdermWeltmanpasstmwirdm unterricht. Gerade die 5; Hebräer 13,4). zahlreichen fälle von siemununterscheidbar;mdasmSalzmwirdm Wenn daher mit der kindesmissbrauch, leianmaßung kirchlicher dummmundmvonmdenmmLeutenmzertreten;m der auch unter beteiamtsvollmacht öffent- diemKirchemzerfällt. ligung kirchlicher mitlich erklärt wird, »Hoarbeiter, geben ernsten mosexualität ist keine anlass zu der frage, sünde«, dann widerspricht das nicht nur dem was geschieht, wenn im kirchlichen Unterricht klaren Wort Gottes, sondern damit wird auch gelehrt wird, dass es in der sexuellen Orientieder sünder den zeitlichen und ewigen strafen rung verschiedene hetero- und homosexuelle Gottes ausgeliefert, und dieses Gericht fällt auf möglichkeiten gibt, unter denen man je nach die »Wächter« zurück, die falsches gelehrt und anlage und neigung (oder Verführung) wähdamit andere verführt haben (Hesekiel 2,17–21; len könne. Was hier meist außerhalb der Öf33,7–9). fentlichkeit mancherorts geschieht, ist schlim2. Gottes geschriebenes Wort lehrt uns, dass mer kindesmissbrauch, der auch durch diesen ein kirchliches Leitungsamt nur solchen über- synodalbeschluss unterstützt wird. Gerade im tragen werden darf, die mit ihrer Lehre, ihrer kirchlichen religions- und konfirmandenunLebensführung, zumal in ehe und familie, Vor- terricht soll den kindern das unveränderliche bild sein können, nicht nur für die Gemeinde, Wort Gottes in Herz und Gewissen eingeprägt sondern auch für die außenstehenden (1.ti- werden. nicht durch Problematisierungen, sonmotheus 3,2ff.; titus 1,6ff.). Darauf beruht die dern durch feste Grundlagen werden menschen auch bei aller menschlichkeit unbestreitbare mündig und urteilsfähig. geistliche und kulturelle Wirkung des evangeliLuthers erklärung der ersten bitte des Vaterschen Pfarrhauses. unsers im kleinen katechismus fasst einprägsam Wo jedoch diese Voraussetzungen in Lehre zusammen, um was es geht: und Leben fehlen, zeigt sich, dass die geistli- »›Geheiligt werde dein name.‹ che fähigkeit zur ausübung dieses amtes fehlt. Was ist das? – Gottes name ist zwar an sich Die Gemeinde soll sich vor diesen »Wölfen im selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, schafspelz«, deren Leben nicht der Lehre ent- dass er auch bei uns heilig werde. spricht, hüten. sie berufen sich zwar mit ihren Wie geschieht das? – Wo das Wort Gottes lauter Großtaten auf den Herrn, aber sind doch ver- und rein gelehrt wird und wir auch heilig als die worfen (matthäus 7,15–23; 1.korinther 5,9– kinder Gottes danach leben. Dazu hilf uns, lie13; Judas 20–23; Psalm 50,18). ber Vater im Himmel. In dieser situation ist es wichtig und hilf- Wer aber anders lehrt und lebt, denn das Wort reich, dass Pfarrer, die sich in Lehre und Leben Gottes lehrt, der entheiligt unter uns den nanach ihrem Ordinationsgelübde an schrift und men Gottes. Davor behüte uns, himmlischer W bekenntnis halten, öffentlich zusammenschlie- Vater.« InfOrmatIOnsbrIef 268

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Ausschnitt aus der handschrift­ lichen Fassung der Barmer theo­ logischen Erklärung von 1934.

Der Sinn der Zwei­Reiche­Lehre Luthers im Vergleich mit anderen Verhältnisbestimmungen von Religion und Politik Hanns leiner

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ie lange Zeit in unserer kirche missachtete Zwei-reiche-Lehre findet neuerdings wieder mehr anklang. Und das ist gut so! Denn sie entspricht der mehrschichtigkeit und inneren spannung der biblischen aussagen ebenso wie der politischen Praxis. mit ihr lässt sich die

Hanns Leiner Die anschrift des autors finden sie auf seite 30

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öffentlich-politische Verantwortung des Christen in richtiger Weise begründen und begrenzen. Das möchte ich im folgenden darlegen. es geht bei der Zwei-reiche-Lehre um die richtige Verhältnisbestimmung von religion und Politik, von kirche und staat und um die Verantwortung des Christen in beiden bereichen oder beziehungen. Die spannungsvolle beziehung von religion und Politik lässt sich grundsätzlich und idealtypisch in drei verschiedenen Weisen verwirklichen und wurde im Laufe der religions- und kirchengeschichte immer wieder in einer dieser drei formen realisiert: 1. als – möglichst weitgehende bis völlige – Trennung von Religion und Politik, 2. als – möglichst weitgehende bis völlige – Verschmelzung oder Identifizierung beider, OktOber 2011

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3. als – mehr oder weniger große – Unterscheidung und Überschneidung beider. Diese drei Ansätze stelle ich hier nacheinander dar, beschreibe, wo sie in der Geschichte vorkamen und versuche zu beurteilen, was da­ ran jeweils richtig und was problematisch ist.

Die Trennung von Religion und Politik Die Erkenntnis, dass man beides irgendwie auseinanderhalten muss, ist jedenfalls für Christen unvermeidlich: Sie ergibt sich zwingend aus der Haltung Jesu, der es ablehnte, ein politischer Machthaber, König oder Revolutionär zu sein und das auch klar ausgesprochen hat: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt.« Daraus hat die frühe Christenheit die Konsequenz gezogen, sich von der Ausübung politischer Macht fernzuhalten. Das ergab sich damals fast zwingend, da die Übernahme von politischen Ämtern im römischen Reich mit der Anbetung des »göttlichen« Kaisers verbunden war. Während die Großkirchen später dieses Fernbleiben der Christen von politischer Verantwortung aufgaben, fand es seine Fortsetzung in kleinen Gruppen, wie z. B. bei den Waldensern und Quäkern; auch in sektiererischen Gemeinden findet man diese Haltung oft: z. B. wollen die Zeugen Jehovas nichts wissen von dem bestehenden »System dieser Dinge« (wie sie den Staat nennen) und verweigern deshalb jede Mitarbeit in ihm. Dazu neigen auch religiöse Pazifisten, denen das wörtliche Verständnis der Bergpredigt es verbietet, sich an der staatlichen Gewaltausübung zu beteiligen.

Eine solche weltflüchtige Haltung findet sich übrigens auch in anderen Religionen, besonders ausgeprägt im ursprünglichen Buddhismus, der ja eine reine Mönchsreligion darstellt und nur darauf aus ist, dieser Welt und der Wiedergeburt in ihr zu entfliehen. Die völlige Trennung von Religion und Politik kann umgekehrt auch vom Staat und der Politik ausgehen. Das geschieht überall da, wo sich der säkulare Staat jede Mitwirkung oder Einwirkung der Religion auf seine Arbeit strikt verbittet, wie bei der radikalen Trennung von Kirche und Staat in Frankreich, dem so genannten Laizismus. Diese Verbannung Gottes aus der Welt geschieht heute gern unter der Devise: »Religion ist Privatsache«. Gerade dieses letzte Beispiel macht aber deutlich, wie fragwürdig eine solch radikale Trennung von Religion und Politik für beide Seiten ist. Wenn Christen so denken, so überlassen sie den Staat ganz den irdischen Machthabern und ziehen sich selbst in einen Schmollwinkel zurück. Sie wollen sich die Hände nicht schmutzig machen beim fragwürdigen Geschäft irdischer Machtausübung. Sie überlassen dann den ganzen Bereich des Politischen als böse sich selbst oder eigentlich dem Teufel. Eine politische Mitverantwortung des Christen in der Welt kann und soll es bei diesem Modell der Trennung nicht geben. Da wir jedoch als Menschen in dieser Welt leben und immer noch auch zu ihr gehören, darf sie uns nicht gleichgültig sein. Dies Modell der Trennung von Religion und Politik wird also nicht die christliche Antwort auf das hier gestellte Problem sein dürfen.

Das Fernbleiben der frühen Christen von politischer Verantwortung fand unter anderem bei den Quäkern (Abb. links) und Waldensern seine Fortsetzung. Der Holzschnitt von Jakob Grünenwald von 1874 zeigt den Auszug der Waldenser. Informationsbrief 268

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Die Verschmelzung von Religion und Politik Dies ist die der ersten Position völlig entgegengesetzte Antwort. Sie findet sich in vielen Religionen. Gott hat also natürlich etwas mit der Welt des Politischen zu tun. Deswegen verwundert es nicht, dass die Verschmelzung von beidem die am weitesten verbreitete Haltung in der Geschichte war, besonders in der vor- und außerchristlichen Antike: Man übertrug Gottes Macht auf die irdischen Herrscher und machte sie zu irdischen Göttern. Wir finden das im alten Ägypten mit seinen Pharaonen, die als Gottkönige irdische und religiöse Macht in ihren Händen hielten. Ähnlich verhielt es sich mit den Gottkönigen in Babylon. Später übernahmen die Griechen diese Vergöttlichung der Herrscher von den Orientalen. Genauso eigneten sich die Römer dieses Modell der Verschmelzung von Staat und Religion an, indem sie ihre Kaiser als Götter verehrten und ihnen sogar opferten. Diese Verschmelzung der beiden Bereiche des Politischen und des Religiösen gibt es übrigens in zwei verschiedenen Gestalten, denn sie kann entweder unter der Führung des Politischen oder unter der Führung der Religion verwirklicht werden. Die Verschmelzung unter der Vorherrschaft des Staates Der Staat maßt sich dabei die Züge der Religion an. Man spricht dann von einem sakralen Staat, einer religiös überhöhten Politik oder

Das Tausendjährige Reich der Herrschaft der ­reinen, arischen Rasse unter einem religiös ­verehrten Führer – Führerkult im Dritten Reich. 12

einer politischen (Ersatz)-Religion. Religiöse Erwartungen, Riten und religiöse Sprache werden dabei auf den Herrscher und auf den Staat übertragen. Das geschah besonders auffallend im Kaiserkult des römischen Reiches. Dieser zur Religion gewordene Sakralstaat verlangt von seinen Bürgern folglich auch mehr als bloß äußeren Gehorsam, nämlich Anbetung und Huldigung. Das lässt ihn zwangsläufig zum fanatischen, totalen Staat werden, wie wir ihn in den modernen Weltanschauungsstaaten des Nationalsozialismus und des Kommunismus im 20. Jahrhundert erleben mussten. Das machte nämlich deren unheimliche Kraft und Faszination aus, dass sie eine religionsähnliche Begeisterung und Hingabe weckten und sich zu nutze machten. Man kann die gefährliche Dynamik dieser politisch-religiösen Bewegungen nur verstehen, wenn man sie als politische Religionen erkennt. Sie versprechen den Menschen mehr zu bringen als irdische Ordnung und Wohlergehen, nämlich Heil, Sinngebung und Erfüllung des Lebens, das »Paradies der Werktätigen« oder das Tausendjährige Reich der Herrschaft der reinen, arischen Rasse unter einem religiös verehrten Führer: »Heil Hitler!« wünschte man ihm und sich selbst im Führerkult. Dieser moderne Weltanschauungsstaat beanspruchte den ganzen Menschen, er maßte sich an, das Herz, den Glauben und den bedingungslosen Gehorsam der Menschen zu fordern. Eben das ließ ihn totalitär, fanatisch und unmenschlich werden. Für seine Ziele meinte er, jedes Opfer verlangen zu dürfen. Dieser sich selbst vergottende moderne Sakralstaat entpuppte sich als das »Tier aus dem Abgrund« (Offenbarung 13), das dem römischen Sakralstaat gleicht und das von der Offenbarung Gottes schon entlarvt wurde. Die Anbetung eines politischen Herrschers (Führers), einer Partei oder einer politischen »Heilslehre« ist christlich gesehen Übertretung des 1. Gebotes und also Abgötterei. Hier wird das Politische dämonisch und diabolisch. Damit ist klargestellt: Diese religiöse Verbrämung und Überhöhung des Politischen durch die völlige Verschmelzung von Politik und Religion kann nicht die rechte Antwort für eine christliche Staatsauffassung sein. Denn in ihr wird der Unterschied zwischen Gott und dem irdischen Herrscher eingeebnet gegen Jesu Wort: »Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.« Die Verschmelzung von Religion und Poli­tik unter der Vorherrschaft der Religion Die Religion eignet sich dabei zugleich die weltliche Herrschaft an. Wir sprechen von Oktober 2011

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Girolamo »Hieronymus« Savonarola (1452–1498) wollte das Reich Gottes schon jetzt und hier auf Erden aufrichten. Der Mönch Savonarola ist eine der vier vor­ reformatorischen Figuren, neben Petrus Waldus, John Wyclif, Jan Hus, Johannes Reuchlin und ­Philipp Melanchthon die auf dem Lutherdenkmal in Worms dargestellt sind.

Theo­kratie oder von der Errichtung eines Gottesstaates, wenn eine menschlich-religiöse Herrschaft behauptet, im Namen Gottes zu herrschen. Diese Form begegnet uns heute in der Gestalt des Islam, der sein Recht und Gesetz (die Scharia) – wenn er kann – im Namen Allahs in allen Lebensbereichen durchsetzen will und dabei keinen Unterschied zwischen Religion und Politik kennt. Es gab das ansatzweise auch im Mittelalter im christlichen Abendland, wenn mächtige Päpste sich die Kaiser und Könige unterwarfen, am deutlichsten vielleicht bei dem deshalb »Papstkaiser« genannten Innozenz III. Dies Modell begegnet uns auch überall da, wo man versucht, das Reich Gottes schon jetzt und hier auf Erden aufzurichten, bei den Hussiten auf dem Berg Tabor (Taboriten), bei Girolamo Savonarola im Reich Christi zu Florenz, im Ansatz auch unter der Herrschaft von Calvin in Genf und bei den Wiedertäufern in Münster usw. Auch die mittelalterliche Kirche bietet dafür weitere Beispiele, zum Beispiel beim Kirchenstaat, bei den Fürstbischöfen, den Kreuzzügen usw. Die geschichtliche Erfahrung lehrt, dass diese Versuche, eine himmlisch-politische Herrschaft zu errichten, nicht den Himmel auf Erden bringen, sondern eher das Gegenteil, dass sie Kirche und Staat verderben und – weil sie aus vielen Gründen nicht gelingen können – allesamt unter großen Opfern, Leiden und mit viel Blutvergießen und großen Schrecken scheitern. Daraus folgt: Wenn die christliche Kirche (oder eine andere Religion) beide »Schwerter«, das geistliche und das weltliche ergreift und führt, wenn sie ihren religiösen Einfluss durch weltliche Macht und mit Gewalt sichern und verteidigen will, wird auch sie zwangsläuInformationsbrief 268

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fig gewalttätig, fanatisch, unmenschlich und unchristlich. Sie muss nämlich dann versuchen, die Nichtglaubenden, die abtrünnigen und irrenden Mitchristen mit Gewalt zum rechten Glauben zu zwingen oder – wenn das nicht gelingt – sie auszuschalten. Das führt dann zur Glaubensdiktatur und zur Inquisition. Wo das geschieht, erliegt die Kirche der Verlockung der Macht, die Christus in seiner Versuchung als ihm vom Teufel angebotene ausschlug. Deshalb muss sich die Kirche vor jedem Rückfall in die Theokratie hüten, denn auch diese Form der Verschmelzung von Religion und Politik ist für sie lebensgefährlicher Abfall von Jesus Christus. So geht es nicht!

Die Unterscheidung von Religion und Politik Luthers Lehre von den beiden Regimenten oder den zwei Reichen Die beiden bisherigen Modelle und ihr Scheitern zwingen dazu, nach einer anderen Lösung zu suchen. Ein solcher Ansatz liegt uns in der Lehre Luthers vor: Er macht deutlich, dass Gott wirklich über die ganze Welt herrscht. Doch er tut das auf verschiedene Art und Weise, denn er 13


regiert die Welt – wie Luther bildhaft sagt – mit Dies irdisch-weltliche regiment ist die sache zwei Händen. mit der rechten Hand herrscht des staates. sein auftrag beschränkt sich auf die er im geistlichen regiment, in der kirche, mit weltlich-politische Ordnung, darf sich also nicht der linken Hand tut er das im weltlichen re- in religiöse fragen einmischen, Glauben weder giment, also in Politik und staat. Die befehlen noch verbieten. so fasst auch Herrschaft des einen Gottes verdas augsburgische bekenntnis in bindet die beiden regimente, seinem letzten artikel dies Verdie beiden Hände deuten die hältnis der beiden regimenVerschiedenartigkeit seines te zueinander zusammen: Herrschens in religion »beide regimente stammen und Politik an. von Gott. sie dürfen nicht In der Zuordnung zu miteinander vermengt werder rechten Hand macht den … Die geistliche GeLuther klar, dass Gott walt soll nicht in das amt das geistliche regiment der weltlichen Gewalt, die wichtiger ist als das weltweltliche Gewalt soll nicht liche: Das eine bedeutet in das amt der geistlichen sein eigentliches Werk, Gewalt greifen …« Der das andere ein ihm fremHauptton liegt also dades Werk. Die geistlirauf, allen Versuchungen che Herrschaft übt Gott der Vermengung beider zu durch Jesus Christus aus, widerstehen und die rechdas heißt durch seine Liete Unterscheidung immer be und Gnade, mit dem wieder neu zu praktizieWort des evangeliums, mm EsmdarfmwedermeinemVergött­ ren. mit dem Zuspruch der lichungmdesmStaatesmnochmeinem so übt – recht verstanVergebung, mit der kraft den und gedeutet – die PolitisierungmdermKirchemgeben,m des Geistes zur inneren erZwei-reiche-Lehre Luneuerung des menschen, siemdarfmdenmStaatmnichtmbevor­ thers gerade durch die und damit natürlich ohne mundenmundmanmseinemStellem Unterscheidung der beijede Gewalt. Im geistliden verschiedenartigen chen regiment herrschen tretenmwollen.mDermChristmunter­ Herrschaftsformen GotLiebe und freiheit, freund- stehtmdabeimbeidenmRegimenten,m tes in kirche und staat liche einladung Gottes, die alsmGlaubendermdemmgeistlichen,m eine friedenstiftende und Wiederannahme der verlobefreiende Wirkung aus. renen söhne und töchter. alsmBürgermdemmweltlichen. Jede art von kirchlichem es dient der erlösung der oder staatlichem totalitamenschheit durch den Glauben an Jesus Chris- rismus wird dadurch verhindert, jeder der beitus. Hier würde jede Gewaltanwendung alles den seiten wird die ihr zukommende aufgabe zerstören. Das ist bindend für das Handeln der zugewiesen und ermöglicht. Jede der beiden kirche. Im weltlichen regiment übt Gott seine – religion und Politik – besitzt vor Gott ihr Weltherrschaft aus zur erhaltung der Welt. Da recht. es darf weder eine Vergöttlichung des diese Herrschaft auch über die ergeht, die ihr staates noch eine Politisierung der kirche geeigentlich nicht gehorchen wollen, muss sie die- ben, sie darf den staat nicht bevormunden und se unter Umständen zwingen und dazu macht an seine stelle treten wollen. Der Christ unterund Gewalt anwenden. Dadurch dient die poli- steht dabei beiden regimenten, als Glaubender tische Herrschaft nach Gottes Willen und auf- dem geistlichen, als bürger dem weltlichen. Das trag der aufrechterhaltung von relativem recht verbindet die beiden noch einmal miteinander: in der gefallenen Welt, und wird darum von es geht nur um ihre Unterscheidung, nicht um Paulus »Gottes Dienerin« genannt. Zu diesem ihre trennung. Zweck darf sie auch das schwert führen (röDiese Verhältnisbestimmung beider regimer 13). »Die schrift sagt uns, dass der staat mente scheint mir die richtige christliche Lönach göttlicher anordnung die aufgabe hat, in sung der hier anstehenden Probleme zu sein. der noch nicht erlösten Welt … nach dem maß es stimmt zuversichtlich, dass diese hilfreiche menschlicher einsicht … unter androhung und antwort Luthers in unserer kirche heute wieausübung von Gewalt für recht und frieden zu der als anleitung zur politisch-gesellschaftlichen W sorgen …« (barmer erklärung, these 5). Verantwortung angenommen wird. 14

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Pieter Bruegel d. Ä.; Christus und die Ehebrecherin; nach 1564/65; Brüssel, Bibliotéque Albert Ier.

Irrläufer? Johannes 8,1ff. cHristopH Horwitz

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üsste dieser abschnitt nicht schleunigst als Irrläufer aus der bibel gestrichen werden? schriftgelehrte und Pharisäer haben offensichtlich recht. In dem uns überlieferten bericht macht Jesus augenscheinlich klar: Ich bin nicht der von den Propheten angesagte retter Gottes für sein Volk! Das Volk befindet sich bereits in heftiger auseinandersetzung: Ist er es oder ist er es nicht? In dieser explosiven Lage gießt Jesus noch Öl in die bereits auflodernde

Christoph Horwitz Die anschrift des autors finden sie auf seite 30 InfOrmatIOnsbrIef 268

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feuerflamme: er nimmt nicht eindeutig stellung in der heiklen an ihn gestellten frage, wie erwiesener ehebruch zu beurteilen sei. er schweigt und schreibt gebückt auf die erde! Die schriftgelehrten und Pharisäer haben ihre Versuchung geschickt aufgebaut: Wenn Jesus nicht der im Gesetz des mose vorgeschriebenen steinigung für die beim ehebruch ertappten frau zustimmt, hat er sich öffentlich vor vielen Zeugen als Verächter des Gesetzes Gottes erwiesen. Dann ist er reif für eine handfeste anklage vor dem Hohen rat. Dann würde nicht zuerst durch menschlichen richterspruch, sondern durch Gott selbst klargestellt: Jesus ist ein betrüger! Die auf die nerven gehenden konflikte um diesen unbequemen Jesus von nazareth wären zufriedenstellend beendet. Obwohl es noch kein ordentliches strafverfahren ist, lesen sich die nächsten Verse unserer mitteilung wie ein Verhör im Gerichtssaal: Die hier angebrachte frau ist auf frischer tat 15


Die Steinigung des heiligen Stephanus. Rembrandt, Radierung 1635.

beim Ehebruch überführt worden. Das Gesetz schreibt vor, solche zu steinigen. Welches ist dein Urteil? Das zu sprechende Urteil schien unausweichlich! Weil Jesus schweigt, bohren die Ankläger mit weiteren Fragen nach, sie wollen sich nicht abwimmeln lassen, ohne eine eindeutige Antwort erhalten zu haben. Aber zunächst lässt Jesus sich nicht zu einer Auskunft herauslocken. Schließlich aber geht er in die Offensive. Seine Ankläger bekommen nun einen Bescheid, den sie nicht erwartet haben und der den Spieß umdreht: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Einem derartig bloßstellenden Angriff sind die Herren nicht gewachsen: Ihr wollt Richter über diese Frau sein und wie steht es bei euch? Wäret ihr nicht die Ersten, über die die Steinigung verhängt werden müsste? Tief getroffen verlassen die »frommen« Gesetzeswächter die Szene. Ist so das Prozess­ ende erreicht? Jesus hat sich zwar seiner Gegner entledigt, aber die angeklagte Frau steht weiter vor ihm. Jetzt macht Jesus aus Menschensicht einen verhängnisvollen Fehler. Auf die Feststellung, dass keiner geblieben sei, der ein Verdammungsurteil über die Frau gesprochen habe, schließt sich Jesus dem an: Ich verdamme dich auch nicht! Hätten seine entwichenen Widersacher diesen Ausspruch gehört, sie wären höchst erfreut sogleich zum Hohen Rat gelaufen, um Anklage gegen Jesus zu erheben. Hat Jesus das Gesetz außer Kraft gesetzt, obwohl er es abgelehnt hatte, sein Urteil als Richter zu verkündigen? Hat er seine behauptete Sendung durch sein Verhalten in Frage gestellt? 16

Jesus verdammt die ertappte Ehebrecherin nicht. Heißt das, dass er ihren Ehebruch gutheißt? So mag es scheinen. Es folgt aber noch das gewichtige Wort: »Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr.« Wird Jesu Niederlage so nur fromm verkleidet, um sie wenigstens auf den ersten Blick zu verschleiern? Jesus macht damit auf eine sehr wesentliche Aussage aufmerksam. Es gilt sehr genau zu unterscheiden zwischen dem Sünder und der Sünde. Den Sünder liebt Jesus, die Sünde verabscheut er. Dazu ist er gekommen, die Sünder selig zu machen. Und was heißt das für die Frau, die Ehebruch begangen hat? Deine Sünde ist dir vergeben! Aber wenn du an ihr festhältst, geht dir der Freispruch verloren. Doch in welcher Weise kann dem Gesetz Genüge getan werden? Die Zusage der Vergebung für diese Frau wird Jesus handfest untermauern, indem er sich für ihren Ehebruch ans Kreuz schlagen lässt. Jesus hebt das Gesetz nicht auf, sondern erfüllt es. Um uns das fest einzuprägen, ist dieser Schriftabschnitt für uns von nicht zu überschätzender Bedeutung: Gott liebt den Sünder und hat seine Schuld ans Kreuz getragen. Unnachahmlich hat Paulus das im 2. Korintherbrief 5,21 zum Ausdruck gebracht: »Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.« Das ist unsere großartige Chance, Zugang zu Gottes ewigem Reich zu erlangen. Unser erster Eindruck, dieser Abschnitt sei ein Irrläufer und gehöre nicht in die Bibel, ist als unhaltbar erwiesen. Dank ihm für seine uns erzeigte Liebe!  W Oktober 2011

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Philipp Jakob Spener Walter Rominger

keit. Es war der Rappoltsteiner Hofprediger Joachim Stoll, der dem jungen Mann eine mehr nüchterne Frömmigkeit vermittelte und ihn mit Johann Arndts (1555–1621) »Bücher vom wahren Christentum« (ab 1605) bePhilipp Jakob Spener wird zumeist kannt machte. 1651 kam Spener als der »Begründer« des Pietismus, als Student nach Straßburg, wo zumindest des lutherischen er 1653 den Magistergrad erangesehen, und sein Werk warb. In seiner Arbeit dazu »Pia Desideria« (1675) als befasste er sich als einer Inizialzündung des Pieder Ersten mit dem englitismus, um das herum schen Philosophen Thosich dieser bildete. Am mas Hobbes. 1654 bis 13. Januar 1635 wurde 1659 studierte er in er im elsässischen Ort Straßburg Theologie, Rappoltsweiler (heute wo ihn besonders JoRibeauvillé) geboren, hann Georg Dannhauwo sein Vater Jurist er beeinflusste, der ihm und Rat des Herrn lutherisch-orthodoxe von Rappoltstein war; Dogmatik vermittelte. seine Mutter stammSpener wusste um den te aus der bekannten Einfluss Dannhauers, Straßburger Familie konnte er doch noch Saltzmann. Der aus der kurz vor seinem Tode frommen Juristenfamiäußern, er sei bis auf lie stammende Spener einen Punkt, nämlich fiel bereits in jungen die Eschatologie, nicht Jahren seinen Hausvon Dannhauers Lehlehrern ob seines guten re abgewichen. 1663 Philipp Jakob Spener Gedächtnisses auf. In war Spener Prediger in 1635 bis 1705. seinen frühen LebensStraßburg und bereitete jahren kümmerte sich sich auf eine akademiseine Patin um ihn, die Gräfin Agatha von Rappoltstein, die auch sche Laufbahn vor. Diese Predigerstelle hatin Verbindung mit Valentin Andreä stand. Als te er durch Gönner erhalten. Mit einer Arbeit Spener 13 Jahre alt war, verstarb diese für ihn zur Johannesoffenbarung erwarb er sich 1664 so wichtige Bezugsperson, was den heranwach- den theologischen Doktorgrad. Im selben Jahr senden Jungen in lang anhaltende Todessehn- heiratete Spener. Doch seine geplante akademisucht stürzte, mit verursacht durch puritanische sche Laufbahn wurde dadurch verhindert, dass Erbauungsliteratur mit ihrer Jenseitsfrömmig- er den Ruf auf die Stelle eines Seniors der lutherischen Geistlichkeit in Frankfurt/Main erhielt und Pfarrer an der dortigen Barfüßerkirche wurde. Bevor Spener als Theologe und Erneuerer vor allem der lutherischen Kirche Bedeutung erlangte, wurde er, der auch eine gründliche Ausbildung zum Historiker erhalten hatte, mit genealogischen und heraldischen Arbeiten bekannt. Er gilt als der Begründer der wissenWalter Rominger schaftlichen Heraldik (Wappenkunde). Dadurch Die Anschrift des Autors hatte er auch Verbindung zum Adel. finden Sie auf Seite 30

Frühe Lebensjahre: Kindheit und Jugend, Studium, Prediger in Straßburg

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Innenansicht der Barfüßerkirche in Frankfurt (1786 abgerissen). Hier verbrachte Spener zwanzig prägende Jahre als Senior der Frankfurter Geistlichkeit. Dieser Zeitraum war entscheidend für die Aus­ bildung seines theologischen und kirchlichen Konzepts.

Senior in Frankfurt (1666–1686) Die 20 Jahre, die Spener Pfarrer an der Barfüßerkirche und Senior der Frankfurter Geistlichkeit war, waren, was die Ausbildung seines theologischen und kirchlichen Konzepts betrifft, die entscheidenden. Entstand doch in dieser Zeit auch die »Pia Desideria« (1675), die Reformschrift des Pietismus. In diesen 20 Jahren gewann Spener durch das Zusammenwirken seines kirchlichen Amtes und seiner fortgesetzten theologischen Studien, besonders zu Luther und zur Johannesoffenbarung, seinen theologischen Standpunkt und erkannte, wo er im Gegensatz zur durchschnittlichen altlutherischen Orthodoxie stand. Dabei ist zu beachten, dass die ersten zehn Frankfurter Jahre für die Ausreifung seiner pietistischen Gedanken besondere Bedeutung hatten. Denn Spener erkannte, dass die herkömmlichen Reformbestrebungen der lutherischen Orthodoxie unzulänglich waren. Denn in einem waren sich alle Reformbestrebungen einig. Sie strebten eine allgemeine Besserung der ganzen Kirche und damit ja der ganzen Gesellschaft an. Diese sollte mit Hilfe obrigkeitlicher Zucht- und Sittenordnungen gebessert werden. Zunächst hat Spener auch durch Bußpredigten in Zusammenarbeit mit dem Magistrat (Rat) Frankfurts in diese Richtung gearbeitet, wobei 18

er allerdings bei seinem Drängen auf schärfere Zucht- und Sittenordnungen vom Magistrat zu wenig unterstützt wurde. Als Spener 1669, ausgehend von Matthäus 5,20, eine Bußpredigt zur falschen Gerechtigkeit hielt, war nicht Umdenken oder gar eine Erweckung die Folge, sondern eher Widerstand im Kirchenvolk. In Speners Gemeinde trat eine Spaltung ein in einen kleinen Teil solcher, die offen für sein Anliegen waren, während der weitaus größere dafür hielt, Spener habe den evangelischen Trost vergessen und stattdessen papistische Lehre vorgetragen. Im Rückblick erkannte Spener gerade an dieser Predigt und den Reaktionen darauf, die Anfänge des Frankfurter Pietismus. Spener ging daran nämlich auf, dass eine Reform, die bei der ganzen Kirche (Volkskirche) ansetze, scheitern müsse, denn das hieße ja, dass aus der volkskirchlich geprägten Gemeinde eine solche wahrer Christen entstehen sollte, d. h. dann auch: aus dem deutschen Volk ein christliches Volk. Doch es gab, wie die Wirkung seiner Predigt auch zeigte, Gruppen ernsthafter Christen in der volkskirchlich geprägten Gemeinde. Damit wird zusammenhängen, dass Spener bereits im Herbst 1669 im Gottesdienst dazu aufrief, gute Freunde sollten sich sonntags anstatt zum Kartenspielen zur Lektüre eines Erbauungsbuches oder zur Besprechung der gehörten Predigt zusammenfinden. Eine besondere Sammlung der Frommen bedeutete das Oktober 2011

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noch nicht, wenngleich die Idee dazu darin be- angekündigte Geschichtsablauf zu ende ginge, reits angelegt sein dürfte. In gewisser Hinsicht wennschon er auch bereits in seiner straßburger waren ihm jedoch darin einige freunde bereits Zeit, als er sich in seiner theologischen Promotivoraus. Denn 1670 traten sie an ihn heran, eine on zur Johannesoffenbarung damit zu befassen Vereinigung für erbauliche Gespräche durchzu- hatte, anfragen daran hatte, so kam er jetzt zur führen. Doch spener musste vor der trennung Vorstellung einer »Hoffnung besserer Zeiten«, von der kirche im gleichen Jahr noch warnen, entgegen den ansichten der Orthodoxie. Lange da unter seinen Predigthörern auch kirchenkriti- war er sich darin nicht im klaren, doch in seiner sche Ideen vorhanden »Pia Desideria« (1675) waren. Die spätere se- mm DiemAussagemSacharjam14,9,mwonachm hat er für die »Hoffparation in frankfurt esmammAbendmdermWeltmnochmeinmalm nung besserer Zeiten« könnte darin bereits für sich die Gewissheit angelegt sein. spe- lichtmwerdenmwird,mließmSpenermzurmHoff­ erlangt, wobei er in ner stimmte der ein- nungmaufmbesseremZeitenmkommen.mAllem der ausformung dieser richtung erbaulicher Religionsspaltungmwirdmüberwundenm Hoffnung recht zuGesprächskreise nach rückhaltend blieb. er Zustimmung auch ei- seinmundmallemFrommen,mJudenmundmHei­ ging jedoch davon aus, niger amtsbrüder zu, den,mwerdenmmiteinandermGottmloben.m dass noch nicht alle jedoch unter der beund neutestamentDiemKirchemwirdmsichmdemnachmübermdiem altdingung, dass er daran lichen aussagen erfüllt beteiligt sei. ab au- ganzemWeltmausbreiten,mdiemKonfessio­ seien, so dass ihre ergust 1670 fand zwei- nenmwerdenmaufeinandermzugehen. füllung in dieser Zeit mal pro Woche diese vor dem Jüngsten tag Zusammenkunft statt. zu erwarten sei. In dieDieses Collegium pietatis war für jeden offen. sem Zusammenhang kam er auch zu einer teilfrauen durften nicht das Wort ergreifen. Zum weisen kritik an Luther, der guter ausleger des beginn sprach spener ein Gebet und las aus ei- apostels Paulus gewesen sei, jedoch ein unvollnem erbauungsbuch. nach vier Jahren wurde kommener, was die prophetischen Verheißundann nicht mehr erbauliches schrifttum gelesen, gen angehe. spener ging, ausgehend von rösondern nur noch die bibel, an deren auslegung mer 11,25f. von der bekehrung der Juden aus. auch »Laien« beteiligt waren. Damit war gegen- Und er bezog, wie dies traditionell auch üblich über der lutherischen Orthodoxie ein deutlicher war, Offenbarung 18 und 19, den sturz babels, Wandel vollzogen, weil diese die auslegung auf das Papsttum, wenn schon er daraus einen lediglich dem Predigtstand zubilligte. freilich, anderen schluss zog. Während die Orthodoxie auch mit der einführung dieses Collegium pi- den stutz babels in der reformation als erfolgt etatis hat spener nicht an die trennung von der ansah, war dies für spener, zu dessen Zeit das kirche gedacht, wie übrigens auch später nicht, Papsttum wieder erstarkt war, wie gegenwärtig wiewohl separatistische anschauungen Labadies auch, ein noch zukünftiges ereignis. Doch, so (1610–1674) spener nicht unbekannt waren. spener, die römisch-katholische kirche wird Während Labadie die wahre ecclesiola (das wah- sich wandeln. re kirchlein) anstrebte, formte spener diesen eine ausweitung der Hure babels auf alle Gedanken um zur ecclesiola in ecclesia (kirch- großen konfessionen, wie das radikale Pietisten lein in der kirche), wie er seit 1676 seine pie- immer wieder – bis heute – tun, lehnte spener tistische reform beschrieb. spener hatte damit ab. kirchlicher und radikaler Pietismus sind im die reformversuche der Orthodoxie gänzlich Verständnis »babels« getrennt. Die aussage gewandelt. Während diese durch die besserung sacharja 14,9, wonach es am abend der Welt der Unfrommen die kirche bessern wollten, er- noch einmal licht werden wird, ließ spener zur kannte spener, dass dies auf diesem Wege nicht Hoffnung auf bessere Zeiten kommen. alle reginge und wollte durch sammlung und förde- ligionsspaltung wird überwunden sein und alle rung der frommen eine besserung der kirche frommen, Juden und Heiden, werden miteinerreichen. Damit war ein nicht zu übersehender ander Gott loben. Die kirche wird sich demnach und zu unterschätzender Wechsel eingetreten. über die ganze Welt ausbreiten, die konfessioan einem weiteren Punkt vollzog spener eine nen werden aufeinander zugehen. Offenbarung abkehr von der Orthodoxie, nämlich bei der 20 lässt spener ein zukünftiges tausendjähriges eschatologie. Dachte er ursprünglich wie diese, reich erwarten, wobei er nicht, wie dies schon der Jüngste tag stünde kurz bevor, da der bei oft geschah, in spekulationen zu ausbruch und Daniel und in der Offenbarung des Johannes Dauer dieses verfallen ist. InfOrmatIOnsbrIef 268

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In frankfurt sorgten indes andere Vorkomm- Das änderte aber nichts daran, dass spener bis nisse als das erscheinen der »Pia Desideria« an sein Lebensende an der Vorstellung der ec(1675) für aufsehen. spener hatte der bildung clesiola in ecclesia festgehalten hat. Da spener neuer konventikel zugestimmt in der meinung, das amt in frankfurt immer mehr verleidete, fiel heterodoxe (andersgläubige, häretische) an- es ihm nicht schwer, auf den rat von freunden schauungen seien nicht vorhanden und hatte die hörend, 1686 auf die stelle eines kursächsischen Grenze zur schwärmerei deutlich aufgezeigt. Oberhofpredigers nach Dresden zu wechseln. Hierin hatte sich spener jedoch getäuscht. Dynamik und radikalität waren in frankfurt wie auch an anderen Orten (Darmstadt, traben- »Pia Desideria« trarbach) in der neuen bewegung stärker als (1675) dies spener annahm. spener gelang es, den anlass zu speners »Pia Desideria« war die ihm von orthodoxer seite gemachten Vorwurf des enthusiasmus abzuweisen. Doch ein inzwi- neuausgabe der evangelienpostille Johann schen Jahre zurückliegender brief des frankfur- arndts, zu der der frankfurter Verleger Johann ter Juristen Christian fende, in welchem dieser David Zunner im frühjahr 1675 spener um die lutherische Lehre angegriffen hatte, konnte eine Vorrede bat. spener hat in dieser Vorrede in relativ kurzer form das argument liefern, ein ein umfangreiches reformteil der Pietisten frankfurts mm ImmBlickmaufmdiemGemeindem programm vorgestellt. behabe die lutherische kirche mahntemSpenermeinemReformm kannte und freunde hat verlassen. Daraufhin ging er um stellungnahmen spener auf Distanz zu die- desmTheologiestudiumsman.m gebeten, die fast alle zusen frankfurtern. 1682 war Esmsolltemmehrmpraxisbezogenm stimmten. Im Herbst 1675 damit eine spaltung in der erfolgenmundmdiemPhilosophiem brachte spener diese Vorpietistischen bewegung einrede als gesondertes Werk getreten. Drei Jahre später, ausgedünntmsowiemdiempraxism heraus und gab ihm den 1685, widersprach spener pietatismgestärktmwerden.mFürm titel »Pia Desideria oder in seiner schrift »Der klagen über das verdorbene diemPredigtmmachtemSpenermgel­ Herzliches Verlangen nach Christentum missbrauch tend,msiemsollemnichtmalleinmlehr­ Gottgefälliger besserung der wahren evangelischen und rechter brauch« dem haftmseinmundmdenmVerstandm kirchen«. Um diese reansinnen, auch die lutheformvorschläge gruppierrische kirche auf die seite ansprechen,msondernmauchm te sich der Pietismus und babels zu bringen. er ver- missionarischmundmseelsorger­ trat die ansicht, aus dem lichmundmzudemminmdermPolemikm erhielt eine gemeinsame Grundausrichtung, so vielkritikwürdigen, verdorbegestaltig er auch wurde. nen kirchlichen Leben sei zurückhaltendmsein. speners »Pia Desideria« nicht falsche Lehre abzuleiten. mangelnde Orthopraxie bedeutet nicht ist dreigeteilt. auf die Diagnose, in welcher falsche Orthodoxie. Und er erteilte der separati- spener den verderbten Zustand der kirche feston von der kirche, wie er dies immer getan hat, stellt, folgt die Prognose einer künftigen besseeine absage. er konnte nicht verhindern, dass rung, da die erfüllung biblischer Verheißungen sich radikale Pietisten von der lutherischen kir- ja noch ausstehe. erst der dritte teil enthält che trennten. manche dieser zogen aus frank- das reformprogramm, wobei es sechs mittel furt weg, sogar bis nordamerika. Durch diese sind, die spener zur besserung empfahl. Dem separation war speners ansehen in frankfurt Obrigkeitsstand machte spener den Vorwurf, angeschlagen und sein reformwerk zumindest die kirche für seine Zwecke zu benutzen. Der zunächst zerschlagen. Der rat unterstützte sei- Predigerstand habe in der mehrzahl zu wenig ne Verbesserungsvorschläge wie einführung lebendigen Glauben. Dem Laienstand fehle es der konfirmation, reform des beichtwesens, an christlicher bruderliebe und einem frommen Durchführung von katechismusexamen und Lebenswandel. auffallend ist, dass spener in bessere einteilung der kirchspiele nicht. 1682 seinem reformprogramm zur Obrigkeit nichts verlegte spener selbst das Collegium pietatis in sagte, sondern offensichtlich nur noch vom die barfüßerkirche, in welchem außer ihm fast Prediger- und Laienstand besserung erwartete. nur noch theologiestudenten sprachen. an konkret nennt spener sechs Punkte. Zum einen seinen späteren Wirkungsstätten Dresden und ein vermehrtes bibelstudium der Laien angeberlin sah spener von den Collegia pietatis ab. sichts beginnender bibelkritik und mangelnder 20

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Der bekannte lutherische Theologe Abraham Calov – auf seine Empfehlung hin fanden im 17. Jahrhundert in ganz Deutschland Katechis­ musübungen statt. Bibelkenntnis, was dazu führte, dass der Pietismus zu einer Bibelbewegung wurde. Weiter sprach sich Spener für die Praktizierung des allgemeinen Priestertums mündiger »Laien« aus, um eine reine Pastorenkirche, die ja bereits von Luther abgelehnt war, zu korrigieren. Drittens forderte Spener ein überzeugtes Christentum der Tat, damit der christliche Glaube nicht ein nur vorgegebener sei. Diakonie war auch immer ein Kennzeichen des Pietismus. Im Blick auf die Gemeinde mahnte Spener eine Reform des Theologiestudiums an. Es sollte mehr praxisbezogen erfolgen und die Philosophie ausgedünnt, sowie die praxis pietatis gestärkt werden. Für die Predigt machte Spener geltend, sie solle nicht allein lehrhaft sein und den Verstand ansprechen, sondern auch missionarisch und seelsorgerlich und zudem in der Polemik zurückhaltend sein. Und schließlich forderte Spener »collegia pietatis«, Versammlungen derer, »die mit Ernst Christen sein wollen« (Luther), wobei es zur Aussprache zwischen »Geistlichen« und »Laien« kommen sollte. Damit sollte auch die damals noch weithin übliche Hausandacht gestärkt werden. Doch weil Widerstand der OrInformationsbrief 268

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thodoxie dagegen stand und Separation Vorschub geleistet wurde, stellte Spener das Bemühen um die »Stunde« hintan, so dass sich diese lediglich in Württemberg nach kirchenbehördlicher Regelung entfalten konnte. Sieht man nur auf die Einzelforderungen Speners, dann erscheinen sie nicht besonders originell, da die Vorschläge in ihrer Mehrzahl auch bereits von Reformern aus der lutherischen Orthodoxie vorgebracht worden waren. Und dennoch geht Spener wesentlich über die Reformer der lutherischen Orthodoxie und auch seinen geachteten Lehrer Dannhauer hinaus. Spener wollte bei seinen Reformen bei der Sammlung und Förderung der Frommen ansetzen und die Unfrommen zurückstellen. Andere setzten bei ihren Reformen immer bei der Besserung der Unfrommen an. Mit seinem veränderten Ansatz führte Spener über die Orthodoxie hinaus. Schon deshalb, und ebenso durch ihre Wirkungsgeschichte, kann Speners »Pia Desideria« als Beginn des Pietismus angesehen werden. Sie fand ein weites Echo, so dass sofort eine zweite Auflage nötig wurde. Um sie auch im Ausland bekannt zu machen, übersetzte sie Spener 1678 ins Lateinische. Er selbst ging in den 30 Jahren nach seiner »Pia Desideria« nie über diese hinaus, so dass die Einschätzung des alten Spener zutreffend sein dürfte, dass in der »Pia Desideria« »wirklich bereits alles enthalten ist, was ich nachmal gelehrt oder getrieben« habe (Wahrhaftige Erzählung vom Pietismus, 1697, S. 52).

Sächsischer Oberhofprediger (1686—1691) Mit seiner Berufung als sächsischer Oberhofprediger nach Dresden war Spener auf die damals wohl einflussreichste Stelle für einen lutherischen Geistlichen in Deutschland gewechselt. Damit konnte er mehr Einfluss auf den Pietismus nehmen. In dieser Zeit begann der Pietismus sich im bis dahin von der Orthodoxie beherrschten Luthertum verstärkt durchzusetzen. 1688 wurden in Sachsen auf einen Landtagsbeschluss hin Katechismusübungen eingeführt. Spener hatte für derartige Übungen bereits 1677 seine »Einfältige Erklärung der christlichen Lehre nach der Ordnung des kleinen Catechismi« verfasst, welcher allerdings nicht dem Auswendiglernen, sondern dem Meditieren und der Einführung in das Bibellesen dienen sollte. Darauf fanden bald in ganz Deutschland an den Sonntagnachmittagen Katechismusübungen statt, welche der 21


Die Kulissenbibliothek an der Reformuniversität Halle/Saale. Durch Speners Einfluss als Berliner Propst erhielt August Hermann Francke hier eine Professur und die Stadt Halle wurde das Zentrum des Pietismus. damals bekannte lutherische Theologe Abraham Calov (Wittenberg) empfahl. Spener musste seine Katechismusübungen mit Erwachsenen und Kindern, die in seinem Haus stattfanden, schon bald in die Dresdner Schlosskapelle verlegen, weil das Interesse so groß war. Doch neben diesen »Erfolgen« gab es auch »Niederlagen« für Spener. Mit seinem Landesherrn Johann Georg III. (1647–1691) wurde er nicht recht warm. Vertrauen gewann er hingegen bei dessen Ehefrau Anna Sophia und Damen aus dem Adel, etwa bei Henriette von Gersdorf, der Großmutter Zinzendorfs. 1690 kam es in Leipzig und Hamburg zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Pietismus und Orthodoxie. Im Mittelpunkt der Leipziger Auseinandersetzung stand August Hermann Francke, in Hamburg Speners Schwager Johann Heinrich Horb und seine pietistischen Anhänger. Um den Pietismus zu unterdrücken, forderte das orthodoxe Predigerministerium einen neuen Religionseid, wogegen sich Spener in einem Gutachten wandte. In seiner Schrift »Die Freiheit 22

der Gläubigen« nahm er dann 1691 ausführlich dagegen Stellung und zwar vom reformatorischen Freiheitsbegriff her, der sich ursprünglich gegen das Papsttum richtete, den er jetzt aber gegen eine neue Tyrannei der orthodoxen Geistlichkeit wandte. Kurz nach Ausbruch der Streitigkeiten war Spener von Dresden nach Berlin übergesiedelt. Er wechselte damit auf eine im Verhältnis zu Dresden weniger wichtige Stelle, als er Propst an St. Nikolai und Berliner Konsistorialrat wurde.

Berliner Propst (1691—1705) Und obwohl sich Spener was seine Stellung anlangte, verschlechterte, so erreichte er doch in diesen knappen 15 Jahren in Wirklichkeit den Höhepunkt seines kirchlichen Einflusses. Er konnte die pietistische Bewegung besser formen und leiten als zuvor. Das hing auch mit der Politik religiöser Toleranz der Hohenzollern zusammen, welche für die pietistische BeweOktober 2011

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gung nützlich war. Dennoch, auch in diesen so freiheit hatte. es handelt sich aller Wahrscheinfruchtbaren Jahren, blieb er von streitigkeiten lichkeit nach um das umfangreichste briefwerk nicht verschont. Die noch während seiner letz- im 17. Jahrhundert. mit allen sozialen schichten Zeit in Dresden beginnenden Leipziger und ten stand spener in brieflicher Verbindung, was Hamburger auseinandersetzungen, der größte ihm einen großen einfluss auf adel und bürstreit zwischen Orthodoxie und Pietismus, ver- gertum verschaffte, ebenso aber auch auf Handfolgten ihn in berlin auch noch. er verteidigte werker und bauern. Die Liste der adligen und bürgerlichen frauen, mit in streitschriften den Pietisdenen spener in briefverbinmus. Zwar ging es auch um mm WennmSpenermalsmderm dung stand, ist lang. Durch das recht der konventikel BegründermdesmPietismusm die Veröffentlichung seiner und wie sich das pietistische Vollkommenheitsstreben angesehenmwerdenmkann,msom briefe blieb spener auch den folgenden Generationen ein mit der lutherischen recht- istmseinemBedeutungmnichtm wichtiger Gesprächspartner. fertigungslehre vertrage, im Und dennoch gingen Wesentlichen jedoch um die hochmgenugmeinzuschätzen,m kannmdochmdermPietismusmalsm streitereien an spener auch Zukunftshoffnung speners. in seinen letzten Lebensjah1692 veröffentlichte spe- diemgrößtemgeistlichemBewe­ ren nicht vorbei. Der berliner seine »behauptung der ner beichtstuhlstreit (1695– Hoffnung besserer Zeiten«. gungmseitmdermReformationm 1698) erreichte ihn. sein Darin deckte er sich nicht betrachtetmwerdenm…mWasm mehr mit der durchschnittli- seinemBedeutungmanlangt,msom berliner amtsbruder Johann Caspar schade verkämpfte chen orthodoxen Lehre von der endzeit, wies aber auch durftemimm17.mJahrhundertmimm sich für die abschaffung des einen überzogenen Chilias- deutschenmProtestantismusm beichtstuhls. solch radikalen Pietismus mus ab. Von orthodoxer seiniemandmSpenermgleichge­ teilte spener nicht, wiewohl te wurde gegen ihn der Vorihm in seiner Zeit als frankwurf erhoben, von artikel 17 kommenmsein. furter senior der beichtstuhl des augsburger bekenntnisses abzuweichen, worauf spener entgegnete, in ebenfalls anstößig erschien. seine letzte große diesem artikel werde der gewaltsame Chilias- auseinandersetzung erwuchs spener im sozimus der Wiedertäufer verworfen, nicht jedoch anismus, der die trinität bestritt. sozianer aus der Glaube an ein herrliches reich Christi auf Polen hatten in der mark brandenburg Zuerden. nachdem die Wittenberger fakultät 284 flucht gefunden und verbreiteten ihre Ideen Irrtümer speners, von denen 263 gegen Lehr- auch in berlin. spener erkannte in der bestreiartikel des augsburger bekenntnisses gerichtet tung des trinitätsdogmas die größte Gefahr für seien, herausgefunden zu haben meinte, ant- die kirche seiner Zeit. anbetrachts einer islamiwortete spener 1695 mit der umfangreichen schen bedrohung dürfte dies gegenwärtig kaum »aufrichtigen Übereinstimmung mit der augs- anders sein. Deshalb verfasste spener ein Werk gegen den sozianismus. burgischen Confession«. als er im sommer 1704 schwer erkrankte, Positiv wirkte sich speners stellung in berlin dahingehend aus, dass aus anderen Ländern musste damit gerechnet werden, er könne es vertriebene pietistische Prediger aufgrund seiner nicht mehr vollenden. Doch dank ärztlicher aktivitäten in brandenburg-Preußen anstellun- Hilfe wurde seinem Leben eine spanne zugegen fanden. Weiter war es ihm möglich, für den setzt, so dass er sein Werk noch vollenden konnaus Leipzig und danach aus erfurt vertriebenen te. spener verstarb am 5. februar 1705, drei august Hermann francke eine Professur für die Wochen nach seinem 70. Geburtstag. Jedoch reformuniversität Halle/saale zu bekommen. erschien sein antisozianisches Werk »VerteidiDurch speners einfluss wurde Halle das Zent- gung des Zeugnisses von der ewigen Gottheit rum des Pietismus. 1697 brachte spener die Christi« erst posthum 1706. Hierbei ist zu be»Wahrhaftige erzählung vom Pietismo« heraus, achten: Während abraham Calov, Vertreter der worin er die Geschichte dieser bewegung auf- lutherischen Orthodoxie am Übergang zum Pietismus, den sozianismus noch an jedem dogzeigte. Dann jedoch zog er sich 1698 aus dem streit matischen Punkt widerlegte, konzentrierte sich mit der Orthodoxie zurück. er widmete sich spener auf die Christologie, was bereits auf die nun der Herausgabe seines umfangreichen brief- christologische konzentration des späteren Piwechsels. Wie umfangreich dieser gewesen ist, etismus vorausweist, die besonders ausgeprägt zeigt sich daran, dass er das Privileg der Porto- bei nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf war. InfOrmatIOnsbrIef 268

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Spener der »Gründer« des lutherischen Pietismus?!

ein mann der kirche Jesu Christi. auch wenn man bei ihm Ähnlichkeiten zur aufklärung erblicken mag, seine Offenheit für naturrecht und Wenn spener als der begründer des Pietismus naturwissenschaft, seine Hoffnung auf bessere angesehen werden kann, so ist seine bedeutung Zeiten, was ähnlich dem fortschrittsdenken nicht hoch genug einzuschätzen, kann doch der der aufklärung ist, auch wenn ihm gegenüber Pietismus als die größte geistliche bewegung Vertreter der theologischen aufklärung positiv seit der reformation eformation betrachtet wereingestellt waren (z. b. Johann saloden. spener pener dürfte mehr den mo semler), die sich ansonsten Pietismus ausgelöst haben als vom Pietismus abgrenzten, der etwa 80 Jahre ältere lu so war er doch der erste luJohann arndt, rndt, der Vertherische theologe, der fasser der »Vier bücher ücher den rationalismus als vom wahren Christen-Gefahr für die kirche tum«, obwohl nicht erkannte. Weiter war allein manche bei spener weit blickend, ihm den Ursprung weil er erkannte, des Pietismus sehen dass zwischen dem und, was vielleicht christlichen Glauben mehr zählt, spener und der modernen selbst sich immer Welt ein bruch entals schüler arndts standen ist. Daraus gesehen hat. Doch entstand für ihn die arndts Impulse haaufgabe, als erster ben anders gewirkt eine christliche ethik als die von spener: zu verfassen. spener sie brachten keine blieb auch immer innerkirchliche (reein mann der kirJohann Salomo Semler war als Vertreter der form-)bewegung che und hat, wie wir theologischen Aufklärung Spener gegenüber hervor, sondern sahen, separation durchaus positiv eingestellt. wirkten zum teil immer eine absage auf die lutherische erteilt. als VertreOrthodoxie ein; zum teil wirkten sie außerhalb ter der lutherischen kirche verteidigte er deren der kirche. freilich waren bei arndt die ansätze rechtfertigungslehre gegen die tridentinische zum Pietismus vorhanden, wenn dann auch eher in seiner schrift »Die evangelische Glaubensgeals frömmigkeitsrichtung, die den akzent von rechtigkeit« (1686). Hat spener zu seiner Zeit der Lehre auf das Leben, von der rechtgläu- an ökumenischen einheitsplänen und zu Unibigkeit auf die frömmigkeit, von der rechtfer- onsbestrebungen zwischen Lutheranern und tigung auf Wiedergeburt und neues Leben leg- reformierten, die Leibnitz betrieb, die dann ten. Diese Impulse hat spener, darin durchaus nicht kamen, auch nicht mitgewirkt, so hat er schüler arndts, aufgenommen, aber diese dann doch zum Gedanken der einheit aller wahin eine reformbewegung transformiert, die in ren Christen beigetragen, wobei diese einheit der Lage war, das lutherische kirchentum neu ja auch alles andere als eine erzwungene und zu gestalten. Durch arndt wurde die lutherische verordnete und durch kirchenverhandlungen Orthodoxie kritisiert, durch spener antiquiert. erreichte ist, sondern eine geistliche. Dies sind Obwohl zu Lebzeiten speners freilich theo- Überlegungen, die noch lange nicht überholt logen, erbauungsschriftsteller, geistliche Dich- sind. spener hat – und hat dies von sich auch ter usw. wirkten, so hebt er sich doch im Ver- bestimmt nicht geglaubt, betrachtete er sich gleich mit diesen über diese hinaus. Was seine doch als getreuen sohn der lutherischen kirche bedeutung anlangt, so durfte im 17. Jahrhun- – Luther nicht erreicht. aber wahrscheinlich ist dert im deutschen Protestantismus niemand ab der Generation nach Luther niemand mehr spener gleichgekommen sein. Und ist er auch bis auf spener in der lutherischen kirche aufgeder begründer des Pietismus, so reicht er auch treten, wohl auch kaum in den reformatorischen über diesen hinaus. er ist nicht allein ein oder gar kirchen jener Zeit (von Calvin einmal abgeseder mann des Pietismus, sondern ein mann der hen, der eine Generation jünger als Luther war), lutherischen kirche und abgesehen von allem der an bedeutung und nachhaltiger (positiver) W konfessionalismus und weit wichtiger als dies, Wirkung an spener heranreicht. 24

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Aus Kirche und Gesellschaft Pfarrer und Evangelist Wilfried Reuter †

sion Deutschland und mitglied im Hauptvorstand der Deutschen evangelischen allianz, des idea-trägervereins und gehörte einige Jahre zum bundesarbeitskreis der bekenntnisbewegung »kein anderes evangelium«. (Quellen der nachricht: ideaspektrum 27/2011, 6. Juni 2011, s. 8; dzm aktuell 3/2011, Juli – september 2011, s. 10)

Badens Lutheraner stellen erste Pfarrerin an

Der ERF zeigt auf seiner Internetseite ein außer­ ordentlich interessantes Interview mit Wilfried Reuter aus der Reihe »Wert(h)e Gäste«: www.erf.de/2509­Werthe_Gaeste.html?reset=1 Wilfried reuter, der Vielbegabte – Pfarrer, evangelist, sänger, Übersetzer – starb im Juli nach langer schwerer krankheit im alter von 71 Jahren in reichelsheim/Odenwald, wo er seinen ruhestand verbrachte. reuter war einige Jahre begleiter des evangelisten Dr. Gerhard bergmann von der Deutschen Zeltmission (siegen), unter anderem als evangeliumssänger. Zehn Jahre war er bei der Deutschen Zeltmission. Zuletzt leitete er von 1994 bis ende 2003 das Geistliche rüstzentrum krelingen (bei Walsrode), das größte pietistische Zentrum norddeutschlands. In den Usa hatte reuter theologie, anglistik und Gesang studiert und war 1967 in der Us-episkopalkirche ordiniert worden. nach seinem Dienst bei der Deutschen Zeltmission übernahm er die Leitung der bibelschule bergstraße von 1977 bis 1983. Von 1983 bis 1993 war er beim amt für missionarische Dienste der hessen-nassauischen kirche. er wirkte als Übersetzer von billy Graham bei dessen evangelisationen in Deutschland. 1994 erhielt reuter die ehrendoktorwürde des theologischen seminars Gordon-Conwell (bei boston/massachusetts). reuter nahm einige ehrenämter wahr: 15 Jahre lang (bis 2007) war er Vorsitzender der Deutschen evangelistenkonferenz, außerdem Vorsitzender des christlich-humanitären Hilfswerkes World ViInfOrmatIOnsbrIef 268

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Die evangelisch-Lutherische kirche in baden (3200 mitglieder in sieben Gemeinden; sie ist mitglied der arbeitsgemeinschaft Christlicher kirchen [aCk] in baden-Württemberg und im Lutherischen Weltbund) hat in ihrer 160-jährigen Geschichte erstmals eine Pfarrerin: seit ende Juli Cornelia Hübner (freiburg). Die theologin hatte ihr Vikariat in der württembergischen Landeskirche absolviert und war dann 25 Jahre lang Pfarrerin der evangelisch-Lutherischen kirche in den niederlanden (in almere). bereits 1984 hat, so superintendent Christof schorling, die synode dieser kleinen freikirche den Weg für die berufung von Pfarrerinnen frei gemacht. seither hatte die evangelisch-Lutherische kirche in baden, die selbst keine Pfarrer ausbildet, sondern diese aus anderen lutherischen kirchen übernimmt, zwar etliche male eine stelle zu besetzen, hat aber immer Pfarrer gefunden. Da dies in diesem fall jedoch nicht der fall war, hat sie, so superintendent schorling, beim Lutherischen Weltbund nachgefragt und sei auf Cornelia Hübner gestoßen; jetzt freut man sich über die Zusammenarbeit mit ihr. schorling akzeptiert die entscheidung der selbständigen evangelisch-Lutherischen kirche (seLk), die keine frauen ordiniert, dass seLk-Pfarrer nicht zusammen mit einer Pfarrerin Gottesdienst halten dürfen. Der Unterschied zur unierten badischen kirche bestehe darin, dass bei dieser neben Luthers katechismen auch der Heidelberger katechismus der evangelisch-reformierten kirche gelte. (Quelle der nachricht: ideaspektrum 28/29/2011, 13. Juli 2011, s. 33, südwest)

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Alarmierende Prognose Ist die anglikanische Kirche von England in ihrer derzeitigen Form vom Aussterben bedroht? Die anglikanische kirche von england könnte nach befürchtungen ihrer eigenen Generalsynode binnen 20 Jahren in ihrer derzeitigen form aussterben. einige Projektionen ließen annehmen, dass die Church of england zu diesem Zeitpunkt »funktional nicht mehr vorhanden« sein könnte, erklärte Patrick richmond, teilnehmer der kirchenversammlung. »Der regelrechte sturm, den wir am Horizont rasch

aufziehen sehen, sind die alternden Gemeinden«, sagte richmond. Das Durchschnittsalter liege bei 61 Jahren, in vielen Pfarreien sogar darüber. Zudem stünden immer weniger seelsorger zur Verfügung. bereits um das Jahr 2020 seien zunehmend einbrüche der mitgliederzahlen aufgrund »natürlicher abgänge« zu erwarten. Weitere zehn Jahre später sehen manche Hochrechnungen die Church of england »insgesamt funktional nicht mehr vorhanden«. Der Leiter der kirchlichen Güterverwaltung, andreas Whittam smith, warnte vor den folgen dieser »demographischen Zeitbombe«. ein Problem sei, dass der niedergang kaum wahrnehmbar erfolge. (Quelle der nachricht: südwestpresse vom freitag, 22. Juli 2011, Christliche Welt, nach kna)

Buchrezension Glenn M. Penner: Im Schatten des Kreuzes. Verfolgung und Christusnachfolge – eine biblische Theologie Witten 2011, SCM R. Brockhaus, 432 Seiten, Paperback, 16,95 Euro, ISBN 978­3­417­26385­ 5, Bestell­Nr. 226.385; Englischer Originaltitel: »In the Shadow of the Cross. A Biblical Theology of Persecution and Discipleship«, Living Sacrifice Books, Bartlesville/Oklahoma, © 2004 by Glenn M. Penner man kann bei der Darlegung biblischer theologie unterschiedliche schwerpunkte setzen und verschiedene Linien des biblischen Zeugnisses herausarbeiten. Unter dem Gesichtspunkt Verfolgung und Christusnachfolge wurde m. e. zumindest in der westlichen Welt bislang wenig gearbeitet, was viel über situation und Zustand der Christen und der kirchen hierzulande aussagt. somit stößt das umfangreiche Werk des einstigen kanadischen Pastors, Professors und Geschäftsführers des kanadischen Zweiges von »Voice of the martyrs« (stimme der märtyrer), der anfang 2010 nach langer krankheit mit erst 48 Jahren verstarb, in eine solche Lücke und schließt diese. es ist zu begrüßen, dass dieses umfangreiche standardwerk, das auch in der theologenausbildung Verwendung findet, nun also auch auf Deutsch vorliegt. Im aufbau ist Penners gründlich gearbeitetes buch (673 anmerkungen, Literaturverzeichnis umfasst acht dicht bedruckte seiten) an die reihenfolge der 26

biblischen bücher angelehnt. seine exegetischen studien zeigen, dass von 1.mose bis hin zur Offenbarung Verfolgung ein Grundthema biblischer theologie ist. eine Linie erstreckt sich gewissermaßen von 1.mose 3,15 bis zum endsieg Gottes und »des Lammes der frau«. Penner will in seinem buch aufzeigen, dass Leiden Gott nicht fremd sind und stellt anschließend die Lehre Jesu und seiner apostel zu Verfolgung und deren Verkündigung und Praxis dar. außer dass das evangelium allen Völkern verkündigt sein muss, bevor Jesus wiederkommt (matthäus 24,14), muss auch die Vollzahl der märtyrer erreicht sein (Offenbarung 6,9–11), so die Überzeugung Penners. sein buch bietet gerade westlichen, im Leiden bisher unerfahrenen Christen tiefe einblicke und stellt sie vor Herausforderungen. Denn entgegen einer tendenz zu erfolgsevangelium und Wellnessreligion ist daran festzuhalten und zu erinnern, dass Christsein eben gerade nicht bedeutet, Jesus mache das Leben schöner und angenehmer. Vielmehr ist Glenn m. Penner der Überzeugung: »Leiden um Christi willen ist ausdrücklich teil deiner berufung. Weil Gott aus Liebe leidet – und weil in Christus der Weg durch Leiden und sterben zur kraft und zum sieg geht, darum muss sich diese ›methode Gottes‹ auch in deinem Leben durchziehen, wenn du Diener in seinem weltweiten auftrag sein willst.« Walter Rominger OktOber 2011

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InfoSpezial

Übersicht lieferbarer Titel in Kurzfassung, ab sofort auch als pdf-Datei per E-Mail

Diese Sonderdrucke bestellen Sie bitte auf Spendenbasis im Sekretariat der Bekenntnisbewegung, 88524 Uttenweiler, Jakob-von-Stein-Straße 5, Telefon (07374) 92 05 42, Fax 92 05 43, E-Mail: Bekenntnisbewegung@t-online.de Das Erscheinungsjahr der jeweiligen InfoSpezial ist nach dem Autorennamen aufgeführt.

Bibel/Übersetzungen Nr. 38: Vom Geheimnis der Bibel (Bergmann – 2003) Nr. 60: Der Name Gottes (Mayer – 2005) Nr. 72: Neue Bibelübersetzun­ gen unter der Lupe (Felber, Rothen, Wick – 2005) Nr. 73: Zuverlässigkeit vor leichter Verständlichkeit (Felber, Hafner, Rothen, Wick – 2005) Nr. 82: Christus der verborgene wahre Messias (Leiner – 2006)  Nr. 84: Die heilige Schrift (Slenczka – 2006)

Nr. 93: Kritische Anmerkung zur »Bibel in gerechter Sprache«. Die Anbetung der Weiblichkeit Gottes und das Bilderverbot (Slenczka – 2007)

Nr. 48: Ist die evangelische Kirche noch Kirche des Evange­ liums? (Hellenschmidt – 2003)

Nr. 158: Eintracht und Zwietracht in der Kirche (Slenczka 2011)

Nr. 61: Wir brauchen verbindli­ che Lehre (Zschuppe – 2005)

Predigten/Andachten/ Gebete

Nr. 62: Kriterien für den rech­ ten Gottesdienst (Kelter – 2005) Nr. 64: Warum glauben wir an den dreieinigen Gott? (Leiner – 2005) Nr. 65: Was heißt an Gott, den Schöpfer, glauben? (Leiner – 2005) Nr. 78: Auseinandersetzung um die Lehre von der Endzeit (Rominger – 2005) Nr. 95: Kirche wohin? Die Gemeinde Jesu Christi und die Kirche (Hellenschmidt – 2007) Nr. 96: Was heißt Kirche? (Leiner – 2007)

Nr. 109: Kreuz und Auferste­hung Jesu Christi (Künneth – 2008)

Nr. 98: Impulspapier der EKD – Kirche der Freiheit (Mayer – 2007)

Nr. 110: Welche Bedeutung hat das Gesetz Gottes für uns Christen? (Leiner – 2008)

Nr. 105: Die Kirche und die Religionen (Hartenstein – 2010)

Nr. 116: Zorn Gottes (Hellenschmidt – 2009)

Nr. 107: Das geistig-ideologi­ sche Umfeld des Christentums (Leiner – 2008)

Nr. 117: Der Glaube an den Auferstandenen (Michel – 2009) Nr. 129: Übersicht über Bibel­ übersetzungen (Felber – 2010) Nr. 133: Was ist Wahrheit? (Hellenschmidt – 2010)

Ekklesiologie/Kirche Nr. 5: Am Ende Maria (Hamel – 2000)

Nr. 128: Abfall von den Grundlagen christlicher Ge­ meinschaft im Protestantismus (Slenczka – 2010) Nr. 134: Wie kann man heute noch Jesu versöhnendes Leiden und Sterben verkündigen? (Mayer – 2010) Nr. 138: »Gesellschaft« kontra »Gemeinschaft der Heiligen« (Dienst – 2011)

Nr. 9: Thesen zur Taufe (Hellenschmidt – 2000) Nr. 20: Lobpreisgottesdienst (Eisen – 2002) Nr. 42: Mystik als Frömmigkeit (Dienst – 2003) Informationsbrief 268

Nr. 115: Kennzeichen schwärmerischer Frömmigkeit (Mayer – 2009)

Nr. 142: Bestens geschützt und doch laufend gebrochen. Das Beichtgeheimnis (Rominger – 2011)

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NEU

Nr. 27: Predigt über 2.Korin­ ther 13,13 (Leiner – 2002) Nr. 53: Verkündigung zwischen Auftrag und Flucht. Jona 1–4 (Naujokat – 2003) Nr. 92: Das Apostolische Glau­ bensbekenntnis in Predigten ausgelegt (Buchrucker – 2007) Nr. 101: Paul Gerhardt – Chorä­ le. Liedpredigten (Leiner – 2007) Nr. 111: Predigt zum Israel­ sonntag. Römer 11,25–36 (Leiner – 2008) Nr. 122: Das Gebet (Buchrucker – 2009) Nr. 135: Predigt über 1.Korin­ ther 2,1–5 (Leiner – 2010) Nr. 137: Die Rechtfertigung des Sünders im Zeichen biblischer Anthropologie. Zwei Predigten. Römer 3 und 14 (Leiner – 2011) Nr. 139: Nun freut euch, lieben Christen g’mein. Liedpredigt (Leiner – 2011) Nr. 145: Fallt in die gewaltige Hand Gottes. Predigt zu 1.Petrus 5,5c–11 (Kandler – 2011) Nr. 146: Im Licht Jesu Chris­ ti. Predigt zu Epheser 5,8b–14 (Kandler – 2011) Nr. 147: Danken und Vergessen. Themapredigt (Naujokat – 2011) Nr. 148: Glaubensleben in der Nachfolge Jesu. Themapredigt (Naujokat – 2011) Nr. 149: Predigt zu Jesaja 58,1–9a (Stücklen – 2011) Nr. 150: Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen. Predigt zu Josua 24,15c (Stücklen – 2011)

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Nr. 151: Gott ist Liebe - wie passen Leid und Verdammnis dazu? Predigt zu 1.Johannes NEU 4,16b (Horwitz 2011) Nr. 152: Das Tun Gottes NEU durchbricht unser Denkschema. Predigt zu Jona 4,1–11 (Horwitz 2011)

Nr. 130: Ein Wort an die Gemeinde Jesu Christi. Orientierung in wirrer Zeit (Mayer – 2010)

Nr. 153: Jenseits von Eden. NEU Predigt zu 1.Mose 3 (Lachenmann 2011)

Nr. 86: Glaube im Widerstand – Bonhoeffer zum 100. Geburtstag (Leiner – 2006)

Nr. 154: Nichts als das Wort. Predigt zu Johannes 4,45–54 NEU (Hellenschmidt 2011) Nr. 155: Sermon von der rechten Unterscheidung von Gesetz und Evangelium. Predigt zu Galater 2,16.19.20 (Volk 2011) NEU

Nr. 69: Luthers Theologie für Nichttheologen (Leiner – 2005)

Evangelisation/ Mission

Biographien

Nr. 94: Melanchthon als Theologe und Pädagoge (Rominger – 2007) Nr. 120: Das politische Testament Dietrich Bonhoeffers (Mayer – 2009) Nr. 121: Paul Gerhardt und Anna Maria Gerhardt (Hesemann/Rominger – 2009)

Nr. 156: Die Reformation – NEU der Jahrtausendirrtum? Predigt zu Römer 3,21–28 (Tscharnkte 2011) Nr. 157: Warum lässt Gott NEU das zu? Predigt zu Galater 6,7f. (Tscharntke 2011)

Nr. 132: Rudolf Bultmann (Rominger – 2010)

Nr. 159: Predigt zu Lukas 11,1–3 (Buchrucker 2011)

Nr. 143: Friedrich Wilhelm Raiffeisen (Rominger – 2011)

NEU

Nr. 160: Predigt zu 2.Korinther 3,12–18 und 4,6 (Buchrucker 2011) NEU

Seelsorge

Nr. 124: Zum 70. Todestag von Pfarrer Paul Schneider (Martin – 2009)

Nr. 144: Henry Dunant (Rominger – 2011) Nr. 161: Jeremias Gotthelf NEU (Rominger – 2011)

Martin Luther Nr. 10: Wider die Psychohäresie in der Seel­sorge. Kongress 4.–5. Februar 2000, Gießen (2000)

Nr. 23: Luthers Lehre von der Kirche (Leiner – 2002)

Nr. 15: Seelsorge unter Gesetz und Evangelium (Slenczka – 2001)

Nr. 29: Luthers Auseinander­ setzung mit dem Islam (Leiner – 2002)

Nr. 16: Glauben, Wissen und Seelsorge (Hoffmann – 2001)

Nr. 37: Luther und der Papst (Leiner – 2003)

Nr. 26: Charismatische Seelsorge nach Ignis (Antholzer – 2002)

Nr. 39: Luther und das Heilige Abendmahl (Leiner – 2003)

Nr. 113: In Christi Hand, ob wir leben oder sterben (Hellenschmidt – 2008)

Nr. 41: Luther und die Marien­ verehrung (Leiner – 2003)

Nr. 114: Die dramatische Be­ grenzung: Alles hat seine Zeit (Naujokat – 2009) Nr. 118: Sterben in Würde (Mayer – 2009) Nr. 127: Eines Vaters letzte Worte an seinen Sohn (Naujokat – 2009)

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Nr. 45: Luther – Zölibat, Ehe und Familie (Leiner – 2003) Nr. 46: Luther und die Bibel (Leiner – 2003) Nr. 51: Luther – vom Mönch zum Reformator (Leiner – 2003) Nr. 52: Luthers Christusglaube (Leiner – 2003)

Nr. 2: Wie sollen wir das ­Evangelium ver­kündigen? (Ernst – 2000) Nr. 141: Von Lausanne nach Kapstadt (Rominger – 2011)

Ethik Nr. 1: Ist Sterben doch ganz anders? (Möckel – 2000) Nr. 11: Faszination und Verwirrung heutiger Partnerbeziehungen (Naujokat – 2000) Nr. 17: Euthanasie, Gentechnik und Embryonenforschung (Rominger – 2001) Nr. 18: Die Unwandelbarkeit der Zehn Gebote im Wandel der Zeit (Rominger – 2001) Nr. 50: Weil es Gott gibt, ist nicht alles erlaubt! (Rominger – 2003) Nr. 58: Das Alter: Die Krone des Lebens (Naujokat – 2005) Nr. 59: Mensch von Anfang an: Zur Problematik der Abtreibung (Naujokat – 2005) Nr. 66: Das Alter ist keine Auslaufzeit (Naujokat – 2005) Nr. 67: Allein ohne Partner (Naujokat – 2005) Nr. 77: Über den Sinn »christlicher Werte« (Mayer – 2005) Nr. 87: Der letzte Feind – der Tod (Leiner – 2006) Nr. 88: Gewalt im Namen Gottes (Leiner – 2006)  Nr. 104: Antiquiert oder modern – der Begriff Keusch­ heit. Charakterlicher Gewinn oder Verzicht auf Lust? (Naujokat – 2008) Nr. 119: Die Gewissensreligion (Heim – 2009)

Oktober 2011

Informationsbrief 268


nr. 126: Freiheit, Schuld und biologisches Schicksal (eibach – 2009)

Ökumene/Ökumene der Religionen

nr. 79: Der Buddhismus im Gegenüber zum Christentum (Leiner – 2005)

nr. 131: Neurotheologie – Gott ein »Hirngespinst«? (eibach – 2010)

nr. 6: Keine Übereinstimmung in der Rechtfertigung (Hamel – 2000)

nr. 80: Der Weg zum Leben für Juden und Christen (burchartz – 2006)

nr. 136: Gender­Mainstreaming – Wer oder was ist gerecht? Zwei aufsätze (mayer – 2011)

nr. 8: Heiliges Abendmahl oder päpstliche Messe? (Volk – 2000)

nr. 85: Soll der Papst Sprecher der evangelischen Christenheit werden? (Hellenschmidt – 2006)

Feminismus/Frauen in der Kirche

nr. 13: Was ist Ökumene? (Leiner – 2001) nr. 25: Überlegung zum Verhältnis dreier Religionen (Volk – 2002)

nr. 71: Frauenordination (rominger – 2005) nr. 89: Der Beruf der Frau (slenczka Gisela – 2006)

nr. 33: Ökumene der Religionen? (rominger – 2003)

nr. 123: Das Hirtenamt und die Frau (brunner – 2009)

nr. 43: Kirche und Judentum (Gesellschaft für Innere und Äußere mission – 2003)

Homosexualität

nr. 49: Erklärungen, ab »basis der evangelischen allianz« 1846 bis zur »Gemeinsamen erklärung zur rechtfertigungslehre« (rominger – 2003)

nr. 3: Stellungnahme der Bekenntnisbewegung zur Homosexualität (2000) nr. 56: Im Gegenwind: Über Schwulen­ und Lesbenbewe­ gung (Lachenmann – 2004) nr. 140: Gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Pfarrhaus (mayer, rominger – 2011)

nr. 40: Buddhismus und Christentum (Leiner – 2003)

nr. 63: Gemeinsames Abend­ mahl? (Leiner – 2005) nr. 70: Passahfest Israels und das Abendmahl Jesu (burchartz – 2005) nr. 74: Das Papsttum – dennoch antichristlich? (Leiner – 2005)

nr. 90: Rechtfertigung gestern und heute (Leiner – 2006) nr. 99: Wider allen falschen Oekumenismus (Volk – 2007) nr. 102: »Benediktinisches«. Vom klugen Irrtum des Papstes (Volk – 2007) nr. 108: Synkretismus (Hartenstein – 2008) nr. 125: Christlicher Glaube und Judentum (Leiner – 2009)

Islam nr. 14: Gibt es eine abrahamitische Urreligion? (eusebia – 2001) nr. 21: Allah – oder der Vater Jesu Christi (Leiner – 2002) nr. 34: Die islamische Ehe (eusebia – 2003) nr. 35: Wie ist das islamische Recht entstanden? (eusebia – 2003) nr. 106: Christliche Anfragen an den Islam (2008)

InfoSpezial Nr. 151 — 157, 159 und 160:

Von der bekenntnisbewegung sind autoren angeregt worden, aus ihrem fundus gehaltener Predigten zur Veröffentlichung als Infospezial zur Verfügung zu stellen, damit ganz einfach mehr Christenmenschen geistliche kost bekommen können. Gerade in einer Zeit, in welcher die evangelische Predigt das evangelium von Jesus, dem Christus, immer mehr, wenn nicht gleich verfälscht, so doch häufig verflacht, dürften solche Lesepredigten verstärkt an bedeutung gewinnen. Da besteht nämlich die möglichkeit, ausgleich für das zu bekommen, was einem in so manchem Gottesdienst vorenthalten wird. ein solches Infospezial mit Predigten kann auch weitergegeben InfOrmatIOnsbrIef 268

werden und solchen empfohlen werden, die ebenfalls mehr und zusätzliches zu dem wollen, als das, was sie in ihren Gottesdiensten bekommen. Geistliches schwarzbrot statt aufgetriebenem kuchen, an dem man sich zunächst leicht überisst und dann schon bald ein ekelgefühl zurückbleibt oder gar verschimmeltes brot, das ungenießbar und ekel erregend ist. man kann sie auch im Hauskreis oder der Hausgemeinschaft/Hausgemeinde gut als Lesepredigten verwenden. es ist daran gedacht, auch weiterhin Predigten als Infospezials herauszubringen.

InfoSpezial Nr. 161: Walter Rominger: Jeremias Gotthelf

OktOber 2011

InfoSpezial Nr. 158:

Reinhard Slenczka: Eintracht und Zwietracht in der Kirche seit einigen Jahrzehnten bricht in der evangelischen kirche in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, immer wieder eine scharfe Zwietracht über eine angestrebte eintracht auf, die bis zur offenen oder verborgenen kirchenspaltung führt. Dabei geht es regelmäßig um beschlüsse kirchenleitender Gremien, um erklärungen von einzelnen amtsträgern, in denen forderungen von aktionsgruppen aus Gesellschaft und Politik aufgenommen und in der kirche gegen einen bestehenden konsensus durchgesetzt werden. es handelt sich dabei um themen, die häufig auch in der Öffentlichkeit in hohem maße umstritten sind.

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bibelfreizeit der bekenntnisbewegung »kein anderes evangelium« im Christlichen Gästehaus »bergfrieden« in Oberstdorf in der Pfingstwoche vom 26. mai bis 2. Juni 2012 mit Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt »Christus, der Vollender der Heilsgeschichte Gottes« eine Unruhe sondergleichen geht durch die Welt. Die menschen sehen und sind hilflos wach. sie können die ereignisse nicht mehr deuten. kriege, Dürre, natur- und Hungerkatastrophen – sie muten nicht minder apokalyptisch an wie der zügellose kapitalismus und die Gier, die alles Leben verbrennt. Und jedermann spürt, dass das, was da geschieht, mit den kategorien einer wissenschaftlichen betrachtung der Geschichte nicht mehr zu fassen ist. Die frage nach dem sinn der Geschichte steht im raum – oder ist alles Geschehen ein sinnloser Zufall? Die Gemeinde Jesu Christi ist nicht ohne antwort. Gott hat ihr zum trost mit dem prophetischen Wort einsicht und Verständnis gegeben. Wie ein Wächter steht die Prophetie alten und neuen testaments in der Wirrnis der Zeit. sie macht offenbar, dass in allen geschichtlichen ereignissen Gottes Wille waltet. Christus wird die Heilsgeschichte Gottes vollenden.

Unterkunft und Verpflegung: Zweibettzimmer – je nach ausstattung (balkon, Dusche/bad, WC), Lage und Größe 48,50 bis 52 euro einbettzimmer – je nach ausstattung (balkon, Dusche/bad, WC), Lage und Größe 43,50 bis 55 euro Diese Preise verstehen sich pro Person und enthalten Übernachtung, 4 mahlzeiten und die mehrwertsteuer. Die ortsübliche kurtaxe in Höhe von derzeit 2,60 euro pro tag kommt noch hinzu. Preise für kinder können beim sekretariat der bekenntnisbewegung nachgefragt werden. studierende und auszubildende zahlen den halben Preis. arbeitslosen wird ein nachlass gewährt. Tagungsgebühren: 10 euro für die gesamte freizeit Anmeldeschluss: 11. mai 2012 Weitere Informationen und Anmeldung unter www.keinanderesevangelium.de oder beim Sekretariat der Bekenntnisbewegung. Adresse siehe Seite 31.

Traktate n Die bekenntnisbewegung »kein anderes evangelium« – entstehung, aufgaben und Ziele n Heilsgewissheit n Vom rechten beten n Homosexualität – Herausforderungen für Christen n Gemeinsames abendmahl

n Die Gemeinde Jesu Christi und die kirche n etikettenschwindel »einheitsübersetzung« n Gemeinsame feier des reformationsjubiläums 2017? n Christentum und Islam in Geschichte und Gegenwart n Der Islam im Licht des christlichen Glaubens

»Jesus lebt«­Anstecker als »erfinder« dieser anstecknadel gilt einer der einst führenden männer der bekenntnisbewegung »kein anderes evangelium«, Pfarrer Paul Deitenbeck (1912–2000), zeitweise deren zweiter Vorsitzender, der zusammen mit Pastor rudolf bäumer den Informationsbrief verantwortete und über Jahre die Geschäftsstelle in seinem Lüdenscheider Pfarrhaus versah. Die »Jesus lebt«-anstecker sind beim Sekretariat der Bekenntnisbewegung auf Spendenbasis erhältlich. Adresse siehe Seite 31. Mitarbeiter an diesem Heft:

Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt rötlenstraße 26 70794 filderstadt telefon (07158) 69569 fax (07158) 69991 e-mail: hans.hellenschmidt@gmx.de

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Propst Christoph Horwitz am schlatthorn 57 21435 stelle studiendirektor Pfarrer Hanns Leiner mittenwalder straße 34 86163 augsburg telefon (0821) 63731 e-mail: Hanns.Leiner@arcor.de

Walter rominger mehlbaumstraße 148 72458 albstadt telefon und fax (07431) 74485 e-mail: w.rominger@t-online.de Professor Dr. reinhard slenczka, D. D. spardorfer straße 47 91054 erlangen e-mail: Grslenczka@aol.com

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Geschäftsführender Ausschuss Vorsitzender der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt rötlenstraße 26 70794 filderstadt telefon (07158) 6 95 69 fax (0 71 58) 6 99 91 e-mail: hans.hellenschmidt@gmx.de Stellvertretender Vorsitzender Wilhelm Hesemann klockenbrink 17 33829 borgholzhausen telefon (0 54 25) 70 42 fax (0 54 25) 93 04 46 e-mail: wilhelm.hesemann@web.de Schriftführer Walter rominger mehlbaumstraße 148 72458 albstadt telefon und fax (0 74 31) 7 44 85 e-mail: w.rominger@t-online.de Kassenwart Gabriele reimer beurhausstraße 31 44137 Dortmund telefon (0231) 5 84 46 96 Handy (0177) 2 99 77 76 fax (0231) 5 89 36 37 e-mail: Gabriele.reimer@gmx.de

Weitere Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses Pfarrer Dietrich eizenhöfer kirchweg 4 35713 eschenburg telefon und fax (0 27 70) 27 18 18 Pfarrer Johannes frey Ofener straße 3 28816 stuhr telefon (04 21) 5 22 89 10 e-mail: johannes.frey@nord-com.net Hans Lauffer Osterstraße 25 70794 filderstadt telefon (0 71 58) 48 31 fax (0 71 58) 94 78 73 e-mail: hans.lauffer@t-online.de

Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« Sekretariat: Jakob­von­Stein­Straße 5 88524 Uttenweiler Telefon (07374) 92 05 42 Fax (07374) 92 05 43 E­Mail: Bekenntnisbewegung @t­online.de Im Büro können Sie anrufen von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr www.keinanderesevangelium.de

Gottfried meskemper Voltastraße 26, 28357 bremen telefon (04 21) 25 60 40 fax (04 21) 2 05 34 56 e-mail: Gottfried.meskemper@t-online.de Pastor Jakob tscharntke Jakob-von-stein-str. 5 88524 Uttenweiler telefon (0 73 74) 920541 fax (0 73 74) 920543 e-mail: Jakobtscharntke@t-online.de

Neue E­Mail­Adresse von Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt: hans.hellenschmidt@gmx.de Mit Fragen bezüglich der Spendenbescheinigungen wenden Sie sich bitte an unseren Kassenwart Gabriele Reimer. Sie erreichen sie telefonisch unter (02 31) 5 84 46 96 am besten samstags. Ansonsten sprechen Sie bitte auf den Anrufbeantworter der angegebenen Rufnummer. Bankkonten Volksbank filder e.G., (bLZ 611 616 96) konto-nr. 65 500 016 Iban De34 6116 1696 0065 5000 16 bIC (sWIft)-Code: GenO De s1 nHb Postgirokonto schweiz: Postgiroamt bern nr. 30-195 56-2 Iban CH21 0900 0000 3001 9556 2 bIC POfICHbeXXX

Impressum: Herausgeber und Verlag: bekenntnisbewegung »kein anderes evangelium« – zweimonatlich, kostenlos – redaktion: Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt satz und Layout: Grafisches atelier arnold, Dettingen an der erms Druck: basseDruck, Hagen Issn 1618-8306 fotos/abb. auf seite: 2: C. H. beck Verlag, www.dzm.de; 3: www.omships.org; 7: Claas; 12: Us Holocaust memorial museum; 15: bibliothéque albert Ier; 13, 22: albrecht arnold 25: erf; 26: sCm r. brockhaus; restliche privat.

Nachsendeanträge bei der Post kommen bei der Bekenntnisbewegung nicht als Adressänderung an. Deshalb auch bei Umzügen die Adressänderung durch untenstehenden Abschnitt an das Sekretariat weitergeben. Für Neubestellung, Adressänderung und Abbestellung ausschneiden und einsenden an: Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« Sekretariat: Jakob­von­Stein­Straße 5, 88524 Uttenweiler

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O Herr, lass uns dein Wort nicht dadurch vergeblich sein, dass wir es kennen und nicht lieben, dass wir es hören und nicht tun, dass wir ihm glauben und nicht gehorchen. Öffne uns die Ohren und das Herz, dass wir dein Wort recht fassen. Altes Kirchengebet


Informationsbrief Oktober 2011