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Über dieses Buch

„Alles ist mit allem verbunden“. Warum dieser Leitsatz auch für das Lenormand gültig ist und wie sich die kosmische Ordnung in den Karten auf geheimnisvolle Weise abbildet, erklärt dieses Buch. Im Vordergrund stehen nicht nur die spirituellen und psychologischen Aspekte der Karten, sondern vor allem ihre Verbindung zu anderen esoterischen Konzepten wie Numerologie, Astrologie oder Tarot. Der Blick auf eine bislang unentdeckte Matrix bringt weitreichende Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen den Zahlen und Symbolen der Lenormandkarten. Die erweiterte Sichtweise führt tief in die Welt der Märchen und Sagen und nicht zuletzt bis zu den Wurzeln der Menschheit. Dieses Buch eröffnet eine neue Dimension des Lenormand, in der das alte Wissen über den universellen Geist mit modernen, lebensnahen Deutungsansichten vereint wird.

Über die Autorin

Kathleen Bergmann, 1976 in Nürnberg geboren und in München aufgewachsen, absolvierte eine Banklehre und studierte Betriebswirtschaft. Heute lebt sie auf dem Land in der Nähe von Ulm. Seit einigen Jahren arbeitet die Astrologin und Expertin für Lenormand und Tarot hauptberuflich als Lebensberaterin und Autorin. Sie verfasste Fachartikel und gab Radiointerviews im gesamten deutschsprachigen Raum. Ab 2009 folgte die Veröffentlichung ihrer drei Lehrwerke Der Lenormandkarten-Lehrgang. Zudem bietet Kathleen Bergmann Seminare und Workshops an. Ihr Wissen über die Kartomantie gibt sie auch auf ihrem Blog weiter. Außerdem widmet sie sich auch der fotografischen Kunst sowie der kreativen Gestaltung von Kalendern und Printpublikationen. Ein Teil ihrer Bilder und Illustrationen wurde in diesem Werk verwendet. Informationen zu Lebensberatung, Seminaren, Workshops (auch zum Lenormand) und Büchern: www.reichdersterne.de Übungsmaterial, Anleitungen und Erklärungen zur Deutung der Lenormandkarten: www.reichdersterne.de/lenormandblog/ Fotokunst, Kalender und weitere kreative Publikationen: www.reichdernatur.de


Kathleen Bergmann

Die fabelhafte Welt des

Lenormand


Die in diesem Buch enthaltenen Informationen und Ratschläge wurden von der Autorin sorgfältig recherchiert und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Die Informationen und Ratschläge sind außerdem nicht dazu gedacht, die Beratung durch einen Arzt oder Therapeuten zu ersetzen, sofern eine solche angezeigt ist. Eine Haftung der Autorin oder des Verlags ist ausgeschlossen. Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Die Texte und Abbildungen in diesem Buch sind urheberrechtlich geschützt (soweit bei den Bildquellen auf S. 397 f. nicht anders angeben). Kein Teil dieses Buchs darf ohne schriftliche Genehmigung durch den Verlag reproduziert oder in irgendeiner Weise weiterverwendet werden; das gilt besonders auch für eine Verwendung im Internet. Ausgenommen sind kurze Zitate oder kleine Buchausschnitte innerhalb von Besprechungen dieses Buchs.

Originalausgabe Krummwisch bei Kiel 2014 © 2014 by Königsfurt-Urania Verlag GmbH D-24796 Krummwisch www.koenigsfurt-urania.com – www.tarotworld.com

Umschlagdesign: Antje Betken, Oldenbüttel, unter Verwendung folgender Motive: Nicolas-Jean- Baptiste Raguenet, A View of Paris with the Ile de la Cite, 1763, sowie Lenormandkarten »Blaue Eule« Kartenabbildungen: Rider-Waite-Tarot, © U.S. Games Systems und AGM-Urania. – Universal-WaiteTarot, © U.S. Games Systems, Stamford /CT, USA. – Lenormandkarten »Blaue Eule«, © AGM-Urania, Krummwisch b. Kiel, Deutschland Weitere Abbildungen: Bildnachweis auf S. 397 Project Management: Antje Betken, Oldenbüttel Korrektur: Redaktionsbüro Carlson Reinhard Satz und Layout: Antje und Hermann Betken, Oldenbüttel Druck und Bindung: Finidr s.r.o. Printed in EU ISBN 978-3-86826-758-7


Inhalt

Vorwort – Über die Entstehung dieses Buches  ...................................... 7 Die geheime Matrix – Das magische Weltbild des Lenormand  ........ 13 Numerologie  ......................................................................................... 15 Psychologie  ............................................................................................ 24 Mythologie  ............................................................................................ 27 Esoterik und Spiritualität  .................................................................... 30 Tarot  ....................................................................................................... 33 Astrologie  .............................................................................................. 39 Weltreligionen  ....................................................................................... 44 Märchen, Mythen und Symbolsprache  .............................................. 50

Die 36 Karten des Lenormand 1 Reiter  ........................ 65 2 Klee  ........................... 75 3 Schiff  ........................ 83 4 Haus  ......................... 93 5 Baum  ...................... 103 6 Wolken  ................... 113 7 Schlange  ................. 123 8 Sarg  ......................... 133 9 Blumen  ................... 143 10 Sense  .................... 151 11 Ruten  .................... 161 12 Eulen  .................... 169 13 Kind  ...................... 179 14 Fuchs  .................... 189 15 Bär  ........................ 197 16 Sterne  ................... 207 17 Störche  ................. 217 18 Hund  .................... 225

19 Turm  .................... 20 Park  ...................... 21 Berg  ...................... 22 Wege  ..................... 23 Mäuse  ................... 24 Herz  ...................... 25 Ring  ...................... 26 Buch  ..................... 27 Brief  ...................... 28 Herr  ...................... 29 Dame  .................... 30 Lilien  .................... 31 Sonne  ................... 32 Mond  ................... 33 Schlüssel  .............. 34 Fische  ................... 35 Anker  ................... 36 Kreuz  ....................

233 243 253 263 271 281 289 299 309 317 325 333 341 349 359 369 379 387

Literatur und Quellen  ............................................................................... 394 Bildnachweise  ............................................................................................ 397


6  Vorwort 


Vorwort Über die Entstehung dieses Buches

Nach einer längeren Schreibpause begann ich im Sommer 2012 hochmotiviert, mir über das Konzept meines vierten Buches Gedanken zu machen. Natürlich sollte sich wieder alles um die für mich so faszinierenden Lenormandkarten drehen. Meine ersten Ideen hatten viel mit Deutungskonzepten zu tun, die ich gerne erweitern und spezialisieren wollte. Durch die Konzentration auf praktische Arbeitsmethoden sollte die Interpretation der Karten noch feiner strukturiert werden. Unterschiedlichste Konstellationen und Muster schwirrten wochenlang durch meinen Kopf, lösten sich auf und setzten sich wieder neu zusammen. Mein ganzes Bemühen zielte auf anwendungsfreundliche Erklärungen und bewährte Herangehensweisen ab, so wie ich das als ordnungsliebende Jungfrau-Geborene gerne mag. Solides Handwerk ist nun mal eine wesentliche Grundlage, um seine Arbeit richtig und gut zu machen. Aus meiner Sicht gilt das für die divinatorische Kunst genauso wie für alles andere Erlernbare auch. Ein Maler kann nur dann seinen kreativen und intuitiven Spielraum ausschöpfen, wenn er den Pinsel exakt zu führen weiß, seine Materialien und Techniken in- und auswendig kennt. Im Zuge meiner intensiven Vorbereitungsphase auf dieses Buch stellte sich jedoch heraus, dass ich mich nicht erneut an rein pragmatischen, grundlagenbezogenen Ansätzen orientieren würde. Kein Entwurf hielt der noch ziellosen, aber unaufhörlichen Suche meines Geistes länger als 30 bis 40 Seiten stand. Der strebte nach etwas ganz anderem, für mich bis dahin Un(be-)greifbarem, das im Kern des Lenormand verborgen liegt. Plötzlich tauchten während meiner Recherche immer mehr bedeutungsvolle Zusammenhänge zwischen den Lenormand-Symbolen und anderen geistigen Lehren auf, die ich in dieser Dimen­sion gar nicht erwartet hätte und noch nicht richtig einzuordnen wusste. Wie kam es dazu, dass Mythen und Märchen, Zahlenmystik, Tarot und verschiedene Religionen so viele eindeutige Spuren in den Sinnbildern des Lenormand hinterlassen haben? All diese ungelösten Rätsel stifteten Verwirrung in meinem Kopf. Würde sich das Bild, das bislang Bild links: Edouard Bisson (1856 – 1939) – Frage an die Karten, 1889

  Über die Entstehung dieses Buches  7


vom Lenormand existierte, durch dieses Wissen auf einmal grundlegend wandeln, vielleicht sogar um ein Vielfaches vergrößern lassen? Von dem Zitat des Schweizer Psychoanalytikers C. G. Jung »Der Mensch ist erwacht in einer Welt, die er nicht verstand. Seither versucht er, sie zu deuten.« fühlte ich mich treffend angesprochen, als mir klar wurde, dass ich erst in die konzeptionelle Leere abgleiten musste, damit sich der geistige Raum mit den neuen, erkenntnisreichen Vorstellungen füllen konnte. Wenn etwas nicht so funktioniert, wie man sich das ausgedacht hat, sollte man sich mit etwas anderem beschäftigen. Ich ließ alle Gedanken an das Buch zunächst fallen. Neben meiner Beratungstätigkeit widmete ich mich verstärkt der Fotografie, die mir herrliche Muße verschaffte. Auf den Streifzügen entdeckte ich immer wieder Motive, die mich stark an die Symbolik des Lenormand erinnerten. Eines Tages fand ich an einem Seeufer einen delphinblauen Stein mit einer ganz besonderen Prägung in Form eines weißen, mineralisierten Ringes, der sich wie ein Band um den gesamten Stein legte. Plötzlich tauchten vor meinem inneren Auge zwei Lenormandsymbole auf, deren Plätze sich in der Großen Tafel nach der 4 x-9-Legeweise (siehe S. 18) sogar direkt gegenüber liegen: der Ring und der Berg. Ich nahm diesen besonderen Stein in die Hand, um ihn zu erspüren. Sein bedeutungsvoller Anblick machte mir erneut bewusst, dass in diesem Kosmos alles mit allem verbunden ist und durch die ewigen Kreisläufe des Lebens eine gemeinsame Geschichte besitzt. So wie der Stein von dem Ring umschlungen war, so musste es auch etwas geben, das alle Symbole des Lenormand miteinander verband. Etwas, das sie wie ein großes, festes Netz miteinander verflechten und in die universelle Ganzheit einbinden würde. Brennend hätte mich interessiert, wie der Stein, den ich nicht mehr loslassen konnte, genau dort seinen Platz gefunden hatte, wo ich ihn entdeckte, und was er auf seiner Reise alles erlebte hatte. Ich würde es nie erfahren. Den Fragen nach der Geschichte des Lenormand und der Entstehung seiner Sinnbilder konnte ich jedoch weiter nachgehen. Wo liegen die Wurzeln der Symbole, und welche Merkmale der Zeitgeschichte tragen sie in sich? Welche Rolle spielen dabei Mystik und Mythologie? Folgt die Nummerierung des Kartenwerks einer höheren Ordnung? Welchen Einfluss könnten die Grimm’schen Märchen, die zu Lebzeiten Mme Lenormands niedergeschrieben wurden, auf die symbolische Bedeutung der Karten genommen haben? Wie lässt sich die alte Weltsicht des Lenormand auf eine zeitgemäße Interpretation übertragen? Und würden sich meine Vermutungen in Bezug auf den universellen Geist des Lenormand überhaupt bestätigen?

8  Vorwort 


All diese elementaren Fragen drängten sich mir unmittelbar auf. Neugierig auf die Antworten machte ich mich schließlich auf den Weg. Ich war bereit, die Reise anzutreten. Immerhin konnte ich nun eine klare Richtung verfolgen. Doch noch stand ich im Niemandsland. Neben der Vision, die fabelhafte Welt des Lenormands zu erforschen, trug ich gedanklich einen schweren Koffer mit mir, der prall gefüllt war mit ebendiesen geheimnisvollen und wild durcheinander springenden Fragezeichen. Einerseits fühlte ich mich in meiner Aufbruchsstimmung ein wenig wie Wagners Parsifal, der laut Legende auf der Suche nach dem Heiligen Gral einen ungeahnten Entwicklungsweg zurücklegte und dem Menschsein in all seinen Formen und Facetten begegnete. Anderseits fühlte ich mich auch wie der Narr auf der ersten Karte des Tarot, der als Lernender einen für ihn ganz neuen Weg der Erkenntnis beschreitet und dabei voller Neugier, aber mit großer Ungewissheit dem Abenteuer entgegenschreitet. Mit dem Sinnbild des Narren im Kopf tat sich direkt eine neue Frage auf, denn er ähnelt mit seiner Wesensnatur stark dem Reiter, der das Lenormand eröffnet: Welche Parallelen würden sich vom Tarot zum Lenormand ziehen lassen?

  Über die Entstehung dieses Buches  9


Je mehr ich in die verschiedenen Ebenen der Symbolwelten eintauchte, desto häufiger erlebte ich sogenannte Synchronizitäten. Man sagt, dies sei ein Hinweis darauf, sich auf dem richtigen Weg zu befinden. Ich fühlte mich in meinem Schaffen bestärkt und bestätigt, das von nun an immer weitere Kreise durch die verschiedenen Einflussgebiete des Lenormand zog. Sobald ich begann, mich mit einer bestimmten Karte innerlich intensiver zu beschäftigen, wurden die passenden Erlebnisse und Erfahrungen wie von selbst auf den Plan gerufen. Während ich über die Eulen schrieb, wünschte ich mir, eine aus der Nähe sehen zu können. Ich wohne zwar neben einem Wald, aber Eulen zeigen sich dort den Spaziergängern eher selten. Als ich einen großen Herbstmarkt besuchte, lief mir dafür ein Falkner über den Weg, auf dessen Arm ein Kauz saß. Wir kamen ins Gespräch, und ich durfte dem zahmen Vogel sogar nahekommen. Die dabei entstandenen Eulenporträts sind im Kapitel Eulen zu sehen. Es kam zu weiteren Begebenheiten, die ich als günstiges Omen für meine Recherchearbeit verstand. Durch meine Arbeit als Astrologin beschäftige ich mich sehr viel mit den Sternen. Eine klare Sternennacht beobachten zu können, hat eher Seltenheitswert. In dem Zeitraum, in dem ich über die symbolische Bedeutung der Sterne philosophierte, lagen die Sternschnuppentage, die in lauen Sommernächten etwas geradezu Magisches an sich haben. Hier auf dem Land ist bei nahezu totaler Finsternis die Sicht wirklich phänomenal und das seltene Spektakel ein berauschendes Erlebnis. Zum ersten Mal erblickte ich in diesen Nächten die Milchstraße. Dabei fühlte ich ein zutiefst berührendes All-Eins-Bewusstsein, das es mir leicht machte, auch noch Tage später die einprägsamen Sinneseindrücke von den Sphären der Sterne in dieses Buch einfließen zu lassen. Im Hinblick auf die Kausalitäten zwischen meinem inneren Fokus und dem äußeren Erleben erstaunte mich folgendes Ereignis am meisten: Als ich mich mit der Karte Buch auseinandersetzte, bekam ich unerwartet meine alte Märchenbuchsammlung zurück, die seit 25 Jahren auf einem Dachboden schlummerte und eigentlich als verloren galt. Doch zum Glück tauchte sie genau in dem Moment wieder auf, als ich mich intensiv mit dem Sinngehalt alter Mythen und Legenden beschäftigte. Tief berührt von all diesen Synchronizitäten, die sich bei etlichen Karten einstellten, spürte ich, dass der »Spirit« des Lenormand lebendiger und fassbarer in mein Leben getreten war als je zuvor. Niemals hätte ich geahnt, dass ich auf meiner Entdeckungsreise so tief in die Quellen zur Schöpfung des Lenormand eintauchen würde. Schon eine ganze Weile vorher fragte ich mich, ob das Grundprinzip des Lenormands lediglich ein Produkt des Zufalls war. Sollte es vergleichbar sein mit der Erfindung

10  Vorwort 


eines Kartenspiels? Ganz sicher nicht. Die Auswahl der einzelnen Symbole erfolgte keineswegs willkürlich. Die Abfolge der Karten sowie ihre Zuordnung zu den Zahlen war keine beliebige Würfelei. Je mehr ich mich mit dem Lenormand beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass es einen tieferen Zusammenhang zwischen den Symbolen und der zahlenmäßigen Ordnung geben musste. Somit erschloss ich nach und nach die Lehren von der Numerologie über die Mythologie bis hin zur Religionsgeschichte, die verblüffende Antworten und bahnbrechende Erkenntnisse lieferten, gleichzeitig aber immer mehr Fragen nach wesentlichen Details aufwarfen. Ich stand vor einer Menge kleiner und großer Rätsel, zum Beispiel, was die Schlange mit der Zahl Sieben verbindet, welche Botschaft Dornröschens Stich an der Spindel für Symbole wie die Sense bereithält und welches Geheimnis hinter der Reihenfolge von Fische, Anker und Kreuz steckt. Meine Reise durch diesen faszinierenden Symbolkosmos führte mich zu einem riesigen Wissensschatz, von dessen Dimensionen ich bislang keine Vorstellung hatte. Allmählich tat sich ein Tor nach dem anderen auf, durch das mir auf meinem Weg zunehmend spannendere Einblicke in ein schier grenzenloses Spektrum an magischen Zusammenhängen, mystischen Zeichen und Zahlen gewährt wurden. Ich war bewegt, berührt, begeistert und in Bann gezogen. Es gab so viel zu entdecken, dass ich mit dem Schreiben meines »Reiseberichtes« kaum hinterherkam. Nun ging es darum, alle breit verstreuten Aufzeichnungen, Buchvermerke, Gedanken, die in mehrere Themengebiete gleichzeitig verstrickt waren, sowie einen Berg durchgeführter Internetrecherchen in eine überschaubare Struktur zu bringen. An dieser Stelle wurde es der Jungfrau in mir allmählich doch zu chaotisch. Sie verlangte nach Übersicht und einem soliden Konzept. »So ganz ohne meine geliebte Ordnung geht es wohl doch nicht!«, flüsterte sie mir süffisant ins Ohr. Und ich musste darüber schmunzeln, wie recht sie mal wieder hatte. Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über alle Lehren und Wissensgebiete, welche das Lenormand in sich vereint. Es umfasst ein magisches Weltbild, ein Kaleidoskop des universellen Geistes, das erstmalig aus ganzheitlicher Sicht ergründet wird. Damit gewinnt das Lenormand in seiner neu entdeckten Ganzheit nicht nur an kulturgeschichtlichem Wert, sondern auch an Aussagekraft für eine moderne und tiefsinnige Lebensdeutung. Das Ergebnis dieser Forschungsarbeit halten Sie jetzt in Ihren Händen, und ich hoffe, es wird Sie genauso begeistern wie mich. Ihre Kathleen Bergmann

  Über die Entstehung dieses Buches  11


12  Die geheime Matrix 


Die geheime Matrix Das magische Weltbild des Lenormand

Das Lenormand entstand in einer Zeit, die stark durchdrungen war von Geheimlehren, Alchemie, Spiritismus, Mythologie und Symbolsprache. Der Ausgangspunkt meiner Überlegung war, dass das Lenormand eine verborgene Matrix enthält, die entschlüsselt werden könnte. Darin müsste ein universelles Wissen zu finden sein, das vom Geist der Mystiker und Magier jener Epoche geprägt wurde. Wenn man diesem Rätsel auf die Spur käme, könnte man das Lenormand in seiner ganzen Tiefe durchleuchten und damit alle ihm zugrundeliegenden Bedeutungen ans Licht bringen. Daraus würde sich ein ganz neues, weit gefasstes Deutungsbild ergeben, das noch unbekannte Sichtweisen und einzigartige Interpretationsmöglichkeiten hervorbringt. Erst wenn man die einstigen Prägungen und Einflüsse des Lenormand erkennt und in einen größeren Kontext einbindet, erhält man ein fundiertes Verständnis für sein vielschichtiges Wesen. Auf dieser Grundlage lässt sich eine moderne Charakteristik entwickeln, die vor allem die psychologische und spirituelle Bedeutung der Karten für den heutigen Gebrauch zugänglich macht. Die Numerologie durchzieht das Lenormand als roter Faden, an dem sich die Symbole wie Perlen aufreihen. Eine geheime Matrix, die die Bedeutung der Karten vom Reiter bis zum Kreuz nach der Zahlenmystik ordnet. Die moderne Psychologie ist neben der Spiritualität Leitthema des Buches. Sie basiert auf der Symbolsprache des Unterbewusstseins und damit auf archetypischen Bildern, wie sie uns auch aus dem Lenormand bekannt sind. Die Mythologie mächtiger Kulturkreise von Skandinavien bis zu den indianischen Schamanen bildet die Wurzel der Symbolgeschichte. Bild links: Collage aus u. a. Margarete Petersen – Der Stern + Abb. aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry + Tarotkarten des Universal Waite Tarots. – Collage von Hermann Betken

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Die Esoterik und Spiritualität oder die Frage, was Mensch und Kosmos im Innersten vereint, ist ein Kernthema für jeden, der die Symbolkraft aus der Tiefe heraus verstehen möchte. Das Tarot als »Spiegel der Seele« ist eine universelle Lebensschule. Lenormand und Tarot haben ihrem Wesen nach mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Doch sie reflektieren und ergänzen sich gegenseitig. Die Astrologie wird zur Symbolik des Lenormand neu in Beziehung gesetzt. Jede Lenormandkarte ist die versinnbildlichte Lehre von Sternzeichen, Planeten und Häusern. Die Weltreligionen wie das Christentum spielen eine bedeutende Rolle für den ursprünglichen Symbolgehalt der Lenormandkarten. Die Symbolsprache als Brücke zwischen Bewusstem und Unbewusstem bildet die Deutungs­ grundlage von Träumen und Märchen. Auch in Orakelsystemen wie dem Lenormand dient sie zum vertieften Verständnis für die inneren und äußeren Lebensprozesse. Die Märchen und ihre reiche Zahlen- und Symbolmystik spiegeln sich in den Symbolen des Lenormand wider. John Everett Millais (1829 – 1896) – Mariana, 1850

14  Die geheime Matrix 


Numerologie Ihre Geschichte und Bedeutung für das Lenormand

Die Numerologie lehrt die mystische Bedeutung der Zahlen. Wie ein Symbol verfügt auch eine Zahl über eine eigene Qualität. Die Energie der Zahlen steht in Resonanz zur intelligenten Ordnung des Universums. Damit versteht die Numerologie sich als die Kunst, den spirituellen Zusammenhang zwischen den Zahlenprinzipien und der kosmischen Schwingung zu erkennen. Ihre Ursprünge als eine der ältesten Geheimwissenschaften reichen bis zum Anfang der Menschheitsgeschichte zurück. Es gab keine Kultur, die sich nicht mit der Mystik der Zahlen beschäftigte. Dadurch wurde die Weisheit der Zahlen zu einem wesentlichen Bestandteil aller heiligen Schriften. Seit Urgedenken weiß man, dass das ganze Universum auf der Macht der Zahlen aufbaut. Die Bewegung der Himmelskörper folgt einer mathematisch fassbaren Gesetzmäßigkeit. Stimmt ein elementarer Faktor nicht, geht die Gleichung des Universums nicht mehr auf, und alles zerfällt. Es wäre kein Leben mehr möglich. Unsere Welt ist nicht nur Teil einer höheren, alles umfassenden Matrix, auch aus sich heraus hat sie bis in die kleinste Einheit hinein physikalische und soziologische Ordnungen erschaffen: die Zeitrechnung, das Geldsystem, die Wissenschaften, die Politik und die Religionen. Überall sind Zahlen das Maß aller Dinge, so dass sie in unserem normalen Leben allgegenwärtig sind. Sei es zum Beispiel beim Klingeln des Weckers, beim Eintippen diverser Nummern, beim Verwenden der Küchenwaage, beim Abzählen des Kleingeldes, beim Umblättern der Buchseiten, beim Blick auf den Tacho und beim Zählen der Wiederholungen während einer Trainingseinheit. Wenn wir davon ausgehen, dass alles im Universum aus Energie besteht und miteinander verbunden ist, müssen wir annehmen, dass auch Zahlen über eine eigene Schwingung verfügen, mit der wir tagtäglich in Berührung sind. Die Lehre des Mathematikers Pythagoras erklärte die Zahlen schon vor etwa 2500 Jahren zum Urgrund alles Existierenden. »Alles im Universum ist nach Zahl und Maß geordnet«, wusste er bereits in der Antike über die fest vorgegeben Strukturen der Existenz. Jedoch hielt erst im 20. Jahrhundert die Numerologie durch den Psychoanalytiker C. G. Jung wieder Einzug in das öffentliche Bewusstsein. Seinem Verständnis nach hatten Zahlen nicht nur eine quantitative sondern auch eine qualitative Bedeutung. Davon abgesehen gab es schon seit jeher einen populären Zahlenkult. Bestimmte Zahlen wie die 13 sind im kollektiven Unterbewusstsein negativ besetzt. Jedoch ist

  Das magische Weltbild des Lenormand  15


die Ursache dafür zum Teil gar nicht numerologische Natur, sondern rührt von altem Aberglauben und Legenden her. Die Macht des Zahlenmythos hat sich über die Jahrtausende bis in unser modernes Zeitalter hinein überall verbreitet. So gibt es kein Flugzeug oder kein Kreuzfahrtschiff mit einer 13. Reihe oder einem 13. Deck. In Krankenhäusern verzichtet man auf das Zimmer 13. In China gilt die Vier als Unglückszahl, weil ihre Aussprache so ähnlich wie das Wort für »Tod« klingt. Demzufolge würde man nirgendwo ein Hotelzimmer mit dieser Ziffer buchen können. Das Zweifache der Vier, die Acht, gilt dagegen in China als große Glückszahl. Wenn wir uns wiederum die Zahl Acht nach Gesichtspunkten der westlichen Numerologie und Astro­logie betrachten, ist sie eine weniger beliebte Zahl, die in ihrem qualitativen Wesen mit tiefschürfenden Themen wie Macht, Karma und Transformation behaftet ist. Ein Mensch, der zum Beispiel im 8. Haus seines Horoskops starke Planetenkonstellationen aufweist, folgt oft dem Drang, den geheimnisvollen Sinn des ­Lebens und Sterbens zu ergründen. Und auch im Lenormand finden wir die Acht dem Sarg zugeordnet, der das gleiche Themenbild beinhaltet. Nicht nur die empirischen Wissenschaften sondern auch die esoterischen beruhen auf einer zahlenbasierten Ordnung, ganz gleich ob das Tarot, die Astrologie, das Feng Shui, das Enneagramm, die Geomantie oder die Alchemie. Sie alle liegen ihrer Erklärung und Bedeutung nach einem mathematischen System zugrunde. Nun ist es an der Zeit, bei der Erforschung des Lenormands folgenden Fragen nachzugehen: Warum sollte ausgerechnet das Lenormand die Qualität der Zahlensymbolik unberücksichtigt lassen? Kann es wirklich sein, dass jedes Symbol allein nach dem Zufallsprinzip einer Ziffer zugeordnet wurde? Wenn doch schon signifikante Zusammenhänge zwischen den Lenormandbildern und der Astrologie, Mythologie sowie der Religionslehre zu erkennen sind, so müsste doch auch eine ausgeprägte Verbindung zur Numerologie vorhanden sein? Während meiner Recherche nach der Urbasis des Lenormand kristallisierte sich die Numerologie tatsächlich als zentrale Säule der symbolischen Gesamtheit he-

16  Die geheime Matrix: NuMerologie 

Die fabelhafte Welt des Lenormand  

Lehrbuch zu den Lenormandkarten: Die Lenormand-Expertin Kathleen Bergmann nimmt den Leser mit auf eine unvergessliche Reise durch die alten...

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