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9 9Blumen Blumen Nachdem wir die Unterwelt verlassen haben, erscheint die lichte Gegenwart der Blumen nahezu wie ein Paradies. Auf blühenden Sommerwiesen genießen wir die sorgenlosen Sonnenseiten des Lebens. Keine Schöpfung dieser Erde könnte die Lebenskunst stilgerechter interpretieren als ein Meer aus Blumen. Ihre Kelche angenehm duftend, ihre filigranen Blütenblätter im Wind wiegend, ihre Farbenpracht betörend schön. Die Blumen im Lenormand sind ein herrliches Sinnbild für die Leichtigkeit des Seins. Doch nehmen wir das mit der Leichtigkeit nicht immer so leicht. In jungen Jahren schien alles so einfach zu sein. Wir fühlten uns wie schwerelos durchs Leben gleitend. Je älter wir werden, umso komplizierter wird es. Oder machen wir uns doch nur selbst das Leben schwer? Wie sagte Oscar Wilde so treffend: »Nicht das Leben ist kompliziert, wir sind es. Das Leben ist einfach, und das Einfache ist das Richtige.« Woran scheitert also der »easy way of life«, von dem wir gerne mehr hätten? An welchem Punkt sind wir von der Schaukel gesprungen und haben es fortan gemieden, von den Schwingen des Lebens sanft getragen zu werden? Fast jeder hatte Zeiten im Leben, die unbeschwert waren. Viele negative Erfahrungen und Einflüsse entfernten uns im Laufe der Zeit immer weiter von unseren Träumen und Wünschen. Wir fingen an, die vielen selbstverständlichen Dinge wie Vertrauen, Freundschaft, Liebe und Selbstwert mehr und mehr in Frage zu stellen. Statt Risiken einzugehen wie früher beim Klettern auf Bäume oder beim Trampen nach Italien, gehen wir heute lieber allem aus dem Weg, was wir nicht im Vorfeld genau abschätzen können. Mit zunehmendem Alter glauben wir weiser zu werden, aber finden trotzdem kein Patentrezept, um das Leben leichter zu nehmen. Kein Wunder also, dass unser Dasein eines Tages nicht nur eintöniger, sondern unter tatkräftigem Einsatz sämtlicher Abwehrstrategien und Schutzmechanismen vor allem schwieriger wird. Meistens nehmen wir uns nämlich die besten Chancen selbst weg und nicht das Leben, das wir gerne verklagen für das, was es uns vorenthält. Wir tun mehr dafür, das Schlechte zu vermeiden als das Gute zuzulassen. Genau deswegen ist das so schwer mit der Leichtigkeit. Bild links: Pierre-Auguste Renoir (1841 – 1919) – Die beidenSchwestern (auf der Terrasse), 1881

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Seiten aus Die fabelhafte Welt des Lenormand von Kathleen Bergmann - Kapitel Baum und Blumen  

Leseprobe aus dem Buch "Die fabelhafte Welt des Lenormand" von Kathleen Bergmann

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Leseprobe aus dem Buch "Die fabelhafte Welt des Lenormand" von Kathleen Bergmann

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