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Eine Initiative f端r Toleranz und Gastfreundschaft in Erfurt


»Ich bin eine andere Person geworden, eine Staatsangehörige der Welt. Ich liebe Dich, Erfurt. Obwohl ich jetzt wieder in meine Heimat gehe, ist Erfurt immer mein anderes Zuhause.« Sari A.M. (Indonesien) 2004

Liebe Erfurterinnen und Erfurter, mehr als 150 ausländische Studierende aus der ganzen Welt kommen jährlich zu einem Studium an die Universität oder die Fachhochschule in unsere Stadt. Viele von ihnen absolvieren ihr gesamtes Studium in Erfurt, andere lediglich ein Semester oder ein Jahr. Ausländische Studierende und Gastdozenten sind Mitbürgerinnen und Mitbürger auf Zeit. Ihr Aufenthalt in unserer Stadt bestimmt wesentlich das Bild von Deutschland, das sie gewinnen und welches sie ein Leben lang begleiten wird. Wenn Sie selbst einmal ins Ausland gereist sind, werden Sie die Erfahrung gemacht haben, dass man ein fremdes Land erst dann richtig kennen lernen kann, wenn man intensiven Kontakt zu seinen Menschen hat. Im Jahr 2002 haben wir deshalb das Projekt »Fremde werden Freunde« ins Leben gerufen. Fast 1300 Studierende aus 90 Ländern waren und sind seitdem an diesem Projekt beteiligt. Zahlreiche Erfurter Bürgerinnen und Bürger haben sich als engagierte Paten gezeigt. Egal wie alt Sie sind, ob Sie eine Familie sind oder allein leben – die ausländischen Studierenden möchten Sie kennen lernen. Unterstützen Sie uns dabei, sie in einem weltoffenen Erfurt willkommen zu heißen. Machen Sie mit bei »Fremde werden Freunde«!

Prof. Dr. Kai Brodersen

Prof. Dr. Heinrich Kill

Präsident der Universität Erfurt

Leiter der Fachhochschule Erfurt

Andreas Bausewein

Dr. Katrin Langer

Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt

Geschäftsführerin des Thüringer Institutes für Akademische Weiterbildung


Erfurt – eine gastfreundliche weltoffene Stadt Wanderungsbewegungen, Integrations- und Minderheiten-

sichtbar als in anderen Gegenden Deutschlands und Eu-

fragen gehören zu den wichtigsten Fragen der Gegenwart.

ropas, aber diese Broschüre wird etwas von der multikul-

Dabei ist es hilfreich, in historischen Zusammenhängen zu

turellen Vielfalt in unserer Landeshauptstadt Erfurt ahnen

denken. Migration hat es schon immer gegeben. Die Bewe-

lassen.

gung von Menschen über Grenzen und die Begegnung von Kulturen waren in der Geschichte mehr die Regel als die

Zugewanderte sind keine homogene Gruppe – es ist der Arzt

Ausnahme. Migration darf nicht als Belastung verstanden

aus Kasachstan, der vietnamesische Händler, der jüdische

werden, sondern man muss die damit verbundenen Chan-

Musiker aus Estland, die Flüchtlingsfamilie aus dem Irak,

cen für die Weltoffenheit, den Pluralismus und die Toleranz

die Studentin aus China, der Doktorand von der Elfenbein-

in unserer Gesellschaft sehen.

küste, die italienische Restauratorin, der Arbeit suchende ehemalige Vertragsarbeiter aus Mosambik, der französische

Ende 2011 lebten ungefähr 7,2 Mio Ausländer in der Bundes-

Unternehmer, die Lehrerin aus Kanada – so bunt ist das Le-

republik Deutschland. Der vergleichsweise geringe Anteil

ben hierzulande. Aber das Thema Zuwanderung ist nach wie

der in den neuen Bundesländern lebenden Ausländer lässt

vor mit Emotionen besetzt. Die öffentliche Meinung über die

sich auf die Politik der Abschottung der ehemaligen DDR

ausländische Bevölkerung und über das Zusammenleben ist

zurückführen. Der Zuzug von Ausländern war nur außeror-

in fast allen Bereichen von Vorurteilen geprägt. Ob sie richtig

dentlich begrenzt möglich. Nach der Wende in den Jahren

oder falsch, begründet oder unbegründet sind, wird meist

1989/1990 verließen viele Ausländer Erfurt. Hauptsächlich

nicht überprüft. Vorurteile und Wissensdefizite können das

waren es jene Vertragsarbeitnehmer aus Regierungsab-

menschliche Klima erheblich negativ beeinflussen. Für Sach-

kommen, deren Verträge ausgelaufen waren. In den Jahren

lichkeit, Toleranz und Fairness bleibt häufig wenig Platz. Hier

von 1990 bis 2011 ist ein allmählicher Zuwachs der ausländi-

muss Wertevermittlung und Aufklärung ansetzen.

schen Wohnbevölkerung in der Stadt Erfurt zu verzeichnen. Lebten 1991 unter 2.000 Ausländer (knapp 1 % der Bevölke-

Dazu soll unser gemeinsames Projekt »Fremde werden

rung) in Erfurt, so ist ihre Zahl 2011 auf etwa 6.700 (3,3 % der

Freunde« beitragen. Ziel des Projektes einerseits ist es, aus-

Bevölkerung) aus über 100 Staaten angestiegen.

ländische Studierende der beiden Hochschuleinrichtungen in das Leben der Stadt Erfurt und Thüringens zu integrieren.

Im Vergleich mit den ostdeutschen Landeshauptstädten hat

Andererseits werden durch diese ganz persönlichen Kon-

Erfurt den geringsten Ausländeranteil an der Gesamtbevöl-

takte zahlreiche freundschaftliche Beziehungen zwischen

kerung. In allen ostdeutschen Landeshauptstädten (ohne

Ausländern und Erfurter Bürgern aufgebaut, die für beide

Berlin) liegt er weit niedriger als in den altbundesdeutschen

Seiten mit Sicherheit nachhaltig wirken und Vorurteilen kei-

Landeshauptstädten mit durchschnittlich 16 % Ausländer-

nen Raum lassen. Dieses Bild sollen die Studierenden in ihre

anteil.

Heimat mitnehmen, das Bild von einem gastfreundlichen und weltoffenen Erfurt.

Dennoch – das Leben ist bunt, vielfältig und interessant – auch in Erfurt. Zwar scheint die ethnische, kulturelle und

Renate Tuche

religiöse Zusammensetzung hierzulande deutlich weniger

Ausländerbeauftragte der Landeshauptstadt Erfurt

Loubna aus Marokko Studienfach: Literaturwissenschaft

1 Fremde werden Freunde


Gute Gründe für ein Studium an der Universität Erfurt... Internationalisierung an den Hochschulen Noch nie stand die Internationalisierung des Hochschulwesens mehr im Mittelpunkt der Diskussionen an den deutschen Hochschulen als heute. Der Anteil der internationalen Studierenden an der Gesamtzahl der Immatrikulierten wird als einer der Hauptindikatoren für den Grad der Internationalisierung angesehen. Neben der ökonomischen Standortstärkung ist das Ausländerstudium vor allem auch ein Instrument auswärtiger Kulturpolitik und entwicklungspolitischer Zusammenarbeit. Aus der Befürchtung heraus, dass Deutschland als Bildungsstandort weltweit an Bedeutung verlieren könnte, da vor allem englischsprachige Länder mit aggressiven Marketingstrategien um ausländische Stu-

Das internationale Profil der Universität spiegelt sich unter

dierende werben, erfuhr die Internationalisierung eine star-

anderem in der Zusammensetzung der Studierendenschaft

ke Professionalisierung. So wurde die Studienstruktur an

und des Lehrkörpers wider. Im Studienjahr 2011, dem

allen Hochschulen auf das international übliche Bachelor-/

zwölften Jahr seit der Aufnahme des Studienbetriebes im

Master-System umgestellt.

akademischen Jahr 1999/2000, kommen fast 350 der ca. 5000 an den vier Fakultäten der Universität eingeschriebe-

Studierende aus dem Ausland entscheiden sich aus den

nen Studierenden aus dem Ausland. Sie kommen aus 80

verschiedensten Gründen für ein Studium in Deutschland:

Ländern der Welt, wobei die Russische Förderation mit 27

Zum einen haben die deutschen Hochschulen international

die meisten Studierenden stellt. Es folgen Afghanistan mit

attraktive Studien- und Forschungsangebote, die teilweise

25 und die Volksrepublik China mit 19 Studierenden. Drei

auch in Fremdsprachen unterrichtet werden. Zum anderen

Viertel von ihnen möchten in Erfurt einen Bachelor - oder

haben sich die Rahmenbedingungen für ein Studium in

Masterabschluss erwerben oder arbeiten an einer Promoti-

Deutschland mit der Reform des Ausländerrechts und dem

on. Hinzu kommen in jedem Semester Studierende von un-

neuen Zuwanderungsgesetz deutlich verbessert, insbeson-

seren ausländischen Partnerhochschulen, die für ein Aus-

dere was eine Erwerbstätigkeit neben bzw. nach dem Studi-

tauschsemester oder – jahr nach Erfurt kommen. Komplett

um, die Gesamtaufenthaltsdauer, einen Fachwechsel sowie

international zusammengesetzt ist der Master-Studiengang

den Familiennachzug betrifft.

Public Policy, der auf Englisch unterrichtet wird.

Warum gerade Erfurt?

An Universität und Fachhochschule finden ausländische Studierende Bedingungen, die ihnen helfen, ihr Studium

Neben diesen allgemeinen und für ganz Deutschland zutref-

erfolgreich zu meistern. Dazu gehört die Bereitstellung von

fenden Motiven gibt es aber auch gute Gründe, gerade nach

Wohnheimplätzen ebenso wie ein gastfreundliches Klima,

Erfurt zu kommen. Die im Jahre 1994 wieder gegründete

das Erfurt für Studierende aus dem Ausland attraktiv macht.

Universität Erfurt nimmt in Bezug auf die Internationalisie-

Es hat sich herumgesprochen, dass das Betreuungspro-

rung eine Vorreiterrolle ein. Sie bietet nicht nur den konse-

gramm für internationale Studierende, für das die Univer-

kutiv aufgebauten Baccalaureus- und Magisterstudiengang

sität Erfurt bereits Ende 2001 mit dem Arbeitgeberpreis für

an, sondern verfügt auch über ein studienbegleitendes Prü-

Bildung ausgezeichnet wurde, ein ganz besonderes ist.

fungssystem, vergibt Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer System (ECTS) und hat ein für alle Studie-

Manuela Linde

renden verbindliches Mentorensystem eingeführt.

Leiterin des Internationalen Büros

Ringa aus Estland Doktorandin der Finanzwissenschaften

2 Fremde werden Freunde


...oder an der Fachhochschule Erfurt Gegründet wurde die Fachhochschule (FH) Erfurt im Ok-

und Fachbereiche unterstützen die Studierenden aus dem

tober 1991. Im Wintersemester 2011/12 waren über 4600

Ausland. In jedem Fachbereich gibt es einen Beauftragten

Studierende in über 20 Studiengängen der Fachhoch-

für ausländische Studierende, der für die individuelle Be-

schule Erfurt eingeschrieben, u. a. in den Fachrichtungen

ratung, insbesondere bei Fragen und Problemen im Stu-

Angewandte Informatik, Bauingenieurwesen, Gebäude -

dienablauf, zur Verfügung steht; außerdem werden stu-

und Energietechnik, Wirtschaftswissenschaften, Soziale

dienvorbereitende und studienbegleitende Deutschkurse

Arbeit sowie Verkehrs - und Transportwesen.

angeboten.

Ausländische Studierende

Das Projekt »TANDEM«

Fast 180 ausländische Studierende waren im Winterse-

Seit Wintersemester 2000/2001 existiert an der FH Erfurt

mester 2011 / 12 an der FH Erfurt immatrikuliert, unter

das Projekt TANDEM. Diese gemeinsame Initiative von

ihnen 61 im ersten Semester. Die meisten von ihnen ab-

deutschen und ausländischen Studierenden und dem

solvieren innerhalb von zwei oder drei Jahren einen regu-

Auslandsreferat der Fachhochschule erleichtert auslän-

lären Bachelor- oder Masterstudiengang. Im Rahmen von

dischen Studierenden die Eingewöhnung am Studienort:

Austauschprojekten mit einer der über 60 ausländischen

Engagierte deutsche Tutoren begleiten die ausländischen

Partnerhochschulen kommen pro Semester etwa 25 aus-

Studierenden bei der Einschreibung, beim Abschluss des

ländische Studentinnen und Studenten nach Erfurt.

Mietvertrags, der Anmeldung bei der Ausländerbehörde und leisten Unterstützung beim fachlichen Start in das

Mit zahlreichen Universitäten in Europa ist die Fachhoch-

Studium. Außerdem gibt es im Rahmen des TANDEM-

schule Erfurt im europäischen Programm ERASMUS

Projekts kulturelle Aktivitäten wie Stadtrallye, Internatio-

verbunden, u.a. gibt es Studierenden- und Dozentenaus-

nal Dinner, Exkursionen in Thüringen und vieles mehr.

tausch mit Hochschulen in Litauen, Polen, Frankreich, Slowenien und Großbritannien. Weitere wichtige Partner-

Gemeinsame Initiativen zur Integration ausländi-

schaften werden u.a. mit Universitäten in Russland, Indo-

scher Studierender

nesien und Indien gepflegt. Die FH Erfurt bemüht sich, den ausländischen Studierenden die Integration am Studien-

An der Fachhochschule gibt es in Zusammenarbeit mit

ort zu erleichtern: Studentensekretariat, Auslandsreferat

anderen Partnern, z.B. der Universität und Stadtverwaltung Erfurt, dem Studentenwerk Thüringen und Vereinen zahlreiche Projekte und Initiativen zur Integration ausländischer Studierender am Studienort Erfurt. Dazu gehören Exkursionen, internationale Treffpunkte wie das »Café International« oder der Internationale Stammtisch sowie die Möglichkeit zum Unterrichten an einer Schule über den Verein »Springboard to Learning«. Ein wichtiger Baustein im Betreuungsprogramm ist das im Jahr 2002 ins Leben gerufene Projekt »Fremde werden Freunde«, über das ein großer Teil der ausländischen Studierenden einen Paten in Erfurt gefunden hat.

Cornelia Witter, Auslandsreferentin

Mohammad aus Syrien Studienfach: Informatik

3 Fremde werden Freunde


TIAW – ein Partner für lebenslanges Lernen Das 1991 gegründete Institut für Akademische Weiterbildung ist

»Fremde arbeiten mit Freunden« —

ein Institut zur Unterstützung des Strukturwandels. Das TIAW

Ausdehnung des Projektes auf die Wirtschaft

bringt in Projekten Akteure zusammen, z. B. aus der Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Stiftungen, Verwaltung sowie Förderin-

Auch Thüringer Unternehmen stehen vor der Herausforde-

stitutionen. Dabei realisiert das Institut Projekte mit regional-

rung, sich in einer zunehmend globalisierten Wirtschaftswelt

politischer Bedeutung, vor allem in den Bereichen Bildung,

zu behaupten. Neben Fachkompetenzen werden daher auch

Beschäftigung und Regionalentwicklung auf lokaler, Landes-,

sprachliche und interkulturelle Kompetenzen für Unternehmen

Bundes- und europäischer Ebene. Die Internationalisierung

immer wichtiger. Entsprechende Fachkräfte werden gesucht.

der Projektarbeit am TIAW in Umsetzung europapolitischer

Die ausländischen Studierenden stellen dabei ein Potenzial

Leitlinien des Freistaates Thüringen nimmt dabei einen immer

dar. Sie bringen interkulturelle Kompetenz, Fremdsprachen-

größeren Stellenwert ein und umfasst Kooperationen mit Part-

kenntnisse in Verbindung mit ihrer fachlichen Ausbildung und

nern in Ländern wie z. B. Italien, Slowakei, Ungarn, Slowenien,

das Interesse mit, die deutsche Arbeitswelt zu erfahren.

Österreich, Tschechische Rebublik, Ukraine und Polen. Sie ist

Dieses Potenzial, den Bedarf und gegenseitige Interessen mit-

durch Gebietsvertretungen, wie für Iwano-Frankivsk und Lviv

einander zu verknüpfen, ist im Rahmen des Projektes eine in-

vor Ort besonders ausgeprägt.

haltliche Schwerpunktaufgabe des Institutes.

Das Institut ist spezialisiert auf Wissenstransfer und unterstützt

Am Anfang stehen Betriebsbesichtigungen, Interessenbekun-

regionale Vernetzung. Es verfügt über Erfahrungen aus ent-

dungen und persönliche Gespräche. Dem folgen Praktika in

sprechenden langjährigen Kooperationen und bringt mit eige-

Thüringer Unternehmen, um berufspraktische Erfahrungen

nen Publikationen, Veranstaltungsreihen und interdisziplinären

zu sammeln. Thüringer Unternehmen haben im Weiteren die

Projekten Erfahrungen, Wissen, Methodik und Netzwerke ein.

Möglichkeit, bei der Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen ins Ausland, die Kompetenzen der internationalen Studie-

Das TIAW ist Partner der Stadt Erfurt in verschiedenen kom-

renden zu nutzen. Davon profitieren beide Seiten. Koopera-

munal-, bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Projekten. So

tionspartner, die dieses Anliegen unterstützen, sind das Wirt-

ist das Institut Projektpartner des Projektes »Fremde werden

schaftsministerium, die Industrie- und Handelskammer, die

Freunde«. Im November 2005 besiegelten Vertreter der vier

Handwerkskammer, der Bundesverband der Mitteldeutschen

Einrichtungen den Kooperationsvertrag und sicherten damit

Wirtschaft, die Wirtschaftsjunioren Thüringens und weitere In-

die Finanzierung für die Zukunft. Als Kooperationspartner

stitutionen.

sichert das TIAW die arbeitsrechtlichen, arbeitsorganisatorischen, materiell-technischen sowie finanziellen Grundlagen.

Dabei nutzen die Studierenden auch die Erfahrungen aus eu-

Zugleich ist das TIAW Partner bei der inhaltlichen Ausgestal-

ropäischen Projekten des TIAW. So können sie einen Leitfaden

tung der Initiative, insbesondere auf dem Gebiet der Wirt-

für die standardisierte Bewertung und Zertifizierung von Ar-

schaftskooperation.

beitserfahrung anwenden, der in sechs europäischen Ländern entwickelt und modellhaft erprobt wurde. Der Leitfaden fördert im Zuge der voranschreitenden EU-Erweiterung die Vergleichbarkeit und Standardisierung unterschiedlicher Arbeitserfahrungen über die Grenzen der Mitgliedsländer hinweg. Dr. Katrin Langer, Geschäftsführerin des TIAW e.V.

R. Tilly (Kanzler der FH), D. Hagemann (Bürgermeister der Stadt Erfurt), Dr. K. Langer (Geschäftsführerin des TIAW e.V.), M. Henkel-Ernst (Kanzler der Universität) v.l.n.r. bei der Vertragsunterzeichnung

Luis aus Mexiko Studienfach: Public Policy

4 Fremde werden Freunde


Die am Projekt teilnehmenden Studierenden kommen aus...

Buthan

Irland

Macau Argentinien Mauritius Ă„thiopien

Sri Lanka

Jordanien

Venezuela

Hasnain aus Pakistan Studienfach: Public Policy, Doktorand, wissenschaftlicher Mitarbeiter

5 Fremde werden Freunde


Wie alles begann... Integration von Ausländern

gewinnen wir Paten? Wer darf mitmachen? Wir waren uns einig: Da gibt es keine Beschränkungen. Es gibt genügend

Wie fühlt sich ein Afrikaner in Erfurt? Genauso wie ein Eu-

engagierte Erfurter, die offen für andere Kulturen sind und

ropäer in Kamerun? Ich war noch nie dort, aber so muss es

über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Egal, ob jung

wohl sein. Man spürt alle Blicke auf sich gerichtet. Man fühlt

oder alt, berufstätig oder arbeitslos – wer Lust hat, kann

sich nicht immer ganz wohl. Man fühlt sich fremd. Bestimmt

sich anmelden.

geht es unseren ausländischen Studierenden auch manchmal so. Anlass für solche Gedanken waren im Frühjahr 2002 auch vereinzelte ausländerfeindliche Vorfälle in Thüringen. Wie können wir die Ausländer besser in das städtische Leben integrieren? Natürlich: Freunde statt Fremde! Nur, wie können Fremde Freunde werden? Mit dieser Frage war ich damals als Leiterin der Geschäftsstelle der Auslandsgesellschaften nicht allein. Auch Prof. Ursula Lehmkuhl, damalige Vizepräsidentin der Universität Erfurt, und Renate Tuche, Ausländerbeauftragte der Landeshauptstadt Erfurt, Manue-

Manuela Linde, Petra Eweleit, Cornelia Witter, Renate Tuche (v.l.n.r.)

la Linde, Leiterin des Internationalen Büros der Universität und Cornelia Witter, Auslandsreferentin der Fachhochschu-

Konkrete Schritte und Termine wurden festgelegt, Aufgaben

le Erfurt, hatten die gleichen Überlegungen. Uns allen war

verteilt, Flyer entwickelt und die Presse informiert, um Pa-

klar: Wir müssen mehr als bisher tun.

ten zu gewinnen. Natürlich freuten wir uns auch auf die ausländischen Studierenden, denn schließlich haben sie viel In-

Freilich, es gab die Deutsch-Ausländischen Gesellschaften,

teressantes in die neuen Freundschaften einzubringen. Und

den Internationalen Stammtisch und einige andere Orga-

wir konnten sie für unsere Initiative begeistern. Das war die

nisationen, aber auch die Zahl der ausländischen Studie-

Geburtsstunde des Projektes »Fremde werden Freunde«.

renden hatte stark zugenommen. Wie können wir sie aktiv am Leben der Stadt teilhaben lassen? Schließlich sind sie

Unser erstes großes Ziel war der Begrüßungsabend für die

auch eine Bereicherung für das kulturellen Zusammenleben

Teilnehmer am Projekt. »10 erhofft und 100 bekommen« –

in Erfurt. Bisher hatte man sie kaum wahrgenommen. Das

so lautete im November 2002 eine Zeitungsnotiz. 44 Stu-

wollten wir ändern.

dierende aus neun Ländern trafen zur Auftaktveranstaltung im Haus Dacheröden erwartungsvoll ihre Paten. 2011 sind es 226 Patenschaften mit Studierenden aus 64 Ländern. Da

Ursprung der Idee

sich oft die ganze Familie daran beteiligt, sind inzwischen über 1000 Menschen gute Freunde geworden, Freunde

Am Engagement, die ausländischen Studierenden in Er-

über Ländergrenzen hinaus.

furt zu integrieren, fehlte es im Sommer 2002 nicht. Aber zunächst an Geld und Erfahrung. Die gab es jedoch be-

Die vorliegende Broschüre möchte Sie an den gemeinsa-

reits in Frankfurt/Oder. Auf einer Internetseite entdeck-

men Erlebnissen der ausländischen Studierenden und ih-

ten wir Informationen über ein Patenschaftsprogramm an

rer Erfurter Paten teilhaben lassen. Vielleicht möchten dann

der Europa-Universität Viadrina. Der Kontakt war schnell

auch Sie, Ihre Freunde und Bekannten bei unserem Projekt

hergestellt, die Idee durften wir übernehmen, und nun

mitmachen. Wir würden uns sehr freuen.

galt es, das Projekt in Erfurt umzusetzen. Treffpunkt Internationales Büro der Universität Erfurt (s. Foto): Wir hatten eine Menge Ideen im Kopf, aber auch Fragen. Wie

Petra Eweleit, Projektleiterin

Liisa aus Finnland Studienfach: Psychologie

6 Fremde werden Freunde


Der erste Begrüßungsabend Ein Bericht von Anselmo Fichera und Ute Neumeis-

Auf dieses Abenteuer ließen sich an diesem Abend Stu-

ter, Redakteure der Zeitschrift »Dialog«

dierende aus China, Estland, Indonesien, Italien, Litauen, Mexiko, Russland, Spanien, Tschechien und den USA so-

Im Herbst 2002 gingen die Vorbereitungen für den Start des

wie deren Erfurter Paten ein. Doch wer gehört zu wem?

Projektes in die heiße Phase. Dem Aufruf in der Presse wa-

Die Antwort auf diese Frage ergab sich aus den Bild-Paa-

ren 44 Erfurter gefolgt, die gerne Paten eines ausländischen

rungen der kleinen Schilder: Reh sucht Reh, Apfel sucht

Studierenden werden wollten. Am 21. November war es

Apfel, … Das sorgte für Heiterkeit und funktionierte.

endlich so weit. Die Initiatoren luden zur offiziellen Begrüßungsfeier in das Haus Dacheröden ein.

Die Zuordnungen wurden aufgrund der angegebenen Wünsche und Interessen, z.B. Sport oder Kultur, vorgenommen, was den Einstieg ins Gespräch einfach machte. Bald bildeten sich Paare oder gar Gruppen, denn manche Paten hatten gleich ihre Familie mitgebracht. Schnell traf man die ersten Verabredungen: für eine Einladung nach Hause, für einen Stadtbummel, für gemeinsame Wanderungen oder zum Plätzchenbacken in der Adventszeit.

Die Ausländerbeauftragte, Renate Tuche, eröffnete die Veranstaltung. Es folgten Grußworte der Vertreter der Stadt, der Fachhochschule und der Universität. »Wir wollen den Aufenthalt der ausländischen Studierenden – derzeit sind es 279 in Erfurt – so angenehm wie möglich gestalten, so dass sie Erfurt als ihre zweite Heimat sehen«, sagte Bildungsbeigeordneter Bernd Winkler. Prof. Burkhard Duscha (Pate) macht sich mit »seiner« litauischen Studentin bekannt

Für die festliche musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgten Schüler der Musikschule Erfurt. Aus diesen ersten Bekanntschaften entwickelten sich mitunter dauerhafte Freundschaften, auch wenn die Studierenden inzwi-

Unter den Gästen: Petra Eweleit, Projektleiterin, Bernd Winkler, Beigeordneter, Prof. Wolf Wagner, Rektor der Fachhochschule und Elisabeth Geffers-Strübel, Vorsitzende des Vereins „Springboard to Learning“ (v.l.n.r.)

schen in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Man schreibt sich E-Mails und telefoniert miteinander, nicht selten kommt es vor, dass Paten ihre »Patenkinder« in Litauen, China oder

»Wenn die Studierenden in ihre Heimat zurückkehren, sollen

einem anderen Land besuchen. Und gern kommen die

sie Botschafter für ein tolerantes, gastfreundliches Erfurt sein«,

Studierenden nach Erfurt zurück, z.B. um ihre Freunde und

so der Kanzler der Universität, Martin Henkel-Ernst. Prof. Dr.

Paten wieder zu sehen.

Wolf Wagner, Rektor der Fachhochschule, merkte an: »Eine interkulturelle Begegnung ist stets ein Abenteuer, ein Wagnis«.

Erfurt, März 2003

Anastasija aus Russland Studienfach: Gebäude - und Energietechnik

7 Fremde werden Freunde


Seerose sucht Seerose Ich traf Stefan am 21. November 2002 im Haus Dacheröden.

bewundert, das Opernhaus gesehen und die Hofkirche be-

Ich musste jemanden finden, der auch eine Seerose trägt,

sucht, und wir sind am Fluss spazieren gegangen. Aber am

und ich war irgendwie sicher, dass ich ein freundliches äl-

schönsten war es, wenn wir am Abend zurückgekommen

teres Ehepaar als Paten bekommen würde. Ich dachte, dass

sind. Ich erinnere mich ganz genau, wie geheimnisvoll die

sie einen Hund und eine Katze haben und dass wir abends

dunklen Galerien des Schlosses aussahen, und wie ich

zusammen »Kommissar Rex« im Fernsehen schauen wür-

zwischen den alten Laternen auf der verschneiten Veranda

den. Aber Stefan war ganz anders. Wir haben einander

stand. Es war ein ganz besonderes Gefühl.

schon am Anfang gut verstanden und so ist es geblieben. Am nächsten Tag waren wir im Elbsandsteingebirge in der Er hat mir so viel gegeben und beigebracht, dass ich von

Sächsischen Schweiz. Ich muss ehrlich sagen, dass ich keine

der gemeinsame Zeit nur positive Erinnerungen habe. Ich

Ahnung hatte, dass so etwas in Deutschland existiert. Ich

war bei einer Party bei ihm, er hat mich zu meinem Geburts-

liebe die Natur über alles und war begeistert, solche Wun-

tag besucht, wir sind in Dresden, Berlin und Heiligenstadt

der zu sehen, dort selbst zu sein. Ich schaue zuhause die

gewesen, wir waren auf der Bodensteiner Burg und in der

Postkarten an und sage mir: »Ich bin dort gewesen.« Aber

Sächsischen Schweiz. Ich habe sein Zuhause der Kindheit

ich glaube es nicht. Manchmal ist es sogar schwer zu glau-

besucht und mit ihm gemeinsam gekocht. Ich habe viele

ben, dass ich ein halbes Jahr in Deutschland lebte. Ich fühle,

neue Wörter gelernt und alte Fehler vergessen. Ich finde,

dass ich geträumt habe. Aber es waren schöne Träume…

einer der wichtigsten Vorteile des Projekts ist, dass man mit einem deutschen Muttersprachler in Kontakt ist und im-

Danke, Stefan!

mer korrigiert werden kann. Nur so ist es möglich, Sprach-

Ma ei unusta neid päevi, tunde, hetki

kenntnisse zu entwickeln. Durch angenehme Unterhaltung kommt Sprache ohne große Mühe.

Kärt Merilain (Estland) Erfurt, April 2003

Aber nicht nur die Sprache, ich habe noch sehr viel mehr gelernt – Nudeln und Pesto zu machen, ruhig zu bleiben, wenn alle meine »Männchen« in dem Spiel »Mensch ärgere dich nicht!« rausgeworfen wurden und zu leben mit dem Wissen, dass unsere gemeinsamen Tage bald vorbei sein werden. Zwei von den Fotos, die vor mir liegen, sind von dem Ausflug nach Dresden. Es war ein schöner Tag – der Himmel war hoch und blau, die goldenen Teile des Königschlosses schienen in der Sonne und trotz des Schnees lag der Frühling in der Luft. Wir haben das Schloss

Aukse aus Litauen Studienfach: Geschichtswissenschaft

8 Fremde werden Freunde


Seerose findet Seerose Patenschaft konkret - Fragebogen 3.Sind Sie auch in Zukunft an einer Patenschaft

Name des Studierenden, über den Sie die Patenschaft übernommen hatten:

interessiert? Ja, sicher! Es war eine tolle Zeit. Es hat mir viel Spaß ge-

Kärt Merilain (Estland)

macht, Kärt meine Heimat zu zeigen und sie mit meiner Familie und meinen Freunden bekannt zu machen. Und ich konnte etwas über ihre Heimat erfahren. Ich denke, jede Patenschaft wird neue Erfahrungen mit sich bringen, aber

1.Wie gestaltete sich der Kontakt? Was haben Sie

die erste ist bestimmt etwas ganz Besonderes. Ich bin ge-

gemeinsam unternommen?

spannt…

Meine Patenstudentin Kärt kam aus Estland und studierte für ein Semester hier in Erfurt. Wir lernten uns beim Begrüßungsabend im Haus Dacheröden kennen. Anfangs unter-

4.Anregungen / Tipps

nahmen wir ziemlich wenig, trafen uns nur selten. Für mich war diese Patenrolle etwas Neues, und ich habe lernen

Der Begrüßungsabend fand meiner Meinung nach

müssen, dass es viel Initiative braucht, um die Patenschaft

recht spät statt, erst am 21. November. Die Semes-

am Leben zu erhalten. In den letzten Wochen vor ihrer Ab-

ter sind ziemlich kurz. Es gibt so viel zu entdecken!

reise nach Tallinn wurde der Kontakt dann sehr viel reger.

Mit dem Projekt sollte nicht erst zu Semestermitte

Wir feierten Partys, luden uns gegenseitig ein, bummelten

begonnen werden.

durch die Stadt und lernten die Freunde des Anderen kennen. Zwei besondere Highlights waren der Tagesausflug in

Stefan Hübner, Erfurt, April 2003

das Eichsfeld mit Hausmannskost von Muttern (eine Gelegenheit, die in Kärt’s Studentenleben in der Ferne einmalig war, wie sie sagte) und der Ausflug nach Dresden und in die Sächsische Schweiz. Die Zeit war sehr schön, und der Abschied fiel uns beiden sehr, sehr schwer…

2.Falls der Kontakt abgebrochen ist, woran lag es Ihrer Meinung nach? Dass der Kontakt nicht abgebrochen ist, lag wohl vor allem daran, dass ich ihr immer wieder Angebote zu Unternehmungen gemacht habe. Ich denke, die Initiative muss wirklich mehr von Seiten der Paten kommen. Schließlich sind wir ja auch die Gastgeber.

Sommer 2003, Gegenbesuch in Estland

Amir aus Malaysia Studienfach: Public Policy

9 Fremde werden Freunde


Fremde wurden Freunde Wiedersehen bei den Olympischen Spielen in Athen

Stätten ihrer historischen und modernen Wurzeln. Das Foto zeigt uns daher auch mit einem der Maskottchen zu den

Klatschen bei der Landung des Flugzeugs! Klar – wie konnte

Spielen 2004 in Athen.

ich auch vergessen, dass ich mit einer typischen TouristenCharter-Maschine nach Thessaloniki geflogen bin? Aber ei-

Absoluter Pluspunkt zur Fülle an Geschichte und Kultur ist

gentlich war das ziemlich egal, genauso wie die engen Sitz-

jedoch in jedem Fall die Mentalität der Griechen. Ob bei

reihen und mein Platz im Raucherbereich, schließlich war

Verwandten oder Freunden, in Thessaloniki, Athen oder

ich nach zweistündigem Flug bei über 30 Grad Celsius und

Chalkidiki, überall wurde ich freundlich und mit viel Inter-

strahlendem Sonnenschein in Griechenland gelandet. Min-

esse empfangen. Zum Teil konnte ich mich schon fast wie

destens genauso wichtig war, dass ich nach gut acht Mo-

ein alter Bekannter fühlen, schließlich hatte Marios bereits

naten ausschließlichem E-Mail Kontakt mein »Patenkind«

ausgiebig über seine Zeit in Erfurt berichtet.

Marios wiedersehen würde. Im August letzten Jahres hatte ich im Rahmen des Projektes »Fremde werden Freunde« die Patenschaft für einen gerade in Erfurt eingetroffenen griechischen Studenten übernommen. Ich denke, wir verstanden uns auf Anhieb gut, so dass die Zeit seines Aufenthalts mit den Unternehmungen gefüllt war, welche Thüringen, die nähere und weitere Umgebung zu bieten haben (Ausflüge nach Dresden und an den Rhein von Mainz bis Koblenz, Zwiebelmarkt, Lichterfest, Weihnachtsmarkt, Film- und Kochabende). Zu den festen Größen zählten natürlich auch der Internationale Stammtisch, Café International, der Stammtisch der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Weimar sowie das Partyleben auf dem Campus der Uni. Ende Dezember war dann leider Abschied nehmen angesagt, da Marios´ Praktikumszeit bei einer Erfurter Firma zu Ende ging.

Marios Mitrosilis (Griechenland, links) und Thomas Beyer

Das Versprechen auf ein Wiedersehen sollte zwar noch einige Monate auf seine Einlösung warten, aber endlich konnte

Die leider vorhandene Sprachbarriere (meine Griechisch-

ich der Einladung auf einen Besuch in Griechenland folgen.

kenntnisse müssen schlicht als nicht vorhanden bezeichnet

Jetzt hatte sich Marios als Gastgeber angeboten, mir Kultur

werden) wurde mit umso mehr Herzlichkeit und den Dol-

und Besonderheiten seines Heimatlandes nahe zu bringen

metscherkünsten meines Gastgebers überwunden.

und damit auch Aufgaben eines Paten für mich zu übernehmen. Um es gleich vorweg zu nehmen, er machte seine Sa-

Ich hoffe, dass meine Freundschaft mit Marios noch lange

che hervorragend (ich hoffe, meine Zeit als Pate habe ich

Zeit hält und ich auch als Pate für weitere Austauschstu-

ebenso gut gemeistert). Zwei Wochen hatte ich Gelegen-

denten ähnlich positive Erfahrungen sammeln und mit vol-

heit, Land und Leute kennen zu lernen. Viel zu wenig für ein

ler Überzeugung auch in Zukunft sagen kann:

Land, das auf eine so lange und bewegte Geschichte zurück

»Fremde wurden Freunde!«.

blickt! Einen Höhepunkt auszumachen, fällt da schwer. Eindrucksvoll und unvergesslich war, die Olympischen Spiele

Thomas Beyer

einmal hautnah mitzuerleben – und das auch noch an den

Erfurt, September 2004

Marios aus Griechenland Studienfach: Elektrotechnik

10 Fremde werden Freunde


»We are family...« Was genau war es, was mich dazu brachte, bei dem Projekt

dete ich uns in der Volkshochschule an. Zu der gewünschten

»Fremde werden Freunde« mitzumachen? Vielleicht mein

Uhrzeit gab es nur einen Seniorenkurs, was uns nicht störte.

Interesse an der englischen Sprache, an fremden Kulturen

Wir konnten einiges lernen von den erfahrenen Malern. So

oder allgemein an netten Menschen? Ich brauchte nicht lan-

hatten wir schon mal einen fixen Termin pro Woche. Darüber

ge, um Feuer und Flamme für das Projekt zu sein und mel-

hinaus trafen wir uns auf einen Kaffee, um Neuigkeiten aus-

dete mich kurzentschlossen an. Die erste Patenschaft mit

zutauschen. Wir sprangen ums Feuer zur Walpurgisnacht,

der Amerikanerin Maura schien unter keinem guten Stern zu

besuchten Buchenwald, spielten gemeinsam Gitarre und

stehen. Es gab keine Sympathie zwischen uns und außer ein

probierten beim »Wernesgrüner Brauereifest « mittelalterli-

paar Treffen auf meine Initiative hin auch keine gemeinsa-

che Speisen und Getränke.

men kulturellen Aktivitäten. Wir tauschten E-mails aus und unser Wunsch, für eine Zeit ...mit Louise aus Irland

im Ausland zu leben, wurde immer größer. 2007 hat es dann geklappt und meine gesamte Familie samt Hund zog in die

Doch dann kam Louise, ein lustiges irisches Mädchen, das

Nähe von Chicago. Wir erlebten drei ereignisreiche Jahre,

ich sofort in mein Herz schloss. Im Sommer nahmen wir sie

unser Englisch wurde immer besser und unsere Tochter er-

mit an den Badesee. Wir machten Ausflüge in die nähere

lebte alle Höhen und Tiefen, die man als Jugendliche so auf

Umgebung, und ich lud sie zum Feuerwehrfest in unser Dorf

der High School erfährt. Jetzt leben wir wieder in Erfurt und

ein. Dort hatte es ihr der »Holzmichel« angetan, und sie sang

ich möchte nicht eine Minute unseres Auslandsaufenthaltes

textsicher mit.

missen. Ein bisschen hat auch das Projekt „Fremde werden Freunde“ zu unserem interessanten Lebensweg beigetra-

Einmal fuhren wir nach Tschechien zum Einkaufen. An der

gen, die Neugier auf das Fremde.

Grenze schauten uns die Zollbeamten verdutzt an, als wir ihnen drei deutsche und einen irischen Pass reichten. Sie

Die gemeinsame Zeit mit unseren irischen und amerikani-

drehten und wendeten ihn, untersuchten jede Seite, denn

schen Freunden bereicherte nicht nur meinen Mann und

einen solchen Pass hatten sie noch nie gesehen. Im Laufe

mich, sondern trug auch zur Entwicklung unserer Tochter bei.

der Zeit entwickelte sich eine besondere Freundschaft zwi-

Ich hoffe, ihr durch unsere Lebensweise Werte wie Freund-

schen Louise und mir und ihre Erzählungen ließen mich sehr

schaft, Toleranz und Verantwortung auf ihren Lebensweg

neugierig auf ihre Heimat – The Emerald Island - werden. Da

mitzugeben.

ich schon immer einmal an einem Sprachkurs im Ausland teilnehmen wollte, fuhr ich im Sommer 2004 nach Dublin.

Heike Lindner, Erfurt, Juli 2012

Louise lud mich in ihre Familie ein, zeigte mir die Umgebung von Dublin und wo Bono von U2 wohnt. Wir gingen in Pubs und Cafés und wir hatten eine Abmachung: In Deutschland wird nur deutsch und in Irland nur englisch gesprochen. Es hat mir so gut in Dublin gefallen, dass ich seitdem jedes Jahr einen Sprachkurs in Irland absolviert habe. ...mit Eva und Ernie aus Amerika Die nächste Patenschaft übernahmen wir für Eva und Ernie, ein zauberhaftes Paar aus Kalifornien und Arizona. Ich traf sie beim Stammtisch der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft. Eva und ich fanden schnell heraus, dass das Zeichnen und Malen unser gemeinsames Hobby ist. Kurz darauf mel-

Eva St. Clair und Ernest Tedeschi (USA)

Louise aus Irland Studienfach: Germanistik

11 Fremde werden Freunde


Episode im Schnee

Gaudi beim Entenrennen... Sehen wir uns beim Entenrennen? Jeder Erfurter weiß, was

Yudha Mohammad Kuntjoro kommt aus Indonesien und

gemeint ist, doch nicht die ausländischen Studenten. Des-

studiert Angewandte Informatik an der Fachhochschule.

halb schlug ich ein Treffen zu diesem traditionellen »Volksfest« vor, das immer an einem Sonntag im April stattfindet.

Yudha ist einer, der alles kennen lernen und ausprobieren

Es ist ein Riesenspaß, wenn über 5.000 Plastikenten auf der

möchte. Auf meine spaßig gemeinte Frage: »Kommst du

Gera um die Wette schwimmen. Und mit Glück kann man

mit zum Skilaufen?« sagte er sofort: »Geht das?«. Ich ant-

am Ziel einige davon ergattern. Dank guter Teamarbeit hat-

wortete: »Klar, ich bringe es dir bei.« Der nächste Samstag

ten wir viel Glück, wie man sieht.

war verabredet. Unser Ziel: Masserberg. Die Ausrüstung war schnell geliehen, und so stand Yudha in spannender Erwartung das erste Mal in seinem Leben auf Skiern. Stehen – laufen – fallen – aufstehen und ein Stückchen fahren... Sein Mut und sein mitreißendes Lachen machten auch mir Freude.

...und Appetit auf Weihnachtsgans Auch die Veranstaltung »Internationale Weihnachtsbräuche« im Frauenzentrum ist für mich schon Tradition geworden. Ausländische Studentinnen erzählen den Paten, Gästen und Gastgebern, wie in ihrer Heimat Weihnachten gefeiert wird. So gehen in Finnland die Wichtel mit in die Sauna, und in Kasachstan gibt es Reissalat mit Honig und Rosinen, der lecker schmeckt, wie wir uns überzeugen konnten. Es ist für mich immer spannend und lehrreich.

Yudha: »Oh, was ist das? Die Beine machen gar nicht, was

Alle Jahre wieder berichte ich über einen anderen deut-

ich will!« Drei Stunden lang übte er ohne den Spaß zu ver-

schen Weihnachtsbrauch: Adventskalender, Weihnachts-

lieren. Den Fotoapparat nahm er diesmal ausnahmsweise

baum, Christbaumkugel… Für alle ist es eine wunderbare

ab. Am Ende besaß er sogar den Mut, Lift zu fahren und

Einstimmung auf das Fest.

den großen Hang mit einigen Stürzen, die ihn aber immer wieder auch zum Lachen brachten, zu bewältigen. Von so

Da ich schon von Anfang an dabei bin, ist die Liste »mei-

viel Begeisterung kann man als Freund nur profitieren.

ner Patenkinder« etwas länger: Aman (Kasachstan), Camilo (Mexiko), Li Dan (China), Pia (Indonesien), Akram

Prof. Burkhard Duscha

und Misbah aus Pakistan sowie Vanessa aus Mauritius.

Erfurt, Februar 2004

Darüber hinaus habe ich zu vielen anderen Studenten Kontakt. Doris Winter Erfurt, Juli 2012

Shotaro aus Japan Studienfach: Literaturwissenschaft

12 Fremde werden Freunde


Ein »Fremder« wird Thüringer Grillmeister Der Zufall wollte es, dass mein Mann im Frühjahr 2003 mit

Wir rechneten uns keinerlei Chancen aus, wir wollten

dem Erfurter Grillweltmeister Hans-Joachim Fuchs gerade

einfach nur dabei sein. Umso überraschender war es für

einen Film produzierte. Dabei wurde Harald, ein Hobbykoch

uns, dass wir die ersten Thüringer Grillmeister wurden.

und Gourmet, offensichtlich mit dem sogenannten »Bazillus

Und Yudha gehörte dazu. Als Sieger durften wir einige

Grillus«, dem Grillvirus, infiziert. Für die 1.Thüringer Grillmeis-

Wochen später zur Deutschen Grillmeisterschaft nach

terschaft wurden noch Teams gesucht. Meinem Mann juckte

Bad Lippspringe fahren.

es also in den Fingern. Bloß woher ein Team nehmen? Da fiel uns das Motto »Fremde werden Freunde« und Yudha ein. Wir hatten die Idee, mit einem Team aus Thüringer Ausländern anzurücken, wollten damit ein Zeichen gegen Fremdenhass und Intoleranz setzen. Yudha, unser »Patenkind«, sagte zu. Unsere Nachbarin Hebe, eine Brasilianerin, auch, genauso wie Güldenez, die türkische Frau eines Kameramannes und Malcom, ein Brite, bei dem wir unser Englisch aufbesserten. Bei der Namensfindung für das Team hatten wir sehr viel Spaß: die »Weltspießburger«, gesprochen wie »Burger« in »Hamburger«. Unser Logo: drei aufgespießte Weltkugeln. Auf der größten in der Mitte: das Land Thüringen, sozusagen der Nabel der Welt, rechts und links der Rest der Welt. Unser Menü: Spieße in internationalen Variationen. Die nächsten Tage wälzten wir brasilianische, türkische, indonesische und andere Kochbücher aus aller Welt.

Ich werde nie vergessen, wie Yudha dort sein Satégericht

Yudha entschied sich für Satéspieße. Das Familienrezept dafür

bis tief in die Nacht hinein, aus Platzgründen auf dem Fuß-

schickte ihm seine Mutter aus Indonesien und die in der in-

boden sitzend, zubereitete. Auch seine Art, den Knoblauch

donesischen Küche nicht wegzudenkende Erdnusssoße. Hebe

zu pressen, war bemerkenswert: er wurde lautstark mit dem

schlug brasilianische gegrillte Hühnchenherzen vor, auch die

Messer platt geschlagen.

anderen Gerichte waren alles andere als thüringisch. Als höflicher Indonesier sagte er uns erst Wochen späDie Grillmeisterschaft wur-

ter, dass er während der Grillmeisterschaften mit ständig

de zu einem großen Fami-

knurrendem Magen gearbeitet hatte. Während die anderen

lienfest, denn Ehepartner,

schnell mal etwas Fleisch oder eine Bratwurst vom Grill

Freunde und Kinder unter-

naschten, durfte Yudha das nicht, denn auf dem Grill lag

stützten uns. Zum Glück,

meistens Schweinefleisch. Für ihn als Moslem nicht essbar.

denn keiner aus dem Team

Keiner von uns hatte daran gedacht. Inzwischen grillen die

hätte je gedacht, dass solch

»Weltspießburger« nur noch selten Schweinefleisch…

eine Meisterschaft in erster Linie nicht Spaß, sondern Stress macht. Vier Gänge

Wer mehr über die »Weltspießburger« erfahren möchte, der

mussten auf den Punkt ge-

sollte einfach mal www.weltspiessburger.de anklicken.

nau gar und angerichtet sein. Die Juroren, die die leckeren Gerichte dann verspeisen durften, kannten keine Gnade. Stimmte etwas nicht, gab es

Heike Mohr

Punkteabzug.

Erfurt, Juli 2003

Nonni aus Indonesien Studienfach: Kommunikationswissenschaft

13 Fremde werden Freunde


Wie sind Sie Pate geworden? Birgit Salzwedel:

davon überzeugen konnte, dass wir eine Patenschaft über-

Ich besuche einen Englischkurs an der Volkshochschule. Un-

nehmen. Seitdem gehört Luyao aus China zu unserer Fa-

sere Lehrerin hat davon erzählt, und ich sah darin eine gute

milie.

Möglichkeit durch persönliche Kontakte mein Englisch anzuwenden. Außerdem interessieren mich fremde Kulturen. Julia und Attila Flöricke: Auf einem Meeting der Wirtschaftsjunioren Erfurt/Weimar hat Petra Eweleit das Projekt vorgestellt. Wir waren sofort begeistert, denn wir haben schon Kontakte zu Litauen und Estland und möchten diese gern auch zu anderen Ländern ausbauen. Man kann mit Sicherheit von den Studenten eine Menge über »kulturellen Knigge« lernen, ganz abgesehen von der sprachlichen Kompetenz. Das kann für unsere Firma doch nur nützlich sein. Vielleicht entwickelt sich später eine wirtschaftliche Partnerschaft aus diesen persönlichen Kontakten. Das wäre gut. Sebastian Schulz: Corinna Herold:

Ich habe in der Zeitung davon gelesen, und da ich mich be-

Meine Freundin hat schon seit zwei Jahren eine Patenschaft.

sonders für Indonesien interessiere, sah ich durch das Pro-

Oft haben wir mit Jianjun etwas gemeinsam unternommen.

jekt eine gute Gelegenheit darin, mehr über das Land zu

Aber dann wollte ich »mein eigenes Patenkind«. Und nun

erfahren, noch dazu aus erster Hand.

unternehmen wir oft etwas zu viert, oder es sind sogar noch mehrere chinesische Studenten dabei.

Thomas und Angela Gehrmann: Wir haben Olga beim Internationalen Stammtisch kennen gelernt. Sie erzählte über die Situation in Russland nach der politischen Wende und wir wollten noch mehr erfahren, aber auch gern Gastgeber für sie sein. Nach ihrem 2-jährigen Studium geht Olga jetzt wieder in ihre Heimat zurück, aber wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt, das steht fest. Henrike Herbold: Durch meinen Tätigkeit an der FH habe ich auch Kontakte zu ausländischen Studierenden, aber ich dachte mir: Warum nicht zu einer Studentin eine etwas engere, persönliche Beziehung? Dabei war mir die Nationalität eigentlich egal. Und mit Lory aus Kamerun hatte ich schon viele schöne Erlebnisse.

Hilde Echtermeyer: Im Dezember 2004 nahm ich an einer Veranstaltung im

Dr. Martin Borowsky:

Frauenzentrum teil. Ausländische Studenten berichteten

Ich hatte schon viel von dem Projekt gehört und fand die

über Bräuche zur Weihnachtszeit. Ihre Paten waren auch un-

Idee sehr gut. Schließlich nahm ich einen Flyer aus dem

ter den Gästen. Diese persönlichen Beziehungen fand ich

Rathaus mit, füllte das Anmeldeformular aus und schickte

so angenehm und spannend, dass ich auch meinen Mann

es ab.

Zenabdine aus dem Tschad Studienfach: Wirtschaftsinformatik

14 Fremde werden Freunde


Politiker als Paten Seit Gründung der Initiative beteiligten sich über 1300 Erfurter Familien, darunter auch Politiker unterschiedlicher Parteien, am Projekt »Fremde werden Freunde«.

Chian Woei Shyu (Taiwan) mit seiner Patin Antje Tillmann (CDU, Mitglied des Bundestages) und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Thüringens, Dieter Althaus

Nataliya Kravtsova (Ukraine) mit ihrem Paten Dietrich Hagemann (CDU) in der Ukraine bei der Übergabe einer Spende für eine Schule

Carsten Schneider (SPD, Mitglied des Bundestages) übernimmt die Patenschaft über Hirofumi Marugata (Japan)

Mathias Bärwolff (DIE LINKE, Mitglied des Thüringer Landtages, vorn rechts) ist Pate für Vytenis Kviklys (Litauen) und nimmt mit Bodo Ramelow (DIE LINKE, Mitglied des Thüringer Landtages) am Internationalen Stammtisch teil

Manfred Ruge (CDU, ehemaliger Oberbürgermeister Erfurts) mit seinem Patenstudenten Volodymyr Dzhydhora (Ukraine)

Marion Walsmann (CDU, damalige Justizministerin, Mitglied des Landtages, vorn Mitte) mit ihrer Studentin Iliana Tzanova (Bulgarien) im Team bei den Thüringer Grillmeisterschaften 2005

Weitere Landes- und Lokalpolitiker, Mitarbeiter in Ministerien und Hochschulen haben die Patenschaft für einen ausländischen Studierenden übernommen.

Iliana aus Bulgarien Studienfach: Public Policy

15 Fremde werden Freunde


Unvergessliche Erlebnisse, nützliche Erfahrungen und seltene Möglichkeiten für Patenstudenten aus der Ukraine Vorlieben sehr gut. Dementsprechend unternehmen wir oft etwas zusammen, oder Barbara verwöhnt uns mit leckeren Sachen. Diese aktive Geselligkeit hat uns geholfen, die Deutschen und ihr Land in aller Vielfalt kennen zu lernen. Dank unserer Paten sind wir zu echten ukrainischen Erfurtern geworden. Nicht nur hier in Erfurt, sondern auch von der Ukraine aus sind Volodymyr und ich in gutem Kontakt mit »unserer« Barbara und »unserem« Manfred. Mit Hagemanns in der Ukraine Auch mit meinen anderen Paten, Andrea und Diet-

Patenfamilie Ruge-Kraft mit Nataliya Kravtsova und Volodymyr Dzhydzhora (v.l.n.r.)

rich Hagemann, habe ich viele Erfurter und Dittelstedter Ereignisse und Familienfeste erlebt: das Krämerbrü-

Barbara und Manfred Ruge sind die Paten von mir und

ckenfest, Weihnachten, Weinfest, Feuerwehrfest, Karneval,

Volodymyr Dzhydzhora. Es ist nicht übertrieben zu sagen,

Hoffest, Silberhochzeit oder Geburtstage. Vor allem aber

dass sie uns deutsche »Eltern« und sehr gute Freunde ge-

haben wir 2004 ein Hilfsprojekt für geistig behinderte Kin-

worden sind. Bei ihnen haben wir einen wahren Familien-

der eines ukrainischen Internates durchgeführt. Im Rahmen

ersatz gefunden. Sie hören immer aufmerksam zu, geben

dieses Projektes sind Andrea und Dietrich Hagemann in die

Ratschläge und leisten tatkräftige Hilfe und Unterstützung:

Ukraine nach Saporizhzhia, meiner Heimatstadt, gefahren.

Zum Beispiel förderten sie mich bei meinem Dissertations-

Dort habe ich sie auch mit meiner Familie bekannt gemacht,

vorhaben und haben großen Anteil an unseren Fortschrit-

und sie haben ukrainische Sitten und Gebräuche kennen

ten beim Erlernen der deutschen Sprache. Wie richtige El-

gelernt. Die Ukrainer behalten den Besuch des Erfurter Bür-

tern aber sparen sie auch nicht mit heilsamer Kritik. Diese

germeisters und seiner Gattin in guter Erinnerung.

Unterstützung bei unserem persönlichen Lebensweg ist für jemanden im Ausland – ohne eigene Familie und Freunde

»Ukrainischer Abend« mit Spieglers

– sehr wichtig. Wir besprechen zusammen einfach alles – Nachrichten und Privates, Erfolge, Probleme und Pläne für

Mit Birgit und Aribert Spiegler haben Kateryna Karpova und

die Zukunft. Dank der Offenheit »der Ruges« herrscht volles

ich Museen, Theater und Ausstellungen besucht, Wanderun-

Vertrauen zwischen uns. Der Erfurter Oberbürgermeister

gen und Fahrradtouren unternommen, oder wir haben uns

ermöglichte es uns, auch bundesweit bedeutende Veran-

historische Plätze in Erfurt und Thüringen angesehen. Na-

staltungen zu besuchen. Dies waren politische und kulturel-

türlich waren wir auch jederzeit bei Familienfeiern willkom-

le Ereignisse wie z.B. die Eröffnung des Erfurter Theaters,

men. Wir konnten ihnen mit einem »Ukrainischen Abend«

das Domstufenfest, der Theaterball, Karneval in Erfurt und

unsere nationalen Besonderheiten näher bringen.

Mühlhausen, die Internationale Tourismus Ausstellung in Berlin, die Verabschiedung des Thüringer Ministerpräsiden-

Ich bin den Organisatoren und Leitern des Projektes »Frem-

ten Bernhard Vogel, Bundes- und Thüringer Parteitage, Prä-

de werden Freunde« sehr dankbar – das ist ein tolles Pro-

sidentschaftswahlen in Berlin, der Besuch des »Kanzlers der

gramm! Der Umgang mit den Patenfamilien ist ein wesent-

Einheit« Helmut Kohl und, und, und... Umgekehrt konnten

licher Teil meines Lebens in Erfurt geworden!

wir bei Familienfeiern und anderen Festen durch Gerichte, Sitten und Bräuche etwas ukrainisches Kolorit einbringen.

Nataliya Kravtsova

Unsere Paten kennen mittlerweile unsere Interessen und

Erfurt, Juli 2005

Nataliya aus der Ukraine Studienfach: Public Policy

16 Fremde werden Freunde


When a Taiwanese meets a parliamentarian of the German Federal Parliament in Erfurt My name is Chian-Woei and I am from Taiwan. My »Patin«

On February 17th, the University of Erfurt signed a coope-

is Frau Antje Tillmann. She is a parliamentarian in the Ger-

ration agreement with the Thuringian Chapter of the Order

man Federal Parliament. The first time I met her was at the

»Cordon Bleu du Saint Esprit«, an Erfurt based charity orga-

Thueringian »CDU Parteitag« which was held in Weimar on

nization, whereby Cordon Bleu »adopted« our entire MPP

December 4, 2004. On that day, the president, vice presi-

Class 2004-06. This program is kind of a collective »Paten-

dent, general secretary, and delegates of Thueringian CDU

schaft«. They invite us for barbecues, opera, and visits of

party were elected. I met several important politicians from

museums. The purpose of all activities is to better integrate

the Thueringen State Government, including the Prime Mi-

us into the public life of the city of Erfurt.

nister, Mr. Dieter Althaus. In my country, it is not easy to meet with such a public figure. Since I participate in the

This April, I joined an English class as a guest lecture at the

Master of Public Policy Program at the University of Erfurt,

adult education center in Erfurt. The students are very inte-

it is a very special experience for me to familiarize myself

rested in learning more about the foreign students’ home

with German political parties and politics by joining this

countries. They also take part in the project »Fremde wer-

event with Frau Tillmann.

den Freunde« as hosts. So I introduced Taiwan to them and answered lots of questions.

On January 1, 2005, Frau Tillmann invited me to a concert in Kaisersaal. This was the first time I went to a theater in Germany. Otherwise, I would not be able to afford the ticket. The concert was very good, and Kaisersaal is a very beautiful theater. We all enjoyed the symphony. On January 16, my classmate, Prasanna, her Patin, Frau Volquardsen, my Patin and I cooked together in Frau Tillmann‘s home.

English class at the adult education center in Erfurt

I was extremely lucky to have Frau Tillmann as my Patin when I joined the project »Fremde werden Freunde«. She is very nice and generous. As a parliamentarian, she is no

Chian-Woei (Taiwan), Prasanna Basnet (Nepal), Antje Tillmann, Sabine Volquardsen, Lesya Lange (Ukraine, v.l.n.r.)

doubt very busy. She has a lot of work and meetings in Berlin and Erfurt. But she still manages to have time for us. I have to thank her for taking care of me during my time

We cooked Taiwanese and Nepalese dishes. It was an Asian

here. Our next plan is to visit her office in the German Fe-

lunch that day. In Taiwan we often eat cooked vegetables as

deral Parliament in Berlin. She will arrange a trip for me to

an entrée. But here in Germany they eat fresh vegetables

learn about her work there. I am looking forward to it!

as salad. That day I cooked »salad« and this surprised them. However, I am very happy that they all liked my »cooked

Shyu Chian-Woei

salad«!

Erfurt July 2005

Chian-Woei aus Taiwan Studienfach: Public Policy

17 Fremde werden Freunde


Gemeinsame Exkursionen Exkursionen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Projekts. Ziel der gemeinsamen Ausflüge ist es, die Kontakte zwischen den ausländischen Studierenden und ihren Erfurter Paten zu festigen sowie das Kennenlernen untereinander zu fördern. Es werden Anregungen voneinander übernommen, und es ergeben sich Synergieeffekte. Bisher konnte in jedem Semester eine Exkursion unternommen werden. Jeweils in zwei Bussen ging eine große internationale Familie auf Reisen ...

Juni 2003 – Dornburger Schlösser

Bamberg ist vor allem zur Weihnachtszeit ein lohnendes Ziel: Zahlreiche Krippen sind im Dom und in den Kirchen aufgestellt. Bei einer Stadtführung und dem Bummel über den Weihnachtsmarkt lernten wir viele Sehenswürdigkeiten kennen, so z.B. das interessante Rathaus. Juni 2004 – Kyffhäuser Wir wollten mit eigenen Augen sehen, was es mit dem sagenumwobenen Kaiser Barbarossa auf sich hat. Das Kyffhäuserdenkmal mit

der

imposanten

Barbarossa-Statue, der herrliche Blick auf die An der Saale hellem Strande...

Goldene Aue mit dem

Paten wie Studierende waren begeistert von der herr-

XXL-Bodenbild aus ver-

lichen Umgebung der Dornburger Schlösser. Kein

schiedenen

Wunder, dass es Goethe hier auch sehr gut gefiel. Be-

die Wanderung zur Bar-

sichtigung des Naumburger Doms, kleine Wanderung,

barossahöhle... Es war

Einkehr auf ein Gläschen Wein in einem Weingut an der

ein Tag, der uns nicht nur durch herrliche Landschaft führte,

Saale – die Stimmung war prächtig.

sondern auch Geschichtswissen vermittelte.

Pflanzen,

Dezember 2003 – Bamberg

Chase aus den USA Studienfach: Geschichte

18 Fremde werden Freunde


Gemeinsame Exkursionen Dezember 2004 – Lauscha

Juni 2005 – Rudolstadt/Oberweißbach

Lauscha ist ein kleiner Ort im Süden Thüringens, die Wiege

Unser Ziel diesmal: eines der prächtigsten Barockschlösser

des Christbaumschmuckes. Seit über 150 Jahren entstehen

Thüringens – die Heidecksburg in Rudolstadt. Für kurze Zeit

hier kleine Kunstwerke für den Weihnachtsbaum und an-

fühlten wir uns wie Fürsten und Grafen. Beim Bummel

dere dekorative Gegenstände, die in viele Länder der Erde

durch die Stadt beeindruckten vor allem die herrlichen Re-

exportiert werden. Auch wenn der typische Kugelmarkt an

naissancehäuser. Die Busfahrt durch das wunderschöne

diesem Wochenende nicht stattfand und leider auch kein

Schwarzatal

Schnee zu sehen war, lohnte sich der Besuch in Lauscha auf

die

jeden Fall.

mit der Bergbahn

steile

und Fahrt

führten uns zum Der Rundgang durch das Museum für Glaskunst mit seinen

nächsten Ziel: der

über 10.000 zum Teil sehr wertvollen und seltenen Expona-

größten

ten war mindestens genauso interessant wie einem Glas-

che

bläser bei seiner Arbeit zuzusehen. So manches Souvenir

Hier ist Platz für

ging mit in die Heimat der ausländischen Studierenden,

2000

und damit eine schöne Erinnerung an diesen Ausflug.

und hier gibt es

Dorfkir-

Thüringens. Besucher,

die höchste Kanzel Europas. Ein Muss

in

Ober-

weißbach ist der Besuch des Geburtshauses Friedrich

von

Fröbel,

des Begründers des ersten Kindergartens. Entlang des Kräuterlehrpfades durch Wald und Wiesen erreichten wir unser Endziel, den Fröbelturm. Von ganz oben bot sich ein fantastischer Ausblick auf das Thüringer Land. Zum Schluss gab es noch eine Überraschung: ein kurzer Stopp an der Klosterruine Paulinzella. Schade, dass an diesem Tag kein Konzert stattfand. Vielleicht ein Grund, noch einmal hierher zurückzukommen.

Durch die gemeinsamen Ausflüge lernen die Studierenden weitere Paten und Mitstudierende sowie bekannte Sehenswürdigkeiten kennen und erfahren Thüringer Gastfreundschaft. Diese Eindrücke nehmen sie mit in ihre Heimat und kommen vielleicht eines Tages zurück, um ihre Freunde und Paten in Erfurt zu besuchen. Christina Meister mit ihren beiden chinesischen Studentinnen Wang Miao und Qiao Chen

Marina aus Moldawien Studienfach: Kommunikationswissenschaft

19 Fremde werden Freunde


Gemeinsame Exkursionen November 2006 – Wernigerode

Dezember 2008 – Ilmenau

Der Einladung zur alljährlichen Herbstexkursion waren 95

Am 6. Dezember führte uns die Exkursion nach Ilmenau.

Teilnehmer unseres Projektes gefolgt. Mit zwei Bussen gin-

Wir wanderten durch eine fantastische Winterlandschaft auf

gen wir auf die Reise nach Wernigerode, um dieses Städt-

den Spuren Goethes. In der kleinen Hütte lasen wir das be-

chen im Harz mit seinen wunderschönen Fachwerkhäusern

rühmte Gedicht »Über allen Gipfeln ist Ruh…«, das Goethe

zu besuchen. Besondere Attraktion ist das berühmte Rat-

hier 1780 geschrieben hatte. Unvergesslich werden auch

haus am Marktplatz, eine Perle mittelalterlichen Fachwerk-

die Stadtführung und der Besuch des IOSONO-Kinos mit

baues. Eine Stadtführung, der Besuch des Schlosses und

dem Spezialsoundeffekt bleiben.

der Bummel durch die weihnachtlich geschmückten Straßen hinterließen unvergessliche Eindrücke.

Auf dem Gipfel des 860 m hohen Kickelhahns

Juli 2007 – Thüringer Burgenfahrt Mai 2008 – Jena Laut Guinness-Buch der Rekorde ist die Thüringer BurgenZiel der Exkursion: Universitätsstadt Jena. Wir wissen jetzt,

fahrt die größte Radsternfahrt der Welt! Und das soll so blei-

wo das Zentrum der Optischen Industrie in Ostdeutschland

ben, deshalb startete am 07.07.2007 zum ersten Mal auch

war und welche Rolle die Zeiss Werke heute spielen, wer

ein »Fremde werden Freunde«-Team. Von 23 Standorten in

Ernst Abbe war, wie ro-

Thüringen waren etwa 8000 Radsportler unterwegs: klei-

mantisch

Innenhof

ne (jüngster: 5 Jahre alt) und große (ältester: 83 Jahre alt),

Friedrich-Schiller-

aber auch berühmte Sportler, Weltmeister und Olympiasie-

Universität ist und vieles

ger – und WIR! 50 km auf dem Fahrrad durch das schöne

mehr.

Burgenland Thüringen…

der

der

Ein

besonderes

Highlight war der Besuch des ältesten, aber gleichzeitig modernsten Planetariums der Welt.

Jena – eine Stadt zwischen Hightech und Historie

Aicha aus Algerien Studienfach: Germanistik

20 Fremde werden Freunde


Gemeinsame Exkursionen Juni 2009 – Thüringer Burgenland

Juni 2011 – Freyburg

Thüringen ist das Land der Schlösser und Burgen, aber auch

Freyburg liegt im benachbarten Bundesland Sachsen-Anhalt.

der echten Thüringer Bratwurst. Das waren die Ziele der Ex-

Eingebettet in Weinberge, Wälder und Wiesen thront hoch

kursion im Juni 2009: Schloss Friedenstein in Gotha mit dem

oben über der Stadt das Wahrzeichen: die Neuenburg, erbaut

Ekhoftheater, dem ältesten barocken Theater der Welt, eine

um 1080. Etwas aus der alten Ritterzeit zu erfahren war min-

Wanderung von der Mühlburg zur Wachsenburg und der Be-

destens genauso interessant wie der Besuch der weltbekann-

such des 1. Deutschen Bratwurstmuseums in Holzhausen.

ten Sektkellerei »Rotkäppchen«.

Und natürlich aßen alle eine leckere Bratwurst vom Grill.

Juni 2012 – Schlauchboot-Tour auf der Saale

Blick auf die Wachsenburg

Eine der abenteuerlichsten Exkursionen war unsere Dezember 2009 – Quedlinburg

Schlauchboot-Tour von Großheringen nach Bad Kösen. Mit neun Schlauchbooten und je zehn bis elf Besatzungsmit-

Die Stadt mit ihren wunderschönen Fachwerkhäusern gleicht

gliedern paddelten wir auf der Saale und erfreuten uns an

zur Weihnachtszeit einem Adventskalender mit 24 Türchen.

der herrlichen Landschaft. Das Picknick unterhalb der Ru-

Die Innenhöfe versprühen mit ihrem Duft nach Glühwein,

delsburg und der Blick von der Burg ins weite Land gaben

Stollen und Bratäpfeln, ihren bunten Hütten mit Geschenk-

uns Kraft für den zweiten Teil der Strecke.

ideen und Lichterketten weihnachtliche Atmosphäre.

Blick von der Saale auf die Rudelsburg

Kuralay aus Kasachstan Studienfach: Architektur

21 Fremde werden Freunde


Aktionen • Veranstaltungen

Protest gegen Rechts im April 2005

FwF-Teams bei Erfurt rennt seit 2004

Ausländische Studierende und ihre Paten, die Projektleite-

Erfurt rennt für eine gute Sache. Teams von »Fremde wer-

rinnen, Prof. Wagner, Rektor der Fachhochschule Erfurt, und

den Freunde« (Paten und Studierende) unterstützten die

viele engagierte Bürger protestierten gemeinsam gegen

Aktion des Vereins »Sprinboard to Learning«. Der Erlös des

eine Kundgebung der Rechten auf dem Anger.

Staffellaufs, erbracht durch Sponsoren, wird eingesetzt für den Unterricht ausländischer Studierender an Schulen – für mehr

Verständnis

zwischen den Kulturen. Weil das auch unser Anliegen ist, war klar, dass wir uns aktiv beteiligen. Frauen im Islam – 10.11.2004 98. Europa-Stammtisch am 13.04.2005

Auf Einladung des »Business and Professional Women Club« in Erfurt informierte Anya Windira, eine Muslimin aus

Unter dem Motto »Fachlicher Nachwuchs aus 53 Ländern

Indonesien, wie sie ihre Religion mit dem Leben als Stu-

studiert in Erfurt – ein Riesenpotential für auslandsorien-

dentin an der FH vereinbart. Für die Gäste, darunter zahl-

tierte Unternehmen in Thüringen« stellten sich Studierende

reiche ausländische Studierende, war es sehr interessant,

aus Polen, China, der Slowakei und Estland vor, berichteten

etwas über »Wirtschaft und Religion«, über die »Auslegung

über ihr Studium, über Möglichkeiten der Kooperation mit

des Koran« und »Religion und die Generationskonflikte« zu

Unternehmen und informierten die Gäste über das Projekt

hören.

»Fremde werden Freunde«.

Krzysztof Kuros aus Polen und Mária Husárová aus der Slowakei können sich gut vorstellen, nach Abschluss ihres Studiums mit Erfurt bzw. Thüringen wirtschaftliche Kontakte aufzubauen, sagten sie dem Leiter des Euro-Info-Centers in Erfurt, Herrn Wilbert Somers.

Mária aus der Slowakei Studienfach: Kommunikationswissenschaft

22 Fremde werden Freunde


Aktionen • Veranstaltungen Brasilianischer Abend

Erfurter Interreligiöser Dialog

Was verbindet Tom John und Marcelo Brito?

Das Ziel dieser Veranstaltung am 5. Juni 2008 bei Radio F.R.E.I. war es, über Religion, Identität und Integration, Streitkultur und die Wahrnehmung unterschiedlicher Kulturen zu diskutieren. Dabei ging es z.B. um das Verständnis zwischen Brasilien. Logisch, dass die Patenschaft gut läuft. Man konn-

den Mitgliedern der unterschiedlichen Glaubensrichtungen,

te Brasilien am 3. Juli 2008 in der Begegnungsstätte Kleine

die Unwissenheit vieler Menschen über andere Religionen,

Synagoge sogar fühlen: der weiche Sand der Copacabana

deren besondere Feste, Rituale usw. Es wurde auch darüber

rieselte durch die Finger der Gäste. Marcelos Pate hatte ihn

diskutiert, wie unsere ausländischen Studierenden ihre Re-

selbst von dort mitgebracht. Das Publikum lauschte den

ligion in Erfurt praktizieren können und wie man Probleme

heißen Rhythmen der Samba (von der CD), während Tom

löst, z.B. wenn Muslime zu bestimmten Zeiten Unterricht

John dem typischen Sambainstrument, der »Chíca«, ein

oder Prüfung haben, die in die Gebetszeiten fallen.

paar quietschende Töne entlockte. Richtig temperamentvoll ging es zu, als der Erfurter Verein »Capoeira Berimbau« auf

Lange Nacht der Wissenschaften

den Abend einstimmte. Grillparty

Am 27. April 2007 fand zum ersten Mal in Erfurt eine »Lange Nacht der Wissenschaften« statt, eine gemeinsame AktiSommerzeit, Reisezeit, Aktivitäten im Freien – warum nicht

on der Universität, Fachhochschule, Stadtverwaltung und

einmal eine Grillparty veranstalten? Harald Mohr, ein Exper-

des Klinikums. Auch unser Projekt trug zum Gelingen der

te am Grill, hatte für jeden Geschmack etwas dabei: Thürin-

»klügsten Nacht des Jahres« bei. Im Café Hilgenfeld in der

ger Bratwurst, Rostbrätel und Grillfackeln, Hähnchenschen-

Bibliothek der Universität Erfurt reichten ausländische Stu-

kel und Maiskolben. Bis zum späten Abend des 28. August

dierende aus zehn Ländern kulinarische Köstlichkeiten aus

2008 wurde gemeinsam geschlemmt, geredet und gelacht.

ihren Heimatländern.

Elif aus der Türkei Studienfach: Religionswissenschaft

23 Fremde werden Freunde


Aktionen • Veranstaltungen Musikalische Köstlichkei-

Workshop: »Interkulturelle Kompetenz« mit

ten aus Südkorea

Paten und Studierenden - Dezember 2005

Lim Jung Huyn aus Südkorea

Im Gespräch mit Dr. Karamba Diaby lernten wir Interessan-

spielt gern zusammen mit ih-

tes über Begrüßungsformeln in verschiedenen Ländern,

rer Patin, Bärbel Kämmer, auf

über die Herkunft und Bedeutung unserer Namen und vie-

dem Klavier. Manchmal gibt

les mehr.

es sogar kleine Konzerte mit weiteren musikalischen Koreanerinnen. Besuch im Thüringer Landtag im März 2006 Auf Einladung von Michael Panse, Abgeordneter desThüringer Landtags, nahmen die Studenten an einer öffentlichen Sitzung teil und diskutierten anschließend aktuelle Fragen.

Exkursion zu den Feengrotten im Juni 2006 Die Faszination der unterirdischen Märchenwelt (farbenprächtigste Tropfsteinhöhle der Welt) wird wohl niemand so schnell vergessen, aber auch nicht die abenteuerliche Wanderung durch den Fluss im Schwarzatal. Zu Gast bei Freunden in Schleusingen beim »Bündnis gegen Rechtsextremismus« Zweimal waren wir dort zu Gast – unterwegs in Sachen »Aktiv für Demokratie und Toleranz«.

Auch die anschließende Besichtigung der Klosterruine Paulinzella war ein Erlebnis besonderer Art.

Vanessa aus Mauritius Studienfach: Germanistik

24 Fremde werden Freunde


Aktionen • Veranstaltungen Vielfalt der Kulturen in Erfurt In den vergangenen 10 Jahren wurde ein breites Netzwerk mit vielen Einrichtungen und Organisationen aufgebaut. Mit unserer Teilnahme an Veranstaltungen haben wir wesentlich zur kulturellen Vielfalt in Erfurt beigetragen, sei es zu Wohngebiets- und Straßenfesten, im Rahmen der Interkulturellen Woche oder anderen Anlässen. Höhepunkte waren 2010 und 2012 im Festsaal des Rathauses »Eine musikalische Reise um die Welt« mit jeweils über 60 Akteuren aus über 20 Ländern, darunter Antya, Ardya, Nonni und Inge aus Indonesien, »Jazzi« aus Macau sowie Lan Lan und Fang Tao aus China. Internationaler Stammtisch - Konzert Gern zeigen unsere ausländischen Studierenden ihr Talent: sie singen, tanzen, spielen ein Instrument oder erklären uns ihre traditionelle Kleidung, so wie Shotaro aus Japan. Was er alles so im Ärmel seines Yukata (Sommer-Kimono) verschwinden lässt….

2010: Eine musikalische Reise um die Welt

Weihnachten hier und anderswo Es ist zu einer guten Tradition geworden, dass zur Weihnachtszeit ausländische Studentinnen im Frauenzentrum einen interessanten Abend gestalten. Sie berichten über Sitten und Bräuche zur Weihnachtszeit in ihren Heimatländern.

Hui min (China), »Jazzi« (Sio Pang) (Macau), Shotaro (Japan)

Aber auch wie das Zuckerfest in der Türkei, das Neujahrsfest

Ein besonderes Highlight ist es immer, wenn die indonesi-

in China oder id al-fitr, das Fest des Fastenbrechens am Ende

schen Studierenden ihren Aceh-Tanz (Saman) aufführen.

des Ramadan in islamischen Ländern begangen wird, erfahren die Gäste.

2011: Elif (Türkei), Lea (Kamerun), Lan (China), Nonni (Indonesien), Lozana(Albanien), Saemi (Korea), Tene (Ghana) v.l.n.r.

Indonesischer Abend, Juni 2012

Thiago aus Brasilien Studienfach: Public Policy

25 Fremde werden Freunde


Gemeinsame Aktivitäten Neben Veranstaltungen, zu denen alle Teilnehmer am

Zum Martini auf den Domplatz gehen

Projekt eingeladen werden, gestalten die Paten und Studierenden je nach Interessen ihre Freizeit individuell. Was kann man gemeinsam unternehmen? Fahrrad fahren (lernen)

Kuchen backen

Eis essen

Wandern gehen

»Mensch - ärgere- dich -nicht« spielen

Winfred aus Kenia Studienfach: Public Policy

26 Fremde werden Freunde


Gemeinsame Aktivitäten Gemeinsam kochen

Studenten in ihrer Heimat besuchen, z.B. zur Hochzeit

Frau Fritzsche bei ihrem »Patenkind« in China

Ausflüge in andere Städte machen

Besuch der Semperoper in Dresden

Deutsch lernen

Schlitten fahren

Oft tun sich mehrere Paten und Studenten zusammen und unternehmen etwas gemeinsam, so wie hier, als sich die Gruppe in den Thüringer Wald zum Schlittenfahren Urlaub in Paris

auf den Weg gemacht hat.

Jisun aus Südkorea Studienfach: Erziehungswissenschaft

27 Fremde werden Freunde


Aktiv für Toleranz

vorn: Mária Husárová (Uni, Slowakei), Katja Kern (Patin), Petra Eweleit (Projektleiterin), v.l.n.r. hinten: Yudha Kuntjoro (FH, Indonesien), Zenabdine Salah (FH, Tschad), Doris Winter (Patin), Hasnain Bokhari (Uni, Pakistan), v.l.n.r.

Ehrenpreis für »Fremde werden Freunde«

breitet sind, diskutierten wir in einer Berliner Moschee. Das Begeg-

Vom 20. bis 24. Mai 2006 fuhren wir zu den Veranstaltun-

nungsforum am Tag des Grundgesetzes in Berlin war

gen anlässlich des Tages des Grundgesetzes nach Berlin.

ein abwechslungsreiches Programm. Dazu gehörte auch

Für die Teilnahme am bundesweiten Wettbewerb »Aktiv

ein Filmabend, an dem Filme wie »West Bank Story«

für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und

und »Matchmaker« gezeigt wurden. Zum Höhepunkt des

Gewalt« erhielten wir einen Ehrenpreis und durften als

Abends gehörte das Gespräch mit dem Regisseur Ari San-

Auszeichnung diese Reise antreten. Rund 400 Teilnehmer,

del aus Los Angeles. Der 23.05.06 – der Tag der Festveran-

darunter Delegierte aus vielen verschiedenen Ländern,

staltung – begann mit einem ökumenischen Gottesdienst

versammelten sich im Berliner Congress-Center, um die

in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, an dem Vertreter

Wichtigkeit der Integration der Ausländer in Deutschland,

des Christentums, des Judentums und des Islam teilnah-

der Prävention und der Aufklärung zu verdeutlichen. In

men. Im Anschluss wurden im Abgeordneten Haus die

diesen Tagen konnte jeder aus mehreren Workshops das

Preise des Bündnisses »Botschafter der Toleranz« durch

Passende für sich finden. Themen wie Menschenrechte,

den Bundesinnenminister, Herrn Dr. Wolfgang Schäuble,

Gleichbehandlung, Rassismus, Diskriminierung, Rechts-

verliehen.

und Linksextremismus sowie der Islam standen im Vordergrund der einzelnen parallel verlaufenden Diskussi-

Mária Husárová (Slowakei) Erfurt, Mai 2006

onen. Näheres zum Thema Judentum erfuhren wir beim Besuch der Synagoge. Die stereotypen negativen Bilder

Seitdem fährt jedes Jahr eine Delegation von »Fremde

über den Islam, die in den westlichen Ländern stark ver-

werden Freunde« zum Jugendkongress nach Berlin.

Hasnain im Workshop über den Islam

Yudha neben dem Bundesinnenminister

Kweku aus Ghana Studienfach: Public Policy

28 Fremde werden Freunde


Fotoausstellung »Fremde werden Freunde – Gesichter« Eine fotografische Zwischenbilanz von Harald Mohr

Seit Beginn unseres Projektes entstanden viele Freundschaften zwischen Erfurterinnen und Erfurtern und Studierenden, Freundschaften, die auch über die Dauer des Studienaufenthaltes anhalten. Durch die persönlichen Kontakte und Begegnungen werden sich die Studierenden wohl immer an schöne gemeinsame Erlebnisse erinnern. Solche Momente einzufangen und zu dokumentieren, sie einem breiten Publikum zugängig zu machen, das ist das Anliegen der Fotoausstellung. Die Bilder waren bereits in vielen Einrichtungen der Stadt Erfurt zu sehen, u.a. im Zentrum für Integration und Migration, im Rathaus, im Landesfunkhaus des mdr und im

2012: H. Mohr im Gespräch mit dem Innenminister Thüringens Jörg Geibert bei der Vernissage im Thüringer Landtag

Thüringer Landtag. 2009 wurde die Wanderausstellung in Berlin gezeigt.

Weitere Fotos finden Sie unter: www.fremde-werde-freunde.de

Eine kleine Auswahl der ca. 50 großformatigen Fotografien.

Thüringer Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chefin der Staatskanzlei mit Ihrem Mann Thomas Hutt, ihren beiden Kindern und ihren georgischen „Patenkindern“ Natia und Manana

Trang aus Vietnam Studienfach: Public Policy

29 Fremde werden Freunde


Internationaler Stammtisch jeden 3. Donnerstag im Monat Seit 1998 gibt es in Erfurt den Internationalen Stammtisch. Dorthin kommen Leute aller Nationalitäten, die an Kontakten und am Blick über den Tellerrand hinaus interessiert sind. Deutsche Gäste kommen, weil sie Informationen über bestimmte Länder aus erster Hand bekommen wollen, andere möchten ihre Englisch-, Russisch-, Spanisch- oder Französischkenntnisse anwenden, etwas über Studium, Schuljahr oder Praktikum im Ausland erfahren oder einfach nur einen interessanten Abend bei einem Glas Bier oder Wein mit netten Freunden verbringen. Beim Internationalen Stammtisch haben viele der ausländischen Studierenden »ihren Paten« gefunden. Oft nutzen sie den 3. Donnerstag im Monat, um sich zu treffen.

Andrew aus Neuseeland Studienfach: Public Policy

30 Fremde werden Freunde


»E-Mail für dich …« - kein Film sondern Realität bei FwF Liebe Studenten, liebe Paten, ich möchte Sie ganz herzlich zu unserem Internationalen Stammtisch am Donnerstag, dem 21.06.2012 ab 20.00 Uhr, ins Café NERLY, einladen. Übrigens, vom 15.-17. Juni findet Erfurts größtes Fest statt, das Krämerbrückenfest: Mittelaltermarkt, New Orleans Jazz Festival, überall Veranstaltungen – alles frei! Vielleicht eine gute Gelegenheit, etwas gemeinsam zu unternehmen? Antje Griebel und Daniel Adams mit ihren indonesi-

Viel Spaß wünscht Ihnen

schen Freunden in

Ihre Petra Eweleit

Jena

auf der AussichtsErfurt, 13.06.12

plattform der »Keksrolle« Wang Di mit seinem Paten Rolf Mempel und dessen Freunden auf Wanderschaft zu Himmelfahrt

Aqil aus Afghanistan mit seiner Patenfamilie Jutta und Prof. Dr. Martin-Ulrich Reißland

Rast während des gemeinsamen Osterspaziergangs zum Riechheimer Berg und um den Stausee Hohenfelden

Vikas Ganta aus Indien bei der Eröffnung einer Kunstausstellung seiner Patenfamilie, der Familie Besser

Große Abschiedsparty für Asami Kamiya aus Japan bei Familie Schleef

Aqil aus Afghanistan Studienfach: Public Policy

31 Fremde werden Freunde


Meinungen und Kommentare von Paten und Studierenden Erika Wetzstein (Patin)

Sari Astrid Maria (Studentin, Indonesien)

Für uns war wichtig, dass Jun-seok Hong aus Südkorea auch

Der interessanteste Teil meines Studiums waren nicht die

unsere Familie kennen lernt, zumal wir eine südkoreanische

Reisen, sondern die verschiedenen Erfahrungen mit den

Schwiegertochter haben. Wir sind dankbar für die regelmä-

Menschen, die ich kennen lernte. Ich bin eine andere Person

ßigen Informationen von der Projektleiterin, fühlen uns da-

geworden, eine Staatsangehörige der Welt. Ich liebe dich,

durch immer dazugehörig und informiert. Da die Studenten

Erfurt. Obwohl ich jetzt wieder in meine Heimat gehe, ist

meist ziemlich viel zu tun haben und auch bei den Paten

Erfurt immer mein anderes Zuhause.

der zeitliche Rahmen oft eng ist, dürfen die Erwartungen vielleicht nicht so hoch gespannt werden. Tipp: Falls man einmal nicht so gut zueinander passen sollte (wir passten mit allen bisherigen »Patenkindern« immer sehr gut zuein-

Nico Rausch (Pate, Student)

ander!), sollte auch ein Wechsel/ Tausch möglich sein. Dass sich durch das Projekt mein Leben verändern würde, hätte ich anfangs nicht gedacht. Beim Internationalen Stammtisch lernte ich mein »Patenkind« Egidius aus LitauMathias Schmidt, Katja Kern (Paten) Die Internationalen Stammtische sind hervorragende Veranstaltungen, um ganz ungezwungen mit den ausländischen Studenten in Kontakt zu kommen. Durch unsere »Patenkinder« Xiaodan und Wenhua kamen wir auf die Idee, einen Chinesisch-Kurs an der Volkshochschule zu besuchen. Unser Lehrer ist Wang Di, ein Student an der Uni. Er macht auch bei unserem Projekt mit. Wir helfen uns gegenseitig beim Erlernen der Sprache des anderen. Das finden wir toll.

Zhou Zheng (Studentin, VR China) Meine Patin ist Frau Wolle. Sie ist 74 Jahre alt und sehr nett. Wir treffen uns jeden Samstag auf dem Anger. Oft gehen wir zu ihr nach Hause. Sie bäckt immer so leckeren Kuchen. Das möchte ich in China auch gern für meine Familie machen und habe mir deshalb schon viele Rezepte geben lassen. Ich bin auch ganz glücklich, dass mein chinesischer

en kennen. Aber das Projekt hat mir Menschen aus vielen

Freund mitkommen darf. Frau Wolle hilft uns sogar beim

Nationen näher gebracht. Jetzt lerne ich sogar Litauisch,

Deutschlernen. Das ist super.

weil ich für ein Semester nach Vilnius gehen werde und freue mich darauf, dort genauso freundlich empfangen zu werden wie die ausländischen Studenten durch das Projekt »Fremde werden Freunde« hier in Erfurt.

Lea aus Kamerun Studienfach: Public Policy

32 Fremde werden Freunde


Kommentare und Meinungen Mária Husárová (Studentin, Slowakei)

Hasnain Bokhari (Doktorand, Pakistan)

Mich begeisterte die Idee des Projektes von Anfang an. Da-

In my opinion »Strangers become Friends« is not just a pro-

durch lernte ich viele Leute kennen, sogar mit bekannten

ject; it is a platform which brings together numerous natio-

Politikern traf ich zusammen. Höhepunkte waren dabei Ver-

nalities, traditions, cultures, ethnicities and religions under

anstaltungen wie »Politik muss schmecken«, bei der ich mit

one umbrella. I have had fun time attending various activi-

Thüringer Politikern über die EU-Osterweiterung und somit

ties and broadening my horizons. I thank Frau Eweleit to be

über den Beitritt meines Heimatlandes diskutierte, oder das

such a great host mum. I highly recommend new students

Galaprogramm des mdr »Wieder mal zu Hause«, an dem

to be a part of this platform!

ich selbst aktiv mitwirkte und somit das Projekt nach außen repräsentieren durfte. Durch die Teilnahme am Projekt »Fremde werden Freunde« hatte ich viele interessante Gespräche und Erlebnisse. Dafür ein großes Dankeschön den

Hana Michlovská (Studentin, Tschechien)

Projektmitarbeiterinnen! Mein Pate ist Jens Panse, der Pressesprecher der Universität Erfurt. Obwohl er immer sehr beschäftigt war, hatte er sich trotzdem oft Zeit für mich genommen. Wir gingen zusamElke Swain (Patin)

men zur Aitmatov-Lesung, nahmen am Kirschlauf teil, ich wurde nach Hause eingeladen und vieles mehr. Ich möchte

Vielen Dank auch in

mich auf diesem Weg ganz herzlich für die Gastfreundschaft

diesem Jahr für Ihre

bedanken. Durch die persönlichen Kontakte fühlte ich mich

Arbeit. Das Projekt ist

in Erfurt wie in einer zweiten Heimat und hatte so die Mög-

eine tolle Sache für die

lichkeit, auch das Leben außerhalb der Universität kennen

Studenten, die Paten

zu lernen.

und vor allem für die Stadt Erfurt. Es bringt so viel Interessantes und Unsere

Bereicherndes. Kinder

Dr. Monika und Helmut Besser (Paten)

ler-

nen auf diese Weise

Mit Vikas aus Indien hat sich eine wunderbare Freundschaft

spielerisch die Vielfalt

entwickelt. Wir führten interessante Gespräche über Land

der Welt kennen und

und Leute, Lebensgewohnheiten und Bräuche, er erlebte

schätzen. Weiter so!

bei uns Weihnachten, war bei Auftritten des Helmis-SelfTheaters dabei, wir gingen gemeinsam zur Walpurgisnacht auf den Domplatz und luden ihn zu Geburtstagsfeiern und zum Fasching ein. Durch Vikas konnten wir unsere Englisch-

Uli Weyer (Pate)

kenntnisse verbessern, und er kochte für uns manchmal typisch indische Gerichte. Nicht immer werden unsere Begeg-

Der Kontakt ist sehr offen und freundlich. Ich treffe mich mit

nungen in der gleichen Intensität weiter bestehen können,

Bruno aus Brasilien zu verschiedenen »Stadtrundgängen«,

aber die Bereicherung liegt unbedingt auch auf unserer

manchmal nur auf ein Glas Bier oder ein Schwätzchen. Auf

Seite.

Grund der nur sehr begrenzten Zeit eines Public Policy Studenten gibt es leider nur 1-2 mal monatlich Kontakte.

Erin aus Kanada Studienfach: Geschichtswissenschaft

33 Fremde werden Freunde


Interkulturelle Begegnungen Chinesischer Abend im Juni 2004

Litererisch-Musikalische Reise um die Welt

in der Begegnungsstätte »Kleine Synagoge«

im Juni 2005

Über fünfzig chinesische Studierende beteiligen sich an unserem Projekt. Zum Abschluss des Studienjahres bedankten sich einige von ihnen bei ihren Erfurter Paten und weiteren Gästen mit dem Programm »2004 – das Jahr des Affen – ein literarisch-musikalischer Abend«. Gedichte, moderne und klassische Lieder, chinesische Musik von der CD, anmutige Tänze, interessante Vorträge über Traditionen, wie z.B. das Drachenfest und die zwölf Tierkreiszeichen, die Bedeutung der roten Farbe, Informationen und Beispiele von der chinesischen Architektur und Dekorationsgegenstände Olga Scheibler aus Kasachstan

wie Glücksknoten und Scherenschnitte begeisterten die über einhundert Gäste in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge.

Ausländische Studierende und ihre Paten unternahmen eine Reise durch neun Länder der Erde: von Deutschland aus ging es nach Georgien, Kasachstan, China, Kambodscha, Indonesien, Peru, in die USA, nach Togo und zurück nach Deutschland. Schiller durfte im Schillerjahr nicht fehlen, Olga (Foto) hatte ein kasachisches Liebeslied im Gepäck, Natia einen georgischen Tanz. »Die kleine Dan« singt oft mit ihrer Patin. An diesem Abend zeigten sie gemeinsam ihr Können, und Attikpasso’s Trommelkonzert wird so schnell niemand vergessen, genauso wenig wie die interessanten Bilder von Sophea Wagners Hochzeit in Kambodscha. Die Gruppe der indonesischen Studierenden zeigte mitreißenWang Xiaodan aus China

de Tänze, Jorge aus Peru weihte die Gäste in das Geheimnis der »Nazca Linien« ein, und Eva sang zur Gitarrenbeglei-

Darbietungen unterschiedlicher musikalischer Richtungen

tung ihres Mannes einen amerikanischen Bluegrass-Song.

begleiteten die Zuschauer wie ein roter Faden durch den

Mit Spezialitäten aus Thüringen, kleinen Snacks aus ver-

Abend und gaben somit einen kurzen Überblick über die chi-

schiedenen Ländern und Gesprächen klang der Abend aus.

nesischen Musikgenres und die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Temperamentvolles Spiel auf dem Akkordeon, leise Töne auf der Klarinette und vieles mehr war zu hören. Ein besonderer Höhepunkt war Xiaodan’s Vortrag auf dem traditionellen chinesischen Instrument Gu Zheng. Dann betrat Wang Di die Bühne. Er sang einen Part aus der bekannten Peking-Oper, sogar mit der typischen Kopfstimme. Die Gäste waren nicht nur von seiner Stimme, sondern vor allem auch von seinem Kostüm begeistert. Zur Erinnerung an diesen Abend erhielt jeder Besucher ein Lesezeichen, auf dem zu lesen ist, dass die chinesischen Studenten allen Gästen für dieses Jahr, das Jahr des Affen, viel Glück wünschen.

Weiwei aus China Studienfach: Sprachwissenschaft, Doktorantin

34 Fremde werden Freunde


Resonanz in den Medien In zahlreichen Veröffentlichungen in der Tagespresse, in den Zeitschriften der Universität, der Fachhochschule und der Stadtverwaltung, im mdr-Fernsehen/Thüringen Journal und TV Erfurt sowie in verschiedenen Rundfunksendungen wurde über das Projekt »Fremde werden Freunde« berichtet.

Bild und Text mit freundlicher Genehmigung der TLZ, TA und des AA.

Jorge aus Peru Studienfach: Deutsch als Fremdsprache

35 Fremde werden Freunde


10 Jahre »Fremde werden Freunde« - ein persönlicher Rückblick Land Thüringen, die Stadt und die Menschen näher bringen und ihnen - vor allem das erscheint mir wichtig – fernab der Heimat ein Stück familiäre Geborgenheit und »Nestwärme« vermitteln. Umgekehrt profitieren auch die Paten von dem spannenden Kultur- und Erfahrungsaustausch. Umbrien, wo Rosella mit ihrer Familie lebt, würde ich jetzt bestimmt auf einer Italienreise nicht mehr auslassen, auch wenn es nicht zu den bekannten Urlaubsregionen zählt. Von Bekti aus Indonesien erfuhr ich vom Überlebenskampf der Orang-Utans auf Borneo. Wie wenig wusste ich doch, bis ich Hanka, Katarzyna und Maria kennen lernte, über Tschechien, Polen oder die Slowakische Republik, obwohl alle drei zu unseren Nachbarländern zählen. Die EU-Osterweiterung sehe ich seitdem aus einem ganz anderen Blickwinkel. Wie überhaupt solche Partnerschaftsprojekte im Zuge der fortschreitenden Globalisierung immer wichtiger werden. Botschafter für Erfurt Die Stadt Erfurt hat »Botschafter für Erfurt« ernannt. EigentIm Frühjahr 2002 war ich zu einer Pressekonferenz in das

lich sind alle Mitwirkenden in dem Patenschaftsprogramm

Erfurter Rathaus eingeladen, um für die Universitätszei-

bereits als Botschafter für Erfurt aktiv: die »Paten«, indem

tung zu berichten. Die Initiatorinnen stellten dort ihr Projekt

sie sich mit ihrem Engagement für ein weltoffene, toleran-

»Fremde werden Freunde« vor. Eigentlich war es zu diesem

te und gastfreundliche Landeshauptstadt Erfurt einsetzen,

Zeitpunkt erst eine Idee, denn es fehlten noch die Hauptak-

die »Patenstudenten«, indem sie in aller Welt über diese

teure, die »Paten« und die »Patenstudenten«, die sich fin-

Stadt und die freundliche Aufnahme berichten. Das Projekt

den und das Projekt so mit Leben erfüllen sollten. Ich fand

»Fremde werden Freunde« strahlt bereits jetzt weit über

die Idee so gut, dass ich spontan bei der Pressekonferenz

die Stadtgrenzen hinaus. Die Urkunden bei bundesweiten

das Anmeldeformular ausfüllte und wohl damit das erste

Wettbewerben und zahlreiche Veröffentlichungen in den

Patenschaftsangebot unterbreitete.

Medien zeugen von der Anerkennung für das Engagement der Beteiligten.

Eine Erfolgsstory Projektleiterin Petra Eweleit hat in den zehn Jahren unerNach nunmehr zehn Jahren Praxis von »Fremde werden

müdlich für das ambitionierte Projekt gearbeitet. Ihr gilt

Freunde« kann man wohl zu Recht von einer »Erfolgsstory«

besonderer Dank. Stellvertretend für alle Paten möchte ich

und einem bundesweit einmaligen Projekt sprechen, auch

den Organisatoren für die »neuen Freunde in aller Welt«

wenn dieses inzwischen erfreulicherweise Nachahmer in

danken, die ich durch das Projekt gewonnen habe. Ich hof-

anderen Städten gefunden hat. Mit 44 Patenschaften wurde

fe, es werden in den nächsten Jahren noch zahlreiche hin-

im Herbst 2002 gestartet, heute sind es bereits knapp 300

zukommen.

Erfurterinnen und Erfurter, die sich mit ihren Familien in ihrer Freizeit um die ausländischen Studierenden kümmern,

Jens Panse

die ihnen Einblicke in die deutsche Kultur vermitteln, das

Pressesprecher der FDP - Landtagsfraktion

Hanka aus Tschechien Studienfach: Germanistik

36 Fremde werden Freunde


Kontakte zur Thüringer Wirtschaft Unser Konzept

Wirtschaft hautnah erleben

Seit Januar 2006 gibt es im Projektkonzept »Fremde werden

Auftaktveranstaltung dieser erweiterten Zielstellung des Pro-

Freunde« den Schwerpunkt Zusammenarbeit mit Unterneh-

jektes, ausländischen Studierenden »die Tür zur Thüringer Wirt-

men.Thüringer Firmen haben die Möglichkeit, bei der Entwick-

schaft zu öffnen«, war die Exkursion mit jungen Leuten aus Russ-

lung von Wirtschaftsbeziehungen zu ausländischen Unterneh-

land, Indonesien, Litauen, Polen, Mexiko und weiteren Ländern

men das Potenzial der internationalen Studierenden zu nutzen,

im Dezember 2007 nach Krauthausen bei Eisenach. Im Beisein

und davon können beide Seiten profitieren. Personen aus

des Ministerpräsidenten Thüringens, Herrn Dieter Althaus, gab

Thüringer Unternehmen stellen sich als Paten zur Verfügung und/oder bieten Praktikumsplätze oder Jobs für die ausländischen Studierenden an, ermöglichen Betriebsbesichtigungen und geben somit Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium Thüringen, den Wirtschaftsjunioren, Wirtschaftsverbänden, wie noxus oder dem Bundesverband der mittelständischen

Dieter Althaus, ehemaliger Ministerpräsident Thüringens, und Dr. Michael Militzer, Geschäftsführer von MITEC, im Gespräch mit ausländischen Studierenden

der Geschäftsführer der MITEC Automotive AG, Dr. Michael

Wirtschaft BVMW und Thüringer Firmen entsteht.

Militzer, eine Einführung in die verschiedenen Arbeitsbereiche der weltweit führenden Firma auf dem Gebiet Antriebs- und Abgastechnik sowie Allradtechnologie. Der anschließende Betriebsrundgang durch die Werkhallen zeigte die praktische Seite des Unternehmens und beeindruckte die Besucher. Thüringer Unternehmen für praxisnahes Lernen Betriebsbesichtigung bei MITEC

Als Partner des Projektes »Fremde werden Freunde« unter-

Durch die wachsende Zahl der Unternehmen, die sich im

stützt dasTIAW den Gedanken der praxisorientierten Aus- und

Projekt engagieren, steigt die Angebotspalette für die aus-

Weiterbildung und die Umsetzung des Konzeptes. Um Thürin-

ländischen Studierenden. Derzeit bestehen Kontakte in den

ger Firmen mit unserem Projekt bekannt zu machen, werden

Bereichen Unternehmensberatung, Tourismus, Medien, Soft-

vielfältige Möglichkeiten genutzt, z.B. Messen, Ausstellungen,

ware/Technik/Ingenieurwesen, Soziales und Bildung. Auch

Präsentationen bei Veranstaltungen, Exkursionen in Betrie-

in Verwaltung und Politik werden zunehmend Praktikaplätze

be, Einbeziehung von Paten usw. So können sich u.a. jedes

verfügbar. Studierende können ihr theoretisches Fachwissen

Jahr auf den Veranstaltungen des TIAW zur „Arbeits- und

durch praktische Erfahrungen erweitern und die Arbeitsweise

Wirtschaftsförderung in Thüringen“ sowohl Unternehmen als

deutscher Organisationen kennen lernen.

auch Verwaltungen über das Projekt und eine mögliche Zusammenarbeit mit ausländischen Studierenden informieren

Informationstag beim TIAW

und Ansprechpartner treffen. Für Studierende, die sich für ein Praktikum oder einen Job interessieren, bietet das Thüringer Institut für Akademische Weiterbildung Informationsveranstaltungen, Kontaktvermittlung und Coaching an. Die Studierenden erhalten einen Überblick über den Wirtschaftsstandort Thüringen allgemein, über konkrete Firmen sowie wichtige Hinweise für das BewerbungsInformationsstand des Thüringer Instituts für Akademische Weiterbildung in der Messehalle Erfurt

verfahren in Deutschland. Auf diesem Weg in die Praxis werden sie dann von den Projektmitarbeitern begleitet.

Hanan aus Ägypten Doktorandin Kommunikationswissenschaft

37 Fremde werden Freunde


Partner der Wirtschaft 1. Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsjunioren

lokales Handeln wird. Es gilt für die Thüringer Unternehmen neue Märkte zu erschließen. Davon können auch die ausländi-

MITTELTHÜRINGEN

schen Studierenden profitieren. Lan Lan aus China absolvierte z.B. bei noxus ein Praktikum. Dazu gehörten auch Workshops über gesunde Ernährung im Rahmen des Projektes »Kids for Future.« Besonders interessant war für die Kinder zu erfahren, wie man sich in China gesund ernährt. Der Höhepunkt war dann die Zubereitung chinesischer Teigtaschen mit einer Gemüsefüllung aus Möhren, Paprika und Champignons. Dieses Praktikum einschließlich der Workshops war sowohl für die Studentin als auch für noxus ein großer Gewinn.

Im Bild v.l.n.r.: J. Kummer, Dr.-Ing. V. Stockmann, N. Riedel, T. Kallinich (Kreissprecher) und K. Will

www.wirtschaftsnetz.eu

Die Wirtschaftsjunioren sind der größte deutsche Verband junger Unternehmern und Führungskräfte. Mit mehr als 10.000 Mitgliedern unter 40 Jahren haben sich die Wirtschaftsjunioren in Deutschland einem großen Ziel verschrieben: die Zukunft unseres Landes aktiv zu gestalten. Dazu engagieren wir uns vor allem in den Bereichen, die kurz- und mittelfristig über die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes entscheiden. Als Teil einer weltweiten Organisation hat die Unterstützung von Programmen, die der Verständigung zwischen verschiedenen Ländern und Völkern, Sprachen und Kulturen dient, für die Wirtschaftsjunioren eine ganz besondere Bedeutung. Über

Im Bild v.l.n.r.: Th. Genschow (Bundesgschäftsführer), A. Fuhrmann (Division Manager), J. Müller (Landesgeschäftsführer)

unsere Mitgliedsunternehmen und deren Kontakte können

3. Zusammenarbeit mit der Thüringer Agentur für

wir Praktikantenplätze für Studierende anbieten und akquirie-

Fachkräftegewinnung (ThAFF)

ren. Das ist eine große Chance, in unserer Stadt vorhandenes Know-How, Sprache und Insider - Kentnisse zu Land und Leu-

Die Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung (ThAFF) ist

ten für wirtschaftliche Überlegungen regionaler Unternehmen

Ansprechpartner in allen Fragen von Beruf und Karriere in

zu nutzen und ausländischen Studierenden erste berufliche

Thüringen. Die ThAFF trägt dazu bei, qualifizierte Fachkräfte in

Schritte zur besseren Integration zu ermöglichen.

Thüringen zu halten und für Thüringen zu gewinnen. „Stark

www.wj-mittelthueringen.de

am Markt durch kluge Köpfe“ ist die Devise. Im Zentrum der Aktivitäten der ThAFF steht das Marketing für den Aus-

2. Zusammearbeit mit noxus

bildungs-, Studien- und Beschäftigungsstandort Thüringen. Mit Blick auf die Bedarfe der Thüringer Wirtschaft spricht die

Das noxus-Wirtschaftsnetz verbindet Persönlichkeiten aus

ThAFF gezielt Fachkräfte an. Zudem arbeitet die ThAFF daran,

Wirtschaft und Wissenschaft, Politik und Verwaltung, aus

bereits vorhandene Angebote der Fachkräftesicherung stärker

Kunst, Sport und Kultur sowie engagierte und aktive Befür-

zu bündeln und bei den Zielgruppen bekannter zu machen.

worter einer Zivilgesellschaft, die sich dem Gedanken der

Zur Zielgruppe der ThaFF gehören auch ausländische Studie-

Nachhaltigkeit unserer sozialen und ökonomischen Entwick-

rende. Diese werden unterstützt beim Erstellen von Bewer-

lung verpflichtet fühlt. Solche Ziele sind nur durchsetzbar und

bungsunterlagen sowie beim Finden von Unternehmen in

erreichbar mit der Schaffung von Allianzen. Deshalb schließen

Thüringen, die Fachkräfte suchen.

sich Unternehmer zusammen, damit aus globalem Denken

www.thaff-thueringen.de

Charlotte aus Frankreich Studienfach: Germanistik

38 Fremde werden Freunde


Praxisbeispiele Einige der ausländischen Studierenden haben großes Inte-

Lan Lan aus China war Studentin der Willy-Brandt-School

resse daran, neben der deutschen Kultur auch die deutsche

of Public Policy. Im August 2011 absolvierte sie bei noxus

Wirtschaft kennen zu lernen.

Deutschland Wirschaftsnetz ein Praktikum. Im Rahmen des

Im Rahmen eines Nebenjobs erhielt Hasnain Bokhari, damaliger Student aus Pakistan an der Erfurt School of Public Policy, vom TIAW den Auftrag, eine Homepage für das Projekt »Fremde werden Freunde« zu erstellen. Bei der Übergabe diskutierten die Geschäftsführerin, Frau Dr. Katrin Langer und Dipl. Ing. Karsten Langer, Technischer Leiter im TIAW, mit dem Webmaster noch einige Details. Die Website erhielt im Sommer 2011 einen Relaunch, realisiert über ein Praktikum im Fachbereich Angewandte Informatik der FH Erfurt.

Projektes “Kids for Future” führte sie in zwei Kindergärten Veranstaltungen zum Thema gesunde Ernährung durch. Lan Lan

Durch die Unterstützung ihrer Paten Marion Walsmann, Mit-

erklärte den Kleinen, worauf es ankommt und wie so etwas

glied des Thüringer Landtages, und Thomas Hutt, konnte Ili-

in China gemacht wird. Ein Höhepunkt war für die Kinder das

ana Tzanova,

Studentin

gemeinsame Zubereiten von chinesischen Teigtaschen mit ei-

aus Bulgarien an der Erfurt

ner Gemüsefüllung. Begeistert verfolgten die Kinder auch die

School of Public Policy, im

Lieder, die Lan Lan auf der Hulusi, einem traditionellen chine-

September 2005 ein Prakti-

sischen Instrument, spielte.

kum im Europaparlament in Brüssel absolvieren. Sie nahm

Shabi Hussain aus Indien absolvierte 2012 ein Praktikum

u.a. an Plenarsitzungen und Versammlungen verschiedener

bei der Firma Mohr Media, die Filmbeiträge für den MDR pro-

Arbeitsgruppen teil, erledigte vielseitige Verwaltungstätigkei-

duziert. Er konnte hier sein Wissen, das er zu Hause in Indien

ten und erhielt Einblicke in die Funktionsweise der Strukturen

erworben hatte, einbringen und erweitern. Er lernte deutsche

alter und neuer EU Mitgliedsstaaten. Xuan Liu aus China absolvierte ein Praktikum im Landratsamt Gotha. Sie erfuhr viel Neues über den Behördenaufbau in Deutschland, über die Funktionsweise der Exekutive in einem demokratischen Rechtsstaat und erhielt einen Einblick in die Aufgaben einer Kreisverwaltung. Vermittelt wurde das Praktikum mit Unterstützung der Fiege Mega Center

Kamera- und Schnittsysteme kennen und war mit der Kame-

GmbH in Apfelstädt, wo Xuan

ra bei vielen Veranstaltungen von „Fremde werden Freunde“

Liu ein paar Wochen zuvor an

dabei, da er unter Anleitung von Harald Mohr für die Jubilä-

einer Veranstaltung mit dem

umsveranstaltung „10 Jahre FwF“ kurze Filmbeiträge erstel-

chinesischen Botschafter teil-

len soll. So auch beim Internationalen Stammtisch im Café

genommen hatte.

NERLY.

Shabi aus Indien Studienfach: Public Policy

39 Fremde werden Freunde


Die am häufigsten gestellten Fragen zur Patenschaft Sind für die Teilnahme als Pate bestimmte Vorausset-

Ist so eine Patenschaft mit Kosten verbunden?

zungen notwendig? Nein, Beiträge werden nicht erhoben, und die Studierenden Nein, außer dass Sie ein aufgeschlossener Mensch sein

kommen für ihre Unkosten selbst auf (Unterkunft, Verpfle-

sollten, der sich auch für andere Kulturen interessiert.

gung, Fahrtkosten). Wenn die Paten ihre Studenten zu einer Veranstaltung einladen, können sie selbst entscheiden, ob

++++

sie sich finanziell beteiligen. Man kann sehr viel gemeinsam unternehmen, ohne dass Kosten entstehen.

Sollten die Paten in erster Linie junge Leute sein? ++++ Das ist keine Bedingung. Bei uns beteiligen sich Einzelpersonen oder Familien. Das Alter reicht von 18 – 75. ++++

Wie oft trifft man sich? Da gibt es keine Vorgaben. Je nach Sympathie und Zeitvolumen treffen sich Studierende und Paten erfahrungsgemäß

Muss ich die Muttersprache meines zukünftigen »Pa-

ein- bis dreimal im Monat. Das legen die Teilnehmer selbst

tenkindes« beherrschen?

fest.

Nein, die meisten Studierenden können schon gut Deutsch.

++++

Falls das nicht der Fall ist, funktioniert die Verständigung oft auf Englisch ganz prima. Übrigens lassen sich durch eine

Wie kann man sich anmelden?

solche Patenschaft sehr gut die eigenen Fremdsprachenkenntnisse auffrischen und erweitern.

In vielen Einrichtungen der Stadt liegen Flyer aus, die auch ein Anmeldeformular enthalten. Man kann sich auch

++++

über die Internetseite www.fremde-werden-freunde.de anmelden. (Anmeldeformular unter: » Projektbeschrei-

Wie lange bleiben die Studierenden hier?

bung » Dokumente zum Download » Flyer für Paten). Oder einfach eine E - Mail schreiben bzw. die Projektlei-

Das ist ganz unterschiedlich. Die meisten Austauschstu-

terin anrufen.

denten bleiben für ein Semester oder für ein Studienjahr.

Projektleiterin bzw. den Projektmitarbeiterinnen werden

Die Studierenden der Erfurt School of Public Policy studie-

weitere Informationen zugeschickt.

Nach telefonischer Rücksprache mit der

ren zwei Jahre in Erfurt, andere Studiengänge dauern drei Jahre oder länger.

++++ Wie lerne ich mein zukünftiges »Patenkind« ken-

++++

nen? Gibt es auch gemeinsame Veranstaltungen? Meist erfolgt der erste Kontakt über E-Mail oder Telefon, daNeben den Begrüßungsabenden führten wir bisher in je-

nach verabredet man sich und bespricht alles Weitere. Zu

dem Semester eine Exkursion durch. Manchmal schließen

Beginn eines jeden Semesters, im April und im November,

sich auch mehrere Paten und Studierende zusammen und

gibt es einen Begrüßungsabend, zu dem alle angemeldeten

unternehmen etwas gemeinsam. Dazu zählt z.B. der Inter-

Paten und Studierenden eingeladen werden. Aber auch im

nationale Stammtisch, oder man wandert zusammen, feiert

Verlauf eines Semesters kann eine Patenschaft beginnen.

Geburtstag oder geht gemeinsam zu einer Party.

Tom aus Großbritannien Studienfach: Germanistik

40 Fremde werden Freunde


Auszeichnungen

Das Auswärtige Amt verleiht in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst unserem Projekt den »Preis für exzellente Betreuung ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen.« Bonn, November 2010

Dank Wir bedanken uns bei allen beteiligten Studierenden und Paten für ihr unermüdliches Engagement sowie bei allen, die die Initiative „Fremde werden Freunde“ fördern und unterstützen.

Impressum Stadtverwaltung Erfurt Beauftragte(r) für Migration und Integration Benediktsplatz 1 99084 Erfurt Tel.: 0361/ 655 10 44 E-Mail: auslaenderbeauftragte@erfurt.de Homepage: www.erfurt.de

Universität Erfurt Internationales Büro Frau Manuela Linde Nordhäuser Str. 63 99089 Erfurt Tel.: 0361/ 737 50 31 E-Mail: manuela.linde@uni-erfurt.de Homepage: www.uni-erfurt.de

Fachhochschule Erfurt Auslandsreferat Frau Cornelia Witter Altonaer Str. 25 99085 Erfurt Tel.: 0361/ 670 07 07 E-Mail: international@fh-erfurt.de Homepage: www.fh-erfurt.de

TIAW e.V. Geschäftsführerin Frau Dr. Katrin Langer Juri-Gagarin-Ring 37 99084 Erfurt Tel.: 0361/ 596 33 30 E-Mail: info@tiaw.de Homepage: www.tiaw.de

Projektleiterin:

Petra Eweleit, Tel. 0361 / 6700 487

E-Mail:

eweleit@fh-erfurt.de, fremde-werden-freunde@fh-erfurt.de

Büro:

Fachhochschule Erfurt, Altonaer Str. 25, 99085 Erfurt

Verantwortliche Redakteurin:

Petra Eweleit

Layout und Druckvorstufe:

eckpunkt – Die Medienagentur GmbH, Erfurt (www.eckpunkt.de)

Druck:

Druckerei Wittnebert, Erfurt

Fotos:

H. Mohr, A. Elsner, R. Obst, R. Lemitz, U. Driesel, B. Wintzer, A. Heyder, K. Kern, privat

4. Auflage 2012, 2.000 Exemplare ISBN 978-3-934822-82-5, TIAW-Verlag 2012

Justyna aus Polen Studienfach: Sprachwissenschaft

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Werden Sie Pate für ausländische Studierende

Der Film „The Spirit of Friendship“ über die Initiative „Fremde werden Freunde“ ist als DVD bei den im Impressum genannten Projektpartnern erhältlich.

ISBN 978-3-934822-82-5, TIAW-Verlag 2012

www.fremde-werden-freunde.de

Broschüre Fremde werden Freunde  

Eine Initiative für Toleranz und Gastfreundschaft in Erfurt

Broschüre Fremde werden Freunde  

Eine Initiative für Toleranz und Gastfreundschaft in Erfurt

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