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1. Gesellschaft: Im Frauenwunderland vom 09.02.2009 - 20161 Zeichen

DER SPIEGEL Seite 66

9. Februar 2009


Gesellschaft

Planet der Frauen (III) Macht oder Ohnmacht, Tra-

liche Macht, wie die dritte Folge der SPIEGEL-Serie beschreibt – am Beispiel Norwegens, das ganz vorn liegt in Statistiken, die jährlich die Länder der Welt nach dem Grad der Gleichberechtigung sortieren.

dition oder Moderne – weltweit wandelt sich das Verhältnis der Geschlechter, bröckeln archaische Gesellschaftssysteme, verschaffen sich Frauen wirtschaft-

Im Frauenwunderland

In der Politik sind Norwegerinnen schon lange ein Machtfaktor, nun soll die Wirtschaft folgen. Das Gesetz befiehlt jetzt: Schickt Frauen in die Aufsichtsräte – sonst wird die Firma aufgelöst. Ein feministisches Schelmenstück? Ein Vorbild für die globalisierte Welt? Von Barbara Supp

Wirtschaftsministerin Brustad (M.)* bei einem Treffen mit Aufsichtsrats- und Vorstandsfrauen: Sehr viele sagen, ich bin nicht für die Quote, aber

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err Hegnar redet freundlich über Frauen, auch über solche in der Wirtschaft, auch über seine neue Wirtschaftsministerin, niemand wird etwas gegen Frauen sagen, so ist das in seinem Land, niemand wird sagen: Die kann das nicht, die ist eine Frau. Und an diesem neuen Unsinn, der ihm jetzt zu schaffen macht, ist sie immerhin nicht allein schuld. Erfunden hat diesen Unsinn jemand anderes. Ein Wirtschaftsminister. Einer ihrer Vorgänger. Ein Mann. * In weißer Bluse und schwarzer Weste.

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Ein Mann, der eines Morgens sagte: Heureka, ich hab’s, ich werde die Welt verändern, die Welt der Männer und der Frauen. Genau so, sagt seufzend Trygve Hegnar, Medienunternehmer, Herausgeber und Gründer von Norwegens wichtigstem Wirtschaftsmagazin, genau so sei es geschehen. Auf einem Hügel im Westen der Stadt, bei klarem Blick über Schiffe und Meer im Oslofjord, sitzt Trygve Hegnar in seiner Chefetage und fragt sich immer noch, wie das passieren konnte, er sitzt da umgeben von Galionsfiguren, von hölzernen Frauen mit schwer durchschaubarem Lächeln, manchmal streicht seine Hand über so ein d e r

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stummes Gesicht. Ein Herr Mitte 60, silberhaarig, der vor 40 Jahren in Mannheim Wirtschaftswissenschaft studiert hat und sehr gerades Deutsch spricht, er sagt: „Stellen Sie sich vor, dass so etwas in Deutschland geschieht.“ Dass ein konservativer Wirtschaftsminister, dass also einer wie Michael Glos eines Morgens im größten Boulevardblatt zu lesen ist, ohne Vorwarnung, dass er sagt: Es gibt brillante Frauen. Es gibt zu wenig Frauen in den Aufsichts-, in den Verwaltungsräten. Ihr sucht sie nicht. Ihr schaut in eurem Old Boys’ Network, ihr geht den Elch jagen und schaut anschließend in der Jagdhütte her-


Mensch von uns hatte was geahnt.“ Kein Mensch, also auch nicht Sigrun Vågeng, Direktorin für Arbeitsmarktpolitik beim norwegischen Unternehmerverband NHO. Sie schaut aus dem Fenster, ein klarer Tag, ihre Tochter steht im Juraexamen, aber egal jetzt, es geht um Ansgar Gabrielsen – Ansgar also sagte, er werde die Welt verändern, und warum er das tat, ist ihr immer noch nicht recht klar. „Ich weiß nicht, warum Ansgar das gemacht hat. Hat er Töchter? Ist es das?“ Sie saß da und wunderte sich. Und ist seitdem damit beschäftigt, die Konsequenzen zu tragen und ausländischen Politikern und Unternehmern das seltsame Norwegen zu erklären. Ein dünnbesiedeltes Land, mit 4,7 Millionen Einwohnern, und ein reiches, seit in

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um, wenn ihr jemanden für einen Job braucht. Hört auf damit. Wenn ihr nicht freiwillig Frauen in die Räte schickt, so sprach der konservative norwegische Wirtschaftsminister Ansgar Gabrielsen im Februar 2002, dann werde ich euch per Gesetz dazu zwingen. Wer sich dann nicht daran hält, mit dessen Firma ist es vorbei. Und jetzt leben sie mit dem Gesetz. Und Trygve Hegnar sagt: „Dies ist ein seltsames Land.“ Es ist ein spezielles Land, in dem Frauen in der Politik schon lange mehr zu sagen haben als anderswo, aber es geht jetzt, und das ist das Neue, nicht um politische Macht, es geht ums Geld. Es geht um Macht und Gesetz und das Primat der Politik. Es geht um den Markt und die Frage, wie sehr der Staat in den Markt eingreifen kann, darf

die Folgen mag ich schon

und muss; eine spannende Frage in dieser Zeit. Es geht um alle börsennotierten Unternehmen Norwegens, insgesamt rund 500. Dort müssen seit 2008 mindestens 40 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein. Und die globalisierte Welt schaut nun neugierig auf Norwegen, und warum sie das tut, das gefällt Trygve Hegnar nicht. Die Welt ist verunsichert in diesen Tagen, sie sucht nach Regeln und Maßstäben und vielleicht neuen Wegen, die Welt will wissen: Wie geht das? Geht das gut? Und wie kommen die darauf? „Es stand auf der ersten Seite, in diesem Boulevardblatt, riesengroß. Und kein

den sechziger Jahren das Öl in der Nordsee entdeckt wurde. Ein egalitäres, das fast den gesamten Ölreichtum nicht an private Konzerne vergibt, sondern staatlich kontrolliert und für die Bürger investiert. Aber kapitalistisch ist es eben doch auch. Es war plötzlich voll von verstörten Unternehmern, die wie Trygve Hegnar die Freiheit des Kapitals bedroht sahen, was würde an der Börse passieren? Welcher Investor nähme dieses komische Land noch ernst? Sigrun Vågeng darf Frauenförderung begrüßen, aber sie darf sich nicht so anhören, als ob sie für die Quote sei. Ihr Interesse d e r

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musste das Interesse dieser aufgeregten Unternehmer sein. Die Debatte war laut, und schrill war sie auch. Ansgar Gabrielsens Idee passierte das Parlament, als eine Mischung aus Freiwilligkeit und Zwang. Alle Börsenunternehmen, so beschloss das Parlament, müssen 40 Prozent Frauenanteil in den Aufsichtsräten erreichen. Wer das Soll nicht erfülle, das war die Drohung, der werde ab 2008 die Konsequenzen spüren. Was macht man da, als Unternehmerverbandsdirektorin? Man denkt darüber nach, was Männer, was männliche Unternehmer verkraften und was nicht. Wenn die Uno die Staaten nach der Gleichberechtigung der Geschlechter sortiert, dann liegt Norwegen seit Jahren auf Platz eins oder zwei. Als Avantgarde des Feminismus. Als Frauenwunderland. Sigrun Vågeng erzählt von einem Wirtschaftstreffen in Paris, in der deutsch-norwegischen Handelskammer, bei dem ein nach Norwegen versetzter Franzose von seinem Kulturschock in Oslo berichtete: Er hatte zu einer Sitzung geladen, nachmittags um vier. Er war der Einzige, der am Tisch saß. Alle anderen, Männer wie Frauen, waren mal eben weg, um die Kinder von der Schule abzuholen. Sigrun Vågeng lächelt leise, wenn sie von diesem Franzosen erzählt. Sie sagt, man müsse sich manchmal zurückhalten in anderen Ländern, um nicht großspurig zu wirken. Es sei normal, dass ein Mann sich zuständig fühlt und sagt: Das sind ebenso meine Kinder wie deine. Es kann sein, dass ihr über einen ausländischen Politiker der Satz entfährt: „Für einen Deutschen denkt er ziemlich modern.“ Norwegen ist anders, aber woher das genau kommt, fällt Sigrun Vågeng, fällt selbst Soziologen schwer zu erklären. Schon bei den Wikingern waren Frauen respektiert, manche sogar mächtig, aber hält so ein Effekt über tausend Jahre an? Bauer und Fischer waren die Norweger bis vor zwei, drei Generationen noch, was harte Arbeit bedeutete für beide Geschlechter, und wenn die Fischer erst nach Tagen oder Wochen zurückkamen oder gar nicht mehr, dann mussten die Frauen selbst zurechtkommen, und das taten sie auch. Es ist eine Bürgermonarchie, die sich im 19. Jahrhundert ihr Parlament auf einem Hügel gebaut hat, auf gleicher Höhe mit dem Königspalast. Ein Parlament mit Sitzungssälen in rotem Plüsch und goldfarbenem Zierrat, ein Palast des Volkes, und schon 1911 saß die erste Frau darin. Als eines der ersten Länder Europas ließ Norwegen im Jahr 1913 das volle Frauenwahlrecht zu. Es gibt freiwillige Frauenquoten in der Politik seit den siebziger Jahren, es gibt seit den Achtzigern, seit der Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, die Ge67


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wohnheit, ein Kabinett etwa zur Hälfte mit Bilanz. Nicht weil Frauen alles besser ma- ich in ein Unternehmen stecke. Also will Frauen zu besetzen. Knapp 40 Prozent der chen, sondern weil verschiedene Blick- ich auch bestimmen dürfen, wer darüber Abgeordneten sind weiblich. 71 Prozent winkel für eine Sache besser sind als ein verfügt.“ Wer jemanden sucht für einen Spitzender Frauen zwischen 16 und 74 Jahren ha- geschlossenes System, bei dem sich alle ben ihren Beruf. Es gibt ausreichend Kin- einig sind und gemeinsam profitieren. Man job, so sagt er, der weiß, wo man ihn finderbetreuung für alle und andererseits kein kann verzweifelte NHO-Unternehmer da- det. Man hört von guten Kräften, man kennt sich aus der Schule oder aus dem Ehegattensplitting, das das Daheimbleiben mit trösten, dass es diese Studien gibt. Man rühmt also das Positive, um ihnen Studium oder von Gremien und Konfeder Frauen belohnen würde, und an den Universitäten haben die Frauen die Män- über den Schock hinwegzuhelfen, man renzen oder aus dem Wirtschaftsteil. Man spricht von Talenten, von neuen Ideen, sieht sich im Theatercafeen, gleich beim ner zahlenmäßig längst überholt. Dann aber – dann hakt es. „Dann blei- von „Diversity“, Manager hören solche Osloer Theater, man sitzt zusammen unter ben sie im mittleren Management hängen“, Wörter gern. Nach dem ersten Lehrgang Kronleuchtern und isst Gravlaks oder sagt Sigrun Vågeng. Und die Männer fra- bekam ein Viertel der Frauen sofort ihr Smørbrød, man trinkt, wenn man sehr viel gen: Na, wo sind sie denn, die engagierten, Angebot, ein paar Monate später war es Geld ausgeben will, ein Glas Chablis dazu, dann die Hälfte, und so ist das in etwa ge- und dann hat man jemanden für den Job. erfahrenen Frauen? An der Konzernspitze jedenfalls nicht. blieben. Mehr als tausend Frauen haben Ja doch, einen Mann, normalerweise. Nur eine Handvoll Geschäftsführer der 500 inzwischen die Lehrgänge durchlaufen, Wenn es genug von diesen brillanten Fraubörsennotierten Unternehmen sind Frauen. von denen jede zweite, schätzt Sigrun Vå- en gäbe, sagt Hegnar, dann wüsste er daIn den Aufsichtsräten, die in Norwegen geng, einen entsprechenden Posten bekam. von. Er brauche nicht Sigrun Vågengs NHO-Datenbank, mit ihren nicht nur kontrollieren, sondern speziell geschulten Frauen. Teil der Geschäftsführung sind Medienunternehmer Hegnar Es verblüfft ihn, dass in – da saßen 2002, als Ansgar Gaanderen Ländern Norwegen brielsen anfing, sich ernsthaft mit seiner Quote als Vorbild mit der Sache zu befassen, gebetrachtet wird. Reporter aus rade mal sechs Prozent Frauen. aller Welt sind angereist, aus Nicht mehr als in Deutschland. Japan, der Schweiz, aus Korea, Ein erbärmlicher Wert. teils befremdet, teils fasziniert. Manchmal braucht man jeUnd die Faszination wächst. manden, der Türen eintritt, SiDie Zeiten sind ja nun so, dass grun Vågeng ist nicht der Typ staatliches Eingreifen in die dafür, Benja Stig Fagerland ist Wirtschaft weniger Empörung es eher, also hat sie Benja enhervorruft als früher. Schwegagiert. Benja Stig Fagerland, den diskutiert über die Auf38, Dänin, gut 1,80 groß, früher sichtsratsquote, Spanien und mal Model gewesen und nun Dänemark ebenso. Selbst in Unternehmensberaterin und Deutschland gab es schon eine Mutter von drei Töchtern und Anhörung mit Ansgar Gabrielüberwältigende Erscheinung; sen im Rechtsausschuss des von Pippi Langstrumpf spricht Bundestags, nach einem Ansie immer, fragt man sie nach trag der Grünen. Sie blieb bisihrer Theorie. Pippi Power. her folgenlos, aber immerhin. Keine Angst haben, wie Pippi. Ansgar, sagt Trygve Hegnar, Sich alles zutrauen. Das lehrt habe von Anfang an leichtes sie ihre Töchter, ihre weibliche Spiel gehabt. „Man hat nicht Kundschaft, das ist ihr Prinzip. so sehr intelligent diskutiert.“ Benja Fagerland also ging Ansgar Gabrielsen ist ein auf Tour durch die größten leicht verknautschtes Gesicht norwegischen Unternehmen mit leisem Lächeln, man sieht und hörte dort, was man bei es in der Fotogalerie im KorTrygve Hegnar, was man imWas würde an der Börse passieren? Welcher ridor, der zum Ministerbüro mer hört: Diese brillanten Nachfolgerin führt. Ihn Frauen – die gibt es nicht. Investor nähme dieses komische Land noch ernst? seiner selbst sieht man nicht mehr in Man kann lachen über solder großen Politik. Es reicht, che Sätze. Man kann sich aufregen. Man kann sie ernst nehmen. Die In den Chefetagen waren ja viele ver- das hat er wissen lassen, er verdient sein NHO nahm sie ernst und versprach Hilfe, zweifelt. Sie brauchten unbedingt Frauen. Geld jetzt in der Wirtschaft, er hat sich verbunden mit Zwang. Sehr verzweifelt, sagt Trygve Hegnar zurückgezogen, nachdem seine Konserva„Perlentauchen“. So nannten sie das. in seinem Medien-Glasturm, „viele haben tiven 2005 die Wahl verloren. In seinem Büro steht nun Sylvia BruPerlentauchen heißt: Die Firma sucht sogar die Konsequenzen gezogen. Die waren in ihrer Belegschaft nach mindestens an der Börse notiert und sind es nicht mehr“. stad, Sozialdemokratin, und plant die nächste Revolution von oben. Seit ein paar drei talentierten Frauen. Die NHO schult Auf der Flucht vor den Frauen? diese Frauen, die Firma zahlt dafür und „Sie sagen es nicht so. Aber ich kenne Monaten Wirtschaftsministerin, davor Geverpflichtet sich, wenigstens eine dieser Leute, die haben das getan. Man will ja sundheitsministerin, davor Familienminisdrei für einen Aufsichtsratsposten vorzu- nicht den besten Mann aus dem Aufsichts- terin, eine 42-jährige Erscheinung, rotlockig, raumfüllend, mit Hose und Weste sehen. rat werfen.“ Es gibt diese internationalen Studien Und wenn man den schlechtesten ent- und Klimperkette am Hals, sie hat sich an diesem Morgen 18 wichtige Frauen zum und Berichte, die belegen, dass ein hoher fernt? Frauenanteil gut ist für eine Firma, nicht „Warum soll ich jemanden rauswerfen, Lunch geladen. Die sollen jetzt, mit ihrer nur für das Klima, sondern auch für die dem ich vertraue? Es ist mein Kapital, das Macht von oben, dafür sorgen, dass es in 68

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norwegischen Unternehmen mehr Ge- auf das Königsschloss, er hat hier kein Er rief also diesen Boulevardjournalisten Büro mehr, hat die politische Bühne ver- an und sagte, ich habe etwas für dich, es schäftsführerinnen gibt. Sie sind Aufsichtsrätinnen und Vor- lassen und betrachtet interessiert, was er wird dir gefallen, es wird dir jahrelang gestandsfrauen, von Firmen wie der Norsk angestellt hat mit seinem Land. fallen. Er gab das Interview, und niemand „Es war ein Putsch.“ Hydro, der DnB Nor, der Grieg Group, wusste davon, nicht die Fraktion, nicht das 2001 wurde er Wirtschaftsminister, ein Kabinett, nicht die Partei. von wichtigen Firmen, allesamt milliardenschwer; sie stehen vom Tisch auf, von Mann aus alter Wirtschaftsdynastie, ein Sein Boss hätte es ihm verboten. Also halbvollen Salattellern und Wassergläsern, Mann mit 20 Jahren Erfahrung in der hat er ihn nicht gefragt. „Ich bin ja nicht sie plaudern und sind zum Gruppenbild Politik. Las viel, las diese Berichte und Stu- illoyal.“ Seine konservative Partei schluckte bereit, und als sie gefragt werden, wer für dien über die Wirtschaft und die Frauen, die Quote sei, hebt etwas mehr als die traf Aufsichtsräte in Staatskonzernen, auch schwer, als sie das Interview zu lesen Hälfte die Hand. Auf Nachfrage fällt immer Frauen darunter, tüchtige Frauen. War der bekam. Michael Glos, wenn man ihn sich wieder der Satz: Ich bin nicht für die Quo- Meinung, dass das, was in Aufsichtsräten denn in dieser Rolle vorzustellen vermag, vor sich geht, nicht nur Sache der Auf- wäre skalpiert worden. Ansgar Gabrielsen te. Aber die Folgen mag ich schon. Die Folgen sind: Alle Börsenunterneh- sichtsräte, sondern der gesamten Gesell- kam damit durch. Wer das Ungeheuerliche plant, braucht men haben die Quote erfüllt. Ein paar Män- schaft sei. Gestalten, nicht getrieben werden. Herr ja ein gewisses Erpressungspotential. Es ner mussten gehen, im Schnitt 1,7 pro Gremium, aber die Klagen darüber sind leiser über die Verhältnisse sein. Weichen stellen, hätte gereicht, auch ohne den Schultergeworden. Es gibt jetzt andere Themen an in die Wirtschaftsgeschichte eingehen, Poli- schluss seiner Partei. Er hatte die Zustimmung der linken Koalitionsder Börse als das, wie viele partner, Sympathisanten in der Männer aus Aufsichtsräten verUnternehmensberaterin Fagerland, Kinder Opposition und auch welche drängt worden sind. Auch Norunter seinen Konservativen. wegen spürt die Krise, aber das Zähneknirschend stimmten die heißt, man befürchtet jetzt eirestlichen Konservativen zu. nen Anstieg der ArbeitslosigTrygve Hegnar übernahm keit von 2,6 auf 3,5 Prozent. den Job des außerparlamentaAuf die Frauenquote jedenfalls rischen Oppositionsführers, hat die Börse gelassen reagiert. Hegnar, „ein netter Kerl“. Die Katastrophe blieb aus. Hegnar und seine Freunde, Sylvia Brustad denkt quofand Gabrielsen, hörten sich tenfreundlich, sie hat sich beim an wie die Männer damals politischen Gegner für dieses 1913, als es ums FrauenwahlGeschenk zu bedanken und recht ging, Frauen können das beschlossen, es vorbehaltlos zu nicht, Frauen schaffen das akzeptieren, sie erinnert an nicht, ein bisschen gestrig Gro Harlem Brundtland, die so eben. „Hegnar ist, wie er ist. oft betont habe, ohne diese Und so ist er halt.“ Quote in ihrer Partei hätte sie Vor sieben Jahren, er war es wohl nicht zur Ministerpränoch nicht lange Wirtschaftssidentin gebracht. Brundtland minister, lud Ansgar Gabrieldamals habe viel verändert. sen 100 norwegische Bürger Ein Mensch, sagt Sylvia Bruein, mit umgekehrter Quote stad, könne sehr wohl einen wie in den Aufsichtsräten: 6 Unterschied machen. Männer und 94 Frauen. Die Brundtland tat es. Ansgar Frauen waren geschmeichelt. Gabrielsen tat es auch. Man würde über den FortHerr Gabrielsen, sind Sie ein schritt diskutieren, über GeFeminist? schlechterfragen, wichtige Din„Nei.“ Er sieht zufrieden ge beschließen, etwas würde aus. Pippi Langstrumpf ist ihr Rollenmodell, sie geschehen. Ansgar Gabrielsen, ein entEin paar Tage vorher ließ er spannter Herr von 53 Jahren, empfiehlt es Kundinnen und Töchtern. die Bombe platzen. Nicht 94 jünger wirkend, ist schließlich Frauen hatten etwas beschlosdoch zu treffen, im Foyer des Parlamentsgebäudes, er führt über lichte tiker mögen so etwas. Ansgar Gabrielsen sen, sondern ein einziger Herr Gabrielsen. Hört man sich um unter jenen Frauen, Treppen zum roten Prunk der Sitzungs- mag es auch. Schauen Sie, sagt er, ein wenig müde, dann ist noch immer Enttäuschung zu säle und erzählt von seinem Trip zur Parlamentsanhörung in Berlin, große Gebäu- das Grundsätzliche zu erklären, es sei ja spüren. Er habe etwas Richtiges getan, hört de sah er, wichtige Menschen, schwarze nun so, „dass die Menschheit zur Hälfte man, aber eben wie ein Mann. Wie ein Macho-Mann. Limousinen, in Norwegen ist das nicht so. aus Frauen besteht“; wenn diese ErkenntAnsgar Gabrielsen lächelt. Er sieht sehr Es sei eine schöne Anhörung gewesen, sagt nis sich irgendwann durchgesetzt haben er, und ein schönes Abendessen hinterher. sollte, dann hält er es durchaus für mög- zufrieden aus. Aber es wundert ihn nicht, dass das ohne lich, dass nicht nur in Skandinavien, sonFolgen blieb. Diejenigen in Deutschland, dern auch anderswo die Welt der WirtIm nächsten Heft: die etwas Ähnliches wie er wollten, hätten schaft veränderbar sei. Die verspätete Revolution – wie sich keine Macht. Und die anderen wohl Angst, Er sagt: „Ich wollte dieses Gesetz. Ich weiß Frauen in Vietnam gegen archaische ihre Macht zu verlieren. genau, wie man es anstellt, eine Menge Lärm Rollenkonzepte auflehnen. Es findet sich ein freies Besprechungs- zu veranstalten und nichts zu bewirken. Das zimmer, mit Plüsch und Prunk und Blick war nicht mein Plan.“ Er lächelt fein. d e r

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Der Spiegel: Gesellschaft - Im Frauenwunderland  

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