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Liebe Crowd,

die Karma Chakhs sind da! Liebevoll verpackt und handsigniert von den Fabrikmitarbeitern. Jedes Paar ein Unikat! Mit den Karma Chakhs gehen wir erste Schritte in eine neue Wirtschaftsform. Das ist Neuland in vielerlei Hinsicht: Markenrechtlich, kaufmännisch, betriebswirtschaftlich. Im Frühjahr 2013 haben sich 500 Menschen im Internet zusammengefunden, um die Converse Chucks selbst zu produzieren. Fair und bio. Nicht weil wir eine Geschäftsidee wittern, sondern weil wir mit den Produktionsbedingungen nicht einverstanden sind. Wir sind Prosumenten (Mischung aus Konsumenten und Produzenten) und glauben an „Konstruieren statt konsumieren“. Im Juni 2013 haben Kathrin Harms (Fotografin), Marc Solterbeck (FairDealTrading) und ich unsere Lieferanten in Indien, Sri Lanka und Pakistan besucht. Wir haben die Menschen und ihre Familien kennengelernt, haben eine Schule für ehemalige Kinderarbeiter besucht.


Mein Fazit: Die ökonomische Idee der „Lieferkette“ ist überholt. Sie legt die Menschen tatsächlich in Ketten. Wir zeigen Euch, wie wir versuchen Massenproduktion neu zu denken: Aus der „Supply Chain“ wurde der „Supply Tree“. Zentral ist die 7-Steps-Anleitung, nach der jeder Konsument zum Produzenten werden kann. Wir haben ein Buch entworfen, welches die Geschichte der Karma Chakhs erzählt: Das Karma Chakhs Protocol. Es ist so konzipiert, dass Ihr es selbst produzieren könnt, mit Schmierpapier und Eurem A4 Drucker. Viele HelferInnen haben bei einer „Packaging Party“ in Berlin die Schuhe verpackt und Schmierpapier mitgebracht. Wir haben damit die ersten Seiten des Karma Buches ausgedruckt und den Anfang gemacht. Fertig wird es allerdings erst durch Euer Mitwirken! Hier könnt Ihr die fehlenden Seiten des Buches runterladen und nach Gusto selbst gestalten: www.startnext.de/karma-chakhs ES IST AUSDRÜCKLICH ERWÜNSCHT, ALLE IDEEN ZU KOPIEREN UND WEITERZUENTWICKELN. Stellt Euch vor, wir könnten irgendwann Güter, Nahrung, Bildung und Wohnraum produzieren, ohne Konsumdruck, ohne Ausbeutung, ohne böses Karma. Wir stecken noch in den Kinderschuhen. Das hier sind die ersten Schritte und darauf könnt ihr stolz sein: Ihr seid die ersten, die dieses Neuland betreten. Euer Karma Ökonom Van Bo Le-Mentzel

Been there, done that.


Die Entstehung der Karma Chakhs

1 Unsere Baumwolle wurde im Fr端hling in Andra Pradesh (Indien) geerntet, ohne Pestizide! Illustration Clara de Villiers

2 In Mumbai wurde bei Volant Textile Ltd. die Wolle maschinell zu CanvasStoff verarbeitet. Illustration Clara de Villiers


4 Koagulationsprozess: Bei Padeniya Thurusaviya (Sri Lanka), einer Fair Trade Genossenschaft, wird die Milch geronnen und zu Gummi gewalzt.

3 Kleinbauer Fernando Rodriguez ritzt Kautschuk-Milch aus einem Gummibaum in Padeniya (Sri Lanka). Vorsicht: Fast 30 Jahre lang kann ein Baum Milch geben, wer zu tief ritzt, macht den Baum unbrauchbar!


5 Im Smoke Room wird der Gummi wie bei der Fischzubereitung geräuchert. Das schützt vor Pilzbefall. Der Gummi wird dadurch braun.

6 gegenüber Der helle Gummi für die Seitenstreifen kommt von der ­Horana Plantage (einige Autostunden entfernt), wo mit hochwertigen Maschinen die höchste Güte und Reinheit hergestellt werden kann.


7 In Sialkot (Pakistan) laufen bei Talon Sports alle F채den zusammen. Zuerst mischt dieser grimmige F채rbemeister rote Pigmente in die Farbwalze, um den Stoff einzuf채rben.


8 … Der Stoff wird ausgestanzt … nächste Seite … Dann wird genäht. Bei 45 Grad ohne Klimaanlage.


9 Jeder Stoff ist mit Markierungen versehen, da durfte ich Löcher für Schnürsenkel-Ösen hineinstanzen. nächste Seite Unsere Sohle soll grün werden. Dafür gibt es ein Rezept. Unsere Sohle besteht aus gelben und grünen Pigmenten, Ölen, Kalk und vielen anderen Elementen.


10 Speziell für unsere Schuhe wurden massive Stahlwerkzeuge gegossen. Eine teure Angelegenheit, über 10.000 Euro hat die Herstellung gekostet! nächste Seite Wie bei einem Waffeleisen wird das grüne Gummi zu unserer Sohle geschmolzen, entworfen von Saskia Lück.


11 Unsere Schuhe kommen ohne Logo aus. Anstelle dessen steht auf den Hacken „Give“ und „Take“, eine Idee von Karsten Harazim aus der Facebook-Crowd.


12 Ab jetzt läuft alles wie am Fließband. Mit Kautschuk-Leim (kein synthetischer Kleber!) wird der Stoff mit der Sohle in Form gebracht. Diese Frau ist eine von lediglich acht Frauen in der Fabrik.

13 Der helle Gummi kommt zum Einsatz: Der Schuh bekommt seine weiße „Toe cap“-Nase und die weißen Streifen um die Sohle.


14 Wie in einer Küche: Zum Schluss werden die Schuhe im Ofen „gebacken“, um alle Komponenten miteinander zu verschmelzen. Das nennt man Vulkanisieren.

Fertig!


Impressum: Karma Chakhs sind eine Gemeinschaftsproduktion von Le-Mentzel und Jäpelt, Aye, Varelmann, Spöck, Wawricka, Berger, Rentsch, Howitz, Lückenbach, Protze, Michelmann, Sauer, Wingerath, Mauruschat, Deltell Colomer, Hahmann, Reddig, Gase, Ebert, Maier, Gruber, Martini, Ruehr, Monske, Ketelhut, Schwarz, Gutwein, Costa, Wolff, Anwander, Heinemann, Aydin-Kandler, Schmid, Mensching, Kohler, Beholz, Patzke, Grintsch, Kruse, Fehmi und Ramsi Hoffmann, Greinwald, Phetnoi, Bernet, Dr. Köck (Hessischer Volkshochschulverband), Nutz, Wüst, Schuler, Lindner, Kraut, Osel, Dietsch, Buflmann, Wingerath, Fedrowitz, Räsch-Mimler, Ramminger, Bock, Dege, Winchenbach, Bernet, Wagenknecht, Schott, Pietzner, Hruschka, Heiling, Hansen, Mokler, Schröder, Kettritz, Stolba, Kamphuis, Goldberg, Beck, Oestreicher, Pichlhöfer, Broz, Schmidt, Urban, Kaminsky, Zehentner, Schumacher, Hanekamp, Fidelak, Pysall, Grill, Weber, Jeschke, Hildner, Fink, Wiese, Bauer, Boubakri, Heimberger, Thomey, Peyser, Mack, Birgit Bauer, Cahsella, Fischer, Beusser, Grofle-Allermann, Riedmann, Jumpertz, Heller, Hug, Jappel,, Merkel, Galke, Zehentner, Zuschke, Deppner, Schröder, Hottinger, Klos, Ehlert, El-Hassan, Dittrich, Wesenberg, Pöppe, Schueppert, Niesar, Baumgarten, Büning, Plagemann, Trumann, Schreiber, Hartwig, Leonhardt, Harzenetter, Coesfeld, Durnwalder, Summer, Griedelbach, Steimel, Wiener, Wiener, Bauer, Dinse, Deutsch, Wothe, Bender, Falk, Sebald, Kochs, Kovats, Berensmann, Triantafilidis, Gartemann, Schumacher, Wagenknecht, Klein, Ohlendorf, Kurlanda, Reinders, Sprdlik, Böhmer, Guenter, Bosch, Temminghoff, Evert, Müller, Siebel, Ling, Pacher-Zavisin, Gutzeit-Kroll, Fröschle, Schütt, Schulz, Felberg, Herfurth, Dr. Braem, Zieritz, Loeckel, Gottwald, Kibler, Tenzlinger, Zimmermann, Denker, Hawighorst, Spreen, Schirmer, Sodia, Sturm, Mitter, Dr. Cassens, Szepannek, Rzeppa, Schindler, Peter, Kuhnert, Onken, Böing, Wiesner, Endthaller, Sacher, Janik, Ringsleben, Eisenhauer,

Schreiber, Büthe, Kammerer, Osterwind, Kunz, Alfke, Schommer, Huber, Rieser, Schmeckies, Lisek, Bootz, Müller, Fuhr, Altenburg, Steinberg, Rzezonka, Tritschler, Altena, Reiterer, Altena, Christians, Landshoff, Nadler, Speckenbach, Kosik, Grutz, Heimberger, Zils, Gilgenmann, Pyka, Wernbacher, Ercan, Biedlingmeier, Bröker, Petzold, Müller, Landshoff, Harlan, Bergner, Dietrich, Lindstedt, Wallner, Wilke, Weigt, Brünink, Fink, Mertens, Deisler, Laczkowski, Schultz, Zuehr, Brown, Sperling, Höller, Kantel, Tatlici, Nagel, Koch, Fuhry, Lorenz, Paul, Pehrs, von Karger, Thier, Röckle, Körner, Rebohle, Schmeifler, Schneider, Landorf, Werner, Glasmeyer, Rossius, Klimpe, Lange, Harvey, Annette, Hemmerling, Schoen, Popkowitz, Girnus, Feder, Grill, Lettmann, Sommerauer, Kreutz, Kramer, Neubauer, Sternberg, Rauchensteiner, Dittmann, Vedadinejad, Winge, Eschke, Rutz, von Buttlar, Hahn-Hübner, Overländer, Triebl, Gobmaier, Maas, Proyer, Forster, Goethe Institut Irland, Schäffer. Hannig, Ehrensberger, Voj, Metzner, Bock, Ortiz, Krings, Hölzner, Schüfller, Weibel, Breinbauer, Wagner, Palm, Weizenegger, Vorbodt, Triantafilidis, Engelbert, Fahrbach, Kraus, Baur, Bartelt, Seiberl, Wachotsch, Moll, Rousseau, Schröder, Warnstorff, Wolf, Grabo, Mueller, Stöwer, Swoboda, Konrad, Reinitzer, Ulber, Szepannek, Reiselhuber, Kraft, Maldet, Heimberger, Zortea, Sommerauer, Kaisergruber, Röttger, Lüdecke, Kräutle, Longerich-Gassen, Loof, Schömann, Piper, Scharlach, Rottke, Pietsch, Verhorst, Termathe, Buchloh, Streibl, Menzel, Nowack, Hovermann, Matthiss, Winning, Junidas, Sturm, Ramb, Schimak, Heinen, Popp, Maschek, HannichRuczynski, Berger, Collins, Luise Mentzel, Steiner, Perleberg, Theil, Maclean, Heussen, Lottmann, Grill, Tost, Lüpschen, Frie, Gradl, Hasler, Lanter, Grimm, Rüster, Praetor (Institut für Informatik Leipzig), Eco-Store


Karma Chakhs Protocol: Bastian Henrichs (Chefredaktion), Kathrin Harms (Bildredaktion), Manuel Wesely (Creative Direction), codx.platform.fra. (Art Direction), Dario Pugner (Assistenz), Max Gilgenmann (Ökomanagement). Fotos von Kathrin Harms, Simon Jappel, Benjamin Heck. Illustrationen von Deborah Tyllack, Clara De Villiers. Übersetzungen Englisch: Lisa Collins, Ba-Linh Chu, Richard L. Pierre / Deutsch: Lisa Feigen, Max Walkowiak, Fabian Becker. Illustration (XMas Cards): Donya Todd, Jette Funke, Matzthias Ycavirp and Michelle Proyer Design (Karma Chakhs Sohle und Kartongrafik): Saskia Lück Alternative Designs: Ba-Linh Chu, Michal Golanski, Jan Kuck, Alex Sascha G, Simon Jappel, Christoph Müller, Karsten Harazim, Sona Sona, Ivonne Leuchs, Regine Pysall, Feli Geritz, Lah Cim Simonovsky, Pollack & Schaffrath, Georg Düdemeister, Davide Zicca und Mü. Musik für Startnext-Pitch Video: Dara Sepehri Dank an das Karma Team und Neues Deutschland Druckerei, Adrienne Mönkediek, Martin Lang, Copyshop Trigger.de, ocelot dan pearlman, Ole Feddersen, Shai Hoffmann, betahaus und startnext.de, Talon Sports (Zulfiqar, Assad, Bayrar Familie), Horana Plantations (Nisala), Padeniya Society, Rajlakshmi Ltd., Punjab Police Elite Force, Nele Ouwens, Christian Fischer, Claudia Mayer (Galileo-Team), Fabio Anthony, Dirk Helmgens, Shabnam Tafazoli, Gekko - Getränke- und Handelskollektiv (gekko-berlin.de) und die HelferInnen von der Packaging


„Nachhaltige Mode ist möglich“

Foto: Simon Jappel

Ein Gespräch mit Max Gilgenmann. über veganes Leder, Green Washing, Fair Trade und Pelz von verunglückten Kojoten. Gilgenmann ist Experte für nachhaltige Mode und berät verschiedene Mode-Messe-Veranstalter u.a. die Ethical Fashion Week Berlin. Du bist die Ökopolizei für Unternehmungen wie die Ethical Fashion Show Berlin, wo nachhaltige Mode präsentiert wird. Worauf achtest Du? Gilgenmann: Wir haben uns eine Art Kriterienkatalog erarbeitet und Mindestanforderungen sowie Ausschlusskriterien formuliert. Nachhaltigkeit ist immer nur relativ zu sehen — also gibt es keine nachhaltige Mode sondern nur nachhaltigere Mode. Kannst Du uns ein Beispiel für ein Ausschlusskriterium nennen? Das sogenannte „Fast Fashion“Label H&M hat eine Organic Linie. Kann ich ohne schlechtes Gewissen diese Organic Shirts kaufen?


Gilgenmann: Ohne schlechtes Gewissen kann man ehrlich gesagt nur sehr wenig kaufen — 100 Prozentige Sicherheit über die Produktion kann kein Unternehmen garantieren, außer alles läuft in Kleinstmengen in der eigenen Produktionsstätte mit Menschen, die man kennt und mit denen stetig kommuniziert wird. H&M ist für seine Größe und Marktstellung sicherlich eher auf der Seite der proaktiven Akteure im Bereich nachhaltige Textilindustrie, aber die Größe und Komplexität der Lieferketten allein ist schon ein gewisses Problem bei der Verfolgung einer konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie. Ein Ausschlusskriterium bei uns ist natürlich Kinderarbeit, aber auch der Ausschluss von chromgegerbtem Leder. Welche Marken sind für Dich vorbildlich? Gilgenmann: Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Marken, die sich vorbildlich verhalten. Beim „Upcycling“, wenn aus alten, aussortierten Kleidungsstücken oder anderen Alltagsgegenständen neue modische Produkte entstehen, bin ich Fan der beiden Berliner Labels „Reclothing“ von Daniel Kroh, und Schmidttakahashi. Als eines der großen globalen Vorbilder gilt Patagonia. In Deutschland ist auch Hess Natur immer noch sehr angesehen, obwohl die mittlerweile in die Arme einer großen Investmentgruppe geraten sind. Ist Mode und Nachhaltigkeit nicht ein Widerspruch? Ein Unternehmen, welches davon abhängig ist, dass zwei bis zehn Mal im Jahr Jacken, Hosen, Taschen und T-Shirts gekauft werden, kann ja kein Interesse daran haben, dass die Sachen länger als sechs Monate getragen werden. Gilgenmann: Discount-Mode und Fast Fashion sind sicherlich sehr widersprüchlich zur Idee nachhaltigerer Mode. Ob ein trendorientiertes Produkt überhaupt nachhaltig sein kann, ist eine spannende Grundsatzdiskussion,

die immer wieder aufflammt und bisher noch nie zu Ende diskutiert wurde. Ich denke, es ist grundsätzlich möglich. Hierbei spielen Ansätze wie das Recycling, Upcycling oder Cradle-to-Cradle (von der Wiege zur Wiege) eine wichtige Rolle, denn die eingesetzten Ressourcen vom Rohmaterial über die vielen beteiligten Hände, sowie die zur Produktion nötigen Energie- und Wassermengen müssen so effizient wie möglich eingesetzt und wiedergewonnen werden. Vorstellbar sind sowohl sehr kurze Kreisläufe, als auch längere technische Kreisläufe, wie sie heutzutage schon sehr erfolgreich im Bereich der synthetischen Faser. Für Holz gibt es das FSC-Siegel, für Nahrungsmittel das Bio-Siegel. Was gibt es in der Mode? Gilgenmann: Eines der vorbildlichsten und die gesamte Lieferketten erfassenden ist GOTS (global organic textile standard). Es gilt allerdings nur für Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Hanf oder auch Wolle. Im Recycling-Bereich gibt es den GRS (global recycling standard), der sich bisher aber primär auf die Fasern und Stoffe und nicht auf die gesamte Lieferkette bezieht und erst recht nicht auf das Upcycling. Im Bekleidungsbereich ist eine Mitgliedschaft bei der Wear Foundation ein gutes Signal, aber dies ist kein Zertifikat. Zudem gibt es Fairtrade Cotton, das dem Konsument die Sicherheit gibt, dass zumindest am Anfang der Lieferkette der Baumwollbauer fair entlohnt wurde. Leider gibt es kein allumfassendes Zertifikat — ganz im Gegenteil, es hat sich ein wahrer Dschungel an firmeneigenen Zertifikaten und Siegeln entwickelt, die den Endverbraucher eher verwirren. Um mit einem besseren Gewissen Kleidung einzukaufen kommt man nicht umher, das jeweilige Modelabel etwas genauer anzuschauen. Getchanged.net ist eine Online-Plattform, die bestrebt ist, Marken auf ihr Nachhaltigkeitsniveau zu überprüfen.


Von den Karma Chakhs wird es eine limitierte Auflage von maximal 500 Paaren geben. Ich habe weder vor, eine Firma, noch einen Handel zu betreiben. Manche kritisieren das als unnachhaltig, weil langfristig die Fabrikarbeiterinnen auch nichts von diesem vermeintlichen „Aktionismus“ haben. Wie siehst Du das? Gilgenmann: Du gibst eine Möglichkeit und einen Weg vor. Ich kann das Argument der Unnachhaltigkeit wegen der Einmaligkeit deines Engagements verstehen, aber es soll ja ein Zeichen setzen und eben Möglichkeiten, die wir alle haben, aufzeigen. Wenn das funktioniert und andere diese Gedanken aufnehmen, weitertragen, diskutieren und dadurch Folgeprojekte entstehen, dann ist das wesentlich mehr, als die meisten Konsumenten bisher tun.

sollen eine Plage sein und deshalb könne man die Jacke ohne schlechtes Gewissen tragen. Siehst Du das auch so? Gilgenmann: Was ethisch-moralisch vertretbar ist, kann nur jeder für sich selber beurteilen. Ich persönlich habe kein Problem damit, Omis alten Pelz weiterzunutzen. Roadkilled Kojotenfell würde mir auch erstmal nichts ausmachen, aber bei Fellen oder Leder, die nicht von Fischen oder Säugetieren stammen, muss man besonders kritisch hinsehen. Einerseits würde ich mir immer die Frage stellen, wie sicher es ist, dass das entsprechende Tier nicht nur wegen des Felles und Leders getötet wurde und andererseits sollte man sich bewusst machen, dass man natürlich irgendwie auch Werbung läuft für das Tragen von Fellen.

Ist Fair Trade eine echte Alternative? Fair Trade heisst ja nicht gemeinnützig. Und solange profitorientierte Schuhproduzenten auch 1000 Schuhe verkaufen könnten statt 100, werden sie alles tun, um das auch umzusetzen, oder? Gilgenmann: Auch fairer Handel muss erstmal gut organisiert werden. Profitorientierung halte ich nicht für das Problem, sondern Gewinnmaximierung und die Zwänge, die dadurch insbesondere bei börsennotierten Unternehmen entstehen. Solange die Billigspirale weitergedreht wird, bleibt es schwierig.

Ich werde in Pakistan (Nähfabrik), Indien (BioBaumwolle) und Sri Lanka (Kautschuk) die Produktion der Karma Chakhs dokumentieren. Worauf sollte ich achten? Gilgenmann: Nichts verschweigen, auch wenn es unangenehm scheint. Bei Bio-Baumwolle macht es Sinn, entsprechende Zertifikate (GOTS, OE) zu verlangen, um zumindest sicher zu gehen, dass Teile der Lieferkette dokumentiert und entsprechend der Richtlinien für kontrolliert-biologischen Anbau eingehalten wurden.

Leder, Lammwolle, Fell – muss man das boykottieren, wenn man guten Gewissens modisch sein will? Gilgenmann: Aus meiner Sicht sollten wir alle tierischen Beiprodukte so gut wie möglich nutzen—zumindest solange die Tiere ihres Fleisches wegen geschlachtet werden. Das heißt, Pelz ist ethisch okay? Woolrich, die eine 800 Euro Daunenjacke verkaufen (ein Verkaufsschlager!!!) argumentieren, dass sie „roadkilled“ Kojotenfelle aus Kanada benutzen. Kojoten

Mit Kautschuk kenne ich mich nicht aus. Die Konfektion in Pakistan solltest Du Dir selber gemeinsam mit mindestens einem erfahrenen und seriösen Partner anschauen und auch dort auf die Mindeststandards entsprechend der ILO-Richtlinien achten. Was kann jeder einzelne von uns Konsumenten tun, um einen Beitrag zu leisten für eine Welt mit weniger Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur? Gilgenmann: Immer schön eine Runde Denken bevor gehandelt, gekauft und im Zweifelsfall zerstört wird!


Bilanz Einnahmen: 33.658 Euro von 417 startnext-Supportern + 900 Euro private Einlage von Le-Mentzel

Wie wurde das Geld eingesetzt? Schuhproduktion 11.200 Euro / Werkzeug für Sohle / Iftihar Mould Maker (inkl. DB für Talon Sports) 4.200 Euro / Schuhproduktion / Talon Sports* (inkl. Horana Plantations, Padeniya Society, Rajlakshmi Cotton Mills) 770 Euro / Schuhkarton inkl. Verpacken / Talon Sports 2.100 Euro / Logistik in Asien / Global Airseas 714 Euro / Zoll / Zollamt Deutschland 2.950 Euro / Versand in Deutschland / DHL * Inbegriffen sind Fair Trade Prämien: 50 Cent/Kg Kautschuk an die Kooperativen Horana und Padeniya (= ca. 63 Euro) 770 Euro an Talon Welfare Society Ausgaben in Deutschland 700 Euro / Spesen / Karma-Chakhs Treffen in Berlin u.a. 14. 3.600 Euro / Deckungsbeitrag 1 / FairDealTrading (inkl. 200 Euro FLO Lizenz) 1.000 Euro / Druck Karma-Chakhs Buch / sprintout Copyshop Berlin Dokumentationsreise (14 Tage) nach Sri Lanka, Indien, Pakistan 3.800 Euro / Flugtickets (Emirates, Etihad, AirBerlin) für 2 Pers (Le-Mentzel, Harms) / Gilly Reisebüro 1.400 Euro / Übernachtung und Spesen / Oberoi Hotel (Indien), Lavinia Hotel (Sri Lanka), Hotel Pearl Lahore, Hotel Javson Sialkot (Pakistan) u.a. und diverse Restaurants


430 Euro / Visa für 2 Pers (Le-Mentzel, Harms) / Cox & Kings, Merkur Reisen, ETA-Behörde Sri Lanka

„Neue Standards setzen“

Gebühren 1.500 Euro / Spende / startnext.de 200 Euro / Lizenzgebühr / Fairtrade Label Organisation (FLO)

Gemeinwohlbilanz: ca. 900 Punkte (von 1.000) Die Gemeinwohlbilanz berücksichtigt – anders als herkömmliche betriebwirtschaftliche Bilanzen – auch die ethische Qualität der Handelsbeziehungen gegenüber LieferantInnen, GeldgeberInnen, Kunden und Umwelt. Negativ-Kriterien schmälern die Bilanz (Arbeitsrechtsverletzung, Kinderarbeit, Steuerbetrug, Dumpingpreise u.a.). Mehr über diese neue Form www.gemeinwohl-oekonomie.org

von

Bilanzierung: Interview with Marc Solterbeck, CEO of Fair Deal Trading (Ethletic) Welche Erfahrungen hat Fair Deal Trading mit der Produktion von Fair Trade Produkten? Solterbeck: We deal exclusively with products from fair supply chains. I personally see more sense in investing time and work into projects that are not purely materially oriented but also have some non-material values. Wie war es für Dich, als Du zum ersten Mal bei den Zulieferfirmen reingeschaut hast in Sri Lanka, Pakistan und Indien? Solterbeck: It was very interesting to see work in process in these different cultures. Unfortunately, the deficits of small companies – which repeatedly turn out to be obstacles in world wide tradeing – became obvious, too. For example: Quality systems or lack of infrastructure (working outdoors).


Frage aus der Crowd: Wie finden denn die ArbeiterInnen und UnternehmerInnen unsere westlichen Umtriebe? Gibt es auch vor Ort das Bestreben, die Produktionsmethoden zu hinterfragen? Solterbeck: Leider sind die Umstände vor Ort meist so, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter froh sind einen Arbeitsplatz zu haben. An dieser Stelle wird nichts von den Betroffenen hinterfragt. Im Management sieht das schon anders aus. Hier weiß man genau wie die Arbeitsverhältnisse in Europa sind, und orientiert sich daran, weil es auch Auswirkungen auf die Produktivität hat, das Arbeitsumfeld sozial zu gestalten. Aber Vorsicht: Das sind die Eindrücke die ich von unseren Kooperationsbetrieben habe. Diese sind bestimmt nicht repräsentativ für alle Betriebe. Wieviel zahlt Ihr denn den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Solterbeck: Wir zahlen an die Mitarbeiter direkt nichts. Wir sorgen dafür, dass Mitarbeiter unserer Firmen sich in so genannten Welfare Societies organisieren. Diese Welfare Societies (WS) bekommen von uns für jede aus dem Betrieb abgerufenen Lieferung 15% des Warenwertes auf ihr eigenes Konto überwiesen. WS's entscheiden dann gemeinsam und unabhängig von dem Unternehmen, wofür das Geld verwendet werden soll. In der Fabrik, wo die Karma Chakhs hergestellt werden, bezahlt die WS von den Prämien eine zusätzliche Krankenkasse für die Mitarbeiter, ohne die eine medizinische Versorgung in Pakistan nicht möglich wäre. Oder sie betreiben von den Prämien einen kleinen Supermarkt auf dem Firmengelände, in dem die Mitarbeiter zu günstigeren Konditionen einkaufen können. Auch werden Mikrokredite vergeben für Mitarbeiter, die sich mit einem Geschäft selbstständig machen wollen.

Zahlen eure Partnerfirmen denn den gesetzlichen Mindestlohn? Solterbeck: Das wird regelmäßig von den Auditoren der Organisationen FLO und GOTS überprüft. Wenn das nicht gewährleistet ist, wird das Siegel sofort entzogen. Aber auch wir kontrollieren das vor Ort, indem wir uns die Lohnabrechnungen von einzelnen Mitarbeitern zeigen lassen und sie persönlich befragen. Frage aus der Crowd: Worin unterscheiden sich die Karma Chakhs und der Ethletic? Solterbeck: Van Bo wird für seine Sneaker eine extra Sohle bekommen, für die extra neue Werkzeuge angefertigt werden. Ausserdem wird Van Bo eure Schuhe noch mit euren eigenen Ideen verschönern. In Zulieferfabriken ist es immer wieder zu Bränden gekommen, bei denen Menschen grausam ums Leben gekommen sind. Ursache waren verstellte Brandschutztüren durch Waren. Ganz ehrlich: Kannst Du aus Europa heraus kontrollieren, inwiefern Brandschutztüren verstellt werden? Solterbeck: Nein, das können wir nicht. Was wir aber machen können, ist vor Ort Hinweise darauf zu geben, wie man die Arbeitsplätze effektiver gestaltet und im Zuge dieser Veränderungen dann Platz für Fluchtwege schafft. Ein Menschenrechtler aus Malaysia hat in Berlin darüber referiert, dass in den Zulieferfirmen der Produktionsdruck das größte Problem sei. Die Firmen müssten innerhalb kurzer Zeit ein Vielfaches ihrer normalen Produktivität schlagartig erhöhen (Weihnachten oder wenn ein neues Produkt gelauncht wird). Bei den Karma Chakhs ist es so, dass wir den Firmen fast ein halbes Jahr Zeit geben, um knapp 500 Stück herzustellen. Ist es ein Problem, dass wir in den Wohlstandsnationen zu ungeduldig sind?


Solterbeck: Das halbe Jahr, das wir benötigen, ist vielmehr dem Umstand geschuldet, dass neue Werkzeuge für die Sohlen angefertigt werden müssen. Das allein dauert etwa drei Monate. Der Transport wird noch einmal rund fünf Wochen in Anspruch nehmen. Das heißt, dass die NettoZeit zur Produktion nur drei Wochen beträgt und das bei einer Tageskapazität von etwa 270 Schuhen pro Tag.

Werde Prosument in sieben Schritten

Also, unter Stress wird hier niemand gesetzt. Was den Produktionsdruck durch den westlichen Konsum angeht, möchte ich nicht für andere sprechen. Wir zumindest versuchen keine Überkapazitäten aufzubauen, die dann dazu führen, dass die Produktionsvorgaben nicht zu schaffen sind. Du warst jahrelang beruflich erfolgreich als Firmenchef einer Industriefirma, die Autohersteller mit Einzelteilen beliefert hat. Da hast Du gut verdient. Warum bist Du freiwillig in eine Branche gewechselt, wo Du nur einen Bruchteil verdienst? Solterbeck: Darauf kann ich Dir eine eindeutige Antwort geben. Mir machen die Menschen, mit denen ich zu tun habe mehr Freude. Das gilt für die Menschen hier, wie auch im Ausland. Welche Vision verfolgst Du mit Fair Deal Trading? Solterbeck: Es wäre schön, wenn ich mit vielen anderen Menschen neue Standards setzen könnte.

Ein Prosument ist ein Konsument, der Produzent sein möchte, weil ihn die Angebote auf dem Markt moralisch nicht zufrieden stellen. Prosumieren ist der nächste Schritt des „Do it yourself“. Bei den meisten Gütern – wie auch bei einem Turnschuh – ist die Produktion so komplex, dass die Nähmaschine und das heimische Werkzeug zur Eigenproduktion nicht ausreichen. Es geht also weniger um das Design des Produktes, sondern eher um das Design der Lieferkette. Dafür braucht es zumeist viel Geld und die Unterstützung vieler Menschen, also einer Crowd. Deshalb nenne ich es Crowduction. Hier erfährst Du, wie Du in sieben Schritten Prosument der Karma Chakhs wirst. Meine Vision ist es, dass die Menschen irgendwann den Schritt gehen und dieses Wissen auf alle denkbaren Güter ausweiten, auf Nahrung, auf Wohnraum, auf Bildung und vieles mehr. Ja, es ist


komfortabler bei Amazon Schuhe zu bestellen. Prosumieren macht jedoch nicht nur viel Spaß, ich lerne viel dazu, interessante Menschen kennen, und bekomme viel Anerkennung – und am Ende wird sogar ein Schuh daraus. Wenn also Dein Lieblingsprodukt böses Karma hat aufgrund von Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit oder Umweltverschmutzung, dann werde Prosument! 1. Recherchiere nach Lieferanten. Informiere Dich im Internet, welche Lieferanten Dein Lieblingsprodukt herstellen können. In dieser Online-Liste habe ich angefangen Lieferanten zusammen zu tragen: www.titanpad.com/suppliers 2. Schließe Dich einem Netzwerk an. In jedem Netzwerk gibt es Vertrauenspersonen, die dir gerne weiterhelfen. In Deutschland ist mein Ansprechpartner für Turnschuhe Marc Solterbeck von FairDealTrading. Nimm Kontakt auf und erzähl, was Du vorhast. 3. Check die Mindestbestellmenge. Bei der indischen Bio-Baumwollfirma Rajlakshmi Cotton Mills beispielsweise gibt es Mindestmengen für Jersey (500 Kg = ca. 1.200 Pullover oder 2.500 T-Shirts = ca. 7 bis 9,50 Euro/Stück), Canvas Stoff (ab 2.000 Meter) oder bei Talon Sports Pakistan (500 Paar Turnschuhe = ca. 60 Euro/Paar). Das heisst: Du brauchst 500 Koproduzenten, die je 60 Euro in den Topf werfen. 4. Starte eine Crowdfunding-Kampagne. Auf startnext.de kannst Du ein Video hochladen, um Koproduzenten zu finden. Tipp: Je ausgefallener Dein Produkt, umso schwieriger ist es Koproduzenten zu finden. Wenn Du bei bekannten Produkten bleibst, mit gängigen Farben und Designs (Chucks in blau oder weiss ohne Schnickschnack) ist die Chance größer, dass sich in zwei Monaten ausreichend Koproduzenten finden. Auch

Crowduction-tauglich: Basic Shirts, Kapuzenpullis, Unterwäsche, Kungfu Schuhe, Flip-Flops, Jute-Beutel. Check die Produkte-Liste der Lieferanten. Frag bei startnext.de nach einem Crowd Building Coach. Auch ich helfe Dir gerne! 5. Orientiere Dich am Marktpreis. Die Converse kosten 69,90 Euro, da ich keine Marge für mich brauche, muss ich nicht teurer werden. Wichtig: Geh nicht runter! Mach kein Dumping! Überschüssiges Geld steckst Du in gemeinnützige Projekte. Wenn Du armen Menschen helfen willst, biete Karma-Deals an, wo sie für eine Gegenleistung den Schuh ohne Geld haben können. Diese Karma-Deals refinanzierst Du durch limitierte Special Editions (siehe meine Green Edition mit handgezeichneten Badges). 6. Beziehe deine Crowd mit ein. Du kannst Deinen Schuh auch Karma Chakhs nennen, musst Du aber nicht. Ich erhebe kein Copyright, weil ich an Creative Commons glaube. Ursprünglich wollte ich die Schuhe Karma Chucks nennen, aber die Crowd hat markenrechtliche Einwände gehabt. Jetzt heißen sie Karma Chakhs (auf punjabi bedeutet Karma: erhebe Dich) und haben eine grüne Sohle mit einem Design aus der Crowd. Gib der Crowd Möglichkeiten, sich einzubringen, zum Beispiel bei Gestaltung, Dokumentation, Organisation oder beim Verpacken der Schuhe (Packaging Party!). 7. Hab' keine Angst vorm Scheitern. Vordergründig geht es um den Schuh, eigentlich jedoch geht es um vielmehr. Wenn der Schuh nicht so wird wie geplant, bleib cool. Halte die Augen auf für Türen, die sich Dir im Verlaufe der Crowduction öffnen. Das können Kontakte, Ideen, Freundschaften oder einfach nur Momente mit gutem Karma sein. Als Prosumenten sind wir alle Pioniere auf völlig neuem Terrain. Und wer drei Schritte nach vorn geht, darf auch mal zwei nach hinten.


„Der Imageschaden für Nike wäre enorm“

Der Comiczeichner und Hip Hop-Fan Raban von Buttlar bedient sich recht unkonventioneller Methoden, um juristische Inhalte zu vermitteln. Mal kommen Reime zum Einsatz, mal Spiele-Apps. Unter Jurastudenten ist sein Rap „Vertrauen, Vertrag, Gesetz“ bereits zum Klassiker avanciert. Mit Van Bo und Mitgliedern der Crowd diskutierte er über die Grenzen des Markenrechts und mögliche Probleme mit den Karma Chakhs. Van Bo: Warum hat uns Nike bis jetzt noch nicht angezeigt? Raban: Es ist ja nicht so, dass Ihr containerweise schlecht gefälschter Nike-Schuhe einschleust. Das wäre der klassische Fall. Euer Schuh schafft eine in vielerlei Hinsicht neue juristische Situation. Vielleicht prüfen die Nike-Juristen gerade, ob sie bei einer Klage überhaupt Recht bekämen. Vielleicht befürchten sie einen Shitstorm – wer weiß?

Frage aus der Crowd: Wir lassen die Karma Chakhs ja nicht produzieren, um Gewinne zu machen, sondern für den Eigenbedarf. Ist das nicht entscheidend? Raban: Etwas Zuhause für sich selbst zu basteln, wäre im Grunde unproblematisch. Doch durch das CrowdPhänomen entstehen größere Strukturen, die bald etwas ganz anderes sind als „alleine Zuhause etwas basteln“. Was das juristisch bedeutet? Es wäre ein tolles Thema für einen juristischen Fachaufsatz. Spätestens aber, wenn die Schuhe weiter verbreitet und beworben werden, wird es markenrechtlich relevant. Frage aus der Crowd: Prosumer wie van Bo vermischen die Rollen von aktivem Produzenten und passivem Konsumenten. Welche Rechtslage finden Prosumer in Deutschland vor, die Ihnen ihr Prosumertum überhaupt ermöglicht? Raban: Laut Artikel zwei, Absatz eins im Grundgesetz gilt allgemeine Handlungsfreiheit: Jeder darf zunächst mal tun, wonach ihm ist. Man darf organisieren und zusammen arbeiten, bestellen und vertreiben – solange man keine Rechte anderer verletzt. Dazu gehören etwa Marken-, Urheber-, Geschmacks- und Gebrauchsmusterrechte und Patente. Bei alldem muss es meiner Meinung nach aber auch möglich sein, sich kritisch mit Produktionsbedingungen und anderen Themen mit gesellschaftlicher Relevanz zu befassen. Das Besondere an diesem Projekt ist ja, dass es sich vor allem um einen Aufruf und eine Anleitung handelt, unfaire Produktionsbedingungen nicht mehr hinzunehmen und statt dessen Alternativen zu entwikkeln. Dieser Umstand spielt juristisch eine wichtige Rolle! Van Bo: Ich möchte Konsumenten animieren, Produkte selbst herstellen zu lassen, wenn sie der Meinung sind, die Hersteller verletzen Menschenrechte. In Zukunft könnten wir doch selbst bei dem Apple-Zulieferer Foxconn anklopfen und iPhones in Auftrag geben. Oder gibt es da juri-


stisch gesehen ein Problem? Verletze ich ein Markenrecht, wenn ich mir selbst einen RollsRoyce oder eine Rolex baue? Raban: Ich vermute, dass große Konzerne jede Schraube als Gebrauchsmuster oder Patent schützen und zudem mit ihren Zulieferern Exklusivverträge abschließen. Wo es die nicht gibt, also bei Standardteilen, die jeder Hersteller benötigt, kann sich aber jeder beliefern lassen und daraus für den Heimgebrauch bauen, was er will. Marc Solterbeck (Fair Deal Trading): Und was kann man sich an einem Schuh aus Stoff und einer Gummisohle schützen lassen? Raban: Bestimmte Gestaltungsmerkmale, durch die Anmeldung so genannter Geschmacksmuster. Das jeweilige Gestaltungsmerkmal muss allerdings zum Zeitpunkt der Anmeldung oder der erstmaligen Veröffentlichung neu sein, und es muss über ein Minimum an Eigenart verfügen, an Individualität. Wer jetzt also auf die Idee käme, das Design des Rollkragenpullover anzumelden, hätte keine Chance. Van Bo: Markenanwalt Ralf Höcker behauptete in der Financial Times Deutschland, dass wir Markenrechte verletzt hätten. Siehst Du das auch so? Raban: Ich sage es mal so: Das Ausnutzen der Bekanntheit einer Marke kann gerechtfertigt sein, also gebilligt von der Rechtsordnung, wenn durch sie Grundrechte gelebt werden, wie etwa die Meinungs- oder Kunstfreiheit. Wenn ein Gericht das so sieht, dann führt eine Verletzung des Markenrechts nicht zu Schadensersatzansprüchen. Van Bo: Im Grundgesetz heißt es in Artikel 14 „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Meist werden Patente und Markenrechte jedoch dazu benutzt, um Marktanteile für einige wenige zu

sichern. Inwiefern dient das Eigentum von Marken und Patenten dem Allgemeinwohl? Raban: Also zunächst sollen die Patent- und Markenrechte ganz klar die Marktanteile ihrer Inhaber, also der Anmelder sichern. Das halte ich für legitim. Wie das jetzt dem Allgemeinwohl dient? Mittelbar würde ich sagen: Eine Marke wächst, schafft Arbeitsplätze, zahlt Steuern. Aber leider schließt dieses „Allgemeinwohl“ nur Menschen in Deutschland ein, keine Arbeiter, die in asiatischen Sweatshops schuften. Van Bo: Was würdest Du Nike raten? Ergibt sich in diesem Karma Chakhs Projekt nicht auch eine Chance, Markenmanagement auf eine völlig neue Art und Weise zu denken? Raban: Absolut! Nike sollte wissen: Seine Kunden haben eigentlich alles, was sie brauchen und hätten dazu gern ein reines Gewissen. Von daher würde ich dem Unternehmen dringend von einer juristischen Auseinandersetzung abraten – der Imageschaden wäre enorm! Und selbst wenn Nike zunächst Recht bekäme: Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser spannende Fall durch die Instanzen bis zum Bundesgerichtshof oder sogar zum Bundesverfassungsgericht wandern könnte. Diese Gerichte haben vergleichbare Konflikte zwischen den Interessen von Markeninhabern und den Kritikern dieser Unternehmen wiederholt zu Gunsten der Kunst- und Meinungsfreiheit entschieden. Spätestens vor dem Bundesverfassungsgericht würde die Meinungsfreiheit im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung mit Produktionsbedingungen obsiegen. Bis vors Bundesverfassungsgericht zu kommen dauert zwar Jahre und kostet jede Menge Geld – aber auch dazu kann Crowdfunding beitragen.


Die Wertschaffenden hinter den Karma Chakhs

Betriebswirte sprechen vom Wertschöpfen, wir sprechen vom Wertschaffen, weil die meisten unserer Lieferanten aufgrund ihrer Fairtrade oder Nonprofit-Ausrichtung Werte schaffen statt aus Werten anderer zu schöpfen: Sie kümmern sich um die Bedürfnisse ihrer MitarbeiterInnen und deren Familien und gründen spezielle Schulen, die Kinder von der Straße holen, bauen Anlagen für Wasser, Toiletten und Biogas, Nahversorgungs-Kioske, Brücken, Mikrokredit-Programme (meist zinslos) und finanzieren medizinische Unterstützungen. Sie wollen Pestizide auf den Baumwollfeldern abschaffen, damit die Bauern nicht an Asthma erkranken. Wir haben

ein 12 jähriges Mädchen in Sialkot (Pakistan) besucht, das an Leukämie erkrankte und nun dank einer Spende operiert werden konnte. Sie träumt davon Kinderärztin zu werden, um anderen Kindern das Leid zu ersparen, das ihr zuteil wurde. Es geht nicht um Güter, sondern um Güte. Der Handel ist lediglich Mittel, um handlungsfähig zu sein. Wer die Sozialarbeiterinnen in Sialkot unterstützen will, die Kinderarbeit zu bekämpfen, kontaktiert Projektmanager Ijaz Ahmed von Child & Social Development Organization: info@csdopak.org


„Die Produktion ist keine Frage des Tempos“

Ist Ihr Unternehmen in solche Projekte eingebunden? Jaipura: Ja, wir haben eine 8 km lange Pipeline verlegt, um Wasser von einem Brunnen zu einem kleinen Dorf zu befördern. Heute haben wir regelmäßig Meetings mit den Bauern und sie kommen zu uns, um die Fabrik zu besuchen. Unser Unternehmen gehört zum Teil ihnen, zehn Prozent der Teilhaber sind Bauern. Und das sind nicht die einzigen Vorzüge ihres Unternehmens. Jaipura: Stimmt. Wir haben regelmäßig Meetings mit den Bauern und sie kommen zu uns, um die Fabrik zu besuchen. Unser Unternehmen gehört zum Teil ihnen, zehn Prozent der Teilhaber sind Bauern. Unser Unternehmen ist das einzige, welches den Bauern solche Rechte gewährt. Wir nennen das Fairtrade-Premium.

Wasser scheint einen großen Stellenwert hier in Indien zu haben. Jaipura: Das hat es sicherlich. Bei den Bauern sorgt es für die Ernte und somit für Nahrung für jeden. Allerdings sind die Menschen in manchen Teilen Indiens sehr abhängig vom Ganges, da der Monsun dort nicht sehr ausgeprägt ist.

Zum Beispiel zahlen die USA einen Zuschlag auf den eigentlichen Preis der Ware, der dann direkt an die Bauern geht. Somit können diese das Geld in angemessener Art und Weise investieren und Schulen oder RegenwasserLager bauen. Leider gibt es Beschränkungen. Wir können nur unseren eigenen Angestellten helfen, selbst wenn wir mehr für andere Bauern tun würden. Aber es macht mich sehr Stolz, sagen zu können, dass es uns möglich ist, Einrichtungen für die Gesundheit unserer Arbeiter und Medizin-Checks anzubieten. Das ist im Vergleich zu anderen Non-Fairtrade-Unternehmen ein großer sozialer Pluspunkt.

Was können wir tun um diesen Bauern zu helfen? Jaipura: Wir brauchen Lagerräume. Es ist sehr wichtig den Bauern zu zeigen, wie man Regenwasser sammelt. Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen Tropfen davon zu verlieren. Wenn es uns möglich wäre dieses Regenwasser zu sammeln, ist es möglich es das ganze Jahr über zu verwenden. Das wäre eine Vorsorge gegen Hunger und finanzielle Schäden.

Verstehen die Bauern, warum Sie von ihnen verlangen, dass sie biologisch anbauen? Jaipura: Natürlich tun sie das, es geht ja um ihr eigenes Wohl. Sie wissen, dass sie, wenn sie sich an das Konzept vom biologischen Anbau halten, keinen giftigen Chemikalien und Pestiziden ausgesetzt sind. In anderen Farmen haben wie von verschiedenen Arten von Hauterkrankungen gehört. Menschen haben sogar ihre

Mister Jaipura ist Geschäftsführer in zweiter Generation von Rajlakshmi Cotton Mills. Wir trafen ihn zu einem Spaziergang am Ufer des Ganges.


Stimme verloren, da sie Pestizide eingeatmet haben. Es ist ein trauriger Fakt, dass bei nicht-biologischen Anbauarten ein großes Defizit an Schutz vorhanden ist. Bauern haben keine Schutzkleidung, was bedeutet, dass sie in direkten Kontakt mit den gefährlichen Chemikalien kommen. Auf unserer Farm ist das allerdings anders: Keine Pestizide gleich keine Schädigung unserer Angestellten. Ist es für die Bauern einfacher mit biologische oder nicht-biologisch angebauter Baumwolle Geld zu machen? Wenn jeder die Vorteile beim Umgang mit biologischen Systemen kennen würde, würde es jeder tun. Aber anscheinend gibt es nur wenige Unternehmen die auf biologischen Anbau setzen. Jaipura: Leider sind die Vorteile nicht weit genug verbreitet. Wir versuchen Bauern weiterzubilden, indem wir ihnen Alternativen zu konventionellen Pestiziden und synthetischem Dünger geben. Jeder sollte Zugang zu Dünger haben, welcher die Produktion und die Qualität der Baumwolle verbessert, ohne dabei ernsthafte Schäden auszulösen. Die Leute müssen wissen, dass dies möglich ist, indem man biologischen Guidelines folgt. Das Benutzen von Kompost und Dung muss zur Gewohnheit werden, wenn man einen ernstzunehmenden Umschwung erreichen will. Es gibt sogar organische Dünger, die statt der künstlichen verwendet werden können. Das muss den Bauern nur beigebracht werden. Könnte die Massenproduktion von Baumwolle das Problem sein? Jaipura: Wenn man auf biologische Art und Weise produziert, geht alles ein wenig langsamer. Ich denke allerdings, es ist keine Frage des Tempos, da Ausbildung und Gesundheit entscheidend sein müssen. Die Bauern müssen einsehen, dass biologische Landwirtschaft gut für sie ist. Sowohl aus finanziellen, als auch aus gesundheitlichen Gründen. Der beste Weg für sie dies zu lernen ist, andere

biologische Farmen anschauen zu können und zu bemerken, wie groß der Vorteil ist, den diese Methode bringt. Was ist das Beste an deinem Job? Warum denkst du, dass du einen guten Beruf hast? Jaipura: Ich denke, das Beste an meinem Unternehmen ist, dass es so viele Arbeitsplätze in der Region geschaffen hat. Die Textilindustrie ist so essentiell für Indien und es ist eine solche Genugtuung zu sehen, dass wenigstens 1000 Familien ernährt und betreut werden und dass sie die medizinische Versorgung bekommen, die sie brauchen. Es ist eine tägliche Motivation, zu sehen wie der Aufwand eines jeden bewirkt, dass Kinder in die Schule gehen können und viele Leben verbessert werden können. Transkribiert von Dario Pugner und Luise Sander Aus dem Englischen von Max Walkowiak


„Wir betrachten unsere Arbeiter als Familienmitglieder“

Iqbal: Das Problem ist die Einstellung. Wenn der Vater oder die Mutter ungebildet sind, werden sie Bildung nicht für so wichtig halten, wie sie ist. Das ist der schwierigste Teil. Wir müssen die Eltern in erster Linie davon überzeugen, den Schritt zu gehen und die Kinder in die Schule zu schikken. Öffentliche Schulen in Pakistan sind gebührenfrei. Sie haben rund 600 Beschäftigte. Schicken diese ihre Kinder in die Schule? Iqbal: Wir haben in der Firma ein Programm, dass unsere Arbeiter dazu ermutigt. Ich glaube nicht, dass es da ein größeres Problem gibt. Es gibt verschiedene Programme, in denen wir unsere Angestellten fortbilden und unterstützen. Unsere Personalabteilung führt Aufzeichnungen. Die meisten unserer Arbeiter und deren Kinder können von unseren Programmen profitieren – sie bieten nicht nur Grundbildung, sondern auch höhere Bildung.

Qaiser Iqbal ist CEO von Talon Sports. Er engagiert sich gegen Kinderarbeit und versteht viele Eltern nicht. Wie sind sie zu ihrem Engagement gekommen? Kinderarbeit ist ein großes Problem in der Dritten Welt. Wir lieben unsere Kinder. Wir alle wollen, dass unsere Kinder zur Schule gehen, aber aus vielen verschieden Gründen machen viele Eltern das nicht. Wir haben eine sozial sehr aktive Gemeinschaft in Sialkot und eine sehr aktive Handelskammer, die soziale Probleme sehr ernst nimmt. Wir haben dann entschieden, dass wir in diesem Programm eine aktive Rolle einnehmen müssen. Um das zu erreichen, sollte sich die ganze Gemeinschaft in der Handelskammer engagieren. Dieses Jahr bin ich der Vorsitzende des Komitees. Schulen sind ebenso wie Bücher kostenfrei. Warum lassen manche Eltern ihre Kinder dennoch nicht in die Schule?

Was wünschen Sie sich für Ihre drei Töchter? Iqbal: Ich wünsche mir, dass meine eigenen Kinder gebildet sind, nicht nur für Geschäft und Beruf, sondern für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung. Wollen Sie nicht, dass sie irgendwann Ihr Geschäft übernehmen? Iqbal: Das überlasse ich ganz ihnen. Ich werde sie nicht danach fragen oder sie zu überreden versuchen. Wenn sie erwachsen sind, werden sie sich ihre eigenen Gedanken machen. Persönlich würde ich mich natürlich freuen, wenn sie eines Tages ins Geschäft einsteigen und wir es gemeinsam voran bringen. Warum ist Fairtrade für Sie und Ihr Geschäft interessant? Sie produzieren Schuhe, Box-Ausstattung und Fußballschuhe. Iqbal: Wir betrachten unsere Arbeiter als Familienmitglieder. Viele begleiten uns seit sehr langer Zeit. Einige von Beginn an, seit 25 Jahren.


Sie sagten einmal, dass sie das Problem der Kinderarbeit nicht dadurch lösen könnten, keine Kinder zu beschäftigen. Ihr Konzept ist es, Ihre Arbeiter gut genug zu bezahlen, damit diese ihre Kinder nicht arbeiten schicken müssen. Iqbal: Das ist der Urspung der Idee von Fairtrade. Es gibt Mindestlöhne in Pakistan für Facharbeiter und Arbeiter ohne Ausbildung. Natürlich zahlen wir den Mindestlohn. Normalerweise haben die Menschen in Pakistan durchschnittlich drei oder vier Kinder und der Mindestlohn ist nicht allzu hoch, weshalb viele Eltern über ihre Kinder versuchen, weitere Einnahmen zu erzielen. Wenn Sie nun Kindern, die ihren Eltern beim Nähen von Fußbällen helfen, die Arbeit wegnehmen, verliert die Familie das Geld. Also muss man sicherstellen, dass die Familie genug Geld für ein gutes Leben hat und die Kinder zur Schule schikken kann. Hier kommt die Idee des Fairtrade-Premium her. Wenn unsere Arbeiter Fair Trade Projekte machen, bekommen sie sofort einen Bonus von 15 Prozent. Sie können jeden Arbeiter fragen: sie lieben es und würden am liebsten nichts anderes machen als Fairtrade-Projekte. Ihre Arbeiter wirken entspannt. Liegt das daran, dass sie nach Ergebnis und nicht nach Stunden bezahlt werden? Iqbal: Ich nehme es an. Wir haben in unserer Firma zwei Bezahlsysteme: Einige bekommen ihren Lohn nach Stunden abgerechnet, die andere Gruppe bekommt ihr Geld nach fertiggestellten Produkten. Wenn jemand nur fünf Schuhe machen will, dann macht er das so und bekommt das Geld dafür. Wir legen Wert darauf, unsere Arbeiter wie Menschen zu behandeln und nicht wie Maschinen. Normalerweise arbeiten sie acht Stunden, es gibt eine einstündige Mittagspause nach vier Stunden und ein paar dazwischen, zum Beispiel zum Beten.

Gibt es etwas, dass Sie oder Ihre Angestellten den Leuten in Deutschland sagen wollen? Iqbal: Ja. Als Menschen teilen wir alle die gemeinsamen Werte einer zivilisierten Gesellschaft, unabhängig ob man aus Pakistan oder aus Europa kommt. Da heißt, dass wir alle in unseren Rechten und unserer Würde gleich sind. Und nur weil die Leute hier eure Schuhe produzieren, macht sie das nicht weniger wert. Transkribiert von Dario Pugner Aus dem Englischen von Fabian Becker


„Fairtrade ist eine Haltung, kein Etikett“

in Sri Lanka begann, war der Beitritt zum FairtradeNetzwerk kostenlos. Heute muss man eine Menge Geld bezahlen, bis zu 2000 Euro, nur um ein Zertifikat zu erhalten. Ich denke, dass einige Leute nicht wirklich verstehen, was Fairtrade ist. Für mich ist es mehr eine Haltung als nur ein Etikett. In welcher Weise hat Fairtrade die Arbeitsbedingungen von Kleinbauern verändert? Rangit: Es hat sicher viele Lebensumstände verbessert, aber noch nicht genug. Fairtrade hat eine geringe Wirkung, wenn nur wenige Menschen diesem Konzept folgen. Was wir versuchen, ist, mehr Bauern die Vorteile dieses Geschäfts zu zeigen und es als eine Alternative zu bewerben. Die Kleinbauern erhalten eine Prämie von 50 Euro auf jedes Kilogramm Kautschuk, dass sie liefern, die für gemeinnützige Projekte verwendet werden können. Das hilft ihnen wirklich eine Menge.

Rangit Gunasekera ist NGO-Aktivist in Sri Lanka und setzt sich für die Rechte der Kleinbauern ein. Rangit, im Jahr 1994 warst Du einer der ersten Unternehmer, der sein Geschäft auf FairtradePraktiken in Sri Lanka konzentriert hat. Warum war das so wichtig für Dich? Rangit: Zuallererst ist es die Philosophie dahinter. Ich wollte den Kleinbauern und den Arbeitern auf den Plantagen helfen, weil sie bis zu diesem Zeitpunkt unglaublich abhängig von der Verwaltung der großen Unternehmen waren. Die Kleinbauern zum Beispiel hatten keine Möglichkeit, für sich selbst Produkte zu kaufen und zu verkaufen. Was ich an Fairtrade mochte, war die Chance, ihnen mehr Unabhängigkeit zu ermöglichen. Aber irgendwie scheint sich die Bedeutung von Fairtrade mit der Zeit zu ändern. Ich wünsche mir, dass Fairtrade das ist, was es zu Beginn der Bewegung war. Als es hier

Wer entscheidet, was mit dem Geld passiert? Rangit: Die Verwaltungsgremien, die von den Bauern oder den Kleinbauern selbst geschaffen werden. Und jede Entscheidung über Geldausgaben wird von ihnen getroffen. So haben die Bauern das uneingeschränkte Recht der Teilnahme? Rangit: Ja, jeder einzelne von ihnen. Gerade jetzt konzentrieren sie sich auf den Bau neuer Infrastruktur, die nützlich ist für die gesamte Gemeinschaft. Sie brauchen beispielsweise Trockner, um die Qualität ihres Kautschuk, die entscheidend für den wirtschaftlichen Wohlstand der Gemeinde ist, zu gewährleisten. Wie kann ich mir die aktuelle Situation von einem deiner Mitarbeiter vorstellen? Wie leben sie und was sind ihre Probleme?


Rangit: Die meisten von ihnen leben in der Nähe der Städte und sind leider meist nicht gut ausgebildet. Obwohl sie Betelnüsse und Blätter verkaufen, ist Kautschukzapfen ihre einzige Einnahmequelle. Wie Sie sich vorstellen können, bringt das nicht viel Geld. Deshalb ist es so wichtig für sie, die Fairtrade-Prämie zu haben. Auch wenn sie das Geld nicht nur für sich selbst bekommen, können wir eine bessere Lebensqualität durch das Schaffen von Strukturen wie medizinischer Versorgung oder Trockner erreichen. Aus dem Englischen von Lisa Feigen, transkribiert von Dario Pugner.

Karmachackhs protocol  

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