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Herausgegeben vom INFOZENTRUM DER STADT Karlsbad www.karlovyvary.cz UNVERKÄUFLICH

geheimnisvolles VARY oder was der Stadtführer verschwieg


Vorwort Die Kurstadt Karlsbad ist voller schöner Geschichten. Man kann sie in zwei Gruppen teilen: • Historische Fakten. Gut dokumentierte Geschichten und Ereignisse. Einige davon äußerst interessant, andere weniger. • Legenden, Tratsch, Lügen- und Klatschgewebe, Fabeln und Konspirationen. Das sind Geschichten, die sich die Karlsbader untereinander erzählen. Das sind Geschichten, die der Kurstadt das richtige Flair verleihen. Sie bekommen einen Stadtführer in die Hand, dessen Informationsquellen vor allem von Bürgern der Stadt Karlsbad - den Karlsbadern, von Generation zu Generation übermittelte Erzählungen gewesen waren. Diese kleine Broschüre konnte nicht alles umfassen, was in der Geschichte der Stadt interessant ist, Sie erfahren jedoch, wer, wann, wo, mit wem, warum, wie und für wie viel. Wenn Sie gerade das interessiert, dann laden wir Sie zum Spaziergang in die herrliche Stadt Karlsbad ein. Die einzelnen Besichtigungspunkte sind auf das rechte und linke Ufer des Flusses Tepl (Teplá) verteilt und dazu zwei Spaziergänge hinauf auf die umliegenden Hügel als eine kleine Prämie.

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Sadová kolonáda Die Parkkolonnade

Ein prächtiges Werk der Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer. Beide Namen tauchen in unserem Stadtführer häufiger auf. Ihr architektonisches Atelier hatte seinerzeit einen sehr guten Ruf und viele Aufträge aus Karlsbad waren daher eigentlich logisch. Dennoch ist die Parkkolonnade (Sadová kolonáda), wie wir sie heute besichtigen und durchlaufen können, nur ein Bruchstück des ursprünglichen prächtigen Werks Fellners und Helmers. Sie war Bestandteil des sogenannten BlanzerPavillons (Blanenský pavilón). Der Pavillon trug den Namen der Eisenhütte von Blanz (Blansko), die die Gusseisenteile herstellte, aus welchen der gesamte Bau gebaut war. Im Pavillon befand sich eine Konzert- und Restauranthalle. Es war ein sehr beliebter Standort für verschiedene Ständchen. Berühmte und auch weniger berühmte Kurbesucher sehnten sich nach geselliger Unterhaltung – und der schöne und moderne Saal lud hierzu direkt ein. Die Gäste kommen nämlich nicht nur zur Kur nach Karlsbad, sondern sie möchten sich hauptsächlich auch zeigen und amüsieren. Und wer spielte ihnen dazu? Natürlich das Karlsbader Kurorchester, damals bereits unter der Leitung von August Labitzky, dem Sohn des Orchestergründers. Hier wurde alles gespielt – die Quadrille, die Polka, der Galopp sowie der Walzer. Und zwei der vielen Musikstücke von Josef Labitzky, der Karlsbader Walzer und die „Lázeňská polka“ (Was kann schöner sein), waren, ohne zu übertreiben, riesige Hits der damaligen Zeit. Es wird überliefert, dass es manche Besucher geschafft haben, sogar bis zu drei Paar Schuhe an einem Abend durchzutanzen. Im Jahre 1966 wurde dieser Pavillon niedergerissen und es blieb nur die Parkkolonnade stehen. Direkt im Innenbereich der Kolonnade entspringt die Schlangenquelle (Hadí pramen) und in ihrer unmittelbaren Nähe die Parkquelle (Sadový pramen). Die Kolonnade umringt der Dvořák-Park (Dvořákovy sady) mit vielen schönen Sitzmöglichkeiten. Suchen Sie sich also Ihr Bänkchen, bewundern Sie den Ausblick auf die Parkkolonnade und hören Sie einfach zu. Vielleicht hören Sie die herrliche Musik längst vergangener Zeiten. Und vergessen Sie dann nicht, ihre Schuhsohlen zu kontrollieren. 2


Adresse: Dvořåkovy sady Baujahr: 1884 Architekt: Ferdinand Fellner und Hermann Helmer Baustil: Neorenaissance

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Mlýnská kolonáda Die Mühlbrunnkolonnade Sie ist prächtig, luftig und für Karlsbad vielleicht allzu modern. So sahen das jedenfalls Bürger der Stadt zur Zeit des Kolonnadenbaus. Heute ist sie eine der Stadtdominanten, aber jedenfalls hatten sie und auch der Architekt Zítek, der sie projektierte, am Anfang keine leichten Zeiten. Hier stand vor der Mühlbrunnkolonnade stand eine andere Kolonnade. Eine hölzerne. Sie hieß… Das ist eigentlich egal. Die Karlsbader nannten sie einfach Trampelbude. Wer denkt, es war des Tanzens wegen, wie vorauszusetzen wäre, der liegt schwer daneben. Trampelbude nannte man sie wegen ihres hölzernen Fußbodens, auf dem man weit und breit jeden Schritt hörte. Bürger, die in der unmittelbaren Nähe der Trampelbude wohnten, beschwerten sich wegen des ständigen durch die Schritte der Kurgäste verursachten Lärms. Klar, in Karlsbad kuren die Patienten ohne Rast und Ruh. Hier wird der Verdauungsapparat geheilt und so gibt es zum Beispiel auch keine Mittagsruhe. Das ist doch logisch. Wer sich auf Schonkost einstellt und kein Mittagessen einnimmt, der hat auch kein Anrecht auf Mittagsruhe. Genauso ist es auch mit dem Frühstück und dem Abendbrot. Und denken Sie wirklich, dass nachts keiner durch die Trampelbude lief? Aber doch. Wenn sie dort auch nichts brauchten, dann eben nur aus reiner Böswilligkeit. So sahen es wenigstens die Bürger. Die Lage spitzte sich soweit zu, dass die Stadträte dazu gezwungen waren, einen architektonischen Wettbewerb für eine neue Kolonnade auszuschreiben. Möglichst eine steinerne und somit nicht räsonierende. Diesen Wettbewerb gewann der Architekt Zítek. Sein Projekt war echt schön, jedoch für den Geschmack des Rathauses allzu modern und gewagt. Und so verringerten die Stadträte das ursprüngliche Projekt noch auf dem Papier um ein Stockwerk. Macht nichts, auch so ist die Mühlbrunnkolonnade schön. Sie wurde zehn lange Jahre gebaut und die Karlsbader konnten sich lange nicht an sie gewöhnen. Sie gab zwar keinen Ton von sich, verunstaltete jedoch die Umgebung. Sie wurde mit verschiedenen Namen bezeichnet, insbesondere mit pejorativen. Kegelbahn oder sogar auch Möhrenbeet. Die Kurgäste mochten sie sogar früher als die Stadtbürger. 4


Adresse: Mlýnské nábřeží Baujahr: 1870–1881; 1892 Architekt: Josef Zítek Baustil: Neorenaissance

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Lázeňský orchestr Das Kurorchester

Von der Mühlbrunnkolonnade war schon die Rede. Bleiben wir noch ein Mal an ihr stehen. Wenn Sie im Laufe der Kursaison nach Karlsbad kommen und anständiges Wetter herrscht, können Sie ein Kolonnadenkonzert des hiesigen Symphonieorchesters besuchen. Es ist ein traditioneller Platz für ein traditionelles Orchester. Musik gehört einfach zu den Kolonnaden. Sie unterrahmt die romantische Stimmung der Kurstadt und viele Kurärzte behaupten, dass gerade die Kolonnadenmusik nebst der Trinkkur und der Spaziergänge durch die Wälder Karlsbads eine Zwischenunterstützung der Kurbehandlungen darstellt. Das ursprüngliche Kurorchester gründete der Musiker, Komponist und Dirigent Josef Labitzky bereits im Jahre 1835. Unser Orchester gehört also zu den allerältesten überhaupt und ist von vielen Orchestern einfach das Beste! Weswegen? Vielleicht deswegen, weil hier Antonín Dvořák am 1. Mai 1879 anlässlich der Eröffnung der Kursaison persönlich seinen Parademarsch aufführte. Und da das Kurorchester eine tolle Leistung erbrachte, fand am 20. Juli 1894 – mit Zustimmung des Autors – im Karlsbader Posthof die Uraufführung der Dvořák-Symphonie Aus der Neuen Welt auf dem europäischen Kontinent statt. Der historischen Presse nach, hatte die Symphonie Aus der Neuen Welt einen phänomenalen Erfolg und am 3. August fand auf Wunsch der Zuhörer ihre Wiederaufführung statt. Mit solchen historischen Momenten kann sich das heutige Karlsbader Symphonieorchester rühmen. In seinem Archiv finden wir viele interessante Dokumente einschließlich der ursprünglichen Partitur zur Dvořáks Aus der Neuen Welt mit handgeschriebenen Notizen von August Labitzky, dem Sohn des Orchestergründers, Dvořáks Freund sowie sehr geschickten Dirigent.

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Gründung: 1835 Saisonabhängiger Klangkörper (Gründer Josef Labitzky) 1875 Ständiges Symphonieorchester (Gründer August Labitzky)

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Tržní kolonáda Die Marktkolonnade

An dieser Stelle stand das erste Karlsbader Kurbad, in dem schon Karl IV. Heilanwendungen genoss. Einer Sage nach war an der Stelle der heutigen Marktkolonnade ein steinerner Thron im Fels ausgehauen, auf dem der Kaiser saß und seinen während der Schlacht von Crésy verwundeten Fuß in der heißen Quelle badete. Eine andere Legende erzählte, dass der Thron viel älter sei und bereits zu Zeiten der heidnischen Besiedlung des Tals des Flusses Tepl hier gestanden hat. Hier stand auch das sogenannte alte Rathaus. Nachdem an dieser Stelle bereits selbst Karl IV. schon gesessen hat, ist dies auch für den verehrten Rat ein guter Platz, sagten sich wohl damals die Stadträte. Im Jahre 1875 wurde das alte Rathaus niedergerissen und ein neuer architektonischer Wettbewerb für die neue Kolonnade ausgeschrieben. Man suchte lange und fein säuberlich aus, so dass letztendlich keiner gefunden wurde. Man wollte sicher gehen. Es wurden die Wiener Architekten Fellner und Helmer angesprochen, nachdem ihnen die Parkkolonnade bereits so schön gelungen war. Die Vergabe lautete – meine Herren, wir bräuchten ein Provisorium, hättet ihr da ein Ideechen? Und die Herren hatten ein Ideechen, da sie doch mit jedem Nerv Profis waren. Und so wurde 1883 eine hölzerne Kolonnade im Schweizer Stil gebaut. Der Bau der Kolonnade kostete damals lediglich 10 000 Gulden, was im Vergleich mit den Kosten der anderen Karlsbader Kolonnaden ein wirklich vernachlässigbarer Preis ist. Die Marktkolonnade überdacht gleich drei Quellen. Die Quelle Karls IV., früher Fresser genannt. Diese Bezeichnung stammt noch aus den Zeiten des wahnsinnigen Weichens der Patienten im Wasser. Siehe Kapitel zu Dr. Becher. Des Weiteren auch die Untere Schlossquelle und die Marktquelle. Diese provisorische Kolonnade steht bis heute hier und es ist nicht zu bezweifeln, dass die Zeit an ihr überhaupt keine Spuren hinterließ. Das ist ein kleiner Irrtum. Die Kolonnade wurde in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts komplett saniert. Alle Bauelemente der Kolonnade blieben jedoch konsequent erhalten. So irgendwie sieht ein hochwertiges Karlsbader Provisorium aus.

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Adresse: Tržiště Baujahr: 1883 Architekt: Ferdinand Fellner und Hermann Helmer Baustil: Schweizer Stil Sanierung: 1991–1993 im Rahmen der Sanierung wurde eine originalgetreue Kopie der ursprünglichen Kolonnade aus dem Jahre 1883 angefertigt 9


Zámecká věž Der Schlossturm

Sehr seltsam ist, dass wir trotz der Gründung der Stadt durch Kaiser und König IV., keine Burg in der Stadt haben. Es stand zwar ein gotischer Burgstall aus der Zeit Karls IV. hier, aber daran erinnert nur noch der Schlossturm – und seien wir froh, dass wir wenigstens den haben. Der Burgstall brannte beim Großbrand der Stadt im Jahre 1604 nieder. Der Turm blieb zum Teil erhalten und wurde in eine städtische Burgwarte umgebaut. Durch einen weiteren Großbrand im Jahre 1759 wurde auch diese sehr beschädigt, und so folgten eine komplette Sanierung und der Turmumbau. Die Karlsbader hatten nämlich eine tolle Idee. „Wir könnten vornehme Gäste vom Turm aus mit Fanfaren begrüßen. Selbstverständlich für eine entsprechende Gebühr!“ Und so wurde im Dachraum die Wohnung des Türmers eingerichtet. Eine sehr praktische Maßnahme. Der Türmer durfte den ganzen Tag lang im Turm sitzen und blasen bis er ins Schwitzen kam, und konnte sich dabei die nötigen Wege nach oben und nach unten sparen. Ehrlich gesagt, nach dem Hinauflaufen der Treppen zum Schlossturm würde auch einer mit perfekter Kondition nicht mehr allzu viel Kraft zum Blasen haben. Die Idee setzte sich rasch durch und im Tal konnte man in Kürze das Blasen zur Feier der Ankunft geehrter Gäste hören. Es funktionierte ganz einfach. Die Ehefrau des Türmers lief den ganzen Tag in der Stadt herum und bot anreisenden Besuchern diese tolle Dienstleistung an. Sobald sie das Geld kassiert hatte, entsendete sie die Kinder. Die flitzten dann im Turm hinauf und übergaben die Nachricht dem Vater. Dem eingezahlten Betrag entsprechend wurde anschließend lang oder kurz, laut oder leise geblasen – und war der bezahlte Betrag tatsächlich hoch genug, rief der Türmer auch den Namen und den eventuellen Titel des ankommenden Besuchers mit solch einer Begeisterung aus, dass er sich fast die Lunge zerriss. Und wissen Sie, warum heute nicht mehr vom Turm aus geblasen wird? Nicht jeder Besucher kommt zwecks Kurbehandlungen in die Stadt. Einige möchten einfach nur in Ruhe und Frieden das Kurleben genießen. Und Hand aufs Herz, wenn sie inkognito in die Stadt reisen, ist diese Dienstleistung sicherlich nichts für sie. 10


Adresse: Zámecký Vrch 431 Baujahr: 1349, 1608, 1766, 1878 Baustil: Gothik

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Dům U tří mouřenínů Das Haus Zu den drei Mohren

Dieses Haus ist wirklich legendär. Leider steht es nicht mehr. Alles ist jedoch nicht verschwunden. In das neue Gebäude wurden Stuckverzierungen vom ursprünglichen Haus übertragen und sogar die Eingangstür ist auch ein Original. Interessant ist die Anschrift auf der Tür, aber dazu kommen wir später noch. Und was macht das Haus Zu den drei Mohren so berühmt? Im Jahre 1759 wurde die Stadt von einem zerstörenden Brand ergriffen. 224 Häuser, einschließlich des Schlossturms und des alten Rathauses verschwanden in Schutt und Asche. Den roten Hahn setzte angeblich eine Schneiderin aufs Dach. Erschöpft vom langen Arbeiten schlief sie wohl ein und eine unbewachte Kerze verursachte den Brand. Soviel der berühmteste Teil zur Geschichte dieses Hauses. Und nun etwas Positives. In den Jahren 1806–1820 nahm in diesem Haus mehrmals der berühmte Johann Wolfgang Goethe Unterkunft. Er verweilte insgesamt 13x zu Kuraufenthalten in Karlsbad und verbrachte insgesamt 3 Jahre seines Lebens hier. Sehr berühmt ist seine Äußerung „Ich möchte nur in drei Städten leben: Rom, Weimar und Karlsbad.“ In Zeiten, in denen er nach Karlsbad kam, war er bereits ein wirklicher Star und ein öffentliches Geheimnis war, dass er seine ganze Freizeit in Anwesenheit junger Damen verbrachte, die er zärtlich „Äugelchen“ nannte. Letzten Endes ist „eine kleine Liebe das einzige, was uns den Kuraufenthalt erträglicher machen kann, sonst würden wir hier an Langweile sterben,“ sagte er. Im Jahre 1811 begleitete auch Christiana Vulpius „Goethes dickere Hälfte“, wie sie einige nannten, Goethe zum Kuraufenthalt. Nachdem sie sah, wie vielen jungen Mädchen ihr Gemahl nachsieht, beschloss sie sehr klug, dem Meister seine eigene Medizin kosten zu lassen. Sie soll mit einem russischen Offizier geflirtet haben. Der berühmte Dichter war dadurch tatsächlich sehr verleidet. Seitdem benahm er sich in Karlsbad angeblich ausschließlich sehr anständig und korrekt. Und die bereits erwähnte Überschrift über dieser berühmten Eingangstür des Hauses Zu den drei Mohren? Die verkündet der Welt, dass durch diese Tür Goethe schritt.

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Adresse: Tržiště 377/25 Baujahr: 1760 Architekten: Ferdinand Fellner und Hermann Helmer Baustil: Rokoko Umbau: Karl Heller, Friedrich Ohmann Umbaujahr: 1909–1910 Baustil: Wiener Jugendstil 13


Kamzík

Die Gämse Wohl das meistfotografierte Symbol der Stadt. Der Hirschsprung – mit der Gämse. Warum? Alle wissen doch, und in vielen Liedern singt man, dass „der König den Hirsch jagte“… All dies ist Baron August Friedrich Ulrich von Lützow zu verdanken. Ebender bestellte bei seinem Freund August Kiss die Statue einer Gämse. Es ging wahrscheinlich um eine Provokation, die zündete. Es gibt keinen einzigen Karlsbadbesucher, der sich – laut oder im Geiste – nicht fragen würde „warum gerade eine Gämse?“ Überlegen wir doch einen Augenblick wie Baron Lützow. Wenn Sie sich direkt zum Felsen stellen, von dem der Hirsch angeblich heruntersprang, muss Ihnen klar sein, dass der Hirsch, sofern er keine Flügel hatte, keine Chance hatte, bis zum Sprudel hin zu springen. Auch mit Anspannung aller Kräfte und im Überlebenskampf würde er nicht dorthin kommen. Einige Studien führen an, dass er zum Sprudel hingekrochen sei. Einige behaupten sogar, er soll dorthin hinunter gerollt sein. Ein Hirsch und kriechen? Ein Hirsch und hinunter rollen? Das ist doch totaler Schwachsinn. Noch dazu würde er die Stelle, auch wenn der Sprudel woanders als heute entspringen würde - mindestens - ziemlich verwundet, oder – im schlimmsten Fall – in Stücken erreichen. Und wenn wir schon darauf eingehen, dass der König Hochwild jagte, also den erwähnten Hirsch. Ihn verletzte, der tauchte ins Sprudelwasser ein und wurde wie durch ein Wunder geheilt. Aber was ist, wenn Karl den Hirsch ganz woanders entlang jagte… Schenken wir uns reinen Wein ein, warum gerade dieser Felsen und warum eine Gämse. Der Felsen wurde aus rein ästhetischen Gründen ausgewählt – und eine Gämse deswegen, weil sie theoretisch die größte Chance hätte bis zur Quelle hin zu springen. Zudem passt eine Gämse auf die ziemlich kleine Felsspitze viel besser als ein großgewachsener Hirsch. Wir in Karlsbad waren seit eh und je in erster Linie praktische Menschen. Der praktischste von allen war natürlich Baron Lützow – und die Provokation mit der Gämse gehört zu seinen lustigsten Stücken.

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Adresse: JelenĂ­ skok Baujahr: 1851 Architekt: August Kiss Nachbildung: Jan Kotek (1986)

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Založení města

Die Gründung der Stadt Die Legende erzählt, dass König und Kaiser Karl IV. eines Herbstes in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts ins Tal des Flusses Tepl (Teplá) zur Jagt aufbrach. Dort stoß er auf den Hirsch und... In diesem Augenblick löst sich die Legende so ziemlich im Nebel längst vergangener Zeiten auf. Eine Version der Geschichte erzählt, der Hirsch war verwundet, und zwar tödlich. Er befeuchtete jedoch seinen gut gewachsenen Körper im Sprudelwasser und wurde durch ein Wunder gesund. Die zweite Version behauptet, der Hirsch wurde auf einen Fels getrieben, von dem er nicht fliehen konnte, da ihn Treiber und Jäger umringten. Er soll sich mit einem Sprung gerettet haben. Er fiel nur ins Sprudelwasser und verbrühte sich ein bisschen. Morbide? Ja, aber so erzählt es die Legende. Wie war es dann? Der Kaiser und König Karl IV. verweilte höchstwahrscheinlich in diesem Herbst auf der Burg Elbogen (Loket). Er war ein besonnener Staatsmann und ein Mann in den Jahren, wenigstens nach Kriterien der damaligen Zeit – er war doch schon mehr als dreißig Jahre alt. Durch die Wälder reiten und Hochwild jagen, gehörte sicherlich nicht zu seinen beliebten Tätigkeiten. Es hätte sich jedoch um eine gesellschaftliche Angelegenheit handeln können, einen Spazierritt mit Jagd, der etwas mehr als nur einen angenehmen Nachmittag bringen sollte, um den Kopf frei zu bekommen. Und es war ein wirklich langer Ausritt. Durch den Wald sind es gute zehn Meilen von Elbogen nach Karlsbad, und dabei rechnen wir noch nicht damit, dass der Fluss Eger (Ohře) zu waten ist. Im Tal der Tepl lebten seit jeher Menschen. Sie waren eigenartig, genauso wie die Umgebung der heißen und etwa Grauen erregenden Quellen. Ob der Hirsch durch die Panikattacke und von rabiaten Jägern gejagt, direkt in diese ungastliche Gegend raste? Die einzige Sicherheit ist, dass Kaiser und König Karl IV. plötzlich an der Quelle des Sprudels stand. Und, da er wirklich ein weiser Mensch war, erkannte er die Heilkraft dieses Wassers sofort und nach der ersten Verkostung... 18


Gr端nder: Karl IV. Gr端ndung: 14. Jahrhundert 1370 Erhebung der Ortschaft zur Stadt 1707 Ernennung zur Freistadt

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Císařské lázně Das Kaiserbad

Zweifellos eines der prächtigsten Bauwerke der Kurstadt Karlsbad, von den Karlsbadern auch Bad I. genannt. Ein herrliches Badehaus mit noch herrlicheren Innenräumen. Die zwei Statuen am Eingang ins Bad heißen Urkraft und Heilkraft. Sie symbolisieren nicht nur das Bäderwesen, sondern auch das männliche und weibliche Prinzip. An der Fassade des Bades befinden sich auch Tafeln mit Namen der Personen, die sich um das Karlsbader Bäderwesen verdient machten. Im Interieur hängen zwei geräumige Wandbilder, Die berühmten Besucher Karlsbads. Das erste Bild erfasst Persönlichkeiten von der Renaissance bis ins Jahr 1791. Das zweite dann Besucher ab 1791 bis zum ersten Weltkrieg. Während auf dem ersten Bild, nebst anderen, der durch die Kur ermüdete Gigant J.W. Goethe sitzt, dominiert Kaiser Franz Josef I. das zweite Bild. Im Kaiserbad wurden alle Arten der Karlsbader Kuranwendungen erbracht. 90 Badewannen mit Umkleideräumen und das mit höchstem Luxus, nebst anderem auch einer goldenen Badewanne, ausgestattete sogenannte Kaiserbad. Im Jahre 1904 kehrte auch Kaiser Franz Josef I. in Karlsbad ein. Alle freuten sich, dass das Kaiserbad seinem Namen gerecht sein wird und auch das Oberhaupt der Österreichisch-ungarischen Monarchie ein Bad in der goldenen Badewanne nimmt. Denn was ist schon ein Kaiserbad ohne einen im Moorbad eingetauchten Kaiser? Der Kaiser besichtigte das Bad, nickte vielsagend mit dem Kopf, lobte wohl auch die Prächtigkeit der Innenräume, aber in die Badewanne legte er sich nicht hinein. Schade. Dafür badete nach 1948 alle Welt – wichtige Politiker, Filmstars sowie zum Beispiel auch Sieger der Friedensfahrt darin. Der mit 55 mechanischen Turngeräten ausgestattete Zandersaal war das Herzstück des Kaiserbades gewesen. Genau, so ein Fitnessraum des 19. Jahrhunderts. Karlsbad war immer einen Schritt voraus und mit höchster Wahrscheinlichkeit war es auch eine der ersten Städte, in der man Fitness machen konnte. 20


Adresse: Mariánskolázeňská 306/2 Baujahr: 1893–1895 Architekt: Ferdinand Fellner und Hermann Helmer Baustil: Neorenaissance

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Městské divadlo Das Stadttheater

Gesprochen wird hier von Fellner und Helmer – zum dritten Mal. Geben wir jedoch zuerst zu, dass im Bereich der Karlsbader Theaterkultur viel früher, also noch bevor diese zwei Architekten das prunkvolle Gebäude des hiesigen Theaters projektierten, viel Interessantes los war. Die ersten Erwähnungen der Theateraufführungen in Karlsbad greifen bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Damals handelte es sich um Straßentheater. Ein stehendes Theater bekamen die Schauspieler erst im Jahre 1717. Es handelte sich um eine Bude aus Brettern, Mörtel – und Schilfröhren. Das erste gemauerte Theater in Karlsbad, das sog. Schauspielhaus, offiziell Bechertheater, wurde 1787 erbaut. Der Bau kostete 7000 Gulden, vier Tausende von diesem Betrag wurden der Stadt von Dr. David Becher zinsfrei geliehen. Und somit auch kein Wunder, dass das Theater seinen Namen trug. Das Haus diente bis 1884 seinem Zweck. Danach wurde der Bau eines neuen, modernen und vor allem sicheren Gebäudes beschlossen. Warum sicheren? Deswegen, weil Ende des 19. Jahrhunderts viele Theater in ganz Europa einschließlich unseres Nationaltheaters, in Schutt und Asche versanken. Und dann heißt es, die Kulturstandplätze haben es heute schwer… Es wurde eine Ausschreibung veröffentlicht, in die sich Fellner und Helmer meldeten und in der sie siegten. Nicht nur deswegen, weil ihr Projekt wirklich schön war und sie in Karlsbad bereits etabliert waren. Sie reagierten nämlich rasch auf die merkwürdige Situation der brennenden Theater und der Nachdruck auf die Sicherheit der Bauwerke wurde zum Bestandteil ihrer Firmenstrategie. Der Bau dauerte lediglich zwei Jahre. Gustav Klimt wurde mit der Verzierung der Innenräume, einschließlich des Bemalens des Vorhangs beauftragt. Noch etwas Interessantes zum Theater. Die Loggen für bedeutende Zuschauer aus den Reihen der Vertreter des politischen und kulturellen Lebens sind auf solche eine Art und Weise platziert, die einen sehr schlechten Ausblick auf die Bühne bieten. Es war nämlich wichtig, gesehen zu werden und nicht zu sehen. So lief es eben zu Zeiten, in denen die Herren Fellner und Helmer ihre prächtigen Gebäude projektierten. 22


Adresse: Novå Louka 22 Baujahr: 1884–1886 Architekt: Ferdinand Fellner und Hermann Helmer Baustil: Inspiriert vom Barock und Rokoko

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Vřídlo

Der Sprudel Die größte, berühmteste und prächtigste Quelle Karlsbads. Das bedeutendste Symbol und das wichtigste Merkmal der Stadt. Der Sprudel wird heutzutage reguliert. Die Bohrung wird regelmäßig kontrolliert und aufrechterhalten. Bevor dies jedoch zur Gewohnheit wurde, passierten viele fast unglaubliche Sachen. In historischen Notizen kann man nachlesen, dass der Sprudel mehrmals verschwunden war. Für die Bürger von Karlsbad war das ein Schock, und zwar kein kleiner. Ohne Sprudel schien die Stadt nicht so schön und einzigartig zu sein. Historischen Notizen nach wurde damals die Stadt praktisch stillgelegt. Es herrschten Panik und Chaos. Einige Zweifler fingen sogar an, die Stadt zu verlassen. Dann tauchte der Sprudel plötzlich wieder auf. In vielen Fällen ganz wo anders, also dort, wo er ursprünglich sprudelte. Die Karlsbader dachten lieber nicht viel darüber nach und bauten für dieses unglaubliche Geschenk schnell wieder eine neue Überdachung. Alle atmeten wieder auf, die Zweifler kehrten demütig wieder zurück und die Stadt funktionierte problemlos weiter. Aus heutiger Sicht sieht dies sehr lustig aus, damalige Bürger fanden es sicherlich nicht so amüsant. Wenn Sie sich die Mühe geben und gründlich recherchieren, werden Sie feststellen, dass die Quelle in ziemlich genauen Abständen verschwand. Es ist merkwürdig und ein bisschen unverständlich, dass dies lange keinem aufgefallen war. Der Sprudel ist nicht nur schön und heilend, sondern kann, einfach gesagt, auch Sachen in Stein verwandeln. Wenn Sie einen beliebigen Gegenstand für eine gewisse Zeit lang in den Sprudel eintauchen, werden diese vom sogenannten Sprudelstein umhüllt. Sie versteinern einfach. Und so tauchen Leute gerne Blumen, ihre ersten Kinderschuhe und viele andere mehr oder weniger interessante Sachen ins Sprudelwasser ein.

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Adresse: Vřídelní kolonáda Baujahr: 1967–1975 Architekt: Jaroslav Otruba Baustil: Funktionalismus

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Dr. David Becher Auch Karlsbader Hippokrates genannt, wurde 1725 im Haus Zu den zwei Ketten geboren. Das stand in der heutigen Straße Vřídelní (Sprudelstraße), gegenüber der Parkanlage unterhalb der Hl. Maria Magdalena Kirche. Nach seinem Studium in Prag war er für eine bestimmte Zeit lang als Arzt in Wien. Erinnerungen an seine am Sprudel verbrachte Kindheit zogen ihn jedoch wieder heim, nach Karlsbad. Er interessierte sich für Balneologie und ahnte, dass die derzeitigen Heilmethoden in Karlsbad nicht ganz in Ordnung sind. Und wie sahen Behandlungen damals eigentlich aus? Seit den Zeiten, als Karl IV. seine schmerzenden Glieder in Karlsbad heilte (und noch lange Jahre danach), stellten die Heilmethoden eher eine Quälerei dar. Die Kurärzte empfahlen damals, lange Stunden in mit Heilwasser gefüllten Tonnen zu sitzen. So lange, bis die Haut spröde war. Sie meinten, dass dadurch alle Krankheiten den Körper verlassen. Und dies wurde ihnen wirklich lange geduldet. Bis zum Zeitpunkt, als jemand mit der Idee kam, es wäre gut, wenn man das Heilwasser außer dieser Quälerei auch noch trinkt. Stellen wir uns aber nicht das elegante Nippen des Mineralwassers aus Trinkbechern, die man in Karlsbad auf Tschechisch so schön „šnáblík“, also „Schnabeltrinkbecher“ nannte, vor. Man trank aus Eimern, und zwar wirklich unmenschliche Mineralwassermengen. Man sagt, dass manche Patienten lieber eine Wunderheilung vortäuschten, nur, um dieser Hölle zu entkommen. Es war eine Frage der Zeit, wann eine rasante Änderung der Heilmethoden kommt. Eben gerade Dr. David Becher war der Gebildete, der als erster kapierte, dass etwas falsch ist. Dieser kluge Kurarzt leitete eine komplette Änderung der Behandlungsmethoden in Karlsbad in die Wege. Gemäß seinen innovativen Methoden werden Kuranwendungen praktisch bis heute durchgeführt. Er beendete das Quälen der Patienten durch lange andauernde Bäder im Karlsbader Heilwasser und beschränkte die Mengen des zu trinkenden Mineralwassers. Sein berühmter Spruch „Trinken und Laufen“ hatte einen wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung sowie den Ablauf der Kuraufenthalte in Karlsbad. 26


geboren: 19.2. 1725, (verstorben 1792) festgestellt: alle Quellen haben eine gleiche Zusammensetzung sie haben unterschiedliche Temperaturen und CO2-Gehalte eingeführt: Trinken des Mineralwassers direkt an den Quellen, Praxisräume der Ärzte direkt an der Kolonnade, Diätkost Verboten: Geflügelpaarung und Wäschewaschen im Sprudel 27


Dům Petr

Das Haus Peter Eines der ältesten Barockhäuser mit Fachwerk in der Stadt Karlsbad. Das Haus befand sich zur Zeit seines Baus unmittelbar hinter dem Stadttor, von dem der Weg nach Eger (Cheb) weiter führte. Genau, hier war anfangs des 18. Jahrhunderts der Stadtrand. Das Haus hieß ursprünglich Zum goldenen Ochsen. Auf dem Haus ist eine Tafel mit dem Profil des russischen Zaren Peter den Großen angebracht, das Haus trägt seinen Namen jedoch nicht ihm zu Ehren. Die Tafel weist auf ein Ereignis hin, das sich gleich gegenüber dem Haus Peter ereignete. Dort stand das Haus Zum Pfau, bei dessen Bau Zar Peter der Große im Jahre 1711 den Maurern half. Er war ein Mensch, der alles am eigenen Leib probieren musste, und so blieben mehrere Erinnerungen an ihn erhalten. In Karlsbad drehte er selbst Füße zu einem dreikantigen Kartentisch, er gewann ein Wettschießen der Karlsbader Scharfschützen und ritt auf einem ungesattelten Pferd auf den Felsgipfel des Hirschsprungs hinauf. Dabei ging es jedoch um eine gegenseitige Wette. Nach wem wurde dann das Haus Peter benannt? Nach Johann Petter, der das Haus in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gemietet hatte. Das darin befindliche Restaurant hieß Zur Stadt Athen, aber nach Sanierungen, die Johann Petter 1923 durchführte, nannte er es in Petter um. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde im Haus ein Kino-Café errichtet, das insbesondere bei der jungen Generation beliebt war. Einen Film anzuschauen und dazu etwas essen… sagen wir mal etwas Beliebiges, war nämlich lange vor der Existenz der jetzigen Multiplex-Kinos modern. Im Jahr 2000 folgte ein kompletter Ausbau des Hauses mit Beibehaltung aller wertwollen Teile. Und so können wir uns beim Anschauen des Hauses Petr vorstellen, wie das barocke Karlsbad damals aussah.

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Adresse: Vřídelní 86/15 Baujahr: 1706–1709 Baustil: Barock Umbau: Heinrich Johann Vieth Umbaujahr: 1923

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Baron Lützow Dem Haus einer der größten Persönlichkeiten der Karlsbader Geschichte, an der Villa Lützow. Sie trägt den Namen des Barons August Friedrich Ulrich von Lützow. Baron Lützow war der Sohn der Herren von Mecklenburg. Er erlebte eine ungestüme, fröhliche und gefährliche Jugend. Er hat versucht, eine Karriere in der Armee zu machen. Erfolglos. Er liebte vielleicht das Leben allzu sehr. Er hat versucht, Maler zu werden. Ebenfalls erfolglos. In der Bohème kannte er sich aus, die Begabung fehlte jedoch. Er versuchte den Handel. Lieber ohne Kommentar… Letztendlich beschloss er, Rentier zu werden – und das konnte er ausgezeichnet. Nach dem Tode seiner Eltern dachte er darüber nach, wo er sich niederlassen wird, es griff entweder das Schicksal ein, oder sein wildes Leben. Er landete in der Rolle eines Patienten im Tal des Flusses Tepl und Karlsbad bezauberte ihn. Aus ihm wurde ein richtiger Patriot. Ihn interessierte alles, die Geschichte, die Gegenwart sowie die Zukunft der Stadt. Er soll die Hochzeit eines armen Mädchens bezahlt haben, und da er sich im allgemeinen als Schutzherr der Verliebten verhielt, gehen verliebte Paare bis heute noch zu seinem Grab auf dem Friedhof in Drahowitz (Drahovice). Die Gämse war Lützows hervorragendste Idee. Der Baron bezahlte eine Statue, die eines Tages auf dem Felsen oberhalb der Stadt erschien. Sie war das Werk des Bildhauers Kiss. Die Gämse wurde bald zum Liebling der ganzen Stadt sowie der Kurgäste. Auch den hiesigen Stadträten gefiel sie, und daher beschlossen sie, dass sie sich beim Baron revanchieren werden. Sie schenkten ihm eine Statue Karls IV., also… eher eine Statuette. In der Stadtkasse war nicht genug Geld und daher war sie nur einen Meter zwanzig hoch. Die Stadträte ließen sie auf einer hohen Säule aufstellen, sodass die Statuette von unten gar nicht so klein aussah. Das half jedoch nicht – der Baron nahm dies als schreckliche Beleidigung wahr. Er bestellte beim Bildhauer Kiss noch eine Statue eines Tieres, diesmal war es eine Katze. Die setzte er dann auf eine Säule auf seinem Grundstück und drehte sie mit dem Hintern zum Rathaus. Und so stehen der kleine Karl und die Katze bis heute noch in der unmittelbaren Nähe der Villa Lützow. Und sofern Sie irgendein Symbol darin suchen, dann suchen Sie weiter…

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Adresse: Stezka Jeana de Carro 542 Baujahr: 1853 –1854 Baustil: Empire

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Wissen Sie, dass... • die Aktivität der Karlsbader Thermalquellen von der Bildung von Sprudelsteinsedimenten begleitet wird. Beweis der Mächtigkeit solch einer Tätigkeit ist eine bis zu 16 m starke Sprudelsteinschicht, die sich unterhalb der Sprudelkolonnade, der hl. Maria Magdalena Kirche und den Häusern zwischen dem Theater und der Mühlbrunnkolonnade erstreckt. Seit dem 18. Jahrhundert wird er auch zur Herstellung verschiedener Souvenirs benutzt. • Aragonit in Karlsbad auch sog. „Erbsenstein“ bildet, das sind angesammelte Körner oder Kügelchen mit Aragonit von verschiedenen Größen. Der Altar in der Gruft der Hl. Maria Magdalena Kirche ist mit Erbsenstein verkleidet. • das „Versteinerungsverfahren“ bei der Herstellung von Karlsbader Steinrosen angewandt wird, über das „Versteinerungsverfahren“ werden Sie im Rahmen der Exkursionsstrecke informiert. • der Trinkbecher, ein nicht wegdenkbares Instrument jedes Kurbesuchers, aus dem 16. Jahrhundert stammt, in dem das Wasser in einfache Gläser mit Haltern geschöpft wurde, damit sich die Kunden nicht verbrühen und nicht nass werden. Im 17. Jahrhundert begann die Herstellung von Trinkbechern aus einem neuen Material, dem Steingut. Später dann aus Milchglas, das das damals teure Porzellan imitierte und anschließend begannen die Porzellanfabriken anfangs des 19. Jahrhunderts mit der Herstellung von Porzellanbechern, die bis heute weiterentwickelt werden.

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Wissen Sie, dass... • seit dem Jahre 1764 auf Anreiz von Dr. Becher sog. Sprudelsalz produziert und verkauft wird, welches als Ersatz für das Kurbad dient (das Salz wird ins Wasser hinzugefügt). Das jetzige Karlsbader Salz ist aufgrund seiner Wirkung zum Beeinflussen der Tätigkeit der Magenschleimhaut, des Dünndarms, der Leber, Galle und Speicheldrüse geeignet. Es kann auch bei Störungen der Magenfunktion, Geschwürkrankheiten des Magens sowie des Zwölffingerdarms, bei Darmverstopfung, Diakinese der Gallenwege, Erkrankungen der Speicheldrüse, Diabetes, Lebererkrankungen, Fettsucht und Störungen des Fettmetabolismus sowie als Vorbeugung der Gicht und der Oxalat-Harnsteine angewandt werden. • das Sprudelwasser auch bei der Herstellung von Kuroblaten benutzt wird. • bei der Vorbereitung des traditionellen Karlsbader Kaffees auch Karlsbader Mineralwasser benutzt wird. • es, auch wenn man beim Spaziergang im Karlsbader Kurviertel feststellt, dass man keine Uhr mit hat, keinen Grund zur Verzweiflung gibt. Bei wolkenfreiem Himmel, können Sie unweit der Sprudelkolonnade eine beachtenswerte interessante analematische Uhr benutzen. Diese Sonnenuhr ist ein Kunstwerk aus Bronze und Stein. Der Mensch dient hier selbst für sich als Zeiger auf der Zeigerscheibe.

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geheimnisvolles VARY oder was der Stadtführer verschwieg

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