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Orale Medikamente bei Kindern aus Sicht der Mütter: Forschungsergebnisse und Unterstützungsbedarf Astrid Koch, MScN, BScN, RN 1, Iren Bischofberger, Prof. Dr., RN 2

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Ostschweizer Kinderspital, Pflegedienst, St. Gallen,; 2 Kalaidos Fachhochschule Gesundheit, Zürich

Forschungsergebnisse fördern die … Einleitung

Ergebnisse

Bei Kindern kann sich die orale Medikamentenverabreichung herausfordernd gestalten.

Der Alltag mit Kindern beinhaltet in allen Interaktionen Erziehung, auch bei der Medikamentenverabreichung.

Eine Medikamentenverweigerung des Kindes kann neben Stress für alle Beteiligten, die angestrebte Wirkung der Medikamente negativ beeinflussen1.

Erziehen beinhaltet zwei Verhaltensweisen, die funktionale Rolle und die soziale Beziehung.

Ziel Da die Erfahrungen von Müttern im oralen Medikamentenmanagement ihrer Kinder ein unerforschtes Phänomen sind, benötigt es zusätzliche Evidenz, um die Mütter gezielt zu unterstützen und zu beraten.

… Gestaltung des Unterstützungsbedarfs. Praxisprojekt Tablettenschlucktraining (TST) am Ostschweizer Kinderspital Idee

Umsetzung des Pilotprojektes

In der funktionalen Rolle beschützen die Mütter ihr Kind vor Gesundheitskomplikationen und verabreichen das Medikament zielgerichtet. In der sozialen Beziehung streben die Mütter nach Harmonie. Es zeigt sich eine Pendelbewegung zwischen den beiden Polen auf der Erziehungslinie – funktionale Rolle und soziale Beziehung (vgl. Grafik 2). Die Rollen nehmen die Mütter je nach Beurteilung der Situation ein. Es ist schwierig oder gar nicht vereinbar, beide Verhaltensweisen gleichzeitig auszuführen.

Lernprozess

Unterstützung im erzieherischen Auftrag von Eltern

Beschreibung und Genehmigung des Projektes

Schulung

Methode

Diskussion/ Schlussfolgerungen

Die Studie fand nach den Ansätzen der Grounded Theory statt. Eine theoriegeleitete Fallauswahl war wegen Rekrutierungsproblemen nicht möglich2.

Aus Sicht der Mütter ist es nicht möglich, im Rahmen der oralen Medikamentenverabreichung beide in der Gesellschaft üblichen Rollen einer Mutter – die funktionale Rolle des Erziehens und die Rolle der liebenden Mutter – gleichzeitig zu leben. Daraus entsteht für sie ein Dilemma.

Bei den sieben Interviews mit Müttern von Kindern, die aktuell infolge einer akuten Erkrankung, Medikamente einnehmen – handelt es sich um ein Convenience Sample2. Die mit einem halbstruktierten Leitfaden durchgeführten Interviews dauerten zwischen 15 und 32 Minuten. Die demografischen Daten beschreiben die Charakteristiken des Samples und mögliche Einflussfaktoren3. Die Datenanalyse wurde Software gestützt (MAXQDA) durchgeführt und kommunikativ validiert2.

Die Medikamentenverabreichung kann als eine der Extremsituationen der Erziehung angesehen werden. Die Schere zwischen der sozialen Beziehung und der funktionalen Rolle ist hier besonders gross. Die Rolle der liebenden Mutter ruft Schuldgefühle hervor. Die Mütter setzen hier alles daran, um die Harmonie aufrecht zu halten. In der funktionalen Rolle schalten sie zweckgeleitet jegliche Emotionen ab. Unterstützungen im erzieherischen Auftrag von Eltern beim oralen Medikamentenmanagement ihrer Kinder bleiben meist aus.

Problemanalyse

Ausarbeitung der Arbeitspakete Grafik 2: Zyklus Projektimplementierung, Koch 2013 in Anlehnung an: http://www.impulsb.ch/coaching/individuell.html

Projektgrundlagen Edukationsprogramm als Lösungsansatz. Verschiedene Wirksamkeitsstudien der letzten Jahrzehnte zeigen, dass Kinder schon ab dem vierten Lebensjahr durch strukturierte Schulungseinheiten das Tablettenschlucken erlernen können6 und dass ein professioneller Zugang Stress reduziert4.

Edukation TST Ziel: Die Eltern werden befähigt, ihr Kind beim Schlucken von oralen Medikamenten zu begleiten. Inhalte: •  Eltern è Wissensvermittlung •  Kinder è Zugang an den Entwicklungsstand und das kindliche Denkmuster anpassen (Child Life Konzept4) •  Verordnung von Tabletten oder Kapseln è Imitaten

Schlucktraining mit

Ein Schlucktraining beinhaltet folgende Elemente:

Leitend für die Praxis •  Kinder können mit diesen Massnahmen die Indikationen besser verstehen und einschätzen, wodurch sich der Stresslevel reduziert4. •  Kinder akzeptieren Tabletten oft besser als flüssige Medikamente, da letztere gerne Bitterstoffe enthalten5. •  Die frühzeitige Schulung der Kinder und Eltern sollte eingeleitet werden, sobald eine orale Medikation thematisiert wird. Grafik 1: Pendelbewegung zwischen den Polen auf der Erziehungslinie (Koch, 2013)

Filmmaterial zum TST: 1.  Child Life Specialists Healing children: http://www.youtube.com/watch?v=IJumvoJmzTI 2. The New Method of Swallowing: http://www.youtube.com/watch?v=MXFMZuNs-Fk

Literatur 1) Beck, M.H., Cataldo, M., Slifer, K.J., Pulbrook, V. & Guhman, J.K. (2005). Teaching children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) and autistic disorder (AD): How to swallow pills. Clinical Pediatrics, 44, 515–526. Mennella, J.A. & Beauchamp, G.K. (2008). Optimizing oral medications for children. Clinical Therapeutics, 30 (11), 2120–2129. 2) Flick, U., von Kardorff, E., Keupp, H., Rosenstiel, L. & Wolff, S. (Hrsg.). (1995). Handbuch Qualitative Sozialforschung: Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen (2. Aufl.). Landsberg: Beltz. 3) Halloway, I. & Wheeler, S. (1997). Qualitative Pflegeforschung: Grundlagen (2. Aufl.). Stuttgart: Urban & Fischer Verlag. 4) Thompson, R.A. (1983). The handbook of child life. A guide for pediatric psychosocial care. Springfield: Charles C. Thomas, Publisher, LTD. 5) Exemplarisch: Sallows, G.O. (1980). Behavioral treatment of swallowing difficulty. Journal of Behavior Therapy & Experimental Psychiatry, (11), 45–47. Babbitt, R.L., Parrish, J.M., Brierley, P.E. & Kohr, M.A. (1991). Teaching developmentally disabled children with chronic illness to swallow prescribed capsules. Journal of Developmental and Behavioral Pediatrics, 12 (4), 229–35. Beck, M.H., Cataldo, M., Slifer, K.J., Pulbrook, V. & Guhman, J.K. (2005). Teaching children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) and autistic disorder (AD): How to swallow pills. Clinical Pediatrics, 44 (6), 515–526.

Dieses Forschungs- und Praxisprojekt entstand im Rahmen des Studiums MSc in Nursing an der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit. Das Studium wurde finanziell unterstützt durch das Careum Stipendium. Die Autorin bedankt sich bei Frau Katrin Marfurt-Russenberger, MScN, Pflegeexpertin am Ostschweizer Kinderspital, für die Unterstützung bei der Postererstellung sowie bei Karin van Holten, lic. phil., wiss. Mitarbeiterin Careum Forschung für das methodische Mentorat. Kontakt für weitere Informationen: astrid.koch@ksipisg.ch

Claudiusstrasse 6 I 9006 St.Gallen I www.kispisg.ch I

Poster: Orale Medikamente bei Kindern aus Sicht der Mütter  

Forschungsergebnisse und Unterstützungsbedarf Astrid Koch, Pflegeexpertin Ostschweizer Kinderspital St. Gallen – Eltern werden befähigt, i...

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