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BACK TO THE FUTURE

«Visionärer Blick ins Jahr 2029» Stefan Ryf befasst sich als promovierter Wirtschaftspsychologe in der Forschungsabteilung der Fachhochschule Kalaidos mit Lernformen der Zukunft. Auch an der Evaluation der beiden Pilotklassenzimmer am AKAD College ist er beteiligt. KAKADU begab sich mit ihm auf eine didaktische Zeitreise. Lukas und Corina, beides Studierende am AKAD College, erhalten von ihrer Englischdozentin wie alle anderen in der Klasse elektronisch einen Vorbereitungsauftrag. Vor knapp einer Woche, am 20. Januar 2029, fand die Amtseinführung der Präsidentin und der Vizepräsidentin der USA auf dem Capitol statt. Ein denkwürdiger Anlass, ist es doch das erste Mal, dass ein Frauenduo an der Spitze der Weltmacht steht. Ebenfalls in Duos und aus aktuellem Anlass sollen die Klassenmitglieder einen Text zum Thema «Demokratie und Fortschritt» verfassen. Über die Lernplattform bekommen sie 30 neue Wörter rund um Politik und Wahlen zum Lernen. Wörter büffeln? «Dank der adaptiven Lernmöglichkeiten wird das eine sehr abwechslungsreiche Sache», ist Stefan Ryf überzeugt – das Lernsystem präsentiert Studierenden Begriffe, die noch nicht gut sitzen, in individuell angepasster Häufigkeit

und in unterschiedlichen Aufgabenformen. Zudem sieht die Dozentin im Scoring, wer wo steht, und kann in ihrer Funktion als Coach bereits vor dem Präsenzunterricht Tipps geben.

Elektronisch vernetzt – auch im Präsenzunterricht So ziemlich auf den letzten Drücker wollen Corina und Lukas ihrem Text am Sonntagabend vor dem Präsenzunterricht den Feinschliff geben. Eigentlich haben sie sich in einem Café am Bellevue in Zürich verabredet. Eigentlich – denn Corina steht nach einem Skiweekend in ihrem selbstfahrenden Smart im Stau, hat ihr Tablet mit integriertem Telefon aber dabei. Gemeinsam gehen sie den Text durch und bearbeiten das Dokument parallel an ihren Bildschirmen. Lukas gibt im Café die letzten Änderungen ein. In der Cloud speichern. Fertig. Am

nächsten Morgen sitzen alle mit ihren Tablets im Schulzimmer und loggen sich in die Lernplattform ein. Auf die Frage, welches Tandem seine Arbeit im Plenum zeigen möchte, melden sich Lukas und Corina nach einvernehmlichem Blickwechsel. Die Dozentin projiziert den Text der beiden auf den Grossbildschirm, zugleich erscheint er auf den Tablets der Anwesenden. Die Dozentin markiert eine Ausdruckssequenz auf ihrem berührungssensitiven Pultscreen, die sprachlogisch nicht ganz «astrein» ist: «Wer hat einen Verbesserungsvorschlag?» Nicolas streckt auf. Über seine Tastatur tippt er direkt und für alle sichtbar seinen Vorschlag ein. In der Diskussion fügt die Dozentin mit dem Pin handschriftlich die eine und andere Annotation hinzu und stellt das Resultat wieder in die Cloud.

Blended Learning durch und durch Damit ist der Lernprozess der Studierenden noch nicht beendet. Die Tandemgruppen bekommen zwei Aufträge: Einerseits sollen sie ihre Texte gemeinsam bereinigen. Ein automatisches Programm

führt die orthografische und die grammatikalische Korrektur durch, sodass sich die Dozentin auf ihr Individualfeedback zur Ausdruckspräzision, Argumentationstechnik und Stringenz konzentrieren kann. Zudem fügte die Dozentin während der Präsenzlektion dem Grundwortschatz 12 weitere Begriffe hinzu, die es nun zu beherrschen gilt. Stefan Ryf: «Die Lernplattform sucht im Web geeignete Sätze und generiert aus ihnen einen Lückentext.» An der richtigen Stelle füllen Corina und Lukas bei einem Latte macchiato im Café am Bellevue die passenden Begriffe ein.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer Genauso reicht es im Lern- und Schulalltag nicht, «nur» neue, technisch durchaus innovative Geräte und Software mit ausgefeilten Funktionen zur Verfügung zu stellen. Stefan Ryf identifiziert zwei Kriterien, die für die Akzeptanz dieser neuen Tools entscheidend sind: die Bedienungsfreundlichkeit und der effektive didaktische Nutzen. Beides muss sowohl die Dozierende als auch die Studierenden überzeugen. Die erforderliche Software ist das eine, die geschickte und kontinuierliche Vermittlung der Anwenderkompetenz das andere. AKAD College investiert in beides.

Stefan Ryf: «Der Abwechslungs­ reichtum steigt mit der Vielfalt adaptiver Lern­ möglichkeiten.»

ANDREAS AEMISEGGER ZU DEN PILOTKLASSENZIMMERN

Lust auf mehr Seine Begeisterung für Neues hat nach langer Dozententätigkeit in keiner Weise nachgelassen. Im Gegenteil: Bei Andreas Aemisegger hat der Einsatz in den modern ausgerüsteten Pilotklassenzimmern die Lust auf mehr geweckt: «Ob ich Psychologie oder Soziologie unterrichte, die erweiterten Möglichkeiten des Visualizers nutze ich gern. Dank dem damit verbundenen touchscreenfähigen Bildschirm kann ich Bilder oder Texte manuell bearbeiten und direkt in den Klassen-Chatroom stellen.»

«Ich schätze den Innovationswillen unserer Schule sehr und freue mich auf das neue Schulzimmer»

Andreas Aemisegger bearbeitet Texte oder Bilder am Touchscreen gerne manuell und stellt das Ergebnis dann direkt in den Klassen-Chatroom.

Mit anderen Worten: Nach «alter» Methode legte man lieber eine (mühsam hergestellte) Kopie unter den Visualizer, um das Original nicht vollzuschreiben. Mit dem neuen «Fingerwriting» lässt sich die sprachliche, mündliche Kommunikation auf dem Touchscreen viel einfacher laufend manuell ergänzen. Das Dokument kann anschliessend gespeichert werden, sodass alle auf dem gleichen Wissens­stand sind. Was wünscht sich Andreas Aemisegger für die nähere Zukunft? «Ich schätze den Innovations­ willen unserer Schule sehr und freue mich auf das ‹neue Schulzimmer› im ganzen Schulhaus. Wünschenswert aus meiner Sicht ist zudem die flächendeckende Einführung von E-Books anstelle der herkömmlichen Lehrmittel.»