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Schichtstoff

Wie Qualität entsteht Ein Werkstoff, der in so unterschiedlichen und anspruchsvollen Bereichen wie Küche oder U-Bahn, als Fassade, Bodenbelag oder Wandmaterial im Krankenhaus jeweils die beste Möglichkeit der Oberflächengestaltung sein möchte, muss ganz besondere Qualität aufweisen. Die HPL-Qualität resultiert aus einem aufwendigen Herstellungsprozess, der in den Betrieben der Verbandsmitglieder einer sehr konsequenten Qualitätskontrolle unter­ worfen ist. Der Begriff „Laminat“ weist die Richtung. Verschiedene Materialschichten werden untrennbar zu großformati­ gen Platten verpresst: Im Kern sind dies mit Phenolharz imprägnierte Zellulosebahnen und einer Decklage aus melaminharzimprägnierten Dekorpapieren, wobei das Dekorpapier durch Färbung oder Druck den HPL-Platten ihre dekorative Wirkung gibt und das Melaminharz als härtester Kunststoff die extrem widerstandsfähige Oberfläche bildet. Bei bedruckten Dekorpapieren sorgt ein zusätzliches Overlay, das beim Ver­pressen glasklar wird, für einen abriebfesten Schutzfilm. Aufgelegte Pressbleche erzeugen die Ober­ flächenstruktur vom luxuriösen Hochglanz bis zu beson­ ders robusten Strukturen. Beim Pressen verändern die Harze in den Papierschichten unter hohem Druck (mindestens 7 N/mm2= 70 bar) und großer Hitze (130­160° C) ihre Molekula­rstruktur und vernetzen sich unlösbar miteinander. Für dieses unlösbare „Verschmelzen“ ist der hohe Druck eine wichtige Voraussetzung. Kontrollierte Abkühlung sorgt für exakte Planlage und makellose Oberflächen. Weil dieses Herstellungsverfahren auch kleinste Losgrößen zu­lässt, sind individu­ elle Dekore für jeden Zweck möglich.

Umwelteigenschaften HPL-Platten sind umweltneutral. Wer sie heute ein­ setzt, kann sicher sein, auch morgen, unter sich weiter verschärfenden Umweltbedingungen, die ökologischen Anforderungen zu erfüllen.

HPL-Platten sind umweltneutral, weil sie … p … aufgrund ihres Eigenschaftsbildes sehr langlebig, p im Gebrauch frei von Emissionen sind, p z u 70 % aus Zellulose und zu 30 % aus der Natur nachempfundenen Harzen bestehen und p HPL-Abfälle in behördlich genehmigten Industriefeuer­ anlagen verbrannt oder auf Hausmüll­deponien ent­ sorgt werden können.

Materialbeschreibung Bei den hier beschriebenen Materialien handelt es sich um dekorative Hoch­druck-Schichtpreßstoffplatten (HPL) mit einer Melaminharzdeckschicht oder Urethan-AcrylatCopolymer Deckschicht. Sie werden in einer Vielzahl von Abmessungen, Dicken und Oberflächenausführungen geliefert. Schichtstoffe bestehen hauptsächlich aus Papier und duroplastischen Kunstharzen, wobei der Papieranteil oder Zelluloseanteil mehr als 60 % des Erzeugnisses ausmacht. Die übrigen 30 bis 40 Gewichtsprozente bestehen aus Phenol/FormaldehydHarz für den Kern und Melamin/Formaldehydharz für die dekorative Deckschicht. Beide Harze gehören zu den Duroplasten. Sie sind irreversibel chemisch vernetzt und bilden einen Werkstoff mit hohem Molekulargewicht. Unter der Einwirkung von hohem Druck und Hitze ent­ steht ein ausgehärtetes, stabiles Material, dessen

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Eigenschaften von denen der Ausgangsrohstoffe grund­ legend verschieden sind. Wenn Schwerentflammbarkeit gefordert ist, wird der Schichtstoffkern mit einem halo­ genfreien Zusatz versehen.

Transport und Lagerung Für Transport und Lagerung gelten die Grundsätze der allgemeinen Verarbeitungsempfehlungen für HPLPlatten. Besondere Vorsichtsmaßnahmen sind nicht erforderlich. Im Sinne der Transportbestimmungen sind HPL-Platten kein Gefahrgut, eine Kennzeichnung ist daher nicht notwendig. Die üblichen Sicherheitsvorschriften hinsichtlich Ent­ staubung und Brandschutz müssen bei der Ver- und Bearbeitung von HPL-Platten eingehalten werden. Wie bei Stäuben allgemeiner Art können bei einer klei­ nen Zahl von Menschen auch durch HPL-Stäube allergi­ sche Reaktionen auftreten. Wegen möglicher scharfer Kanten müssen beim Umgang mit HPL-Platten stets Schutzhandschuhe getragen werden.

Umweltaspekte Dekorative Schichtstoffe sind ausgehärtete und damit iner­te douroplastische Kunststoffe. Die Form­alde­hyd­ abgabe von dekorativen Schichtstoffen selbst liegt weit unterhalb des gesetzlich zulässigen Grenzwertes für Holzwerkstoffe. Aufgrund ihrer äußerst geringen Durchlässigkeit eignen sich dekorative Schichtstoffe gut als Sperre gegen mögliche Formaldehyd-Emissionen aus dem Trägermaterial. Es gibt keine Migration, die Lebensmittel beeinflusst und somit ist der Kontakt von dekorativen Schichtstoffen mit Lebensmitteln unbedenklich möglich und zugelassen. Die dekorativen Schichtstoff-Oberflächen sind beständig gegen haushaltsübliche Lösemittel und Chemikalien. Das Material wird deshalb seit vielen Jahren in Anwen­dungs­ bereichen eingesetzt, in denen Sauberkeit und Hygiene vordringlich sind. Die geschlossene Oberfläche kann auf einfache Weise mit Hilfe von heißem Wasser, Dampf und allen Desinfektionsmitteln, wie sie in Krankenhäusern und anderen spezialisierten Anwendungsbereichen eingesetzt werden, desinfiziert werden. REACh gilt nicht für dekorativen Schichtstoff, da deko­ rativer Schichtstoff kein chemischer Stoff ist, sondern ein Erzeugnis. Nichtsdestotrotz ist es wichtig für einen Informationsaustausch mit den Rohstofflieferanten über REACh-relevante Werkstoffeigenschaften zu sorgen.

Normale und viele andere Belast­ungen des Alltags erträgt eine HPL-Oberfläche klaglos jahrzehn­te­lang. In zahlreichen Anwendungsgebieten ist sie deshalb durch kein anderes Material zu ersetzen.

Wartung Da die Schichtstoffplatten weder durch Korrosion noch durch Oxidation angegriffen werden, erübrigt sich ein gesonderter Oberflächenschutz (wie z. B. ein Lack oder Anstrich).

Entsorgung Energierückgewinnung Aufgrund ihres hohen Heizwertes (18-20 MJ/kg)*) eignen sich HPL-Platten besonders gut für die thermische Ver­ wertung. Sie verbrennen bei vollständigem Ausbrand (bei 700° C) zu Wasser, Kohlendioxid und Stick­oxiden. Dekorative Schichtstoff Platten bieten damit die Vorraussetzung für eine energetische Verwertung gemäß §6 des deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Die Bedingungen für gute Verbrennungsprozesse werden in modernen, behördlich genehmigten Industriefeuerungsanlagen gewährleistet. Die Asche aus diesen Verbrennungsprozessen kann auf kontrollierte Deponien verbracht werden.

HPL im Brandfall Schichtstoffplatten sind nur schwer in Brand zu setzen und haben die Eigenschaft, die Ausbreitung von Flammen zu verzögern, sodass sich die Fluchtzeit verlängert. Bei unvollständiger Verbrennung können – wie bei jedem anderen organischen Material auch – toxische Substanzen im Rauch enthalten sein. Dekorative Schichtstoffplatten können aber die beste Einstufung, die nach der französischen Norm NFF 16101 für orga­ nische Oberflächen­materialien möglich ist (mindestens F2 hinsichtlich Rauchdichte und Toxizität) erreichen. Bei Bränden, an denen dekorativer Schichtstoff beteiligt ist, können dieselben Brandbekämpfungstechniken angewen­ det werden, wie bei anderen holzhaltigen Baustoffen.

Quelle: Information der Fachgruppe Dekorative Schichtplatten (HPL) im Gesamtverband Kunststoffverarbeitende industrie (GKV)

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