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MDF-Platten

Definition MDF-Platten (mitteldichte Faserplatten) Faserplatten nach dem Trockenverfahren sind ein plat­ tenförmiger Holzwerkstoff, der durch Verklebung von Holzfasern mit Kunstharzklebstoffen hergestellt wird. Die Bezeichnung „Faserplatten nach dem Trockenverfahren“ ist ein Gattungsbegriff, welcher sich auf das Herstell­ verfahren bezieht. Innerhalb dieser Definition stellen mitteldichte Faser­ platten (MDF) den am weitesten verbreiteten Typ dar. Ausgehend von der Plattendichte sind für MDF-Platten folgende Klassenbezeichnungen gebräuchlich: p Hochverdichtetes MDF (HDF) p Leichtes MDF (LDF) p Ultraleichtes MDF (ULDF)

Die möglichen Anwendungen sind durch die Entwicklung spezieller Plattentypen mit erhöhter ­­­Wertschöpfung und verbesserten Eigenschaften, z. B. in Hinsicht auf die Festigkeit, Feuchtebeständigkeit und Feuerhemmung erweitert worden. MDF kann aus Nadelhölzern und Laubhölzern hergestellt werden. Die überwiegende Menge des in Europa herge­ stellten MDF besteht aus Nadelhölzern. Am weitesten verbreiteter Klebstoff ist HarnstoffFormaldehydharz (UF), wobei je nach Plattentyp und Anwendung der Produkte auch andere Klebstoffe zum Einsatz kommen können. Das typisches Herstellverfahren besteht darin, dass das Holz zu Hackschnitzeln zerkleinert wird, welche anschließend thermisch erweicht und mechanisch zu Holzfasern aufgelöst werden. Die Fasern werden mit Kunstharzkleber vermischt, getrocknet und vor dem Pressen zu einer Matte geformt. Diese Matte wird zwischen beheizten und polierten Pressenplatten zu einer Platte der gewünschten Dicke verpresst. Bei dickeren Platten müssen meist mehrere Matten übereinandergelegt werden.

Aussehen MDF hat glatt geschliffene Oberflächen, einen homoge­ nen Aufbau und meist eine strohgelbe bis rötlich-braune Farbe (bei Platten aus Nadelholz). Zu dekorativen und Identifizierungszwecken kann die gesamte Platte oder auch einzelne Schichten, je nach Hersteller, eingefärbt sein (z. B. schwarz eingefärbte Platten, grün für Platten mit verbesserter Feuchtebeständigkeit, rot für Platten, welche vollständig mit Flammschutzmitteln behandelt wurden). Der überwiegende Teil der MDF wird großformatig deko­ rativ mit Melaminfilmen beschichtet.

Normen-/Vorschriftenumfeld DIN EN 316:2009 Holzfaserplatten - Definition, Klassifizierung und Kurzzeichen DIN EN 622-1:2003 Faserplatten - Anforderungen  IN EN 622-5: 2010 Anforderungen an Platten nach D dem Trockenverfahren DIN EN 12369-1:1998 Fettarme Lebensmittel DIN EN 13986: 2005 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen

Dichte/Gewicht/Plattenformate Standard-MDF hat in etwa folgende Dichten: p Durchschnitt:

700-800 kg/m3

p Mittellage:

600-700 kg/m3

p Decklagen: 1.000-1.100 kg/m3 Standard-MDF bildet nur einen Teil einer breiten Palette von Faserplatten nach dem Trockenverfahren mit den folgenden Dichtebereichen: p HDF: mehr als

800 kg/m3

p LDF: weniger als

650 kg/m3

p ULDF: weniger als

550 kg/m3

Auf Grund von Dichtevariationen zwischen verschiedenen MDF-Marken ist das Flächengewicht von MDF nicht konstant proportional zur Dicke. Bezogen auf StandardMDF mit einer durchschnittlichen Dichte von 750 kg/m3 ergeben sich folgende Flächengewichte: p 6,5 mm

5,0 kg/m2

p  9 mm

6,3 kg/m2

p 12 mm

8,4 kg/m2

p 16 mm

11,0 kg/m2

p 19 mm

14,0 kg/m2

MDF ist in einem weiten Dickenbereich von 1,5 bis 60 mm verfügbar. Die häufigsten Plattenformate sind Breiten von 2.070/2.440/2.650/2.850 mm und Längen bis 6.300 mm. Auch andere Formate sind lieferbar oder können auf Bestellung hergestellt werden (wobei bei der Bestellung auf Mindestmengen zu achten ist). (Quelle: Auszugsweise, Verband der deutschen Holzwerkstoffindustrie)

Anwendung Für Designer, Möbelbauer, Innenarchitekten und Ge­stal­ ter ist MDF seit vielen Jahren der ideale Werkstoff, unter anderem, weil er sich problemlos lackieren, beschich­ten, furnieren, folieren oder ummanteln lässt. Auf Wunsch sind die Platten bereits grundiert erhältlich. Wer bei Oberflächen in die dritte Dimension vorstoßen will, der findet mit MDF-Platten, die über eine spezielle oberflächennahe Schicht verfügen, die besonders homo­ gen und fein aufgeschlossen ist, das ideale Medium zum Profilieren und Tieffräsen, dass sich trotzdem noch pro­ blemlos und einwandfrei lackieren lässt. Für besondere Anwendungsbereiche lassen sich die Materialeigenschaften optimieren. Dazu zählen: pB  esonders leichte Platten (Rohdichten bis ca. 400 kg/m³ sind bei konstanter Festigkeit möglich) pB  esonders dicke Platten (bis zu ca. 60 mm) ohne Aufdopplung pS  ehr dünne Platten ab ca. 1,5 mm mit hoher Rohdichte Der Werkstoff ist in verschiedenen Ober­flächen­aus­füh­ rungen erhältlich, z. B. geschliffen/ungeschliffen, ein- oder zweiseitig lackiert und mit diversen Oberflächenstrukturen oder Dekoren. Auch vorproduzierte Faltungen, Bohrungen und Ausklinkungen (z. B. für Möbelrückwände) sind möglich. Speziell für den Einsatz in Feuchtebereichen sind MDF-Platten mit extrem niedrigen Quellwerten (durch Verwendung spezieller Klebestoffe) konzipiert. Dadurch können MDF-Platten auch bedenkenlos in Räumen mit temporär erhöhter Luftfeuchte, wie z. B. Bad und Küchen, eingesetzt werden. Überall dort, wo Brand­schutz­auflagen gemacht werden, bieten sich Lösungen mit MDF-Platten an, die über eine Brandschutzausrüstung (schwer entflammbar gemäß DIN 4102) verfügen.

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DEKORATIVE HOLZWERKSTOFFE

Aufgrund seiner Verfügbarkeit in einem weiten Dickenbereich sowie den guten Bearbeitungs- und Beschichtungseigenschaften eignen sich Faserplatten nach dem Trockenverfahren für eine breite Palette von Anwendungen sowohl im Bauwesen, z. B. für Laminatfußböden und auch für Möbelfronten.

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