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Luftdichtheitsbahnen

Definition Wärmeschutz und Feuchteschutz sind wesentliche Forde­ rungen der DIN 4108 und der Energie-Einsparverordnung (EnEV) – zwei der wichtigsten Vorschriften für Neubau und Sanierung. Eine luftdichte Gebäudehülle ist aner­ kannter Stand der Technik. Dampfbrems-/ und Dampfsperrfolien sind speziell gefer­ tigte Dichtbahnen mit einem hohen Dampf­diffusions­ widerstand. Sie werden an der Innenseite von Bauteilen angebracht, um die Luftdichtheit sicherzustellen und einen außerplanmäßigen Feuchteeintrag in die Konstruktion zu verhindern. Luftdichtheitsbahnen sind von Winddichtigkeitsbahnen zu unterscheiden: Außenseitig angebrachte Winddichtig­ keitsbahnen sollen Dämmstoffe gegen ein Durch- oder Hinterströmen mit kalter Außenluft schützen.

Ausführungen Die Begriffe „Dampfbremse“, „Dampfsperre“ oder „feuchtevariable/feuchteadaptive Dampfsperre“ sind keine genormten Begriffe. Die Verwendung im allge­ meinen Sprachgebrauch steht deshalb meist für die Beschreibung der Funktion. Die tatsächlichen sd-Werte für Dampfbrems- oder Dampfsperrfolien sind aber — je nach Hersteller — oft sehr unterschiedlich. Wichtig ist also letztendlich immer, welcher sd-Wert für eine Konstruktion erforderlich ist.

Luftdicht angeschlossene Dichtbahnen stellen den Feuchte- und Wärmeschutz sicher.

Zur Orientierung: Die DIN 4108 ordnet Folien (und anderen Bauteilschichten) folgende Bezeichnungen zu:

DIN 4108

 diffusionsoffen nach DIN 4108-3 sd < 0,5 m  diffusionshemmend sd > 0,5 < 1500 m

DIN 4108-3:2014-11

 diffusionsdicht sd > 1500 m Feuchteadaptive oder feuchtevariable Luftdichtheits­ bahnen sind in der Lage, ihre Materialdichte — und damit ihren sd-Wert — in Abhängigkeit von den Außenbe­ dingungen zu ändern. Eine niedrige relative Feuchte bewirkt hohen Widerstand, hohe relative Feuchte einen niedrigen Widerstand. Im Winter tragen diese Bahnen dazu bei, dass die Holzkonstruktion vor Feuchte aus dem Hausinnern geschützt wird, im Sommer unterstützen und beschleunigen sie den Austrocknungsvorgang indem sie eine zulässige Diffusion zur Rauminnenseite erlauben.

Anwendung Die Energie-Einsparverordnung und alle aktuellen, rele­van­ten Normen zum Wärme- und Feuchteschutz (bspw. DIN 4108-2, DIN 4108-3) fordern eine dauerhaft luft­dichte Gebäudehülle, mit der Begründung, dass eine Durch­strömung und Mitführung von Raumluftfeuchte, die zur Tauwasserbildung infolge Konvektion führen kann, zu unterbinden ist und beide verweisen auf DIN 4108-7. Eine Luftdichtheitsmessung (Blower-Door-Test) sollte heutzutage Bestandteil jeder Bauabnahme sein. DIN 4108-7 beschreibt Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele und legt die Grundzüge des Luftdichtheitskonzepts folgendermaßen dar: Die Luftdichtheitsschicht ist sorgfältig  zu planen,  auszuschreiben und  auszuführen. Die Arbeiten sind zwischen den Beteiligten am Bau zu koordinieren.

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Normen-/Vorschriftenumfeld Normenreihe Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden, insbesondere:

Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz – Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hinweise für Planung und Ausführung

DIN 4108-7:2011-01 Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -bei­ spiele

DIN 68800-2:2012-02 Holzschutz - Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau

DIN 18334:2012-09 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Zimmer – und Holzbauarbeiten

DIN 18338:2012-09 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten

DIN EN 13984:2013-05 Abdichtungsbahnen – Kunststoff- und ElastomerDampfsperrbahnen – Definitionen und Eigenschaften

EnEV 2014 (Energie-Einsparverordnung)

Kennzeichnung Dampfsperrbahnen nach DIN EN 13984 sind mit dem CE-Zeichen zu versehen.

Montage Anschlüsse von Folien an Holzwerkstoffe und Mauerwerk werden außer mit Klebebändern auch mit Dichtstoffen ausgeführt. Diese werden in handlichen Kartuschen oder als Schlauchware angeboten. Als Dichtbänder werden Kompribänder eingesetzt, die häufig den Anschluss zwischen Mauerwerk und Bau­ elementen bilden. Die Dichtbänder sind vorkomprimiert, dehnen sich nach dem Einbau langsam aus und dichten somit die Fugen ab. Die sorgfältige Abdichtung und der korrekte Anschluss von Folien sind das A und O einer luftdichten Hülle. Viel Wert muss dabei auf die Dauerhaftigkeit von Folienverbindungen und -anschlüssen gelegt werden. Klebeverbindungen müssen stets lastfrei auf dem kor­ rekt vorbereiteten Untergrund aufgebracht werden, da sie schon unter geringer Lasteinwirkung (bspw. durch Zurückstellen oder zu stramm verklebte Folienbahnen oder nicht klemmende Wärmedämmung in den Sparrenfeldern) „Kriechen“, d. h. sich langsam aber sicher ablösen können. N  ur vom HolzLand-Fachhandel angebotene Klebe­ bänder, Dichtmaterialien, Manschetten und Form­teile einsetzen.  Nur aufeinander abgestimmte Systeme verwenden. H  erstellervorgaben zum Untergrund und zur Montage beachten, sonst droht der Verlust der Gewährleistung. M  öglichst Anpresslatten verwenden für: Anschlüsse an Bauteile mit verstärkt zu erwartenden Bewegungen (bspw. Folie an Giebelwand) oder erhöhten Anfor­ de­rungen (hohe Feuchtebelastung/Temperaturen, stark sandende Untergründe, bei hohen Schäden im Versagensfall, bei schlechter Zugänglichkeit der Konstruktion, ...). D  urchdringungen vermeiden und Bauteile, Leitungen oder Rohre an Stellen planen, an denen die luftdichte Schicht nicht verläuft. W  enn sich Durchdringungen nicht vermeiden lassen, nur Systemzubehör, bspw. Manschetten oder Formteile, verwenden.

HolzLand Kompendium  

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