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Wärmedämm-Verbundsysteme

Definition Bei Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) handelt es sich um Außenwand-Dämmsysteme mit einer abschlie­ ßenden Putzschicht. Umgangssprachlich häufig noch verwendete Begriffe wie „Thermohaut“ oder „Thermopanzer“ sollten in diesem Zusammenhang vermieden werden, da sie irreführend sind. WDVS werden etwa seit Ende der 1950er Jahre auf der Basis von Polystyrol-Dämmplatten und mit armierten Kunststoffputzen eingesetzt. Ab ca. Ende der 1970er Jahre kamen Systeme mit Mineralfaserplatten, seit den 1990er Jahren auch Holzfaserplatten und andere natür­ liche organische Dämmstoffe zum Einsatz. WDVS können direkt auf massiven Untergründen (Putz, Mauerwerk, Beton, ...) montiert werden. Auch Trägerplatten, bspw. Holzfaserdämmplatten auf Holzständerwänden, sind geeignet. WDVS sind für nahezu jeden Untergrund und jeden Wandaufbau verfügbar und bieten vielfältige gestalterische Möglichkeiten. Wärmedämm-Verbundsysteme spielen seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle als preiswerte, energiesparende Methode zur Dämmung von Neubauten, genauso, wie auch zur energetischen Ertüchtigung von Bestandsbauten. WDVS sind eine Alternative zu vorgehängten hinter­ lüfteten Fassaden (Seite 30 „VHF“).

Ausführungen Der prinzipielle Aufbau von bauaufsichtlich zugelassenen Wärmedämm-Verbundsystemen:  Eine Putz-Trägerplatte (Dämmplatte) wird auf einem geeigneten Untergrund oder einer Unterkonstruktion befestigt. Gängige Werkstoffe für Dämmplatten sind EPS (expandiertes Polystyrol), XPS (extrudiertes Polystyrol), Mineralschaum sowie Holzwolle-Leichtbauplatten und Holzfaserdämmplatten (Weichfaserplatten).  Befestigung: Die Platten werden mittels Kleber, Dübel oder Schienenbefestigung auf i. d. R. mineralischen Untergründen oder direkt auf die Konstruktionshölzer, die Beplankungen oder Bekleidungen von Holzwänden, i. d. R. mit mechanischen Befestigungsmitteln (bspw. Schrauben, Breitrückenklammern) montiert. Auch die Montage auf einer vorgesetzten Holzständerkonstruktion ist möglich.  Der Aufbau der Putzsysteme besteht meist aus einem bewehrten modifizierten Unterputz inklusive Armierungsgewebe (auch Armierungsputz genannt), ggf. einer Grundierung oder einem Haftvermittler und einem Oberputz. Darauf kann ein Schlussanstrich auf­ gebracht werden. Der Unterputz ist meist mineralisch, als Oberputze sind mineralische oder Kunstharzputze als organische Putze üblich. Einige Systeme erlauben aber auch Naturstein, Flachverblender, Schiefer oder Keramikfliesen an der Außenseite.

Anwendung Solange keine Gründe gegen eine Dämmung der WandAußenseite sprechen (bspw. Denkmalschutz oder zu geringe Grenzabstände) lassen sich mit WDVS für nahezu jede Bausituation — vom Neubau bis hin zu Modernisierung und Renovierung — perfekte Lösungen realisieren. WDVS sind für alle Objektarten und -größen geeignet:  Einfamilienhäuser  Doppel- und Reihenhäuser  Altbauten

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Wärmedämm-Verbundsysteme eignen sich für nahezu jeden beliebigen Untergrund im Neu- und Bestandsbau.

 Wohnanlagen  Büro-, Behörden- und Verwaltungsgebäude  Industrieanlagen  Hochhäuser

Eigenschaften/Vorteile WDVS sind hoch beanspruchbare Außenbauteile. Richtig ausgeführt und unter Beachtung einer sorgfältigen Montage funktionieren sie dauerhaft und zuverlässig. Zugelassene Wärmedämm-Verbundsysteme gewährleisten eine wärmebrückenarme thermische Hülle, werten die Bestandsfassade optisch auf und sind ohne Raumverlust im Gebäudeinneren realisierbar. Je nach Ausführung, Systemaufbau und verwendeten Materialien erfüllen sie höchste Ansprüche und vielfältige, z. T. besondere Anforderungen:  Wärmedämmung, mit der sich alle Anforderungen der aktuellen EnEV erfüllen lassen und darüber hinaus (Passivhaus-Standard)  weitestgehend wärmebrückenfreie Konstruktionen (Detaillösungen der Hersteller liegen vor)  optimal gedämmte, dimensionsstabile Bauteile  Steigerung des Gebäudewerts  Reduzierung der Unterhaltskosten durch lange Reno­ vierungszyklen  Senkung der Heizkosten  CO2-Emissionen werden gesenkt (Umwelt- und Klimaschutz)  Schutz der Bausubstanz  angenehmes Raumklima (Erhöhung der Innenwand­ temperatur, Reduzierung von Zuglufterscheinungen)  sommerlicher Hitze- und winterlicher Kälteschutz  Verbesserung des Schallschutzes  Brandschutz bis Baustoffklasse A (nach DIN 4102)  vandalismussichere Ausführung möglich

WDVS mit Holzfaserdämmplatten Mit Wärmedämm-Verbundsystemen auf der Basis von Holzfaserdämmplatten lassen sich, zusammen mit einer

diffusionsoffenen Beschichtung, die aus dem Holzbau be­ währten robusten Wandkonstruktionen herstellen. Durch ihr Feuchtepuffer-Vermögen tragen die Holzfaserplatten zum zusätzlichen Schutz vor unzulässigem Tauwasser­ ausfall infolge von Diffusion oder Konvektion und evtl. eindringende Feuchtigkeit aus Mikrorissen im Putz bei, da sie diese vorübergehend aufnehmen und später schad­ los wieder abzugeben vermögen. Aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Rohdichte sind sie deutlich schwerer als andere Dämmmaterialien, was zusätzliche bauphysikalische Vorteile mit sich bringt. Über die allgemeinen Vorteile hinaus verfügen WDVS mit Holzfaserdämmplatten über folgende, vorteilhafte Möglichkeiten und Eigenschaften:  Holzbauwände in diffusionsoffener Bauweise können ohne zusätzliche Dampfsperre/Dampfbremse konstru­ iert werden.  Holzbauten nach DIN 68800-2 können unter voll­ ständigem Verzicht auf vorbeugenden chemischen Holzschutz ausgeführt werden (GK 0).  Durch hohe Rohdichte und hohe Masse verfügen Holz­ faserdämmplatten auch über hohe Wärmespeicherka­ pazitäten. Dadurch wird, insbesondere bei den leichten Holzbaukonstruktionen, ein sehr guter sommerlicher Hitzeschutz erzielt (gute Amplitudendämpfung und günstige Phasenverschiebung).  Durch hohe Rohdichte in Verbindung mit weiteren materialspezifischen Eigenschaften (offenporige Struktur, niedrige dynamische Steifigkeit, hoher Strömungswiderstand) sehr gute Schalldämm-Maße.  Je nach Plattentyp und Kantenausprägung ist eine endlose, d. h. eine Verarbeitung mit fliegenden Stößen möglich. Dabei müssen die Platten nicht auf der Unterkonstruktion gestoßen werden.  Ökologisch und Nachhaltig: Für Dämmplatten aus Holzfasern sind alle Nachweise einer ökologischen und nachhaltigen Rohstoffgewinnung verfügbar (bspw. FSC und PEFC-Zertifikate). Sie sind sortenrein recycelbar.  Wohngesundheit: Holzfaserdämmplatten bestehen aus dem natürlichen Grundstoff Holz und sind baubiolo­ gisch unbedenklich (Zertifizierungen, bspw. nature­ plus© verfügbar).

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