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Terrassenholz (NFK/WPC/BPC/RPC)

Definition WPC steht für Wood-Plastic-Composites (Holz-KunststoffVerbundwerkstoffe), also für Werkstoffe oder Erzeugnisse, die aus einer Mischung von Naturfasern/Naturmehlen und einem oder mehreren Polymeranteilen bestehen. Da anstelle von Holz in den letzten Jahren auch andere natürliche Rohstoffe, wie bspw. Bambus (BPC), Reishülsen (RPC), Hanf, Kokosnuss und andere eingesetzt werden, spricht man heute allgemein, zunehmend und richtig von NFK – Naturfaserverstärkten Kunststoffen. Ebenfalls zunehmend nachgefragt werden NFK-Dielen, die profilummantelt (co-extrudiert) sind. Durch diese Ummantelung ist der Kern der Diele, i. d. R. aus WPC, noch besser vor Flecken und Kratzern geschützt. Eine andere, hauptsächlich in den europäisch-deutschen Normen gebräuchliche Bezeichnungen ist NFC (natural fibre composites). WPC in Deutschland und Mitteleuropa besteht im Allgemeinen aus einem Holzfaser- oder Mehlanteil von ca. 50 % bis 80 %. Typische Anteile von Bambus und Reis in NFK, die in Deutschland erhältlich sind, liegen um 60 %. Die Mischungsverhältnisse verschiedener NFK sind aber – je nach Hersteller, Produkt und verwendeten Rohstoffen – unterschiedlich. Für NFK verwendete Polymere bestehen aus Polyvinylchlorid (PVC), Polypropylen (PP) oder auch aus Polyethylen (PE). Dabei können sowohl neue wie auch wiederverwertete Polymerwerkstoffe verwendet werden. Mischungen mit anderen Kunststoffen und Biokunststoffen sind technisch möglich, jedoch weniger verbreitet. Durch die Zugabe von Additiven können spezielle Mate­rialeigenschaften optimiert werden (siehe Eigenschaften).

Ausführungen Die Verarbeitung von NFK-Werkstoffen erfolgt durch thermoplastische Formgebungsverfahren, in erster Linie durch Fließpressen (Extrusion) von Profilen, Spritzgießoder Formpressverfahren. Terrassendecks aus NFK unterscheiden sich durch die verwendeten Rohstoffe, Abmessungen, Profilformen und -geometrien, Oberflächen, Farbgebung und technische Eigenschaften. Terrassendecks werden als Hohlkammerprofil oder massive Dielen angeboten. Für die meisten Decks sind material- und farbgleiche Zubehörsortimente verfügbar.

Eigenschaften/Vorteile NFK-Produkte vereinen die Vorteile mehrerer Werkstoffe miteinander: Gegenüber Vollholzwerkstoffen bieten sie dreidimensionale Formbarkeit und eine hohe Feuchteresistenz, im Vergleich zu Vollkunststoffen verfügen sie über eine höhere Steifigkeit und einen deutlich gerin­ geren thermischen Ausdehnungskoeffizienten. Durch die Wahl der Rohstoffe und die Zugabe von exakt abgestimmten Additiven lassen sich allgemeine und spezielle Materialeigenschaften optimieren: Für Außenanwendungen sind das bspw. die Witterungs-, UV- und Schädlingsbeständigkeit sowie die Farbgebung, Verbundfestigkeit oder der Brandschutz. Die Biegefestigkeit kann gegenüber Schnittholz geringer ausfallen, was ggf. bei den Unterkonstruktions-Abständen zu beachten ist. NFK mit folgenden Eigenschaften sind erhältlich:

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Naturfaserverstärkte Kunststoffe: Ansprechende Optik, Dauerhaftigkeit, einfache Pflege und Nachhaltigkeit.

Technische Eigenschaften  durch Polymer-Anteile hohe Feuchteresistenz, dadurch geringe Quell- und Schwindneigung  Beständigkeit gegen Feuchtigkeit, Kälte, sauren Regen, Salz und Chlor  hohe Beständigkeit gegen Insekten und Pilze

Optik und Design  vielfältig in Farbe, Anmutung und Struktur  durchgefärbte Elemente – dadurch kein Farbabriss und gleichmäßige Farbgebung über den gesamten Querschnitt, auch an Schnittstellen  vergraut nicht (je nach Produkt gleichmäßige Nach­ dunklung oder Aufhellung des Originaltons möglich)  Funktionsteile und Zubehörteile in Elementfarbe und -design erhältlich (Anschlusstücke, Verbinder, Abdeckprofile, ...)  mit normalen Holzwerkzeugen zu bearbeiten

Gebrauchstauglichkeit und Funktionalität

Kennzeichnung Ebenerdige Terrassen sind genehmigungsfreie Bauvor­ haben. Bodenbeläge für Balkone oder nachweispflichtige Terrassen (im Allgemeinen ab einer Höhe von 0,5 m), die eine tragende Funktion haben, benötigen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des DIBt. WPC-Dielen, die nach den Standards der Qua­li­täts­ge­ mein­schaft Holzwerkstoffe e. V., Gießen geprüft sind und das Gütesiegel tragen, erfüllen strengere Anforderungen, als die europäische Produktnorm vorsieht. Das Qua­li­tätszeichen berücksichtigt neben bestimmten Mate­rial­ eigenschaften auch, dass für die eingearbeiteten Naturfasern ausschließlich Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft sowie frisch hergestellte Kunststoffe oder Reststoffe nach einem einmaligen Recycling verwendet werden dürfen. Eine Verbands-EPD (Umwelt-Produktdeklaration) für WPC-Terrassendielen liegt vor.

 Splitterfrei – keine Gefahr beim Barfußgehen oder für spielende/krabbelnde Kinder  Wartungsarm und pflegeleicht - außer regelmäßigem Reinigen kein Streichen oder Ölen erforderlich

Nachhaltigkeit und Wohngesundheit  Bio-Werkstoff (besteht vollständig oder zu relevanten Anteilen aus nachwachsenden Rohstoffen)  physiologisch unbedenklich, frei von Halogenen, Chlor und Formaldehyd  recycelbar

Normen-/Vorschriftenumfeld Zur Zeit wird eine neue Norm für NFK in Europa ausge­ arbeitet. Einige Teile sind bereits veröffentlicht: DIN EN 15534 (Teile 1, 4, 5: 2014-04) Verbundwerkstoffe aus cellulosehaltigen Materialien und Thermoplasten (üblicherweise Holz-Polymer-Werkstoffe (WPC) oder Naturfaserverbundwerkstoffe (NFC) genannt). Teil 1: Prüfverfahren zur Beschreibung von Compounds und Erzeugnissen Teil 4: Anforderungen an Profile und Formteile für Bodenbeläge

Verlegung Die Verlegung von NFK-Dielen kann als aufgesetztes oder ebenerdiges Deck erfol­gen. Vor­be­haltlich anders­ lautender und/oder ergän­zen­der Vorgaben der Hersteller, die immer vorrangig Beach­tung finden müssen, gelten einige generelle Mon­ta­ge­grundsätze, die auch bei der Verlegung von Terrassen­decks aus Holz zu beachten sind. Das trifft insbesondere für die Ausbildung von Dehnfugen und der Belüftung der Konstruktion zu. Weiter Hinweise enthalten:  F achregeln des Zimmererhandwerks 02 „Balkone und Terrassen" G  D Holz (Gesamtverband Deutscher Holzhandel e. V.) Terrassen- und Balkonbeläge – Produktstandards und Anwendungsempfehlungen

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