Issuu on Google+

Balkone und Terrassen

73 Konstruktiver Holzbau

Klassen-Gesellschaft Die „Fachregeln des Zimmererhandwerks 02: Balkone und Terrassen“ bilden den aktuellen Stand der Technik ab. Wer hiernach plant und ausführt, vermeidet Bauschäden und Mängelansprüche.

Baulicher Holzschutz Die Fachregeln fokussieren das bewährte Prinzip „konstruktiver vor chemischen Holzschutz“. Die wichtigsten Planungs- und Montagegrundätze in der Übersicht ...

Neue Arten in den Garten Die zunehmend erfolgreiche Anwendung von WPC-Produkten hat mittlerweile zu einer hohen Verbraucherakzeptanz geführt und den Weg frei gemacht für weitere Produkte auf Basis natürlicher Fasern.

Strathmann Holz GmbH & Co KG Haßkampstraße 6 32257 Bünde Tel. +49 (0) 52 23/17 91-0 Fax +49 (0) 52 23/17 91-15 info@strathmann-holz.de

www.strathmann-holz.de


Theorie und Praxis... Einstufung einer Balkonkonstruktion in Nutzungsklassen (NKL, nach DIN 1052) und Schutzklassen (SKL) nach den Fachregeln (oben). Auch die Art einer Abdeckung und die verwendete Holzart (Resistenzklasse) haben Einfluss auf die Zuordnung zu einer Schutzklasse. Keilgezinktes KVH und BSH dürfen ausschließlich in der SKL 1 verwendet werden, weil deren Einsatz in DIN 1052 auf die Nutzungsklasse 1 beschränkt ist. (Foto links: Technische Medien)

Klassen-Gesellschaft Die Fachregeln für Balkone und Terrassen Die Fachregeln des Zimmererhandwerks 02: Balkone und Terrassen bilden den aktuellen Stand der Technik ab. Sie wurden von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister erarbeitet. Wer hiernach plant und ausführt, vermeidet Bauschäden und Mängelansprüche. Die Fachregeln fokussieren das bewährte Prinzip „konstruktiver vor chemischen Holzschutz“, wie auch andere relevante Normen im Umfeld des Holzbaus, insbesondere die DIN 68800. Nutzungsklassen und Schutzklassen Balkone sind entsprechend den Landesbauordnungen genehmigungspflichtige, Terrassen genehmigungsfreie Bauteile. Balkone und aufgeständerte Terrassen sind als tragende Konstruktionen normkonform nach DIN 1052/EC 5 zu bemessen. Somit ist eine Einteilung der Konstruktion in Nutzungsklassen (NKL) erforderlich (s. Tabelle1). Zusätzlich geben die Fachregeln vier Schutzklassen (SKL) vor, die Holz nach wei­teren Kriterien einordnen. In Abhängigkeit dieser Schutzklassen lassen sich An­for­der­un­gen an die Konstruktion und an den Holzschutz der Bauteile und Anschlüsse definieren. Bei der Zu­ordnung der Schutzklassen sind Schutzmaßnahmen wie z. B. Überdachungen, Abschirmungen oder Abdeckungen sowie die Wetter­ exposition (geschützte Lage, Hauptwetterrichtung) und die Resis­tenzklasse der verwendeten Holzarten zu beachten. Zuordnung

Beispiel

SKL 1

geschützte Bauteile

Bauteile unter Vordach oder ausreichendem Dachüberstand

SKL 2

ungeschützte, abgedeckte Bauteile

überdeckte Bauteile

SKL 3

ungeschützte, nicht abgedeckte B.

frei bewitterte Bauteile

SKL 4

ungeschützte Verschleißbauteile

Regelmäßig zu erneuernde Bauteile, bspw. im erdnahen Bereich, nicht abgedeckte Handläufe, ...

Sind dem Bauteil unterschiedliche Schutzklassen zugeordnet, gilt die höchste für das ganze Bauteil. Gemäß den Fachregeln sollen alle Bauteile möglichst so ausgebildet werden, dass sie von der Außenluft umspült werden und somit schnell abtrocknen können. Vor allem für tragende Bauteile und Anschlüsse empfiehlt sich eine Ausführung, die eine Einstufung in die Schutzklasse SKL 1 oder SKL 2 möglich macht. Abdeckungen Je nach Lage eines Bauteils und verwendeter Resistenzklasse kann es notwendig sein, Abdeckungen anzuordnen, um die SKL 2 zu erreichen. Dies trifft in der Regel für horizontale (nach Fachregel nicht geschützte) Bauteile zu. Eventuell können aber auch geneigte oder sogar senkrechte Holzoberflächen von dieser Maßnahme betroffen sein. Materialien, die für Abdeckungen geeignet sind, können aus Metall (beispielsweise Zink- oder Kupferblech) sein, aber auch Kunststoffbahnen oder bituminöse Abdichtungen sind hierfür geeignet. Sollen Abdeckbleche auf Holz angeordnet werden, ist dazwischen eine Trennlage erforderlich. Detailpunkte Kann das Wasser an senkrechten Bauteilen in Faserrichtung ungehindert ablaufen, dürfen sie der SKL 2 zugeordnet werden und gelten damit zunächst als „ungeschützte, abgedeckte Bauteile“. Das setzt allerdings voraus, dass auch die zugehörigen Anschlussdetails entsprechend ausgeführt werden. Kritische Details sind bspw.: ►Anschlüsse von Stützen/Pfosten an Stützenfüße oder Pfostenträger ►Vertikale Anschlüsse von Holzbauteilen (bspw. Zangen oder Riegel) an Stützen und Pfosten ►Die Verbindungen von Haupt- und Nebenträgern ►Horizontale Anschlüsse von Trägern

Tabelle 1: Zuordnung von Bauteilen zu Schutzklassen gem. Fachregel 02


Abstände der Hirnholzflächen von Stützen mit Stützenfüßen zum Boden (laut Fachregeln für Balkone und Terrassen). Dadurch wird der erforderliche Spritzwasserabstand von 30 cm eingehalten. Soll bspw. aus optischen Gründen ein kleinerer Abstand ausgeführt werden, wird nur noch die SKL 3 erreicht. Dann empfiehlt sich die Verwendung von Douglasie oder Lärche, bei der auf Holschutz nach DIN 68800 verzichtet werden kann.

Stoßausführung von Balken und Trägern in der SKL 3 nach den Vorgaben der Fachregel. Kraftschlüssige Verbindung durch sog. Distanzdübel und Einhalten der Mindestabstände zwischen den Hölzern sowie unerlegte Blechabdeckung und versenkte Schraubenköpfe. (Bild: NOWA+, Fa. Hubert Nowack)

Baulicher Holzschutz Planungs- und Montagegrundsätze der Fachregeln Stützenfüße Um Stützenfüße der SKL 2 zuzuordnen, ist ein Abstand der unteren Stirnholzfläche zur Oberkante Fußboden von mind. 300 mm erforderlich. Konstruktiver Holzschutz bei Stützenfüßen bedeutet unter anderem: ►Stahlteile möglichst innerhalb des Holzes zu montieren ►Bohrungen für Befestigungsmittel, wie Schrauben oder Stabdübel, nach Möglichkeit an der wetterabgewandten Seite anzubringen und, wenn möglich (Stabdübel), nicht ganz durchzubohren. ►Stützenfüße mit Bodenplatten in das Holz einzulassen und mit Tropfkanten zu versehen. Stützen und Träger In der SKL 1 dürfen Haupt- und Nebenträger als Kontaktstoß unmittelbar miteinander verbunden werden. Gleiches gilt für die Montage von Hauptträgern direkt an einer Außenwand und die Verbindung höhengleicher Haupt- und/oder Nebenträgeranschlüsse. Um die „Luftumspülung“ bei ungeschützten Bauteilen sicherzustellen, sieht die Fachregel für die gleichen Anschlüsse in den Schutzklassen SKL 2 und 3 Mindestabstände zwischen Balken und Stützen von 6 mm vor. Die Ausführung der kraftschlüssigen Verbindung der auf Distanz zu montierenden Anschlüsse wird in der Fachregel nicht vorgegeben. Geeignet hierfür sind bspw. bauaufsichtlich zugelassene Distanzdübel (s. Foto).

Unterboden als tragendes Bauteil zu bemessen. Unterhalb des Belags ist eine wasserableitende Schicht mit einem Gefälle von ≥ 2 % anzuordnen. Die Abdichtung ist am Wandanschluss mind. 5 cm über die Oberkante des Belags hochzuführen. Da bereits der Unterboden statisch bemessen ist, braucht der Belag nicht mehr tragend dimensioniert zu werden. Die Abmessungen sollten dennoch so gewählt werden, dass sich Verformungen und Durchbiegungen in Grenzen halten. Auflagerabstand in cm Brettbreite in cm

50

60

80

100

120

150

Mindestdicke der Bretter in cm

10

3,0

3,2

3,7

4,2

4,6

5,1

12

2,7

3,0

3,4

3,8

4,2

4,7

14

2,5

2,7

3,2

3,5

3,9

4,3

16

2,3

2,6

3,0

3,3

3,6

4,0

18

2,2

2,4

2,8

3,1

3,4

3,8

20

2,1

2,3

2,6

3,0

3,2

3,6

Tabelle 2: Erforderliche Dicke der Bretter von Belägen gem. Fachregel 02

Beläge Für Terrassen und Balkone enthält die Fachregel eine An­wen­dungstabelle, in der die Min­ destdicken und -breiten von Brettern für Beläge in Abhängigkeit der Auflagerabstände angegeben sind (s. Tabelle 2). Diese Mindestwerte gelten für offene Konstruktionen mit tragenden Belägen und werden aus statischen Gründen empfohlen. Handwerker sollten aufgrund ihrer Erfahrung weitere Aspekte, bspw. Holzart und Brettdimensionen, hinsichtlich der zu erwartenden Verformungen unter Feuchteeinfluss mit einbeziehen. Balkone, die übereinander angeordnet sind, müssen als geschlossene Konstruktion mit Unterboden ausgeführt werden. In diesem Fall ist der

Die kompletten „Fachregeln des Zimmererhandwerks 02: Balkone und Terrassen“ sind über die Webseite der Fördergesellschaft Holzbau unter „www.fg-holzbau.de“ zu beziehen.


Foto: ter Hürne

Neue Arten in den Garten Polymer-Compounds aus Bambus, Holz und Reis Der Markt für Terrassendecks wächst kontinuierlich, ebenso der Anteil an WPC (Wood Polymer Composites, Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe). Rund 80 % der in Deutschland vertriebenen WPC-Dielen sind nach den Standards der Qualitätsgemeinschaft Holzwerkstoffe e. V., Gießen geprüft und tragen das Gütesiegel. Damit kann dem Verbraucher ein dauerhaft sicheres und zuverlässiges Produkt angeboten werden. Das Qualitätszeichen berücksichtigt neben bestimmten Materialeigenschaften auch die Produktherkunft. Für die eingearbeiteten Naturfasern darf ausschließlich Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft eingesetzt werden sowie frisch hergestellte Kunststoffe oder Reststoffe nach einem einmaligen Recycling. Die wichtigsten Prüfbestimmungen für WPC-Terrassendielen: Stabilität/Biegeeigenschaften - Punktuelle Mindestbelastbarkeit 340 Kilogramm. Damit halten die Terrassendielen im Alltag auch hohen Belastungen stand. - Max. Durchbiegung bei einem Druck von 500 Newton, (50 Kg): 1,8  Millimeter. Das verhindert die Bildung von Senken, in denen sich Wasser ansammeln kann. Witterungsbeständigkeit bei Temperaturschwankungen - Dauerbelastungen durch Gewicht und hohe Temperaturen werden ge­­tes­tet, um die Be­ständigkeit gegen Hitze und kontinuierliche Gewichtsbelastung, zum Beispiel durch abgestellte Gegenstände, sicherzustellen. -Stabilität der Terrassenbretter auch bei extremen Klimaschwankungen, Test des Verhaltens der Profile durch mehrfache Zyklen von Kaltwasserlagerung, Gefrieren und Trocknen. Formstabilität bei Feuchteeinwirkung - Lagerung für fünf Stunden in kochendem Wasser mit anschließendem Kaltwasserbad. Feuchtigkeitsaufnahme anschließend kleiner sieben Prozent im Mittel (dauerhafte Formbeständigkeit). Sicherheit/Rutschfestigkeit - Der Belag entspricht der Rutschklasse „sicher“ und ist auch bei Nässe und Regen gefahrlos begehbar.

Geprüfte WPC-Systeme bieten dem Kunden nahezu uneingeschränkte Gestaltungsvielfalt mit einem nachhaltigen Werkstoff und dem Handwerker ausgereifte Systeme mit Gewährleistungssicherheit.

Kurz vorgestellt: Terrassendecks aus Bambus und Reis BPC - Bamboo Polymer Composite Aktuell in Deutschland vertriebene Terrassendecks aus BPC bestehen bspw. zu 60 % aus Bambus, zu 30 % aus HDPE (High Density Poly Ethylen) und zu 10 % aus Additiven. RPC - Reis Polymer Composite RPC wird zu ca. 60 % aus Reishülsen, zu ca. 22 % aus Steinsalzen und zu etwa 18 % aus Mineralöl hergestellt. Reisschalen enthalten Cutine, wachshaltige Substanzen, die unter anderem Wasser abweisen. Terrassendielen aus BPC und RPC sind in hohem Maße UV-stabil und wetterfest. Sie sind wasserabweisend, weitgehend unempfindlich gegen Insektenfraß, Pilzbefall, Rissbildung und sehr farb- und formstabil. Das Material ist splitterfrei und damit angenehm barfuß zu begehen. Bearbeitung und Verlegung erfolgen mit denen für die Holzbearbeitung üblichen Werkzeugen.

Impressum: Herausgeber: HolzLand GmbH Deutsche Straße 5 44339 Dortmund

Redaktion: Technische Medien, Christian Meyer

Layout und Druck: HolzLand GmbH

Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung! Die Gültigkeit, Vollständigkeit und Richtigkeit der Aussagen ist eigenverantwortlich vom Anwender zu überprüfen. Für irrtümlich falsche Angaben wird keine Haftung übernommen.


73_IK_BalkoneTerrassen_Strathmann