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Nr. 116 Einbruchschutz für Fenster und Türen

Infokompakt

Einbruchschutz nach Norm DIN EN 1627 und DIN 18104

So bleiben ungebetene Besucher draußen

Risikobeurteilung mit Widerstandsklassen

Foto: Holzland / iStock

Gewährleistungssicheres Bauen

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Bei Neu- und Umbauten bieten geprüfte einbruchhemmende Türen und Fenster nach DIN EN 1627 einen guten Einbruchschutz, wenn sie mindestens der Widerstandsklasse RC 2 (früher WK 2) entsprechen. Optik und Sicherheit müssen dabei nicht im Widerspruch stehen. Fast alle Türen und Fenster gibt es mit einbruchhemmender Ausstattung, ohne dass die Ästhetik darunter leiden muss.

Foto: HolzLand / iStock

Einbruchschutz nach Norm Etwa alle 3-4 Minuten wird in Deutschland eingebrochen. Die Wirk­ sam­keit einbruchhemmender Maßnahmen hängt dabei in hohem Maße von der Qualität der verwendeten Produkte und der fachgerechten Montage ab. Die Beratungsstellen der Polizei empfehlen für einen guten Einbruchschutz im privaten Bereich Türen und Fenster der Widerstandsklassen RC 2 oder RC 3. Hauptangriffspunkte der Täter sind Eingangs- und Nebentüren, Terrassen­ türen und Fenster. Betrachtet man das Vorgehen der Einbrecher, so zeigt sich, dass rohe Gewalt die beliebteste und erfolgversprechendste Methode ist, um ans Ziel zu kommen. Den Riegel vorschieben Bei Neu- und Umbauten erhält man bereits durch den Einbau geprüfter einbruchhemmender Türen und Fenster nach DIN EN 1627 (mindestens Widerstandsklasse RC 2) einen guten Einbruchschutz. Bei richtig ausgewählten Bau­ele­men­ten und Systemkomponenten läuft die Zeit dann gegen den Ein­brecher. Orientierungskriterien für die Auswahl der Widerstandsklassen nach DIN EN 1627: „Türen, Fenster, Vorhangfassaden, Gitterelemente und Abschlüsse - Einbruchhemmung - Anforderungen und Klassifizierung“ sind der Tabelle auf Seite 4 zu entnehmen. Nachrüstprodukte Nachrüstprodukte für Fenster und Türen sind in den Teilen 1 und 2 der DIN 18104 hinsichtlich Anforderungen und Prüfverfahren geregelt (Teil 1: Aufschraubbare Nachrüstprodukte; Teil 2: Im Falz eingelassene Nachrüstprodukte für Fenster und Türen). Erfolgreich geprüfte Produkte werden nicht einer Widerstandsklasse zugeordnet, sondern erhalten eine grundsätzliche Eignung. Weitere Qualifikation Handwerker, die sich in dem Bereich Beratung, Herstellung und Mon­ tage ein­bruch­hemmender Fenster und Türen stärker po­sitio­nieren wollen, können anhand des „bundes­ein­heit­lichen Pflicht­enka­talogs für Errichter­unter­nehmen von mechanischen Sicherungs­ein­rich­tungen“

nachweisen, dass sie die erforderlichen formellen, personellen und fachlichen Voraussetzungen erfüllen, um in die Errichterlisten der polizeilichen Beratungsstellen aufgenommen zu werden. Die Eintragung in ein Vollhandwerk, wie bspw. Tischler / Schreiner ist dazu eine der Voraussetzungen, ebenso, wie die Teilnahme des Betriebsleiters an einer Grundschulung mit 4-jähriger Auffrischung. Gelistete Betriebe werden dann Ratsuchenden als qualifizierte Unternehmen benannt. Weitere Informationen erhalten Sie über die Webseite der Landeskriminalämter. Darüber hinaus gibt es weitere Qualifizierungsmöglichkeiten, bspw. als zertifizierter Fachbetrieb für mechanische Sicherungstechnik. Eine Zertifizierung ist durch das Institut für Fenstertechnik in Rosenheim (ift Rosenheim) möglich. Zertifizierte Unternehmen werden jährlich überwacht, die Überprüfung beinhaltet die Auftragsabwicklung, die Konzeption der Nachrüstung und die Umsetzung. HOLZLAND-TIPP

Auf die Formulierung achten! Aufpassen heißt es bei scheinbar besonders günstigen An­bie­tern von Bau­ele­menten oder ein­bruch­hemmenden Pro­dukten. Hier finden sich oft For­mu­lierungen wie „ ... in Anleh­nung an Sicher­ heitsklasse RC 2“. Dann ist Vorsicht geboten. Prüfen Sie, ob der Anbieter wirklich über die notwendigen Prüfzeugnisse /-nachweise für das Gesamt­ele­ment verfügt. Es gibt Anbieter, die ihre Produkte mit eigenen Be­zeich­nun­ gen versehen, die sich dann aber lediglich auf Teilas­pekte, bspw. die Be­schläge oder den Auf­hebel­schutz beziehen und wichtige Kom­ponen­ten im Zusammenhang mit der „Ein­bruch­hemmung“, wie beispielsweise eine angriffhemmende Verglasung oder die fachgerechte Montage, außer Acht lassen. Nach DIN geprüfte Produkte beziehen sich immer auf das komplette Bauelement. DIN-geprüfte einbruchhemmende Bauelemente und Nach­rüst­ pro­dukte zum Ein­bruch­schutz erhalten Sie bei Ihrem HolzLandFachhandelspartner – kompetente Beratung inklusive.


Aufbau einer Tür mit Sicherheitsausrüstung zum Einbruchschutz (Beispiel)

13.

Beschläge 1. PZ-Schloss – verschiedene Sicherheitsschlösser (je nach Ausführung) 2. Bodendichtung – zum Schutz gegen Luftzug und Schall 3. Bänder – verschiedene Sicherheitsbänder je nach Ausführung 4. Türdrücker – Schutzbeschläge nach DIN 18257 5. Schließblech – verstärkte Sicherheitsschließbleche 6. Profilzylinder – nach DIN 18252 7. Kennzeichnungsschild – im Falz auf der Bandseite

3.

12.

5. 7.

4.

1. 6.

Sonstiges - Prüfzeugnisse / Zulassungen nur in Verbindung mit der dazugehörigen Zarge - Einbau nur in zugelassene Wände - Bei Einbruchschutz ist nur die Schließseite der Tür als Angriffsseite zugelassen

11.

10.

Türblattaufbau / Zargenaufbau 1. Rahmenholz – z. B. Hartholz 2. Stabilisator – z. B. Hartholz oder Multiplex 3. Mittellage – Vollspanplatte oder Spezial-Innenlage 4. Deckplatte – HDF (optional Alu-Klimadeck für Klimaklasse III) 5. Oberfläche – z. B. CPL, HPL, Dekor, Furnier, Lack 6. Zarge – z. B. Türfutter, Blendrahmen, Blockrahmen, Stahlzarge

8.

9. 2.

Grafik: PRUEM

Einbruchschutz – so bleiben unerwünschte Besucher draußen Wichtig bei der Sicherung ist immer die Betrachtung des Gesamt­ systems, also des Elements und der Wand, in die es montiert wird. Eine Kette ist immer nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Die Montage muss grundsätzlich immer exakt nach den Her­steller­vor­ga­ ben erfolgen, ansonsten wird das Prüfzeugnis ungültig. Die fachgerechte Montage von DIN-geprüften Türen oder Fenstern ist durch das ausführende Unternehmen in einer Montagebescheinigung zu bestätigen.

Daran scheitern Einbrecher …

Nachrüstprodukte nach DIN 18104-1 bestehen in ihrer einfachsten Form aus Aufschraubsicherungen, wie Zusatzschlössern, Stangen­ver­schlüssen oder Querriegelverschlüssen. Nachrüstprodukte nach DIN 18104-2 sehen den Austausch der im Falz integrierten bestehenden Beschläge gegen einbruchhemmende Aus­führ­ungen vor. Zu prüfen ist vorab, ob dies im Einzelfall möglich ist. Nicht alle (vor allem nicht ältere Fenster) bieten diese Möglichkeit.

Auf den Punkt gebracht: Wissen Ihre Kunden, dass ... ... der größte Teil aufgebrochener Türen mit einfachsten Werk­zeu­ gen wie bspw. Schraubendreher, Hammer, Stemmeisen oder Kuhfuß „geknackt“ werden?

17,43

24,51

%

11,17

Konstruktive Grundlagen Nachrüstprodukte nach DIN 18104 sind geeignet, um den Wider­stand von Türen und Fenstern gegen Einbruch soweit zu erhöhen, dass ein Angriff mit einfachen Werkzeugen deutlich erschwert wird.

21,51 25,38

Sicherungen an/in Türen, wie Kasten-/Querriegelschloss, Sicherheitsschließblech, Schutzbeschläge, Mehrpunktverriegelung Sicherungen an/in Fenstern/Fenstertüren, aufgesetzte Zusatzsicherungen (DIN 18104-2) Sicherungen an/in Fenstern/Fenstertüren, wie Rolladensicherung, Pilzkopfverriegelung (DIN 18104-2) Sonstige Sicherungsmaßnahmen an/in Fenstern/Fenstertüren Sonstige Maßnahmen (Einbruchmeldeanlagen, Hund, ...)

... Türen und Fenster, die einer Attacke länger als 3-5 Minuten stand­halten, für Einbrecher in der Regel wegen der steigenden Entdeckungs­gefahr uninteressant sind? ... unverzichtbare Basis eines jeden Einbruchschutzes deshalb die mecha­nische Grundsicherung ist? Sie setzt den Angreifern massiven Widerstand entgegen und sorgt für eine hohe Zeitverzögerung. ... elektronische Sicherungen und automatische Schließsysteme eine gute Ergänzung sind, die Grundsicherung aber nicht ersetzen können? ... geprüfte einbruchhemmende Wohnungs- und Eingangstüren nach DIN EN 1627, mit der Widerstandsklasse RC 2 oder höher guten Einbruchschutz für Neu- und Umbauten bieten (polizeilich empfohlen)? Datenbasis: ift / Kölner Studie, Chart: Technische Medien


Orientierungskriterien für die Auswahl der Widerstandsklassen Einsatzbereich Gewerbeobjekte, öffentliche Objekte

Wohngebäude, Wohnungen 4)

normale Gefährdung

hohe Gefährdung

Widerstandsklasse

Tätertyp, Täterverhalten

RC 1 N

Bauteile mit Grundschutz gegen Aufbruch mit körperl. Gewalt, wie Gegentreten /-springen, Schulterwurf, Hochschieben, Herausreißen (vorwiegend Vandalismus). Nur geringer Schutz gegen den Einsatz von Hebelwerkzeugen.

Ist Einbruchhemmung gefordert, wird Widerstandsklasse RC 1N nur für Bauteile empfohlen, die nicht direkt (ebenerdig) zugänglich sind. durchschnittliches Risiko 1)

durchschnittliches Risiko 1)

durchschnittliches Risiko

durchschnittliches Risiko

RC 2

hohes Risiko 3)

hohes Risiko 3)

RC 3

geringes Risiko

RC 2 N

Gelegenheitstäter, Einsatz einfacher Werkzeuge (Schraubendreher, Zangen, Keile). Täter setzt zusätzlich zweiten Schraubendreher und Kuhfuß ein.

geringes Risiko

RC 4 2)

Erfahrener Täter, setzt zusätzlich Säge- und Schlagwerkzeuge (Axt, Stemmeisen, Hammer, Meißel) sowie Akkubohrer ein.

durchschnittliches Risiko

RC 5 2)

Erfahrener Täter, setzt zusätzlich Elektrowerkzeuge (Bohrmaschinen, Stich- oder Säbelsägen, Winkelschleifer) ein.

hohes Risiko 3)

RC 6 2)

Erfahrener Täter, setzt zusätzlich leistungsfähige Elektrowerkzeuge (Bohrmaschinen, Stich- oder Säbelsägen, Winkelschleifer) ein.

1. Ist Einbruchhemmung gefordert, wird RC 2N nur für Bauteile empfohlen, bei denen ein Angriff auf eingesetzte Verglasung nicht zu erwarten ist. 2. Bei Einsatz in Flucht- und Rettungswegen erschwerten Werkzeugeinsatz der Feuerwehr berücksichtigen. 3. Zusätzlich sollten geprüfte / zertifizierte Einbruchmeldeanlagen eingesetzt werden. 4. Risikoeinschätzung nach Lage, Nutzung und Sachwertinhalt, ggf. Beratung durch die örtliche Polizei.

Risikobeurteilung

HOLZLAND-TIPP

Viele Verbraucher wiegen sich mit abschließbaren Fenster- / ­Fenster­tür­griffen in trügerischer Sicherheit. Ohne zusätzliche ein­bruch­ hemmen­de Fensterbeschläge bieten diese allein aber keinen Schutz gegen Aufhebeln. Um den Einbruchschutz komplett zu machen, empfiehlt die Norm, über den Beschlagwechsel hinaus, auch andere mögliche Schwach­stellen zu begutachten und ggf. zu beheben, bspw.: *)  Den Einsatz einer durchwurfhemmenden Verglasung nach DIN EN 356.  Die Absicherung der Glasanbindung durch Verschraubung oder Verklebung der Glashalteleisten.  Die Einbindung einer druckfesten Hinterfütterung zwischen Ver­gla­sung und Glasfalzgrund im Bereich der Verriegelungspunkte.  Die Verstärkung der Mauerwerksbefestigung. Die Sicherungskette Egal ob beim Nachrüsten oder beim Neueinbau: Die sog. Siche­rungs­ kette sollte immer geschlossen sein. Sie steht symbolisch für die Be­trach­tung des ein­bruch­hemmenden Gesamtsystems und um­fasst: - Schlösser - Schutzbeschläge - Schließbleche - Bandseitensicherung - Türblätter /-füllungen - Glas - Rahmen - Beschläge - Befestigung - und umgebendes Mauerwerk *) Informationen des ift Rosenheim Hagendorf + Sielmann Hamburg GmbH

KfW bietet neue Förderungen zum Einbruchschutz Helfen Sie Ihren Kunden Geld zu sparen: Die KfW-Bank hat ihr Förder­programm „Alters­gerechtes Um­bauen“ erweitert. Ab sofort bietet sie privaten Haus-und Wohnungs­eigentümern sowie Mietern In­ves­ti­tions­kosten-Zuschüsse von mind. 200 € bis max. 1.500 €. Gefördert werden u. a.:  Der Einbau neuer einbruchhemmender Haus- und Wohnungs­türen.  Der Einbau einbruchhemmender Gitter und Rolläden sowie der Ein­bau von Nach­rüstsystemen für Fenster, Balkon- und Terrassentüren (z. B. Fensterstangenschlösser, Band­seiten­ sicherungen). Bei allen Maßnahmen sind sowohl Materialkosten als auch Hand­wer­kerleistungen förderfähig. Die Antragsstellung muss vor der Ausführung beginnen. Die Maßnahmen müssen durch ein Fachunternehmen des Handwerks ausgeführt werden. Mehr Infos und Antragstellung unter www.kfw.de, dort in das Suchen-Feld „Einbruchschutz“ eingeben. Impressum: Herausgeber: HolzLand GmbH Deutsche Straße 5 44339 Dortmund

Redaktion: Technische Medien, Christian Meyer

Layout und Druck: HolzLand GmbH

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www.hagendorf-sielmann.de

www.klatt.de

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