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Fügetechnik Montagekleber

Klebstofftechnologie

Unzertrennlich

Aber sicher!

Von allen Fügetechniken hat sich das Kleben in den letzten Jahrzehnten am schnellsten weiterentwickelt. Handwerker setzen heute sowohl auf der Baustelle, als auch in der Werkstatt Klebstoffe ein. Um Holz und andere Werkstoffe zu verkleben, müssen bei der Verarbeitung einige Einflussfaktoren berücksichtigt werden.

Montagekleber werden für verschiedene Anwendungs- und Einsatzszenarien im Baubereich entwickelt und optimiert. Abhängig von den situationsbezogenen Anforderungen, haben sich im Wesentlichen drei unterschiedliche Klebstofftechnologien für Montagekleber etabliert.

Durch die Auswahl der richtigen Klebesysteme lassen sich heute alle Parkettarten und Untergründe dauerhaft sicher miteinander verbinden. Wie auch bei den mechanischen Verbindungen und Befestigungen gibt es einige Grundlagen zu beachten.

HolzLand Derks Josef Derks GmbH & Co. KG Feldstr. 64 47623 Kevelaer Tel. 0 28 32/93 16 - 0 Fax 0 28 32/93 16 - 99 info@holz-derks.de

www.holz-derks.de


Begriff

Definition

Abbinden / Aushärten

Bezeichnet die Verfestigung des Klebstoffs durch physikalische und / oder chemische Prozesse.

Adhäsion

Beschreibt die natürliche Anziehungskraft zwischen zwei Stoffen durch Wechselwirkungen (gegenseitige Anziehungskräfte) auf molekularer Ebene.

Anfangsfestigkeit

Auch Anfangshaftung oder Tack genannt. Die Kraft, die ein Klebstoff bei seinem ersten Kontakt mit der zu verklebenden Oberfläche aufbaut.

Ablüftezeit

Ablüftezeit ist die Zeit, die nach dem Auftragen des Klebstoffs gewartet werden muss, bis die Fügeteile zusammengelegt werden können. Statt Ablüftezeit wird manchmal auch der Begriff Trockenzeit verwendet.

Beschreibt die Zeit, zwischen dem Auftragen des Klebstoffs und dem Erreichen Aushärtungszeit seiner Endfestigkeit. Kann abhängig vom Klebstoff und den Umgebungsbedingungen bis zu mehreren Tagen dauern. Endfestigkeit

Die Endfestigkeit ist erreicht, wenn der Klebstoff seine maximale Klebkraft bzw. Haftung erreicht hat.

Hautbildezeit

Die Zeit bis zur Hautbildung an der Oberfläche feuchtvernetzender Klebstoffe. Bei Montageklebern ist nach der Hautbildung keine optimale Verklebung mehr möglich.

Kohäsion

Die Bindungskräfte zwischen Atomen sowie zwischen Molekülen innerhalb eines Stoffes. Diese Kräfte sorgen für seinen Zusammenhalt.

Offene Zeit

Bei Klebstoffen die Zeit zwischen Materialauftrag und beginnender Hautbildung, innerhalb derer das Bauteil zur optimalen Verklebung gefügt werden muss.

Prinzip von Verklebungen: Das Verbinden zweier gleicher oder unterschiedlicher Materialien durch Kohäsion und Adhäsion. Der Klebstoff haftet an der Fügeteiloberfläche durch Wechselwirkungen (gegenseitige Anziehungskräfte) auf molekularer Ebene (rote Pfeile). Diese Haft-Kräfte (Adhäsion) sind umso größer, je näher sich die Oberflächen sind. Der Klebstoff sorgt dafür, dass die winzigen Rauigkeiten der Oberflächen ausgeglichen werden und der Abstand zwischen den Materialien verringert wird. Durch Kohäsion hält der verbindende Klebstoff zusammen (innere Verfestigung, blaue Pfeile). Bild: Henkel

Unzertrennlich Die Auswahl des richtigen Klebstoffs Nach DIN EN 923:2008-06 ist ein Klebstoff ein nichtmetallischer Werkstoff, der Fügeteile durch Flächenhaftung (Adhäsion) und innere Festigkeit (Kohäsion) verbinden kann. Abhängig von den situationsbezogenen Anforderungen haben sich im Wesentlichen drei unterschiedliche Klebstofftechnologien für Montagekleber etabliert: MS-Polymere, Dispersionsklebstoffe und PUR-Klebstoffe. MS-Polymere (Silanvernetzende Polymerklebstoffe) Andere Bezeichnung: Hybridklebstoffe. Sie härten chemisch aus. Feuchtigkeitshärtung, durch die Reaktion mit Luftfeuchtigkeit oder Feuchtigkeit aus dem Untergrund. Je nach Zusammensetzung können MS-Polymere auf die Anforderungen der Benutzer eingestellt werden, bspw. mehr als Kleber (höhere Verbindungskräfte) oder mehr als Dichtstoff (höhere Elastizität). Wichtige Eigenschaften für die Praxis sind: für die Verbindung von zwei nicht saugenden Oberflächen geeignet vielseitige Einsetzbarkeit, haftet auf einer Vielzahl von Substraten (Kombinationsverklebung unterschiedlicher Materialien möglich) geringer Pressdruck notwendig, korrigierbar in den ersten Minuten, hohe Anfangshaftung für den Innen- und Außeneinsatz geeignet spaltüberbrückend (bis ca. 20 mm) umweltfreundlich: Frei von Silikonen, Lösemitteln und Isocyanaten Dispersionsklebstoffe (Acryldispersionen) Dispersionsklebstoffe sind wasserbasierende Klebstoffe, das Bindemittel ist also in Wasser gelöst. Sie härten chemisch, unter Abgabe von Wasser aus. Es ergeben sich starre Klebeverbindungen, die ausgehärtet nur noch mechanisch lösbar sind. Dispersionsklebstoffe eignen sich ideal für spannungsreiche Befestigungen. benötigt mindestens eine saugende Klebefläche sehr hohe Anfangshaftung für Klebungen im Innenbereich, mit geringer thermischer Ausdehnung geeignet spaltüberbrückend (bis ca. 10 mm) im frischen Zustand leicht mit Wasser zu entfernen umweltfreundlich, überstreichbar

PUR-Klebestoffe Polyurethan-Klebstoffe (PUR) zählen zur Gruppe der Reaktionsklebstoffe und vernetzen chemisch: Unter der Aufnahme von Feuchtigkeit reagieren die Komponenten zu Polyurethan. Bei Montagekleber kann eine Feuchtigkeitsaufnahme aus dem Werkstoff als Voraussetzung notwendig sein. Bei der Verklebung nichtsaugender Werkstoffe oder sehr trockener Werkstoffe miteinander, kann es daher erforderlich sein, den Klebstoff mit Wasser zu bestäuben (benebeln), um eine vollständige Durchhärtung zu erreichen (Verarbeitungsinformationen beachten). sehr großes Einsatzspektrum Kombinationsverklebung unterschiedlicher Materialien möglich geringer Pressdruck notwendig, kurze Presszeiten korrigierbar in den ersten Minuten für den Innen- und Außeneinsatz geeignet Untergrund muss evtl. geprimert werden ideal für wasser- und temperaturbeanspruchte Verbindungen schleifbar und überstreichbar Welcher Klebstoff für welchen Montagefall? Montagekleber wurden für verschiedene Anwendungs- und Einsatzszenarien im Baubereich entwickelt und optimiert. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen auf der Baustelle von denen in der Werkstatt. Dies gilt insbesondere hinsichtlich kontrollierter Umgebungsbedingungen (gleichmäßige Temperatur / Luftfeuchtigkeit), den Fixier- und Lagesicherungsmöglichkeiten der Werkstoffe bis zum Aushärten, der Zugänglichkeit der Montageorte und der zur Verfügung stehenden Zeit, bis eine bestimmte Tragfähigkeit erreicht sein muss. Zu den wichtigsten Faktoren hinsichtlich der Kleberauswahl zählen die zu verbindenden Materialien (bzw. Materialkombinationen), die Saugfähigkeit der Untergründe, die Beanspruchung der Klebung nach dem Aushärten und ob es sich um eine Innen- oder Außenanwendung handelt. Der Klebstoff ist auf die Art, der zu erwartenden Belastung abzustimmen.


Beispiel Treppenrenovierung: Schnell, sauber und ohne Lärm. Hochfest aushärtende Montagekleber mit schall- und schwingungsdämpfenden Eigenschaften verkleben fast alle Materialien und Untergründe.

Klebstofftechnologie Vorteile und Anforderungen an Montagekleber Von allen Fügetechniken hat sich das Kleben in den letzten Jahrzehnten am schnellsten weiterentwickelt. Handwerker setzen heute sowohl auf der Baustelle, als auch in der Werkstatt Klebstoffe ein. Um Holz und andere Werkstoffe zu verkleben, müssen vor, während und nach der Verarbeitung einige Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Das Fügen von Möbelteilen, Furnieren, Bekanten, Verblenden, das Montieren von Abdeck-, Fuß- und Zierleisten, die Montage von Türzargen, das Befestigen und Kombinieren von Werkteilen und Platten im Materialmix aus Glas, Kunststoff, Naturstein, Metallen, Mineralwerkstoffen usw., zum Befestigen von Fensterbänken oder zur Renovierung von Treppen – das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten für den Allrounder Montagekleber ist groß. Viele Verbindungen, die früher mechanisch mit Nägeln, Stiften, Klammern oder Schrauben ausgeführt wurden, können heute vorteilhaft, schnell und sicher im Innen- und Außenbereich mit modernen Montageklebern hergestellt werden. Vorteilhaft dabei ist unter anderem: Klebeverbindungen sind nicht sichtbar, was unter optischen und ästhetischen Gesichtspunkten oft gewünscht wird. Mechanische Verbindungsmittel erlauben nur eine punktförmige  Kraftübertragung und Die zu verbindenden Teile müssen nicht gebohrt und somit nicht  geschwächt werden. An vielen Stellen ist eine mechanische Befestigung kritisch, bspw.  in Rand- und Eckbereichen von Untergründen (Mauerwerk, Beton) oder am zu befestigenden Werkstück selbst (Dimensionierung/Dicke nicht ausreichend. Der Montageuntergrund muss nicht beschädigt werden (keine Gefahr für Elektro- und Sanitärleitungen). Der Kleber kann weitere Aufgaben übernehmen, bspw. Abdichten,  Füllen, Reduzierung von Schallübertragung durch Entkopplung, Schwingungsdämpfung, sowie ein gewisses Maß an Elastizität in die Verbindung einbringen. Heute können – einen fachgerechtem Einsatz vorausgesetzt – nahezu alle Werkstoffe in beliebigen Kombinationen dauerhaft miteinander

verbunden werden. Für den Handwerker ist es wichtig, die verfügbaren Montageklebstoffe unterscheiden zu können und hinsichtlich ihrer speziellen Eigenschaften richtig einzusetzen. Wesentliche Anforderungen, die an Montagekleber gestellt werden sind: eine starke Anfangshaftung eine hohe Endfestigkeit eine einfache Handhabung Eine möglichst vielseitige Einsetzbarkeit auf verschiedenen Untergründen und Materialien. Neben Holz gehören auch Kunststoffe, Aluminium, Metalle, Edelstahl, Keramik und Glas heute selbstverständlich zum verarbeiteten Materialspektrum von Tischlern und Schreinern ggf. Elastizität (elastische Klebefugen können bspw. kurzfristige  Stoßbelastungen besser aufnehmen.) abhängig von der Belastungswirkung: Widerstand gegen mechanische Beanspruchungen - statisch: Schub-, Schäl-, Druck- oder Zugbeanspruchung - dynamisch: Schwingungen oder Schlagbeanspruchungen (während der Montage / des Abbindens und / oder während der vorgesehende Verwendung) Darüber hinaus unter bestimmten Umständen auch: thermische Beanspruchbarkeit: Temperaturhöhe und -dauer, ggf. schnelle Temperaturwechsel Beanspruchbarkeit bei Kontakt mit anderen Stoffen oder Einflüssen,  wie bspw. mit Reinigungsmitteln, unter Feuchtigkeitseinfluss, unter UV-Strahlung) Moderne Montageklebstoffe sind fast ausnahmslos synthetisch. Je nach der zu verklebenden Materialkombination stehen Klebstoffe mit unterschiedlichen Aushärteverfahren zur Wahl. Bei der Auswahl des richtigen Klebstoffs unterstützen Sie die HolzLand-Fachberater – sprechen Sie uns an!


Bei der Montage an senkrechten Flächen gilt: Ein punktförmiger Klebeauftrag sollte nur für leichte Objekte verwendet werden (Bild oben links). Ein strangförmiger Klebstoffauftrag hält deutlich größere Lasten in Position. Auf horizontale Kleberaupen sollte verzichtet werden. Dies gilt insbesondere im Außenbereich oder in Bereichen mit erhöhter Feuchtigkeit. Auf horizontalen Klebesträngen kann sich Feuchtigkeit bilden, die evtl. nicht oder nur schlecht abfließen kann. Horizontale, wellenförmige Klebestränge verschärfen die Problematik (Bild oben links). Sicher: Senkrechte Klebestränge (unten links) Bilder: Henkel

Aber sicher! Verarbeitungshinweise für Montagekleber Durch die Auswahl der richtige Klebesysteme lassen sich heutzutage fast alle Werkstoffe und Untergründe dauerhaft sicher miteinander verbinden. Wie auch bei den mechanischen Verbindungen und Befestigungen gibt es einige Grundlagen zu beachten. Für alle Montage-Klebstoffe gilt grundsätzlich: Die spezifischen Eigenschaften sind produktabhängig. Deshalb sind vor der Verarbeitung des Klebstoffs unbedingt die Verarbeitungsrichtlinien der Hersteller zu lesen. Bei Unklarheiten oder Fragen sollte der anwendungstechnische Service in Anspruch genommen werden. Beides erhalten Sie von Ihrem HolzLandFachhandelspartner oder beim Hersteller. Auf folgende Punkte ist vor, während und nach der Montage zu achten: Klebstoffauswahl entsprechend der Kombination der zu verklebenden  Materialien und Untergrundeigenschaften (saugend, nicht saugend usw.) treffen (s. Seite 3, Montagekleber: MS-Polymere, Dispersionsklebstoff oder PUR-Klebstoff). Haltbarkeit des Produkts überprüfen sachgerechte Lagerung sicherstellen Untere und obere Temperaturgrenzen für die Verarbeitung beachten.  (Je nach Klebesystem ist unterhalb von ca. 5°C (Hybrid- und PURMontageklebstoffe) und unterhalb von ca. 10°C (wasserbasierte Systeme) i. d. R. kein Kleben mehr möglich). Klebstoffe, Hilfsstoffe und Fügeteile akklimatisieren, damit diese ebenfalls der empfohlenen Verarbeitungstemperatur entsprechen. Auf Sauberkeit der zu verklebenden Flächen achten: - Ggf. sind die Klebeflächen bspw. durch Reinigen vorzubehandeln. - Allgemein gilt: Die Oberflächen müssen fest, tragfähig, staubfrei (auch ohne Rost), sauber und trocken sein. - Sie müssen insbesonders frei von Schmutz, Öl und Fett, Wachs und Silikon (auch frei von Silikonspray) sein. - Glatte Oberflächen (bspw. Metall) mit den vom Hersteller empfohlenen Haftreinigern vorbehandeln. Fixierung nicht zu früh, sondern erst bei Erreichen der Handfestigkeit lösen. (Handfestigkeit: Klebstoff ist noch nicht völlig ausgehärtet, aber bereits so fest, dass weiter gearbeitet werden darf, wenn die Klebung nicht stark belastet wird).

leberauftrag kann punktweise, strangweise oder mit Hilfe eines K Zahnspachtels (Leimkamm) erfolgen. Ein punktweiser Auftrag empfiehlt sich nur bei leichten Werkstücken oder geringer Belastung. Für die Befestigung schwerer und mittelschwerer Objekte sind strangförmige Kleberaupen zu empfehlen. Bei Montage an senkrechten Flächen Kleberaupen ebenfalls senkrecht aufbringen (Feuchteansammlung vermeiden, Hinterlüftung herstellen). Bei Montageklebern, die zum Aushärten Feuchtigkeit aus der Luft  benötigen, Kleberaupen so anbringen, dass ein Luftzutritt gewährleistet bleibt. Beim Auftrag mit einem Zahnspachtel auf durchgängige Luftkanäle achten. Zum Einhalten bestimmter Schichtdicken können Distanzstücke,  bspw. Zahnstocher oder ähnliches mit eingelegt werden. Beim Auftragen der Kleberaupen auf unebene Untergründen darauf  achten, dass der Kleber sich nicht in die Vertiefungen drückt und damit der Kontakt zur Gegen-Klebefläche verloren geht. An diesen Stellen ggf. durch höheren Klebstoffauftrag (höhere Klebstoffraupe) ausgleichen.

Auszüge dieser InfoKompakt-Ausgabe basieren auf Informationen aus dem Buch „Montageklebstoffe in der Praxis“ von Thomas Stotten und Martin Majolo, DRW-Verlag, ISBN-Nr.: 978-3871817854

Impressum: Herausgeber: HolzLand GmbH Deutsche Straße 5 44339 Dortmund

Redaktion: Technische Medien, Christian Meyer

Layout und Druck: HolzLand GmbH

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