Kölner Studierendenzeitung

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Ins Glück gebuddelt Versteckt und doch kein Geheimtipp mehr: Der Campusgarten der Uni Köln. Mehr als ein Jahr nach seiner Gründung besuchen viele Studenten die Fläche regelmäßig, um im Garten zu pflanzen und zu ernten. Wer steht hinter dem Projekt? Unsere Autorin Cristina Helberg hat sich auf die Suche gemacht.

Text von Cristina Helberg Fotos von Judith Gerten

Bewaffnet mit einer Harke und Gartenhandschuhen steht Helga Kursawe etwas unschlüssig vor einem großen Beet mit wild durcheinander wuchernden Kräutern:

Ziel“, sagt Wilmink. Im vergangenen Sommer ist das Gelände endlich auch unter den Anwohnern bekannt geworden.

hof Apfelbacher schenkte den Laiengärtnern zahlreiche Jungpflanzen. Neu ist die Idee des urbanen Gartens nicht. Alleine in Köln gibt es mehrere Gemeinschaftsgärten wie den Ehrenfelder Obsthain oder das offene Gartenprojekt „Pflanzstelle“ in Kalk. Aber der Campusgarten ist die erste von Studenten organisierte Einrichtung in Köln. Die 22-jährige Studentin, Carina Wassong, erklärt sich diesen Trend mit einem wachsenden Interesse für das bewusste Anpflanzen von Lebensmitteln. Wassong steht barfuß im hinteren Teil des Unigartens neben mehreren großen Pflanzen und buddelt mit bloßen Händen nach Gemüse.

„Wir bekommen immer mehr Anfragen von Menschen, die in der Umgebung wohnen", sagt der 22-Jährige und „Hilft das Unkraut jetzt oder schadet es den Pflanzen?", fragt sie. Es ist ihr erster Tag im Campusgarten der Uni befestigt am Eingang des Gartens Hinweisschilder, daKöln, in dessen Nähe sie wohnt. Neben ihr graben, rup- mit noch mehr Interessierte den Weg ins Grüne finden. fen und ernten an diesem sonnigen Nachmittag noch Anwohnerin Helga Kursawe hat ihre anfängliche Scheu ein halbes Dutzend andere Hobbygärtner im Unigarten. mittlerweile verloren und stochert mit ihrer Harke in „Projekte dieser Art gefallen mir generell. Und weil ich den Beeten herum. ganz in der Nähe wohne, bin ich heute einfach mal „Es ist ein cooles Gefühl einen Garten „Wer will die Riesengurke hier ernvorbei gekommen", erklärt mitten in Köln zu haben und dort sein Es- ten?", ruft sie und schnell haben sich Kursawe. Seit 2013 bewirt- sen anzupflanzen, aber hohe Ernte einzu- ein paar Leute um sie herum versam- „Man lernt Gemüse und Obst zu schätzen, wenn man melt. Gleich neben der großen Gurke sieht, wie es langsam wächst und man sich regelmäßig schaftet eine Gruppe von fahren ist nicht unser primäres Ziel.“ entdeckt Aaron die Überreste einer drum kümmern muss", sagt sie und beißt in eine frisch Studenten ein kleines Grünareal in der Nähe der Robert-Koch-Mensa, wenige Mi- Chilipflanze. w„Das waren wieder die Schnecken", geerntete Gurke, die sie gerade aus der Erde gefischt hat. nuten vom Hauptgebäude entfernt. Zwischen tristen sagt er. Knapp 600 Schnecken haben die Hobbygärt- Die Studentin kommt regelmäßig hierhin, um ein wenig Bürogebäuden versteckt haben sie dort eine kleine grü- ner bereits eingesammelt und woanders wieder aus- Abwechslung vom Unialltag zu bekommen. Vor ihrem ne Oase auf dem Gebiet der alten Botanik geschaffen. gesetzt. Die kleinen Tiere waren jedoch nicht die erste Engagement im Campusgarten hatte sie noch nie selbst etwas angebaut, wie die Mehrheit der Beteiligten. Umso Tomatenstauden biegen sich hier unter unzähligen Hürde. mehr ist ihr der erste Erntetag in Erinnerung geblieben: knallroten Früchten, daneben blühen prächtige Sonnenblumen. In der Mitte des Gartens liegen rund um Vor über einem Jahr sah es zunächst danach aus, als „Das Erste was ich geerntet habe, waren Zuckerschoten. eine Feuerstelle Überbleibsel des vergangenen Abends würde das Projekt scheitern, bevor es begonnen hat: Als ich damit gekocht habe, musste ich mir keine Gedanken darüber machen, wo es her– Spielzeug, Flaschen und verkohlte Holzscheite und Lange fand sich kein passendes Gelände auf einer kleinen zusammengebastelten Terrasse aus für die ambitionierten Studenten. Unter „Man lernt Gemüse und Obst zu kommt. Es ist ein gutes Gefühl Holzpaletten sonnen sich zwei Gärtnerinnen. Für Aa- der Bedingung alle Beete mobil zu gestal- schätzen, wenn man sieht, wie es zu wissen, dass mein Essen hier ron Wilmink, einen der Organisatoren des Projektes, ten, bot die Uni den Studenten dann doch langsam wächst und man sich re- regional und biologisch angeist mit dem Besuch von Anwohnern wie Helga Kursawe die jetzige Fläche zur Bearbeitung an. Ein gelmäßig drum kümmern muss" baut wurde.“ möglicher Umzug sollte so einfach wie ein wichtiges Ziel des urbanen Gartens erfüllt: Der Garten soll ein Ort der Begegnung von Studenten, möglich bleiben. Nach dem Startschuss musste auf Besonders gefreut hat sich die Hobbygärtnerin deshalb dem brachliegenden Gelände erstmal die Infrastruk- auch über eine neue Nachricht der Verwaltung: Die Uni Anwohnern und allen Interessierten sein. tur für den Garten geschaffen werden. Mit externer hat den Nutzungsvertrag für den Campusgarten verlän„Es ist ein cooles Gefühl einen Garten mitten in Köln Hilfe nahm der Großstadtgarten seitdem Gestalt an: gert. Um vier weitere Jahre. ◊ zu haben und dort sein Essen anzupflanzen, aber Aus dem Gemeinschaftsgarten Neuland in der Südhohe Ernte einzufahren ist nicht unser primäres stadt kam der nötige Sand für die Beete und der Bio-


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