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Vorhang auf, Spot an! Theater für Kinder gibt es in der Region Köln und Bonn auf vielen Bühnen. Doch wo stehen Kinder selbst im Rampenlicht?

eist bleiben sie passiv, bilden das Publikum und lassen sich unterhalten. Dabei schlummern in jedem Kind „riesige Möglichkeiten, wenn es angekickt wird“, sagt Theaterpädagoge Stephan Grösche aus Köln. Er unterstützt junge Schüler, sich selbst auf die Bühne zu wagen, ob in Theaterkursen an Offenen Ganztagesschulen oder eben am Theaterpädagogischen Zentrum (TPZ) in Köln. Theaterspiel aktiviert Kinder Dort hat Grösche auch das Talent von Fabian geweckt. Der Siebenjährige aus dem Stadtteil Rondorf besucht den fortlaufenden Kurs „Potzblitz“. Jeden Montagnachmittag freut er sich, zum Training der etwas anderen Art ins Belgische Viertel zu kommen. „Wir spielen nicht irgendwelche Märchen, sondern denken uns Geschichten aus“, erzählt Fabian. Erst wenn sich die Gruppe auf ein gemeinsames Thema und Handlungskonzept geeinigt hat, testet sie Inszenierungen auf der Bühne und übt sie schließlich mit allen Sinnen ein. Am Ende einer Spielperiode steht die Aufführung vor Publikum. Derzeit feilen die sieben- bis zehnjährigen Kinder im „Potzblitz“ für ihren nächsten Auftritt noch an Feinheiten in Mimik, Gestik, Lautstärke und Körperhaltung. Ihre Geschichte dreht sich diesmal um gruselige „Schleimgeister“. Fabian schlüpft dabei in die Rolle eines verängstigten Hundes. In der Szene danach hält er als Dozent einen geistreichen Vortrag über Gruselmonster. „Früher hatten die Kurse mehr Trainingscharakter, heute werden die Kinder stärker einbezogen“, erklärt Theaterpädagogin Elisa Rogmann. Sie gehört zur Leitung des Kinderund Jugendbereiches im TPZ und arbeitet als Assistentin in der Geschäftsstelle des gemeinnützigen Bundesverbandes Theaterpädagogik. Kinder könnten auf der Bühne viel lernen, meint sie. Das Theaterspiel ermögliche ihnen, „Alltagssituationen zu abstrahieren und sich ohne Bewertung mit Dingen vertraut zu machen“. Rogmann vergleicht die Lernsituation mit kindlichen Rollenspielen draußen auf dem Schulhof oder drinnen im Kinderzimmer. Allerdings kommt hinzu: In Theaterkursen oder -workshops erhalten die Kinder auf ihr Verhalten und ihre Außenwirkung unmittelbar eine Rückmeldung von einem ausgebildeten Theaterpädagogen. So ist Rogmann davon überzeugt, dass das Schauspieltraining in jungen Jahren enorm die soziale Kompetenz und zugleich die Persönlichkeit fördert, außerdem die Selbstverantwortung und das Selbstbewusstsein. Grösche, Fabians Schauspiellehrer, konkretisiert: „Das Theaterspiel aktiviert die Kinder. Es bietet ihnen eine Möglichkeit, sich auszuleben und ihrer Fantasie hinzugeben.“ Anders als

im Alltag dürften Kinder dabei „laut und auffällig sein, ohne dass sie eine Tablette zugeschoben bekommen“, erklärt Grösche. „Theater ist ein wunderbares Ventil.“ Davon kann auch Veronika erzählen. Die 16-Jährige ist Schülerpraktikantin beim TPZ und stand schon in frühen Jahren auf der Bühne: „Als Kind hat es einfach nur Spaß gemacht, aber je älter ich werde, desto mehr stelle ich zudem fest, dass man auf der Bühne alles drum herum vergessen kann.“ Durch das Theater habe sie „soziale Gerechtigkeit und Offenheit“ gelernt. Persönlichkeiten bilden Auch manche Schule macht sich die Bühne zueigen, um die Persönlichkeitsbildung der heranwachsenden Generation zu unterstützen. Beispielhaft ist das AlbertusMagnus-Gymnasium inEhrenfeld. In jeder Jahrgangsstufe gibt es dort eine TheaterMedien-Klasse. Neben dem regulären Schulunterricht erhalten diese Kinder und Jugendlichen eine fundierte Ausbildung im Bereich Theater/Medien von der fünften Klasse bis zum Abitur. Durch die Kooperation insbesondere mit dem „Comedia Theater“ stehen auf dem Lehrplan der Theater- und Medienschüler zusätzlich Körperarbeit, Improvisation, Rollenarbeit, Sprecherziehung, Dramaturgie, Tanz, Bühnenmusik, Bühnenbild, Bühnentechnik, Figurenspiel und Theatertheorie. Mit der Unterstützung von Profis erlernen die Schüler außerdem Kameraführung, Schnitt und andere medientechnische Fertigkeiten. Regelmäßig führen die Schwerpunktklassen ihre Darstellungen an Theaterabenden, Schulfesten oder Medientagen auf. Außerdem nehmen sie an Festivals im In- und Ausland teil. In Bonn finden junge Hobbyschauspieler ein breites Spektrum an Schauspiel- und Theaterkursen im Jungen Theater Bonn JTB. Die kulturelle Einrichtung im Stadtteil Beuel bietet Schnupperworkshops ebenso wie Intensivkurse und generationenübergreifende Theaterprojekte. Auch stehen Kurse beispielsweise mit dem Schwerpunkt der Stimmbildung auf dem Programm. Rundum: Alles, was einen guten Schauspieler ausmacht, können Kinder und auch Jugendliche dort von der Pike auf lernen. Auch die städtischen Jugendzentren in Bonn sind auf der Bühne aktiv und „machen immer wieder Angebote, die Theaterspielen beinhalten“, erklärt Christina Bertram-Mayer. Die Abteilungsleiterin im dortigen Jugendamt hält die Theaterbühne für ein pädagogisch wirksames Instrument. Denn: Das gemeinsame Schauspiel setze voraus, „sich in eine Gruppe einzufinden, kreative Ideen zu entwickeln und andere Personen in Gestik und Mimik wahrzunehmen“, erläutert sie. Auch in den Jugendzentren präsentieren die jungen Darsteller

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KÄNGURU Stadtmagazin für Familien in KölnBonn April 2013  

Unterwegs: Mobil in der Stadt / Reisen: Mit dem Rad / Theater: Spiel für Kinder / UNICEF: Andere Kinderwelten

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