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K3 Literaturpreis 2012 Beitrag 31 Codewort: "GehaeiProGoSche"

GOTT IST EIN SCHELM

Gott ist ein Schelm, das muss so sein, sonst fielen ihm nicht solche Scherze ein. Warum ich das einfach so sagen kann? Hey, der Typ erschien mir einst als Mann. Und die Story so begann ... Lange Zeit ist es schon her, in Euro bezahlt wiegt's nicht so schwer. Als ich mit mir - so ganz allein fühlte, da müsst' noch wer anders sein. Kurz abgetrocknet, das Handtuch zur Seite, sehe ich noch ein wenig verschwommen, die Brille noch nicht auf der Nase drauf, ist er plötzlich wie aus dem Nichts gekommen. "Mein Gott!" Hab ich mir da gedacht, der schaut verdutzt, doch er hat nicht gelacht. Ganz klar - er hat doch uns Menschen geschaffen, die Erde, die Pflanzen und selbst die Affen. Der Mann muss klug sein, kreativ und weise, sonst schickt' er uns nicht auf so eine Reise. Doch trotzdem steht er da und sagt kein Wort, wahrscheinlich irritiert ihn der Besprechungsort. Nun was soll's, es brennt schon auf meinen Lippen, die richtige Antwort, die würd' mich beglücken, wenn heraus ich bekäme, dass er es sei. Ich stell ein paar Fragen, ist ja nichts dabei. "Wie geht's Dir?" So frag ich und er tut es auch. Das gleiche gedacht... So kommt's aus meinem Bauch. Nun ja, denk ich, schön dass er das fragt, einer muss ja anfangen, gut dass er was sagt. Er wirkt mir recht zaghaft, Trotzdem sieht es aus, als wolle noch irgendwie mehr aus ihm raus. Schon wiederum zögert und wartet er mal, bis von mir zu hören der nächste Schwall. Ich bin ehrlich und bilde mir darauf nichts ein, und sag: „Manchmal fühle ich mich schon allein!“ Und wieder das Gleiche gesagt - wie ich. Der Meister der Schöpfung lässt mich nicht im Stich. 1 von 6


Er nimmt sich meiner Gefühle an. Der Typ ist echt alles - Frau und Mann. Anders kann es gar nicht sein. Sonst drückte er mir diese Buchtel nicht rein. Ach Gott! denk ich und fühl mit ihm. Wie kann so ein Adoniswesen fühlen wie ein einsamer Mensch? Für mich ist er immer allmächtig gewesen. Nun Allmacht bedeutet, dass man auch alles kann. Aha, das tut er gerade, der allmächtige Mann. Kommt auf meine Ebene, spricht tröstend in mein Herz, und lindert dadurch, meiner Gefühle Schmerz. Oh Himmel! Seine Erscheinung ist mächtig. Oh Gott! Dein Anblick ist so prächtig. Ob er um seine Schönheit weiß und was er hier in uns'rer Welt wenn er damit nach draußen ginge alles hätte angestellt? Die Frauen würden sich ihm vor die Füße schmeißen. And're würden ihm die Kleider vom Leibe reißen. Der Meister käme in jedes Frauenmagazin. Dem Aussehen nach kriegt er das locker hin. Wie hat der Mensch auf dieser Welt, den Meister sich oft vorgestellt. Mal ehrlich! Die Haare lang, mit dickem Bauch, ein alter Mann mit grauem Bart. Der Liebling aller Frauen ist's eher, der Gedanke ist schon hart. Weiters säß' er auf 'nem Thron, gleich einem Bass wär seine Stimme. Doch heut hör ich ihn wohl sonor, ich lag gar falsch - das ist das Schlimme. Weg mit dem Gedanken nun, weil ich weiß, dass er's auch weiß. Mit so einem Gedankengut, bekomm' ich sicher keinen Preis. Die Situation - ihm gegenüber, und das Gefühl - was soll ich machen veranlasst mich aus heiterem Himmel, plötzlich einfach loszulachen. Ich schau ihn an und er tut's auch. Vor Lachen halten wir uns'ren Bauch. 2 von 6


"Ha, ha - der Meister ist phänomenal," denk ich bei mir, "echt grenzgenial." Weiter geht's, und ich find's schön, ihm fröhlich in seine Augen zu sehen. Wie ich, hat er wieder das Gleiche gemacht, gemeinsam haben wir wieder gelacht.

So kommt mir und ich halt noch mein' Bauch, der Meister ist sicher ein Lustiger auch. Er ist ein Schelm, das merkt man prompt, drum frag ich ihn spontan, was kommt. „Bist du Gott!“ sag ich zu ihm, und selbiges trifft auch mein Ohr. Jetzt weiß ich's - er Gedanken liest, denn 's Gleiche sagt er mir auch vor. Auch Künstler ist er und auch Dichter, anders kann es gar nicht sein. Das Gleiche macht er so wie ich, und macht aus allem noch 'nen Reim. Ich denke mir, was er so kann, ist herrlich und wohl recht. Doch wenn ich's mir recht überleg, bin ich da auch nicht schlecht. Doch für 'nen Wettkampf hätt' den Mut ich ehrlich nicht besessen. Und ist wider den großen Meister, auch nicht angemessen. So denk ich mir was anderes aus versuche die Gedanken zu fassen, mal schauen ob er auch Spass versteht. Ich werd es grade laufen lassen. Ich sag: „ICH BIN GOTT!“ Und er sagt's auch - nun ernster im Gesicht. Die Miene dieses Mannes verrät, man ist sich selbst ein Wicht. Nun kommt ein Lächeln, Gott sei Dank, schön langsam wurde es schwül. Schwein gehabt, der Mann versteht Spass, nun bessert sich mein Gefühl. Wie solch ich's sagen - man sieht ihn nicht, doch hat er sicher einen Helm, den gut versteckt am Kopf er trägt, und drunter steckt ein Schelm. Wenn ich ihn so vor mir betrachte, kommt mir fast eine Träne aus. Ein tiefes Ehrgefühl befällt mich, Gott - bei mir - mit mir - zuhaus. 3 von 6


Und aus der Tiefe meiner Seele sag ich plötzlich was zu ihm, was ich noch nie zu einem Mann gesagt, ich fands trotzdem nicht schlimm. „ICH LIEBE DICH!“ und simultan, hat selbiges er auch getan. Ein Blitzgedanke wie eine Welle überkommt mich auf die Schnelle.

Was hat in mir dazu geführt, dass seine Wort' mich so berührt? Er ist so wunderschön und menschlich, die Zeit mit ihm, sie scheint unendlich. Bei dem Gedanken ist was dran, GOTT ist wahrhaft ein mächtiger Mann. Ich hab jetzt einen Punkt erreicht, ich muss es sagen, werd's einfach tun. Ich wünschte mir, er sagte 's Gleiche, nicht lang überlegen ich sage nun: „ICH BLEIB BEI DIR“, Er sagt's authentisch auch zu mir. Wow - das fährt nun mächtig ein, der Meister wird immer bei mir sein. Ich schließ die Augen, atme ein, was er zu mir gesagt. Er sprach - was tief in mir ich hoffte doch zu träumen nie gewagt. Plötzlich an der Eingangstüre meine Freundin - was mach ich bloß? Was, wenn sie mich nackt im Bade sieht mit Gott als Mann, dann ist was los. Ich wende meinen Blick nur ein kleines Stück, und da - Gott sei Dank, ist er weg - zum Glück. Ich schnappe mir mein Badetuch und leg's mir um die Hüfte. Versprech' mir selbst, dass dies Geheimnis, ich auch niemals lüfte. Lora kommt rein und sieht mich an, Sagt: "Welcher Adonis steht vor mir als Mann? Ist das bloß Wasser oder des Meisters Schweiß?“ Wird sie ihn bemerken? Mir wird schon ganz heiß. „Oh - Niemand ist göttlich." sagt Lora zu mir. Und schließt hinter sich, ganz sachte die Tür. Ich versuch mit Gewalt ihrem Blick zu entrinnen, 4 von 6


und fang an zu glauben, ich könnt' langsam spinnen. „Du Lora, pass auf. Wenn du dich auch kränkst. Es ist nicht ganz so, wie du jetzt wohl denkst.“ Sie meint jetzt, bei dem, was da vor ihr so steht, Kennt sie wohl genau, welches Spiel im Raum steht. Ich halt das nicht aus, weil ich's länger nicht kann, und beende die Lüge, mit: „Gott ist ein Mann.“ Was dann kam, das hätte ich niemals geahnt. Welch Worte sich aus ihrem Mund gebahnt.

„Ich weiß mein Schatz und er ist wunderschön, drum sagt' ich Adonis - denn ich kann ihn sehn.“ „Bei Männern ist er männlich“ - spontan muss sie lachen „und stark sind seine Nerven, um euer Licht zu entfachen. Bei uns da hat es Gott wohl leichter, zeigt sich als wunderschöne Frau, und sieht die göttliche Weisheit täglich, wenn ich in meinen Spiegel schau. Alsdann mein Schatz bist auch soweit, und für deinen eigenen Spiegel bereit? Der Gott in dir war wirklich stark, der musste hart durchs Rückenmark. Doch nun mein Schatz ist's Zeit zu schlafen. Gott und Göttin gehen zu Bett. Wir gehören jetzt zu den Braven, und machen uns den Abend nett.“

Nachwort: Da läuft doch etwas ziemlich heiß, da geht was ab, was ich nicht weiß. Jeden Tag sei er bei ihr, sagt Lora - und nun auch bei mir. So manches Wort mir widerhallt, ich krieg's schon irgendwann geschnallt. Wenn ich jetzt Lora vor mir seh, so fraulich, lieblich, schön und rein, denk ich für mich, das muss wohl stimmen, Gott kann Mann und Frau auch sein. Alles was ich heut erfahren, zeigt - der Typ ist wunderbar. Ich nehm mir raus für meine Wahrheit, Gott ist ein Schelm - das ist jetzt klar. 5 von 6


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