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Karla-Raveh-Gesamtschule meets Maccabim-Reut Highschool


Schulpartnerschaft zwischen Maccabim Reut Highschool, Israel und Karla-Raveh-Gesamtschule Lemgo Schüleraustausch Schuljahr 2008/2009 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Israel: Daniella Nicotra, Adi Green, Daniel Geller, Noa Hazan, Shaked Giladi, Rotem Dekel, Maya Porat, Noam Finestone, Nofar Honigman, Neta Yardeni, Eden Aviram, Dor Avidan, Shahar Schleifer, Yonatan Engler, Nir Avraham, Tal Avidan, Asaf Alon, Omer Mansour, Amit Levon, Omri Levi, Nina Hanina, Orit Hadash Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland: Thorben Korf, Moritz Krüger, Jannik Sohn, Sebastian Huxoll, Hannah Borgstedt, Anna Henneke, Anna Hofherr, Louisa Meier, Marleen Sondermann, Rico Meier, Lennard Ostrop, Alexander Ehlebracht, Victoria Arnlind, Sina Bajorat, Ann-Kristin Bobe, Caroline Kolberg, Jessica Lewecke, Gina-Marie Piepke, Linda Spieker, Stephanie Golüke, Stefan Selbach, Renate Zimmermann-Grob Unser besonderer Dank gilt - den Kolleginnen und Kollegen des Grabbe-Gymnasiums Detmold für Hilfe und Unterstützung beim Aufbau der Schulpartnerschaft - den Eltern unserer Schülerinnen und Schüler für ihr Vertrauen, ihre praktische Hilfe und ihre Gastfreundschaft Lemgo, im Juli 2009


Hand in Hand 10 Tage Hand in Hand Deutsch und israelisch 40 Jugendliche, die eine unvergessliche Zeit erlebten Eine Zeit voller neuer Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke Und nie wurde infrage gestellt, ob es Unterschiede gibt Wir sind alle gleich! Egal welche Hautfarbe, Religion oder Nationalität wir haben … Ein besonders prägendes Ereignis – Gleis 17 Eine Zeremonie, Kerzen, Gesang - Musik und eine Rede die wohl jeden von uns mitten ins Herz getroffen hat Tränen … Denn 60 Jahre früher und keiner dieser wundervollen Menschen hätte dort gestanden Deutsche und israelische Tränen mischten sich Lange Umarmungen Die Gewissheit neue Menschen - Freunde fürs Leben gefunden zu haben Und wir gehen … Hand in Hand Alle zusammen Im Herzen Für immer!

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Liebe Frau Raveh, durch Ihren Namen und Ihre persönliche Geschichte haben wir als Schüler Ihrer Schule eine besondere Beziehung zu Israel, Ihrer neuen Heimat. Durch diesen Austausch war es uns möglich, Menschen, die uns zuvor völlig fremd waren, kennen zu lernen. Eine so herzliche und emotionale Zeit zusammen mit Menschen, die zu guten Freunden wurden, wäre wohl zu Zeiten, in denen Hass und Rassismus herrschten, nicht möglich gewesen. Wir sind froh, dass Deutsche und Israelis zusammen in die Zukunft schauen und nicht nachtragend auf die Vergangenheit blicken können. Wir wollen nicht mit Hass in unseren Herzen leben, sondern uns um einen respektvollen, toleranten und liebevollen Umgang in aller Welt engagieren.

Thorben Korf Moritz Krüger Jannik Sohn Sebastian Huxoll Hannah Borgstedt Anna Henneke

Der Austausch hat uns gezeigt, dass Menschen, egal welcher Herkunft oder Weltanschauung, diesen Umgang möglich machen können. Wir gingen Hand in Hand durch die Vergangenheit, in der Hoffnung, dass unsere Liebe zueinander der erste Schritt auf dem Weg zum Frieden in der Welt ist.

Anna Hofherr Louisa Meier Marleen Sondermann Rico Meier

Wir möchten Sie mit diesem Büchlein an unseren Erinnerungen an dem ersten Schüleraustausch 2008/09 teilhaben lassen und hoffen, dass Sie sich dieser erfreuen und weiterhin mit Zuversicht in die Zukunft blicken.

Lennard Ostrop Alexander Ehlebracht Victoria Arnlind

In Erinnerung an unvergessliche Augenblicke

Sina Bajorat Ann-Kristin Bobe Caroline Kolberg Jessica Lewecke Gina-Marie Piepke Linda Spieker Stephanie Golüke Stefan Selbach Renate Zimmermann-Grob

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Erster Teil:

Deutschland 10.10.– 19.10.2008

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Hände können vielfältige symbolische Bedeutungen haben. Die Hand eines jedes Menschen ist einzigartig und weist spezielle Charakteristika der einzelnen Person auf. In ihr zeichnet sich das Leben eines Menschen ab. Ein Handabdruck, egal wo, hinterlässt Spuren, kann ein Zeichen setzen, eine Art Design oder eine Kopie sein. So hat jeder Abdruck typische, individuelle und charakteristische Merkmale. Hände sind für unser Leben von großer Bedeutung. Wir brauchen sie, um unser Leben angemessen gestalten zu können. Allein die Vorstellung, die Hände verletzungsbedingt nicht gebrauchen zu können, wäre ein Alptraum. Wir nehmen sie als Selbstverständliches hin, obwohl sie etwas sehr Wertvolles sind und wir von ihnen abhängig sind.

Die Hände brauchen wir in allen Lebenssituationen. Mit ihnen können wir Gefühle zeigen: Liebe und Zärtlichkeiten austauschen, aber auch Hass, Aggressionen und Gewalt ausüben. Hände können fühlen, streicheln sowie etwas anfassen. Mit ihnen können wir etwas tragen, nach Dingen greifen oder sogar in die Hände klatschen. Wir können Hände schütteln und uns gegenseitig mit ihnen helfen. Wir können unsere wertvollen Hände aber auch für Dinge missbrauchen: mit einer Faust können wir drohen, andere verletzen, indem wir mit ihr zu schlagen. Hände können sogar töten. Aber wir haben immer eine Wahl. Jeder kann selber entscheiden, was er mit seinen Händen machen will, wofür er sie gebrauchen will. Das ein »Hand an Hand« zu einem »Hand in Hand«, »Arm in Arm«, »durch Dick und Dünn« von Emotionen geladener »engen Freundschaft« in nur zehn Tagen werden würde, war uns zu diesem Zeitpunkt, als wir uns das erste Mal trafen, noch nicht bewusst.

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Karla-Raveh-Gesamtschule welcomes Maccabim-Reut Highschool Am 10. Oktober 2008 begann eine der schönsten, ereignisreichsten, emotionalsten und prägendsten Wochen unseres Lebens. Wir, eine Gruppe aus den Jahrgängen 11 und 12, sollten endlich die Menschen treffen, die wir bis dahin nur über das Internet kannten. Als wir den Bus dann endlich die Straße entlang fahren sahen, konnten sich alle 19 Schüler/innen nicht mehr halten und liefen zum Busbahnhof der Schule. Aus dem Bus stiegen unsere 20 strahlenden Austauschschüler und als wäre dies nicht unsere erste Begegnung, umarmten wir uns herzlich.

Danach gingen wir ins Forum, wo wir mit Hilfe unserer Eltern ein Kaffee- und Kuchenbüffet aufgebaut hatten. Als offizielle Begrüßung hielt unsere Schulleiterin Frau Sensenschmidt eine kurze Rede. Danach folgte eine ausführliche Ansprache von Rico und Linda aus dem 12. Jahrgang. Bei Kaffee und Kuchen konnten sich die Gastfamilien und Gastschüler schon etwas näher kennen lernen. Im Anschluss gestalteten alle Schüler zusammen ein Plakat mit Handabdrücken, unter dem Motto des Austauschs »Hand in Hand«. Zum Schluss entstanden noch die ersten Gruppenfotos. Gegen 16:00 Uhr war die Veranstaltung beendet und die Gastfamilien fuhren gemeinsam mit ihren neuen »Familienmitgliedern auf Zeit« nach Hause.

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Die Wewelsburg – eine unheimliche Begegnung Erkundung der Wewelsburg – die Kult- und Terrorstätte der SS

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Zuvor wusste ich nicht viel über die Geschichte der Wewelsburg. Ich hatte keine Vorstellungen, was mich erwarten würde. Ich wusste nur, dass die Wewelsburg ein Treffpunkt der SS war. Nun stand ich vor dieser Burg und schaute sie mir genau an. Sehr imposant und beeindruckend wirkte sie auf mich, dennoch machte sie mir Angst. Diese Burg verursachte bei mir ein Gefühl der Unbehaglichkeit und trotzdem war ich neugierig die Geschichte dieser Burg zu erfahren. Eine junge Studentin führte uns nun durch die Wewelsburg und deren Geschichte. Als erstes erzählte sie uns von den Anfängen und der ursprünglichen Nutzung der Burg und führte uns daraufhin den Weg entlang über eine Brücke. Der Wind fegte die Blätter durch die Luft und ließ die Burg für mich wirklich gruselig erscheinen. Die Studentin brachte uns in ein Zimmer, welches sehr alt war und eine hohe Decke hatte. Ich schaute mir dies und jenes an, las Anzeigetafeln durch und machte mir keine tiefgehenden Gedanken. Doch wie sich nachher herausstellte, hatte sogar der Bodenbelag, auf dem ich stand, eine Bedeutung. Auf diesem Boden sind Runen zu lesen. Zum einen das SS-Zeichen und ein Zeichen, welches Leben und Tod zugleich bedeutet. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde mir bewusst, wie wenig ich über den Nationalsozialismus wusste. Ich lernte viel über den Nationalsozialismus, aber zuvor war ich dem Thema nicht so nah wie an diesem Tage. Ich stand nun mitten in diesem Raum und machte mir bewusst, dass sogar ein Nazipärchen hier heiratete. Es schien mir einfach nur gruselig, was auch im nächsten Raum nicht aufhörte.

Der Obergruppenführersaal Wir gingen in diesen Saal und jeder ließ erstmal alles auf sich wirken. Wie der Raum zuvor war dieser Saal im ähnlichen Stil gehalten – groß, mächtig und imposant. Auch hier konnten wir in der Mitte des Saals Runen entdecken, die in eine Art Sonne eingearbeitet waren. Wir fragten die junge Studentin, was dieses Zeichen zu bedeuten hat, doch sie sagte uns, dass es nur Vermutungen über die Bedeutung dieses Zeichens gibt und erklärte uns, dass dieser Saal niemals genutzt wurde. Unter dem »Obergruppenführersaal« befand sich der Keller, welcher von KZ-Häftlingen weiter ausgebaut wurde. In der Nähe der Burg befand sich ein KZ, das als Arbeitslager diente und den Bau der Wewelsburg ermöglichte. Durch den SS-Grundsatz »Vernichtung durch Arbeit« starben 1285 Menschen im Arbeitslager. Durch einen Hintereingang gingen wir in den Keller, (»Gruft«) der die Räume zuvor in allem überragte. Eine runde Kuppel, in der es aussieht wie in einer großen Ritterrunde, breitete sich vor uns aus. Lichter brannten an der Außenwand und ließen die Kuppel sehr mystisch erscheinen. In der Mitte der Kuppel befindet sich eine Ausbuchtung, wo sich viele reinstellten und ihre Stimme durch die außergewöhnliche Akustik verstärkt hören konnten. Wenn man nach oben schaute, sah man ein verlängertes Hakenkreuz. Dieser Ausflug hat mich vieles gelehrt. Nicht nur die Geschichte der Wewelsburg, sondern auch die Präsenz des Nationalsozialismus, der bis heute noch besteht. Ich habe gelernt, mit diesem Thema sensibler umzugehen und wie wichtig Zivilcourage ist, gerade jetzt, wo viele Jugendliche in die rechte Szene abdriften. Durch die Anwesenheit der Israelis wurde mir klar, dass ich, wir alle, viel mehr mit der Geschichte zutun haben, als wir denken.

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Donnergrollen im Hochseilgarten Der 7. Tag des deutsch-israelischen Schüleraustauschs sollte ein ganz besonderer werden: »Grenzerfahrungen für jeden Einzelnen, zusammen mit einem(r) vertrauenswürdigen Partner(in), aber ohne auf den Spaß mit der gesamten Gruppe zu verzichten«. Das war die Idee, die hinter allem steckte. Es wurde ein sehr besonderer Tag, aber anders als wir alle es uns im Vorfeld gedacht hatten.

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Foto: micromoth

Man kann vieles, fast alles planen, aber es gibt Dinge, Gott sei Dank, die lassen sich nicht planen, und dazu gehört das Wetter. Es lagen 6 Tage guten und trockenen Herbstwetters hinter uns, wahrlich keine Selbstverständlichkeit in Lippe und erst Recht nicht Mitte Oktober. Tage in bester Stimmung, randvoll mit beeindruckenden Erlebnissen vielfältigster Art. Aber diese Stunden im Hochseilgarten sind für diejenigen, die sie dort oben am Hermann erlebt haben, bestimmt unvergesslich. Alles begann mit einer harmlosen Busfahrt nach der 6. Unterrichtsstunde an unserer Schule. Noch völlig beeindruckt von den nachhaltigen Unterrichtserlebnissen stiegen Anna, Bastian, Linda, Alexander & Co in den Bus und trafen in Detmold auf ihre israelischen Gäste. Gemeinsam mit ihnen fuhren sie die Serpentinen zum Hermannsdenkmal hinauf. Man ahnte es bereits in Lemgo, doch schon beim Ausstieg auf dem Parkplatz vor Lippes bekanntester Sehenswürdigkeit wurde es zur Gewissheit: Es regnete in Strömen. Der Busfahrer gab uns 7 Minuten für eine Entscheidung, denn dann musste er zurück nach Lemgo: Einsteigen und ab nach Detmold inklusive einer Schlossbesichtigung, dem Landesmuseum, Shoppen und was man sonst noch im Regen in der Metropole Lippes veranstalten kann, oder Hochseilgarten mit der Aussicht auf vollgelaufene Turnschuhe und durchnässte Pausenchips. Als Verantwortliche stellten wir die Gruppe vor die Wahl und ungefähr die Häfte entschied sich für den nassen Hochseilgarten. Es war eine gute Entscheidung, denn zwischenzeitlich lockerte die Bewölkung sogar soweit auf, dass einige »Herman the German« einen Besuch abstatteten und eine unglaublich klare Fernsicht von oben genossen.

Aber beginnen wir bei der Sicherheitseinweisung im Hochseilgarten: Nachdem das freundlich-konsequente Personal alle davon überzeugt hatte, dass es bei den herrschenden Temperaturen besser sei alle verfügbaren Kleidungsstücke anzuziehen (einige Israelis standen trotzdem im kurzärmeligen Hemd da) lernten wir den Gurt anzulegen, die Karabiner richtig einzuhängen und die Sicherheitskommandos anzuwenden: »Karabiner 1 (K1) ?« »Yes!« »K2?« »Yes!« oder auch »No!« und alles wieder von vorn. Nach ca. 1 Stunde Sicherheitsbelehrung und ersten Gehversuchen auf rutschig-nassen Seilen waren manche schon so weit durchgefroren, dass sie erst einmal einen kleinen Jogginglauf durchs Gelände unternahmen. Anschließend schraubte sich jedoch jeder in immer schwindelerregendere Höhen und meisterte die Parcours unterschiedlicher Schwierigkeitsgerade mit wachsender Begeisterung, bis, ja bis urplötzlich ein heftiges Donnergrollen zu vernehmen war und ein heftiges Gewitter genau über uns aufzog. Kurze, aber heftige Sturmböen stoben durch die Baumwipfel und lehrten so manchen von uns das Fürchten. Als Blitze hinzukamen zeigte das Fachpersonal sein Können. In Windeseile waren sie auf den Bäumen, präzise Kommandos hallten durch den Wald und im Nu waren alle Teilnehmer wieder am Boden. Im Sprint ging es in die Gaststätte am Hermannsdenkmal, die glücklicherweise geöffnet hatte. Aber die Energie und Begeisterung einiger Schüler und Schülerinnen war unglaublich: Kaum hatte sich der Sturm, der Regen und vor allem das Gewitter verzogen ging es nach einer kurzen Pause wieder zurück auf die Bäume. Und wenn die Dunkelheit nicht hereingebrochen wäre und das Kletterpersonal nicht endlich Feierabend hätte haben wollen, wären vermutlich einige noch heute in den Baumwipfeln des »Herman Forest«. Ein Mitkletterer, S. Selbach

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Stadtführung in Lemgo

Während der Stadtführung auf jüdischen Spuren durch Lemgo wurde an der Lemgoer Synagoge den Opfern des Holocaust gedacht. Es wurden Kerzen angezündet und Gebete in hebräischer Sprache vorgetragen. Dies war ein sehr ergreifender Moment für alle. Die sichtbare Betroffenheit der israelischen Schüler hat nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Mitfühlen angeregt.

Der Besuch des Frenkelhaus war für die israelischen Gäste etwas Besonderes, da sie drei Tage vor ihrer Abreise nach Deutschland Frau Raveh persönlich kennen lernen durften. Die Freude darüber, dass Frau Raveh eine anstrengende Fahrt auf sich genommen hat, um die israelischen Schüler, die »ihre Schule« und »ihre Schüler« in Deutschland besuchen wollen, war sehr groß. Die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer der Maccabim Reut Highschool waren von unserer Namensgeberin und Zeitzeugin sehr beeindruckt. Auf dem jüdischen Friedhof wurde dann zur Schere, Harke, Eimer etc. gegriffen, um die Gärtner bei der Grabpflege zu unterstützen. So wurde dort über eine Stunde hart gearbeitet. Abschließend wurde am Grab von Karla Ravehs Großvater, Louis Frenkel, der Verstorbenen gedacht.

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Highlight Berlin Zum Ende der Austauschwoche stand nun der finale Abschluss bevor: Der zweitägige Ausflug nach Berlin. Nach einer abschließenden Rede der Schulleiterin und einigen Abschiedsfotos, begann die letzte gemeinsame Aktion. Die etwa fünfstündige Fahrt wurde per Reisebus bestritten und auf dem Weg zu der Jugendherberge in Berlin wurden bereits mehrere Sehenswürdigkeiten besucht. Während der Fahrt war unser erstes Ziel die Besichtigung des Grenzüberganges Helmstedt-Marienborn, der einer der größten und bedeutendsten Grenzübergänge an der innerdeutschen Grenze war.

Von dort aus ging die Fahrt weiter Richtung Berlin. Neben dem Besuch am Olympiastadion in Berlin hielten wir an einer Gedenkstätte zur Judenverfolgung im dritten Reich auf und um den Bayrischen Platz. Es wurden dort Schilder mit Gesetzen des Naziregimes und dessen Inkraftsetzung gezeigt. Diese Schilder hängen an ganz normalen Laternen in der Umgebung des Platzes und wurden wahlweise mit passenden Bildern und Symbolen versehen.

Der nächste Stopp war in der Oranienburger Straße, wo wir uns die Synagoge angesehen haben. Von dort aus sind wir zu unserem Hostel gefahren. Nachdem wir eingecheckt hatten, die Zimmer verteilt und bezogen waren und wir uns für die Nacht eingerichtet hatten, ging es nach etwa zwei Stunden weiter im Programm. Es stand uns eine Sightseeing-Tour durch das Nachtleben von Berlin bevor. Angefangen mit dem etwa drei Minuten entfernten Hauptbahnhof, der an diesem Abend in verschiedene Farben gehüllt war und so besonders schön aussah. Weiter ging es zum Bundestag und von dort aus zum Brandenburger Tor, welches von Scheinwerfern in vielen Farben angestrahlt wurde. Am Sony Center angekommen, hatten wir Zeit zur freien Verfügung. Diese nutzte jeder unterschiedlich, einige machten sich auf die Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten, andere saßen gemütlich beim Essen. Der Abend endete mit der gemeinsamen Rückkehr zur Jugendherberge.

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Villa Wannsee

Nach einer anstrengenden Sightseeing-Tour durch Berlin kamen wir schließlich an der Villa am Wannsee an. Dort wurden wir von der Schönheit und der idyllischen Lage der Villa überwältigt. Alles wirkte friedlich und wir genossen den Blick auf den Wannsee. Wir konnten kaum glauben, dass sich in dieser pompösen Villa die Nazis feierlich getroffen haben, um bei Champagner und Kaviar die »Endlösung« zu finden. In dieser wunderschönen Villa schauten wir uns die Ausstellung zur »Wannseekonferenz« an und alle waren sehr ergriffen von den Berichten, Einzelschicksalen und Statements der Überlebenden, die dort ausgestellt waren. Es war ein unbeschreibliches Gefühl mit unseren jüdischen Freunden durch die Ausstellung zu gehen. Es kamen Gespräche auf, in denen wir über unsere Erfahrungen und Kenntnisse redeten und einfach beisammen saßen und den Gedanken freien Lauf ließen: »Was wäre, wenn wir selbst zu dieser Zeit gelebt hätten?«

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Gleis 17 Am Samstag, den 18.10.08 haben wir gegen Mittag das Gleis 17 in Berlin besucht. Vom Gleis 17 wurden viele Juden zur NS-Zeit in die verschiedenen Konzentrations- und Arbeitslager abtransportiert. Dieser Teil unserer gemeinsamen Reise durch / in Berlin war ein sehr emotionaler Punkt. Einige der Austauschschüler haben Verwandte wie z. B. Großeltern, die an dieser Stelle abtransportiert wurden. Einige haben die Zeit in den Konzentrationslagern überlebt, wieder einige aber auch nicht. Als wir aus dem Bus ausgestiegen waren und zum Gleis gingen, konnte man förmlich spüren, wie die Stimmung immer weiter sank. Am Gleis angekommen, war die Stimmung dem Nullpunkt schon sehr nah. Alle gingen an den Gleisen entlang und sahen sich die »Schilder« auf dem Boden an. Auf diesen »Schildern« war: – An erster Stelle das Datum, an denen die Menschen abtransportiert wurden. – An zweiter Stelle war die Anzahl der abtransportierten Juden. – Und an dritter Stelle war aufgeführt, von wo aus sie abtransportiert wurden und wohin. Auf den Gleisen lag eine jüdische Flagge, mit ein paar Rosen bestreut. Am einen Ende der Gleise, war eine Gedenktafel an einer Mauer angebracht mit der Inschrift: »Zum Gedenken an Zehntausende jüdischer Bürger Berlins, die vom Oktober 1941 bis Februar 1945 von hier aus durch die

Nazi-Henker in die Todeslager deportiert und ermordet wurden«. Bei dieser Gedenktafel war ebenfalls eine jüdische Flagge niedergelegt. Zudem waren auch 3 Kerzen bei dieser Flagge aufgestellt. Nach einiger Zeit haben wir uns dann alle versammelt. Wir haben uns in einem Kreis aufgestellt, um eine Gedenkfeier zu veranstalten. 4 israelische Schüler haben zwei jüdische Fahnen gehalten. In die Mitte des Kreises wurden 3 Kerzen in einer Art Dreieck gestellt. Dann begann die Zeremonie. Zu Beginn hat eine der Lehrerinnen ein paar Worte zu uns gesprochen. Dann wurden Lieder auf hebräisch gesungen, die von einer Gitarre begleitet wurden und ein Totengebet gesprochen. Während der ganzen Zeremonie, herrschte eine sehr bedrückende Stimmung. Dieses Ereignis war mit Abstand das emotionalste, was wir zusammen mit unseren Austauschschülern erlebt haben. Spätestens als die Übersetzung von der Austauschschülerin vorgetragen wurde, waren alle zumindest ein bisschen am Schniefen. Kaum einer hat an den Gleisen bei der Zeremonie nicht geweint. Unsere Lehrer haben zwar versucht uns auf diese Situation vorzubereiten, aber schlussendlich konnte man sich nicht darauf vorbereiten, denn auf so eine Situation kann man sich nur schlecht im Voraus einstellen. Was für Emotionen dort ausbrechen und was für starke Eindrücke auf einen einbrechen, ist einfach unbeschreiblich.

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Israelaustausch - Programm Am Freitag, den 10.10.08, kamen die israelischen Austauschschüler mit dem Bus um etwa 14:00 Uhr in Lemgo an. Wir haben gemeinsam in der Schule ein Kaffeetrinken gehabt, wobei wir auch eine Ansprache von Frau Sensenschmidt gehört haben. Am Abend hatten wir Zeit in den Familien, um uns (Austauschschüler und Familie) kennen zu lernen. Am Samstag, den 11.10.08 war am Morgen/Vormittag Zeit genug um auszuschlafen. Am Nachmittag haben wir uns ab 14:00 Uhr getroffen. Wir unternahmen dann eine Wanderung vom Walkenfeld zum Braker Schloss, mit Besichtigung und essen. Anschließend sind wir vom Schloss, in einer Wanderung um Lemgo herum, wieder in Richtung Walkenfeld gegangen. Dort hatten wir einen gemeinsamen Ausklang in der Walkenmühle bis etwa 18:00 Uhr, anschließend haben uns die Eltern dort abgeholt. Am Sonntag, den 12.10.08 hatten wir keine Unternehmungen mit der ganzen Gruppe geplant. Jede Gastfamilie konnte ein individuelles Programm mir den jeweiligen Austauschschülem veranstalten. Am Montag, den 13.10.08, hatten wir (Deutsche und Israelis) in der l. und 2. Stunde ganz normalen« Unterricht. In der 3. und 4. Stunde haben einige deutsche Schüler die israelischen Schüler durch die Schule geführt. Die anderen deutschen hatten Unterricht. Am Nachmittag hatten die israelischen Schüler einen Empfang beim Landrat mit einem Mittagessen. Um 14:30 Uhr starteten wir gemeinsam zu einer Lippetour, auf der wir unter anderem die Extemsteine besuchten. Den Abend haben wie dann im Strike (Bowlingcenter) in Detmold ausklingen lassen. Am Dienstag, den 14.10.08 hatten wir deutschen Schüler ganz normal Vormittagsunterricht. Die israelischen Schüler sind um 8:00 Uhr am Spiegelberg losgefahren und hatten um 9:00 Uhr eine Stadtführung auf jüdischen Spuren in Detmold. Um 13:15 Uhr wurden wir deutschen Schüler mit einem Bus an der Schule abgeholt, um ebenfalls nach Detmold gebracht zu werden.

Sonntag Abend An unserem freien Abend entschieden wir uns mit unseren Familien und Austauschschülerinnen Essen zu gehen. Den eigentlichen Plan, italienisch essen zu gehen, verwarfen wir und gingen zu einem Italiener in Lemgo. Dort konnten wir uns angeregt unterhalten und haben viel gelacht. Zufällig saß neben uns Daniel Stefan (bekannter Handballspieler aus Lemgo), der gerne bereit war, ein Foto mit uns zu machen. Dabei entstand dieses Foto. Insgesamt war dieser einer der lustigsten und unterhaltsamsten Abende. Wir hatten sehr viel Spaß und freuen uns jetzt schon sehr endlich nach Israel fahren zu dürfen!!! Es war ein bereicherndes, interkulturelles und wertvolles Erlebnis, welches wir nicht missen möchten. Wir können diesen Austausch nur weiterempfehlen und möchten andere dazu animieren die nächsten Jahre mitzumachen, damit die Verbindung zu Israel noch lange bestehen bleibt. Sina Bajorat

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Von 14:00-18:00 Uhr war eingeplant, dass wie in dem Kletterpark beim Hermannsdenkmal klettern können. Da es aber als wir angekommen waren wie aus Eimern geschüttet hat, sind nicht alle geklettert. Die, die nicht mit geklettert sind, sind mit Frau Golücke dann in das Museum in Detmold gegangen. Am Donnerstagabend hatten wir dann noch einmal Zeit in den Familien, unter anderem um uns zu verabschieden, da wir am Freitag, den 17.10.08 nach Berlin gefahren sind. Wir sind um 8:00 Uhr an der Schule abgefahren. Wir sind den ganzen Tag gefahren, hatten aber natürlich unterwegs auch einige Pausen. In der Jugendherberge in Berlin angekommen, haben wir erst die Zimmerverteilung gemacht, dann die Zimmer bezogen und anschließend sind wir in die Stadt gegangen, wo wir dann etwas essen gehen konnten. Am Samstag, den 18.10.08 haben wir um 10:00 Uhr das Haus der Wannseekonferenz besucht. Danach waren wir noch am Gleis 17, wo viele Juden abtransportiert worden sind. Dieser Teil der Reise war sehr emotional, da viele unserer Austauschschüler von diesem Schicksal persönlich betroffen sind, da teilweise ihre Großeltem dort abtransportiert wurden. Um das Stimmungstief wieder ein wenig zu heben, sind wir dann Schlittschuhlaufen gefahren, was die Stimmung dann auch Gott sei dank wieder angehoben hat. Nach dem Schlittschuhlaufen sind wir wieder zurück in die Jugendherberge gefahren, wo wir eine »Verabschiedungsfeier« hatten. Wir sind dann abends wieder zurück nach Lemgo gefahren, wo wir gegen 23:30 Uhr auch an der Schule angekommen sind. Die israelischen Austauschschüler sind noch eine weitere Nacht in Berlin geblieben und am Sonntag zurück nach Israel geflogen. Abschließend kann ich nur sagen, dass es eine sehr schöne Zeit war, wenn auch sehr anstrengend. Denn obwohl wir viel Freizeit außerhalb der Gruppe hatten, haben wir fast jeden Abend etwas zusammen, mit der Gruppe unternommen. Und zudem ging die Schule für uns ja auch noch ganz normal weiter. Ich freue mich schon sehr auf die Reise nach Israel.


DER SCHÜLERNAUSTAUSCH AUS DER SICHT VON ZWEI GASTFAMILIEN:

JUTTA SONDERMANN

ANDREA UND UWE MEIER

Eine schöne Erfahrung

Ein beeindruckender Besuch aus Maccabim Reut

Am Anfang diesen Jahres kristallisierte sich an der Schule heraus, dass es einen Austausch mit Schülern einer israelischen Schule geben würde. Marleen sagte ganz spontan, dass sie, was ja auch »wir« bedeutet, gerne an diesem Austausch teilnehmen würde. So klärten wir in einem Familiengespräch, ob wir es uns alle zutrauen würden eine fremde Person, die zudem auch nur Englisch spricht, bei uns aufzunehmen! Eindeutige Antwort: JA! Nach einigen Vorbereitungen zu Hause und in der Schule und vielen Mails war es dann am 10. Oktober 2008 endlich soweit ... die israelischen Schüler inklusive »unserer« lieben Rotem kamen in Lemgo an. Wir hatten Glück, denn Rotem war gar nicht schüchtern und verstand alles, so schlecht unser Eltern-Englisch auch sein mochte. Wir haben viel Spaß zusammen gehabt und viel über Rotem, ihre Familie und ihr Land erfahren! Das war eine tolle Erfahrung! Da unsere Austauschschülerin genauso unkompliziert und offen war, wie unsere beiden Töchter, war sie einfach wie ein drittes Kind in unserer Familie. So waren z.B. auch die Fahrten, die des öfteren gemacht werden mussten kein Thema. Als es nach einer viel zu kurzen Woche hieß, Abschied zu nehmen, waren wir alle sehr traurig. Wir alle hoffen sehr, dass Rotem noch mal zu uns kommt, denn die Zeit war durch das anstrengende Programm viel zu kurz! Wir hätten ihr gerne noch viel mehr von der Umgebung/Deutschland gezeigt, aber: aufgeschoben ist hoffentlich nicht aufgehoben! Es war eine ganz tolle Erfahrung und ich kann nur jeder Familie raten, die eine Möglichkeit sieht so einen Austausch zu machen, die Chance zu nutzen! Wir haben natürlich noch Kontakt zu Rotem und denken alle oft und gerne an den Austausch und die tolle Zeit zurück!

Wir haben eine sehr bereichernde Woche mit einem netten und sehr interessierten Jugendlichen aus Israel verbracht. Schon nach wenigen Stunden taute Jonathan immer mehr auf und versuchte sich auf unser alltägliches Leben einzustellen. Interessiert befragte er uns nach unseren Gewohnheiten. Dabei versuchten wir uns mit unseren teilweise schlechten Englisch-Kenntnissen zu verständigen. Aber Jonathan hörte uns geduldig und sehr freundlich zu. Wir wurden uns in dieser Woche immer vertrauter. Entsprechend mehr traute sich Jonathan auch von seinem Leben in Israel zu erzählen: Von seiner großen Familie, die ihm sehr viel bedeutet; von seiner geliebten Heimat, in der es ihm aber manches Mal zu heiß ist. Jonathan war für vieles zu begeistern, sei es die Sparrenburg in Bielefeld oder das italienische Essen in Lemgo. Besonders beeindruckt war er als junger jüdischer Mann von der neuen Synagoge in Bielefeld. Leider konnten wir diese aber am Sonntag nicht von Innen besichtigen. Schade, dass diese schöne Zeit viel zu schnell vorbeigegangen ist. Wir hätten uns gewünscht, dass wir mit Jonathan und unserem Sohn Rico etwas mehr gemeinsam hätten unternehmen können. Wir würden jederzeit wieder einen Austauschschüler aufnehmen und können das anderen Familien nur empfehlen. Dieser Austausch hat uns sehr viel Spaß gemacht und hat sich für alle sehr gelohnt. Jetzt freuen wir uns mit unserem Sohn Rico auf den Gegenbesuch in Israel im nächsten Jahr. Wir sind sicher, dass er von einer sehr warmherzigen Familie aufgenommen wird und er viel über ein ihm fremdes Land und seiner Kultur erfahren wird.

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DER SCHÜLERNAUSTAUSCH AUS DER SICHT ISRAELISCHER SCHÜLER/INNEN:

DOR AVIDAN

NOFAR HONIGMAN

A bond between us teenagers

Support and understanding

When I joined the delegation I didn’t really understand what it meant. I said »this could be fun« - that was what I was thinking at that time. Afterwards, during the delegation and after I came back to Israel, I realized it was more than that, I didn’t know that it would become one of the best experiences of my life. It wasn’t just meeting and getting to know other people from another culture, it was making a bond between us teenagers. I can’t wait for them to come to Israel.

It’s hard to sum up 10 days of life-changing experiences into a few words. It actually started 6 month before, after all of us came back from the journey to Poland. The journey was very meaningful, and everything we ever learned about the Holocaust got a whole new meaning. Shortly after that, we joined the exchange program with the KarlaRaveh school. We didn’t know what to expect. When we got to Germany, we found a group of 19 amazing kids, who welcomed us to their homes and their life in an amazing way. Everything we saw and did in those 10 days was so powerful because of the fact that we were doing it together - Israelis and Germans, Jews and Christians, despite and even because of our common history. Visiting the houses of the Jews who used to live in Germany, and also the places where the synagogues used to be, was very interesting, and it was heart-warming to see the efforts people in Germany are making in order to remember the lifes of the Jews before the Holocaust. When we came to the school to make presentations about Israel, all the kids were very interested and have had prepared questions, which made us feel welcome and made this experience in the classes deep and meaningful. The highlight was definitely the ceremony we did in Berlin. When we read and sang and stood there crying, trying to remember all the Jews that were sent from that station to their death, the Germans cried with us, hugged us, and expressed support and understanding. It was amazing standing there, at the place where Germans led the Jews to the trains, but now we stood there together - Jews and Germans hugged, and remembered the horrors of the Holocaust. I think I’ll never have such a meaningful experience again in my life. As we’ve already said then, the trip to Poland made us lift our heads up, this delegation made us turn our heads towards the future. I hope that with programs like that, our future together will look a lot different than our past.

NOAM FINESTONE

Journey through past and future We want to thank all of you for being willing to host us in Germany, to open the doors of your houses, your school and your town for us, for ten days. You made us feel wonderful, creating a fun, fascinating and enriching atmosphere. Thank you for sharing your spectacular views, and thanks for accompanying us during this meaningful journey through the past and into the future. We appreciate your participation in this experience and we know it was hard for some of you and for most of us to be confronted with our complicated history. Though I think together we succeeded in making new bonds between German and Israeli youths. We can’t wait for you to come here, and hope you will have an awesome time, at least like we had in Germany. Love you all.

OMRI LEVI

The best experience in my life During the flight back to Israel I was thinking »Don’t cry because it’s over, smile because it has happened«. The time I was in Germany was probably the best and most important experience in my life. I met people of my age who I wouldn’t have thought of talking with before but we laughed with each other and also cried with each other and became friends. I learned that there is another Germany different from what I thought, I met people I will remember forever and I think this program has changed me in a way of being more open and not believing everything I hear or read.

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ROTEM DEKEL

Couldn’t feel differences I really liked Germany as a country - new culture, new language, new people! I liked the idea to spend a day without the teachers, I mean just me, you and your family. I think it was a great opportunity to see how your family spends the Sundays ... and therefore, I liked the fact we were as a delegation all the time together! The Israelis and the Germans, we couldn’t even feel differences between us. We were just a 40 people group, spending the time of our life. I think the exchange program is amazing! It’s so special and unique and as our teacher told us there are a lot of delegations like that but each one of it is so different and special itself. In some words - BEST TIME OF MY LIFE!!!


Vorfreude auf Israel Einen Monat liegt der erste Teil des Austauschs nun zurück. Wir blicken zurück, auf eine Zeit in der wir 20 wunderbare Menschen kennen lernen durften. Unsere uns am Anfang unbekannten Austauschschüler entwickelten sich zu guten Freunden – Freunde, die wir jetzt vermissen. Wir freuen uns auf eine erlebnisreiche und schöne Zeit in einem uns noch fremden Land. Wir sind gespannt auf das Land, die Leute, einfach auf neue Erfahrungen die uns prägen werden.

Zwar wissen wir über die Problematik in Israel Bescheid, haben aber keine Angst. Durch Erzählungen unserer Austauschschüler wissen wir, dass sie von dem Krieg nichts mitbekommen. Wir hoffen durch den Austausch anderen Menschen ihre Angst bzw. Skepsis nehmen zu können. Hinterher wollen wir sagen: »Hey, schaut her: die Medien zeigen nur die schlechte Seite Israels, helft diese Vorurteile zu beseitigen. Seid offen für neue Erfahrungen, so wie wir es waren!«

Zweiter Teil:

Israel 22.02.– 03.03.2009 19


an kann eine Menge lernen, in Büchern, in der Schule, in Museen usw. Doch am besten kann man eine fremde Kultur und Religion hautnah kennen lernen. Diese Erkenntnis habe ich im Verlauf des gesamten Israel-Austausches gelernt. Als ich das erste Mal in der Schule von einem Austausch mit Israel gehört habe, war ich zwar interessiert, aber dieses Interesse hielt sich in Grenzen. Ich wusste zwar einige Dinge über dieses Land und auch über dessen Religion und Kultur, doch trotzdem konnte ich mir nicht viel über das Leben in diesem fernen Land »Israel« vorstellen. Nach einigen Gesprächen mit meiner Familie und nach reiflicher Überlegung habe ich mich dann angemeldet mit dem Gedanken: »Wann kommt man schon nach Israel?« Als dann schließlich die ersten Informationsabende veranstaltet wurden, konnte ich mir schon eher ein Bild von dem Land machen, z. B. die abwechslungsreichen Landschaften von Israel. Mein Interesse wurde geweckt und ich begann außerdem mir weitere Gedanken über meinen Austauschschüler und den Aufenthalt in Israel zu machen. Ein paar Monate später war es dann soweit: Die Israelis besuchten unser Land. Und meiner Meinung nach war es von Anfang eine tolle Gruppe. Ohne große Berührungsängste gegenüber fremden Leuten und einfach nette Menschen, es waren wirklich tolle zehn Tage. Ich hatte das Gefühl, dass uns die gemeinsamen Erlebnisse zusammengeschweißt haben trotz der sehr schrecklichen Vergangenheit von Deutschland. Dieses Thema war für mich persönlich sehr wichtig. In der Schule

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lernt man viel über den Holocaust und die Schreckensherrschaft von Adolf Hitler, doch solche bewegenden Momente wie die Zeremonie an dem »Gleis 17« (Abtransport jüdischer Mitbürger in verschiedene Konzentrationslager) kann man nicht in der Schule lernen. In solchen Momenten versteht man erst richtig, was damals bei dem Holocaust passiert ist. Nach diesen zehn Tagen verließen wir Freunde in Berlin. Ich persönlich konnte es kaum erwarten, in den Flieger nach Tel Aviv zu steigen. So war die Vorfreude auf die Reise nach Israel riesig. Durch den Kontakt über das Internet mit unseren Austauschschülern stellte man sich allerdings auch viele Fragen. Wie wird meine Gastfamilie sein? Wie steht es mit der Sicherheit in Israel? Wie ist das Wetter? Was werden wir machen? All diese Fragen haben mich schon Wochen vor der Abreise beschäftigt. Doch glücklicherweise hatte auch das Warten irgendwann ein Ende und wir saßen um 06:55 Uhr im Flieger und starteten von Köln/Bonn auf in eine Reise voller neuer Aspekte, Spaß und einem vollen Programmplan. Und es hat meine Erwartungen übertroffen. Meine skeptischen Gedanken über die Gastfamilie waren völlig unberechtigt und ich habe eine tolle Gastfreundschaft erfahren, die Gruppe der Israelis war wie gewohnt eine tolle Mannschaft, mit der ich sehr viel Spaß hatte und bis auf das Wetter war diese Reise eine unglaubliche Erfahrung. Was mich im Vorfeld schon sehr interessiert hat, war die Kultur


der Israelis und Dank des reichhaltigen Programms hatte ich einen sehr tiefen Einblick in diese Kultur. Vor allem der Ausflug nach Jerusalem war sehr Interessant. Durch den Besuch der einzelnen Viertel hatte ich einen guten Einblick in die große Vergangenheit von Israel, von den Römern, über die Kreuzzüge, bis hin zur modernen Geschichte von Israel. Dann kamen wir an der Klagemauer an, dort habe ich mich mit dem Judentum sehr verbunden gefühlt, da die Klagemauer eines der wichtigsten Monumente der Juden ist. Dabei habe ich es als selbstverständlich erachtet, die Sitten und Bräuche, wie z. B. das Tragen einer Kopfbedeckung, einzuhalten. An der Klagemauer wurde ich auch von Leuten angesprochen, diese haben mich ebenfalls nach meiner Nationalität gefragt. Als ich sagte, dass ich aus Deutschland komme, habe ich keinerlei negative Reaktion festgestellt. Ich habe mich in diesen Momenten sehr gut gefühlt und mir wurde bewusst, dass mich keinerlei Schuld oder Sonstiges am Holocaust trifft und dass ich den Auftrag habe, dass diese Taten nicht in Vergessenheit geraten. Natürlich war der Holocaust auch ein Thema in Israel. Wir besuchten z. B. die Holocaust Gedenkstätte »Yad Vashem«. Doch insgesamt war ich sehr beeindruckt von dem Facettenreichtum des Landes, der trockenen Wüste und im Gegensatz dazu der grüne Norden, die Großstadt Tel Aviv und das Leben in der kleinen Stadt Re’ut. Dies alles erlebte ich mit einer tollen Gruppe. Im Nachhinein bin ich sehr glücklich, dass ich an diesem Austausch teilgenommen habe, denn all diese Aspekte, Eindrücke und Gefühle lassen sich nicht in Büchern, in der Schule oder in Museen lernen. Dies muss man hautnah erleben. Diese Erkenntnis habe ich im Verlauf des gesamten Israel-Austausches gelernt. Jannik Sohn

ch fand es gut, dass wir trotz der vorherigen Ereignisse nach Israel geflogen sind, da es ja lange Zeit auf der Kippe stand und wir nicht wirklich wussten, ob wir fliegen. Als es jedoch hieß, dass wir fliegen, haben wir uns riesig gefreut, da wir endlich unsere Austauschschüler, die sehr gute Freunde von uns sind, wiedersehen durften. Außerdem war es gut, auch mal ein ferneres Land wie Israel, wo man nicht immer die Chance hat hinzufliegen, zu besuchen und zu besichtigen. Als es am 22.02.09 losging zum Flughafen, hat man gemerkt, dass jeder aufgeregt war und sich freute, die Israelis wieder zu sehen. Als wir in Israel (TelAviv) gelandet waren, wurden wir sehr herzlich von unseren Austauschschülern empfangen und wir waren froh, wieder zusammen zu sein. Die darauf folgenden Tage haben wir mit unseren Austauschschülern sehr genossen und haben viel mit ihnen unternommen. Am Sonntag haben wir uns in der Schule getroffen, wo wir zusammen gegessen und gespielt haben, welches sehr lustig war. Außerdem haben wir Pullover geschenkt bekommen, die uns sehr gefallen haben. Am Montag haben wir Jerusalem besichtigt. Es war eine positive Erfahrung, wie das Leben dort so aussieht und es war sehr interessant, eine Stadt wie Jerusalem zu besichtigen. Am Dienstag und Mittwoch waren wir im Süden Israels. Dort sind wir auf Kamelen geritten, das sehr lustig war. Außerdem haben wir das Ein Gedi Naturreservat besucht. Wir waren über Nacht in einem Beduincamp. Am Abend saßen wir in der Gruppe zusammen und haben gesungen und Tee getrunken. Am Mittwoch waren wir am Toten Meer, was für jeden von uns sehr interessant war. Außerdem waren wir in Masada, von wo man einen sehr guten Blick auf das umliegende Gelände hat. Donnerstag haben wir unsere Schule in der israelischen Maccabim Re’ut Highschool vorgestellt.

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Nach der Präsentation sind wir nach Yad Vashem (Jerusalem) gefahren. Dort haben wir eine Zeitzeugin des Holocaust getroffen und sie hat uns eine wahre Geschichte erzählt, wie sie den Nationalsozialismus überlebt hat. Es war für jeden von uns ein sehr emotionaler Moment. Am Abend waren wir Bowlen, was sehr viel Spaß gemacht hat. Am Freitag sind wir in die Klassen unserer Austauschschüler gegangen und haben zugesehen, wie sie die Klassen neu gestaltet haben. Anschließend sind wir nach Tel-Aviv gefahren. Da das Wetter nicht so mitspielte, war es uns leider nicht möglich, so viel in Tel-Aviv zu erkunden. Jedoch waren wir in einem Einkaufszentum und auf dem Markt. Am Abend haben wir eine Party gemacht, bei der jeder vom Austausch da war (Anlass dafür waren auch 2 Geburtstage). Am Samstag waren wir mit unseren Gastfamilien in einem 3D-Kino. Am Sonntag und Montag waren wir im Norden Israels. Dort haben wir Karla Raveh getroffen und wir haben uns mit ihr unterhalten. Anschließend sind wir nach Kaballa gefahren. Darauf sind wir zu unserem Übernachtungsplatz gefahren und haben in einem Kibbutz geschlafen. Dort haben wir uns noch bei jemandem auf dem Zimmer getroffen und ein Spiel gespielt und haben uns unterhalten. Am Montag sind wir erst in das Tel Dan Naturreservart und anschließend zu den Golan-Höhen gefahren. In den Golan-Höhen haben wir ein Gruppenspiel gemacht, was uns riesig Spaß gemacht hat. Anschließend sind wir nach Maccabim Re’ut gefahren. Am Abend waren wir mit der gesamten Gruppe (ohne Lehrer) in einem Max Brenner Schokolade-Restaurant. Am letzten Tag hieß es dann Abschied nehmen, was uns allen sehr schwer gefallen ist. Bevor es jedoch zum Flughafen ging, haben wir uns bei Daniella (israelische Schülerin) zu Hause getroffen und zusammen gefrüh22

stückt. Außerdem haben wir dort eine Ehrung durchgeführt, bei der es Kategorien wie zum Beispiel das beste Lächeln oder das best aussehnste Mädchen etc. gab. Anschließend ging es zum Flughafen nach Tel-Aviv. Die Verabschiedung dort war sehr hart, da niemand nach Hause wollte und wir alle zusammen bleiben wollten. Es flossen sehr viele Tränen, bei jedem von uns. Anschließend mussten wir leider gehen um die Kontrollen am Flughafen zu durchlaufen. Als wir jedoch wieder in Deutschland waren, hat sich jeder gefreut, seine Familie zu sehen und in die Arme zu schließen. Das Fazit aus dem Austausch für mich ist, dass es sich sehr gelohnt hat und einen deiner besten Freunde in einem Land wie Israel zu haben bzw. mehrere sehr gute Freunde dort zu haben. Bastian Huxoll


ach dem Aufenthalt der Israelis bei uns in Deutschland wurde der Kontakt nicht einfach so für die Zeit, die übrig war, unterbrochen, sondern wurde weiter genutzt, um Kontakt zueinander zu halten und sich weiterhin auszutauschen. Somit verging die Zeit, in der wir voneinander getrennt waren, unglaublich schnell – trotzdem konnte man es gar nicht erwarten, endlich seine neu gewonnenen Freunde wiederzusehen. Als man nach ein paar Stunden Flug schließlich aus dem Flugzeug ausgestiegen ist und noch erstaunt war, dass wirklich alle Häuser entweder weiß oder beige sind, stieg in einem das Gefühl von Aufregung hoch und wollte auch gar nicht verschwinden. Während wir mit den großen Koffern den Korridor auf dem Flughafen entlang gingen, haben wir schon Ausschau nach unseren Austauschschülern gehalten. Erst am Eingang stießen wir dann euphorisch und teilweise wieder ein wenig verschüchtert aufeinander und brachen das Eis erneut erstaunlich schnell. Gleich nach der Ankunft fuhren wir jeweils mit unseren Austauschschülern zu ihnen nach Hause, um ihre Familien kennenzulernen und für einen kurzen Moment auszuruhen – woraufhin es dann in die Highschool ging, um das Eis, wenn es denn noch ging, ein wenig mehr zu brechen… Die folgenden Tage wurden zusammen auf Ausflügen und auf selbst veranstalteten Treffen verbracht, ganz egal, wie anstrengend der Tag auch war. So verbrachten wir Teile unserer gemeinsamen Tage in Städten, unter denen auch Jerusalem und Tel Aviv waren, in Kirchen, in Museen, im Süden Israels und im Norden, in einem Beduinencamp, in einem Kibbutz und auch am Toten Meer und am See Genezareth.

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Das Programm, das wir durchzogen, war sehr abwechslungsreich und hat uns Israel in einer sehr kurzen Zeit gezeigt. Es war sehr beeindruckend, die Menschen an der Klagemauer zu beobachten und es ist für mich eine sehr schöne Erinnerung, sich selbst auch in den Massen wiederzufinden und seinen Wunsch in die kleinen Risse in der Mauer zu stopfen und zu hoffen, dass das Zettelchen nicht herunterfällt, während von hinten schon wieder gedrückt wird. Eines von den Ereignissen, auf den sich aus meiner Sicht alle am meisten gefreut haben, war das Kamelreiten im Beduinencamp. Mir war klar, dass Kamele groß sind – aber so groß hatte ich nicht erwartet! Der gesamte Ritt war sehr holprig und ich war froh, dass man inzwischen einfachere Transportmethoden erfunden hat – man aber trotzdem noch diese Erfahrung machen kann. Als wir in Tel Aviv waren, wurde uns vom Wetter gezeigt, dass in Israel tatsächlich nicht immer die Sonne scheint. Mitten auf einem der engen Märkte dort fing es an zu regnen – und innerhalb von 2 Sekunden waren wir ziemlich durchnässt, die Straßen waren vollkommen überflutet und an sich hat jeder eine gute Unterkunft gesucht, egal, ob man nun schon nass war, oder es gerade wurde. Zum Abschluss des schönen Aufenthalts miteinander sind wir noch gemeinsam in ein Schokoladenrestaurant in Tel Aviv gegangen und haben den letzten Abend miteinander verbracht, den wir allein organisiert haben, und für den Abend vergessen, dass es morgen dann schon »Abschied nehmen« heißen musste… Oder halt doch ein »Auf Wiedersehen!«. Hannah Borgstedt

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Tag 1 | Sonntag, 22.02.09 Der Bus, der uns zum Flughafen bringen sollte, kam gegen 1.45 Uhr an der Schule an. Dann haben wir etwa 4 Stunden benötigt, bis wir am Köln/ Bonn Airport angekommen waren (also etwa gegen 5 Uhr waren wir da). Wir haben dann auch sogleich eingecheckt. Die Koffer wurden gewogen und dann sind unsere Pässe kontrolliert worden. Darauf haben wir dann auch unsere Flugtickets und die Bordkarten bekommen. Nachdem wir noch einmal kontrolliert worden waren, auf metallene Gegenstände usw., hatten wir dann »Freizeit« auf dem Flughafen. Wir mussten allerdings spätestens um 6.55 Uhr wieder am Gate sein. Auf dem Flughafen hat dann jeder seine verbleibende Zeit so effektiv genutzt, wie es ihm möglich war. Die meisten haben sich einfach auf ein paar Stühle gesetzt und versucht noch ein bisschen zu dösen oder Schlaf nachzuholen. Gegen 6.45 Uhr sind wir dann aufgebrochen und zum Gate gegangen, wo wir noch einmal kontrolliert wurden. Als dann alle durch die Kontrolle durch waren, konnten wir auch endlich an Bord gehen. Gegen 6.15 Uhr ist das Flugzeug dann auch gestartet. Gegen Mittag sind wir in Israel/Tel Aviv gelandet. Dort wurden wir wieder kontrolliert. Nach der Kontrolle haben wir nur noch unsere Koffer geholt und sind dann in die Empfangshalle gegangen. Dort wurden wir auch schon sehnsüchtig von unseren israelischen Freunden erwartet. Dann haben sich alle so nach und nach auf den Weg nach Hause gemacht. Dort wurden wir von den Familien begrüßt, wenn sie nicht schon mit am Flughafen war.

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Am Abend war in der Schule noch eine Kennenlernfeier. Die Feier startete etwa gegen 19 Uhr. Es wurde geredet, gegessen und gespielt. Ab 21 Uhr haben sich so langsam die ersten verabschiedet und sind nach Hause gefahren.

Tag 2 | Montag, 23.02.09 Um 8.15 Uhr mussten wir am Bus sein, um pünktlich nach Jerusalem abzufahren. Auf dem Weg nach Jerusalem waren wir noch in einer Tropfsteinhöhle, die in einem Naturreservat war. In Jerusalem waren wir in einer Kirche, wo es mehrere »Stationen« gab. Die Stationen waren die Punkte, wo Jesus gekreuzigt, einbalsamiert und begraben wurde, wobei diese »Stationen« nur aus Steinstücken oder Steinplatten bestanden. Dann konnten wir uns frei in Jerusalem bewegen, die einzige Bedingung war, dass wir in Dreier- bzw. Vierer-Gruppen unterwegs sind. Und wir sollten nicht auf den Basar gehen, der dort in einer engen Gasse war, weil man sich dort leicht verlaufen konnte und nur schlecht zu finden war. Um etwa 17.15 Uhr waren wir wieder im Bus und sind dann zurück gefahren, wo es eine hitzige Diskussion auf Hebräisch gab, was wir denn nun am Abend noch unternehmen könnten. Die Entscheidung fiel dann darauf, dass wir in ein Restaurant gehen. Um kurz nach 20 Uhr waren dann auch alle im Restaurant. Gegen 23.45 Uhr haben sich dann die ersten verabschiedet und sind nach Hause gefahren.


Tag 3 | Dienstag, 24.02.09

Tag 4 | Mittwoch, 25.02.09

Gegen 8.40 Uhr sind wir losgefahren. Es ging in die Wüste. Zwischendurch haben wir eine Pause an einem Rastplatz, an einem Canyon und an einem National-Park gemacht. Gegen 16 Uhr sind wir dann in einem Beduinen-Camp, in dem wir übernachtet haben, angekommen. Dort haben wir erst einmal unsere Taschen und Rucksäcke in unser Schlafzelt gebracht. Danach sind wir dann auf Kamelen geritten, was echt interessant, aber auch sehr wackelig war. Nach dem Ritt hatten wir bis 17.10 Uhr (etwa 25 Minuten) Zeit, um uns im Camp umzuschauen. Dann sind wir in ein Beduinen-Zelt gegangen und haben dort ein Glas Tee und eine Tasse Kaffee getrunken (nach Beduinen-Art), dazu gab es dann eine Art Fladenbrot zu essen und dann haben wir noch Musik mit beduinischen Instrumenten gemacht. Nach einer halben Stunde, um 18.45 Uhr haben wir uns im Essenszelt getroffen und gegessen. Um etwa 20 Uhr gab es noch ein Lagerfeuer, um das wir alle herum gesessen und gesungen haben, dazu wurden wir auf der Gitarre begleitet. Danach haben wir den Abend langsam ausklingen lassen. Und spätestens um 1 Uhr morgens waren auch die letzten Nachteulen im Bett.

Um 8 Uhr gab es Frühstück. Nach dem Frühstück sind wir etwa eine halbe Stunde gefahren. Zu einem Berg (Massada), auf dem eine alte Stadt/Ruine liegt. Der Aufstieg hat gute 15 Minuten gedauert. Oben angekommen haben wir dann eine Führung bekommen und nach einer Verschnaufpause, in der wir auch unsere Wasserflaschen auffüllen konnten, sind wir dann wieder runtergeklettert. Der Abstieg hat etwa 1 – 2 Stunden gedauert. Der ganze Weg war mit Treppen bestückt oder bestand nur aus Geröll. Dann sind wir zum Toten Meer gefahren. Dort konnten wir schwimmen, wenn wir denn wollten. Einige von unserer Gruppe sind auch wirklich schwimmen gegangen, andere haben am Strand gelegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und die Wärme genossen. Auf dem Boden des Toten Meeres sind Salzkristalle, teilweise in Golfballgröße und das Wasser hinterlässt auf der Haut eine ölige Konsistenz. Wir hatten 2 Stunden 20 Minuten Zeit zur Verfügung für Strand und Meer und was wir noch so machen wollten. Die Rückfahrt dauerte 4 Stunden. Am Abend war kein Programm mit der ganzen Gruppe geplant.

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Tag 8 | Sonntag, 01.03.09 Um 8 Uhr sollten wir am Bus sein, um dann auch pünktlich loszufahren, denn ein Besuch bei Karla Raveh war geplant. Sie hat uns ein wenig aus ihrer Vergangenheit erzählt. Anschließend hatten wir noch Zeit Fragen zu stellen. Knapp zwei Stunden später sind wir dann weiter in ein Kibbutz gefahren, wo wir als erstes die Zimmer beziehen mussten. Um 19 Uhr gab es dann Abendbrot. Danach hatten wir Zeit zur freien Abendgestaltung.

Tag 9 | Montag, 02.03.09 Das Frühstück war auf 8.15 Uhr angesetzt. Natürlich gab es auch wieder einige Spätzügler. Um etwa 9.20 Uhr sind wir losgefahren. Zuerst zu einem Naturreservat, dann zum See Genezareth, wo wir die Brotvermehrungskirche besucht haben. Zum Schluss sind wir zu einem Grundstück gefahren, auf dem zwei Zelte standen. Dort wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt und mussten Team-Aufgaben erfüllen. Nach diesen Aktionen sind wir wieder aufgebrochen und nach Hause gefahren. Gegen 19 Uhr sind wir dort angekommen. Um 21.15 Uhr mussten wir schon wieder am Bus sein, weil die Israelis mit uns zu »Max Brenner« fahren wollten, was ein bekanntes Schokoladenrestaurant in Israel ist, welches in Tel Aviv liegt. Gegen 1 Uhr sind wir nach Maccabim Reút zurück gefahren.

Tag 5 | Donnerstag, 26.02.09

Tag 10 | Dienstag, 03.03.09 – Tag der Abreise

Wir mussten um 8.20 Uhr in der Schule sein. An diesem Morgen hatten wir die Präsentationen in den einzelnen Klassen. Dann gegen 9.15 Uhr war große Pause. Um 9.45 Uhr sind wir wieder in einen Bus eingestiegen, der uns in das Museum »Yad Vashem« gebracht hat, welches in Jerusalem liegt. Das Museum ist ein Holocaust- Museum. Nach dem Museum sind wir wieder zurück gefahren. Abends haben wir uns dann noch in einem Bowling-Center getroffen. Nach dem Bowlen sind noch einige der Schüler ins »Aroma« gegangen, welches laut den Israelis das beste Lokal ist.

Um 12 Uhr mussten wir bei einer der israelischen Schüler zuhause sein. Dort gab es ein Abschiedsessen und auch eine Preisverleihung, für z.B. die/den süßeste/n Schüler, die/den lauteste/n Schüler usw. Danach sind wir dann zum Flughafen aufgebrochen. Dort hat uns Nina (eine der Lehrerinnen) noch letzte Anweisungen gegeben. Und dann mussten wir uns auch schon von unseren israelischen Freunden verabschieden, was wieder eine sehr emotional aufreibende Situation war, weil viele geweint haben. Dann wurden wir teilweise einzeln oder auch zu zweit aus der Reihe geholt und befragt, ob wir was geschenkt bekommen hätten und ob wir gesehen hätten, wie es eingepackt worden wäre. Dann wurden unsere Koffer kontrolliert und gewogen. Wir haben unsere Flugtickets und Bordkarten bekommen, danach mussten wir unsere Pässe zeigen. Wir haben einen Stempel hineinbekommen, der das Visa wohl »entwertet«. Und dann hatten wir noch ganz wenig Zeit, so 25 Minuten. Dann sind wir ins Flugzeug gestiegen und wieder nach Deutschland geflogen. Als wir in Deutschland gelandet waren, mussten wir nur noch unsere Koffer holen und sind auch schon mit dem Bus wieder nach Lemgo gefahren, wo wir gegen 1 Uhr angekommen sind. Wir wurden von unseren Eltern abgeholt und sind nach Hause gefahren.

Tag 6 | Freitag, 27.02.09 Wir sollten um 9.15 Uhr in der Schule sein, um die Klassenräume streichen zu helfen. Danach sind wir nach Tel Aviv gefahren. Auf der Fahrt dorthin hat es begonnen wie aus Eimern zu schütten und auch als wir in Tel Aviv waren, hat es nur geregnet. In Tel Aviv hatten wir dann Freizeit mit unseren Austauschschülern. Einige sind dort auf den Markt gegangen, danach waren wir noch in einem großen Einkaufszentrum..

Jessica Lewecke

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Beduinencamp In der Nacht von Dienstag, dem 24.02 auf Mittwoch, den 25.02.2009 erwartete unsere Gruppe ein ganz besonderes Erlebnis. Eine Übernachtung im Süden Israels, bei den für diese Region typischen Wüsten-Nomaden, den Beduinen. Wir wurden dort alle sehr herzlich und gastfreundlich in Empfang genommen, sind am Nachmittag bereits auf den »Schiffen der Wüste« geritten, um so einen Einblick über die Strapazen und typische Fortbewegung zur damaligen Zeit zu bekommen. Abends wurden wir dann mit einer üppigen Mahlzeit verköstigt und haben den Abend in einer illustren Runde am Lagerfeuer ausklingen lassen. Hier wurden zusammen Lieder mit Gitarren-Begleitung gesungen, Ansichten und Erfahrungen untereinander ausgetauscht und viel gelacht. Am nächsten Morgen, nachdem die ersten Abenteuerlustigen von ihrem Jogging-Trip durch die Wüste zurückgekehrt waren, wurden wir mit einer reichlich gedeckten Frühstückstafel begrüßt, die keinerlei Wünsche offen lies. Bevor die Gruppe aufbrach, um neue Attraktionen, wie das Tote Meer, in Augenschein zu nehmen, bestand hier für alle die Möglichkeit, sich eine Wegzehrung für den Rest des Tages parat zu legen. Dieser Trip in den Süden Israels beinhaltete also eine Vielzahl einmaliger Erfahrungen, die es wert sind, zu erleben. Allerdings muss ich meinerseits dazu sagen, dass meine Erwartung, ein vollkommen traditionelles Leben wie vor tausenden von Jahren zu Gesicht zu bekommen, leider enttäuscht wurde. Strom, Heizlüfter, fließendes Wasser und schnödes englisches Frühstück trübten die glorreiche Atmosphäre. Man merkte leider von vornherein, dass dieses Camp keineswegs mehr etwas mit dem traditio-

nellen Beduinenleben zu tun hatte, sondern nur noch für den Tourismus und auch durch diesen bestand. Gleich 3 Touristenbusse machten vor den Toren des Camps halt und auch das Frühstück unterschied sich doch sehr von dem, was ein typischer Beduine normalerweise zum Frühstück isst. Der berühmte Zusammenprall der Kulturen und auch Lebensweisen blieb also meiner Ansicht nach bedauerlicherweise aus. Lennard Ostrop

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Tel Aviv

Gegensätze Israels

Ursprünglich war in Tel Aviv eine Sightseeing-Tour mit anschließendem Shopping geplant. Diese musste doch dann wegen des voraussichtlich schlechten Wetters, angekündigt durch die Wettervorhersage, geändert werden. So hatten wir die ganze Zeit zur Verfügung, um mit unseren Austauschschülern in den Geschäften zu bummeln. Zuerst sind wir über einen typisch »östlichen« Markt gegangen. Auf der Flucht vor dem plötzlich eintretenden starken Regen sind wir dann in ein Cafe geflüchtet, um die nasse Kleidung zu trocknen und den Regen bei einem Kaffee abzuwarten. Nachdem sich das Wetter einigermaßen gebessert hat, sind wir in ein Einkaufscenter gegangen. Dort hatten wir wieder Zeit, uns in Kleingruppen die Örtlichkeiten anzuschauen und in einem der zahlreichen Geschäfte einzukaufen. Dies wurde auch von vielen genutzt, so dass wir mit vielen Tüten bepackt den Heimweg antraten. Thorben Korf

Während des Schüleraustauschs in Israel hatten wir einen Einblick in die verschiedensten Seiten des Landes. Das Land hat viele Gegensätze, die zum Beispiel bei dem Besuch in Tel Aviv und Jerusalem deutlich wurden. Jerusalem wirkte sehr religiös. Dort konnten wir die Klagemauer, die Auferstehungskirche und den orientalischen Markt besichtigen. Tel Aviv hingegen machte einen moderneren Eindruck, wobei wir dort auch nur die ShoppingMall gesehen haben. Ein weiterer Gegensatz zeigte sich zwischen der Wüste und dem grünen Norden. Bei unserem Besuch in der Wüste haben wir zuerst eine Wanderung durch ein Nature Reserve gemacht. Dort war es sehr felsig und wir konnten einen Wasserfall und Quellen sehen. Nach dem Nature Reserve sind wir ins Beduinencamp gefahren, wo wir Kamelreiten waren und später am Tag essen konnten. Auf unserem Weg in den Norden haben wir Karla Raveh besucht, die uns einen Teil ihrer Geschichte erzählt hat. Am Abend kamen wir dann im Kibbutz an, in dem wir auch übernachtet haben. Am nächsten Tag, war es sehr regnerisch. Wir sind zum Tel Dan Nature Reserve gefahren und haben auch dort eine Wanderung gemacht, die aber aufgrund des Regens etwas kürzer ausgefallen ist. Im Gegensatz zum Ein Gedi Nature Reserve in der Wüste, war es dort sehr grün. Gina-Marie Piepke

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Gegenbesuch in Israel Im Oktober 2008 hatten einige Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 der Karla-Raveh-Gesamtschule Besuch von israelischen Schülerinnen und Schülern von der Maccabim Reút Highschool. Dies war der Beginn einer neu entstehenden Schulpartnerschaft mit dem Heimatland Karla Ravehs. Nach einer sehr intensiven Zeit in Lemgo warteten wir alle aus Deutschland auf den Gegenbesuch in Israel. Trotz der Diskussionen über die politische Situation in Israel ist eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern nach Israel gereist, um die Freunde in ihrem eigenen Land wieder zu treffen, das Land und Karla Raveh selbst zu besuchen. Wir haben uns zu jeder Zeit und an jedem Ort, den wir besuchten, sicher gefühlt. Die israelischen Lehrerinnen hatten ein großartiges Programm zusammengestellt. Wir erkundeten Jerusalem und Tel Aviv, übernachteten in einem Beduinencamp und ritten dort auf Kamelen. Außerdem hatten wir einen zweitägigen Ausflug in Israels Norden, wo wir Karla Raveh zu Hause besuchen konnten. Dies war ein Höhepunkt der 10 Tage in Israel, denn sie ist für uns alle ein Vorbild, wie man Versöhnung lebt. Karla Raveh war begeistert, Schülerinnen und Schüler «ihrer Schule” in Tivon begrüßen zu können und berichtete auch aus ihrem Leben in Lemgo

und im Nationalsozialismus. Sie musste immer wieder zwischen Deutsch und Hebräisch wechseln, weil die Schülerinnen und Schüler viele Fragen hatten. Ein Besuch im Holocaustmuseum Yad Vashem beschäftigte sich ebenfalls mit der gemeinsamen Geschichte im Nationalsozialismus. Gerade dort, wo uns allen als nachfolgende Generation der Opfer und Täter die Geschichte ganz nah war (genauso wie in Deutschland an einigen historischen Orten), konnten wir Schuld, Vergebung, Versöhnung und neue Freundschaft sehr intensiv spüren. Uns war bei dem Gegenbesuch die entgegengebrachte Gastfreundschaft ganz wichtig. Der Besuch hat nicht nur das gegenseitige Kennenlernen vervollständigt, sondern war auch ein wichtiger Baustein zur Vergebung und Versöhnung der deutsch-jüdischen Geschichte, die hier lebendig wurde. Der Besuch war wichtig, um unseren Freunden zu zeigen, dass wir trotz der schwierigen politischen Situation hinter ihnen stehen , auch mit Diskussionen um die israelische Politik. Wir haben alle die Gastfreundschaft in Maccabim Reút genossen und uns wie zu Hause gefühlt. Viele der geschlossenen Freundschaften werden weiter gehen, einige nächste Besuche der Israelis in Lemgo sind für den Sommer geplant. Renate Zimmermann-Grob

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We’ve been to Israel and survived Endlich am Flughafen von Köln/Bonn angekommen, war ich aufgeregt wie eh und je. Nun begann die wirkliche Reise. Sehr bald würde ich im Flugzeug nach Israel/Tel Aviv sitzen. Doch stellte ich schnell fest wie weit man davon entfernt sein kann, wenn man sich von jeglichen Kleidungsstücken, die etwas Metallisches enthielten kurzweilig trennen musste. Doch in Socken auf dem kühlen Flughafenboden zu stehen und durchsucht zu werden konnte mir meine Vorfreude nicht nehmen. Glücklich stieg ich in das Flugzeug und knapp 5 Stunden später erreichten wir Tel Aviv. Nun trafen wir unsere israelischen Freunde wieder. Am Anfang waren wir sehr zurückhaltend. Alles wirkte so unwirklich, endlich waren wir am Ziel! Zusammen mit unseren Austauschschülern fuhren wir nach Hause, in eine andere Welt. So vieles war anders. Das Essen, die Gebäude/Häuser, der Sicherheitsbeamte am Ortseingang mit seiner Waffe und natürlich nicht außer Acht zu lassen die wunderschöne Landschaft, Palmen im Garten! Zunächst hatte ich immer wieder das Bedürfnis Bücher umzudrehen, da sie auf Hebräisch sind und sie nun mal von rechts nach links geschrieben werden. Auch die Tastatur des Computers brachte mich des Öfteren zur Verzweiflung, doch dies waren Dinge, die unwichtig und lächerlich im Gegensatz zu dem klingen, was wir erleben durften. All dies nieder zu schreiben würde einem Roman gleichen, daher eine Kurzfassung von dem, was mich am meisten geprägt, beeindruckt und ebenso fasziniert hat! 30

Jerusalem ist eine der Städte, die wohl manch einer schon immer mal mit eigenen Augen gesehen und kennen gelernt haben möchte. Hier und da liefen religiöse Leute an uns vorbei, die für uns Deutsche sehr merkwürdig scheinen. Eine kleine Kappe auf dem Kopf, eine Locke jeweils an jeder Seite, schwarze Mäntel oder auch ein großer schwarzer Hut. All dies war so ungewöhnlich für uns, doch auch sehr interessant. Man fing an, sich über Religionen Gedanken zu machen. Wir gingen zu der weltberühmten Klagemauer. Auch ich schrieb meine Wünsche auf und steckte sie in eine der Ritzen dieser Mauer. Frauen und Männer wurden strikt getrennt. Frauen hatten nur ein Drittel von dem Platz an dieser Mauer wie Männer. Frauen hielten ihre Bibel offen vor ihrem Gesicht und wippten hin und her, sie beteten und folgten streng ihren Normen, die unter anderem besagten, der Mauer nicht den Rücken zu kehren. Ich lernte immer mehr kennen und erkannte, wie wenig man weiß und denkt doch so viel in der Schule gelernt zu haben. Einen Tag später fuhren wir auch schon in den Süden. 2 Stunden Fahrt und man war plötzlich in der Wüste. Große Berge taten sich auf und die Temperatur stieg. All diese riesigen Massen beeindruckten mich und ich konnte meine Kamera nicht einmal aus der Hand lassen, denn so vieles gab es zu fotografieren, wie z. B. die Festung Massada. Ich bekam immer mehr das Gefühl, alles Wichtige in unserer Geschichte wäre in Israel geschehen. Auf Massada konnte man das Tote Meer überblicken, in dem wir auch später baden durften, was ein Genuss war. Im wahrsten Sinne des Wortes konnte man entspannen. Dies mit seinen Freunden zu teilen war ein sehr schönes Erlebnis. Wir besuchten viele Museen und Orte in Israel, was sicher ohne so einen Austausch nie so intensiv und gut gewesen wäre. Ich habe Freunde fürs Leben gewonnen und würde niemals diese zehn Tage gegen kostbare zehn Schultage eintauschen, denn manche Dinge kann man nicht lernen, wenn man sie nicht erlebt. Dieser Austausch hat mich reifer und ein Stück weit intelligenter gemacht. Die Israelis haben mich beeindruckt. Beeindruckt mit ihrer Offenheit gegenüber Fremden, ihrer Hilfsbereitschaft und vor allem mit ihrer Gastfreundschaft. Ich kann in der Schule viele Dinge lernen, doch kann ich nicht lernen, was einen guten Menschen ausmacht. Manche Dinge muss man gefühlt haben, um sie zu verstehen. Die Erfahrungen, die ich machen durfte, waren eine der schönsten und emotionalsten meines Lebens. Ich bin überglücklich und stolz diesen Austausch gemacht zu haben. Dieser Austausch hat meine Meinung gefestigt, niemals die Vergangenheit zu vergessen und doch optimistisch und kritisch in die Zukunft zu blicken. Anna Hofherr


Yad Vashem – Ein Museum über den Holocaust Ein geschichtlicher Aspekt unsere Aufenthaltes in Israel war das Holocaust Museum Yad Vashem. Die Frau, die uns durch das Museum führen sollte, begrüßte uns am Eingang. Der erste Raum, den wir betraten, war dunkel und drei Kerzen deren Licht durch die vielen Spiegel gebrochen wurde, stellten eine emotionale bzw. traurige Atmosphäre her. Während wir durch den Raum gingen, lasen leise Stimmen die Namen der Kinder vor, die beim Holocaust ums Leben gekommen sind. Von unseren Lehrern motiviert merkte sich jeder von uns einen Namen, damit die Opfer nicht in Vergessenheit geraten. Danach gingen wir ins Hauptgebäude des Museums. Die dreieckige Form des Bauwerks und die Bauweise hatten spezielle Hintergründe. Das gesamte Gebäude welches an einem Abhang mit einem Ende über dem Boden »schwebt« wurde von einem in Israel berühmten Architekten entworfen. Die dreieckige Form soll die Hälfte eines Davidsterns darstellen, welcher ein Symbol des jüdischen Glaubens ist. Eine Seite des Museums ist vermauert und es werden Bilder von verstorbenen Kindern, als Opfer des Holocausts an die Wand projiziert. Dies stellt die dunkle Vergangenheit dar, die man niemals vergessen darf. Auf der anderen Seite strahlt Licht durch ein hohes Fenster, welches die Zukunft darstellen soll. Kleine Barrikaden in denen z.B. Bücher liegen die an die Bücherverbrennung erinnern sollen, verhindern, dass man direkt von

der Vergangenheit in die Zukunft geht, ohne sich mit der Geschichte auseinander zu setzen. Die Frau führte uns durch die verschiedenen Räume, in denen umfangreiche Informationen in Form von Fotos, Namenstafeln, Filmen und originalen aus Zeiten der NS präsentiert wurden. Die Führung endete in einem Raum, in dem ein Archiv von Namen und Akten derer Juden angelegt worden war, die den Holocaust nicht überlebt hatten. Zum Schluss hatten wir Zeit, in einem Raum mit berührender Musik, um noch einmal über die Erfahrungen und Eindrücke des Tages nachzudenken. Maleen Sondermann Anna Hennecke

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Brüder und Schwestern Ich war bei vielen Austauschen dabei oder habe sie miterlebt, aber ich habe nie einen Austausch erlebt, der so emotional, so festigend und so eine starke Bindung zwischen zwei Völkern geschaffen hat. Es ist wohl einfach eine simple Tatsache, dass wir wussten, worum es geht und das Beste machen wollten; und alles hat geklappt, wir sind wie Brüder und Schwestern. Wir haben zusammen gelacht, wir hatten so viel Spaß, ich will nicht, dass es vorbei ist. Doch der schönste und traurigste Moment des ganzen Austausches war, als wir uns an Gleis 17 versammelt haben, uns in einen Kreis gestellt haben und uns der Opfer des Holocaust erinnert haben. Wir haben zusammen geweint. Wir sind Brüder und Schwestern, das haben wir uns so oft gesagt und ich fühle auch so. Ich bin im falschen Land geboren, ich habe noch nie so schnell so viele Menschen in mein Herz eindringen lassen.

Wir sind Brüder und Schwestern und lieben uns wie Brüder und Schwestern und ich vermisse euch schon nach 5 Stunden so sehr, wie ich noch nie jemanden vermisst habe. Ich liebe euch, ihr seid so großartige Menschen. Ich bin so froh, euch kennen gelernt haben zu dürfen. Ich will zu euch und euch wieder in die Arme schließen, mich von euch in die Arme schließen lassen und von Herzen mit euch lachen und singen. Wenn ich jetzt in den Spiegel sehe, kann ich mit Stolz sagen, dass ich diese Erfahrungen, die ich gemacht habe, niemals hergeben möchte und mich unsere Begegnung vom Denken her verändert hat. Danke sehr.

Schulpartnerschaft mit Israel  

Schulpartnerschaft zwischen Maccabim Reut Highschool, Israel und Karla-Raveh-Gesamtschule Lemgo Schüleraustausch Schuljahr 2008/2009

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