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KUNST & KULTUR

DIE „NEUE WHITEBOX“ IM WERKSVIERTEL Mit Eröffnung des Werk 3 erhält München eine neue Kunsthalle. Künstler und Musiker dürfen sich auf bezahlbare Ateliers und Proberäume freuen. Darüber hinaus steht die whitebox jedoch für ein ambitioniertes Kunst- und Kulturprojekt, offen nach allen Seiten, lebendiger Treffpunkt, ein Ort, zudem auch ein Impulsgeber, der zur aktiven Teilhabe an kultureller Diversität einlädt.

Kulturfördernd war die whiteBOX schon immer. Vor allem aber stand sie für eine Kunsthalle über zwei Etagen im ehemaligen Werk 3, die in München mit ihren loftigen Höhen ihresgleichen suchte und dadurch den perfekten Rahmen für Bildende, Darstellende und Tonkunst bot. Damit ist es nun vorbei, die Räumlichkeiten der „alten whiteBOX“ gibt es in ihrer Form im Werksviertel nicht mehr. Dafür gibt es ein neues Konzept, das nicht nur räumlich weit über alles Vorherige hinausgeht. Ein Konzept, das sich in alle (Kunst-) Richtungen öffnet, liquide ist, also ständig in Bewegung und Raum sowie Impulse gibt für fast schon revolutionäre Ideen. Neben einer neuen Kunsthalle (400m2) wird es viel Raum für Künstler geben, für Ateliers und Proberäume. 1.400m2, vermietet zu sozial verträglichen und über das Projekt subventionierten Preisen. Bezugsfertig ab Januar 2016. Den Anfang werden die bereits in der Kultfabrik verankerten Künstler Loomit, Ugo Dossi und Prof. Metzel machen. Ein kleines Kuratorium soll dann entscheiden, welche Künstler hinzukommen. „Anders als in öffentlich geförderten Kunstprojekten wollen wir den Künstlern eine längerfristige Perspektive geben, wo sie oft ja dann auch raus müssen, wenn sie nicht mehr als Nachwuchs gelten.“, erzählt Dr. Martina Taubenberger, die für das Konzept verantwortliche Kulturmanagerin.

DIE NEUE „KUNSTHALLE“ – EIN „ZWISCHENRAUM“ FÜR NEUES DENKEN UND NEUE KUNST

Gegen einen fest definierten Kunstbegriff wehrt sich die „Grenzgängerin auf der Schnittstelle zwischen freier künstlerischer Szene, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft“, wie sie sich selbst bezeichnet, genauso wie sie sich gegen Veranstaltungen wehrt, die zwingend ein von einer bestimmten Kunstszene erwartetes „Bildende Kunst-Bild“ repräsentieren müssen. Statt „statische“ Ausstellungen zu bieten, will Dr. Taubenberger mit Ausstellungen und Kunst, die sich wandelt, „Zwischenräume“ bespielen. Denn genauso, wie sich das Stadtviertel „Werksviertel“ über viele Jahre im Wandel, also in einer Art „Zwischenraum“ oder „TransitStadium“ befinden wird, so soll sich auch das Programm durch seine Unbeständigkeit auszeichnen. Ständig wird es irgendwo eine Baustelle geben; entsteht auf der einen Seite etwas Neues, wird vielleicht auf der anderen Seite gerade noch etwas abgebaut. So spannend, dass man neugierig

wird, wie die Ausstellung am nächsten Tag wohl aussehen mag. „Wenn ich die Augen schließe und mir vorstelle, was die whitebox in drei Jahren ist, dann ist das so etwas wie ein Zentrum für Kunst und Kultur, wo immer was los ist, wo auch die Gewerbetreibenden auf dem Gelände, Leute aus den anliegenden Agenturen, aus der Anwaltskanzlei oder aus der Kaffeerösterei gerne nach Feierabend vorbeischauen, weil gerade ein Künstler auftritt oder sich schon wieder etwas in der aktuellen Ausstellung getan hat.“ Ein „Community Center“ soll es werden, auch wenn ihr der Begriff nicht ganz gefällt. Ein Ort, in Anlehnung etwa an das englische Konzerthaus „Sage Gateshead“, in dessen Foyer es zu spontanen Bandproben mit Leuten von draußen kommt. „Das Ganze auf den Kunstbereich zu übertragen, das fänd ich schön. Und da passt es natürlich ideal, dass der boesner und die Akademie Wildkogl mit im Haus sind.“ Ganz bewusst will sie auch das mit einbeziehen, was die alte „DNA“ des Geländes mitbringt. „Die Tatsache, dass da über lange Zeit Pop, Rock- und Clubkultur stattgefunden hat, das gehört für mich ganz stark zu dem Gelände dazu“, erzählt sie. „Street Art, elektronische Musik, interdisziplinäres Arbeiten, Zeitgenössisches, Experimentelles, das was da ist, soll verknüpft werden mit etwas, das von außen kommt. So entsteht eine Durchlässigkeit zur Subkultur. Künstler können, sollen sich mit diesem Zwischenraum auf all seinen Ebenen – architektonisch, sozial, historisch, etc. – auseinandersetzen.“ Ein weiteres Highlight: mittels einer LED-Mash-Leinwand könne die Fassade des Werk 3 zum lebenden Kunstwerk werden. Workshops, Vorträge, Diskussions- und Begegnungsformate in Kooperation mit Schulen und Bildungseinrichtungen soll es genauso geben wie freche und innovative Konzert- und Installationsformate, die auch nicht unbedingt in der whitebox selbst, sondern gerne auch an jedem anderen Ort des Viertels stattfinden können. Alleine oder in Zusammenarbeit – und das mit allen Akteuren. „Meist haben die Leute selbst gar keine Ahnung, dass sie interessant sind, wie zum Beispiel ein Gamedesigner, eine Anwaltskanzlei, ein Versicherungsmakler, … ich glaub, mir fällt da zu jedem etwas ein.“ DAS HERZSTÜCK: „WHITEBOX IN RESIDENCE“

„Wir haben halt Raum und Raum hat sonst keiner. Schon gar nicht in München.“,

K Magazin Januar/Februar 2016  

K Magazin Sonderausgabe Januar/Februar 2016 // Ausgabe 154 - Das Magazin über Knödel-, Kult- & Kreativzeit am Ostbahnhof

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