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Zombies Blutsauger und Doris Leuthard Mit

Tales of Horror

neuland


November 2010

Spendet dem neuland einen FDP-Nationalratssitz Die FDP des Kantons Zürich legt Konsequenz an den Tag. Als Partei der Marktwirtschaft liess sie sich bisher von Unternehmen und Privatpersonen kaufen – Angebot und Nachfrage. Um ein Optimum an Kundenfreundlichkeit zu erreichen, weitet sie dieses Prinzip nun aus. Neu können Kunden ihre Interessen selber unter dem Markennamen FDP vertreten. Dazu sollen Sitze auf der Nationalratsliste der FDP direkt verkauft werden. Nach verschiedenen Angaben von Insidern kostet ein guter Listenplatz bis zu 40 000 Franken. Mit den neuen Massnahmen will die FDP weitere Anteile am

wachsenden Politmarkt sichern. Dies soll längerfristig die marktdominierende Stellung der FDP gegenüber der, im Wettbewerb um gute Kunden immer agressiver auftretenden, SVP und CVP sichern. Gleichzeitig können damit möglichst hohe Markteintrittsbarrieren geschaffen werden für die Neueinsteiger BDP und GLP. Das Neuland hat beschlossen von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Schliesslich steigert eine verstärkte Nachfrage auch das Angebot und damit die Qualität der Produkte. Deshalb sammeln wir nun Spenden, um uns einen FDP-Listenplatz kaufen zu können. Spenden bitte mit dem Vermerk «Spende neuland» an das Postkonto 87209351-9 überweisen. Vielen Dank!

Arschloch des Quartals René Kuhn, selbsternannter Frauenversteher und bekennender Antifeminist, schafft es schon zum zweiten Mal in diese Rubrik. Bekannt geworden durch Schimpftiraden, wie «linke Emanzen» oder «zerlumpten Vogelscheuchen», bringt er seine Wut gegen die «Mannsweiber» auf das nächste Level. Da durch diese hasserfüllten Ausbrüche seine politische Karriere zu Bruch ging, konzentriert sich der ehemalige Luzerner SVP-Präsident nun voll und ganz auf seine IG Antifeminismus. Diese versuchte sich unlängst an der Durchführung des ersten internationalen (!) Antifeminismustreffens im Giardino Verde in Uitikon. Doch von links aussen regte sich bereits im Vorfeld Widerstand. Und Giusep Fry, der für das Catering im Giardino zuständig gewesen wäre, hatte sich aufgrund des Medienechos von dem Anlass zurückgezogen. Er war nicht der Erste. Das Zürcher Restaurant Waid weigerte sich, das Treffen zu beherbergen. Und sogar die Zürcher Kantonalbank lehnte es ab, mit der IG eine Geschäftsbeziehung einzugehen. Es scheint fast so, als ob niemand etwas mit dem Glatzkopf zu tun haben will.

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JUSO-Agenda Sa, 20.11.2010 Delegiertenversammlung JUSO Kanton Zürich, Zeit: 13:00, Ort: Uster. Mo, 22.11.2010 Vollversammlung JUSO Unterland (VV), Zeit: 19:30, Ort: Unia Sekretariat Bülach. Di, 30.11.2010 Vollversammlung der JUSO Winterthur, Zeit: 19:30, Ort: UNIA Sekretariat, Lagerhausstrasse 6, Winterthur. Di, 07.12.2010 Vollversammlung JUSO Unterland (VV), Zeit: 19:30, Ort: Unia Sekretariat Bülach. Di, 07.12.2010 Allgemeines Aktionsgruppentreffen der JUSO Winterthur, Zeit: 19:30, Ort: UNIA Sekretariat, Lagerhausstrasse 6, Winterthur. Sa, 18.12.2010 Delegiertenversammlung (DV) JUSO Schweiz, Zeit: 12:00, Ort: offen. Mo, 20.12.2010 Vollversammlung JUSO Unterland (VV), Zeit: 19:30, Ort: Unia Sekretariat Bülach. Di, 21.12.2010 Vollversammlung der JUSO Winterthur, Zeit: 19:30, Ort: UNIA Sekretariat, Lagerhausstrasse 6, Winterthur. 05.-07.01.2011 Winterschool der JUSO Schweiz, weitere Infos folgen. Di, 11.01.2011 Jahresversammlung der JUSO Winterthur, Zeit: 19:30, Ort: UNIA Sekretariat, Lagerhausstrasse 6, Winterthur. Fr, 14.01.2011 PolitZnacht mit Mario Fehr, Zeit: 18:00, Ort: Gartenhof. Sa, 05.02.2011 Delegiertenversammlung JUSO Kanton Zürich, Zeit: 13:00, Ort: folgt. 12.-13.03.2011 Jahresversammlung JUSO Schweiz, Beginn: 12:00, Ort: folgt.

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San 10 kommt zurück! Samuel Haffner Ein Gespenst geht um im Kanton Zürich – das Gespenst San 10. Nach dem positiven Rechnungsabschluss des Kantons kam die Vermutung auf, es handle sich hierbei nur um eine weitere Gruselgeschichte der Rechten. Nun spukt es aber tatsächlich wieder im Kantonsrat. Mit dem Sparpaket San 10 sollen über eine Milliarde Franken eingespart werden. Damit will der bürgerliche Regierungsrat die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Kantonshaushalt auffangen. Für diese Kosten der Krise müsste nach San 10 vor allem die Jugend

mit einem massiven Bildungsabbau bezahlen. Der Regierungsrat hatte sich aber verrechnet. Das Jahr 2010 schliesst fast um 750 Millionen Franken besser ab als budgetiert. Damit ergibt sich ein Plus von bis zu 322 Millionen Franken – statt ein Minus von 525 Millionen, wie ursprünglich angekündigt. Der bürgerliche Regierungsrat sah darin, nach anfänglichen Zögern, schliesslich aber keinen Grund, die Abbauvorlag fallen zu lassen. Er rechnet aufgrund der immer noch schlechten Wirtschaftslage mit sinkenden Steuereinnahmen in den nächsten Jahren. Für die aktuellen Turbulenzen des Kapitalis-

mus sollen gemäss dem Regierungsrat weiter jene aufkommen, die sie nicht verursacht haben und bereits heute mit dem Verlust von Arbeitsstellen und mit sinkenden Löhnen bezahlen. Gegen diese erneute Überwälzung der Krise auf die arbeitende Bevölkerung gilt es sich zu wehren. Gehen wir auf die Jagd nach diesem Gespenst und bereiten diesem Spuk ein Ende! Die Kantonsratswahlen müssen wir dazu nutzen, endlich mit diesem bürgerlichen Gruselkabinett aufzuräumen.

In der Falle der Fallpauschalen Andrea Jerger Im deutschen Gesundheitswesen sind sie seit 2004 üblich, in der Schweiz werden sie bis spätestens 2012 auch eingeführt: sogenannte «Diagnosis Related Groups», auf deutsch «Diagnosebezogene Fallgruppen». Im Gegensatz zur Vergütung pro Tag oder pro einzelner Leistung wird bei Fallpauschalen die gesamte medizinische Leistung pro Behandlungsfall pauschal vergütet. Das Prinzip: Vergleichbare Fälle (in Akutspitälern), also Behandlungsfälle mit gleichem Leistungsinhalt, werden immer ein- und derselben Fallpauschale zugeordnet. Das Ziel solcher Fallpauschalen wäre an und für sich noch sinnvoll: Gleiches Geld für gleiche Leistung, überall in der Schweiz. Die Sache hat jedoch einen gewaltigen Haken. Die Spitäler können nur noch pro Pauschale abrechnen, statt wie bisher pro Tag und Behandlung. Bei der Fallpauschale ist es egal, wie lange der Eingriff dauert, wie lange der Patient im Spital liegen muss, wie aufwändig der Einzelfall tatsächlich ist. Das führt unter den Spitälern zu einem Konkurrenzkampf um die Patienten – und auch zu einem Kampf um die

Kosten. Wo wird zuerst gespart? Natürlich beim Pflegepersonal. Das senkt im Moment vielleicht die Kosten, aber schlussendlich ist der Patient nur ein Patient, der mit einem Problem im Spital liegt und Hilfe erwartet. Wie ist ihm egal. Aber was er sicher nicht will, ist sich von einem Arzt den Blinddarm rausoperieren zu lassen, der schon 24 Stunden arbeitet und völlig übermüdet ist, wie heute üblich in Deutschland. Als Patient will ich auch nicht in einem Spitalbett liegen, auf die Schwester warten, die neben mir noch massiv mehr Patienten betreuen muss. So habe nicht nur ich als Patientin ein Problem, sondern auch das Pflegepersonal. Wo es Verlierer gibt, gibt es aber auch Gewinner. Im neuen System sind das die hoch bezahlten Manager der Krankenkassen.

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Die Schere schliessen! Warum wird in der Bildung gespart? Warum bezahlen wir so viele Steuern? Und warum stagnieren die Löhne? Schuld sind die Steuergeschenke an Abzocker und Bonzen. Nun können wir das ändern: Am 28. November mit einem Ja zur Steuergerechtigkeitsinitiative und Anfang 2011 mit der Bonzensteuer. Fabian Molina

Seit ungefähr 30 Jahren öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich weltweit. In der Schweiz besitzen heute die 10 Prozent Reichsten 73 Prozent der Vermögen. Der durchschnittliche Manager verdient 72 Mal mehr als der schlechtestbezahlte Mitarbeitende seiner Unternehmung. Kurz: die Ungleichheit in unserer Gesellschaft steigt. Die Startchancen sind immer unterschiedlicher verteilt, die Löhne immer ungerechter, und die Gesellschaft driftet zusehends auseinander. Schuld daran ist eine neoliberale Politik, die auf das Recht des Stärkeren setzt und die Gesellschaft für ein Relikt des Mittelalters hält. Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung lauten die Schlagworte. Und: Steuern runter. Dabei geht es aber in erster Linie um die oberen Zehntausend. Um die, die ohnehin schon haben. Denn, so die Behauptung, wenn durch tiefe Steuern einige Reiche angelockt werden, profitierten letztendlich alle. Der Kampf um die Reichsten Der Steuerwettbewerb zwischen den Ländern, Kantonen und Gemeinden führt aber dazu, dass die Steuersätze für Abzocker und Bonzen mehr und mehr sinken. Die Einnahmen des Staates werden kleiner. Und dieser Einnahmen-Rückgang wird kompensiert über Sparpakete. In ganz Europa wird heute gespart: in der Bildung, bei den Sozialwerken, im öffentlichen Dienst. Überall dort, wo die Superreichen nicht betroffen sind. Der Steuerwettbewerb sowie tiefe Steuern für die obersten Vermögen und Einkommen kommen als Allzweckmittel zum Wohle aller daher. In Tat und Wahrheit nützen sie aber nur einigen wenigen und schaden uns allen. Und zwar in dreifacher Hinsicht: Wir können erstens vom Wettlauf um die tiefen Spitzensteuersät-

ze nicht profitieren, zweitens zahlen wir mehr Steuern, als wenn das Steuersystem gerecht wäre, und wir haben drittens unter den Folgen der tiefen Spitzensteuersätzen, den Abbaumassnahmen, am meisten zu leiden. Schluss mit den Privilegien Die Steuergerechtigkeitsinitiative der SP will diese Privilegierung einiger weniger stoppen. In allen Kantonen sollen auf Einkommen von über 250 000 Franken mindestens 22 Prozent Steuern erhoben werden und für Vermögen von über 2 Millionen Franken mindestens 5 Promille. Damit wäre dem ruinösen Kampf um die Reichsten ein Riegel geschoben; alle hätten überall in der Schweiz einen Mindestbetrag zu bezahlen. Höhere Steuern für Bonzen und Abzocker kann jeder Kanton selbstständig erheben. Genau das will auch die Bonzensteuer-Initative, welche der ausserordentliche Parteitag der JUSO Kanton Zürich Ende September beschlossen hat. Sie legt den Fokus auf die Vermögen: Wer mehr als 2

Millionen Franken steuerbares Vermögen hat, soll insgesamt gut 1 Prozent Steuern dafür bezahlen. Damit liessen sich für den Kanton Zürich Mehreinnahmen von rund 100 Millionen Franken einfahren. Geld, das über staatliche Leistungen allen zugute kommt. Schon heute ist der Kanton Zürich aufgrund seiner Lage und seiner Infrastruktur der attraktivste Kanton. Und da auch Bonzen ihren Wohnsitz nicht alleine wegen der Steuerbelastung auswählen, bleiben sie uns weiter erhalten. Wie übrigens auch dem Kanton Genf, der die höchsten Vermögenssteuern der Schweiz kennt. Anfang 2011 beginnen wir mit der Unterschriftensammlung für unsere Bonzensteuer-Initiative «Für eine gerechte Vermögensverteilung». Zusammen mit der Steuergerechtigkeitsinitiative haben wir endlich die Möglichkeit die Schere im Kanton Zürich und schweizweit zu schliessen. Packen wir sie!

Seite 5 «Was das Panorama der Schweiz bestimmt», Illustration Julia Marti. Julia arbeitet als Grafikerin und Illustratorin in Zürich. Ihre Bilder wurden unter anderem im Tagesanzeiger und auf www.dasmagazin.ch veröffentlicht. www.juliamarti.com Wir möchten in jeder Ausgabe einer jungen Illustratorin / einem jungen Illustratoren die Gelegenheit geben, ihr/sein Schaffen zu präsentieren. Wärst du daran interessiert, auf Seite 5 ein Werk von dir zu sehen? Dann melde dich bitte bei redaktion@juso.org.

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Umsturz im Bundesrat Yves Chopard Wenn man die Fakten genauer betrachtet, war die Departementsverteilung im Bundesrat nichts anderes, als ein gewaltloser Umsturz der Regierung durch die Wirtschaft. Eine Minderheit, die Vertreter von knapp 40 Prozent der Bevölkerung, griff sich die wichtigsten Departemente. Der grössere Teil (Linke und Rechte) musste sich mit Peanuts abspeisen lassen. Die Demokratie wurde links liegen gelassen. Und weshalb? Weil es die Wirtschaftskrösusse von Economiesuisse und Co so wollten. Diese riefen schon lange nach einer bürgerlichen Leitung des UVEK, um ihre Pläne für mehr Privatisierung und weniger Ausgaben für öffentlichen Verkehr und Umweltschutz voran zu treiben. Enormer Schaden ist unter Bundesrätin Leuthard, die früher für Atomkraftwerke lobbyierte, vorprogrammiert. Wenn sich die SP nun aus dem Bundesrat

verabschieden würde, wäre dies verantwortungslos gegenüber den linken WählerInnen, das heisst gegenüber gut 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Man sollte endlich aufhören mit dieser «Kuschelpolitik» gegenüber den Parteien der Wirtschaft und bei den nächsten Bundesratswahlen zusammen mit den Grünen und der JUSO (hoffentlich gewinnen wir einige Sitze) im Parlament so richtig auf den Putz hauen und die Werte einer Demokratie verteidigen. Darunter verstehe ich: Leuthard nicht wiederwählen, Widmer-Schlumpf mit Hilfe der SVP abwählen und der FDP den zweiten Sitz wieder entreissen, um die drei machtgierigen «Mitte»-Parteien, welche sich plötzlich wie Wahlgewinner benahmen, in ihre Schranken zu weisen. Und mit der 1:12-Initiative können wir der Wirtschaft wieder einmal zeigen, dass wir uns nicht alles gefallen lassen und wer in der Schweiz an der Macht ist. Und das sollte niemand anders sein, als wir, das Volk.

AKW-Lobby an der Spitze des UVEK Rachel Plüss Mit dem Wechsel von Doris Leuthard ins UVEK ist nun die Atomlobby im Bundesrat noch besser verankert. Bürgerliche Politiker freuen sich mit Leuthard auf eine strahlende Zukunft. Laut Economiesuisse-Boss Gerold Bührer bräuchten wir bis 2020 zwei neue Atomkraftwerke, um unsere Stromversorgung zu sichern. Leuthard soll ihm dabei behilflich sein. Sie war bis anhin Ehrenmitglied bei der Lobbyorganisation «Nuklearforum Schweiz». Die bürgerlichen Parteien erhoffen sich nun von Leuthard eine andere Umweltpolitik. Eine Umweltpolitik, die das Vorantreiben der erneuerbaren Energien verhindert und das Problem mit der Atomenergie ignoriert. Die

Bürgerlichen behaupten, ohne AKWs nicht leben zu können. Tatsache ist, dass wir bis heute immer noch keine Lösung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle gefunden haben. Das Argument der Atomlobby, nur durch AKWs würden C02-neutral Arbeitsplätze geschaffen, ist schon lange widerlegt. Die Cleantech-Initiative der SP zeigt, dass auch dank erneuerbaren Energien viele neue Arbeitsplätze entstehen können. Atomkraft ist zudem keineswegs CO2-neutral. Beim aufwändigen Abbau des Urans wird durchaus CO2 freigegeben. Im Vergleich: Solar-, Wasser- und Windenergie verbrauchen 10-40 g CO2/ kWh. Atomstrom verbraucht im Durch-

schnitt 60 g CO2/kWh. Da immer noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung zwar für Atomkraft ist, aber gegen eine Entsorgung des radioaktiven Mülls in der eigenen Gemeinde, kann das Problem nie gelöst werden. Man müsste die Zustimmung für ein sicheres Endlager an die Bedingung knüpfen, in Zukunft auf Atomenergie zu verzichten. Doch mit Doris Leuthard im UVEK ist dieses Ziel in weite Ferne gerückt. Nun müssen wir uns auf eine neue Ära gefasst machen, wo es wieder heisst, auf die Strasse zu gehen um gegen geplante Atomkraftwerke zu demonstrieren.

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«Gerecht? Was heisst denn gerecht?» Lena Lademann Ich wünschte, mein Gedächtnis wäre besser! Noch nie hat man so viele komische und sauglatte Argumente gehört wie beim Unterschriftensammeln – am liebsten hätte ich Bleistift und Notizbuch gezückt. Aber damit hätte ich die weniger Mutigen definitiv ins Aus gejagt. Naja, auch mir war nicht immer gleich tapfer zu Mute, spätestens dann nicht mehr, wenn gerade von beiden Seiten Hunderte von Leuten über mich wegrannten. Mit dem Unterschriftensammeln hat es sich so: Mal läuft es super, dann gar nicht. Aber solange die Füsse noch einigermassen warm sind, wird man fast gratis unterhalten – vor allem bei der

1:12-Initiative. Wer hätte gedacht, dass die Mehrheit der Menschen so verblüffend fremde Gedanken hat? Folgende Dialoge waren typisch: A: «Unterschreiben Sie für gerechtere Löhne!» – B: «Nein Danke!» oder B: «Ich bin selbstständig erwerbend.» oder B: «Seged si eigentli nur Grüezi, wenn si öppis vo eim wend?» Andere haben mich sogar umarmt, weil sie entweder gerade sehr glücklich waren wegen ihrer Hypothek, oder weil sie für die Legalisierung von Marihuana und Ähnlichem waren. Es gibt einige logistische Probleme: Man braucht zum Beispiel dringend einen Coop oder Migros in der Nähe, um sich aufzuwärmen und den Hunger zu stillen. Ausserdem braucht man viele

Unterschriftenbogen – jede Gemeinde braucht ja ein eigenes Blatt. Da gab es übrigens auch viele, die das für Papierverschwendung hielten. Wirklich wichtig sind auch die eigenen Kleider, die müssen wetterfest sein. Für wen lohnt es sich, sammeln zu gehen? Eigentlich für alle, die schon immer gerne mal eine Feldstudie in Sachen Persönlichkeitsstörungen machen wollten. Und natürlich für jene, die Feuer und Flamme für ihr Anliegen sind. Nirgendwo sonst kommt man mit so unterschiedlichen Menschen in Kontakt, nicht einmal an der Kasse vom Migros – und das weiss ich.

my home is my castle Lena Lademann Seien wir mal ehrlich: Was wollen wir von und in der Politik? – Ein besseres Leben. Die Schweiz ist eine Demokratie, Dübendorf eine Agglomerationsgemeinde von Zürich, und das Stadtzentrum von Dübendorf ist leider ausgesprochen unattraktiv. Im Zentrum von Dübendorf ist nicht viel los, und im Vergleich mit Zürich schneidet der Anblick der Bahnhofstrasse, die das Herzstück der Gemeinde ist, enttäuschend schlecht ab. Es gibt Kaffees und Boutiquen – sogar ein Kino – aber die allein machen keinen heimeligen Eindruck. Was fehlt, ist das Zusammengehören der einzelnen Teile. Raumplanung ist etwas, das täglich unser Leben bestimmt und doch denken wir zu selten daran, sie selber in die Hand zu nehmen. Das Geld fehlt? Das ist nicht wahr. Was nützt Geld, wenn wir damit nichts bauen dürfen? In Dübendorf gibt es direkt neben dem Stadthaus ein attraktives Stück Land, das Leepünt-Areal. Es gehört der Gemeinde und es wird bereits genutzt: Es gibt billige Räume für die Pfadi, einen kleinen Saal für Konzerte und Feste, und dann gibt es noch das «Subito», wo man günstig essen kann. Die Gebäude und Räume sind aber baufällig und das Land noch längst nicht ausgenutzt.

Was eine Stadt mit solchem Land macht, ist zukunftweisend. Die Einwohner wollen Lebensqualität. Dazu gehört die Infrastruktur, aber auch etwas, was den eigenen Wohnort besonders macht und von anderen auf positive Weise abhebt. Es gibt vieles, was wir verändern können mit einem einzigen kleinen Stück Land: Die Raumplanung besitzt auch einen grossen Einfluss auf die Jugend, mit der man ja immer wieder Probleme hat in Dübendorf. Wenn es nirgendwo einen Ort gibt, der offen und schön ist, an dem alle sein dürfen, auch ohne Geld auszugeben, dann sackt die Stimmung sofort ab. Das macht alles aus.

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Kurzgeschichte: Germanistikstudentin im 3. Semester Miriam Seematter Es ist Donnerstagabend. Die Zeiger meiner Armbanduhr sagen mir, dass es kurz vor zwölf ist. Wir stürmen rein in die Meute junger, feierwütiger Studenten. Die Party ist in vollem Gang, und sich einen Weg an die Bar zu bahnen, stellt sich als schwieriger raus, als erwartet. An der Theke angekommen, ist der Durst nach Ausgelassenheit noch grösser geworden. Meine Begleitung ordert mir einen VodkaLemon, sich selbst Whisky-Cola. Er ist Architekturstudent. Ich bin ein Eindringling. Auf der Hinfahrt hab ich mir bereits mehrere falsche Identitäten ausgedacht.

1. Jasmin, Ethnologie – passionierte Weltretterin 2. Rebecca, Fotografie – hat ein Auge für die schönen Dinge im Leben 3. Andrea, Germanistik – konnte sich mit 12 bereits besser ausdrücken als ihr Vater 4. Manuela, Pädagogik – will unsere Nachkommen auf den richtigen Weg bringen 5. Sophie, Geschichte – glaubt, dass die Mensch- heit nie von der Vergangenheit lernen wird

Mit Andrea konnte ich mich anfreunden. Die Rolle ist unscheinbar und glaubwürdig. Noch bevor ich

Lexikon Feminismus, (abgeleitet aus dem frz. féminisme, vom lat. Wortstamm femina = Frau) ist eine Sammelbezeichnung für heterogene Konzepte, die die Rechte und Interessen von Frauen thematisieren. Von der gesellschaftlichen Ungleichheit zwischen Mann und Frau ausgehend, zielt der Feminismus auf eine verbesserte Lage der Frau und ihre faktische Gleichstellung in der Gesellschaft. Unter dem Begriff Feminismus werden zahlreiche, teilweise auch gegenläufige Strömungen zusammengefasst. Bis heute hat sich keine einheitliche feministische Theorie herausbilden können, und es ist umstritten, ob dies möglich ist. Die politische und soziale Bewegung des Feminismus geriet immer wieder in Krisen. Dem Rückzug ins Private folgte bei einigen Feministinnen die Hinwendung zum Esoterischen, zu einer «neuen Weiblichkeit», was heute teilweise als eigene Richtung des Feminismus interpretiert, teilweise auch als Weiterentwicklung des traditionellen Differenzfeminismus angesehen wird. Quelle: wikipedia.

mir einen Überblick im Getümmel verschaffen kann, spricht mich ein Ray-Ban-Brille und Karohemd tragender Typ an. Er stellt sich als Sebastian vor. Architektur im 5. Semester – was mich an einer Architektur-Studentenparty nicht sonderlich verwundert. «Hab dich auf dem Campus noch nie gesehen und dein hübsches Lächeln wäre mir bestimmt aufgefallen!», flirtet er mich platt an. Wenig beeindruckt erwidere ich: «Liegt wohl daran, dass ich an der Uni studiere.» Er probiert mich – beziehungsweise Andrea – in ein Gespräch zu verwickeln. Er löchert mich mit Fragen über Studium und Lebensziele, die in mir eine tiefe Abneigung wecken. Meine Antworten sind genau überlegt und Sebastian glaubt alles. Um ihn loszuwerden murmle ich etwas von «Toilette… bis später...», so verdrücke ich mich und geh nach draussen. Ich kriege Gewissensbisse, schäme mich, dass ich nicht zu mir stehen kann. Doch ich wollte nicht zugeben, dass ich weder studiere noch irgendwelche Pläne habe. Eine einfache Kellnerin zu sein, fühlte sich minderwertig an. Gerne wäre ich etwas wie Andrea, die nach ihrem Studium in einem Verlag als Lektorin tätig sein wird. Doch bin ich nicht Andrea. Die Suche nach einer Leidenschaft, einem Ziel entwickelte sich zu einer komplizierten Angelegenheit. Von der Feierlaune habe ich mich damit verabschiedet, den letzten Schluck meines Vodka-Lemon getrunken und meine Jeansjacke aus dem überdimensionalen Kleiderhaufen raus gewühlt. So verschwinde ich mit Andrea nach Hause.

Impressum: Herausgeberin: neuland ist das offizielle Publikationsorgan der JUSO Kanton Zürich und ihrer Sektionen: JUSO Kt. Zürich; Postfach 3015; 8021 Zürich; www.juso.org. Redaktion: (erreichbar unter redaktion@juso.org): Lena Lademann, Rachel Plüss, Yves Chopard, Severin Pomsel, David Gallusser, Fabio Höhener, Luzi Borner, Lucia Thaler, Samuel Haffner, Marco Geissbühler, Cédric Weidmann. Konzept & Gestaltung: Luca Eusebio Druck: spescha e grünenfelder, Ilanz Auflage: 1000 Ex. Abos: Mitglieder der JUSO Kanton Zürich erhalten neuland gratis zugestellt. Alle anderen können für bloss 20 Franken ein Jahresabo bestellen. Einfach eine Mail mit eurer Adresse und dem Betreff «Abo» an redaktion@juso.org senden.

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