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Zeitschrift der JUSO Kanton Z체rich November 2009, Nr. 2, www.juso.org

Z체richsee

Minarett-Initiative

Regierungsratswahlen

Wir fordern freien Zugang zum Seeufer. Seite 3

Zu Gast auf einen Kaffee bei Imam Ahmad. Seite 6

Warum wir trotzdem Dani Jositsch w채hlen. Seite 7


November 2009

Parolen Abstimmungen vom 29. November 09:

JUSO-Agenda Kulturtipps Di, 24.11.2009 Allgemeines Aktionsgruppentreffen

Eidgenössische Abstimmungen Volksinitiative «für ein Verbot von Kriegsmaterialexporten»: Ja Volksinitiative «gegen den Bau von Minaretten»: Nein

(AA) JUSO Winterthur, Zeit: 19:30, Ort: UNIA Sekretariat, Lagerhausstrasse 6, Winterthur.

Stadt Zürich Stadtpark Hardau, Objektkredit von 13,23 Mio. Franken: Ja

Ort: Bellevue, Zürich.

Do, 26.11.2009 Sammeln 1:12-Initiative, Zeit: 17:30,

Neues Organisationsmodell für die Sozialhilfe in der Stadt Zürich, Änderung der Gemeindeordnung: Ja Elektrizitätswerk, Erhöhung des Objektkredites für eine zweite Bohrung zur Erforschung der Geothermienutzung und zur Erschliessung des Wärmepotenzials im Triemli-Quartier sowie für den Bau einer Energiezentrale: Ja Volksinitiative «40 Meter sind genug»: Nein

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Fr, 27.11.2009 Sammeln 1:12-Initiative vor dem «Stars For Free», Zeit: 18:30, Ort: Hallenstadion, Zürich.

Fr, 04.12.2009 PolitZnacht, Zeit: 19:00, Ort: Gartenhofstrasse 7, Zürich. Di, 08.12.2009 Vollversammlung (VV) JUSO Stadt Zürich, Zeit: 19:00, Ort: Gartenhofstrasse 7, Zürich. Vollversammlung (VV) JUSO Winterthur, Zeit: 19:30, Ort: UNIA Sekretariat, Lagerhausstrasse 6, Winterthur.

Sa, 12.12.2009 Delegiertenversammlung (DV) JUSO Schweiz, Zeit: 13:15, Ort: wird noch bekannt gegeben.

Di, 15.12.2009 Jahresversammlung (JV) JUSO Winterthur, Zeit: 19:30, Ort: UNIA Sekretariat, Lagerhausstrasse 6, Winterthur.

Arschloch des Quartals Der Schwyzer SVP-Nationalrat Peter Föhn hat vor Kurzem für Aufregung gesorgt, weil er die Existenz von Viren als Krankheitserreger anzweifelt. Dass Viren die Verursacher von Blauzungenkrankheit sowie Vogel- oder Schweinegrippe sind, stempelt der Möbelfabrikant als gefährlichen Mythos ab und fordert in einer Interpellation vom Bundesrat den Gegenbeweis. Wirklich skandalös ist dabei die Zusammenarbeit mit skurrilen radikalen Impfkritikern und Weltverschwörern, die sich zum «Aktionskomitee Interpellation Peter Föhn» zusammengeschlossen haben. In diesem Komitee sitzen Leute wie Stefan Lanka, der als «geistiger Urheber» von Föhns Interpellationsanfrage gilt. Der Verschwörungstheoretiker Lanka glaubt, dass geheime Mächte mit der Virenangst einen Krieg gegen die Menschheit führen. Er ruft zum bewaffneten Widerstand gegen die Regierung auf: «Jeder Wehrfähige hat eine ordentliche Spritze zu Hause», und meint damit das Sturmgewehr.

Kulturtipps Am 29. November könnt ihr ein Zeichen für eine friedlichere Welt setzen. Einfach ein JA zur Initiative «für ein Verbot von Kriegsmaterialexporten» in die Urne werfen. Um euch mental ein wenig darauf einzustimmen, hier ein paar künstlerische Meisterwerke mit Friedensbotschaft. Yell Fire! Musikalbum von «Michael Franti & Spearhead». Franti ist nicht nur «Zwei Meter Sex», wie eine hier nicht näher genannte JUSO-Genossin einmal meinte, sondern auch zwei Meter Frieden, Gelassenheit und Optimismus. Gemeinsam mit seiner Band, den Spearheads, bringt der Hüne Botschaften für eine bessere Welt, verpackt in packende Rhythmen und Melodien. Brillant vereint die Combo Elemente aus Rock, Funk, Afrobeat, HipHop, Reggae und Dancehall. ANTI-, 2006, 66:37 Minuten, 28.50 Franken Der unbekannte Soldat Roman von Väinö Linna. Als Soldat der finnischen Armee musste Linna selbst im Fortsetzungskrieg (1941-1944) gegen die Truppen Sowjetrusslands kämpfen. Seine Erlebnisse verarbeitete er in diesem Roman. Anhand der Geschichten einfacher Soldaten schafft es der Autor, die ganze Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges schonungslos aufzuzeigen. Damit vermochte er den finnischen Nationalmythos von der heroischen Verteidigungsarmee nachhaltig zu untergraben. Verlag Volk & Welt, 1973, ASIN: B002BEKYEA, vergriffen (im Internet ersteigern...) Apocalypse Now Film von Francis Ford Coppola. Der Antikriegsfilm schlechthin. Mitten im Vietnamkrieg erhält Captain Willard den Auftrag, den abtrünnigen Colonel Kurtz zu liquidieren. Dieser hat sich im kambodschanischen Dschungel ein eigenes Reich aufgebaut, über das er gebieterisch herrscht. Willard macht sich in einem Patrouillenboot samt Besatzung von Saigon aus auf den Weg. Die Reise der Männer entwickelt sich zu einem Höllentrip durch die Absurditäten eines sinnentleerten Krieges und offenbart die Abgründe der menschlichen Seele. United Artists, 1979, 153 Minuten, 20 Franken

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Wem gehört der See?

Corina Bürgi In einer Nacht- und Nebel-Aktion brachte die JUSO an diversen privaten Grundstücken entlang des Ufers in Wädenswil Schilder an, die einen offenen Zugang zum Zürichsee fordern. Die Schilder laden zum betreten der Gelände ein oder werfen die Frage auf, ob Geld über dem Gesetz steht. Mit dieser Aktion wollen wir den freien Zugang zum Seeufer thematisieren. Der See gehört allen! Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt. Laut dem Bundesgesetz zur Raumplanung (RPG) müssen Kanton und Gemeinden dafür sorgen, dass der Zugang zum See überall da erleichtert wird, wo dies möglich ist. Wird das Seeufer bald zu einem riesigen öffentlichen Platz fürs Grillieren, Baden und Relaxen? Kaum. Gerade das linke Zürichseeufer ist dominiert von privaten Grundstücken. In den meisten Gemeinden sind die wenigen frei zugänglichen Plätze am See recht klein. Dies ist auch in Wädenswil so. Der «Seeweg» von Wädenswil nach Horgen führt mehrheitlich zwischen dem Bahngleis und den Hecken privater, eingezäunter Grundstücke entlang. Und an einer unbebauten

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Fläche sollen anstelle eines Erholungsgebiets für alle (einmal mehr) Luxuswohnungen für Wenige entstehen. Nichts zu machen? Doch, denn der grösste Teil des Seeufers gehört der öffentlichen Hand. Die meisten Ufergebiete sind Seeaufschüttungen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts veranlasst wurden. Viele Flächen wurden privaten Nutzerinnen und Nutzern zu unterschiedlichen Bedingungen überlassen. Das Konzessionsland darf jedoch nur für eine befristete Dauer an Private übergehen. Dies legte das Bundesgericht deutlich in seinem Entscheid vom 30. Oktober 2000 fest. Nach Ablauf der Konzessionsdauer gehört das Grundstück wieder der öffentlichen Hand. Grosse Teile des Seeufers frei zugänglich zu machen ist also nicht nur möglich, sondern eine Pflicht. Dass diese Pflicht eingehalten wird, dafür setzen wir uns in der JUSO Linker Zürisee ein.

Scheinlösung: Wieso Minder keinen Abzocker stoppt David Gallusser Keine Frage: Die Minder-Initiative hat eingeschlagen. Da haben wir auf der einen Seite den anständigen Schaffhauser KMUler Thomas Minder, der endlich Schluss machen möchte mit der «Abzockerei». Auf der anderen Seite stehen die arroganten Abzocker-Manager, die mit ihren unvorstellbar hohen Gehältern wahrlich nicht zu den öffentlichen Sympathieträgern gehören. Das Szenario ist so gut, dass der Inhalt der Initiative zur Nebensache wird. Denn was Minder eigentlich will, ist die Stärkung der AktionärInnen gegenüber den ManagerInnen: An der Generalversammlung soll über die Löhne der Manager abgestimmt, mit der Abschaffung des Depotstimmrechts sollen die Banken entmachtet und Abgangsentschädigungen sollen verboten werden.

Das ist schön und gut, aber nur eine Scheinlösung gegen Abzocker. Denn die Leidtragenden der Abzocker-Manager sind alle anderen ArbeitnehmerInnen. Ihre Löhne stagnieren seit Jahren, weil sich die Manager immer mehr vom Kuchen nehmen. Das wird sich aber kaum ändern, wenn die AktionärInnen mehr zu den Löhnen der Manager zu sagen haben. Überhaupt ist es fraglich, ob AktionärInnen mit mehr Macht die Managergehälter überhaupt kürzen. Die Mehrheit der Aktien wird oft von Grossaktionären und den Chefs von institutionellen Anlegern kontrolliert. Die haben aber kein Interesse daran, die Gehälter ihrer Abzocker-Kollegen zu begrenzen, weil sie oft in den gleichen Machtnetzwerken verkehren. Genauso untauglich, um Abzocker zu stoppen, ist das Vorhaben des Schweizer Finanzmarktregulierers Finma. Sie will die Fehlanreize ausmerzen, indem Banken und Versicherer verpflichtet werden, Boni transparenter und nur noch am langfristigen Gewinn orientiert auszuzahlen. Was Anreize leicht verschiebt, verhindert noch lange nicht Umverteilung von unten nach oben. Das vermag einzig und alleine die 1:12-Initiative: Sie stoppt Abzocker-Manager, damit die Löhne aller wieder steigen.

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Sozialismus mit oder ohne Religion? Das Religionspapier hat innerhalb der JUSO zu heftigen Diskussionen und Kritik an der Geschäftsleitung geführt. An der Delegiertenversammlung vom 24. Oktober in Solothurn folgten die offizielle Debatte und die Abstimmungen über die zahlreichen Änderungsanträge. Lucia Thaler

Die Minarett-Initiative, aber auch die Frage, ob SchülerInnen aus religiösen Gründen von Schulstunden dispensiert werden sollen, zeigen, dass Religion in der Öffentlichkeit wieder vermehrt zum Thema wird. Bis jetzt gibt es noch keine gemeinsame Position zum Verhältnis zwischen Staat und Religion innerhalb der Linken. Die JUSO will das nun mit einem Positionspapier ändern. Anfangs Oktober hat die Geschäftsleitung der JUSO Schweiz ihren Entwurf für ein Positionspapier zum Thema Religion veröffentlicht. Ihr Vorgehen dabei stiess auf scharfe Kritik: Noch bevor die Basis das Papier diskutieren konnte, gab die Geschäftsleitung es an die Medien weiter. An der Delegiertenversammlung in Solothurn stellte darum die Sektion Aargau einen Antrag auf Ausarbeitung einer Kommunikationsstrategie für die JUSO Schweiz, welcher einstimmig angenommen wurde. Das Religionspapier führte zu einer Grundsatzdiskussion in der JUSO. Einige Mitglieder konnten überhaupt nicht hinter dem Entwurf der Geschäftsleitung stehen und bezeichneten ihn als antireligiös und intolerant. Die Einleitung sei polemisch und erwähne nur die schlechten Seiten der Religionen. Die Sektion Neuenburg nannte das Positionspapier gar stalinistisch und stellte an der DV einen Antrag auf Absetzung der gesamten Geschäftsleitung, der aber klar abgelehnt wurde. Die Rolle der heutigen Religionsgemeinschaften wird in der JUSO ganz unterschiedlich bewertet. Einige sehen vor allem Positives, wie die christlichen Hilfswerke oder den Einsatz der Landeskirchen für ein menschlicheres Asylrecht. Andere betonen die nach wie vor bestehenden Schattenseiten der institutionalisierten Religionen, wie die Benachteiligung von Frauen und Homosexuellen oder die undemokratischen Strukturen. Verhärtete Fronten Wie bei einem so umstrittenen Thema zu erwarten, wurden um die fünfzig Änderungsanträge an die Delegiertenversammlung gestellt. Nachdem der Rückweisungsantrag mit 63 zu 48 Stimmen scheiterte, begann

die Debatte über einzelne Änderungsanträge. Die zentrale Frage blieb immer die gleiche: Fordern wir eine strikte Trennung von Staat und Religion? Oder soll der Staat Religionsgemeinschaften, die gewisse Regeln erfüllen, anerkennen und unterstützen? Wie sich in den Abstimmungen über die Änderungsanträge zeigte, sprach sich eine knappe Mehrheit der über hundert anwesenden JUSOs an der DV für eine absolute Trennung von Staat und Religion aus. Die Fronten dabei waren festgefahren. Nur bei der Einleitung kam es zu einem Kompromiss. Der Text der Geschäftsleitung wurde durch die Variante der Sektion Basel Stadt ersetzt. Die Delegierten diskutierten lange und angeregt. Die Zeit verging, bis um halb sechs die Sektion Solothurn bemerkte, dass sie den Raum für die DV nur bis um sechs gemietet hat. Die Zeit reichte nicht mehr, um über alle Anträge zu befinden und so wird die Diskussion an der nächsten Delegiertenversammlung vom 12. Dezember weitergehen.

Seite 5 Julia Marti illustriert einen Aspekt des Kriegsmaterial-Exportes. Julia arbeitet als Grafikerin und Illustratorin in Zürich. Ihre Illustrationen wurden unter anderem im Tagesanzeiger, auf www.dasmagazin.ch und in diversen Comic– und Illustrationspublikationen veröffentlicht. Wir möchten in jeder Ausgabe einer jungen Illustratorin / einem jungen Illustratoren die Gelegenheit geben, ihr/sein Schaffen zu präsentieren. Wärst du daran interessiert, auf Seite 5 ein Werk von dir zu sehen? Dann melde dich bitte bei redaktion@juso.org.

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Minarett-Gespräch bei Kaffee und Kuchen Am 29. November stimmen wir über die Anti-Minarett-Initiative ab. Von der «Schleichenden Islamisierung der Schweiz» ist im Abstimmungskampf die Rede. Und das Verbot der Abstimmungsplakate in einigen Städten kommt laut Initianten einem Kuschen vor dem Islam gleich. Aber wie gefährlich ist diese Religion wirklich? Ein Besuch in der Mahmud Moschee in Zürich. Fabian Molina

An der Station Balgrist herrscht ein geschäftiges Treiben. Trams und Autos legen einen gleichmässigen Lärm über das Quartier. Menschen laufen am Minarett vorbei, scheinbar ohne davon Notiz zu nehmen. Dabei ist es nicht zu übersehen. Ein 16 Meter hoher Turm mit einem grünen Halbmond zuoberst, auf einem kleinen Gebäude mit Balkon. Hoch ragt er in den blauen Himmel. Ich klingle an der Türe und ein bärtiger Mann öffnet mir mit einem «Grüezi». «Wie geht‘s?», fragt er mich als erstes, was so gar nicht zum Klischee des Hasspredigers passen möchte, welches die SVP im Abstimmungskampf gerne zelebriert. Dabei stammt Sadaqat Ahmad, der Imam der Mahmud Moschee, sogar aus Pakistan – dem Herzland von allem, was dem wackeren Stammtischbünzli Angst macht. Er führt mich in den ersten Stock, in den Gebetsraum. Ich ziehe die Schuhe aus. Zuviel Liebe und Gemeinsamkeit Die Ahmadiyye Bewegung für den Islam ist seit 1946 in der Schweiz aktiv. Als Missionare. «Das darf man aber nicht mit den alten Missionen der Christenheit verwechseln!», erklärt mir Sadaqat Ahmad. «Wir lehnen Gewalt strikt ab und versuchen lediglich, den Menschen die wahre Botschaft des Islam ans Herz zu legen.» Es bestünden viele Vorurteile und Missverständnisse, was den islamischen Glauben beträfe. Besonders seit dem 11. September 2001 habe sich das Bild, auch in der Schweiz, verändert. «Aber gibt es denn keine Extremisten?», frage ich ihn. Doch, einige habe er sogar schon kennen gelernt. Aber die hätten den Islam falsch verstanden. Einmal seien zwei junge Männer zum Islam konvertiert und einige Zeit in seine Moschee gekommen. Nach ein paar Monaten hätten sie die Moschee aber wieder verlassen und spä-

ter sogar das Buch, das ihnen Ahmad geschenkt hat, wieder zurückgeschickt. Das Bild von Sheik Nasir Ahmad, dem Gründer der Ahmadiyye Bewegung, sei mit einem Bild von Osama bin Laden überklebt gewesen. «Wir hätten zuviel von Liebe und den Gemeinsamkeiten der Menschen gesprochen.» Doch Toleranz und Glaubensfreiheit sind dem Imam wichtig. So lautet das Motto der Moschee auch: «Liebe für alle, Hass für keinen.» Aber ist die Ahmadiyya Bewegung nicht einfach eine Ausnahme in der Schweiz? Wohl eher nicht. Von den 5,8 Prozent Muslimen sind die meisten in Gemeinschaften und kulturübergreifenden Dachverbänden organisiert. Der Staatsschutz hat bis jetzt keine Anzeichen gefunden, die Anlass zur Beunruhigung gäben. Verständnis zwischen den Kulturen fördern Sadaqat Ahmad beunruhigt etwas ganz anderes: Die Minarett-Diskussion gefällt ihm gar nicht. «Die Initiative ist diskriminierend und grenzt einseitig die Muslime aus.» Sie löse kein einziges Problem, im Gegenteil. Die Muslime würden genau in die Arme dieser Extremisten getrie-

ben, die für Gewalt und Intoleranz verantwortlich sind. Die Plakate gehören seiner Meinung nach verboten. «Was diskriminierend und rassistisch ist, sollte nicht erlaubt sein!» Deshalb engagiert er sich für ein Nein zur Initiative. Er hat bereits an mehreren Podien teilgenommen und auch einen Flyer hat die Bewegung produziert. Das wichtigste aber sei, das Verständnis zwischen den verschiedenen Religionen zu fördern und Vorurteile abzubauen. Darum öffnet die Moschee ihre Türen immer wieder für Nicht-Gläubige oder organisiert Führungen für Schulkassen. Und noch eine interessante Info bekomme ich: Das Minarett der Mahmud Moschee ist gar nicht begehbar. Ein rufwilliger Muezzin hätte es deshalb ziemlich schwierig. Nach einem Kaffee verlasse ich die Mahmud Moschee wieder, besteige die Forchbahn und fahre Richtung Stadelhofen, vorbei am Swisscom-Gebäude mit seiner 20 Meter hohen Antenne, die hoch in den blauen Himmel ragt.

Offene Moschee Am 21. November, von 10 bis 18 Uhr, findet in der Mahmud Moschee ein weiterer Tag der offenen Moschee statt. Interessierte sind herzlich eingeladen. Das Gebäude befindet sich an der Forchstrasse 323 in Zürich. Am besten mit dem Forchbähnli oder dem 11erTram bis zur Station Balgrist fahren.

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Daniel Jositsch in den Regierungsrat! Linda Bär Spätestens seit seinem repressiven 12Punkte-Plan zur Jugendkriminalität ist klar, dass wir JUSOs nicht immer auf gleicher Linie mit Daniel Jositsch politisieren (Stichwort «Knast für 14jährige»). Zum Glück konnten wir in dieser Frage die Mehrheit der SP Kanton Zürich von unserer Gegenposition überzeugen. Aber es geht hier nicht darum die Differenzen darzulegen, die zwischen Jositsch und uns zweifelsohne bestehen. Hier soll klar werden, wieso wir Jositsch trotzdem tatkräftig unterstützen müssen. Nicht mir einer grossen Mehrheit der Stimmen wurde Jositsch an der Delegiertenversammlung (DV) der SP Kanton Zürich für den Regierungsrat aufgestellt. Nein, er wurde einstimmig nominiert! Und, was wichtig ist, er wurde von der SP nominiert. Das heisst, er hat eine klare SP-Linie zu vertreten – auch was die Fragen der Jugendgewalt angeht. Kein «law and order», sondern vernünftige Lösungen. Jetzt, im Wahlkampf, haben wir das Potential ihn zu verpflichten. Und das werden wir auch tun, indem wir – wie bereits mit Sabine Ziegler in der Stadt Zürich – einen «Contract with the Youth» mit ihm aufsetzten. Ihr werdet davon noch in

Der Tod lebt in Zürich

den Medien hören. An den beiden DVs, an denen beschlossen wurde, dass wir als SP überhaupt antreten und zwar mit Jositsch, war ich dabei. Und ich habe etwas gespürt, was man bei der SP schon lange nicht mehr gespürt hatte. In unserer Mutterpartei hat man wieder Mut, Tatendrang, Aufbruchstimmung, den Willen zur Veränderung und die Überzeugung, dass die Sozialdemokratie die einzige linke (und grüne) Kraft ist, die nachhaltig einen besseren Kanton schaffen kann, gespürt. Schauen wir doch mal die Finanzen des Kantons im Vergleich mit jenen der Stadt an. Aha! Da wo die Bürgerlichen die Mehrheit haben, sieht es miserabel aus. In der Stadt allerdings wirtschaftet die rot-grüne Mehrheit nachhaltig. Die Bürgerlichen wollen uns zwar immer das Gegenteil weismachen; nämlich dass die Linke nichts von Finanzen verstehe. Das Gegenteil ist der Fall. Damit dies so bleibt, brauchen wir Jositsch im Regierungsrat! Gesundheit und Bildung sind zwei kantonale Themen, die nicht den gierigen Händen der Bürgerlichen überlassen werden dürfen. Deshalb brauchen wir Jositsch im Regierungsrat! Und nicht zuletzt für einen nachhaltigen, umweltschonenden Kanton Zürich brauchen wir Jositsch im Regierungsrat! Für eine starke und geschlossene Sozialdemokratie! Für einen sozialen und ökologischen Kanton Zürich! Für Daniel Jositsch im Regierungsrat!

Luzi Borner Dass es schlecht ist, jemanden zu töten, ist uns wohl allen bewusst. Aber wie bewusst ist uns, dass in unmittelbarer Nähe, quasi vor unserer Haustüre, eine Firma ihren Hauptsitz hat, welche täglich Hunderte von Menschen umbringt? Die Rede ist von Rheinmetall Defence (RD), einem Rüstungskonzern mitten in Zürich Oerlikon. Früher hiess die Firma Oerlikon Contraves und sie ist ein Überbleibsel des skandalbehafteten Oerlikon-Bührle-Konzerns. RD verkauft Waffensysteme nach Pakistan, China, Libyen und in den Iran, um nur einige Empfänger zu nennen. Eigentlich ist es Schweizer Rüstungsunternehmen verboten, an Länder Waffen zu verkaufen, welche grobe Menschenrechtsverletzungen zulassen. Anhand von China sieht man, dass dieses Gesetz von RD mit Füssen getreten wird. Der Konzern trägt somit dazu

bei, Diktaturen und Gewaltherrschaften aufzurüsten und zu stärken – Regime, die auf dem Leid unzähliger Menschen errichtet wurden. Ich hoffe, durch diese Informationen wird uns allen klar, dass wir solche Geschäftspraktiken nicht in unserer Nähe haben möchten. Da hilft nur eins: ein JA zur GSoA-Initiative «für ein Verbot von Kriegsmaterialexporten». Alle Mann (und Frau) ab an die Urne!

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Kurzgeschichte: Gegenseitig Cédric Weidmann Robert legte sich auf einer mässig belebten Strassenkreuzung in der Nähe des Helvetiaplatzes mit ausgestreckten Armen auf den Boden. Ein Mensch schrie, man solle aufpassen. Die Autos hielten. Ein Fahrer stieg aus und liess seine Wut in verbaler Form auf Robert niederprasseln. Ein Passant, der gerade den Fussgängerstreifen überquerte, fasste Robert an der Schulter und bot ihm an, ihm aufzuhelfen. «Nein danke, das ist nett, aber ich kann jetzt nicht weg.» Einige Minuten später, weitere stecken gebliebene Autofahrer waren ausgestiegen und manche von ihnen rauchten – an Roberts eisernem Willen verzweifelnd – eine Stresszigarette, kam ein Fahrradfahrer, der quietschend hielt, hastig vom Fahrrad sprang und auf Robert aufmunternd einredete, als gälte es, ihn von seinem Selbstmordversuch abzubringen. «Nein danke, aber mir steht es überhaupt nicht im Sinn,

mich umzubringen», erwiderte Robert ruhig und mit einem Lächeln. «Aber mir!», schrie ein verärgerter Autofahrer. Doch Robert schmiegte seinen Kopf nur wieder an den Asphalt auf dem Fussgängerstreifen, alle seine Extremitäten von sich gestreckt, flach auf dem Boden. Einer der Autofahrer kam zu ihm hin, versuchte ihn mit Gewalt vom Boden aufzuheben, war erfolgreich und schleppte ihn von der Strasse weg. Kaum lag Robert ausserhalb der Strasse, begannen die Autos wieder zu fahren und er lag auf dem Trottoir, auf dem er nur ab und zu einige verwunderte Blicke der Fussgänger erntete. Später am Abend kamen Polizisten vorbei, Robert wusste nicht, wer sie gerufen hatte und es war ihm egal. Auch sie baten ihn aufzustehen, doch Robert weigerte sich. Darauf kamen sie mit Knüppeln und schlugen ihn wund. Niemand fragte ihn später, wieso dass er das getan hatte, so dazuliegen und nichts zu tun. Und niemand wusste deshalb, dass Robert an diesem Tag einfach nur die Welt umarmen wollte.

Lexikon Frieden, der; Gemeinhin negativ definiert: Frieden als Abwesenheit von Krieg. Wo kein Krieg herrscht, ist Frieden. Zustand, in dem Konflikte ohne Gewalt ausgetragen werden. In den 1970er-Jahren durch Johann Galtung (* 24. Oktober 1930 in Oslo) um eine positive Definition ergänzt: Realisierung sozialer Gerechtigkeit; Entfaltung menschl. Fähigkeiten und Selbstverwirklichung; Abwesenheit struktureller Gewalt (im Sinne von vermeidbarer Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse durch Werte, Normen oder Machtverhältnisse). Konflikte werden mit Empathie (Bereitschaft, sich in andere Menschen einzufühlen), Gewaltlosigkeit und Kreativität gelöst. Wichtiger Grundsatz linker Politik; Willy Brandt (* 18. Dezember 1913 in Lübeck; † 8. Oktober 1992), sozialdem. Politiker, ehem. Bundeskanzler BRD: «Frieden ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Frieden.»

Impressum: Herausgeberin: neuland ist das offizielle Publikationsorgan der JUSO Kanton Zürich und ihrer Sektionen: JUSO Kanton Zürich, Postfach 3015, 8021 Zürich; www.juso.org. Redaktion: (erreichbar unter redaktion@juso.org): Linda Bär, Silvana Peier, David Gallusser, Fabio Höhener, Luzi Borner, Lucia Thaler, Luca Egli, Samuel Haffner, Marco Geissbühler, Cédric Weidmann, Patrick Angele. Konzept & Gestaltung: Luca Eusebio Druck: Oranis Offset, Chur Auflage: 1000 Ex. Abos: Ein Abo kannst du nicht wirklich bestellen, da dies unsere Kapazitäten übersteigt. Einfach Mitglied der JUSO Kanton Zürich werden. Dann kriegst du es erst noch gratis! Alle anderen können uns weiterhin beim Alkohol- oder Lebensmitteldealer ihres Vertrauens beziehen.

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