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Zeitung der JungsozialistInnen Journal de la Jeunesse socialiste Giornale Della GioventÙ sOCIALISTA

rot | rouge | rosso #185, August 2009, JUSO Schweiz, Postfach 8208, 3001 Bern, www.juso.ch

1:12-Initiative lanciert!

Am 4. Juli war es endlich soweit! Die JUSO Schweiz hat an ihrer aus­ serordentlichen Jahresversammlung in Köniz bei Bern die 1:12-Initiative für gerechte Löhne lanciert. Rund 150 JUSOs waren bei diesem Event dabei. Mit unserer Initiative wollen wir, dass niemand 12 Mal weniger verdient als der bestbezahlte Manager im ­gleichen Unternehmen.

Damit schaffen wir endlich mehr Gerechtigkeit. Denn heute sind die Lohnunterschiede häufig viel grösser. Daniel Vasella zum Beispiel verdient 720 Mal so viel

wie der am schlechtesten bezahlte Angestellte bei Novartis. Das kann weder mit «Verantwortung», noch «Leistung» gerechtfertigt werden. Das ist schlicht Abzockerei. Mit der 1:12-Initiative dürfen sich die Manager keine solch unverschämten Gehälter mehr auszahlen, womit auch die Löhne unten wieder steigen können. Dass dringender Handlungsbedarf besteht, zeigen auch kürzlich veröffentlichte Studien: Eine Studie der Travail Suisse beispielsweise zeigt, dass sich selbst während der Krise die Lohnschere in vielen Unternehmen weiter öffnet. So lag im letzen Jahr der durchschnittliche Spitzenmanagerlohn in den untersuchten Unternehmen immer noch zwischen dem 20-fachen und dem 195-fachen des tiefsten Lohnes. Die oberen, die die Verantwortung für die Krise tragen, kassieren also weiter munter ab, während die einfachen Angestellten immer weniger verdienen und noch dazu um ihren Arbeitsplatz bangen müssen. Diese Ungerechtigkeit muss ein Ende haben. In diesem Land soll endlich wieder das Volk das Sagen haben, nicht die Bankrottmanager.

1:12-Initiative

Debatte

summercamp

Das Kampagnenteam stellt sich vor. Erfahrt mehr über unsere drei neuen MitarbeiterInnen. Seite 2

Die SP hat einen neuen Auftritt. Lest die unterschiedlichen Meinungen von zwei JUSOs dazu. Seiten 4 und 5

Sommer, Sonne, Sozialismus hiess es vom 1. bis  6. August in Flums. Das ­erste Sommerlager der JUSO, hier ­einige Eindrücke. Seite 8

AZB 3900 Brig

Berfusbildungsfonds Jean-Christophe Schwaab blickt zurück auf die LIPA-Initia­­ tive (S. 6)  |  IUSY-Festival Ein Bericht des internationalen Sekretärs zum diesjäh­ rigen IUSY-Camp (S. 6)  |  EKKJ Was die EKKJ so treibt, und warum ein JUSO darin sitzen soll (S. 7)

Adressänderungen an JUSO Schweiz, PF 8208, 3001 Bern

INFRA


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INFRAROT | JUSO | AUGUST 2009

Campa-TEAM Das Campa-Team der JUSO organisiert in Zusammenarbeit mit dem OK, der GL und dem Zentralsekretariat die 1:12-Initiative. Wer sind diese Leute?

David Gallusser, 24 Jahre

Andrea Arezina, 24 Jahre

Motto: Seien wir realistisch, ­verlangen wir das Unmögliche!

Motto: Nimm das Leben nicht zu ernst, du kommst sowieso nicht lebendig heraus!

Wie bist du zur JUSO gekommen? Mit 15 hatte ich das Bedürfnis die Welt zu verändern. Deshalb trat ich der JUSO bei. Das Bedürfnis habe ich nach wie vor. Und von der JUSO bin ich bisher nicht enttäuscht worden! Was war deine Motivation dich als Kampagnenmitarbeiter für die 1:12-Initiative zu bewerben? Mit der 1:12-Initiative haben wir gemeinsam die Chance gerechte Löhne zu verwirklichen: Wir stoppen die Abzocker-Manager und tragen dazu bei, dass auch die Löhne unten wieder steigen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich dieses wichtige Anliegen tatkräftig unterstützen möchte! Worauf freust du dich am ­meisten? Ich freue mich bereits jetzt auf provokative Aktionen und den Kontakt mit allen – Jusos oder nicht –, die auch für gerechte Löhne stehen und die 1:12-Initiative zum Erfolg tragen. Und natürlich freue ich mich bereits jetzt auf den Moment, wenn wir die 100 000 Unterschriften einreichen!

Wie bist du zur JUSO gekommen? Politik hat für mich schon früh eine Rolle gespielt. Ich liebte die Ge­ schichten meiner Eltern über Tito und über ihre Kindheit im realsozialistischen ­Jugoslawien. Als in mir später der Drang aufkam, mich parteipolitisch zu engagieren, war für mich die Wahl klar: Ich wollte zur JUSO. Was war deine Motivation dich als KampagnenmitarbeiterIn für die 1:12-Initiative zu bewerben? Die 1:12-Initiative ist ein Meilenstein in der Geschichte der JUSO. Hier hautnah dabei sein zu können und neue Erfahrungen zu sammeln, ist eine einmalige Chance. Ausserdem empfinde ich es als Privileg, die Arbeit und das politische Engagement zu verbinden. Worauf freust du dich am meisten? Auf das Unterschriftensammeln. Denn Politik findet auch auf der Strasse statt, in der Diskussion mit den Leuten. Diese Möglichkeit bietet uns die Initiative. Ich freue mich aber auch sehr auf die Zusammenarbeit mit allen Genossinnen und Genossen. Für mich ist die JUSO ein grosses Team. Ich bin überzeugt: wir werden die Initiative rocken und gemeinsam ändern was uns stört!

Annina Grob, age 23 Hobbies : lire des livres, voyager dans le monde, les langues Comment es-tu venu sur le groupe JUSO ? Je suis membre du PS lausannois et Benoît Gaillard, le secrétaire, m’a rendu attentive au fait que la JS Suisse cherche une collaboratrice de campagne pour la Suisse romande pour l’initiative 1:12. Quelles ont été tes motivations pour poser ta candidature en tant que collaboratrice pour la campagne de l'initiative 1:12 ? – le sujet de l’initiative, la « justice salariale », me tient à cœur – l’actualité de l’objet m’interpelle – les tâches comme planifier et organiser la campagne de l’initiative que j’aurai à accomplir Sur quoi te réjouis-tu le plus ? – de travailler en équipe, d’échanger des idées – de travailler avec les différentes sections – de traiter des thématiques importantes comme 1:12


INFRAROT | JUSO | AUGUST 2009

Wort des Präsisdiums

Sommer, Sonne, Sozialismus! Kaum sind die 150 Jusos am 1. August im Hotel Churfirstenblick in Flumserberg angekommen, geht es auch schon voll zur Sache. Workshops, Party, Bier, Leute kennen lernen. Sommer und Sozialismus sind definitiv angekommen, nur die Sonne lässt uns noch etwas im Stich. Aber davon lassen wir uns nicht die Laune verderben, wir wissen, warum wir hier sind.

«Bildet Euch, denn wir brauchen all Eure Klugheit. Bewegt Euch, denn wir brauchen Eure ganze Begeisterung. Organisiert Euch, denn wir brauchen Eure ganze Kraft.» Antonio Gramsci, 1919 Gramscis Worte haben nichts an Aktualität eingebüsst. Die sozialistische Bewegung konnte sich WählerInnenstimmen und politischen Support noch nie erkaufen – nicht wie die von den Banken, Versicherungen und der Pharma­ lobby finanzierten Bürgerlichen. Unser Kapital sind und waren schon immer unsere Mitglieder. Deshalb sind wir auch in Flumserberg. Wir wollen in den Workshops lernen, was Sozialismus im 21. Jahrhundert noch bedeuten kann und wie wir uns gegen Kapitalismus, Krieg und Reaktion wehren. Der Tag beginnt früh, um 9.30 starten die Workshops. Nach drei Stunden «Warum sind wir SozialistInnen?» gibt's Mittagessen und Pause. Um 14.30 beginnen die zweiten Workshops, heute zum Thema internationale Solidarität, Sektionsarbeit, Kampagnen, Grundeinkommen und Allgemeine Erwerbsversicherung, Rechtsextremismus oder Grundbegriffe der Volkswirtschaft. Die Disziplin überrascht: Alle sind pünktlich in den Workshops, die Diskus­ sionen heiss aber ungemein befruchtend, die Stimmung ausgezeichnet. Die Woche in Flumserberg hat mich begeistert, wie noch selten etwas zuvor. Die Energie und der Wille unserer noch jungen Bewegung war deutlich zu spüren. Wenn es vorher noch irgendwelche Zweifel gegeben haben sollte, dann ist spätestens jetzt klar: Es gibt wieder eine junge, linke Bewegung in diesem Land – und mit der 1:12 Initiative schreibt sie ein erstes Stück Geschichte mit.

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Arbeit, Lohn und Rente, statt Profit und Gier! Gesamtschweizerische Demo am 19. September in Bern Oktober 2008: Der Bundesrat schnürt ein Milliarden-Hilfspaket für die Bankrotteure der UBS. Ein Aufschrei geht durch’s Land. Und die JUSO gibt mit ihrer Blockade-Aktion am Paradeplatz dem Unmut des Volkes ein Gesicht. Seither – und ein paar Äusserungen von Steinbrück später – ist es ruhig geworden im Schweizerland. Die Krise schlägt zwar fast täglich zu: Entlassungen hier, Unterdeckung bei den Pensionskassen dort. Aber die Manager und bürgerlichen Politiker­ Innen machen weiter, als sei nichts geschehen. Und bürden den einfachen Angestellten und ArbeiterInnen die Last der Krise auf. Im Aufruf der Gewerkschaften heisst es: «Die Wirtschaftskrise ist die Folge grenzenloser Profitgier, von neoliberalen Ökonomen gepredigt: So haben sie alle Regeln beseitigt, privatisiert und liberalisiert, Managerlöhne und Dividendengewinne hochgetrieben. Und jetzt haben wir den Schlamassel: Die entfesselten Finanzmärkte haben die ganze Wirtschaft in die Krise gerissen. Die unverschämte Abzockerei hat vernichtet, was die Arbeitnehmenden hart erarbeitet haben.» Vor einem Jahr frohlockten manche Genoss­ Innen, der Neoliberalismus sei nun tot. Aber die Entwicklung seither zeigt: es braucht noch einige Anstrengungen, bis wir das Monster endgültig begraben können. Wir wissen, dass eine andere Schweiz möglich ist: eine Schweiz der sozialen Sicherheit, eine Schweiz des ökologischen Umbaus, eine Schweiz ohne Abzockerei! Deshalb haben wir die 1:12-Initiative lanciert. Aber wir wissen auch, dass wir nur gemeinsam mit den Gewerkschaften, sozialen Bewegungen und mit den linken Parteien erreichen können, dass sich in diesem Land wirklich etwas ändert.

Deshalb rufen wir alle Jusos auf, sich am 19. September um 13.30 Uhr auf der Schützenmatte in Bern der SGB-Demo anzuschliessen und ­einen echten Politikwechsel einzufordern. Aus der ganzen Schweiz fahren Sonderzüge und Busse nach Bern.

Cédric Wermuth

Ju Je Gi

Kontakt: info@juso-bs.ch


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INFRAROT | JUSO | AUGUST 2009

Die SP Schweiz hat einen neuen Auftritt. Das neue Logo, insbesondere aber der neue Claim sorgen für hitzige Debatten unter Genossinnen und Genossen. Auch in der JUSO wird angeregt über den neuen Auftritt diskutiert. Wir haben für euch zwei Stimmen herausgepickt, die sich so gar nicht einig sind.

JA – visionär oder inha PRO

Hast du dich beim letzten Match deines LieblingsFussballclubs auch so wahnsinnig aufgeregt, dass der Coach, der Depp, ausgerechnet den besten Stürmer bereits in der 65. Minute ausgewechselt hat? Dabei hätte der doch ganz bestimmt wenige Minuten später das entscheidende Tor geschossen!!! Was das jetzt mit dem neuen Kathrin SP Logo zu tun haBalmer ben soll? Sehr viel. Im Fussball wissen die Fans immer besser als die Profis, was zu tun gewesen wäre, um das Spiel zu gewinnen, alle sehen sich als ExpertInnen. Beim neuen SP Logo habe ich den gleichen Eindruck: alle spielen sich plötzlich als selbst ernannte GrafikerInnen, Kommunikationsfachleute und Marketing-ExpertInnen auf. Der wohl meist gehörte Kommentar von Seiten der KritikerInnen: «so was hätte ich auch noch hingekriegt». Auch in unserer Partei wäre es manchen Leuten sowieso am liebsten, wenn man nie etwas verändern würde. Weder das Logo noch sonst etwas. Diese Leute regen sich heute über das jetzige neue Logo auf, in 20 Jahren werden sie es dann mit Zähnen und Klauen gegen das nächste verteidigen. Aber jetzt mal ehrlich: wollen wir wirklich zu einer Partei gehören, die den totalen Stillstand dem Fortschritt vorzieht? Wohl kaum. Das bisherige Logo wirkte langsam aber sicher veraltet und verstaubt, niemand wird ihm allen Ernstes nachtrauern, es war Zeit für etwas Neues. Ein neuer Auftritt symbolisiert immer auch einen neuen Anfang, einen Aufbruch. Es liegt an uns allen, dass es zu einem echten politischen Aufbruch der Linken kommt, wir müssen das neue Logo jetzt mit Inhalt füllen. Ein Logo allein entscheidet nicht über Sieg und Niederlage bei Wahlen oder Abstimmungen. Aber ein wirkungsvoller medialer Auftritt ist in der heutigen Zeit einfach match-

entscheidend. Gute Inhalte kommen bei den Leuten nicht an, wenn sie schlecht verpackt sind. Das Logo, zusammen mit dem Claim, ist positiv und nach Vorne gerichtet. Unsere Anliegen werden aufs Wesentliche reduziert: JA, wir wollen den Fortschritt, JA, wir wollen und können etwas verändern, JA, wir glauben an eine gerechte, solidarische Welt. Natürlich bedeutet der

nach. Da staune ich einfach nur noch: wo bitte war denn die Rose im bisherigen Deutschschweizer SP-Logo? Genau, die Rose gab es schon auf dem alten Logo nicht mehr, und dazu hat sich bisher niemand geäussert. Ob wir klare linke Positionen vertreten, hängt auch nicht davon ab, ob die Rose in unserem Logo ist oder nicht. Wichtig ist, dass wir gemeinsam eine starke, progressive lin-

neue Claim nicht, dass wir jetzt plötzlich zu Ja-SagerInnen mutieren. Er bringt einfach unsere positive, optimistische Grundhaltung zum Ausdruck. Wir glauben an das Gute im Menschen. Bei Abstimmungsvorlagen wird der Claim (im Gegensatz zu Wahlen) selbstverständlich weggelassen, das Logo steht dann für sich allein. Wer also behauptet, wir müssten die nächste Abstimmungskampagne mit der verwirrenden Aussage «Nein zur MinarettInitiative, ja – SP» führen, hat schlicht und einfach nicht verstanden, wie der Claim und das Logo eingesetzt werden. Viele Leute (in der Deutschschweiz) trauern auch der sozialistischen Rose

ke Politik machen. Anstatt über das neue Logo herzuziehen, sollten wir uns um die politischen Inhalte und Aktivitäten kümmern und für die nötige Erneuerung in unseren JUSO- und SP-Sektionen sorgen. Denn im Gegensatz zum Fussball sind wir nicht nur ZuschauerInnen: in der Politik spielen wir – die Fans, die Mitglieder, die Basis – die entscheidende Rolle. Kathrin Balmer ist DV-Vorsitzende der JUSO Schweiz und Mitglied der JUSO Stadt Zürich


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Die JungsozialistInnen Schweiz (JUSO Schweiz) suchen per 7. September 2009

altslos? CONTRA

Der neue Auftritt der SP Schweiz ist perfekt. Perfekt, um diese Partei zu repräsentieren. Zunächst wurden nur schon bei der Entwicklung des Konzepts sozialdemokratische Grundwerte in die Tat umgesetzt. Letztendlich handelt es sich um eine konkrete und sinnvolle Massnahme zur WirtschaftsMarco förderung – ein Geissbühler eigenes rotes Konjunktur-«Päckli» der SP sozusagen: Die SP pumpt tausende von Franken in den Wirtschaftskreislauf, nur um ein bisschen heisse Luft zu produzieren. Damit das Geld auch ja möglichst effizient eingesetzt wird, geht der Auftrag natürlich an die coolste und hypste etablierte Werbeagentur am Platz. – Und nicht etwa an kreative, junge Newcomer. Denn wie wir in den letzten Jahren aus Film, Funk und Fernsehen gelernt haben: Die grossen Fische müssen gefüttert werden, damit der Wirtschaftsmotor brummt. Das Logo symbolisiert ebenfalls entscheidende Eigenschaften unserer geschätzten Mutterpartei. Aufgrund des Missverhältnisses zwischen dem dreidimensionalen Würfel und dem zweidimensionalen Schriftzug verliert das Logo seine Räumlichkeit und wird zu einer optischen Täuschung. Für das ungeschulte Auge sieht das falsch aus. Doch genau durch diesen «Fehler» wird das Logo erst zu einem genuinen Symbol der SP Schweiz. Der «Würfel» ist weder nach oben, noch nach unten ausgerichtet. Weder nach vorne, noch nach hinten. Weder nach links, noch nach rechts. – Und erst durch dieses fehlende Festlegen wird der «Würfel» so richtig einhundert Prozent SP. Sag JA zum Leben! Last, but not least: Der Slogan mit seiner schlichten Genialität – «JA». Könnte unsere Partei – die ja mit ihrer ganzen

fünf redaktionsmitglieder für die mitgliederzeitschrift «infrarot» Wir erwarten – Sozialdemokratisches Gedankengut – Starke Verankerung in der JUSO und der SP – Viel politisches Engagement – Gute Kenntnisse der deutschen bzw. französischen Sprache, insbesondere – auch Grammatik – Freude an journalistischer Arbeit Aufgaben

Die Redaktion des infrarot … … bestimmt die publizistische Ausrichtung und das Konzept des infrarot … bestimmt die Inhalte der einzelnen Nummern in ­Absprache mit der Geschäftsleitung … sucht für jede Nummer AutorInnen und / oder verfasst Artikel selber … überarbeitet die Artikel inhaltlich und redaktionell … wird geleitet vom Zentralsekretariat … arbeitet ehrenamtlich … trifft sich einmal monatlich

Bitte richte deine Bewerbung bis am 2. September 2009 an: JUSO Schweiz, Geschäftsleitung, Postfach 8208, 3001 Bern, info@juso.ch. Für Fragen steht dir gerne zur Verfügung: Tanja Walliser, 079 434 71 62.

Politik absolut eindeutig und unkritisierbar klar macht, dass sie den Aufbruch in eine bessere neue Welt anstrebt – besser verkörpert werden, als mit diesem Wort? Wer jetzt noch zweifelt, den mag vielleicht ein Auszug aus dem youtubeFilmchen, welches die SP zur Erklärung des neuen Auftritts hochgeladen hat, eines Besseren belehren: «Sag ja zum Leben, sag ja zum Job, sag ja zur Kar­ riere, sag ja zur Familie. Sag ja zu einem pervers grossen Fernseher. Sag ja zu Waschmaschinen, Autos, CD-Playern und elektrischen Dosenöffnern. Sag ja zur Gesundheit, niedrigem Cholesterinspiegel und Zahnzusatzversicherung. Sag ja zur Bausparkasse, sag ja zur ersten Eigentumswohnung, sag ja zu den richtigen Freunden. Sag ja zur Freizeitkleidung mit passenden Koffern, sag ja zum dreiteiligen Anzug auf Ratenzahlung in hunderten von Scheiss-Stoffen. Sag ja zu Do-it-yourself und dazu, auf Deiner Couch zu hocken und Dir hirnlähmende Gameshows reinzuziehen, und Dich dabei mit Scheiss Junk-Frass vollzustopfen. Sag ja dazu, am Schluss vor Dich hinzuverwesen, Dich in einer elenden Bruchbude vollzupissen und den missratenen Ego-Ratten von Kindern, die Du gezeugt hast, damit sie

Dich ersetzen, nur noch peinlich zu sein. Sag ja zur Zukunft, sag ja zum Leben.» – Ach so …Scheisse, nein! Jetzt hab ich doch prompt die Filme verwechselt … Das ist ja aus dem schottischen Film «Trainspotting» … Naja, auch egal. Wer jetzt die Genialität des neuen Auftritts immer noch nicht verstanden hat, ist selber schuld. Es hat uns in der Partei ja eh nie gross gekümmert, wenn unser Fussvolk nicht mehr mitkommt. Ich füge nun noch schnell ein paar pseudo-intellektuelle Fremdwörter in diesen Text ein und sage «JA» zum nächsten Glas Prosecco. Denn irgendwie muss man ja den üblen Nachgeschmack von all den realpolitischen Kompromissen runterspühlen. PS.: In Übereinstimmung mit dem neuen Auftritt der Sozialdemokratie in diesem Land enthält diese Kolumne 24 Mal das Wörtchen «Ja». Wohl bekommt's! Marco Geissbühler ist Mitglied der JUSO Kanton Zürich


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L’initiative pour des places d’apprentissage en valait la peine ! Le 18 mai 2003, le peuple et tous les cantons rejetaient l’initiative (colancée par la JS) « pour des places d’apprentissage » (lipa) par près de 69 % de « non », malgré une belle campagne menée par des centaines de jeunes militants. Mais l’initiative n’a pas été – et de loin – la débâcle que l’on pourrait croire de prime abord. Au contraire, elle a eu un impact positif sur la politique du conseil fédéral (qui dut mettre sur pied une « task force place d’apprentissage 2003 » pour ne pas se trouver à court d’arguments contre l’initiative), sur la révision de la loi fédérale sur la formation professionnelle (LFPr) et surtout sur les actions des cantons en faveur des places d’apprentissage. Et, 6 ans après le vote populaire, elle continue d’avoir de l’influence. Preuve en est la multiplication des fonds pour la formation professionnelle dans les cantons. Ce modèle de répartition solidaire des frais de formation entre toutes les entreprises et non pas entre les seules entreprises formatrices avait fait ses preuves dans les cantons de GE, FR et NE. L’initiative pour des places d’apprentissage s’appuyait sur ce modèle de fonds. Qui a essaimé dans tous le pays, malgré le refus de

l’initiative. Depuis 2003, 5 nouveaux cantons se sont dotés d’un tel instrument : VS (2007), JU (2007), ZH (2008), TI et VD (2009). A chaque fois, les parlements cantonaux, tous à majorité bourgeoise, ont été convaincus par l’efficacité du fonds cantonal, auquel cotisent toutes les entreprises et dont les montants sont répartis entre les entreprises qui forment, ce qui encourage les entreprises « resquilleuses » (4 sur 5 !) à former. Et, alors que l’initiative des jeunes avait échoué en vote populaire, c’est un vote populaire qui a adoubé le principe du fonds qu’elle défendait : au JU et à ZH, le fonds a été plébiscité par près de 60 % des votants (au JU un peu plus ; à ZH un peu moins), suite à des référendums lancés par des associations patronales jusqu’au-boutistes. Erreur que les patrons vaudois se sont empressés de ne pas commettre : Avant même de connaître le résultat des urnes jurassiennes et zurichoises, ils s’étaient déclarés favorables au modèle préconisé par l’initiative. Et, lors des débats parlementaires qui viennent de s’achever, plusieurs députés représentant les milieux patronaux ont multiplié les louanges envers le fonds cantonal, parlant de projet « utile » et « encourageant l’équité

entre les entreprises formatrices et nonformatrices ». Cependant, tous les cantons ne sont pas encore gagnés à la cause des fonds pour la formation professionnelle. En effet, dans plusieurs cantons où la JS demande la création d’un tel instrument (BS, SO et SG notamment), les partis bourgeois mettent les pieds au mur, parfois pour des raisons purement idéologiques, malgré les exemples probants chez leurs voisins. Cet épilogue (provisoire) prouve que l’initiative des jeunes en faveur de la formation professionnelle a été clairement un succès et que la mobilisation syndicale en valait la peine, même si on pouvait penser plutôt le contraire à l’heure du résultat des urnes. Il montre que l’engagement de la JS en faveur de la création des places d’apprentissage a été payant sur le long terme et qu’une défaite dans les urnes ne doit jamais être prétexte à baisser les bras. 6 ans après l’initiative « lipa », la hausse à venir du chômage des jeunes doit nous inciter à poursuivre nos efforts. Jean Christophe Schwaab, député au grand conseil vaudois et secrétaire central de l’USS

Development for freedom – our war on poverty:

JUSO am IUSY-Festival «Entwicklung für die Freiheit – unser Kampf gegen die Armut» war das Motto des diesjährigen IUSY Festivals. 3000 junge Sozialistinnen und Sozialisten aus der ganzen Welt trafen sich vom 15. bis zum 21. Juli am Plattensee in Ungarn. Darunter auch 14 Jusos aus der Schweiz. Die IUSY (International Union of ­Socialist Youth) ist der Zusammenschluss aller Jugendorganisationen der Sozialdemokratischen Parteien auf der Welt. Alle drei Jahre trifft man sich, um sich kennenzulernen, zu politisieren und natürlich auch zum Feiern.

Die Schweizer Delegation fuhr dieses Jahr mit dem Zug nach Wien, um sich dann zusammen mit den Österreichischen GenossInnen (die SJÖ stellte 200 TeilnehmerInnen!) mit Bussen an den Plattensee zu begeben. Der Besuch von verschiedenen politischen Workshops und Konferenzen (besserer und schlechterer Qualität) gehörte zum Festival-Alltag. Wir erfuhren beispielsweise vom Unabhängigkeitskampf unserer GenossInnen aus West Sahara oder diskutierten über die Perspektiven der sozialistischen Bewegung in Lateinamerika.

Der traditionelle Biergarten, den die Jusos Bayern, die SJÖ und die JUSO Schweiz allabendlich betrieben, wurde zum Treffepunkt für Delegationen aus aller Welt. Viele gute Erinnerungen werden uns bleiben. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn dann die europäische JUSO, die ECOSY zum Summercamp lädt. Sebastian Dissler ist Internationaler Sekretär JUSO Schweiz und Geschäftsleitungsmitglied


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Was die EKKJ so treibt … … und wieso überhaupt ein JUSO darin sitzen soll. Seit dem 1. Januar 2008 bin ich der Vertreter der SP / JUSO in der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen EKKJ. Hinter der etwas atemlosen Bezeichnung findet sich eine sog. ausserparlamentarische Kommission, die Bundesrat und Parlament im «Bereich» der Jugendpolitik beraten soll (aber berührt nicht jede staatliche Entscheidung nicht immer auch die Jugend und sei es nur mittelbar?). So sagt die EKKJ selbst etwas blumig: «Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen hat den Auftrag, die Entwicklung des Verhältnisses von Kindern und Jugendlichen zur Gesellschaft zu beobachten und zu deuten. Sie soll Anliegen der heranwachsenden Genera­ tion formulieren und entsprechende Vorschläge ableiten.» Was hat die EKKJ im Jahre 2008 alles getan? Wir haben uns stark an Vernehmlassungen zu Gesetzesentwürfen beteiligt. Besondere Erwähnung muss hier die Teilreform des Arbeitslosenversicherungsgesetzes finden. Leider wurden für Jugendliche mit diesem Gesetzesprojekt manche Leistungen gestrichen: Seien das Gelder für Eingliederungskurse, die vom Bund übernommen werden oder sonstige Massnahmen, die arbeitlosen Jugendlichen, welche frisch auf den Arbeitsmarkt kommen, die Integration ermöglichen sollten. Anfang 2008 wurden die Einsparungen (wohl das Primärziel

der Reform …) noch mit dem Hinweis auf die damals gute Wirtschaftkonjunktur gerechtfertigt. Es ist zu befürchten, dass in der heutigen Wirtschaftskrise die Jugendlichen die volle Wucht der Reform im denkbar schlechtesten Moment spüren werden. Mit einiger Zufriedenheit konnten wir andererseits die Resultate der Harmonisierung des Stipendienwesens zu Kenntnis nehmen. Ich denke, die EKKJ hat mir Ihrer ständigen Vernetzungsarbeit erreicht, dass sowohl bei den zuständigen kantonalen Behörden wie auch bei den Bundes-Akteuren die Idee, bei den Stipendien zu sparen, gar nicht erst aufgekommen ist. Eine Harmonisierung der Stipendien nach oben für interkantonale Stipendien ist ein Muss. Bei der Bildung ist Geiz nämlich der denkbar schlechteste Ratgeber. Aber die EKKJ hat nicht nur (mehr oder weniger erfolgreich) versucht, den Gesetzgeber zu beeinflussen. Wir pflegen auch den Kontakt zu den jugendrelevanten Wissenschaften wie z.B. Pädagogik, Sozialarbeit und anderen Sozialwissenschaften. Die EKKJ hat im Jahre 2008 auch wieder ihre traditionelle «Bieler Tagung», diesmal zum Thema «Jugendsexualität», abgehalten. Aus multidisziplinärer Perspektive sollte hier das Phänomen von verschiedenen Seiten ausgeleuchtet werden: Medien­ wissenschaftlich, pädagogisch und

buchtipp «Die grosse Reform – Die Schaffung einer Allgemeinen Erwerbs­ versicherung» Die Allgemeine Erwerbsversicherung AEV, ein Reformkonzept aus den Reihen des Denknetzes, will ein umfassendes, solidarisches und gerechtes Sicherungsnetz für all jene anbieten, die vorübergehend oder dauerhaft von der Erwerbs­ arbeit ausgeschlossen sin. Die AEV sichert die materielle Existenz und die Partizipation am sozialen Leben nach einheitlichen Kriterien, unabhängig davon, ob die Erwerbslosigkeit auf Mutterschaft, Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit zurückgeht. Die Auszahlung von Taggeldern ist bei der AEV zeitlich nicht beschränkt. Bei dauerhafter Erwerbsunfähigkeit richtet die Versicherung Renten aus. Sie führt Familienergänzungsleistungen ein und versichert auch selbständig Erwerbende gegen Verdienstausfall. Die AutorInnen verstehen die AEV als Massnahme, um der anlaufenden Finanz- und Wirtschaftskrise entgegenzutreten. Im Verbund mit fairen Minimallöhnen stellt die AEV ein «Konjunkturprogramm fürs Volk» dar und hilft entscheidend mit, die Kaufkraft jener zu stützen, die mit ihrem Einkommen die grundlegenden Dinge des täglichen Lebens erwerben.

entwicklungspsychologisch. Ebenfalls wurde beim Zentrum für Persönlichkeitsdiagnostik der Uni Basel eine Studie mit dem Titel «Jugendsexualität im Wandel der Zeit» bestellt. Fazit der EKKJ: Die Kantone müssen endlich eine obligatorische, zyklische Sexualerziehung in den Lehrplan integrieren. Ab früher Kindheit sollen Kinder altersgerecht zum Thema geführt werden. Denn eine erschreckende Erkenntnis der Studie war, dass viele Jugendliche (besonders mit Migrationshintergrund) nie aufgeklärt werden. Eine Folge davon ist, dass ihre sexuellen Kontakte ohne jeglichen Schutz passieren. Es muss endlich allen Kantonen klar werden, dass Sexualaufklärung für Kinder und Jugendliche zu einem wichtigen Teil der Volks-Gesundheit gehört. Wie ihr seht, die Welt wird nicht in der EKKJ verändert. Aber es ist wichtig, dass die Jugend und ihre Anliegen bereits in der Bundesverwaltung selbst eine Antenne besitzen. Es ist schwierig genug, während der Verfahren Einfluss zu gewinnen. Nachdem ein Gesetz steht, ist es häufig bereits zu spät, um Verbesserungen im Nachhinein einzubringen. Oder, wie sagte diese alte ZahnpastaWerbung? Vorbeugen ist besser als ­Heilen. Luca Cirigliano ist Mitglied der JUSO Aargau und Richter am Bezirksgericht Lenzburg

IMPRESSUM Herausgeber: Infrarot – Infrarouge – Infrarosso, Spitalgasse 34, Postfach 8208, 3001 Bern, www.juso.ch, www.jss.ch Kontakt: infrarot@juso.ch, 031 329 69 99 Redaktion: Tanja Walliser, Sebastian Dissler, Luca Cirigliano, Jean Christophe Schwaab, Kathrin Balmer, Marco Geissbühler, Cédric Wermuth Design: art.I.schock GmbH, Zürich, www.artischock.net Layout: Atelier Kurt Bläuer, Bern Druck: S & Z Print, 3902 Brig-Glis Abo: Fr. 20.– / Jahr Das Infrarot erscheint 6 Mal pro Jahr


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Summercamp Vom 1. bis zum 6. August findet das erste Sommerlager der JUSO in Flums (SG) statt. 150 JUSOs tauschen sich aus 端ber Kapitalismus, Neoliberalismus und 足Sozialismus, debattieren und feiern eine Woche lang. Hier ein paar erste Ein足dr端cke aus dem Lager.

Sommer, Sonne, Sozialismus!

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