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Zeitung der JungsozialistInnen Journal de la Jeunesse socialiste Giornale Della GioventÙ sOCIALISTA

rot | rouge | rosso #184, Juni 2009, JUSO Schweiz, Postfach 8208, 3001 Bern, www.juso.ch

AZB 3900 Brig

Spezialausgabe 1:12-Initiative Am 4. Juli 2009 entscheidet die JUSO Schweiz an einer aus­serordentlichen Jahresversammlung über die Lancierung der 1:12-Initiative. Diese In­fra­rot-Ausgabe soll möglichst umfassend über das Thema berichten und zeigen, welche Vor- und Nachteile, welche Stärken und Schwächen der Initiativvorschlag hat.

Adressänderungen an JUSO Schweiz, PF 8208, 3001 Bern

INFRA

Was wäre wenn Novartis-Spitzenmanager 12 Mal mehr verdienen würden als der Mindestlohn?

1:12-Initiative Mit einer Lohnbandbreite von 1:12 im Unternehmen heisst das vor allem für Gross­konzerne oben weniger Abzockersaläre bezahlen zu können. Doch was passiert mit der frei werdenden Lohnsumme? Was sind die realen Auswirken der 1:12-Initiative in einem Unternehmen wie Novartis? Eine ökonomische Rechenübung.

Im Nationalrat wurde kürzlich vorgeschlagen, dass Spitzenmanager von Banken und anderen Firmen, die staatliche Mittel erhalten, nur noch maximal 800 000 Franken verdienen sollen. Aber wäre das eventuell nicht eine vernünftige Forderung für alle Firmen? Schliesslich sind auch viele grosse Baufirmen von

staatlichen Aufträgen abhängig. Und Pharma-Firmen werden indirekt zu einem grossen Teil von Krankenkassen und von staatlichen Zuschüssen finanziert. Die geplante Initiative der Juso schlägt vor, dass der kleinste Lohn in einer Firma nicht tiefer sein darf als ein Zwölftel des Spitzenlohnes. Zwei Beispiele verdeutlichen, was das in einzelnen Unternehmen bedeuten würde. Bei Novartis verdienen die Konzernleitungsmitglieder heute mit Boni usw. durchschnittlich rund 6 Millionen pro Jahr. Wie sähe die Rechnung aus, wenn sie nur noch 12 Mal mehr bekämen als die am schlechtesten bezahlten ArbeitnehmerInnen in den Schweizer NovartisBetrieben? Die tiefsten Löhne bei Novartis in der Schweiz liegen heute bei rund 58 000 Franken. Das ist also etwa 100 Mal weniger als ein Konzernleitungsmitglied im Durchschnitt erhält oder 345 Mal weniweiter auf Seite 2

europride

zentralsekretariat

Argumentaire

Gegen 30 JUSOs haben am 6. Juni 2009 an der schwullesbischen Euro­ pride-Prade in Zürich teilgenommen. Mit dem Slogan «EDU ist heilbar» sties­ sen wir auf viel Begeisterung. Seite 3

Die eine geht, die andere kommt. Was erlebte Vivien Jobé in ihren letzten 20 Monaten und was plant Tanja Walliser mit der JUSO Schweiz? Ein wehmü­tiger Rück- und ein freudiger Ausblick. Seite 4 / 5

Nous avons récolté les principaux arguments pour l’initiative 1:12 et nous nous sommes penchés sur les contrearguments et les éventuelles ques­ tions. Page 6

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Forsetzung von Seite 1 ger als der Lohn von Novartis-Boss Vasella. Durch eine Lohnbegrenzung auf durchschnittlich 750 000 Franken im obersten Kader könnten schätzungsweise 60 Millionen an Lohnkosten eingespart werden. Würde man diese eingesparten Lohnkosten auf die 25 Prozent der am schlechtesten bezahlten ArbeitnehmerInnen in der Schweiz verteilen (diese verdienen zwischen ca. 58 000 und 72 000 Franken im Jahr), ergäbe dies für dieses Viertel der Angestellten eine Lohnaufbesserung von je rund 20 000 Franken, also eine stattliche Lohnerhöhung. Das wäre aber etwas fragwürdig, denn viele Angestellte in anderen Ländern verdienen weit weniger als in der Schweiz. Es wäre also korrekter, die eingesparte Lohnsumme auf das am schlechtesten bezahlte Viertel aller Angestellten von Novartis zu verteilen. In diesem Fall würden rund 23 000 Angestellte in der ganzen Welt profitieren und es ergäbe für jeden eine Gehaltsaufbesserung von ca. 2600 Franken im Jahr. In der Schweiz wäre das so quasi eine zusätzliche Lohnrunde, in einigen ärmeren Ländern kann das aber eine sehr grosse Lohnerhöhung bedeuten und die Lebensbedingungen entscheidend verbessern. Gemessen an den tiefsten Schweizer Löhnen würde sich dann bei Novartis

die Lohnspreizung von 1:100 wie heute auf ca. 1:12 verringern. Die Forderung der Juso-Initiative wäre erfüllt, und zwar mit der gleichen Lohnsumme und einem Managergehalt von rund 750 000 Franken, mit dem es sich ja schliesslich auch noch knapp leben lässt! Macht man die gleiche Rechnung für Firmen wie Migros und Coop, zeigt sich, dass die Lohnspreizung heute dem geforderten Verhältnis 1:12 schon sehr nahe kommt. Bei Migros, z. B. beträgt

das durchschnittliche Managergehalt 657 000 Franken, der Mindestlohn nach GAV beläuft sich auf 48 100 Franken. Das ergibt ein Verhältnis von ca. 1:14. Um auf 1:12 zu kommen, müssten die durchschnittlichen Gehälter der Konzernleitung auf ca. 580 000 gekürzt werden. Hans Baumann war UNIAChef­ökonom und ist SP-Gemeinderat in Dübendorf habaumann@bluewin.ch

Lohnspreizung Novartis ohne und mit Initiative CHF 7 000 000 6 066 000

6 000 000 5 000 000 4 000 000 3 000 000 2 000 000 1 000 000 58 000

61 000

750 000

0 Vor Umverteilung

Nach Umverteilung

Rückblick Wie kam es eigentlich zum jetzigen Vorschlag der 1:12-Initiative und wie war das Vorgehen?

Was bisher geschah­ 17. Februar 2008, Bern Die Jahresversammlung der JUSO Schweiz wählt aus drei Vorschlägen ihr Schwerpunktthema, die Lohngerechtigkeit, aus. Die Geschäftsleitung wird beauftragt in diesem Bereich eine mögliche Kampagne / Initiative auszuarbeiten. November 2008, Zürich An einer Sektionskonferenz werden mögliche Initiativvorschläge besprochen, darunter auch die 1:12-Initiative. Um eine möglichst breite Auswahl an Themen zu haben, können die Sektionen bis Ende 2008 eigene Initiativvorschläge einbringen.

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Februar 2009, Bern Eine weitere Sektionskonferenz diskutiert die eingegangen Initiativvorschläge

hin entscheiden, welche Vorschläge an der Jahresversammlung im März diskutiert werden sollten.

und bewertet sie betreffend ihrer Machbarkeit, ihrer Popularität und weiteren Kriterien. Die Sektionen konnten darauf

14. März 2009, Bern In einer mehrstündigen Diskussion werden die Initiativvorschläge 1:12, Mitbestimmungsrecht im Betrieb, Zwillingsinitiative für eine neue Generationengerechtigkeit, Transparenz bei der Parteienfinanzierung und die GA-Initiative beraten. Die 1:12-Initiative obsiegt schliesslich knapp und die Geschäftsleitung nimmt den Auftrag entgegen, diese zu Handen einer ausserordentlichen Jahresversammlung zur Lancierung vorzubereiten.

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Wort des zentralsekretariats

Liebe Genossinen und Genossen Die letzten Tage haben es wieder mal bewiesen. Die Bürgerlichen haben aus der Krise nichts gelernt. Am Gängelband ihrer Geldgeber verhindern sie eine Politik, die dem Volk dient. Geschmiert von der UBS haben sie es versäumt, den unsäglichen Abzockerlöhnen in den Teppichetagen endlich einen Riegel zu schieben. Obwohl die UBS mit Steuergeldern gerettet werden musste, glauben Bürgerliche und Neoliberale immer noch an die Selbstregulation des Marktes, die uns in diese Krise gestürzt hat. Längst sind es nicht mehr die PolitikerInnen, geschweige denn das Volk, die bestimmen, wo es in diesem Land lang geht. Pharmalobby, Bankenlobby, Atomlobby. Sie sind es, die die Politik nach ihren Interessen gestalten und dabei die Interessen des Volkes missachten. Die Macht haben die mit dem grössten Geldbeutel. Damit muss jetzt endlich Schluss sein! Die Demokratie muss über den ökonomischen Interessen einiger weniger stehen. Und genau das fordern wir mit unserer Initiative ein. Der höchste Lohn in einem Unternehmen soll nicht mehr als 12 Mal höher sein als der tiefste. Wir wollen nicht mehr länger zuschauen, wie sich die Flopmanager masslos bereichern und unten den Menschen immer weniger zum Leben bleibt. Die 1:12-Initiative fordert endlich wieder das Primat der Politik über die Wirtschaft ein.

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erfolgreiche teilnahme an der europride «EDU ist heilbar!» lautete das Motto der JUSO Schweiz an der Europride 2009 in Zürich. Die neu gegründete Arbeitsgruppe GaynossInnen organisierte als ihre erste Aktion die Teilnahme an der Europride in Zürich. Die GaynossInnen sind die neue, sozialistische Stimme der LGBTs in der Schweiz! Rund 30 GaynossInnen und GenossInnen nahmen an der ersten Aktion der AG GaynossInnen der JUSO Schweiz teil und marschierten an der Europride solidarisch mit. Der Slogan «EDU ist heilbar» und die roten JUSO-Fahnen fielen auf und trafen auf grossen Zuspruch – spontaner Applaus und Zurufe zeugten von der Zustimmung, die unsere Aktion auslöste. Denn für die GaynossInnen ist klar: Homophobie ist Hass und keine Meinung!

Unsere Initiative trifft mitten ins Herz des Kapitalismus. Sie fordert die gerechte Verteilung der Einkommen in unserem Land. Denn: Hat es jemand wirklich verdient, 720 mal mehr zu verdienen als jemand anderes, so wie Vasella von der Novartis dies tut? Wir wollen gerechte Löhne, unten und oben. Die Lohnscheren in den grossen Schweizer Unternehmen sind haarsträubend. Von Lohngerechtigkeit kann da keine Rede sein. Und genau da setzt unsere Initiative an. Gerade jetzt in der Krise braucht es eine Initiative wie die unsere. Sie setzt den Millionenboni ein Ende und sorgt dafür, dass die Manager wieder mehr Interesse an der langfristigen Entwicklung ihres Unternehmens haben und weniger auf kurzfristige Gewinne zielen, um sich möglichst grosse Boni auszahlen zu können. Genau diese Profitgier ist es nämlich, die uns in die Krise gestürzt hat, in der wir uns heute befinden. Zudem wird mit der Beschränkung der oberen Löhne Geld für Investitionen und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze frei. Wann also braucht es eine solche Initiative, wenn nicht jetzt? Und wer soll sie lancieren, wenn nicht wir es tun? Der Neoliberalismus hat ausgedient. Nun liegt es an uns, ihm den endültigen Todestritt zu verpassen. Bringen wir dieses Land mit unserer Initiative zum Erzittern!

Tanja Walliser

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IMPRESSUM Herausgeber: Infrarot – Infrarouge – Infrarosso, Spitalgasse 34, Postfach 8208, 3001 Bern, www.juso.ch, www.jss.ch Kontakt: infrarot@juso.ch, 031 329 69 99 Redaktion: Hans Baumann, Vivien Jobé, Florian Vock, Tanja Walliser, Cédric Wermuth Design: art.I.schock GmbH, Zürich, www.artischock.net Layout: Atelier Kurt Bläuer, Bern Druck: S & Z Print, 3902 Brig-Glis Abo: Fr. 20.– / Jahr Das Infrarot erscheint 6 Mal pro Jahr

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Zentralsekretariat Vivien Jobé über ihre Zeit im Sekretariat – Tanja Walliser über ihre Projekte. Ein wehmütiger Abschied und ein freudiger Ausblick.

von Frau zu Frau Vivien Jobé Die JUSO ist für mich DIE sozialistische Jugendorganisation, welche weiss was sie verändern will und weiss wie sie es erreicht: Radikale Forderungen, provokative Aktionen, kein Blatt vor den Mund nehmen! Mit der JUSO habe ich erreicht, dass die Zahl der aktiven Mitglieder um über 10% gestiegen ist. Ein besonderes Augenmerk galt auch der Integration der JUSOs in die SP, hier haben wir enorme Fortschritte gemacht und die SP wäre nicht die SP wie sie heute ist ohne die vielen JUSOs in ihren Sektionen und Kantonen. Ich habe mich als ZS besonders engagiert für die Gleichstellung der Frauen innerhalb der JUSO mit der Lancierung der JUSO Frauen 2008. Ein «Baby» meiner Zeit als Zentralsekretärin war mitunter auch das Initiativprojekt – wo wir am Ende eines langen Prozesses jetzt endlich Nägel mit Köpfen machen können. Ich werde am meisten vermissen die politische Arbeit im Herzen der Bundesstadt für eine JUSO mit Zukunft wo nie ein Tag war wie der andere und es noch ganz viel zu erreichen gibt.

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chon seit dem Tag an dem wir das erste Mal von einer Initiativlancierung gesprochen haben in der JUSO freute ich mich auf den Tag wo wir gemeinsam mit der Geschäftsleitung und der Jahresversammlung das Baby – wie es denn auch aussehen möge – auf die Welt bringen würden. Es sollte anders kommen. Nachdem an der Jahresversammlung 2008 das Thema Lohngerechtigkeit gewählt wurde fingen die Diskussionen um eine Initiative in diesem Bereich an. Bald wurde dann aber das Spektrum breiter, auch andere Ideen wurden diskutiert und mit den Sektionen ausgearbeitet. Die Diskussion hatte ihren Höhepunkt dann an der Jahresversammlung 2009 wo die 1:12-Initiative, knapp, zur Ausarbeitung empfohlen wurde. Während all dieser Zeit war die Initiativlancierung ein prägender Teil meiner Arbeit, sei es politisch in der Geschäftsleitung oder organisatorisch durch die vielen Sektionskonferenzen, Informationsabende usw.

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Und nach dieser ganzen Zeit bin ich mir sicher: Das Initiativ-Baby ist bereit, am 4. Juli 2009 soll sein Geburtstag sein und zusammen mit der JUSO Schweiz soll es dem Neoliberalismus fett in den Arsch treten! Dass ich genau auf diesen Zeitpunkt hin mein Amt an Tanja übergeben werde, zerreisst mir natürlich das Herz. Wir haben aber während meiner Zeit im Sekretariat auch noch andere politische Themen (erfolgreich) bewirtschaftet. Wir waren federführend bei den Diskussionen rund um Ausgangssperren, Cannabis, Killergames und Bottellones, also Themen welche die Jugendlichen direkt betreffen und wo wir mit unserer liberalen Haltung viele überzeugen konnten. Besonders mobilisieren konnten wir im Herbst 2008 mit dem Sitzstreik vor der UBS und den nachfolgenden Spontankundgebungen in der ganzen Schweiz:

Wir waren diejenigen, welche aufzeigen konnten, dass das System – wieder einmal – versagt hat und wir waren es, die der Wut der Bevölkerung ein Gesicht geben konnten. In dieselbe Richtung gingen die unzähligen Aktionen zum Thema der korrupten Parteienfinanzierung (zum Beispiel www.kauf-mich.ch). Das war es auch, was die Arbeit in der JUSO Schweiz immer spannend machte: Wir sind thematisch extrem breit, arbeiten sowohl mit Positionspapieren als auch direkt auf der Strasse, planen wochenlang eine Jahresversammlung, können aber auch innerhalb von 24-Stunden eine Aktion auf die Beine stellen. Die JUSO Schweiz und somit das Sekretariat lebt am Puls ihrer Mitglieder und ist deshalb so kreativ und vielfältig. Und ist vielleicht auch deshalb manchmal etwas durcheinander, vergesslich und hektisch.

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Tanja Walliser Die JUSO ist für mich die einzige Möglichkeit in der Schweiz konsequent linke Politik zu betreiben. Mit der JUSO will ich erreichen dass in diesem Land endlich wieder über Gerechtigkeit geredet wird. Ich möchte mich als Zentralsekretärin besonders engagieren für die 1:12-Initiative und dafür, dass sich die JUSO so weiterentwickelt wie in den letzten Monaten. Ich freue mich am meisten auf die Zusammenarbeit mit euch allen!

Auch wenn die JUSO Schweiz sich in den nächsten Monaten auf ein Thema konzentrieren soll und muss: Andere Themen und Projekte dürfen nicht zu kurz kommen, wir müssen breit bleiben und weiterhin uns auch in Themenbereichen wie Bildung oder Service Public engagieren. Eine Stärke, die uns auch in den kommenden Monaten nicht abhanden kommen darf! Ich hoffe euch eine gute Zentral­ sekretärin gewesen zu sein und danke euch für die aus meiner Sicht erfolgreiche, interessante und auch immer wieder spassige Zusammenarbeit. Vivien Jobé

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it der 1:12-Initiative, die wir voraussichtlich am 4. Juli lancieren werden, kommen spannende und arbeits­ reiche Monate auf die JUSO zu. Genau zu dieser für die JUSO so wichtigen Zeit als Zentralsekretärin zu amten, erfüllt mich mit grosser Freude. Unsere Initiative wird einschlagen, sie wird uns herausfordern und stärker machen, dessen bin ich mir sicher. Doch neben der Initiative gilt es, die JUSO auch sonst weiterzuentwickeln. Und vor allem darin sehe ich meine Hauptaufgabe. Wir haben schon einiges erreicht im letzten Jahr. Wir sind gewachsen, wir sind breiter geworden und wir sind schon jetzt die wichtigste Jungpartei im Land. Trotzdem gibt es noch viel zu tun! Dazu gehört zum Beispiel die Gleichstellung. In der JUSO sind weniger Frauen als Männer engagiert, sie melden sich an

nationalen Versammlungen seltener und kürzer zu Wort und besetzen seltener verantwortungsvolle Posten. Die Gründung der JUSO Frauen ist ein Schritt in die richtige Richtung, die eigentliche Arbeit liegt aber noch vor uns. Wir müssen es schaffen das Vertrauen unserer Frauen in ihre Fähigkeiten zu stärken und sie besser fördern. Auch sonst müssen wir breiter werden. MigrantInnen, Berufslernende sowie ArbeiterInnen sind in der JUSO deutlich untervertreten. Die Projekte wie beispielsweise die Schultour, die diese Gruppen vermehrt für die JUSO mobilisieren sollen, werde ich als Zentralsekretärin tatkräftig unterstützen. Zudem müssen wir den Einfluss auf unsere Mutterpartei, die SP, weiterhin verstärken. Die Stimme der JUSO muss in der SP laut und deutlich sein, konsequent ihre Ansichten vertreten und die Positionen der SP prägen. Zum Schluss bleibt mir zu sagen, dass ich als Zentralsekretärin in erster Linie in eurem Dienst stehe. Also zögert nicht, euch bei jeglichen Fragen an mich zu wenden. Ich freue mich sehr auf die kommenden Monate, in denen ich zusammen mit euch die JUSO weitertreiben kann. Tanja Walliser

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Argumentaire Pourquoi l’initiative 1:12 s’est-elle imposée ? Pourquoi ne pas avoir choisi une autre initiative ? Aperçu des principaux arguments.

Pourquoi 1:12 ? L’initiative met des limites claires à l’écart des s ­ alaires Les écarts salariaux dans les grandes entreprises suisses sont effrayants (voir ci-dessus). L’initiative veille à ce que l’expression « justice salariale » ne reste pas un vocable vide de sens, en inscrivant dans la Constitution fédérale le principe selon lequel personne ne peut gagner plus en un mois que ce qu’une autre gagne en une année entière. Die Initiative begrenzt die unsäglichen Millionensaläre der Topmanager Trotz Krise bedienen sich die Topmanager schamlos am erwirtschafteten Reichtum (siehe oben). Die Initiative setzt diesen Auswüchsen klare Grenzen. L’initiative permet de répartir les richesses de manière plus équitable, du haut jusqu’en bas Depuis les années 70 du XXe siècle, les travailleurs-euses bénéficient de moins en moins de la croissance de l’économie : seul-e-s les plus riches profitent des progrès en matière de productivité. L’initiative veille à ce que les richesses produites soient redistribuées à tou-te-s les travailleurs-euses. Die Initiative bringt endlich die Lohntransparenz Löhne sind in der Schweiz nach wie vor ein Tabu. Frauen verdienen für die gleiche Arbeit noch immer bis zu 20 Prozent weniger als Männer. Das ist nur möglich, weil die Löhne in der Schweiz nicht offen gelegt werden müssen. Die Initiative zwingt die Unternehmen, die Löhne ihrer Angestellten einzeln offen zu legen. L’initiative permet l’harmonisation des salaires au niveau national Au cours des dernières années, le fossé entre les salaires ne s’est pas seulement creusé au sein des entreprises, mais également sur le plan national. L’initiative a également un effet dans ce domaine : bien que les écarts salariaux maximums soient fixés entreprise par entreprise, l’initiative permet de réduire les inégalités entre les hauts et bas salaires à l’échelle du pays. En outre,

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elle représente un progrès important dans le domaine de la politique salariale, puisqu’il n’existe aujourd’hui aucune réglementation dans ce domaine. Die Initiative setzt bei der Quelle des Problems an Die staatliche Umverteilung ist ein wichtiges Instrument zum Ausgleich von Ungleichheiten. Sie hat aber Grenzen und greift das System vor allem nicht an der Wurzel an. Die Initiative zielt auf einen Hauptpfeiler des Kapitalismus: Die ungleiche Verteilung der Löhne und des erwirtschafteten Mehrwerts. L’initiative a un effet positif sur les bas salaires et relance la demande ­intérieure Pour réduire les écarts salariaux, diminuer les hauts salaires ne suffira pas : il faudra dans la plupart des cas relever le niveau des rémunérations du bas de l’échelle, ce qui aura pour effet de renforcer le pouvoir d’achat des classes les moins fortunées et stimulera la consommation. Die Initiative setzt neues Investitionsvolumen frei Gerade in einer wirtschaftlichen Krise ist es unsinnig, Millionen in einige wenige Saläre zu investieren. Die Initiative sorgt dafür, dass wieder mehr Geld frei wird, um Investitionen zu tätigen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. L’initiative encourage la gestion à long terme L’initiative met fin à la pratique des bonus mirobolants. Elle veille à ce que les managers soient à nouveau attentifsives au développement à long terme des entreprises, plutôt que de chercher des performances à court terme qui leur assuraient des bonus plus que confortables. Die Initiative macht Schluss mit dem scheinheiligen Gerede von Verantwortung Jahrelang haben die Banken, Versicherungen und Pharmamultis ihre exorbitanten Managersaläre mit der grossen

«Verantwortung» gerechtfertigt. In der Krise sehen wir, was von der Verantwortung übrig bleibt – nichts als goldene Fallschirme. Die Initiative macht Schluss damit. L’initiative met un terme au concept erroné de « performance » Un-e top-manager devrait gagner plus que sa femme de ménage sous prétexte qu’il-elle est plus « performant-e », alléguent les politicien-ne-s bourgeois-es. Est-ce qu’un individu peut vraiment être sept cent vingt fois plus performant qu’un autre ? Sûrement pas. Cela n’a rien à voir avec une quelconque performance, mais seulement avec l’appât du gain et une arrogance sans limites. L’initiative veille à ce que les « performances » de chacun-e soient valorisées et rétribuées de façon équitable. Die Initiative gibt der Arbeit wieder ihren Wert zurück Die Initiative sorgt dafür, dass auch «einfachere» Arbeit wieder ihren Wert erhält. Wer 40 Stunden oder mehr in der Woche arbeitet, soll dafür auch einen gerechten Lohn erhalten. Es gibt keinen Grund, warum die Arbeit einer Managerin 100 Mal mehr Wert sein soll, als die Arbeit eines Sekretärs. L’initiative revendique la prééminence de la politique sur l’économie Les milieux économiques disposent dans notre pays d’un pouvoir incroyable. Les politicien-ne-s bourgeois-es s’agitent au gré des désirs de leurs patrons, et les lobbys bancaires et phramaceutiques dirigent la vie politique. Il faut y mettre un terme ! Notre initiative entend montrer comment se décident les lois, à savoir par l’exercice des droits politiques, et non suivant les règles des marchés. L’argumentaire complet est disponible sur www.jss.ch Das vollständige Argumentarium findet sich auf www.juso.ch

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Fragerunde Jede Initiative wirft Fragen auf. Auch diese. Die häufigsten Gegenargumente und Fragen im Überblick.

FAQ Les mutlinationales vont ­simplement déménager C’est l’argument traditionnel des néo-libéraux-ales, qui revient à chaque fois qu’il s’agit de renforcer les prestations sociales, défendre les droits des travailleurs-euses ou simplement remettre en cause le « libreéchangisme ». Notre initiative aborde directement la question de l’exercice du pouvoir politique : qui décide légitimement des règles dans ce pays ? Devons-nous nous laisser entraîner par une poignée de gourous du monde économique, ou la volonté populaire a-t-elle encore sa valeur ? Nous prétendons donner la preuve que la démocratie prime sur les arguments économiques. L’initiative n’occasionnera aucune délocalisation d’emplois dans les domaines de la production et des services : ce genre de procédure dépend avant tout des charges salariales et des capitaux, de l’ouverture des marchés, de la disponibilité de personnel qualifié, du taux d’imposition et de la qualité des infrastructures, autant de paramètres qui ne sont pas concernés par l’initiative. Il ne faut pas craindre non plus la délocalisation du sièges des multinationales : les facteurs significatifs ne seront pas touchés par notre texte (taux d’imposition peu élevé, bonne connexion aux réseaux de transports internationaux, offre locale importante en matière de services aux

entreprises, proximité avec les entreprises concurrentes et les marchés financiers). En comparaison avec les coûts immenses qu’entraîneraient de telles délocalisations, la réduction des salaires indécents des managers ne représente pratiquement rien. Warum gibt die Initiative keinen ­Mindestlohn vor? Das ist die Folge einer strategischen Absprache mit den Gewerkschaften. Sowohl die Unia als auch der SGB haben an ihren letzten Kongressen Aufträge zur Prüfung einer Mindestlohninitiative erhalten. Die Diskussionen dürften nicht vor Ende Jahr zu Ende geführt werden. Es macht keinen Sinn, dass wir Initiativen lancieren, die sich konkurrenzieren oder sogar widersprechen. Viel sinnvoller ist es, wenn sich die beiden Initiativen ergänzen. Que va-t-il se passer pour les ­stagiaires, les apprenti-e-s, le travail à l’heure ou temporaire ? Des dispositions transitoires devraient permettre de préciser de telles exceptions, ce que notre texte stipule clairement : il exige du parlement qu’il considère ces exceptions lors de l’élaboration de la loi et de ces principes d’application. Plus concrètement, le salaire horaire ou partiel sera probablement évalué proportionnellement à celui d’un travail à plein temps. Stagiaires, apprenti-e-s et bénéficiaires de places de travail pro-

Was will die initiative? Die Initiative will den maximalen Unterschied zwischen dem höchsten und dem tiefsten Lohn innerhalb eines Unternehmens auf den Faktor zwölf beschränken. Dazu schreibt sie eine maximale Spannweite in die Verfassung.

mit der Initiative sollen …

tégées seront en outre pas soumis aux mêmes règles. Die Initiative ist gar nicht umsetzbar, dafür müsste man einen riesigen bürokratischen Apparat aufbauen! Falsch. Natürlich ist die Initiative umsetzbar. Die konkrete Ausgestaltung der Ausführungsgesetzgebung ist Sache des Parlaments. Wenn dieses nicht innerhalb von zwei Jahren ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, erlässt der Bundesrat die entsprechenden Bestimmungen auf dem Vorordnungsweg. Die Deklaration der Löhne könnte zum Beispiel auf einem zusätzlichen Blatt der Steuererklärung beigelegt werden. Der Kontrollaufwand ist im Vergleich gering. Ausserdem werden in diesem Land jeder Hund und jede Kuh registriert und kontrolliert. Derselbe Aufwand dürfte für die Garantie von gerechten Löhnen noch allemal gerechtfertigt sein. L’initiative va conduire à la désolidariation des travailleurs-euses des différentes entreprises. La lutte pour une régulation des politiques salariales doit être menée de façon commune contre la classe possédante. C’est le but de cette initiative ! Elle fixe des standards sociaux dans un domaine jusqu’à présent abandonné à l’anarchie du « marché ». Il s’agit d’un premier pas dans la direction de la démocratisation de l’économie. L’histoire a montré par ailleurs qu’une meilleure réglementa­tion des conditions de travail des travailleurseuses permet de se concentrer sur de nouvelles luttes à venir. Das vollständige Argumentarium findet sich auf www.juso.ch L’argumentaire complet est disponible sur www.jss.ch

… endlich gerechte Löhne unten und oben erreicht werden. … die unsäglichen Millionenlöhne der Topmanager beschränkt werden. … das Volk die Demokratie wieder über die Wirtschaftsinteressen gestellt werden.

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«Ist es gegen Abzocker?» Das entgegnete ein älterer Herr bei einer 1:12-Probesammlung – und unterschrieb umgehend bei der Bejahung seiner Frage. Eine Feldstudie.

Reaktionen auf die 1:12-Initiative Ein sonniger Nachmittag Anfang Juni in Zürich, nähe Hauptbahnhof. Die Geschäftsleitungsmitglieder Marco und Vivien machen sich auf um ein erstes Mal das Terrain zu erkunden. Das Terrain für die 1:12-Initiative. Bewaffnet mit (improvisierten) Unterschriftenbögen, Klemmbrett und Kugelschreiber postierten wir uns und gingen voller Neugier auf die PassantInnen zu. «Wir sammeln Unterschriften für gerechte Löhne, dass endlich Schluss ist mit den Abzockerlöhnen», so und mit ähnlichen Statements versuchten wir die Leute auf unser Anliegen aufmerksam zu machen. Abgesehen von den gestressten PendlerInnen (Feierabend …) blieben die meisten stehen und, zu unserer Überraschung, wollten gar nicht mehr Argumente hören sondern einfach: unterschreiben! Man hatte schon von 1:12 gehört, man meinte sogar man habe sie schon unterschrieben, wir sind ein Thema: Noch bevor die Initiative lanciert wurde! Natürlich wäre die Initiative momentan in einer komfortablen Situation: Die bürgerlichen ParlamentarierInnen machen alles um keine verpflichtenden Regeln einführen zu müssen was Lohnobergrenzen betrifft. Die Bevölkerung ist wütend auf die Abzocker, welche schalten und walten können wie sie wollen, eine Lohnspanne stösst also auf offene Ohren. Wir sind aber überzeugt, dass wir den Menschen auch nach dieser ersten Phase der Wut aufzeigen können, dass unsere Initiative nicht nur kurzfristig die Abzockerlöhne stoppt sondern mittelfristig auch unten die Löhne heben kann (siehe S. 1). Natürlich klärten wir nach erfolgter Unterschrift die PassantInnen dann jeweils auf über ihre ungültige Unterschrift. Doch auch wenn wir diese nicht verwenden können: Die Probesammlung war notwendig, sie zeigt uns, dass wir nicht einfach im luftleeren, verträumten JUSO-Raum sind mit unserer Forderung nach mehr Lohngerechtigkeit sondern dass wir uns damit mitten in der Schweizer Bevölkerung befinden!

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Doris Bosshard 53 Jahre, Berikon AG, Assistant chief of human ressources

conserver une certaine motivation parmi les salariés, mais cet écart a des limites et il est clair que celles-ci ont été plus que dépassées. Stefan Hostettler Winterthur, Politischer Fachsekretär der SP Schweiz, Fachbereiche Wirtschaft

Würden Sie eine 1:12-Initiative unterschreiben? «Ja sicher! Das würde ich sofort unterschreiben! Ich finde es eine Sauerei wie es heute ist. 1:12 reicht doch völlig.» Francois Xavier Viallon Genève, étudiant

Signerais-tu l’initiative 1:12 ? Les différences de salaires qui existent aujourd'hui dans certains secteurs du privé ne sont plus représentatives des différences de compétences, de responsabilités ou d'efficacité entre les individus. On ne peut pas justifier le salaire d'un patron qui gagne 3 millions de francs par an par rapport à celui d'un ouvrier qui en gagne peut-être 3500. Réduire les écarts de salaire à un multiple de 12 me paraît un pas décisif vers un monde un peu moins injuste dans le sens où aucune personne ne peut effectuer en un mois le travail qu'une autre effectue en un an. Il est important de rappeler que le travail que fournit une personne, même s'il n'est pas égal à celui d'une autre, reste du travail, quel qu'il soit. Un écart entre les salaires est donc nécessaire afin de

Würden Sie eine 1:12-Initiative unterschreiben? Ob das maximale Verhältnis zwischen dem untersten und dem obersten Salär in einem Unternehmen 1:10, 1:12 oder 1: 20 sein soll, darüber lässt sich natürlich streiten. Tatsache ist aber, dass heute in zehn Schweizer Publikumsgesellschaften das Topmanagement mehr als das 100fache ihrer Angestellten abkassiert. Gemäss einer Erhebung von Travail.Suisse stiegen die Löhne der Konzernleitungsmitglieder seit 2002 landesweit um durchschnittlich 83 Prozent, während sich die Arbeitnehmenden mit gerade einmal einem Anstieg von 8,4 Prozent zufrieden geben mussten. Diese wachsende Lohnschere lässt sich durch absolut nichts rechtfertigen: Vor allem haben sie keinerlei Bezug zur erbrachten Leistung und die Wissenschaft hat längst dargelegt, dass Boni überhaupt nicht dazu taugen die Motivation der Angestellten und ihre Identifikation mit dem Unternehmen zu steigern – im Gegenteil. Die Situation ist sehr banal: Offensichtlich bedienen sich die Unternehmensspitzen einfach schamlos, wenn die nötigen Regeln fehlen. Darum braucht es eine maximale Obergrenze der Lohnspanne. Denn: Wieso soll man in der Teppichetage im Monat mehr verdienen als im restlichen Unternehmen im ganzen Jahr?

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Das Infrarot ist das offizielle Publikationsorgan der JUSO Schweiz.

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