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Früher in Siegen Am Rosterhüppel und anderswo Teil 1

Juli 2015

Siegener Geschichten

BuchJuwel

In den 1950er- und -60er-Jahren

Die schöne Kinder- und Jugendzeit Manche werden sich erinnern, „oben“ am Rosterberg, dem „Hüppel“, von der oberen Rosterstraße bis über die Radschläfe, sah es bis in die 1960erJahre noch so aus wie rechts, bevor die intensive Bebauung begann. Wiesen und Strauchwerk und der nahe Wald bestimmten das Bild. Am nächsten war die 1. Radschläfe, ein Stück weiter die 2. Radschläfe mit einem großen freien bewiesten Platz. Ab und zu diente er zum Fußballspielen. Von dort kam man direkten Weges zur Eisernhardt. Fußballgelände war aber auch, unterhalb des früheren „Schäferhundeheims“, die 1. Radschläfe, trotz des abfallenden Geländes. Der Ball konnte bis in den nahen Wald kullern. Für Kinder- und Jugendzeit ideale Voraussetzungen, um zu spielen und zu radeln und natürlich für die obligatorischen Sonntagsspaziergänge mit den Eltern.

Anfang der 1960er auf der Radschläfe, Rosterberg. Da gab es noch keine Bebauung. Hagebutten und andere Sträucher säumten teils die Wege. Platz für Spaziergänge und natürlich zum Spielen. (Alle Fotos: © Verlag/ Autor)

Nach Anfang/ Mitte der 1950er-Jahre ging es wirtschaftlich langsam wieder bergauf. Die Väter hatten Arbeit. Das hieß für uns bürgerliche Familien, bei denen die Väter in den nahen Fabriken, Werkstätten, bei Dienstleistern, im Handwerk, im Büro, bei Verlagen, Post und Bahn oder Behörden arbeiteten, aber dennoch, keine „großen Sprünge“ machen zu können. Man hatte sein Auskommen: Wohnungskosten und Lebensunterhalt bestreiten. Für die meisten war Urlaub, außer bei Großeltern oder anderen Verwandten, noch viele Jahre kein Thema. Alleinerziehende, kriegsbedingt und aus anderen Gründen, hatten es damals ebenfalls nicht leicht. Natürlich gab es auch wie zu allen Zeiten

andere mit höherem Einkommen, die sich mehr leisten konnten. Obwohl die Kinder noch samstags zur Schule gingen und Väter meist samstags arbeiten mussten oder auch Schicht- oder Wechselund teils Nachtdienst hatten, war es im Rückblick eine eher weitaus stressfreiere Zeit, bedeutend weniger schnelllebig als heute. Das war - auch im Rückblick - gut. Ob man nun am Rosterberg, Fischbacherberg, Heidenberg, Hammerhütte, Schemscheid, Wellersberg, Siegberg, Häusling/ Winchenbach oder Giersberg wohnte: Spielkameraden gab es genug, weil es überall Kinder im ähnlichen Alter gab sowie meist auch ältere und jüngere Brüder und Schwestern.


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Kinderzeit und gängige Vornamen Das war nun für alle wunderschön, dass es überall in der Straße und auch in den Nachbarstraßen Kinder ähnlichen Alters, jüngere und ältere, sowie meistens auch noch einen Brüder und/ oder Schwestern gab. Das eröffnete dem Spiel- und Entdeckertrieb Tür und Tor. Zu den heute weniger gängigen Spielen und Beschäftigungen gehörte auch, mit Murmeln oder „Klickern“ zu spielen, später auch mit Pfennigstücken, die möglichst nahe bis an eine Abgrenzung, zum Beispiel eine Mauer, geworfen wurden. Wer am nächsten dran war, hatte gewonnen. Man nahm die Münzen auf, stapelte sie auf der Oberhand, warf sie dann leicht hoch und musste sie fangen. Dann gehörten die Pfennige Dir. Sie wurden natürlich wieder eingesetzt: neues Spiel, neues Glück! Oft haben wir wie andere Kinder zusammen mit den Eltern gebastelt. Aus Luftschlangen und „Wasserglas“ entstanden bunte Schalen. Gemalt wurde ebenfalls. Das machen Kinder immer noch gerne und schenken das Bild später Mutter oder Vater oder Paten. Schön, dass es das noch gibt! Gängige Namen waren früher zum Beispiel Agnes, Anneliese, Barbara, Brigitte, Doris, Edeltraut, Evelyn, Lieselotte, Maria, Monika, Susanne, Ursula, Ute, Waltraud sowie Axel, Alexander, Bertold, Dieter, Eberhard, Hans, Harry, Heinz, Joachim, Jürgen, Karl, Karl-Heinz, Klaus, Ludwig, Peter, Rainer, Rolf, Ullrich, Uwe, Wolfgang undsoweiter undsoweiter. Im Alltag wurde vieles verkleinert, von Liesel, Uschi und Ulla über Susi und Traudel bis zu Alex und Ulli. Einige Jahre waren in der „Neuzeit“ viele davon zugunsten so gennanter „moderner“ Namen außen vor, inzwischen führen seit schon seit Längrerem manche alte Namen wieder die Beliebtheitslisten an. So ändern sich die Zeiten, die Eindrücke und Vorlieben - wie bei der Mode: Irgendwie und -wann kommt alles wieder. Am Haus und auf der Straße Für die Kleineren spielte sich das Leben rund ums Haus ab. Meist in den kleinen Vorhöfen und Gärten oder bei Mehrfamilienhäuser-Siedlungen wie am Klingelschacht, am Fischbacherberg, Wellersberg und später am Lindenberg und auch am Rosterberg in Wiesenanlagen hinter den Häusern. Ob beim Einzeloder Mehrfamilienhaus: Es gab fast überall Teppichstangen. Die reizten die Jugend dann irgendwann zum Klettern und Hangeln. Wir spielten also entweder auf der Straße, auf der es so gut wie keinen Verkehr gab oder vor oder „hinter dem Haus“. Da, wo es Gärten und Obstbäume gab, war das zur Reifezeit vom späten Frühjahr bis in den Herbst zusätzlich interessant: frische Erdbeeren, Stachel- und Johannisbeeren, Äpfel, Birnen, hier und da auch Pflaumen und Kirschen. Was für eine naturgegebene Fülle! Wir waren aber angehalten, nur ein wenig zu pflücken und zu essen, zum einen zur Vermeidung von Bauchweh, zum anderen, damit genug zum Einkochen und für Marmelade und Gelee, übrig blieb. Im Sommer stellten manche Eltern ein Wännchen mit Wasser raus. Eines der früheren üblichen Zinkwännchen. Plastik war noch kein Thema. Da konnten die Kleinen drin sitzen und planschen und zwischendurch mal immer wieder auf die Wiese gehen und spielen oder dort liegen und sich sonnen. Dafür hatten viele noch solche Zeltplanen mit Ösen, außen farblich im militärisch gedeckten Grün mit braunen Flecken. Ich erinnere mich noch an den typischen, nicht unangenehmen Geruch. Die Planen waren praktisch. Wir konnten daraus auch ein kleines Zelt bauen und uns darin verkriechen. Das ist doch für Kinder fast wie eine Höhle. Ein Schutz, ein Geheimnis. Schließlich hatten wir schon so viel Spannendes vom Vorlesen und Erzählen der Eltern aus Märchen gehört, von Hänsel und Gretel bis Peterchens Mondfahrt. Und die meist lustigen Geschichten von Wilhelm Busch, ja, auch von den bösen Buben Max und Moritz, die so manchen Streich spielten. Auf der Straße versuchten wir bei Regen, das Wasser zu stauen und aus Papier gefaltete Schiffchen, was uns die Eltern gelehrt hatten, darin schippern zu lassen. Kleine Papierflieger konnten wir auch bauen. IMPRESSUM Die Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ erscheint seit Juli 2015 im Verlag Buch-Juwel, Jürgen Weller, Lessingstr. 8, D-57074 Siegen, www.buch-juwel.de, IHK Siegen, Steuer-Nr. 342/5340/0296, FinA Siegen. Nach eigenen Anschauungen, nach bestem Wissen, jedoch ohne jegliche Gewähr für Zeiten und Örtlichkeiten und jetzige örtliche Gegebenheiten. Irrtum vorbehalten. Alle Rechte auf Fotos, Bildmontagen oder Reproduktionen sowie Texte © bei Verlag und presseweller. Gerichtsstand und Erfüllungsort D-Siegen, in 1. Instanz stets das Amtsgericht. Die Serie kann im Internet zum Lesen als Blättermagazin aufgerufen und auf Anfrage für einen eigenen Ausdruck beim Verlag bestellt werden.


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Kriegel, Verstecken und mehr

Kleine Vorhöfe und -gärten mit Mauer und/ oder Zaun abgegrenzt, bestimmten in vielen Straßen das Bild, hier in der Glück-Auf-Straße am Rosterberg, heute heißt sie Philippshoffnung.

Im Sommer waren wir Kinder beschäftigt. Die jüngeren sowieso und die älteren hatten endlich lange Sommerferien. Viele werden sich erinnern, dass es zu unserer Zeit so viele Straßen- oder Draußenspiele gab, dass man schon überlegen musste, was man denn an diesem oder jenen Tag spielt. Gängig und einfach waren Kriegel und Verstecken. Musste man bei Kriegel den anderen einholen und zuerst am „Anschlag“ sein, galt es bei Verstecken, den anderen zu finden. Der „Sucher“ musste erst mit geschlossenen Augen warten, bis sich die anderen versteckt hatten und „Jetzt“ riefen. Nun konnte der Sucher loslegen und hinter Mauern und Hecken gucken, bis und ob er überhaupt die oder den anderen gefunden hatte. Oft war auch Hock angesagt. Dazu wurde ein Feld mit mehreren Unterteilungen aufgekratzt oder später, als geteert war, mit Kreide aufgemalt. Mit einem Bein in die Felder springen. Klar gab es oben am Rand auch Himmel und Hölle. Das beschäftigte ganz schön.

Ochs am Berge und die nahe Ähl Bei Spielen stand in der Kinderzeit ebenfalls „Ochs am Berge einszweidrei“ auf dem Plan. Wer sich während der Umdrehung des Spielleiters bewegt hatte, musste ausscheiden. Bei „Vater, wie weit darf ich reisen“, gab der Spielleiter vor, wie weit man sich auf ihn Fuß für Fuß zubewegen durfte. Auf die Frage wie oben sagte er dann zum Beispiel „zwei Schritte“. Vielleicht hatte er ja auch schon Favoriten oder Favoritinnen im Kopf, denen er mehr zubilligte. Wer zuerst bei ihm oder ihr war, war dann neuer Spielleiter. Abgesehen von allen möglichen Ballspielen, einschließlich der Federballspielzeit, wo auch die Erwachsenen mitmischten, war „Räuber und Gendarm“ ein großes Spiel. Es zog sich über mehrere Straßen und durch die vielen Gärten. Schließlich ging es für die „Gendarmen“ darum, die „Räuber“ irgendwie und -wo zu finden. Riesengeschichte, die viel Spaß brachte. Als wir etwas älter waren und die Schulzeit bereits begonnen hatte, durften wir auch in den nahen Wald, bei uns die Ähl. Auf Bäume klettern - wer kommt am höchsten? - , Felshöhlen erkunden, sich eine Wurzelhöhle suchen und Indianer spielen. Wir hatte eine große Wurzelhöhe und konnten sie mit Sägespänen polstern, die uns ein benachbarter Schreinereibetrieb überlassen hatte. Toll. Aber wir fanden unter der Erde ein Felsstück, in dem man treppenartig in eine kleine Höhle steigen konnte. Warum das so war und ist, oder es jemand angelegt hat, wissen wir bis heute nicht. Fußball war gefragt Sportfreunde Siegen, Grün-Weiß, Eintracht und mehr: Mit den Eltern spazierten wir zum Fußballschauen auf den Stadtplatz im Bereich Schemscheid. Das Stadion war noch nicht gebaut.

Wie für die anderen die Wälder rund um die Siegener Berge war für uns am Rosterberg die Ähl ein ständiger Anlaufpunkt.

Selbst spielten wir in der Straße. Wenn die Älteren ihre Spiele austrugen, durften aber oft genug auch die Kleinen mitspielen. Je nach Straße mussten Tore markiert werden. … Im Teil 2 widmen wir uns mehr dem Fußball.

Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ , Teil 1, Juli 2015 Verlag Buch-Juwel, Siegen. Alle Rechte auf Fotos, Bildmontagen oder Reproduktionen sowie Texte © bei Verlag und presseweller.


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Kindergarten, Kirchgang und bald Schule Kinderzeit, das hieß für manche, aber längst nicht für alle, auch Besuch des Kindergartens. Der lag oft in der Nähe, bei uns in der Gläserstraße unten, damals relativ neu. Da in der Regel die Mütter zu Hause waren und sich um Kinderbetreuung, Essen und mehr kümmerten, besuchte nur ein Teil den Kindergarten. Ich für einige Wochen. Mit kleiner Umhängetasche, in dem eine belegte Brotschnitte, Dong, war und ein kleines Trinkfläschchen, ging es dann zum Kindergarten oberhalb der Eintracht, der auch ein Außengelände zum Aufhalten und Spielen hatte. Den Kindergarten gibt es noch heute. Die moderne Kita brauchten wir damals noch nicht. Für uns war es ein Pluspunkt, dass schräg gegenüber belgische Soldaten wohnten - damals waren wir noch Besatzungsland. Manchmal kamen sie an den Zaun und warfen Kaugummi rüber. Gut. So lange wir noch nicht im Schulalter waren, werden sich vielleicht auch viele Eltern gedacht haben, die Kinder zu Hause zu lassen. Dort konnten sie von morgens an mit den anderen spielen. Schön, dass es so war! Die heute so oft „gepredigten“ Sozialkontakte, das Gemeinschaftserlebnis, hatten wir noch vor der Haustüre. Beim Kirchgang, bei uns im Gemeindehaus oder in der Peter- und Paul-Kirche, kamen viele ebenfalls wieder zusammen. Sonntagsmorgens gingen wir mit Eltern, Mutter oder Vater, zum Gottesdienst, später zum Kindergottesdienst. Gehörte dazu. Kirchgang, war bei den Evangelischen und Katholischen angesagt. Mit den verschiedenen Religionen hatten wir in der Kinderzeit überhaupt keine Probleme.

Die Schulzeit kommt Die Zeit des relativ unbeschwerten Kleinkinderseins geht dahin. Irgendwann ruft die Pflicht. Das heißt: Schulbesuch. Bei uns gingen die evangelischen Kinder in die Diesterwegschule an der Rosterstraße, die katholischen in die Hammerhütte-Schule an der Koblenzer Straße. Beides waren Volksschulen, ausgelegt auf acht Schuljahre. Je nach Wohnung waren die Schulen ganz oder zumindest noch relativ nah. Man ging zu Fuß. Der erste Schultag - mit Kirchgang - war und ist auch heute noch etwas Besonderes. Die Eltern waren dabei, und für uns stand die bunte Schultüte mit ein paar Süßigkeiten und anderem im Vordergrund. Natürlich gab es auch einen Lederranzen für die Schulutensilien. Die „Einschulung“ selbst ging schnell vorbei. Am Tag kamen teils auch Paten und Großeltern.

Durch diesen Eingang sind schon viele Kinder gegangen. Zu unserer Zeit war die Diesterwegschule, Foto aus 2012, eine Volksschule.

In Reih und Glied Der „Ernst des Lebens“ begann am zweiten Schultag. Schnell wurde uns klargemacht, dass man nicht so einfach ins Schulgebäude geht. Wir mussten uns am Schulhof in Reih und Glied aufstellen. Dann ging es nach „Freigabe“ in den Klassenraum mit den Holzbänken und der großen Tafel. Im Ranzen waren noch die Schiefertafel und

der Griffel und einiges mehr. Stillsitzen. Lehrerin und/ oder Lehrer kennenlernen. Zum Glück gab es auch Pausen. Großer Schulhof. Heute noch vielen aus jenen Zeiten bekannt werden zum Beispiel Saubers Martha, Lehrer Scholz, Mohr, Rektor Jansen und später Rektor Dickel sein. Unsere Klasse hatte es mit Fräulein Schütz und Fräulein Haider zu tun.

Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ , Teil 1, Juli 2015 Verlag Buch-Juwel, Siegen. Alle Rechte auf Fotos, Bildmontagen oder Reproduktionen sowie Texte © bei Verlag und presseweller.


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In die heutige Grundschule Spandauer Schule (links), früher Häuslingschule und Jung-StillingSchule, in der Martin-Luther-Straße, ging auch die nächste Generation, neben anderen Kinder aus der Winchenbach. Die Schule geht geschichtlich noch weiter zurück: Ehemals (seit Ende des 19. Jahrhunderts) war hier die über die Grenzen hinaus bekannte Wiesenbauschule, später bekannt als Ingenieurschule, angesiedelt. Diese zog dann wiederum in den Neubau an der Dr.-Ernst-Straße um, nun seit Jahrzehnten die „Realschule am Häusling“.

Eingewöhnung und neue Bekanntschaften Mit dem Schulgang kam auf uns viel Neues zu: feste Zeiten, an denen man da zu sein hatte und an denen man gehen durfte. Hatten so einige bereits Grundwissen in Lesen, Schreiben und Rechnen und wussten die Uhrzeit abzulesen, so wurde das nun vertieft. Nach und nach. Bilder-Lesebücher nach dem Motto: „Das ist Hans mit seinem Hund Waldi“. Hans geht mit Waldi auf die Wiese“. Wir lernten Buchstaben, irgendwann das ABC. Wir schrieben bald kleine Wörter, lernten nach und nach Druck- und auch Schreibschrift. Rechnen: Das Addieren hieß bei uns noch „Zusammenzählen“, das Subtrahieren „Abziehen. Waren drei Kästchen (3) aufgemalt + zwei Kästchen (2), ergaben sich fünf Kästchen (5). Das konnte man noch an einer Hand abzählen. Natürlich wurde auch gemeinsam gesungen, wurden Lieder gelernt, die wir noch nicht kannten. Kinderlieder, die bis heute im Ohr klingen. Malen gehörte ebenfalls zum Programm. Trotzdem waren wir froh, wenn die Klingel schrill zur Pause ertönte.

Keine Frage, noch viel schöner war es, wenn sie so um die Mittagszeit rum zum Schulschluss rasselte. Große Klassen und Neues Weit über 40 Kinder, das war relativ normal. Es gab später auch schon Klassen mit über 50. Wir sind daran nicht verzweifelt. Aber man musste ja auch alle nach und nach kennenlernen. „Aus welcher Straße kommst Du?“ Es entstanden neue Freundschaften.

Die Obenstruth-Schule auf dem Wellersberg war ehemals eine so genannte Kapellenschule. Reiche Geschichte.

Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ , Teil 1, Juli 2015 Verlag Buch-Juwel, Siegen. Alle Rechte auf Fotos, Bildmontagen oder Reproduktionen sowie Texte © bei Verlag und presseweller.


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Langsam lesen lernen In der Schule mussten wir natürlich das Lesen lernen, auch wenn wir es von zu Hause schon ein kleines bisschen konnten. Es gab eine „Lesefibel“. Bei uns war das „Leo und die andern“. Heute würde ich nach meinem Rechtschreibeverständnis „Leo und die anderen“ schreiben .Schön aufgemacht mit Bildern und einfachen Sätzen. Aus der Erinnerung heraus war Teil 2 noch weitaus schöner, schließlich ging es da Weihnachten zu. Zu unserer Zeit war ja noch um Ostern Schuljahreswechsel. Irgendwelche Politiker haben das verändert. Das Lesenlernen klappte gut mit den „Fibeln“. Beim ersten Zeugnis hatten wir Erstklässler es noch gut. Zuerst gab es nur einen Hinweis wie „Hans hat einen guten, befriedigenden oder ausreichenden Anfang gemacht“. Die Zeugnisse, bei den Kindern auch „Giftblätter“ genannt, veränderten sich dann. Es gab Noten. Da versuchte man schon, sich einigermaßen anzustrengen, um hier und da „Gut“ oder „Befriedigend“ zu erreichen. Aber zumindest noch „Ausreichend“. Wie das Wort sagt, reichte das leistungsmäßig aus. Möglich waren aber auch „5“ und „6“, „Mangelhaft“ und „Ungenügend“. Das wollte nach Möglichkeit niemand haben.

Mit „Leo und die andern“ aus dem HeinkeVerlag, begann für uns in der Schule die Zeit, Lesen zu lernen. Im zweiten Teil ging es in die Herbst- und Winterzeit. Verkleinerter Titel/ Titel: Heinke-Verlag.)

Zusammen nach Hause gehen

Alles noch mit Kopfnoten

Mehr Kinder, das hieß einige neue Bekanntschaften und Freundschaften. Das merkte man dann auf dem Pausenhof. Je nach dem, wann zu Hause Mittagessen angesagt war, machte man nach Schulschluss auch einen kleinen Umweg, um noch über dies und das zu sprechen oder sich zum Spielen zu verabreden. Manche Schulkameraden wohnten am Rosterberg, andere auch in der Ziegeleistraße und im Bereich Hammerhütte. Spielen stand erst am frühen Nachmittag auf dem Plan. Bei den meisten hieß es zu Hause: „Erst die Schularbeiten machen“. Wusste man nicht weiter, halfen schon einmal die Eltern oder die älteren Geschwister. War alles fertig, wurde der Ranzen für den nächsten Tag gepackt, und dann ging es endlich raus! Von Klasse zu Klasse wurde das Lernprogramm umfangreicher, und auch die Hausaufgaben brauchten mehr Zeit. Aber zum Spielen reichte die Freizeit.

Zu den Schulfächern gehörte neben anderem auch Heimatkunde. „Wo entspringt die Sieg und durch welche Orte verläuft sie?“ Das hatte man dann irgendwann „drin“, und so verinnerlicht, dass man es heute noch aufzählen kann. Der weitere Ausbau des geografischen Wissens setzte sich später mit „Erdkunde“ fort. Nun galt es aber nicht nur, in den Fächern günstige Noten zu erzielen. Die so genannten Kopfnoten waren ebenfalls wichtig: Betragen, häuslicher Fleiß, Teilnahme am Unterricht. Fielen diese Noten schlecht aus, gab das kein gutes Bild. Wir lernten uns damit aber eine gewisse Disziplin an, die allerdings später in der Zeit der Pubertät auch einmal vor die Hunde ging. Nach vier oder fünf Jahren fiel die weitere Schul-Entscheidung. Mehr in Teil 2.

Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ , Teil 1, Juli 2015 Verlag Buch-Juwel, Siegen. Alle Rechte auf Fotos, Bildmontagen oder Reproduktionen sowie Texte © bei Verlag und presseweller.

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