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Früher in Siegen Am Rosterhüppel und anderswo Teil 2

Oktober 2015

Siegener Geschichten

BuchJuwel

Oberhalb des Leimbachtals unterwegs

Schöner Nachmittags-Spaziergang Spaziergänge: Damit geht es in diesem Teil weiter. Wir liefen vom Rosterberg über die Eiserner Straße (heute Leimbachstraße) bis in den Wald gegenüber. Dort gibt es noch heute Spazierwege von der Winchenbach oder Leimbachstraße aus, zum Teil an Schieferformationen vorbei. Damals bestimmten teilweise Niederwald, Büsche, Sträucher und Blumen den Weg. Das Wegenetz führte auch zur Grube Ameise. Dort konnten wir früher zur Schulzeit noch Anlagen und Waschkaue sehen, bevor dann irgendwann alles platt gemacht wurde. An solche besonderen „Gruben- oder Industriedenkmäler“ hatten die Politiker im Siegerland damals wohl noch nicht gedacht, wenngleich es ein „Pfand“ für die Tradition und später eventuell den Tourismus hätte sein können. Schade, gerade hier im Siegerland hätte es so vieles zum Zeigen gegeben. Das wäre ein eigenes Thema.

Waldnatur und Niederwald, hier konnten wir beides Mitte der 1950er noch fröhlich erleben, am Waldhang oberhalb des Leimbachtals. Wenig später wurde hier eine Stromtrasse gebaut. (Alle Fotos: © Verlag/ Autor)

Der Bach und die Kurvenstraße Weiter geht’s. Wir blickten auf das Leimbachtal, das zu der Zeit noch nicht verrohrt war. Das kam später. Unten war auch noch ein Kalkteich oder Ähnliches. Man schaute auf dieses weiß schimmernde Becken. Die Eiserner Straße wand sich in vielen Kurven auf die Höhe unterhalb der Eisernhardt. Dann ging es links ab nach Eisern oder rechts zur Eisernhardt, wo Flugsport betrieben wurde, Segelflieger ihre Sportstätte hatten. Das kennen viele. Später ging man auch gern ins „Fliegerheim“. Einkehr. Das hat man noch bis in die nächste und übernächste Generation gemacht. Das Segelfluggelände wurde irgendwann ins Tal

verlegt, wo es noch heute ist und es jedes Jahr ein „Flugplatzfest“ gibt. Oberhalb des Geländes lässt der Gilbergskopf grüßen. Dort steht schon seit der Schulzeit ein Aussichtsturm. Toller Blick. Ganz gut von Eiserfeld oberhab des Friedhofs aus zu erreichen. Rund 20 Minuten Gehzeit. Nein, Autobahnanschluss gab es noch - lange nicht. Es dauerte auch seine Zeit, bis die Eiserner Straße geteert wurde. Für unseren längeren Spaziergang hatte das alles keinen Belang. Wir überquerten wieder das Leimbachtal, gingen über die Radschläfe auf dem Rosterberg zurück. Ein schöner Nachmittag.


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Da wir im Leimbachtal sind: Manche werden noch den „Leimbacher Weiher“ (rechts) kennen, so einige werden da auch schon gebadet haben. Sehr praktisch für alle, die in der Winchenbach, am Rosterberg und in der Eiserner Straße wohnten. Schließlich war es ganz nah, etwas unterhalb des noch bestehenden „Hitzewäldchens“. Später entstand das Gewerbegebiet, bekannt durch die verschiedenen Autohäuser. Früher war eben vieles anders.

Straßen, Stadtplatz, Jahnplatz und mehr

Überall Möglichkeiten für Sport, Spiel und Spaß Klar, unser größtes Freizeit-Terrain waren früher die Straßen und der überall nahe Wald. Man kann sich immer nur freuen, solche Möglichkeiten wie viele andere Kinder gehabt zu haben, damals Kind gewesen zu sein! Als wir etwas größer waren, ging es darum, Höhlen und Lieblingbäume zu entdecken, Indianer zu spielen und so vieles mehr. Wunderbar. Für unsere älteren Geschwister, die heranwachsenden Mädchen und Jungs, war das auch ein Thema. Man traf sich an Sommerabenden rund um eine Bank oder im Gras, und wenn dann einer eine Gitarre oder ein Akkordeon mithatte, wurde es stimmungsvoll, sagen wir mal, sogar romantisch. Teils wurden zarte Bande geknüpft. Unsere Fußballspiele trugen wir, zum Teil mit Beteiligung einiger Väter, auf der Straße aus. Bis in die frühe Jugend gingen wir auch ab und zu auf die 1. Radschläfe. Sehr selten nur auf das viel ebenere Gelände der 2. Radschläfe oder auf den Platz am Agnesenhof in der Winchenbach. Wettbewerb: Spiele gegen die Mannschaften anderer Straßen trugen wir in der Straße oder auf

der Radschläfe aus. Außerdem gab es oberhalb der heutigen Leimbachstraße, unterhalb der Diesterwegschule, einen großen ebenen Platz, von wo man auch in den Bunker gelangte. Dazu aber später mehr. Klar, Mannschaft muss man sich nicht mit elf Spielern, sondern höchstens mit sechs vorstellen. Nicht jeder hatte Spaß am Fußball. Schließlich gab es auch noch Handball, Völkerball und Schlagball. In Sachen Fußball waren viele Anhänger der Sportfreunde Siegen. Das wurde noch verstärkt, als die im Juni 1955 in Wetzlar gegen Bad Homburg die Deutsche Amateurmeisterschaft gewannen. Bei dem anschließenden Siegesumzug in Siegen, vom Eintrachtgelände aus, war ich mit meinen Eltern dort. Zum Teil fuhren die Spieler in Cabrios. Dabei waren - zum Teil schon inzwischen verstorbene Spieler, hier aber nicht besonders vermerkt. Aus meiner Erinnerung bekannt sind zum Beispiel Otto Nauroth, Paul Haase, Werner Steffe im Tor und Werner Rarrasch. Später kam Albrecht „Abbi“ Kühn dazu. Ein klasse Tribbler.

IMPRESSUM Die Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ erscheint seit Juli 2015 im Verlag Buch-Juwel, Jürgen Weller, Lessingstr. 8, D-57074 Siegen, ) 0271 331570, www.buch-juwel.de, IHK Siegen, USt-IdNr. DE 192423892 FinA Siegen. Nach eigenen Anschauungen, nach bestem Wissen, jedoch ohne jegliche Gewähr für Zeiten und Örtlichkeiten und jetzige örtliche Gegebenheiten. Irrtum vorbehalten. Alle Rechte auf Fotos, Bildmontagen oder Reproduktionen sowie Texte © bei Verlag, privat, presseweller. Gerichtsstand und Erfüllungsort D-Siegen, in 1. Instanz stets das Amtsgericht. Die Serie kann im Internet zum Lesen als Blättermagazin aufgerufen und auf Anfrage für einen eigenen Ausdruck beim Verlag bestellt werden.


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Von Verein oder Schule auf den Jahnplatz

Auch ein Thema: Leichtathletik Fußball stand für viele ganz vorn. Man konnte auch zu Zweit kicken, hin- und herspielen, sich „umschnippeln“, köpfen und anderes. Klar, dass das meist auch lustig war. Der Spaß stand im Vordergrund. Wir verwenden nur sehr ungern den als modern geltenden Spruch „Just for Fun“ (heißt „gerade so zum Spaß“). Unsere Sprache ist bereits viel zu sehr von Angloamerikanischem durchsetzt. Warum? Wir haben für nahezu alles selbst gute Wörter. Da wäre die Jugend aufgerufen, mal moderne Begriffe in Deutsch zu erfinden. Wenn wir die Fußballspiele früher, bevor viel später das Stadion gebaut wurde (1957 fertig), sehen wollten, gingen wir auf den Stadtplatz in der Schemscheid. Zu Fuß durch die Eintracht und nicht weit weg von der Sieg. Es gab aber auch damals schon einige andere Sportplätze in Siegen und in vielen Orten des Siegerlandes. Jahnplatz-Wettbewerbe Hinter der Bahn gibt es zu unserer Zeit den Jahnplatz, ganz am Ende der Jahnstraße. Jahn Siegen ist ein traditioneller Verein. Liest man in der Geschichte, hat sich daraus im Fußballbereich sogar der Verein Sportfreunde Siegen gebildet. Bei Schulwettbewerben ging es für uns früher zum Jahnplatz. Zur Kinderzeit liefen wir noch 50 Meter um die Wette. Später auch 75. Bei Wettbewerben schauten die Eltern zu oder zumindest die Mütter, wenn Vater auf der Arbeit war. Einmal erzielte ich ein gutes Ergebnis, als ich mit hochgeschlossenen Pantoffeln lief, wie es sie damals gab, Erster wurde. Für Spiele und Wettbewerbe war der Jahnplatz die erste Adresse. Meist trat man mit Turnschuhen an. Später nutzten die Läufer auch Spikes, Laufschuhe mit „Nägeln“ auf der Sohle. Mein Bruder Klaus, fünf Jahre älter als ich und ein alter „Jahner“, lief die Hundert Meter später in weit unter zwölf Sekunden. Spitze! Es gab aber noch schnellere. Klaus erwähnte oft den Namen Tackenberg, Beim „Weitspringen“ schnitt mein Bruder ebenfalls gut ab, er war ein Leichtathlet und ein Fußballer, der auch in Vereinen spielte und später im Postsportverein aktiv war. So etwas gab es früher noch alles. In der Jahnhalle

Geschafft, Ende des Tribbelns, Köpfens, Hin- und Herspielens, nur zum Freizeit-Spaß.

war auch Turnen angesagt. Mein Ding war es nicht, deshalb bin ich irgendwann ausgetreten. Mein Jahner-Bruder blieb aber lange dabei, und ich erinnere mich,wie sie einen Lobgesang auf den Trainer oder Vorsitzenden, was ich hier nicht eindeutig klären kann, in der Melodie eines bekannten, schwungvollen Liedes verfasst hatten „ …beim Jahn Siegen, da ist der Freitags Werner …“. Ja, beim „Jahn“, Sportfreunden, BC Eintracht, Grün-Weiß Siegen fanden viele eine sportliche Heimat - und damit auch so viele Kameraden und Freunde. Der TV Jahn Siegen war danach und ist auch heute noch in vielen sportlichen Bereichen aktiv wie Leichtathletik, Radfahren, Basketball und mehr. Ein guter Bekannter hat sich dort auch seine erste Sporen im Einradfahren verdient. Der TV Jahn Siegen hat eine über 100-jährige Geschichte! In Siegen bestehen nach wie vor alte und jüngere Vereine für die unterschiedlichsten Sportarten, je nach Interesse auch für Tennis, Badminton, Judo und vieles andere. Sportvereins-Möglichkeiten gibt es für alle, egal, welcher Herkunft und Nationalität. Wer Interesse hat, sollte sich informieren. Anders als vielfach heute, hatten wir früher aber von Kindheit an reichlich Alltags-Bewegung. Zu Fuß unterwegs; normal.

Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ , Teil 2, Oktober 2015 Verlag Buch-Juwel, Siegen. Alle Rechte auf Fotos, Bildmontagen oder Reproduktionen sowie Texte © bei Verlag und presseweller.


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Bis in die Jugendzeit

Schulleben ging weiter Die ersten Schuljahre plätscherten so dahin, wobei es für die Kinder wie heute darum ging, „versetzt“ zu werden und ein einigermaßen vernünftiges Zeugnis zu bekommen. Einsen waren früher selten. Längst stand nicht überall „Gut“ oder „2“, aber wir und die Eltern waren auch mit „3“, „Befriedigend“, zufrieden, notfalls noch mit „Ausreichend“, „4“. Einige Zeit nach Mitte der 1950erJahre wurden die Klassen noch voller. Zumindest am Rosterberg. Es kamen Kinder und Jugendliche dazu. Grund dafür war, dass oberhalb des Hotels Schäfer in der Rosterstraße Reihen-Mehrfamilienhäuser gebaut worden waren, wo dann viele Vertriebenen-Familien und Menschen aus der ehemaligen DDR wohnten. Mit vielen Jungen und Mädchen, den „neuen“ Schulkameraden, schlossen wir schnell Freundschaft, die oft über die Schulzeit hinaus gehalten hat. Nach dem 4. und teils nach dem 5. Schuljahr stand für manche ein

Auf demSchulhof der Winchenbachschule haben so manche Kinder und Jugendliche ihre Pausen verbracht:

Schulwechsel an. Viele blieben aber auch bis zum Schluss, zur 8. Klasse, in der Volksschule. In den vielen Fächern hatte man so einiges an Wissen mitgenommen, das gut für eine weitere Ausbildung reichte. Ohnehin gab es an Lehrstellen keinen Mangel, ob im Handwerk, in Geschäften, Büros, Dienstleistungsbetrieben oder in der Verwaltung. So viele aus diesen Zeiten haben ihren Weg mit Volksschule und Lehre bis in leitende Stellungen gemacht. Eine klasse Zeit!

Andere Wege Aus der Diesterwegschule wurden bereits 1956 so einige, Je nach Wohnstraße, der neuen Winchenbachschule zugewiesen. Diese spätere Hauptschule bestand bis 2014. Einige wechselten nach Klasse 4 oder 5 aufs Städtische Gymnasium am Löhrtor, andere in die Realschule am Häusling in der Dr.-ErnstStraße, ganz früher „Wiesenbauschule“, später „Ingenieurschule“. So entstanden für viele wieder neue Bekanntschaften und Freundschaften. Die Volks- und weiterführenden Schulen waren alle noch wohnstättennah, wie es wünschenswert, aber heute in weiten Teilen schon aufgegeben ist. Unter anderem existieren (zurzeit) noch Diesterwegschule am Rosterberg, Spandauerschule am Häusling und Obenstruthschule am Wellersberg sowie weitere in den Wohnbezirken. In den Manche Kinder gingen nach Klasse 4 oder 5 zur Siegerländer Dörfern sieht es da schon Realschule am Häusling (o.) In der Dr.-ErnstStraße oder zum Städtischen Gymnasium am schlechter aus. Aber egal, wo der Schulort war Löhrtor. oder ist: Erinnerungen bleiben. Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ , Teil 2, Oktober 2015 Verlag Buch-Juwel, Siegen. Alle Rechte auf Fotos, Bildmontagen oder Reproduktionen sowie Texte © bei Verlag und presseweller.


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Wie man früher wohnte

Zuerst „Karo einfach“ Eine Wohnung gehört zu einem normalen Leben dazu. Längst nicht alle hatten ein „eigenes Haus“. Meine Eltern, beide vom Land und wegen der Arbeit nach Siegen zugezogen, hatten das Glück, bereits während des Krieges Wohnraum am Rosterberg bei einer netten Familie zu finden, in einem der typischen hochgebauten Ziegelhäuser: eine kleine, aber gut passendende Wohnung. Dort lebten wir mit einer Unterbrechung bis Mitte der 1960er-Jahre. Die Unterbrechung dauerte ein paar Wochen: Beim schlimmen Bombenangriff auf Siegen gegen Ende des Krieges wurde das Wohnhaus - zum Glück nur leicht - beschädigt. Ein Ausweichquartier gab es am Fischbacherberg. Der Anspruch an den Wohnflächenbedarf ist laufend gestiegen. Was früher für vier Personen reichte, wird heute im Durchschnitt von rund einer Person genutzt. Kurz und gut: Große Küche mit bequemem Sofa und Herd, Tisch und Stühlen, großes Schlafzimmer, Flur und kleines Wohnzimmer kamen auf rund 45 Quadratmeter und reichten Eltern und später zusätzlich den zwei Kindern zum Wohnen. Das war in Ordnung. Manche mussten sich auch eine Wohnung mit einer anderen Familie teilen, weil Wohnraum

Teilansicht eines Kohleherdes mit Backofen und Warmwasserbehälter.

In den 1970er-Wohnungen waren viele Wohnungen so oder ähnlich möbliert, auch so, wie es „Gelsenkirchener Barock“ genannt wird. Nicht „muffige alte Zeit“, wie oft gesagt, sondern einfach bequem und gemütlich.

knapp war. Die Wohnungssuchenden wurden seitens der Behörde „zugewiesen“. Man nennt das „Wohnraumbewirtschaftung“. Es dauerte aber nicht sehr lange, bis überall Wohnblocks hochgezogen wurden. Nach und nach bauten sich auch manche Familien ihr eigenes Haus. Mit Kohle- und Gasherd Die klassische Einbauküche gab es noch nicht. Für Service, Besteck und anders diente der Küchenschrank. Häufig war zum Kochen und Heizen noch ein Kohleherd mit Backofen im Einsatz, klassisch mit aufgesetztem Warmwasserbehälter. Es gab dann aber auch praktischere Gasöfen zum Kochen und Backen. Sie wurden mit dem so genannten Stadtgas betrieben. Davon erzählt heute noch der - ehemalige - dicke Gaskessel auf der Schemscheid. Für den Gasverbrauch gab es einen Zähler, der mit Gasmünzen betrieben wurde. Die wurden regelmäßig wieder vom „Ableser“ eingesammelt. In den übrigen Räumen standen Kohleöfen. Geheizt wurde meist nur, wenn das Zimmer gebraucht wurde. Heizungen waren selten. Heute haben wieder viele, unabhängig von der Heizung, einen Ofen. Ja, diese Wärme ist sehr angenehm und gemütlich.

Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ , Teil 2, Oktober 2015 Verlag Buch-Juwel, Siegen. Alle Rechte auf Fotos, Bildmontagen oder Reproduktionen sowie Texte © bei Verlag und presseweller.


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In die Höhle, auf Bäume und im Bunker

Was für eine erlebnisreiche Kindheit Wie überall im Siegerland durchstreiften Kinder, wenn sie schon etwas älter waren, die umliegenden Wälder, gingen auf Entdeckungs- und Abenteuerreise. Nein, nicht alleine, sondern stets zu mehreren. Bei uns waren es Ähl und Radschläfe, bei anderen vielleicht die „Eroberung“ des „Monte Schlacko“ in Geisweid und vieles andere im Siegerland. Zum Glück gab es überall genügend Möglichkeiten. Womit wir wieder beim Anfang sind. Früher lasen manche Heftchen im Querformat, die „Tarzan“ und „Akim“ hießen. Beide „Helden“ waren im Urwald unterwegs und „tapfer“. So suchten wir uns auch Lieblingsbäume aus wie die alte Eiche. Mit einem kleinen Aufschwung zum „Einstiegs-Ast“ nahmen wir die erste Hürde. Dann ging es darum, so hoch wie möglich zu klettern. Nebenan war eine Birke. Biegsam. Wir versuchten also, uns daran zu hangeln und ein Stück mit dem Ast zu schwingen, fast bis zum Boden. Prima. Tarzan und Akim hatten allerdings Lianen dafür. Schon ganz hoch in der Ähl, der Radschläfe zu, gab es eine große Felsenhöhle. Mal vorsichtig reingehen, ein Stück weiter und weiter. Aber nur so weit, dass wir wieder zurück zum Ausgang kamen. Die schon Älteren hatten mehr gewagt. Immer weiter und mit Abstiegen. Grobe Felswände und eine seeähnliche Wasseransammlung, die sie auch überwunden hätten, wie sie anschließend erzählten. Ja, der Rosterberg ist wie viele

Die Ähl bis zur Radschläfe war unser Revier.

Klar, Schnee gab’s auch. Hier der Häusling. Schlitten raus. Bald mehr. andere Hügelreviere im Siegerland, von Gosenbach bis Müsen, unterhöhlt. Die Spuren Bergbau und anderen Schächten auf der Suche nach Eisenerz und anderen Metallen. Dazu gab es dann bald auch die Verhüttungsanlagen, beispielhaft dafür hier einmal die große Anlage in Niederschelderhütte. Gespenstisch im Bunker Im Siegerland gibt es zig Bunker. Gut, weil sie im Krieg Schutz boten. Wenn sie bei Luftangriffen voll besetzt waren, gab es auch drängende Enge. Wir kennen das aus Augenzeugenberichten. Am Rosterberg gab es bis vor Jahrzehnten ein Gitter vor dem Bunkereingag in der Rosterstraße. Das Tor wurde inzwischen dicht gemacht. Vom Pausenhof der Diesterwegschule ging ein Versorgungsschacht in den Bunker. Vom Wäldchen hinter der Schule oder von der Eiserner Straße aus war der andere Bunkereingang zu erreichen. Schon mit Taschenlampen ausgerüstet, machten wir uns auf den Weg entlang der Ziegelwände. Türen, Zimmer, Gänge und Abzweigungen. Das Sprechen hallte nach. Irgendwie wirkte es gespenstisch. Gut, dass wir wieder rausgekommen sind. Nächste Ausgabe: Radio, Fernsehen, die Eintracht, Feiern und Co.

Geschichten-Serie „Früher in Siegen“ , Teil 2, Oktober 2015 Alle Rechte Verlag Buch-Juwel, Siegen. Gerne informieren Sie, wenn Teil 3 fertig ist. Kontakt über www.buch-juwel.de

Siegen früher - Rosterberg und anderswo  

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