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September 2012

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„Sport vermittelt kostbare Werte“ Matthias Sammer über Teamgeist, Bodenhaftung und Niederlagen

Ruhig bleiben Das hilft bei Tobsuchtsanfällen

Happy Birthday! So wird der Kindergeburtstag zum gelungenen Fest

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Die wichtigsten r Impfungen fü Kinder

Mamma mia! Mütter & Töchter: eine besondere Beziehung


I N H A LT <<<

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Mütter & Töchter: eine Beziehung mit Konfliktpotenzial

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TITELGESCHICHTE 8 Frauenfrage

Festtag: Tipps für den Kindergeburtstag

GESUNDHEIT 26 Gut geschützt

Warum die Beziehung zwischen Mutter und Tochter so besonders ist

FAMILIE HEUTE 16 Ein Fest! So wird aus einem Kindergeburtstag eine gelungene Feier

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Foto: Blue Seven

Foto : Thin ksto ck

Foto: Wim Woeber

Die Themen auf dem Titel sind farbig gekennzeichnet

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Impfungen: zuverlässiger Schutz vor Masern, Mumps & Co.

LERNEN & SPIELEN 40 Leselust

Welche Impfungen für Kinder wichtig sind

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Abwehrstrategien Das hilft bei Erkältungen

REISE 32 Happy End

Interview

Algarve: Wo Europa aufhört, fängt der Familienurlaub an

Matthias Sammer erklärt, warum Sport den Familienalltag bereichert

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Das begeistert Kinder für die Welt der Bücher

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Wutwichtel in der Mondgruppe Reine Nervensache: Tobsuchtsanfälle bei Kindern

UND SONST ... 6 Hingucker 14 News 20 Medientipps

Rückenwind Lüneburger Heide: JugendherbergsHopping mit dem Drahtesel

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Reisetipps

GEWINNSPIELE 14 15 37 38 39

Kinderfahrrad Spiele testen Kinderfahrrad Bauernhof-Wochenende Erlebnisreisepaket mit HD-Videokamera

37 Roadtrip: Mit dem Rad kommen Kids in Schwung

Online-Gewinnspiele 14

Weltatlanten für Kinder

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 Zum Verteilen Eis aus Sand? Das schmeckt – zumindest im Spiel. Eiswaffeln, Eistüte, Eimer, Portionierer und Sahnehaubenform machen aus dem Nachwuchs einen Eisverkäufer. „Spielstabil Eimergarnitur Gelateria“, etwa 10 Euro, www.mytoys.de

 Zum Bewässern Die können schon die ganz Kleinen greifen: die BabyGießkanne mit drei runden, bunten Füßen für festen Stand. „Spielstabil Baby Gießer“, etwa 6 Euro, www.toyone.de

Kuchen!  Zum Wachsen

Der „Smoby Strand-Lkw“ ist ziemlich robust. Gleichzeitig kutschiert er Eimer, Schaufel, Rechen und Sandförmchen. Denn echte Buddelkönige brauchen eine vielseitige Ausrüstung. Etwa 15 Euro, www.kinderbutt.de

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Zum Transportieren

Für Baumeister: Mit dem achtteiligen „Türme-Macher-Set“ ist der Nachwuchs im Nu zum Türmebauen ausgebildet. Wer baut die schönste Burg? Etwa 9 Euro, www.edumero.de

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>>> T I T E L G E S C H I C H T E

Claudia Brück (43) möchte ihrer Tochter Sicherheit und Ruhe vermitteln: „Eine Glucke bin ich aber nicht, dafür traue ich meiner Tochter viel zu.“ Emilia (9) betont: „Es gibt Dinge, die ich lieber mit meiner Mama mache, zum Beispiel Schuhe kaufen.“

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Frauenfrage Warum die Beziehung zwischen Mutter und Tochter so besonders ist Das Zusammenleben von Müttern und ihren Töchtern ist eng – und bietet Stoff für tiefschürfende Auseinandersetzungen. In vielen Familien knallt es zwischen Mama und ihrem weiblichen Nachwuchs. Dagegen schützen sich Mütter, wenn sie ihre Erwartungen genau betrachten. Vielleicht geht es ja nicht um ewige Harmonie und Symbiose – sondern um Respekt zwischen Frauen. Text: Tim Farin, Fotos: Wim Woeber

s war einmal. Zum Beispiel dieser bekannte Fall, als die Mutter so erfüllt war vom Neid auf ihre eigene Tochter, dass sie ihren eigenen Nachwuchs töten wollte. Der Tochter gelang die Flucht ins Exil, in dem ihr die Mutter weiter nach dem Leben trachtete. Ein Mutter-Tochter-Konfliktfall unter vielen in der kulturellen Überlieferung, vielleicht der bekannteste – das Märchen vom Schneewittchen. Und tatsächlich war es in der Urform der Geschichte die leibliche Mutter und nicht wie später die Stiefmutter, welche das junge Mädchen beseitigen wollte. Ein Märchen von vielen, das von einem schwierigen Verhältnis der weiblichen Generationen erzählt.

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Emotional und konfliktreich Es war einmal und ist noch so. Mama und ihre Töchter, das ist zwar ein Stoff aus dem Märchen, aber ein hochaktueller. „Es gibt keine andere Beziehung, die so gefühlsbeladen ist wie die zwischen Mutter und Tochter“, sagt die Autorin und Psywww.wireltern.de

chotherapeutin Claudia Haarmann. Die Emotionen sind dabei bei Weitem nicht nur positiv. „Es gibt einen enormen Konflikt: Hunderttausende Töchter und Mütter in Deutschland haben den Kontakt zueinander abgebrochen.“ Haarmann, die ein Buch über Mutter-Tochter-Beziehun-

„Streben nach Harmonie“ gen geschrieben hat, liefert eine erschreckende Diagnose: In weit mehr als der Hälfte aller Beziehungen zwischen Müttern und ihren Töchtern herrschten gravierende emotionale Probleme. Was vor allem auch dann passiert, wenn die beiden besonders darauf aus sind, in Harmonie und Eintracht zusammenzuleben. Nicht nur die Märchen sind voll solcher – teils allerdings verklausulierter – Beispiele. Wer sich in Ratgeberecken im Buchhandel umschaut, findet eine Vielzahl von Titeln, die über Auseinanderset-

zungen und psychische Probleme zwischen Müttern und Töchtern berichten und Auswege aufzeigen wollen. Dass diese Beziehung ein Problemthema ist, dafür gibt es laut der österreichischen Pädagogin Andrea Bramberger einen wichtigen gesellschaftlichen Grund. Die Beziehung zwischen dem weiblichen Elternteil und den Nachkommen desselben Geschlechts sei in dieser herrschenden Meinung an sich etwas Besonderes, es bestehe eine sehr enge Verbindung, gar die Wahrnehmung: „Die Tochter soll nach dem Modell der ‚Russischen Puppen‘ idealerweise zu dem werden, was die Mutter ist.“ Bramberger beobachtet, dass diese von ihr identifizierten gesellschaftlichen Vorstellungen letztlich das reale Verhältnis negativ prägen. „Mütter und Töchter sehnen sich nach einer symbiotischen Beziehung, sie streben diese an und leiden an der Nichterfüllung oder versuchen gar, sich radikal voneinander zu trennen.“ Deswegen rät Bramberger allen Frauen mit Kindern oder Kinderwunsch, sich mit dem > KiNDER 9/2012

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>>> R E I S E

An der Algarve erleben Familien das Ende der Welt. Genauer gesagt: das südwestliche Ende Europas. Es locken perfekte Wellen, feinsandige Strände – und: die letzte Bratwurst vor Amerika.

Happy End Foto: Martinhal Beach Resort & Hotel

Algarve: Wo Europa aufhört, fängt der Familienurlaub an

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er Wind bläst ganz schön stark am südwestlichen Ende Europas. Eltern sollten ihre Kleinen also gut festhalten. Irgendwo da hinten, hinter dem Horizont, muss Amerika sein. Wenn man Fernweh bekommt, dann hier. Während die Großen einfach nur auf der Mauer sitzen und die endlose Weite auf sich wirken lassen, veranstalten die Kleinen Wettrennen unterhalb des „Farol do Cabo de São Vicente“ – dem lichtstärksten Leuchtturm Europas, der etwa vier Kilometer von der Familiendestination Sagres entfernt liegt.

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Helles Vergnügen Sein Leuchtfeuer reicht 32 Seemeilen über den Atlantischen Ozean – das sind rund 60 Kilometer! Dass Kapitäne mit ihrem Schiff gegen das „Cabo de São Vicente“ – gemeinhin „Kap“ genannt – prallen, ist unwahrscheinlich. Der Weg zum

in allem kein lohnendes Fotomotiv. Nichtsdestoweniger drücken die Touristen, die mitunter in Bussen anreisen, wie wild auf den Auslöser. Mutti vor dem Leuchtturm, die kleine Raquel davor, bitte recht freundlich – „Klick“! Und jetzt das Ganze noch mal mit Papi. „Raquel,

Nürnberg kommen und 2005 den Bratwurstpreis gewonnen haben. Seit 16 Jahren verkaufen sie Würstchen an Europas südwestlichem Zipfel. Ihre Original Nürnberger Rostbratwürstchen und Thüringer sind heiß, vor allem heiß begehrt, auch wenn das Geschäft laut Frau Bald an diesem Tag besser laufen könnte. Es ist schon skurril: Da sitzt man bei 30 Grad an der Algarve und futtert Original Nürnberger Rostbratwürstchen. Drei Nürnberger im Brötchen kosten drei Euro, inklusive Bratwurstzertifikat: „Wir bestaetigen hiermit der obengenannten Person, dass sie den suedwestlichsten Punkt des Festlandes von Europa und das heilige Cabo de Sao Vicente mit einem Besuch beehrt hat“. Für Kinder gibt es übrigens ein extra Zertifikat.

„Surfing is not a fast food thing“ cheeeeeeeese!“, kreischt Mutti. Raquel, genervt bis zickig, hat offensichtlich keine Lust mehr auf „Cheeeeeese“, windet sich aus Papis Armen und läuft geradewegs in den hauseigenen Shop, wo es den „Farol“ in allen erdenklichen Ausführungen zu kaufen gibt. Aber: Ein selbst gemachter Urlaubs-Schnappschuss vom Leuchtturm am Ende der Welt bleibt als Souvenir natürlich unübertroffen. Das mag

Surfing Sagres „Start paddling!“, brüllt Ricardo. Mit

Foto: Thinkstock

Foto: Martinhal Beach Resort & Hotel

Strandgefühle: Ob Surfen oder Toben – die weiten Strände der portugiesischen Algarve laden zu Aktivitäten ein

Geheimnis der Leuchtkraft führt über eine schmale Wendeltreppe und ist nichts für Menschen mit Platzangst. Der Leuchtturmwärter geht voraus. Oben angekommen, präsentiert sich den Betrachtern ein außergewöhnliches Konstrukt aus Kristallglasscheiben. Wenn man durch sie hindurchschaut, entdeckt man zwei Lampen – oder besser: Lämpchen. „The light comes from one lamp. If this break, we have the other one“, erklärt der Leuchtturmwärter in gebrochenem Englisch. Von außen ist der Leuchtturm eher unspektakulär: Er ist nicht besonders hoch und hat keine rot-weißen Streifen. Alles www.wireltern.de

vielleicht auch am Reiz des Verbotenen liegen. Fotografieren ist hier nämlich offiziell untersagt, weil das Gelände der Marine gehört. Es stört sich allerdings niemand daran, dass hier jeder eine Kamera in der Hand hat.

Das 8. Wurst-Wunder Nur ein paar Schritte vom Leuchtturm entfernt grüßt – gen Westen blickend – eine überdimensionale, grinsende Riesenbratwurst. Sie gehört zur berühmten Wurstbude „Letzte Bratwurst vor Amerika“. Und die gehört wiederum Petra und Wolfgang Bald, die in Sagres leben, aus

schnellen Kraulbewegungen gleiten meine Arme durch das Wasser. Schulterblick, die Welle kommt, erst auf die Knie, dann vorsichtig ein Bein aufs Board, das Board schüttelt sich, ich erwische die Welle nicht, aber die Welle mich. Sie bremst mich aus, ich plumpse wie ein nasser Sack ins Wasser. Aus, vorbei. Versuch Nummer 5.387 kläglich gescheitert. Surfen – eine „Mission impossible“. Dabei klappten die Trockenübungen zuvor ganz gut, nicht zuletzt, weil Ricardo ein guter Surflehrer ist und seinen Schülern Mut macht: „Surfing is not a very easy sport. It’s not a fast food thing. If you have pati- > KiNDER 9/2012

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>>> L E R N E N & S P I E L E N Wenn Kinder in der Kita, zu Hause oder in der Schule zornbebend ausflippen, müssen Eltern und Pädagogen versuchen, ruhig und besonnen zu reagieren – auch wenn das in solchen Momenten besonders schwerfällt.

Reine Nervensache: Tobsuchtsanfälle bei Kindern

Wutwichtel in der Mondgruppe instürzende Neubauten“. So hieß eine Band in den Achtzigern. Dass Lars Winter sich wieder an sie erinnert, dafür sorgt gerade sein Sohn Tobias: Türenknallen, tieffliegende Bücher, zerschellende Modellflugzeuge, Erdbeben im Legoland. Ja, so ähnlich klang das damals bei den „Neubauten“ auch. Mit einem Unterschied: Die dröhnigen Auftritte von Blixa Bargeld und seinen Musikern konnte man schulterzuckend ignorieren, bei Tobias wäre Schulterzucken gefährlich, weil mit erheblichen Folgen verbunden. Den ersten dieser Tobsuchtsanfälle mit erheblichem Sachschaden hatte der Siebenjährige kurz nach der Einschulung – aus nichtigem Anlass, wie seine Eltern fanden: Mit dem Kleinen Einmaleins kam er nicht zurecht, hatte seine Hausaufgaben fertig, aber komplett falsch. Die Folge: kein Kick auf dem Bolzplatz, sondern zurück auf Los, alles von vorn, die ganze Seite noch mal rechnen. Da entpuppte sich Tobias erstmals als Wutwichtel, heulte, trampelte, lief puterrot an, warf sich auf den Boden und die Schulsachen an die Wand. Szenen, wie er sie zuletzt als Kleinkind an der Supermarktkasse aufgeführt hatte,

Foto: Thinkstock

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weil seine Mutter ihm keine Smarties spendieren wollte.

Grenzen setzen & Stärken fördern Ganz ähnlich bei Jana: Im Kindergarten läuft bis zum gemeinsamen Frühstück alles normal. Aber kurz danach rastet die Vierjährige aus, so als sei bei ihr eine Si-

„Gespräche zwischen Eltern und Erziehern“ cherung durchgebrannt. Sie zerstört die Basteleien anderer Kinder, trommelt mit beiden Fäusten auf den Boden und schreit wie am Spieß. Peinlich für Janas Mutter, dass sie sich diese Vorfälle nun beinah täglich erzählen lassen muss, wenn sie ihre Tochter aus der Mondgruppe des Kindergartens abholt. Das geschieht meistens zwischen Tür und Angel – in der Schlusshektik des Kindergartentages. „Gehen Sie mit Jana zu einer Erziehungsberatungsstelle“, rät die Erzieherin, kaum verständlich im Lärm der sich gerade anziehenden Kinder. Das ist sicherlich etwas voreilig. Natürlich kann es sinnvoll sein, eine www.wireltern.de


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Eltern, Erzieher, Kinder

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