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BOVENIN

JULIA PASKO


BOVENIN -

Body Positive in Zeiten von Instagram

„Bovenin“ im Niederländisch heißt oben; zuoberst


JULIA PASKO


BODY POSITIVE Body Positivite ist eine soziale Bewegung, die auf der Idee einer positiven Einstellung zum Körper und Aussehen, sich selbst und anderen basiert, unabhängig von Körperbau, Gewicht, Proportionen, Körperpflege, Manifestationen altersbedingter Veränderungen und anderer individueller Unterschiede. Menschen, deren Aussehen, aus welchen Gründen auch immer, nicht der in der Gesellschaft akzeptierten „Norm“ entspricht, erfahren in der Regel sozialen Druck in unterschiedlichen Formen - von Mobbing und Spott in der Schule, zum Beispiel aufgrund von Hautpigmentierungsstörungen, bis hin zu Zweifel aus - für Gewicht oder Proportionen. Es gibt in der Gesellschaft ein weit verbreitetes Missverständnis, dass eine „unvollkommene“ Figur das Ergebnis unzureichender Arbeit an sich selbst, Faulheit, Gesundheitsproblemen

usw. ist. Die patriarchalische Kultur schreibt vor, dass Männer mächtig und stark und Frauen zerbrechlich und schwach sein sollten. Jeden Tag sieht man Bilder von Filmschauspielern und Models, deren Idealkörper und -gesichter durch Retuschen oft nicht wie die eigenen aussehen. Der Versuch, solche Schönheitstandards zu erfüllen, schadet sowohl der geistigen als auch der körperlichen Gesundheit, z. B. durch angstdepressive Symptome oder Essstörungen. Befürworter der Körperpositivität verurteilen jegliche Diskriminierung in Bezug auf die Parameter des Körpers und des Aussehens. Ihre Schlüsselidee ist es, Ihren Körper zu lieben und zu akzeptieren, ohne zu versuchen, ihn zu ändern, um den von der Gesellschaft auferlegten Standards und Idealen zu entsprechen, und das Aussehen zu behandeln von allen anderen Menschen in gleicher Weise.


#SELBSTLIEBE #SELBSTVERTRAUEN #SELBSTAKZEPTANZ


Hanna, 37


Ich habe eine Iris-Heterochromie. Das erste Mal habe ich meine verschieden-farbenden Augen in der Pubertät wahrgenommen. Mir was es unangenehm, dass fremde Menschen mich darauf ansprachen. Ich fühlte mich dadurch ein wenig anders und ich wollte die Aufmerksamkeit nicht. Bin permanent tief rot im Gesicht geworden, wenn ich nur gemerkt habe, dass es meinem Gegenüber aufgefallen ist. Fand mich auch einfach nicht hübsch. Je älter ich wurde umso mehr habe ich das Rot werden akzeptiert und meine Besonderheit angefangen zu lieben. Es ist das Schönste in meinem Gesicht. Es macht mich mit aus.


Bodypositivity ist für mich Akzeptanz für das was dein Körper kann. Und der Körper unterstreicht perfekt den Charakter. So ist es und so ist es auch gut. Bodypositivity in der Fotografie ist sehr wichtig. Wir haben alle unterschiedliche Körper, Male, Besonderheiten, Narben, etc. und sind keine Puppen. Es muss mehr die Wahrheit gezeigt werden und das kann genauso schön aussehen. Natürlichkeit und Diversität geht manchmal in Zeiten von Social Media verloren.


Melissa, 21


Ich hatte besonders, als ich ungefähr 15/16 Jahre alt war große Probleme meinen Körper so anzunehmen wie er ist. Erst über mehrere Jahre hinweg konnte ich ein Gefühl dafür entwickeln, wie einzigartig ich bin. Mittlerweile kann ich direkt sagen, dass ich meinen Körper liebe und stolz darauf bin zu was er mich alles befähigt und dass es dabei vollkommen egal ist, wie viel ich wiege oder was ich trage. Ein für mich sehr wichtiges Thema ist zudem „slut-shaming“. Ich möchte nicht anhand der Bilder die ich von mir mache, anhand von Dingen die ich tue oder der Kleidung die ich trage verurteilt werden. Mir ist es wichtig, dass mein äußeres Erscheinungsbild für andere nichts über meine Einstellung zur Sexualität aussagt. In meinem sein, möchte ich nicht in das von der Gesellschaft vorgefertigte Bild einer Frau passen oder nicht passen. Ich denke kein Mensch muss den Erwartungen anderer entsprechen, solange er mit sich selbst zu Frieden ist. Und deshalb versuche ich diese Einstellung ebenfalls in meinen sozialen Netzwerken widerzuspiegeln. Die ersten Probleme zur Thematik betrafen mich, als ich in die Pubertät kam. Beispielsweise meine Oberweite begann relativ früh, recht schnell zu wachsen, weshalb ich von Gleichaltrigen oft beleidigt oder auch sexualisiert wurde. Dazu kam, dass ich eher kurvig gebaut bin, weshalb viele Mitschüler beleidigende Dinge bezüglich meines Gewichts zu mir zu sagen. Seit dem ich für mich einen Weg gefunden habe damit umzugehen, thematisierte ich Dinge wie diese auf meinen Profilen in den sozialen Medien. Hier durch wurde ich oft beleidigt, jedoch nur anonym. Es ging sogar so weit, dass Ausschnitte aus meinem Profil (Bilder die sich auch mit der Thematik Bodypositivity befassen) an meine Arbeitsstellen geschickt wurden, vermutlich mit der Absicht mir damit zu schaden. Auf den „Briefen“ stand beispielsweise „fette schl**pe*. An sich habe ich nie weiter auf solche Dinge reagiert, aber diesen Vorfall musste ich dennoch zur Anzeige bringen. Ich denke, dass mein Selbstbild besonders durch Familie und Freunde positiv geprägt wurde. Einfach durch diese Unterstützung und Wertschätzung war es mir möglich mich selbst zu lieben.


Bodypositive bezieht sich für mich auf jeden Menschen, den es auf der Welt gibt. Jeder Mensch ist wundervoll auf seine Art, egal ob kurvig oder dünn, dunkelhäutig oder hellhäutig und noch vieles mehr. Für mich ist die Bodypositivity Bewegung eine Möglichkeit gegen unrealistische und diskriminierende Schönheitsideale vorzugehen. Eine positive Einstellung zum eigenen Körper sollte für jeden Menschen möglich sein und jeder sollte so akzeptiert werden, wie er ist. Ich denke, dass Fotos, die Bodypositivity thematisieren, eine Möglichkeit bieten um den Bekannten idealen, die in den Medien vertreten sind entgegenzuwirken. Solche Fotoserien vermitteln meiner Meinung nach, das Gefühl mit der Problematik nicht allein zu sein.


Leonie, 25


Seit vier Jahren habe ich meine Glatze. Ich habe Alopecia Areata, auch kreisrunden Haarausfall genannt. Bei dieser Autoimunerkrankung greift das Immunsystem die Haarwurzeln an. Ich war 20 Jahre alt, als ich meine Glatze bekam. Es ging bei mir aber nicht auf dem Kopf los, sondern im Gesicht. Ich merkte plötzlich ein Loch in meiner Augenbraue, habe mir aber erstmal nichts weiter dabei gedacht. Wird schon wieder verschwinden. Tja, war leider nicht so. Es wurde ganz langsam immer mehr, so das ich beginnen musste mir meine Augenbraue zu malen. Was überhaupt nicht gut gelang, aber ich konnte es nicht besser und wollte auch nicht nur mit einer Augenbraue im Gesicht rum laufen. Als ich vom Hautarzt dann die Diagnose Alopecia bekam, bekam ich erstmal Angst, aber der Arzt meinte, dass sei so klein ich bräuchte mir keine Sorgen machen, dass wird schon wieder. Alle vier Wochen ging ich dann zu ihm zur Kontrolle, das Loch wurde immer mehr und die Kortisonsalbe die ich täglich auf meine nicht vorhandene Augenbraue schmierte half nicht. Irgendwann ging ich dann in die Klinik und begann eine tropische Immuntherapie. Einmal die Woche musste Ich dort hin. Es sollten 150 Sitzungen werden. Ich habe nur drei Sitzungen gemacht und dann die Therapie abgebrochen. Ich habe es überhaupt nicht vertragen. Ich bekam Fieber, Rötungen und vieles mehr vom Kortison und das obwohl ich schon die geringste Dosis bekommen hatte die möglich war. Von dem Moment an, ging der Haarausfall noch viel, viel schneller. Innerhalb von drei Monaten waren all meine Haare weg. Am ganzen Körper. Ich war froh, wenigstens meine Wimpern noch zu haben, aber auch die verabschiedeten sich vier Wochen nachdem ich meine Glatze bekommen hatte. Mittlerweile habe ich seit zwei Jahren Wimpern die ich mir klebe und mit denen ich sehr, sehr glücklich bin. Auch meine Augenbrauen habe ich mir mittlerweile mit MicroBlaiding machen lassen. Den es war eine Katastrophe mir die Augenbrauen selbst zu machen. Eins habe ich gelernt, die Erkrankung hat mich selbstbewusster und stärker gemacht. Ich kann jedem nur eins mit geben, wenn du dich akzeptierst, tun es auch die anderen. Sich selbst zu respektieren, offen mit der Erkrankung um zugehen und von Freunden unterstützt zu werden hat mir gut geholfen. Aber auch sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.


Bodypositivite ist für mich, sich selbst zu akzeptieren. Für die Vielfalt zu stehen und das Schöne an dem unperfekten zu sehen. Durch die Fotografie und die Medien, wird das Thema immer mehr thematisiert und die Menschen werden offener für neues. Ich finde es wichtig, dass das Thema Diversity und Bodypositivity immer mehr in den Fokus kommt und in Zukunft alles immer mehr als „normal“ angesehen wird. Kein braucht sich zu schämen oder zu verstecken, nur weil man groß, klein, dick, dünn ist oder keine Haare hat. Man ist schön so wie man ist, ob nun mit oder ohne Haare, mit Narben oder einer dunkleren Hautfarbe. Mir liegt das Thema sehr am Herzen, denn ich finde wichtig, dass das Schubladen denken und Vorurteile aufhören sollte. Ich werde durch meine Frisur oft angesprochen, damit habe ich kein Problem, denn wenn ich eins hätte, würde ich wahrscheinlich nicht so offen damit umgehen und so rum laufen. Aber oft ist der erste Satz, welchen Krebs hast du denn? Das ist einfach in den Köpfen drin, wenn man eine Frau mit Glatze sieht, oh die hat Krebs. Das wird man, auch nicht so schnell aus den Köpfen bekommen, aber ich würde schön finden, wenn man daran denkt, dass es auch andere Erkrankungen gibt, bei denen man keine Haare hat und nicht direkt mit der Tür ins Haus fällt. Vielleicht schaffen wir es, durch Bodypositivity und Diversity, die Menschheit zu sensibilisieren. Das wäre ein großer Schritt für alle.


Miriam, 29


Mein Name ist Miriam, ich bin 29 Jahre alt und wurde mit einem Feuermal geboren. Ein Feuermal ist eine gutartige Hautveränderung, die eine rote bis rötlich-violette Farbe annimmt. Ähnlich wie bei der Färbung der Lippen verlaufen vermehrte und erweiterte Blutgefäße unter der Hautoberfläche. Je nach Temperatur und Stimmung verändert sich die Intensität der Färbung meines Feuermals. Mit wachsendem Bewusstsein für mein Aussehen, die Außenwirkung und Reaktionen meiner Umwelt sowie für gesellschaftliche Normen und Schönheitsideale ist mein Feuermal in meiner Kindheit und Jugend zunehmend ein Thema für mich geworden. Die Blicke anderer und das Gefühl, „anders“ zu sein haben mich verunsichert. Immer wieder wurde und werde ich gefragt, was mit mir passiert ist, ob ich mich verbrannt habe oder mich jemand geschlagen hat. Das ist meist fürsorglich gemeint, hat meine Unsicherheiten zwischenzeitlich jedoch sehr verstärkt. Ich habe daher zwischendurch Laserbehandlungen gemacht um die Intensität des Feuermals zu verringern. Die Behandlung war jedoch leider auch sehr schmerzhaft und hat nur teils Erfolge gebracht. Zudem habe ich angefangen, mein Feuermal zu überschminken. Mit meiner Besonderheit zu mir zu stehen war für mich ein langer und schwieriger Prozess. Das Abdecken durch Make-Up in der Schulzeit hat mir geholfen, mich normaler zu fühlen. Gleichzeitig war die Schminke aber auch eine Art Maske, die mich die ganze Zeit begleitet und auch immer Zeit und Aufwand gekostet hat. Zudem war mein Feuermal und auch die Schicht Make-Up natürlich trotzdem noch sichtbar. Menschen die mir nah standen sagten immer wieder, sie würden das Feuermal gar nicht sehen und für sie seie es kein Thema. Manche sagten mir sogar, dass sie mein Feuermal schön finden. Das hat mir sehr geholfen, mich mit anderen Augen zu sehen. Erst nach meinem Studium und dem Neuanfang in einer neuen Stadt habe ich mich dann entschieden, mein Feuermal nicht mehr zu überschminken und ohne „Maske“ zu mir zu stehen. Ich konnte langsam mehr und mehr zu mir stehen und das Feuermal wurde viel weniger ein Thema für mich. Heute fühle ich mich damit wohl und beantworte auch gerne Fragen dazu.


Bodypositivität bedeutet für mich, sich selbst und seinen Körper mit all seinen Besonderheiten anzunehmen. Auch, oder vielleicht ganz besonders die Dinge an sich, die man nicht „schön“ oder „toll“ findet. Denn obwohl wir oft so kritisch mit uns sind ist unser Körper doch ein Geschenk, ein atmendes Wunder, das uns das Leben ermöglicht. Ich finde es toll, wenn Menschen mit ihren Besonderheiten gezeigt werden und so zu sich stehen so wie sie sind. Gleichzeitig merke ich bei mir selbst noch immer, dass es mir schwer fällt, das von mir zu zeigen, was ich nicht „schön“ finde. Mich so anzunehmen wie ich bin, sich gerade auch da zu lieben wo man nicht den eigenen und anderen Wunschvorstellungen und Idealen entspricht ist nach wie vor für mich und bestimmt viele andere noch oft eine große Herausforderung. Umso schöner und wichtiger finde ich solche Projekte, die in meinen Augen die Möglichkeit bieten, hier den Blickwinkel zu verändern und das Bild von Schönheit zu vervielfältigen.


Fanny, 27


Durch meine kurzen Haare den ganzen Piercing und den Tattoos falle ich von der Norm raus. Ich hatte oft damit zu kämpfen nicht “weiblich” genug zu sein. Doch was definiert Weiblichkeit sind es nur die langen Haare. Ich habe einen sehr weiblichen Körper den ich auch erst lernen musste zu lieben. Ich hatte viel mit Diskriminierung zu kämpfen. Und mit dem Alter habe ich gelernt mich selber so zu akzeptieren wie ich bin.


Man kann sich egal mit welchem Gewicht oder Hautfarbe oder Körperform wohl fühlen. Bodypositive fotografie finde ich sehr sehr schön. Ich versuche das auch auf meinem Instagram umzusetzen. Um einfach jungen Mädels etwas mit zu geben.


Duni, 29


Das wichtigste im Leben ist, dass wir das tun was uns glücklich macht. Und nicht einem vorgegebenen Idealbild hinterherzurennen und dafür auf Dinge zu verzichten, die wir gerne tun / essen würden würden. Klar wird man manchmal etwas angefeindet und erntet abwertende Blicke, aber ich steh da drüber. Instagram hat mir tatsächlich geholfen, mehr zu meinem Körper zu stehen.


Jeder ist schön auf seine Art, so wie man ist. Bodypositive Fotografie hilft mir und vor allem anderen sich wohler in ihrem Körper zu fühlen! Auch wenn ich oft drüber nachdenke mit meinem Blog aufzuhören, merke ich wie sehr es anderen Mädels hilft und das treibt mich an, weiterzumachen!


Die „Body Positivite“ Bewegung steht für die Akzeptanz aller Menschen - unabhängig von KÖRPERLICHEN FÄHIGKEITEN, GRÖSSE, GESCHLECHT, ETHNIZITÄT ODER AUSSEHEN.


Lea López, 22


Ich habe nicht wirklich Besonderheiten, dennoch ist es in so einer Zeit mit Instagram und Co. immer wieder der Fall, dass man sich mit anderen Leuten vergleicht. Früher als ich etwas jünger war, hatte ich ein Problem mit meinen Brüsten, ich fand sie damals zu klein, doch irgendwann habe ich sie lieben gelernt. Ich habe irgendwann angefangen meinen Körper einfach schön zu finden wie er ist. Auch meine Brüste finde ich jetzt toll. Es hat zwar ein bisschen Zeit gebraucht, aber die kann man sich auch nehmen, denn das Selbstbewusstsein kommt mit der Zeit.


Bodypositive ist für mich, das verschiedene Körper gezeigt werden und man sehen kann, wie verschieden wir alle sind, aber dennoch jeder perfekt auf seine Weise. Bodypositivefotografie finde ich sehr gut, hat auch sehr Spaß gemacht einmal selbst für dieses Thema fotografiert zu werden.


Ronja, 21


Ich leide seit 9 Jahren an Depressionen, Borderline und Essstörungen. Zudem habe ich eine Pigmentstörung und Neurodermitis. Ich wurde mehrere Jahre stark gemobbt für mein Aussehen. „Zu dick“ „Hässlich“ „Was hat die denn für Flecken“ „Schau mal ihre Narben“ ... Irgendwann wurde alles zu viel und ich kam vor etwa einem Jahr an dem Punkt, an dem ich etwas ändern wollte. Ich bin schön, egal was andere sagen. Meinen Wert, den definiere ich durch mich selbst & nicht durch andere. Jeder ist einzigartig auf seine Weise. Und kleine Makel und Fehler machen einen Menschen erst so richtig interessant und vollständig. Jeder hat eine Geschichte. Auf diese sollte man stolz sein! Liebe dich selbst am meisten, denn dein Leben ist das wichtigste. Ich hatte Jahrelanges intensives Mobbing und Ausgrenzung. Mir haben viele Übungen, Yoga, Meditation, YouTube Videos oder Potcast geholfen. Selbstliebe ist ein Prozess, das klappt nicht von heute auf morgen & erfordert viel Disziplin. Das wichtigste ist aufzuhören sich zu vergleichen!


Bodypositivity ist für mich Vielfalt und Individualität. Jeder Mensch sollte sich lieben wie er ist & das tun, was ihn glücklich macht! Egal ob Narben, Schwarz oder Weiß, Dick oder Dünn, Schwul oder Lesbisch, Operiert oder unoperiert.. Bodypositivity heißt zu sich und seinen Entscheidungen zu stehen! Auch Bodypositive Fotografie ist Wundervoll! Denn so haben andere die Möglichkeiten sich inspirieren zu lassen.. Es sollte viel mehr zu dem Thema gemacht werden, damit andere besser damit umgehen können.


Sophie, 28


Ich bin schon immer eher der kurvige Typ gewesen. In meiner Jugendzeit hat mir das starke Probleme bereitet, weil ich mich immer mit anderen verglichen habe. Ich bin nicht die absolute Sportskanone, trotzdem würde ich mich als sportlich bezeichnen. Seit über 18 Jahren schwimme ich aktiv in der DLRG mit und habe einen Übungsleiterschein sowie das deutsche Rettungsschwimmerabzeichen in Silber. Ich habe immer wieder Anläufe gestartet, abzunehmen und schlanker zu werden. Das ist aber meistens gescheitert. Sei es zum Teil Inkonsequenz bei den Trainings gewesen, Gedanken in meinem Kopf, dass ich es sowieso nicht schaffe und zum anderen Stress, der mich davon abhielt regelmäßig mehr Sport zu treiben. In den letzten Jahren habe ich es geschafft, mich und meinen Körper mehr lieben zu lernen. In der Schule durfte ich mir Sprüche anhören wie „wieso trägst du einen Rock, dass du dich traust sowas bei deiner Figur zu tragen“, bis hin zu dem Gerücht, dass ich in der 8. Klasse schwanger wäre und mich sogar Lehrer darauf angesprochen hatten. Ich hab mich oft für meinen Körper, meine Figur, geschämt und war sehr unglücklich mit mir selbst. Ich hab mich nie gut genug mit meinem Körper gefühlt und immer gedacht, dass ich etwas ändern muss. Mittlerweile habe ich es gelernt meinen Körper so zu lieben, wie er ist. Natürlich gibt es Tage, an denen ich unzufriedenen mit mir bin. Aber die werden zum Glück immer etwas weniger. Die Fotografie hat mir ein ganzes Stück dabei geholfen. Ich model seit 4 Jahren hobbymäßig. Es steckt so viel Freude und Leidenschaft dahinter und ich bin jedes Mal erstaunt, was für tolle Aufnahmen dabei entstehen. Ich kann es jedem nur empfehlen, sich auch einmal vor die Kamera zu stellen. Ich habe auch viele andere wundervolle Frauen durch die Fotografie kennenlernen dürfen und es ist ein echt schönes Gefühl, sich gegenseitig wertzuschätzen, aufzubauen und einfach mal über erlebte Sachen auszutauschen. Wenn ich jetzt 10 Jahre zurückspule hätte ich wahrscheinlich nie gedacht, dass ich irgendwann einmal das Modeln zu einem festen Bestandteil, wenn auch nur als Hobby, zu meinem Leben gehört.


Für mich ist Bodypositivity, dass man lernt mit sich und seinem Körper im Einklang zu sein. Ich lerne immer noch dazu, mich und meinen Körper mehr wertzuschätzen. Meine Makel an mir lieben zu lernen und die Seite, die ich jetzt schon sehr mag, noch mehr hervorzuheben. Das ist ein Prozess und passiert meistens nicht von heute auf morgen. Deswegen nehme ich mir die Zeit, die ich brauche. Ich freue mich über jedes Kompliment, dass ich erhalte und ich gebe liebend gern auch welche zurück. Ich finde es gut, dass dies doch ein Stückchen weit mehr in den Vordergrund rückt und nicht nur die perfekt retuschieren Bilder auf Instagram zu sehen sind. Für mich zählt aber auch zu Bodypositive Fotografie hinein, dass man sich selbst auf Bildern wunderschön findet und durch die Augen der anderen Personen sieht. Also nicht zu sehr auf die angeblichen Makel achtet, sondern die besonders schönen Seiten noch mehr zum Vorschein kommen. Jeder Mensch ist schön so wie er ist und genau die Erfahrung sollte durch Bodypositive Fotografie erlebt werden.


Michelle, 17


Seit meiner Geburt leide ich unter einer starken Sehbehinderung und habe Albinismus. Bei Menschen mit Albinismus ist die Produktion der Melanine(das sind Pigmente) gestört. Deshalb sind meine Haare und meine Haut sehr hell. Aufgrund des Albinismus bin ich auch sehr lichtempfindlich. Schwierigkeiten hatte ich und habe ich auch heute noch nicht wirklich mit meinem Aussehen sondern eher mit meiner Sehbehinderung und meiner starken Lichtempfindlichkeit. Aufgrund dieser Einschränkungen kann ich manches nicht so machen wie Menschen ohne Einschränkungen. Ich habe gute Freude und eine tolle Familie, die mich so akzeptieren wie ich bin. Des Weiteren treffe ich mich oft mit Menschen, die die gleiche Einschränkung haben wie ich. Dieser Austausch hilft mir sehr bei der Selbstakzeptanz .


Bodypositive ist für mich - sich und sein Aussehen so zu akzeptieren wie man ist und sich von niemandem ideale aufdrängen zu lassen. Ich finde Bodypositive Fotografie gut, da sie verdeutlicht, dass sich keiner für seine Besonderheiten schämen muss, da jeder auf seine Art und Weise schön und besonders ist.


Nele, 22


Als einziges farbiges Kind bin ich in einer 6 köpfigen Familie groß geworden. Durch meine Hautfarbe bin ich oft raus gestochen weil ich meistens die einzige dunkelhäutige war. Ich studiere inzwischen soziale Arbeit und habe mich im Großen und Ganzen so akzeptiert wie ich bin. Ich hatte als Kind große Probleme mit meiner Hautfarbe ich wollte immer weiß sein. Mit meinem Gewicht habe ich eher als Erwachsene Schwierigkeiten bekommen. Oft hör ich esse doch mal was gescheites oder oh Gott bist du dünn. Was mich dann oft zum nachdenken bringt ob ich nicht doch zu dünn bin. Mir hat geholfen zu lernen dass es kein Schönheitsideal gibt, sondern jeder auf seine Weise schön ist. Dass der Charakter viel wichtiger ist und einen Menschen viel schöner macht als das Äußerliche. Meine Freunde in dem man offen über seine Problemzonen spricht und merkt dass es dem anderen gar nicht aufgefallen ist. Beziehungsweise das Menschen die man wunderschön findet auch an sich zweifeln und man merkt das die meisten Menschen Probleme mit ihrem Aussehen haben.


Bodypositive ist für mich jeden Körper so zu akzeptieren wie er ist. Kein bodyshaming egal ob bei kurvigen Frauen oder dünnen Frauen. Jeder Körper ist schön so wie er ist. Bodypositive fotografie finde ich sehr wichtig. Gerade in Zeiten von Social Media ist es wichtig zu zeigen dass jeder Körper schön ist. Dies kann man der gut durch Fotos verwirklichen.


Laura, 24


Ich hatte in der Vergangenheit oft Probleme, besonders wegen meines kurvigen Körpers. Heute weiß ich, dass mir egal sein kann was andere über mich denken. Ich habe mich selbst so akzeptiert wie ich heute bin und achte darauf meinem Körper das zu geben, was ICH von mir erwarte und nicht andere. Jungs haben mich öfter sexualisiert, da ich relativ ausgeprägte Geschlechtsmerkmale hatte, auch schon in der Pubertät. Auch für die Mädchen in der 5. Klasse war es immer befremdlich, das ich schon BH‘s getragen habe, obwohl diese noch keine brauchten. Als ich in der Pubertät war und meine Brüste wuchsen, habe ich deswegen nur schwer einen Freund gefunden. Auch wegen meiner Haare hatte ich bereits in der Pubertät Schwierigkeiten. Es wurde nur schwer von anderen akzeptiert, dass ich mich nur rasiere wenn ich das möchte und das nicht für die Gesellschaft mache. Bei der Sache haben mir die Freunde, Social Media - besonders Influencer die viel über das Thema Akzeptanz und Selbstliebe reden geholfen. Ich glaube, dass die Gesellschaft sich heute so im Wandel befindet bezüglich des Themas Toleranz, hilft vielen Menschen auf diesen Weg. Das ist eine wunderbare Sache.


Bodypositive heißt nicht unbedingt, sich alles gut zu reden - sondern eher sich und andere so anzunehmen wie sie sind. Man selbst ist wohl immer der größte Kritiker und Kritik zu üben, gehört ja auch dazu. Es geht vor allem um Akzeptanz und Toleranz. Wichtig ist, jemand anderen nicht schlechter zu sehen, nur weil er nicht dem gesellschaftlichen Bild entspricht. Jeder Mensch ist auf seine Art und Weise fantastisch. Bodypositive Fotografie zeigt auch anderen Menschen, dass man sich nicht dafür schämen muss, wie man aussieht oder wie man ist.


Sarah-Liv, 36


Ich lebe seit meinem 4. Lebensjahr mit der Hautkrankheiten Vitiligo oder auch Weissfleckenkrankheit genannt. Da ich mich so nicht akzeptieren konnte, hatte ich Schwierigkeiten in meinem Leben. Auch in der Jugend wurde ich teilweise gemobbt. Zudem kommt das ich immer sehr schnell in der Sonne mich verbrenne und somit sehr aufpassen muss was mich teilweise insbesondere im Sommer etwas einschränkt. Ich kam an den Punkt in meinem Leben, wo ich mich nicht mehr länger verstecken wollte. Ich hatte immer grossen Wert darauf gelegt das man ja keinen Fleck sieht. Bin zB nie schwimmen gegangen und trug auch im Hochsommer lange Kleidung. Ich fing an mich mit anderen Betroffenen auszutauschen und es tat gut sich mit diesen Thema nicht allein zu füllen. Auch fing ich an Schritt für Schritt mehr von meinen Flecken zu zeigen. Bei einem Vitiligo Fotoshooting habe ich dann gesehen das die Flecken eigentlich nicht sooo schlimm aussehen und habe mich immer öfter getraut zu meiner Haut zu stehen. Irgendwann habe ich dann angefangen meine Story öffentlich auf Social Media zu teilen um auch anderen Betroffenen Mut zu machen. Auch dies hat mir persönlich geholfen zudem dann auch der positive Zuspruch.


Zu akzeptieren das es sogenannte Ideal nicht gibt und man schön ist so wie man nunmal ist. Auch wenn es nicht jedem gefällt ist das ok. Bodypositive Fotografie ist wichtig und richtig! Die Sehgewohnheiten müssen sich ändern. Was man in den Medien sieht ist nicht dir Realität.


Es ist okay, nicht von allen gemocht zu werden.


Die Hauptsache ist, man mag sich selbst.


NACHWORT Herzlichen Dank an alle, die an der Entstehung dieses Buches mitgewirkt haben. Hanna, Sophie, Miriam, Fanny, Lea López, Melissa, Laura, Ronja, Leonie, Duni, Michelle, Nele, Sarah-Liv.


IMPRESSUM Fotografie & Gestaltung : Julia Pasko julia.juligraphy@gmail.com Instagram: @juli_graphy Bachelorarbeit SS 2021 FHWS Fakultät Gestaltung Fotografie Betreut durch Prof. Johanna Diehl Auflage: 1 Stück Format: 197 mm x 255 mm Umfang: 204 Druck & Bindung: FHWS Fakultät Gestaltung Schrift: Picaflor Schriftdesigner: Ariel Martí‘ Pérez Schrift: Vela Sans Schriftdesigner: Ravid Balaliev

©2021


#BODYPOSITIVE


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