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Der blau-golden gemusterte kleine Vorleger, auf dem ich sitze, erinnert mich an meine romantischen Vorstellungen von Transsibirischer Eisenbahn und an unsere Mission. Die Zeitschrift La France hatte 1901 zur Fertigstellung der 9288 Kilometer langen transsibirischen Eisenbahnroute gejubelt, dass die Geschichte neben der Entdeckung Amerikas und dem Bau des Suez Kanals kein weiteres Ereignis kenne, das so große direkte und indirekte Konsequenzen auf die Welt haben würde. Im 21. Jahrhundert hoffe lediglich ich auf erste Impulse für mein neues Leben. Ich reibe mir die Knie. Laut Mobiltelefon ist es 5 Uhr morgens.

Vor 16 Stunden waren wir nach einer Woche in Sankt Petersburg im mit großen Rundbögen und schnörkeligem Stahl verzierten Moskauer Bahnhof in den Zug Nummer 10 eingestiegen, der uns in fünf Tagen und vier Nächten nach Irkutzk bringen würde – wenn nichts dazwischen kommt. Der Taxifahrer hatte in dem Meer aus kyrillischen Schriftzeichen Bahnsteig, Zug und Waggon für uns gefunden sowie der blonden jungen Frau vor dem Waggon und mit einer Liste in der Hand, auf der auch ich unsere beiden Namen ausmachen konnte – was nicht schwer war, da es die einzigen mit lateinischen Buchstaben geschriebenen Namen waren - zu verstehen gegeben, dass wir zwar nur zwei Personen, genau genommen Anderthalb waren aber dennoch vier Betten reserviert hätten. Nach einigem Hin und Her, das ich zwar nicht verstanden, aber mit meinem schönsten und zuversichtlichsten Lächeln begleitet hatte, durfte ich mit Levi im Maxicosi an meinem rechten Arm baumelnd die zwei hohen eisernen Stufen erklimmen und stand zum ersten Mal in der Transsibirischen Eisenbahn. Eingerahmt von Markus, mit unserer Reisetasche im Arm, und vom Taxifahrer, mit Kinderwagen und Seesack in seinen Händen und Schweiß auf der Stirn. Entgegen aller Ankündigungen in Transsib-Reiseführern, dass nicht mitreisenden Begleitpersonen der Zutritt zum Zug strengstens verboten sei, durften sowohl Markus, der uns nach sechs MutterSohn-Tagen in Sankt Petersburg für zwei Tage besucht hatte, als auch der Taxifahrer mit Levi und mir einsteigen. Auch das Gepäck wurde – entgegen der Expertenmeinung - nicht gewogen und war somit nicht auf 36 Kilogramm begrenzt. Alles war einfacher und freundlicher, als erwartet. Vielleicht waren Sankt Petersburger Verhältnisse entspannter, als die in Moskau, von wo aus die meisten Reisenden ihr Abenteuer Transsib starteten?

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Leseprobe "Mut für Zwei"  

Sneak Preview in das Buch von Julia Malchow "Mut für Zwei - Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt", welches am 14. Mai 2013...

Leseprobe "Mut für Zwei"  

Sneak Preview in das Buch von Julia Malchow "Mut für Zwei - Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt", welches am 14. Mai 2013...

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