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REP RT Der aktuelle REPORT des Alois Mock Instituts • Nummer 05/17, Dezember 2017

Lebenslanges Lernen

Wie lange reichen heute Wissen und Information in der Weiterbildung aus?

inhalt COVERSTORY Lebenslanges Lernen Wie lange reichen heute Wissen und Information in der Weiterbildung aus?

Nie mehr Schule? Wer heutzutage eine Ausbildung, Lehre, ein Studium oder die Schule abschließt, wird den Titel des Liedes aus dem Jahr 1982 nicht allzu ernst nehmen. Denn schon lange wird im Arbeitsleben ein stetes Weiterlernen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefordert. Gerade durch neue Technologien sowie wissenschaftliche Erkenntnisse bleibt einem arbeitenden Menschen Weiterbildung bis ins hohe Alter nicht erspart.

Seite 1 – 6

Editorial von Christian Rädler, Obmann Alois Mock Institut Seite 2

Statement KR Gottfried Wieland, Kurator WIFI NÖ Seite 2

Statement Landesrat Mag. Karl Wilfing Seite 3

Impulsinterview Wolfgang Böhm (EVN) und Martin Weigl (emc) Seite 5

Bildungsreise Schweiz des Alois Mock Instituts am 23. & 24.11.2017 Seite 6

„Lange Nacht der Weiterbildung“ schafft einen unkomplizierten Zugang zum Thema Weiterbildung Seite 7

Nachgefragt: Besuchermeinungen zum Thema Seite 8

Nummer 05/17, Dezember 2017

(v.l.) Reihe sitzend: Christian Rädler (Obmann des Alois Mock Instituts), Christiane Spiel (Universitätsprofessorin), Sabine Wunderl (Leiterin des WIFI-Berufsinformationszentrums WKNÖ), LR Karl Wilfing, Reihe stehend: Andreas Salcher (Unternehmensberater, Buchautor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen), Stefan Schmid (Leiter der Virtuellen Pädagogischen Hochschule), KommR Gottfried Wieland (Kurator WIFI NÖ), Martin Weigel (emc-Austria), Wolfgang Böhm (EVN Gruppe) und Bernd Hufnagl (Neurobiologe und Autor)

Ein spannendes Podium zum Thema lebenslanges Lernen aus Wirtschaft und Praxis traf in der New Design University aufeinander. Dr. Bernd Hufnagl (Hirnforscher und Buchautor), Dr. Andreas Salcher (Unternehmensberater und Mitbegründer der „Sir Karl Popper Schule“ für besonders begabte Kinder), Univ.-Prof. Dr. Dr. Christiane Spiel (Bil-

dungspsychologin und forscht derzeit im Bereich des lebenslangen Lernens), Mag. (FH) Stefan Schmid, BEd (Leiter der Virtuellen Pädagogischen Hochschule) und Mag. Sabine Wunderl (Leiterin des WIFI-Berufsinformationszentrums der Wirtschaftskammer NÖ und Gesund­ heits- und Arbeitspsychologin) diskutierten intensiv die vielen Blickwinkel

des lebenslanges Lernen unter der Moderation von Robert Ziegler.

Alois Mock Institut Forum für Zukunftsfragen Alois Mock Institut für Zukunftsfragen 3100 St. Pölten, Ferstlergasse 8 office@alois-mock-institut.at www.alois-mock-institut.at


REP RT

e d itorial C h r istian R ä dle r

Bildung ein Leben lang Ausbildungen auch nach der Schule eröffnen viele neue Chancen

Obmann Alois Mock Institut

Lebenslanges Lernen wird immer mehr zum Mittelpunkt von Weiterbildungseinrichtungen und Betrieben. Es umspannt mittlerweile einen
vielfältigen Lernprozess in jedem Lebensalter und soll dabei Menschen im digitalen Zeitalter weiterbilden oder die Möglichkeit eines zweiten Bildungsweges bieten. Die Erwachsenen- und Weiterbildung bleibt dabei ein wichtiger Akteur und dient der Verbesserung von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen. Gerade in einer Zeit, in der kontinuierliche Fort- und Weiterbildung vorausgesetzt wird, macht es Sinn, sich mit den Strategien des lebenslangen Lernens auseinanderzusetzen. Denn eines ist sicher: Die Zukunft kommt. Und wie wir sie beeinflussen, ist eines der zentralen Themen, denen sich das Alois Mock Institut ganz bewusst stellt. Als Gesellschaft haben wir eine große Verantwortung und können mit unseren Entscheidungen die Zukunft massiv beeinflussen. Dies war auch der Grund, warum wir im Jahr 2012 das Alois Mock Institut genau mit dieser Aufgabe ins Leben gerufen haben – um die Zukunft zu hinterfragen und zu beeinflussen. Unser zentrales Aufgabengebiet ist es auch, zu den wesentlichen Themen und Aufgaben Fragen zu stellen, die auf uns zukommen.
Warum reden wir über das Bildungssystem, wenn viele Kommentatoren dem Bildungssystem gar keine Zukunft mehr geben? Um genau das Gegenteil aufzuzeigen, weil wir Bildung als eines der zentralsten Themen sehen und genau für solche Themen Impulse setzen wollen. Dem Alois Mock Institut ist es daher ein besonderes Anliegen, sich in dieser Ausgabe der „Trends 2030“ die Frage zu stellen: „Wie lange reichen heute noch Wissen und Information aus?“ und Modelle, Methoden und Anforderungen für die Zukunft näher zu beleuchten. Ich danke den Expertinnen und Experten für die Einblicke, die sie unserem Publikum gegeben haben und hoffe, dass auch Sie neue Erkenntnisse und Gedanken­ anstöße mitnehmen können.

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Ein Podium – viele Meinungen: Verbesserungen zum Bildungssystem wurden in dieser Diskussion stark unter die Lupe genommen und es gab viele Impulse zum Weiterdenken.

Ein wichtiger Punkt, der zum lebenslangen Lernen dazugehört, ist die Motivation. Viele Kinder verlieren die Motivation zum Lernen bereits im Volksschulalter. Manche Erwachsene sehen keinen Sinn dahinter, nach der Schule noch weitere Ausbildungen zu machen. So wurde viel darüber diskutiert, wer hier in der Verantwortung ist. Eltern, Lehrer, aber auch Unternehmer haben die Aufgabe, zum Weiterlernen zu motivieren. Wie viele Diskussionen beginnt auch diese mit einer Definition für „lebens­ langes Lernen“. Die Bildungspsychologin Christiane Spiel findet es interessant, dass das Wort ursprünglich nicht, wie man glauben könnte, aus der Wissenschaft, sondern aus der Politik kommt. „Wenn wir uns anschauen, was in der Wissenschaft darunter verstanden wird, dann sind das eigent­ lich zwei Bereiche. Das eine ist die Neugierde, also Lernmotivation. Das zweite ist die Kompetenz, diese Motivation auch realisieren zu können“, sagt Spiel und drückt es dann noch einfacher aus: „Der Wille zu lernen und das Können zu lernen.“ Man müsse auf die Weiterbildung schauen. Der Grundstein sei in der Schule zu legen. Es ist furchtbar, so Spiel, wenn man die Schule verlässt und sagt, man sei froh nichts mehr lernen zu müssen. Bernd Hufnagl sucht als Neurobiologe eine Definition für das Wort Lernen und fragt, was eigentlich damit gemeint ist: „Wenn wir aus der Bildungsperspektive darüber nachdenken, meinen wir einen ganz bestimmten Teil des Lernens.“ Gemeint ist allerdings meis­tens das Faktenwissen, also das Wiedergeben

von Erlerntem, sagt Hufnagl. „Wenn wir uns die Welt anschauen, wie sie heute ist, wie sie sich seit der ersten Industriellen Revolution verändert hat

und wie wir jetzt beginnen, über Lernen zu diskutieren, sind manche Dinge für mich als Biologe auf jeden Fall eigen­ artig“, sagt der Autor. Viele wollen in

K R G o tt f r ied W ieland Kurator WIFI NÖ

Bestmögliches für Bildung zur Verfügung stellen Als Kurator des WIFI Niederösterreich begrüßte KR Gottfried Wieland in der New Design University in St. Pölten. Als Kurator freue er sich besonders, so viele Gäste begrüßen zu dürfen und so einer hochkarätigen Diskussionsrunde zuhören zu können. Was sich seit der Eröffnung des WIFI Gebäudes 1971 getan hat, sei „gewaltig“. Vor allem das, was die Wirtschaftskammer in Kooperation mit Unternehmerinnen und Unternehmern für die Weiterbildung getan hat. „Wir merken, dass Bildung, Ausbildung, Weiterbildung und akademische Bildung in einem Haus immer mehr zusammenfließt. Ich als WIFI Kurator und alle unsere Trainerinnen und Trainer sind vorbereitet für die Zukunft und wollen gemeinsam mit unseren Fachgruppen und Innungen das Bestmögliche für die Bildung, Ausbildung und Weiterbildung zur Verfügung stellen“, sagt Wieland in Vorfreude auf „einen spannenden Abend“.

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lernen wir immer dazu.“ Mag. (FH) Stefan Schmid, BEd

der Erwachsenenbildung zu den Lernenden gehören. Hier bedarf es auch der Anwendung in der Praxis. „Durch Digitalisierung, Beschleunigung und Multitasking besteht eine starke Ablenkung, die berücksichtigt und bedacht werden muss. Wenn wir nicht explizit lernen bzw. uns ständig weiterbilden, dann werden wir ein Problem bekommen. Den Fokus rein nur auf das Produzieren zu legen, ist zu wenig. Wenn bestimmte Arbeitsplätze wegfallen, etwa handwerkliche Tätigkeiten von Maschinen übernommen werden, was wird dann passieren, was bedeutet das für Bildung?“ „Wenn wir bei dem Begriff Digitalisierung und Lernen bleiben, bin ich ganz bei Ihnen“, stimmt Stefan Schmid zu. „Hier gibt es einige Dinge, die uns vor große Herausforderungen stellen. Vieles kann automatisiert werden und dadurch werden viele Jobs wegfallen, aber andere entstehen“, ist sich Schmid sicher. Er gibt ein Beispiel dafür, dass Jobs nicht unbedingt deshalb wegfallen, weil die Haupttätig­ keit von einer Maschine übernommen werden kann. „Was hat ein Türsteher früher gemacht? Er hat die Türen aufgehalten. Mit den Türen, die sich automatisch öffnen, brauchen wir keinen

M ag . K a r l W il f ing Landesrat für Jugend, Wohnbau und öffentlicher Verkehr

„Bewusstsein schaffen, dass es noch viel mehr braucht“ „Bildung heißt nicht ein leeres Gefäß zu befüllen, sondern ein Feuer zu entfachen.“ Mit diesem Zitat beginnt Landesrat Karl Wilfing seine Rede. „Das ist auch der Grund, warum wir uns gerade in der Erwachsenenbildung

damit

beschäfti-

gen, dieses Feuer zu entfachen. Und das war mit ein Grund, warum wir heuer eine ,Woche der Weiterbildung' ins Leben gerufen haben, um einerseits bekannt zu machen, was es alles schon gibt und andererseits Bewusstsein zu schaffen, dass es noch viel mehr braucht“, so Wilfing. Man würde sich mit vielen Fragen dabei auseinandersetzen. Die Frage der neuen Kommunikationsmittel, die Frage der Regionalisierung oder auch die Frage der älterwerdenden Gesellschaft. Alle sollen, ob in der Stadt oder am Land, die gleichen Chancen auf Bildung haben, sagt Wilfing. Wilfing erinnert weiters, dass es seit 2012 in jeder Gemeinde eine Bildungsgemeinderätin oder einen Bildungsgemeinderat geben muss. „Es reicht nicht, eine Schule oder Mittelschule zu haben und sich darauf zu verlassen, dass die dort alles erledigen“, so der Landesrat. Es müsse auch politische Personen geben, die darüber nachdenken, was es in der Region, im Bezirk und im Viertel braucht. Man müsse auch bekannt machen, was es an einzelnen Bildungsanstalten gibt. „Was wird angeboten und was könnte ich für mich mitnehmen?“, so Wilfing. Die Diskussion des Alois Mock Instituts solle kein Endpunkt sein, sondern ein wesentlicher Punkt, sich mit der Frage Bildung zu beschäftigen. „Ich freue mich über die Diskussion, die noch mehr Aktivitäten im Bereich der Bildung hervorrufen wird!“

„Die Mama lernt, der Papa lernt, der Opa lernt, die Oma lernt. Wenn man es aus dieser Perspektive sieht, dann ist das lebenslange Lernen in Österreich durchaus gut verwirklicht, jedoch mit einem kleinen Problem. Derjenige, um den es am meisten geht, gehört nicht immer zu den Lernenden.“ Dr. Andreas Salcher

zusätzlich vielleicht noch etwas lernen. Wissen Sie, was das ist? Tödlich!“ Multitasking würde laut Spiel verhindern, dass man irgendetwas lernt, also müsste man Jugendlichen davon abraten. Außerdem warnt Spiel vor der Flut an Informationen, die man im Internet findet. Dies führe zu einer Veränderung, wie wir Wissen verarbeiten: „Wir müssen lernen, wie wir erkennen können, welche Quelle glaubwürdig ist.

Wir müssen die jungen Menschen auch mit solchen Kompetenzen ausstatten.“ Salcher stört es, dass sich die Zahlen in den letzten Jahren nicht verbessert haben. Sehr viele 15-Jährige können immer noch nicht sinnerfassend lesen. „Was bedeutet es, wenn ich mit 15 Jahren die Grundfertigkeiten nicht kann? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich es mir später aneigne, ist sehr gering“, sagt Salcher bestimmt. „Der Mensch ist ein

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„Prinzipiell sind wir alle Lernende, egal ob wir wollen oder nicht. Irgendwas

Türsteher mehr“, erzählt Schmid. Doch wenn man heutzutage in ein Premium Hotel fährt, gäbe es dort immer noch Türsteher. „Der Türsteher hat jetzt eine andere Aufgabe. Er grüßt nett und genau das macht den Unterschied aus – das Service.“ Doch nicht nur deshalb sieht er die Digitalisierung durchaus positiv. Schmid, Leiter der Virtuellen Pädagogischen Hochschule, hebt die Chancen der Digitalisierung hervor: „Wir haben dadurch die Möglichkeit, anders zu lernen. Ortsunabhängig, formal und informell kann verschränkt werden.“ Es gäbe Massiv-Open-OnlineCourses, darin befinden sich hunderttausend Menschen. „Ich habe auch die Chance, über virtuelle Räume Grenzen zu überwinden“, fügt Schmid hinzu. Spiel zeigt hier wiederum die Gefahren der Digitalisierung auf. „Wenn man sich jüngere Menschen anschaut, dann sieht man, dass sie viele Sachen gleichzeitig machen. Auf der einen Seite hören sie Musik, dann schauen sie auf ihr Tablet und dann sind sie auch noch am Handy aktiv und wollen

ARBEITSLAND

Ausbilden. Beschäftigen. Fördern.

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REP RT lernendes Wesen und von Geburt an darauf programmiert. Es ist unglaub­ lich, was Kinder bis zum sechsten Lebensjahr alles lernen. Krabbeln, sprechen, singen, tanzen, Sandburgen bauen, Drachen steigen usw. Mit sechs Jahren reißt diese natürliche Lern­ freude bei manchen Kindern ab“, so Salcher. Es würde hier eines großen Aufwandes bedürfen, dass sie weiterlernen. „Das Schlimme ist, wenn Kinder für sich glauben, dass sie zu dumm sind, dass sie nicht lernen wollen oder dass Lernen keine Freude macht. Wenn das mit 15 noch immer so ist, dann sind diese Kinder meistens für das System verloren“, glaubt Salcher. Der IQ sei

wenig veränderbar, was aber auf jeden Fall trainierbar sei, ist die emotionale und soziale Intelligenz. „Schule muss zwei Dinge tun: Auf der einen Seite allen Kindern ermöglichen, dass sie die Mindeststandards können und dort, wo sie besonders gut sind, in die Tiefe gehen können. Auf der anderen Seite muss man ihnen Sozialkompetenz beibringen“, bekräftigt Salcher. Moderator Ziegler fragt bei den Diskutanten nach: „Fehlt die Freude?“ Die Gesundheits- und Arbeitspsychologin Sabine Wunderl spricht auf diese Frage ein Problem des lebenslangen Lernens an, das ihr in ihrem Beruf oft unterkommt: „Die, die zu uns kommen,

R eferenten D R. B ER N D HU F N A GL studierte Biologie und Medizin mit den Schwerpunkten Neurobiologie, Hirnforschung und Verhaltensbiologie. Langjähriger Lehrbeauftragter an der Universität Wien sowie zehn Jahre Hirnforschung an der Universität Wien und an der Universitätsklinik für Neurologie am AKH Wien. Hufnagl ist Buchautor und Speaker im In- und Ausland. Seine Schwerpunkte hat er auch in seinen Büchern „Besser x als fertig! Hirngerecht arbeiten in der Welt des Multitasking“ und „Brain Traps. Working in a world of constant distraction“ niedergeschrieben.

D R. A N DR E A S S A L CHE R ist Unternehmensberater, Bestsellerautor und ein kritischer Vordenker in Bildungsthemen. Er begann seine Karriere 1987 in der Politik als damals jüngstes Mitglied des Wiener Landtags, dem er insgesamt zwölf Jahre angehörte. Andreas Salcher ist Mitbegründer der „Sir Karl Popper Schule“ für besonders begabte Kinder. 2004 initiierte er die

Das Publikum hörte nicht nur interessiert zu, sondern fragte auch selbst nach: Zahlreiche SMS-Nachrichten gingen mit durchaus kritischen Fragen direkt an das Podium und bereicherten die Diskussion.

„Waldzell Meetings“ im Stift Melk, an denen sieben Nobelpreisträger und der Dalai Lama teilgenommen haben. Seit 2008 engagiert sich Andreas Salcher mit seinem „CURRICULUM PROJECT“ für bessere Schulen.

U N I V. - PROF. D R . DR. C HR ISTIANE SPIEL hat die Bildungspsychologie als wissenschaftliche Disziplin begründet. Sie hat Mathematik, Geschichte und Psychologie studiert und nach Stationen am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und an der Universität Graz seit 2000 als Gründungsprofessorin den Arbeitsbereich Bildungspsychologie und Evaluation an der Universität Wien aufgebaut. Ihre aktuellen Forschungen fokussieren lebenslanges Lernen, Gewalt­ prävention in Schulen, Geschlechtsstereotype in der Bildungssozialisation uvm. Sie erhielt u.a. das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

M A G . (FH ) S T EFA N SC H MID, BE d ist Leiter der Virtuellen Pädagogischen Hochschule, Mitbegründer der Initiative Flipped Classroom Austria, Hochschullehrkraft und Vortragender zu eDidaktik, digitale Innovationen im Bildungsbereich, eLearning und Financial literacy an Pädagogischen Hochschulen und Unternehmen, Geschäfts- führender Gesellschafter der digital hingeSCHMIDet KG – eLearning-Beratung, -Konzeption und -Umsetzung, Diplomstudium für Sozialarbeit an der FH Campus Wien, Bachelorstudium Informations- und Kommunikationspädagogik am Institut für Berufsbildung der Pädagogischen Hochschule Wien.

M A G . S A B I N E W U N DERL geboren in St. Pölten, studierte Psychologie mit Schwerpunkt Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Wien. Sie ließ sich zur klinischen- und Gesundheitspsychologin, Arbeitspsychologin und Resonanz Coach ausbilden. Seit 2000 leitet sie das WIFI-Berufsinformationszentrum der Wirtschaftskammer NÖ. Neben dieser Tätigkeit arbeitet sie als Trainerin im Bereich Konfliktmanagement, Kommunikation und Psychologie, unter anderem an der FH St. Pölten.

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sind Gott sei Dank noch motiviert oder wieder motiviert und wissen aber oft nicht, wie sie es angehen sollen. Sie sind auf der Suche nach Unterstützung. Diese finden sie auf unterschiedliche Weise und holen sich Hilfe.“ Teilweise wüssten diese Menschen aber nicht, ob sie sich trauen sollen. Oft ist es auch eine Frage der Finanzen bzw. ob die Aus- oder Weiterbildung mit der Familie zu vereinbaren ist. „Hier geht es um ganz andere Fragen neben dem Lernen, für das sie eigentlich motiviert wären. Das muss auch mitgedacht werden“, sagt Wunderl. Schmid erzählt aus der Praxis der Virtuellen Pädagogischen Hochschule: „Wir versuchen das System in eine Richtung zu drängen. Unsere Aufgabe ist es zu schauen, wie die Digitalisierung genutzt werden kann, um Fortund Weiterbildung sowie auch die Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen zeitgerecht zu machen und diese auch zu unterstützen.“ Schmid sei sich zwar des Vorteils bewusst, dass die Lehrerinnen und Lehrer, die zu ihm kommen, lernen wollen, aber viele Abwehrmechanismen führt er auch auf die Systementwicklung zurück. „Es gibt sehr viele, die am System etwas ändern wollen, aber keiner weiß genau, wo bzw. wie“, sagt Schmid. Wie man das System ändern könne,

weiß Spiel: „Wir müssen in der Schule davon wegkommen zu sagen, dass das einzig Wichtige die schulischen Fächer sind.“ Jedoch würden sich die schulischen Fächer kaum ändern lassen. „Denken Sie daran, wie lange wir schon die Diskussion führen, ob zum Beispiel Ethik als Unterrichtsfach eingeführt werden soll. Das zieht sich schon über 30 Jahre und es ist noch immer nichts passiert. Das scheint so etwas zu sein, das niedergemeißelt ist und keiner

„60 Jahre Glücks-Forschung haben etwas sehr Simples ergeben. Wir müssen Ursache und Wirkung unserer eigenen Anstrengung zeitnah sehen können. Anstrengung ist eine der Rahmenbedingungen. Das ist ein bestimmtes Hormon in unserem Netzwerk, das uns ein besonderes Gefühl gibt. Andererseits bedeutet es aber auch, dass wir zum dosierten Scheitern gebaut sind.“ Dr. Bernd Hufnagl

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REP RT darf daran rütteln. Es gibt aber auch viele Dinge, die wir brauchen. Soziale Kompetenzen zum Beispiel“, sagt Spiel. Firmen brauchen dringend Menschen, die mit anderen gut auskommen und auch in der Lage sind, mit Konflikten umzugehen. „Wir müssen versuchen, die Kompetenzen, die die Jungen mitbringen, in den Unterricht zu integrieren und dies auch sichtbar zu machen“, fordert Spiel. Das brauchen die Schülerinnen und Schüler für ihren Selbst­ wert. „Wir müssen mehr Freude in die Schule bringen. Lernen ist anstrengend, aber es kommt auch was dabei raus“, schließt sie ihr Statement. Hufnagl sieht ein großes Problem häufig in der Art, wie gelernt wird. Er gibt ein Beispiel aus der Erwachsenenbildung in Großkonzernen, mit dem er sich beruflich viel beschäftigt: „Die Menschen beginnen zu arbeiten. Wenn sie in die erste Phase der Anstrengung kommen – in diesem Fall der Erfahrung in der Praxis –, macht diese Generation fast immer den gleichen Fehler: Sie wechseln den Job, machen eine neue Ausbildung oder einen neuen Kurs. Die entscheidende Frage ist: Wie bekommen wir Menschen dorthin, wo Freude ist? Entsteht Freude durch Druck vom Chef, durch Druck von Lehrern oder Angst, nicht den richtigen Lebenslauf zu haben?“ Wer mit Druck und Angst lernt, sagt

„Es gibt Prognosen, dass 50 Prozent der derzeitigen Berufe wegfallen werden. Was durchaus bleiben wird, sind die Tätigkeiten, die in den Sozialbereich fallen. Wir werden viel mehr Menschen brauchen, die diese sozialen Aufgaben zu übernehmen. Wir brauchen dann den persönlichen Kontakt, wenn so viel anderes digitalisiert wird.“ Univ.-Prof. Dr. Dr. Christiane Spiel

Hufnagl, würde in „eine Region hineinlernen, wo sein Bankomatcode herumliegt.“ „Das kontextabhängige Wissen ist für unsere Gesellschaft nicht brauchbar. Wir brauchen etwas anderes. Wir bringen unseren Kindern aber teilweise genau das bei – das ist völlig fatal und falsch“, sagt Hufnagl energisch. Obwohl das Hauptthema der Diskussion lebenslanges Lernen ist, also vor allem das Lernen im höheren Alter, kommt das Gespräch immer wieder zum Anfang des Lebens. So sieht

auch Salcher die Lösung vieler Probleme dort: „All das, worüber wir jetzt reden, lässt sich in einer Institution mit Abstand am besten, mit den geringsten Kosten und mit maximalem Effekt erzielen. Das sind die Kindergärten an erster Stelle und an zweiter Stelle die Volksschulen.“ Man müsse es schaffen, es zum obersten Ziel in der Bildungspolitik zu machen, dass man die besten Kindergärten, sprich die besten Kindergartenpädagoginnen und Kindergartenpädagogen hat. Man müsse außerdem erkennen, dass der Beruf der Volksschullehrerinnen und Volksschullehrer einer der wichtigsten in diesem Land ist. Moderator Robert Ziegler wirft ein, dass sich viele zum lebenslangen Lernen verdammt fühlen. Spiel stellt dem entgegen, dass ein Arzt sich auch nicht dafür entscheiden kann, nicht mehr weiterzulernen „Ich würde mich von diesem Arzt nicht behandeln lassen – ich vermute niemand unter Ihnen“, so Spiel. „Wir müssen eine Kultur schaffen, in der es selbstverständlich ist, immer wieder etwas zu lernen, denn dann fällt es einfach leichter. Wenn wir an Firmen und Betriebe denken, muss es auch entsprechende Angebote geben, damit das zu einer Selbstverständlichkeit wird“, so Spiel. Für die Abschiedsrunde gibt Ziegler ein Statement, das aus dem Publikum

I mpulsinterview W o l f gang B ö h m ( E V N ) und M a r tin W eigl ( emc ) Bei der Diskussion zum Thema lebens­ langes Lernen wurde nicht nur in der Theorie davon gesprochen. Zwei Herren, die auch zum Praktischen vieles sagen können, sind Wolfgang Böhm, der seit 27 Jahren für die EVN (Energieversorger Niederösterreich) arbeitet und Martin Weigl vom Elektroinstallationsunternehmen emc (elektromanagement & construction). Wolfgang Böhm hat die Ausbildung zum Betriebselektriker bei der EVN absolviert und beim Bundesheer den Beruf zum Elektroinstallateur erlernt. Weiters ließ Böhm sich zum Gas-, Wasser- und Heizungstechniker umschulen. „Mir ist dann der Vorteil der Doppelausbildung im Unternehmen zu Gute gekommen“, sagt der Angestellte. Nach der Ausbildung zum Gasmeister folgte die Befähigungsprüfung am WIFI St. Pölten. „Und wenn man im Lernen schon drinnen ist: 2007 habe ich auch die Ausbildung zum Elektrikermeister absolviert“, erklärt Böhm schmunzelnd im Interview mit Moderator Robert Ziegler. Motivation sei für ihn gewesen, dass er sich immer Ziele gesteckt habe. Mittlerweile ist Böhm Gruppenleiter von acht Angestellten. Auch für den bald 50-jährigen Martin Weigl war eine Ausbildung nicht genug. Nach der Lehre zum Elektroinstallateur besuchte er die Werkmeisterschule. „Ich habe immer geschaut, dass in jeder Dekade meines Lebens etwas passiert“, so Weigl. Zwischen 20 und 30 hat er die Konzessionsprüfung gemacht, dazwischen immer kleinere Wochenkurse. Zwischen 30 und 40 war die Berufsreifeprüfung dran. Zwischen 40 und 50 absolvierte er die Berufsakademie Handel und schloss 2016 mit dem Master ab. Weiters hat Weigl noch die Arbeitskräfteüberlassung und Meisterprüfung gemacht. Momentan sei Weigl am Überlegen, was er zwischen 50 und 60 Jahren machen soll. „Nachdem die letzten drei Jahre mit der Berufsreifeprüfung verplant waren, mache ich zur Zeit einen Tanzkurs mit meiner Gattin“, sagt Weigl lachend. „Das war der Deal!“ Lebenslanges Lernen gibt es, wie man sieht, nicht nur im Beruf.

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„Diejenigen, die zu uns kommen, sind so motiviert, dass sie sogar umsteigen und etwas ganz anderes ausprobieren würden. Das hätten sie dann aber gerne abgesichert, ob es wirklich passt und ob sie die Möglichkeit bekommen, dort dann Fuß zu fassen.“ Mag. Sabine Wunderl

geschickt worden ist, weiter: „Bildung ist ein gesellschaftliches Problem. Es hat bei uns einen zu geringen Stellenwert.“ „Mich regt kaum etwas so sehr auf wie diese Optimierung in der Bildung“, sagt Hufnagl. Alles sei nur mehr zielgerichtet. Da gehe die Bildung verlo-

ren. Schmid ist der Meinung, die Bildung sollte mehr Wert bekommen. Hier nimmt er aber auch die Eltern in die Verantwortung. „Eltern sollten nicht zu Hause sitzen und mit dem Kind darüber diskutieren, wie schlecht die Schule ist“, sagt Schmid. Wunderl wünscht sich zum Abschluss, dass man sich mehr trauen sollte. „Wenn jemand keinen positiven Zugang hat, ist das meist verloren gegangen. Ich würde mir wünschen, dass alle einen positiven Zugang bekommen oder wiederbekommen“, sagt Wunderl. Salcher und Spiel enden die Diskussion beide mit einem Appell beziehungs­ weise mit einer Forderung. „Hören wir niemals auf zu lernen, niemals“, sagt Salcher. Spiel ist der Ansicht, dass zu viel über Bildung gesprochen und zu wenig getan wird. Und so gibt sie einen Wunsch mit in die derzeitigen Regierungsverhandlungen: „Bildungspolitik ist Sozialpolitik, Gesund­ heitspolitik, Wirtschaftspolitik und Finanzpolitik. Bedenken Sie das!“

A uf einen B lick

Die wichtigsten Erkenntnisse & besten Vorschläge aus der Diskussion 1. Digitalisierung kann gut und schlecht sein Bei kaum einem anderen Thema waren sich die Diskutanten so uneinig wie bei der Frage, ob Digitalisierung Lernenden hilft oder schadet. Wie so oft liegt auch hier die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Mag. (FH) Stefan Schmid, BEd. ist sich sicher, dass Online-Kurse die Möglichkeit bieten, ortsunabhängig zu lernen. Univ.-Prof. Dr. Dr. Christiane Spiel warnt allerdings vor dem Multitasking, das gerade durch das Lernen am Computer entstehen kann.

2. Lebenslanges Lernen beginnt beim Kleinkind Der Grundstein, ob jemand Bildungsangebote als erwachsener Mensch annimmt, wird schon in der Volksschulzeit gelegt. Christiane Spiel fände es furchtbar, wenn Kinder die Schule verlassen und sagen: „Ich bin froh, nichts mehr lernen zu müssen.“ So sagt auch Unternehmensberater Dr. Andreas Salcher, dass man es erreichen müsse, dass Kinder nach der Volksschule freudig lernende Menschen sind: „Dort wird die Grundlage geschaffen.“

3. Arbeitskräfte im Bereich Soziales werden in Zukunft mehr gebraucht Laut Prognosen werden 50 Prozent der derzeitigen Berufe wegfallen, so Spiel. Aber auch, wenn es „nur“ 30 Prozent sind, ist Spiel sich sicher, dass die Tätigkeiten in den Sozialberufen nicht nur bleiben, sondern noch mehr werden. Dies zeigt ganz deutlich auch die Entwicklung der Digitalisierung. „Durch die verstärkte und immer mehr werdende Digitalisierung brauchen wir vermehrt den menschlichen Kontakt“, erklärt Spiel.

4. Freude und Problembewusstsein muss fürs Lernen gegeben sein Einig war man sich am Podium, dass es Freude am Lernen braucht. Doch auch Heraus­ forderungen können eine Motivation sein, um dazuzulernen. Bei vielen Kindern würde die natürliche Lernfreude auch abreißen, sagt Salcher. Da braucht es dann jemanden, der weiter zum Lernen motivieren kann. Dr. Bernd Hufnagl wirft außerdem ein, dass Freude nicht reicht. Es brauche auch ein Problembewusstsein, weil ohne Problem sucht das Hirn nach keiner Lösung.

5. Bildungspolitik betrifft alle Sparten des Lebens Wer eine hohe formelle Bildung hat, bekommt einen besseren Job, verdient mehr Geld und kann sich mehr leisten. Das betrifft nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesundheit der betroffenen Person. Dadurch greift die Bildung auch ins Gesundheits­ system über und betrifft, wie Spiel am Ende der Diskussion sagt, auch Finanz- bzw. Wirtschaftspolitik.

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Bildungsreise Schweiz des Alois Mock Instituts am 23. & 24. November 2017 Eine Delegation des Alois Mock Instituts reiste gemeinsam mit Wolfgang Sobotka zu Expertengesprächen nach Zürich und Bern. Die Themen direkte Demokratie, Föderalismus und Digitalisierung standen dabei im Fokus.

BM Mag. Wolfgang Sobotka (Präsident Alois Mock Institut), Christian Rädler (Obmann Alois Mock Institut), Mag. Gerhard Karner (Landtagspräsident), NR Mag. Friedrich Ofenauer, NR Mag. Andreas Hanger, BR Sandra Kern sowie Landtagsabgeordnete und Bürgermeister aus Niederösterreich folgten der Einladung von I.E. Botschafterin Ursula Plassnik in die Residenz der Österreichischen Botschaft in Bern und diskutierten mit Schweizer Expertinnen und Experten zum Thema Föderalismus und direkte Demokratie.

Die Schweiz zählt in vielen Bereichen als Vorreiter und dient immer wieder auch als Indikator für Reformdiskussionen hierzulande. Wirtschaftlicher Erfolg, steuerliche Effizienz und klare Entscheidungswege werden dabei nicht selten einem ausgeprägten Föderalismus sowie einer wohl beispiellos gelebten direkten Demokratie zugeschrieben. So ist es auch wenig verwunderlich, dass bei den gegenwärtig laufenden Regierungsverhandlungen in Österreich Überlegungen hinsichtlich eines Ausbaus der direkten Demokratie angestellt werden. Als Allheilmittel sieht Wolfgang Sobotka, Präsident des Alois Mock Instituts, das Modell einer stetigen Befragung der Bevölkerung aber nicht, vor allem auch deshalb, weil zahlreiche Gespräche mit Professoren, Politikern und Experten im Rahmen der Delegationsreise gezeigt hätten, dass das Schweizer Modell historisch gewachsen und nur schwer mit anderen demokratischen Systemen in Europa zu vergleichen sei. „Die Politik soll und darf definitiv keine Scheu davor haben, die Bevölkerung bei wesentlichen Fragestellungen einzubinden, um auch eine klare Legitimation bei einschneidenden Entscheidungen zu haben. Das wurde auch in Österreich immer wieder gelebt. Eine Häufigkeit wie in der Schweiz wäre für uns aber sicherlich nur schwer vorstellbar, alleine schon deshalb, weil hier nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Kanton- und Gemeindeebene auf diese Form der Bürgerbeteiligung zurückgegriffen wird. Es ist daher für die Schweizer Bevölkerung nichts Außergewöhnliches, in Regelmäßigkeit über lokale und bundesweite Fragen abzustimmen“, so Sobotka. Nicht zuletzt der

starke Föderalismus und die Möglichkeit von Gemeinden und Kantonen, einen Großteil der Steuern selbst einzuheben, machen es notwendig, immer wieder die lokale Bevölkerung über regionale Investitionen abstimmen zu lassen, weil damit auch empfindliche Steuererhöhungen zur Finanzierung verbunden sind. Die damit gelebte Transparenz wird von Schweizer Seite als notwendige Entscheidungsgrundlage von unmittelbar Betroffenen gesehen. „Die Steuer­ autonomie der Schweizer Kantone und Gemeinden ist sicherlich ein wesentlicher Faktor für deren sparsamen Einsatz von Steuergeld. Die Sensibilisierung für den Zusammenhang zwischen Investition und unmittelbarer Belastung ist im Schweizer Föderalismus­modell täglich gelebte Praxis“, so Sobotka. Bundesweite Strategie zu Digitalisierung Neben Pharmaindustrie und Bankensektor spielt für die Eidgenossen auch die Zukunft der Digitalisierung eine übergeordnete Rolle. Eine bundesweite Strategie soll dabei sicherstellen, dass die Schweiz künftig nicht nur als sicherer Hafen für Vermögenswerte, sondern auch Daten gilt. „Ein offener Zugang zum Thema Digitalisierung ist alternativlos, um die anstehenden Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft bestmöglich im Sinne Österreichs nutzen zu können. Der hohe Stellenwert des Themas bei den derzeitigen Regierungsverhandlungen ist daher absolut zu begrüßen. Wir müssen die diesbezügliche Veränderung nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreifen“, so Sobotka abschließend. Nummer 05/17, Dezember 2017


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Die „Lange Nacht der Weiterbildung“ schafft einen unkomplizierten Zugang zum Thema Weiterbildung Am 24. November 2017 fand erstmals die „Lange Nacht der Weiterbildung“ in ganz Niederösterreich statt – geboten wurden 76 Veranstaltungen in 18 teilnehmenden Gemeinden, die die Bedeutung der Aus- und Weiterbildung verdeutlichten. „Die erste ‚Lange Nacht der Weiterbildung‘ am 24. November 2017 war ein voller Erfolg! In insgesamt 18 Gemeinden in ganz Niederösterreich haben an 76 verschiedenen Veranstaltungen rund 10.000 Bildungshungrige teilgenommen. Unser Ziel war es, Aufmer-

ksamkeit für Aus- und Weiterbildung zu erreichen. Am sich rasant ändernden Arbeits­markt ist ständige Fortbildung und Weiterqualifizierung wichtig, um top im Job zu bleiben – besonders im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung von Gesellschaft und Industrie.

(v.l.) Christian Rädler (Obmann Alois Mock Institut), Landesrat Karl Wilfing, LAbg. & FEN-Vorsitzender Karl Bader

© fen

Mit der ‚Langen Nacht der Weiterbildung‘ haben wir ein klares Signal dafür gesetzt, dass Weiterbildung wichtig ist und auf die zahlreichen Angebote und Förderungen des Landes Nieder­ österreich aufmerksam gemacht“, zieht Landesrat Karl Wilfing eine Bilanz über die Aktion. Geboten wurden verschiedenste Veranstaltungen rund um das Thema Aus- und Weiterbildung. Vorträge, Lesungen, Betriebsführungen

Lange Nacht der Weiterbildung in Hofstetten-Grünau

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oder Stadtführungen konnten besucht werden, zusätzlich gab es interessante Informationen zu Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung sowie Bildungsund Berufsberatung. Die „Lange Nacht der Weiterbildung“ stand für alle Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher offen und schaffte einen unkomplizierten Zugang zu unterschiedlichen Anbietern im Bereich der Erwachsenenbildung.

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Nachgefragt: Besuchermeinungen zum Thema Rund 220 Gäste verfolgten die spannende Podiumsdiskussion, die schon währenddessen und vor allem in den Gesprächen danach für viele Impulse sorgte. Die breit gefächerten Meinungen des Publikums hat Teresa Sturm für Sie eingefangen: Ursula Liebmann, Leiterin der Servicestelle für die Bildungsräte „Man merkt doch, dass Bildung sehr stark mit der Schulbildung konnotiert ist, die Erwachsenenbildung wird nicht so stark in den Fokus genommen. Grundsätzlich sage ich, dass der Grundstein der Bildung im Elternhaus bei Stunde null beginnt.“

Bettina Rausch, Bundesobmann-Stv. der Jungen ÖVP „Ich nehme auf jeden Fall das Thema der pädagogischen Hochschule mit. Es war für mich nicht so präsent, dass das so eine gut eingeführte Institution ist. Und die Frage ist auch, was wir für andere Weiterbildungsformate lernen können. Ich nehme ein Stück weit mit, dass digitale Bildung ein Thema sein muss, aber nicht in dem Sinne, wie viel Technik wir noch einsetz en können, sondern wie wir Menschen dazu befähigen, das auch gut zu nützen .“

Norber t Adrigan, Stabstelle für Personal und Controlling, Landes schulrat für NÖ „Ich glaube, dass der Stellenwert der Bildung in NÖ eine ganz hohe Bedeutung hat. Das Land NÖ ist bereit, über den Stellenplan des Bundes hinaus, Planstellen zu finanzieren, die letztendlich den Schülerinnen und Schülern im Unterricht zugutekommen.“

Tina Frischmann, Bildungs- und Berufsberaterin, Bildungswissenschaf terin „Für mich war nicht allzu viel Neues dabei. Die virtuellen Bildungsräume von Stefan Schmid sind sehr interessant und ich würde mir wünschen, dass man diese Modelle, die auch schon zum Teil vor 30 oder 40 Jahren diskutiert worden sind, umsetzt bzw. der Wissensstand endlich genutzt wird.“

Johann Heuras, Landes schulratspräsident „In Österreich hat das Thema Bildung und Schule schlicht und ergreifend zu wenig Stellenwert. Es gibt viel zu wenig Wertschätzung gegenüber Pädagoginnen und Pädagogen, das ist dringend zu verändern in dieser Gesellschaft. Und wir sollten eine substanzielle Debatte über Bildung, Aus- und Weiterbildung und Bildung an sich führen und nicht

Wert von ständig über Organisationen und Strukturen reden.“

Doris Wagner, Landes schulrat für NÖ „Bildung muss einfach wieder mehr Stellenwert bekommen. Das haben wir heute sehr intensiv gehört. Wenn ich mir unsere schulischen Landschaften anschauen, denke ich, dass wir gut aufgestellt sind, trotzdem sollten wir uns nicht ausruhen. Wenn Kinder zehn Jahre alt sind, gibt es in ihrem Leben oftmals einen Knacks und sie Dafür gibt es viele Faktoren. Wir sind gesellschaftlich alle gefragt, dem Thema Bildung einen hohen Stellen wert zu geben. Wie wir am Schluss gehört haben, ist Bildungspolitik gleichz eitig Gesundheitspolitik, Finanzpolitik und vieles mehr.“

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Eduard Staudecker, Bundesminis terium für Bildung „Für mich war besonders interessant, dass das Thema digitale Bildung durchaus kontroversiell gesehen wurde. Die Förderung von sozialen und kommunikativen Kompetenzen soll nicht vergessen werden. Dass

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in Kindergarten und Volksschule wichtige Weichen gestellt werden, war die wohl wesentlichste Aussage im ersten Teil der Diskussion. Vor allem die Statements von Dr. Hufnagl aus dem Blickwinkel der Hirnforschung fand ich sehr spannend, zum Beispiel dass Lernen Freude machen soll, die aber nichts mit Spaß zu tun hat. Oder aber auch, dass Lehrer nur schwer ihre Schüler motivieren können, vor allem aber demotivieren. Die Rahmenbedingungen in der Schule sind wohl wichtiger, als man glaubt!"

Andreas Hartl, Institut sleiter WIFI Niederösterreich „In der Frage‚ welche Auswirkungen die Digitalisierung hat, ist für mich spannend, dass die Lern­forscher eine durchaus skeptische Haltung haben, was auch meine Erfahrungen bestätigen. E-Learning wird von unseren Leuten, mit denen wir arbeiten, sehr wenig verwendet. Es bestätigt, Ergebnisse dass Lernen ein sozialer Prozess ist. Wenn ich mir dann die Der Stellender Lern- und Gehirnforschung anschaue, ist das auch klar. daher sehr wert der digitalen Bildung ist ein relativ geringer und muss gut in klassische Lernprozesse eingebettet werden.“

Impressum: Herausgeber: Alois Mock Institut, Ferstlergasse 8, 3100 St. Pölten Redaktion: Teresa Sturm, Alois Mock Institut, E-Mail: office@alois-mock-institut.at

www.alois-mock-institut.at www.noe-wohnbau.at

Verlag, Produktion: ÄrzteVerlag GmbH, 1090 Wien. Layout: andrej.cc. Druck: Druckerei Berger, Horn Anzeigenberatung: Anita Kienesberger, Tel. 0664/8238453, E-Mail: anita.kienesberger@alois-mock-institut.at Medieninhaber: Alois Mock Institut, Offenlegung nach §25 Mediengesetz siehe: www.alois-mock-institut.at Fotos: @charakter.photos Philipp Monihart, zVg

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Nummer 05/17, Dezember 2017

Lebenslanges Lernen  
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