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Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

PROJEKTE UND PREISTRÄGER 2016

mit Auszug aus der aktuellen SINUS-Jugendstudie 2016 „Wie ticken Jugendliche“?


IMPRESSUM

Durchführung und Organisation: Jugendstiftung Baden-Württemberg Schlossstraße 23 74372 Sersheim www.jugendstiftung.de www.DeinDing-BW.de

Im Auftrag des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg

Verantwortlich: Cornelia Hoßfeld, Jugendstiftung Baden-Württemberg Redaktion: Vanessa Braun, Jugendstiftung Baden-Württemberg, und Cornelia Hoßfeld, Jugendstiftung Baden-Württemberg, unter Mitarbeit von Lisa Weilkes, Jugendstiftung Baden-Württemberg Lektorat: Gisela Faller Bilder: Jugendstiftung Baden-Württemberg/Marc Doradzillo (Titelbild); SINUS Markt- und Sozialforschung (Grafik S. 7 und S. 12); SINUS/Pixabay (S. 7 unten, S. 8 oben und S. 9 Mitte); SINUS/iStock (S. 8 Mitte und unten, S. 9 oben und unten); SINUS/iStock, Pixabay, flickr – firesam!; Bearbeitung ydontu (S. 10). Alle verwendeten Projektfotos wurden den jeweils dargestellten Projekten entnommen und mit Einverständnis der Projektträger veröffentlicht – sofern nicht nachfolgend anders vermerkt. metallzeitung („Bildung mit Vertrauen“, S. 18, links); Kerim Arpad („Merhaba in Stuttgart“, S. 26); Wikipedia („Ausstellung ‚Deine Anne’ “, S. 30, unten); KSM („Ehrenamtliche Helfer der KSM“, S. 35); Waiblinger Kreiszeitung („ ‚Europa’ – interkulturell und inklusiv Theater­spielen“, S. 35); ASB Mannheim/Rhein-Neckar („Erste Hilfe leicht gemacht“, S. 35); Wir in Stuttgart („Geschichte Online/GO-Stuttgart“, S. 38, beide Fotos); Marco Burger Fotografie („Kultur macht Laune Lörrach“, S. 44); Kevin Guehring („Media Mobil Rottweil, mein Quartier Hegneberg“, S. 45); Felix Gruenschloss („Stadtrundgang reloaded“, S. 46); benjamin stollenberg | fotografie („Mode des Art Déco – The Great Gatsby – Freilichtmalerei im Blühenden Barock Ludwigsburg“, S. 46); Ban Ki-moon („Model United Nations Baden-Württemberg 2017 – MUNBW“, S. 46); Thinkstock/iStock – mikanaka („14-er-Rat Jugendbeteiligung“, S. 48); Tim Nikischin („Youth media challenge 2015“, S. 52); Thinkstock/iStock – scubaluna („Theater- und Medienwerkstatt“, S. 53); Kristina Popov („zwischen/miete – Festival“, S. 53).

Gestaltung: Oliver Müller – Visuelle Kommunikation, Mainz Druck: Printmedien Karl-Heinz Sprenger, Vaihingen an der Enz März 2017


INHALTSVERZEICHNIS

Grußwort des Ministers  Seite 2 Die Jury  Seite 3 Bewertungskriterien  Seite 4 Projekte 2016 – Landkarte des Engagements  Seite 5 Wie ticken Jugendliche? – Auszüge aus der aktuellen  Seite 6 SINUS-Jugendstudie 2016 „Wie ticken Jugendliche“? Die Preisträger  Seite 14 Nominierte Projekte  Seite 26 Weitere engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer  Seite 30

Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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GRUSSWORT

Liebe Leserinnen und Leser, bereits zum achten Mal vergeben wir Preise an engagierte junge Projektteams. Auch in diesem Jahr haben sich wieder über einhundert Projekte um den Preis beworben. Von diesen haben wir die – unserer Meinung nach – zehn interessantesten nominiert, und von diesen Nominierten werden drei mit dem Jugendbildungspreis gewürdigt. Alle Projekte zeigen mir einmal mehr, dass Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen, nicht nur eine Aufgabe für Erwachsene ist. Das freut mich besonders, weil ich um die kommenden gesellschaft­ lichen Herausforderungen weiß und hoffe, dass wir diese zusammen, mit Unterstützung aller jüngeren und älteren Bürgerinnen und Bürger, gut meistern können. Ein wichtiges Element des Jugendbildungspreises ist die Jury. Die engagierten Jurymitglieder müssen alle Einsendungen sichten und dann die Nominierungen und die Preisträger­ projekte auswählen. Aufgrund der vielen guten Beiträge ist das kein leichtes Unterfangen und ich bedanke mich an dieser Stelle bei der Jury für ihren Einsatz. Die Nominierungen und Preisträger stehen nun fest – mein besonderer Glückwunsch geht an diese Projekte. Neben den drei DeinDing-Preisträgerprojekten entschied die Jury zum zweiten Mal auch über die Vergabe des sogenannten Vielfalt-Sonderpreises. Mit diesem werden zum einen Projekte sichtbar gemacht, in denen es um Menschenrechte, Beteiligung und Stärkung demokratischer Werte und sozialen Engage­ments geht. Zum anderen finden Projekte Beachtung, die extremen, antidemokratischen Positionen wie insbesondere dem Rechtsextremismus entgegenwirken. Hierbei gibt es eine enge Ko2

operation mit dem Demokratiezentrum Baden-Württemberg. Mit diesem Schwerpunkt wollen wir Jugendliche in ihrem Engage­ment für die Demokratie besonders fördern. Sehr moti­vierend finde ich, dass viele der eingereichten Projekte einen Preis in dieser Kategorie verdient hätten. Ich möchte die Projektbeteiligten ermuntern, trotzdem weiter am Ball zu bleiben, auch wenn sie aufgrund der Vielzahl an guten Beiträgen keine Auszeichnung erhalten haben. Liebe Leserinnen und Leser, Sie werden in dieser Broschüre sicher­lich auf Ideen und Inhalte stoßen, die wegweisend für die Jugendbildungsarbeit sind und einen Modellcharakter haben. Lassen Sie sich davon gerne inspirieren für die eigene Projektarbeit. Ich hoffe natürlich, dass in der Folge viele Projektteams dem Aufruf folgen, wenn es wieder heißt: „Wo engagiert ihr euch? Was ist euer Ding?“ Ich danke allen, die am Jugendbildungspreis beteiligt sind, sowie allen Engagierten in der Jugendbildung. Ich wünsche Ihnen allen viel Freude und alles Gute bei der weiteren Projekt­arbeit.

Ihr

Manfred Lucha MdL Minister für Soziales und Integration in Baden-Württemberg


DIE JURY

Die Jury Da nicht alle eingereichten Projekte gewinnen können, bedarf es einiger Personen, die die Verantwortung übernehmen, eine Entscheidung zu treffen und zwölf Projekte aus 101 auszuwählen. 2016 bestand die Jury aus:

Ute Bayer

Benjamin Miller

Ministerium für Soziales und Integration Baden-­Württemberg

Dachverband Jugendgemeinderäte Baden-­Württemberg e.  V.

„Auch diesmal machten viele aus­gefallene

„Man glaubt gar nicht, wie viel Jugend­

und beeindruckende Ideen uns Jury­

liche hier in Baden-Württemberg auf die

mitgliedern die Entscheidung nicht leicht.

Beine stellen – und das nicht, weil sie es

In allen Projekten enga­gieren sich Jugendliche in hohem Maße.

müssen, sondern weil sie sich einbringen wollen. Umso wichtiger

Bleibt zu wünschen, dass die unterschiedlichen Gruppierungen mit

ist es also, dass es den Jugendbildungspreis gibt, der zeigt, was

ihren Projekten viel Aufmerksamkeit erfahren und sich Nachahmer

Jugendliche hier machen, und sie dafür auszeichnet.“

finden.“

Rebecca Notter Sevinc Celebi Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart

Jugendpresse Baden-Württemberg „Der Jugendbildungspreis honoriert das

„Es war eine tolle Erfahrung, ein Jury­

Engagement Jugendlicher und bietet der

mitglied des Jugendbildungspreises

Vielfalt an Projekten eine Plattform, um

zu sein. Ich habe viele neue Projekte

gesehen, weitergeführt und geteilt zu

kennen­gelernt und bin erstaunt, wie viele

werden. Damit ergibt sich die Möglich­

Organisationen sich für unterschiedliche Gruppen einsetzen. Der

keit, wunderbare Ideen zu etablieren und wieder neue hervor­

Jugendbildungspreis ist eine tolle Plattform, diese Projekte auf­

zubringen.“

zuzeigen und sich von der bunten Vielfalt inspirieren zu lassen.“

Vanessa Gärtner Landesschülerbeirat Baden-­Württemberg „Wenn Jugendliche ihre Ideen verwirk­ lichen, muss das belohnt werden. Hier­ für bietet ihnen der Jugendbildungspreis eine tolle Möglichkeit, ihre Projekte zur Schau zu stellen und die Aufmerksamkeit zu erhalten, die ihnen zusteht. Doch das Tolle an diesem Wettbewerb ist auch, dass nicht nur Preisträger davon profi­ tieren: Viele weitere junge Menschen können sich ein Beispiel daran nehmen und zu eigenem Engagement ermutigt werden.“ Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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BEWERTUNGSKRITERIEN

Bewertungskriterien Es steht auf jeden Fall fest, dass der Jugendbildungspreis herausragende Leistungen prämieren möchte. Doch woran erkennt man eine herausragende Leistung? Inwieweit soll das eine Projekt „besser“ und „auszeichnungswürdiger“ sein als das andere? Für die Vergabe des Jugendbildungspreises haben sich verschiedene Kriterien als relevant herauskristallisiert, die der Jury bei ihrer Bewertung als Leitfaden gelten:

GRAD DER BETEILIGUNG DER ÖFFENTLICHKEIT:

Wie viele Menschen werden von dem Projekt angesprochen? Einzelne Personen oder eine ganze Gruppe? Wie öffentlich tritt das Projekt auf? Ist es eher für interne Zielgruppen oder für die breite Bevölkerung gedacht? Welche Bedeutung nimmt dieses Projekt in der Öffentlichkeit ein? DARSTELLUNG DES PROJEKTS:

Wie stellt sich das Projekt in seiner Bewerbung dar? Gibt es einen ausführlichen Beschreibungstext, der in das Projekt einführt? Wurde eventuell ein kleiner Einführungsfilm gedreht, wurden Bilder und weiteres Info­material beigefügt? NACHHALTIGKEIT DES PROJEKTS:

Wird das Projekt als Maßnahme im Anschluss weitergeführt? Entstehen im Projekt Inhalte bzw. Effekte, die im Nachhinein noch zu Verfügung stehen/nutzbar sind bzw. wirken?

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SONDERPREIS

ti Ju ge nds

e Vi

Wie viel Neues steckt in diesem Projekt? Ist es etwas Einzig­ artiges, Seltenes, noch nie vorher Dagewesenes? Welchen Innovations­gehalt hat dieses Projekt in Bezug auf die Region, in welchem es durchgeführt wird?

BADEN-WÜRTTEMBERG:

INNOVATIONSGEHALT:

DER JUGENDSTIFTUNG

ft un g

r p Zusätzlich zur Prämierung der drei Preisr re i s • de trägerprojekte mit dem Jugendbildungs­ preis wird der Vielfalt-Sonderpreis ausgelobt. Mit diesem sollen Projekte sichtbar gemacht werden, in denen es um Menschenrechte geht, um Beteiligung und um die Stärkung demo­kratischer Werte und sozialen Engagements. Bewertet werden Merkmale, die unsere Demokratie stärken und extremen, anti­demokratischen Positionen, insbesondere dem Rechtsextremismus, entgegenwirken.

Inwieweit ist dieses Projekt eine Idee von Jugendlichen selbst? Wie stark waren sie in die Konzeption und Durchführung eingebunden? Ist dieses Projekt von Jugendlichen für Jugendliche oder von Erwachsenen, die mit Jugendlichen zusammenarbeiten?

DER VIELFALT-SONDERPREIS

lf e al t - Sond

BETEILIGUNG JUGENDLICHER:


PROJEKTE 2016

Projekte 2016 101 Projekte wurden für den Jugendbildungspreis eingereicht und bewerben sich damit für „DeinDing 2016“. Viele enga­gierte Jugendliche und Erwachsene stellten sich und ihre Projekte vor. Auf den folgenden Seiten soll diese Mühe belohnt und dem Herzblut, das in jedes einzelne Projekt eingeflossen ist, Achtung entgegen­gebracht werden.

LANDKARTE DES ENGAGEMENTS

Die Projektbewerbungen für den Jugendbildungspreis 2016 kamen aus den verschiedenen Teilen Baden-­Württembergs. Die Landkarten-Grafik zeigt anschaulich, wie sich die Bewerbungen um den Jugendbildungspreis auf Stadt- und Landkreise verteilen und woher die Gewinnerinnen und Gewinner kommen.

= 4 und mehr Teilnehmer/-innen im Stadt- oder Landkreis

= 2 – 3 Teilnehmer/-innen im Stadt- oder Landkreis

3 = weniger als 2 Teilnehmer/-innen im Stadt- oder Landkreis

S

= nominierte Projekte im Stadt- oder Landkreis

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= Preisträger/-innen im Stadt- oder Landkreis

S

1 = 1. Preis, 2 = 2. Preis, 3 = 3. Preis, S = Sonderpreis

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Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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WIE TICKEN JUGENDLICHE?

Wie ticken Jugendliche? SINUS:akademie – Ein Einblick in jugendliche Lebenswelten in Deutschland und Auszüge aus der aktuellen SINUS-­Jugendstudie 2016

Vielfältigkeit und Einfallsreichtum – das zeigen die Projekte Jugendlicher, die sich für den Jugendbildungspreis beworben haben. Projektengagement ist für Jugendliche eine Form der Freizeitgestaltung, aber gleichzeitig ein Lernfeld und Erprobungsraum für eigene Fähigkeiten und Ideen. Die SINUS-Jugendstudie führte eine umfassende Bestandsaufnahme der soziokulturellen Verfassung der 14- bis 17-Jährigen in Deutschland durch. Sie gibt Antworten auf die Fragen, was Jugendlichen wichtig ist, welche Wünsche und Sehnsüchte, Ängste und Sorgen sie für ihre Zukunft haben und welche Einstellungen zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen vorherrschen. Der folgende Text gibt einen Überblick über den Forschungsansatz der Studie sowie die sieben SINUS-Lebenswelten u18. Im Blick auf den beim Jugendbildungspreis zusätzlich ausgelobten Vielfalt-Sonderpreis der Jugendstiftung (siehe Seite 4) und im Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse durch wachsende Flüchtlingsströme haben wir aus der aktuellen SINUS-­ Jugendstudie die beiden thematischen Schwerpunkte „Flucht und Asyl“ und „Nation und Nationalität“ aufgegriffen, in welcher die Haltung Jugendlicher zu diesen Fragen dargestellt wird. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN

Die Sinus-Milieus gehen aus von der Lebenswelt und dem Lebensstil der Menschen und nicht von formalen demografischen Kriterien wie Schulbildung, Beruf oder Einkommen. Grundlegende Wertorientierungen gehen dabei ebenso in die Analyse ein wie Alltagseinstellungen, individuelle Erlebnisbereiche und subjektive Wirklichkeiten eines Menschen. In den einzelnen Milieus werden also Menschen zusammengefasst, die man als „Gruppen Gleichgesinnter“ bezeichnen könnte. Bei der Beschreibung der Jugendlichen könnte man ebenso von „sozialen Milieus“ der Jugendlichen sprechen. Da bei 14- bis 17-jährigen Jugendlichen jedoch noch viele zentrale Übergangsstadien – z. B. die Berufswahl und der Erwerbseinstieg, der Aufbau einer festen Partnerschaft, das eigenverantwortliche Wohnen – bevorstehen, verwendet das SINUS-Institut hier den Lebenswelten-­ Begriff. Diese Lebenswelten sind real existierende Gruppierungen im Alltag (Thomas 2016, 27f.). FORSCHUNGSANSATZ

Die SINUS-Lebenswelten u18 sind ein Modell, in dem seit 2008 die große Vielfalt der Jugendlichen dargestellt und beschrieben wird: Junge Menschen einer Altersgruppe mit ähnlichen Werten, Lebenseinstellung und sozialer Lage werde als Lebenswelt zusammengefasst. Das Modell des SINUS-Instituts geht damit deutlich über Forschungsansätze hinaus, welche junge Menschen ledig­lich nach Bildung, Geschlecht oder Migrationshintergrund differenzieren. Die Beschreibungen der Lebenswelten beruht auf narrativen Interviews sowie kreativen Selbstzeugnissen der Befragten und Fotos ihrer Wohnwelten. EIN BLICK IN SINUS-LEBENSWELTEN

Das Modell der SINUS-Lebenswelten u18 bildet diese horizontal auf einer dreigeteilten Werteachse (traditionell, modern, postmodern) und vertikal nach dem Bildungsgrad ab: Je höher eine Lebenswelt in dieser Grafik abgebildet ist, desto 6


WIE TICKEN JUGENDLICHE?

gehobener ist die Bildung; je weiter rechts sie positioniert ist, desto moderner im soziokulturellen Sinn ist die Grundorientierung. Für jede Lebenswelt liegt eine ausführliche Beschreibung der lebensweltlichen Basisorientierung, zu den Zukunftsvorstellungen, zur kulturellen Orientierung, zu Freizeit und Vergemeinschaftung und weiteren Aspekten des Alltages vor (Calmbach u. a. 2012, 2016).

Abb. 1 Sinus-Lebensweltmodell u18

DIE KONSERVATIV-BÜRGERLICHEN

Bildquelle: SINUS/Pixabay

Die konservativ-bürgerlichen Jugendlichen verstehen sich als die „Normalen“ unter ihren Altersgenossen. Sie versuchen möglichst schnell ihren Platz in der Erwachsenen­welt zu finden und haben für sich ein festes und geradliniges Bild für ihren weiteren Lebens­lauf, den sie so wenig wie möglich dem Zufall überlassen möchten. Ihre Zukunftswünsche sind von Bescheidenheit, Beschaulichkeit, Nüchternheit und Realismus gekennzeichnet. Auch die regionale Verwurzelung und die Nähe zu Heimat und Herkunftsfamilie spielen dabei eine wichtige Rolle: „Und mit 35 habe ich vielleicht eine Familie und wohne in meinem eigenen Haus, nicht so weit weg von hier. Ich will schon gerne hierbleiben eigentlich. Das ist so schön ruhig.“ (weiblich, 17 Jahre) Besonders bedeutsam sind für Konservativ-Bürgerliche Anpassungs- und Ordnungswerte sowie Kollektivwerte und soziale Werte wie beispielsweise Gemeinschaft, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, Familie und Geselligkeit. Speziell in den westlichen Bundesländern sowie unter muslimischen Jugendlichen spielen auch Glaube und religiös geprägte Tugenden eine wichtige Rolle. Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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WIE TICKEN JUGENDLICHE?

DIE SOZIALÖKOLOGISCHEN

Bildquelle: SINUS/Pixabay

Sozialökologische Jugendliche sehen es als ihre Pflicht an, sich mit ihrer Meinung und ihrem Engagement einzubringen. Sie setzen sich für Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Chancengleichheit sowie den Schutz der Umwelt ein. Dabei äußern sie sich häufig sozial- und systemkritisch und distanzieren sich von materialistischen Werten: „Da gibt es doch dieses Sprichwort von Gandhi, ‚Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst’, also das finde ich schon eigentlich gut.“ (weiblich, 17 Jahre) Sozialökologische zeichnet ein vergleichsweise starkes „Sendungsbewusstsein“ aus, sie möchten andere von ihren Ansichten überzeugen und sie ebenfalls für „ihre Sache“ gewinnen. Entsprechend typisch ist es daher, dass Sozialökologische sich sowohl sozial als auch politisch engagieren. Ihnen ist es wichtig, ihren eigenen Horizont und ihre Fähigkeiten kontinuierlich zu erweitern. Sie haben großes Interesse an anderen Ländern bzw. Kulturen und globalen Zusammenhängen und planen, so viel wie möglich zu reisen: „Ich finde halt, das ist interessant mit den Kulturen, wie die Leute so leben und die Traditionen und so. Also ich glaube, in fast allen Ländern und Kontinenten ist das anders als hier. Weil ja jeder eine andere Kultur hat. Und die Menschen kennenlernen und so. Also wir sind ja irgendwie da so schon verwöhnt. Zum Beispiel, wenn man jetzt nach Indien oder so gehen würde, es gibt Leute, die auch mit weniger glücklich sind. So was finde ich interessant und schön zu beobachten.“ (weiblich, 17 Jahre)

DIE EXPEDITIVEN

Bildquelle: SINUS/iStock

Nicht an-, sondern weiterkommen in ihrem Leben möchten Expeditive. Deshalb sind sie sehr mobil und darauf bedacht, den eigenen Erfahrungshorizont kontinuierlich zu erweitern. Sich selbst beschreiben sie als die urbane und kosmopolitische kreative Elite und gehen ihre weitere Lebens- und Karriereplanung außerordentlich selbstbewusst an. Sie gehen davon aus, dass sie das Rüstzeug mitbringen, um in einer globalisierten (Arbeits-) Welt Karriere machen zu können: „Ich denke nur, man sollte alles nicht so ernst nehmen oder streng, einfach so ein bisschen locker immer bleiben und runterkommen erst mal. So unbeschwert auf die Sachen zugehen und dann wird das alles schon. Ich glaube, man muss immer vor allem an sich selber denken und man darf nicht so sehr an andere denken dabei, wenn man wirklich etwas erreichen will. Weil ich glaube, es denken nicht so viele wirklich an die anderen. Und wenn du für dich zwar an die anderen denkst, aber keiner denkt dann mehr an dich, das bringt dir dann auch nichts mehr. Ich glaube, man muss schon ein bisschen egoistisch sein in vieler­lei Hinsicht und vor allem auch selbstbewusst und eine eigene Meinung über die Dinge haben.“ (weiblich, 16 Jahre) Expeditive leben nach dem Motto „Work hard, play hard“. Neben allem Spaß und Freizeitleben mit oftmals unkonventionellen und kreativen Hobbys möchten sie auf alle Fälle beruflich etwas erreichen und Karriere machen.

DIE ADAPTIV-PRAGMATISCHEN

Bildquelle: SINUS/iStock

Anpassungs- und Kompromissbereitschaft sowie Realismus bezeichnen die Adaptiv-­ Pragmatischen als ihre Stärken. Sie versuchen möglichst ohne „Anecken“ durchs Leben zu kommen und orientieren sich dabei nicht an Utopien und Ideologien, sondern am Machbaren und v. a. an den gültigen Normen und Regeln. Adaptiv-Pragmatische sehen sich als verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger, die künftig pünktlich Steuern zahlen und dem Staat nicht auf der Tasche liegen wollen. Ihr Platz ist in der Mitte der Gesellschaft, ihre Werte und ihr Lebensstil sind der Maßstab für Normalität: „Ich würde sagen, das ist so ziemlich das, was im Moment jedes Mädchen trägt. Es ist keine spezielle Richtung, sondern ich kaufe das, was mir gefällt. Aber das ist meistens auch das, was gerade in den Geschäften ist. Ich muss dafür nicht in Spezialgeschäfte gehen.“ (weiblich, 14 Jahre) 8


WIE TICKEN JUGENDLICHE?

Insgesamt haben Adaptiv-pragmatische Jugendliche durch Schule, Familie und Hobbys viele feste Termine im Wochenablauf und einen verplanten und vollen Alltag, in dem die Zeit manchmal knapp wird.

DIE EXPERIMENTALISTISCHEN HEDONISTEN

Bildquelle: SINUS/iStock

Sie wollen das Leben in vollen Zügen genießen und den Ernst des Lebens möglichst lange ausblenden. Man lebt vor allem im Hier und Jetzt und mag es gar nicht, wenn das Leben nur aus Vorschriften besteht. Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden und Regeln, um sie zu brechen: „Also ein bisschen revolutionär, dass man halt ein bisschen wirklich aus der Reihe tanzt und nicht das macht, was man so vorgeschrieben bekommt. […] dass man halt ein freieres Leben hat, auch dass man nicht so sehr von der Gesellschaft beeinflusst wird, finde ich ganz interessant.“ (männlich, 17 Jahre) Typisch bürgerliche Werte wie beispielsweise Bodenständigkeit, Gewissenhaftigkeit, Gehorsam, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit oder Ordnung werden abgelehnt, Schule durch die langweilige Routine als notwendiges Übel angesehen und auch die Zukunftsplanung ist alles andere als bürgerlich: „Ich will auf jeden Fall die coolste Oma aller Zeiten werden. Ich will mit 80 einen Roadtrip auf der Route 66 mit einem Bike machen. Und dann möchte ich verhaftet werden. Und ich möchte etwas klauen und dann behaupten, ich habe Alzheimer, ich kann mich an gar nichts erinnern.“ (weiblich, 17 Jahre)

DIE MATERIALISTISCHEN HEDONISTEN

Bildquelle: SINUS/Pixabay

Sie sind sehr konsum- und markenorientiert und immer auf der Suche nach Luxusgütern und Schnäppchen. Shoppen, Party, Geld und Urlaub sind die coolsten Sachen der Welt. Sie möchten Spaß und ein „gechilltes Leben“ führen, in welchem Konsum klar vor Sparsamkeit kommt: „Ich mag schon lieber Markensachen als so H&M, aber es ist meistens einfach viel zu teuer. Aber ich mag schon so eher, also wenn ich feiern gehe, mag ich es schick. (…) Die Hosen von Hollister sind ganz gut und so Superdry. Michael Kors, aber da habe ich nur eine Tasche von, weil es so teuer ist.“ (weiblich, 17 Jahre) An Freizeit mangelt es nicht, allerdings wird teilweise die Langeweile des Alltags betont, aus der man auszubrechen versucht: „Am Wochenende treffen wir uns. Manchmal, keine Ahnung, da trinken die Jungs Alkohol. Dann sagen wir, lasst uns mal feiern gehen. Dann gehen wir feiern und manchmal trinken wir auch im Park.“ (männlich, 17 Jahre) Schnell finanziell unabhängig sein und möglichst früh eine Familie gründen sind wichtige Ziele.

DIE PREKÄREN

Bildquelle: SINUS/iStock

Prekäre Jugendliche haben von allen die schwersten Startvoraussetzungen. Der französische Begriff précaire bedeutet übersetzt „heikel“, „unsicher“ und „widerruflich“ – und umschreibt das Lebensgefühl und die Lebenssituation dieser Jugendlichen. Ihre Biografie weist schon früh erste Brüche auf wie beispielsweise problematische Familienverhältnisse, Schulverweise oder psychische Krankheiten. Jugendliche dieser Lebenswelt sind sich dessen bewusst und bemüht ihre Situation zu verbessern um „hier rauszukommen“: „Mein Lebensmotto ist: Egal wie oft man hinfällt, es kommt immer darauf an, wie oft man aufsteht.“ (männlich, 16 Jahre) Vorbilder sind deshalb oft „Kämpfertypen“. Man hat den starken Wunsch, dazuzugehören und „auch mal etwas richtig gut zu schaffen“, nimmt jedoch wahr, dass das nur schwer gelingt. Aufgrund der elterlichen Herkunfts­milieus wachsen diese Jugendlichen häufig in schwierigen Wohnumfeldern auf, im Zentrum sogenannter sozialer Brennpunkte. Auch die Zukunftsplanung ist ein schwieriges Thema. Oftmals zeigen sich Jugendliche dieser Lebenswelt sehr empfänglich für die mediale Präsentation beruflicher Vorbilder: „Also, wenn es klappt, dann bin ich mit 25 Fußballprofi.“ (männlich, 16 Jahre) Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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WIE TICKEN JUGENDLICHE?

POLITISCHE THEMEN IM FOKUS

Bildquelle: SINUS/iStock, Pixabay, flickr – firesam!; Bearbeitung ydontu

ERGEBNISSE AUS DER AKTUELLEN SINUS-JUGENDSTUDIE 2016 ZU DEN SCHWERPUNKTEN „FLUCHT UND ASYL“ SOWIE „NATION UND NATIONALITÄT“

Mit der Bundeszentrale für politische Bildung als Projektpartner ist seit 2012 der Blick auf das gesellschaftliche und politische Interesse Jugendlicher ein fester Bestandteil der SINUS-Jugendstudie. In der aktuellen Studie wurde neben Geschichte nach den Themen „Nation und Nationalität“ und „Geflüchtete“ gefragt: Was denken Jugendliche über die Zuwanderung Geflüchteter? Wie stehen sie zur immer pluraler werdenden Gesellschaft Deutschlands? Und was verbinden sie heute noch mit dem Begriff Nation?

FLUCHT UND ASYL – „DIE KÖNNEN DOCH NICHTS DAFÜR“ Zum Zeitpunkt der Datenerhebung (Juli bis Oktober 2015) waren Flüchtlinge bereits über Wochen das zentrale Thema in den Nachrichten. Über alle Lebenswelten hinweg waren auch die 14- bis 17-Jährigen an diesem Thema interessiert und hatten sich eine Meinung dazu gebildet: Der überwiegende Teil der befragten Jugendlichen betrachtet die Aufnahme von Geflüchteten grundsätzlich positiv und als humanitäres Gebot: Wir leben in einem sicheren Land und müssen denen helfen, die in Not sind. Kritisiert werden diejenigen, die sich nicht solidarisch zeigen, sowie auch andere europäische Länder mit restriktiverer Asylpolitik. Besonders empathisch äußern sich Expeditive, Sozialökologische und Experimentalistische Hedonisten, aber auch aus allen anderen Lebenswelten ist Mitgefühl und Unterstützung erkennbar: „Und ich finde auch, dass die Flüchtlinge ja überhaupt nichts dafür können, dass die aus ihrem Land vertrieben werden. Und für die ist es ja egal, ob die in Deutschland oder einem anderen Land ankommen. Die wollen ja überhaupt nur Schutz.“ (männlich, 16 Jahre, Prekäre) Für diese weltoffenen Lebenswelten ist auch typisch, dass sie mit der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen die Hoffnung auf ein „bunteres Deutschland“ verknüpfen: „Warum sollte man ihnen kein Asyl gewähren hier in Deutschland, oder warum sollten die nicht hier leben? Ich finde, wenn man irgendwie eine bunte Kultur ist, ist das doch eigentlich viel spannender und viel interessanter zu leben.“ (männlich, 17 Jahre, Experimentalistische Hedonisten) 10


WIE TICKEN JUGENDLICHE?

Allerdings ist eine solch positive Aussage oftmals mit der Einschränkung verbunden: „… solange Deutschland Kapazitäten hat!“ Vor allem in den Lebenswelten der gesellschaftlichen Mitte (Adaptiv-Pragmatische und Konservativ-Bürgerliche) blicken junge Menschen sehr nüchtern auf die Lage – irgendwann ist das Land „voll“: „Ja, irgendwann ist halt wirklich kein Platz mehr da. Aber bis dahin kann man die schon nehmen.“ (männlich, 16 Jahre, Adaptiv-Pragmatische) Verbunden mit derartigen Aussagen ist oftmals die Hoffnung, dass ein Teil der Geflüchteten nach Beendigung der Krisensituation im Herkunftsland wieder dorthin zurückkehren kann. Natürlich fragen sich Jugendliche auch, was die Aufnahme von Geflüchteten für ihr eigenes Leben bedeutet. Einige junge Menschen in prekären Lebenssituationen äußern Befürchtungen, dass die Zuwanderer zu Konkurrenz werden könnten. Bestehende Ressentiments richten sich in erster Linie gegen sogenannte Armutsflüchtlinge. Eine Minderheit unter den Jugendlichen äußert sich fremdenfeindlich, rechtspopulistisch und ablehnend gegenüber Ausländern bzw. Flüchtlingen. In vielen Aussagen stecken tradierte Stereotype, die von den Jugendlichen aber nicht immer als bloße Klischees erkannt werden: „zunehmende Kriminalität“, „Verfall der deutschen Sprache“, „weniger Ordnung und Sauberkeit“: „Weniger gut sind die Flüchtlinge gerade, weil laut den Nachrichten ja irgendwie jeder Flüchtling alles umsonst bekommt, das finde ich jetzt nicht so gut. (…) Und dass sie irgendwie alles zumüllen, habe ich gehört und dadurch auch die deutsche Sprache aussterben soll, habe ich gehört, ja.“ (weiblich, 16 Jahre, Adaptiv-Pragmatische) Ein lebensweltlicher Schwerpunkt bei der ablehnenden Haltung zeichnet sich bei der jungen gesellschaftlichen Mitte (den Adaptiv-Pragmatischen) und den bildungsfernen Lebenswelten ab (Materialistische Hedonisten, Prekäre). Eine gelingende Integration setzt aus Sicht der Jugendlichen einerseits voraus, dass die Zugewanderten schnell die deutsche Sprache lernen. Andererseits ist der Staat in der Pflicht, die entsprechenden Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen und für Unterkunft, Nahrung und Arbeits- bzw. Ausbildungsmöglichkeiten zu sorgen: „Der Staat könnte sie mehr unterstützen mit Hilfsorganisationen, dass sie Deutsch lernen und ins Arbeitsleben reinfinden, dass die Firmen Praktika anbieten, extra für Flüchtlinge.“ (männlich, 15 Jahre, Adaptiv-Pragmatische)

NATION UND NATIONALITÄT – „WOHER MAN KOMMT“ Identitätsfindung, Gruppenzugehörigkeit und die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft sind zentrale Themen der Jugendphase. Ein Großteil der befragten Jugendlichen umschreibt Herkunft lediglich mit „woher man kommt“. „Nation“ spielt also für die Mehrheit der Jugendlichen aus allen Lebenswelten bei der Konstruktion ihrer Identität eine untergeordnete Rolle. Vor allem Jugendliche aus den bildungsnahen Gruppen sind Verfechter und Verfechterinnen einer „postmigrantischen Gesellschaft“ und grenzen sich bewusst vom Konzept der Nation als identitätsstiftendes Merkmal ab: „Aber generell finde ich eigentlich dieses Nationalgefühl, generell von allen Leuten, ein bisschen lächerlich. Weil niemand kann was dafür, wo er geboren ist. Und ich finde, man kann auch nicht stolz darauf sein. Das ist halt so, wie es ist. Warum kann man denn stolz darauf sein, wo man geboren ist? Das hat man nicht selbst erreicht. Deswegen finde ich es generell eigentlich unnötig.“ (weiblich, 16 Jahre, kein Migrationshintergrund, Sozialökologische) Lässt man 14- bis 17-Jährige spontane Assoziationen zu den Begriffen „Nation“ und „Nationalität“ äußern, wird oftmals keine Wertung vorgenommen und die (unterschiedliche) Herkunft weder positiv noch negativ konnotiert. „Das heißt einfach, aus welchem Land man kommt. Aber mehr fällt mir nicht dazu ein, nein.“ (weiblich, 14 Jahre, Migrationshintergrund, Expeditive) Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit einer kritischen Deutung mit dem formalen Bildungsniveau und einer postmoderneren Grundorientierung. Direkte Bezüge zum Nationalsozialismus, zu Rassismus oder Rechtsextremismus stellen entsprechend vor allem bildungsnahe Jugendliche aus dem postmodernen Segment her. Darüber hinaus denken viele Jugendliche beim Stichwort „Nation“ auch an Fußball, die Nationalmannschaft und die Fußballweltmeisterschaft: „Ähm … Ich weiß nicht, was Nation bedeutet. Aber … Ich habe gerade an das Wort ‚Nationalmannschaft’ gedacht.“ (männlich, 15 Jahre, Migrationshintergrund, Materialistische Hedonisten) Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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WIE TICKEN JUGENDLICHE?

Abb. 2 Assoziationen zu den Begriffen „Nation“ und „Nationalität“

Jugendliche mit Migrationshintergrund – insbesondere aus dem traditionellen und dem modernen Segment – zeigen tendenziell eine positivere Haltung gegenüber den Begriffen Nation und Nationalität. Die eigene ethnische Herkunft ist ein wichtiger Identitätsanker und für viele auch ein Quelle des Stolzes. Genannt werden verschiedenen Alltagssituationen, die positiv erlebt wurden und in Erinnerung sind: gemeinsame Essen, Familienfeste, Treffen mit Freunden und Ähnliches. Allerdings erzählen diese Jugendlichen auch immer wieder von Diskriminierungserfahrungen und Abwertungen. Das Spektrum dieser Zuschreibungen reicht dabei von eher harmlosen Klischees („temperamentvolle Italiener“, „lebensfreudige Spanier“) bis hin zu diskriminierenden Verallgemeinerungen. Am ehesten stigmatisiert werden Türken und Araber: „Aber man sieht es auch meistens an dem Aussehen, also wie die Haare sind. So wenn es halt eher ein Schwarzkopf ist, dann weißt du halt, Araber oder Türke oder irgendwie so was in der Art. Man kann das schon leicht so vom Aussehen kann man das schon erkennen.“ (männlich, 16 Jahre, kein Migrationshintergrund, Adaptiv-Pragmatische) Viele Jugendliche reflektieren durchaus, dass es sich dabei um rassistische Vorurteile handelt, und äußern Unbehagen, von diesen beeinflusst zu sein. Insbesondere bei den jüngeren und formal niedrig gebildeten Jugendlichen finden sich häufig naiv anmutende Stereotypisierungen ethnischer Gruppen, die aber nicht den stark abwertenden Charakter manifester Vorurteile haben. Am häufigsten finden sich diskriminierende Charakterisierungen bei Adaptiv-Pragmatischen. Wenn es jedoch um Freunde und Freundschaften geht, spielt die Herkunft keine Rolle. Sehr viele Jugendliche haben Freunde mit einem Migrationshintergrund. Auffällig ist dabei, dass insbesondere in den soziokulturell modernen Milieus eine „postintegrative“ Perspektive zu erkennen ist: Integration oder kulturelle Unterschiede sind für sie kein Thema, v. a. wenn die Freunde in Deutschland geboren und aufgewachsen sind: „Bei meinen Freunden ist mir das vollkommen egal, wo die herkommen. Ich habe so viele Freunde, und die sind alle irgendwie Halb-Indonesier, Halb-Russen, Halb-Türken. Das ist mir vollkommen egal.“ (weiblich, 17 Jahre, Migrationshintergrund, Adaptiv-Pragmatische) (Januar 2016, Christine Uhlmann – SINUS:akademie) 12


WIE TICKEN JUGENDLICHE?

Die Studie „Wie ticken Jugendliche 2016? – Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland“ ist bei Springer VS erschienen und sowohl als Buch wie auch digital als Open Access bei SpringerLink erhältlich. Auftraggeber sind die Akademie des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV-Akademie), die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Vorträge, Workshops und andere Veranstaltungsformate zur Vertiefung der Studienergebnisse bietet die SINUS:akademie an. Weitere Informationen unter www.wie-ticken-jugendliche.de

Literaturverzeichnis

Calmbach, M./Borgstedt, S./Borchard, I./Thomas, P. M./Flaig, B. B. (2016): Wie ticken Jugendliche 2016? Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH Calmbach, M./Thomas, P. M./Borchard, I./Flaig, B. (2012): Wie ticken Jugendliche 2012? Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland. Düsseldorf: Verlag Haus Altenberg Thomas, Peter Martin (2016): Wie ticken Jugendliche? Die Forschung des SINUS-Instituts zu jugendlichen Lebenswelten. In: Syring, Marcus/Bohl, Thorsten/Treptow, Rainer (Hrsg.) (2016): YOLO – Jugendliche und ihre Lebenswelten verstehen, S. 27–39. Weinheim und Basel: Beltz Verlag

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PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

Die Preisträger Alle eingegangenen Projekte waren gelungene Beispiele für jugendliches Engagement. Doch die Jury hat entschieden! Auf den folgenden Seiten findet sich eine ausführliche Vorstellung unserer Gewinnerprojekte, jeweils mit einer kurzen Zusammenfassung sowie dem Statement eines Jurymitglieds.

1. PREIS

MOBIL IM TAL FÜR JUNG UND ALT

GANZ „FLINC“ VON ORT ZU ORT KOMMEN Rat der Jugend stellte in Winden ein ergänzendes Mobilitätssystem vor/ STATEMENT

Im Internet schnell die Mitfahrgelegenheit finden Artikel der Badischen Zeitung vom 04.03.2015, Sebastian Heilemann:

BENJAMIN MILLER

„Oft werden Jugendinitiativen lediglich

Das Jugendmobilitätsprojekt im Zweitälerland nimmt Fahrt auf. Jugendliche im Elztal haben eine Vision, wie sich die Mobilität zwischen den Gemeinden verbessern lässt. Im Zentrum steht eine Online-Mitfahrzentrale.

als Projekt von Jugendlichen für Jugend­ liche gesehen, die Mitbestimmung in einer von Erwachsenen gestalteten Welt wollen. Dass aber wirklich alle von

Wer sich im ländlichen Raum ohne Auto fortbewegen will, hat es mitunter schwer. Vor allem für Jugendliche ist das oft ein Problem. Eine Initiative junger Menschen aus dem Elztal, die sich im vergangenen Jahr zum Rat der Jugend zusammengeschlossen hatte, hat sich des Problems angenommen und ein Mobilitätskonzept entwickelt. Eine Online-Mitfahrzentrale soll den öffentlichen 14

jugend­lichem Engagement profitieren können, zeigt dieses Projekt: Es hilft vom Angestellten bis zum Rentner wirk­ lich jedem, und nicht zuletzt auch der Umwelt.“


PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

Nahverkehr sinnvoll ergänzen und die Löcher im Fahrplan von Bus und Bahn abdecken. Am Freitag stellten die Jugendlichen ihr Konzept im Rathaus in Winden vor und fanden Gehör bei den Bürgermeistern der Elztalgemeinden. In Zukunft sollen Autofahrer zum Beispiel freie Plätze in ihrem Auto für bestimmte Strecken auf der Mitfahrzentrale Flinc im Internet anbieten können. Jemand, der das gleiche Ziel hat, kann den Fahrer dann kontaktieren. Für einen kleinen Kostenbeitrag des Mitfahrers gelangen beide an ihr Ziel. Der Unter­ schied zu herkömmlichen Mitfahrzentralen ist, dass Flinc für kurze Strecken gedacht ist. In Kombination mit der bestehenden Streckenabdeckung des öffent­ lichen Nahverkehrs sollen Menschen im Elztal so mobiler werden. Dass das System funktioniert, zeigt das Beispiel von St. Georgen. In der Stadt im Schwarzwald läuft bereits ein ähnliches Projekt – mit großem Erfolg. Doch bei einem Fremden einfach ins Auto zu steigen ist nicht jedem so ganz geheuer. Deswegen setzt der Rat der Jugend auf ein sogenanntes Vertrauensnetzwerk. Potenzielle Fahrer und Mitfahrer aus der Region sollen sich kennenlernen. Dafür seien im Vorfeld viele Treffen nötig, um ein gewisses Maß an Sicherheit zu schaffen. „Das ist einfach eine Veränderung in der Mobilität, wie wir sie heute pflegen. Deswegen wollen wir so viele Leute wie möglich dafür begeistern“, sagt Pablo Rebholz vom Rat der Jugend. Politisch wird die Vision der Jugendlichen durchaus ernst genommen. Im April soll eine Mobilitätskonferenz stattfinden, bei der die Bürgermeister und Gemeinderäte über das neue Konzept sprechen sollen. Das Landesverkehrsministerium hat Mittel in Höhe von 16.500 Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt. Denn das Thema Mobilität ist nicht nur ein Thema im Elztal, sondern in allen ländlichen Räumen. Dafür könnte das Projekt Modellcharakter ent­ wickeln. Auch eine Zusammenarbeit mit der SBG ist in Planung. Das Mobilitätskonzept ist das Ergebnis des Jugendbeteiligungsprojekts „Zukunft der Jugend im ländlichen Raum“, das Anfang des vergangenen Jahres startete. Jugendliche aus den Gemeinden des Elztals, aus Biederbach, Gutach, Simonswald, Winden und Elzach überlegten, was das Elztal für Jugendliche attraktiver machen könnte, und gründeten einen Rat der Jugend. Dabei stand immer das Thema Mobilität imVordergrund.

MOBIL IM TAL FÜR JUNG UND ALT Elzach www.mobil-im-tal.de

Mit diesem Mobilitätsprojekt im Zweitälerland helfen Jugendliche der kompletten Gemeinschaft von Jung und Alt, erreichbar zu sein, und schonen die Umwelt.

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PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

„PIMP MY TOWN“ – JUGENDFORUM 2. PRE

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„PIMP MY TOWN“ – JUGENDFORUM

„Wie können wir unsere Stadt aufmotzen?“ – so lautet, frei übersetzt, die Übersetzung des Projekttitels. In Radolfzell widmeten sich rund 20 junge Menschen bei einem Jugendforum dieser zentralen Frage. Die Altersspanne der diskutierenden jungen Leute (von 12 bis 20 Jahre) war hierbei ebenso so groß wie die Spannweite der Themen (Integration, Natur und Umwelt, Abendgestaltung, Veranstaltungen für junge Leute, Seeufergestaltung, Sportangebote, Einkaufsmöglichkeiten, Mobilität sowie öffentlicher Nahverkehr). Dem Betrachter, der Betrachterin dieser Themenfülle fällt hierbei die Nähe zu Tagesordnungspunkten einer Gemeinderatssitzung auf. Auch hier führen Mobilität, Freizeitangebote sowie integrative Maßnahmen, um nur einige Paralleli­täten herauszugreifen, zu vielfältigen Diskussionen. Daher ist das Radolf­zeller Jugendforum keine Einzelveranstaltung im weiten Raum, sondern Teil des Stadtentwicklungsplanes „step2030“ und der Jugendgemeinderat ist maßgeblich in diesen Prozess mit eingebunden. Doch wie weckt man bei Radolfzeller Jugendlichen das Interesse, sich an der Gemeindeentwicklung zu beteiligen? Diese Frage scheint fast noch zentraler zu sein als die „Pimp“-Frage. Der Jugendgemeinderat setzte hier auf grafisch gut gemachte Postkarten und Plakate, die durch Komik neugierig machen. Ein Kommentar des JGR-Mitglieds Abdolrahman Khaled Rasoul war die Steilvorlage zum Werbekonzept: Es wäre doch wünschenswert, dass Radolf­zell sich am Samstagabend nicht wie am Sonntagmorgen anfühlt. Die grafische Antwort darauf: das Bild einer Wüste mit einem verwehten Strauch. Die Bildunterschrift dazu: „Samstag Abend in Radolfzell und bei dir so?“. Die Motive sind in den nächsten Wochen auf Plakaten in Radolfzell zu sehen, die Postkarten werden jedem Jugendlichen zugesandt. Die Botschaft ist klar: 16

STATEMENT REBECCA NOTTER

„‚Politik – das machen die Erwachse­ nen.’ Oder noch schlimmer: ‚Politik – hab ich sowieso nichts zu sagen.’ Dieser ver­ breiteten Meinung möchte das Projekt ‚Pimp my town’ entgegenwirken. Es be­ weist, wie wichtig auch die Meinung der Jüngeren ist und dass sie diese gerne äußern dürfen. So werden etwa Probleme angesprochen, die die Er­ wachsenen in ihrem Alltag nicht sehen, und neuartige Vorschläge eingebracht. Die Stadt ist der Lebensraum all ihrer Bewohner – diesen, und besonders den Jüngeren unter ihnen, einen offeneren Zugang zur Mitentscheidung zu ermög­ lichen, ist ein großartiges Projekt, von welchem noch viel mehr Städte und Ge­ meinden profitieren können.“


PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

Deine Ideen, Meinung und Vorschläge sind gefragt. Du kannst Radolfzell mitgestalten. Und nicht nur Jugendliche ließen sich zum Jugendforum einladen. Auch Vertreter des Seniorenrats kamen und diskutierten mit. Hieraus entstanden wiederum Ideen für gemeinsame Aktivitäten zwischen Jung und Alt. Doch was passiert mit den Ergebnissen des Jugendforums? Allen ist klar, wenn die erarbeiteten Inhalte wirksam werden sollen, müssen sie nach außen transportiert werden können. Und diese Möglichkeit gab es in der Radolf­ zeller Vernetzungswerkstatt, einem Bürgerworkshop für Erwachsene und Teilnehmende des Jugendforums. Schritt für Schritt geht es nun weiter, werden Pro und Contra diskutiert und die verschiedenen Bedarfslagen und Wünsche gehört. Doch nicht nur die jungen Menschen haben Wünsche für Radolfzell. Diesen Ansatz haben Jugendliche des Café connect verfolgt. In einem Video­ projekt interviewten sie Passanten und fragten nach: „Was fehlt Ihnen“, „Was soll verbessert werden?“ Auch diese Aktion war Teil des Stadtentwicklungsplans 2030. Und so zeigt der Jugendbeteiligungsprozess in Radolfzell zwei Seiten auf: Jugendliche werden zu ihren Wünschen befragt und können ihre Vorschläge einbringen. Und. Jugendliche befragen Erwachsene und leiten deren Anliegen weiter. Man darf gespannt sein, wie sich der angestoßene Prozess weiterentwickelt. „Pimp my town“ – das könnte was werden.

„PIMP MY TOWN“ – JUGENDFORUM Radolfzell www.radolfzell.de/step2030

Im Jugendforum haben Kinder und Jugend­liche zwischen 12 und 20 Jahren über Themen diskutiert, die aus ihrer Sicht in den nächsten 15 Jahren wichtig sind, und haben anschließend eigene Ideen ausgearbeitet. Darüber hinaus haben Jugendliche des Café connect bei einem Videoprojekt Passanten nach ihren Wünschen für Radolfzell interviewt. Der Jugendgemeinderat unterstützte und gestaltete diese Aktionen. Sein Ziel ist es, dass sich die Radolfzeller Jugend bei der Stadtentwicklung miteinbringt/einbringen kann.

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PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

3. PRE

IS STATEMENT SEVINC CELEBI

„Was ich so toll an diesem Projekt finde, ist, dass sich Schülerinnen und Schüler und Studentinnen und Studenten Hand in Hand für Integration und Toleranz ein­ setzen. Sie unterstützen nicht nur Schü­ lerinnen und Schüler aus Brennpunkt­ schulen in ihrem Schulleben, sondern zeigen ihnen, dass sie viel mehr schaf­ fen können! Ein super Projekt mit einer Vorbildfunktion!“

BILDUNG MIT VERTRAUEN

ZUWANDERER HILFT JUNGEN ZUWANDERERN Artikel der metallzeitung, Oktober 2015, Dirk Erb:

Mehmet Doymaz kam mit 15 Jahren nach Deutschland. Er schaffte sein Abitur und studiert jetzt. Das können andere Zuwandererkinder auch schaffen, sagte er sich. Dabei hilft er ihnen nun, gemeinsam mit anderen studierenden Migranten. Mehmet Doymaz und sein Nachhilfeschüler Bob strahlen um die Wette in die Kamera. Sie treffen sich regelmäßig hier, an einem ihrer Lernplätze auf dem Campus des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), direkt neben der Bibliothek. Doymaz studiert hier Ingenieurwesen für Verfahrenstechnik. 18


PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

Eigentlich hat Mehmet Doymaz mehr als genug zu tun. Gerade sind Prüfungen. Dennoch nimmt er sich seit drei Jahren regelmäßig Zeit für Bob, gibt ihm nicht nur Nachhilfe, sondern spricht auch mit ihm über seine Pläne und Probleme. Dafür verzichtet Doymaz aufs Weggehen und Feiern mit Freunden. „Das gehört einfach zu meinem Leben. Andere machen Sport. Ich mache etwas für die Menschen und die Gesellschaft.“ Es hat sich gelohnt: Bob hat gerade seinen Realschulabschluss geschafft, mit deutlich besseren Noten als erhofft. Nun macht er ein freiwilliges soziales Jahr in einer Kita und geht danach ans Gymnasium, um sein Abitur zu machen. Dabei ist Bob erst vor sechs Jahren aus Thailand nach Deutschland gekommen.

BILDUNG MIT VERTRAUEN Karlsruhe www.sprungbrett-bildung.de

MIT 15 NACH DEUTSCHLAND

Mehmet Doymaz weiß, wie es Bob geht: Er selbst kam vor acht Jahren mit seiner Familie und vier Geschwistern aus dem Osten der Türkei nach Deutschland. Sein Vater, ein Provinzbeamter, hatte notleidende Kurden mit Hilfsgütern unter­stützt und damit den Ärger der Regierung auf sich gezogen. Ein Flüchtling mit 15 Jahren in Pforzheim, ohne einen Brocken Deutsch, der Vater hat einen mittleren Schulabschluss, die Mutter ist Analphabetin. Eigentlich hatte Doymaz keine guten Startchancen. Doch er hatte Ehrgeiz. Er wollte es unbedingt schaffen. Sechs Monate lang lernte Mehmet Doymaz Deutsch. Danach ging er zunächst zwei Jahre auf die Hauptschule, dann nach der neunten Klasse an die Werkrealschule und nach einem Jahr an ein berufliches Gymnasium. Es war schwer am Anfang mit der deutschen Sprache, erinnert sich Doymaz. Sein erster Deutschaufsatz am Gymnasium war noch voller Grammatikfehler. Doch Doymaz biss sich durch. „Ich hatte immer ein Wörterbuch dabei,

Das Projekt setzt sich dafür ein, dass man durch Bildung die Integration, Toleranz und das soziale Engagement in den gesellschaftlichen Vordergrund rückt. Durch kostenlose Nachhilfe und vielfältige Angebote an ideellen Veranstaltungen möchten sie ein vertrautes Umfeld für Schüler aus Brennpunktschulen schaffen.

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PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

habe zu Hause Grammatik gelernt und von Anfang an auch mit meinen türkischen Mitschülern konsequent Deutsch gesprochen.“ Vor drei Jahren machte Doymaz sein Abitur – mit der Note Zwei in Deutsch – und studiert am KIT. Das können andere Zuwandererkinder auch schaffen, sagte sich Doymaz – und beschloss, ihnen dabei zu helfen. Schon als Gymnasiast betreute er in den Ferien Flüchtlingskinder aus dem Irak, gemeinsam mit Lehrern und Sozialarbeitern. Ein Sozialarbeiter, mit dem er schon in der Hauptschule Kickerturniere organisierte, hatte ihn gefragt. HILFE WEITERGEBEN

„Ohne Hilfe schaffst du es nicht, wenn du nach Deutschland kommst“, meint Doymaz. „Oft wird für die Integration zu wenig getan. Du musst das Glück haben, Leute zu treffen, die an dich glauben und dich unterstützen.“ Doymaz hatte das Glück: Eine Lehrerin auf der Hauptschule erkannte seinen Ehrgeiz und sein Potenzial trotz seiner Sprachprobleme. Sie schlug ihn für das Programm „Talent im Land“ vor, mit dem das Land Baden-­Württemberg und die Robert-Bosch-Stiftung begabte Zuwanderer­kinder fördern. Auch am KIT in Karlsruhe studiert Doymaz nun mit einem Stipendium. Die Hans-Böckler-Stiftung der DGB-Gewerkschaften unterstützt ihn mit ihrem Programm „Aktion Bildung“ für sozial benachteiligte Studierende. „Ich habe Hilfe bekommen. Das will ich an andere weiter­ geben“, erklärt der 24-Jährige. Am KIT tat er sich mit anderen „Talent im Land“-Stipendiaten zusammen, die wie er als Jugend­

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liche nach Deutschland gekommen waren. Ihre Idee: Studierende Migranten helfen jugendlichen Migranten. Sie gründeten den Verein „Sprungbrett Bildung“ und gingen an die Schulen, um Schüler zu finden. „Anfangs waren die Schulleitungen skeptisch“, erzählt Doymaz. „Die Lehrer glauben meist nicht daran, dass die neu zugewanderten Schüler etwas hinkriegen, und fördern sie auch nicht. So war es anfangs auch bei Bob. Wir jedoch wollen zeigen: Es gibt einige, die weiterkommen können.“ Dabei geht es um mehr als Nachhilfe: Die Studierenden sind Vorbilder für die Schüler, Zuwanderer wie sie, die es trotzdem geschafft haben. Ihnen ist die soziale und kulturelle Integration wichtig. Deshalb machen sie mit den Schülern auch Ausflüge, ins Kino, ins Museum und in andere Städte. Mittlerweile sind auch zwei deutsche Schüler dabei. „Es gibt auch deutsche Jugendliche, die sozial benachteiligt und ausgeschlossen sind“, meint Doymaz. „Die müssen wir genauso integrieren.“ ETWAS ZURÜCKGEBEN

Seit zwei Jahren ist Doymaz auch in der IG Metall. Bei der Hans-Böckler-Stiftung, die ihm sein Studium finanziert, traf er andere Stipendiaten, die Mitglieder der IG Metall sind – und trat selbst ein. „Ich finde das eine gute Sache: gemeinsam für Tarifverträge und all die anderen Leistungen. Das wird mir ja auch später im Betrieb helfen“, erklärt Doymaz. „Außerdem haben mir die Gewerkschaften mit ihrer Stiftung überhaupt erst mein Studium ermöglicht. Da ist es klar, dass ich auch etwas zurückgebe.“


PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

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GIRLS FOR GIRLS – WIR HELFEN FLÜCHTLINGSMÄDCHEN

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GIRLS FOR GIRLS – WIR HELFEN FLÜCHTLINGSMÄDCHEN

VANESSA GÄRTNER

„Girls for Girls“. Der Name betont die Grundidee des Projekts: Mädchen und Frauen unterstützen und helfen sich gegenseitig.

„Ich meine, dass von den vielen jun­ gen Frauen, die derzeit zu uns flüch­ ten, zu wenig Notiz genommen wird.

„Wir helfen Flüchtlingsmädchen“. Der Slogan gibt Aufschluss über die Absichten des Projekts.

Doch auch sie benötigen starke Unter­ stützung, nicht nur Männer und Kinder.

„Jede Woche eine Stunde eine gute Tat.“ Der Claim hebt sowohl die ehren­ amtliche Tätigkeit als auch die Einfachheit des Helfens hervor. Mit einer Stunde pro Woche kann man bereits eine gute Tat vollbringen. Angesprochen sind hier junge Frauen, die sich sinnvoll ehrenamtlich engagieren wollen, die eine gute Möglichkeit suchen, wirksam zu werden. „Girls for Girls“ ist also ein Tandem-Projekt, das ehrenamtliche Helferinnen und geflüchtete Frauen und Mädchen zusammenbringt. Einmal in der Woche treffen sich die Tandempartnerinnen zu gemeinsamen Aktivi­ täten. Dabei kann es sich um eine Stadterkundung, einen Besuch auf dem Markt mit anschließendem Kochabend, Begleitung zu Terminen bei Behörden, bei Ärzten oder zur Schulanmeldung sowie um ein Treffen zum gegenseitigen Austausch handeln. Die Tandempartnerinnen werden mit Plakaten und Stickern an Orten, an

Daher sollten sie nicht vergessen wer­ den. ‚Girls for Girls’ ist ein tolles Projekt, das jungen Frauen die Voraussetzung für eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft möglich macht und ihnen das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein.“

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PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

denen sie sich aufhalten, auf das Projekt aufmerksam gemacht. Weitere Informationen können auf der Website und auf der Facebook-Seite gefunden werden. Die persönliche Tandempartnerin kann den geflüchteten Frauen und Mädchen helfen, die alltäglichen wie auch die büro­kratischen Hürden zu überwinden. Unser Ziel ist es, die geflüchteten Frauen und Mädchen durch wöchentliche Begleitung und gemeinsame Aktivitäten zu integrieren, damit sie die Chance erhalten, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden und wohlzufühlen. WIE KAM ES ZU DIESER KONZEPTENTWICKLUNG?

Die Projektleiterinnen recherchierten in mehreren Flüchtlingsunterkünften. Bei ihren Besuchen fiel ihnen auf, dass sich hauptsächlich männliche Flüchtlinge in den Gemeinschaftsräumen aufhielten. In den Gesprächen mit den Sozial­ arbeiterinnen und Sozialarbeitern stellte sich heraus, dass die meisten Frauen nur selten ihre Zimmer verlassen. Woran liegt das? Und wie gelingt uns der Zugang zu Mädchen und jungen Frauen? „Anfangs waren wir sehr enthusiastisch, viele der Frauen für unser Projekt begeistern zu können. Nach einer Umfrage erwies sich das Interesse jedoch als eher gering. Dies war ein 22

Rückschlag und wir fingen an, unser Konzept ganz in Frage zu stellen“, so die Projektleiterinnen. Nach Gesprächen, unter anderem mit der Frauenbeauftragten der Stadt Mainz, und intensiverem Kontakt zu einigen geflüchteten Frauen, entschlossen sie sich, „Girls for Girls“ trotz aller Schwierigkeiten umzusetzen. Jana Kocher berichtet: Zu Beginn meiner Arbeit war es mir möglich, die Unterkünfte in Stuttgart-Birkach und Stuttgart-Neugereut zu besichtigen. Daraus ergab sich ein erstes


PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

Kennenlerntreffen. Es diente zuallererst dazu, die geflüchteten Frauen und Mädchen kennenzulernen und sie über das Projekt zu informieren. Wir verfolgten drei Ziele bei diesem Treffen: Erstens ging es darum, Vertrauen bei den geflüchteten Frauen und Mädchen aufzubauen. Zweitens sollten die geflüchteten Frauen und Mädchen dazu ermutigt werden, bei unserem Tandem-­ Projekt „Girls for Girls“ teilzunehmen. Drittens sollten sie die Möglichkeit bekommen, bei der weiteren Ausgestaltung des Projekts mitzuwirken. Gerade bei der Zusammenarbeit mit weiblichen Geflüchteten spielt das Thema Vertrauen eine wichtige Rolle. Deshalb ist es uns sehr wichtig, dass das Projekt „Girls for Girls“ einen ausgeglichenen Austausch zwischen geflüchteten Frauen und Mädchen und den Integrationslotsinnen fördert und nicht nur als Hilfe-­ Angebot für weibliche Geflüchtete verstanden wird. Jede soll sich in diesem Projekt gleichberechtigt fühlen. Die geflüchteten Frauen und Mädchen sollen auch das Gefühl bekommen, aktiv an der Integrationsaufgabe mitzuwirken, indem sie ebenso als Multiplikatorinnen für andere geflüchtete Frauen und Mädchen wirken. So kann sich eine vertrauensvolle Basis für die erfolgreiche Integration der geflüchteten Frauen und Mädchen entwickeln. „Girls for Girls“ im Weihnachtsfieber. Bei einem vorweihnachtlichen Treffen kamen mehr als 50 Frauen und Mädchen jeden Alters. Das hat uns unheimlich gefreut und auch bestätigt. Kommuniziert wurde in vier Sprachen: Deutsch, Englisch, Arabisch und Farsi. Als ein Hauptanliegen der geflüchteten Frauen und Mädchen wurde geäußert, zusammen mit der jeweiligen Tandempartnerin an den Deutschkenntnissen zu arbeiten. Mittlerweile stehen nächste Treffen an. Auch sind wir auf der Suche nach weiteren Integrationslotsinnen. Die Rückmeldungen sind so positiv, dass wir sehr gespannt sein können, was sich aus den Tandems heraus alles entwickelt.

GIRLS FOR GIRLS – WIR HELFEN FLÜCHTLINGSMÄDCHEN Stuttgart

„Girls for Girls“ ist ein Mentoren­ programm, das junge Frauen und geflüchtete Mädchen zusammenbringt. Ziel ist es, die geflüchteten und traumati­sierten Mädchen und Frauen durch wöchentliche Begleitung und Aktivitäten zu integrieren und ihnen dadurch zu ermöglichen, sich in der deutschen Gesellschaft zurechtzu­ finden.

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PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

FUSSBALL VERBINDET – KULTUREN HAND IN HAND

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FUSSBALL VERBINDET – KULTUREN HAND IN HAND

Die Schülermitverantwortung des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Reut­lingen möchte jugendliche Asylbewerber aus dem Kreis Reutlingen in den Alltag miteinbeziehen und integrieren. Wie könnte man das „leicht und locker“ angehen? Zum Beispiel über den Sport. Die Idee eines integrativen Fußballwettbewerbs war geboren. Bei dem Turnier wurden die Mannschaften gemischt und bestanden somit aus fünfzig Prozent Schülern und Schülerinnen des Johannes-Kepler-­Gymnasiums und fünfzig Prozent jugendlichen Asylbewerbern. Durch einheitliche Trikots wurde ein Gleichheitsgefühl verschafft und somit den Jugend­lichen gezeigt: „Wir sind alle gleich, keiner wird ausgeschlossen.“ Die Wahl der Sportart wurde nicht nur von Leidenschaft bestimmt. Fußball eignet sich nahezu perfekt. Ein Mannschaftssport, der auch ohne viel sprachliche Kommunikation ausgeführt werden kann – anders gesagt: Es gibt kaum 24

STATEMENT VANESSA GÄRTNER

„Ein Zeichen für Freundschaft und Be­ gegnung setzen, das ist den Schüle­ rinnen und Schülern gelungen. Mit dem Projekt haben sie sehr gut auf­ gezeigt, welche Möglichkeiten der Sport in Sachen Integration eröffnet. Denn der Zugang zum Fußball ist über­ all vor­handen und bedarf nicht vieler Worte. Das macht das ganze Konzept so simpel und dennoch wirksam.“


PROJEKTE 2016  –  DIE PREISTRÄGER

sprachliche Barrieren. Eine internationale Sportart, die den meisten Jugend­ lichen, egal aus welchem Land sie kommen, bekannt ist. Und sollte dies einmal nicht der Fall sein, sind die Grundregeln schnell erlernt. Damit sich am Turniertag alle Teilnehmende und Gäste willkommen fühlen, wurde auf Deutsch, Englisch und Arabisch begrüßt. Schon zu Beginn wurde das Motto „Fußball verbindet – Kulturen Hand in Hand“ sichtbar gemacht. Alle Spieler und Spielerinnen standen auf dem Platz. In einem Kreis. Hand in Hand. Und nach diesem gemeinsamen symbolischen Auftakt konnte der sportliche Teil beginnen. Ein weiterer Mehrwert der Aktion: Durch den Verkauf von Essen und Getränken haben die jugendlichen Akteure Einnahmen in Höhe von über 700 Euro erhalten. Diese wurden anschließend an die Bruderhausdiakonie Reutlingen gespendet, welche das Geld wiederum in die Flüchtlingshilfe investierte. Das Siegerteam durfte einen Ausflug ins Mercedes-Benz Museum nach Stuttgart machen. Auch dies ein kleiner Baustein auf dem Weg zur Integration und Erlernung eines Stücks deutscher Kultur. Was bleibt, sind viele Freundschaften, die innerhalb der Teams Lust auf weitere Projekte machen, die interkulturell und jugendlich besetzt gemeinsam vorbereitet und ausgeführt werden. Das Fazit der Schülermitverantwortung des Johannes-Kepler-Gymnasiums ist eindeutig: Das Beste an dem ganzem Turnier sei es gewesen, die Freude und den Spaß in den Gesichtern zu sehen.

FUSSBALL VERBINDET – KULTUREN HAND IN HAND Reutlingen www.facebook.com/Fußballverbindet-Kulturen-Hand-inHand-1019305244799363

Das Projekt war ein Fußball­turnier, bei welchem Schüler des Johannes-­KeplerGymnasiums gemeinsam in Teams mit jugendlichen Asylbewerbern aus dem Kreis Reutlingen zusammenspielten. Neben dem Sport ging es hier aber um mehr, es ging um das Gemeinschafts­ gefühl und Miteinander.

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PROJEKTE 2016  –  NOMINIERTE PROJEKTE

Nominierte Projekte Auch wenn sie nicht zu den Preisträgern gehören, haben diese Projekte ihre Nominierung verdient. Diese sechs Projekte gehörten zur engeren Auswahl, weshalb sie im Folgenden näher erläutert und von einem Jurymitglied beurteilt werden:

Merhaba in Stuttgart

MERHABA IN STUTTGART Stuttgart www.dtf-stuttgart.de

STATEMENT REBECCA NOTTER

„Nach der Flucht vor Angst, Krieg und Terror wieder eine Heimat zu finden, ist nicht einfach. Ankommen heißt nicht, sich willkommen zu fühlen – beson­ ders, wenn das neue Land fremd und so anders ist. Das Projekt ‚Merhaba in Stuttgart’ möchte den Weg in die neue Heimat nach der Ankunft erleich­ tern. Durch die kulturelle Nähe der Helfer zu den Geflüchteten baut sich eine erste Ver­bindung auf, die bei weiterer Pflege eine Brücke zur Integration bedeutet. Zu dem Gefühl, wirklich angekommen zu sein.“

Jugendliche und junge Erwachsene engagieren sich in dem Projekt seit September 2015 für Kinder und Jugendliche mit Flucht­erfahrung, die neu nach Stuttgart kommen. Sie gestalten mit ihnen und ihren Familien altersgerechte pädagogische Freizeitangebote im Umfeld der Unterkunft, zum Kennenlernen des Stadt­ bezirks und der Stadt sowie zur Förderung der eigenen Entwicklung. 26


PROJEKTE 2016  –  NOMINIERTE PROJEKTE

Freiburg unter Trümmern

SOZIALER ARBEITSKREIS DES FANNY-LEICHT-GYMNASIUMS IN STUTTGART-VAIHINGEN Stuttgart www.vvf-aktiv.de/vereine/item/sozialerarbeitskreis-des-fanny-leicht-gymnasiums-sak

STATEMENT UTE BAYER

„Ich finde die Idee großartig. Wenn Alt von Jung lernt, dann macht Bildung einen erfrischenden Richtungswechsel. Wie schön, wenn sich junge Menschen Zeit nehmen, ihr Wissen weiter­geben und umgekehrt von den Erfahrungen der älteren Genera­ tion profitieren können. Ein hervorragendes Beispiel für gegen­seitige Akzeptanz und Solidarität.“

Eine behördlich anerkannte Arbeitsgemeinschaft für Schüler/-innen und Seniorinnen und Senioren. Hier werden Feste und Kurse für Seniorinnen und Senioren angeboten mit dem Ziel, das gemeinsame Verständnis von Jung und Alt zu fördern.

FREIBURG UNTER TRÜMMERN Freiburg fg-freiburg.de/?p_16274

STATEMENT BENJAMIN MILLER

„Geschichte ist nicht nur etwas weit Entferntes, das wir wie Sagen und Märchen nur aus Büchern kennen. Geschichte ist auch immer ganz konkret vor Ort, wie diese Jugendlichen jetzt wissen. Und ihre Stadt ist auch nicht mehr bloß eine Ansammlung von Häusern, wenn man erst einmal weiß, was in den Straßen, durch die man täglich läuft, schon alles passiert ist.“

Sozialer Arbeitskreis des Fanny-LeichtGymnasiums in Stuttgart-Vaihingen

Oberstufenschülerinnen und -schüler des Friedrich-Gymnasiums Freiburg haben im Schuljahr 2015/2016 die Geschichte ihrer vor 70 Jahren zerstörten Stadt verfilmt. Sie recherchierten die Quellen von damals, die Freiburg unter Trümmern dokumentieren. Sie suchten Bilder von damals, die die Katastrophe verewigten, und trafen die Kinder von damals, die den Kindern von heute erzählen, von jenem versehrten Freiburg der Stunde Null. Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  NOMINIERTE PROJEKTE

JUNGE SYMPHONIKER SÜDBADEN Müllheim www.jungesymphoniker.de

STATEMENT UTE BAYER

„Ein Orchester zu gründen und es zu öffnen für junge Instrumentalisten der gesamten Region Südbaden setzt erheblichen organisatorischen Aufwand voraus. Orchesterarbeit bedeutet, auf andere zu achten, sich selbst zurückzu­ nehmen und sich gut vorzubereiten – alles Erfahrungen, die man auch in anderen Lebenssituationen gut gebrauchen kann. Street-Workout-Park VS

STREET-WORKOUT-PARK VS Villingen-Schwenningen www.bw-lv.de/beratungsstellen/ fachstelle-sucht-villingen-

Darüber hinaus bringt das gemeinsame Musizieren Freude für Spieler und Zuhörer gleichermaßen.“

Das Jugendprojektorchester bietet jungen Instrumentalistinnen und Instrumentalisten der Region die Möglichkeit, mit Gleichaltrigen auf hohem Niveau klassische Orchesterwerke zu erarbeiten.

schwenningen

STATEMENT BENJAMIN MILLER

„Fünf Jungs wollen Street-Workouts machen, aber es gibt einfach keinen Ort dafür. Was machen sie also? Sie bleiben dran, bis einer der besten Workout-­Parks Deutschlands in ihrer eigenen Stadt steht. Genau so muss Jugendbeteiligung aussehen, denn von alleine wird die Stadt nicht zum besseren Ort für Jugendliche.“

Fünf junge Erwachsene verwirklichten ihren Wunsch von einem Street-Workout-Park. Der Workout-Park dient dazu, die Sportart Callesthenics oder Street-Workout auszuführen. 28

Junge Symphoniker Südbaden


PROJEKTE 2016  –  NOMINIERTE PROJEKTE

Aufstand 2015 – das Jugend-Umwelt-Treffen

AUFSTAND 2015 – DAS JUGEND-UMWELT-TREFFEN Stuttgart www.naju-bw.de/projekte/ aufstand/das_jugend_umwelt_ festival_der_naju.php

STATEMENT SEVINC CELEBI

„Beeindruckend, dass Jugendliche eine so große Veranstaltung planen und durchführen. Toll ist die große Abwechslung an Aktivitäten. Diese reichen von Sportworkshops bis hin zu Diskussionsrunden. Ein guter Ausgleich, was sich nach ganz viel Spaß anhört!“ Leo Magazin

Auf dem 5-tägigen Jugend-Umwelt-Festival „Aufstand“ treffen sich jedes Jahr viele junge Leute. Die Angebote reichen von praktischen und sportlichen Workshops und Diskussions­ runden über Entspannung bis zu abendlichen Bandauftritten.

LEO MAGAZIN Leonberg www.youtube.com/channel/ UC5nRCAGqFjPU7xRr5dg9Vrw

STATEMENT BENJAMIN MILLER

„Es gibt unzählige Projekte und Initiativen für Jugendliche vor Ort, und sie alle stehen vor demselben Problem: Wie erfährt man von ihnen? Etwa durch eine Anzeige in der lokalen Zeitung, die leider keiner unter 30 liest? Wohl eher nicht. Es muss also eine Plattform her, auf der man Jugendliche erreicht. Genau so etwas wurde durch das ‚Leo Magazin’ geschaffen – genial!“

Das „Leo Magazin“ ist ein YouTube-Channel von Jugend­lichen für Jugendliche. Medieninteressierten Schülerinnen und Schülern bietet das Projekt die Möglichkeit, sich unter professioneller Anleitung als Videojournalist/-in (bzw. YouTuber/-in) auszuprobieren. Über die so entstandenen Beiträge sollen sowohl die „Medienmacher“ selbst als auch deren Zuschauer über jugendpolitische Themen informiert und für sie begeistert werden. Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

Weitere engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer Es ist immer wieder schön zu sehen, wie viele junge Menschen sich mit den verschiedensten Themen aus­einandersetzen, soziale Verantwortung übernehmen und sich voll und ganz in einem Projekt engagieren. Jedes einzelne dieser Projekte beweist, dass Jugendbildung, Teilhabe und Toleranz schon in jungen Jahren eine große Rolle spielen.

AUSSTELLUNG „DEINE ANNE“

ALLERWELTS-APFEL

Reutlingen

Weil der Stadt-Merklingen

www.naju-bw.de/projekte/aufstand/das_jugend_umwelt_

www.gemeinde.merklingen.elk-wue.de/

festival_der_naju.php

fuer-kinder-und-jugendliche

Jugendliche einer Klasse der Beruflichen Schulen Wilhelm Maybach in Reutlingen gestalteten eine Ausstellung zu Anne Frank. Durch diese Ausstellung führten sie eigenständig die Besucherinnen und Besucher und setzten sich damit besonders mit Fragen zu Identität, Gruppenzugehörigkeit, Diskriminierung, Mobbing und Engagement auseinander.

Kinder und Jugendliche aus der Region lernten gemeinsam mit Flüchtlingen den Apfel als regionales Kulturgut kennen und was man alles damit machen kann. Flüchtlingskinder konnten Apfelsaft pressen, Apfelkuchen backen, basteln und kamen mit Kindern und Erwachsenen ins Gespräch. Kulturelle Besonderheiten wurden ausgetauscht und kulturelle Grenzen überwunden. Das Projekt wurde als Teil der Willkommenskultur verstanden.

Ausstellung „Deine Anne“

AREA 29 Grafenberg

Im Jugendtreff Area 29 treffen sich Jugendliche von 13–19 Jahren, um zusammenzukommen und etwas zu unternehmen. 30


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

vität das Festival gestalten. Das Festival trägt so zu vielfältiger Medienerfahrung, Kompetenz und Teamgeist bei. Benefizkonzert des Gymnasiums Münsingen für Patenkinder in Kenia

AGO – SANITÄRBEREICH Donaueschingen www.verein-ago.de

BENEFIZKONZERT DES GYMNASIUMS MÜNSINGEN FÜR PATENKINDER IN KENIA

Die Projektgruppe hatte ein ökologisches Jugendbildungsangebot etabliert. Mit dem Folgeprojekt wurden die nötigen Sanitär­bauten in Eigenregie zum Abschluss gebracht.

Münsingen

Der Kenia-Ausschuss des Gymnasiums Münsingen unterstützt mit vielen engagierten Teilnehmenden sieben Patenkinder in Kenia, indem er zahlreiche Spendenaktionen durchführt. Im Schuljahr 2015/2016 war das größte Projekt des Ausschusses das Benefizkonzert, das unter anderem durch Wir-macht-Schule geplant wurde. Beim Benefizkonzert am Samstag, dem 30.04.2016, haben Schüler des Gymnasiums sowohl in Kleingruppen musiziert als auch in Form von Einzelbeiträgen mitgewirkt. ALLE VERSCHIEDEN – ALLE GLEICH Mannheim

Die Theatergruppe der 15 bis 22 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen sieben und elf Jahren hatte bereits zwei Theater­ stücke aufgeführt und arbeitete nun an einem weiteren. Sie setzten ihre eigenen Ideen maßgeblich selbstständig um. Alle verschieden – alle gleich

ABGEDREHT – DAS JUGENDFILMFESTIVAL Grünkraut www.abgedreht-filmfestival.de

„abgedreht“ ist ein Jugendfilmfestival für Teilnehmende zwischen 6 und 24 Jahren, die durch eigenen Beitrag und KreatiJugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

mit Unterstützung des Theaterhauses. Das Schickhardt-Gymnasium stellte die Aula zu Verfügung, in der das Catering unter­gebracht war und die als Aufenthaltsort für die 120 Mitarbeitenden diente. Ein Reportage-Team hielt den Tag in einem Film fest.

BEDINGUNGEN DER KOOPERATION MIT SCHULEN Reutlingen sjr-rt.de/themen/kooperation-jugendarbeit-schule

Der Stadtjugendring arbeitete daran, Kooperationen von Schule und anderen Bildungspartnern effektiv zu gestalten. BERUF & CO. – EINE EXPEDITION IN DIE WELT VON BERUF UND AUSBILDUNG Lahr www.beruf-co.de

DAY OF CARING Stuttgart

Schülerinnen und Schüler aus allen weiterführenden Schulen in Lahr planten, organisierten und veranstalteten aktiv und selbstständig eine regionale Berufsinforationsmesse. Sie wurden von Moderatoren und Moderatorinnen aus vielfältigen sozialen und unternehmerischen Bereichen unterstützt. Die Messe als Event war das konkrete Ziel und das Ergebnis der Arbeit der Schülerfirmen.

media.daimler.com/marsMediaSite/de/instance/ko/Dayof-Caring-2016-Fluechtlingshilfe-Daimler-Banker-und-Thea. xhtml?oid=10043026

Die Mitarbeitenden der Mercedes-Benz Bank und Daimler Financial Services restaurierten eine Flüchtlingsunterkunft Day of Caring

CREATE YOUR WORLD – MULTIMEDIA Reutlingen www.jbm-bd.de

Das Projekt bot verschiedene Räume, in denen Jugendliche mit Migrationshintergrund eine Ausdrucksform entwickeln konnten. Sie hatten die Gelegenheit, ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus medial zu thematisieren und/oder mit Menschen darüber zu reden. 32


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

B.u.S. Bildung und Spaß

B.U.S. BILDUNG UND SPASS

BESUCH AUS DEM ALL

Stuttgart www.tgd.de/category/projekte/bus

Bernau

Schülerinnen und Schüler aus Einwandererfamilien wurden von Bildungslotsinnen und Bildungslotsen, selbst mit familiärer Migrationsgeschichte, auf ihrem Bildungsweg unterstützt.

In einer fantasiereichen Märchengeschichte mit Piraten aus dem Weltall wurde die Problematik der ständigen lauten Beschallung und des daraus resultierenden Gehörverlustes aufgegriffen.

BRAUCHTUM IST NICHT „UNCOOL“

CHANCE AUF ZUKUNFT

Kehl-Marlen

Villingen-Schwenningen www.prokids-mentoring.de

Das Projekt beinhaltete kulturelle Bildungsprozesse, in denen Jugendlichen fastnächtliches und heimatliches Brauchtumswissen vermittelt wurde.

In diesem Mentorenprojekt wurden Jugendliche unterstützt, ihren weiteren Berufsweg zu finden. Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

Fragen rund um das Thema Flüchtlinge nach. Sie führten Gespräche mit Geflüchteten, recherchierten über die Hintergründe und schrieben die so erfahrenen Geschichten auf. Außer­dem recher­chierten sie über die Hintergründe von Flucht, Asylrecht und Statistiken. Die entstandene Ausstellung berichtet aus erster Hand über die dramatischen Erlebnisse junger Geflüchteter. Das Meer: Lebensraum des Menschen

„DIE SUCHENDEN“ Buchen/Odenwald www.kolping-buchen.de/aktuelles.html

DAS MEER: LEBENSRAUM DES MENSCHEN Stuttgart www.roemer-stuttgart.de

Kinder und Jugendliche erkundeten in Workshops aus unterschiedlichen Perspektiven das Meer als Lebensraum des Menschen. Die daraufhin entstandenen künstlerischen Meerstücke wurden zu einem großen Meer zusammengefügt und ausgestellt.

Die neu gegründete offene, konfessionsübergreifende Jugend­gruppe der Kolpingsfamilie Buchen/Odenwald er­ arbeitete selbstständig ein Theaterstück, das aus Text- und pantomimischen Szenen bestand. In dem Theaterstück ging es um den Umgang mit Flüchtlingen, deren Schicksal, Gründe für die Flucht, aber auch um das Ankommen bei uns sowie um die Aufnahme und Begegnungen in unserer Gesellschaft.

DER ZAUBERLEHRLING ENDLICH ANGEKOMMEN

Karlsruhe

Karlsruhe www.stja.de

Eine Vorbereitungsklasse und eine fünfte Klasse des Gymnasiums ent­wickelten eine gemeinsame Aufführung von „Der Zauber­lehrling“. Bei gemeinsamen

Jugendliche gingen in dem Projekt des Kinder- und Jugendhauses Mühlburg (Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe) 34


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

Proben wurden Tipps von Expertenteams ausgetauscht. Inhalt und Ausgang des Stücks wurde von den Schülerinnen und Schülern durch Improvisatio­nen und späterem Forumtheater maßgeblich mitbestimmt.

EHRENAMTLICHE HELFER DER KSM Mergentheim www.ks-mergentheim.de

Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Schule Bad Mergentheim führten selbst gewählte Projekte wie gemein­ sames Kochen oder Lernen mit Flüchtlingen und einen Sporttag durch, halfen und engagierten sich ehrenamtlich. Im folgenden Jahr sollen mehr Schülerinnen und Schüler sowie Ideen dazukommen und viele weitere Teilprojekte, wie zum Beispiel eine Plakataktion namens „Kinder helfen Kindern“ durchgeführt werden.

„EUROPA“ – INTERKULTURELL UND INKLUSIV THEATER SPIELEN Waiblingen www.jugendarbeit-rm.de/kreisjugendring-rems-murr/ eine-temporeiche-kurze-auffuehrung/

Im freiwilligen Theaterprojekt wurde „Andorra“ von Max Frisch zu „EUROPA“ umgeschrieben.

ERSTE HILFE LEICHT GEMACHT Mannheim

Der Zauberlehrling

Das Erste-Hilfe-Projekt richtete sich im besonderen Maße an Kinder und Jugendliche der arabischen Schule. Da diese oftmals die einzigen in der Familie sind, die sich in der deutschen Sprache verständigen können, ist es sehr wichtig, gerade sie in Erster Hilfe fit zu machen. Erweitert wurde das Projekt durch verschiedene Präventionsschulungen. Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

FAHRRADWERKSTATT

INITIATIVGRUPPE NEUE RÄUME JUGENDTREFF OST

Singen teestube.blogsport.at

Schwäbisch Gmünd www.schwaebisch-gmuend.de

Eine Jugendinitiative reparierte in ihrem selbstverwalteten Jugendtreff gemeinsam mit Flüchtlingen gebrauchte Fahrräder und gab diese dann kostenlos an die Flüchtlinge ab.

Im Stadtteil Schwäbisch Gmünd-Ost eröffnete eine jugend­ liche Initiativgruppe einen Jugendtreff.

JUGENDRAUMINITIATIVE OCHSENHAUSEN FREIZEITANLAGE FÜR ALLE GENERATIONEN Sigmaringen www.jugendengagement.de/projektstandorte/scheer/ gruppe-freizeitanlage

Ochsenhausen www.facebook.com/juhaox

In Ochsenhausen konnte mit maßgeblicher Beteiligung Jugend­licher ein Jugendtreff eröffnet werden.

In der Gemeinde Scheer fehlte ein Platz in der Natur, wo sich alle treffen konnten. Im Rahmen eines Jugendbeteiligungs­ projektes des 14er-Rates wurde beschlossen, sich für einen solchen Platz einzusetzen.

Freizeitanlage für alle Generationen

FRITZ BAUER UND WIR Laupheim

Mehr als 20 Schülerinnen und Schüler wurden ausgebildet, andere Schülerinnen und Schüler durch die Fritz-Bauer-Ausstellung 36


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

Gemeinsam sind wir unschlagbar! – ein Integrationsprojekt

GEMEINSAM SIND WIR UNSCHLAGBAR! – EIN INTEGRATIONSPROJEKT

zu führen. Besonders bei der Thematisierung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wurde den Jugendlichen klar, wie weit Bauer seiner Zeit voraus war und wie aktuell sein Denken und Handeln ist.

Pforzheim

Vier Schülerinnen erstellten im Rahmen ihres Seminarfachs ein vierwöchiges Programm. In ihrer Freizeit setzten sie es gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Flüchtlingen um. Damit haben sie interessante Geschichten erfahren, Freunde gefunden, integriert, mehr über sich selbst und die anderen gelernt und eine schöne Zeit erlebt.

FLASCHEN.POST [FLASCHEN – PROJEKT FÜR ÖKOLOGISCHES UND SOZIALES TUN] Braunsbach www.facebook.com/pfandhilft

An der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall gibt es seit dem 10. Oktober 2016 die Möglichkeit, Pfandflaschen zu „spenden“, anstatt sie wegzuwerfen. Der Erlös fließt in die Desert Flower Foundation. Die Organisation macht auf FGM (weibliche Genitalverstümmelung) aufmerksam, schützt und unterstützt Mädchen und ihre Familien.

FACTORY OF URBAN ARTS Offenburg

Der Verein Factory Of Urban Arts förderte in einem eigenen Studio junge Künstlerinnen und Künstler aus der Umgebung. Ziel dabei war es, ein Netzwerk aus Tänzergruppen, musizierenden und theaterspielenden Jugendlichen für den Raum Offenburg und Umgebung zu schaffen. Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

raum zu einem offenen Jugendtreff ein. Neben der offenen Arbeit wurden auch Schulungen zu jugendspezifischen Themen wie Drogen, Gewalt, Rechtsradikalismus und Ausgrenzung durchgeführt sowie Filme gezeigt und Ausflüge organisiert.

Geschichte Online/GO-Stuttgart

INTERKULTURELLES LERNFELD BUHREN-BALINGEN Balingen www.transfer-ev.de/interkulturelle_bildung/ikus/index.html

GESCHICHTE ONLINE/GO-STUTTGART Stuttgart www.go-stuttgart.org

Um die NS-Vergangenheit besonders für Jugendliche einfach und ansprechend zu gestalten, haben Schüler zusammen mit „Lernort Geschichte“ eine App entwickelt, die vor Ort Namen und Geschehnisse über historische Gebäude und Orte anzeigt. Auf einer virtuellen Karte wird alles veranschaulicht.

Partner aus der internationalen Jugendarbeit vermittelten zusammen mit dem Schulzentrum interkulturelle Kompetenz und gaben damit Integrationshilfen für junge Menschen mit Migrationshintergrund. Das Projekt nutzte die Potenziale und Chancen der Auseinandersetzung mit Inter­nationalität und Interkulturalität im Kontext der Schule.

FÖRDERUNG DER WILDEN LÖWENJUGEND Stuttgart www.wildeloewenjugend.de/00_00_home.php INTERKULTURELLE JUGENDARBEIT Laichingen

Die alevitische Jugendarbeit richtete im neuen Kultur- und Gemeindezentrum in Laichingen in Eigenarbeit einen Jugend­ 38

Die „Wilde Löwenjugend“ möchte als Jugendorganisation des Landesverbands der Gehörlosen ihre Jugendarbeit modernisieren und vernetzen. Die Organisation ist die einzige in der Region Stuttgart, die Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche mit Hörbehinderung anbietet.


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

in moderner Musik aus. Dazu gehört auch ein passendes Musik­video. Um den Inhalt vor die Musik zu stellen, ver­ anstalteten sie mit vielen Jugendlichen einen musikalischen Friedenszug.

JUGEND BEWEGT KIRCHHEIM UNTER TECK GEISTERSTUNDE AUF SCHLOSS ROGGENBACH Bondorf lets-fetz-chor.de

Der Let’s Fetz Chor führt seit 2000 in regelmäßigen Abständen Musicalprojekte durch, die Kinder und Jugendliche stärken sollen. Das aktuelle Musical sollte ihnen einen Bezug zur Heimat vermitteln.

Kirchheim www.kirchheim-teck.de/de/leben/Jugend-bewegt

Im Programmcoaching ging es darum, für die bereits seit 20 Jahren bestehende Jugendbeteiligung in Kirchheim unter Teck neue und zielgruppengerechte Beteiligungsstrukturen zu entwickeln, wie unter anderem verbindliche Beteiligungsstrukturen zwischen Schulen und Kommunen.

Grenzgänger feat. MC Manar „Peace for Syria“

GRENZGÄNGER FEAT. MC MANAR „PEACE FOR SYRIA“ Adelberg www.simon-hoffmann.com

Durch einen Rap drückten die Gruppe Grenzgänger und der syrische Rapper MC Manar ihren Friedenswunsch für Syrien und ihre Abneigung gegen Krieg Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

Jugend­sozialarbeiterin und ehrenamtlichen Helfenden des Bürgervereins, teilweise auch Jugendlichen der Kolping­ jugend.

JUGEND BEWEGT WEIL DER STADT Weil der Stadt www.weil-der-stadt.de

In diesem Projekt konnten Kinder und Jugendliche ihre Interessen und Wünsche artikulieren. Sie kamen mit politischen Entscheidungsträgern ins Gespräch, waren an Planungsprozessen beteiligt und machten Erfahrungen der Mitgestaltung.

Jugendtreff Ochsenhausen

KLICK 2015 – MEINE STADT Reutlingen www.reutlingen.de/de/Aktuelles+Info/Nachrichten/ Nachricht?view=publish&item=article&id=7001

Für die Gestaltung eines Kalenders und eine Ausstellung wurden Jugendliche angeregt, sich selbst an ihren Freizeit­orten zu fotografieren und Ausschnitte aus ihren Lebenswelten abzubilden. Bei einem freiwilligen Workshop-Angebot erhielten die Fotografinnen und Fotografen eine qualifizierte Einführung in den Bereich Bildbearbeitung, verbunden mit Tipps und Tricks für die Präsentationen.

HIER + WEG – INFOMESSE FÜR FREIWILLIGENDIENSTE Sigmaringen www.landkreis-sigmaringen.de/2379. JUGENDTREFF OCHSENHAUSEN

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Ochsenhausen

In Sigmaringen wurde eine kostenlose Infomesse durchgeführt, bei der Jugendlichen, die noch unentschlossen bei ihrer Berufswahl sind, Angebote für Arbeitsmöglichkeiten nach der Schule im In-/Ausland vorgestellt wurden.

www.asyl-bc.de/initiativen/asyl-ochsenhausen/ events-ochsenhausen/jugendcafe-ochsenhausen

Der Jugendtreff hat immer mittwochs von 17–19.30 Uhr für 11- bis 14-Jährige geöffnet. Er wird begleitet von der 40


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

INTEGRATIVES KLETTERPROJEKT

FOTOGRAFIE – INTEGRATIV!

Freiburg www.eingebundenev.de

Straubenhardt

Größtenteils von ADHS und ADS betroffene Kinder und Jugendliche lernten durch Klettern wichtige Eigenschaften wie eine sinnvolle Selbstwahrnehmung und Eigenverantwortlichkeit, verbunden mit der Fähigkeit, Absprachen einzuhalten. Sie erfuhren dabei, als eigenständig anerkannt, unterstützt und angenommen zu werden.

bewerbungen/37-evangelische-kirchengemeinde-conweiler

www.eaf-wue.de/bischofspreis/bewerbungen/30-

In einem Workshop haben Jugendliche mit und ohne Be­ hinderung die Grundkenntnisse des Fotografierens erlernt.

KINDER SPIELEN, WEIL ES SPASS MACHT Hildrizhausen „JUNG UND PLANLOS“ – MULTIMEDIA-STORYTELING ZUR OB-WAHL IN ULM

Die große Kinderspielstadt auf der Schönbuchlichtung ist für Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren angelegt.

Ulm www.jupa-ulm.de

Im JuPa Ulm (Jugendparlament) haben sich Jugendliche zusammengeschlossen, um selbst etwas zu verändern. In regelmäßigen Sitzungen wurde überlegt, geplant und ausgeführt.

„Jung und planlos“ – Multimedia-Storyteling zur OB-Wahl in Ulm

Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

Kunst aus Krempel in Lauterbourg

übernehmen zu können. Die jungen Menschen werden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt und können mit dem Schwerpunkt der außerschulischen Jugendbildung kooperatives Handeln erproben und Integrations- und Inklusionserfahrungen sammeln.

.KOMM | DIE SCHÜLER.INNENTAGUNG 2015 Freiburg KUNST AUS KREMPEL IN LAUTERBOURG

www.schuelerrat-freiburg.de

Karlsruhe

www.jbw.de/menue/arbeitsbereiche/jugendbuero

www.stja.de

www.freiburgxtra.de

www.beonetzwerk.de

Die Tagung „.KOMM“ fand schon zu dritten Mal in Freiburg im Haus der Jugend statt. Zu Beginn präsentierten die Teilgebenden ihr mitgebrachtes Thema kurz und ordneten es auf dem Stundenplan ein. Danach fanden Workshops, Diskussionen und Vorträge statt. Der in einer Session spontan konzipierte „Lichterlauf gegen Rassismus und Gewalt“ fand eine Woche später mit mehreren Hundert Teilnehmenden in Freiburg statt.

Jugendliche fertigten gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren bunte und vielfältige Objekte aus Materialien, die im Müll gelandet wären. 20 Altenpflege-Azubis der Elisabeth-Selbert-­ Schule aus Karlsruhe waren hierfür in das Pflegeheim an der deutsch-französischen Grenze gereist, um sich mit französischen Jugendlichen zu treffen. So wurde „Kunst aus Krempel“ erschaffen und Informationen über Pflegesystem und Aus­ bildung wurden ausgetauscht. .KOMM | Die Schüler.Innentagung 2015

NATURWERK HUBERTUSHAUS Beuron www.hubertushaus-beuron.de

Das Oberfürstenhaus bietet Raum für Jugendliche, um spielerisch Selbstvertrauen aufbauen und Verantwortung 42


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

KjG-Vielfaltsfahrt

KJG-VIELFALTSFAHRT

JUGEND HACKT SÜD

Westerstetten

Ulm jugendhackt.org

www.kjg-drache.de www.kjg-vielfalt.de

Im Rahmen des KjG-Jahresthemas „Vielfalt“ wurde eine Fahrt nach Köln angeboten. In dieser Großstadt haben sich die 36 Teilnehmenden mit Vielfalt in den Bereichen Religion, Zusammenleben und Sexualität auseinandergesetzt. Die Teilnehmende im Alter von 16 bis 27 Jahren sind somit Multiplikatoren und Multiplikatorinnen in ihren Gemeinden geworden.

„Jugend hackt“ ist eine Variante der Wettbewerbe „Jugend musiziert“ und „Jugend forscht“. Das Programm steht unter dem Motto „Mit Code die Welt verbessern“ und wurde von ehrenamtlichen, technisch versierten Mentorinnen und Mentoren begleitet.

JUGEND BEWEGT KLEINGLATTBACH Vaihingen/Enz www.jugendbeteiligung-bw.de/index.php?id=14 JUGENDTREFF IN UNLINGEN Unlingen

Eine Projektgruppe Jugendlicher hat in Unlingen einen ehrenamtlichen Jugendtreff eingerichtet.

Ziel des Jugendgemeinderats war es einerseits, die Freizeit­ situation in Kleinglattbach für Kinder und Jugendliche zu verbessern. Auch sollten Jugendliche motiviert werden, sich für ihre Interessen einzusetzen. Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

Loop in Motion – Trendsportfestival

JUGENDFILMCLUB IM LANDKREIS HEILBRONN

LOOP IN MOTION – TRENDSPORTFESTIVAL

Bad Wimpfen

Fellbach www.svfellbach.de/sportangebote/loop-in-motion.html

Der Jugendfilmclub (JuFi) besteht aus ehrenamtlich aktiven Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem Landkreis Heilbronn, die sich für kreative Medienarbeit begeistern. Das JuFi-Team qualifizierte sich regelmäßig in den Bereichen Video, Audio und Fotografie und bot selbst Seminare für interessierte Jugendliche an.

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Die FSJler im Sportverein Fellbach organisierten ein abwechslungsreiches Sportfestival um Jugendliche zum Sportmachen zu motivieren. Hier wurden neben einigen Live-Acts viele ausgefallene Trendsportarten zum Ausprobieren angeboten, mit der Möglichkeit, diesem Interesse im Verein nachzugehen.

TEXT-, TEAM- THEATERSPIEL

KULTUR MACHT LAUNE LÖRRACH

Sternenfels www.freie-schule-diefenbach.de

Lörrach www.jugendagenturen.de

24 Schülerinnen und Schüler der achten Klasse gestalteten ein komplett eigenes Stück und erarbeiteten von der Idee über das Textbuch bis zur Umsetzung auf der Bühne alles selber.

Im Landkreis Lörrach können kleine Initiativen und kulturelle Vorhaben von Jugendinitiativen oder Cliquen unterstützt und umgesetzt werden.


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

MEDIA MOBIL ROTTWEIL, MEIN QUARTIER HEGNEBERG

MUTTERSPRACHE INTERKULTURELL

Rottweil kijuversum.de/

Stuttgart

Mithilfe von Jugendlichen entstand ein verfilmtes Stadtteil-­ Porträt aus Sicht der dort lebenden Kinder und Jugendlichen. Des Weiteren entwickelten Jugendliche für Jugendliche einen digitalen Stadtführer mit selbst produzierten medialen In­halten, welcher jugendliche Besucherinnen und Besucher zu Gebäuden und Plätzen führt, die für die Jugendlichen der Stadt Rottweil eine spezifische Bedeutung haben.

Durch das Aufführen von Theaterstücken, Lesen, Malen und weitere Aktivitäten sollte Jugendlichen aus russischsprachigen Familien ihre Muttersprache nähergebracht werden und sie darüber hinaus andere Kulturen kennenlernen.

SKATEPLATZ WEINGARTEN Weingarten

NAJU 15 Herbertingen-Mieterkingen www.nabu-mengen.de/NAJU.htm

Ein ausrangierter Bauwagen am Skateplatz Weingarten wurde zu einem Jugendtreff umgebaut. Die Förderung der Jugendkultur und das Zusammentreffen junger Menschen war ein wichtiges Ziel der Projekts.

Die NAJU-Gruppe Mengen vermittelte ihr Wissen um Natur, Umwelt und nachhaltige Prozesse an junge Menschen weiter.

NAJU 15

Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

entwickelt. Die lokalgeschichtlichen historischen Informationen wurden gemeinsam mit Jugendlichen aktualisiert, erweitert und an die heutige Mediennutzung angepasst.

MEDIA MOBIL BALINGEN/ZOLLERNALB Balingen www.jugendnetz-zollernalbkreis.de

Jugendliche erstellten einen Film über ihre Radtour zum Kirchen­tag in Stuttgart und den dortigen Aufenthalt. Des Weiteren entstand ein Online- und Videotagebuch im Rahmen einer Kinder- und Jugendfreizeit.

MODE DES ART DÉCO – THE GREAT GATSBY – FREILICHTMALEREI IM BLÜHENDEN BAROCK LUDWIGSBURG Ludwigsburg kostuemakademie-ludwigsburg.de/aktuelles.html

Stadtrundgang reloaded

Kinder präsentierten die von Schüler/-innen der Kostüm­ akademie entworfenen Art-déco-Gewänder mitsamt Kopfschmuck in einer Kostümshow, die im Stil der Verfilmung von „The Great Gatsby“ gestaltet wurde. Ziel ist die ganzheitliche Integration von Kindern und Jugendlichen in die europäische Kultur.

MODEL UNITED NATIONS BADEN-WÜRTTEMBERG 2017 (MUNBW) Friedrichshafen www.munbw.de STADTRUNDGANG RELOADED Karlsruhe www.ns-in-ka.de/de/startseite.html

Im Rahmen eines Seminarfachs haben Schülerinnen und Schüler aus Karlsruhe einen Stadtrundgang zur NS-Zeit weiter46

15.000 Stunden Engagement, 450 Teilnehmende, 60 ehrenamtliche Organisatoren, zehn simulierte Gremien – eine Welt! MUNBW ist eine Simulation der Vereinigten Nationen, bei der Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren die komplexen Prozesse und Problematiken internationaler Politik am greifbaren Beispiel erleben können.


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

Rapconte –

Sozial- und Zivilcourage gezeigt hatten. In der Jury haben Jugend­liche zwei Drittel und Erwachsene ein Drittel der Stimmen.

Deutschfranzösischer Märchenrap

#ONEUROPE – #GEMEINSAMESEUROPA Stuttgart www.choose-europe.de

RAPCONTE – DEUTSCH-FRANZÖSISCHER MÄRCHENRAP

Um die Bedeutung Europas zu vermitteln, hielten Menschen jeden Alters ihre persönliche Meinung zu Europa auf einem Schild fest. Das Bild von diesem Schild wurde an eine Statement-­Galerie geschickt.

Freiburg www.rapconte.blogspot.com

Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg lernten Fremdsprache mit Rap-Märchen. Die Hip-Hop-Band Zweierpasch hatte dafür kreative interkulturelle Begegnungen für rund 1.500 Jugendliche ermöglicht. Begleitendes Unterrichtsmaterial ermöglichte die Arbeit im Fremdsprachenunterricht an Schulen.

#onEUrope – #gemeinsameseuropa

14. VERLEIHUNG LILLI-ZAPF-JUGENDPREIS Tübingen www.lilli-zapf.de

Der Lilli-Zapf-Jugendpreis würdigte Kinder und Jugend­ liche, die besonderes soziales und politisches Engagement, Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

schauten, hierbei unter Anleitung einen ersten Film drehten um dann im nächsten Schritt selbstständig ihren eigenen Trickfilm zu produzieren.

Stipendien- und Mentorenprogramm Ağabey-Abla

14ER-RAT JUGENDBETEILIGUNG Sigmaringen www.jugendamtlandkreissigmaringen.de/neuigkeiten/471scheer-bekommt-einen-14er-rat.html STIPENDIEN- UND MENTORENPROGRAMM AĞABEY-ABLA Stuttgart www.dtf-stuttgart.de

Das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart e. V. richtete im Frühjahr 2009 ein Stipendienprogramm für engagierte türkeistämmige Gymnasiasten und Studierende ein. 80 Stipendiaten sind an verschiedenen Schulen tätig und unterstützen türkei­ stämmige Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern dabei, sich im deutschen Schulwesen und außerschulisch zu entfalten, und sind für die Kinder wie große Brüder bzw. Schwestern.

Der Bürgermeister der Kommune Inzigkofen lud alle 14-­Jährigen zu einem Frühstück ein, bei dem die Jugendlichen sich für unterschiedliche Themen einsetzten. Der somit entstandene 14er-Rat beschloss, in zwei Ortsteilen einen Trinkwasserbrunnen zu installieren. Aus hygienischen Gründen konnte die Idee leider nicht durchgeführt werden, doch die Gruppe war weiterhin motiviert und bot am Ende der Sommer­ferien ein Tagesprogramm zum Thema Trink­wasser an. Doch das Hauptziel dieser Gruppe ist es, eine Jugendgruppe zu gründen, der Kinder ab dem Grundschulalter beitreten können.

MEDIA MOBIL BAD WIMPFEN MEDIA MOBIL HÜGELSHEIM

Bad Wimpfen

Hügelsheim www.huegelsheim.de/pb/,Lde/18213.html

Der Projektträger führte Fotocomic- und Handyfilm­workshops mit Jugendlichen durch und erweiterte seine Angebote für Jugendliche unter anderem um die Bereiche Audio und Stop-­ Motion.

Jugendliche erkundeten die Welt der Medien, indem sie zunächst hinter die Kulissen der Film- und Fernsehproduktion 48


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

TOTAL NORMAL

PROPS: WERTSCHÄTZUNG UND ERMUTIGUNG

Tübingen www.wueste-welle.de

Stuttgart www.props-stuttgart.de

Der Radiosender „Wüste Welle“ für Tübingen/Reutlingen hat eine inklusive Jugendredaktion von Jugendlichen mit und ohne Behinderung etabliert. Besonders die Teilnehmenden mit Behinderung konnten ihre Forderungen, Bedürfnisse und Interessen nach außen tragen und somit Berührungsängste abbauen. Der gesellschaftliche Umgang mit Menschen mit Behinderung sollte normalisiert werden.

„Props“ war ein Jugend-Kunst-Kultur-Projekt, in dem Jugendliche mit Förderbedarf in Workshops und Projekten größtmögliche Wertschätzung und Ermutigung erfuhren.

TREFF Y MEDIA Ulm www.freefm.de

In Zeiten von Filterblasen, Lügenpresse und Abiturientinnen und Abiturienten, die Irgendwas-mit-Medien machen wollen, kam der Treff Y Media und brachte die Lösung.

ZEICHEN SETZEN – DIVERSITY IN UNSERER GESELLSCHAFT Ludwigsburg www.facebook.com/Zeichen-setzenDiversity-in-unserer-Gesellschaft1398717977094363/?fref=ts

Bei dem Projekt ging es um die Thematisierung von individuellen Diskriminierungserfahrungen. Diese wurden während des Projekts mediengestützt von den jugend­ lichen Teilnehmenden bearbeitet. Durch Visualisierung von Vorurteilen sollte mit Fotos, Videos und Statements zum Nachdenken an­ geregt werden.

Zeichen setzen – Diversity in unserer Gesellschaft

Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

faire Kleidung ins Leben zu rufen. Sie hatten sich für Fair­ trade-Kleidung entschieden, da sie der Meinung sind, dass es niemand verdient hat, unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten. Urban So(ul)ciety

Außerdem gibt es ihrer Meinung nach zu wenig fair gehandelte Kleidung, die Jugendliche anspricht.

TEN-SING-JAHRESPROJEKT 10 JAHRE TEN SING

URBAN SO(UL)CIETY Heidelberg

Mithilfe urbaner Künste sollten Kinder und Jugendliche Zugang zu einer kreativen Gemeinschaft bekommen. Jüngere Hip-Hop-­Aktivisten aus der lokalen Szene wurden als Mentorinnen und Mentoren geschult. Eine Plattform der Vernetzung von Hip-Hop-Aktivisten (im Alter von 14–30 Jahren) in Mannheim wurde aufgebaut und durch die Veranstaltungsreihe „4 Flavours“ eine Gelegenheit geschaffen, bei der alle un­ gezwungen zusammenkommen und sich austauschen konnten.

Freiburg www.tensing-freiburg.de

Beim TEN-SING-Jahresprojekt gestalteten 30 Jugend­liche ehren­amtlich und selbstorganisiert ein Jubiläumskonzert mit Chor, Band, Tanz und Theater. Anlass war das 10-jährige Jubiläum von TEN SING Freiburg. Die Konzertbeiträge wurden bei wöchent­lichen Proben und an zwei Probewochenenden von den Jugend­lichen selbst angeleitet einstudiert. Bei TEN SING (Teenager Singen) geht es darum, sich auszuprobieren und seine Talente zu entdecken.

TEN-SING-Jahresprojekt 10 Jahre TEN SING

YOUNG FASHION FAIR Stuttgart www.young-fashion-fair.de

Faire, schön designte Kleidung … Dies war die Motivation vier junger Mädchen. Sie entschlossen sich, ein Projekt für 50


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

Projekte geplant und verwirklicht haben. Die konkrete Umsetzung geistreicher, witziger und nachhaltiger Konzepte stand dabei im Vordergrund.

ZIRKUS ASTORIA Walldorf www.werkraumtheater.de

Kinder und Jugendliche des Werkraumtheaters haben mit Schauspiel, Gesang und Tanz, Freude und Begeisterung die Vielfältigkeit der Zirkuswelt entdeckt.

STREICHER-AG DES GYMNASIUMS SCHRAMBERG Schramberg

SYNAGIEREN WIRKCAMP HEIDELBERG

Das Streichorchester wird von Schülerinnen und Schülern für Schülerinnen und Schüler aller Altersklassen geleitet. Es steht neben der Musik auch das Miteinander im Vordergrund und es werden hauptsächlich poppige, aktuelle Stücke gespielt. Die Streicher-AG produzierte zusammen mit der Tonstudio-AG einen Mensa-Song, der bei dem Wettbewerb „Die Mensa sucht den Super Song“ mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurde.

Leipzig www.synagieren.de/index.php?id=402

In Heidelberg wurde ein „Wirkcamp“ durchgeführt, bei dem 80 Teilnehmende in acht Arbeitsgruppen verschiedenste

PROJECTZ – JUGENDBETEILIGUNG DURCH MINIPROJEKTFÖRDERUNG Hildrizhausen www.waldhaus-jugendhilfe.de

Mit dem neuen Programm zur Miniprojektförderung wurden Jugendliche motiviert und unterstützt, eigene Projekte zu realisieren und damit aktiv das kulturelle und öffentliche Leben in der Stadt mitzugestalten. Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

YOUTH MEDIA CHALLENGE 2015

„STRASSENVISIONEN“ – THEATERPROJEKT

Stuttgart www.lsbr.de/?p=558

MIT WOHNUNGSLOSEN JUGENDLICHEN

Der Recherchewettbewerb war eine freie mediale Umsetzung eines Themas in kurzer Zeit. Ob Fiktion, Kommentar, Satire, Meinung, Interview oder in anderer Form, die eigene Kreativität wurde ausgelebt und dazu Medienkompetenz erworben.

Wohnungslose Jugendliche entwickelten mit dem Theater R.A.B. von Januar bis August 2016 eine musikalische Masken-­ Performance.

ZEICHEN SETZEN

UNTERWASSER IST ES STILL

Böblingen www.verein-fuer-jugendhilfe.de

Stuttgart www.startnext.com/unterwasser-ist-es-still

Bei diesem Projekt haben Jugendliche und junge Erwachsene Menschen mit Body-Modifications (Tattoos, Piercing, Branding, etc.) fotografiert und befragt. Die Ergebnisse wurden auf einer Ausstellung präsentiert.

Eine Gruppe junger Filmemacherinnen und Filmemacher drehte einen Kurzfilm über Beziehung und Kommunikation, in dem die Liebe zweier Männer in den schottischen Highlands auf eine ungewöhnliche Probe gestellt wird.

Unterwasser ist es still

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Freiburg www.freiburgerstrassenschule.de


PROJEKTE 2016  –  WEITERE ENGAGIERTE TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER

ZWISCHEN/MIETE – FESTIVAL Stuttgart zwischenmiete.literaturhaus-stuttgart.de

KNASTBEWUSST Bobenheim-Roxheim www.knastbewusst.de

Bei dem Festival der jungen Literatur mieteten sich professionelle Autoren und Autorinnnen in Stuttgarter Wohnräumen ein, präsentierten ihre Texte und verrieten Tipps und Geheimnisse in einer Schreibwerkstatt.

knastbewusst ist ein ehrenamtlicher Verein, der sich für die Resozialisierung von Frauen in Untersuchungshaft einsetzt. Innerhalb des Gefängnisses sollten Menschen reflektieren lernen. Außerhalb wurde die Gesellschaft sensibilisiert, die Menschen nach ihrer Haftstrafe wieder aufzunehmen.

THEATER- UND MEDIENWERKSTATT Reutlingen www.gbs.rt.schule-bw.de

Schülerinnen und Schüler erlernten Medienkompetenz, Schlüsselkompetenzen, Selbstvertrauen und weitere wichtige Kompetenzen zur Vorbereitung auf den Beruf. Zudem erhielten sie Zugang zu neuen Medien. Gleichzeitig wurde das Schulleben nach außen geöffnet.

zwischen/miete – Festival

Jugendbildungspreis Baden-Württemberg

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Realisiert von der Jugendstiftung Baden-Württemberg Telefon: (0 70 42) 83 17- 0 E-Mail: info@jugendstiftung.de

Eine Aktion des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg

DeinDing - Jugendbildungspreis Baden-Württemberg 2017  

In dieser Broschüre sind die Projekte und Preisträger aus 2016 zu finden. Außerdem ein Auszug aus der aktuellen SINUS-Jugendstudie 2016 "Wie...

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