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Ergebnisse der Fragebogenaktion zur kommunalen Jugendbeteiligung in Südtirol 2009

Welche Formen und Motive politischer Beteiligung gibt es auf kommunaler Ebene in Südtirol für Jugendliche von zwölf bis achtzehn Jahren?

Welche Beteiligungsgrade der Partizipation bieten die kommunalen Jugendbeteiligungsmodelle in Südtirol?

Eine Umfrage des Südtiroler Jugendrings verfasst von Birgit Schwarz


Politische Teilhabe von Jugendlichen – Studie von Birgit Schwarz in Kooperation mit dem SJR

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Inhaltsverzeichnis 1 Bestandsaufnahme der Motive und Formen politischer Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene in Südtirol...................................................................................................... 3 2

Allgemeine Informationen der empirischen Studie.............................................................. 4

3

Ergebnisse ............................................................................................................................ 7 3.1 3.1.1 3.1.2 3.1.3 3.1.4 3.1.5 3.1.6 3.2 3.2.1 3.3 3.3.1 3.3.2 3.3.3 3.3.4

4

Allgemeine Ergebnisse ................................................................................................ 7 Rücklauf der Fragebögen .................................................................................... 7 Alter der beteiligten Jugendlichen ...................................................................... 9 Durchschnittliche Anzahl der beteiligten Jugendlichen.................................... 11 Geschlecht der beteiligten Jugendlichen........................................................... 12 Beteiligte Jugendliche nach Sprachgruppen ..................................................... 12 Durchschnittliche Anzahl der Treffen im Rahmen der Aktivität ...................... 13 Die kommunalen Jugendbeteiligungsformen in Südtirol........................................... 13 Grundformen der Jugendpartizipation .............................................................. 13 Beteiligungsgrade kommunaler Jugendbeteiligungsformen...................................... 17 Repräsentative Formen der Jugendbeteiligung ................................................. 19 Punktuelle Beteiligungsformen ......................................................................... 25 Offene Versammlungsformen........................................................................... 27 Projektorientierte Formen ................................................................................. 31

3.4

Allgemeine Beteiligungsmöglichkeiten und was bisher konkret erreicht wurde....... 34

3.5

Ziele und Motive für die kommunale Jugendbeteiligung in Südtirol ........................ 37

3.6

Art der Zielerreichung der Aktivitäten ...................................................................... 41

3.7

Schwierigkeiten bei der Durchführung der Beteiligungsaktivitäten.......................... 42

3.8

Die Begleitung bei Beteiligungsaktivitäten ............................................................... 43

3.9

Themenbereiche der Beteiligungsaktivitäten............................................................. 44

Schlussbemerkungen.......................................................................................................... 45

Literaturverzeichnis..................................................................................................................... 47


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1 Bestandsaufnahme der Motive und Formen politischer Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene in Südtirol Die zunehmende Diskussion um mehr Kinder- und Jugendbeteiligung hat sich auch in Südtirol niedergeschlagen. Nicht zuletzt ist dies neben dem verstärkten Diskurs auch anhand einiger praktischer Beispiele nachweisbar. Der Südtiroler Jugendring ist der Dachverband für deutsch- und ladinischsprachige Kinder- und Jugendorganisationen in Südtirol und hat sich in den letzen Jahren verstärkt für die Umsetzung von Kinder- und Jugendpartizipation in vielen gesellschaftlichen Bereichen eingesetzt und das Thema Partizipation als einen Themenschwerpunkt für sich festgelegt: „Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen, also die Unterstützung der Beteiligung der jungen Südtirolerinnen und Südtiroler an allen sie betreffenden Entscheidungen.“ (Südtiroler Jugendring

2009).

Neben

der

Förderung

und

Unterstützung

der

eigenen

Mitgliedsorganisationen gab es vor allem im Jahre 2004 einen Durchbruch über die Regionalgesetzgebung, „minderjähriger

bei

der

Jugendlicher“

die

Gemeinden

aufgerufen

wurden.

zur

verstärkten

Das

Beteiligung

Regionalgesetz

vom

22.12.2004, Nr. 7 verpflichtet die Gemeinden wie folgt: „Die Gemeindesatzung sieht Formen der Beteiligung minderjähriger Jugendlicher vor, damit durch deren Beitrag in Belangen, die diese betreffen, die Gemeindepolitik sich an den Anliegen dieser Altersgruppe orientiert, diese fördert und deren Mitwirkung an jenen Projekten ermöglicht, die sie betreffen.“ (Regionalgesetz 22.12.2004, Kap. 1 Art. 1 Abs.2/1-ter) Daraufhin gab es verschiedene Vorschläge seitens des Gemeindeverbandes und des Südtiroler Jugendrings und schlussendlich gab sich jede Gemeinde ihre eigene Satzung durch einen Gemeinderatsbeschluss (nähere Ausführungen siehe S.62-67 und Anhang). Durch die inhaltliche Überzeugung des Südtiroler Jugendrings und in Anlehnung an die neue

Gesetzeslage

wurde

ModeratorInnenausbildung

von für

2006-2007 Kinder

und

vom

Südtiroler

Jugendring

Jugendpartizipationsprozesse

eine in


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Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Waldemar Stange von der Universität Lüneburg durchgeführt, die erstmals MultiplikatorInnen für das Land ausbildete. Daraus folgten verschiedene vereinsinterne sowie kommunale Partizipationsprojekte in ganz Südtirol. Die empirische Studie kann somit durchaus als eine erste Bestandserhebung kommunaler Jugendbeteiligung seit der Einführung der Änderungen in den Gemeindesatzungen verstanden werden. Im Laufe meines Diplomarbeitsvorhabens ergab sich schließlich eine Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Jugendring, der die Erhebung auch finanziell unterstütze. Außerdem ist der Südtiroler Jugendring in seiner Rolle als Sprachrohr für insgesamt 10 Kinder- und Jugendorganisationen des Landes bei den Gemeinden als ernstzunehmende Institution bekannt und verfügt sowohl über weitreichende Kontakte als auch Informationen zum derzeitigen Stand der Partizipationssituation in Südtirol.

2 Allgemeine Informationen der empirischen Studie Im Juli 2009 wurden alle 116 Gemeinden Südtirols über BürgermeisterInnen und JugendreferentInnen per Brief mit einem Fragebogen zur Bestandserhebung kommunaler Jugendbeteiligung kontaktiert. Dabei sollten die Kontaktierten die Fragebögen auch an weitere Beteiligte verteilen, die sie als Jugendbeteiligungsakteure in der Gemeinde erachten. Ebenso wurden die deutsch- und ladinischsprachigen Kinderund Jugendvereine die auf Landesebene organisiert sind kontaktiert. Dies hat keinesfalls mit einer Diskriminierung der italienischen Sprachgruppe zu tun, viel mehr liegt der Hauptgrund der Beschränkung darin, dass es in Südtirol eine verwaltungstechnische und politische Trennung der ladinisch-deutschen von der italienischen Jugendarbeit gibt. Außerdem verfügt die deutsche und ladinische Jugendarbeit über ein kulturell völlig anders organisiertes und viel umfangreicheres Netz von Gremien, Einrichtungen und Vereinen, so dass eine fundierte Analyse mit dieser Einschränkung bessere Aufschlüsse geben kann. Die Kinder- und Jugendvereine wurden ebenfalls gebeten, die Fragebögen an ihre Ortsgruppen weiterzuleiten. Dazu wurde auf der Internetseite des Südtiroler Jugendrings der Fragebogen auch online zur Verfügung gestellt, mit der Möglichkeit diesen per Post oder über E-Mail zurückzuschicken. Des Weiteren kontaktierten wir


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auch das deutsche und ladinische Amt für Jugendarbeit und auch der Südtiroler Jugendring wurde in den Verteiler mit aufgenommen. Die offene Jugendarbeit wurde bei der Befragung auch mit einbezogen. Kontaktiert wurden ebenfalls die Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste, wie auch alle insgesamt 20 deutsch- und ladinischsprachigen Jugenddienste (AGJD) mittels Brief. Das Netzwerk der Jugendtreffs und Jugendzentren (N.E.T.Z.) wurde kontaktiert und gleichzeitig gebeten die Fragebögen über ihren Verteiler an alle insgesamt 44 im NETZ organisierten Jugendtreffs und Jugendzentren Südtirols zu verschicken. Aufgrund der theoretischen Grundlagen dieser Arbeit, rückten wir vor allem Aktivitäten für zwölf- bis achtzehnjährigen Jugendlichen in den Mittelpunkt der Befragung. Mit dem zwölften Lebensjahr erleben viele Jugendliche Südtirols eine Umbruchphase in ihrem Leben, da sie in der Regel dann in die Mittelschule wechseln. Die strukturelle Trennung im Bildungssystem bedeutet für viele Jugendliche auch einen Schulwechsel in andere Gemeinden und damit sowohl neue Sichtweisen auf die eigene Gemeinde, als auch neue Bedürfnisse in der Freizeitgestaltung in der eigenen Gemeinde. Des Weiteren liegt dieser Eingrenzung auch die Beobachtung zugrunde, dass es für Jugendliche mehrere und differenziertere Beteiligungsformen auf kommunaler Ebene gibt, als für Kinder. Die kinderpolitischen Beteiligungsformen scheinen dabei noch wörtlich in den Kinderschuhen zu stecken. Der Fokus dieser Studie liegt bei der politischen Beteiligung in einer breiteren Öffentlichkeit, die über die Privatheit der Familie hinausgeht. Auch die Schule hat sich bisher nur sehr beschränkt durch Partizipationsmöglichkeiten ausgezeichnet, wenn auch diesbezüglich auch in Südtirol einige Fortschritte erzielt wurden. „Für eine erfolgreiche Kinder- und Jugendpartizipation bedarf es einer kommunalen Gesamtstrategie“ (Olk 2008, S.17). Die kommunale Ebene der Partizipation bietet die Möglichkeit sich in allen Belangen des alltäglichen Lebens einzubringen. Das Wohnumfeld, die Verkehrslage, Freizeitgestaltung und ganz allgemein die Strukturierung des sozialen Lebens in der Gemeindegemeinschaft. Vor allem aber muss sich die Gemeindeebene, hier als administrative Ebene verstanden, als eine besondere Vermittlerinnenrolle verstehen, die über die Einbeziehung gemeinderelevanter AkteurInnen und über eine besondere


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Gestaltungs- und Entscheidungsposition verfügt. Der zweite wichtige Ausgangspunkt dieser Studie ist die Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche die Möglichkeit politischer Teilhabe gewährt werden muss, weil sie unabhängig vom Wahlrecht Teil unserer Gemeinschaft sind, auf die politische Entscheidungen wirken und ihr Leben beeinflussen. Daher muss allen Menschen das Recht zur Teilhabe am politischen Leben ermöglicht werden.

Problembenennung Wenn politische Beteiligung, echte Handlungsräume für Jugendliche einräumen muss, weil es einerseits ein Menschenrecht aller ist und andererseits vor allem emanzipatorische Handlungsmöglichkeiten im politischen Raum ermöglicht, müssen erstens echte Beteiligungsmöglichkeiten auch strukturell gegeben und nachweisbar sein und zweitens auch Entscheidungsmacht von Jugendlichen vorhanden sein. Die strukturelle Möglichkeit der Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene kann empirisch über die kommunaler Jugendbeteiligungsmodelle und Formen erhoben werden. Werden in der Erhebung auch Beteiligungsgrade und Reichweite der Jugendpartizipation mit einbezogen, können auch Aussagen zur Entscheidungs- und Einflusskompetenz getätigt werden. Die Befragung zu Motiven kommunaler Jugendbeteiligung lässt Rückschlüsse auf die Einstellungen zu den entsprechenden Jugendbeteiligungsmodellen der Befragten zu. Deshalb lautet die Forschungsfrage der Studie:

Welche Formen und Motive politischer Beteiligung gibt es auf kommunaler Ebene in Südtirol für Jugendliche von zwölf bis achtzehn Jahren?


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Mit dieser Forschungsfrage und der ihr zu Grunde liegenden Theorie wurde der Fragebogen entwickelt. Nähere Angaben zum Forschungsverfahren, sowie den endgültigen Fragebogen finden sie samt Anschreiben in der Diplomarbeit. 1

3 Ergebnisse 3.1 Allgemeine Ergebnisse Es ist erstaunlich, wie groß die Anzahl der in Südtirol lebenden Zwölf- bis Achtzehnjährigen ist. Nach der Jugendstudie von 2006 des Landesinstituts für Statistik in Bozen, leben insgesamt 42.857 Menschen von zwölf bis neunzehn Jahren in Südtirol (Astat 2008, S.7).

Abbildung 1: Jugendlichen in Südtirol nach Altersklasse und Geschlecht (Astat 2008, S.7)

3.1.1 Rücklauf der Fragebögen Die 42.857 Zwölf- bis Neunzehnjährigen in Südtirol, verteilen sich auf insgesamt 116 Gemeinden, denen allen mittels Brief über die/den zuständige/n BürgermeisterIn und zu Händen der/des JugendreferentIn der Fragebogen zugeschickt wurde. Insgesamt wurden 1

Nähere Ausführungen zu Theorie und Begriffen dieser Arbeit finden sie unter: Schwarz, Birgit (2009): Politische Teilhabe von Jugendlichen als Handlungsraum im Spannungsfeld zwischen BürgerInnenrecht und Menschenrecht. Bestandsaufnahme und Analyse der Motive und Formen von kommunaler Jugendbeteiligung in Südtirol. Universität Innsbruck. Die Diplomarbeit liegt auch dem Südtiroler Jugendring vor. Dieser Ergebnisbericht beschränkt sich auf grundlegende Aussagen.


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62 Antworten an uns zurück gesandt. Davon mussten drei Fragebögen aussortiert werden, da sie dasselbe Projekt beschrieben. In Anbetracht der rechtlichen Lage für Südtirol, ist es äußerst interessant dass uns fünf Gemeinden mitteilten, es gäbe keine politischen Beteiligungsaktivitäten für Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn Jahren in ihrer Gemeinde. Insgesamt haben wir aus 48 Gemeinden 62 Rückmeldungen erhalten. Dabei sind aus allen

insgesamt

acht

Bezirksgemeinschaften

Antworten

eingegangen.

Die

flächenmäßige Verteilung auf Südtirols administrative Gemeindeebene aller 48 Gemeinden, die eine Antwort geschickt haben, sieht wie folgt aus:

Von diesen Antworten flossen insgesamt 53 Fragebögen aus 43 Gemeinden in die Dateneingabe und Datenauswertung. Im Bild unten sind die blau gekennzeichneten Felder jene Gemeinden mit Fragebögen, die Teil der empirischen Studie sind.


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Von den 43 Gemeinden, die Jugendbeteiligungsaktivitäten angegeben haben, gibt es aber auch Gemeinden mit mehreren Jugendbeteiligungsprojekten. So gingen aus Bozen und Latsch jeweils vier verschiedene Aktivitätsbeschreibungen ein, aus Eppan an der Weinstraße,

Olang,

St.

Ulrich

und

Vahrn

erreichten

uns

jeweils

zwei

Aktivitätsbeschreibungen. Riffian und Kuens zeigten zwei Aktivitäten auf, die von beiden in Zusammenarbeit getragen werden. Insgesamt zeigt sich die Verteilung des Rücklaufs auf Südtirol bezogen, sehr ausgewogen. Man kann also davon ausgehen, dass die ausgewerteten Ergebnisse auch eventuelle regionale Besonderheiten in die Auswertung mit einbeziehen und somit den Rückschluss auf die Grundgesamtheit ermöglichen.

3.1.2 Alter der beteiligten Jugendlichen Auf das Alter der Jugendlichen bezogen, zeigen die Aktivitäten die Tendenz auf, dass kommunale Beteiligungsmöglichkeiten die Gruppe der Fünfzehn- bis Achtzehnjährigen am meisten ansprechen. An zweiter Stelle stehen Beteiligungsmöglichkeiten, die über Achtzehnjährige ansprechen und die Zwölf- bis Vierzehnjährigen bilden hier das Schlusslicht.


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Häufigkeit beteiligter Altergruppe der 15-18-Jährigen

Häufigkeit beteiligter Altergruppe der über 18-Jährigen


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Häufigkeit beteiligter Altergruppe der 12-14-Jährigen

Die Analyse bezieht sich hier auf die gesamte Stichprobe, so dass an dieser Stelle keine Angaben zur Alterszusammensetzungen der Jugendlichen innerhalb der Gruppen der Aktivitäten gemacht werden können.

3.1.3 Durchschnittliche Anzahl der beteiligten Jugendlichen Knapp 50% der Befragten geben an, dass die durchschnittliche Anzahl der beteiligten Personen zwischen 5 und 18 liegt. Die üblichste Gruppengröße umfasst 15 Personen.

Balkendiagramm zur durchschnittlichen Anzahl beteiligter Personen


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Die durchschnittliche Anzahl der beteiligten Personen über 18 ist je Projekt sehr unterschiedlich. Insgesamt fünf Aktivitäten geben 100 bis 200 Personen an. Im Durchschnitt werden 35,29 Personen an den Aktivitäten beteiligt.

Histogramm zur durchschnittlichen Anzahl beteiligter Personen pro Aktivität

3.1.4 Geschlecht der beteiligten Jugendlichen Die geschlechtsspezifische Aufteilung der Beteiligten stellt sich als sehr ausgewogen dar. Nur knapp sind die männlichen beteiligten Personen mit 51,9% gegenüber den weiblichen beteiligten Personen mit 48,1% bevorteilt. Die Befragten geben an, dass insgesamt 2.171 Personen männlichen und weiblichen Geschlechts beteiligt wurden und teilweise noch werden. Die Zahlen sind geschätzte Werte der Befragten.

3.1.5 Beteiligte Jugendliche nach Sprachgruppen In allen 53 Aktivitäten werden Jugendliche der deutschen Sprachgruppe beteiligt. Die Jugendlichen italienischer Sprachgruppe sind nur in insgesamt 15 Aktivitäten, jene der pakistanischen Sprachgruppe in 6 aller Fälle beteiligt. Die Beteiligung albanischer Jugendlicher findet man in 4 Aktivitäten und die Beteiligung ladinischer Jugendlicher sind in insgesamt 2 Aktivitäten dokumentiert.


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3.1.6 Durchschnittliche Anzahl der Treffen im Rahmen der Aktivität Die Befragten geben mit 26,4% an, dass ein Treffen pro Monat im Rahmen der Aktivität die häufigste Form der Treffen darstellt. Es scheint aber fast ebenso beliebt zu sein, sich zwei bis drei Mal pro Jahr für die Aktivität zu treffen (22,6%), oder an dritter Stelle auch etwas mehr als dreimal pro Jahr (13,2%).

Häufigkeit der Treffen der Teilnehmenden

3.2 Die kommunalen Jugendbeteiligungsformen in Südtirol Der Auswertung der Beteiligungsformen liegt folgende Klassifizierung der Grundformen nach Waldemar Stange zu Grunde:

3.2.1 Grundformen der Jugendpartizipation 1. Stellvertretende

Formen:

Solche

Beteiligungsformen

umfassen

die

stellvertretende Wahrnehmung von Jugendinteressen durch Erwachsene, wie dies beispielsweise über Lobbyverbände, Jugendvereine für Kinder- und Jugendinteressen

und/oder

Kinderrechte

erfolgt.

Auch

Jugendbüros,

Jugendbeauftragte, Jugendreferenten oder Kinder- und Jugendanwälte sind dabei mitgemeint.


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2. Beteiligung an Institutionen der Erwachsenenwelt: Beispielsweise die Teilnahme von Jugendlichen im Erwachsenengremien mit Rede- und/oder Stimmrecht, wie die Teilnahme an Gemeindeausschüssen zur Beteiligung am Bauleitplan

oder

Jugendlandtage, PolitikerInnen

der

Verkehrsplanung

Jugendsprechstunden im

und

so

bei

Allgemeinen

als

weiter.

Ebenso

BürgermeisterInnen auch

die

Teilnahme

sind oder a

EinwohnerInnenversammlungen gemeint.

Beteiligungsformen:

Punktuelle

der

Dauer

3. Punktuelle hinsichtlich

Reichweite

Institutionalisierung

ist

in

gering.

Beteiligungsformen

und

Beispiele

Anzahl sind

begrenzt.

dafür

sind Die

Planspiele,

Informationsveranstaltungen, Kinder- und Jugendanhörungen, Demonstrationen, Wunsch- und Meckerkasten, Unterschriftensammlungen oder Sprechstunden bei politikerInnen. 4. Aushandlung und Alltagspartizipation: Solchen Beteiligungsformen weisen eine bedeutend größere Häufigkeit, Anzahl und Dauer auf. Beispiele sind alles dialogischen Formen, in denen das Zuhören, Beobachten und Aushandeln im Zentrum stehen. Dazu zählen Vereinstätigkeiten als auch unterschiedliche Beteiligungsformen in Jugendgruppen. 5. Repräsentative Formen: Damit sind vor allem parlamentarische Formen wie Kinder- und Jugendparlamente, Kinder- und Jugendgemeinderäte, Wahlen, JugendbürgermeisterInnen, Jugendbeiräte und Vereine im Sinne ihrer Vorstände oder Vorsitzenden gemeint.

6. Offene

Zum

Versammlungsformen:

Jugendversammlungen,

Kinder-

und

Beispiel

Kinder-

Jugendkonferenzen,

Kinder-

und und

Jugendforen, runde Tische, Bau des Jugendzentrums, Spielraumgestaltung, Wohngebietsplanung, Zukunftswerkstätten oder Spielplatzbauten.


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7. Projektorientierte Formen: Gekennzeichnet sind diese Formen vor allem durch die Beteiligung über die Beratung und Entscheidung hinaus bis zur Beteiligung an Planung und der Realisierung. Sie sind zeitbegrenzt, wie beispielsweise Zukunftswerkstätten, Spielplatzbauten, Erstellung von Kinderoder Jugendstadtplänen oder Verkehrsplanungsprojekte. Die

folgende

Abbildung

gibt

Aufschluss

über

den

Zusammenhang

von

Beteiligungsformen und deren Beteiligungsgraden:

Systematik der Kinder- und Jugendpartizipation: Beteiligungsgrade und Reichweiten (Stange 2007, S.35)


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Es gibt sehr unterschiedliche Ausprägungen der einzelnen Jugendbeteiligungsformen in Südtirol. Die am häufigsten genannten Formen der Beteiligung sind „punktuelle Beteiligungsformen“ und „offene Versammlungsformen“.

Die größte Erkenntnis der Studie liegt darin, dass die Jugendbeteiligungsformen in Südtirol alle sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. So gab es Anzeichen dafür, dass manche Jugendbeiräte nicht durch Wahlen legitimiert werden und dass die Tätigkeit eher einer punktuellen Beteiligung entspricht. Andere Jugendbeiräte setzten den Schwerpunkt eher auf projektorientierte Arbeit während wieder andere durch Wahlen legitimiert werden und ihre Ideen durch Entscheidungsrechte und Stimmrechte in Erwachsenengremien der Gemeinde umsetzten. Dementsprechend wurde eine präzise Operationalisierung über die Angabe der Form der Aktivität hinaus hinzugezogen. Dabei können wir feststellen, dass die punktuellen Beteiligungsformen mit 21,4% die größte Gruppe der Aktivitäten bildet. Mit geringem Abstand zur zweitgrößten Gruppe, den offenen Versammlungsformen, mit insgesamt 20,8%. Dann folgen die projektorientierten Formen mit 17,2%, und die Beteiligung an Erwachseneninstitutionen mit 16,1 %. Erst an fünfter Stelle stehen die repräsentativen Formen mit 12,5% und die Aushandlungs- und Alltagspartizipation steht mit 10,9% an vorletzter Stelle. Eindeutiges Schlusslicht sind die stellvertretenden Formen der Beteiligung mit nur 1%. Häufigkeiten nach den sieben Grundformen der Beteiligung nach Stange

Formen der Beteiligung nach Stange

Gesamt

Stellvertretende Formen

Antworten

Prozent

N Prozent

der Fälle

2

1,0%

3,8%

Beteiligung an Erwachseneninstitutionen

31

16,1%

58,5%

Punktuelle Beteiligungsformen

41

21,4%

77,4%

Aushandlung und Alltagspartizipation

21

10,9%

39,6%

Repräsentative Formen

24

12,5%

45,3%

Offene Versammlungsformen

40

20,8%

75,5%

Projektorientierte Formen

33

17,2%

62,3%

19 100,0%

362,3%

a


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Aber wie sieht es mit den Einflussmöglichkeiten und den Entscheidungsintensitäten der beteiligten Jugendlichen im derzeitigen Beteiligungsangebot in Südtirol aus?

3.3 Beteiligungsgrade kommunaler Jugendbeteiligungsformen Unabhängig von der jeweiligen Beteiligungsform zeigt sich nahezu eine Art 50:50 Chance, dass Jugendliche Einfluss auf EntscheidungsträgerInnen haben.

Einfluss der Meinungen und Interessen Jugendlicher auf Entscheidungsprozesse

Allgemein gilt, dass die Jugendlichen in den derzeitigen Beteiligungsmöglichkeiten auf beratende Funktionen beschränkt sind (73,58%) und dass sie überwiegend kein Stimmrecht in Erwachsenengremien haben (88,68%).


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Jugendbeteiligung als beratende Funktion für kommunale Entscheidungen

Jugendliche haben Stimmrecht in Erwachsenengremien

Wenn die Beteiligung jedoch auf einen festgelegten Rahmen beschränkt ist, ist die Tendenz auch höher, den Jugendlichen volle Entscheidungsmacht und Verantwortung zu geben, wenn auch ein Drittel der beteiligten Jugendlichen, dabei keine volle Entscheidungsmacht erhalten.


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Diese Ergebnisse scheinen auch prozentuell gesehen den Präferenzen für offene, punktuelle und projektorientierte Formen zu passen, die in gewisser Weise ihrem Konzept nach einen stärkeren Rahmen als andere Beteiligungsformen vorgeben. Zu diesem Zwecke wurden die einzelnen Beteiligungsformen miteinander verglichen und mit Hilfe von Korrelationsberechnungen Zusammenhänge mit Beteiligungsgraden evaluiert. Allerdings sind bei der niedrigen Anzahl der Fälle die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren.

3.3.1 Repräsentative Formen der Jugendbeteiligung Die derzeitigen repräsentativen Formen kommunaler Jugendbeteiligung ermöglichen den Jugendlichen keine echten Entscheidungs- und Einflussmöglichkeiten auf kommunaler Ebene. Sie üben im besten Falle beratende Funktion aus, ohne direkte Einflussnahmemöglichkeit im Gemeinderat.

Im Vergleich zu anderen Formen gibt es keinen signifikant höheren Zusammenhang zwischen repräsentativen Formen und der Tatsache, dass Jugendliche Verantwortung und volle Entscheidungsmacht im Rahmen der Aktivität erhalten haben.


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Korrelatinsberechnung repräsentative Formen und Jugendliche haben Verantwortung und volle Entscheidungsmacht im Rahmen der Aktivität

Symmetrische Maße Asymptotischer Näherungswei Wert Standardfehler

a

b

ses T

Näherungsweise Signifikanz

Intervall- bzgl. Intervallmaß

Pearson-R

,080

,137

,565

,575

c

Ordinal- bzgl. Ordinalmaß

Korrelation

,076

,138

,536

,594

c

nach Spearman Anzahl der gültigen Fälle

52

a. Die Null-Hyphothese wird nicht angenommen. b. Unter Annahme der Null-Hyphothese wird der asymptotische Standardfehler verwendet. c. Basierend auf normaler Näherung

Ebenso gab es keine Anzeichen dafür, dass Jugendliche repräsentativen Formen mit signifikant höherem Anteil Stimmrechte in Erwachsenengremien hätten. Dass sachliche Abstimmungen eine verbindliche Umsetzung erfahren, steht - im Vergleich zu anderen Beteiligungsformen – ebenfalls für die repräsentativen Formen in keinem signifikant höheren Zusammenhang und zeigt auch in der Häufigkeitsberechnung nur ernüchternde Ergebnisse.


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Die Wissensvermittlung über politische Strukturen scheint den repräsentativen Formen im Vergleich zu anderen Beteiligungsformen dabei ein äußerst wichtiges Anliegen zu sein (p=0,03) und die Häufigkeiten bestätigen dies.

Wenn man danach fragt, von wem die Entscheidungen der Jugendlichen in den repräsentativen Formen umgesetzt werden, ergibt die Korrelationsberechnung zur Variable „Entscheidungen wurden von Erwachsenen umgesetzt“ eine sehr leichte Signifikanz (p= 0,05) und eine geringe positive Korrelation, die vermuten lässt, dass der Handlungsraum hier in der Erwachsenenebene bleibt.


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Betrachtet man nicht die Stufe der Entscheidungsrechte in der Systematisierung nach Stange, sondern die Stufe der Mitwirkung an Entscheidungsprozessen, so ergeben sich auch nur einzelne Zusammenhänge. Die repräsentativen Formen scheinen den Jugendlichen in signifikantem Zusammenhang die Möglichkeiten zu bieten, ihre Themen zur Behandlung in Erwachsenengremien vorzuschlagen, wie dies auch das unten angeführte Balkendiagramm der Häufigkeiten dazu verdeutlicht. Nicht repräsentative Formen scheinen diese Möglichkeit in deutlich geringerem Ausmaß anzubieten.

Jugendliche haben in repräsentativen Formen die Möglichkeit eigene Themen in Erwachsenengremien vorzuschlagen

Auch die beratende Funktion für gemeindliche Entscheidungen, ist bei den repräsentativen Formen in besonderer Weise ausgeprägt.

Beratende Funktion der repräsentativen Formen für kommunale Entscheidungen


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Umso interessanter scheint die Tatsache, dass die Jugendlichen in repräsentativen Formen jedoch nicht explizit eine signifikante Möglichkeit haben, ihre Meinung zu einem vorgegebenen Thema im Gemeinderat vorzubringen. Auch das Stimmrecht in Erwachsenengremien ist nicht gerade hoch.

Wenn also die Entscheidungsmacht der Jugendlichen sehr gering ist, beratende Funktionen jedoch bestehen, ist es sehr schade, dass die Jugendlichen dabei aber im Vergleich

mit

anderen

Beteiligungsformen

nicht

signifikant

höher

in

Aushandlungsprozesse mit EntscheidungsträgerInnen treten. Korrelation repräsentative Formen und Aushandlungsprozesse mit Erwachsenen Symmetrische Maße Asymptotischer Wert

Standardfehler

a

Näherungsweise Näherungsweise b

sT

Signifikanz

Pearson-R

,254

,116

1,836

,072

c

Ordinal- bzgl.

Korrelation

,182

,135

1,299

,200

c

Ordinalmaß

nach

Intervall- bzgl. Intervallmaß

Spearman Anzahl der gültigen Fälle

51

a. Die Null-Hyphothese wird nicht angenommen. b. Unter Annahme der Null-Hyphothese wird der asymptotische Standardfehler verwendet. c. Basierend auf normaler Näherung


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Eine Antwort einer/s Befragten lautet wie folgt dazu:

Jugendliche können sich theoretisch beteiligen. Die Praxis sieht anders aus, in Bezug auf politische Gremien. Die Jugendgemeinderäte sind nicht mehr, als eine Alibifunktion.

Die repräsentativen Formen zeichnen dabei die bereits erwähnte 50:50 Chance nach, dass Meinungen und Interessen von Jugendlichen von EntscheidungsträgerInnen angehörten werden, jedoch keine weitere Auswirkungen auf den Entscheidungsprozess haben.

Aufgrund der erhobenen Daten kann deshalb gesagt werden, dass die Zusammenhänge derzeitiger repräsentativer Formen kommunaler Jugendbeteiligung keine echten Entscheidungs- und Einflussmöglichkeiten bieten. Der Einfluss ist auf Beratung oder Konsultation beschränkt.


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3.3.2 Punktuelle Beteiligungsformen Die

erhobenen

punktuellen

Beteiligungsformen

zeigen

keine

signifikanten

Zusammenhänge zu den Beteiligungsgraden der „Teilhabe“, „Mitwirkung an Entscheidungsprozessen“ oder „Entscheidungsrechten“ auf. Punktuelle Beteiligung ermöglicht im Vergleich zu anderen Beteiligungsformen keine signifikant höheren Einfluss- und Entscheidungsmöglichkeiten für Jugendliche.

Die punktuellen Beteiligungsformen sind mit 21,4%, die im Rahmen der Erhebung am häufigsten genannte Jugendbeteiligungsform in Südtirol. Nach Stange werden die punktuellen Formen dem Beteiligungsgrad der „Teilhabe“ zugeordnet. Dazu gehören die Stufen „sporadische Beteiligung“, „zugewiesen aber gut informiert“ und „informelle Beteiligung“. Die Berechnungen ergaben für diesen Bereich der „Teilhabe“ keine signifikanten Zusammenhänge im Vergleich zu den anderen Beteiligungsformen. Auch bei den Graden „Mitwirkung an Entscheidungsprozessen“ oder „Entscheidungsrechten“, konnten keine signifikanten Zusammenhänge berechnet werden. Auch die punktuellen Beteiligungsformen weisen die 50:50 Chance auf, dass Interessen und Meinungen der Jugendlichen von EntscheidungsträgerInnen angehört werden, aber keine weiteren Auswirkungen auf den Entscheidungsprozess haben. Kreuztabelle Anzahl Punktuelle Beteiligungsformen ja Meinungen und Interessen der Jugendlichen wurden von EntscheidungsträgerInnen angehört, ohne weitere Auswirkungen auf den

Gesamt

nein

trifft sehr zu

8

2

10

trifft eher zu

12

4

16

trifft eher nicht zu

9

2

11

trifft gar nicht zu

12

3

15

41

11

52

Entscheidungsprozess Gesamt


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Wie es die Konzeptionen punktueller Beteiligungsformen vorsieht, erhalten die Jugendlichen hier in überwiegenden Fällen die Verantwortung und Entscheidungsmacht im Rahmen der Aktivität.

Die Umsetzung der Ergebnisse erfolgt dabei zum größten Teil von Jugendlichen und Erwachsenen gemeinsam


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Kreuztabelle Anzahl Punktuelle Beteiligungsformen ja Entscheidungen der Jugendlichen wurden von Jugendlichen und Erwachsenen umgesetzt

Gesamt

nein

trifft sehr zu

10

5

15

trifft eher zu

22

4

26

trifft eher nicht zu

4

2

6

trifft gar nicht zu

4

1

5

40

12

52

Gesamt

Des Weiteren kann man sagen, dass punktuelle Beteiligung weniger stark als andere Beteiligungsformen, die Vermittlung von Wissen über politische Institutionen erzielen wollen. Erwartungsgemäß haben Jugendliche in punktuellen Beteiligungsformen nahezu keine Stimmrechte in Erwachsenengremien, wenngleich sie trotzdem beratende Funktion ausüben. Alle anderen Berechnungen zeigen auf, dass punktuelle Beteiligungsformen verschiedene Beteiligungsgrade aufzeigen, die unterschiedlich gestreut sind.

3.3.3 Offene Versammlungsformen Wie es die prinzipielle Konzeption offener Versammlungsformen mit sich bringt, erhalten Jugendliche dabei seltener Stimmrechte in Erwachsenengremien, als Jugendliche

in

anderen

Beteiligungsformen.

Ebenso

sind

bei

den

offenen

Versammlungsformen die Meinungen der Jugendlichen in den Medien weniger stark vertreten.

Die offenen Versammlungsformen bilden mit 20,8% die zweitgrößte Gruppe der Beteiligungsformen.

Nach

Stange

nehmen

sie

den

Beteiligungsgrad

der

„Entscheidungsrechte“ ein, im besten Falle, jenen der „Selbstbestimmung“. Dabei lässt sich - in Anbetracht der geringen Fallzahl - durchaus eine Nähe zu einer möglichen

Signifikanz

einer

negativen

Korrelation

zwischen

offenen


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Versammlungsformen und der Verantwortung und vollen Entscheidungsmacht von Jugendlichen im Rahmen der Aktivität erahnen. Das heißt, Jugendliche erhalten im Rahmen

offener

Entscheidungsmacht

Versammlungsformen im

Rahmen

ihrer

weniger

häufig

Aktivität,

als

Verantwortung dies

bei

und

anderen

Beteiligungsformen der Fall ist. Außerdem erhalten die Jugendlichen dabei signifikant weniger häufig Stimmrechte in Erwachsenengremien.

Korrelation der offenen Versammlungsformen und dem Stimmrecht Jugendlicher in Erwachsenengremien

Die Umsetzung der Entscheidungen übernehmen bei den offenen Versammlungsformen ziemlich ausgeglichen und sehr unterschiedlich sowohl Jugendliche, Erwachsene als auch Jugendliche und Erwachsene gemeinsam. Auch die offenen Versammlungsformen zeigen nahezu die 50:50 Chance, dass Meinungen und Interessen der Jugendlichen von EntscheidungsträgerInnen angehört werden, aber keine weiteren Auswirkungen auf den Entscheidungsprozess haben.


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Trotzdem verfügen auch sie über beratende Funktionen in der Gemeinde, wobei die Möglichkeit Vorschläge über eigene Themen in Erwachsenengremien zu machen, nur bei der Hälfte der Fälle gegeben ist. Kreuztabelle Anzahl Offene Versammlungsformen ja Jugendliche hatten oder haben die Möglichkeit eigene Themen zur Behandlung in Erwachsenengremien vorzuschlagen Gesamt

Gesamt

nein

trifft sehr zu

7

5

12

trifft eher zu

13

6

19

trifft eher nicht zu

7

1

8

trifft gar nicht zu

12

1

13

39

13

52

Genauso unterschiedlich bieten die Aktivitäten in der Hälfte der Fälle den Jugendlichen die Möglichkeit im Gemeinderat vorzusprechen, allerdings in Bezug auf ein vorgegebenes Thema.


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Kreuztabelle Anzahl Offene Versammlungsformen ja Jugendliche hatten oder haben die Möglichkeit ihre Meinung zu einem vorgegebenen Thema im Gemeinderat vorzubringen

Gesamt

nein

trifft sehr zu

10

6

16

trifft eher zu

10

5

15

trifft eher nicht zu

4

0

4

trifft gar nicht zu

16

2

18

40

13

53

Gesamt

Über die offenen Versammlungsformen wird des Weiteren signifikant weniger stark die Präsenz der Meinung Jugendlicher in den Medien erreicht (p=0,01), als dies bei anderen Beteiligungsformen der Fall ist.


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3.3.4 Projektorientierte Formen Projektorientierte

Formen

ermöglichen

echte

Entscheidungs-

und

Einflussmöglichkeiten. Sie ermöglichen die Mitbestimmung und Selbstbestimmung Jugendlicher im Rahmen ihrer Aktivität und zeigen, dass Jugendliche die Ergebnisse selbst und in Zusammenarbeit mit Erwachsenen umsetzen.

Die

projektorientierten

Formen

stehen

an

dritter

Stelle

der

häufigsten

Beteiligungsformen in dieser Erhebung (17,2%). Der Systematisierung von Stange zu Folge,

sind

sie

den

Beteiligungsgraden

der

„Entscheidungsrechte“

bei

„Mitbestimmung“ und „Selbstbestimmung“ zuzuordnen. Ebenso schreibt Stange diesen Formen die Mitwirkung an der Umsetzung der Ergebnisse und der Partizipation an den Ergebnissen zu. Tatsächlich ergeben die Korrelationsberechnungen signifikante Ergebnisse dafür, dass die Entscheidungen der Beteiligungsaktivitäten von den Jugendlichen selbst umgesetzt werden, bei projektorientierten Formen viel häufiger zutrifft (p=0,04). Auch die Umsetzung der Entscheidungen von Jugendlichen gemeinsam mit Erwachsenen, trifft bei projektorientierten Formen signifikant häufiger zu (p=0,17). Die Umsetzung der Entscheidungen allein von Erwachsenen zeigt dabei einen negativen Zusammenhang, das heißt, die Umsetzung erfolgt viel weniger häufig von Erwachsenen als bei anderen Beteiligungsformen (p=0,001).


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Die projektorientierten Formen zeigen in Bezug auf Entscheidungsrechte, die Mitwirkung und Selbstbestimmung der Jugendlichen am stärksten zu ermöglichen. Leider ist aber auch hier die Chance, dass Meinungen der Jugendlichen von EntscheidungsträgerInnen angehört wurden, aber keine weiteren Auswirkungen auf den Entscheidungsprozess haben, in der Hälfte der Fälle gegeben. Die hohe Mitwirkungsund Selbstbestimmungschance liegt darin, weil die Handlungsebene bei den Jugendlichen bleibt. So liegt die Verantwortung und volle Entscheidungsmacht im Rahmen der Aktivität zum größten Teil bei den Jugendlichen.


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Kreuztabelle Anzahl Projektorientierte Formen ja Jugendliche bekamen oder bekommen Verantwortung und volle Entscheidungsmacht in dem Rahmen der Aktivität

Gesamt

nein

trifft sehr zu

11

3

14

trifft eher zu

13

8

21

trifft eher nicht zu

6

3

9

trifft gar nicht zu

3

5

8

33

19

52

Gesamt

Außerdem zeigt die Häufigkeitsverteilung, dass Jugendliche in den überwiegenden Fällen auch das Thema selbst wählen, bei dessen Umsetzung sie teilnehmen. Kreuztabelle Anzahl Projektorientierte Formen ja Jugendliche wählten oder wählen das für sie relevante Thema selbst und wirkten oder wirken an der Umsetzung mit Gesamt

Gesamt

nein

trifft sehr zu

13

3

16

trifft eher zu

11

11

22

trifft eher nicht zu

4

5

9

trifft gar nicht zu

5

1

6

33

20

53


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Jugendliche

haben

in

projektorientierten

Formen

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kaum

Stimmrechte

in

Erwachsenengremien. Ebenso außergewöhnlich ist es für projektorientierte Formen, dass Jugendliche Themenvorschläge im Gemeinderat machen.

3.4 Allgemeine Beteiligungsmöglichkeiten und was bisher konkret erreicht wurde Auf die gesamte Stichprobe bezogen, lässt sich feststellen, dass primär so genannte „Handlungsziele“ konkret erreicht wurden. An erster Stelle der konkret erreichten Inhalte steht mit 12,9%, dass eine bestimmte Veranstaltung stattgefunden hat. An zweiter Stelle wird mit 12,4% angegeben, dass ein eigener Jugendtreff eingerichtet wurde (z.B. Jugendzentrum, Jugendcafé, usw.). An dritter Stelle mit 11,4% steht die Tatsache, dass Jugendliche in den Medien stärker vertreten sind. 10,4% geben an, dass Aktivitäts- und Aufenthaltsräume im öffentlichen Raum attraktiver ausgestattet wurden. Ich vermute dabei, dass sich hier ein Rückschluss zu dem von der Stichprobe genannten Hauptziel (siehe Kapitel 3.5), Jugendlichen die aktive Gestaltung der Lebenswelt zu ermöglichen, ziehen lässt. Dabei stellt sich die Frage, was unter „Lebenswelt der Jugendlichen“ verstanden wird. Zieht man dazu einige Äußerungen der Befragten heran, auf die Frage, weshalb einige Ziele „eher schlecht“ oder „schlecht“ erreicht wurden, so wird häufig erwähnt, dass bestimmte Inhalte und Themen die Jugendlichen der Aktivitäten nicht interessieren würden. Leider können an dieser Stelle die Jugendlichen nicht selbst zu Wort kommen. Auffällig ist jedoch, dass in nur vier von 37 Fällen, die Probleme bei den „Erwachsenen“ thematisiert werden. Es wäre daher in weiteren Schritten zu untersuchen, ob auch politisches Handeln und Sprechen der Lebenswelt Jugendlicher überhaupt zugesprochen wird. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass erst an fünfter Stelle insgesamt geringe 9,9% angeben, dass Jugendliche konkret Einfluss auf gesellschaftspolitische Entscheidungen erreicht haben.


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Was am häufigsten von den TeilnehmerInnen der Aktivitäten konkret erreicht wurden Häufigkeiten von $konkreterreicht Antworten

Prozent

N Prozent der Fälle TeilnehmerInnen Es wurde konkret erreicht, dass ein eigener haben konkret erreicht

a

25

12,4%

48,1%

26

12,9%

50,0%

12

5,9%

23,1%

12

5,9%

23,1%

21

10,4%

40,4%

16

7,9%

30,8%

17

8,4%

32,7%

23

11,4%

44,2%

18

8,9%

34,6%

20

9,9%

38,5%

12

5,9%

23,1%

20 100,0%

388,5%

Jugendtreff eingerichtet wurde Es wurde konkret erreicht, dass eine bestimmte Veranstaltung stattfindet Es wurde konkret erreicht, dass dauerhafte Räumlichkeiten für größere Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden Es wurde konkret erreicht, dass Jugendinteressen bei der Verkehrsplanung in einem bestimmten Gebiet besser berücksichtigt werden Es wurde konkret erreicht, dass Aktivitäts- und Aufenthaltsräume für Jugendliche im Öffentlichen Raum geschaffen wurden Es wurde konkret erreicht, dass bestimmte Aktivitätsund Aufenthaltsräume im öffentlichen Raum attraktiver ausgestattet wurden Es wurde konkret erreicht, dass die Meinung von Jugendlichen in den Medien stärker vertreten ist Es wurde konkret erreicht, dass Jugendliche bei politischen Entscheidungen, die sie betreffen, ihre Meinung äußern können Es wurde konkret erreicht, dass Jugendliche eines Jugendvereins/Vereins als Interessenvertretung Einfluss auf gesellschaftspolitische Entscheidungen haben Es wurde konkret erreicht, dass Jugendliche Einfluss auf gesellschaftspolitische Entscheidungen haben Es wurde konkret Sonstiges erreicht

Gesamt

2 a. Dichotomie-Gruppe tabellarisch dargestellt bei Wert 1.


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Zuschreibung der Probleme bei der Umsetzung der Ziele der Aktivität 1. Die benannten Probleme drücken Zeitmangel und fehlendes Interesse der Jugendlichen aus: Weil das Interesse der Jugendlichen sich bei bestimmten Themen zu beteiligen fehlte.

Interesse der Jugendbeiräte ist jedoch nicht sehr groß. Jugendliche wünschen sich zu viel.

Die Gruppe wurde für fünf Jahre gewählt. Bei Jugendlichen würde eine Amtszeit von drei Jahren besser ankommen, da die Jugendlichen den Schul- und Unipflichten nachkommen müssen.

Fehlendes Interesse von Seiten der Jugendlichen, anderer politischer Wille der Erwachsenen.

Manche Jugendliche lassen in politischen Fragen und Angelegenheiten nur sehr zaghaft an sich ran. Sie haben vorgefertigte Meinungen und Einstellungen.

An bestimmten Themen waren die Jugendlichen nicht interessiert und wir haben keinen Weg gefunden, sie zu begeistern.

2. Die benannten Probleme setzen bei den Erwachsenen an: Weil sich die Gemeinde nicht wie vereinbart dazu verpflichtet hat

Die Entscheidungsträger sind nicht ausreichend gewillt, ihre Entscheidungsmacht an Jugendliche abzugeben. Die Jugendlichen werden zwar angehört, aber ihre Anliegen werden kaum umgesetzt.

Generell ist der Folgeprozess noch im Laufen, allerdings wurden die Anliegen der Jugendlichen von den politischen Trägern nicht wirklich als „wichtige“ Anliegen empfunden.

Fehlendes Verständnis und fehlende Bereitschaft der Entscheidungsträger.


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3.5 Ziele und Motive für die kommunale Jugendbeteiligung in Südtirol Trotz Vielfältigkeit der Beteiligungsformen sind sich die Befragten bei den Zielsetzungen der Beteiligung einig. Wichtigstes Ziel ist es, den Jugendlichen die aktive Gestaltung ihrer Lebenswelt zu ermöglichen und in zweiter Linie die Jugendfreundlichkeit der Gemeinde zu erhöhen.

Die

gesetzlichen

Vorschriften

der

Jugendbeteiligung,

wie

dies

die

Gemeindesatzungen in Südtirol sind, nehmen dabei als Ziel den letzten Rang ein.

Auch wenn die kommunale Jugendbeteiligung ihrer Form nach und in ihren Graden der Beteiligung sehr unterschiedlich ist, so bejahen einheitliche 98,1% der Befragten, dass es für ihre Aktivität zutrifft oder eher zutrifft, dass mit der Jugendbeteiligung den Jugendlichen die aktive Gestaltung ihrer Lebenswelt ermöglicht werden soll. 90,6% der Befragten geben an, dass sie die Jugendfreundlichkeit der Gemeinde erhöhen wollen und 86,8% möchten die Gewinnung Jugendlicher als aktive BürgerInnen. Den vierten Rang teilen sich gleich zwei Ziele. Mit 81,1% sollen einerseits demokratische Werte und Normen vermittelt werden, andererseits aber auch Jugendlichen die Möglichkeit geboten werden, bei Belangen, die sie selbst betreffen, auch selbst zu entscheiden. Die effektivere Lösung von Problemen ist den Befragten mit 79,2% das fünft wichtigste Ziel, 77,4% wollen die Sensibilisierung für ein Thema mit der Jugendbeteiligung erreichen und 75,5% eine erhöhte Identifikation mit der Gemeinde oder der Gruppe. An letzter Stelle der genannten Ziele für die Jugendbeteiligung steht die Umsetzung einer Verordnung oder eines Gesetzes mit nur 24,5% der Befragten die angeben, dass dieses Ziel für ihre Aktivität zutrifft oder eher zutrifft. Ebenso liegen die Ziele der individuellen Bildungschance mit 39,6% und die Erschließung neuer Zielgruppen mit 47,2% unter der 50%-Marke.


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Häufigkeiten der Ziele von Beteiligungsaktivitäten Häufigkeiten von $ZieleAktivitäten Antworten Prozent

N Häufigkeit Demokratische Werte und Normen vermitteln sauszählu ng der a

Ziele

Proze

der

nt

Fälle

43 6,6%

81,1%

Politikverdrossenheit entgegenwirken

32 4,9%

60,4%

Wissen zu politischen Institutionen vermitteln

29 4,5%

54,7%

Rechtsanspruch der Beteiligung von Jugendlichen

37 5,7%

69,8%

Umsetzung einer Verordnung/eines Gesetzes

13 2,0%

24,5%

Integration in die Gemeinde/die Gruppe

38 5,9%

71,7%

Demokratisches Lernen erm��glichen

36 5,5%

67,9%

Effektivere Lösung von Problemen erreichen

42 6,5%

79,2%

Neue Zielgruppen erschließen

25 3,9%

47,2%

Jugendliche als aktive BürgerInnen gewinnen

46 7,1%

86,8%

Entscheidungsmacht an Jugendliche abgeben

32 4,9%

60,4%

Sensibilisierung für ein Thema

41 6,3%

77,4%

Identifikation mit der Gemeinde/Gruppe

40 6,2%

75,5%

Politische Bildung für Jugendliche vorantreiben

31 4,8%

58,5%

Individuelle Bildungschance anbieten

21 3,2%

39,6%

Jugendfreundlichkeit der Gemeinde erhöhen

48 7,4%

90,6%

Jugendlichen die aktive Gestaltung ihrer Lebenswelt ermöglichen

52 8,0%

98,1%

Jugendlichen ermöglichen, bei Belangen, die sie selbst betreffen, selbst zu

43 6,6%

81,1%

entscheiden Gesamt

64 100,0 1224,5 9

a. Dichotomie-Gruppe tabellarisch dargestellt bei Wert 1.

%

%


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Das am häufigsten genannte Ziel der Beteiligungsaktivitäten ist es, die aktive Lebensweltgestaltung für Jugendliche zu ermöglichen

Die Umsetzung einer Verordnung oder eines Gesetzes ist kein nennenswertes Ziel für kommunale Jugendbeteiligung

Es scheint, als würden zwei Hauptmotive die Beteiligungsaktivitäten umspannen. Einerseits sollen Jugendbeteiligungsmodelle der Integration Jugendlicher dienen, in dem ihnen demokratische Normen und Werte vermittelt, aktive BürgerInnen gewonnen und effektivere Lösungen erzielt werden. Andererseits geht es um Jugendliche als aktive Gestalter der Lebenswelt und die Ermöglichung dieser Beteiligung und der Entscheidungsmacht Jugendlicher bei Belangen, die sie selbst betreffen. Dies zeigt sich nicht nur in den ersten Rängen der Zielbenennungen, sondern zieht sich auch durch den weitern Verlauf. So taucht das Ziel, Entscheidungsmacht an Jugendliche abzugeben erst an elfter Stelle mit 60,4% auf. Und diesen Rang teilt es sich ausgerechnet mit dem Ziel, der Politikverdrossenheit


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entgegenzuwirken mit ebensolchen 60,4%. Allerdings ist hier kritisch zu vermerken, dass gerade die Ziele der echten Partizipation in Südtirol an das Wohlwollen der EntscheidungsträgerInnen gebunden sind, die entscheiden, welche Belange Jugendliche betreffen. Als Motive und Gründe der Jugendbeteiligung gelten zwei Voraussetzungen als gleichrangig bedeutend. Die Befragten geben an, dass die beiden wichtigsten Gründe für die Beteiligung Jugendlicher, der Wunsch von öffentlichen EntscheidungsträgerInnen als auch der Wunsch von Jugendlichen, waren. Diese beiden Motivationsfaktoren liegen mit jeweils 33 Nennungen weit vorne in den Rangplätzen. Die letzten Plätze nehmen hier Gründe wie die Überzeugung von Einzelpersonen, anderer Erwachsener oder Eltern ein.

Motivationsfaktoren für die Beteiligungsaktivitäten Häufigkeiten von Motivation Antworten

N Motivationsfaktoren für Jugendliche wurden beteiligt, weil es ein Wunsch von Beteiligung

a

33

öffentlichen EntscheidungsträgerInnen war Jugendliche wurden beteiligt, weil es ein Wunsch von

Proze

der

nt

Fälle

25,2

62,3%

% 33

Jugendlichen war Jugendliche wurden beteiligt, weil es ein Wunsch von Eltern

Prozent

25,2

62,3%

% 7 5,3%

13,2%

6 4,6%

11,3%

11 8,4%

20,8%

7 5,3%

13,2%

war Jugendliche wurden beteiligt, weil es ein Wunsch von Erwachsenen war Jugendliche wurden beteiligt, weil man von Beteiligungsprojekten in anderen Gemeinden hörte Jugendliche wurden beteiligt, weil Einzelpersonen davon überzeugt waren Jugendliche wurden beteiligt, weil eine Rechtsvorschrift umgesetzt wurde Jugendliche wurden beteiligt, weil ein Projekt anstand Es gab Sonstige Gründe für die Jugendbeteiligungsaktivität Gesamt

19

14,5 %

12 9,2%

22,6%

3 2,3%

5,7%

131 100,0 247,2% %

a. Dichotomie-Gruppe tabellarisch dargestellt bei Wert 1.

35,8%


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3.6 Art der Zielerreichung der Aktivitäten Es ist wenig überraschend, wie TeilnehmerInnen der Aktivitäten versuchen, die Ziele der Aktivität zu erreichen. Mit 34,9% steht der Versuch, die Öffentlichkeit auf eigene Interessen aufmerksam zu machen, an erster Stelle. Dicht gefolgt vom Versuch, die Probleme durch die Aktivität selbst zu lösen, mit 34,0%. Dies ist nicht verwunderlich, wenn wir uns die häufigsten Formen der Jugendbeteiligung noch einmal vergegenwärtigen. Punktuelle, offene und projektorientierte Beteiligungsformen haben im Vergleich zu anderen, wie zum Beispiel repräsentativ-parlamentarischen Formen, aufgrund ihrer themenspezifischen Ausrichtung einen Vorteil darin, eigene Interessen zu vermitteln, weil sie sich an konkrete Themen, Aktivitäten oder Forderungen orientieren und damit auch den Medien und der bevorzugten punktuellen Berichterstattung entgegenkommen. Ebenso ist es ein Merkmal der offenen, punktuellen und projektorientierten Beteiligungsformen, die Probleme der Aktivitäten selbst zu lösen und nicht unbedingt in ständigen Aushandlungsprozessen mit der Erwachsenenebene zu stehen. Demnach steht auch der Versuch, politische Entscheidungen und ihre Ausführungen zu beeinflussen, an dritter Stelle mit insgesamt 28,3%.

Versuche, die Ziele der Aktivität zu erreichen Häufigkeiten von Art der Zielerreichung Antworten

Prozent

N Prozent der Fälle Art der

Versuch, politische Entscheidungen und ihre Ausführungen

30

28,3%

56,6%

37

34,9%

69,8%

36

34,0%

67,9%

3

2,8%

5,7%

10 100,0%

200,0%

Zielerreichung zu beeinflussen a

Versuch, die Öffentlichkeit auf ihre Interessen aufmerksam zu machen Versuch, die Probleme durch die Aktivitäten selbst zu lösen Andere Versuche die Ziele der Aktivität zu erreichen Gesamt

6 a. Dichotomie-Gruppe tabellarisch dargestellt bei Wert 1.


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3.7 Schwierigkeiten bei der Durchführung der Beteiligungsaktivitäten Als am häufigsten auftretende Schwierigkeiten, wird von der gesamten Stichprobe der Zeitmangel mit 28,9% genannt. Den zweiten Platz teilen sich mit jeweils 15,8% hier zwei Argumente für mögliche Schwierigkeiten, und zwar einmal die finanziellen Ressourcen und die Schwierigkeiten mit dem Umfeld (andere Institutionen, PolitikerInnen, NachbarInnen, u.s.w.). Weit hinten von dieser Rangabfolge an letzter Stelle, liegt mit 4,4% der Mangel an fachkompetentem Personal.

Schwierigkeiten der Aktivitäten Häufigkeiten von $Mangel Antworten

Prozent der Fälle

N Schwierigkeiten Mangel an fachkompetenten begleitenden Personen der Aktivitäten

Prozent

5

4,4%

11,1%

Mangel an finanziellen Ressourcen

18

15,8%

40,0%

Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit innerhalb der

15

13,2%

33,3%

33

28,9%

73,3%

6

5,3%

13,3%

18

15,8%

40,0%

12

10,5%

26,7%

7

6,1%

15,6%

a

Gruppe Zeitmangel Mangel an Infrastruktur (Räume, Materialien, u.s.w.) Schwierigkeiten mit dem Umfeld (andere Institutionen, PolitikerInnen, NachberInnen, ...) Mangel an Wissen, wie Beteiligungsmodelle für Jugendliche umsetzbar sind Mangel an professioneller Unterstützung für Gemeinden bei der Umsetzung der Gemeindesatzung zur Beteiligung von Jugend Gesamt a. Dichotomie-Gruppe tabellarisch dargestellt bei Wert 1.

114 100,0% 253,3%


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3.8 Die Begleitung bei Beteiligungsaktivitäten In der Befragung wurde mit Hilfe eines Filters gefragt, ob es eine Begleitung für die Aktivitäten gibt, die jedoch nicht inhaltlich mitarbeitet, sondern nur organisatorische und methodische Hilfestellungen gibt. 81,3% der Befragten sagen, dass es eine solche Begleitung gibt.

Organisatorische und methodische Begleitung der Aktivitäten

Die Gründe, weshalb es solche Begleitungen nicht gibt, verweisen alle darauf, dass die Begleitung auch inhaltlich mitarbeitet. Tatsächlich wurde erwähnt, dass Bürgermeister oder Jugendreferenten die selbst die Jugendbeiräte leiten, auch inhaltlich mitarbeiten. Leider wurden auch bei jenen Aktivitäten, die angaben organisatorische Begleitungen zu haben, evaluiert, dass ein Teil der Begleitpersonen inhaltlich zumindest stark beeinflussend sind. So wurden bei der Frage, wie die Begleitung bestimmt wurde, angegeben, dass bestimmte Fachkompetenzen ausschlaggebend waren. Neben Angaben wie „pädagogische Erfahrung“, „Hauptamtliche des Jugenddienstes“ sein, „Moderationserfahrung“ haben, und so weiter, zählte man dabei auch die Funktion „JugendreferentIn“ der Gemeinde zu sein, oder „Stadtrat/Stadträtin“ zu sein, auch zu solchen Fachkompetenzen. Die Ergebnisse zur Funktion und Stellenwert der Begleitung und zugleich auch jene, die die Schwierigkeiten der Umsetzung der Aktivitäten nicht in mangelndem fachkompetentem und begleitendem Personal sehen, sind daher mit eingeschränkter Gültigkeit zu genießen. Sicher ist damit, dass die Sensibilität einer unabhängigen Begleitung, die organisatorische Aufgaben übernimmt


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und Beteiligungsprozesse moderiert, wie sie im theoretischen Teil als wichtig verstanden wird, derzeit noch nicht zu beobachten ist. Vielleicht sind darauf auch die Schwierigkeiten mit dem Umfeld (zweitgrößtes Problem) und die Schwierigkeiten innerhalb der Gruppe der Aktivität zurückzuführen. Insgesamt bleibt also nur eine trockene Aussage zum Alter der Begleitpersonen. Die Begleitpersonen sind zu 48,4% über 30 Jahre und zu 45,2% zwischen 19 und 29 Jahre alt. Nur eine Minderheit von 6,5% zählt Begleitpersonen zwischen 15 und 18 Jahren zu ihrer Aktivität.

Alter der Begleitpersonen Häufigkeiten von Anzahl Begleitpersonen Antworten

Prozent der

Anzahl der Begleitperson en

a

N Prozent

Fälle

Anzahl der Begleitpersonen, die zwischen 19 und 29 Jahre alt sind

28

45,2%

70,0%

Anzahl der Begleitpersonen, die älter als 30 Jahre alt sind

30

48,4%

75,0%

4

6,5%

10,0%

Anzahl der Begleitpersonen, die zwischen 15 und 18 Jahre alt sind

Gesamt

62 100,0% 155,0%

a. Dichotomie-Gruppe tabellarisch dargestellt bei Wert 1.

3.9 Themenbereiche der Beteiligungsaktivitäten Die Aktivitäten beschäftigen sich hauptsächlich (mit 22,7%) mit dem Thema der Freizeitgestaltung. 20,2% sagen, dass sie sich damit beschäftigen, Räume/Treffpunkte für Kinder und/oder Jugendliche zu schaffen. An dritter Stelle mit 12,3% beschäftigen sich die Beteiligungsformen mit kulturellen Aktivitäten. 9,4% beschäftigen sich mit dem Thema der Rechte von Kindern und Jugendlichen.


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Häufigkeiten der Themen der Aktivitäten Häufigkeiten von $ThemenderAktivitäten Antworten Prozent

N Themen der Aktivitäten a

Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Bildung

Proze

der

nt

Fälle

11 5,4%

20,8%

Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Arbeit/Arbeitslosigkeit

5 2,5%

9,4%

Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Betreuung/Hilfe für bestimmte

7 3,4%

13,2%

Personengruppen Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Freizeitgestaltung

46

22,7

86,8%

% Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Räume/Treffpunkte für

41

Kinder/Jugendliche schaffen

20,2

77,4%

%

Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Orts- und Stadtplanung

11 5,4%

20,8%

Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Gesundheitsförderung

6 3,0%

11,3%

19 9,4%

35,8%

14 6,9%

26,4%

Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Umweltschutz

2 1,0%

3,8%

Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Massenmedien

7 3,4%

13,2%

Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Rechte von Kindern/Jugendlichen Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Sport

Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema kulturelle Aktivitäten

25

12,3

47,2%

% Die Gruppe beschäftigt sich mit anderen Themen

9 4,4%

Gesamt

17,0%

20 100,0 383,0% 3

%

a. Dichotomie-Gruppe tabellarisch dargestellt bei Wert 1.

4 Schlussbemerkungen Die wichtigste Frage in diesem Kontext, ist wohl jene, die die betroffenen Jugendlichen selbst zu Wort kommen lässt, das heißt: Ermöglichen die vorhandenen Beteiligungsmodelle politische

Teilhabe?

Ermöglichen

Beteiligungsmodelle

entsprechende

Kommunikationsprozesse, die das Gestalten von Welt im gemeinsamen Handeln


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ermöglichen? Ermöglichen Beteiligungsmodelle Erfahrungen und Verstehensprozesse, die Jugendliche im Handeln freier werden lassen? Auf Grundlage der hier angeführten Ergebnisse, lässt sich eine kritische Bilanz vor allem zu repräsentativ-demokratischen Modellen ziehen, wenn sie kaum Einflussmöglichkeiten bieten. Die momentane Situation verweist Jugendliche generell eher auf Nebenschauplätze der Beteiligung. Das Teilen von politischer Macht mit Jugendlichen wird nur sehr zaghaft vorgenommen. Allerdings wäre es auch zu hinterfragen, ob auch die so genannten „Erwachsenen“ eine politische Beteiligungskultur erfahren, in der auch sie echte Einflussund Entscheidungsmacht vermissen. Vielleicht ist dies die Frage überhaupt, die wir uns stellen müssen: Wo liegen unsere politischen Handlungsräume? Schlussendlich zeigen auch die Ergebnisse einen wichtigen Punkt auf: Die Umsetzung von Entscheidungen über das gemeinsame Handeln ist durchaus vorhanden. Und genau darin liegt die Chance, wenn wir es wollen: Dass wir gemäß der Selbst- und Welterkenntnis, im gemeinsamen Tun, Welt gestalten.


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Literaturverzeichnis Olk, Thomas (2008): Partizipation braucht kommunale Unterstützung. In: Bertelsmann (Hrsg.) (2008): „mitWirkung!“ in der Praxis. Erfahrungen – Ergebnisse – Erfolge. Gütersloh: Bertelsmann. Stange, Waldemar (2007): Partizipation von Kindern und Jugendlichen im kommunalen Raum I. Grundlagen. Band 1. Münster: Monsenstein und Vannerdat.


Fragebogenaktion zurkommunalen Jugendbeteiligung in Südtirol 2009