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Ausgabe 1/08 (Februar/März) www.noirmag.de

Haste mal ‘nen Euro? Banal. Doch welcher Wert steckt hinter jedem Stück Blech? Reportage

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Querbeet

Putzen, lächeln. Der harte Alltag als Toilettenfrau

Als Backpacker unterwegs durch Australien

WG-Wahnsinn beginnt morgens beim Wecker


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Interesse am Schreiben? Wir stellen die Menschen hinter Noir vor. Mehr dazu auf Seite 15

Inhalt – Noir 4

OHNE MOOS NIX LOS E

in Jahr Noir. Ein Jahr, um Träume zu verwirklichen. Ein Jahr, um die Menschen hinter dem Projekt kennen — und schätzen — zu lernen. Doch was macht Noir aus? Eine nüchterne Frage nach einem Jahr Existenz. Denn jede Ausgabe, jede Zeile, jeder Buchstabe kostet. Geld. Verlangt nach Berechtigung, Sinn. Abstriche sind notwenidig: Schwarz-Weiß. Dafür zählt die kommende Ausgabe zum ersten Mal vier Seiten extra; und schon diesmal eine neue Rubrik zum Austoben: die Reportage. Noir ist Kunst. Schreiben gleicht, mit Worten zu komponieren; Layout einem prachtvollen Rahmen, der das Auge auf den Inhalt lenkt. Leider ist es ein verbreitetes Schicksal, als Künstler an seinem Werk zu zweifeln, kleine, nichtige Makel zu entdecken. Gerade aus diesem Grund freuen wir uns über Kritik. Schließlich ist Noir für euch. Noir ist so etwas wie ein Kind, zur Zeit noch ein Baby. Es verlangt viel Aufmerksamkeit, Zeit. Und manchmal nervt es seine Eltern. Doch lässt sich erahnen, dass es bald seine ersten, eigenen Schritte tun wird. Die Spannung steigt. Ohne Moos mag zwar in finanzieller Hinsicht nicht viel los sein — Kreativität war aber praktischerweise schon immer umsonst. Katrin Ehmke

Fotos: jugendfotos.de (Giulio Missalla); photocase.de (Tschanga, 112680)

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Sport. Faszination Bobby-Car

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Kultur. Verfilmter Kriminalfall

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Thema. Gründe deine Firma

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Thema. Der Mythos Geld

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Thema: Was man nicht alles tut um Geld zu verdienen

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Porträt. Traumjob Finanzminister – Gerhard Stratthaus

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Reportage. Putzen beim FastFood-Riesen McDonald‘s

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Wissen. Yapaner sind steinreich

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Reise. Work & Travel Australien

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Reise. Roger Heidt im Interview

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Intern. Wer steckt hinter Noir?

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Querbeet. Mein erstes Mal

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Editorial

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Impressum

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RENNFAHREN EINMAL ANDERS Bierlaune weckt bekanntlich das Kind im Manne. Doch was passiert, wenn Männer ihren Kindern die Plastikautos klauen? Ganz klar: Sie jagen damit Berge hinunter

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ie Piloten rasen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 110 Kilometern pro Stunde den Berg herunter. Nehmen galant die Kurve. Rauschen nur knapp vorbei an der durch Strohballen abgesicherten Bande. Die Reifen krallen sich in den Asphalt. Die Konkurrenz ist dicht auf den Fersen. Das Publikum jubelt und eifert mit. Wer wird zuerst die Ziellinie überqueren? In aerodynamischer Rückenlage, ähnlich wie beim Rennrodeln, liegen die Sportler auf ihren Fahrzeugen. Das erfordert Bauchmuskeln aus Stahl, Nerven wie Drahtseile, Mut und gute Kondition. Endspurt! Der rote Büffel auf der Motorhaube blitzt im Sonnenlicht. Moment — roter Büffel — kennen wir dieses Auto nicht aus unserem Kinderzimmer? Die Schrecken aller Mütter, die ihrem Sprössling gerade neue Schuhe gekauft haben. Und aller Nachbarn, die durch das laute Fahrgeräusch von ihrem Mittagsschlaf abgehalten werden: Bobby-Cars. Kaum ein Kinderzimmer, keine Familiengarage, in der sich kein roter Flitzer findet. Nur irgendwann sind die Beine zu lang und andere Fortbewegungsmittel verdrängen den Bobby-Car. Bis Papa ihn dort wieder hervorkramt, frei nach dem Motto „Pimp my Bobby Car“ und ab geht es auf die Piste. Aus einer Bierlaune am Vatertag 1994 entstand der Bobby-Car-Club Deutschland, kurz BCCD. Seit 1998 ist der Rennclub eingetragener Verein. Inzwischen geht es sogar um die deutsche Meisterschaft. Schnell stellte sich heraus, dass die Gründer des BCCDs eine Marktlücke entdeckt hatten, die den Vorstand des Clubs fast hauptamtlich beschäftigt. Mittlerweile gibt es rund 200 BobbyCar-Fahrer in Deutschland — Profis, Amateure und Jugend. Jährlich finden bis zu zwölf offizielle Rennen statt; hinzu kommen hunderte Funrennen. Der Club ist außerdem im Eventbereich tätig und unterstützt Veranstalter. „Eine Bobby-Car-Rennstrecke ist zwischen 500 und 1000 Metern lang, muss Gefälle

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Der Bobby-Car im Straßenverkehr? Zum Glück finden die Bobby-Car-Rennen auf abgesperrten Strecken statt. Nichtsdestotrotz faszinieren die Rennen sowohl die Großen als auch die Kleinen.

haben und Kurven“, erklärt Uwe Wagener, Präsident des BCCD. Paarweise starten die Rennfahrer aus dem Stillstand. Durch das natürliche Streckengefälle gewinnen die Bobby-Cars schnell an Tempo. Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 110 Kilometern pro Stunde kann ein Bobby-Car auf der Rennstrecke erreichen — „deswegen braucht ein guter Bobby-Car-Rennfahrer neben Kondition und einer guten Körperhaltung vor allem eines: Mut“, sagt Uwe Wagener. Damit sich die Fahrer bei waghalsigen Fahrmannövern nicht verletzen, sind Motorradschutzkleidung und Helm Pflicht. Denn der ein oder andere Sturz ist Alltag. Außerdem ist sowohl bei Landesausscheidungen als auch der deutschen Meisterschaft nur ein Modell zugelassen: der Big Bobby-Car mit dem klassichen, prägnanten roten Büffel auf der Motorhaube. Das Kunststoffgehäuse mit einer maximalen Fahrzeuglänge von 74 Zentimetern muss auf jeden Fall beibehalten werden.

„Aktiven Profis bleibt aber ausreichend Spielraum, ihre Rennwagen individuell aufzupeppen“, erklärt BCCD-Geschäftsführer Mike Knigge: „Zum Beispiel mit modifizierter Lenkung, verstärktem Unterbau und hochwertiken Keramiklagern.“ Die Rennen selbst haben sich zu einem wahren Publikumsmagnet entwickelt. Kein Wunder, denn der Bobby-Car-Rennsport hat jede Menge Unterhaltungswert und fordert den Lachmuskeln der Zuschauer Höchstleistungen ab. Inzwischen verschwinden die ungläubigen Mienen von den Gesichtern der Menschen, wenn Uwe Wagener von seiner Lieblingssportart schwärmt: „Inzwischen ist der Sport sehr bekannt.“ Lässt sich bei kleinen Kindern erahnen, ob sie das Talent zum Bobby-Car-Rennfahrer haben? „Auf jeden Fall!“ Uwe Wagener ist sich sicher: „Körperhaltung und Einstellung zum Rennsport sind leicht zu erkennen.“ Nachwuchs steht also bereits in Miriam Kumpf den Startlöchern.

Foto: Jugendfotos.de (Annkathrin Gerbes)


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TÖDLICHE FREUNDSCHAFTEN Alpha Dog beruht auf einem wahren Kriminalfall. Nick Cassavetes hat daraus einen Film gemacht, der bis zur letzten Szene begeistert

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as Drama glänzt durch Spannung der Jugendlichen haben mit ihren eigeund Dramatik bis zur letzten Minu- nen Leben zu kämpfen. Sie finden keine te. Die Story beruht auf einem wahren Kri- Zeit für die Probleme ihres Nachwuchses. minalfall, und obwohl das tragische Ende Als einer von Johnnys Drogenkurieren, von Beginn an vorgezeichnet ist, gelingt es Jake Mazursky (Ben Foster), seine Schuldem Drehbuchautor und Regisseur Nick den nicht zurückzahlen kann, bricht ein Cassavetes das Publikum in den Bann zu Machtkampf aus: Als Pfand für die Schulziehen. Es entwickelt sich eine bedrohliche den und aus Rache kidnappt Johnny Jakes und hitzige Atmosphäre. Obwohl die sich jüngeren Bruder Zack Mazursky (Anton Yelchin). zuspitzende HandDa er nicht weiß, lung eine Katastrophe Das Leben als eine wohin mit der Geisel, andeutet, erzeugt die eine irrsinStimmung einen aneinzige rauschende Party beginnt nige Odyssee. Franderen Eindruck: Wie kie Ballenbacher (Juaus dem Nichts werstin Timberlake), ein den die Jugendlichen Freund Johnnys, nimmt Zack vorübergezu Kriminellen. Johnny Truelove (Emile Hirsch) ist Dro- hend bei sich auf. Der pubertierende Zack gendealer und Anführer einer Clique. Um findet Gefallen an seiner neuen Situation: der Langeweile in dem reichen Vorort von Er kann der überfürsorglichen Erziehung Los Angeles zu entfliehen feiern die Kids seiner Eltern Olivia (Sharon Stone) und ihr Leben als eine einzige Party voller Al- Butch (David Thornton) entfliehen. Zack kohol, Drogen- und Sexexzesse. Sie eifern genießt seinen Ausflug in die andere Welt ihren Idolen aus Rapmusik, Filmen und und macht erste Erfahrungen mit AlkoVideospielen nach und versuchen deren hol, Drogen und Sex. Während Zack den Gangsterdasein zu imitieren. Die Eltern Ernst der Lage nicht erkennt, spitzt sich

die Situation zu: Seine Eltern schalten die Polizei ein und Jake droht Johnny mit Mord. Johnny und seinen Freunden wird klar, dass sie sich strafbar gemacht haben. Johnny sieht nur eine Lösung für sein Problem: Zack soll sterben. vk

Hö renswert

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Imogen Heap: Elektro-Pop mit Gänsehaut-Feeling

Ein Lexikon-Ausflug

OC-California Fans kennen ihre Songs: Imogen Heap. Die Musik der 29-jährigen Britin taucht in nahezu allen entscheidenden Szenen der Pro7-Serie auf und sorgt für Gänsehaut. Doch Heap ist keineswegs eine Musikerin, die übliche Pop-Songs für Teenie-Serien zum Besten gibt und nach kürzester Zeit wieder von der Bildfläche verschwindet. Der englischen Sängerin gelingt es mit ihrem unverkennbaren Musikstil, der stark durch elektronische Elemente geprägt ist, auch anspruchsvolle Kritiker zu überzeugen. Spätestens seit ihrer Grammy-Nominierung 2007 erfreut sich Heap zunehmender weltweiter Popularität. Ihre Lieder sind auf zahlreichen Soundtracks wie „Der letzte Kuss“ und „Six Feet Under“ zu finden. 2007 kam ihr Album

Der amerikanische Autor A. J. Jacobs laß die Encyclopaedia Britannica, das älteste und umfangreichste Lexikon in englischer Sprache. Die Reise geht durch die 33 000 Seiten der Britannica und zeigt das Spannendste, Lustigste und Skurrilste aus 10 Milliarden Jahren Geschichte. Jacobs schildert seinen Wissenshunger mit großer Hingabe: Der Leser kann nicht mehr genug bekommen von der bunten, chaotischen und schillernden Menschheitsgeschichte. „Britannica und ich“ ist ein Buch für Schatzsucher, ein aufmunternder Schulterklopfer für leidenschaftliche Faktensammler und Querdenker, aber vor allem eine Liebeserklärung an unsere Welt mit ihren merkwürdigen Bewohnern. (A. J. Jacobs: Britannica und ich, List Verlag)

„Speak For Yourself“ in die deutschen Plattenläden: zwölf Songs zum Träumen, Weinen und einfach Glücklich-Sein. Keiner der Titel kann in ein Schublade gesteckt werden. Man könnte Heaps Musik jedoch der Kategorie des Elektro-Pop zuordnen. Rockige, melodiöse und klassische Elemente sind ebenfalls zu hören. Der ungewöhnliche Einsatz der einzigartigen Stimme der Sängerin verleiht „Speak For Yourself“, das im Übrigen von Heap selbst geschrieben, komponiert und produziert wurde, einen sehr persönlichen Charakter. 2008 soll ein neues Album erscheinen. Ein guter Zeitpunkt, um sich mit ihrem aktuellen Album die Wartezeit zu verkürzen. Doch „Speak For Yourself“ vermag weit mehr ls als das.

Jugendliche werden zu Gangstern

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Foto: xinbattlex/photocase.com

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HEUTE GRÜNDEN WIR EINE FIRMA Wirtschaft ist dröge. Hat schließlich was mit Mathe zu tun. So oder ähnlich klingen gängige Vorurteile deutscher Schüler. Wie realitätsnah und aufregend Wirtschaft sein kann, entdeckt ein Stuttgarter Gymnasium

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ine Schülerfirma gründen. Das stellen sich die Schüler der zwölften Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Stuttgart schwierig, aber gleichzeitig überaus spannend vor. In ihrem Wirtschaftskurs eröffnet sich ihnen die Möglichkeit, den schwierigen Weg von der ersten Idee zur Gründung einer echten Firma zu gehen. Noir berichtet, auf welche Schwierigkeiten sie dabei stoßen, welche Höhen und Tiefen sie nehmen und ob das Projekt letztendlich gelingt oder floppt. 1. Woche: Wer eine Firma gründet, verfügt normalerweise über eine zündende Produktidee,

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mit der scheinbar viel Geld zu holen ist. Doch eine solche Idee findet sich nicht auf der Straße. Nein, intensives Suchen ist angesagt. Ein weiterer Stolperstein: der gemeinsamer Nenner. Für 22 verschiedene Meinungen in einem Raum — schlichtweg illusorisch. Die Idee soll bahnbrechend, kreativ sein und die breite Masse ansprechen. Hehre Ziele für Wirtschaftsneulinge mit spärlichen Vorkenntnissen. Unmöglich? Nein. Zuerst stecken die Oberstüfler ihre Ziele ab: Ihr Gymnasium, die GeschwisterScholl-Schule, stellt den Löwenanteil an künftigen Konsumenten. Das Endprodukt muss also Schüler faszinieren und vielleicht sogar weitere Wellen schlagen.

2. Woche: Die Nerven der Teilnehmer liegen blank. Doch durch unzählige Diskussionen gewinnen erste Ideen immerhin an Dimension. Aber welche bringt die meisten Kunden? Das meiste Geld, den meisten Spaß? Ist jene Idee überhaupt realisierbar, oder führt ihr Weg zielsicher in den Ruin? Fragen über Fragen stehen im Raum. Ratlosigkeit in den Gesichtern. Ein weiterer Knackpunkt stellt die Branche der künftigen Schülerfirma dar: Dienstleistung oder Produktion? Die Einigung fällt auf letzteres. Denn etwas Handfestes spiegelt direkt den Erfolg am Kunden wider. Zudem reizt die Vorstel-

Foto: photocase.de (User: krockenmitte)


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lung, etwas selbst zu fertigen: in Eigenregie zu produzieren — das geschieht nicht alle Tage. 3. Woche: Weitere hitzige Diskussionen später, formulieren die Schüler die endgültige Produktidee. Die Entscheidung fällt auf eine Auswahl an Textilien: T-Shirts, Pullis, Polos und Kaputzenpullis. Ein Aufdruck, veredelt mit unterschiedlichen Motive und Schriftzügen. Statt wie mit Farbe im Copyshop vorzugehen, werden Folien mithilfe einer Presse, die starken Druck und Hitze erzeugt, auf die Kleidung gepresst. Ein Schneideplotter stanzt zuvor die Motive aus großen Folienflächen. Zwei Foliensorten sind im Gespräch: Flexfolie — sehr dünn, gummiartig. Und Flockfolie — etwas dicker, aber schön weich. Sie steht dadurch von der Kleidung etwas ab. Die spannende Idee der Textilveredelung wirft ein Teilnehmer, der sich wenig später per Wahl Geschäftsführer nennen darf, in die Runde. Doch die Frage, wie das Unternehmen organisiert wird, ist damit noch lange nicht vom Tisch. Wer soll leiten? Wie viele Abteilungen hat die Firma? Wer wird Abteilungsleiter? Die Schüler wählen: Technik, Verwaltung, Marketing, Finanzen und Presse. Abteilungsleiter und Geschäftsführer stehen schnell fest.

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fest stehen. Kriterien sind primär Preis und Qualität. Denn ein günstiger Preis und Individualität gehören zur neuen Unternehmensphilosophie. Als Partner für Kleidungsstücke und Folien überzeugt „Fruit of the Loom”, die hochwertige, für den Druck geeignete Kleidungsstücke offerieren. Die passenden Maschinen mietet die Schülerfirma zum fairen Preis. Die Katakomben des Geschwister-Scholl-Gymnasiums stellen den Produktionsraum, obwohl „Kabuff“ aufgrund der Größe bezeichnender scheint. 5. Woche: Bis zur ersten Produktion vergeht jedoch noch einige Zeit. Die Rohmaterialien sind zwar bestellt, allerdings nicht geliefert. Geodert wird zur Sicherheit nach Bedarf, nach Auftragslage. Das Startkapital stammt aus Anteilsscheinen. Diese kaufen Familienangehörige, Freunde und Bekannte. Um die Herstellung zu erproben und um zusätzliches Geld zur Verfügung zu haben, werden vorerst firmeninterne Shirts bedruckt. Darauf prangt groß die Internetadresse sowie der Firmenname, um damit in der Schule Werbung zu machen. Als weitere Werbemaßnahme erscheint das neue Logo auf großen Plakaten, die im Gymnasium ihren Platz finden. Außerdem steht die Homepage als Marketingplattform bereit. 6. Woche:

4. Woche: Das nächste große Problem: die Namensfindung. Der zukünftiger Name soll frisch, jugendlich, interessant, irgendwie individuell klingen und auf die Produkte schließen lassen. Schlussendlich überzeugt „But ’n’ Print“ — eine Mischung aus „Rock ’n’ Roll“, „Button“ und „Print“. Ein dazu passendes Logo gestaltet ein Mitschüler professionell am Computer. Jetzt fehlen nur noch Kleidung zum Bedrucken, passende Folien, vor allem Maschinen und ein Produktionsraum. Trotz Feiertagen wird das Internet so lange durchkämmt, bis für Kleidung und Druckfolien die passenden Partner

Die Zeit der Verwirklichung der Produktidee ist gekommen: Die Materialien für den ersten Druckversuch liegen bereit. Der Schneideplotter stanzt das erste Motiv heraus. Behutsam trennen die Schüler das Motiv von der verbliebenen Folie. Dann glättet die Presse das T-Shirt, damit das Motiv richtig angepasst werden kann. Nachdem es an der richtigen Stelle des Kleidungsstückes seinen Platz gefunden hat, druckt es die Presse auf. Das Ergebnis ist fantastisch: Die Folie schmiegt sich perfekt an den Stoff an. Die Begeisterung ist groß, und die Drucke für die restlichen Kleidungsstücke gehen rasch von der Hand. »

Aktionäre stellen das Startkapital

Foto: Eva Rothfuß (jugendnetz.de)

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Wirtschaft in die Schule! „Wirtschaft“ soll Pflichtfach in BadenWürttemberg werden, findet Andreas Spengler. Davon profitieren alle: Unternehmen, Regierung und vor allem Schüler

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ine Firma gründen. Das ist für viele Schüler eine neue Erfahrung: Kreativ sein, Kosten kalkulieren, über Werbeund Verkaufsstrategien grübeln und mit Glück das eigens hergestellte Produkt verkaufen. Hier lernen die Jugendlichen im Kleinen, was später in vielen Berufen von ihnen erwartet wird. Schade nur, dass Schülerfirmen bisher kein fester Bestandteil des Schullebens sind. Denn bereits in der Schule sollten Jugendlichen wirtschaftliche Zusammenhänge und der Umgang mit Finanzen vermittelt werden. Die beste Möglichkeit dafür: Wirtschaft als Pflichtfach! Hierbei geht es nicht darum, künftige Topmanager heran zu züchten oder die Schüler von klein auf nach den Wünschen der Wirtschaft zu trimmen! Im Gegenteil: Wer besser versteht, wie ein Unternehmen handelt, wie Börse und Aktien funktionieren und welche Auswirkungen Angebot und Nachfrage auf die Preise haben, der lernt bewusster, mit seinem eigenen Geld umzugehen und sich vor dubiosen Verträgen zu schützen. Wer heute in Baden-Württemberg als Abiturient die Schule verlässt, weiß kaum, wie ein gültiger Vertrag geschrieben wird, was eine Inflationsrate oder der Unterschied zwischen Mehrwert- und Umsatzsteuer ist. Wen wundert es da noch, dass die Verschuldung unter Jugendlichen zunimmt? Jugendliche brauchen so früh wie möglich eine ökonomische Allgemeinbildung. „Wirtschaft“ als Schulfach könnte dabei Mathematik viel praxisnaher vermitteln und auch auf ethische, geschichtliche und gesellschaftliche Aspekte eingehen. An bayerischen Gymnasien zum Beispiel gibt es das Pflichtfach „Wirtschaft und Recht“. In BadenWürttemberg ist Wirtschaft lediglich ein kleiner Teil des Gemeinschaftskunde-Unterrichts in der Oberstufe. Doch gerade das Land der Tüftler und Erfinder sollte ein Interesse an kreativem Potential und wirtschaftlich-interessierten Jugendlichen haben. Zahlreiche Schülerfirmen machen deutlich: Kreatives Potential und die Lust, sich mit Wirtschaftsthemen zu beschäftigen, existiert. Jetzt muss man ihnen nur noch die Möglichkeit dazu geben, dies auch umzusetzen.

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7. Woche: Schon in der darauf folgenden Woche stolzieren die Teilnehmer mit ihren selbst bedruckten Produkten durchs Schulhaus. Sofort landet der erste Großauftrag auf dem Schreibtisch. Das Schulmotiv soll im richtigen Licht erscheinen. Dazu bereitet die But ‘n‘ Print einige Anschauungsexemplare in verschiedenen T-Shirt- und Folienfarben vor. Die gesamte Stufe ist Feuer und Flamme: Stufenshirts werden zum Verkaufsknüller. Und der Ansturm nimmt kein Ende. Die ersten Vereine klopfen an die Tür: Der SVS Sillenbuch sowie der TSV Heumaden wollen ihre Trikots drucken lassen. Einige Schulen und Kindergärten zeigen bereits Interesse und ziehen nach. Voller Eifer werden die gewünschten Materialien bestellt. Die Ausarbeitung der Motive beginnt. 8. Woche: Vor lauter Begeisterung über den Erfolg der Textilveredelung geraten die Buttons in Vergessenheit. Doch weder ein Schneideplotter zum Ausschneiden der Motive, noch eine Buttonmaschine stehen zur Verfügung. Eilig sucht man nach adäquaten Maschinen. Geld steht zum Glück ausreichend zur Verfügung, wie die Finanzabteilung der kleinen Schulfirma stolz mitteilt. Die Marketingabteilung macht sich indes daran, sowohl Produktkatalog als auch

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Aussehen des Verkaufsstands zu entwerfen. In der Diskussion stehen weitere Werbemaßnahmen wie Kinowerbung. Die ist überraschenderweise relativ günstig. An dieser Stelle kommt die Presseabteilung ins Spiel. Sie schreibt Zeitungen und Magazine an, um das Interesse an der Schülerfirma stuttgartweit zu wecken. Die Technik hingegen ist mit der Verarbeitung von Textilien und der Herstellung von Buttons restlos ausgelastet. Teils müssen von anderen Abteilungen Kräfte abgezogen werden.

Kinowerbung ist gar nicht so teuer Die folgenden Wochen wird produziert, geplant, verhandelt, diskutiert, verkauft, Ideen ausgearbeitet, wieder diskutiert, bestellt, gestritten, vermarktet und noch mal diskutiert. Bald zählt der Verkaufsstand zum festen Inventar im Pausenhof. Der Warenkatalog findet neugierige Bewunderer. Die ausliegenden Folien mit fertigen Motiven werden bestaunt, die ersten Bestellformulare für Kleidung ausgefüllt und schon einige Dutzend Buttons verkauft. Die Schüler begeistern sich sofort über die zwar nicht gerade neue, aber interes-

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sant inszenierte Produktidee. Besonders die Individualität und die Qualität der Kleidungsstücke findet großen Anklang. Dass nicht nur vorgefertigte Motive in den Druck kommen, sondern auch eigene Ideen verwirklicht werden, überzeugt selbst härteste Skeptiker. Der Pausenverkauf dauert die gesamte Woche an. Donnerstag, 10. Januar: Der große Tag ist gekommen. Die erste Aktionärshauptversammlung steht auf dem Abendprogramm. Jetzt zeigt sich, ob die Aktionäre die Schülerfirma annehmen. Die Teilnehmer des Projekts richten einen kleinen Versammlungsraum der Schule mit Stühlen, Computer, Beamer und einigen Getränken her. Im Eingangsbereich darf natürlich der Stand als Anschauungsobjekt nicht fehlen. Jeder Abteilungsleiter präsentiert einen kurzen Bericht über seine jeweilige Abteilung. Die Gönner sind kritisch — schließlich geht es um ihr Geld. Die Aufregung steigt, obwohl der Großteil der Aktionäre aus Familienangehörigen und Bekannten besteht. Wird das Projekt bestehen? Doch zur großen Erleichterung verläuft der Abend ohne größere Pannen. Interessierte löchern im Anschluss mit drängenden Fragen. Auch der Produktionsraum hält der Besichtigungswelle stand. Die Schüler sind sich sicher: Die kleine, neue Schülerfirma besteht die Probe und ist im Geschäft! A n n - K a t h r i n Fr e u d e

Fotos & Montage: Tobias Fischer


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VON ZASTER, MÄUSEN UND MONETEN Geld ist für uns alltäglich. Wer keines hat, träumt davon, welches zu haben. Und wer viel hat, sollte sich auch Gedanken machen: Denn Geld ist prinzipiell absolut wertlos. Noir berichtet über den Mythos Geld

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insfünzig bitte“, fordert die Kassiererin gelangweilt. Der kleine Betrag wechselt schnell von der Geldbörse in die Supermarkt-Kasse. Die alltäglichste Sache Welt erscheint selbstverständlich. Erst auf den zweiten Blick enthüllen Scheine und Münzen ihre wahre Herkunft. Täglich wechseln Milliarden Münzen und Scheine den Besitzer. Die Faszination zum abstrakten Zahlungsmittel und dessen Wert kennt keine Grenzen. Doch hinter der wertvollen Fassade steckt oft nicht mehr als ein Stück bedruckte Baumwolle oder wenige Gramm Metall. Der eigentliche Wert entpuppt sich erst spät und wird mit allen Mitteln geschützt. Unter hoher Sicherungsstufe werden tonnenweise Stahlblechrollen in die Gebäude der Deutschen Bundesbank geliefert. Das unscheinbare Metall ist jedoch alles andere als normal: Aus der Sonderlegierung werden binnen weniger Stunden Euromünzen. Das scheinbar wertlose Metall vervielfacht seinen Wert. Die Produktion von Geld ist augenscheinlich leicht. Doch steckt hinter Prägemaschine und Druckstraße eine Meisterleistung und eine ine Entwicklung über Jahrhunderte. Der Tauschhandel ist aller Anfang des modernen Geldes. Lange Zeit war er die einzige Möglichkeit, nicht selbst produzierte Waren zu ne erwerben. Das System offenbarte eine er den große Schwäche: Man musste immer passenden Tauschpartner für seinee Ware finden. Als Nachfolger der mittlerweile popuer wurlären Zwischengüter Gold und Silber weiten den von den Chinesen schon im zweiten eitliche vorchristlichen Jahrtausend einheitliche en geund ständig vergleichbare Münzen n Folge schlagen und ein Wert festgelegt. In der einfacheren Tauschgeschäfte wuchs der Handel stetig an. Münzen wurden setzten knapp. Schuldscheine auf Papier ersetzten urce — an vielen Stellen die knappe Ressource cheine aus Mangel waren die ersten Geldscheine geboren. system In Krisenzeiten wurde das Geldsystem jedoch hinfällig. Zigaretten oder Natura-

Foto: photocase.de (User: mentaldisorder)

lien ersetzten die inzwischen wertlosen Scheine und Münzen. Die Binsenweisheit „Geld kann man nicht essen“ wurde zum Ausdruck eines einfachen, aber im Grunde wertlosen Systems. Die turbulenten Zeiten des Geldes enden langsam im 20. Jahrhundert. Die Funktion des Geldes erblüht zu voller Pracht. Stabilität rückt in den Vordergrund. Während der Findungsphase verliefen viele Versuche miserabel für die Wirtschaft: Die Engländer schmolzen ihre Münzen, deren Materialwert höher als der Geldwert war, in großen Massen ein. Einige Kilometer weiter in Richtung Osten waren die Münzen so laienhaft hergestellt, dass selbst unerfahrene Bürger aus wenig Metall eigene Münzen prägten — undenkbar in der heutigen Zeit, denn ein Geldsystem mit Lücken ist eine akute Gefahr für das gesamte Land. Für jeden Geldwert, den ein Land ausgibt, muss eine entsprechende Kaufkraft vorhanden sein. Gibt ein Land ohne Beschränkungen Münzen oder Scheine aus, würde die entssprechende sp rechende Kaufkraft fehlen. Die katastrophal. IInflation In flation stiege katastropha al. Zur Überwachung dieser komplexen Abläufe wird stän-

dig das Angebot eines Landes beobachtet und der Wert der Währung durch Anpassung der Stückzahl reguliert. Die größten Geldbeträge laufen schon lange nicht mehr über Schein und Münze: Das Buchgeld und Bankkonten ersetzen einen Großteil des gesamten Bedarfs. Weite Geldtransporte sind beinahe unnötig, und im Sinne

Tausche Kamele gegen Jungfrau der fast absoluten Sicherheit ist ein Geldtransfer nur wenige Klicks am Computer entfernt. Scheine und Münzen mit dem Gegenwert alles Kaufbaren auf dieser Welt zirkulieren zwischen Mensch und Mensch. Geld ist das am häufigsten gefälschte Produkt, denn der Wert ist sofort existent und kann mit nur geringem Aufwand eingelöst werden. In der modernen Währung Euro befinden sich in den Scheinen über zehn, teilweise geheime Sicherheitsmerkmale und die Münzen sind aus speziellen, streng geheimen Metallen. Denn nur durch Limitierung und Sicherheit des Gutes Geld kann auch in der Zukunft der Wert garanAdrian Bechtold tiert werden.

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„ALSO, FRAU STAATSSEKRETÄRIN... “ Flexibel, spontan, ehrgeizig und mies bezahlt: Die Karriere vieler junger Journalisten beginnt bei der Lokalzeitung. Die Noir-Autorin hat für einen Studenlohn von rund drei Euro viel durchgemacht

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er Abend beginnt damit, dass meine Lokalchefin wegen eines harmlos scheinenden Termins anruft und ich nicht nein sagen kann. Der Termin klingt nicht schlecht: Diskussion und Vesper mit Bauern und einer Staatssekretärin. „Super“, denke ich, „die Staatssekretärin will bestimmt schnell nach Hause, dann dauert der Termin nicht so lange.“ Der Hof liegt weit hinten in einem Tal im Schwarzwald. Die Wegbeschreibung klingt einfach. Fast zu einfach. Mein Vater will mir eine Landkarte mitgeben. Ich lehne dankend ab: „Ich finde das auch ohne Karte!“ Letztendlich besuche ich zwei Bauern in ihren Ställen und halte sie vom Kühe melken ab, um nach dem richtigen Weg zu fragen. Ich finde den Hof gottverlassen am Ende eines Tales auf 1000 Metern Höhe nach einer langen Irrfahrt durch viele andere Täler. Dort warte ich mindestens eine halbe Stunde im neu renovierten Vesperkeller des Gastgeberbauern auf die Frau Staatssekretärin. Ich sitze neben meinem Journalistenkollegen von der Konkurrzenzzeitung, der eine Stimme hat wie eine Frau und eine Nachtzugphobie. Davon abgesehen ist die Warterei sehr angenehm: Der Gastgeberbauer ist freundlich und der Hoferbe jung und hübsch. Endlich kommt Frau Staatssekretärin mit ihren Begleitern. Die bereits anwesenden Bauern, mein Kollege und ich ziehen vom Stammtisch an den Vespertisch um. Es werden Vesperplatten mit kiloweise Fleisch aus eigener Schlachtung aufgetragen. Niemand traut sich, sich zu bedienen. Also fängt der Gastgeberbauer an zu reden. Und zu reden und zu reden und zu reden. Ich finde ihn bereits nach wenigen Sät-

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zen nicht mehr so nett wie vor einer halben Stunde. Ich habe die Befürchtung, dass es den ganzen Abend so weitergeht. Richtig. Zwischendurch fängt endlich jemand an, sich an der Vesperplatte zu bedienen. Alle anderen machten es nach. Durch das Essen bin ich zwischenzeitlich zufrieden gestellt und kann den redenden Gastgeberbauern halbwegs ausblenden. Er redet und redet und seine sich ständig wiederholenden Lieblingsphrasen sind: „Also, Frau Staatssekretärin...“ und

Geht doch gar nicht. Geht ja wohl! Jung und motiviert tun wir uns oft Undinge an

„Frau Staatssekretärin, ich sag Ihnen jetzt mal was ...“ Der Gastgeberbauer hat viel zu sagen. Zu viel für meinen Geschmack. Nach und nach haben die anderen Bauern genug gevespert, das dritte Bier getrunken und mischen sich lebhaft in die Diskussion ein. Auerhähne, wegen denen keine Windkrafträder gebaut werden dürfen. Frauen,

deren Einsatz in der Landwirtschaft nicht gewürdigt wird. Milchkühe, deren Haltung sich nicht mehr rechnet. Jeder muss mindestens drei Mal lautstark bekräftigen, dass es ihm genauso schlecht geht wie dem Gastgeberbauern. Frau Staatssekretärin hört aufmerksam zu. Oder sie ist eine gute Schauspielerin. Familie scheint sie keine zu haben: Sie macht keine Anstalten nach Hause zu wollen. Nach drei Stunden verabschiedet sich mein Kollege von der Konkurrenzeitung. Ich zögere. „Soll ich mich mit ihm verdrücken?“ Meine journalistische Sorgfaltspflicht hindert mich daran. Vielleicht passiert noch etwas Spannendes! Und dann war ich nicht dabei und niemand hat es aufgeschrieben. Leider haben die Bauern nichts Neues zu erzählen. Aber das macht nichts. Sie reden weiter. Erzählen alles doppelt und dreifach. Mit jeder Minute, die ich am dem Vespertisch sitze, sinkt mein Stundenlohn: Ich werde pro geschriebener Zeile und pro veröffentlichtem Foto bezahlt. Wenn ich hier endlich rauskomme, ist der Artikel noch nicht geschrieben, sind die Fotos noch nicht ausgesucht. Könnte ich wenigstens Alkohl trinken wie der Rest hier. Aber erstens bin ich im Dienst und zweitens mit dem Auto unterwegs. Also Finger weg! Nach fünf Stunden Diskussion sitze ich endlich im Auto. Geschafft! Tief durchatmen! Fuß aufs Gaspedal und ab nach Hause. Der Abend endet damit, dass ich nach Hause komme und eine ordentliche Portion Rum in mein heißes Schoki schütte. Mental gestärkt durch Alkohol und Schokolade setzte ich mich vor den Laptop und brüte über eine Stunde vor dem Artikel. Ach ja, mein Verdienst an diesem Abend: 21,70 Euro abzüglich Spritkosten. Miriam Kumpf

Illustration: Simon Staib


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FINANZMINISTER GERHARD STRATTHAUS „Beim Rechnen kann mich niemand so schnell aufs Glatteis führen“

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eboren im Frühling 1942 wächst litik zu. Als Bürgermeister der Gemeinde Gerhard Stratthaus als echter Bade- Brühl und später in Schwetzingen wird er ner in Heidelberg auf. Im Gymnasium ist als CDU-Politiker zur festen lokalen Grösein Lieblingsfach natürlich Mathematik ße. Mit Wehmut der Schwetzinger Bürger und ebnet erste grundlegende Tendenzen wechselte der „gute alte Stratthaus“ 1998 als Finanzminister zur Arbeit mit Zahlen. zur LandesregieSeine Familie hat wenig rung. Geld. Somit muss der Als Herr der Fijunge Gerhard mit seinanzen des Bundesnem Taschengeld effizilandes Baden-Württent haushalten. emberg schöpft Die Begeisterung für Der Minister in seinem Element Stratthaus ganz aus Zahlen und Finanzen seinen Fähigkeiten wächst während des Stuund Vorlieben. Über diums der Betriebswirtschaftslehre in Mannheim. „Zahlenspiele seine Position in der Bevölkerung kann er sind eine Marotte von mir: Ich rechne alles sich nicht beklagen. nach“, gesteht Stratthaus lächelnd. Als schwierig sieht er die Fachministerei: Nach dem Studium sammelt er erste „Wenn der Kultusminister Eltern erklärt, praktische Erfahrungen als Bildungsrefe- dass es in Zukunft weniger Lehrer gibt, rent am Heinrich-Pesch-Haus in Mann- dann sind die wenigsten Eltern begeistert. heim. In den nächsten zwanzig Jahren Für meine Sparmaßnahmen haben die Bürwendet sich Stratthaus ganz der Lokalpo- ger in der Regel hingegen Verständnis.“

„Ich rechne alles nach“

Foto: Pressestelle Finanzministerium Baden-Württemberg

Geregelte Arbeitszeiten waren schon zu Jugendzeiten nicht sein Freund, und so kommt ihm auch heute die stressige Arbeit recht. Kalkulationen und Gespräche mit den Fachministern ziehen sich oft bis in die späten Abendstunden. „Es gibt nicht immer einen geregelten Arbeitstag, wenn man für die Finanzen eines ganzen Bundeslandes zuständig ist.“ Nach einem anstrengenden Tag in der Landespolitik entspannt Stratthaus gerne mit einem Glas Wein und einem guten Buch: „Goethes Faust halte ich immer griffbereit.“ Im Sommer können ihn Bürger nach dem Feierabend auch joggend in den Feldern sichten. Auch wenn die Zeit für Hobbys oft sehr knapp bemessen ist, hat Stratthaus seinen Traumberuf gefunden. Nur manchmal wünscht er sich, dass es den Staatshaushalt ohne Schulden gäbe. „Denn unsere Kinder sollten nicht für unsere Schulden aufkommen müssen.“ Adrian Bechtold

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FLIEDERDUFT UND NEONLICHT Vom harten Alltag zwischen Kloschüssel und Putzlappen

Klofrau, Toilettendame, Reinigungskraft. Unzählige Titel zieren Menschen, die Tag für Tag die Schüsseln der öffentlichen Örtchen schrubben. Esther aus Freiburg ist eine von ihnen.

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ie Bibel mit dem schwarzen Plastikeinband ist eines von Esthers Lieblingsbüchern. Die dünnen Seiten sind leicht rosa verfärbt und haben Eselsohren. Einige Textpassagen sind rot und grün unterstrichen. Eine hölzerne Pommesgabel und ein Schaschlikspieß dienen als Lesezeichen. Immer, wenn Esther gerade nichts zu tun hat, liest sie im Alten oder Neuen Testament. Dann setzt sie sich auf den weißen Plastikstuhl neben dem kleinen Holztisch, auf dem eine Sonnenblumendecke leuchtet. Während sie liest, hat sie immer ein Auge auf den Pappteller mit der gelben Serviette. Dort hinein legen ihre Kunden das Trinkgeld. Esther ist Klofrau bei der populären Fast-Food-Kette McDonald’s im Freiburger Hauptbahnhof.

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Menschen wie Esther gibt es viele in Deutschland. Sie nennen sich Klofrau, Toilettenputzer, Reinigungskräfte oder — etwas vornehmer — Toilettendame.

Trinkgeld ist die einzige Einnahme Offiziell gibt es den Beruf nicht. Die Agentur für Arbeit hat keinerlei Zahlen darüber, wie viele Menschen täglich die Kloschüsseln in öffentlichen Toiletten schrubben. Auch McDonald’s führt keine solche Statistik. Nur so viel ist herauszubekom-

men: Die meisten McDonald’s-Filialen regeln das Putzen selbst. Im Prinzip soll jeder Mitarbeiter jede Position einnehmen können: Kasse, Herstellung des Essens, Theke und die Reinigung; auch die der Toiletten. Doch da gibt es Ausnahmen. Teilweise engagieren deutsche McDonald’s-Filialen Fremdfirmen für die Toilettenreinigung. Die Klofrauen dürfen Trinkgeld verlangen und dies auch behalten. Wer die schwarz-weiße Marmortreppe zu Esthers Arbeitsplatz herunterkommt, sieht die 37-jährige Ghanaerin sofort: Sie lehnt an den Kacheln und trägt schwarze Flip-Flops. Unter dem weißen Putzkittel schauen ein T-Shirt von der Fußballweltmeisterschaft und eine schwarze Dreiviertelhose hervor. Sie trägt goldene Ohrringe

Foto: jugendfotos.de (Nicolas Keckl)


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und eine Kette mit zierlichem Kreuz. Ihr dunkles Kraushaar hat sie mit einem braunen Zopfgummi nach hinten gebunden. Die rechte Hand steckt in einem blauen Gummihandschuh. Ihre weißen Zähne blitzen, wenn sie lächelt. „Bitte schön“, sagt Esther und weist zuvorkommend mit der Hand in Richtung Damen- oder Herrentür, wenn jemand kommt. Gibt ein Kunde nach dem erlösenden Gang Trinkgeld, strahlt sie, als gäbe es nichts, was sie glücklicher machen könnte. „Dankeschön“, sagt sie. Und: „Tschüss.“ Esther weiß, sie muss freundlich sein, sonst verdient sie nichts. Das Trinkgeld ist ihre einzige Einnahmequelle. Vor zweieinhalb Jahren ist Esther mit ihrem Mann nach Deutschland gezogen. Ihre beiden Kinder sind noch in Ghana. Seit sechs Monaten hat sie einen Job: Toilettenputzerin. Englisch spricht sie relativ fließend. Wie jemand, der in der Schule gut aufgepasst hat. Im Deutschen hingegen beherrscht sie nur ein paar Brocken. Eine Klofrau braucht nicht viele Worte. Eine blondierte Jugendliche kommt aus der Damentoilette und geht an Esthers Pappteller vorbei, ohne etwas hineinzuwerfen. Sie entschuldigt sich mit einem Schulterzucken, heute habe sie kein Kleingeld. „Das macht nichts“, sagt Esther. Und lächelt. Sie lächelt auch, wenn jemand nur einen Cent gibt. „Es ist ja gut gemeint.“ Nicht jeder Toilettengast ist geizig, aber 10 bis 20 Cent pro Kunde sind einfach zu wenig, um davon leben zu können. Zumal nur jeder dritte Klobesucher wirklich in den Geldbeutel greift. 2005 bezahlte McDonald’s ungelernten Mitarbeitern 6,13 Euro pro Stunde; für Spätschichten gab es sieben Euro. Die 60 Mitarbeiter der Wall AG, die im Bereich „Service Toilettenanlagen” beschäftigt sind, erhalten hingegen 12,17 Euro. Sie sind für 240 City-Toiletten zuständig. Ein „Stammkunde” von Esther ist zum Beispiel der Taxifahrer. Er kommt fast jeden Tag. Mit ihm hält sie meist ein kleines Schwätzchen. Er gehört zu den netten Leuten. Dann gibt es aber auch diejenigen, die alkoholisiert sind, drogenabhängig oder Gewalt anwenden. Diese muss Esther fortschicken. Wenn sie es nicht alleine schafft, holt sie Hilfe von oben. Esther deutet mit einem Finger auf eine unauffällige Filmka-

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mera an der Decke. Durch diese Kamera sieht sie der Chef. Doch das kümmert sie wenig. Mit Kamera fühlt sich Esther sicher, geschützt gegen die „bad people”. Auf dem Teller liegen zwei 20-CentStücke. Esther geht Richtung Männerklo, zögert, kommt zum Teller zurück und nimmt die beiden Münzen. Stattdessen legt sie ein 10-Cent-Stück hin. Kraftvoll drückt die Ghanaerin die Schwungtür. Grelles Neonlicht strahlt von der Decke herab. Es riecht süßlich. Esther klopft energisch mit der Klobürste gegen den Rand der Toilettenschüssel. Mit einem rosa Putzlappen wischt sie ein paar Mal im Inneren der metallisch glänzenden Schüssel herum. Ihre Handbewegungen sind schnell und geübt. Dann schüttet sie das Wasser aus dem Bürstenhalter und klappert mit dem Plastik. Drückt die Spülung. Ein prüfender Blick zum Klorollenspender: langt noch. Sie gießt in jedes der vier Pissoirs Reinigungsmittel in S-Form und schrubbt. Der Schaum tropft auf den Boden. Wie man putzt, hat Esther an einem einzigen Tag gelernt. „Das genügt, wenn man gut ist“, erklärt sie nicht ohne Stolz. Ein Mann betritt das Klo, stellt sich an das linke Pissoir und pinkelt. Esther macht keinerlei Anstalten, in die Luft zu schauen oder gar zu verschwinden. Esther ist zuständig für fünf Toiletten und vier Pissoirs. Auf der Internetseite eines Dixi-Klo-Vermieters steht, dass fünf Toiletten für eine einstündige Veranstaltung mit 2000 Personen genügen — bei einer Warteschlange von maximal zehn Personen pro Klo. Von solchen Besucherzahlen träumt die Toilettenfee. Esther zückt den gleichen rosa Lappen, mit dem sie zuvor das Klo gewienert hat, und reinigt das Waschbecken im Rhythmus der Musik, die aus den Lautsprechern kommt. Ihre Flip-Flops floppen auf den Fliesen. Sie drückt auf den Seifenspender, er funktioniert. Mit den gewohnt flinken Bewegungen wischt sie über den Händetrockner. Dann geht sie zur kleinen Putzkammer, füllt Wasser in einen roten Plastikeimer und wischt den Boden. Zum Abschluss sprüht sie mit einem eckigen Glasfläschchen in die Luft. Das intensive Fliederparfum hat sie von ihrem eigenen Geld gekauft.

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Grelles Neonlicht strahlt von der Decke herab

Foto: Tobias Fischer

Zehn Euro für einen Tag Arbeit. Obwohl die Ghanaerin intelligent ist, fließend Englisch spricht

Esther sitzt wieder am Holztisch. Ein etwa zehnjähriger Junge kommt aus dem Herrenklo und geht grußlos an ihr vorbei. Dann dreht er sich doch um und kramt 20 Cent aus seinem Geldbeutel. „Good boy, very good boy“, kommentiert Esther. Und lächelt. Gegen 18 Uhr wird sie nach zweieinhalb Stunden Dienst abgelöst. Den Putzkittel legt sie in die Besenkammer. Esther nimmt ihr Trinkgeld und zählt so, dass es keiner sieht. Wie viel sie heute verdient hat? „Ungefähr zehn Euro.“ Esther füllt ihre Plastik-Trinkflasche auf und holt ihre schwarze Leder-Handtasche. Heute Abend wird sie für ihren Mann ein afrikanisches Gericht kochen. Vielleicht ein wenig fernsehen und dann schlafen gehen. „Good bless you“, sagt sie, und verschwindet Richtung Bahnsteig. mh

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STEINREICH Währungsreformen sehen anders aus: Auf der Inselgruppe Yap gilt für Männer ein besonderes Zahlungsmittel: riesige Steinräder

Eierschale als Crashtest-Dummy Falk Wittel und Henry Gerhard blasen im Namen der Forschung rund 200 Eier aus: Ihre Studie an der Universität Stuttgart analysiert Explosionen und Splittern. Hierzu werden Eierschalen mit Knallgas gefüllt und gesprengt. Highspeed-Aufzeichnungen machen ein Computermodell der Explosionen möglich. Um die Auswirkungen der Explosion untersuchen zu können, sammeln die Forscher anschließend alle Bruchstücke mühsam auf. Eine spezielle Zersplitterungsformel konnte leider nicht gefunden werden. Dafür interessiert die Industrie die Testergebnisse: Mit den Daten der Studie lassen sich neue Sicherheitsbehälter oder Kessel entwickeln. Zudem im Gespräch: Raumfahrzeuge lassen sich mit den Ergebnissen in Zukunft besser gegen Einschläge von Trümmern oder sc Schrott aus dem All schützen.

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Pizzabelag verrät Charakter „Sag mir was du isst, ich sag dir, wer du bist.“ Dr. Alan Hirsch untersuchte im Auftrag einer US-amerikanischen Pizzakette rund 18 000 Probanden und deren Essgewohnheiten. Das Institut für Geschmacksforschung in Chicago, USA, für welches Hirsch forscht, fand heraus, dass der Charakter eines Menschen an den bevorzugten Pizzabelägen zu erkennen ist. So seien zum Beispiel Salamipizza-Fans leicht zu überzeugende Menschen. „Sie sind schlecht organisiert und schieben schnell jemand anderem die Schuld in die Schuhe, wenn etwas schief gegangen ist“, lautet ein Ergebnis der Studie. Experten zweifeln diese Art der Charaktersc forschung allerdings an.

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umindest kann man sie nicht ohne Weiteres klauen. So eine Vorgartendekoration ist aber ganz schön schwer: Rai wiegen bis zu fünf Tonnen. Bei Rai handelt es sich um ein Geldmittel, mit dem man sich auf der Inselgruppe Yap in der Nähe der Philippinen (und auch nur als Mann) etwas kaufen kann. Eine Einheitsgröße gibt es nicht. Ein Rai kann die Größe eines Handtellers annehmen — oder einen Durchmesser bis zu über vier Metern. Die Münzen bestehen hauptsächlich aus Aragonit und Calcit, zwei Varianten von Calciumcarbonat. Aragonit kommt unter anderem in Perlmutt vor, Calcit ist uns Laien in Form von Kalkstein, Kreide oder Marmor bekannt. Rai wurden auf mehrmonatigen Expeditionen aus Steinbrüchen auf den etwa 400 Meilen entfernten Inseln von Palau gewonnen und nach Yap verschifft, da die Mineralien auf der Yap nicht vorkommen. Doch selbst Steingeld wurde von der Inflation nicht verschont: Ende des 19. Jahrhunderts vereinfachte sich die Produktion durch bessere Werkzeuge und einfacheren Transport, sodass die „modernen“ Rai sehr viel weniger wert waren als traditionell fabrizierte. Die Herstellung endete erst im Jahre 1931 gänzlich.

Rai bewertet man nach der Seltenheit, Schönheit des Gesteins, Form, Größe und Qualität der Bearbeitung. Der Wert eines Rai steigt jedoch, wenn die Reise besonders gefährlich war oder ein berühmter Kapitän die Überfahrt kommandierte. Selbst gesunkene Rai verlieren nicht ihren Besitzer. Schaffte ein Rai die gefährliche Reise bis nach Yap, stellte man ihn an einem bestimmten Ort, zum Beispiel vor einem Haus oder entlang einem Weg auf. Es existieren diverse Regeln, wie ein Rai zu positionieren ist: Zum Beispiel muss er immer auf den Rand gestellt und gegebenenfalls an Häuser oder Bäume angelehnt werden. Außerdem ist es auf Yap gesetzlich verboten, sich auf die Steine zu setzen, sie als Picknicktisch zu verwenden oder sonstwie zu zweckentfremden. Rai verbleiben oft mehrere hundert Jahre lang am selben Ort. Auch wenn sie von Besitzer zu Besitzer wandern, werden sie sehr selten bewegt: Man legte einfach Listen der Besitzer an, die einen Rai zudem noch wertvoller machen können. Die heute gültige Währung auf Yap ist der amerikanische Dollar. Rai werden weiterhin für rituelle Transaktionen verwendet. Nelli Glenewinkel-Meyer

Fotos: pixelio.de (Sascha Hübers); pixelio.de (Götz Friedrich) Illustration: Nelli Glenewinkel-Meyer


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ARBEITEN AM ANDEREN ENDE DER WELT Viele träumen davon, ein Jahr im Ausland zu verbringen und dabei noch Geld zu verdienen. Work & Travel bietet die Möglichkeit, ein fremdes Land zu bereisen und nebenbei die Reisekasse zu füllen

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arum gerade Australien? Die 21jährige Magdalena Dera verlässt für neun Monate ihre Heimat im Schwarzwald und lebt als Backpackerin auf der anderen Seite der Erde. „Australien hat etwas von Abenteuer“, schwärmt sie: „Diese grenzenlose Weite, die einzigartige Natur am anderen Ende der Welt und die Ungewissheit, was mich dort genau erwarten würde — das war ein besonderer Kick.“ Viel Organisation ist nötig, um so ein Jahr erfolgreich absolvieren zu können: Visum beantragen, Unterkünfte buchen, Reiserouten planen und vor allem: einen Job finden. Viele Abenteuerlustige suchen Hilfe bei Agenturen und Organisationen. Diese helfen den Backpackern bei der Planung der Reise, Jobsuche, Autokauf und Unterkunft. Das fordert seinen Preis. Kostengünstiger ist es, auf eigene Faust zu reisen. Magdalena hat es nicht auf eigene Faust versucht: ,,Ich war froh zu wissen, dass ich für Notfälle die Organisation habe, an die ich mich wenden kann. Diese hat mir beim Beantragen des Visums und eines australischen Kontos geholfen und meine ersten Tage in Australien organisiert. Darüber war ich sehr froh, denn ich kam an und hatte erst mal keine Ahnung. In der restlichen Zeit bin ich aber sehr gut ohne Hilfe klar gekommen.“ Sind die ersten Tage überstanden, steht die Jobsuche an. Viele Jobs hängen an Pinnwänden in Hostels aus. Bewerbungsgespräche vereinbart heute jeder schnell mit dem Handy. Durch so genanntes ,,Door Knocking“ findet jeder einen Job, der den Mut hat, einfach in Restaurants oder Cafés zu gehen und nachzufragen. Neben vielen guten Jobs muss man allerdings manchmal welche annehmen, die wenig spannend sind. Magdalena erinnert

sich zum Beispiel an einen als Besteckpoliererin in einem Luxushotel, bei dem sie stundenlang in einer albernen Blümchenuniform Besteck polierte. Die Jobsuche ist nicht das einzige Problem. Schließlich kommt man ohne Auto nicht weit, vor allem im australischen Outback. Aber die Suche nach etwas Passendem kann sich als sehr kompliziert erweisen, da man es ja zum erschwinglichen Preis erwerben will. So verbringen Backpacker mitunter Tage in Reisebussen oder buchen Flüge, soweit die Reisekasse es zulässt. Außerdem müssen Abenteuerwillige damit rechnen, in den Hostels nicht immer die hygienischen Standards anzutreffen, die sie von daheim gewöhnt sind. „Die erste Begegnung mit einer Kakerlake war sehr eklig“, erinnert sich Magdalena. Aber mit der Zeit gewöhne man sich an die Krabbeltiere. Auch in den australischen Slang musste sie sich zuerst reinhören. Danach sei die Verständigung aber kein Problem gewesen. So sind unvorhergesehene Kosten, erfolglose Jobsuche sowie Verständigungsschwierigkeiten nur einige Probleme, wenn man sich für Work & Travel entscheidet. Will man deswegen zurück nach Hause? ,,Nein. Natürlich gab es Momente, in denen ich es verflucht habe, aus dem Koffer zu leben und im Hostel keine Privatsphäre zu haben. Aber nach Hause wollte ich deswegen nicht“, sagt Magdalena. Und was hat es ihr gebracht, neun Monate lang (untypischerweise mit einem Trolly, nicht mit Rucksack) durch Australien zu reisen? ,,Ich bin selbstbewusster und eigenständiger geworden. Die Erfahrung, so viele Menschen, Kulturen und Mentalitäten kennen zu lernen, war toll. Denn ich habe viele andere Backpacker aus den verschiedensten Ländern kennen gelernt.“

„Grenzenlose Weite am anderen Ende der Welt.“

Foto: jugendfotos.de (Daniel Finke)

Die weite Natur lockt. Aber das neue Land birgt nicht nur Abenteuer, sondern auch Probleme.

Selbst wenn Probleme auftauchen, die im ersten Moment unüberwindbar erscheinen — wer tolerant und selbstständig ist, kann sie lösen. Und wenn man in einem Café am Strand sitzt und die einzigartige Flora und Fauna entdeckt, sind diese sicherlich vergessen. Lidi Kock

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DAS LÄNDLE MACHT FERIENLAUNE Baden-Württemberg rangiert in der Spitzengruppe der deutschen Ferienregionen. Doch wie macht sich das Land schmackhaft? Roger Heidt, Geschäftsfürher der Tourismus-Marketing GmbH, verrät die Taktik

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err Heidt, wie viele Baden-Württemberger verbringen ihre Ferien im eigenen Bundesland? Leider sagt uns die Statistik nicht, aus welchen Bundesländern unsere deutschen Gäste kommen. Wir wissen zwar, dass zum Beispiel zwölf Millionen Deutsche in Baden-Württemberg Urlaub gemacht haben. Aber wie viele davon aus Baden-Württemberg kamen, können wir nur schätzen. Wie viele Touristen kommen durchschnittlich po Jahr ins Land? Wir liegen inzwischen bei 41 Millionen Übernachtungen und 15,3 Millionen Ankünften — und sind optimistisch diese Zahlen halten zu können. Wie macht sich Baden- Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern? Gemessen an der Zahl der Übernachtungen liegt Baden-Württemberg auf Platz zwei. Dort wollen wir natürlich bleiben. Was macht ihrer Meinung nach BadenWürttemberg als Urlaubsregion aus? Welche Vorzüge hat die Region für jugendliche Urlauber? Die große Stärke Baden-Württembergs ist seine große Vielfalt. Sie finden hier fast alles. Berge wie im Schwarzwald oder die Alb, Seen wie den Bodensee, tolle Sportangebote wie Kletterfelsen und -gärten, Mountainbike-Trails über Schwarzwald und Alb, Wassersport auf dem Bodensee oder Kanufahrten auf vielen Flüssen, Reiterferien, Paragliding, tolle Badelandschaften. Dann haben wir unsere Freizeitparks wie Tripsdrill oder den Europapark in Rust, die sicherlich jeden Jugendlichen in ihren Bann ziehen. Und quer durchs ganze Land gibt es, vor allem in größeren Städten, ein breites Spektrum an Angeboten für Jugendliche: vom Spitzensport, übers Rockkonzert bis hin zur In-Disko. Welche Rolle spielt die Landesregierung in der Tourismusbranche? Welche Auflagen oder Bedingungen stellt sie auf?

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Nur eine der vielen Sehenswürdigkeiten Baden-Württembergs: das Karlsruher Schloss

Die Landesregierung schafft die gesetzlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Tourismuswirtschaft im Land. Darüber hinaus fördert sie über die Tourismus-Marketing Baden-Württemberg (TMBW) das internationale und nationale Marketing für die Urlaubsregion BadenWürttemberg.

„Fehlendes Geld kompensieren wir durch Kreativität.“ Was ließe sich an der derzeitigen Situation verbessern? Normalerweise jammern an dieser Stelle regelmäßig alle darüber, dass zu wenig Geld zur Verfügung steht. Davon halte ich wenig, auch wenn man schon etwas neidisch auf Tourismus-Marketing-Organisationen wie die in Bayern oder in den östlichen Bundesländern schielt, die über deutlich höhere Mittel verfügen. Sicher würde sich auch die TMBW über eine prallere Kriegskasse freuen. Ansonsten bemühen wir uns eher darum, fehlende Finanzmittel durch Kreativität, Einsatz und Ideenreichtum zu kompensieren.

Meinen Sie, dass Baden-Württemberg eine große Zukunft als Tourismusregion hat? Wie viel Potential steckt in unserem „Ländle”? Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Wenn es uns weiterhin gelingt, die richtigen Themen zu besetzen und BadenWürttemberg als liebens- und lohnenswertes Urlaubsland zu platzieren, dann ist mir um die Zukunft nicht bange. Das Potential ist jedenfalls vorhanden. Nehmen Sie zum Beispiel die zwei Trendthemen Kulinaristik und Wellness. Da ist BadenWürttemberg so gut aufgestellt wie kein anderes Bundesland. Zu guter letzt: Welche ist ihre bevorzugte Ferienregion in Baden-Württemberg? Das kann und will ich beim besten Willen nicht verraten. Simon Staib

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Die Tourismus-Marketing GmbH im Internet Weitere Infos auf: www.tourismus-bw.de

Foto: Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg


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Impressum Noir ist das junge Magazin der Jugendpresse BadenWürttemberg e.V. Ausgabe 4 – Februar / März 2008

Herausgeber Jugendpresse Baden-Württemberg e.V. Schlossstr. 23 74372 Sersheim Tel.: 07042 831718 Fax: 07042 831740 www.jpbw.de buero@jpbw.de

Chefredaktion Miriam Kumpf (V.i.S.d.P) miriam.kumpf@noirmag.de (Anschrift wie Herausgeber) Katrin Ehmke katrin.ehmke@noirmag.de

Layout Tobias Fischer, Simon Staib, Luca Leicht Sebastian Nikoloff, Katrin Ehmke layout@noirmag.de

Titelbilder lampentisch / photocase.de; codswollop, susinanne, patrik85 / photocase.de

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Redaktion Adrian Bechtold (ab), Irina Bernhardt (ib), Sebastian Chzub (sc), Ann-Kathrin Freude (akf), Nelli Glenewinkel-Meyer (ngm), Georgia Haedicke (gh), Maria Hörl (mh), Malte Kampmeyer (mkm), Viktoria Kling (vk), Lidi Kock (lk), Miriam Kumpf (mk), Lisa Schof (ls), Andreas Sprengler (as), Simon Staib (sst) – redaktion@noirmag.de

Anzeigen, Finanzen, Koordination Sebastian Nikoloff sebastian.nikoloff@noirmag.de

Druck Horn Druck & Verlag GmbH & Co. KG, Bruchsal www.horn-druck.de Noir kostet als Einzelheft 2,00 Euro, im Abonnement 1,40 Euro pro Ausgabe (8,40 im Jahr, Vorauszahlung, Abo jederzeit kündbar). Bestellung unter der Telefonnummer 07042 831718 oder per Mail an abo@noirmag.de. Für Mitglieder und Interessenten der Jugendpresse BW ist das Abonnement im Mitgliedsbeitrag enthalten. Noir wird gefördert von der Youth Bank Mannheim.

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MEIN ERSTES MAL Koffer gepackt, Flughafen erreicht. Wenn nur die Schlange am Schalter kürzer wäre. Die Zeit drängt — da stellt der neue Ticketautomat die Rettung für Trödler dar

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enige Minuten vor Abflug meines Lufthansa-Flugs von Berlin-Tegel nach Stuttgart hetze ich ins Flughafengebäude. Will ich meine Gepäck aufgeben, muss ich das innerhalb der nächsten fünf Minuten tun. Aber wo ist der richtige Schalter? Ich sehe keine Anzeigentafel. Dafür den Check-in-Automaten mit integriertem Gepäckförderband. Auf in den Kampf. Ich steuere darauf zu. Die Zeit drängt. Meine Bankkarte identifiziert mich. „Ja, ich reise allein“, bedeutet meine Berührung des Touchscreens. Ich suche mir einen Sitzplatz aus. Irgendwo. Das ist mir heute egal. Und ja, ich möchte Gepäck aufgeben. Jetzt endlich: „Stellen Sie ihr Gepäckstück auf das Förderband.“ 3,6 Kilo wiegt

meine kleine Tasche. Der Automat spuckt den Anhänger aus. Wie bringe ich den an? Bei den adretten Damen am Schalter sieht das immer so einfach aus.

„Kann ich Ihnen behilflich sein?“, taucht plötzlich ein junger Mann in Lufthansa-Uniform neben mir auf. „Gerne! Ich checke zum ersten Mal auf diese Art ein.“ „Und für mich ist heute der erste Arbeitstag hier“, grinst die Uniform. Er nimmt

mir den Gepäckanhänger ab, klebt einen kleinen Streifen direkt auf die Tasche, den größeren Teil um den Griff. Ein anderes Stück Streifen bekomme ich zurück. „Gut aufheben, falls die Tasche verloren geht.“ Das Band rollt an, meine Tasche fährt weg. Der Automat druckt das Bordticket und wünscht einen angenehmen Flug. „Ihr Abfluggate ist diesen Gang hinter und dann rechts“, verabschiedet sich mein Helfer. Ich spurte. Da ich ein Ticket habe, kann ich direkt durch zur Sicherheitskontrolle. „Haben Sie Flüssigkeiten in Ihrem Handgepäck?“, fragt die Dame. „Nein, alles eingecheckt.“ Stolz passiere ich die Kontrolle. 25 Minuten vor Abflug sitze ich am Gate und blättere entspannt durch die Tageszeitung. War doch echt einfach! m k

Al l tägl icher WG -Wa hnsinn

G es c h i c h t e n a u s d e m L e b en

Wenn die WG zur Stammkneipe wird

Türen sind tückisch

Morgens halb zehn in Tübingen: Sieben Wecker klingeln. Jetzt dröhnt es noch ungefähr eine Stunde bis mein Mitbewohner sich zum allmorgendlichen Frühsport aufmacht: Aufstehen, Wecker suchen, ausschalten, wieder einschlafen. Mittlerweile bin ich halbwegs wach, räume leere Flaschen weg. Die Vorfreude aufs Frühstück schwindet abrupt beim Blick in den Kü h l-

schrank: Alles verschimmelt oder leer oder beides! Eine herbe Enttäuschung. Mein Frühstück besteht aus Kaffee und Lungenbrötchen. Dafür gibt es genug Getränke – nur Alkoholfreies ist Mangelware. Wir lernen nicht — feiern nur. Nein: Dafür bleibt noch genug Zeit zwischen Mittagsschlaf und der Metamorphose der WG in unsere Stammkneipe. Diese beginnt gegen 18:00 Uhr. Erste Besucher trudeln ein, teilen freudig mit: „Wir chillen heut bei euch. Voll cool, es kommen krass viele!“ Gott sei Dank, sind es meist nicht mehr als 20. Gegen zwei fordert die Nachbarin: „Seid doch bitte ein bisschen leiser!“ Ich taumele gegen Drei ins Bett. „Drrrring!“ Die Wecker klingeln — und alles geht von vorne los. mkm

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„Helfen Sie mir beim Einbrechen?“ Der Bulle ist iritiert; lässt sich aber spontan breitschlagen. An der Wohnungstür probiert er alle Tricks: von der EC-Karte bis zur Gartenharke. Nichts zu machen. „Zumindest wissen Sie jetzt, dass niemand so ohne Weiteres einbrechen kann“, schmunzelt er. Doch dieses Wissen beruhigt nur auf der anderen Seite der Tür. Der Anfang: Frisch umgezogen, kennt man niemanden — und behält alle Schlüssel. Dummer Fehler. Praktisch, dass die Eltern einen daheim haben. Wieder drinnen ist klar: Sowas passiert nicht noch mal. 24 Stunden später verrät dich das Schicksal. Du darfst drei Tage ohne Hab, Gut und Heim vegetieren, während die Post unterwegs ist. Um letztendlich festzustellen: Der Schlüssel steckt diesmal von innen. Ersatzschlüssel wertlos, Hoffnung vernichtet. Dann hilft nur, mit dem Schlagbohrer der Freundin durch die Tür zu bohren. k e

Fotos: photocase.de (User: cydonna (2x); rapunzeln)


Foto: Matthias Balzer/pixelio.de

MEDIEN MACHEN STATT KAFFEE KOCHEN: FREIWILLIGES SOZIALES JAHR BEI DER JUGENDPRESSE Versprochen: Bei uns wirst du nie Kaffee kochen müssen! Du interessierst dich für Medien, kannst selbstständig arbeiten, Verantwortung für dir übertragene Aufgaben übernehmen und bist team- und serviceorientiert? Dann bist du bei uns genau richtig. Bewirb dich jetzt für dein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei uns – wir bieten ab 1. September 2008 wieder eine Stelle an.

» WAS IST EIN FSJ?

» WAS ERWARTET DICH BEI UNS?

» BIS 31. MÄRZ BEWERBEN!

Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist ein entlohnter, sozialer Freiwilligendienst für Jugendliche und junge Erwachsene unter 27 Jahren. Ein FSJ wird als Zivildienst anerkannt.

Als MitarbeiterIn in unserer Landesgeschäftsstelle wirst du deine eigenen Projekte betreuen und darüber hinaus im Bereich Mitgliederbetreuung, Seminarvorbereitung und Pressearbeit tätig sein. Für das Jugendnetz betreust du das Online-Magazin „thema”.

Wenn wir dein Interesse geweckt haben, dann bewirb dich bis 31. März 2008. Mehr Infos zum Bewerbungsverfahren findest du unter www.jpbw.de/fsj

» WAS IST JUGENDPRESSE / JUGENDNETZ? Die Jugendpresse fördert junge Medienmacher und Journalisten durch Seminare, Publikationen und weitere Angebote im Bereich junger Medien. Das Jugendnetz ist eine Gemeinschaftsaktion der großen landesweiten Organisationen der Jugendarbeit in Baden-Württemberg.

» SETZE DEINE IDEEN UM! Bei uns kannst du deine eigenen Ideen von der Planung bis zur Umsetzung begleiten und so nach deinen eigenen Interessen die Arbeit unseres Verbandes mitgestalten. Hierbei steht dir ein junges Team ehrenamtlicher MitarbeiterInnen immer zur Seite.

» HAST DU NOCH FRAGEN? Weitere Antworten zum FSJ bei Jugendpresse und Jugendnetz findest du unter www.jpbw.de/fsj Solltest du danach noch Fragen haben, schick uns eine Mail an buero@jpbw.de.

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