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Ausgabe 27 (August 2012) www.noirmag.de

In den Tiefen der Seele Wissen

Interview

Thema

Oxytocin: Ăœberschätzes Kuschelhormon?

Unter Beschuss: Ein Kriegsreporter berichtet

Im Dunkeln: Benjamin hat Depressionen


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Druck & Verlag Stegwiesenstraße 6–10 76646 Bruchsal


Editorial

In Köpfe kucken

Psychologie ist eine empirische Wissenschaft. Sie beschreibt und erklärt das Erleben und Verhalten des Menschen – nichts mit Traumdeuterei oder Gedankenlesen. Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst – nach diesem sachlichen Motto funktioniert Psychologie. Trotzdem, wenn sich jemand als Psychologiestudent offenbart, fängt sein Gegenüber an, unruhig auf dem Stuhl zu wackeln. Er fürchtet den Röntgenblick, der all die tief versteckten Gedanken, die sorgsam gewahrten Ängste und Unsicherheiten mit einem Mal nackt macht. Dabei lernt das keiner im Studium. Hier geht es um Piaget und sein Entwicklungsstufenmodell, um feuernde Neuronen und die Standardnormalverteilung. Mit diesen Waffen kann man keinen Kopf aufklappen und reinspicken. Das kann nur jeder zehnte Psychologiestudent, der mit einer speziellen Gabe, der Gedanken-Hypersensibilität, geboren ist. Bei circa 3.000 freien Psychologie-Studienplätzen kommen also jedes Wintersemester 300 neue Gedankenlesende hinzu. Die Wahrscheinlichkeit, einem zu begegnen und einen unfreiwilligen Gedanken-Striptease hinzuleAnika Pfisterer, Chefredakteurin

gen, wächst. 

aUS DEM rEDAKTIONSLEBEN …

Gar nicht so leicht, einen Kriegsberichterstatter zu interviewen: Bei Franziska Schwarzmanns erstem Versuch war ARD-Korrespondent Christian Thiels in Chicago, beim zweiten stand er kurz vor seiner Abreise nach Afghanistan und beim dritten Anlauf schließlich klappte es. Das Interview lest ihr ab Seite 14.

Theresa Rath hat schlechte Kindheitserinnerungen an Joghurtbecher. Stand ihr leerer Becher noch auf der Theke, sagten ihre Eltern nicht: »Räum das weg!« – als Psychologen sahen sie tiefer und beklagten sich über die der Handlung zugrundeliegende Abschätzigkeit. Die ganze Geschichte lest ihr auf Seite 22/23.

Auch Samuel Rieth entstammt einer Psychologen-Familie: Sein Vater ist Psychotherapeut, und der Opa war es auch. Er selbst geht andere Wege. Für seinen ersten NOIR-Artikel recherchierte er trotzdem –  angeregt durch die heimischen KüchentischGespräche über Freud und Co. – über die Welt der Psychologie: Seite 4-6. NOIR Nr. 27 (August 2 012)

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Inhalt

Inhaltsübersicht

20 Wissen

10 Titel

18 Reportage

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Editorial. RedaktionsGeschichten Wissen. Zu Nahe treten

11 Kommentar

Titelthema. Siegeszug der Seelenlehre

Titelthema. wer einmal lügt … Titelthema. Gefühlsnarkose

Titelthema. Traumdeutung

Kommentar. Kritik in Watte Meinung. Leben mit Autismus

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Wissen. Ethologie Wissen. Was macht ein Psychiater

Reportage. Berichte vom Krisenherd Wissen. Mythos Oxytocin Reportage. Wildtierfarm in Namibia

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Wissen. Subtile Werbung

Titelthema. Der Selige Nazi Kolumne. Kind von Psychologen

querbeet. Hauptfach Psychologie Impressum. Wer steckt hinter NOIR


Wissen

(Zu) Nahe treten Betretenes Schweigen im Fahrstuhl, keiner schaut den anderen an. Verantwortlich sind unsichtbare Grenzen. Text: Sanja Döttling | Layout & Illustration: Luca Leicht

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ng aneinander gepresst steht man zu viert im Fahrstuhl, in den eigentlich sechs Personen passen sollen, schweigt sich an und starrt auf den Boden. Eine unangenehme Situation –  nicht nur für Klaustrophobiker. Jeder Mensch ist von unsichtbaren Grenzen umgeben; je näher eine Person steht, desto vertrauter muss sie sein. Werden diese Grenzen von Fremden durchbrochen  –  wie im Fahrstuhl, in Kassensch la ngen oder in Bus und Bahn  –  ist uns das unangenehm. Der Wissenschaftler Edward Twitchell Hall hat sich in den 60 er-Jahren mit diesem Phänomen beschäftigt, das er Proxemik nennt. Eines seiner Ergebnisse: Nordeuropäer halten mehr Abstand als Südeuropäer oder Südamerikaner. Die Distanz ist von der jeweiligen Kultur abhängig. Edward Hall unterscheidet unterschiedliche Distanzzonen, die sich wie Kreise um einen Menschen ziehen. Menschen, die weiter als 3,60 Meter von einer Person entfernt sind, stehen in der öffentlichen Zone und haben kaum Einfluss aufeinander. Erst in der sozialen Zone, die bis 1,60 Meter an den Menschen

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heranreicht, findet Interaktion mit anderen Menschen statt – zum Beispiel in einem Gespräch. In diesem Bereich stehen Fremde wie Verkäufer oder Beamte. In der persönlichen Distanzzone, die bis 60 Zentimeter Abstand reicht, dürfen sich Freunde und Bekannte aufhalten. Die intime Zone ist für Familienmitglieder, engste Freunde und Partner reserviert. Sie beginnt 60 Zentimeter vom Körper entfernt. Neuere Studien befassen sich damit, wie sehr die Proxemik von digitalen K o m m u n i k a t ionswegen beeinflusst ist. Funktioniert die Zusa m mena rbeit per Telefon und Computer, auch wenn man sich körperlich nicht nahe ist? Anscheinend schon, denn nicht nur die körperliche Distanz beeinflusst die gefühlte Nähe zu einer Person; je häufiger Zeit man mit jemandem verbringt  –  egal ob virtuell oder im realen Leben – desto näher fühlt man sich ihm. Das heißt, dass auch virtuell eine Beziehung aufgebaut werden kann ohne nonverbale Kommunikation. Trotzdem ist es unangenehm, wenn Fremde in die intimste Distanzzone eindringen – vielleicht sollte man öfter mal die Treppe nehmen.

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Der Siegeszug der Seelenlehre Von Aristoteles zur Werbepsychologie: Das eigene Erleben verstehen zu wollen, scheint uns im Blut zu liegen. Heute gibt es kaum einen gesellschaftlichen Bereich, in dem die Psychologie nicht vertreten ist. Text: Samuel Rieth | Layout: Tobias Fischer

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itnessstudio und Biofood – Körperlich waren die Deutschen noch nie so gesund, dafür ist die Seele kranker als je zuvor. Ein Drittel der Erwachsenen litt innerhalb der letzten zwölf Monate an einer psychischen Störung, Burnout ist längst zur Volkskrankheit erklärt worden. Das Heilen kranker Seelen: Daran denkt der Laie für gewöhnlich, wenn von Psychologie die Rede ist. Doch sie ist schon immer mehr als das gewesen – und heute mehr denn je. Von rund 61.000 Psychologen in Deutschland sind, nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen, nur 31.000 Psychotherapeuten. Mitgeprägt hat dieses falsche Bild vor allem einer: Sigmund Freud, wohl bis heute der berühmteste aller Seelenkundler. Seine Bekanntheit ist dabei viel größer als die Rolle, die ihm in der heutigen Psychologie zukommt. Viele seiner Ideen sind überholt, manche erscheinen gar absurd: Selbst begeisterter Konsument, empfahl er, Depressionen mit Kokain zu behandeln. Der Revolutionär, der die Psychonanalyse aus dem Nichts erfand, war er auch nicht. Zwar gilt Freud als der »Entdecker des Unbewussten«, doch war der französische Psychiater Pierre Janet bei der Hypnose schon Jahre vor ihm auf das »subconscient« gestoßen. Aber erst als Teil von Freuds Psychoanalyse, der »Sprechtherapie« auf der berühmten Couch, wurde die Idee auf der ganzen Welt bekannt. Heute stellt kaum jemand

mehr in Frage, dass das Bewusstsein nur die Spitze des Eisbergs der menschlichen Psyche ist. Auch erkannte Freud als einer der Ersten, wie wichtig die frühe Kindheit für die spätere seelische Gesundheit ist. »Freud war der Urvater der Tiefenpsychologie, aber seine Nachfolger haben seine Lehren beständig weiterentwickelt«, sagt Prof. Dr. Annette Kämmerer, die Akademische Direktorin der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg ist. »Es ist viel passiert in den letzten hundert Jahren.« Dass Freuds Ideen noch lange nicht tot sind, liegt auch daran, dass die Psychoanalyse längst in andere Fächer geschwappt ist. Historiker spekulieren, ob Hitler sechs Millionen Juden ermorden ließ, weil sein Vater ihn schlug, und Literaturwissenschaftler suchen in Klassikern nach PhallusSymbolen und Ödipus-Komplexen. Das Forschungsgebiet der Psychologie ist aber viel mehr als nur die kranke Seele, sondern das ganze Erleben und Verhalten des Menschen. Wie wir fühlen und denken, warum wir tun, was wir tun, das will sie herausfinden; kurz gesagt: wie der Mensch tickt. Und weil sie eine Wissenschaft ist, baut sie dabei nicht auf Traumdeutung und Assoziation, sondern auf empirische Experimente. Die Psychologie an sich ist dabei so alt wie ▶ die Menschheit selbst. Schon im vierten NOIR Nr. 27 (August 2 012)

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Titelthema

J­ ahrhundert vor Christus schrieb Aristoteles »Über die Seele«. Auch jeder gute Schriftsteller ist immer auch ein guter Psychologe. Die eigene Umwelt ist seine Empirie, statt Diplom hat er Menschenkenntnis, sonst gäbe es keinen Hamlet und keinen Steppenwolf. Der Linguist Noam Chomsky schrieb, »dass wir stets aus Romanen mehr über das menschliche Leben und die menschliche Persönlichkeit lernen werden als von der wissenschaftlichen Psychologie«. Zur Wissenschaft wurde die Psychologie erst im 19. Jahrhundert. Auch psychische Krankheiten sind kein Phänomen der Neuzeit: Schon die Bibel erzählt von einem Mann, der von Dämonen besessen ist und allein in einer Höhle lebt. Später wurden psychisch Kranke mit Bettlern, Behinderten und anderen Außenseitern der Gesellschaft weggesperrt, erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die ersten »Irrenhäuser« eingerichtet. Dass der »Irre« ein Kranker ist, der Hilfe braucht, ist eine relativ neue Idee. Bei der Behandlung ist die Freud‘sche Tiefenpsychologie auf dem Rückzug: Weltweit hat die Verhaltenstherapie heute eine viel größere Bedeutung. Statt in der Vergangenheit zu graben, setzt sie direkt bei den Symptomen an. Der Patient muss seine Probleme nicht in Gänze verstehen, sondern damit umgehen lernen, der Therapeut vor allem Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Doch heute stehen dem Psychologen auch jenseits der Behandlung Kranker mehr Türen offen als je zuvor, nicht selten mit großer Verantwortung. Vor Gericht bestimmt das psychologische Gutachten mit, ob der Angeklagte Milde verdient oder vielleicht überhaupt nicht straffähig ist. Muss ein Autofahrer seinen Führerschein abgeben und zum »Idiotentest« antreten, sitzt ihm auch ein Psycho6

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loge gegenüber. Auch die Wirtschaft hat den Nutzen der Psychologie längst erkannt. In Persona labtei lungen entscheiden Psychologen mit, wer einen Job bekommt und wer leer ausgeht. Unternehmen geben Millionen Euro für Werbung aus – wie die am besten wirkt, erforschen Werbepsychologen. Dennoch ist die Epidemie psychischer Erkrankungen heute die größte Herausforderung für die Psychologie. Warum steigt ihre Zahl so rasant? Darauf gibt es mehr als eine Antwort. »Die Diagnosen haben sich im Vergleich zu früher verbessert«, meint Annette Kämmerer. »Aber auch die Bereitschaft der Menschen ist gewachsen, sich in eine therapeutische Behandlung zu begeben.« Aber nicht nur die Psychologie hat sich verändert, sondern auch wir und die Welt, in der wir leben. Leistungsdruck und Anonymisierung verunsichern, sind sich die meisten Experten einig. Gleichzeitig bricht immer mehr weg, was früher Halt gab, wie Religion oder enge Familienbande. Aber sind mit dem steigenden Lebensstandard nicht auch unsere Ansprüche gewachsen? »Entsolidarisierung und Intoleranz gegenüber Frustration zeichnet gerade die jüngere Generation aus«, stellt Kämmerer fest und kritisiert »eine stark egozentrische, manchmal fast schon autistische Haltung«. »Glücksüchtig« hat Bundespräsident Joachim Gauck unsere Gesellschaft unlängst genannt. Für Millionen Menschen in der Dritten Welt hingegen ist der Sinn des Lebens, bis zum Abend nicht zu verhungern. Für Selbstfindung bleibt da keine Zeit. 1930, nach Jahrzehnten der Psychoanalyse, schrieb Freud: »Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten.«


Titelthema

Wer einmal lügt … Gar nicht so einfach, immer die Wahrheit zu sagen. Die Gründe fürs Lügen sind vielfältig. Text: Silke Brüggemann | Layout & Illustration: Luca Leicht

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risch Verliebte, die das Herz ihres Schwarms erobern wollen, Bewerber im Vorstellungsgespräch und Schwerverbrecher vor Gericht – sie alle haben eines gemeinsam: Sie lügen. In jedem dritten Kontakt mit anderen Menschen lügen wir. »Und davon sind die typischen ›Wie geht es Ihnen, gut‹-Gespräche ausgenommen«, sagt Marc-André Reinhard von der Universität Mannheim. Lügen sind in jeder zwischenmenschlichen Beziehung verpönt – denn niemand lässt sich gerne täuschen: »Wer würde ein Auto bei einem Verkäufer kaufen, von dem man weiß, dass er Mängel am Auto verschweigt?«, fragt Reinhard. Aus dieser Sicht ist es besser, immer aufrichtig zu sein. »Aber ehrlich sein ist manchmal schwierig. Ehrlichkeit kann nämlich auch verletzen«. Zum Beispiel, wenn man der besten Freundin sagt, dass ihr die neue Frisur so gar nicht steht. Das ist eine altruistische Lüge. »Bei diesen Lügen versucht man, eine andere Person zu schützen«, erläutert Reinhard. Eine andere Form der Lüge ist die egoistische Lüge. Bei dieser Art zu lügen erwartet der Lügner einen Vorteil für sich selbst. Dieser kann kleiner oder größer sein: von anderen Menschen gemocht werden, den Traumjob bekommen, oder nicht ins Gefängnis kommen.

Wichtig ist, beim Lügen nicht erwischt zu werden. Doch das ist gar nicht so einfach. »Lügen ist kognitiv schwierig«, sagt der Mannheimer Sozialforscher: Man müsse sich eine geeignete Geschichte merken, sie mit Details ausschmücken und sie einleuchtend und plausibel erzählen können. Gute Lügner sind also auch gute Geschichtenerzähler. Doch nicht jeder Lügner kann sich die perfekte Ausrede einfallen lassen. Diese Schwierigkeiten nutzen Gutachter bei Gerichtsverhandlungen. In einer Inhaltsanalyse suchen sie nach Widersprüchen und Hinweisen, die darauf hindeuten, dass die Geschichte ausgedacht sein könnte. »Diese Methode ist bei Kindesmissbrauchsprozessen entstanden: »Dort wurden die Aussagen der Opfer untersucht und gefragt: kann sich ein Kind solche Details ausdenken? Ähnlich gehen die Gutachter auch bei anderen Gerichtsverhandlungen vor«, erklärt Marc-André Reinhard. Warum gibt es aber Menschen, die als Lügner abgestempelt werden, obwohl sie die Wahrheit sagen? Wissenschaftler sagen, die Annahme, dass ein Mensch lügt, wenn er unsicher wirkt, stimme nicht immer. Jemand, der bei einer Polizeikontrolle nervös ist, muss nicht unbedingt ein schlechtes Gewissen haben und ein Verbrecher sein. Vielleicht ist er mit der Situation nur überfordert, weil er als ehrlicher Mensch selten mit der Polizei zu tun hat. Abgebrühte Lügner und Verbrecher haben dagegen gelernt, sich ruhig zu verhalten, wenn sie lügen.

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Titelthema

Unter Gefühlsnarkose »Denn jetzt sind so viele Gespenster hier, Schatten über Schatten, jetzt sind so viele Piraten hier und sie entern deine Seele.« In den Texten von Gisbert zu Knyp­hausen erkennt sich Benjamin wieder. Sich und seine Depression. Text: Anika Pfisterer | Layout: Tobias Fischer

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* Name wurde von der Redaktion geändert.

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enjamin* war ein normaler Junge, wenn es das gibt: Feiern, Skaten und ein bisschen Schule. Dann zu Abizeiten bekam er Bauchschmerzen. Sie kamen und gingen, kein Arzt wusste warum. Damals galten seine Sorgen den Schmerzen, erst im Rückblick sieht er, dass vieles aus dem Lot war: »Ich spürte keine Nähe mehr zu anderen, die Musik löste nicht mehr die gleichen Gefühle aus, es gab nichts mehr, in dem ich aufblühte – jemand hatte die Welt in den Keller verlegt.« Nach seinem Abi ging er nach Hamburg für den Zivildienst. Er war mehr krank als gesund, fehlte jeden zweiten Tag. Schließlich die Diagnose: Depression. In dem Film »Helen« von Regisseurin Sandra Nettelbeck sagt ein Psychiater zu dem Mann der depressiven Hauptfigur: »Ihre Frau ist nicht unglücklich, Mr. Lennert, ihre Frau ist krank.« Solange man Gefühle hat – auch traurige oder wütende – ist man lebendig. »Depressionen fühlen sich leer an. Betroffene empfinden nicht viel – das ist die eigentliche Qual«, erklärt Psychotherapeutin Gabriele Härtel. Vom pompösen Schein zu nüchternen Scherben: Depression lässt die Luft aus den alltäglichen Dingen, setzt ihnen ihre Krone ab und wischt den Goldglanz weg. Das Leben hat ohne Gefühle keine Dimensionen mehr, wird zum stumpfen Brei. Viele Betroffene löffeln ihn weiter,

ohne zu wissen, dass sie Hilfe brauchen. Benjamin erinnert sich: »Mein Tag wurde von einer grünen Wiese zu einem Stoppelfeld, über das ich hechtete. Ich fiel und fiel und das viele Fallen machte mich reizbar. Ein ignoriertes ›Hallo‹, ein verpasster Zug – alles zu viel.« Der Stressspiegel entgleist bei Depressionen, Kortisol-Hormone schießen wie ziel- und zahllose Billardkugeln durch das Blut, stiften permanente Unruhe. Ein Referat, eine Prüfung wird erst recht zum Horror. Benjamin prallte gegen Blockaden, versank in Versagensängsten, anstatt arbeiten zu können. Von außen sah das keiner, da schüttelte man den Kopf über »so viel Empfindlichkeit«. Der Alltag war ein einziges Scheitern, aus dem sich Benjamin zurückzog. Selbst unter Leuten spürte er eine Distanz wie eine Glaswand: »Man wirkt nicht auf die Außenwelt und die Außenwelt wirkt nicht auf einen, so fühlt es sich an.« Ein präsenzloses Chamäleon beim Mittagessen. In der Uni, im Bus, im Bett  –  überall jagten Benjamin Gedanken wie Gespenster. Grübeln über die ewig gleichen Probleme, die Zukunft, seine Krankheit. Anstatt Lösungen zu finden, produzierte der


TitelThema

Kopf Worst-Case Szenarien. Wo andere auflegen, fehlte ihm der rote Hörer. Depression kriecht auch in den Körper: Verdauungsstörungen, Bauch-, Rücken- oder Kopfschmerzen. Das sind die psychosomatischen Leiden, die in der Regel beim Arzt zur Sprache kommen, nicht die seelischen. Die Schlafqualität nimmt ab, auch nach langen Nächten ist der Körper nicht erholt. Manche können erst gar nicht einschlafen oder wachen zu früh auf. Eine bleierne Müdigkeit lastet auf allem, was man tut. Typisch auch Gewichtsveränderungen: Manchen schlägt es auf den Magen, andere betäuben die innere Leere mit Döner und Schokolade, die kurzfristig den Hormonspiegel in die Höhe treiben. Selbst auf die Blase drückt die Krankheit. Der aus­ tralische Schriftsteller Les Murray wurde auf einer Lesung gefragt, ob nicht die Depression hinter seinen großen Werken steckt? Er winkte ab: Depression mache dumm. Tatsächlich leidet die Konzen­ trations- und Merkfähigkeit. Was wollte ich eigentlich in diesem Raum, wie heißt der Nebensitzer nochmal, mein Dozent? Wenn Freunde fragen, wie der Tag war, wird man kaum etwas zu erzählen haben – auch weil die Erinnerung an spezifische Details fehlt. Das Warum einer Depression ist erst ansatzweise klar. »Früher unterschied man endogene, exogene und neurotische Depressionen: Also genetisch bedingte Depressionen ›aus dem Nichts‹, aufgrund (hirn-)organischer Erkrankung oder als Folge psychosozialer Belastung. Heute weiß man, Depressionen sind immer ein Zusammenspiel zwischen Körper, Geist, Umwelt und Veranlagung. Manchmal ist es sehr müßig, Henne oder Ei zu definieren«, so Mediziner und Psychotherapeut Gunther Gauly. Was genau im Gehirn bei Depressionen passiert, ist weitgehend erforscht und hilft bei der Behandlung der Krankheit. »Psychotherapie und Medikation ergänzen sich häufig und sind keine Gegenspieler im Sinne eines EntwederOder«, meint Gauly. Die Nervenzellen im depressiven Gehirn können nicht richtig kommunizieren, weil die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin nicht ausreichen; Gefühle werden nicht richtig reguliert. Anti-Depressiva versuchen, das alte Gleichgewicht wieder herzustellen. Sie verändern weder die Persönlichkeit, noch sind sie

abhängig machende Glückspillen. »Nimmt ein psychisch Gesunder die Medikamente, leidet er nur an den Nebenwirkungen«, so Gauly. Bei der Verhaltenstherapie lernt der Patient Strategien gegen die dunklen Löcher. Gabriele Härtel erklärt: »Wir reden über die Ursprungsfamilie, das aktuelle soziale Umfeld und die Lebensinhalte. Danach finden wir für die Lücken neue Ressourcen: Was kann der Patient gut, was gibt ihm Kraft?« Manche Leute erleben nur eine Depression in ihrem Leben, andere werden öfter heimgesucht. »Die Schlüsselfrage ist: Wie gehe ich damit um?« Das A und O ist eine feste Alltagsstruktur. Benjamin ist jetzt 23, er hat für sich gelernt, einen Weg zu finden, wo keiner ist – wie er es ausdrückt. Er hofft, die Krankheit bald noch kleiner zu kriegen. Ein offenerer Umgang mit der Krankheit würde ihm dabei helfen, aber unsere Gesellschaft macht es ihm schwer. In Amerika seien Sätze wie »I have a depression« weniger Tabu, meint Härtel, die zeitweise in den USA studiert hat. »In den letzten Jahren hat sich auch hier viel getan, man liest auch fernab von Fachmagazinen über Depression.« Aber es ist erst die Spitze des Tabus, die tropft. Depression gilt immer noch als Krankheit der Schwachen oder Verrückten. Wenn Leute zusammenbrechen, dann unter dem Deckmantel Burn-Out – das haben auch arbeitswütige Manager. Jeden Fünften sucht im Leben eine Depression heim. Zirka vier Millionen Deutsche sind aktuell depressiv. Manche stehen uns näher, als wir glauben, doch trauen sich nicht zu sprechen. Wolken aus Schwermut werden parfümiert mit Fröhlichkeit: Gesichtszüge kontrollieren, Verhalten anpassen, jetzt lachen – es strengt an. Zwischen innerer Gefühlstaubheit und äußerer Rolle scheint die eigene Identität zu zerrinnen. Hermann Hesse, Marilyn Monroe, Prinzessin Diana, Robbie Williams: Fernsehberichte über Depressionen beginnen mit berühmten Kranken, um »Normalität« zu schaffen. Benjamin würde ein körperliches Leiden vorziehen, eines ohne Stigma. Wir haben viel über seine Probleme geredet, das merkt auch sein Bauch. Beide brauchen eine Pause. Benjamin weiß, dass es auch diesmal vorbeigehen wird, der aufgeblähte Bauch und der dunkle Kopf. Dass er bald wieder lacht, über Scrubs oder so. Ich stelle eine letzte Frage: Was ihm hilft, wenn ihn eine dunkle Welle überrollt? Er meint, offen über seine Gefühle zu sprechen. Vielleicht steht vor mir kein jauchzender Mensch – aber ein ehrlicher, reflektierter junger Mann.

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Titelthema

ausgeträumt mit freud Sigmund Freud gilt als der Wegbereiter der Traumdeutung, doch heute halten nur noch wenige Traumforscher an seiner Theorie fest. Nach einer endgültigen Erklärung des Phänomens Traum sucht man immer noch vergeblich. Eins scheint jedoch unumstößlich: Jeder Traum beinhaltet eine Botschaft. Text: Nicklas Zehner | Layout: Luca Leicht

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an wacht morgens auf und erinnert sich an bizarre Traumfetzen, die einem absolut unverständlich bleiben. Wer sich auf die Suche nach der Bedeutung seiner Träume begibt, wird früher oder später auf Sigmund Freud stoßen. Freud besaß in Wien eine Privatpraxis und wurde mit den Träumen seiner Patienten konfrontiert, die er systematisch zu untersuchen begann. 1899 veröffentlichte er die »Traumdeutung«, die als radikaler Wendepunkt in der Psychologie gilt. Freud nahm an, dass der Mensch während der Nacht viele »Wünsche aus dem Unbewussten« habe, die seinen Schlaf unterbrechen würden, wenn er nicht im Traum die Erfüllung dieser Wünsche erlebte. Sie würden aber vom Bewusstsein abgelehnt, weshalb sie in einem Prozess namens »Traumarbeit« entstellt und in eine Geschichte verwandelt würden. Diese sei dann harmlos genug, um den Träumenden nicht aufzuwecken. Der Traum sei also der Hüter des Schlafs.

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Schon zu Freuds Zeiten waren seine Thesen umstritten. Was ist zum Beispiel mit Angstträumen oder mit traumatischen Situationen, die sich ständig im Traum wiederholen? Wo soll dort die Wunsch­erfüllung stattfinden? Hier versagt Freuds Theorie und über 100 Jahre später stimmt man Freud zwar zu, dass vereinzelte Träume –  vor allem die von Kindern  –  Wunscherfüllungen darstellen, dann aber stößt man mit Freud an Grenzen. »Freuds Thesen finden in der heutigen Traumforschung aber keine Anwendung mehr«, sagt der Mannheimer Traumforscher Prof. Dr. Michael Schredl vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit. Trotz seiner Irrtümer bleibt Freuds Verdienst, dass er den Traum zu einem seriösen Gegenstand der Forschung gemacht hat. So weit, so gut, aber was sind Träume denn jetzt genau? Auch wenn Freuds Thesen mittlerweile widerlegt sind, bis heute streiten sich die Traumforscher über diese Frage. Das Hauptproblem, dabei ist, dass der Traum nicht beobachtbar ist, nur über das Aufwecken und Befragen der Person kann man ihm näherkommen. Zumindest sind sich inzwischen die meisten Traumforscher einig, dass der Traum der Weiterverarbeitung der tagsüber aufgenommenen Informationen dient. Haben Träume nun eine Botschaft und kann man diese entschlüsseln? »Ja«, sagt Prof. Dr. Michael Schredl, »Träume isoliert zu betrachten macht jedoch keinen Sinn. Bei der heutigen Traumdeutung erzählt die Person, welche Gefühle sie im Traum erlebt hat, dann werden diese mit dem aktuellen Wachleben in Verbindung gebracht. Träume spiegeln generell die Stärken, Schwächen, Probleme und Wünsche eines Menschen wider.« »Die Traumdeutung ist (der Königsweg) zur Kenntnis des Unbewusstem im Seelenleben«, hat Freud einmal gesagt  –  und zumindest damit hat er Recht gehabt.


Kommentar

mit Samthandschuhen Direkt mit dem Finger zeigen oder Rücksicht nehmen auf zarte Seelen – wie darf man Kritik äußern? Layout: Tobias Fischer und Luca Leicht

Pro: Ich-Botschaften sind weniger aggressiv!

Contra: Ich möchte klare Kritik!

Text: Harriet Hanekamp

Text: Susan Djahangard

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acht es wirklich einen Unterschied, ob ein Lehrer schimpft »Mach deinen Mund beim Gähnen zu, das ist ekelig!« oder ob er sagt »Es stört mich, wenn du dir beim Gähnen nicht die Hand vor den Mund hältst!«? Ja, macht es! Denn das eine ist einfach nur beleidigend – das andere kann man mit etwas Nachsicht noch verstehen. Sogenannte Ich-Botschaften sind weniger aggressiv, verallgemeinern nicht und drücken keine Bewertung oder Beschuldigung aus – sondern lediglich die persönliche Betroffenheit. Mit ihrer Hilfe kann man Kritik äußern, die ankommt und nicht verletzend wirkt. Dadurch kann verhindert werden, dass ein Schüler trotzig und feindselig wird oder eine Mauer um sich baut. Außerdem lernt er, wie sein Verhalten auf andere wirkt und kann es selbst bewerten und entsprechende Konsequenzen daraus ziehen. Tatsächlich führen negative IchBotschaften häufig zu Verhaltensänderungen. Denn mal ehrlich: Wer hört schon gerne von seinem Lehrer, dass es ihn anwidere, in den gähnenden Schlund eines Schülers sehen zu müssen?

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enn ich etwas mache und dafür ein Feedback bekomme, dann möchte ich auch das, was das Wort verspricht: Eine Rückmeldung, was gut war und vor allem, eine Rückmeldung, was ich hätte besser machen können. Damit ich das dann auch verbessern kann, brauche ich eine klare Ansage. Wenn man mir erzählt, was aus der ganz individuellen Perspektive unter Umständen vielleicht, aber natürlich auch nur nach dem jeweiligen subjektiven Eindruck hätte besser sein können, dann bin ich einfach nur verwirrt. Beim nächsten Mal werde ich kaum etwas Besseres abliefern können. Und kann im schlimmsten Fall gar nicht herausfinden, was ich wohl gut kann, und was eben weniger gut. Natürlich kann Kritik verletzend und beleidigend sein, aber Kritik ist da, um zu kritisieren. Auch ohne hundert Regeln, die das Feedbacken nur verwischen und verkomplizieren, kann man freundlich, aber bestimmt loswerden, was man eigentlich sagen möchte. Das zumindest finde ich, natürlich nur rein subjektiv und aus meiner ganz eigenen Perspektive.

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MEINUNG

Keine Schublade für Autismus Autisten können Telefonbücher auswendig lernen, aber keine Beziehungen eingehen. Ein Gerücht. Text: Ruth Hebsaker | Layout: Luca Leicht

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er typische Autist? Manch einem kommt da der Film »Rainman« in den Sinn, bei dem der autistische Hauptcharakter zwar sprachliche Probleme und mangelnde soziale Interaktionsfähigkeit zeigt, dafür aber zu außergewöhnlichen kognitiven Leistungen fähig ist. Sogenannte »Savants«,

die mit herausragenden kognitiven Fähigkeiten auffallen, sind unter Autisten recht selten. Grundlegend für das Störungsbild Autismus sind sprachliche und soziale Auffälligkeiten, genauso wie sehr spezifische Interessen. Den prototypischen Autisten gibt es aber nicht. Schon die englische Bezeichnung für mit Autismus assoziierte Störungen, »Autism Spectrum Disorders«, deutet darauf hin, dass sich jeder als autistisch diagnostizierter Mensch nur an einer Stelle auf einem breiten »autistischen Spektrum« befindet und sich

Den prototypischen Autisten gibt es aber nicht. sehr stark von anderen Autisten unterscheiden kann. So finden sich in diesem Spektrum Menschen, die im Alltag auf fremde Hilfe angewiesen sind, genauso wie solche, die eigenständig leben und erfolgreich eine akademische Laufbahn bewältigen. Außerdem können Menschen Teil dieser Gruppe sein, die ein scheinbar normales Verhältnis zu sozialer und körperlicher Zuneigung haben, während andere von ihnen jegliche Berührungen oder Blickkontakte als sehr unangenehm empfinden. Für den einen Menschen mit Autismus kann es das Schönste sein, tagein und -aus von seinem Lieblingsthema, den elektrischen Schranken, zu erzählen, während

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ein anderer sein Leben lang kein Wort sagt. Ihnen ist gemein, dass sie Sinnesreize anders verarbeiten und dadurch ein anderer Blick auf die Welt entsteht. Dieser macht es ihnen meist sehr schwer, gesellschaftliches Geschehen und das Verhalten nicht autistischer Menschen nachvollziehen zu können. Autismus darf deswegen nicht als Krankheit betrachtet werden, sondern muss als eine Wesensart angesehen werden, die eine besondere Art von Erleben, Denken und Handeln mit sich bringt. Das heißt auch, dass das Ziel im Umgang mit autistischen Menschen nie die Heilung oder Beseitigung ihrer Andersartigkeit sein sollte. Es geht da­r um, betroffenen Menschen zu helfen, in einer Gesellschaft, die nicht auf ihre Andersartigkeit ausgerichtet ist, ein gutes Leben zu ermöglichen. Obwohl sich autistische

Autismus darf nicht als Krankheit, sondern muss als eine Wesensart angesehen werden. Menschen durch ihre Wesensart mit vielen Problemen konfrontiert sehen, würden die meisten ein Leben ohne Autismus nicht bevorzugen. Autismus ist ein Teil ihrer Identität und macht sie zu dem, der sie sind.


Wissen

Verhaltensforschung in Nadelstreifen Text: Henrike W. Ledig | Seitenlayout: Tobias Fischer

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ebras sind merkwürdige Tiere. Obwohl sie zur Gattung der Pferde gehören, kann man sie nicht reiten: Sie gelten als zu wild für die Domestikation und an ihrem 16. Rückenwirbel fehlt der Dornfortsatz. Nicht weiter tragisch? Irrtum! Denn dieser Fortsatz müsste horizontal stehen, um der Wirbelsäule zur sogenannten »Brückenkonstruktion« zu verhelfen und so dem Zebra eine Tragfähigkeit zu geben. Nur für eine Reihe Menschen stellen Zebras deshalb eine ausreichende Arbeitsgrundlage dar: Ethologen. Die studieren nämlich das Verhalten der Tiere. Erforscht werden unter anderem Jagdund Kampftechniken, mit deren Hilfe Raubtiere wie Katzen, Reptilien und Insekten über ihr Revier herrschen und überleben, indem sie andere vernichten. Aber auch die Kunstfertigkeiten der Tarnung, die darauf abzielt, den potenziellen Fressfeind zu verwirren. Hier hat das Zebra schon dem einen oder anderen Forscher die Rente gesi-

chert. Von einigen Zebrarassen sind nämlich die am weitesten verbreitet, die am ganzen Körper durchgehend gestreift sind. Die anderen mussten aussterben, da ihre Fellzeichnung nicht ausreichte, um einen Stroboskop-Effekt zu erzielen, wenn sie durch hohes Savannengras liefen. Im Ethologen-Deutsch heißt diese Art der Überlebenskunst »Somatolyse«. Sie schützt das Zebra nicht nur vor Fressfeinden, das Streifenmuster schützt auch vor blutsaugenden Insekten wie der Tse-Tse-Fliege, die allgemein als Krankheitsüberträger bekannt ist. Was können wir alle nun von den Pferden Afri­ kas lernen? Bei Streifen immer konsequent sein.

Ein Klempner, viele Namen Text: Franziska Stotz

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er Begriff des »Seelenklempners« wird oft abwertend für den Beruf des Psychiaters verwendet. Oder für den des Psychologen? Halt mal, wer ist eigentlich wer? Ein Psychiater ist ein Arzt. Er hat Medizin studiert und eine Facharztausbildung absolviert. Er kümmert sich um die Behandlung von Menschen, die an einer seelischen Erkrankung leiden. Die Patienten werden in erster Linie medikamen-

tös behandelt, oft begleitet von einer Gesprächstherapie. Der Psychotherapeut –  fälschlich oft mit einem Psychologen gleichgesetzt  –  kann von seiner Ausbildung sowohl Arzt als auch Psychologe sein. Dazu benötigt er aber zusätzlich zu seinem Studium eine drei- bis fünfjährige Therapieausbildung. Er versucht, den Patienten vor allem im therapeutischen Gespräch zu helfen. Der Patient soll seine Lebenssituation, seine seelischen und körperli-

chen Beschwerden besser in ihren Ursprüngen verstehen und darauf aufbauen können. Je nach Therapierichtung sprechen Patient und Therapeut deshalb über triebhafte Strebungen und frühere Lebenserfahrungen oder über neue Verhaltensstrategien. Mit dem »Inneren des Menschen« beschäftigen sich also sowohl Psychotherapeuten als auch Psychiater –  nur auf unterschiedlichen Wegen.

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REPORTAGE

Vom Krieg berichten Ob aus dem Kosovo, Irak oder Afghanistan – Bilder und Geschichten aus Kriegsgebieten gehen täglich um die Welt. Sie stammen von Journalisten, die von dort berichten, wo keiner Urlaub machen will. Der Kriegsberichterstatter – ein Abenteurer, ein Militärnarr oder ein Journalist, dem authentische Nachrichten alles bedeuten? NOIR-Autorin Franziska Schwarzmann sprach mit Christian Thiels darüber, was ihn als ARD-Krisenkorrespondenten antreibt. Text: Franziska Schwarzmann | Foto: Thiels | Layout: Tobias Fischer

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hre Tätigkeit führt Sie oft ins Ausland, auch in Krisen- und Kriegsgebiete. Wo waren Sie denn schon überall? Unter anderem war ich im Irak, da habe ich über einen Zeitraum von zwei Jahren insgesamt fünf Monate verbracht. Mehr als ein Dutzend Mal war ich in Afghanistan, außerdem im Kongo, am Horn von Afrika, Libanon und natürlich auf dem Balkan. Wie gefährlich wurde Ihr Job bisher für Sie? Im Irak habe ich mehrfach lebensgefährliche Situationen erlebt – bei einer Live-Schaltung in die Tagesschau kamen wir unter Mörserbeschuss und vor dem Kongresszentrum in Bagdad standen wir in gefährlicher Nähe zu einem Raketeneinschlag. Auch in Afghanistan hat man nicht immer ein gutes Gefühl, wenn man unterwegs ist. Aber im großen Ganzen halte ich die Risiken in meinem Beruf für akzeptabel. Natürlich ist es in Kriegsgebieten gefährlicher als in der deutschen Provinz, aber selbst dort kann man vom Bus überfahren werden. Wenn man die Augen offen hält und keine unnötigen Risiken eingeht, dann hat man schon mal sehr viel richtig gemacht. Was war Ihr schönstes Erlebnis im Ausland? Ein einzelnes Ereignis kann ich gar nicht nennen. Es sind so viele wundervolle Begegnungen mit den Menschen in diesen Ländern. Viele haben jeden Tag existenzielle Sorgen und doch sind sie

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Christian Thiels in Afghanistan

unglaublich gastfreundlich und zugänglich. Da fühlt man sich als jemand aus dem Westen mit seinen vergleichsweise unbedeutenden Alltagssorgen ungeheuer klein. Solche Begegnungen erden mich und sie relativieren die Probleme, um die wir hier häufig so viel Aufhebens machen. Könnten Sie überhaupt noch »nur« in Berlin arbeiten und ausschließlich zum Beispiel über die Hauptstadtpolitik berichten? Natürlich ginge das. Sonst wäre ich womöglich ein Adrenalin-Junkie, der die Gefahr zum Glücklichsein braucht. Aber ich genieße es, dass meine Aufgaben mich auch immer wieder in andere Länder führen. Das empfinde ich als Privileg, auch weil ich dann etwa in Afghanistan sehr unmittelbar erlebe, welche Auswirkungen die politischen Entscheidungen in Berlin haben.


Reportage

Im Krimkrieg und im ersten Weltkrieg berichteten Journalisten direkt vom Schlachtfeld. Diese ersten Kriegsreporter wurden von der Krieg führenden Nation mitgenommen, sie waren also im wahrsten Sinne »embedded«. Wenn Sie ins Ausland gehen, gehen Sie dann als Schutzbefohlener der Bundeswehr? Das kommt sehr auf die Reise an. Wenn ich etwa einen Minister oder die Kanzlerin begleite, dann bin ich Teil der Delegation und stehe quasi automatisch unter dem Schutz der Bundeswehr. Bei anderen Reisen, wie etwa im Irak, waren wir auf eigene Faust im Land unterwegs und haben uns bewusst von den US-Truppen ferngehalten. Einerseits bieten Soldaten einen gewissen Schutz, andererseits sind sie immer auch ein ziemlich auffälliges Ziel für die Gegner. Können Sie noch frei berichten, wenn Sie wissen, dass Sie auf die Soldaten der Bundeswehr angewiesen sind? Es wäre schlimm, wenn wir nicht mehr frei berichten könnten. Ich persönlich habe niemals erlebt, dass man ernsthaft versucht hat, uns zu zensieren, um einen bestimmten publizistischen Effekt zu erzielen oder zu vermeiden. Auch in solchen Situationen muss der journalistische Grundsatz gelten, dass man sich seine Kritikfähigkeit nicht durch falsch verstandene Kameradschaft, durch Sympathie oder Antipathie trüben lässt. Das Posttraumatische Belastungssyndrom (PTBS), ein Trauma, das viele Menschen nach einer schrecklichen Situation oder einem schweren Schicksalsschlag begleitet, ist in der gesellschaftlichen Diskussion gegenwärtig. Hat man Sie in Ihrer Rolle als Krisenberichterstatter schon mal darauf angesprochen? Natürlich steht PTBS als Thema der Berichterstattung für uns ständig auf der Tagesordnung. Ganz persönlich möchte ich nur sagen, dass die Erlebnisse in Kriegs- und Krisengebieten nicht spurlos an einem vorüber gehen.

nie mehr als sechs Wochen am Stück dort und bin intensiv auf solche Einsätze vorbereitet worden. Wahrscheinlich frage ich Sie nicht zum ersten Mal: Warum tun Sie sich das an? Haben Sie den Eindruck, mit Ihrer Berichterstattung etwas zu verändern? Meine Hauptmotivation ist meine journalistische Neugier. Unmittelbar Zeuge an einem Ort zu sein, an dem existenzielle Entwicklungen für ein Land, eine Region oder gar die ganze Welt geschehen, ist etwas ganz Besonderes. Die Möglichkeit, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen und mit den betroffenen Menschen zu sprechen, ist ungeheuer reizvoll. Als Missionar oder Weltverbesserer verstehe ich mich allerdings nicht. Ich sehe meine Aufgabe in der Vermittlung von Fakten und unterschiedlichen Meinungen, und muss versuchen, möglichst viele unterschiedliche Facetten zu beleuchten. Am Ende soll sich mein Zuschauer daraus seine ganz eigene Meinung bilden. Wenn durch meine Berichterstattung Menschen auf Missstände aufmerksam werden und diese Missstände beseitigt werden, freut mich das natürlich. Krisen- und Kriegsregionen sind uns »normalen« Menschen kaum zugänglich, umso mehr hängt unsere Meinung von der anderer ab. Wie neutral ist das Bild, das uns die Medien von Kriegen und Konflikten vermitteln? Der mediale Eindruck von Kriegen und Konflikten ist leider fast zwangsläufig weniger differenziert als der, den man in friedlichen Regionen mit Demokratie und freier Presse erreichen kann. Die Einschränkungen, denen sich Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten gegenüber sehen, haben Auswirkungen auf die Berichterstattung. Deshalb ist es so wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass viele Informationen nicht nachprüfbar sind, dass man oft nur eine Seite eines Konfliktes adäquat darstellen kann. Jeder Krieg ist auch ein Krieg um die Informationshoheit. Vielen Dank für das Interview.

Manche Agenturfotografen dürfen sich nur eine bestimmte Zeit im Ausland aufhalten und müssen dann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Gibt es bei den Öffentlich-Rechtlichen ähnliche Regeln? Die ARD hat ihren Mitarbeitern in Kriegs- und Krisengebieten gegenüber natürlich eine besondere Verantwortung. Deshalb wird auch bei uns darauf geachtet, dass die »Stehzeit« in solchen Regionen immer begrenzt ist. Ich persönlich war NOIR Nr. 27 (August 2 012)

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Wissen

Mythos Oxytocin »Wunderstoff«, »Botenstoff der Liebe«, »Treuehormon«, »Kuschelhormon«, »Anti-AngstHormon« – unter vielen Namen kursiert das Hormon Oxytocin seit einiger Zeit nicht mehr nur in unserem Blutkreislauf sondern auch durch die Medien. Manchmal entsteht dabei eher der Eindruck von einer fast magischen Substanz als von belegter Wissenschaft. Text & Illustration: Diana Moll | Layout: Tobias Fischer

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ei dem körpereigenen Neuropeptid Oxytocin handelt es sich laut Lehrbuch um ein sehr weibliches Hormon, das die Entstehung und das Ende einer Schwangerschaft beeinflusst. Ersteres durch Begünstigung der Spermienaszension und zweiteres durch Auslösen der Wehen. Auch nach der Geburt wird Oxytocin zum Stillen benötigt, da es durch Kontraktion der Milchdrüsen die Milchsekretion bewirkt. Beim Mann soll Oxytocin die Kontraktion des Samenleiters bei der Ejakulation fördern. Soweit also die physiologische und unumstrittene Wirkung, die zum Teil schon vor rund 100 Jahren beschrieben werden konnte. Zu den neueren Entdeckungen zählt die Schlüsselfunktion des Hormons in komplexem menschlichem und tierischem Sozialverhalten wie der Mutter-KindBindung. Oxytocin scheint laut seinen vielen Beinamen regelrechte Wunder zu bewirken. Eine Substanz

Oxytocin – eine Substanz, die nur Empathie und prosoziales Verhalten fördert? also, die nur Empathie und prosoziales Verhalten fördern soll? Nach Einschätzungen von Prof. Dr. Heinrichs, am Lehrstuhl für Biologische und Differentielle Psychologie der Uni Freiburg, kommt auf 200 Publikationen zum Themengebiet Oxyto-

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cin und seine sozialen Wirkungen eine mit der Aussage »das könnte auch mal negative Effekte haben«. Als eine Skurrilität bezeichnet der Pionier der Oxytocinforschung am Menschen, dass einige Wissenschaftler das »Kuschelhormon« in der Vergangenheit nicht nur mit einer Verstärkung des Gruppenzusammenhalts in Verbindung brachten, sondern auch mit der Förderung von Aggressionen gegenüber anderen Gruppen. Diese Aggressionen sind evolutionär gesehen aber als defensiver Schutz der eigenen Gruppe zu betrachten. Oxyto-

Kann man Vertrauen »einatmen«, so wie es die Medien suggerieren? cin fördert also keine Aggressionen, sondern die Bereitschaft, vertraute Menschen zu schützen. Nur ca. 0,2 Prozent von intravenös verabreichtem Oxytocin können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und somit im Gehirn soziales Verhalten steuern. Deshalb wurde Oxytocin in Studien stets über Nasensprays verabreicht. Kann man Vertrauen also wörtlich »einatmen«, so wie es manchmal die Medien suggerieren? »Es gibt bisher keinen Beweis dafür, dass Oxytocin auf diesem einfachen Weg ins Gehirn gelangt«, entgegnet Valery Grinevich. Dennoch möchte er nicht ausschließen, dass sehr hohe Konzentratio-


Wissen

nen bis ins Hirn vordringen können. Er selbst ist Leiter einer Forschungsgruppe, die den Transport von Oxytocin an seine Wirkorte untersucht. Oxytocin würde sehr schnell abgebaut werden, auch durch Enzyme im Gehirn. Wie dringt es also in die betreffenden Hirnregionen vor, um dort das Verhalten zu regulieren? »In unserer Studie konnten wir zeigen, dass Oxytocin sehr gezielt über Nervenbahnen an seine Wirkorte im Gehirn gelangt und nicht durch zufällige Verteilung, wie sie beim Einatmen stattfindet. Unsere Beobachtung spricht in gewisser Weise gegen die Effizienz der nasalen Applikation.« Sind also alle bisher gemachten Studien zu sozialen Auswirkungen von Oxytocin via Nasenspray hinfällig? »Wenn man Peptide ins Gehirn bringen möchte, dann geht das nach unserem jetzigen Wissensstand ausschließlich über die Nase –  dies

Ob es wirklich so wirkt, wie vermutet, wird sich erst noch zeigen. wurde bei Tier und Mensch wiederholt gezeigt«, widerspricht Heinrichs. Und so steht Aussage gegen Aussage. »Soweit ich weiß, versuchen zurzeit mehrere Forschungsgruppen, dieses Problem zu lösen. Daher denke ich, dass wir innerhalb eines Jahres eine klare Antwort bekommen sollten«, beschwichtigt Grinevich. Dass das Nasenspray wirkt, scheint bewiesen zu sein. Ob es wirklich so wirkt, wie vermutet, wird sich zeigen. »Oxytocin bewirkt eine Steigerung von Vertrauen, von Blickkontakt, von effizienter Angstund Stresskontrolle. Eine verbesserte Emotionserkennung ist dabei das Verblüffendste«, beschreibt Heinrichs die Substanz, an der er seit vielen Jahren forscht.

»In der Oxytocin-Forschung schauen wir gezielt auf die am schwersten oder gar nicht zu therapierenden Störungen. Beispielsweise Autismus, der bis heute nicht heilbar oder nicht wirklich therapierbar ist –  leider.« Doch kann Oxytocin diese

Notwendige Verhaltensänderung sind nur in einer Psychotherapie zu erlernen. Lücke in den Behandlungsmöglichkeiten wirklich füllen? Heinrichs meint, dass die dringend notwendige Verhaltensänderung bei einer solchen Erkrankung letztlich nur in einer Psychotherapie zu erlernen ist: »Das Oxytocin, so erkläre ich es Ärzten und Therapeuten, könnte dabei den entscheidenden Rückenwind geben.« Eine Kombinationstherapie sei der richtige Ansatz: »Ein Peptid alleine geben: Das würde wahrscheinlich gar nichts bringen.« Oxytocin hilft nur, die Schwelle für soziale Interaktionen zu überschreiten. »Wir wollen ein biologisches System, das offensichtlich brach liegt, oder nicht optimal funktioniert, regelrecht anstoßen.« Das Ziel ist also nie eine Langzeitmedikation mit Oxytocin, wie es oft bei Psychopharmaka der Fall ist. Obwohl Autismus sehr früh diagnostiziert werden kann, kann bislang nicht wirklich geholfen werden. Die Schwierigkeit liegt in der Vielseitigkeit des Krankheitsbildes. Heinrichs glaubt, dass Oxytocin zwar nicht allen aber zumindest gewissen Subgruppen des Autismus Hoffnung geben kann. »Man muss allerdings aufpassen, dass man eine Substanz, die im Moment für sehr viel Furore sorgt, nicht überschätzt und gegen alles gibt«, entzaubert er ein wenig den schönen Mythos des Oxytocin.

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Reportage

Zwischen Bratwurst, Eisbein und Geparden Wie sieht eine ehemalige deutsche Kolonie in Afrika heute aus? NOIR-Autorin Henrike W. Ledig stolperte bei ihrer Arbeit als ­Volontärin auf einer Wildfarm über Spuren der Geschichte. Text & Foto: Henrike W. Ledig | Layout: Tobias Fischer

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ls meine Tochter kurz vor Weihnachten anrief, wusste ich, sie kommt nicht mehr zurück«, erzählt mir meine Sitznachbarin im Flugzeug, eine ältere Belgierin mit braunem Lockenkopf. Die Tochter arbeitete als Tierärztin in England, bis sie sich spontan entschloss, Urlaub in Namibia zu machen. Mittlerweile ist sie glücklich verheiratet und ihre Mutter besucht sie zwei Mal im Jahr. Namibia, so erzählt mir meine Sitznachbarin, habe auf manche Menschen eine stark einnehmende Wirkung. Viele verlieben sich binnen weniger Tage in dieses Land, manche wollen gar nicht mehr gehen. Welche Wirkung Namibia auf mich hat, das will ich in den nächsten Tagen he­ rausfinden. Nach elf Stunden Flug landen wir in der Hauptstadt Windhoek. Hier verabschiedet sich die aufgeschlossene Belgierin von mir und wünscht mir die schönste Zeit meines Lebens. Mit diesem warmen Gruß laufe ich über das kalte Rollfeld zum Flughafengebäude. Es ist kurz nach fünf Uhr morgens, die Temperatur liegt bei frischen sieben Grad Celsius. Namibia liegt auf der Südhalbkugel. Während in Deutschland alle schwitzen, ist es in Namibia Winter und somit Trockenzeit.

11.100 Kilometer bis Berlin Das Gepäck in der gebuchten Lodge abgegeben, schlendere ich nur ein paar Stunden später durch die Straßen der Stadt mit dem niederländischen Namen. Für jeden Besucher, der Deutsch spricht,

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hat Windhoek die ein oder andere Überraschung parat: Im »Hotel zum Sperrgebiet« gibt es Wiener Schnitzel, Bratwurst und Eisbein auf der Speisekarte. Die Stephans Kirche befindet sich nur ein paar Meter entfernt von der »Deutschen Höheren Privatschule«. Vor deren Tor steht ein großes Schild mit der Aufschrift »Berlin –  11.100 Kilometer« und darunter prangt ein aufrecht stehendes Bärenkind. »Natürlich ist das ein bisschen seltsam für jeden Besucher«, erzählt mir Selma, die Rezeptionistin der Chameleon Backpackers Lodge, »aber seit der Zeit gehört Bratwurst nun mal auch zu unserer Kultur.« Mit der Zeit meint sie die Jahre von 1884 bis 1915, in denen Namibia eine deutsche Kolonie war. Erst als die Deutschen den ersten Weltkrieg verloren, wurde Namibia unabhängig. Aber bis dahin hatten die Namibier eine Menge Zeit, die Bräuche der Kolonialherren zu übernehmen. Viele Deutschstämmige leben immer noch hier, etwa die Hälfte der Bevölkerung ist der deutschen Sprache mächtig. Auch wenn Windhoek mit breiten Straßen und den vielen Autos, die


Reportage

keinen Verkehrsregeln zu folgen scheinen, sehr überfüllt wirkt, hat Namibia mit insgesamt 2,3 Millionen vergleichsweise wenig Einwohner. Die meisten bevölkern die wenigen großen Städte wie Swakopmund, der Rest lebt auf Farmen auf dem Land.

Nachbarn erst in über 10 km Entfernung »Wenn dein Nachbar näher als zehn Kilometer an dir dran wohnt, fühlt man sich hier gleich bedrängt«, erzählt John, der mit seinen Eltern eine Gästefarm betreibt, auf der den Besuchern das Westernreiten und das Zusammentreiben von großen Rinderherden beigebracht wird. Als wir einen Berg erklommen haben, deutet John, dessen Großeltern ursprünglich aus Deutschland hierher kamen, in die Ferne: »Seht ihr die Berge dort hinten? Bis dahin reicht unser Grundstück.« 300 Kilometer nordöstlich von Windhoek liegt die Harnas Wildlife Foundation. Harnas ist die älteste Farm in Namibia, die zur Arbeit mit verletzten oder verwaisten Wildtieren Volontäre aus aller Welt sucht. Die Farm erreicht man gut – in dem vergleichsweise reichen Namibia sind alle Straßen gut geteert. Den Wohlstand verdankt Namibia besonders einer Einreisebestimmung: Namibia ist das einzige Land in Mittel- und Südafrika, in dem die Wildjagd durch Touristen erlaubt ist und in

das man Waffen problemlos einführen darf. Viele Lodges lassen sich die Jagdausflüge auf Springböcke, Gnus und ähnliches Wild gut bezahlen – ein Teil des Geldes geht direkt an den Staat. Harnas ist für Farmer aus ganz Namibia und für Zoos aus umliegenden Ländern die einzige Anlaufstelle, wenn es um Wildtiere geht. Über die Jahre hat sich eine gewaltige Anzahl Tiere angesammelt, die von Volontären versorgt werden. Während der ersten Tage haben die Volontäre oft großes Heimweh oder Probleme mit dem Klima. Deswegen suchen sie sich ein Tier, mit dem sie für die nächsten Wochen eine besondere Bindung eingehen, mit ihm im Käfig sitzen, ihm kleine ExtraPortionen geben oder einfach nur mit ihm sprechen. Harnas hat für jeden ein Erlebnis parat: Ob man sich mit den wilden Pavianen einlässt, mit den Geparden unter freiem Himmel schläft oder dem Papagei »Neko« ein neues Wort beibringt. Nur allgemein zimperliche Gemüter haben es schwer: Das Auseinandernehmen von frischgeschlachteten Eseln und die Gemeinschaftstoiletten im Busch gehören leider ebenso zum Farmleben wie das Flaschenfüttern der verwaisten Tierbabies.

Volontäre bei der Arbeit: Auf der ältesten Farm Namibias werden verletzte oder verwaiste Wildtiere aufgepäppelt.

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wissen

Unterschwellig verkauft Wer von uns glaubt nicht, gegen Werbespots immun zu sein? Aber Werbespots, Jingles und Plakate sind immer ein ganzes Stück subtiler, als wir glauben – und ziehen uns das Geld aus der Tasche. Text: Leonie Müller | Layout: Tobias Fischer

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inerseits wissen wir heute besser über unsere Gefühle und unser Handeln Bescheid als je zuvor, andererseits wird genau das Wissen genutzt, um Menschen an der Nase herumzuführen. Die gesamte Werbeindustrie basiert auf Psychologie – Farben, Formen, Musik und Zahlen werden eingesetzt, damit wir kaufen, was wir kaufen. Jede gute Werbung spricht unsere Gefühle an, nicht unseren Verstand. »Werbung ist die Kunst, die Intelligenz eines Menschen so lange gefangen zu nehmen, wie man braucht, um Geld aus ihm herauszuleiern!«, meinte der kanadische Politikwissenschaftler Stephen Leacock einst. Werbung folgt der Formel AIDAS: Attention, Interest, Desire, Action, Satisfaction. Zuerst braucht man die Aufmerksamkeit des potenziellen Kunden. Bei TV-Werbung funktioniert das dadurch, dass man die Werbung mit höherer Lautstärke aus dem Fernsehgerät schallen lässt, als der eigentliche Spielfilm. Dann wird unser Interesse geweckt – die Leute in dem Clip scheinen Spaß zu haben! Wer sich denkt »Das will ich auch!«, ist auf dem besten Weg zur Kasse. Der Kunde muss mit dem Kauf aber auch zufrieden sein, um die Handlung bald zu wiederholen. Dieses Bemühen offenbart sich in jeder Kaufhaus-Rechnung: »Vielen Dank, dass Sie sich für ein Produkt aus unserem Hause entschieden haben!«

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Hast du dich schon mal gefragt, warum alles um uns 19,95 Euro kostet und nicht glatte 20 Euro? Natürlich erscheint uns 19 niedriger als 20, aber das Geheimnis liegt noch tiefer im menschlichen Gehirn vergraben. Wann immer wir etwas kaufen, wissen wir, dass jemand –  unabhängig von den wahren Produktionskosten – daran verdient. Unbewusst überlegen wir, wie groß wohl die Differenz zwischen Wert und Preis des Produkts ist. Bei geraden und runden Summen halten wir diese Differenz für größer (»20 Euro? Das ist bestimmt nur 15 Euro wert …«), bei ungeraden Summen hingegen für niedriger (»Wenn das 19,95 Euro kostet, hat das vielleicht einen wahren Wert von 17,95 Euro …«). Gerade beim Konsumverhalten zeigt sich, dass wir als Einzelpersonen in einer Gesellschaft leben und seit jeher das Bedürfnis haben, zu dieser Gruppe zu gehören. Die Werbepsychologie macht sich das zu Nutzen. Sie spricht vom Social Proof: der sozialen Bestätigung. Du willst etwas auf eBay verkaufen? Fang mit einem niedrigen Preis an. Je niedriger der Anfangspreis, desto mehr Menschen bieten mit, desto erstrebenswerter erscheint ihnen das Produkt, desto höher wird das letzte Gebot liegen. Den gleichen Effekt hat der Promi, der dir die neueste Zahnpasta oder Spielkonsole andrehen will: Der hat‘s schließlich an die Spitze geschafft! Und der benutzt dieses Produkt? Das kann ja nur gut sein.


Reportage

Der selige nazi Er lässt ihn nicht los. Immer wieder schlägt der Mann in den schwarzen Springerstiefeln auf seinen türkischen Nachbarn ein. Er schlägt ihn, weil er anders ist. Anders aussieht, anders riecht, anders geht, anders lacht. Er passt nicht in seine Welt. Verschiedenheit irritiert ihn, ist ihm fremd. Diese schwarzen Augen sind ihm fremd. Kann man Fremdenfeindlichkeit erklären? Text: Lisa Kreuzmann | Layout: Tobias Fischer

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enn wir uns selig fühlen, meinen wir damit ein Hochgefühl. Wir sind ausgeglichen, wir sind zufrieden. Ein gutes Gefühl; ein schönes Wort. Bestimmt nicht die erste Wahl, um einen Rechtsradikalen zu beschreiben. Doch auch er ist selig. Er ist feindselig. Wie kann das passen? Warum sind wir selig, wenn wir Feinde haben? Der Psychoanalytiker Thomas Auchter hat sich vor über zwanzig Jahren mit genau dieser noch immer aktuellen Frage beschäftigt und versucht, Fremdenhass psychoanalytisch zu erklären. Nach Auchter liegt der Ursprung von Fremdenangst in der sogenannten analen Phase – eine der Entwicklungsstufen in der Psychoanalyse nach Sigmund Freud. Im Alter von zwei bis drei Jahren beginnt das Kind, eine Beziehung zu sich selbst aufzubauen. Dabei steht es vor der Aufgabe, neben der neu entdeckten Selbstbeziehung auch diejenige zu seiner Umwelt aufrecht zu erhalten – ein Balanceakt. Das Kleinkind kann die Abhängigkeit von den Eltern einerseits nicht länger ertragen und muss doch lernen, dass es nie vollkommen unabhängig von Anderen sein wird. Gelingt dieser Balanceakt nicht, wird der ausgewachsene Mensch intolerant und versucht verbissen, an Vertrautem festzuhalten. Sich auf Kompromisse einzulassen, schafft er nicht. Andere spielen in seiner Welt keine Rolle, der pathologische Narzist, wie Auchter ihn nennt, lebt in vollständiger Ich-Bezogenheit, neigt zur Selbst-Idealisierung und Omnipotenzvorstellungen. Seine Welt ist eine fertige Welt. Entwick-

lung und Fortschritt gibt es nicht; Veränderung will er nicht. Was der pathologische Narzist nicht kennt, frisst er nicht; wen er nicht kennt, mag er nicht. Laut Auchter hat der Mann in den Springerstiefeln ein gestörtes Selbstbewusstsein: den Spagat zwischen der Beziehung zu sich und zu den Anderen hat er nicht geschafft. Fremd sind aber nicht nur die Anderen, auch der eigene Charakter und die eigenen Macken können fremd werden. Der Mann in den Springerstiefeln kann damit nicht umgehen. Das »fremde eigene Böse«, wie Auchter es nennt, macht ihm Angst. Er will es nicht, er begreift es nicht. Er schlägt weiter zu. Er schlägt, um gegen das Böse und Unbekannte in ihm anzukämpfen. Der fremde Mann in seiner Gewalt wird Sinnbild für all das Fremde, das er nicht versteht und vertreiben muss. Verstehen? Nur schwer. Erklären? Auchter macht das so: Der Fremde ist Ventil für den »Seelenmüll«, den der Rechte nicht erträgt. Der Mann in den Stiefeln ist feindselig, um seine Welt glatt zu halten. Eine Welt, in der ihn Neues und Unbekanntes nicht länger ängstigen muss.

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KOLUMNE

Kein Heimvorteil –  Ein Psychologenkind im Wahnsinn Text & Fotos: Theresa Rath | Layout: Tobias Fischer

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ch wurde als Kind zweier Diplompsychologen geboren. Man könnte annehmen, dass ich die beste Erziehung genossen habe. Schließlich haben meine Eltern fünf Jahre Bücher gewälzt und ihr Innerstes nach Außen gekehrt. Aber, Aber! Es gibt einen Unterschied zwischen dem adäquaten Umgang mit den Klienten und dem eigenen Kind. Psychologie funktioniert subtil. Und mit den Patienten ist ein subtiler Umgang ratsam, wenn man nicht ständig eine Klage wegen Beleidigung am Hals haben will. In der Beziehung zum eigenen Kind jedoch können Doppelmoral und zusammenhanglose Bestrafungen seltsame Verhaltensweisen auslösen. Und so ging es mir als Kind dieser überpsychologisierten Eltern: Ich wurde seltsam und kam mir auch so vor. Aber dann fand ich bei meiner Mutter ein Buch: Anna Freud – Psychoanalyse für Pädagogen.

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Dieses Buch wurde zu meiner Bibel. Das Gefühl des Seltsamseins löste sich auf und an seine Stelle trat ein umfassendes Verstehen und eine Erleichterung über mein Freisein von aller Schuld. Ich erfuhr, wie ich Entwicklungsstufe um Entwicklungsstufe gegen die Wand gefahren wurde. Als erstes in der oralen Phase, in der das Urvertrauen des Kindes entwickelt werden soll. Meins nicht. Nach dem Abitur tat ich mich schwer mit der Berufswahl: Medizin, Jura, Mathematik, Biologie, Geschichte … Alles schien mir zu gering, kurz und gut: zu klein. Aber woher mochte das rühren? Die Antwort auf diese Frage fand ich in meiner oralen Phase. Meine Mutter hatte schon immer eine recht kleine Oberweite. Die ersten neun Monate meines Lebens säugte sie mich aus diesen kleinen Brüsten. Da aber ein Baby seine Umgebung nur mit dem Mund erforscht und wenig anderes tut als schlafen und saugen, kam mir die A-Körbchen Welt, in der ich mich bewegte, entsetzlich klein vor. Ich suchte nach einem Halt, aber da war nichts. Mein oralkaptatives Antriebserleben verfing sich in Brustbeinen und Schulterblättern. Seitdem ist in mir der Wunsch nach etwas Größerem. Es zieht mich in Weltstädte und zu riesigen Themenbereichen. Die Welt ist nicht genug für mich. Auch mein Jurastudium befriedigt mich nicht. Daher erwäge ich nun, Astronomie zu studieren –  um an unserem Universum einmal wahre Größe zu erfahren.


Kolumne

Meiner kleinen Welt wurde ein plötzliches Ende gesetzt. Mit neun Monaten erkrankte ich an Lungenentzündung. Ich musste ins Krankenhaus und die kleinen Brüste meiner Mutter stellten schwupp di wupp ihre Milchproduktion ein. Als ich zurückkehrte, war nichts mehr wie zuvor. Man hatte meine kleine Welt durch NUK-Fläschchen mit Elastiksaugern ersetzt. Das Trauma setzte sich fest. Vierzehn Jahre nach meiner Erkrankung stellte ich das Essen ein, wohl mit dem Hintergedanken, an den Tropf zurückzukehren. Auch in der analen Phase lief es trotz des Fachwissens meiner Eltern nicht besser. In dieser Phase lernen Kinder, aufs Klo zu gehen. Es geht um Autonomie, darum, wann sie den Besitz ihres Körpers abgeben und wann sie ihn behalten. Kinder, die streng zur Reinlichkeit erzogen werden, können grobe Schäden davontragen. Ich brauchte mit gerade zwei Jahren nicht mehr gewickelt zu werden. Das Thema Kot war ein peinliches und ich sollte mich nicht damit auseinandersetzen. So entwickelte ich mich schon früh zur Zwangsneurotikerin. Ich ziehe noch heute zwanghaft Stecker und behandle den Dreck dieser Gesellschaft mit neurotischer Arroganz, um ihn mit meinem zwanghaften Ordnungswahn zu eliminieren. Böse Kommentare oder abwertende Blicke entschlüpfen mir unkontrolliert. Seit ich den Grund dafür kenne, backe ich öfter Kuchen. Das soll Kindern anstelle von Kot dazu dienen, ihr intentionales Antriebserleben auszuleben. Da meine Psychologen … äh … Eltern nach dem Motto »Wenn schon, denn schon« handelten, nun meine phallische Phase: Die Entwicklung von Kindern vollzieht sich in Stufen. Jede Phase baut auf der vorherigen auf. Beim Eintritt in die phallische Phase war ich mit Fixierungen aus der oralen und der analen Phase gespickt. Man glaubt gar nicht, was man bei Kindern alles falsch machen kann! Eigentlich denkt man ja, es sei nur recht und billig, wenn das eigene Kind nicht in die Toilette greift und mit seinem Kot spielt, aber mich hatte das zur Zwangsneurotike-

rin gemacht. Derartig prädisponiert sollte ich die sexuellen Beziehungen erforschen. Mir boten sich keine besonders guten Aussichten. Wenige Monate zuvor hatten meine Eltern sich getrennt und mein Vater war hinter der Fassade seiner Minibar verschwunden. Während andere Mädchen ihre Väter unter der Dusche beobachteten, konnte ich nichts Derartiges tun. In der phallischen Phase wollen Kinder das andersgeschlechtliche Elternteil ganz für sich gewinnen. Gleichzeitig versuchen sie, das gleichgeschlechtliche Elternteil zu ersetzen. Diese Möglichkeit war mir durch das Fehlen eines Vaters genommen. Ich entwickelte eine blühende Fantasie, um das Fehlen meines Vaters zu kompensieren. Man sah mich häufig wild gestikulierend umhergehen, mit Gegenständen sprechen und nicht vorhandenen Personen zuwinken. Auch heute noch habe ich Probleme mit meiner sexuellen Identität und fühle mich aufgrund der langen Zeit, die ich allein verbracht habe, mir selbst am nächsten. Ich finde meinen eigenen Körper unheimlich attraktiv. Mir ist noch niemand begegnet, der mit mir mithalten konnte. Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie sehr mir Anna Freuds Buch geholfen hat. Ich verstehe nun, wie das Verhalten meiner Eltern mich geprägt hat: der Alkoholismus meines Vaters, die Kleinbusigkeit meiner Mutter, meine frühe Erziehung zur Reinlichkeit. Ich erwarte von meinen Eltern nicht mehr, dass sie ihr Verhalten reflektieren. Ich bin bereit, alles zu vergeben, insbesondere meine eigenen Fehler. Denn der freie Wille ist eine Illusion. Und selbst ausgebildete Psychologen können sich ihren eigenen frühkindlichen Phasen nicht entziehen. Selbst Psychologen sind am Ende nur Menschen.

NOIR-Autorin Theresa Rath, 21 Jahre, studiert in Berlin Jura und veröffentlicht im September ihren ersten Kurzgeschichtenband.

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Hauptfach: Pädagogik und Psychologie Text & Foto: Bettina Schneider | Layout: Tobias Fischer

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arum haben wir Ängste? Wie entsteht eigentlich das Gewissen? Und was hat dieser Sigmund Freud so gemacht? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhält man man im 6-stündigen Profilfach »Pädagogik und Psychologie«, das an Sozialwissenschaftlichen Gymnasien (SG) unterrichtet wird. Grundwissen für spätere Studienfächer wie Soziale Arbeit, Erziehungswissenschaften und natürlich Psychologie werden hier vermittelt. Man muss sich bei diesen beruflichen Gymnasien allerdings auch auf haufenweise Textarbeit, unzählige Diskussionen und viel Auswendiglernen vor den Klausuren einstellen. Nach der Mittleren Reife also doch lieber auf ein Technik- oder Wirtschaftsgymnasium wechseln? Auf keinen Fall, war für einen Schüler klar, der dieses Jahr sein Abitur an einem SG gemacht hat: »Mal ehrlich: Pädagogik und Psychologie können spannender

als ein ›Tatort‹ sein!« Das finden viele Schüler, und darum ist es auch nicht einfach, einen der begehrten Plätze am 3-jährigen SG zu ergattern. Vor drei Jahren meldeten sich zum Beispiel 250 Schüler auf die 50 Plätze des SGs des Kolping-Bildungs-Werks in Stuttgart – und das trotz privaten Trägers und Schulgebühr. Zwar stieg in den letzten Jahren die Anzahl der staatlichen SGs, doch ich finde: Hier herrscht noch Verbesserungsbedarf.

Impressum NOIR ist das junge Magazin der Jugendpresse BadenWürttemberg e.V. Ausgabe 27 – August 2012 Herausgeber Jugendpresse Baden-Württemberg e.V. Fuchseckstraße 7 70188 Stuttgart Tel.: 0711 912570-50 Fax: 0711 912570-51

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Redaktion Silke Brüggemann (sbr), Susan Djahangard (sd), Sanja Döttling (sdo), Harriet Hanekamp (hha), Ruth Hebsaker (rh), Lisa Kreuzmann (lkr), Henry W. Ledig (hl), Diana Moll (dm), Leonie Müller (lm), Anika Pfisterer (apf), Theresa Rath (tr), Samuel Rieth (sr), Bettina Schneider (bs), Franziska Schwarzmann (fs), Franziska Stotz (fst), Niklas Zehner (nz)  redaktion@noirmag.de Layout & Art Director Tobias Fischer

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Titelbilder Titel: Juliane Schwabenbauer / jugendfotos.de; Teaser-Fotos (v.l.n.r): Gerti G. / photocase.com, Christian Thiels, prokop / photocase.com Bildnachweise (sofern nicht auf der entspr. Seite vermerkt) S. 1 (oben): Thomas K. / photocase.com; S. 1 (unten): Privat (3x); S. 2 »Tiere«: Jannis König / jugendfotos.de; »Zähneputzen«: MANÜ! / photocase.com; »Frau«: Juliane Schwabenbauer / jugendfotos.de; »Zeigefinger«: Maria Vaorin / photocase.com; S. 4: una.knipsolina / photocase.com; S. 6: nicolasberlin / photocase.com; S. 8 / 9: flo-flash / photocase. com; S. 10: Saimen. / photocase.com; S. 11: Privat (2x); S. 12: Jonas Müller / jugendfotos.de; S. 13: Julia Vogt / jugendfotos.de; S. 14: Christian Thiels; S. 20: Gestaltbar / photocase.com; S. 21: Jenzig71 / photocase.com NOIR kostet als Einzelheft 2,00 Euro, im Abonnement 1,70 Euro pro Ausgabe (8,50 Euro im Jahr, Vorauszahlung, Abo jederzeit kündbar). Bestellung unter der Telefonnummer 0711 912570-50 oder per Mail an abo@noirmag.de. Für Mitglieder der Jugendpresse BW ist das Abonnement im Mitgliedsbeitrag enthalten.


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NOIR - Ausgabe 27: In den Tiefen der Seele  

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