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Druck & Verlag


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E di tor i a l

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WIR SIND ES WERT Die Noir-Redakon freut sich über zahlreiche Leserbriefe: Mehr dazu auf Seite 13

INHALT

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estern bist du eine Stunde und fünf Minuten zu früh gegangen“, sagt der Chef zur Praktikantin. Sie verschweigt, dass er sich um eine Stunde verrechnet; sie zuvor Überstunde um Überstunde gesammelt hat. Der beiläufige, verbale Hieb in die Magengrube sitzt auch so. Und tut ordentlich weh. Runterschlucken, rausgehen, weinen. Ohnmächtig. Hilflos. Nachts wälzt sie sich grübelnd durchs Bett. Kommt nach Stunden unruhigen Wachens zu dem Schluss, noch mehr zu tun, noch härter und noch länger zu arbeiten als alle anderen. Schließlich geht es um einen Ausbildungsplatz, um die Zukunft. Versagen oder gar aufgeben ist keine Option. Dazu ist sie zu ehrgeizig. Von jetzt an fühlt sich die junge Frau beobachtet: vom Chef, sogar von den Kollegen. Jederzeit. Obwohl sie doch eigentlich befreundet sind. Zumindest glaubte sie das. Sie achtet nun auf jedes Wort, legt es auf die Goldwaage, hört auf, Fragen zu stellen. Am liebsten wäre sie unsichtbar. Abends schleicht sie sich aus dem Büro. Flüchtigkeitsfehler nehmen zu, ihre Konzentration lässt nach. Eine Blockade — jetzt geht gar nichts mehr. Wochen später ist die einst engagierte, motivierte junge Frau ausgebrannt. Zweifelt an ihrem Leben. Ihrem Wert. Und erkennt: So kann es nicht weiter gehen. Die Praktikantin nimmt all ihren Mut zusammen und redet mit ihrem Chef. Doch das Arbeitsverhältnis ist nicht mehr zu kitten. Am Abend liegt die Kündigung auf seinem Tisch. Denn sie ist es sich Wert. Katrin Ehmke

F o t o s : p h o toc a se.c om ( Ger ti G., alex2.0) Fotos Titel: photocase.com (Alex-, momosu, <<bananarama>>, Peter Muff-Eye)

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Lifestyle. Trend Mineralwasser

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Kultur. Bayrischer Kultfilm

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Thema. Ausbeutung, statt Ausbildung

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Thema. Gewalt in den Medien

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Experte. Wo sitzt unser Gewissen?

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Porträt. Domian: Der deutsche Kummerkasten

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Wissen. Mit der Achterbahn gehts auf den Gipfel

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Reise. Der perfekte Badesee

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Sport. Die Straße tanzt

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Intern. Leserbriefe an Noir

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Politik. Die Thronfolger von FDP und Linkspartei im Porträt

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Politik. Europas Jugend kämpft

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Querbeet & Gewinnspiel

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Editorial

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Impressum


Lif e s tyl e ~ Kultur ~ Ti te l t h e m a ~ P o r t r ä t ~ W i sse n ~ Re i se ~ Sport ~ JPBW-Intern ~ Pol i t i k ~ Querbeet

DER GEWISSE

TROPFEN

M

ineralwasser ist gesund und hält fit. Der Durstlöscher hat sich zum Trendgetränk entwickelt. Der ProKopf-Verbrauch ist rasant gestiegen: Trank der Durchschnittsdeutsche in den 80er Jahren knapp 40 Liter pro Jahr, verbrauchte er im vergangenen Jahr 113,7 Liter. Vorbei die Zeiten, da der Kellner im Restaurant irgendein Wasser an den Tisch bringt. 800 verschiedene Wassersorten gibt es auf dem Markt. Von „Apollinaris“, über „Fachingen“ bis „Volvic“ — mit viel, wenig oder ganz ohne Kohlensäure. Geschmäcker sind verschieden. Der eine mag es prickelnd, der andere wiederum still. Im Trend liegen die Stillen. Marktführer sind die Franzosen mit „Volvic“, „Evian“ und „Vittel“. Die Geschmackspalette reicht von süß, sauer und salzig über spritzig bis zu mineralisch-metallisch. „Das Mineralwasser wirkt sich sowohl auf den Geschmack von Speisen wie Getränken aus. Das wissen die Wenigsten,“ sagt Markus Del Monego, einer der bekanntesten Mineralwasser-Sommeliers in Deutschland. Zu den Hauptaufgaben eines Sommeliers gehört das richtig Kombinieren von Wasser zum entsprechenden Wein und den dazugehörigen Speisen. Zu einem trockenen Wein zum Hauptgericht empfiehlt sich ein anderes Wasser als zum süßen Dessert-Wein. Der MineralwasserSommelier aus Essen findet zu jedem Wein das passende Wasser: „Ein sehr schwefel- und salzhaltiger Begleiter kann den Wein sogar zerstören!“ Del Monega gilt als Genussexperte. Er ist Vizepräsident der deutschen Sommelier-Union und wurde 1998 zum

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besten Sommelier der Welt gekürt. Der Beruf Mineralwasser-Sommelier ist kein anerkannter Beruf, den man erlernen kann.Vielmehr erlangt nur jener Kenntnisse, der Schulungen bei einem erfahrenen Sommelier besucht. Dessen Hauptaufgabe liegt darin, Menschen in Restaurants beim Aussuchen des richtigen Weins zu beraten. Kenntnisse über verschiedene Arten Sprudel gehören für sie ganz selbstverständlich zum Repertoire. Zum Wein empfiehlt Del Monego Wasser mit wenig Mineralstoffen. Es sollte neutral im Geschmack sein, zart sprudeln und wenig Kohlensäure enthalten. Dazu zählen Marken wie „Evian“, „Gerolsteiner“ und „San Pellegrino“. Am besten schmeckt Wasser bei einer Temperatur von rund zwölf Grad. Je nach Jahreszeit ändert sich das jedoch: Im Sommer darf es etwas kühler sein, im Winter gerne zwei bis drei Grad wärmer. Auch zur Zubereitung von Tee und Kaffee empfiehlt sich stilles Mineralwasser. Spitzenreiter für den besten Geschmack ist nach einem Test der Zeitschrift „Der Feinschmecker“ das norwegische Lifestylewasser „Voss“, gefolgt von „Evian“. In Frankreichs Hauptstadtmetropole ist Mineralwasser schon längst Kult — jedenfalls in der Wasserbar im Pariser Kaufhaus „Colette“. Dort gibt es über 80 verschiedene Sorten zum Probieren. Irina Bernhardt

Fo t o : p h o t o ca s e. c om ( Dom m y )


Lifestyle ~ K u l tu r ~ Ti te l t h e m a ~ P o r tr ä t ~ W i ssen ~ Rei se ~ S port ~ JPBW-Intern ~ Pol i t i k ~ Querbeet

HEIMAT EROBERT DEN FILM „Auf Fahrtwind, Freiheit, Sehnsucht und Liebe. An Tschik und a Bier. Und den Vollmond als Wegweiser.“

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rst der Erfolg mit „Wer früher Dann flattert für Kati die Zusage ins Haus. stirbt, ist länger tot“ und „Schwe- Doch was ist mit ihrer Familie, der Freunre Jungs“; dann der „New Faces din, der Heimat? Erlebt sie daheim die Award“ der Bunten als bester Nachwuchs- schönste Zeit ihres Lebens oder weit fort? regisseur 2007: Jetzt bringt Markus H. Drehbuchautorin Karin Michalke: „Wer Rosenmüller den nächsten, urbayrischen sagt, dass woanders alles besser wird?“ Diese Frage bewegt nicht nur die Zwei, Streifen ins Kino. Und macht den Heimatfilm zum neuen, ungeschminkten Erlebnis sondern jeden, der erwachsen wird, von daheim weg und das wahren Lebens. eigene Ich ausleben In „Beste Zeit“ be“Liebe is, wenn’s will. Der erst merkt, weist Rosenmüller erneut sein Gespür für größer is als Freiheit.” was Heimat bedeutet, wenn er nicht mehr die kleinen, doch so da ist. „Ist doch egal, wichtigen Details des ob man über Afrika, Lebens und zaubert ab dem 26. Juli eine poetische Idylle ins Amerika, Alaska, Russland oder China Sommerkino. „Mein Wunsch ist es, dass an seinen Punkt kommt. Oder ob man in sie mit einem Lächeln das Kino verlassen Tandern zu sich findet“, sagt Michalke. Hoffentlich finden weitere Regisseure und sich an ihrem Leben freuen.“ Kati (Anna Maria Sturm) und ihre beste Geschmack am Heimatfilm — nicht nur Freundin Jo (Rosalie Thomass) sind sieb- in Bayern. Michalke: „Dialekt hat einen zehn. Eingeengt im kleinen Dorf Tandern bestimmten Tonfall. Dinge haben eine nahe Dachau träumen sie von der großen bestimmte Bedeutung. Es steckt ein beFreiheit: Kati vom Schüleraustausch nach stimmtes Gefühl darin, alles passt zusamAmerika; Jo vom Fahrtwind im Haar, men. Wenn man eins wegtut, dann stimmt einem kühlen Bier und dem Richtigen. es halt nimmer.“ Katrin Ehmke

Jo genießt ihr Leben in vollen Zügen

Lesenswert

Hörenswert

Als Greis geboren, als Kind gestorben

Kuba singt im Exil

Als Max Tivoli 1871 in San Francisco zur Welt kommt, beschleicht die Familie am Kindbett eine Vorahnung: „Der Doktor meint, er ist nicht recht geraten.“ Das schlechte Omen entkräftet nur der Vater: Er verweist auf die Mythologie seiner nordischen Heimat: „Er ist ein Nisse; das bedeutet Glück, Liebste.“ Aber der Erzähler weiß es besser: „Es stimmte nicht mit dem Glück. Ich glich den kleinen greisen Kobolden, die in Dänemark unter den Hügeln lebten. Einem Gnom. Einem Monstrum. Und bin ich das nicht auch?“ Warum? Als Greis geboren, verjüngt sich sein Körper unaufhörlich. So sitzt Tivoli mit der Weisheit eines alten Mannes im Sandkasten,

F o t o s : C o n sta nti n Fi l m , M ünc hen ; S . F ischer V erlag

während er von seinem Leben berichtet. „Jeder von uns ist die Liebe im Leben eines anderen“. Dies ist der rote Faden von Max‘ Existenz. Seine Liebe heißt Alice. Er begehrt sie ein Leben lang. Doch ist er alt, als sie erwachsen wird. Erst später erhält ihre Liebe eine Chance, bevor sich ihre Wege wieder trennen. Nie wurde Tragik wie Glück so packend inszeniert. Ein magisches Konstrukt, wie es nur die Literatur plausibel erzählen kann. Anrührend. Fesselnd. Kurzum: Greer hat einen Ton gefunden, der süchtig macht. (Andrew Sean Greer Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli) f k

Nach drei Alben veröffentlichen Roldan Rivero, Yotuel Manzanares und Hiram Riveri 2007 ihre Best-Of-Platte „Antidiotico“. Die drei „Orishas“ leben im Exil. Dennoch sind sie und ihr Musikstil ein Aushängeschild Kubas: 15 Titel vereinen traditionelle Klänge und moderne, karibische Stile mit abwechslungsreichem spanischen Rap und Pop zum einmaligen Mix. Neben Politik singen die „Orishas“ über die schönen, romantischen Seiten Kubas und lassen sommerliches Flair und Fernweh aufkommen. Bestens für jeden, der sich nach Sonne, Strand und Meer sehnt. Leider sind nur drei Lieder tatsächlich neu. Immerhin gibt es die Platte als Sonderedition mit acht Videos auf DVD. v k

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MATERIALVERLUST Praktikanten, Azubis, Berufseinsteiger. Alle klagen ihr Leid über die derzeitige Arbeitsmarktsituation. Große Töne, nichts dahinter. Ist das schon alles?

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nser Stigma: Generation Praktikum. Im vergangenen Jahr hat der leidvolle Titel den Sprung auf Platz Zwei der Unwörter des Jahres geschafft. So viel zur Popularität. Unsere Eltern entstammen der Generation Golf. Deren propagierte Ziele: Ein solider Beruf, das Haus, die Kinder — und eben der eigene Golf. Unsere Ziele sind aktuell weitaus weniger hochtrabend: Ein Ausbildunsgplatz, ein Job. Danach sieht man weiter. Wir sind bescheiden geworden in einem Land, dass uns lehrt, dass jede Art Arbeit kostbar ist. Ein Land, das über vier Millionen Arbeitslose zählt. Die Entwicklung verlief lautlos, schleichend: „Sich rechtzeitig in der einen oder anderen Branche umzuschauen, hilft bei der beruflichen Orientierung“, erklärt Arbeitsminister Franz Müntefering den Sinn und Zweck des Praktikums. Stimmt. Das erste Pflichtpraktikum in der Schule war aufregend, spannend. Eine Woche Berufsalltag, keine Verpflichtungen, keine Noten. Mancherorts gab es noch ein zweites in der Oberstufe. Da kam man entweder auf den Geschmack der großen, weiten Arbeitswelt oder wurde zum ersten Mal als Aktensklave im hintersten Winkel der Firma versteckt. Immer weiter haben wir anschließend unsere Ansprüche zurück geschraubt. Nach nur wenigen Jahren stehen

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nun tausende junge Menschen verzweifelt Allerdings nahmen an der Studie nur vor dem, was künftig auf sie zukommt: Sie 89 junge Akademiker teil. Die Analyse protestieren, kämpfen, um letztendlich zu mag also aussagekräftig und auf den ersten resignieren. Ihre Bemühungen gehen un- Anschein auf die Menge übertragbar sein, ter im Moloch deutscher Bürokratie. ist jedoch für sich betrachtet wenig repräAber wovon sollen sie leben, wenn eine sentativ. Das Fazit: Junge Deutsche sind Vollzeittätigkeit ihnen weder das Essen, Wiederholungstäter in Sachen Praktikum. noch das Dach über Die Hoffnung besteht dem Kopf finanziert. ja, dass es das nächste Medien griffen beMal besser wird. reitwillig das PhänoDie Ergebnisse men auf, diskutierten der Studie sind alares anhand besonders mierend: 37 Prozent schwarzer Schafe der Uni-Absolventen einzelner Branchen hätten Praktika absolbeinahe tot. Schufen viert. 22 Prozent hätPhilosophie der Unternehmer Öffentlichkeit. ten ein Praktikum, elf Geändert hat sich Prozent zwei Praktika dadurch bisher kaum und vier Prozent soetwas. Das Problem: Eine Teilschuld trägt gar drei und mehr hinter sich. jedes Opfer selbst. Denn wer beutet in Betrachte man nur die FU Berlin, werWirklichkeit aus, schindet sich, kennt sei- de dieser Trend noch deutlicher: Innerne Schwächen? Ja, wir nehmen Personalern halb von zwei Jahren stieg der Anteil von und Chefs die Arbeit ab — und knechten 25 auf 41 Prozent. „Das entspricht einer uns effizienter als diese es je tun könnten. Steigerung in Höhe von 60 Prozent gegenImmer und immer wieder. Gibt es einen über dem Jahr 2000“, so Ingrid Sehrbrock, Ausweg aus der verfahrenen Situation? Vizevorsitzende des DGB. In Kooperation mit der Hans-BöcklerEine Art von übersteigerter EmanzipaStiftung, der Freien Universität Berlin und tion ist in der Welt der Praktikanten die der Universität Köln erstellte der Deutsche Regel; Gleichberechtigung hingegen ein Gewerkschaftsbund, kurz DGB, im Febru- Fremdwort. Sehrbrock: „Generell machen ar diesen Jahres eine Studie über die „Ge- Frauen mehr Praktika als Männer. Durchneration Praktikum“. schnittlich dauern sie sechs Monate.“ Die Hälfte der akademischen Praktikanten sehe für ihre Arbeit keinen Cent. Wer bezahlt wird, bekommt im Durchschnitt 600 Euro. Mit 543 Euro liegen die Frauen jedoch weit hinter den Männern mit 741 Euro zurück. Brutto wohlgemerkt. Ein Hungelohn für jahrelange Lernerei, die ja nun ebenfalls mit Studiengebühren bezahlt werden will. „Weil niemand davon leben kann, werden zwei Drittel finanziell von ihren Eltern unterstützt, 40 Prozent müssen nebenher

Wo gehobelt wird, fallen Praktikaten

Foto: Tobias Fischer


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noch jobben,“ so die erschreckende Bi- mal drei Monate begrenzt werden. Ein lanz der Gewerkschaft. solches Gesetz ist bisher aber noch ZuDoch wer schafft es schon auf Dau- kunftsmusik; Hospitanzen bis zu einem er, neben dem Büffeln für Klausuren Jahr hingegen des Öfteren die Regel. und dem Arbeitsalltag noch am Abend Gerade in einer Phase, in der Famiund Wochenende zu kellnern? Ein liengründung und soziale Absicherung Dauermarathon dem für das Alter niemand stand hält ansteht – die — auch nicht mit eipolitisch Verantserner Willenskraft. wortlichen werFür privilegierte den nicht müde, Familien stellt aufgedas einzufordern stocktes Taschengeld – würden junge eine mäßig starke Deutsche mit Belastung dar; für Faunsicheren, zeitRisiken und Nebenwirkungen milien mit geringem lich befristeten Einkommen ein Ding und schlecht der Unmöglichkeit. bezahlten Jobs „Die Hälfte der Befragten gibt an, konfrontiert. So stellt es der DBG fest. dass die Ergebnisse ihrer Arbeit fest in Die Aussage trifft ins Schwarze: Wir den Unternehmensablauf eingeplant haben ja kaum Zeit uns über Partnerwaren“, so Sehrbrock. schaft, Familie oder Sonstiges GedanPraktikanten und Azubis sind hoch ken zu machen, da fürs Erste einmal lukrativ für Unternehmen: Sie sind wir selbst an der Reihe sind. Uns einmotiviert, engagiert und leistungsstark. mal Etwas zu gönnen: einen Urlaub, Wie eine neue Batterie. Und die Ver- ein Auto, eine eigene Wohnung außerantwortlichen drehen voll auf. Ziehen halb billiger Studentenbuden. Schlicht: alle Energie für den Betrieb ab. Bezahl- ein selbstständiges, menschenwürdiges ter Urlaub, um Reserven wieder zu la- Leben. Mehr nicht. Doch man muss als den, gibt es selten. Voraussetzung erst mal die Chance erMüntefering: „Praktika dürfen nicht halten, sich dieses zu finanzieren. an die Stelle fester AnstellungsverhältDas andauernde Praktikantendasein nisse treten. Da ist eine gewisse Tendenz schadet hingegen auf Dauer sowohl festzustellen.“ Am stärksten vom Trend dem Selbstwertgefühl, als auch dem Lebetroffen, sei die jüngere Generation, benslauf. Und macht noch unsicherer. die auf den Arbeitsmarkt nachrückt. Die Folge: Ein Teufelskreis treibt uns Zunehmend würden auch Hochschul- ins nächste Praktikum. Bis letztendlich absolventen in die perspektivlose Kette keine Luft mehr zum Atmen bleibt, der von Praktika gedrängt. Stress die Brust, das Herz zuschnürt. „Je höher die Bildung, desto besser Risiken und Nebenwirkungen der die Chancen auf dem Arbeitsmarkt veränderten Mentalität: Die Batterie — das scheint zumindest für Berufsan- läuft leer. Burnouts greifen um sich fänger nicht mehr uneingeschränkt zu und avancieren von der einstigen Magelten“, erkennt der Minister. Auf der nagerkrankheit zur Epidemie unter Internetseite des Bundesamts für Sozia- jungen Angestellten. Denn mit dem les und Arbeit informieren er und sei- Druck, endlich eine feste Arbeit oder ne Mitarbeiter jetzt über Gesetze und einen Ausbildungsplatz zu erhalten, Richtlinien rund um das Thema. Ein- nimmt auch die psychische Belastung sicht ist der erste Schritt zu Besserung. exponential zu. Was jedoch fehlt, sind präzisere AbDepressionen führen zur völligen grenzungen zwischen Praktika, Teilen Resignation und Blockade. Sie verwander Ausbildung und einem normalen deln in ein handlungsunfähiges Wrack. Arbeitsverhältnis. Dafür protestierten Ein Horrorszenario? Keineswegs, wenn im vergangenen Jahr Praktikanten vor man in die Gesichter von jungen Ardem Brandenburger Tor, sammelten beitswilligen blickt, die um die derzeitausende Unterschriften und verfassten tige Situation Bescheid wissen. Oder umfangreiche Petitionen. gerade mittendrin stecken. Auch DGB-Vorsitzende Sehrbrock „Es besteht dringender politischer fordert Maßnahmen zum Schutz vor Handlungsbedarf. Wir dürfen uns nicht Ausbeutung: Praktika sollen auf maxi- damit abfinden, dass gut ausge- >>

Burnout und Depression werden Alltag

F o t o : p r iva t

Betriebe verheizen fahrlässig Nachwuchs Kai Mugenast, Vorstand der Jugendpresse BW fordert bessere Bedingungen für junge Berufseinsteiger Endlich ist der Bewe r b u n g s m a r a t h o n geschafft: ein Ausbildungsplatz! Doch bald weicht die anfängliche Erleichterung kühler Ernüchterung. Wenn die Qualität der Ausbildung nicht hält, was sie verspricht. Solche oder ähnliche Erzählungen von jungen Erwachsenen, die bei Verlagen und in den Medien lernen, dringen immer wieder zum Vorstand durch. Doch das Problem ist nicht branchenspezifisch, sondern schlängelt sich durch alle Ausbildungszweige. Dabei ist die Idee der Ausbildung nahe liegend. Junge Menschen lernen ihren Beruf direkt im Betrieb von den alten Hasen — ergänzt von Berufsschulen und Seminaren. Dieser Weg in den qualifizierten Gelderwerb ist deutlich näher an der Praxis als ein oft langwieriges Studium an einer Uni oder Fachhochschule. Wie so oft versperren Pauschalisierungen die Sicht. Gravierende Missstände sind nicht zu leugnen. Erst kocht man ständig Kaffee, dann sammeln sich Überstunden, bis man letztendlich eine voll ausgebildete Arbeitskraft ersetzt. Meist kommt erschwerend hinzu, dass es an der fachkundigen Betreuung der Auszubildenden mangelt. Die Hoffnung auf den Ausbildungsplatz oder eine Anstellung nach einem Praktikum wird nicht selten enttäuscht. Volle Arbeitsleistung der Praktikanten für wenig bis sogar gar kein Gehalt — Alltag. Nach dem Praktikum: keine Perspektive. Aus Unternehmersicht ist dieses Verhalten klar nachvollziehbar. Doch nicht nur junge Erwachsene selbst, sondern auch der Betrieb profitiert auf Dauer von einer fundierten Ausbildung. Schließlich bedeutet das am Ende hoch qualifizierte Mitarbeiter. Bisher wollen das viele Betriebe nicht einsehen. Daher sind nun sowohl Behörden als auch Kammern gefragt, einen strengeren Blick auf die Ausbildungsqualität in Deutschland zu werfen und zu kontrollieren, ob Inhalte vermittelt werden oder ob nur der engagierte Nachwuchs verheizt wird.

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bildete, engagierte, junge Menschen als billige Arbeitsmarktreserve verheizt werden,“ wettert Sehrbrock bei der Präsentation der Studienergebnisse. Und sie hat Recht. Wenn wir noch länger abwarten, reiten wir uns und die, die folgen, in ein Desaster noch größeren Ausmaßes. Boykott wäre eine Möglichkeit. Doch das haben in Vergangenheit zu wenige konsequent verfolgt oder die Mühlen der Bürokratie haben Aktiven den Wind aus den Segeln genommen.

GENERATION GEWALT Von Tatort bis Shooter: härter, brutaler, grausamer. Wie wir selbst die Amokläufer von morgen züchten

Wir stellen uns selbst ein Bein Zudem liegt das Problem tiefer: Denn Jahr für Jahr strömen weitere Praktikawillige auf den Probearbeitsmarkt. Und verderben nicht nur sich selbst auf lange Sicht das Leben, sondern auch ihren Altersgenossen. Für Personaler stellt sich schließlich die Frage: Wenn der, der da vor mir sitzt, schon für zig andere Unternehmen alles — und zwar kostenlos — gegeben hat, warum sollte ich es dann anders machen als meine Vorgänger. Ihn nicht ausnutzen? Und warum sollte ich einem anderen Interessenten Geld für die Arbeit oder eine Aufwandsentschädigung bieten, wenn es ein anderer bereitwillig umsonst tut? Auf das Gewissen und die Moral der Unternehmer und Chefs zu hoffen, ist naiv wie fahrlässig. Wir leben im Kapitalismus. Es mag einige Ausnahmen geben. Doch in der Regel denken die meisten erst an das liebe Geld, das sie in einen Auszubildenden investieren. Und ehrlich gesagt: Wären wir an ihrer Stelle, würden wir es vermutlich nicht anders machen. Also, was tun gegen die Misere? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Ansprüche runter schrauben. Doch nicht die gegenüber der zu verrichten Arbeit, dem Gehalt, dem Lernangebot. Sondern gegenüber uns selbst. Wir hecheln einer fernen Karriere hinterher, ohne zu merken, dass wir es sind, die uns auf dem Weg nach oben ein Bein stellen. Anstatt zu sagen, es reicht, du hast alles menschenmögliche getan, du bist keine Maschine. Katrin Ehmke

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Der Schuss lässt nicht lange auf sich warten. In vielen Spielfilmen und Serien passiert es bereits innerhalb weniger Sekunden. Das Opfer kann nicht fliehen; genau wie der Zuschauer

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onntag, Abend, 20.15 Uhr – über sieben Millionen Deutsche sitzen gebannt vor der Glotze. Lassen sich von der Atmosphäre des öffentlichrechtlichen Fernsehprogramms fesseln. Warten voller Spannung darauf, dass ein Mord geschieht. Dann endlich: Der ersehnte Schuss fällt, ein Mensch geht zu Boden. Blut, alles voller Blut. Nun mal ehrlich: Ist das wirklich der Höhepunkt eines jeden Wochenendes? Soll so die Erholung aussehen, auf die man sich die ganze Woche gefreut hat? Eine absurde Vorstellung. Dennoch ist im deutschen Fernsehen kein fiktionales Unterhaltungsgenre

beliebter, als das der Krimis. Verbrechen und Gewalt scheinen das FernsehPublikum wie kaum etwas Anderes in den Bann zu ziehen. Doch warum ist das so? Schließlich fürchtet sich jeder davor, selbst einmal Opfer zu werden. Sei es die Angst, in der Schule Prügel zu beziehen oder die Furcht vor einem nächtlichen Überfall auf dem düsteren Heimweg – niemand kann ernsthaft von sich behaupten, solche Empfindungen nicht zu kennen. Denn nichts ist natürlicher, menschlicher. Wie kommt es also, dass wir uns gerade von Gewaltdarstellungen derart angezogen fühlen?

Fo t o : p h o t o c a s e. c om ( fa b s n )


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Medienwissenschaftler erklären das Phänomen mit dem ambivalenten Gefühl der Angstlust: diese empfinden Menschen, während sie Medieninhalte konsumieren, in denen Gewalt vorkommt. Wer einen Krimi anschaut, verspürt einerseits ein Gefühl des Schreckens, da eine solche Tat einem selbst hätte widerfahren können, andererseits Erleichterung darüber, nicht selbst betroffen zu sein. Schon Friedrich Schiller benennt dieses Gefühlschaos: „Es ist eine allgemeine Erscheinung in unserer Natur, dass uns das Traurige, das Schreckliche, das Schauderhafte selbst mit unwiderstehlichem Zauber an sich lockt. Dass wir uns von Auftritten des Jammers, des Entsetzens mit gleichen Kräften weggestoßen und wieder angezogen fühlen.“ Um Schadenfreude handelt es sich nicht. Man braucht sich dieses Gefühls nicht zu schämen oder ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Denn die Faszination an Gewaltdarstellungen liegt teils in der Evolution des Menschen selbst. Der Mensch versucht, sich über potentielle Gefahren zu informieren, um sich so im Notfall vor ihnen zu schützen. „Der Tiger, der den Menschen fressen will, ist wesentlich interessanter als einzelne Blümchen auf einer großen Wiese“, so Thomas Roessing, Medienwissenschaftler der Universität Mainz. Ein gelungener Krimi ist somit Training und Warnung in einem. Zudem sind vor allem Kinder und Jugendliche bestrebt, durch den Konsum von Gewaltdarstellungen kontrolliert Ängste abzubauen. Wird es dann doch einmal zu riskant, zu spannend, kann man schließlich mit einem Klick weg schalten. Experten sprechen hierbei vom so genannten Angstmanagement. Neben der Bewältigung von Ängsten bieten Krimis, Actionfilme oder spannende Computerspiele auch die Möglichkeit, die langweilige Alltagswelt zu verlassen und in eine fremde, faszinierende Welt einzutauchen. Diese Welt erscheint vor allem Jugendlichen attraktiv, da sie in ihr eine Ablenkung vom problematischen Teenager-Leben finden und sich so nicht mit wirklichen Problemen des Alltags konfrontieren müssen: Hausaufgaben, Pauken, Zoff mit Lehrern und Eltern, Identitätsprobleme. Alles, was die Pubertät mit sich bringt, wird für einige Momente vergessen. Für die kommenden Minuten zählt nur der nächste Schlag, der nächste Schuss, der nächste Gegner. Welche Auswirkungen solch eine Flucht vor dem wirklichen Leben hin zu Gewalt

F o t o s : p h o toc a se.c om ( r a punzel n)

Ein Mord geschieht — und jeder sieht hin. Wir sind zu Voyeuren des Todes geworden. Interessiert an noch so kleinen, schmutzigen Details

verherrlichenden Medieninhalten mit sich bringt, meinen einige Experten in Amokläufen wie dem von Erfurt oder Virginia zu erkennen. Laut der JIM-Studie 2006 besitzen knapp zwei Drittel aller Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren einen Fernseher; rund 60 Prozent verfügen über einen eigenen Computer. Führt nun unkontrollierter Konsum von Gewaltdarstellungen zu übersteigerten Aggressionen? Nicht ohne Grund versieht man bestimmte Filme und Computerspiele mit Altersbeschränkungen. Doch in der Realität halten solche Grenzen niemanden ab. Und was verboten ist, wirkt bekanntermaßen noch verlockender. Zudem liegt die Vermutung nahe, dass ein zeitlich unbegrenzter Konsum nicht folgenlos bleibt. Ganze Nachmittage im dunklen Zimmer vorm Bildschirm wirken weder förderlich für den Kontakt zu Gleichaltrigen, noch für schulische Leistungen. Insbesondere wenn Gewalt ins Spiel kommt, ist Alarmstufe Rot angesagt. Denn vermeintlichen Verbrechern im Fernsehen zu zuschauen ist eine Sache. Selbst aktiv – wenn auch nur in der fiktiven Computerwelt – Menschen abzuknallen oder abzuschlachten, ist jedoch eine ganz andere. Andererseits helfen Gewaltdarstellungen nicht vielmehr bei der Überwindung von Aggressionen, anstatt neue aufzubauen? Dienen sie nicht sogar der Vermeidung realer Gewalt? Diesen Fragen stellt sich auch die Wissenschaft. Momentan rückt ein Ende der Kontroverse noch in weite Ferne. Schließlich ist es simpel, auf den erst besten Sündenbock einzudreschen, anstatt nach den wahren Gründen zu forschen. Gerade deshalb darf das Thema nicht aus unseren Köpfen verschwinden. Unabhängig davon wie oft es in der Vergangenheit zur Debatte stand. Denn selbst fernab diverser Forschungsergebniss steht fest: Medien üben eine unglaubliche Wirkung auf uns aus. Nach dem tausendsten Mord, nach der tausendsten Vergewaltigung sucht man nach noch brutaleren Schockern im Fernsehprogramm. Abgestumpft betrachten wir verstümmelte Leichen. Eines der größten Probleme: Wenn Grenzen sich immer weiter ausdehnen, wo führt das hin? Wenn die Kamera alles gefilmt hat, auch das letzte Tabu gebrochen ist. Schalten wir irgendwann ein und sehen uns „Big Kill“ an? Live, im Container und wer als letzter überlebt hat gewonnen. Oder ist irgendwann Schluss, wird alles Alltag, langweilig? Lisa Schof

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WIE FREI SIND UNSERE GEDANKEN? Gewissen, Moral, Willensfreiheit. Neurobiologe Professor Gerhard Roth und Moraltheologe Professor Eberhard Schockenhoff stehen Rede und Antwort

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err Roth, wo befindet sich unser Gewissen? Unser Gewissen sitzt im so genannten orbitofrontalen Cortex — im über den Augenhöhlen liegenden Teil der Großhirnrinde. Dessen Entwicklung ist erst mit rund 20 Jahren abgeschlossen. Erkrankungen oder Verletzungen machen aus einem moralischen, gewissenhaften Menschen in aller Regel eine rücksichtslose, unmoralische und gewissenlose Person. Viele Schwerverbrecher weisen solche Hirndefizite auf. Wie erlernt ein Mensch, was richtig und was falsch ist? Es gibt angeborene moralische Regeln: Lebewesen helfen Artgenossen, paaren sich nicht mit Eltern oder Geschwistern und töten keinen Sippengenossen. Manche Regeln finden sich auch bei Tieren. Es handelt sich nicht um Gesetze. Sie können übertreten werden. Ansonsten beruht das Gewissen auf Erziehung: Moral entsteht durch klassische und operante Konditionierung, durch Strafe und Belohnung, durch Imitation des sozialen Umfelds. Warum handeln dann Manche nicht nach der Moral der Gesellschaft? Kein Mensch weiß von sich aus, was moralisch richtig oder falsch ist. Dies wird ihm entweder durch andere Personen beigebracht oder er muss es durch Versuch und Irrtum selbst heraus bekommen. Kriminelles Verhalten wird durch viele Faktoren bewirkt: genetische Veranlagungen, negative Erlebnisse, die Erfahrung, dass solcherart Verhalten sich lohnt, Imitation. Können wir frei entscheiden? Ein Mensch kann sich frei fühlen, wenn er keinem äußeren oder inneren Zwang unterliegt. Der Wille zeigt eine Übereinstimmung bewusster und unbewusster Motive. Die Faktoren, die wiederum diesen Willen bestimmen, sind dem Menschen in aller Regel nicht bewusst.

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Orienerungslos? Roth, Leiter des Instuts für Hinforschung Bremen, und Schockenhoff, Moraltheologe der Uni Freiburg und Mitglied des naonalen Ethikrats, geben Aufschluss

Niemand ist für sein Tun verantwortlich. Kann so eine Gesellschaft existieren? Die Gesellschaft nimmt sich das Recht, Normen aufzustellen und Übertretungen zu ahnden. An die Stelle der bloßen Bestrafung einer Straftat tritt der Gesichtspunkt der Besserung, der Therapie. Jedoch müssen Menschen die Normverletzung einsehen und nach dieser Einsicht handeln.

Wie erlernt ein Mensch, Falsches von Richtigem zu unterscheiden? Moral entspricht der Lebensführung: Wir lernen aus Erfahrungen und Fehlern. Ethik sollte nicht den perfekten Menschen postulieren, sondern das Fehlerhafte und das Misslingen berücksichtigen, zur Entdeckung moralischer Möglichkeiten anleiten und Freude am Guten vermitteln.

Herr Schockenhoff, wie definieren Sie das Gewissen? Ist es lokalisierbar? Das Gewissen ist die innerste Mitte und letzte Instanz moralischer Verantwortung. Für einen religiösen Menschen ist es zugleich der Ort der Begegnung mit Gott. Ethische Werte und Prinzipien werden auf konkretes Handeln bezogen. Wir sprechen deshalb vom Situationsgewissen. Das Gewissen findet sich nicht an einer bestimmten Stelle im Menschen. Es bezeichnet lediglich einen Umstand: der Mensch trägt die Verantwortung für sein Tun. Diese kann er an niemanden delegieren — auch nicht an anonyme Prozesse wie Trends, den Egoismus der Gene oder neuronale Prozesse.

Laut Genforschung und Neurobiologie können wir keine freien Entscheidungen treffen. Was wären die Folgen? Hirnforscher, die Willensfreiheit als Illusion bezeichnen, wollen Kriminelle auf dem Wege der Sicherungsverwahrung von der Gesellschaft fernhalten. Unsere moralpädagogischen Konzepte sollen sich wenig ändern. Diese These ist falsch. Es überschreitet die Kompetenz der Hirnforschung, aus empirischen Einzelbeobachtungen derart weitreichende Folgerungen zu ziehen. Wir müssten Freiheit und Verantwortung verabschieden. Diese Konsequenz ist nur aufgrund eines weltanschaulichen Naturalismus möglich — das lässt sich nicht wissenschaftlich beweisen. v k

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FÜR ALLE FÄLLE DOMIAN Tausende plaudern Nachts mit Domian über ihre intimsten Geheimnisse. Wer ist der Mann am Ende der Leitung, der populärste Kummerkasten?

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er beschaulichen Ort Gummersbach in der Nähe der Medienmetropole Köln: Hier erblickt der kleine Domian die Welt. Früher war er noch „Jürgen“, heute ist er Deutschlands Kummerkasten Nummer Eins. Am Gymnasium lernt er Hella Kemper kennen, die seinen weiteren Lebensweg entscheidend beeinflusst. Nach dem Abitur hält ihn Gummersbach nicht länger. Domian studiert Germanistik, Philosophie und Politik in Köln. Mit seiner Schulfreundin Hella, die von nun an „von Sinnen“ ist und Dirk Bach zieht er in eine Wohnung. Das Trio Infernale trennt sich erst nach dem Studium. Sowohl ihre Freundschaft als auch die Liebe zum eigenen Geschlecht verbinden die Wahlkölner bis heute. Dann folgt der jähe Absturz: Domian rutscht in die Krise. Bisexualität, Essstörung und Alkohol lassen ihn immer tiefer sinken. Eines Tages bricht er aus dem Teufelskreis aus und kämpft aktiv gegen seine Probleme. Ab diesem Zeitpunkt lebt Domian fast asketisch – mit viel Sport. „Meine Krisenbewältigung war pures Glück; vielleicht war es ein Stück Schicksal, dass ich zur heutige Person geworden bin.“ Nach Studienende zieht es Domian in den Journalismus. Beim Hörfunk des WDR macht er erste Gehübungen mit Call-In-Sendungen. Die Zuhörer sind vom Start weg begeistert. Aus der nachmittäglichen Telefonsendung im Unterhaltungsstil wird nach einiger Planungszeit das einmalige, tiefgründige Format Domian. Derzeit ist der Rheinländer beim unternehmenseigenen Sender „1Live“ und im WDR zu sehen. Der latenten Nachteule Domian kommt die Sendezeit nach Mitternacht gerade recht. „Die Nacht öffnet Seelen.“ Domian begrüßt ab ein Uhr Anrufer mit verschmitzem Lächeln und einfühlsamer Stimme.

Nachts glühen die Leitungen ins Studio. Nur ernsthafte Anrufer kommen in die Sendung. Redakteure gehen Berichten zuvor genau auf den Grund und hinterfragen methodisch die Erzählungen. Domian selbst traut sich nicht alle Themen zu: „Ich bin Journalist und ambitionierter Telefonseelsorger. Bei schwierigen Fällen vertraue ich auf Psychologen hinter den Kulissen.“ Kommt es zu Problemen, übernehmen Psychologen das Gespräch. Geht es sogar um Leben oder Tot, greift eine Sicherheitskette. Die Polizei wird informiert. Ihr Ziel: Menschen vor Affekthandlungen zu bewahren. Bei solchen Ereignissen ist es für Domian selbstverständlich, erst nach dem Eingang der positiven Polizeinachricht das Studio zu verlassen; und sei es kurz nach fünf Uhr. Bei so vielen Anrufern pro Sendung und Woche läuft natürlich nicht alles perfekt. In der Nachbesprechung wird jeder Anrufer thematisiert. Ab und zu greift Domian noch in der gleichen Nacht zum Telefon, um mit den überraschten Menschen die ein oder andere Situation nochmals genau zu besprechen. Trotz Stress und ungewöhnlichen Arbeitszeiten ist bei Domian kein Burnout zu erkennen. Nach den Sendungen schwirren zwar noch Themen in seinem Kopf. Doch dann schaltet er bei der Musik von Schlagersänger Udo Jürgens ab. Für Domian ist Seelsorge im Innern mehr als ein Job. Er profitiert von den emotionalen Gesprächen und freut sich, nur durch reines Zuhören, Menschen zu helfen. Für sein Engagement erhielt er das Bundesverdienstkreuz, das sich zu seinen Medienpreisen gesellt. Wäre Domian nicht dem Journalismus verfallen, hätte er sich ein Studium der Psychologie vorstellen können. Ein Ende ist nicht in Sicht: „Ich kann mir vorstellen, in dem Format alt zu werden; solange Zuschauer anrufen und zuschauen.“ Adrian Bechtold

“Die Nacht öffnet Seelen”

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Talkmaster zu später Stunde: Jürgen Domian in seinem Studio in Köln

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Domian im Fernsehen Montag bis Freitag ab ein Uhr nachts im WDR und bei 1Live.

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~ Wie

Vornamen aussehen

Ein Mann namens Bob – wie sieht der aus? Die Lösung: Er hat ein rundliches Gesicht. Wissenschaftler der Universität Miami fanden heraus, dass die meisten Menschen sich einen „Bob“ genau so vorstellen. Hören oder lesen wir einen Vornamen, so assoziieren wir laut der Studie sofort ein gewisses Aussehen, bestimmte Gesichtszüge mit diesem Namen. Lernen wir „Bob“ dann kennen und stellen fest, dass er wirklich ein rundes Gesicht besitzt, könnten wir uns den Namen angeblich leichter merken. Die Studie legt die Vermutung nahe, dass Vorstellungen über das Aussehen eines Menschen Einfluss auf die Wahrnehmung ausüben. Eine Antwort auf die Frage sollen neue Experimente ermöglils chen. Es bleibt also spannend.

GIPFELSTÜRMER Skilift war gestern. Künftig jagen wir in futuristischen Achterbahnen auf die Gipfel

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Freizeitpark mit Hirn

Zu Beginn der Saison 2007 eröffnete der Science & Technology Verein vor den Toren des Europaparks Rust ein Wissenschaftsmuseum. Nach der positiven Erfahrung mit den Science-Days, die seit sieben Jahren im Europapark stattfinden, hat sich dieser maßgeblich an der Finanzierung des Science-House beteiligt. Joachim Lerch, zusammen mit Charlotte Willmer-Klumpp für das Projekt verantwortlich, vergleicht beide Angebote so: „Während bei den Science Days vielfältige Möglichkeiten bestehen, sich intensiv mit Wissenschaftlern zu unterhalten und unterschiedliche Berufe kennen zu lernen, werden die Besucher im Science House selbst zum Forscher. Sie entdecken Exponate, sehen unerwartete Phänomene und können an faszinierenden Workshops teilnehmen.“ Sein persönlicher Favorit unter den Ausstellungsstücken: „Das Exponat mit der sprechenden Folie.“ Es ist eines der rund 80 Exponate aus den Themenbereichen „Natur“, „Mensch“ und „Entdecken fk und Erfinden“.

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enn es nach der Vorarlberger Firma Coaster geht, beginnt der Nervenkitzel der Skifahrer bald schon bei der Bergfahrt. Das Unternehmen hat ein neues, schienengebundenes Elektrofahrzeug mit bis zu acht Plätzen entwickelt. Mühelos windet es sich in engen Radien steile Berghänge hinauf. Selbst bei maximaler Steigung von 55 Prozent kann es bis zu 54 Stundenkilometern erreichen. Dabei beziehen die Wägen ihre Energie aus neuartigen Hochleistungsakkumulatoren mit einem Energieinhalt von je 40 Kilowattstunden. Stündlich können so bis zu 2880 Passagiere je Richtung befördert werden. Und das umweltschonender als jedes vergleichbare Transportmittel. Der Clou: Die Akkumulatoren laden sich beim Halt in der Talstation wieder auf. Die Bremsenergie kompensiert während der Talfahrt einen Teil des verbrauchten Stroms. „Gegenüber einer herkömmlichen Seilbahn braucht der Coaster weniger als ein Fünftel an Energie“, so Phillip Matt, zuständiger Ingenieur beim Schweizer Hersteller des Elektroantriebs, der Brusa AG.

In Arosa, wo einer der ersten Prototypen gebaut wurde, drückt sich die Stromkostenersparnis gegenüber dem konventionellen System in Höhe von beträchtlichen 146 000 Euro jährlich aus. Dort transportiert das Coastersystem die Gäste des Grand Hotels in beheizten Wägen mit stilvollem Interieur luxuriös direkt ins Skigebiet. Ob sich jedoch die noble Klientel des Hauses mit dem besonderen Achterbahnkick anfreunden wird? Die Pläne der Tüftler gehen noch um Einiges weiter. Mutige Animationen zeigen den Coaster als Verkehrsmittel der Zukunft: In Innenstädten, sich um gläserne Fassaden windend oder in unzugänglichen Regionen. Und tatsächlich: Zahlreiche schweizer Städte, darunter Zürich, prüfen den Coaster als umweltfreundliche Alternative zu den gängigen, öffentlichen Verkehrsmitteln. Konkret ist eine Verbindung vom schweizerischen Toggenburg in den 47 Kilometer entfernten Zwergstaat Liechtenstein geplant. Die Kosten belaufen sich auf voraussichtlich rund 100 Millionen Euro. Der Bau beginnt Mitte 2011. Felix Küster

Fotos: photocase.com (junkie_xl), Europa-Park, Coaster GmbH


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PACK DIE BADEHOSE EIN Die ersten Wasserratten springen bereits im April wagemutig ins kühle Nass. Badeseen haben Hochkonjunktur als schnelles und günstiges Urlaubsziel

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age. Der Löwenanteil an Badestellen tummelt sich entlang des Rheintals und des Bodensees. Das Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz zählt insgesamt über 600 potentielle Badestellen im Bundesland. Qualität. Das Umweltamt kontrolliert zwischen Mai und September die Qualität entsprechend europäischer Richtlinien alle zwei Wochen. „Die Wasserqualität der allermeisten überwachten Seen, Weiher und sonstigen natürlichen Gewässer ist hervorragend. Untersuchungen zeigen, dass die Badegewässer die strengen hygienischen Anforderungen erfüllen. Dies spricht für ungetrübtes Badevergnügen“, so Gesundheitsministerin Dr. Monika Stolz. Knapp 300 der 311 gelisteten Baggerund Badeseen verdienen sich das Prädikat „zum Baden gut geeignet“, also Bestnote. Ist der See hingegen mit Bakterien, Mineralölen oder sogar Chemie-Abfällen wie Tensiden und Phenolen belastet, rutscht die Badestelle in die Liste der Flops. Praktisch: Zum Service des Umweltamts gehört eine Karte im Internet mit allen Badestellen sowie deren Qualität. Alternativ gibt es die Broschüre gratis beim Ministerium für Soziales bequem nach Hause. So kann man, egal ob daheim, beim Camping oder unterwegs, die nächste Badestätte ausfindig machen. Allerdings beziehen sich die Daten auf 2006. Aktuelle Badeverbote finden sich beim Umweltamt online. So ungetrübt das Vergnügen in vielen Seen sein mag: Etliche versagen im Test. Sauerstoffmangel und Nährstoffe im Wasser lassen Algen sprießen und führen im Extremfall zu Fischsterben. Der See kippt um. Am besten verlässt sich jeder vor Ort

F o t o s : p i x el i o.de ( kvi nn62)

auf den eigenen Riecher: Stinkt das Wasser muffig und sieht nach abgestandener Brühe aus, bleibt man besser draußen. Verpflegung. Ob Halbpension am Kiosk oder Selbstverpflegung aus der Kühlbox: Es herrscht kulinarische Vielfalt. Aus Naturschutzgründen ist Grillen oftmals verboten. Leckere Alternative: ein Picknick. Das belästigt auch nicht die netten Handtuchnachbarn mit Rauch und Ruß. Und wer weiß: Auf der Decke ist bestimmt noch Platz für Bekanntschaften.

600 Badestellen warten auf dich Sicherheit. So verlockend das kühle Nass am heißen Sommertag scheint, so gefährlich ist die trügerische Harmlosigkeit. 2006 kamen laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, kurz DLRG, 606 Deutsche bei Badeunfällen ums Leben — 51 hierzulande. Gegenüber 2005 steigt die Todesquote um 27 Prozent. Drei von vier Menschen ertrinken in unbeaufsichtigten Badeseen. Der Rhein gilt aufgrund der starken Strömung als gefährlichster Fluss, der Bodensee als riskantester Binnensee Deutschlands. Der Nachwuchs an Rettern bleibt aus. DLRG-Präsident Dr. Klaus Wilkens: „Wir setzen pro Saison rund 50 000 Mitarbeiter ein.“ Das reicht nicht. Größtes Problem der Retter: Die Fähigkeit zu schwimmen nehme bei Jugendlichen rapide ab. Dabei ist alles – vorausgesetzt man kann schwimmen — relativ simpel: Nicht nach

dem Sonnenbad oder der Fahrt im heißen Auto ins Wasser springen. Wer zu viel intus oder sich den Bauch mit Grillwürstchen gefüllt hat, gehört nicht ins Wasser. So genannte Sprungschichten sind tükkisch: Innerhalb weniger Zentimeter kühlt sich die Wassertemperatur um bis zu zehn Grad ab. In flacher Ufernähe ist es sicherer: dort bleibt die Temperatur stabil. Equipment. Neben diversen Fressalien, Getränken und der Kühlbox bietet sich ein Sonnenschirm an. Denn Schatten ist begehrt und schnell belegt und in der Sonne riskiert man leicht einen Hitzschlag. Sonnencreme gehört zur Basisausstattung — zu Saisonbeginn mit hohem Lichtschutzfaktor. Wer als Sommerindianer bereits leidvolle Erfahrungen gesammelt hat, zieht noch ein Shirt über Bikini, Badehose und Co: mit integriertem Sonnenschutz. Sonnenbrille, Hut oder Kappe trotzen sengender Hitze. Eine Decke, Strand- oder Isomatte machen den harten Untergrund erträglich. Ein Kissen steigert den Wohlfühlfaktor. Zur Not tut es ein Knäuel aus Kleidern. Soweit zur Grundausstattung. Dem Einfallsreichtum sind, was BadeLuxus anbelangt, keinerlei Grenzen gesetzt: Luftmatratzen, Wasser-, Fußbälle, Frisbees, Bücher, Musikplayer … Preis-Leistung. Einzig die Fahrtkosten mit Auto, Bus oder Bahn fallen ins Gewicht, wenn das kühle Nass weder zu Fuß, noch mit dem Fahrrad zu erreichen ist. Wer sich Essen und Getränke selbst mitbringt spart den ein oder anderen Euro. Im Gegensatz zum Sonnenziel im Süden, ist der See um die Ecke ein wahres Schnäppchen für Spontane wie WiederhoKatrin Ehmke lungstäter.

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GHETTOKULTUR AUF DER TANZFLÄCHE Micheal Jackson brachte Streetdance nach Europa. Heute kämpfen talentierte Tänzer um die Titel deutscher Wettbewerbe. Auch in Baden Württemberg

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treetdance erklären? Hm. unbequemen Sitzplätzen. Man Ich zeige es euch. so versieht ihnen an, dass sie am liebssteht ihr, was Streetdance ten vom Boden aufspringen und ausmacht“, antwortet der 16-jähmitmachen würden. Egal ob tänrige Daniel auf die Frage, was gezerisch begabt oder Bewegungsnau hinter Streetdance steckt. muffel. Danke. Denn was soll jemand, Was auffällig ist: Beim Streetder Streetdance nicht kennt, dadance scheint es primär nicht mit anfangen? Was ist das für eine darum zu gehen, heiß oder gar Sportart, dass sie sich so schwer anzüglich auszusehen. Zeitweise erklären lässt? Im Internet findet ist sogar das komplette Gegenteil sich keine vernünftige Beschreider Fall: Die Tänzerinnen tragen bung und nun können es nicht weite Hosen, die bis in die Knieeinmal die Sportler erläutern. kehlen hängen, Shirts in ÜbergröSchauplatz: Der „Best of Streetße, manche weite Pullover. dance Contest“ in Baden-WürtDrei Mädchen, in Netzstrumpftemberg. Die besten Gruppen des hosen, Hotpants und Tops mit Landes treten hier in zwei Alterssehr ausladendem Ausschnitt falklassen gegeneinander an. Davor len aus der Reihe. „Breite Hosen haben sie sich in regionalen Ausgehören unbedingt dazu“, so eine scheidungen qualifiziert. Tänzerin. Streetdance entspringt den Doch Streetdance ist eine sehr 70er Jahren, den Ghettos von New individuelle Sportart. Also warum York City. Jugendliche finden geskeine knappen Höschen für die, tern wie heute eine Alternative, die es mögen. Mindestens genauum aggressive Energien und ihre so spannend wie die Garderobe eigene Unzufriedenheit auszudrüder einzelnen Gruppen sind die cken: Tanzen statt Gewalt. Choreographien. Ist das heute auch noch so? Breakdance, Popping, Locking „Wir können beim Streetdance und Krumping und all die Tanzalles raus lassen. Das ist super, vor stile, die ihren Ursprung auf Straallem nach der Schule“, erzählen ßen, Schulhöfen und in NachtNora und Salome, beide 15. clubs haben, finden sich unter Dass Streetdance in Europa podem großen Überbegriff Streetpulär wurde, haben wir unter andance wieder. derem Michael Jackson zu verdanUnd vor allem eins wird an dieken. In den 80ern sah der selbst sem Nachmittag klar: Streetdance ernannte King of Pop noch nicht ist ein Ausdruck von Individualiaus wie eine verprügelte Porzeltät und Kreativität. Manche bauen Streetdance: Ein besonderer Mix aus Tanzkultur und Lifestyle lanpuppe, konnte tanzen, landete Stühle in ihre Choreographie ein, einen Hit nach dem anderen und andere Rosen, Konfetti oder sogar brachte Streetdance nach Europa. Motorradhelme. BreakdanceeinSchalte einen beliebigen Musiksender Vielleicht hat Daniel, der junge Tänzer, lagen folgen Salsaschritten. ein und du wirst Streetdance sehen. Na- ja Recht: Streetdance ist am Besten durch Manche Tänze gleichen schon fast türlich gibt es viele Tanzgruppen, die sich Zuschauen zu verstehen. Der Wettbewerb Schauspielerei oder einer Komödie. Individem Streetdance verschrieben haben. Die ist eine gute Gelegeheit zum Schnuppern. duell eben. Nun versteht man auch Daniel: auf dem Wettbewerb ihr Können zeigen, Es geht los: Schon während der ersten warum er Streetdance lieber vortanzen statt die vom Tanz in einem Clip träumen. Liedtakte reißt es das Publikum von den erklären wollte. Miriam Kumpf

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LESERBRIEFE

IMPRESSUM

Die erste Noir-Ausgabe Anfang Juni stieß auf reges Interesse. Unter den vielen Mails, Anrufen, Lob und Tadel drucken wie hier stellvertretend zwei Leserbriefe ab. Natürlich freuen wir uns jederzeit von euch zu hören: redaktion@noirmag.de Noir ist das junge Magazin der Jugendpresse BadenWürttemberg e.V. Ausgabe Nr. 2, Juli 2007

O tt o H er z, Re fo rm pä da

go ge au s Bi el ef el d un d N oi r- Ex pe rt e in Au sg ab e 1

L ie b e N o ir -R e d a

k t io n ,

G r a t u la t io

n! Zu Rec h t d ü r f t Ih r st o lz se in ! D a s „N “ is t se h r e le g a n t g e sc h w u n g e n . „B il d u n g is t L ie b e z ur M e n sc h h e it “ — das f in d e ic h g u t. W ie sc h ö n , d a ss so lc h e s aus der S p o n t a n it ä t w ä c h st . A ls e in F r e u nd d ie D o p p e ls e it e 8 / 9 g e se h e n h a t , m e in t e e r : „D ie Ü b e r sc h r if t a u f S e it e n e u n könnte auc h f ü r D ic h p a ss e n !“ Ic h h a b e ih m d a n ic h t w id ersp r o c h e n .

Mat thia s E., Ellw ange n

gab e erh alt en und mit Ich hab e die ver gan gen e Noi r Aus Leu te in die deu tsch e Fre ude gel ese n, wie viel Pep p jung e gen sat z zu viel en Pre sse- Lan dsc haf t bri nge n. Im Ge äss t Noi r kei nen fad en Art ike ln and ere r Ma gaz ine hint erl r, Lus t auf Leb en Na chg esch mac k, sond ern Lus t auf meh See le abg leit end es und Lus t auf una bhä ngig es, von der Sch rei ben . Ma cht weit er so!

Herausgeber Jugendpresse Baden-Württemberg e.V. Schlossstr. 23 74372 Sersheim Tel.: 07042 831718 Fax: 07042 831740 www.jpbw.de buero@jpbw.de

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Anzeigen, Finanzen, Koordination Sebastian Nikoloff anzeigen@noirmag.de sebastian.nikoloff@noirmag.de

Druck Horn Druck & Verlag GmbH & Co. KG, Bruchsal www.horn-druck.de

Noir kostet als Einzelheft 2,00 Euro, im Abonnement 1,40 Euro pro Ausgabe (8,40 im Jahr, Vorauszahlung, Abo jederzeit kündbar). Bestellung unter der Telefonnummer 07042 831718 oder per Mail an abo@noirmag.de. Für Mitglieder und Interessenten der Jugendpresse BW ist das Abonnement im Mitgliedsbeitrag enthalten. Noir wird gefördert von der Youth Bank Mannheim.

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FRISCHER WIND FÜR DEUTSCHLAND Jugendorganisationen sind für viele junge Menschen das Sprungbrett in die Politik. Noir sucht nach den Aufsteigern der Verbände

Dass Politik nicht nur eine trockene Angelegenheit sein muss, beweisen die Jugendorganisation der Parteien. Hier treffen sich junge Menschen, um gemeinsam politische Interessen zu vertreten. Übervolle Parteitage sind der Beweis — politisches Engagement wird unter Jugendlichen immer beliebter. Noir stellt im zeiten Teil der Reihe die Thronfolger von der Fraktion Die Linke und der FDP vor. s s t

atja Kipping hat mit 29 Jahren schon viel erreicht: Nach dem Studium in ihrer Heimatstadt Dresden zieht es sie nach Berlin, wo sie derzeit als Sprecherin für Sozialpolitik der Linken im Deutschen Bundestag sitzt. Außerdem ist Katja stellvertretende Bundesvorsitzende der Linkspartei.

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it 16 tritt Johannes Vogel den Jungen Liberalen bei. Für die FDP Rhein-Berg leitet er 2002 den Bundestagswahlkampf. Vogel erreicht landesweit das zweitbeste Ergebnis. Von 2003 bis 2004 verantwortet er das Juli-Magazin „Jung & Liberal”. Seit 2004 ist er im Bundesvorstand.

Was machst du speziell für junge Menschen in Deutschland? Als ich noch im sächsischen Landtag war, habe ich gemeinsam mit Schülerinitiativen für die Einführung eines günstigen Schülertickets für Bus und Bahn gestritten. Nun setze ich mich im Bundestag und in der außerparlamentarischen Bewegung dafür ein, dass jeder und jedem mindestens durch eine repressionsfreie Grundsicherung Teilhabe ermöglicht wird, dass er oder sie früher wählen kann. Dass eine Ausbildungsplatzabgabe die Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhöht. Dass niemand von einem Praktikum zum anderen vertröstet wird. Dass es genügend Kita-Plätze gibt. Dass die Kommunen genügend Geld haben, um Jugendclubs und Projekte gegen Rassismus und Faschismus finanzieren zu können. Alle Menschen sollten an der Gesellschaft teilhaben. Unabhängig davon, welcher Nationalität sie angehören.

Was machst du speziell für junge Menschen in Deutschland? Der Kampf für mehr Generationengerechtigkeit ist ein extrem wichtiger Bestandteil unserer Arbeit als Jugendverband auf Bundesebene. Aktuell versuchen wir zum Beispiel immer wieder, die derzeitige Bundesregierung durch Kritik dazu zu bewegen, mehr für die junge Generation zu tun. Hier sind wir bisher leider all zu oft enttäuscht worden. Für die junge Generation tut sich bisher schlichtweg nichts. Im vergangenen Wahlkampf haben wir verlangt, dass sich etwas auf dem Arbeitsmarkt ändern muss. Wie wir die Staatsverschuldung, die ja zu Lasten der jungen Menschen in Deutschland geht, bekämpfen und die Reform der Sozialsysteme anpacken müssen. Aber Themen wie Generationengerechtigkeit und die Perspektiven junger Leute auf dem Arbeitsmarkt sind bisher von der Bundesregierung völlig ausgespart worden. Das prangern und sprechen wir bei verschiedenen Gelegenheiten immer wieder an.

Was ist dein Ziel? Möchtest du Kanzlerin werden? Nein, dann hätte ich ja keine Verfügungsmacht mehr über meinen Kalender und meine Freizeit. Wenn es die Einführung eines Grundeinkommens oder einer Grundrente voranbringt, habe ich nichts gegen Gestaltungsmacht. Aber persönlich bin ich damit zufrieden, wo ich gerade bin und muss das auch nicht ewig machen oder ständig höher klettern. Ich halte nichts davon, den kapitalistischen Komperativ — immer höher, schneller, weiter — zur Leitidee des eigenen Lebens zu machen. Wer ist dein persönliches Vorbild? Monolithische Vorbilder sind nicht mein Ding. Ich setze eher auf Vorbilder-Patchwork. An Alexandra Kollentaj und Rosa Luxemburg bewundere ich ihre Courage, an Chantal Mouffe die intellektuelle Strahlkraft, an Christa Wolf die Sprachfertigkeit. St efanie Gengenbach

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Was ist dein parteiliches Ziel: Möchtest du Kanzler werden? Nein, mit Sicherheit nicht. Mir macht einfach der Job, den ich aktuell bei den Jungen Liberalen inne habe, sehr viel Spaß. Ich versuche, etwas für besserer Perspektiven für junge Menschen und für die positive Gestaltung der Gesellschaft zu tun. Was anschließend in meinem Leben noch so auf mich zu kommt, warte ich ganz entspannt ab. Wer ist dein persönliches Vorbild? Ein Vorbild trifft es nicht, ich bin eher von den Charakterstärken verschiedener Politiker beeindruckt. Zum Beispiel John F. Kennedy, wegen seiner Inspirationsfähigkeit, Winston Churchill wegen seines Rückgrats und Bill Clinton wegen seiner Empathiefähigkeit. Simon Staib

Fotos: katja-kipping.de , julis.de


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DU BIST EUROPA Seit über 50 Jahren engagieren sich die Jungen Europäischen Föderalisten. Ihr Ziel: das europäische Denken fördern

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ive the citizens of Belarus a voice.“ Mit dieser Botschaft versahen Mitglieder der Jungen Europäischen Föderalisten, kurz JEF, in einer Nachtund-Nebel-Aktion im März diesen Jahres Statuen in 60 europäischen Städten. Damit machen sie auf die undemokratischen Zustände in Weißrussland aufmerksam. Denn für die JEF zählen nicht nur die Europäische Union, sondern ganz Europa. Die JEF — schlicht Junge Europäer genannt — sind ein supranationaler, überparteilicher und überkonfessioneller Jugendverband, der mehr als 25 000 Mitglieder in über 30 Ländern Europas umfasst. Die 23-jährige Straßburger JEFGeneralsekretärin Annabelle Dullin: „Im Mittelpunkt unseres politischen Programms steht die Forderung nach einer föderalen Verfassung für Europa. Und wir fordern eine einheitliche Außen- und Sicherheitspolitik der EU. Die JEF setzen sich für eine umfassende EU-Reform hin zu mehr Demokratie, Bürgernähe, Transparenz, Effizienz und Nachhaltigkeit ein.“ Der Schwerpunkt der Arbeit der Jungen Europäer liegt in der politischen Bildungsarbeit: Seminare, Straßenstände, Diskussionsveranstaltungen. So bietet zum Beispiel das Programm „Europa in

Grafik: Tobias Fischer

der Schule“ S ch u l k l a s s e n die Möglichkeit, sich von den Jungen Europäern über die EU informieren zu lassen. Dabei steht die aktive Beteiligung der Schüler im Mittelpunkt. Ihnen wird die Möglichkeit geboten, Fragen zu stellen, sich eine eigene, begründete Meinung zu bilden und diese zu äußern. Da das Interesse an Europa nicht nur bei Schülern sehr groß ist, organisieren die JEF auch Besuche der europäischen Institutionen in Straßburg, die für jedermann zugänglich sind. Zahlreiche weitere Kampagnen zu europarelevanten Themen, bei denen die JEF klar Stellung beziehen, prägen die Arbeit der Organisation. Aktuell treten die JEF aktiv für ein europaweites konsultatives Referendum über die Europäische Verfassung ein und sammeln Unterschriften, um diese Forderung zu untermauern. Bei umfassenden Projekten arbeiten die JEF sehr häufig mit ihrem Erwachsenenverband, der Union Europäischer Föderalisten, kurz UEF, zusammen. Dennoch steht es beiden Organisationen frei, eigene

Positionen zu beziehen: „Die Jungen Europäer gehen häufig weiter als die UEF. Beispielsweise mit der Kampagne. Hierbei wurden einige Aktive sogar festgenommen.“, so Dullin in Straßburg. Neben all dem politischen Engagement dürfen das Gemeinschaftsgefühl und der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen: „Die Atmosphäre innerhalb der Organisation ist fantastisch“, so Dullin: „Internationale Treffen bieten die Gelegenheit, Freundschaften in ganz Europa zu schließen, Kontakte für künftige Urlaube zu knüpfen und Jobangebote in anderen Ländern zu bekommen. Es ist genial, sich mit jungen Leuten anderer europäischer Länder auszutauschen. Ihre Probleme und Ansichten über konkrete europäische Themen zu kennen. Und selbstverständlich, miteinander zu feiern und Spaß zu haben.“ Im Vordergrund stehe jedoch der gemeinsame Traum eines föderalistischen Europas: „Wir kämpfen gemeinsam für die Sache, die uns alle verbindet: Europa!“ Lisa Schof

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Lifestyle ~ Kultur ~ Ti te l t h e m a ~ P o r t r ä t ~ W i ssen ~ Rei se ~ S port ~ JPBW-Intern ~ Pol i t i k ~ Q uerbeet

Lass es krachen

„Bettet euren Kopf wie auf Abrahams Schoß!“

Knallschnüre im Noir-Test

30 Minuten Shopping TV. Ein Selbstversuch

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enig hat mir in den vergangenen Tagen so viel Freude bereitet wie die Knallschnüre, die ich testen durfte. Für unbedarfte Leser: Eine Knallschnur ist ein rund 20 Zentimeter langes Stück Bindfaden, in dessen Mitte sich ein kleiner Feuerwerkskörper befindet, der mit einem lauten Knall explodiert, wenn man an den Enden der Schnur zieht. Jedem wird sofort klar: mit sowas kann man jede Menge Unfug anstellen. Von einer Kollegin, ansonsten nicht so diabolisch im Wesen, stammt der Einfall, die Knallschnur unterm geschlossenen Klodeckel zu befestigen. Wer nun, geplagt von einem dringenden Bedürfnis, aufs stille Örtchen hechtet, läuft Gefahr, sich bei Anheben des Klodeckels vor Schreck zu benässen. Wer das Opfer zu seinen Freunden zählt, hält dem Entwürdigten wenigstens eine Ersatzhose bereit, um ihm weitere Demütigungen zu ersparen. Oder man könnte ein Ende der Knallschnur am Kleiderhaken befestigen, das andere an der Schlaufe der Jacke. Man sollte nur achtgeben, den entscheidenden Moment nicht zu verpassen, in dem der Mitbewohner noch schnell Zigaretten holen geht und gedankenverloren nach der Jacke greift. In einer leichten Variation entfaltet der eingangs erwähnte perfide Plan jedoch geradezu erzieherisches Potential: Wenn man mit einem Mann im Haushalt lebt, der es beharrlich ablehnt, sich zum Pinkeln hinzusetzen, kann statt des Klodeckels eine präparierte Klobrille wahre Wunder bewirken. Jeder pädagogische Effekt läuft hierbei allerdings ins Leere, wenn besagter Mann sich nicht einmal die Mühe macht, die Klobrille hochzuklappen. sn

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Gewinnspiel

Uns interessiert: Wie würdet ihr die Knallschnüre einsetzen? Mehr unter www.noirmag.de

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No i r - Aus g a b e 2/ 2007

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in normaler Mensch hält Teleshopping keine 30 Sekunden stand. Ich ertrage es 30 Minuten. Freiwillig. Ich zappe zum ersten Mal bewusst zu einem Shoppingsender. Treffer: Im TV schwirren eine Moderatorin im mintgrünen Kostümchen

Klopapierrollen. Diese sollen entspannten Schlaf garantieren. Innerhalb von zwei Minuten hat sich das Kissen über 700 Mal verkauft. Sehen so viele zu? „Das ist eine Rarität, eine Weltpremiere“, überschlägt sich die nächste Moderatorin vor gespielter Begeisterung. Auslöser: ein kitschiger Ring mit grünem Stein, der aussieht wie Plastik. Ein Experte erklärt, was die Kollektion so einzigartig macht. Die Dame bringt nur den Satz hervor: „Eine Rarität!“ Es folgen Bauch-weg-Caprihosen, Puppen und Kochtöpfe, die schonend garen. Infos wiederholen sich im 90-Sekunden-Takt und die Moderatoren reden ohne Punkt und Komma. Nach 26 Minuten schalte ich (Ein)öde in der Glotze: Deshalb muss man aber nicht ab. Das hält niemand aus. Aprogleich den Fernseher aussetzen; der kann nichts dafür pos Shopping: Mir fehlt noch Gorgonzola. An der Theke gibt und ein Moderator mit knallorangenem es zwei Sorten. „Der eine ist mild, der Poloshirt herum. Er wedelt mit einem andere kräftiger“, antwortet die VerkäuSkelett, sie hält eine Melone. Die Melo- ferin missmutig und wartet sichtbar gene steht exemplarisch für den mensch- nervt darauf, dass ich mich entscheide. lichen Kopf und wird auf ein Kopfkissen Kein „der milde Gorgonzola fügt sich gelegt, das zu diesem Zeitpunkt schon zusammen mit der Sahne zu einer wun378 Zuschauer gekauft haben. „Dieses derbar cremigen Sauce“. Nein, sie verKissen bettet ihren Kopf wie auf Abra- packt kommentarlos 200 Gramm kräftihams Schoß“, lockt der Moderator. Es gen Käse — im Vergleich zu Teleshoppen hat 21 Stützzylinder, die aussehen wie absolut entspannend. mk

Alltäglicher WG-Wahnsinn Von Studenten und anderen Vögeln

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utter braucht der Mensch — und im Sommer am besten Gegrilltes: Für die Kerle Steaks und ein Bierchen. Oder zwei. Vielleicht auch mehr. Die Mädels ein Würstchen, Salat und Wein. Großes Gekicher: „Ach, de Woin is so süffisch, da könnt isch glatt mehr trinke.“ So langsam gelangen die Bäuche an den Rand ihrer Kapazität. Der Fleischgeruch weicht dem Duft verbrannter Reststücke, wabert durch die Luft. Zeit für Partyspiele: Unter leichtem bis stärkerem Alkoholeinfluss beginnt „Activi-

ty“: Der Spieler verrenkt sich für Wellen und einen Vogel. Antwort: Na? Die Mitstreiter schreien aus voller Überzeugung in die Menge: Wellenspatz! Der Wellensittich hätte es auch getan. Auch beim Zeichnen wird es lustig. Da sieht eine Dampflokomotive schon einmal wie ein Nichtrauchertraktor aus. Kennt ja jedes Kind. Dieser Artikel soll in keinster Weise das Leben eines Studenten darstellen. Natürlich lernen wir und sind fleißig. Nur ab und zu, da geht es einfach mit uns durch. jw

Fotos: Sebastian Nikoloff, photocase.com (testfight)


Gehen dir deine Eltern und Lehrer schon lange auf den Wecker, wenn sie wieder mit ihrer gewöhnlichen Leier kommen?

früher war alles besser

Ja, ja, denkst du nur. Aber das ist nur der Anfang, sogar die Medien meckern über uns Jugendliche. Da darf und muss man Sätze lesen wie «Die Jugend von heute hat außer Computer, Alkohol und Sex nichts im Kopf, und überhaupt, wie die sich anziehen… das hätte es früher nie gegeben». Oohh, die gute alte Zeit, wir sind die Bösen, alle Älteren die Engel.

o der doch nicht?

Unter dem Motto Früher war alles besser! stehen die diesjährigen Jugendmedientage BW. Sag‘ deinen Eltern für drei Tage „Tschö & Auf Wiedersehen!“ und fahr‘ nach Stuttgart, um dort unter der Anleitung von Profijournalisten zu recherchieren, dich mit über einhundert anderen Jugendlichen auszutauschen und viele weitere Highlights wie die Medienmesse, JMT-Party und Podiumsdiskussionen zu erleben.

Was du davon hast? Einblicke in die echte Medienwelt, Kontakt zu Journalisten von bekannten Medien, Informationen und Anregungen für die eigene Schülerzeitung, das Jugendradio oder Filmteam.

www.jmtbw.de

NOIR - Ausgabe 2: k.o. Ausbeutung statt Ausbildung  

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