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MADAM, WHAT KIND OF FLOWERS DO YOU SHOW? Ein Kleid voller Vaginas, das ist das Kostüm von Alexandra Fly. Dahinter steckt die Künstlerin Alexandra Holownia. Sie liebt die Provokation – und kämpft für Frauenrechte. Die NOIR-Autoren Paul Volkwein und Andreas Hensler trafen sie auf der Kunstmesse „Art Basel“.

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rau Ho Holownia, was ist Ihr künstlerisches Motiv? Kun ist skandalös, weil die Welt „Meine Kunst für mich ein Skandal ist.“ Dieser Satz, der eigentlich vo von Hans Bellmer stammt (deutSurre scher Surrealist, Autor, Fotograf, Maler. Re spricht mir aus der Seele. Anm. d. Red), Kunst Ihre Kunstfigur Alexandra Fly ist, egal wo sie auftr auftreten, kaum zu übersehen. Wo da sind Sie damit bisher aufgetreten? Neben Langstreckenflügen auch auf Kuns Kunstmessen, in Bussen oder zeitgenöss nössischen Museen. Nach den Anschl schlägen im Jahr 2001 erweckten Kun Kunstaktionen im Flugzeug leider den Verdacht eines Attentats. Die Angs vor Terroristen war so groß, Angst vo dass vorerst weltweit auf allen Fluglijeg nien jegliche Kunstaktionen verboten I Frühling 2007 wollte ich wurden. Im nach New York fliegen und im Flugzeug mein Ku Kunstprojekt Alexandra Fly vorstellen. Für diese Erlaubnis musste ich ge jede geplante Bewegung detailliert beschre beschreiben. Am Ende sagten sie mir telefon telefonisch, dass die Aktion mit der Zustim Zustimmung des Piloten durchgeführt w werden kann. So kam auf der Strecke von Berlin nach New York die Akt erste Aktion Alexandra Fly zustande. Später bin ich oft im Kostüm geflogen, ohne dies anzukündigen. Es gibt keine Vorschrift welche Kleidung, Frisuren, Vorschriften, Hüte oder Mützen getragen werden dürfen. Diese persönliche Freiheit habe ich P für meine Performance genutzt. welch Kriterien wählen Sie diese Nach welchen Orte aus? mac Zurzeit mache ich die Walking PerforAlex mance Alexandra Fly nur in Westeuropa und in den USA. Dort, wo Demokratie herrscht un und Toleranz und der Respekt für das Ind Individuum garantiert sind. ManMensch fragen mich, warum ich che Menschen nicht in de den Iran, nach Afrika oder die

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NOIR Nr. 17 (S ept em ber 2 0 1 0 )

Arabischen Emirate fliege. In Staaten, in denen Frauen Burkas tragen und sich ohne Mann nicht in der Öffentlichkeit zeigen dürfen, da könnten mich Menschen für meine Aktionen verhaften oder umbringen. Auch in den osteuropäischen Ländern, in denen sich die Demokratie noch in der Entwicklung befindet, könnte mein Projekt missverstanden werden. Weshalb könnte Ihr Projekt in osteuropäischen Ländern missverstanden werden? Nach dem Umbruch hat sich beispielsweise die polnische Bevölkerung stark mit katholischen Werten identifiziert. Wenn ich an den Christopher-Street-Day in Warschau denke, dann bekomme ich Angst. Dort wo intolerante Passanten anfingen, die feiernden Personen zu schlagen. Oder bei dem Gedanken an den Moskauer Kurator Jerofejev, der wegen einer Ausstellung über erotische Kunst verhaftet wurde. Wie fallen die Reaktionen auf die Aktion aus? In vielen Ländern und Städten vergleichen Zuschauer das genähte Kostüm mit der Form einer Blume. Sie schämen sich, laut zu sagen, dass sie Geschlechtsteile sehen. Chinesen und Koreaner waren fast immer begeistert. Die asiatischen Zuschauer wollten oft mein Kostüm und die einzelnen Teile anfassen. Manchmal werde ich von Jugendlichen ausgelacht oder ausgepfiffen, wenn ich nach meiner Kunstaktion kostümiert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück in mein Hotel fahre. Dies passiert sowohl in Berlin als auch in London oder Paris. Denken Sie, dass die Öffentlichkeit Ihr Anliegen versteht? Der Großteil schon. Zu dem Projekt gehören auch Aufklärungen und Diskussionen. Aber sogar nach den Diskussionen habe ich Damen getroffen, die nicht wahr

Foto: Sebastian Hill

NOIR - Ausgabe 17: Die Welt im Wandel  

NOIR - Ausgabe 17: Die Welt im Wandel

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