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RHETORISCHE SITUATIONSANALYSE

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RHETORISCHE M1 SITUATIONSANALYSE

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JUGEND PRÄSENTIERT


M1 RHETORISCHE SITUATIONSANALYSE

INHALT 1

2

3

Theorie ............................................................................... 3 1.1

Warum eine Situationsanalyse? .................................................................. 3

1.2

Die Kommunikation von Wissen ................................................................. 4

1.3

Was ist eine Situation? ................................................................................. 5

1.4

Theoretische Grundlagen der Situationsanalyse ....................................... 5

1.5

Modellartiger Ablauf der soziologischen Situationsanalyse ..................... 6

1.6

Psychologische Analyse ............................................................................. 7

1.7

Das Kommunikationsklima .......................................................................... 9

1.8

Rhetorik – eine antizipierende Wissenschaft ............................................. 9

1.9

Das Ziel: Identifikation ...............................................................................12

Didaktik der rhetorischen Situationsanalyse ................... 13 2.1

Adressaten-Analyse ................................................................................... 13

2.2

Selbst-Analyse / Team-Analyse ................................................................. 16

2.3

Knowhow- und Medien-Analyse ................................................................ 18

2.4

Infrastruktur-Analyse ................................................................................. 20

Übungen .......................................................................... 22 3.1

Übung 1: Selbstreflexion ........................................................................... 24

3.2

Übung 2: Zielgruppenpuzzle ..................................................................... 28

3.3

Übung 3: Leitfragen selbst entwickeln ......................................................31

3.4

Übung 4: Was interessiert mich? Was interessiert Dich? Paarinterviews zur Analyse der Interessenslagen ................................... 34

4

5

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3.5

Übung 5: Bilder und Situationen ............................................................. 38

3.6

Übung 6: Im Netz der Motive .................................................................... 40

3.7

Übung 7: Mit W-Fragen die Situation erkunden ....................................... 42

3.8

Übung 8: Die Geschichtenerzähler ........................................................... 44

3.9

Übung 9: Wer sagt was, wo, wann und wie? ........................................... 46

3.10

Übung 10: Widerstände beim Adressaten überwinden ........................... 50

3.11

Übung 11: Medien und Situation .............................................................. 52

Supplement: Informationen aufnehmen, verarbeiten und behalten .................................................................... 59 4.1

Überfrachtung .......................................................................................... 59

4.2

Das menschliche Gedächtnis .................................................................. 60

4.3

Gestaltgesetze der Wahrnehmung ........................................................... 61

4.4

Zuflusskapazität des Arbeitsgedächtnisses ............................................ 64

4.5

‚Cognitive load‘-Theorie ........................................................................... 64

4.6

Speicherung im Langzeitgedächtnis ....................................................... 65

Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur ......... 67

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3

M1 | Rhetorische Situationsanalyse

RHETORISCHE SITUATIONSANALYSE

1 THEORIE Das Modul „Rhetorische Situationsanalyse“ beschäftigt sich mit den ersten Schritten zur Vorbereitung einer Präsentation. Die Schüler sollen über die äußeren Umstände ihrer Präsentation wie Zuhörer, Zeit und Raum nachdenken und lernen, ihre gesamte Präsentation auf die Zuhörer hin auszurichten. Eine gründliche Situationsanalyse ist die Voraussetzung für eine überzeugende Argumentation, für eine verständliche Sprache, die Wahl geeigneter Präsentationsmedien und einen körpersprachlich und stimmlich gelungenen Auftritt.

1.1

WARUM EINE SITUATIONSANALYSE? Wissen und Erkenntnisse an andere weiterzugeben ist eine Herausforderung. Schüler, die im Unterricht eine Präsentation halten, müssen berücksichtigen, dass die Vermittlung von Wissen durch Faktoren beeinflusst wird, die sich aus der Präsentationssituation ergeben. Diese Faktoren sind etwa die räumlichen Voraussetzungen des Klassenzimmers, das soziale Klima der Klassengemeinschaft oder die technischen Gegebenheiten hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Präsentationsmedien. Ein Problem zu verstehen und sich Wissen zu erarbeiten, das sind die Voraussetzungen, um anderen etwas erklären zu können. Aber mit dem eigenen Verständnis ist es eben nicht getan, wenn auch die Zuhörer den Sachverhalt verstehen sollen. Am Beginn der Vorbereitung auf eine Präsentation sollte daher die Analyse der vorherrschenden Präsentationssituation stehen. Dabei müssen die Schüler im Voraus Überlegungen zu dem Thema, den Adressaten und der Wissensvermittlung anstellen und ihre weiteren Planungsschritte an diese Annahmen anpassen.

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Eine solche adressatenbezogene Analyse bietet Präsentierenden die Möglichkeit, sich gedanklich mit M1 | Rhetorische Situationsanalyse

den kommunikativen, räumlichen und sozialen Gegebenheiten der Präsentationssituation auseinanderzusetzen. Gelungene Situationsanalysen befähigen Schüler, die Inhaltsvermittlung ihren Mitschülern gegenüber angemessen und erfolgreich zu gestalten.

1.2

DIE KOMMUNIKATION VON WISSEN

Das unmittelbare Ziel von Präsentationen im Schulunterricht ist es, Wissen zu vermitteln. Dabei ist der Präsentierende in der Rolle eines Wissensexperten, der seinen Mitschülern einen Sachverhalt so erklärt, dass diese die Sache am Ende nachvollziehen, sich das Wissen also aneignen können. Um Wissensinhalte auf diese Art zu erklären, muss sich der Experte auf den Wissensstand seiner Zuhörer einstellen. Er muss einen gemeinsamen Bezugsrahmen schaffen, der von seinen Adressaten geteilt wird. So benötigen der Präsentierende und das Publikum eine gemeinsame Grundlage (common ground),1 auf der aufbauend neues Wissen vermittelt werden kann. Nur wenn die Zuhörer nachvollziehen können, was der Präsentierende erklärt, können sie neues Wissen aufnehmen. Diese Vorgehensweise bezeichnet Herbert H. Clark als Zuhörer-Design (audience design): „Grounding is essential to communication. Once we have formulated a message, we must do more than just send it off. We need to assure ourselves that it has been understood as we intended it to be.“ [„Eine gemeinsame Grundlage ist für die Kommunikation wesentlich. Wenn wir eine Botschaft formuliert haben, dann müssen wir mehr tun, als sie nur zu senden. Wir müssen uns davon überzeugen, dass sie so verstanden wurde, wie wir sie gedacht haben.“]2 Unter ‚audience design‘ wird die Anpassung von Inhalt und Form an die Adressaten, um erfolgreiche Wissensvermittlung zu ermöglichen, verstanden. Es ergeben sich Fragen wie die folgenden: Wie kann ich meine Mitschüler für das Thema interessieren? Welches Vorwissen haben sie? Wie kann ich mein Thema anschaulich umsetzen? Da der Anpassungsmechanismus des ‚audience design‘ sich nur schwer während einer laufenden Präsentation im Schulunterricht durchführen lässt, ist es wichtig, dass sich die präsentierenden Schüler bereits im Voraus Gedanken machen, welchen Wissensstand ihre Zuhörer haben, um erfolgreich ihre Inhalte vermitteln zu können. Im Rahmen der Wissenskommunikation spielt es weiterhin eine Rolle, auf welche Weise das Wissen vermittelt werden soll. Denn Wissen ist „niemals unabhängig von den medialen, sozialen und performativen Bedingungen“3 seiner Vermittlung bzw. Aneignung. Genauso wichtig wie der Inhalt der Präsentation ist demnach auch die Form der Präsentation, weil sie auf den Inhalt einwirkt. Eine passende Form kann die Wissensvermittlung erleichtern, eine unpassende kann sie unnötig verkomplizieren. Historisch lassen sich drei Arten der Wissensvermittlung bestimmen: Der freie Vortrag, der Folienvortrag sowie die digitale Folienpräsentation, auch Multimediapräsentation genannt.4 Die beiden zuerst genannten werden auch heute noch häufig für Unterrichtspräsentationen genutzt. Dennoch erlaubt vor allem die multimedial gestützte Präsentation die Vermittlung von „Visuelle[m] Wissen“5, wie Bernt Schnettler und Frederik S. Pötzsch es nennen. Visualisierungen werden entsprechend in den Naturwissenschaften genutzt, um neben der sprachlich-linearen Ebene noch eine bildlich-konkrete Ebene der Wissensvermittlung einzusetzen. Bilder befördern eine andere, ganzheitlichere Art von Verstehen als ein rein sprachliches Erklären. Digitale Folienpräsentationen wirken konkreter auf das Publikum, als dies ein freier Vortrag vermag.6 Der Einsatz von visu-

1

Jucks, Bromme, Runde (2003), S. 61.

2

Clark (1993), S. 147.

3

Peters (2007), S. 37.

Inhaltsvermittlung an höheren Lehrinstituten wie etwa Universitäten zurück. Zweitens und noch wichtiger

4

Vgl. Peters (2007).

wird die Wissensaneignung gerade in den Naturwissenschaften durch die Visualisierung vereinfacht. Nicht

5

Schnettler, Pötzsch (2007), S. 472.

umsonst war die Demonstration des Experiments über Jahrhunderte die zentrale Vermittlungsform der

6

Vgl. Schnettler, Pötzsch (2007), S. 473f.

Naturwissenschaften. Lernpsychologisch profitieren zudem besonders visuelle Lerntypen von digitalen Foli-

ellem Wissen bzw. visualisierter Wissensvermittlung mittels digitaler Folienpräsentationen hat im naturwissenschaftlichen Unterricht zwei Vorteile: Erstens greift der Präsentierende damit auf die derzeit bevorzugte

enpräsentationen, die den oftmals immer noch sprachlich dominierten Unterricht auflockern.

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Jede der Vortragsarten trägt, wie Sibylle Peters zeigt, ein Ablenkungspotential in sich, auch digitale M1 | Rhetorische Situationsanalyse

Folienpräsentationen.7 So kann es zu einer Verdopplung des Inhalts kommen, wenn das Gesagte nochmals in den Folien der digitalen Folienpräsentation festgehalten wird. Diese Redundanz kann die Adressaten langweilen und so deren Konzentration schwächen. Das Ablenkungspotential zeigt sich zudem in einer verringerten Performanz des Präsentierenden, der hinter seinem Laptop sitzt, keinen Kontakt zu seinen Zuhörern aufnimmt und der der Präsentationssoftware das Präsentieren überlässt. Schließlich lenkt auch übermäßiges Visualisieren – eine Folie jagt die andere, das Layout wechselt ständig, Animationen prägen die Übergänge – vom eigentlichen Inhalt und vom Präsentierenden ab. Die zentrale Frage, die sich ein Schüler während der Vorbereitung stellen muss, lautet daher: Präsentiere ich meine Präsentation – oder präsentiert sie vielmehr mich?8 Wissensvermittlung kann nur dann gelingen, wenn der Präsentierende Herr über seine eigene Präsentation ist. Es ist die konkrete Präsentationssituation, die über das Gelingen der Wissenskommunikation entscheidet. Nur wer die Situation im Voraus analysiert und sie dadurch geschärft erkennt, kann erfolgreich erklären.

1.3

WAS IST EINE SITUATION?

Jede kommunikative Interaktion – also auch eine Präsentation im Schulunterricht – kann, der soziologi-

7

Vgl. Peters (2007), S. 50.

schen Handlungstheorie folgend, als Situation verstanden werden. Hartmut Esser beschreibt Situationen

8

Vgl. Peters (2007), S. 50.

grundsätzlich als dem tatsächlichen Handeln vorgängig: „Die ‚Situation‘ gibt es immer schon vor den

9

Esser (1999), S. 35.

jeweils handelnden Akteuren. An ihr orientieren sich die Akteure.“ Situationen sind also handlungsleitend,

10

Vgl. Esser (1999), S. 46.

was bedeutet, dass die Interaktionspartner sich am Rahmen der Situation orientieren und aufgrund der

11

9

10

vorgegebenen Bedingungen handeln.

Für die Präsentationssituation im Schulunterricht heißt das, dass die Präsentation als Handlung von

Esser spricht in diesem Zusammenhang von „‚Definition‘ der Situation“. Esser (1999), S. 161.

12

Beide Zitate Esser (1999), S. 51.

13

Beide Zitate Esser (1999), S. 56.

14

Vgl. Miebach (2010), S. 417ff; Esser (1999), S. 29–58, S. 161–169.

Bedingungen“, die sich aus der „Gesamtheit des Wissens und der Werte sowie der Einstellungen des

15

Esser (1999), S. 31.

Akteurs“13 zusammensetzen.

16

Esser (1999), S. 32.

17

Mollenhauer (1972), S. 84.

18

Vgl. Mollenhauer (1972), S. 110–134.

19

Apel (1997), S. 67.

20

„[T]he term ‘theory of mind’ has come to designate a particular research-domain, whose goal it is to provide an explanation of the ability – which may or may not be unique to human beings – to explain and predict the actions, both of oneself, and of other intelligent agents.“ [„Der Begriff ‘theory of mind’ bezeichnet einen Forschungsansatz, dessen Ziel es ist, eine Erklärung für die – womöglich für den Menschen einzigartige – Fähigkeit, eigene Handlungen und Handlungen anderer intelligenter Akteure zu erklären und vorauszusagen.“] Carruthers, Smith (1996), S. 1. Zur ‚theory of mind‘ vgl. auch Saxe (2009); Förstl (2007).

21

Vgl. Markman, Klein, Suhr (2009).

den physischen wie psychischen Gegebenheiten in Klassenzimmer und -gemeinschaft beeinflusst wird. Eine Situation kann grundsätzlich in zwei Bereiche geteilt und dadurch definiert werden:11 Esser unterscheidet „äußere Bedingungen“, die den „‚objektiven‘ Rahmen des Handelns“12 bilden, sowie „innere

1.4

THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER SITUATIONSANALYSE

Das Modell der Situationsanalyse stammt aus der Soziologie,14 hat aber auch seinen Weg in verschiedene andere wissenschaftliche Disziplinen gefunden, etwa in die Pädagogik, die Politikwissenschaft oder in die Betriebswirtschaft. Aufbauend auf der Handlungs- und Interaktionstheorie bietet die soziologische Situationsanalyse die wissenschaftliche Möglichkeit, die „strukturierten Umstände“15 in Kommunikations- und Handlungssituationen zu erkennen und so eine „‚Logik‘ der Situation“16 abzuleiten. Als ‚Logik‘ der Situation können die äußeren und inneren Beweggründe der Kommunikations- bzw. Handlungspartner in einer sozialen Umgebung bezeichnet werden. Der Bezug der soziologischen Situationsanalyse zur Präsentation im Schulunterricht kann leicht hergestellt werden: Bereits 1972 begreift Klaus Mollenhauer „Erziehung als Interaktion“17 und damit den Unterricht als Situation,18 genauer: Es liegt im Sinne Hans Jürgen Apels bei einer Schülerpräsentation eine didaktische „Lehr-Lern-Situation“19 vor. Eine zweite, die soziologische Sichtweise ergänzende Theorie der Situation lässt sich aus der Psychologie, und dort besonders aus der Mentalisierungstheorie (theory of mind) gewinnen.20 Unter dem Schlagwort der mentalen Simulation (mental simulation)21 werden senderseitige gedank-

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liche Anpassungs- und Identifikationsprozesse zusammengefasst, die eine reibungslose KommunikaM1 | Rhetorische Situationsanalyse

tion ermöglichen. Eine gute Präsentation kann nur zu Stande kommen, wenn der Redner sich in die Lage seiner Zuhörer versetzt und seine Präsentation aus Sicht der Mitschüler beurteilt; sie stellen für ihn den Maßstab dar. Insofern schulen Präsentationen immer auch Einfühlungsvermögen und Vorstellungskraft. Die Rhetorik schließlich hat eine antizipierende Methode entwickelt, die sich unter dem Begriff der „Setting-Analyse“22 mit den mentalen wie physischen Gegebenheiten von Kommunikationssituationen auseinandersetzt, mit dem Ziel, Akteuren erfolgreiches Kommunizieren zu ermöglichen.23 Eine umfassende Situationsanalyse im Vorfeld von Präsentationen sollte also soziologische, psychologische und rhetorische Erkenntnisse aufnehmen.

1.5

MODELLARTIGER ABLAUF DER SOZIOLOGISCHEN SITUATIONSANALYSE

Die soziologische Situationsanalyse setzt sich mit der Interpretation der äußeren Bedingungen einer Präsentation auseinander. Hierbei ist nach Esser an folgende Themen zu denken: „materielle Opportunitäten“ „institutionelle Regeln“ „kulturelle Bezugsrahmen“24

ÄUSSERE BEDINGUNGEN • materielle Opportunitäten • institutionelle Regeln • kulturelle Bezugsrahmen

KOMMUNIKATIVES HANDELN

INNERE BEDINGUNGEN 22

Knape (2007), S. 54.

23

Erfolgreiches Kommunizieren im Sinne der Rhetorik bedeutet das Überzeugen der Adressaten. Dieses Kommunikationsziel firmiert unter dem Begriff der Persuasion. Vgl. Knape (2003).

24

Alle Zitate Esser (1999), S. 51.

25

Schaubild nach Esser (1999), S. 166.

• Motivation • Werte • Wissen

subjektive Definition der Situation

Abbildung 1.1: Rhetorische Situationsanalyse25

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3.7 Hinweis: Die Übung eignet sich für eine ganze Klasse, da jeder Schüler zunächst in Stillarbeit einen Text bearbeiten muss. Wenn Kleingruppen gebildet werden, ist es wichtig, die Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppen klar festzulegen, um zu vermeiden, dass sich einzelne Schüler nicht einbringen. Denkbar ist z. B., dass es in jeder Kleingruppe einen Zeitwächter und einen Materialwart gibt. Weitere Rollen können vergeben werden. Gesamtzeit: ca. 40 Minuten Teilnehmerkreis: ca. 25–30 Schüler

ÜBUNG 7: MIT W-FRAGEN DIE SITUATION ERKUNDEN

ZIEL DER ÜBUNG

In dieser Übung sollen die Schüler durch gezieltes Fragenstellen (W-Fragen) die Situationsangemessenheit herausfinden. Als Basis können hier naturwissenschaftliche Fachtexte aus dem Unterricht verwendet werden. Die W-Fragen (Warum, Wer, Was, Wie, Wann) dienen dabei als Filter dafür, genau die Informationen herauszufinden, die für eine bestimmte Zielgruppe von Interesse sein könnten. Geschult wird in dieser Übung der „Blick“ für andere Menschen, kurz: die Fähigkeit zur Empathie. Situationsangemessenes Verhalten und Zielgruppenorientierung gestalten sich komplex, da die Übung mit Fragen (und den Assoziationen der Schüler) arbeitet, ist eine dezidierte Einführung und Schlussphase, je nach Leistungsstand der Schüler sogar die Kombination mit weiteren Übungen sinnvoll.

RHETORISCHE BEDEUTUNG / PRAXISRELEVANZ

Altersstufe: 7.–9. Klasse, E

Für die vorliegende Übung ist es wichtig, sich in einen potentiellen Zuhörer hineinzudenken, sich zu überlegen, wie er denkt, was ihn überzeugt, wofür er sich interessiert etc. Für Schüler ist es dabei einfacher, sich eine ihnen bekannte Person vorzustellen. Wird diese Übung im ersten Schritt als Stillarbeit durchgeführt, lässt sich später in einer Diskussionsrunde eine Vielzahl unterschiedlicher Personen inklusive deren Hintergründe sammeln. Aber auch für das Arbeiten in Kleingruppen bietet sich diese Übung an. Dann soll sich die Kleingruppe auf eine Person einigen und nach dem Festlegen des Adressaten gemeinsam den Text bearbeiten.

ÜBUNGSBESCHREIBUNG

In dieser Übung sollen anhand naturwissenschaftlicher Texte Inhalte für bestimmte Zielgruppen herausgearbeitet werden. Diese Zielgruppen überlegen sich die Schüler (oder die Kleingruppen) in Stillarbeit zunächst selbst. Dann bearbeiten sie die Texte, d. h. filtern die Inhalte und machen sich genaue Notizen zu ihrer Auswahl. In der Diskussionsrunde stellen die Schüler kurz vor, für welche Inhalte und thematischen Schwerpunkte sie sich entschieden haben. An dieser Stelle ist es wichtig, dass Sie mit den Schülern ihre Begründungen diskutieren.

MATERIALIEN, METHODIK & ABLAUF ZEIT

Material für die Gruppen Fachtexte, naturwissenschaftliche Ausrichtung Aufgabenbeschreibung

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Moderationsmaterial: Stifte / Papier Methode Stillarbeit Variante: Arbeit in mehreren Kleingruppen Diskussion / Lehrgespräch Zeitlicher Ablauf im Überblick Einführung

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Material allgemein

5 Minuten

Stillarbeit

10 Minuten

Diskussion

20 Minuten

Abschluss

5 Minuten

HINTERGRUNDINFORMATIONEN, WEITERFÜHRENDE GEDANKEN ZUR ÜBUNG

Die Übung ist induktiv angelegt und kann entweder in Stillarbeit oder in Kleingruppen durchgeführt werden. Am Ende der Übung sollte in einer Abschlussphase das Thema „Rhetorische Situationsanalyse“ mit Grundregeln bzw. Grundsätzen abgeschlossen werden. Dabei können Sie im Gespräch mit den Schülern erläutern und schriftlich festhalten (z. B. Flipchart), worauf es in dieser Phase ankommt.

VERWEIS AUF THEORETISCHE GRUNDLAGEN

Der Redner muss die Einstellungen und Motive seiner Adressaten antizipieren, sich in das Denken und Fühlen der Zuhörer hineinversetzen. Dies kann durch eine mentale Simulation erreicht werden. Je genauer dieses Hineinversetzen gelingt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Präsentation. Die Schüler müssen sich in einem ersten Schritt darauf einlassen – oder es zumindest versuchen, die Perspektive des Zuhörers einzunehmen (‚perspective taking‘). Eine noch höhere Aussicht auf Erfolg bringen die Simulation eigener Gedanken in der Position des Adressaten (‚imagine-self‘) oder in der Simulation der Gefühle des Adressaten (‚imagine-other perspective‘).

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M2 ARGUMENTATION

ARGUMENTATION

ingen) ität Tüb rs e iv n U k, Rhetori ingen) emeine ität Tüb g ll rs A e r iv ingen) n fü : EN rik, U minar ität Tüb to e rs e e h (S iv R AUTOR g n n e li U en ein Gottsch hetorik, Tübing r Allgem Markus meine R iversität e n minar fü g U ll e n) , A e k (S r ri g r e m ar fü heto Tübin Olaf Kra t (Semin meine R iversität e rd n g a ll U h A , p k r ip ri L to r fü ine Rhe Carmen (Semina Allgeme usanka r S fü s r a a m Tho (Semin iegeler Nikola W

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INHALT 1

Theorie ...................................................................................... 71

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1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 1.10

2

Argumentation in der naturwissenschaftlichen Präsentation ..............................71 Der Prozess naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung .............................. 72 Was leistet Argumentation? .................................................................................. 73 Die Findungsphase in der naturwissenschaftlichen Präsentation .......................74 Gute Vorbereitungspraxis ..................................................................................... 75 Von der Vorbereitung zur Argumentation ............................................................ 76 Argumentationsmethoden: Induktion und Deduktion ......................................... 77 Das Grundmuster einer Argumentation ............................................................... 78 Die Bedingungen plausibler Argumentation ........................................................ 79 Glaubwürdigkeit .................................................................................................... 80

Didaktik ..................................................................................... 81 2.1 Recherchieren ............................................................................................................81 2.2 Selbst forschen & Argumente finden ...................................................................... 83 2.3 Argumentieren .......................................................................................................... 85

3

Übungen ...................................................................................90 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 3.8 3.9 3.10 3.11 3.12 3.13 3.14

4

Supplement: Urheberrecht ..................................................... 125 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 4.6 4.7 4.8 4.9 4.10

5

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Worum geht es beim Urheberrecht? ...................................................................125 Persönlichkeitsrechte und Verwertungsrechte ...................................................127 Persönlicher Gebrauch und Ausnahmen ...........................................................129 Webseiten und Urheberrecht ...............................................................................129 Rechte und Lizenzen ........................................................................................... 130 Urheberrecht in der Schule ................................................................................. 130 Tipps für die Praxis ............................................................................................. 132 Übung 1 – Aufstellung: Richtig oder falsch ....................................................... 134 Übung 2 – Von der Komposition bis zur CD ...................................................... 135 Übung 3 – Lizenzfreie Produkte ......................................................................... 135

Supplement: Präsentation von Realexperimenten ................. 137 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5

6

Übung 1: Selbstreflexion zur Recherche .............................................................. 92 Übung 2: Inhalte selbständig recherchieren ........................................................ 95 Übung 3: Wie wählt man Inhalte aus? Übung zur Entscheidungsfindung bei der Verwendung mehrerer Quellen ................................................................ 97 Übung 4: Zirkeltraining zur Argumentation .......................................................... 99 Übung 5: Argumentiere verständlich! .................................................................101 Übung 6: Entlarve das „falsche“ Argument! ...................................................... 102 Übung 7: Argumentationssalat ........................................................................... 104 Übung 8: Rollenspiel zur Argumentation ........................................................... 106 Übung 9: Die Qual der Wahl: Triff eine Entscheidung! ...................................... 109 Übung 10: Expertenwissen unter Beweis stellen ................................................ 111 Übung 11: Standpunkte vertreten ........................................................................114 Übung 12: Fragestellungen ..................................................................................116 Übung 13: Quelleninterpretation und wissenschaftliche Argumentation ..........118 Übung 14: Schlüsse ziehen ..................................................................................123

Demonstrationsexperimente ................................................................................140 Freihandexperimente ............................................................................................143 Remote Controlled Laboratories (RCLs) .............................................................145 Video statt Realexperiment? ...............................................................................145 Checkliste für den Einsatz von Experimenten ....................................................146

Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur ................ 148

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JUGEND PRÄSENTIERT

M3 | Sprache und Aufbau

SPRACHE UND AUFBAU

SPRACHE M3 UND AUFBAU

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INHALT 1

M3 SPRACHE UND AUFBAU

2

3

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Theorie ................................................................................. 153 1.1

Die verständliche Präsentation als Ziel und Herausforderung ..................... 153

1.2

Sprache ............................................................................................................ 154

1.3

Thematische Entfaltung und Verständlichkeit ............................................... 157

1.4

Kurz – gut – wichtig und ehrlich: Kommunizieren und Verstehen ................ 158

1.5

Aufmerksamkeit als Regulator des Präsentationsaufbaus ........................... 159

1.6

Storytelling ....................................................................................................... 162

Didaktik: Verständlichkeit und der rote Faden .................... 164 2.1

Didaktische Reduktion ................................................................................... 165

2.2

Strukturierung: Einleitung, Hauptteil, Schluss ............................................... 165

2.3

Sprachoptimierung .......................................................................................... 172

2.4

Storytelling ....................................................................................................... 178

2.5

Kopiervorlage 1: To Do-Liste Präsentationsstruktur (Aufbau) ....................... 180

2.6

Kopiervorlage 2: Verständliche Sätze! ........................................................... 181

2.7

Kopiervorlage 3: Top 10 der verständlichen Wortwahl ................................. 182

2.8

Kopiervorlage 4: Checkliste Verständlichkeit ................................................. 184

Übungen .............................................................................. 185 3.1

Übung 1: Selbstreflexion ................................................................................. 187

3.2

Übung 2: Verständlichkeit und Motivation durch Sprache ........................... 190

3.3

Übung 3: Sag mir, was Du siehst! .................................................................. 191

3.4

Übung 4: Wortschatz- und Fremdwortkiste ................................................... 193

3.5

Übung 5: Das ist nicht tabu! – Tabu mal anders ........................................... 194

3.6

Übung 6: ZUhörsätze formulieren .................................................................. 196

3.7

Übung 7: Interesse-Karussell .......................................................................... 200

3.8

Übung 8: Mach es wie die Profis! Schulbuchanalyse ................................... 201

3.9

Übung 9: Präsentationsarchitektur: Themen strukturieren und entfalten .... 203

3.10

Übung 10: Begriffe-Memory ............................................................................ 206

3.11

Übung 11: Ordnungsratespiel ......................................................................... 209

Variationen von Übungen aus den Modulen 1 und 2 .......... 211 4.1

Modul 1 „Rhetorische Situationsanalyse“ Übung 8 .......................................211

4.2

Modul 1 „Rhetorische Situationsanalyse“ Übung 9 ...................................... 212

4.3

Modul 1 „Rhetorische Situationsanalyse“ Übung 10 ..................................... 213

4.4

Modul 2 „Argumentation“ Übung 5 ................................................................ 214

4.5

Modul 2 „Argumentation“ Übung 7 ................................................................ 215

4.6

Modul 2 „Argumentation“ Übung 9 ................................................................ 216

4.7

Modul 2 „Argumentation“ Übung 10 .............................................................. 217

Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur .............220

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SPRACHE UND AUFBAU

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EINLEITUNG

Die Einleitung hat folgende drei Hauptfunktionen: Sie soll die Adressaten aufmerksam stimmen, ihre Aufnahmefähigkeit anregen und allgemein für eine produktive Atmosphäre sorgen. Wie der PräsentieM3 | Sprache und Aufbau

rende dies erreichen kann, wird im Folgenden vorgestellt. Aufmerksamkeit schaffen Wir werden aufmerksam, sobald unser Name genannt wird oder wir uns angesprochen fühlen. Die Begrüßung der Adressaten ist daher von großer Bedeutung. Ebenso möchten sie wissen, mit wem sie es in der nächsten Zeit zu tun haben. Da sich die Schüler einer Klasse in der Regel schon gut kennen, ist die eigene Vorstellung des Präsentierenden dort nicht unbedingt erforderlich. Sobald es aber über ein Präsentieren im Klassenverbund hinausgeht, sollte sie keinesfalls vergessen werden.

Praxistipp: Leiten Sie selbst zur Präsentation über und stellen den Schüler kurz vor: „Julian hat für uns eine Präsentation zum ‚Ökosystem Hecke‘ erstellt. Dafür hat er in den vergangenen Tagen viel Zeit draußen verbracht – aber darüber wird er jetzt selbst berichten.“ Hinweis: Mit diesem Vorgehen bieten Sie der Klasse eine Einordnungshilfe für das Kommende im Sinne der ‚advanced organizer‘. Vgl. dazu auch den Theorieteil dieses Moduls.

Damit lassen Sie die Präsentation ‚offiziell‘ beginnen und geben dem Präsentierenden für einen Moment die Gelegenheit, sich zu sammeln und vielleicht auch schon einen ersten Blickkontakt zu seinen Mitschülern aus einer für ihn ungewohnten Perspektive (‚Lehrerperspektive‘) aufzunehmen. Zusätzlich können Sie auch den Zusammenhang mit den zuvor behandelten Themen herstellen: „Wir haben uns in letzter Zeit ja viel mit Ökosystemen beschäftigt; letzte Woche hat Leonie uns das Ökosystem Teich vorgestellt, und heute präsentiert uns Julian einiges zum Ökosystem Hecke.“

Aufmerksamkeit ist auch eng mit dem Interesse an einem Thema bzw. mit Neugier verknüpft: Somit ist es im Sinne des Präsentierenden, sein Thema zu einem für die Adressaten relevanten zu machen und ihre Motivation über eine spannende Fragestellung oder ein zugängliches Anwendungsbeispiel gleich von Beginn an zu wecken. Beispiele: „Hallo zusammen, mein Präsentationsthema ist, wie Frau Müller gerade schon gesagt hat, ‚Solarenergie‘. Und wie Ihr bestimmt auch schon bemerkt habt – viele Dächer in der Stadt sind schon ‚solar‘: Dank dieser alternativen Energiegewinnung werden wir nicht nur (wenn es im Sommer sehr solar ist) geblendet, sondern können uns im Kino auch die Hände mit warmem Wasser waschen. Wie genau es dazu kommen kann, erkläre ich im Folgenden.“ „Hallo Erdkunde-Kurs, ich erzähle Euch heute etwas zu den Planeten. Die waren mal 9, sind jetzt aber nur noch 8, weswegen auch der Merksatz umgeschrieben werden musste: Da Pluto kein Planet mehr ist, heißt er nicht mehr „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten“, sondern „Mein Vortrag erklärt mit jammernder Stimme unseren Nachthimmel.“ Der Präsentierende darf seine Mitschüler dabei durchaus auch necken: Indem er z. B. schon in der Einleitung ausdrücklich auf ein spannendes gemeinsames Experiment hinweist, das dann gegen Ende des Hauptteils folgen wird. So kann er eine ‚Belohnung‘ für die vorherige Theoriearbeit in Aussicht stellen, die

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SPRACHE UND AUFBAU

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die Grundlage für das Gelingen des Experimentes bildet (siehe auch die kommenden Ausführungen zum Erhalten der Aufmerksamkeit im Hauptteil). Aufnahmefähigkeit fördern Jeder hat seinen eigenen Biorhythmus: Die einen sind morgens besonders aufnahmefähig, die anderen M3 | Sprache und Aufbau

brauchen dafür ein wenig länger. Darauf hat der Präsentierende keinen Einfluss. Was er jedoch machen kann, ist, eine Art ‚Serviceleistung‘ zu erbringen: Zum einen durch die eben vorgestellten Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen, zum anderen aber auch dadurch, dass er schon mit dem Vorstellen der Präsentationsgliederung zu seinem Thema Orientierung gibt. Dies hilft seinen Adressaten, die folgenden Erklärungen konzeptuell gleich richtig einzuordnen und erspart ihnen einen größeren Inferenzaufwand, den sie sonst betreiben müssten, um das Kommende mit den richtigen Konzepten zu verknüpfen. Beispiel: „Hallo Mitsportler, ich stelle Euch heute die Laktathypothese vor. Laktathypothesenverfechter gehen davon aus, dass wir Muskelkater bekommen, wenn unsere Muskeln übersäuern. Dass das aber nicht stimmt, zeige ich Euch gleich, nachdem ich noch einmal kurz den Aufbau eines Muskels und das Prinzip der Übersäuerung durch Milchsäure wiederholt habe.“ ‚Anker‘ für das Verständnis dessen, was die Laktathypothese beinhaltet, sind in diesem Beispiel die Konzepte ‚Muskelkater‘ und ‚Übersäuerung‘. Außerdem wird gleich darauf hingewiesen, dass diese beiden nicht miteinander zu verknüpfen sind und dass das „Warum?“ nach einer kurzen Wiederholung

Hinweis: Trainieren lässt sich die Ankerstrategie mit den Übungen 2 „Verständlichkeit und Motivation durch Sprache“, 4 „Wortschatzund Fremdwortkiste“, 5 „Das ist nicht tabu! – Tabu mal anders“, 8 „Mach es wie die Profis! Schulbuchanalyse“ und 10 „Begriffe-Memory“.

der Konzepte geklärt wird. Damit die geeigneten Einordnungshilfen auch gefunden und für eine entsprechende Vorstrukturierung herangezogen werden können, ist es für den Präsentierenden wichtig, über das Vorwissen seiner Adressaten informiert zu sein.

Hinweis: Vgl. die Ausführungen zur Adressatenanalyse in Modul 1 „Rhetorische Situationsanalyse“.

Praxistipp: Bieten Sie dem Präsentierenden die Gelegenheit, das Vorwissen seiner Mitschüler während seiner Recherchephase abzufragen. In fünf Minuten könnte zum Beispiel zusammen ein Brainstorming gemacht werden, etwa zur Frage: „Was verbindet Ihr alles mit dem Begriff der ‚Müllverbrennung‘?“ Die Antworten könnten dem Präsentierenden Anhaltspunkte vor allem für einen interessanten Einstieg in seine Erklärungen geben.

Atmosphäre gestalten Sind Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit geweckt, so sind dies die idealen Voraussetzungen für eine gute und respektvolle Präsentationsatmosphäre: Interessierte und neugierige Adressaten denken zum Beispiel viel weniger daran, die Präsentation durch Clownereien zu stören. Ebenso entwickeln auch Adressaten, die einen guten konzeptionellen Ausgangspunkt für die folgenden Erklärungen geboten bekommen haben, weniger Störpotential: Ihrem Verstehensprozess wurde schließlich ein sicherer Anker geboten und dadurch einem möglichen Verstehensfrust der Wind aus den Segeln genommen. Insgesamt ist es für den Präsentierenden also wichtig, seinen Adressaten vier Dinge zu signalisieren: 1. Du wirst ernst genommen! 2. Ich freue mich, dass Du da bist! 3. Ich freue mich, Dir mein Thema präsentieren zu dürfen! 4. Fragen und Einwände sind willkommen, weil sie zur Klärung beitragen!

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JUGEND PRÄSENTIERT

DATE

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EIT MITARB UNTER Bovet Gislinde n Gora Stepha auck Daniel H iegeler Nikola W han Wic Yvonne

VON:

TAKE

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INHALT M4 | Medieneinsatz

1

Theorie der visuellen Gestaltung ........................................ 225 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6

2

Didaktik der Präsentationsmedien ..................................... 244 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.9

3

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Overhead-Projektor ........................................................................................ 298 Digitale Folienpräsentation ............................................................................ 300 Poster / Plakat / Wandzeitung ........................................................................ 302 Flipchart .......................................................................................................... 304 Tafel / Whiteboard / Smartboard .................................................................... 305 Experiment (live) ............................................................................................. 306

Supplement: Erklärvideos .................................................. 308 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 5.6 5.7

6

Übung 1: Wörter-Karussell ............................................................................. 273 Übung 2: Zoom! Räume nach vorgegebenen Kriterien beschreiben .......... 275 Übung 3: Farbenwelten .................................................................................. 276 Übung 4: Bilderrecherche & Bilderassoziationen ......................................... 278 Übung 5: Wörter & Symbole .......................................................................... 279 Übung 6: Gegensätze visualisieren ............................................................... 280 Übung 7: Zahlen sprechen lassen (Zeitserien) ............................................. 281 Übung 8: Zahlen sprechen lassen (Netze) .................................................... 283 Übung 9: Lesbare Typografie ........................................................................ 284 Übung 10: Wir erstellen ein Poster ................................................................ 286 Übung 11: Drehbuch ...................................................................................... 287 Übung 12: Storyboard .................................................................................... 290 Übung 13: Präsentieren mit Folien ................................................................ 293 Übung 14: One Minute Madness ................................................................... 294 Übung 15: Die Medienwahl: Triff eine Entscheidung! .................................. 295

Supplement: Kleine rhetorische Medienkunde .................. 297 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 4.6

5

Präsentieren mit dem Overhead-Projektor .....................................................247 Präsentieren mit einem Beamer (Digitale Folienpräsentation) ............................249 Präsentieren mit Postern und Plakaten ......................................................... 258 Präsentieren mit Pinnwand ............................................................................ 260 Präsentieren mit Flipchart .............................................................................. 261 Präsentieren mit Tafel / Whiteboard .............................................................. 263 Präsentieren mit Smartboard ........................................................................ 264 Präsentieren mit Handouts ............................................................................ 265 Didaktik der visuellen Gestaltung – Drehbuch und Storyboard .................. 266

Übungen ............................................................................. 272 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 3.8 3.9 3.10 3.11 3.12 3.13 3.14 3.15

4

Hintergrund und Ziele von Kommunikationsdesign und Zeichentheorie .... 226 Lenkung der Aufmerksamkeit ........................................................................ 228 Gestaltgesetze ................................................................................................ 230 Farbe ............................................................................................................... 232 Typografie und Layout ................................................................................... 236 Hinweise zur Informationsvisualisierung ....................................................... 242

Begriffsbestimmung ....................................................................................... 309 Lernen mit Erklärvideos ................................................................................. 309 Gestaltungsregeln ...........................................................................................310 Didaktische Einbindung von Erklärvideos .................................................... 321 Vorgehen bei der Erstellung eines Erklärvideos ........................................... 322 Anleitung: Videobearbeitung mit dem Movie Maker .................................... 334 Übungen ......................................................................................................... 338

Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur ............ 343

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4 SUPPLEMENT: KLEINE RHETORISCHE MEDIENKUNDE Nikola Wiegeler / Yvonne Wichan

FÜR ALLE MEDIEN GILT:

Sie sollten Thema und Publikum gegenüber angemessen sein. Es muss geklärt sein, welche Medien überhaupt zur Verfügung stehen bzw. organisiert werden können.

Hinweis: Vgl. dazu auch die Checkliste „Medien + Material“ weiter hinten.

Der Präsentierende sollte die Medien kompetent bedienen können – mindestens eine Generalprobe ist also angeraten. Visualisierungen sprechen selten wirklich für sich allein, daher ist es Aufgabe des Präsentierenden, der jeweiligen Visualisierung den Rahmen zu geben. Es gilt, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu lenken und den Sinn der jeweiligen Visualisierung zu erklären: „You frame it!“ Der Präsentierende sollte seinen Adressaten während der Bearbeitung / der Erläuterung der Medien nicht den Rücken zuwenden. Um dies zu vermeiden kann der Präsentierende die von Emil Hierhold so

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benannte „Touch-Turn-Talk-Sequenz“21 durchführen: Erst schreiben / auf etwas zeigen bzw. etwas berühren, sich dann umdrehen und bei wiederhergestelltem Blickkontakt sprechen. Wichtig ist es also, zum Adressaten und nicht zum Medium zu sprechen. Der Präsentierende muss während seiner Präsentation darauf achten, dass er seinen Mitschülern nicht im Blick steht, wenn anhand einer Visualisierung etwas erklärt werden soll. Gleichzeitig muss er aber auch sicherstellen, dass die Zuhörer ihn nicht aus den Augen verlieren. → Immer Blickkontakt zu M4 | Medieneinsatz

den Zuhörern halten! Wird ein Handout zur Präsentation erstellt, so muss darauf geachtet werden, dass es auch später Tipp: Die ausgedruckten Folien schon zum Präsentationsvortrag austeilen, damit sich die Adressaten selbstständig erklärende Notizen machen können.

noch verständlich ist. Ausgedruckte Präsentationsfolien bringen z. B. wenig, wenn die Präsentierenden mit vielen Schaubildern gearbeitet haben, zu denen es die Erklärungen nur mündlich gab. Die Mediengestaltung muss im Verhältnis zu den anderen Präsentationsvorbereitungsschritten stehen: Werden z. B. nur 10% der Zeit auf die Recherche und 70% auf die Mediengestaltung verwendet, so ist dies unverhältnismäßig, da die inhaltliche Erarbeitung ins Hintertreffen gerät.

PRAXIS-CHECK

Kann ich die gesamte Präsentation mit diesem Medium abhalten? Reicht das Visualisierungs- bzw. Platzangebot? (An der Tafel oder dem Flipchart ist es z. B. klar begrenzt)? Brauche ich diese Visualisierung wirklich? Oder verstehen die Adressaten auch so, worum es bei der Erklärung geht? Ist diese Visualisierung sachgerecht, d. h. visualisiert sie einen Inhalt, oder bietet sie nur einen optischen Effekt? (Schließlich weiß ich: Ziel einer Präsentation ist ein kompetentes und motivierendes Erklären eines Inhaltes und nicht zu zeigen, wie gut ich mit einem Programm umgehen kann.) Was will ich visualisieren und welche Art von Medien eignen sich hierfür? (Es gibt Medien, die vorbereitet mitgebracht werden können, wie z. B. Overhead-Folien, Plakat und Wandzeitung sowie Medien, die vor allem dazu dienen, vor den Augen der Zuhörer ein Bild entstehen zu lassen, wie z. B. Flipchart und Pinnwand. Der Präsentierende sollte sich fragen, wann es Sinn macht etwas „live“ zu entwickeln) Bei einer sehr unleserlichen Handschrift sollte über den Einsatz von Live-Medien zumindest kritisch nachgedacht werden. Vielleicht wäre es dann besser, vorbereitete Medien mitzubringen.

4.1

OVERHEAD-PROJEKTOR

Rhetorische Situation Die Präsentierenden können mit dem Overhead-Projektor (OHP) ihren Vortrag visuell mit Bildern, Karikaturen, Grafiken oder Schaubildern unterstützen. Ebenso ist es möglich, wichtige Schlagwörter oder Kernaussagen an die Wand zu werfen, die den Mitschülern das Folgen / Mitdenken erleichtern können. Die Gestaltung der Folien kann bereits zu Hause erfolgen (am Computer oder handschriftlich) und so 21

Hierhold (1990), S. 211f.

können auch aufwendige oder komplizierte Schaubilder abgebildet werden, deren Entwicklung an der

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Tafel zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde und deren Übersichtlichkeit gefährdet wäre. Trotzdem geht der Aspekt des „Spontanen“ nicht völlig verloren, da auch Overhead-Folien während der Präsentation entwickelt oder ergänzt werden können. Die Präsentierenden können mit Körpereinsatz (Strecken des Armes, Antippen der Projektionsfläche oder der Folie selbst, Zeigen mit Laserpointer oder Stift) auf wichtige Punkte oder generell auf den Text / das Schaubild verweisen. Das zeigt Engagement, stellt die Präsentierenden und nicht das Medium Durch das Aufleuchten der Projektionsfläche beim Anschalten des Projektors kann die Aufmerksamkeit zusätzlich gewonnen werden. Eine Interaktion der Präsentierenden mit den Adressaten ist möglich: Diese können den Text / das Schaubild z. B. ergänzen oder mit den Präsentierenden zu Ende gestalten. Eine Arbeitsteilung unter den Präsentierenden ist denkbar. Einer erklärt, was der andere überträgt. Overhead-Folien können problemlos kopiert werden – sodass die Präsentierenden ihre Mitschüler

Tipp: Um die gemeinsame Erarbeitung sichtbar hervorzuheben, Ergänzungen mit farbigen Folienstiften eintragen.

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in den Vordergrund und lenkt die Blicke der Mitschüler aktiv.

zu Beginn ihrer Präsentation darauf hinweisen können, dass sie im Folgenden nicht unbedingt selbst mitschreiben müssen, sondern sich ganz auf die Erklärungen konzentrieren können. Dies kann gerade bei komplizierten und aufwendigen Grafiken nützlich sein. Technische Eigenschaften Overhead-Projektoren stehen in fast allen Klassenzimmern zur Verfügung und sind relativ unkompliziert in der Anwendung. Da bei der Arbeit mit dem OHP ein geringerer technischer Aufwand von Nöten ist, z. B. im Vergleich zu Multimediapräsentationen, ist auch die Störungsanfälligkeit geringer.

Tipp: Overhead-Projektor vor der Präsenttation testen.

Durch das Anwenden verschiedener Techniken, kann das Arbeiten mit dem Overhead-Projektor abwechslungsreich gestaltet werden (Overlay-Verfahren, Abdeckverfahren, Figurinen-Technik, d. h. Verwendung kleiner beweglicher Folienteile, Ergänzungsfolien). Gerade das Overlay-Verfahren eignet sich gut für das dynamische Darstellen von Entwicklungen und Prozessen. Die Folien sollten vom Präsentierenden übersichtlich gestaltet werden und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Lange Sätze sollten vermieden werden, besser geeignet sind kurze Sätze, Stichwörter und Wortgruppen. Auf die Lesbarkeit der Folien sollte unbedingt geachtet werden. Neben einer ausreichenden Schriftgröße, sollte auch eine klare und gut erkennbare Schriftart gewählt werden, die z. B. nicht zu „verschnörkelt“ ist. Mit Farben sollte sparsam gearbeitet werden. Sie dienen dazu, einzelne Punkte besonders hervorzuheben.

Tipp: Bei handschriftlichen Notizen in Druckbuchstaben schreiben und Groß- und Kleinschreibung verwenden.

Rhetorische Situation Es besteht das Risiko, dass die Präsentierenden während der Bearbeitung ihren Adressaten den Rücken zuwenden und zur Folie sprechen, also zum Medium und nicht zu den Adressaten (auch sollten sie darauf achten nicht hinter dem OHP zu verschwinden.).

Tipp: Touch-Turn-Talk-Sequenz durchführen.

Es besteht die Gefahr, dass zu viele Folien in zu kurzer Zeit aufgelegt werden (Stichwort: „Folienschleuder“22), ohne dass den Mitschülern die Zeit gelassen wird, diese zu erfassen und zu verstehen. Dies kann die Adressaten überfordern bzw. ermüden. Bei einem schlechten „Teammanagement“ besteht die Gefahr, dass die Adressaten nicht wissen, auf wen sie wann achten sollen. Am besten das Team definiert klar die jeweilige Präsentationshoheit, während der Präsentation steht und erklärt nur das zuständige Teammitglied, die übrigen Mitglieder setzen sich und nehmen sich so aus dem Blickfeld der Adressaten. 22

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Dohnicht (2008), S.181.

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Technische Eigenschaften Tipp: Vor der Präsentation abklären, ob es Abdunklungsmöglichkeiten gibt.

Wenn der Raum zu hell ist, können Folien unter Umständen schwer erkennbar sein. Folienstifte bergen die Gefahr, dass der Präsentierende während der Beschriftung andere Teile wieder

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verwischt. Wasserfeste Stifte können zwar nicht verwischen, aber es lassen sich dann keine Korrekturen Tipp: Wasserfeste Stifte für das Vorschreiben zu Hause verwenden, Ergänzungen während der Präsentation mit Folienstift vornehmen.

mehr vornehmen. Der Präsentierende sollte nach dem Auflegen der Folie nicht sofort lossprechen, da die Mitschüler zunächst auf den visuellen Eindruck fixiert sind und sich erst orientieren müssen. Die Folien sollten nicht zu vollgepackt sein, da die Adressaten sonst Probleme haben, sich zu orientieren. Der Präsentierende konzentriert sich auf das Wesentliche; es müssen nicht alle Argumente auf die

Tipp: Fünf-Sekunden-Faustregel: nach dem Auflegen erst fünf Sekunden schweigen und dann fortfahren.

Folie, sondern nur die wichtigsten. Farbige Bilder können u. U. wegen fehlender Transparenz der Folie nur in unzureichender Qualität projiziert werden. Die Beschriftung am Projektor bedarf Übung und ist schwierig, da das Licht blenden kann. Es kann sein, dass das Schriftbild schief wird.

4.2

DIGITALE FOLIENPRÄSENTATION

Rhetorische Situation Die Präsentierenden können zeigen, dass sie die Gestaltungsmöglichkeiten, die ihnen die Programme bieten, sinnvoll und die Argumentation unterstützend zu nutzen wissen (z. B. über das Einarbeiten von wichtigen Fotos, Videos, Hörbeispielen oder Animationen, die einen Erklär- bzw. Visualisierungsmehrwert bieten, und nicht nur ausgewählt und gestaltet werden, um die Möglichkeiten des Programms voll auszuschöpfen). Wenn es keine Verständnisfragen gibt (z. B. zu einer Schritt-für-Schritt-Demo) und die Präsentierenden für ihre Erklärungen nicht zusätzlichen zum spontanen Medium Tafel und Kreide greifen müssen, so zeichnet dies die Medienkompetenz der Präsentierenden aus (hinsichtlich Vorüberlegung, Inhalt und Gestaltung). Tipp: Referentenanzeige am Computer verwenden, da sonst nur die aktuelle Folie am Bildschirm angezeigt wird.

Die Gliederungsanzeige neben der jeweils aktuellen Folie kann den Präsentierenden Orientierung geben und ihnen den freien Vortrag erleichtern (sie sehen z. B., was als nächstes zur Sprache kommen soll). Indem sie nichts Ausformuliertes vortragen, zeigen sie Sicherheit für ihr Thema und die Präsentationssituation. Die Präsentierenden können mit Körpereinsatz (Strecken des Armes, Antippen der Projektionsfläche, Zeigen mit Laserpointer oder Stift) auf wichtige Punkte oder generell auf den Text / das Schaubild verweisen; das zeigt Engagement, stellt die Präsentierenden und nicht das Medium in den Vordergrund und lenkt die Blicke der Mitschüler aktiv. Durch die Möglichkeit, Texte einzuarbeiten, die verschiedene Wahrnehmungskanäle und Codes bedienen (z. B. Video / Hörbeispiel, Schrift / Bild), können die Präsentierenden Ermüdung bzw. Langeweile bei ihren Mitschülern vorbeugen.

Hinweis: Das Hochladen von Präsentationen kann jedoch auch rechtliche Konsequenzen ziehen, falls urheberrechtlich geschütztes Material verwendet wurde. Vgl. dazu auch das Supplement „Urheberrecht“ in Modul 2 „Argumentation“.

Multimediapräsentationen können problemlos ausgedruckt oder online gestellt werden – sodass die Präsentierenden ihre Mitschüler zu Beginn ihrer Präsentation darauf hinweisen können, dass sie im Folgenden nicht unbedingt selbst mitschreiben müssen, sondern sich ganz auf die Erklärungen konzentrieren können. Eine Arbeitsteilung unter den Präsentierenden ist möglich. Einer erklärt, während der andere die nächste Folie aufruft. Wenn die Präsentierenden einen Presenter nutzen, dann können sie sich frei im Raum bewegen und sind für den Folienaufruf nicht an die Computertastatur gebunden.

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Technische Eigenschaften Die Multimediapräsentation bietet umfassende Möglichkeiten zur erklärenden Visualisierung von Inhalten, erlaubt den Einsatz von Tönen, Bildern, Filmen, Animationen, Modellen sowie das Einbinden von Links auf Webseiten, die dann auch gleich über einen Klick geöffnet werden. Die Präsentierenden haben daher Die Multimediapräsentation kann bei Bedarf an- und ausgeschaltet werden, womit für die Präsentierenden die Möglichkeit besteht, dass sie die „Bühne“ auch ohne womöglich ablenkende Medien ganz für sich nutzen können. Die Präsentierenden können zu einer früheren Folie zurückblättern sowie Videos / Hörbeispiele nochmals abspielen. Sie können sich im Präsentationsmodus auf dem eigenen Monitor zusätzliche Hinweise einblenden lassen, die Reihenfolge der Folien noch während der Präsentation variieren und so die Interaktion mit den Adressaten aufrechterhalten. Änderungen während der Erstellung können relativ unkompliziert vorgenommen werden (Folien können bei einer Präsentation z. B. auch verschoben werden).

Tipp: Während einer Power-Point-Präsentation kann schnell mit den Tasten „b“ und „w“ ein schwarzer bzw. weißer Bildschirm erzeugt werden, wenn die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf etwas anderes gelenkt werden soll. Eine andere Möglichkeit wäre es, gezielt schwarze Folien einzuplanen, wenn eine Projektionspause fest eingeplant ist.

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einen großen Gestaltungsspielraum.

Das Einarbeiten in die Programme kann intuitiv und schnell gelingen. Programme wie bspw. Prezi oder Impress stehen kostenlos als Online-Tool bzw. -Software zur Verfügung. Die Präsentierenden können die Multimediapräsentation vollständig zu Hause vorbereiten. Wenn ein Laptop an der Schule bzw. dem Präsentationsort vorhanden ist, dann ist auch der Transport mittels USBStick, CD oder (bei Internetzugang) Online-Speicherung unproblematisch.

Rhetorische Situation Wenn in rascher Folge Folie auf Folie erscheint, ermüdet das nicht nur die Adressaten (Stichwort „Deathby-PowerPoint-Syndrome“23), sondern zeigt auch, dass die Präsentierenden Schwierigkeiten damit hatten, einen Präsentationsschwerpunkt zu setzen und diesen konsequent zu verfolgen (z. B. mit der Auswahl einer Leitfrage und geeigneter Argumente) bzw. dass sie sich selbst nicht zutrauen, auch persönlich überzeugend zu erklären (das Medium erscheint nicht mehr als Hilfsmittel, sondern als Hauptpräsentierender). Darüber hinaus verführt es die Präsentierenden u. U. selbst noch zusätzlich zu hetzen. Die Präsentierenden „verschwinden“ oft hinter dem Laptop und unterbrechen so den Blickkontakt zu den Mitschülern bzw. bauen diesen erst gar nicht auf. Dagegen hilft das Nutzen eines Presenters, um die nächste Folie aufzurufen; das gibt den Präsentierenden die Möglichkeit, sich frei im Raum zu bewegen und den Blickkontakt zu halten. Generell hilft es auch, die Multimediapräsentation im Stehen zu halten (ohne sich auf dem Tisch, auf dem der Laptop steht, aufzustützen bzw. sich dort anzulehnen). Die Präsentierenden verlieren die Kontrolle über ihre Multimediapräsentation, indem sie diese – z. B. auch durch ein Ablesen der schriftlichen Inhalte von der Projektionsfläche – erklären lassen. Die Mitschüler erhalten so den Eindruck, dass die Präsentierenden nicht im eigentlichen Sinne handeln bzw. präsentieren, und langweilen sich schnell. Auch bei einer detailreichen Multimediapräsentation kann die Aufmerksamkeit der Mitschüler noch gelenkt werden und der Präsentierende handlungsmächtig bleiben, z. B. durch eine rhetorische Fragestellung als Überleitung zur nächsten Folie oder eine Touch-Turn-TalkSequenz. Erstellen Ihre Schüler eine Präsentation und arbeiten mit häufigem Rein- und Rauszoomen, so kann dies u. U. zu „Schwindel“ bei den Adressaten führen. Vorsicht vor zu aufwendigen Gestaltungselementen (z. B. Blinkschrift, sich hin und her bewegende Texte): Dadurch können zum einen die Mitschüler vom eigentlichen Inhalt abgelenkt und / oder den

23

Mittelstädt, Mittelstädt (2010), S. 16.

Präsentierenden statt Expertise „Effekthascherei“ unterstellt werden, zum anderen können aber auch

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die Präsentierenden selbst von ihrem Vortrag abgelenkt werden und / oder, um den Effekt selbst zu bestaunen, ihren Mitschülern den Rücken zuwenden. Viele Schüler beherrschen die Programme selbst mittlerweile sehr sicher und haben auch schon einige Multimediapräsentationen gesehen; damit geht eine gesteigerte Erwartungshaltung an die Gestaltung von Multimediapräsentationen einher. Die Präsentierenden müssen sich also auf gewisse Abnutzungseffekte mit Langeweile-Potenzial einstellen, die es erschweren, das Interesse und die Motivation ihrer M4 | Medieneinsatz

Mitschüler zu wecken bzw. wachzuhalten. Technische Eigenschaften Tipp: Für spontane Ergänzungen, Visualisierungen oder für das Sammeln von Mitschüler-Beiträgen Tafel, Whiteboard, Smartboard oder Flipchart nutzen.

Tipp: Fünf-Sekunden-Faustregel: nach dem Aufrufen erst fünf Sekunden schweigen und dann fortfahren.24

Situative Folienergänzungen, z. B. als Reaktion auf eine Verständnisfrage, sind nur mit Aufwand möglich und stören den Präsentationsablauf (da sich die Präsentierenden mehr auf das Medium als auf den Inhalt und die Adressaten konzentrieren). Die Präsentierenden müssen auf die Lesbarkeit des Folienbildes achten: auf dem Bildschirm erscheinen die Zeichen z. T. größer, schärfer und kontrastreicher. Der Präsentierende sollte nach dem Aufrufen einer Folie nicht sofort lossprechen, da die Mitschüler zunächst auf den visuellen Eindruck fixiert sind und sich erst orientieren müssen. Da relativ unkompliziert Änderungen während der Vorbereitungsphase vorgenommen werden können (z. B. in der Folienreihenfolge), kann die Stringenz der Präsentation u. U. leiden (eben durch ein unkoordiniertes Folienerstellen – wenn bspw. die Ergebnisfolie schon feststeht, obwohl noch Folien mit Zwischenschritten eingeschoben werden, die das Ergebnis verändern). Bei Präsentationen, die automatisch ablaufen, besteht die Gefahr, dass die Laufgeschwindigkeit auch die Präsentiergeschwindigkeit diktiert, die Präsentierenden der Multimediapräsentation also u. U. „hinterherhecheln“ und aus dem Konzept gebracht werden, was sie dann wenig kompetent erscheinen lässt.

Tipp: Kompatibilität und Funktionstüchtigkeit im Vorhinein überprüfen und einen Plan B in der Tasche haben (die Multimediapräsentation auf einem USB-Stick speichern, online sichern oder als PDF-Version mitbringen, um Kompatibilitätsprobleme zu umgehen).

Technikgefahren: Betriebssysteme und Anschlüsse (Heim-PC, Schul-PC) können u. U. nicht kompatibel sein, sodass sich z. B. das Layout verschiebt, oder die Auflösung des Beamers zu gering ist. Beides kann die Präsentierenden in der Präsentationssituation zusätzlich unter Druck setzen und sie allgemein „dumm dastehen“ lassen. Multimediapräsentationen können nur gezeigt bzw. sinnvoll gesehen werden, wenn der Raum abgedunkelt und nicht zu klein ist. Daher sollten die Präsentierenden sich vorab über die Größe des Raumes informieren, kontrollieren, ob die Rollos funktionieren bzw. Vorhänge vorhanden sind und das Licht nur für die Zeit der Multimediapräsentation löschen, da die Dunkelheit sonst konzentrationsstörend sein kann (oder umgangssprachlich: da sie die Adressaten u. U. „einschlafen“ lässt bzw. zu Albernheiten verleitet).

4.3

POSTER / PLAKAT / WANDZEITUNG

Rhetorische Situation Sowohl das Plakat wie auch die Wandzeitung und das Poster enthalten eine Kombination von Bildern und Texten und werden vom Präsentierenden im Vorfeld zu Hause angefertigt. Während Plakat und Poster vor allem eine Eye-Catcher-Funktion haben und der Illustration während des Vortrags dienen, so hat die Wandzeitung – aufgrund der höheren Bild- und Textlastigkeit und im Klassenzimmer aufgehängt – neben der Illustration vor allem den Zweck einer zusätzliche Informationsquelle zum individuellen Nachlesen nach der Präsentation. 24

Vgl. Mittelstädt, Mittelstädt (2010), S. 74.

Die Präsentierenden können mit Körpereinsatz (Strecken des Armes, Antippen des Posters / Plakats / der Wandzeitung, Zeigen mit Laserpointer oder Stift) auf wichtige Punkte oder generell auf die

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Texte / die Bilder verweisen. Das zeigt Engagement, stellt die Präsentierenden und nicht das Medium in den Vordergrund und lenkt die Blicke der Mitschüler aktiv. Eine Arbeitsteilung unter den Präsentierenden findet, wenn überhaupt, im Vorfeld statt. Bei einer Gruppenpräsentation kann es sinnvoll sein, gemeinsam eine Wandzeitung anzufertigen, bei der jeder einen Teil gestalten und die entsprechenden Materialien zusammenstellen kann

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Technische Eigenschaften Poster / Plakat / Wandzeitung sollen ansprechend und übersichtlich gestaltet sein. Sie orientieren sich an den Anforderungen der Adressaten. Große Überschriften und Bilder in guter Qualität sind wichtig für die Gestaltung, vor allem beim Plakat. Die Mitschüler sollen erkennen können, was abgebildet ist, sonst verfehlt das Medium den Zweck der Illustration. Poster und Plakat leben von einer guten, prägnanten Idee. Der daraus entstehende Slogan sollte leicht verständlich, anschaulich und einprägsam sein. Die einzelnen Bestandteile eines Plakats / Posters / einer Wandzeitung sollten auf einem DinA0- oder DinA1-Karton zunächst angeordnet und auf das Layout hin überprüft werden, bevor sie aufgeklebt

Tipp: Poster / Plakat / Wandzeitung aus einiger Entfernung überprüfen, da sonst der Überblick verloren gehen kann.

werden. Ein Plakat zeichnet sich vor allem durch seine Anschaulichkeit aus, es sollte nur wenig Text enthalten und sich auf einen Schwerpunkt beschränken.

Tipp: Plakate für den Einstieg in ein Thema oder um zentrale Themenschwerpunkte zu setzen.

Rhetorische Situation Es besteht das Risiko, dass die Präsentierenden während der Erläuterung des Posters / Plakats / der Wandzeitung ihren Adressaten den Rücken zuwenden und zur Folie sprechen, also zum Medium und

Tipp: Touch-Turn-Talk-Sequenz durchführen.

nicht zu den Adressaten. Der Präsentierende muss darauf achten, sich nicht so zu platzieren, dass er die Sicht der Mitschüler behindert. Dies geschieht bei einem Plakat leichter als bei einer großflächigen Projektion an die Wand. Eine Interaktion der Präsentierenden mit den Adressaten ist kaum möglich, da Plakat / Wandzeitung bereits im Vorfeld erstellt werden. Ist es das Ziel des Präsentierenden, etwas gemeinsam zu erarbeiten, dann bieten sich andere Medien, Flipchart oder Overhead-Projektor, eher an. Es besteht allerdings die Möglichkeit, ein Arbeitsblatt an die Schüler auszuteilen, welches sie mit Hilfe der Informationen auf der Wandzeitung bearbeiten sollen. Technische Eigenschaften Die Präsentierenden sollen nicht sofort lossprechen, sondern ihren Mitschülern die Chance geben, sich zunächst zu orientieren und das Gezeigte visuell zu erschließen. Die Wandzeitung ist aufgrund der Fülle der Texte und Bilder nicht das ideale Medium zur Illustration

Tipp: Auf das Wesentliche beschränken. Das Plakat muss nicht alles enthalten.

eines Vortrags, da es schwierig ist, den Fokus der Adressaten zu lenken und konzentriert zu halten. Die Stärke der Wandzeitung liegt vor allem in ihrer Funktion als bleibende Informationsquelle. Auch wenn die Wandzeitung mehr Bilder und Text als das Plakat enthalten darf, so muss trotzdem darauf geachtet werden, dass sie nicht zu vollgepackt wird. Ein Plakat kann keinen ganzen Vortrag visualisieren; dafür sind die Infotexte zu klein, zu kurz und meist zu schwer erkennbar. Der Einsatz erfolgt eher punktuell oder in Kombination mit anderen Medien.

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MEDIENEINSATZ

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4.4

FLIPCHART

Rhetorische Situation Die Präsentierenden können ihren Text / ihr Schaubild vor den Augen der Adressaten Schritt für Schritt M4 | Medieneinsatz

„live“ entstehen lassen und / oder auch mit den Adressaten interagieren, indem diese Ergänzungen oder Verbesserungen einbringen dürfen. So zeigen sie auch, dass sie ihr Thema und die Situation beherrscht. Die Flipchart stellt ein Arbeitsgruppengefühl her, weil sie v.a. für die Präsentation vor kleineren Gruppen geeignet ist, die zudem im Kreis um die Flipchart sitzen können. Sie ermöglicht es dem Präsentierenden, Äußerungen aus dem Plenum miteinzubeziehen und eignet sich gut für Gruppeninteraktionsphasen. Aufschriebe oder Schaubilder können auch schon vorbereitet sein und bei Bedarf aufgedeckt werden – was eine sorgfältige Vorbereitung zeigt, ohne dass dabei der Aspekt des „Spontanen“ in den Hintergrund treten muss (schließlich ist die Beschriftung auf den „verdeckenden“ Blättern immer noch Hinweis: Vor der Präsentation kontrollieren, ob genügend „volle“ Stifte und Flipchartpapier zur Verfügung stehen.

möglich). Wenn jedoch eine Vielzahl vorbereiteter Aufschriebe verwendet werden soll, dann eignet sich hierfür eine Multimediapräsentation eher. Die Verwendung der Flipchart lebt gerade davon, dass es eine spontane Nutzung ermöglicht (z. B. bei zusätzlichem Erklärungs- und Visualisierungsbedarf.). Die Präsentierenden können mit Körpereinsatz (Strecken des Armes, Antippen des Flipcharts, Zeigen mit Laserpointer oder Stift) auf wichtige Punkte oder generell auf den Text / das Schaubild verweisen. Das zeigt Engagement, stellt die Präsentierenden und nicht das Medium in den Vordergrund und lenkt aktiv

Tipp: Die Flipchart ist das ideale Medium bei einer Präsentation außerhalb des Klassenzimmers (z. B. im Schulgarten oder beim Besuch in einem Forschungsinstitut).

die Blicke der Mitschüler. Technische Eigenschaften Die Flipchart steht nicht fest; es kann also im Raum verschoben werden und bietet für die Präsentierenden die Möglichkeit, dass sie die „Bühne“ ohne womöglich ablenkende Medien ganz für sich nutzen.

Tipp: Nur Stichworte und kurze Notizen übertragen, keine ganzen Sätze schreiben – diese kosten nämlich Zeit und Platz.

Die Präsentierenden können zu etwas, was sie zu einem früheren Zeitpunkt notiert haben, zurückblättern oder es an eine andere verfügbare Fläche hängen (z. B. an eine Pinnwand) und so präsent halten. Die Flipchart sollte übersichtlich gestaltet werden. Die Präsentierenden können ihren Text / ihr Schaubild vor Beginn der Präsentation auf die Flipchart übertragen und erst zum geeigneten Zeitpunkt aufdecken (ist mittels Tafel höchstens ein Mal möglich).

Tipp: Für den Transport empfehlen sich Röhren oder Rollen, wie sie bspw. auch Architekten benutzen.

Einzelne Flipchartblätter können problemlos zu Hause vorbereitet und mitgebracht sowie wieder an das Gestell geheftet werden. Hat das Flipchart einen metallenen Rücken, so können auch Magnete zum Einsatz kommen und Zusätzliches fixieren. Wichtige Stichworte oder Schaubildbestandteile können auch auf farbigem Papier vorbereitet mitgebracht und mittels Kleber oder Büroklammer, bspw. auf Zuruf der Adressaten, befestigt werden. Ein Pfeil kann ebenfalls vorbereitet und zusätzlich angebracht ein wichtiges Stichwort markieren. Das Flipchart kann unabhängig von Strom und technischen Pannen genutzt werden.

Rhetorische Situation Tipp: Touch-Turn-Talk-Sequenz durchführen.

Es besteht das Risiko, dass die Präsentierenden während der Bearbeitung ihren Adressaten den Rücken zuwenden und zum Flipchart sprechen, also zum Medium und nicht zu den Adressaten. Bei einem schlechten „Teammanagement“ besteht die Gefahr, dass die Adressaten nicht wissen, auf wen sie wann achten sollen. Am besten das Team definiert klar die jeweilige Präsentationshoheit, während der Präsentation steht und erklärt nur das zuständige Teammitglied, die übrigen Mitglieder setzen sich und nehmen sich so aus dem Blickfeld der Adressaten.

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Technische Eigenschaften Während in 2D unproblematisch dargestellt werden kann, sind 3D-Darstellungen aufwendiger als z. B. in einer Multimediapräsentation und können bei einer „live“-Übertragung Zeit kosten. Bei Präsentierenden, die im Visualisieren ungeübt sind, können wirre Zeichnungen auch Verwirrung beim Zuhörer bedeuten. Die Präsentierenden müssen auf die Lesbarkeit des Übertragenen achten: Sowohl hinsichtlich der Schriftgröße als auch ihrer persönlichen Handschrift. M4 | Medieneinsatz

Bei einem Blanko-Papierblock kann es sein, dass (v.a. beim spontanen Beschriften) das Schriftbild schief wird. Aufgrund der Blattgröße kann es zu Schwierigkeiten bei der Archivierung kommen, gefaltete Blätter können z. B. bei einer Wiederverwendung negativ ins Auge fallen. Es empfiehlt sich nicht nur der Transport, sondern auch die Archivierung in Röhren und Rollen. Eine andere Möglichkeit wäre es die Aufschriebe / Schaubilder abzufotografieren, sie auszudrucken und zu verteilen.

4.5

TAFEL / WHITEBOARD / SMARTBOARD

Rhetorische Situation Die Präsentierenden können ihren Text / ihr Schaubild vor den Augen der Adressaten Schritt für Schritt „live“ entstehen lassen. Auch eine Interaktion der Präsentierenden mit den Adressaten ist möglich: Diese können den Text / das Schaubild z. B. ergänzen oder mit den Präsentierenden zu Ende gestalten. So entsteht eine gemeinsame Lernerfahrung. Die Präsentierenden zeigen, indem sie ihr Tafelbild live entwickeln, dass sie ihr Thema und die Situation beherrschen. Bei Tafeln, die Klappelemente beinhalten, können Aufschriebe oder Schaubilder auch schon vorbereitet und bei Bedarf „aufgeklappt“ werden – was eine sorgfältige Vorbereitung zeigt, ohne dass dabei der Aspekt des „Spontanen“ bzw. die eigene Expertise in den Hintergrund treten muss (schließlich ist die Beschriftung auf den „verdeckenden“ Flächen immer noch möglich). Die Präsentierenden können mit vollem Körpereinsatz (Strecken des Armes, Antippen der Tafel, Zeigen mit Laserpointer oder Stift) auf wichtige Punkte oder generell auf den Text / das Schaubild verweisen. Das zeigt Engagement, stellt die Präsentierenden und nicht das Medium in den Vordergrund und lenkt die Blicke der Mitschüler aktiv. Es besteht die Möglichkeit der Arbeitsteilung unter den Präsentierenden. Einer erklärt, was der andere überträgt. Der Text / das Schaubild bleibt präsent; das ermöglicht den Mitschülern das Abschreiben in ihrem eigenen Tempo. Die Präsentierenden können auch darauf hinweisen, dass das Abschreiben z. B. auch noch in der Pause möglich ist. Sie können so die Aufmerksamkeit während der Präsentation ganz auf sich lenken und ihren Mitschülern die Angst nehmen, dass sie nicht genügend Zeit für das Abschreiben haben. Die Arbeit am Whiteboard / Smartboard kann von einer vorbereiteten Multimedia-Folie unterstützt werden: Folienbilder, die auf die Fläche von Whiteboard oder Smartboard projiziert werden, können bspw. gemeinsam mit den Adressaten ergänzt werden. Technische Eigenschaften Tafel / Whiteboard sind i. d. R. in jedem Klassenzimmer vorhanden und können somit auch ‚spontan‘ genutzt werden. Das gilt bei zusätzlichem Erklärungs-, Visualisierungsbedarf in Ergänzung zu einem Expe-

Tipp: Nur Stichworte und kurze Notizen übertragen, keine ganzen Sätze schreiben – diese kosten nämlich Zeit und Platz.

riment oder einer Multimedia-Präsentation.

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Smartboards bieten die Möglichkeit, das Aufgeschriebene auf einen PC zu übertragen und digital zu speiTipp: Vor der Präsentation kontrollieren, ob genügend Kreide und „volle“ Stifte zur Verfügung stehen.

chern oder auszudrucken. Es kann den Mitschülern angekündigt werden, dass sie von einem Schaubild im Nachhinein noch einen Ausdruck bekommen, wenn die Zeit für das Abschreiben gespart werden soll. Soll digital nichts gespeichert werden, so können Tafel und Whiteboard unabhängig von Strom und

M4 | Medieneinsatz

technischen Pannen genutzt werden.

Rhetorische Situation Bei einem schlechten „Teammanagement“ besteht die Gefahr, dass die Adressaten nicht wissen, auf wen sie wann achten sollen. Das Team sollte klar die jeweilige Präsentationshoheit definieren; während der Präsentation steht und erklärt nur das zuständige Teammitglied, die übrigen Mitglieder setzen sich und nehmen sich so aus dem Blickfeld der Adressaten. Tipp: Touch-Turn-Talk-Sequenz durchführen.

Es besteht das Risiko, dass die Präsentierenden während der Bearbeitung ihren Adressaten den Rücken zuwenden und zur Tafel / zum Whiteboard sprechen, also zum Medium und nicht zu den Adressaten. Technische Eigenschaften

Tipp: In Druckbuchstaben schreiben; Groß- und Kleinbuchstaben verwenden; dicke Stifte benutzen; Kreide halbieren.25

Die Präsentierenden müssen auf die Lesbarkeit des Übertragenen achten: Sowohl hinsichtlich der Schriftgröße als auch ihrer persönlichen Handschrift. Da auf Tafel, Whiteboard und Smartboard in der Regel keine Hilfslinien eingezeichnet sind, kann es sein, dass (v.a. beim spontanen Beschriften) das Schriftbild schief wird. Möglicherweise entstehen beim Übertragen auf die Tafel durch die Kreide Quietschgeräusche. Während in 2D unproblematisch dargestellt werden kann, sind 3D-Darstellungen aufwendiger als z. B. in einer Multimediapräsentation und können bei einer „live“-Übertragung Zeit kosten. Die Präsentierenden müssen während der Präsentation darauf achten, dass sie nicht versehentlich etwas verwischen (mit dem Ärmel o. ä.) – Nachbesserungen in dem bestehenden Aufschrieb oder Schaubild sind zwar möglich, aber aufwendig; zudem stören sie den Präsentationsablauf.

4.6

Tipp: Die Versuchsanordnung während des Aufbaus erklären, z. B. „Diesen Kolben brauche ich später für ...“; so entsteht während der Aufbauphase bei den Mitschülern keine Langeweile, vielmehr wird ihr Mitdenken angeregt und der Nachvollziehbarkeit Rechnung getragen.

EXPERIMENT (LIVE)

Rhetorische Situation Indem sie ein Experiment eigenverantwortlich durchführen, beweisen die Präsentierenden ihren Expertenstatus, Sicherheit im Umgang mit Gerätschaften und Stoffen sowie – bei selbst entworfenen Anordnungen – Kreativität. Die Präsentierenden können mit vollem Körpereinsatz agieren (z. B. sind auch die Hände beschäftigt); das zeigt Engagement und aktiviert die Aufmerksamkeit der Mitschüler. Die Anschaulichkeit und Prozesshaftigkeit des Experimentes konzentriert die Aufmerksamkeit und das Interesse der Mitschüler. Dadurch, dass etwas „live“ geschieht, wird Langeweile i. d. R. verhindert; womöglich kann

Tipp: Diese Erlebnisarten am Schluss der Präsentation noch einmal benennen, als „take home message“ oder Merksatz.

auch die Motivation der Mitschüler, selbst ebenfalls „so ein“ Experiment durchzuführen, gesteigert werden. Einige Experimente erlauben den Mitschülern nicht nur eine visuelle Teilhabe, sondern auch eine geruchliche oder geschmackliche. Durch die Sinnesvielfalt können sie sich u. U. länger an das Experiment bzw. die Erklärungen erinnern. Eine Interaktion der Präsentierenden mit den Mitschülern ist denkbar: diese können z. B. an ihrem

25

Aus: Wagner (2006).

Platz mitexperimentieren oder beim Versuchsaufbau assistieren.

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Es besteht die Möglichkeit der Arbeitsteilung unter den Präsentierenden. Einer erklärt bzw. assistiert, während der andere das Experiment vorbereitet und durchführt (wobei diese Aufteilung nicht fix sein muss: das Team kann sich mit den Aufgaben auch abwechseln).

Die Präsentierenden vertiefen sich so in den Versuchsaufbau, dass sie darüber ihre Mitschüler vergessen. Das zeichnet das Bild eines „zerstreuten Professors“ und gibt den Mitschülern Gelegenheit, sich selbst zu beschäftigen und sich u. U. abzulenken. Die Präsentierenden „verschwinden“ hinter den Effekten des Experiments (Rauch oder Knall) bzw. verlieren in der allgemeinen Reaktion auf die Effekte die Oberhand und können, weil die Adressaten abge-

M4 | Medieneinsatz

Rhetorische Situation

lenkt sind, den Bezug zu ihrem Präsentationsthema nicht mehr herstellen. Technische Eigenschaften Es besteht immer die Möglichkeit, dass das Experiment nicht gelingt (z. B. auch aufgrund externer Faktoren wie bspw. einer zu hohen Luftfeuchtigkeit). Die Präsentierenden sollten nicht entmutigt an die Lehrperson übergeben, sondern sich situationskompetent erweisen und sich gemeinsam mit den Mitschülern auf Fehlersuche begeben. Auf- und Abbau können eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen und die Aufmerksamkeit der Präsentierenden von den Mitschülern ablenken. Das Hantieren mit bestimmten Gerätschaften und Stoffen (bspw. in der Chemie) erfordert – entgegen der Praxis vieler Clips im Internet, wie z. B. auf Youtube – eine Aufsichtsperson und geeignete Sicherheitsmaßnahmen (wie Schutzkleidung, feuerfeste Raumausstattung o. ä.). Verantwortung zeigen: das Experiment mit dem Lehrer besprechen und sich sein Einverständnis einholen; dabei auch klären, ob alle Materialien in ausreichender Menge vorhanden sind und ob sogar eine Probe möglich ist.

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PERFORMANZ

LV

MODU

M5 | Performanz

M5

JUGEND PRÄSENTIERT

ingen) ität Tüb rs e iv n U hetorik, ingen) meine R e g ll ität Tüb A rs r e : fü iv N r n E ingen) a U R , in O ität Tüb AUT hetorik rs g (Sem e R n li iv e h n in c U s e m rik, en) Gott für Allge e Rheto Tübing Markus eminar gemein iversität ll (S n A r r U e , fü m k r ri a to Olaf Kra t (Semin ine Rhe ipphard Allgeme L r n fü e r a rm Ca (Semin iegeler Nikola W

DATE

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M5 PERFORMANZ

TIME

EIT MITARB UNTER n Gora Stepha er Bissing Markus Bovet Gislinde

VON:

TAKE

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INHALT

M5 | Performanz

1

Theorie.............................................................................................347 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5

2

Didaktik: Performanz – und … Action! ............................................355 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.9 2.10

3

Übung 1: Performanz-Panorama ....................................................................................... 381 Übung 2: Der „gefrorene“ Schüler .................................................................................... 382 Übung 3: Wie geht’s mir? .................................................................................................. 383 Übung 4: Schau mir in die Augen ..................................................................................... 386 Übung 5: Körpersprache-Achterbahn ............................................................................... 389 Übung 6: Stille Post ........................................................................................................... 390 Übung 7: Verbesserung durch Videoanalyse! .................................................................. 391 Übung 8: Multimedia-Karaoke! .......................................................................................... 395 Übung 9: In drei Schritten Feedback geben ..................................................................... 400 Übung 10: Performanz-Eindrücke: „Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist …!“ .... 401 Übung 11: Feedforward – positiv und negativ .................................................................. 407 Übung 12: Feedback in Zweiergruppen ............................................................................411 Übung 13: Was stresst mich? Was motiviert mich? ..........................................................414 Übung 14: Meine Stärken ...................................................................................................418

Supplement: Lampenfieber bewältigen ..........................................420 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 4.6 4.7

5

Der nonverbale Horizont (Körpersprache) ........................................................................ 356 Kopiervorlage 1: Beobachtungsvorschläge Körpersprache ............................................ 363 Kopiervorlage 2: Merkblatt für meine Performanz ........................................................... 364 Kopiervorlage 3: Performanz-Vertrag – Kopie für Zuhörer ................................................ 365 Kopiervorlage 4: Fünf Regeln für’s aktive Zuhören .......................................................... 366 Der verbale Horizont (Vortrag) .......................................................................................... 367 Kopiervorlage 5: Merkquintett für Vortragskarten ............................................................371 Feedback ............................................................................................................................ 372 Kopiervorlage 6: Feedbackmemos für Geber und Nehmer ............................................. 377 Kopiervorlage 7: Feedbackbogen ..................................................................................... 378

Übungen ..........................................................................................379 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 3.8 3.9 3.10 3.11 3.12 3.13 3.14

4

Performanz: Die „Aufführung“ der Präsentation .......................................................... 347 Persönlichkeit und Performanz ...................................................................................... 349 Präsentation im Gleichgewicht ...................................................................................... 350 Performanz und Ausdruck ............................................................................................. 352 Ausdrucksmittel Stimme ................................................................................................ 354

Eine pädagogische Definition ........................................................................................... 421 Über Lampenfieber in der Vorbereitungsgruppe sprechen ............................................. 421 Lampenfieber publik machen statt verheimlichen? ......................................................... 421 Sorgfältige Vorbereitung als Strategie zur Lampenfieber-Bewältigung .......................... 423 Lampenfieber-Bewältigung durch Suggestivsätze ........................................................... 423 Kopiervorlage: Suggestivsätze .......................................................................................... 425 Arbeitsblatt: Lampenfieber bewältigen ............................................................................. 426

Supplement: Bewertung der Präsentationen ..................................427 5.1 Kriterien der Bewertung .................................................................................................... 429 5.2 Die Bewertung der einzelnen Kriterien ............................................................................. 433

6

Supplement: Feedback ..................................................................436

M5 PERFORMANZ

6.1 6.2 6.3 6.4 6.5

7

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Bedeutung und Herkunft des Feedbacks ......................................................................... 436 Das Feedback nach der Durchführung von Präsentationen ........................................... 437 Feedbackregeln ................................................................................................................. 437 Zur Vertiefung: Theoretische Einbindung des Feedbacks .............................................. 439 Feedbackkultur ...................................................................................................................441

Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur .........................443

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PERFORMANZ

3.1

M5 381

ÜBUNG 1: PERFORMANZ-PANORAMA

ZIEL DER ÜBUNG

Hinweis: Die Übung eignet sich für eine ganze Klasse.

In dieser Übung werden im Dialog mit den Schülern alle Bereiche zusammengetragen, die der Performanz zuzurechnen sind. Damit wird ein erstes Bewusstsein geschaffen, welche Aspekte unter dem Begriff

Gesamtzeit: ca. 15 Minuten Teilnehmerkreis: 25–30 Schüler

RHETORISCHE BEDEUTUNG / PRAXISRELEVANZ Neben dem Inhalt, der in einer Präsentation vermittelt werden soll, sind es die verschiedenen Bereiche der

Altersstufe: 7.–11. Klasse

M5 | Performanz

‚Performanz‘ subsumiert werden und worauf bei Analyse und Feedback der Fokus gerichtet werden kann.

Performanz, die beim Zuhörer den Gesamteindruck von Thema und Präsentierendem prägen und damit auch zum Eindruck fachlicher Kompetenz oder persönlichen Angesprochenseins einen wichtigen Beitrag leisten. Deshalb ist es sinnvoll, alle Faktoren auf einen Blick darzustellen – Fremd- und Selbsteinschätzung lassen sich dadurch in den weiteren Übungen leicht festhalten, weil bewusst wird, worauf bei der Analyse geachtet werden soll bzw. kann. Die Schüler können sehen, dass es einen Horizont von Möglichkeiten persönlicher Wirkung gibt. Diese Übung kann kombiniert werden mit real gehaltenen Präsentationen im Unterricht oder z. B. auch mit Übung 8 „Multimedia-Karaoke“ dieses Moduls.

ÜBUNGSBESCHREIBUNG Ausgangspunkt ist immer die Frage, welche nonverbalen und paraverbalen Phänomene bei einer Präsentation beobachtet werden können: Sie führen mit Ihren Schülern einen Dialog zu der Frage, was sie – neben dem Inhalt – während einer Präsentation sehen und hören können. Damit lenken Sie den Blick auf die verschiedenen Bereiche der Performanz.

Abbildung 5.1: Vorschlag zur Visualisierung eines Performanz-Panoramas

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PERFORMANZ

382 M5

Die Meldungen der Schüler werden visualisiert bzw. auf Moderationskarten an der Pinnwand festgehalten. Sie können dazu auch bereits vorbereitete Moderationskarten mitbringen.

MATERIALIEN, METHODIK & ABLAUF Material Pinnwand M5 | Performanz

Moderationskoffer (Moderationskarten, Stifte)

VERWEIS AUF THEORETISCHE GRUNDLAGE: Zum Gebiet der Performanz rechnet die Rhetorik ein breites Spektrum an Wirkungsfaktoren. Diese Faktoren betreffen jedoch nicht den sprachlichen, sondern den nonverbalen Bereich, also die Aufführung der Präsentation. Sie in einem weiten Bogen gesammelt auf einen Blick sichtbar und überschaubar werden zu lassen, bietet sich zur Verdeutlichung besonders an.

3.2 Hinweis: Die Übung ist geeignet für eine ganze Klasse.

ÜBUNG 2: DER „GEFRORENE“ SCHÜLER

ZIEL DER ÜBUNG Diese Übung dient dazu, über die Wahrnehmung und Analyse körpersprachlicher Aspekte nachzu-

Gesamtzeit: ca. 5–10 Minuten

denken. Ein Abgleich zwischen Fremd- und Selbsteinschätzung wird damit möglich. Die Schüler erfahren, dass ihr Auftreten und ihre Haltung bei anderen unweigerlich zu einem Eindruck führen und damit auch

Teilnehmerkreis: 25–30 Schüler

die Gefahr gegeben ist, dass Wirkungen entstehen, die sie nicht beabsichtigt haben oder eigentlich vermeiden wollten. Den Schülern wird die Wirkung von Körpersprache bewusst.

Altersstufe: 7.–11. Klasse

RHETORISCHE BEDEUTUNG / PRAXISRELEVANZ Körpersprachliches Verhalten kommt zumeist unbewusst zustande. Aus rhetorischer Perspektive geht es deshalb um zwei Aspekte: Die Schüler sollen über die Wirkung von Körpersprache nachdenken und dabei erkennen, dass sie für die Erzeugung bestimmter Wirkungen bewusst mit Körpersprache (und Stimme) arbeiten müssen. Außerdem ist es wichtig, die Beobachtungs- und Analysekompetenz der Schüler zu trainieren und diese zu verbessern. Die Schüler, die in dieser Übung in die Beobachterrolle schlüpfen, trainieren ihre Wahrnehmung.

ÜBUNGSBESCHREIBUNG Sie führen in dieser Übung einen Dialog mit Ihren Schülern. Im ersten Schritt bitten Sie einen Schüler der Klasse, seine Körperhaltung „einzufrieren“ – er soll für die nächsten Minuten einfach seine Haltung, Mimik und Armstellung beibehalten. Dann fordern Sie die Schüler auf, eine Einschätzung abzugeben, wie sich der „gefrorene“ Schüler heute fühlt. Schließlich fragen Sie auch, wie die Haltung auf die Mitschüler als Beobachter wirkt. Es ist

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Jugend präsentiert Textproben Multiplikatorenhandbuch  
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