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Kulturelle Bildung. Neue Wege findet man, indem man sie geht Kurzbericht zum ersten Praxisforum Kulturelle Bildung am 25. April 2008 im Haus der Jugend, Freiburg


Kulturelle Bildung. Neue Wege findet man, indem man sie geht Kurzbericht zum ersten Praxisforum Kulturelle Bildung am 25. April 2008 im Haus der Jugend, Freiburg

Der Frage: Kulturelle Bildung – aber wie? gingen am 25.04.08 im Haus der Jugend über 240 Besucherinnen und Besucher nach, die der Einladung zum ersten Freiburger Praxisforum Kulturelle Bildung gefolgt waren. Praxisforum – das war durchaus wörtlich gemeint: Das Programm des Nachmittags enthielt neben zwei hochkarätigen Fachvorträgen zur Praxis von Kultureller Bildung eine Reihe an Kurzdarbietungen aus künstlerischen Projekten Freiburger Kinder und Jugendlicher, einen Markt der Möglichkeiten, auf dem Ansätze und Projekte von kultureller Bildungsarbeit in Freiburg vorgestellt wurden, sowie Erfahrungsberichte und Kurzstatements von Akteurinnen und Akteuren aus den verschiedenen Aktionsbereichen von Kultur, Jugend und Schule. Die Moderation des ausgefüllten Nachmittags hatte Christoph Cassel, Geschäftsführer des Jugendbildungswerkes, übernommen.

Leitziele und die Ziele der Bildungsregion Freiburg, die jeweils vom Gemeinderat der Stadt beschlossen worden sind.

Das erste Praxisforum war auch die Auftaktveranstaltung zu einem stadtweiten Netzwerk Kulturelle Bildung. Es soll aufgebaut werden, um den immer bedeutsamer und umfangreicher werdenden kulturellen Bildungsaufgaben in Freiburg zusätzliche Impulse zu verleihen. Vor allem die Zusammenarbeit zwischen Kultureinrichtungen, Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen soll systematisch ausgebaut werden. Innerhalb der Stadtverwaltung wird das stadtweite Forum dezernatsübergreifend durch das Kulturamt und das Regionale Bildungsbüro im Amt für Schulen und Weiterbildung initiiert und koordiniert. Grundlage der Stadt Freiburg sind die Kulturpolitischen

Unterstützung durch die Politik

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Repräsentation und Inspiration Die Auftaktveranstaltung in ihrer Mischung aus praxisbezogenen, methodischen und grundsätzlichen Beiträgen stieß auf positive Resonanz bei den Besucherinnen und Besuchern, die sich durch das Praxisforum gut repräsentiert und inspiriert fühlten. Einzelne Bausteine des Tagesprogramms verwiesen dabei bereits auf wichtige Aspekte, die im Netzwerk Kulturelle Bildung berücksichtigt werden sollten, um Akteurinnen und Akteure erfolgreich in ihrer Arbeit zu unterstützen.

In den Grußworten von Bürgermeister von Kirchbach, Dezernent für Kultur, Jugend, Soziales und Integration sowie von Bürgermeisterin Stuchlik, Dezernentin für Umwelt, Schule und Bildung und Gebäudemanagement wurden die politischen Rahmenbedingungen für ein solches Netzwerk benannt: Mit den jeweils vom Gemeinderat beschlossenen Zielen für ein Kulturkonzept in Freiburg und eine Bildungsregion sehen die Dezernenten das geplante Netzwerk Kulturelle Bildung als notwendige Konsequenz für die konkrete Umsetzung dieser Ziele.


Klare Formulierung von Erwartungen und Bedürfnissen In einer Reihe von Kurzstatements von Akteurinnen und Akteuren aus den verschiedenen Bereichen wurde die ganze Bandbreite von Wirkungsweisen und Rahmenbedingungen aufgefächert, mit denen Beteiligte von Projekten der Kulturellen Bildung bei der Realisierung konfrontiert sind. Angesprochen wurde u.a. die finanzielle Umsetzbarkeit von Projektideen und die hierfür nötige Unterstützung durch öffentliche Mittel. Auch die Bedeutung des Netzwerkes wurde herausgestellt, das von gemeinsamer Verantwortung für eine Kultur des Aufwachsens geprägt sein soll. Wichtigstes Ziel: neue Erfahrungsräume ermöglichen Durch die Kooperationen mit Künstlerinnen und Künstlern bzw. mit Kultureinrichtungen, so war aus den Statements weiter zu erfahren, wird Kindern und Jugendlichen ermöglicht, neue Erfahrungswelten zu erleben, die einen anderen Bezug in ihren Alltag bringen und zudem keiner Benotung unterliegen. Wichtig sind diese anderen Erfahrungsräume vor allem auch für Kinder und Jugendliche, die sich sprachlich nicht besonders gut ausdrücken können; für sie kann die Arbeit mit künstlerischen Ausdrucksformen eine wertvolle Ergänzung ihrer Ausdrucksmöglichkeiten sein. Auch das Präsentieren von Ergebnissen ermöglicht neue Erfahrungsräume, in diesem Fall für die Besucherinnen und Besucher des Praxisforums. Fünf Projekte wurden im Laufe des Nachmittags in Kurzauftritten vorgestellt: Bläserklasse Keplergymnasium / Musikschule Freiburg; Diabolonummer Droste-Gymnasium / Jugendbildungs-

werk; Escrima-Rhythmus Lessingschule / Musikschule Freiburg; Monolog Albert-Schweizer Hauptschule / Theater im Marienbad. Sie waren eindrucksvolle eigenständige Programmpunkte und kulturelles Schaffen wurde hier direkt erfahrbar. Dementsprechend begeistert wurden sie vom Publlikum aufgenommen. Kooperationen schaffen Mehrwert Erfolgreich verlaufende Kooperationen schaffen Mehrwert. Auch darüber wurde gesprochen. Schulen, Kindergärten und Einrichtungen der außerschulischen Bildung können ergänzend Bildungsangebote in die Arbeit ihrer Einrichtungen mit Gewinn einbeziehen. Durch die Kooperation mit Profis von außen kommen in die einzelnen Bereiche neue Qualitäten hinein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kultureinrichtungen sind Profis in ihrer jeweiligen künstlerischen Sparte. Sind diese Profis zusätzlich pädagogisch geschult und werden sie durch die verantwortlichen/zuständigen Erwachsenen in den jeweiligen Bildungseinrichtungen bei der Projektarbeit tatkräftig unterstützt, dann kann dieses Angebot einer künstlerischen Betätigung einen erheblichen Schub in der Persönlichkeitsentwicklung der an den jeweiligen Projekten beteiligten Kinder und Jugendlichen auslösen. Gleichzeitig ist die Erfahrung mit professioneller künstlerischer Produktion Anreiz, das eigene kreative Tun zu intensivieren. Hier wird auch die wichtige Funktion eines Netzwerks Kulturelle Bildung deutlich: es erleichtert den Zugriff auf geeignete Projektmöglichkeiten und erfahrene Projektpartner, es hilft die gemachten Erfahrungen zu reflektieren und evaluieren, es bietet einen Rahmen für in-

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novative Projektideen und stellt auch ganz praktisches Know-how zur Verfügung. Darüber hinaus ermöglicht es, mit den meistens nur knapp vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen verantwortungsvoller umzugehen. Drei Wünsche Erwartungen und Wünsche von Seiten der Akteurinnen und Akteure gab es ebenfalls: Sie reichten von konkreten Projekt-Nachfragen im Bereich Musik und Jazz über die Forderung, die Projekte in Schulen und in der Bildungsarbeit nicht als Lückenfüller an unattraktive Tageszeiten zu legen, bzw. auf eine Nachmittags-betreuung zu reduzieren, sondern sie auch bewusst in den Schulalltag am Vormittag zu integrieren; bis hin zu dem Wunsch, die Kooperationen zwischen den Projektpartnern „auf Augenhöhe“ zu gestalten und auf die Lebenswelten sowie auf die Wünsche der Kinder und Jugendlichen einzugehen.

hierfür genutzt werden. Einige Bausteine für die Etablierung dieses Netzwerkes wurden bereits zusammengetragen bzw. sind in Vorbereitung: Verwaltungsintern werden bereits regelmäßig dezernatsübergreifenden Koordinationstreffen durchgeführt. Für die Kommunikation in einem Netzwerk sind bereits im ganzen Stadtgebiet Ansprechpersonen der einzelnen Einrichtungen benannt worden, die zu den Netzwerktreffen eingeladen werden. Ein nächster Schwerpunkt der Netzwerkarbeit ist die Erstellung einer handhabbaren Internetplattform, über die noch vor der Sommerpause informiert werden soll. Trotz angespannter personeller Lage versucht das Kulturamt, sein Serviceangebot in Beratung, Förderung und Qualifizierung der kulturellen Bildungsarbeit weiter zu entwickeln. Für das regionale Bildungsbüro ist die Netzwerkarbeit zur kulturellen Bildung eine Erweiterung seiner Qualifikationsoffensive für die regionale Schullandschaft. Der Blick von außen

Zielsetzungen des geplanten Netzwerkes Die Zielsetzungen für das geplante Netzwerk Kulturelle Bildung stellten Herr Könneke, Leiter des Kulturamtes und Herr Wiedenbauer, Leiter des Regionalen Bildungsbüros im Amt für Schule und Weiterbildung vor. Als Kommunikationsplattform gedacht, soll das Netzwerk mithelfen, die Rahmenbedingungen für das Aufgabenfeld zu verbessern. Im Dreieck Bildung – Jugend/Soziales – Kultur soll die Herausforderung als integrale Aufgabe aller Beteiligten verstanden und alle vorhandenen und auch unterschiedlichen Strukturen (Schule, Kindergarten, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Kulturbetrieb)

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Zwei Referate von ausgewiesenen Fachleuten boten der Veranstaltung, die auch eine Situationsbestimmung der praktizierten kulturellen Bildung in Freiburg war, einen Blick von außen. Prof. Max Fuchs, Präsident des Deutschen Kulturrates und Direktor der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung, bezeichnete die konzeptionellen Voraussetzungen in Freiburg als „auf der Höhe der Zeit“. Die Entwicklung des Aufgabenfeldes Kulturelle Bildung im Allgemeinen bezeichnete er generell als äußerst dynamisch und skizzierte in seinem Vortrag die politischen Rahmenbedingungen aus den Bereichen Schule, Jugendpolitik und Kulturpolitik, die allesamt das heutige Aufgabenfeld der kulturellen Bil-


dung gestalten. Dieses hat seiner Einschätzung nach insgesamt von der PISA-Diskussion profitiert, da Kulturelle Bildung, neben der Gefahr der Marginalisierung der Künste, von fast allen öffentlichen Stellen und in der öffentlichen Debatte so prominent wie nie zuvor behandelt wird. Aus den von ihm aufgezeigten Entwicklungen zieht er das Resumée, dass bundesweit bereits einige Schritte hin zu einer strukturellen Verankerung der Kulturellen Bildung vollzogen sind und - was vielleicht auch für das lokal verortete Netzwerk Kulturelle Bildung Freiburg motivierend erscheinen mag -, dass die Kulturelle Bildung in ihrer dynamischen Entwicklung weiterhin zentrales Zukunftsthema bleiben wird (Max Fuchs: “Kultur macht Schule – aber wie?”). Reinhard Kahl, Journalist, Autor, Regisseur und Produzent von Fernseh- und Videodokumentationen, zeigte anhand mehrerer Filmausschnitte von Langzeit-Dokumentationen anschaulich Beispiele, wie Schule als Lebensort verstanden werden kann, wie sie zu einer Lernwerkstatt werden kann, die den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder und Jugendlichen viel ganzheitlicher und erfahrungsbezogener entsprechen kann. Markt der Möglichkeiten Über 40 Projektträger hatten sich mit Informationsständen angemeldet. Sie füllten mit durchweg ansprechend gestalteten Infoständen auf drei Etagen Räume und Treppenhaus des Hauses der Jugend, das sich in der längeren Pause zwischen den Vorträgen in einen wahren Bienenstock verwandelte. Projektvideos von Schulprojekten, Dokumentationen von Theaterprojekten sowie auf Zielgruppen abgestimmte Programmangebote von

Kultureinrichtungen gaben den Anlass für zahlreiche persönliche Gespräche. Das Interesse des Publikums an diesen Angeboten war enorm: der zeitliche Rahmen reichte bei weitem nicht aus für diese wichtige direkte Kontaktaufnahme. Fazit Das erste Freiburger Praxisforum Kulturelle Bildung hat an diesem Nachmittag eine Menge erreicht. Der prall gefüllte Nachmittag ermöglichte Austauschmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen: durch die gelungenen Präsentationen der Kinder und Jugendlichen sowie durch die zahlreichen Anregungen der Projektträger an ihren Infoständen. Er vermittelte gleichzeitig handhabbare Zielsetzungen für ein stadtweites Netzwerk und ließ deutlich erkennen, dass das grundlegende Potenzial an Engagement, Realismus und Konstruktivität bei den Akteurinnen und Akteuren in Freiburg für vernetzte Strukturen sehr groß ist. Max Fuchs und Reinhard Kahl haben die vorliegende Aufgabe, ein Netzwerk hier in Freiburg zu entwickeln, mit ihren pädagogischen und kulturpolitischen Visionen der Kulturellen Bildung und mit Praxisbeispielen angereichert. Ein nächstes Netzwerktreffen zu einer gemeinsamen Internetplattform ist auf den 02. Juli diesen Jahres angekündigt. 26.05.08 Clementine Herzog Download einer reinen Textversion dieses Kurzberichts

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Kurzbericht Praxisforum Kulturelle Bildung  

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