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sie lachen, dann wendet sie den Blick ab, das schickt sich nicht. Das Schneetreiben hat für einen Moment gestoppt, und hinter den verzierten Fassaden taucht ein nebeliger Sonnenstrahl die Straße in fast pastellfarbenes Licht. Auch wenn sie es nie zugeben würde: Paris hat seinen Charme, seinen unverfremdeten für manche unverständlichen Charme. Wie der eines jungen Mädchens mit Perlenkette, wie der lauten Hupens im morgendlichen Verkehrschaos, wie der wundervoller Bleistiftportraits der Maler des Place du Tertre. Unverständlich und dennoch schön. Entrückt, auf eine Art pittoresque. Sie muss erneut schmunzeln, als sie merkt, wie ihre Gedanken ins Stocken geraten. Der Mann im Trenchcoat hat das Lokal ebenso schnell verlassen wie er es betreten hat, das ist das Schicksals eines Cafés: Betreten und verlassen werden, wie es den Leuten grade passt. Niemand verweilt für länger, die Besucher bestellen ihren Cappuccino, Espresso, Latte Macciato, Kaffee au lait, wechseln ein paar Worte, lachen ein paar Mal mehr oder weniger gekünstelt, lesen Zeitung, machen sich Szenen, zahlen und gehen. Zahlen und gehen. Und zahlen und gehen. Sie seufzt. In dem Moment bezweifelt sie ernsthaft, dass schon jemals jemand vor ihr alleine so viel Zeit auf einem einzigen Platz, in einem einzigen Café verbracht hat. Es ist der Zettel in ihrer schmalen Hand, der sie zurückhält unverzüglich aufzustehen und das Café zu verlassen. Sie winkt der Bedienung, lässt sich einen weiteren Kaffee bringen. Se mira Maria on the corner/ Thinking of ways to make it better ... somebody just said see you later. Sie reißt das Päckchen Zucker auf und sieht zu, wie die glänzenden Körner langsam durch das Kakaohäubchen hindurchsickern. Sie trinkt Schluck um Schluck, bedächtig. Manchmal hält sie den Kaffee so lange im Mund, bis ihr ganz heiß wird und sie schlucken muss. Sie faltet den Zettel auf. Ich sehe dich dort, 16 Uhr, Café Estrel, je t‘aime steht da, mit der akkuraten, feinen Handschrift eines Mannes, der viel geschrieben haben muss. Sie seufzt erneut und schielt auf ihre Armbanduhr. 17.30 Uhr. Es fängt an zu dämmern. So viel Verspätung kann man gar nicht haben, nicht mal im Feierabendverkehr und nicht mal in Paris. Versetzt! Merde! Und so etwas passiert ausgerechnet ihr? Frustriert, als wäre es ihr persönliches Versagen, zückt sie ihr Portemonnaie. Eine Welle des Ärgers und Enttäuschung kriecht in ihr hoch. Sie schluckt ihn hinunter, wo er bei einem der drei Kaffee bleiben soll. Dabei hatte der Tag so gut angefangen, und jetzt soll er so enden? Die Stickigkeit des Cafés, das Plätschern der Hintergrundmusik, das Klappern des Geschirrs beginnen ihr auf die Nerven zu gehen. Sie braucht frische Luft. Dringend. Sie winkt nochmals nach dem Mädchen, es dauert einige Momente, dann zahlt sie und geht.

Das Pariser Café  

Von Daniela Appelt (19). Eine Übung für Text, Bildbearbeitung und Layout im Rahmen der e-fact Redaktion im Jugendbildungswerk Freiburg

Das Pariser Café  

Von Daniela Appelt (19). Eine Übung für Text, Bildbearbeitung und Layout im Rahmen der e-fact Redaktion im Jugendbildungswerk Freiburg