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E6891 E ISSN 0042-8337

VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 Mai 2012 63. Jahrgang Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.

KatharinaDenkmal in Zerbst/Anhalt


POLITIK

Nachträgliche Einbeziehung naher Angehöriger im Härtefall 9. Gesetz zur Änderung des Bundesvertriebenengesetzes

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m Dezember letzten Jahres ist das Änderungsgesetz zum Bundesvertriebenengesetz in Kraft getreten. Demnach ist nun im Härtefall eine nachträgliche Einbeziehung des Ehepartners oder Abkömmlings in den Aufnahmebescheid eines Spätaussiedlers, der nach § 4 BVFG nach Deutschland gekommen ist, möglich. Nach der bisherigen Rechtslage musste der Spätaussiedler vor der Ausreise einen Antrag auf Einbeziehung zum Zweck der gemeinsamen Aussiedlung stellen. Zurückgebliebene Familienangehörige, die die Voraussetzungen des § 4 BVFG nicht erfüllen, haben keine Möglichkeit des Nachzugs. Das Problem, dass nahe Angehörige selbst nach schweren Schicksalsschlägen nicht zu ihren Familien nach Deutschland nachziehen durften, wurde von betroffenen getrennten Familien immer wieder an mich herangetragen. Im Bundesministerium des Innern wurde deshalb ein entsprechender Änderungsvorschlag des Bundesvertriebenengesetzes erarbeitet, der vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde. Auch wenn ich weiß, dass damit nicht alle Wünsche der Familienzusammenführung erfüllt werden können, bin ich froh, dass den von besonderen Schicksalsschlägen betroffenen Familien nun mit der nachträglichen Einbeziehung in den Aufnahmebescheid des Spätaussiedlers geholfen werden kann. Voraussetzungen für die nachträgliche Einbeziehung Der in Deutschland lebende Spätaussiedler kann die nachträgliche Einbeziehung seines Ehegatten oder Abkömmlings, der noch im Herkunftsgebiet lebt, beantragen, wenn • nach seiner Aussiedlung Lebensumstände eingetreten sind, die sich belastend auf die familiäre oder persönliche Situation auswirken und deren Folgen durch familiären Beistand gemildert werden können und • die Voraussetzungen vorliegen, die der Abkömmling oder Ehegatte auch bei einer Einbeziehung zum Zweck der gemeinsamen Aussiedlung erfüllen muss: - Er besitzt Grundkenntnisse der deutschen Sprache (es sei denn, er kann aufgrund einer Behinderung keine deutschen Sprachkenntnisse erwerben);

Dr. Christoph Bergner

- es gibt keine Ausschlussgründe (§ 5 BVFG - dazu würde zum Beispiel die frühere Ausübung einer Funktion gehören, die für die Aufrechterhaltung des kommunistischen Systems als bedeutsam galt). Belastende Umstände Die nachträgliche Einbeziehung des erwachsenen Abkömmlings eines Spätaussiedlers, der sich zunächst entschlossen hatte, im Herkunftsgebiet zu bleiben, und inzwischen als einziger Vertreter seiner Familie dort allein lebt, kann nun im Härtefall vom Spätaussiedler beantragt werden. Abkömmlingen von Spätaussiedlern ist der Nachzug zu den Eltern auch möglich, wenn diese pflegebedürftig werden oder aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters oder ihrer Krankheit besonders gravierend unter der Trennung von ihren engsten Familienangehörigen leiden. Ein Kind, dessen Sorgeberechtigte verstorben oder nicht mehr in der Lage sind, für das Kind zu sorgen, kann nun nachträglich in den Aufnahmebescheid seiner Großmutter oder seines Großvaters aufgenommen werden, wenn diese die Personensorge übernehmen. Wie es in der Gesetzesbegründung heißt, „reicht die Trennung des Spätaussiedlers von seinem Ehegatten oder seinem Abkömmling allein nicht. Sie ist regelmäßige Folge der Aussiedlung, wenn der Spätaussiedler sich entscheidet, ohne seinen

Ehegatten und alle seine Abkömmlinge auszusiedeln. Daher müssen zusätzliche, härtefallbegründende Umstände in der Person des Spätaussiedlers oder des Einzubeziehenden vorliegen." Möglicherweise werden Sie einwenden, dass alle Menschen darunter leiden, wenn ihre Familien über die Ländergrenzen hinweg getrennt sind. Warum wird die Trennung der Familie allein nicht als Härtefall anerkannt? Eigentlich ist der Nachzug erwachsener Familienangehöriger nach Deutschland nicht möglich. Für Spätaussiedler und ihre Angehörigen wurde nun eine besondere Regelung im Vertriebenenrecht gefunden. Dass dies überhaupt möglich war, erklärt sich aus der besonderen Verantwortung des deutschen Staates für die Russlanddeutschen, deren Familien wegen ihrer deutschen Volkszugehörigkeit besonders lange unter den Nachwirkungen des II. Weltkrieges zu leiden hatten. Deutsche Sprachkenntnisse Ich weiß, dass es oft - gerade in abgelegenen Gegenden - nicht einfach ist, sich deutsche Sprachkenntnisse anzueignen. Trotzdem konnte der Gesetzgeber auf diese Bedingung nicht verzichten. Schließlich können bei der nachträglichen Einbeziehung nicht andere Voraussetzungen verlangt werden als bei der Einbeziehung zum Zweck der gemeinsamen Aussiedlung. Auch sind - und das sollte man nicht außer Acht lassen - deutsche Sprachkenntnisse für eine erfolgreiche Integration in Deutschland unerlässlich. Antragstellung Den Antrag auf nachträgliche Einbeziehung seines Angehörigen muss der Spätaussiedler in Deutschland stellen. Der Antrag ist an das Bundesverwaltungsamt in 50728 Köln zu richten. Das Bundesverwaltungsamt teilt dann mit, welche Unterlagen und Nachweise einzureichen sind. Es prüft die Anträge und entscheidet über die nachträgliche Einbeziehung. Der Spätaussiedler erhält von dort einen schriftlichen Bescheid. Weitere Informationen finden Sie auch im Internet auf der Seite des Bundesverwaltungsamtes: www.bundesverwaltungsamt.de. Dr. Christoph Bergner, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

Reinhard Uhlmann fotografierte unser Titelbild. Es zeigt das Denkmal, das in Zerbst/Anhalt für Katharina die Große errichtet wurde.


DIE LANDSMANNSCHAFT Die Landsmannschaft im Internet: Homepage: www.deutscheausrussland.de E-Mail: Lmdr-ev@t-online.de

Aus dem Inhalt Nachträgliche Einbeziehung naher Angehöriger im Härtefall 2 Unser Einsatz geht weiter! 3 Projekttage in Niedersachsen 4 Russlanddeutscher Kulturpreis 5 55 Jahre Orts- und Kreisgruppe Augsburg 6 Die Landsmannschaft nimmt Stellung 8 Berufliche Qualifikationen 10 Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit 11 Wanderausstellung 12 Vorbehalte abbauen 12 Viele Erinnerungen wurden wach... 14 Spannung und Spaß beim "Interkulturellen Abend" 14 Junge Russlanddeutsche im Gebiet Tomsk 15 Landsmannschaft und Kirche 16 Zeugen für Christus 16 Nach Russland und zurück 17 Internationale Wochen der Deutschen aus Russland in München 18 In der Kultur zu Hause 19 Bleibende Eindrücke in Berlin 20 Erinnerungen 21 Landsmannschaft regional 22, 27-32 JSDR-Beilage 23-26 Andreas Maser wurde 70 33 Glückwünsche 34 Bücherangebot 35 Prof. Dr. Reginald Zielke – Forscher und Brückenbauer 36 Johanna Jenn zum 87. Geburtstag 37 Johann Warkentin: Würdigung und Nachruf 38 Trauer um Ferdinand Romme 39 Albert Berns - sein Leben, seine Welt war Musik 40 Ein schweres Schicksal 41 Zum Gedenken 42 Ich fühle mich als Europäer... 44 Planet Germania 45 Integrationspreis für den Musiklehrer Viktor Dukart 46 Auf Flügeln des Gesanges 47 Olga Philippi – mit Talent und Fleiß in den Beruf zurückgefunden 48

Redaktionsschluss der Juni-Ausgabe 2012: 18. Mai 2012

Unser Einsatz geht weiter! Liebe Landsleute, wie wir immer wieder berichtet haben, werden die Integrationserfolge der Deutschen aus Russland durch alle ernst zu nehmenden Studien als vorbildlich bezeichnet, und jeder, der sie als Belastung für die Bundesrepublik Deutschland bezeichnet, lässt erkennen, dass er in seinen Aussagen von Vorurteilen geblendet ist. Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland leistet seit über 60 Jahren ihren Beitrag zu dieser Entwicklung und hat Erfolge zu verzeichnen, auf die wir stolz sein dürfen. Allen unseren solidarischen Mitstreitern, im Bundesvorstand, in den Landesgruppen, in den örtlichen Gliederungen, danke ich von ganzem Herzen. Sie haben sich um unsere Volksgruppe verdient gemacht! Keine Rede kann jedoch davon sein, dass wir jetzt die Hände in den Schoß legen, wir setzen vielmehr unseren Einsatz für die Deutschen aus Russland in allen Bereichen fort. Ich nenne einige Beispiele: • Im Kontakt mit dem Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Christoph Bergner, machen wir uns für eine Verbesserung der Rentenregelungen für Deutsche aus Russland, für zufrieden stellende Lösungen bei Familientrennungen im Spätaussiedleraufnahmeverfahren oder eine angemessene Praxis bei der Anerkennung von mitgebrachten beruflichen Qualifikationen stark. • In intensiven Gesprächen mit dem Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann, und seinen Mitarbeitern im BKM suchen wir nach realistischen Konzepten für einen weiteren Ausbau der landsmannschaftlichen Kulturarbeit - trotz der Streichung von öffentlichen Kulturmitteln gerade im Vertriebenenund Aussiedlerbereich. • Wir bringen mit Erfolg unsere Vorstellungen in die Sitzungen des Stiftungsrates der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung", des Beirates für Spätaussiedlerfragen beim Bundesministerium des Innern, bei der Arbeitsstelle Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge der Deutsche Bischofskonferenz und bei vielen anderen Gremien ein. • Wir beteiligen uns an den Sitzungen der Deutsch-Russischen und der DeutschKasachischen Regierungskommission sowie an grenzüberschreitenden Maßnahmen der Bundesregierung und leisten so unseren Beitrag zur Verständigung zwischen Völkern, die sich im

Adolf Fetsch

vergangenen Jahrhundert immer wieder als Feinde gegenüber standen. • Wir setzen unsere konkrete Sozial- und Projektarbeit fort, intensivieren unsere Jugendarbeit in Kooperation mit dem Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland und pflegen unsere Kontakte zu allen öffentlichen Einrichtungen, die sich mit Aussiedlern und Spätaussiedlern befassen. Nach den zahlreichen Veranstaltungen und Publikationen des vergangenen Jahres aus Anlass des 70. Jahrestages der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion steht für uns das Jahr 2012 im Zeichen des 70. Jahrestages der Einberufungen von Deutschen in die so genannte Arbeitsarmee und des 75. Jahrestages des "Großen Terrors" der Jahre 1937 und 1938. Ich darf Ihnen versichern, dass wir uns mit allen Kräften darum bemühen werden, dieser tragischen Ereignisse in angemessener Weise zu gedenken, bitten Sie aber auch, uns im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu unterstützen, insbesondere durch Veranstaltungen im Rahmen Ihrer Orts- oder Landesgruppe. Die Gründerväter der Landsmannschaft haben als Grundmotiv ihres Handels immer wieder die Verantwortung vor der Gemeinschaft der Deutschen aus Russland genannt. Diesem Grundmotiv sollten wir alle anderen Befindlichkeiten unterordnen - wir sind es unseren Landsleuten schuldig! Adolf Fetsch, Bundesvorsitzender 3

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PARTNERSCHAFTEN

Projekttage der Landesgruppe Niedersachsen mit der Partnerregion des Landes Niedersachsen in Russland, Tjumen 20 Jahre Partnerschaft zwischen dem Land Niedersachsen und der Region Tjumen „5 Jahre Partnerschaft zwischen der Landesgruppe Niedersachsen und dem Gebietszentrum der deutschen Kultur Tjumen“

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ie beiden in der Überschrift genannten Partnerschaftsjubiläen bestimmen die Projekttage vom 30. Mai bis 3. Juni 2012 der Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Vorsitzende Lilli Bischoff), dem größten Interessenvertreter der Aussiedler und Spätaussiedler und ihrer Familienangehörigen aus der ehemaligen Sowjetunion in Niedersachsen, mit der Partnerregion Tjumen des Landes Niedersachsen in Russland. Im Mittelpunkt der Projekt- 2010: Die Kulturgruppe aus Tjumen bei der Feier in Hannover zum 60-jährigen Bestehen der Landsmanntage stehen die Internationa- schaft. lisierung des Landes Niedersachsen, die Würdigung und vielfältige Landesgruppe Niedersachsen der Lands- dersachsen mit seinem Partner in Tjumen Weiterentwicklung der seit 20 Jahren be- mannschaft mit seiner Partnerorganisati- können in vielen Bereichen als Mittel für stehenden Partnerschaft zwischen dem on in Tjumen, dem „Gebietszentrum für eine weitere Verbesserung der BeziehunLand Niedersachsen und der Region Bildung, Methodik und deutsche Kultur gen zwischen dem Land Niedersachsen Tjumen sowie die Intensivierung der be- Tjumen“ (Leiterin Natalja Matschuga). mit der Region Tjumen angesehen werstehenden internationalen Kontakte der Engere Kontakte der Landesgruppe Nie- den. Dabei geht es insbesondere um die Förderung der Demokratie, Fragen der Migration und Integration, Kultur und kulturellen Austausch, historische Beziehungen zwischen Deutschland/Niedersachsen und Russland, wirtschaftliche Beziehungen und die Brückenfunktion der Landsmannschaft und der russlanddeutschen Unterie Partnerschaft mit Tjumen gehört zu den ältesten des Landes Niedernehmer in Niedersachsen, Austausch zum sachsen und besteht seit seit Jahr 1992. Auch wenn sich die SchwerpunktThema Umwelt- und Naturschutz sowie themen gewandelt haben, ist die Zusammenarbeit immer jung und aktiv geFörderung der deutschen Sprache im Ausblieben. land. Im Rahmen der Projekttage begrüßt NieZu den aktuellen Projekten, die aus Landesmitteln gefördert wurden, gehören dersachsen eine etwa 50-köpfige Delegabeispielsweise Landeskundeseminare für angehende russische Deutschlehrerinnen tion aus Tjumen, bestehend aus Sing- und und -lehrer, Fortbildungen für Landwirte, Schüler- und Jugendaustausch, UnterTanzgruppen, Solisten, Malern und Verstützung bei der Präsentation auf Messen, Studentenaustausch oder die Verbessetretern der gesellschaftlichen Organisatirung der Ausrüstung von Krankenhäusern. onen der Russlanddeutschen und ihrer JuWichtige Projektträger in Niedersachsen sind unter anderem die Deutsche Magendorganisationen im gesamten Gebiet nagement Akademie Niedersachsen in Celle, der LandesSportBund und die AkaTjumen. demie für Ost-West-Kooperation in Lüneburg. Die Partnerorganisation der LandsmannVerbindungen wie die Städtepartnerschaft zwischen Celle und der Stadt Tjumen, schaft in Tjumen pflegt enge Kontakte zu zwischen dem Niedersächsischen Landtag und der Duma des Gebietes Tjumen, der Administration in Tjumen, unter andezwischen der Landesgruppe Niedersachsen und dem Gebietszentrum der deutrem zum Ausschuss für Nationalkulturen schen Kultur Tjumen ergänzen die Partnerschaft. und dem Department für Bildung, und

20 Jahre Partnerschaft zwischen Tjumen und Niedersachsen:

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PARTNERSCHAFTEN Herzlich willkommen zum Kulturfestival in Friedland!

5 Jahre Partnerschaft zwischen der Landesgruppe Niedersachsen und dem Deutschen Kulturzentrum Tjumen:

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2007

iner der Höhepunkte der Projekttage ist das Kulturfestival am 2. Juni 2012, das im Grenzdurchgangslager Friedland ab 13.30 Uhr stattfindet. Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Uwe Schünemann, hält die Festrede. Das Kulturfestival in Friedland ist als Musterbeispiel für den Austausch der jeweiligen kulturellen Besonderheiten gedacht, zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene aus Niedersachsen und Tjumen werden an dem Kulturprogramm teilnehmen und Lieder und Tänze vorführen. Der Nachmittag wird von Jakob Fischer moderiert. Vertreter der Politik, der Kirchen, der Verbände, der Medien und der breiten Öffentlichkeit, Landsleute aus der ehemaligen Sowjetunion und einheimische Mitbürger sind ganz herzlich zu diesem internationalen Kulturevent eingeladen!

wird seitens der Administration in Tjumen gefördert. Die Gäste aus Tjumen haben ein großes Interesse an der Pflege der deutschen Kultur und Sprache. Die Projekttage bieten ihnen die Möglichkeit, ihre Grundkenntnisse der deutschen Sprache zu erweitern und ihr neu erworbenes Wissen anschließend im Heimatland weiterzugeben. Zu den zentralen Programmpunkten und Stationen der Projekttage gehören unter anderem: • Besuch des Niedersächsischen Landtages und des Demokratieforums; • Empfang durch die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und Vortrag zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen Niedersachsen und der Region Tjumen; • Symposium zum Thema „Anwerbung deutscher Siedler durch Zarin Katharina II.“; • Kulturfestival in Friedland mit internationalen Teilnehmern; • Rundgang und Vortrag zum Thema „Geschichte des Grenzdurchgangslagers Friedland“; • Besuch des Schlossmuseums Jever; • Besuch des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer (Weltnaturerbe); • Besuch der Autostadt und des VW-Werks in Wolfsburg; • Besuch des Phaeno-Museums. VadW

unterzeichneten die Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft und das Gebietszentrum der deutschen Kultur Tjumen ein Partnerschaftsabkommen als Grundlage für direkte Kontakte und Kulturaustausch.

Im August 2008 fand ein erster Kulturaustausch im Rahmen der Partnerschaft statt. Eine Delegation besuchte mehrere Ortsgliederungen der Landsmannschaft sowie die Partnerstadt Celle und beteiligte sich am Kulturprogramm bei der zentralen Gedenkveranstaltung der Landsmannschaft in Friedland. Im Oktober 2009 weilten Vertreter der Landesgruppe Niedersachsen bei den Russlanddeutschen im Gebiet Tjumen, beteiligten sich an einem deutschen Kulturfestival und trafen sich mit Deutschen im Gebiet Tjumen. Im Oktober 2010 beteiligte sich eine Delegation der Deutschen aus Tjumen an den Feierlichkeiten zum 60-jährigen Jubiläum der Landsmannschaft in Hannover. Im August 2011 nahm eine Jugendgruppe aus Tjumen an den Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Deportation der Russlanddeutschen in Friedland und Berlin teil. Die Austauschmaßnahmen fanden im Rahmen des Projektes „Grenzüberschreitende Partnerschaften mit Verbänden der deutschen Minderheit in der Russischen Föderation“ statt. Das Partnerschaftsprojekt wurde im Rahmen der deutsch-russischen Regierungskommission zur Förderung empfohlen und wird vom Bundesministerium des Innern (Deutschland) und dem Ministerium für Regionale Entwicklung (Russland) finanziert.

Russlanddeutscher Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg 2012

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as Land Baden-Württemberg vergibt im zweijährigen Turnus den Russlanddeutschen Kulturpreis. Der Preis ist Ausdruck der Patenschaft des Landes über die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Im Jahr 2012 wird der Russlanddeutsche Kulturpreis für den Bereich Musik und Musikwissenschaften ausgeschrieben.

Wie das Innenministerium am 16. Februar 2012 mitteilte, wird der Preis in erster Linie russlanddeutschen Kulturschaffenden verliehen, deren Werk das Kulturgut der Russlanddeutschen repräsentiert. Auch Künstler, die der deutschen Kultur in Russland verbunden sind und deren Werk die kulturellen Wechselwirkungen zwischen den Russlanddeutschen und ihren Nachbarn in den östlichen Siedlungsgebieten repräsentiert oder deren Verständigung dient, können ausgezeichnet werden. Der Kulturpreis besteht aus einem mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis und zwei Förderpreisen in Höhe von jeweils 2.500 Euro. Die Förderpreise sind für jüngere Kulturschaffende vorgesehen, die am Anfang ihrer künstlerischen Entwicklung stehen. Anstelle eines Förderpreises kann in begründeten Fällen auch eine Ehrengabe vergeben werden. Eine Verpflichtung, den Kulturpreis zu verleihen, besteht nicht. Es sind sowohl Eigenbewerbungen als auch Vorschläge Dritter möglich. Die zur Bewertung der Bewerbungen beziehungsweise der Vorschläge erforderlichen Unterlagen (Verzeichnis der Werke, Begründung, tabellarischer Lebenslauf und gegebenenfalls sachkundige Empfehlungen) für die Juroren werden in siebenfacher Fertigung erbeten Über die Vergabe der Preise entscheidet eine Jury unter Ausschluss des Rechtsweges. Bewerbungen und Vorschläge sind zusammen mit den erforderlichen Unterlagen und mit dem Vermerk „Russlanddeutscher Kulturpreis“ bis 31. Mai 2012 beim Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart, einzureichen. Für weitere Auskünfte steht das Haus der Heimat des Landes BadenWürttemberg (Telefon 0711/66951-14) zur Verfügung. Pressemitteilung des Innenministeriums Baden-Württemberg 5

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DIE LANDSMANNSCHAFT

Eine eindrucksvolle Feier! Augsburg: 55 Jahre Orts- und Kreisgruppe und Stationen der Verfolgung

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s kommt nicht allzu häufig vor, dass bei einer Veranstaltung einfach alles stimmt: der Ort, der Besuch, die Thematik, das Programm und die feierliche Stimmung. Bei der Jubiläums- und Gedenkfeier der Ortsund Kreisgruppe Augsburg (Bayern) der Landsmannschaft am 23. April war es der Fall. Zum wiederholten Male nämlich konnten die Augsburger im prunkvollen Goldenen Saal des Rathauses zusammenkommen, und sie erwiesen sich dieser Auszeichnung als würdig, indem sie ihn bis auf den letzten Platz füllten. Gewidmet war die Veranstaltung nicht nur dem 55. Jahrestag der Gründung der Orts- und Kreisgruppe Augsburg, sondern auch den beiden tragischen Gedenktagen der Deutschen aus Russland 2012 - dem 70. Jahrestag der Einberufungen von deutschen Frauen und Männern in die sowjetischen Zwangsarbeitslager der so genannten Trudarmee und dem 75. Jahrestag des "Großes Terrors" der Jahre 1937 und 1938 in der Sowjetunion.

Der Augsburger Chor "Heimatmelodie" unter der Leitung von Alena Heiser setzte musikalische Akzente.

sich von der einheimischen Bevölkerung abzuschotten, sondern in stetem Kontakt mit ihr und allen relevanten öffentlichen Einrichtungen der Stadt.

Stationen der Verfolgung Detailliert befassten sich der russlanddeutsche Historiker Dr. Viktor Krieger und der Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft, Waldemar Eisenbraun, mit den beiden geschichtlichen Themen des Abends. Dr. Krieger schilderte das perfide System der Zwangsarbeitslager in der Sowjetunion der 1940er Jahre, wobei er in besonderer Weise auf die Geschich-

te des Tscheljabmetallurgstroj einging, während Eisenbraun den "Großen Terror" in den 1930er Jahren darstellte, der alle Volksgruppen in der Sowjetunion heimsuchte, vor allen Dingen aber Minderheiten wie Deutsche, Polen, Letten oder Finnen. Besonders bewegt waren seine Zuhörer, als er die Worte der russlanddeutschen Schriftstellerin Nelly Däs zitierte: „Ich denke an das Jahr 1937, als Stalins Häscher im September in unser Dorf kamen und 54 Männer verhafteten und nach Sibirien verbannten. Keiner kam jemals wieder. Ich war damals sieben Jahre alt. Je älter ich werde, desto mehr denke ich an diese Nacht. Was waren die letz-

Dr. Kurt Gribl

Der Augsburger Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl verwies in seiner Begrüßungsansprache auf die Notwendigkeit, die Geschichte der Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion, die insbesondere jüngeren Menschen kaum bekannt sei, immer wieder in das Gedächtnis der Öffentlichkeit zu rufen. Der Landsmannschaft habe es hier mit einer bedeutenden Aufgabe zu tun, die auch und gerade in Augsburg in vorbildlicher Weise erfüllt werde - ohne 6

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Bronzene Ehrennadel für Helene Sauter für langjähriges vorbildliches Engagement. Von links: Ortsgruppenvorsitzender Juri Heiser, Bundesvorsitzender Adolf Fetsch und Bayerns Landesvorsitzender Waldemar Eisenbraun.


DIE LANDSMANNSCHAFT ten Gedanken meines Vaters? Wie ist er gestorben? Wo ist sein Grab? Wir hatten nicht einmal die kleinste Chance, uns vom Vater zu verabschieden. Noch heute nagt der Schmerz in unseren Herzen."

55 Jahre Ortsgruppe Mit der Geschichte der Orts- und Kreisgruppe Augsburg (siehe neben stehenden Kasten) befasste sich deren Vorsitzender Juri Heiser, der gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Geschäftsführer der Orts- und Kreisgruppe, Karl Kromer, und zahlreichen Helfern die Veranstaltung in wochenlanger intensiver Arbeit vorbereitet hatte. Er analysierte aber auch auf die Gegenwart der Deutschen aus Russland in der Hauptstadt des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben, die dort mit einem Bevölkerungsanteil von rund 8,5 Prozent zu einem gewichtigen Faktor geworden sind, und beendete seine Ausführungen mit einem Appell an die politisch Verantwortlichen und Vertreter der Öffentlichkeit auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens, ihre Solidarität mit den Deutschen aus Russland deutlicher zum Ausdruck zu bringen und für eine Verbesserung ihrer Akzeptanz durch die einheimische Bevölkerung zu werben.

Auszeichnungen Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Adolf Fetsch, kam in seinem Vortrag auf die Bedeutung von Kirche und Religion für die Deutschen aus Russland und ihre Landsmannschaft zu sprechen und zeichnete anschließend mit dem Domdekan der katholischen Diözese Augsburg, Dr. Dietmar Bernt, und dem Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde St. Andreas in Augsburg, Wolfgang Küffer, zwei Geistliche mit der goldenen Ehrennadel der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland aus, die sich seit Jahr und Tag in besonderer Weise um Aussiedler und Spätaussiedler in Augsburg kümmern. Mit der goldenen Ehrennadel wurde auch VadW-Redakteur Hans Kampen ausgezeichnet, während Helene Sauters ehrenamtliches Engagement mit einer bronzenen Ehrennadel gewürdigt wurde. Abgerundet wurde die Feier durch Zeitzeugenberichte von Angehörigen dreier Generationen der Familie von Karl Kromer und die Präsentation der landsmannschaftlichen Wanderausstellung im Unteren Fletz des Rathauses. Für den musikalischen Rahmen sorgten der Augsburger Chor "Heimatmelodie", das Vokalquartett "Rudemus", der Trompeter Georg Selenski und die Kinder der Musicalwerkstatt „A hoch 3“ und des Tanzstudios „Alisa“. VadW

Moderiert von Juri Heiser (links), berichteten drei Generationen der Familie Kromer als Zeitzeugen.

Orts- und Kreisgruppe Augsburg der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. Gegründet am 24. Februar 1957 (Vorsitzender: Otto Fauth) nach einer ersten offiziellen Versammlung am 26. Dezember 1956; nach mehreren Versammlungen Ausgabe der ersten Mitgliedskarten am 19. Oktober 1957. Nach Otto Fauth prägten viele andere das Profil der Landsmannschaft in Augsburg: Eduard Kary, Dr. Johann Druschbach, Edgar Hermann, Johann Kampen, Albert Fetsch, Markus Schmalz, Jakob Hörner, Albert Strohmaier, Elisabeth Wilhelm und Waldemar Lutz. Seit 2004 ist Juri Heiser Vorsitzender in Augsburg. 13. Mai 1986: Erster öffentlicher Auftritt des Chores der Orts- und Kreisgruppe, „Heimatmelodie“, heute geleitet von Aljona Heiser. Seit 20 Jahren: „Augsburger Modell“ der katholischen Aussiedlerseelsorge (Federführung: Domkapitular Dr. Dietmar Bernt) unter Mitwirkung von Mitgliedern der Orts- und Kreisgruppe Augsburg. 1996-2002: Erstmaliger Einzug eines Deutschen aus Russland in den Augsburger Stadtrat durch den damaligen Vorsitzenden der Orts- und Kreisgruppe Augsburg, Albert Strohmaier (CSU). 31. März 1997: Errichtung eines Denkmals für die russlanddeutschen Opfer von Terror, Krieg und Vertreibung auf dem Neuen Friedhof in Haunstetten. Ohne Unterstützung seitens anderer Stellen hatten die Deutschen aus Russland dafür 25.000 DM gesammelt. Seither findet alljährlich am 28. August vor dem Denkmal die Gedenkfeier der Orts- und Kreisgruppe statt. Seit zehn Jahren: Große Sommerfeste bzw. Landestreffen Bayern der Landsmannschaft in Augsburg unter Teilnahme der Bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein und Horst Seehofer sowie von Staatsministerin Christine Haderthauer. 2005: Gründung des Fördervereins der Deutschen aus Russland, dem hauptsächlich russlanddeutsche Unternehmer aus den Reihen der Landsmannschaft angehören. 2008 bis 2011: Projekt „In Augsburg gemeinsam“ - soziale und gesellschaftliche Integration von Zuwanderern (Spätaussiedlern und Migranten aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion) im Großraum Augsburg. 2011: Juri Heiser (CSU), gegenwärtiger Vorsitzender der Orts- und Kreisgruppe, als Nachrücker im Augsburger Stadtrat. Bis 2012: Kleinprojekte: „Stärken vor Ort“, „A hoch 3“ (Kindermusicals) und „Integration durch Bildung“. Gegenwärtig die größte örtliche Gliederung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland mit rund 400 Familienmitgliedschaften (in einer Stadt mit einem Anteil der Deutschen aus Russland an der Gesamtbevölkerung von rund 8,5 Prozent = 23.000). Rund um das Jahr veranstaltet die Orts- und Kreisgruppe Augsburg Feste und Begegnungsabende für Deutsche aus Russland und einheimische Mitbürger. Dabei wird eng mit der Stadt Augsburg und den Kirchen zusammengearbeitet. 7

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SOZIALES Die Landsmannschaft nimmt Stellung

Neuntes Gesetz zur Änderung des Bundesvertriebenengesetzes Regelung von Härtefällen im Spätaussiedleraufnahmeverfahren

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ur Sitzung der CDU-Aussiedlerbeauftragtenkonferenz am 30. März 2012 in Berlin fasste die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in überarbeiteter und ergänzter Form ihre Argumentation zur Regelung von Härtefällen im Spätaussiedleraufnahmeverfahren gemäß dem Neunten Gesetz zur Änderung des Bundesvertriebenengesetzes wie folgt zusammen:

Vorbemerkung Die Landsmannschaft verkennt durchaus nicht die guten Absichten der Verfasser der Gesetzesänderungen, ist jedoch der Auffassung, dass dadurch nur ein kleiner Schritt auf dem Weg der Regelung von Härtefällen im Spätaussiedleraufnahmeverfahren getan wird und es auch weiterhin zu tragischen Fällen von Familientrennungen kommen wird. Nach Angaben des Bundesverwaltungsamtes ist mit rund 5.000 Anträgen zu rechnen, von denen „maximal 50 Prozent“ anerkannt werden. Damit werden gerade einmal 2,5 Promille der noch in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion lebenden Russlanddeutschen in den Genuss der angestrebten Regelung kommen. Nicht ablenken sollte die Diskussion um die Regelung der Härtefälle außerdem von zwei grundsätzlichen Forderungen der Landsmannschaft: 1. Überarbeitung des Zuwanderungsgesetzes, das ausdrücklich für „Ausländer und EU-Bürger konzipiert“ wurde, in dessen Geltungsbereich demnach Deutsche als Russland als Deutsche im Sinne des Grundgesetzes nicht gehören. 2. Verwirklichung der Richtlinien der Aussiedlerpolitik, die von CDU und CSU in ihrer Antwort auf die „Wahlprüfsteine der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“ zur Bundestagswahl 2009 wie folgt formuliert wurden: „CDU und CSU wussten stets zwischen 8

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Aussiedlern einerseits und den vielen einzelnen Zuwanderergruppen andererseits zu unterscheiden. Die Familien der Aussiedler, die zu uns gekommen sind, hatten in der früheren Sowjetunion zu leiden, weil sie Deutsche waren. Sie sind eine Schicksalsgruppe unseres Volkes, für die wir eine besondere Verantwortung tragen. Deshalb haben die Aussiedler auch ein Recht, in unserem Land als Deutsche unter Deutschen zu leben. Dies bleibt das Fundament unserer verlässlichen Aussiedlerpolitik.“ Damit lässt sich der dramatische Rückgang der Spätaussiedlerzahlen seit Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes am 1. Januar 2005 nicht in Einklang bringen. In Ergänzung der uns vorliegenden ausführlichen Stellungnahmen des Bundes der Vertriebenen und des Deutschen Roten Kreuzes, die wir ausdrücklich begrüßen, haben wir unsere Bedenken hinsichtlich der aktuell vorgesehenen Härtefalleregelung wie folgt zusammengefasst: Insbesondere unterstützen wir diese in den Stellungnahmen von BdV und DRK enthaltenen Argumente: - Die Anforderungen an die erforderliche Härte dürfen nicht überspannt werden – „einfache Härte“! (DRK) - Vor dem Hintergrund zahlreicher Umstände und fehlender Informationen über rechtliche Konsequenzen, die eine alleinige Ausreise des Spätaussiedlers zur Folge hatten, ist die Feststellung „Der Spätaussiedler ist dann ohne Rücksicht auf die Einbeziehungsmöglichkeit ausgereist“ zu streichen. (DRK) - Rechtliche Unhaltbarkeit der Ablehnung einer Härte, wenn „anderweitige, außerfamiliäre Hilfe“ möglich ist. (DRK) - „Pflegestufe 1“ als Maßstab für dauernde Hilfsbedürftigkeit ist zu hoch angesetzt. (BdV und DRK) - „Hilflosigkeit“ als Maßstab für den Anspruch auf Versorgung im Widerspruch zu „einfacher Härte“ als Aufnahmevoraussetzung. (DRK, BdV)

Wortlaut des Gesetzes: § 27 des Bundesvertriebenengesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. August 2007 (BGBl. I S. 1902), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 6. Juli 2009 (BGBl. I S. 1694) geändert worden ist, wird wie folgt geändert: 2. Nach Absatz 2 wird folgender Absatz 3 eingeführt: „(3) Abweichend von Absatz 1 kann der im Aussiedlungsgebiet verbliebene Ehegatte oder Abkömmling eines Spätaussiedlers, der seinen ständigen Aufenthalt im Geltungsbereich des Gesetzes hat, nachträglich nach Absatz 1 Satz 2 in den Aufnahmebescheid des Spätaussiedlers einbezogen werden, wenn die Versagung der nachträglichen Einbeziehung eine Härte für den Spätaussiedler oder für seinen Ehegatten oder Abkömmling bedeuten würde und die sonstigen Voraussetzungen vorliegen. Eine Härte im Sinne von Satz 1 kann nur durch Umstände begründet werden, die sich nach der Aussiedlung des Spätaussiedlers belastend auf die persönliche oder familiäre Situation auswirken. Der Antrag auf Wiederaufgreifen eines unanfechtbar abgeschlossenen Einbeziehungsverfahrens nach den Absätzen 1 oder 2 ist nicht an eine Frist gebunden. § 8 Absatz 2 und § 9 Absatz 4 Satz 2 gelten für Familienangehörige der nach Satz 1 nachträglich einbezogenen Personen entsprechend.“ - Übernahme der Betreuung/Pflege ist nicht im vollen Umfang nötig. (DRK) - Warum eine gesundheitsbedingte Trennungsbelastung nur beim Spätaussiedler vorliegen und anerkannt werden kann, ist ebenso wenig nachvollziehbar wie die alleinige Berücksichtigung der Vereinsamung des Abkömmlings. Auch Spätaus-


SOZIALES siedler, die sich alleine in Deutschland aufhalten, können vereinsamen. (BdV) - Keine rechtliche Grundlage für eine Zuweisung in ein bestimmtes Bundesland. (BdV) - Mangelhafte Informationen durch das BVA. (BdV)

Erfordernis deutscher Sprachkenntnisse Grundsätzlich ist die Landsmannschaft seit jeher der Auffassung, dass die Überprüfung deutscher Sprachkenntnisse im Spätaussiedleraufnahmeverfahren ein sehr fragwürdiges Instrument ist. Als Kriterium sollte nicht der Grad der Sprachkenntnisse gelten, sondern die Bereitschaft des Bewerbers, sich diese als Grundlage für eine gelingende Integration in der Bundesrepublik Deutschland anzueignen. Bedauerlicherweise ist es jedoch in dem Gesetzentwurf neben den Erfordernissen der ausdrücklichen Beantragung der Einbeziehung und des Nichtvorliegens von Ausschlussgründen nach § 5 bei der generellen Forderung von Grundkenntnissen der deutschen Sprache beim Einzubeziehenden geblieben. Außer den vor allem für den Spätaussiedler selbst relevanten geschichtlichen Hintergründen (insbesondere die Schließung sämtlicher deutscher Bildungseinrichtungen in der Sowjetunion Ende der 1930er bzw. – im Wolgagebiet – Anfang der 1940er Jahre, wonach der Gebrauch der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit mit erheblichen Gefahren verbunden war), die zum Verlust der deutschen Sprache bei den Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion geführt haben und wesentlicher Bestandteil ihres kollektiven Kriegsfolgenschicksals sind, sind in dieser Hinsicht die folgenden erheblichen Bedenken gegen die grundsätzliche Erfordernis deutscher Sprachkenntnisse beim Einzubeziehenden zu berücksichtigen: 1. Insbesondere für viele Bewohner ländlicher Gebiete ist der Erwerb deutscher Sprachkenntnisse ein unzumutbares Hindernis, das sich aufgrund beschränkter finanzieller Verhältnisse sowie mangelhafter Verkehrsverbindungen in Ländern, die durch eine geringe Bevölkerungsdichte und große Entfernungen gekennzeichnet sind, aufbaut. Solange die Entfernungen zu den Sprachkursangeboten nicht per Gesetz auf ein zumutbares Maß reduziert sind, halten wir das grundsätzliche Erfordernis deutscher Sprachkenntnisse beim Einzubeziehenden für eine unzulässige Härte.

2. Verschärft wird die Situation für diejenigen Einzubeziehenden, die aufgrund ihres Alters und des erheblich eingeschränkten Zugangs zu Ausbildungsgängen in der ehemaligen Sowjetunion nicht oder kaum in der Lage sind, unter den geschilderten Bedingungen auch nur Grundkenntnisse der deutschen Sprache zu erwerben. Für diesen Personenkreis sind gesetzliche Voraussetzungen zu schaffen, in denen eine Altersgrenze, die nach unserer Auffassung bei 50 Jahren liegt, festgelegt ist und die genannten Behinderungen im Ausbildungsprozess berücksichtigt sind. (Nach Angaben von Mitarbeitern der Landsmannschaft gibt es bedauerliche Fälle von Sprachkursbesuchen, die auch nach über 600 Stunden intensiven Sprachunterrichts keine bzw. nur äußerst geringe Fortschritte gemacht haben und damit trotz allen Engagements nicht in der Lage wären, einen Sprachtest gleich welcher Art zu bestehen.) 3. Ebenso wie der Besuch der Sprachkurse ist auch die Anfahrt zu den Sprachkursen in den häufig weit entfernten Goethe-Instituten mit einem unzumutbaren Aufwand an Zeit und Geld verbunden, der viele Aufnahmebewerber keineswegs freiwillig davon abhält, sich der Prozedur zu unterziehen. 4. Zudem ist der Test nach den uns zur Verfügung stehenden Informationen in der Praxis erst nach sechs Monaten wiederholbar, was bei akuten persönlichen oder familiären Problemen eine zusätzliche Hürde darstellt.

Entscheidungskriterien und -mechanismen Bezüglich der Kriterien und Mechanismen, die letztlich für die Genehmigung einer Einbeziehung in den Aufnahmebescheid von Bedeutung sind, haben sich für uns die folgenden Probleme er-

geben, die in den Ausführungsbestimmungen eindeutig zu behandeln sind: 1. Der Gesetzentwurf läuft auf Einzelfallentscheidungen hinaus, die den Entscheidungsinstanzen einen ganz erheblichen Entscheidungsspielraum überlassen. Betroffene werden sich gegen strittige Entscheidungen nur mithilfe von Rechtsanwälten zur Wehr setzen können – ein Umstand, der weder mit ihren finanziellen Verhältnissen noch mit den Gegebenheiten in den Herkunftsländern zu vereinbaren ist. 2. Nach ersten Informationen werden von den komplizierten Entscheidungsmechanismen in erster Linie einige Rechtsanwälte profitieren, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben. Es liegt uns das Schreiben eines Rechtsanwaltes vor, der vor dem Einstieg in einen konkreten Fall seinem Mandanten eine im Bearbeitungsfall zu erwartende Erstrechnung in Höhe von 1.500 Euro mitgeteilt hat. 3. Die Landsmannschaft hält es für nicht zulässig, Entscheidungsprozesse, die in erheblichem Maße das Schicksal von Menschen beeinflussen, in unscharfer Weise zu definieren. Wann liegt eine „einfache Härte“ vor und wann eine „besondere Härte“; wer wird in Grenzfällen genügend Kompetenz haben und die Verantwortung auf sich nehmen wollen und können; ist an die Einbeziehung von psychologisch geschultem Personal und qualifizierten Personen aus dem Kreis der Deutschen aus Russland gedacht? Entscheidungen, die sich lediglich an mehr oder weniger unscharfen Kriterien orientieren, werden in Einzelfällen großes Leid verursachen. (Wir erinnern an die eingangs erwähnte Zahl von maximal 50 Prozent positiven Bescheiden.) 4. Als Spezialfälle betrachten wir diejenigen Personen, denen aufgrund umstrit-

Mitglieder der Ortsgruppen Augsburg und Straubing der Landsmannschaft mit dem Bundesvorsitzenden Adolf Fetsch und dem Bayerischen Landesvorsitzenden Waldemar Eisenbraun bei einem CSU-Empfang für Heimatvertriebene und Aussiedler. 9

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SOZIALES tener Entscheidungen der Status eines Spätaussiedlers gemäß § 4 BVFG nicht zuerkannt wurde – Stichworte: angeblich „erworbene“ deutsche Sprachkenntnisse, Nervosität des Antragstellers. 5. Wenig verständlich ist, weshalb in den Geltungsbereich Gesetzes nur Spätaussiedler, nicht aber Aussiedler im Sinne des Gesetzes einbezogen wurden. Gerade unter Letzteren befinden sich zahlreiche alte und hilfsbedürftige Menschen, deren „Härtefall“ gewiss erst nach der Aussiedlung entstanden ist und denen mit dem Nachzug von Familienangehörigen auch nach über 20 Jahren noch zu helfen wäre.

Berufliche Qualifikationen: Anerkennungsgesetz am 1. April 2012 in Kraft getreten

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m 1. April 2012 ist das Anerkennungsgesetz des Bundes in Kraft getreten. Das Gesetz schafft erstmals einen Rechtsanspruch auf ein Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen - und zwar für alle, unabhängig vom Herkunftsland, und innerhalb von drei Monaten nach Einreichen der erforderlichen Papiere.

Zusätzliches 1. Wir geben zu bedenken, dass die Integration der bereits hier lebenden Spätaussiedler gefährdet wird, wenn sie sich über eine lange Zeit und häufig vergebens um den dringend erforderlichen Nachzug von Menschen zu kümmern haben, die ihnen am nächsten sind, wobei sie als Rechtsunerfahrene auf unsicheres Terrain gezwungen werden. 2. Nach unserer Auffassung wird durch die Behinderung des Nachzuges von engsten Familienangehörigen der besondere Schutz der Familie gefährdet, der jedem Deutschen laut Grundgesetz garantiert wird. 3. Bei der Entscheidung über das Vorliegen eines Härtefalles ist erheblich stärker als bisher zu berücksichtigen, dass in den Herkunftsländern Grundprinzipien der Demokratie nach wie vor nicht oder nur in eingeschränktem Maße gelten, von Gebieten mit kriegsähnlichen Zuständen wie etwa Kirgistan ganz zu schweigen. 4. Einzuführen ist die Informationspflicht der Entscheidungsorgane allen Personen gegenüber, die gemäß dem Gesetzentwurf ein nicht befristetes Anrecht auf nachträgliche Einbeziehung in den Aufnahmebescheid haben. 5. Weshalb wurde bei der Formulierung des Gesetzes der Personenkreis der nachträglich auf § 4 Hochgestuften nicht berücksichtigt, die zwar keinen Aufnahmebescheid als Spätaussiedler besitzen, hier in Deutschland aber Spätaussiedlern gemäß § 4 gleichgestellt sind? Inwieweit sind hier Nachbesserungen zu erwarten? 6. Wie wird in ähnlich gelagerten Fällen verfahren, in denen ein Betroffener aufgrund unzulänglicher Beratung bzw. zur Beschleunigung des Verfahrens keinen eigenen Antrag auf Aufnahme gemäß § 4 BVFG gestellt hat, obwohl er dafür die Voraussetzungen erfüllt hätte? 10

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"Durch dieses Gesetz darf beispielsweise ein hoch qualifizierter Arzt aus dem Ausland endlich auch als Arzt arbeiten und muss nicht mehr länger Taxi fahren", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan. "Für mich ist das eine Frage der Gerechtigkeit und des Respekts vor der Qualifikation eines Menschen". Schätzungsweise bis zu 300.000 Menschen könnten von dem Gesetz profitieren. "Das Anerkennungsgesetz ist ein Meilenstein in der Integrationspolitik", betonte Schavan. Zugleich sei die Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen ein Baustein bei der Behebung des Fachkräftemangels. Zeitgleich sind am 1. April das Informationsportal und die Telefon-Hotline zum Gesetz an den Start gegangen. "Hier erfährt jeder, der seinen im Ausland erworbenen Abschluss bewerten lassen möchte, wohin er sich wenden muss", so die Bundesbildungsministerin. Das Informationsportal "Anerkennung in Deutschland" ist das zentrale Informationsmedium zum Anerkennungsgesetz der Bundesregierung (http://www.anerkennung-in-deutschland.de). Wer seinen Abschluss auf Gleichwertigkeit zum entsprechenden deutschen Abschluss prüfen lassen möchte, erfährt hier, wohin er sich wenden muss und welche Papiere - Zeugnisse etc. - er für sein Verfahren benötigt. Darüber hinaus bietet das Portal Informationen zu den rechtlichen Grundlagen und Verfahren der beruflichen Anerkennung. Es wird vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) betrieben. Finanziert wird es im Rahmen des Förderprogramms "Integration durch Qualifizierung, das vom BMBF, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit getragen wird. "Auch für die Berufsbildung in Deutschland bedeutet das neue Gesetz einen enor-

men Fortschritt", betonte BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. "Den Anerkennungssuchenden werden Brücken in den Arbeitsmarkt und das Beschäftigungssystem gebaut: Der Elektriker aus Tadschikistan und die Krankenschwester aus Chile können endlich ihr volles berufliches Potenzial in Deutschland einbringen und gezielt über Weiterbildung ausbauen. Mit wenigen Klicks im 'Anerkennungs-Finder' - dem Kernstück des Portals - werden sie an die zuständige Stelle geleitet." Ergänzend zum Anerkennungsportal, schaltet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Auftrag des BMBF eine Telefon-Hotline frei, die für Interessierte aus dem In- und Ausland zugänglich ist. Anrufer erhalten hier in deutscher und englischer Sprache Auskunft über die einzelnen Schritte und Voraussetzungen der beruflichen Anerkennung. Die Hotline ist montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr unter der Nummer +49 (0)301815-1111 erreichbar. BAMF-Präsident Manfred Schmidt: "Die Hotline reiht sich ein in unsere vielfältigen Serviceangebote. Sie wird ergänzt durch Informationsmaterialien in zahlreichen Sprachen. Damit setzen wir eine Willkommens- und Anerkennungskultur für Zuwanderer ganz praktisch um und füllen sie mit Leben." Wer seinen Abschluss anerkennen lassen möchte kann sich auch im Rahmen des Förderprogramms IQ bundesweit persönlich beraten lassen. Die regionalen Anlaufstellen des Programms geben Erstinformation zu den Verfahren der beruflichen Anerkennung und helfen bei der Suche nach der für das jeweilige Anliegen zuständigen Stelle. Das Gesetz gilt für Berufe, die in die Zuständigkeit des Bundes fallen. Die Bundesländer haben angekündigt, die Berufsgesetze, die in ihre Zuständigkeit fallen, anzupassen. Das betrifft etwa Lehrer oder Ingenieure. Weitere Informationen zum Anerkennungsgesetz finden Sie im Internet unter: http://www.bmbf.bund.de/de/15644.php und www.anerkennung-in-deutschland.de Pressestelle des Bundesministeriums für Bildung und Forschung


SOZIALES Rechtsanwalt Thomas Puhe informiert

Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit

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n meinem heutigen Beitrag beschäftige ich mich mit dem Thema „Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit“. Da viele Deutsche aus Russland noch berufliche oder private Verbindungen zu ihrem Herkunftsland haben, können Situationen auftreten, in denen der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit möglich wird. Um hier Überraschungen zu vermeiden, will ich kurz die wichtigsten Verlustgründe skizzieren: Nach § 26 Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) kann ein Deutscher auf seine Staatsangehörigkeit verzichten, wenn er mehrere Staatsangehörigkeiten besitzt. Der Verzicht ist schriftlich zu erklären. Diese Fälle kommen tatsächlich vor. Grundsätzlich ist davon abzuraten, auf seine deutsche Staatsangehörigkeit zu verzichten. Immer wieder erlebt man es, dass die Betreffenden es sich schon nach wenigen Jahren anders überlegen und dann ihre Entscheidung bereuen. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Eine ältere Spätaussiedlerin lebt einige Jahre in Deutschland. In Kasachstan bleibt ihre verheiratete Tochter mit den Enkelkindern. Die Deutsche aus Russland leidet unter der Trennung und kehrt nach Kasachstan zurück. Sie soll in der Familie der Tochter leben und im Kreise ihrer Lieben den Lebensabend verbringen. Die Rückkehrerin lässt sich in Kasachstan wieder einbürgern, sonst kommt sie nicht in den Genuss der kasachischen Sozialleistungen. Da die kasachischen Gesetze die doppelte Staatsangehörigkeit nicht kennen, hat sie sich aus der deutschen Staatsangehörigkeit entlassen lassen. Nach acht Monaten wird ihr klar, dass sie einen Fehler begangen hat, weil das gemeinsame Leben, aus welchen Gründen auch immer, nicht klappt. Sie möchte jetzt nach Deutschland zurückkehren, aber den Weg in die alte Heimat hat sie sich selbst abgeschnitten. Es müssen schon gravierende praktische Gründe vorliegen, die einen Verzicht auf die deutsche Staatsangehörigkeit sinnvoll erscheinen lassen. Nach Paragraph 27 StAG verliert ein minderjähriger Deutscher durch Adoption die Staatsangehörigkeit, weil er dadurch die ausländische Staatsangehörigkeit seines Adoptivelternteils erwirbt. Wenn der adoptierende Elternteil und das Kind bereits die gleiche Staatangehörigkeit besitzen, tritt der Verlust jedoch nicht ein.

Beispiele: Das zu adoptierende Kind besitzt die russische und die deutsche Staatsangehörigkeit. Sein Adoptivvater ist russischer Staatsangehöriger. Durch Adoption kann das Kind die russische Staatsangehörigkeit des Adoptivvaters nicht erwerben, es ist ja bereits russischer Staatsangehöriger. Wenn der Adoptivvater z.B. kasachischer Staatsangehöriger ist und das Kind durch Adoption Kasache wird, verliert es seine deutsche Staatsangehörigkeit. Bei Adoptionen ist also immer gründlich von einem Fachmann prüfen zu lassen, ob dabei staatsangehörigkeitsrechtlich irgendeine Falle lauert! Nach § 28 StAG verliert ein deutscher Staatsangehöriger, der ohne Zustimmung des Bundesministeriums der Verteidigung aufgrund freiwilliger Verpflichtung in die Streitkräfte oder einen vergleichbaren Verband eines ausländischen Staates eintritt, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, die deutsche Staatsangehörigkeit. Abzugrenzen ist dies von der allgemeinen Wehrpflicht. Das Ableisten eines normalen Pflichtdienstes ist unschädlich. Verhindert werden soll, das sich zum Beispiel ein Russlanddeutscher mit russischer und deutscher Staatsangehörigkeit als russischer Berufssoldat für Einsätze im Kaukasus meldet oder dergleichen. Ich habe von solchen Fällen zwar noch nicht gehört, angesichts der nennenswerten Anzahl von Doppelstaatler kann man eine solche Konstellation jedoch nicht ausschließen. In diesen Fällen ist ebenfalls von einem Fachmann prüfen zu lassen, ob hier nicht ein Staatsangehörigkeitsverlust droht! Der wichtigste Verlustgrund ist der des § 25 StAG. Ein deutscher Staatsangehöriger verliert seine Staatsangehörigkeit mit dem Erwerb einer ausländischen Staatsangehörigkeit, wenn dieser Erwerb auf Antrag erfolgt. Klassischer Fall ist die Einbürgerung in eine andere Staatsangehörigkeit. Im Gegensatz zur früheren Rechtslage kommt es auch nicht mehr darauf an, ob der Deutsche seinen Wohnsitz in Deutschland oder im Ausland hat. Und es kommt auch nicht darauf an, ob der Betroffene von dieser Rechtsvorschrift Kenntnis hat. Ein Beispiel: Der deutsche Staatsangehörige Peter Müller zieht in die USA. Ihm wird dort eine erleichterte Einbürgerungsmöglichkeit zuteil. Sofort greift er zu und lässt sich einbürgern. Erst hinterher erfährt er, dass

er nun die deutsche Staatsangehörigkeit verloren hat. Hier spielt es tatsächlich keine Rolle, dass er keine Kenntnis von der Verlustvorschrift des § 25 StAG hatte. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts gilt aber etwas anderes für den Fall, dass der betreffende deutsche Staatsangehörige gar nicht weiß, dass er deutscher Staatsangehöriger ist oder dies nicht hätte wissen müssen. Ein Beispiel: Olga Schmidt ist deutsche Staatsangehörige, weil ihr Vater 1944 von den damaligen deutschen Behörden in Osteuropa eingebürgert worden ist. Sie hat durch ihre Geburt im Jahr 1960 die deutsche Staatsangehörigkeit von ihrem Vater erworben. 1993 zieht sie von Turkmenistan nach Russland und wird dort einzeln eingebürgert. Gemäß Wortlaut des § 25 StAG hätte sie die deutsche Staatsangehörigkeit durch die Einbürgerung in die russische Staatsangehörigkeit verloren Durch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes tritt der Verlust aber nicht ein. Das Gericht führt aus, dass die Betreffenden schon effektiv wissen müssen, dass sie deutsche Staatsangehörige sind. Olga Schmidt wusste jedoch niemals, dass sie deutsche Staatsangehörige ist, weil in der Familie über die familiären Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges kaum gesprochen wurde. Also hat sie die deutsche Staatsangehörigkeit nicht verloren. Diese Fälle sind häufig. Zur Klarstellung ist anzumerken, dass der automatische Erwerb der Staatsangehörigkeit eines GUS-Nachfolgestaates aufgrund des Wohnsitzes an einem Stichtag 1991 oder 1993 keinen Antragserwerb im Sinne von § 25 StAG darstellt. Ein Beispiel: Walter Schmidt erwirbt im Jahre 1992 aufgrund seines Wohnsitzes in der Russischen Föderation automatisch die russische Staatsangehörigkeit. Hier liegt kein Antragserwerb vor. Etwas anderes würde gelten, wenn er als ein so genannter Notumsiedler aus Kasachstan in Russland eingebürgert worden wäre. Hier wiederum ist dann natürlich zu prüfen, ob er überhaupt effektiv Ahnung von seiner Staatsangehörigkeit hatte. Die Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte ist hier sehr anwenderfreundlich. Der Betreffende soll glaubhaft machen, dass er im Prinzip nichts von der Einbürgerung des Vorfahren während des II. Weltkrieges wusste. Wer dies nicht weiß, muss sich auch keine zielgerichteten Gedanken über die eigene Staatsangehörigkeit machen. 11

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ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Wanderausstellung der Landsmannschaft Termine Mai bis Anfang Juni 2012 München, Bayern: Bis 6. Mai: Anton-Fingerle-Bildungszentrum, Schlierseestr. 47, Tel.: 08944141907 (Olga Gusch, Projektleiterin). Zum Abschluss der Ausstellung findet am 6. Mai, 14 Uhr, ein Nachmittag der Begegnung mit Kulturprogramm statt. Blomberg, NRW: 2. bis 4. Mai: Schulprojekttage zum Thema Integration am Hermann-VöchtingGymnasium, Ostring 14, Tel.: 05235509300 (Herr Fahrenkamp, Schulleiter). Künzelsau, Baden-Württemberg: 2. bis 4. Mai: Unterrichtsprojekt Integration in der Werkrealschule, Schulstr. 15, Tel.: 07940-982900 (Herr Süßmann, Schulleiter). Wunsiedel, Bayern: 4. bis 6. Mai: Fichtelgebirgshalle, JeanPaul-Str. 5, Tel.: 09232 -7781 (Olga Reilender). Am 5. Mai von 12 bis 20 Uhr Präsentation im Rahmen eines Tages der Begegnung mit Kulturprogramm. Nördlingen, Bayern: 10. bis 11. Mai: Unterrichtsprojekt Integration im Beruflichen Schulzentrum, Kerschensteiner Str. 4, Tel.: 09081-295382 (Christian Schmidt, Schulleiter). Dillingen, Bayern: 14. bis 15. Mai: Schulprojekttage zum Thema Migration und Integration an der Fachakademie für Sozialpädagogik, Konviktstr. 11, Tel.: 09071-790280 (Werner Eitle, Schulleiter). Albersdorf, Schleswig-Holstein: 14. bis 16. Mai: Schulprojekttage Migration und Integration in der Regionalschule am Brutkamp, Tel.: 04835-97740 (Ilka Hoop-Parschat, Schulleiterin). Straubing, Bayern: 22. bis 24. Mai: Unterrichtsprojekt Integration in den Berufsschulen I und III, Pestalozzistr. 4, Tel.: 09421-84360 (Johann Dilger, Schulleiter). Kirtorf, Hessen: 31. Mai bis 17. Juni: Museum, Neustädter Tor 8, Tel.: 06635-1820 (Jürgen Döring). Eröffnung im Rahmen eines Abends der Begegnung mit Vortrag, Film und Kulturprogramm am 31. Mai, 19.30 Uhr, in der Gleentalhalle Kirtorf, Rabenbornsweg 14. Grußworte: Ulrich Künz, Bürgermeister der Stadt Kirtorf; Rosa Tugova, Vorsitzende der Orts- und Kreisgruppe Gießen der Landsmannschaft. Musikalische Umrahmung durch den Männergesangverein Kirtorf. Dessau-Roßlau, Sachsen-Anhalt: 4. bis 6. Juni: Schulprojekttage Migration und Integration im Anhaltischen Berufs12

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Zuständig für die Ausstellung sind die Projektleiter der Landsmannschaft, Jakob Fischer (Tel.: 0711-166590 bzw. 0171-4034329, E-Mail: fischer.russlanddeutsche@tonline.de) und Josef Schleicher (Tel.: 0176-29477353, E-Mail: schleicher@rikon. com). Bei allen Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen und bei Begegnungstagen führen sie in die Ausstellung ein, präsentieren Filme auf Großleinwand und halten Vorträge zum Thema "Geschichte und Kultur der Deutschen in Russland/UdSSR/ GUS und Integration der Russlanddeutschen in Deutschland". Sie organisieren nach Vereinbarung auch Führungen für Gruppen und Schulklassen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung ist frei! Das Projekt wird gefördert durch das BMI aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. schulzentrum „Hugo Junkers“, Junkersstr. 30, Tel.: 0340-2042043 (Herr Baumbach, Schulleiter). Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern: 6. bis 7. Juni: Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Seminar und Vorträge im Rahmen der Ausstellung zum Thema Russ-

landdeutsche im Institut für Geographie und Geologie, Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 16 (Geschäftsführender Direktor: Prof. Dr. Reinhard Zöllitz; Projektorganisation: Prof. Dr. Helmut Klüter, Tel.: 03834864502). Jakob Fischer, Josef Schleicher

Mehr voneinander erfahren Vorbehalte abbauen

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n einem engagierten Grußwort befasste sich der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Gemeinde Kalletal, Andreas Karger, bei der Eröffnung der Wanderausstellung "Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland" in der Kalletaler Stephan-Ludwig-Jacobi-Realschule am 12. März mit Aspekten des Zuzugs von Deutschen aus Russland und ihrer Integration. Wir zitieren aus seiner Rede: Integration – ein großes Wort. Doch wie wird sie gelebt? Wo gibt es Gemeinsamkeiten? Wo gibt es Unterschiede zwischen denen, die hier schon immer gelebt haben, und im speziellen Fall den Deutschen aus Russland? Wie lassen sich Gemeinsamkeiten intensivieren, wie lassen sich Unterschiede durch ein besseres Kennenlernen, ein Einander-Näher-Kommen überbrücken? Wie kann durch ein besseres Miteinander ein jeder vom anderen lernen? Fest steht, dass es gemeinsame Wurzeln gibt. Fest steht auch, dass die Bevölkerung dieses Landes, als die Deutschen aus Russland in der zweiten Hälfte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts aus Ostund Südosteuropa in die Bundesrepublik kamen, schon gut 15 Jahre zuvor zu schrumpfen begonnen hatte. Eine typisch deutsche Familie hatte in dieser Zeit zwei

Kinder. Die Großfamilie mit drei, vier oder mehr Kindern war schon weitgehend Geschichte, häufiger nur noch im ländlichen Raum anzutreffen. Das war auch im Kalletal nicht anders. Der Zuzug der ersten Deutschen aus Russland in unsere ländliche Gemeinde ließ die bereits sinkende Einwohnerzahl Kalletals wieder ansteigen. In vielerlei Hinsicht durften und dürfen wir darüber sehr froh sein. Zunächst ein rein materieller Aspekt: Eine der größten aktuellen Herausforderungen einer ländlichen Gemeinde wie Kalletal im demografischen Wandel ist der schleichende Bevölkerungsverlust, denn er ist teuer. Eine wesentliche Einnahmequelle der Gemeinde Kalletal waren und sind die so genannten Schlüsselzuweisungen des Landes. Die Höhe der jeweiligen finanziellen Unterstützung einer Gemeinde wird durch Ausgangsmesszahlen in Abhängigkeit von der Einwohnerzahl ermittelt. Durch den Bevölkerungsverlust fehlten der Gemeinde Kalletal rund 300.000 Euro in ihrem Gemeindehaushalt. Dieser damals schon festgestellte Negativtrend war durch den Zuzug der Deutschen aus Russland nicht nur erst einmal gestoppt, sondern wurde sogar umgekehrt. Kalletal hat von diesem Zuzug finanziell profitiert. Das ist vielfach nicht bekannt, deshalb sage ich es. Durch den Zuzug kamen auch Erwerbspersonen nach Kalletal, die in den un-


ÖFFENTLICHKEITSARBEIT terschiedlichsten Berufen und Branchen Arbeit fanden. Auch von der Einkommensteuer profitiert eine Kommune wie Kalletal. Schließlich war auch ein Anteil Deutscher aus Russland bereit, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Sie stellten Arbeitsplätze zur Verfügung und zahlten Gewerbesteuern. Ich persönlich stellte aber damals schon fest, dass in der einheimischen Bevölkerung eine gewisse Zurückhaltung gegenüber den neuen Mitbürgerinnen und Mitbürgern herrschte. Da ich selbst aus einer Familie komme, die nach dem II. Weltkrieg in alle Himmelsrichtungen verstreut worden war und ihre neue Heimat in Helpup bei Oerlinghausen fand, hatte mich das Thema Zuwanderung und Eingliederung immer interessiert. Und meine Eltern erlebten damals Ende der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts in ihrer neuen Heimat Lippe auch Vorbehalte. „Kartoffelkäfer“ wurden die damaligen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen Reichsgebieten verächtlich genannt. Der Kartoffelkäfer ist ein Schädling. Meine Eltern erzogen uns Kinder deshalb zur Weltoffenheit und Toleranz. Das hat mich bis heute geprägt. So kamen auch die Spätaussiedler aus ihrer alten Heimat in ein ihnen völlig fremdes Land. Es ist verständlich, dass sie erst einmal unter sich blieben. Man sprach vielfach nur Russisch oder Platt und nur wenig Deutsch. Die unterschiedliche Sprache grenzte also voneinander ab.

Sinnvoller Beitrag zur Förderung der Integration

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om 19. bis 23. März wurde die Wanderausstellung „Volk auf dem Weg“ von Josef Schleicher in den Berufsbildenden Schulen Verden, Niedersachsen, präsentiert. Der Projektleiter führte eine Woche lang 33 unterschiedlichste Klassen unserer Schule durch die Ausstellung (ca. 700 SchülerInnen). Das geschah mithilfe von mündlichen Vorträgen, Darstellungen auf Schautafeln und Filmen sowie im Unterrichtsgespräch. Seine engagierte und informative Art der Präsentation fand gleichermaßen bei SchülerInnen und begleitenden KollegInnen großen Anklang. Die Besucher stellten fest, dass in Bezug auf die Thematik Integration und Migration sowie die Geschichte der Aussiedler viele für sie neue und interessante Informationen gegeben wurden. Das Projekt ist ein sinnvoller Beitrag zur Förderung der Integration. Manfred Runge, Schulleiter

Auch Bräuche und Riten waren anders als hier. Der Nikolaus kommt bei uns seit jeher immer am 6. Dezember, bei den Russlanddeutschen am Silvestertag als Pelznickel. Man aß in manchen Familien Plow, das usbekische Nationalgericht, und trank nachher Wodka aus Wassergläsern. Alles sehr fremd für hiesige Geschmäcker. Woher weiß ich das? Ganz einfach: Ich hatte damals die ersten Kontakte zu Spätaussiedlerfamilien im Kalletal. Ich habe Plow gegessen und Wodka aus einem Wasserglas getrunken. Irgendwie fand ich das spannend, denn ich stellte fest, dass meine Bekannten überschwänglich gastfreundlich und unglaublich nett zu mir waren. Und ich machte eine weitere bemerkenswerte Entdeckung. Während bei uns schon lange die Selbstverwirklichung und die Individualisierung als erstrebenswertestes Lebensziel innerhalb unserer Gesellschaft im Vordergrund standen, lebten Spätaussiedler vorwiegend ein Leben in festem Zusammenhalt. Man war mit der größten Selbstverständlichkeit für den anderen da. Auch waren die Familien sehr oft kinderreich und – wenn sie der mennonitischen Brüdergemeinde angehörten – auch gläubige Christen. Sie liebten also Kinder und hatten in weiten Teilen einen festen Gottesbezug. Beides war in unserer Gesellschaft schon damals im Begriff, abhanden zu kommen. Dieser Trend hält bis heute an und hat sich noch verstärkt. In diesem festen Zusammenhalt bauten sie gemeinsam ihre Häuser auf dem Langen Acker, die Oma und der Opa wohnten noch mit in der Familie und nicht im Pflegeheim, oftmals lebten – wie bei uns früher – drei bis vier Generationen unter einem Dach. Und alle gingen respektvoll miteinander um. Ich habe einmal als Ratsmitglied bei einem Besuch einer mennonitischen Familie vor einigen Jahren hier im Kalletal erlebt, dass eine 30-jährige verheiratete Frau mit zwei kleinen Kindern ihre mit in der jungen Familie lebende über 90-jährige bettlägerige Großmutter pflegte. Die junge Frau siezte ihre Großmutter respektvoll. So lernte ich eines Tages auch einen Mann kennen, der mich in meiner Werbeagentur besuchte. Vor meiner Zeit als Bürgermeister war ich Inhaber der Werbeagentur Karger. Dieser Mann suchte für das Kalletaler Unternehmen, in dem er arbeitete, einen Fachmann, der ihm eine russischsprachige Zeitung gestalten sollte. Das war im Februar 1996. So kam es, dass ich über viele Jahre die deutschlandweit monatlich erscheinende Zeitung „Semljaki“ gestaltet habe, obwohl ich russisch weder schreiben noch lesen und verstehen kann. Auch das Logo dieser Zeitung stammt von mir.

Andreas Karger bei der Ausstellungseröffnung in Kalletal.

In dieser Zeit habe ich viel über die Deutschen aus Russland erfahren und meinen Horizont erweitert. Ich könnte noch von vielen Begegnungen und Begebenheiten mit Deutschen aus Russland berichten, möchte mich aber auf ein letztes Beispiel der jüngeren Vergangenheit beschränken. Vor zwei Jahren fragte mich ein junger Mann, er heißt Waldemar Steckler, ob ich helfen könne, einen Büroraum in Kalletal zu finden, in dem eine Gruppe junger Menschen ein „Integrationszentrum“ betreiben wollte. Im letzten Jahr weihten wir dieses Büro in der Alten Schule Westorf ein, die im Eigentum der Gemeinde Kalletal ist und leer stand. Dieses Büro bzw. die dort von Ehrenamtlichen geleistete Arbeit ist wie die heute eröffnete Wanderausstellung ein Meilenstein auf dem Weg zu einer besseren Verständigung zwischen den Kulturen der Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Wir haben in Deutschland mit unserem Grundgesetz eine der weltweit fortschrittlichsten und zivilisiertesten Verfassungen überhaupt. Neben dem Grundrechtekatalog bildet besonders der Artikel 1, „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, eine der wesentlichsten Forderungen an jeden Einzelnen von uns. Wir wissen, dass dieser Artikel täglich verletzt wird. Jeder kann deshalb unsere Welt jeden Tag ein Stückchen besser machen, indem er seinem Mitmenschen würdevoll begegnet. So wünsche ich auch den Initiatoren der heutigen Ausstellung der Landsmannschaft und den Projekttagen, dass die Zielsetzung, mehr voneinander zu erfahren, um dadurch Vorbehalte gegenüber dem Anderen abzubauen, von Erfolg gekrönt sein wird. 13

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Viele Erinnerungen wurden wach...

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ls ich die Stellwände unserer Wanderausstellung in der Bibliothek des Caritashauses St. Elisabeth, das in einer ruhigen Oase am Rande von Koblenz (Rheinland-Pfalz) auf dem Arenberg liegt, aufbaute, hatte ich zunächst Zweifel, ob sich jemand in diesem "Wohnheim für ältere Menschen" für ihre Inhalte interessieren würde.

und Zeitschriften über die Geschichte der Deutschen aus Russland mitzunehmen. Stolz erzählte Raphael Maria Kloeppel, Direktor des Caritashauses, am Nachmittag der Begegnung, über seine Mitarbeiter. Ca. 40 Prozent von ihnen sind Deutsche aus Russland, die durch Fleiß, Wissen und Engagement die besten Voraussetzungen für die Eingliederung der Heimbewohner in die Hausgemeinschaft schaffen. „Viele Besucher und Vereine kommen in unser Haus, und viele Bewohner nehmen am aktiven Leben der Ortsgemeinde und auch an öffentlichen Veranstaltungen teil. Dadurch gibt es eine stete Kommunikation zwischen drinnen und draußen." Daher war die Einladung der Wanderausstellung in das Altenhilfe-Zentrum kein Zufall. Höhepunkt des Nachmittags war das gemeinsame Singen mit Jakob Fischer. Fast hundert ältere Damen und Herren sangen Lieder ihrer Jugend, und wieder wurden Erinnerungen wach. So manche Träne floss. „Wir hätten nie gedacht, dass auch in Russland und Kasachstan unsere Lieder gesungen wurden“, meinte eine Dame. Und ein Herr im Rollstuhl äußerte sich: „Ich war Berufsmusiker. Jakob Fischer hat sich das höchste Lob verdient. Es war ein wahres Fest für unsere Seelen.“ Josef Schleicher

Zuerst die große Eurasienkarte und dann Jakob Fischer, Josef Schleicher und Raphael Maria Kloeppel (von auch die einzelnen links) bei der Präsentation der Wanderausstellung in Koblenz. Stellwänden zogen jedoch die Aufmerksamkeit der Heimbe- und auch die Heimbewohner nutzten die wohner und des Personals auf sich. So knapp drei Wochen, in denen die Aussuchten zwei Damen auf der Karte ihre stellung auf dem Arenberg gastierte, um Lieblingsurlaubsorte. Als sie weiter auf sich mit ihren Inhalten vertraut zu machen die Plakate schauten, las eine laut vor: sowie zahlreiche kostenlose Begleithefte „Geschichte der Deutschen aus Russland.“ und meinte zu mir: „Kommen Sie auch von dort? Ich habe eine Nachbarin, sie kommt aus Kasachstan.“ Ich erklärte, wer wir sind, Deutsche aus Russland, und roßen Anklang fand der „Inter- Veranstaltung unter dem Motto „Vielwarum unsere Vorfahren aus Deutschland kulturelle Abend“ des Schwein- falt der Kulturen“, ehe Üchtelhausens weggingen. „Und er kommt aus Bessarabien“, mein- furter Oberlandes am 24. März in Bürgermeisterin Birgit Göbhardt mit te die andere Dame und zeigte auf einen Stadtlauringen, Bayern. Bürgermeis- viel Humor Migrationshintergründe im Rollstuhl sitzenden Herrn. Auch dieses ter Friedel Heckenlauer eröffnete die beleuchtete. Kapitel der Geschichte versuchte ich den zuhörenden Heimbewohnern näher zu bringen. Der Bessarabiendeutsche lächelte: „Wie schön war es zu Hause!“ Doch als ich die Kriegszeit schilderte, wurden seine Augen traurig. „Nach dem Krieg versteckten sich bei uns Russen. Sie wollten nicht in ihre Heimat zurück...“, meinte eine etwas jüngere Seniorin. Sie sei bei Schweinfurt geboren und 1945 zwölf Jahre alt gewesen. „Als ein russischer LKW in den Ort kam, um diese Familie abzuholen, versteckte mein Vater sie in einer Jägerhütte. Sie schafften es irgendwie, nach Holland zu flüchten, und einige Jahre später schrieben sie uns einen Brief aus Kanada. Erstaunlich, in einem guten Deutsch...“ So kam es auch zum Gespräch über das Schicksal der Russlanddeutschen, die während des Krieges nach Deutschland kamen, aber nur selten das Glück hatten, Beim "Interkulturellen Abend" in Stadtlauringen (von links). Projektleiter Josef Schleicher, hier zu bleiben, und größtenteils in Stalins Ljubow Hurlebaus, Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Deutschhof und stellvertretende Integrationsbeiratsvorsitzende, Albina Baumann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der LanLagern in der Sowjetunion landeten. desgruppe Bayern der Landsmannschaft und Vorsitzende des Ortsgruppe Kitzingen, und Zahlreiche Besucher des Caritashauses Olesya Konschu, Betreuerin des Standes der Deutschen aus Russland.

Spannung und Spaß beim "Interkulturellen Abend"

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ÖFFENTLICHKEITSARBEIT Parallel zum Musik- und Unterhaltungsprogramm im Erdgeschoss und Keller konnten sich die Besucher, die aus der ganzen Region gekommen waren, im ersten Stock der Zehntscheune über die breite Spanne der Kulturgeschichte informieren. Stellwände der Wanderausstellung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ sowie zahlreiche Exponate und Bilder führten von der Ukraine und Russland bis nach Mexiko und in die Indianerreservate. Ein Höhepunkt war die Musik der Familie Zambrano aus Venezuela. Die Begeisterung des Publikums übertrug sich auf den nächsten Programmpunkt, als ChristinShelley Scott einen indischen Tanz aufführte. Im Anschluss führte Ursula Lux als Moderatorin durch die Podiumsdiskussion und stellte fünf Bürger des Landkreises mit unterschiedlichem Migrationshintergrund

DEUTSCHE IN DER GUS

vor. Trotz aller Differenzen der Kulturen blieb am Ende eine Gemeinsamkeit: Johannes DeBoer (Niederlande), Miriam Trevino-Flores (Mexiko), Johnny Scott (USA), Olesya Konschu (Russland) und José Zambrano kamen und blieben alle „der Liebe wegen“ in Deutschland. Der später folgende Sketch „Weiberschicksale“ einer russischen Autorin war von Albina Baumann (Vorsitzende der Ortsgruppe Kitzingen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland), die als interkulturelle Trainerin die Veranstaltung beratend unterstützte, übersetzt worden. Gespielt wurde er von Swetlana Solovieva und Lydia Balandin, die in beinahe perfektem Deutsch gekonnt die Schicksale zweier Frauen auf die Bühne brachten. Abgerundet wurde das Programm durch den Chor "Harmonie" mit russischem und deutschem Liedgut. Nach „Mainpost“

Junge Russlanddeutsche im Gebiet Tomsk Traditionelle Identität spielt keine Rolle mehr

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ann man lernen, russlanddeutsch zu sein? Daniel Nicoletti sagt: Ja. Man muss es sogar, denn eine authentische russlanddeutsche Identität existiert nicht mehr. In seiner Masterarbeit an der Europauniversität Viadrina in Frankfurt/Oder ist der Kulturwissenschaftler Daniel Nicoletti der Frage nachgegangen, ob und wie sich Jugendliche und junge Erwachsene aus deutschstämmigen Familien selbst als Russlanddeutsche empfinden. Und welche Rolle spielt dabei die deutsche Sprache, die von einigen zwar immer noch als „Muttersprache“ bezeichnet, selten aber beherrscht wird? „Was ist zwei Generationen nach der Deportation und anschließenden 50 Jahren Sowjetunion vom russlanddeutschen Leben geblieben, was hat sich entwickelt?“, will Nicoletti in seiner Arbeit mit dem Titel „Die erlernte Identität – Russlanddeutsche Jugendliche in Tomsk zwischen tradierter Geschichte und Selbstpositionierung“ erkunden. 45 russlanddeutsche Jugendliche im Alter von 15 bis 23 Jahren hat er danach befragt, was für sie Identität, Geschichte und Heimat bedeuten. Getroffen hat er die jungen Leute im Umkreis russlanddeutscher Einrichtungen wie dem Russisch-Deutschen Haus in Tomsk, in der Organisation „Jugendblick“ und im örtlichen Goethe-Zentrum. Die Interviewten zählen in Tomsk, wie der Autor einräumt, zu den ganz wenigen jungen Russlanddeutschen, die sich

überhaupt mit ihrer (Familien-)Geschichte befassen und „dies auch nach außen tragen“. Dass ihre Identitätsbildung als Russlanddeutsche auf teils tönernen Füßen steht, belegt Nicoletti nicht nur mit dem Mangel an Deutschkenntnissen der Beteiligten. Auch hätten zwar 36 Prozent angegeben, Musik oder Literatur speziell russlanddeutscher Künstler zu hören und

zu lesen, auf Nachfrage konnten sie allerdings „kaum einen Namen eines Künstlers nennen“. Doch sie lernen Deutsch, befassen sich mit dem Schicksal ihrer Vorfahren und interessieren sich für das heutige Deutschland. Darin unterscheiden sie sich allerdings von ihren Eltern und Großeltern, die teils noch russlanddeutsche Dialekte sprachen, traumatische Erfahrungen selbst durchlitten haben und ein Bild von Deutschland in sich tragen, das eher dem Land entspricht, das ihre Vorfahren einst verlassen hatten. „Die traditionelle russlanddeutsche Identität gerät heute mehr und mehr ins Hintertreffen“, schreibt Nicoletti. Im Vordergrund stünden vielmehr der Wunsch und das Bedürfnis, sich zu einer Minderheit zu bekennen. Für dieses Selbstverständnis werde auf „klassische, klischeebehaftete Stereotypen des Deutschen“ zurückgegriffen, die man schließlich für sich selbst behaupte. Nicolettis Arbeit verdeutlicht: Es gibt eine russlanddeutsche Geschichte, an die - wenn auch nur wenige – junge Russlanddeutsche heute anknüpfen wollen. Eine russlanddeutsche Identität müssen sie sich allerdings erst aneignen. Sie sehen sich als Teil einer Minderheit, zudem ohne eigenes Territorium, die sie nicht genau kennen und deren Sprache sie kaum sprechen. Was unter diesen Umständen in ein oder zwei Generationen noch als russlanddeutsch bezeichnet werden wird, bleibt offen. Nach www.ornis-press.de

Wir gratulieren Svetlana Friebus!

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ir gratulieren Svetlana Friebus aus Hochheim/Main, die in die Stadtverordnetenversammlung ihrer Heimatstadt nachgerückt ist, ganz herzlich. Svetlana Friebus ist Öffentlichkeitsreferentin der Landesgruppe Hessen der Landsmannschaft und Migrationsberaterin beim BdV. In ihrer ehrenamtlichen Integrationsarbeit bemüht sich die ehemalige Journalistin aus Sibirien, die als Integrationslotsin und Migrationsberaterin in der Caritas-Beratungsstelle Haus St. Martin wirkt, ihren Landsleuten die Selbstachtung durch sinnvolles Tun zurückzugeben und die Spätaussiedler und Zuwanderer zu motivieren, sich aktiv in die deutsche Gesellschaft einzugliedern. Unter anderem durch fachkundige Sozialberatung und Kleinprojekte, die sie immer wieder initiiert und leitet. Wir wünschen Svetlana Friebus viel Er-

folg bei ihrer kommunalpolitischen Tätigkeit. Vorstand der Landesgruppe Hessen der Landsmannschaft 15

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HEIMAT IM GLAUBEN

Landsmannschaft und Kirche

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ür die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, die 1950 von Vertretern der evangelisch-lutherischen, katholischen, mennonitischen und baptistischen Kirche gegründet wurde, waren der christliche Glaube und die Zusammenarbeit mit den Kirchen von Anfang an Stützpfeiler ihres Wirkens. Der christliche Glaube gibt unserer Arbeit Ziel und Perspektive, und ohne die Wertschätzung des christlichen Glaubens wären wir der religiösen Prägung großer Teile unserer Landsleute nicht gerecht geworden, für die Religion und Kirche im Mittelpunkt ihres Lebens stehen. Mit der zentralen Wertschätzung des christlichen Glaubens haben wir aber auch einer historischen Verantwortung gerecht zu werden: Wir dürfen nämlich niemals vergessen, dass die religiösen Gemeinschaften in der Sowjetunion Stalins systematisch vernichtet wurden, um die kommunistische Weltanschauung als einzige zuzulassen und sie mit allen staatlichen Mitteln zu fördern. Zum Ausmaß der Kirchenverfolgung in der UdSSR führt der russlanddeutsche Historiker und stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Dr. Alfred Eisfeld, in einer Stellungnahme für den Stiftungsrat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ aus: Geistliche („Kultdiener“) wurden bereits 1930 der Schicht der grundbesitzenden Bauern (Kulaken) in Bezug auf Besteuerung und Entzug des Wahlrechts zugerechnet. Die Bekämpfung der Kirchen und Religionen wurde ab Sommer 1937 verstärkt im Rahmen des Befehls des NKWD Nr. 00447 „Über Operationen zwecks Repressierung ehemaliger Kulaken, Krimineller und anderer antisowjetischer Elemente“ und der so genannten nationalen Linien geführt. Ab Juli 1937 wurden Geistliche aller Religionen systematisch verhaftet, überwiegend zum Tode oder zu langjährigen

Strafen mit Einweisung in Arbeitslager verurteilt. In den Jahren 1937-1938 wurde circa 200.000 Geistliche und Laien repressiert und ca. 100.000 hingerichtet. Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat in den Jahren 1918-1938 250 Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe verloren, davon 50 allein 1937. Die Römisch-Katholische Kirche in der UdSSR hat in den Jahren 1918-1939 601 Priester verschiedener Volkszugehörigkeit verloren. Von ihnen kamen 187 ums Leben, das Schicksal von 168 Priestern, die in Gefängnisse und Lager eingewiesen wurden, ist bislang nicht geklärt; 92 blieben nach der Abbüßung der Strafen am Leben und in der UdSSR; 154 haben nach der Entlassung aus den Gefängnissen, Straflagern und der Verbannung die UdSSR verlassen und emigrierten ins Ausland. Die Katholische Kirche hat 1939 ihre Tätigkeit in der UdSSR eingestellt. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in der UdSSR hat in den Jahren 19181938 317 Kirchen und 856 Bethäuser verloren. Etwa 200 Pastoren wurden zu Gefängnis- und Lagerhaft verurteilt, davon kamen 37 ums Leben. Über 100 Pastoren gingen ins Ausland. Die letzten Kirchen wurden 1939 geschlossen. Die Kirche hörte auf zu existieren. Die Bekämpfung der jüdischen, moslemischen, buddhistischen und freikirchlichen Gemeinschaften und Priester verlief zeitgleich und mit ähnlichen Folgen. Die religiösen Gemeinschaften wurden vernichtet und die kommunistische Weltanschauung als einzige zugelassen und mit allen staatlichen Mitteln gefördert. Aus der Stellungnahme der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland zur Konstituierenden Sitzung der Arbeitsstelle Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge der Deutsche Bischofskonferenz am 19. April 2012 in Frankfurt/Main

Landshut: Herzlich willkommen zur Literaturlesung

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iebe Literaturfreunde, der Literaturkreis der Deutschen aus Russland und die Ortsgruppe Landshut der Landsmannschaft laden herzlich ein zur nächsten Lesung russlanddeutscher Autoren. Programm: Wendelin Mangold mit seinem neuen Buch „Sprung ins Wasser“; Reinhold Leis mit Lyrik und Humor; Max Schatz mit Prosa; musikalische Umrahmung. Die Lesung findet am 5. Mai um 13 Uhr im "Landshuter Netzwerk" in Landshut, Bahnhofplatz 1a, statt. Für Kaffee und Kuchen wird gesorgt. Anmeldungen und nähere Informationen unter der Rufnummer 0179-4692476 (Maria Schefner). 16

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"Zeugen für Christus" Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts

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erausgegeben von Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, 5., erweiterte und aktualisierte Auflage 2010. 2 Bände, 1.732 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Leinen mit Schutzumschlag, 88 Euro, ISBN 978-3-506-75778-4. Rund 160 Fachleute aus dem In- und Ausland erstellten 1999 rund 800 biographische Artikel, welche die Opfer vor allem aus den Kategorien des Nationalsozialismus, des Kommunismus und der Missionen vorstellten. Anfang September 2010 wurde die fünfte, um 76 Namen erweiterte und aktualisierte Auflage mit 22 neuen russlanddeutschen Gewaltopfern ausgeliefert. Das 2011 von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland herausgegebene Gedenkbuch „Keiner ist vergessen", aufgreifend, weise ich als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts auf die über 100 russlanddeutschen Priester hin, die unter Josef Stalin zu Opfern der Gewalt wurden und es verdient hätten, dem Vergessen entrissen zu werden. Die wichtigsten Opfer, über die in "Zeugen für Christus berichtet wird, seien kurz genannt: Bischof Dr. Dr. Alexander Frison, der 1938 im Moskauer Butyrka-Gefängnis starb, ferner Bischof Dr. Dr. Markus Glaser, Johann Bach, Johannes Bahl, Peter Eisenkron, Pfarrer Alois Ocks, Pfarrer Paul Olisberg und Pfarrer Ferdinand Pflug. In der vierten Auflage aus dem Jahre 2006 wurden insgesamt 14 Priester neu aufgenommen, sodann die wenig bekannten Zum Herausgeber: Prälat Prof. Dr. Helmut Moll, geb. 1944, Studium der Kath. Theologie und Geschichte, Promotion 1973 bei Prof. Dr. Joseph Ratzinger in Regensburg. Priesterweihe 1976, 1984-1995 im Dienst der Römischen Kurie, seit 1998 Beauftragter für Selig- und Heiligsprechungsverfahren im Erzbistum Köln. Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Ordinarius an der Staatlichen Hochschule Weilheim.


HEIMAT IM GLAUBEN

KULTUR

Nach Russland und zurück Atlas zur Migrationsgeschichte der Russlanddeutschen

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rina Klass, „Wo liegt unsere Heimat? Eine visualisierte Migrationsgeschichte der Russlanddeutschen“, Osnabrück (fibre-Verlag) 2009, CD-ROM, 39,80 Euro, ISBN 978-3-938400-36-4.

Landwirte Josef Eberle, Josef Erler und Josef Frank, schließlich Magdalena Frison. Der von der Ahr kommende Jesuiten-Erzbischof Dr. Dr. Eduard Profittlich, Apostolischer Administrator für Estland, starb aus Glaubensgründen im Jahre 1941 im sowjetischen Kirow. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte mit Sitz in Frankfurt hat das o.g. Hauptwerk am 22. November 2008 mit dem Stephanus-Preis ausgezeichnet. Meine Bilanz „Martyrium und Wahrheit. Zeugen Christi im 20. Jahrhundert" (Weilheim 2005; 4., durchgesehene Auflage 2009; ISBN 3-928273-74-4; 238 Seiten; 13,50 Euro) enthält methodische Überlegungen über das Martyrium, erarbeitet die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Martyriumsverständnis der christlichen Konfessionen und verzeichnet die öffentlich geehrten Gewaltopfer aus dem Kommunismus des 20. Jahrhunderts, vor allem Erzbischof Eduard Profittlich S.J. Das von mir erstellte Einführungsbuch "Die katholischen deutschen Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Ein Verzeichnis" (Paderborn u.a. 1999; 2. Auflage 2000; ISBN 3-506-74777-6; 100 Seiten; 8,90 Euro), das alle Glaubenszeugen namentlich aufführt und seit Juli 2005 in vierter Auflage vorliegt, enthält in tabellarischer Form Kurzdaten zu den über 700 Glaubenszeugen, ein ganzseitiges Porträtfoto der mit einer Kanonisation Verbundenen (u.a. Sr. Teresia Benedicta a Cruce [Dr. Edith Stein] und Nikolaus Groß) sowie ein ausführliches Personen- und Ortsregister. Prälat Prof. Dr. Helmut Moll

Die Designerin Irina Klass hat eine Migrationsgeschichte der Russlanddeutschen verfasst. Ihre Arbeit zeigt mit Karten, Grafiken und Statistiken die Wanderungsbewegung von Deutschen nach Russland über die letzten zwei Jahrhunderte hinweg. Diplomarbeiten sind meist nicht nur der Schlusspunkt einer akademischen Ausbildung, sondern oft auch sehr persönliche Auseinandersetzungen mit einem Forschungsgegenstand. Zumindest war dies so bei Irina Klass. Die Deutsche aus Russland, die seit 1994 in Deutschland lebt und an der Fachhochschule Münster Grafikdesign studierte, sah sich immer wieder mit diesen Fragen konfrontiert: Wer sind eigentlich die Russlanddeutschen und warum sind sie nach Deutschland zurückgekehrt? „Auf diese Fragen wusste ich keine Antwort, obwohl ich selbst eine Russlanddeutsche bin“, sagt sie. So machte sich die 30-Jährige an die Arbeit und erstellte eine visualisierte Migrationsgeschichte der Russlanddeutschen mit dem Titel „Wo ist unsere Heimat?“. In erster Linie wollte sie selbst Antworten auf häufig gestellte Fragen finden und konnte zugleich auch

anderen Menschen mehr über die Russlanddeutschen erklären. Inhaltlich konzentriert sich die Autorin auf die Wanderungsgeschichte der Deutschen in Russland. Sie zeigt auf, aus welchen Gebieten Deutschland die späteren Russlanddeutschen ursprünglich stammen und wo sie sich in Russland angesiedelt haben, weiterwanderten und später deportiert wurden. Ferner wird die prozentuale und geografische Verteilung der deutschen Bevölkerung im Verlauf der letzten zweihundert Jahre russischer Geschichte dargestellt. Mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder war Irina Klass mit 16 Jahren aus Nowosergiewka bei Orenburg am Ural nach Deutschland gekommen. „Am Anfang erschien mir alles wie ein Abenteuer“, sagt sie heute. Erst später habe sie realisiert, was mit ihr geschah: „Für mich begann mit 16 Jahren ein völlig neues Leben in einem mir bis dahin völlig fremden Land, in dem ich nicht einmal die Sprache verstand.“ Heute ist das anders: Irina Klass hat ihre Heimat gefunden. Ihr Zuhause ist die westfälische Stadt Münster. Dort lebt ihre Familie, dort sind ihre Freunde. „Deutschland bietet mir eine bessere Zukunft und viele Möglichkeiten, mein Leben besser zu gestalten, als es mir in Russland möglich wäre“, meint sie. Wilhelm Siemers (ornis-press)

„Herr Felde und der Wert der Dinge"

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o der Titel der neuen Filmproduktion von Klaus Peter Karger, der das Porträt des Reparatur-Schuhmachers Wilhelm Felde und der Kundschaft in seinem kleinen Ladengeschäft in der Villinger Färberstraße zeigt. Der Deutsche aus Russland wurde in Kirgisien geboren und kam 1990 mit seiner Familie nach Deutschland. Heute betreibt der gelernte Schuhmacher ein kleines Reparaturgeschäft im Schwarzwald. Am 11. November 2011 hatte der Dokumentarfilm seine Uraufführung in VillingenSchwenningen und ist seither zum Publikumsrenner geworden. In den vergangenen Monaten ist der Streifen in Kinos in Villingen-Schwenningen, Freiburg, Kenzingen, Rottweil, Triberg, Titisee-Neustadt, Rottenburg bei Tübingen und Donaueschingen gelaufen und hat viele begeisterte Zuschauer gefunden. Weitere Aufführungen: • 5. Mai: Beim Neisse-Filmfestival im sächsischen Zittau. • 23., 27. und 28. Mai: Esslingen, Kommunales Kino (im Beisein des Regisseurs). • Ab dem 22. Juni: Pforzheim, Kommunales Kino (im Beisein des Regisseurs). Mehr dazu unter www.kargerkultur.de www.herr-felde-film.de 17

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DIE LANDSMANNSCHAFT

Internationale Wochen der Deutschen aus Russland in München

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ahlreiche Gäste folgten der Einladung der Orts- und Kreisgruppe München der Landsmannschaft zur Eröffnungsfeier der Internationalen Wochen der Deutschen aus Russland am 22. April in den Räumen des Anton-Fingerle-Bildungszentrums. In dieser Zeit wird hier zum ersten Mal die landsmannschaftliche Wanderausstellung in München präsentiert. Bei der Eröffnungsfeier stand das kulturelle Erbe der Deutschen aus Russland, vorgestellt von russlanddeutschen Kulturgruppen aus Bayern, im Mittelpunkt. Die Wochen werden von der Ortsgruppe München (Vorsitzender Viacheslav Lel) in Kooperation mit der Ausstellung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der deutschen aus Russland“ (Projektleiter Jakob Fischer) und dem Projekt „Angekommen und integriert in Bayern“ mit der Projektleiterin Olga Gusch durchgeführt, in deren Händen die Gesamtorganisation liegt. Das Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen gefördert. Neben der Präsentation der Wanderausstellung erwartete die Gäste eine Bilderausstellung der Schwanthaler Kunstschule von Willi Bunkowski. Der Literaturkreis der Deutschen aus Russland in Bayern (Leiterin Maria Schefner) stellte sich mit Büchern unter dem Motto „Eine unbekannte Seite der deutschen Literatur“ vor. Mit allerhand russlanddeutschen Leckerbissen sorgten die Organisatoren auch für das leibliche Wohl der Gäste. Zu den Ehrengästen gehörten unter anderem Adolf Fetsch, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft, Brigitte Steinert, stellvertretende Direktorin des Hauses des Deutschen Ostens, und Lothar Palsa von der Ackermann-Gemeinde München. Jakob Fischer, der die Veranstaltung moderierte, stimmte die Gäste gemeinsam mit Lina Neuwirt und ihren Liedern „Bayern ist schön“, „Wo bist du geblieben?“ und „Mein Heimatdorf“ auf einen emotionalen Kulturnachmittag ein. „Meine Oma und Mutter trugen in der Verbannung bis zuletzt die Schlüssel ihres Hauses in der Heimat - in der Hoffnung, einmal zurückzukommen“, sagte die Sängerin. An die schmerzvolle Zeit der Deportation und Verbannung erinnerte auch Adolf Fetsch in seinem Grußwort: „Nachdem wir das vergangene Jahr dem Gedenken

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Von links: Olga Gusch, Waltraud Fetsch, Jakob Fischer, Birgit Steinert und Adolf Fetsch bei der Eröffnungsveranstaltung in München.

an den Beginn der Deportation der Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion vor 70 Jahren gewidmet haben, erinnern wir heuer an den 75. Jahrestag des 'Großen Terrors' in der Sowjetunion der Jahre 1937 und 1938, der etwa 55.000 Deutschen des Landes das Leben kostete, und den 70. Jahrestag der Mobilisierungen von deutschen Frauen und Männern für die Zwangsarbeitslager der so genannten Trudarmee." Weiter hob der Bundesvorsitzende die Bedeutung der landsmannschaftlichen Ausstellung für die Aufklärung über die Geschichte und Gegenwart der Volksgruppe hervor: „Unter den landsmannschaftlichen Projekten ragt die Ausstellung nicht nur deshalb hervor, weil sie anschaulich

Auftritt der Gruppe "Letas".

über die Deutschen aus Russland berichtet, sondern auch weil sie es uns seit Jahr und Tag ermöglicht, Zugang zu breiten Bevölkerungskreisen zu erhalten, die über unsere Volksgruppe nur unzureichend informiert sind.“ Anschließend schilderte Jakob Fischer die wichtigsten Aspekte der russlanddeutschen Geschichte. Im Duett mit Lina Neuwirt und mit SoloGesang unterhielt Fischer die Gäste mit bekannten Melodien aus dem alten und neuen Liedgut der Russlanddeutschen und inspirierte die Zuschauer zum Mitsingen. Unterstützung bekam er auch vom Chor „Russische Seele“ (Leitung: Eleonore Kocnov) aus München, der mit Darbietungen wie „Isabella“ oder „Bierlied“ viel Beifall erntete.


DIE LANDSMANNSCHAFT

„In der Kultur zu Hause“

„Angekommen und integriert in Bayern“ Durch die Angebote des Projektes werden die Potentiale der Selbstorganisationen der Zuwanderer aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und ihrer ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter in Bayern gestärkt, ihr Engagement sichtbar gemacht und damit ungenutzte Potentiale ausgeschöpft. Die dreijährige Maßnahme wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen sowie dem Bundesministerium des Innern über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert. Intensive Netzwerkarbeit und Unterstützung der Ehrenamtlichen beim Ausbau der Kooperationen mit regionalen und kommunalen Integrationsnetzwerken stehen im Mittelpunkt der Projektarbeit. Kontakt: Olga Knaub (Hausen) Zuständig für Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken, Oberpfalz Tel.: 09779-850272 Fax.: 09779-850273 E-Mail: lmdr.knaub@yahoo.de Olga Gusch (München) Zuständig für Schwaben, Oberbayern, Niederbayern Tel.: 089-44141907 Fax: 089-44141906 E-Mail: lmdr.gusch@gmx.de Der Schwerpunkt lag allerdings auf den überlieferten Hochzeitstraditionen der Wolgadeutschen, die durch Lieder und Tänze („Auf dem Bauernhof“, „Paso de España“, „Hopsapolka“, „Stampfpolka“, „Tanz mit den Bändern“ oder „Polka-Galopp“) des Volkskunstensembles „Birkenhain“ aus Schlüsselfeld mit der Leiterin Nadja Fuchs veranschaulicht wurden. Große tänzerische Klasse zeigte erneut die Tanzgruppe „Letas“ (Leiterin Elena Müller) aus München. Diesmal hatte sie ihre Premiere mit einem „Deutschen Tanz“, bei dem sich gleich zwei Generationen der Gruppe in aufwendig gefertigten Bühnentrachten präsentierten. Im weiteren Verlauf des Kulturnachmittags brillierte sie mit einem kasachischen, einem russischen und einem Zigeunertanz. Sowohl Jakob Fischer als auch die Projektleiterin Olga Gusch und der Ortsgruppenvorsitzende Viacheslav Lel nutzten die Gelegenheit, für die weiteren Vorhaben und Projekte der Orts- und Kreisgruppe zu werben, etwa für den Abschlusstag der Internationalen Wochen am 6. Mai (ab 12 Uhr im Anton-Fingerle-Bildungszentrum) mit einem vielfältigen Kulturprogramm. Nina Paulsen

Abwechslungsreiches Kulturwochenende der Landesgruppe Bayern

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s ist wie dahoam“, so die zufriedenen Äußerungen der Seminarteilnehmer nach dem Auftritt der Schauspielerin Maria Warkentin, die im Rahmen ihres Workshops spontan in die Rolle der „russlanddeutschen Oma“ schlüpfte und in der authentischen Mundart ihrer wolgadeutschen Mutter über die Auswanderung und das Einleben in Deutschland erzählte. Mit dem Motto „In der Kultur zu Hause“ und den Schwerpunkten Gesang, Tanz und Theater lockte die Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft über 30 kulturinteressierte Landsleute aus verschiedenen Orten Bayerns in das Schweinfurter Jugendgästehaus zum Kulturwochenende vom 24. und 25. März. Die überlieferten kulturellen Traditionen und Bräuche der Deutschen aus Russland standen im Mittelpunkt des Seminars. Das Projekt wurde aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen gefördert. Die Gesamtorganisation lag in den Händen der Projektleiterin Olga Knaub (Projekt „Angekommen und integriert in Bayern“), die von den Aktiven der Ortsgruppe Schweinfurt unterstützt wurde. Eingeladen waren Chor- und Tanzleiter sowie Kulturreferenten russlanddeutscher Kulturgruppen und der bayerischen Ortsgliederungen der Landsmannschaft. Sachkundige Referenten thematisierten zusammen mit den Teilnehmern Aspekte der

Maria Warkentin

kulturellen Breitenarbeit, anschließend vertieft in praktischer Gruppenarbeit. Die Teilnehmer wurden vom Gastgeber Ewald Oster, Mitglied des Bundesvorstandes der Landsmannschaft und Vorsitzender der Ortsgruppe Schweinfurt, sowie vom Bayerischen Landesvorsitzenden Waldemar Eisenbraun (Regensburg) begrüßt. Ewald Oster stellte seine Ortsgruppe vor, die seit Jahren lebendige Integrations- und Kulturarbeit leistet. Der 20-jährige Peter Aifeld, Sprecher der Ortsgruppe Schweinfurt und Mitglied der Jugendgruppe Indigo, berichtete über die Jugendarbeit in seiner Stadt.

Die Teilnehmer des Tanzseminars. 19

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DIE LANDSMANNSCHAFT Dr. Robert Korn, Mundartforscher und Kenner der russlanddeutschen Musikkultur, gewährte einen Einblick in die Geschichte der Erforschung und Dokumentation des Liedguts der Russlanddeutschen im 19. und 20. Jahrhundert und stellte das Buch „Es war einmal… “ vor, das er gemeinsam mit dem russlanddeutschen Musiker Eduard Isaak verfasst hat. Die Publikation enthält zahlreiche Lieder der Deutschen aus Russland von den Anfängen bis in die Gegenwart. Die Inhalte des Buches standen im Mittelpunkt der Gruppenarbeit mit Olga Baluyev, die in Schweinfurt den russlanddeutschen Chor „Harmonie“ leitet. Sie übte mit den Teilnehmern eine Auswahl alter deutscher Volkslieder und Romanzen aus dem Buch, unterstützt von Viktor Stricker auf dem Akkordeon. Auf kreative Art lockerte sie die Gruppenarbeit mit Übungselementen aus ihrem Beruf als Musikgeragogin (Bildendes Musizieren mit alten Menschen) auf. Zur gleichen Zeit beschäftigte sich die Tanzgruppe unter der Leitung von Nadja Fuchs (zusammen mit ihrem Mann Waldemar) vom Tanzensemble „Birkenhain“ aus Schlüsselfeld mit der „Tanztradition

Olga Baluyev

der Russlanddeutschen“. Als Schlussergebnis wurden „Walzer“ und „Stampfpolka“ von den Teilnehmern aus München und Ansbach als bühnenreife Präsentation aufs Parkett gelegt. Der Theater-Workshop war für die Teilnehmer allein schon wegen der Präsenz der Schauspielerin Maria Warkentin aus Niederstetten ein Erlebnis. Seit 1994 in

Deutschland, leitet sie seit über zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Peter das Russland-Deutsche Theater Niederstetten. „Ich wünsche mir, dass unsere Landsleute sich für Amateurtheater begeistern“, so Maria Warkentin. Vor allem bei der Aufarbeitung der Geschichte der Volkgruppe und ihrer Popularisierung unter den Einheimischen sei das Theater ein sehr wirkungsvolles Mittel, weiß die Schauspielerin aus eigener Erfahrung. In lebendiger Gruppenarbeit erfuhren die Teilnehmer, wie man ein Amateurtheater aufbaut und was ein Improvisationstheater ist. Auch die Teilnehmer konnten sich mit ihren Erfahrungen einbringen, so beispielsweise Erna Horn aus Sulzbach-Rosenberg mit Übungen für Seniorentanz. In jeder Arbeitsgruppe bekamen die Teilnehmer außerdem Handreichungen, die ihre Arbeit vor Ort unterstützen sollen. Ein Bücher- und Zeitschriftentisch der Landsmannschaft sowie eine aufschlussreiche abendliche Stadtführung durch Schweinfurt, bei der man die Stadt von ihrer historischen Seite kennen lernte, rundeten das angebotsreiche Kulturwochenende ab. Nina Paulsen

Bleibende Eindrücke in Berlin Jugendliche aus Lahr zu Besuch in der Bundeshauptstadt

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uf Einladung des Bundestagsabgeordneten Peter Weiß (CDU) aus dem Wahlkreis Lahr/Emmendingen reiste eine Jugendgruppe der Ortsgruppe Lahr (Baden-Württemberg) der Landsmannschaft vom 8. bis 11. Februar nach Berlin.

Die erlebnisreichen Tage mit vielen spannenden Programmpunkten begannen am Donnerstagmorgen mit einer Führung durch eine ehemalige Zentrale Untersuchungshaftanstalt in Berlin. Darauf folgte eine Stadtrundfahrt, die sich an politischen Gesichtspunkten orientierte.

Politisch interessierte Jugendliche der Jugendgruppe Lahr mit MdB Peter Weiß (4 von links) und dem Vorsitzenden der Ortsgruppe Lahr der Landsmannschaft, Waldemar Held (6. von rechts), im Deutschen Bundestag. 20

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Am Nachmittag durften wir den Bundestag besichtigen und schließlich eine Plenarsitzung mitverfolgen, in der allerdings, anders als erwartet, nicht heftig diskutiert wurde, sondern die Argumente eher nüchtern dargelegt wurden und viele Abgeordnete anderweitig beschäftigt waren, was uns ein wenig enttäuschte. Die anschließende Diskussion mit Peter Weiß ermöglichte uns, Fragen zur Komplexität des Alltags eines Politikers zu stellen. Highlight des Tages war für uns allerdings die Besichtigung der beeindruckenden Glaskuppel des Bundestages, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Zum Programm am Freitag gehörten Besichtigungen des Bundeskanzleramtes und der Landesvertretung Baden-Württembergs sowie ein Informationsgespräch im Ministerium für Arbeit und Soziales. Die interessanten Eindrücke wurden meist mit abendlichen Sparziergängen durch die eindrucksvolle Stadt abgeschlossen. Am Samstag waren dann einige Stunden Freizeit für Museumsbesuche oder zum Einkaufen eingeplant. Die Berlinreise brachte uns bleibende Eindrücke. Es waren zwar nur wenige, doch sehr bildende, interessante und fröhliche Tage. Der Vorstand, Ariana Merkel


DIE VOLKSGRUPPE

Erinnerungen an Pfarrer Heinrich Römmich und Teodor Römmich

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die immer als Erste meine Bücher als Geschenk erhielten. Ich bin mir sicher, dass sich noch mehrere unserer älteren Mitglieder über den Bericht von Daniel Ressler gefreut haben. Ich danke dem jungen Mann dafür und hoffe, noch mehr von ihm in VadW zu lesen. Nelly Däs, Waiblingen

n der Osterausgabe von VadW kam ein Bericht über Pfarrer Heinrich Römmich, über den ich mich sehr gefreut habe, denn die Älteren werden mit der Zeit völlig vergessen. Ich binPfarrer Römmich bei mehreren Gelegenheiten begegnet: Als die deutschen Truppen die Ukraine besetzt hatten, kam Pfarrer Römmich 1942 in die evangelische Kirche von Prischib in der Ukraine und hielt dort eine Andacht. Ich war damals zwölf Jahre alt und durfte mit meiner Mutter, meinem Großvater und meinem Onkel Alexander Ebert, der in Andrenburg Lehrer war, zur Kirche fahren. Für mich war das etwas ganz Besonderes, denn die Kirchen waren ja noch kurz davor von den Kommunisten zumeist als Getreidesilos missbraucht worden. Unsere evangelischen Gläubigen hatten sofort nach der Besetzung Prischibs durch die Deutschen mit der Renovierung der Kirche begonnen. Wir fuhren schon sehr früh von Andrenburg weg, es waren immerhin 18 Kilometer bis Prischib, um ja noch einen Platz in der Kirche zu bekommen. Die Menschen kamen von nah und fern. Nachdem der größte Teil der Bewohner 1941 nach Sibirien deportiert worden war, waren die meisten deutschen Dörfer um Prischib beinahe leer. Zum Prischiber Kirchspiel gehörten außer Andrenburg unter anderem die deutschen Dörfer Grüntal, Altmontal und Rosental. Und dann sah ich Pfarrer Römmich auf der Kanzel. Er sprach von Gott und von Jesus; für mich war das nichts Neues mehr, denn mein Onkel Alexander hielt inzwischen zweimal pro Woche Gottesdienst in der Schule und jeden Sonntag für die Erwachsenen. Nach seiner Predigt mischte sich Pfarrer Römmich unter die Besucher. Mein Großvater und mein Onkel Alexander konnten mit ihm ein Gespräch führen. 18 Jahre später, ich war in den Vorstand der Ortsgruppe Stuttgart der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gewählt worden, zelebrierte ein Pfarrer den Gottesdienst bei unserer Weihnachtsfeier. Ich sah den Mann vorne stehen, der mir irgendwie bekannt vorkam. Und plötzlich erschien vor meinen Augen die Kanzel in Prischib, und ich wusste: Hier steht derselbe Mann, der 1942 zu uns nach Prischib gekommen war, Pfarrer Heinrich Römmich! In der Pause ging ich

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uf der letzten Seite der AprilAusgabe 2012 unserer Zeitschrift "Volk auf dem Weg" erzählt Daniel Ressler stolz von seinen Verwandten, zu denen auch der Gründer der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (damals Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler), Pfarrer Heinrich Römmich (1888-1980), gehörte.

Pfarrer Heinrich Römmich

auf ihn zu und fragte ihn, ob er 1942 tatsächlich in Prischib gewesen sei, was er bejahte. Die Freude war auf beiden Seiten groß. Ich erzählte ihm von unserer Flucht, die im September 1943 begonnen und für mich 1945 in Schwäbisch Gmünd, BadenWürttemberg, geendet hatte. Wir blieben in Kontakt, und später kam noch Dr. Karl Stumpp hinzu. Die beiden ermunterten mich zu schreiben, und sie waren es auch,

Teodor Römmich

Die Namen der Männer und Frauen, die nach dem Krieg ihre Stimmen für uns Deutsche aus Russland erhoben haben, die sich dafür einsetzten, dass wir als Deutsche anerkannt wurden, denen wir es zu verdanken haben, dass wir jetzt deutsche Staatsangehörige sind, sollen in keinem Fall vergessen werden. Zusätzlich will ich von einem weiteren Römmich berichten, der unserer Familie sehr geholfen hat, dass sie heute hier ist, von Teodor Römmich, einem Cousin von Pfarrer Heinrich Römmich. Sein Sohn, mein Schwager Viktor Römmich, starb am 26. November 2011 in Stuttgart. In seinem Archiv fanden wir sehr viele Unterlagen über die erfolgreiche Suche des ehemaligen Lehrers Teodor Römmich nach seinen Wurzeln hier in Deutschland. Wir fanden auch einen Ergänzungsbericht über die Geschichte der deutschen Kolonien in Südrussland (Ukraine), und er verfasste anhand von Urkundenmaterial eine besonders große und wichtige Arbeit über die Kolonie Worms, Gebiet Odessa, die nicht in Vergessenheit geraten darf. Außerdem fanden wir einen Glückwunschbrief von Pfarrer Heinrich Römmich zum 70. Geburtstag Teodor Römmichs am 21. November 1969, in dem er seinem Cousin unter anderem für seine zuverlässige Arbeit als Buchhalter bei der Landsmannschaft dankte. Wir nehmen das, was die bundesdeutsche Regierung für uns tut, oft als selbstverständlich hin, dabei vergessen wir allzu leicht, was die Landsmannschaft hier für uns geleistet hat. Diese Leistungen dürfen aber nicht in Vergessenheit geraten! Philipp Huber, Stuttgart 21

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LANDSMANNSCHAFT REGIONAL

BadenWürttemberg

(Muttertag) am 12. Mai um 14.30 Uhr im Sozialzentrum Ulm-Wiblingen, Buchauer Str. 12. Bei Kaffee und Kuchen erwarten Sie ein kleines Konzert und Tanz. Wir freuen uns auf Ihr zahlreiches Erscheinen. Der Vorstand

Lahr Im Martins-Kindergarten (Sozialraum) in Lahr, Kanadaring 25/2, trifft sich jeden Donnerstag um 19 Uhr die Singgruppe der Ortsgruppe. Alle, die Spaß am Singen haben, sind herzlich eingeladen. Wir organisieren eine Gruppe für Musikinteressierte. Wer ein Musikinstrument erlernen will, wendet sich bitte an Olga Held, E-Mail: olgaheld@gmx.de. Die Mal- und Zeichengruppe für Kinder und Jugendliche lädt jeden Freitag von 15 bis 17 Uhr in das Bürgerzentrum K2 in Lahr, Kanadaring 2, ein. Anmeldungen bei Frau Fuks, Tel.: 07825-869664, oder Frau Taranenko, Tel.: 07821-5495249. Unsere allgemeine Sozialberatung führen wir jeden Freitag von 17 bis 19 Uhr ebenfalls im Bürgerzentrum K2 durch. Der Sprachförderunterricht Englisch/ Französisch für Anfänger und Fortgeschrittene benötigt eine Anmeldung unter Tel. 07821-402530 bei Frau Held oder 07821-5495249 bei Frau Taranenko. Wer nähen und schneidern lernen will, kann jeden Donnerstag von 9 bis 12 Uhr im Bürgerzentrum K2 unter der Leitung von Helene Sauer damit anfangen. Alle, die Spaß am gemeinsamen Kochen haben, sind herzlich zu unserem Familienkochtreff eingeladen, der an jedem 4. Montag des Monats von 18 bis 20 Uhr in den Räumlichkeiten der MelanchthonGemeinde in Lahr, Georg-Vogel-Str. 1, stattfindet. Thema des Treffens am 21. Mai ist „So kochte man im Kasachstan z.B. Beschbarmak“. Anmeldungen bei Frau Held, Tel.: 07821-402530. Das Existenzgründerzentrum der Ortsgruppe bietet allen Mitgliedern, für die "Selbständigkeit" kein Fremdwort ist, Unterstützung an. In Kooperation mit der IHK Südlicher Oberrhein und der Stadt Lahr findet am 14. Juni von 18 bis 20 Uhr in den Räumlichkeiten der IHK in Lahr, Lotzbeckstr. 31, ein Vortrag zum Thema „Recht und Steuern: Rechts- und Steuertipps für Existenzgründer/innen“ statt. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich, da die Anzahl der Plätze begrenzt ist. Wer sich angesprochen fühlt, meldet sich bitte unter der E-Mail-Adresse waldemar.held@ gmx.de. Der Vorstand

Ostalb Schwäbisch Gmünd Edith und Johann Klein feiern am 1. Mai 2012 ihre goldene Hochzeit. Liebe Frau Klein, lieber Herr Klein, wir gratu22

VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 / 2012

Bayern München Edith und Johann Klein

lieren Ihnen ganz herzlich zu Ihrem Jubiläum und wünschen Ihnen alles Liebe und Gute. Bleiben Sie noch lange Jahre glücklich und gesund miteinander. (Dieser Gratulation schließt sich der Vorstand der Landesgruppe Baden-Württemberg von Herzen an und wünscht den beiden Gesundheit und viel Kraft für noch viele glückliche und zufriedene Jahre im Kreise der Familie. Vor 50 Jahren haben sich zwei Herzen gefunden,/ und seither sind sie miteinander eng verbunden./ In dieser Zeit gab es viel Freud und auch Leid,/ doch die Liebe, Kraft und Energie gaben ihnen die lebenslange Garantie.) Wir laden alle Wanderlustigen ein, mit uns am 2. Juni auf dem schönen Skulpturenpfad Niederalfingen zu wandern. Dabei haben wir die Möglichkeit, auf dem Grillplatz Rainau-Buch zu grillen. Nähere Infos und Anmeldungen bei Herrn Magal, Tel.: 0176-26076184, und Frau Klein, Tel.: 07173-4288. Der Vorstand

Pforzheim Liebe Freunde! Wir laden Sie alle recht herzlich ein zu unserem beliebten Kulturnachmittag am 13. Mai ab 14 Uhr im Mehrgenerationenhaus (Bürgerhaus) Haidach in Pforzheim, Marienburger Straße 18. Bei Kaffee/Tee und Kuchen haben Sie die Möglichkeit, in gemütlicher Atmosphäre alte Freunde und Bekannte zu treffen und neue Freundschaften zu schließen sowie zusammen zu musizieren und einfach Spaß zu haben. Ebenfalls im Mehrgenerationenhaus Haidach veranstaltet der Chor "Gute Laune" am 5. Mai (Einlass ab 13 Uhr, Beginn 14 Uhr) ein Treffen für Chöre aus Nah und Fern. Es ist jetzt schon zur Tradition geworden, dass die Chöre in jedem Frühling in Pforzheim zusammenkommen, um ihren Gesang zu präsentieren. Wir laden alle Interessenten herzlich ein. Edmund Siegle

Ulm und Umgebung Liebe Landsleute, wir laden Sie alle mit Ihren Verwandten und Bekannten ganz herzlich ein zu unserem Frühlingsfest

Der Vorstand der Kreis- und Ortsgruppe München lädt alle Interessenten zu folgenden Veranstaltungen ein: • Bis 6. Mai: Präsentation der Wanderausstellung der Landsmannschaft im Anton-Fingerle-Bildungszentrum in München, Schlierseestr. 47. Am 6. Mai, 12 Uhr, erwartet die Gäste ein Abschlussprogramm unter dem Motto „Kreativität der Münchner Kinder“ mit dem Opernmärchen „Die gestohlene Geige“, dem Konzert „Junge Stars auf der Amateurbühne“ (mit Talenten aus Straubing und Augsburg als Gästen), Ausstellungen von Erwachsenen und Kindern der Schwanthaler Kunstschule sowie russlanddeutschen Autoren aus München und Bayern im Foyer. • 13. Mai, 14 Uhr: Muttertagsfeier in der Rumfordstr. 21a mit dem Chor „Poljanuschka“, Kaffee und Kuchen. • 20. Mai: Busreise für Kinder (bis zwölf Jahre) und ihre Eltern, um die neue Heimat Bayern kennenzulernen. Besucht werden das Südostbayerische Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf und der Freizeitpark Ruhpolding. Ihre Rückfragen werden gerne von Olga Gusch beantwortet, die tagsüber unter der Tel.-Nr. 089-4414907 erreichbar ist. Der Vorstand

Regensburg Daumen hoch! Die Luft ist vom Kaffeearoma und dem lieb gewonnenen Duft hausgemachter Kuchen erfüllt. Der Raum füllt sich schnell, schon bald müssen weitere Sitzmöglichkeiten organisiert werden. Bekannte und neue Gesichter richten ihre Blicke voller Vorfreude auf die Bühne. „Schön, dass wir wieder zusammengekommen sind. Daumen hoch!“, sagt ein älterer Gast. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Waldemar Eisenbraun, führt mit Witz, tiefsinnigen Aussagen und dankender Anerkennung durch die Veranstaltung. Viktor, Regina und Gabriel Dukart präsentieren ihr Können auf der Bühne und schenken dem Publikum ein Meisterstück nach dem anderen. Die talentierte Musikerin und mehrfache Preisträgerin Regina Dukart


BEILAGE

JSDR - MAI 2012

Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland www.jsdr.de

"Tue Gutes und rede darüber!" Neue Rubrik für eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit des Jugend- und Studentenrings der Deutschen aus Russland und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.

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ue Gutes und rede darüber“ – unter diesem Motto möchte der JSDR NRW den Ortsgruppen der Landsmannschaft in Nordrhein-Westfalen seine Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit anbieten. Jeder, der Hilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit braucht, kann sich in der Zukunft an redaktion@jsdr.de wenden. Aus ein paar Notizen entsteht hier eine kleine Meldung, und wenn es mehr sein soll, kommt ein JSDR-Reporter vorbei. In den Ortsgruppen der Landsmannschaft in NRW und auch beim JSDR bringen sich viele Talente mit Herzblut ein. Wir organisieren Heimatabende und Sportfeste, spielen Theater oder schreiben Gedichte, aber berichten nicht immer darüber. Oft fehlt die Zeit, einen Bericht zu schreiben, und hin und wieder fehlen auch einfach nur die richtigen Worte. Wer Hilfe beim Verfassen von Texten über Ereignisse in den Ortsgruppen braucht, kann sich ab jetzt an redaktion@jsdr.de oder Tatjana Weber wenden. Diese Zusammenarbeit zwischen den LmDR- und JSDR-Gruppen soll auch Raum für praktischen Austausch schaffen. Dadurch wird ein Einblick in

die Arbeit der Ortsgruppen ermöglicht. Wenn z.B. in der Ortsgruppe Neuss der Landsmannschaft ein Tanzabend stattfindet, wäre es auch für den JSDR interessant, hinter die Kulissen zu blicken und eine kleine Ankündigung zu schreiben. Diese erscheint dann hier im Jugendteil der Zeitschrift "Volk auf dem Weg". So werden auch mehr junge Menschen der Landsmannschaft auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Das Wissen und die Erfahrung der Aktiven der Landsmannschaft könnte auf diese Weise an die jungen Leute im JSDR und an alle, die sich dafür interessieren, weitergegeben werden. Vielfach hört man auf Seminaren über die Arbeit in den Gruppen, die allerdings nur durch kurze Notizen in der Zeitschrift erwähnt werden. Künftig könnte die Vielfalt der Landsmannschaft sichtbarer dargestellt werden. Wer in NRW Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit braucht, kann sich an Tatjana Weber wenden. Kontaktdaten und weitere Infos auf www. jsdr-nrw.de. Andere JSDR-Gruppen können sich dieser Initiative für eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit gerne anschließen! Tatjana Weber

Einladung zum JSDR-Sport- und Kulturfest 2012

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portfreunde aufgepasst! Bald ist es wieder soweit, das nächste bundesweite Sportfest des Jugend- und Studentenrings der Deutschen aus Russland findet am 16. Juni 2012 in Halle/Saale (SachsenAnhalt) statt. Folgende Turniere werden im Rahmen des Sportfestes durchgeführt: Fußball, Volleyball, Tischtennis, Schach, Tschapajew Dazu ein ausführliches Kulturprogramm für alle Anwesenden. Nähere Details und eine ausführliche Programmbeschreibung in der nächsten JSDR-Beilage in VadW sowie auf unseren JSDR-Internetseiten. Wir freuen uns auf Ihr Erscheinen! Infos unter: 0711-1665923 JSDR - Mai 2012 - 1

Wettbewerb:

Medienprojekt ,,Deutschland und Russland – zwei Heimatländer eines Volkes“

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b sofort habt ihr die Möglichkeit, an einem Wettbewerb des Medienprojektes ,,Deutschland und Russland – zwei Heimatländer eines Volkes“ teilzunehmen. Das Jugendprojekt ist dem 250. Jahrestag des Einladungsmanifestes der Zarin Katharina II. gewidmet. Bei dem Wettbewerb sollen die Jugendgruppen die geschichtlichen Ereignisse in kreativer Form (Videos, Fotos, Fachinterviews, Aufsätze, Power-PointPräsentationen etc.) präsentieren. Die Gewinner nehmen vom 18. bis 22. Juli 2012 an einem Foto-Meisterkurs in München teil. Die besten Ergebnisse werden im Internet im Rahmen der gemeinsamen Projekte zum 250. Jahrestag im Jahr 2013 vorgestellt. Bitte schickt uns eure Fotos, Ideen, Präsentationen und Videos an info@ jsdr.de zu. Bei Fragen zum Wettbewerb stehen wir unter der selbigen Adresse ebenfalls zur Verfügung. Projekt: Grenzüberschreitende Partnerschaftsmaßnahmen der Organisationen der deutschen Minderheit in der Russischen Föderation im Rahmen des Kooperationsabkommens der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, der AGO „Internationaler Verband der Deutschen Kultur“, des Jugendrings der Russlanddeutschen und des Jugend- und Studentenrings der Deutschen aus Russland. Gefördert vom Bundesministerium des Innern (Deutschland) und dem Ministerium für Regionale Entwicklung (Russland).


JSDR - MAI 2012

Der JSDR und der ,,grüne Daumen“

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m 22. April trafen sich Mitglieder des Jugend- und Studentenrings der Deutschen aus Russland aus Baden-Württemberg in Stuttgart zu einer gemeinsamen Aktion. Das Treffen wurde genutzt, um den beim JSDR-Forum vorgestellten Baum einzupflanzen. Zu den schönsten und nachhaltigsten Ideen zählt das Pflanzen eines Baumes. Diese Idee hatte wir bereits am 5. November 2011 in das dritte Forum des Jugend- und Studentenrings der Deutschen aus Russland eingebracht. Die große Bedeutung des Baums kam durch zahlreiche Wünsche, Bekundungen und Empfehlungen für die Zukunft zum Vorschein, die von den Jugendlichen auf grünen Bändern notiert und symbolisch auf dem JSDRBaum angebracht wurden. Im April dieses Jahres war es nun soweit. Der Baum hatte eine beachtliche Größe angenommen, und der Die JSDR-Vorsitzende Elena Bechtold (links) und weitere Teilnehmer der PflanzPlatz zum Anpflanzen mitsamt der aktion. städtischen Erlaubnis war gesichert. Der JSDR-Landesverband Baden- Ein Auszug aus den Wünschen und folg so erleuchtet seid wie der somWürttemberg nutzte die Möglichkeit Empfehlungen der russlanddeutschen merliche Himmel von der Sonne!“ ,,Teil haben und Teil sein. Nehmen Sie und pflanzte den Baum gemeinsam Jugendlichen: immer Teil an jedem Projekt, wenn Sie mit jungen Deutschen aus Russland zeremoniell und unter Beachtung aller ,,Wir wünschen der nachfolgenden Zeit und Lust haben. Motivieren Sie Vorsichtsmaßnahmen in die frische Generation viel Erfolg, die notwendi- sich gegenseitig. Der Baum der WünErde ein. Schließlich soll der Baum ge Motivation, um Ziele zu erreichen, sche wünscht Ihnen, stark zu sein und über kommende Generationen wach- Mut sowohl in schlechten als auch in alle Hindernisse beseitigen zu könsen und die Jugendlichen als sym- guten Situationen und Kraft, um alle nen!“ ,,Seid mutig, stark in jedem Fall, wir bolische Vorlage für Standfestigkeit, Wünsche zu erfüllen!“ Wachstum und Gesundheit erfreuen! ,,Was der Einzelne nicht schafft, unterstützen euch dabei!“ ,,Liebe junge JSDR-Mitglieder! Seien Der JSDR Baden-Württemberg emp- schaffen wir zusammen!“ fiehlt, ähnliche Aktionen in jedem Bun- ,,Ein Deutscher aus Russland glaubt Sie mutig, kreativ und voll von Ideen, immer an sich und die eigenen Kräfte. die diese Welt positiv verändern köndesland durchzuführen. Bemerkenswert war das große Inte- Ich wünsche euch, dass ihr vom Er- nen. Und glauben Sie fest daran, dass Sie dieser Aufgabe auch gewachsen resse der Einheimisind!“ schen, deren Fragen die Gruppe mit großer Abgerundet wurde die Aktion mit eiFreude beantwortete nem Ausflug zum Stuttgarter Frühund dabei die Bedeulingsfest auf dem Cannstatter Wasen. tung des Baumes für Das Bäumchen befindet sich in der die russlanddeutschen Roentgenstraße, nahe der BundesJugendlichen und den geschäftsstelle der Landsmannschaft JSDR-Verband erläuder Deutschen aus Russland in Stuttterte. gart. Der Platz wurde mit freundlicher Für den Abschluss Unterstützung der Stadt Stuttgart zusorgte die JSDR-Bungewiesen. Ein Dank im Namen des desvorsitzende Elena JSDR-Vorstandes Baden-WürttemBechtold mit einer Aufberg geht an Nikolai Magal, der das zählung aller Wünsche, nötige Wissen sowie Werkzeuge zur die von JSDR-Teilnehoptimalen Verpflanzung des Baumes mern beim Forum im bereitgestellt hat. vergangenen Jahr festIgor Christ gehalten wurden. Der Baum wird gepflanzt. JSDR - Mai 2012 - 2


JSDR - MAI 2012 Projekt: Grenzüberschreitende Partnerschaften mit Verbänden der deutschen Minderheit in der Russischen Föderation Ausschreibung für Multiplikatoren und pädagogische Sprachleiter der Sprachlager (Sprachassistenten) Sprachlager bzw. Sommercamps werden von Verbänden der deutschen Minderheit in Russland traditionell als Maßnahmen zur Sprach- und Identitätsförderung von Kindern und Jugendlichen organisiert. Im Rahmen der Kooperation zwischen den o.g. Partnerorganisationen wollen wir die Sommercamps mit unseren Jugendleitern unterstützen. Sommercamp

Zeitraum

Sommercamp in Bautzen (Deutschland)

14. Juni – 28. Juni

Ethnokulturelles Sprachcamp im Moskauer Gebiet

2. August – 16. August

Æ Was machen die Sprachassistenten? Å Arbeiten im Tandem mit den Lehrern aus Russland beim Deutschunterricht; vermitteln deutsche Sprachkenntnisse während und außerhalb des Unterrichts und fördern das Interesse der Jugendlichen an der deutschen Sprache; helfen bei der Organisation der zahlreichen Maßnahmen und Veranstaltungen in Camps. Æ Wer kann teilnehmen? Å Junge Russlanddeutsche, die beim JSDR aktiv sind, im Alter von 18 - 30 Jahren, die Interesse an der Teilnahme an Sommercamps als Sprachassistenten haben. Æ Was wird übernommen? Å Flugkosten bzw. Bahnkosten; Unterkunft und Verpflegung. Æ Wie kann ich mich anmelden? Æ Schickt uns per E-Mail ein kurzes Motivationsschreiben an info@jsdr.de mit Angaben eurer Tätigkeit beim JSDR. Bereits bestehende Erfahrungen im Bereich der Jugendarbeit und/oder Sprachassistenz wären von Vorteil. Gefördert vom Bundesministerium des Innern (Deutschland) und dem Ministerium für Regionale Entwicklung (Russland), der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Stuttgart), dem Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland (Stuttgart), dem Internationalen Verband der Deutschen Kultur (Moskau) und dem Jugendring der Russlanddeutschen (Moskau).

Die Teilnehmer des Familiensportfestes in Hannover.

JSDR - Mai 2012 - 3

Interkulturelles Familiensportfest „Vater, Mutter, Kind das beste Team gewinnt!"

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ie JSDR-Gruppe Hannover führte in Kooperation mit der Ortsgruppe Hannover der Landsmannschaft am 21. April ein Sportfest für die ganze Familie durch. Es wurde vom MTV Groß-Buchholz von 1898, von der Sparkasse Hannover und vom LandesSportBund Niedersachsen unterstützt. Das Fest ist in Hannover bereits zu einer kleinen Tradition geworden – das zweite Jahr in Folge konnten Familien mit Kindern bei abwechslungsreichen Aufgaben ihre Kräfte messen. Eröffnet wurde das Sportfest mit einem gemeinsamen Tanz. Sport, Familienzusammenhalt und Spaß standen sehr nah beieinander und erfüllten nicht nur die teilnehmenden Familien, sondern auch zahlreiche Zuschauer mit großer Freude. Die besten Teams wurden mit Medaillen und kleinen Preisen geehrt. Aber auch die Familienmannschaften, die nicht vorne gelandet waren, wurden von den Zuschauern mit viel Applaus und Anerkennung unterstützt. Für die kleinsten Teilnehmer gab es viele kreative Spiele und Unterhaltung, und für gute Laune sorgte eine Breakdance-Gruppe. Wir bedanken uns herzlich bei allen Helfern, die uns bei dem Sportfest unterstützt haben, sowie bei allen Teilnehmern und Zuschauern, die diese Veranstaltung zu einem tollen Erlebnis gemacht haben! Dimitri Singer, JSDR-Hannover


JSDR - MAI 2012 Projekt: Grenzüberschreitende Partnerschaften mit Verbänden der deutschen Minderheit in der Russischen Föderation Einladung zur Teilnahme am Internationalen Jugendcamp des Jugendrings der Russlanddeutschen (JDR) vom 19.-26. August, Region Saratow Sprachlager bzw. Sommercamps werden von Verbänden der deutschen Minderheit in Russland traditionell als Maßnahmen zur Sprach- und Identitätsförderung von Kindern und Jugendlichen organisiert. Im Rahmen der Kooperation zwischen den o.g. Partnerorganisationen wollen wir die Sommercamps mit unseren Jugendleitern unterstützen. Das Jugendcamp ist dem 15. Jahrestag der Gründung des Jugendrings der Russlanddeutschen (JDR) gewidmet. Die Teilnehmer aus Russland und Deutschland, die in verschiedenen Jahren in der Jugendbewegung der Russlanddeutschen aktiv waren, tauschen ihre Erfahrungen aus, besprechen gemeinsam Probleme und Entwicklungsperspektiven des JDR und erarbeiten optimale Modelle einer Zusammenarbeit über die Grenzen hinaus. Æ Wer kann teilnehmen Å Junge Russlanddeutsche, die in der Jugendbewegung der Russlanddeutschen aktiv sind und beim Aufbau des Jugendrings der Russlanddeutschen mitgewirkt haben. Æ Was wird übernommen? Å Flugkosten bzw. Bahnkosten; Unterkunft und Verpflegung. Æ Wie kann ich mich anmelden? Å Schickt uns per E-Mail ein kurzes Motivationsschreiben an info@jsdr.de mit Angaben eurer Tätigkeit beim JSDR. Gefördert vom Bundesministerium des Innern (Deutschland) und dem Ministerium für Regionale Entwicklung (Russland), der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Stuttgart), dem Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland (Stuttgart), dem Internationalen Verband der Deutschen Kultur (Moskau) und dem Jugendring der Russlanddeutschen (Moskau).

Ein neuer Sportverein in der JSDR-Landschaft!!!

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m 18. März 2012 wurde per einstimmigem Beschluss der neue Sport- und Kulturverein SKV Mülheim e.V. gegründet und kurze Zeit später in die Organisationsstruktur des JSDR NordrheinWestfalen integriert.

ße 93 in Mülheim a.d. Ruhr der neue Verein ins Leben gerufen und die Satzung durch alle 14 Gründungsmitglie-

Unter der Federführung des Vereinsvorsitzenden Sergej Mirosnicenko wurden in den Räumlichkeiten des Jugendheimes in der Blücherstra- Die Vorstandsmitglieder des SKV Mülheim. JSDR - Mai 2012 - 4

der einstimmig verabschiedet. Besonderer Dank gilt hier Denis Ginzburg vom Jugendmigrationsdienst der Diakonie Mülheim, der die Bereitstellung der Räumlichkeiten und der Trainingsstätte ermöglicht hat. Der SKV Mülheim e.V. bietet eine ideale Plattform für die Integration junger Deutscher aus Russland. So sollen neben dem Schwerpunkt des Fußballsports auch kulturelle Veranstaltungen unter Beteiligung der einheimischen Bevölkerung und interessierter Jugendlichen durchgeführt werden. Der Verein ist gemeinnützig und offen für alle. Das Training wird vorerst immer sonntags ab 13.30 Uhr auf der Sportanlage in Mülheim-Heißen stattfinden und in der Zukunft sicherlich noch erweitert werden. Für weitere Informationen steht Sergej Mirosnicenko unter der Tel.-Nr. 01632166785 zur Verfügung. Wir freuen uns, das neue sportliche "Kind" des JSDR NRW begrüßen zu dürfen, und hoffen auf eine rege Teilnahme an den zukünftigen Veranstaltungen des Vereines. Herzlichen Glückwunsch!!! D. Jaeger (JSDR NRW)

Breakdance in Hannover

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ie JSDR-Gruppe Hannover hat am 17. April 2012 einen Breakdance-Tanzkurs gestartet. Der Kurs findet einmal wöchentlich dienstags von 17.15 bis 18.15 Uhr im Nachbarschaftszentrum Spielarkaden in Hannover , Buchnerstr. 13b, statt. Breakdance macht Spaß und fördert Körpergefühl und Gemeinschaftssinn. Ebenso trägt unser Tanzkurs dazu bei, dass sich Kinder und Jugendliche besser kennenlernen und gemeinsam Freude an der Bewegung finden. Die Teilnehmer müssen keine Vorkenntnisse haben. Unser Tanzkurs ist so aufgebaut, dass jeder mitmachen kann. Teilnehmer, die schon Tanzerfahrung haben, werden sich ebenfalls nicht langweilen. Leitung: Maxim Pawluk, Deutscher und Europameister im Breakdance. Infos / Anmeldung: Tel.: 05136-9701736 JSDR-Hannover


LANDSMANNSCHAFT REGIONAL

Die Gäste des geselligen Nachmittags in Regensburg.

gibt etwas verlegen zu, ein Fach mit dem Schwerpunkt Maschinenbau zu studieren. „Klasse! Daumen hoch!“, finden wieder viele Landsleute. Nach einer ausgedehnten Kaffeepause stellt sich der elegant-klassisch gekleidete Chor „Donauklang“ vor der Bühne auf. Die Chorleiterin Frau Raff stimmt gekonnt das Publikum und die Sänger ein. Es folgen viele schöne Lieder, begleitet von Johann Junker auf dem Akkordeon. Die sichtlich zufriedenen Gäste verabschieden sich mit den Worten: „Gut gemacht, Daumen hoch!“ Familiensportfest Am 19. Mai veranstalten wir in Kooperation mit dem Förderverein ein Familiensportfest auf dem Gelände der Jugendfreizeitstätte „Haslbach“. Die Anlage befindet sich in einem Waldstück beim Brunnholzweg 25 in Regensburg. Das Fest beginnt um 14 Uhr und dauert bis etwa 19 Uhr. Im Vordergrund werden sportliche Aktivitäten für Klein und Groß stehen. Für das leibliche Wohl sowie das musikalische Rahmenprogramm wird gesorgt. Auch Kinderschminken bieten wir wieder an. Bei gutem Wetter kann das Schwimmbecken benutzt werden. Wir freuen uns auf zahlreiche Gäste, die spannende Wettbewerbe und viele schöne Momente erwarten dürfen. Wallfahrt nach Altötting Wie bereits angekündigt, wird für den 14. Juli wieder eine Busfahrt nach Altötting organisiert. Bei Interesse ist eine Anmeldung unter 09401-9549812 (Oleg Malovanij) erforderlich. Für Mitglieder gelten vergünstigte Konditionen. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Der Vorstand

chen Satzung hin (siehe S. 30). Im zweiten Teil der Veranstaltung lassen wir uns von musikalischen und tänzerischen Darbietungen unterhalten. Am 19. Mai um 19 Uhr lädt die Gesangsgruppe "Die Weide" zu einem fröhlichen Nachmittag mit Liedern zum Frühling und zum Muttertag ein. Die Feier findet statt im Stubbenhaus in Neuwiedenthal, Stubbenhof 2 (zu erreichen mit den Buslinien 250 und 251 bis "Twistering"). Der Vorstand

Hessen Kassel Neuer Vorstand gewählt: Am 30. März fand die Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Kassel mit der Wahl eines neuen Vorstandes und einem gemütlichen Beisammensein im Kasseler Rathaus statt. Das Grußwort sprach der Regierungspräsident des hessischen Regierungsbezirks Kassel. Dr. Walter Lübcke. Er überbrachte die Grüße der Hessischen Landesregierung und lobte die Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe Kassel bei der Integration der Spätaussiedler. Der Vorsitzende der Landesgruppe Hessen der Landsmannschaft, Johann Thießen, leitete die Wahlversammlung. Die amtierende Vorsitzende Svetlana Paschenko wurde in ihrem Amt ebenso einstimmig bestätigt wie Johannes Asselborn

Wir wünschen Luise Mamberger zu ihrem 60. Geburtstag ganz herzlich beste Gesundheit, viele glückliche und schöne Jahre und Gottes Segen. Nur schöne Tage soll es geben,/ Gesundheit, Glück und langes Leben. Der Vorstand der Ortsgruppe Gießen. (stellvertretender Vorsitzender), Lydia Gitschew (Seniorenreferentin), Natalie Paschenko (Öffentlichkeitsreferentin, Schatzmeisterin und Schriftführerin) und Konstantin Freund (Kulturreferent). Neu im Vorstand sind Larissa Melcher (Sozial- und Gesundheitsreferentin) und Hilda Schetinin (Jugend- und Bildungsreferentin). Kassenprüfer sind Sofia Arent, Pauline Ehrlich und Lydia Süss. Kranzniederlegung: Seit 1987 ist es zur guten Tradition geworden, am Ostermontag im Grenzdurchgangslager Friedland der Opfer der kommunistischen Diktatur in der ehemaligen Sowjetunion zu gedenken. Die Ortsgruppe Kassel pflegt diese Tradition weiter und nahm mit 40 Landsleuten aus Kassel zum 13. Mal in Folge an der Gedenkfeier teil. „Geschichte bewahren, Zukunft gewinnen“ - unter diesem Motto stand die Ansprache der Vorsitzenden Svetlana Paschenko. Die Trudarmistin Maria Bartuli erzählte aus eigener Erfahrung über das schwere Schicksaal und die Zwangsarbeit der Russlanddeutschen in der Trudarmee. Anschließend wurde der

Hamburg Wir laden unsere Mitglieder herzlich ein, einen neuen Vorstand der Ortsgruppe Hamburg zu wählen. Zu diesem Zweck treffen wir uns am 26. Mai 2012 um 14 Uhr im Westibül in Nettelnburg, Friedrich-FrankBogen 59 (zu erreichen mit der S 21 bis "Nettelnburg"). Wir weisen ausdrücklich auf Par. 18 Abs. 7 der landsmannschaftli-

Der neue Vorstand der Ortsgruppe Kassel mit der Vorsitzenden Svetlana Paschenko (Mitte) und dem Vorsitzenden der Landesgruppe Hessen, Johann Thießen (4. von links). 27

VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 / 2012


LANDSMANNSCHAFT REGIONAL Weitere Auskünfte erteilen gerne: Svetlana Paschenko (0561-7660119), Natalie Paschenko (0561-8906793) und Lydia Gitschew (0561- 8618573). Der Vorstand

Wiesbaden

Die Mitglieder des neu gewählten Vorstandes der Orts- und Kreisgruppe Wiesbaden mit der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Leontine Wacker (3. von links) und der alten und neuen Ortsgruppenvorsitzenden Vera Maier (4. von rechts).

aus Kassel mitgebrachte Kranz an die Friedlandglocke niedergelegt. Unsere nächsten Termine: • 12. Mai, 18 Uhr: „Tanz im Mai“ mit Konstantin Freund und Natalia Bachmann im Clubhaus Eppo’s. • 19. Mai, 11 Uhr: Multiplikatorenschulung „Integration und Chancengleichheit – Wege der Umsetzung“.

• 26. bis 27. Mai: Busfahrt nach Nürnberg. • 2. Juni: Fahrt nach Wetzlar zum Hessentag. Die Sprechstunden von Svetlana Paschenko und der anderen Betreuern finden montags von 16 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung im Zimmer W 212 des Kasseler Rathauses statt.



Beitrittserklärung (Nur für neue Mitglieder. Die Mitgliedschaft von Landsleuten, die bereits Mitglied sind, verlängert sich automatisch.)

Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zur Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. Die Zeitung “VOLK AUF DEM WEG” wird mir als Mitglied zugestellt. Die Mitglieds- und Bezugsgebühr beträgt jährlich 30,- Euro in den alten Bundesländern und 27,- Euro in den neuen Bundesländern. Spätaussiedler zahlen in den ersten drei Jahren ihres Aufenthaltes in Deutschland 15,- Euro. Name

Vorname (Vorname des Ehegatten)

Straße

PLZ

Geburtsdatum

Ort

Niedersachsen

Einreisedatum

Hannover

Der Beitrag ist jährlich im Voraus zu bezahlen. Herr/Frau

hat mich geworben.

Einzugsermächtigung Hiermit ermächtige ich die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland widerruflich, die Mitglieds- und Bezugsgebühr durch Einzugsauftrag (Lastschrift) von meinem Konto einzuziehen. Meine Konto-Nr.

Bankleitzahl

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Unterschrift

VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 / 2012



Bank/Sparkasse Datum

Am 13. April hat die Orts- und Kreisgruppe Wiesbaden einen neuen Vorstand gewählt. Nach der Begrüßung der Teilnehmer der hervorragend vorbereiteten Versammlung durch die stellvertretende Bundesvorsitzende und Wahlleiterin Leontine Wacker und die Vorsitzende der Orts- und Kreisgruppe, Vera Maier, wurde Letztere in ihrem Amt bestätigt. Ihr stehen im Vorstand zur Seite: - Sergej Schulz (stellvertretende Vorsitzender); - Eugenie Kinez (Kassenwartin); - Alexander Becker (Schriftführer); - Tatjana Dirksen (Sozialarbeit). Die alte und neue Kassenwartin Eugenie Kinez erhielt von der Kassenprüfungskommission ein besonderes Lob für ihre vorbildliche Arbeit. Liebe Landsleute, wir laden Sie herzlich zu unseren nächsten Veranstaltungen ein: • 12. Mai, 11.15 Uhr: Muttertagsfeier in Kooperation mit dem Verein Sport, Bildung- und Kultur „Meine Schule e.V.“. • 7. bis 10. Juni: Seminar für Jugendliche in Walluf. • 9. Juni: Ausflug ins Phantasie-Land. Wir bitten um verbindliche Anmeldung. Jeden Samstag findet von 10 bis 12.30 Uhr der „Konversationskurs für Eltern mit Kinderbetreuung“ statt. Auf unserer Webseite www.dar-wiesbaden.de finden Sie weitere Informationen zu unseren bisherigen und künftigen Veranstaltungen und Initiativen. Der Vorstand

Wir laden Sie herzlich ein zu unseren nächsten Veranstaltungen: • 4. Mai, 16 Uhr: Seniorennachmittag zum Muttertag in der Ev.-luth. Kirchengemeinde Vahrenwald, Vahrenwalder Str. 109, Hannover. Im Programm: Auftritte von Kindern und Gesang mit Akkordeonbegleitung. Dazu gibt es Tee/Kaffee und von Vorstandsmitgliedern gebackenen Kuchen. Als Gast kommt zu uns Pastor Wolfram mit einer interessanten Geschichte zum Muttertag. Eintritt frei. • 12. Mai, 19 Uhr: Tanz im Mai im FZH Döhren, An der Wollebahn 1, Hannover. Die Veranstaltung wird vom Modekatalog „APART“ unterstützt. Bei einer kleinen Modenschau wird schicke Da-


LANDSMANNSCHAFT REGIONAL Einladung zum 6. Bundestreffen des Bundes der Wolgadeutschen - Bundesverband e.V. am 9. Juni 2012 von 18 bis 22 Uhr im Philipp-Scheidemann-Haus (Raum 107) in Kassel-Wilhelmshöhe, Holländische Str. 74. Alle Wolgadeutschen sind ebenso wie Landsleute aus den anderen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion und einheimische Gäste herzlich zu unserer Kulturtagung eingeladen, die wir unter dem Motto "Das Wohlempfinden in der neu gewonnenen Heimat" durchführen. Es erwartet Sie ein reiches Programm mit Künstlern, Dichtern, Chören, Sängern, Tanzgruppen und Tanzmusik. Wie immer wollen wir auch Ehrengäste, Politiker und Vertreter verschiedener Vereine bei uns willkommen heißen. Mit Getränken und Kuchen wird für Ihr leibliches Wohl gesorgt. Für Anreisende mit Übernachtung werden die Fahrtkosten im Hotel "Novostar" erstattet. Hotel "Novostar", Holländische Str. 27-29, 34127 Kassel. Unter der Tel.-Nr. 0561-807690 können Sie rechtzeitig Zimmer reservieren. 48 Euro pro Nacht im Einzelzimmer inkl. Frühstück. 66 Euro für zwei Personen pro Nacht im Doppelzimmer inkl. Frühstück. Infos: Ida Schäfer, Tel.: 0561-55715; David Lehmann, Tel.: 0711-534942. mengarderobe präsentiert, aus der man anschließend drei Abendkleider gewinnen kann. Sollte die passende Größe nicht dabei sein, wird sie nachbestellt. Ermäßigter Eintritt für Mitglieder. • Unseren Stadtbesuch von Wernigerode mussten wir auf den 20. Mai verschieben. Das Tagesprogramm bleibt bestehen: (wird nur ab zehn Personen angeboten): - Stadtführung „Durch 6 Jahrhunderte“; - Hin- und Rückfahrt mit der Kleinbahn von der Innenstadt zum Schloss Wernigerode; - Führung durch das Schloss Wernigerode; - kostenloser Hexenpin. Abfahrt ab Hannover Hbf um 8.55 Uhr. Wir treffen uns um 8.30 Uhr vor dem Bahnhof „unterm Schwanz“. Rückfahrt: 17.18 Uhr. Anmeldung: Tel.: 0511-3748466. Ab sofort möchten wir unseren Landsleuten die Möglichkeiten geben, den Stadtteil, in dem sie wohnen, näher kennen zu lernen. Deshalb bieten wir ab Mai Stadtteilführungen in und um Hannover an. Hier die ersten Angebote: • 30. Mai, ab 15 Uhr: 1 x Expo und zurück. Wir entdecken unter der bewährten Führung von Annette Bochynek-Friske Bekanntes und Unbekanntes in den Stadtteilen Döhren, Mittelfeld und Wülfel. Der Weg führt mit dem Bus, der UBahn und zu Fuß vom Nachbarschaftstreff Mittelfeld zum Expo–Gelände und zurück zu einem abschließenden Imbiss mit der Möglichkeit zum Austausch. Veranstalter: Kulturinitiative DöhrenWülfel-Mittelfeld e.V. Start: Nachbarschaftstreff Mittelfeld, Am Mittelfelde 104. Anmeldung erforderlich unter der Tel.-Nr. 89883901. • 4. Juni, 17 Uhr: Wissen Sie etwas über Wülfel? Der Stadtrundgang führt durch

Wülfel. Wer anschließend Lust hat, kann den Rundgang im Biergarten Wienecke abschließen. Die Führung leitet die Historikerin Annette Bochynek-Friske. Veranstalter: Kulturinitiative DöhrenWülfel-Mittelfeld e.V. Ort: vor dem Restaurant Wienecke, Hildesheimer Str. 380. Ansprechpartner: Kulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld e.V., Tel.: 0511-89883901. M. Neumann, im Namen des Vorstandes

Rotenburg/Wümme Nach drei Jahren Pause wurde im Dezember 2011 die Arbeit der Ortsgruppe Rotenburg/Wümme wieder aufgenommen und ein neuer Vorstand mit Galina Schäfer als Vorsitzender gewählt. Ihr zur Seite stehen Frieda Schäfer (Kassenwartin), Lilli Rosebrock, Anatoli Klassen, Ludmilla Otto (Jugend, Sport), Alexander Moor und Katharina Wawilow. Als Ehrengast der Wahlversammlung durften wir die Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen, Lilli Bischoff, begrüßen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Integration unserer Landsleute und die da-

mit verbundenen Probleme, insbesondere in den Bereichen Rentenkürzungen, Bezug russischer Rente und Härtefälle beim Familiennachzug im Spätaussiedleraufnahmeverfahren. Die Ortsgruppe ist wieder aktiv! Auf die gelungene Weihnachtsfeier 2011 folgte 2012 eine fröhliche Feier zum Weltfrauentag mit zahlreichen Besuchern. Für gute Laune und tolle Stimmung sorgten die Mitglieder der "Goldenen Brücke". Wir bedanken uns herzlich bei allen, die an den Veranstaltungen teilgenommen haben. Über unseren Grillabend am 28. April werden wir in der nächsten Ausgabe berichten. Montags bis freitags bieten wir von 9 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 04261974118 (Frieda Schäfer) Beratungen in allen Lebenslagen an. Die Ortsgruppe gratuliert ihrem Mitglied Flora Hoffmann ganz herzlich zur Wahl in den Seniorenbeirat der Stadt Rotenburg. Wir freuen uns, dass unsere Landsleute dabei sind, und wünschen ihr viel Spaß und Erfolg bei ihrer Arbeit. Machen Sie mit, kommen Sie mit Vorschlägen vorbei oder rufen Sie Flora Hofmann an (Tel.: 04261-6180). Liebe Landsleute! Werden Sie Mitglieder der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Gemeinsam sind wir stark! Wir sehen unsere Zukunft optimistisch und positiv. Es ist uns wichtig, unsere Kultur und unsere Traditionen zu erhalten und unsere Wurzeln nicht zu vergessen. Wir freuen uns über jede Hilfe und jeden Vorschlag. Bleiben Sie nicht passiv - es geht uns um unsere Zukunft! Eine traurige Nachricht zum Abschluss: In stiller Trauer nahmen wir Abschied von unserem langjährigen Mitglied Maria Klassen. Ihren Angehörigen drücken wir unser tiefstes Beileid aus. Der Vorstand (Katharina Wawilow)

Wolfsburg Wir laden Sie alle herzlich ein zu unserem Maitanz mit Live-Musik am 19. Mai um 19 Uhr im Freizeitheim West, Laagberg. Am 8. April feierte Pastor i.R. Arnulf Baumann seinen 80. Geburtstag. Wir

Der Vorstand der Ortsgruppe Rotenburg/Wümme mit der Vorsitzenden der Landesgruppe Niedersachsen, Lilli Bischoff (4. von links). 29

VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 / 2012


LANDSMANNSCHAFT REGIONAL

Spendenliste März 2012 - Stuttgarter Volksbank AG, Konto-Nr.: 214758001, BLZ 600 901 00 Aberle Wally 10 Allmendinger Berta 30 Anhölcher Rosa 20 Bader Elena 20 Balzer Erna 100 Bechert Helene 30 Beck Marta 40 Bender Anna 20 Berg Jakob 20 Bergmann Peter 30 Block Peter 9 Braunagel Johannes 5

Büschel Emmanuel Daitche Luise Dilger Rosa Dötzel Irenäus Duttenhöfer Magdalene Fischer Johann Frühmorgen Karlheinz Grüssmer Hilda Harder Wladimir Heinrichs Helena

30 25 20 25 50 25 50 20 20 30

danken dem Jubilar ganz herzlich für seine langjährige Unterstützung unserer Landsleute und wünschen ihm Gesundheit und alles Gute für die Zukunft. Arnulf Baumann wurde am 2. April 1932 in Klöstitz, Bessarabien, geboren. Er ist MitPastor i.R. Arnulf Baumann glied der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und seit 2010 Träger der goldenen Ehrennadel des Vereins. Pastor Baumann kam 1975 als Direktor des Diakonischen Werkes nach Wolfsburg. Bereits im Jahr darauf gründete er den "Arbeits- und Freundeskreis für Aussiedler in Wolfsburg", zu dem Vertreter verschiedener Institutionen gehörten, die sich mit der Eingliederung von Aussiedlern in Wolfsburg befassten. In den 1980er und 1990er Jahren veranstaltete Pastor Baumann alljährlich einen "Aussiedlertag" mit Gottesdienst, bei dem zahlreiche Aussiedler getauft, konfirmiert und getraut wurden. Arnulf Baumann wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet und ist der Landsmannschaft bis zum heutigen Tage eng verbunden. Am 23. März führte die Ortsgruppe Wolfsburg einen Seniorennachmittag in Bitte beachten Sie bei allen Vorstandswahlen in den Orts- und Kreisgruppen § 18 Abs. 7 unserer Satzung: “Die ordnungsgemäß einberufene Mitgliederversammlung ist beschlussfähig, wenn mindestens die Hälfte der stimmberechtigten Mitglieder anwesend ist. Ist das nicht der Fall, kann eine Stunde später eine weitere Mitgliederversammlung einberufen werden, die ohne Rücksicht auf die Anzahl der anwesenden Mitglieder beschlussfähig ist.” 30

VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 / 2012

Heissler Franz Helfrich Georg Helzenlichter Paulina von Hertzberg Rüdiger Udo Herauf Viktoria Ibach Lydia Janzen Maria Kehl Sophia Kistner Anton Köberlein Arthur und Ella

50 Kudrjaschow 30 Tamara Küstner Valentina 30 Löffler Lilli Macke 25 Martel Katharina 10 Mastel Alois 30 Merker Klara 30 Müller Albert 20 Müller Angela 20 Muth Alexander Neufeld Rosa 30 Ocks Alexander

30 15 30 20 20 20 15 15 30 12 10 20

Ortlieb Selma Pritzkau Johann Pritzkau Johann Pritzkau Johann Probst Rosalia Schäfer Elisabeth Schmidt Ira Schneider Katharina Schneider Rosa Schüler Frieda Schumacher Gabriel

10 30 30 30 20 40 10 20 10 50 20

Schwabauer Heinrich und Rosalie 20 Schwabauer Alexander 20 Serr Ernst 50 Strauch Mariane 10 Ulrich Ira 50 Völk David 20 Walz Eduard 30 Wegele Lidia 10 Weinberg Boris 20 Wezel Peter 20 Zeller Hede 20

Beim Seniorennachmittag der Ortsgruppe Wolfsburg; auf dem kleinen Bild in der Mitte oben dankt Alexander Rudi Nicole Rudi für ihren Klaviervortrag.

der Paulusgemeinde durch. Der Besuch war so lebhaft, dass man den Raum bis auf den letzten Platz bestuhlen musste. Nach dem Auftakt mit einer Chopin-Etüde, gespielt von Nicole Rudi (Klavier), konnte der Vorsitzende der Ortsgruppe Wolfsburg, Alexander Rudi, 80 Gäste, Deutsche aus Russland und Einheimische, begrüßen. Als Ehrengäste waren Pastor i.R. Arnulf Baumann und seine Ehefrau Theda gekommen, die am 18. März 2012 ihre goldene Hochzeit gefeiert hatten. Alexander Rudi überreichte ihnen zu diesem Jubiläum mit den besten Wünschen einen Blumenstrauß, während Nicole Rudi ihnen zu Ehren ein Werk von Schubert vortrug. Helmut Kieß überbrachte die Grüße des BdV-Kreisvorsitzenden Gerhard Voigt und kündigte einen Vortrag über das Museumsvorhaben "Grenzdurchgangslager Friedland" an, der am 27. April 2012 in der Caritas-Begegnungsstätte Föhrenkrug in Wolfsburg gehalten wurde.

Im Anschluss daran trat unser Chor mit drei Liedern auf und wurde dafür ebenso wie zuvor Nicole Rudi mit lebhaftem Beifall bedacht. Nachdem sich die Gäste mit Kaffee und den selbst gebackenen Kuchen unserer Frauen vom Chor und Vorstand gestärkt hatten, referierte Helmut Kieß zum Thema "Die Russlanddeutschen unter Doppeladler 1763-1914", unterstützt von Herrn Schlegel, der die Bilder zum Vortrag auf die große Leinwand im Saal projizierte. Es folgte eine Diskussion mit Fragen und Ergänzungen von Herrn Winter und Frau Merkel. Abgerundet wurde der Nachmittag mit gemeinsam gesungenen Liedern, musikalisch begleitet von Waldemar Varlamov. Allen, die bei der Vorbereitung und Durchführung geholfen haben, und insbesondere allen Frauen, die uns mit leckeren Kuchen verwöhnten, nochmals ein herzlicher Dank! Für den Vorstand: Helmut Kieß


LANDSMANNSCHAFT REGIONAL Berlin Wir laden die Mitglieder der Ortsgruppe Berlin und unsere Landsleute aus Brandenburg ganz herzlich ein zu einem Begegnungsabend am 10. Mai (Beginn 16 Uhr, Einlass ab 15.30 Uhr) mit Vertretern unserer Partnerorganisation, der deutschen nationalen Kulturautonomie aus Moskau. Etwa 20 Gäste aus der Russischen Föderation kommen für eine Woche zu Besuch nach Berlin. Im Programm: Eröffnung und Begrüßung, Grußworte, Vortrag, gemütliches Beisammensein. Veranstaltungsort: Aussiedlerberatungsstelle Reinickendorf, Auguste-Viktoria-Allee 50 A, 13403 Berlin-Reinickendorf. Anfahrt: Mit der U6 bis "Kurt-SchumacherPlatz" und weiter mit den Buslinien 125 oder 221 bis "Auguste-ViktoriaAllee/Quäkerstraße". Oder mit der U8 bis "Rathaus Reinickendorf" und weiter mit der Buslinie 221 bis "Eichborndamm/Antonienstraße". Auskunft: Tel.: 030-26552334, 030-4967078 oder 030-4966077. Der Vorstand

NordrheinWestfalen Landesgruppe Am 31. März fanden im Internationalen Zentrum in Duisburg die Wahlen des Vorstandes der Landesgruppe NRW der Landsmannschaft statt. Als Ehrengast war der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Adolf Fetsch, anwesend, der in seiner Rede auf Fragen und Probleme der Volksgruppe einging und die Teilnehmer der Delegiertenversammlung über die gegenwärtigen Aktivitäten der Landsmannschaft informierte. Unter der Leitung der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Leontine Wacker wurde folgender Landesvorstand gewählt: - Dr. Alexander Morasch (Vorsitzender); Alexander Kühl (stellvertretender Vorsitzender); - Lydia Bitsch (Kulturarbeit und Schriftführung); - Otto Engel (Sozial- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Aufnahmehilfe); - Valentina Fischer (Kassenführung); - Siegfried Dinges (Jugendarbeit). Johann Engbrecht wurde zum Ehrenvorsitzenden

Der neue Vorstand der Landesgruppe NRW (jeweils von links): - vorne: Johann Engbrecht, Alexander Kühl, Lydia Bitsch, Valentina Fischer, Katharina Bech, Otto Engel; - hinten: Dr. Alexander Morasch, Waldemar Weiz, Leontine Wacker (stellvertretende Bundesvorsitzende und Wahlleiterin), Siegfried Dinges, Wladimir Henkel.

ernannt. Gemeinsam mit Katharina Bech und Wladimir Henkel wurde er außerdem zum Kassenprüfer gewählt. Der Vorstand (Inzwischen ist die Wahl angefochten worden. Wir werden Sie in einer der nächsten Ausgaben darüber informieren, wie über diese Anfechtung entschieden wurde.)

Aachen-Düren Die Ortsgruppen Aachen-Düren und Heinsberg laden alle Landsleute, besonders Familien mit Kindern, herzlich ein zu einem Kletterausflug am 27. Mai im Kletterwald Aachen. Zu unserer Verfügung stehen zwölf Parcours mit Höhen zwischen zwei und 22 Metern. Anschließend grillen wir gemeinsam auf einem Grillplatz im Aachener Wald. Anmeldefrist bis zum 13. Mai. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, empfiehlt sich eine rasche Anmeldung. Weil die Buchung für uns verbindlich ist, bitten wir, eine spätere Absage der Teilnahme zu vermeiden. Anmeldungen und nähere Informationen: Aachen-Düren: Eugen Provada, Tel.: 0179-9059037, E-Mail: eprovada@ yahoo.de. Heinsberg: Alexander Böttcher, Tel.: 01788684509, E-Mail: lmdr.heinsberg@t-online.de. Der Vorstand

Düsseldorf Am 8. März führte die Ortsgruppe Düsseldorf zusammen mit dem GerhartHauptmann-Haus ihren traditionellen Kultur- und Begegnungsabend zum Internationalen Frauentag durch.

In gemütlicher Atmosphäre konnten die Gäste das Programm genießen, das sorgfältig von Mattias Lask, Mitarbeiter des Gerhart-Hauptmann-Hauses, zusammengestellt wurde. Gute Stimmung verbreitete mit seinem Auftritt unser Chor „Echo“ (Leiterin: L. Schönwolf). Auch für das leibliche Wohl der Gäste wurde gesorgt; dafür danken wir Herrn Hooge, dem Hausmeister des Gerhart-Hauptmann-Hauses. Für den 23. Juni laden wir Sie ganz herzlich zum Sommerkulturfest mit beeindruckendem Programm und Tanzmusik ein. Einzelheiten dazu in der Juni-Ausgabe von VadW. Der Vorstand

Die Bundesgeschäftsstelle Zentrale Raitelsbergstr. 49, 70188 Stuttgart Tel.: 0711/1 66 59-0 Fax: 0711/ 286 44 13 E-Mail: lmdr-ev@t-online.de Homepage: www.deutscheausrussland.de Mitgliederverwaltung, Anzeigen für Volk auf dem Weg: 0711/166 59-17 und -18 Versand (Bücher etc.): 0711/166 59-22 Projekte: Tel.: 0711-16659-23 Öffentlichkeitsarbeit: 0711/166 59-0 MBE - Migrationsberatung: Stuttgart: Tel.: 0711-16659-19 und -21 München: Tel.: 089-44141905 Neustadt/Weinstraße: Tel.: 063219375273 Hannover: Tel.: 0511-3748466 Arnstadt: Tel.: 03628-928131 31

VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 / 2012


LANDSMANNSCHAFT REGIONAL

Der Chor „Echo“ bei der Feier zum Internationalen Frauentag in Düsseldorf.

Heinsberg Die Kreis- und Ortsgruppe Heinsberg lädt alle interessierten Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen herzlich ein zur Teilnahme an einem Deutschkurs im Rahmen des Projektes "Identität und Integration PLUS" (gefördert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge). Der Kurs beginnt im Mai in Hückelhoven, umfasst 200 Stunden, wird zweimal wöchentlich abends durchgeführt und dauert bis November. Auf dem Programm stehen neben dem Sprachunterricht das Kennenlernen verschiedener öffentlicher Einrichtungen, Vorträge kompetenter Personen und Ausflüge in die Umgebung. Die Kursteilnahme ist kostenlos. Nähere Informationen: Alexander Böttcher, Tel.: 02433-442137, Mobil: 0178-8684509, E-Mail: lmdr. heinsberg@t-online.de Der Vorstand

Der neu gewählte Vorstand der Ortsgruppe Saarbrücken.

Unna-Massen Für den 12. Mai laden wir Sie mit Ihren Familien, Nachbarn und Bekannten herzlich ein zu unserem Frühlingstreff mit einer großer Modenschau unter der Leitung von Tatjana Bering im Bürgerhaus Methler, Heimstr. 1. Mit Tanz und Gesang wollen wir den Frühling herzlich willkommen heißen! Das Treffen beginnt um 16 Uhr (Einlass ab 15.00 Uhr). Bitte bringen Sie Teller und Tassen für die Kaffeetafel mit. Über Kuchenspenden freuen wir uns sehr. Der Vorstand

Saarland Saarbrücken Bei der Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Saarbrücken am 10. März, die auf Beschluss des Bundesvorstandes der Landsmannschaft durchgeführt und von der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Leontine Wacker geleitet wurde, wurde Alexander Maul zum 1. Vorsitzenden gewählt. Zu weiteren Vorstandsmitgliedern wurden Waldemar Reiswich (stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer) und Katharina Prasko (Kassenwartin) gewählt, in die Revisionskommission Anatoli Karpenko und Konstantin Schreiner. VadW

Buchtipp: Ulla Lachauer: „Ritas Leute - Eine deutsch-russische Familiengeschichte”, Rowohlt-Verlag, Reinbek 2002; Taschenbuch, Herzlich willkommen bei der Modenschau unter der Leitung 432 Seiten, Preis 19,90 Euro; ISBN: 3 499 23527 7. von Tatjana Bering im Bürgerhaus Methler! 32

VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 / 2012


DIE VOLKSGRUPPE

Andreas Maser wurde 70 Fortsetzung von VadW 3/2012

N

ach Erledigung der Anmeldeformalitäten nahm er sofort Kontakt zur Landsmannschaft auf. Mit seinen Freunden, die vor ihm nach Deutschland gekommen waren, erstellte er eine umfangreiche Dokumentation mit Listen von Personen, die wegen Ausreisebemühungen verhaftet worden waren. Darin enthalten waren die Haftanschriften, die Adressen der Angehörigen und Originale einzelner Gerichtsurteile. Beigefügt wurden Hilferufe von Deutschen aus Russland und Listen von Ausreisewilligen, außerdem ein ausführliches Begleitschreiben mit der Schilderung der Ausreiseaktivitäten und der dramatischen Lage in der UdSSR sowie der dringend erforderlichen Hilfe und Unterstützung. Diese Dokumentation versandte Andreas Maser an über 20 Adressaten, zum Beispiel an das Deutsche Rote Kreuz, das Auswärtige Amt der Bundesrepublik, das Bundeskanzleramt und alle im Bundestag vertretenen Parteien, ja sogar an einige Senatoren in den USA sowie an "Glaube in der 2. Welt" in der Schweiz. Dabei war ihm Pastorin Irmgard Stoldt sehr behilflich. Sie öffnete ihm viele Wege und Türen, kopierte zahlreiche Unterlagen und beglaubigte die Übersetzungen einiger Gerichtsurteile. Andreas Maser organisierte mit seinen Freunden die materielle und moralische Unterstützung der Familien von Inhaftierten, organisierte Hunderte von Wysows und begrüßte die Neuankömmlinge in Friedland. Auch zahlreiche Behördengänge waren nötig. Persönlich schrieb er Tausende von Briefen, legte ungeheuere Strecken im Bundesgebiet zurück, um Kontakte zu pflegen. Er nahm an großen Demonstrationen teil, die von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Bonn anlässlich der Besuche von Leonid Breschnew und später General i.R. Grigorenko organisiert wurden. Zusammen mit Joseph Schnurr nahm er im Oktober 1977 an der Erstellung eines Weißbuches der CDU teil, für das er umfangreiches Material zur Lage der Deutschen in der UdSSR lieferte. Ebenfalls mit Joseph Schnurr nahm er vom 13. bis 15. Januar 1978 in Luzern an einer Konferenz zur Unterdrückung der nichtrussischen Völker in der Sowjetunion teil. Sein Vortrag bei der Konferenz wurde in "Völker in Ketten" veröffentlicht. Als er im Jahr 1982 in den Bundesvorstand der Landsmannschaft gewählt wur-

de, war er als Referent für die Familienzusammenführung zuständig. Es war in den schweren Jahren des Kalten Krieges, in einem Jahr, in dem die Zahl der Aussiedler aus der UdSSR auf 2.059 gesunken war. Anlässlich des Anfang 1983 anstehenden Besuches des sowjetischen Außenministers Gromyko bewegte er den Bundesvorstand der Landsmannschaft dazu, sich um einen Besuch bei Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl zu bemühen. Nachdem kurzfristig ein Termin für den 13. Januar 1983 angeboten worden war, verfasste Andreas Maser ein Schreiben an den Kanzler, dem er aktualisierte Listen von Inhaftierten und weitere Listen von Härtefällen beilegte. Zusammen mit dem Bundesvorsitzenden Franz Usselmann wurde er vom Chef des Bundeskanzleramtes, Staatssekretär Dr. Waldemar Schreckenberger, empfangen. Nach einem offenen, ausführlichen und verständnisvollen Gespräch gab es eine Presseerklärung, und es wurde Hilfe zugesagt. Nun stand die Reise von Bundeskanzler Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher im Juli 1983 in die Sowjetunion bevor. In vielen schlaflosen Nächten sammelte Andreas Maser mit seinen Freunden drei dicke Ordner mit Härtefällen, aktualisierte die Listen der Inhaftierten ein weiteres Mal und schrieb Briefe an den Bundeskanzler und den Außenminister. Diesmal wurde er zusammen mit Franz Usselmann und dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Adolf Fetsch von Außenminister Genscher empfangen. In vertrauter Atmosphäre konnten während des ausführlichen Gespräches die drei Ordner überreicht werden. Wie später vom Bundeskanzleramt mitgeteilt wurde, überreichte Bundeskanzler die Liste mit den Härtefällen dem damaligen Generalsekretär Andropow. Im Dezember 1982 führte der Europarat in Stuttgart eine parlamentarische Anhörung sachkundiger deutscher Behörden und Verbände durch. Als Vertreter der Landsmannschaft nahm Andreas Maser daran neben BdV-Präsident Dr. Herbert Czaja sowie Vertretern des Auswärtigen Amtes und des Deutschen Roten Kreuzes teil und äußerte sich in einem 15-minütigen Referat. Mitgebracht hatte er fünf neu angekommene Spätheimkehrer, die als Zeugen über die aktuelle Situation der Deutschen in der Sowjetunion berichteten. Der Ausschuss des Europarates nahm im Juni 1983 einen Bericht über die Anhörung an (Doc. 5098), über den im September 1983

in der Parlamentarischen Versammlung debattiert wurde.

Erfolgreiche Eingliederung So ganz "nebenbei" meisterte Andreas Maser auch seine eigene Eingliederung. Vom Regierungspräsidium Stuttgart erhielt er gleich nach der Einreise die Genehmigung zur Führung seiner Berufsbezeichnung "Ingenieur". Allerdings reichte das potentiellen Arbeitgebern nicht aus, ihm eine Ingenieurstätigkeit anzuvertrauen. Er studierte deshalb zwei Jahre lang als einziger Aussiedler unter Einheimischen Betriebswissenschaft an der REFAAkademie. Später wurde seine Ausbildung in der UdSSR einem deutschen Dipl.-Ing. (FH) gleichgestellt. Danach standen ihm viele Firmen offen, und er arbeitete 28 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung bei Daimler-Benz in Stuttgart. Seine Ehefrau Adele geb. Neuberger, mit der er 34 Jahre lang verheiratet war, bestand nach sechsmonatiger Praxis in einem Krankenhaus die Prüfung zur Hebamme, qualifizierte sich später aber zur Stenokontoristin um. Sein älterer Sohn Hermann bestand das Abitur mit einem Durchschnitt von 1,3. Nach dem Militärdienst studierte er Physik an der Universität Stuttgart und bestand die Diplomprüfung mit 1,5. Danach promovierte er in Strahlenphysik. Sein zweiter Sohn Wilhelm leidet am Down-Syndrom und ist zurzeit in einer Werkstatt für Behinderte beschäftigt. Er wird von seinem Vater daheim gepflegt und von seinem Bruder betreut. Alles in allem kann man sagen: "Eine gelungene Integration!" Vielleicht war Andreas Masers ehrenamtlicher Einsatz jedoch zu hoch, so dass seine Familie zum Teil auf der Strecke blieb und seine Ehe nach 34 Jahren scheiterte. Am 27. Oktober 2007 starb seine geschiedene Ehefrau. Kurz darauf musste er auch drei Geschwister beerdigen. Ein wenig Halt fand er im Stuttgarter Chor "Heimatklänge", in dem er zehn Jahre lang mitsang. Über den Einsatz Andreas Masers für die Interessen seiner Landsleute wäre noch vieles zu berichten. Dafür hat er zum Nachteil seiner Familie seine ganze Freizeit geopfert und schlaflose Nächte verbracht. Wir, die Unterzeichnenden, sind mit ihm gemeinsam große Strecken seines Weges gegangen. Wir wünschen ihm und seinen Angehörigen viel Glück, gute Gesundheit, Freude am Leben und Gottes Beistand. Georg Michel, Waldemar und Lilli Schwindt, Gustav und Erna Schmidt, Helmut und Rosa Martens, Johann und Marta Wittmeier, Heinrich Reimer, Johann Fertich und noch viele andere deiner Freunde. 33

VOLK AUF DEM WEG Nr. 3 / 2012


GLÜCKWÜNSCHE Zum 99. Geburtstag am 17.5.2012 gratulieren wir Elsa Rennert geb. Hein 99 Jahre sind dir geschenkt,/ von Gott wurdest du dabei gelenkt./ Wir sagen dir Dank für diese Zeit/ und wünschen weiterhin Gesundheit, Glück, Zufriedenheit. In Liebe und Dankbarkeit: deine Kinder, Enkel und Urenkel mit Familien. Für Oswald Zaiser geb. am 13. Juli 1922: Lieber Papa und Großpapa! Zum 90. Lebensjahr: Lebe glücklich, lebe heiter,/ lebe in Gesundheit weiter,/ lebe viele Jahre noch,/ lieber Papa und Großpapa, lebe hoch! Deine Kinder, Enkelkinder und Urenkelkinder.

Zur goldenen Hochzeit am 1. Mai 2012 gratulieren wir unseren Eltern und Großeltern Olga Illenseer (geb. Rissling) und Michael Illenseer von ganzem Herzen! Dem goldenen Hochzeitspaar am heutigen Tag/ man alles Gute wünschen mag:/ Segen, Glück, Zufriedenheit/ und langes Leben alle Zeit! In Liebe und Dankbarkeit: eure Töchter Elena, Nelli und Wanda mit Familien.

Am 15. Mai 2012 feiert Willi Fried geb. in Gnadenfeld, Ukraine, seinen 80. Geburtstag. Es gibt Tage hier auf Erden,/ an denen muss gefeiert werden. 80 Jahre sind vergangen,/ seit dein Leben angefangen./ Du hast mit Ehrgeiz, Geduld und Kraft/ alles immer toll geschafft. Ganz gleich, wie viele Kerzen brennen,/ bleib immer so, wie wir dich kennen,/ und zieht auch mal ein Wölkchen auf,/ wir sind da, verlass dich drauf. In Liebe und Dankbarkeit: deine Frau Hilda, deine Kinder und Enkelkinder.

12.4.1952 - 12.4.2012 Diamantene Hochzeit Therese (geb. Stefan) und Ewald Obenauer Sechzig Jahre Eheleben,/ fest vereint in Glück und Leid,/ immer nur das Beste geben,/ ist sicher keine Kleinigkeit. Habt gemeistert alle Sorgen,/ vieles habt ihr schon geschafft./ Habt noch viele schöne Stunden/ und gebt euch gegenseitig Kraft. Mit Liebe und in Dankbarkeit, dieses Jubiläum mit euch gefeiert zu haben, gratulieren herzlichst alle Kinder und (Ur-)Enkelkinder.

Zum 75. Geburtstag am 3. Mai möchten wir einem wundervollen Menschen gratulieren: Elisabeth Stroh geb. Jochim geb. in Katherinental, Ukraine. S c h u b k a r re n w e i s e Glück und Sonnenschein,/ Gesundheit, Lebenskraft/ und alles, was du sonst begehrst,/ mögen dir beschert sein, Für deine grenzenlose Liebe, deine Wärme, deinen Frieden und deine Harmonie, die du uns schenkst, sagen wir von ganzem Herzen ein dickes Dankeschön! In Liebe: dein Ehemann, deine Kinder mit Familien.

Zita Torscher geb. Litzinger geb. 11.5.1937 in Baden, Odessa. Liebe Mama und Schwiegermama, liebe Oma und Uroma, zu deinem 75. Geburtstag wünschen wir dir von Herzen alles Liebe, Gesundheit und ein langes, glückliches Leben! Wir danken dir, dass du immer für uns da bist, für deine Fürsorge, für dein ansteckendes Lächeln, das alle um dich herum mit Freude erfüllt. Wir wünschen dir und Papa noch viele schöne Jahre. In Liebe: Anna, Irene, Harry, Jay, Martin, Natalie, Christopher, Tanja und Emilia.

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VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 / 2012

Zum 70. Geburtstag am 18.5.2012 gratulieren wir von ganzem Herzen meinem lieben Mann, unserem lieben Vater, Schwiegervater und Opa Johann Kiefel geb. in Rosenfeld, Ukraine. Die 70 hast du nun erreicht,/ dein Leben war nicht immer leicht./ Wir haben sich von Herzen lieb/ und danken Gott, dass es dich gibt./ Mit Frohmut, Kraft und Gottes Segen/ sollst du noch viele Jahre leben. In Liebe und Dankbarkeit: deine Frau, Kinder, Schwiegerkinder und Enkel. Ida Gisi geboren am 10.5.1927. Liebe Mutter, zum 85. Geburtstag wünschen dir deine Töchter, Schwiegersöhne und Enkel weiterhin viel Gesundheit und alles Gute.

Wir gratulieren von ganzem Herzen unseren Eltern, Schwiegereltern, Großeltern und Urgroßeltern Christina Schmidtgall (geb. Adam) und Hugo Schmidtgall zum 85. Geburtstag (geb. am 21.6.1927 in Olgenfeld, Gebiet Rostow) und zum 90. Geburtstag (geb. am 30.5.1922 in Eugenfeld, Gebiet Melitopol). Wir alle wissen, was wir an euch haben,/ auch wenn wir es nicht immer sagen./ Doch was wären wir ohne euch,/ vergesst es nicht, wir lieben euch! In Liebe und Dankbarkeit: eure Kinder, Schwiegerkinder, Enkelkinder mit Familien und Urenkelkinder.

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland im Internet: Homepage: www. deutscheausrussland.de E-Mail: Lmdr-ev@t-online.de


BÜCHERANGEBOT DER LANDSMANNSCHAFT HEIMATBÜCHER 1954, Gesamtübersicht über das Russlanddeutschtum 1955, Geschichte, Kultur, Wolgagebiet 1956, Odessa, Geschichte, Kultur u.a. 1957, Saporoshje, Großliebenthal u.a. 1958, Dnjepropetrowsk, Kronau, Orloff u.a. 1959, Sibirien, Mittelasien, Wolhynien u.a. 1960, Krim, großes Auswanderungsverzeichnis u.a. 1961, Kaukasus, Wirtschaft, Kultur u.a. 1962, Wolhynien, städtisches Deutschtum u.a. 1963, Russlanddeutsche in Übersee 1964, Sibirien, Wolga, Kirchen, Schulen u.a. 1965, Heutige Lage, Schrifttum, Volkstum 1966, Aussiedlung und die Vertreibung 1967/68, Hof und Haus, Kultur (Preis, je HB 1954 bis 1968 - 8,- Euro + Versandkosten) 1969-72, Joseph Schnurr, “Die Kirchen und das religiöse Leben der Rußlanddeutschen”, Katholischer Teil, 23,- Euro, Evangelischer Teil, 19,- Euro 1973-81, Hungersnot, Deportation u.a., 11,- Euro 1982-84, mit Karte der ASSR der Wolgadeutschen, 12,- Euro 1985-89, Geschichte, Literatur, Aktuelles, 10,- Euro 1990/91, Krieg und Frieden, Rückkehr, 10,- Euro 1992-94, Deportation, Ausreise, 284 S., 10,- Euro 1995/96, Heimat Deutschland, Trudarmee, 336 S., 10,- Euro 1997/98, Deportation, Jugenderinnerungen, 340 S., 10,- Euro 2000, I. Teil, Geschichte der Volksgruppe, Heimat 10,- Euro 2000, II. Teil, Geschichte der Volksgruppe, Heimat 10,- Euro Heimatbuch 2001/02, 60 Jahre Vertreibung 10,- Euro HEIMATBUCH 2003, 2004, 2005, 2006, 2007/08 Je 10,00 EURO

WEITERE LITERATUR Dr. E. Biedlingmaier, "Ahnenbuch von Katharinenfeld in Georgien, Kaukasus. Chronik der Familien", Sonderpreis: 60,- Euro. Bosch/Lingor, “Entstehung, Entwicklung und Auflösung der deutschen Kolonien am Schwarzen Meer”, 7,- Euro V. Aul, “Das Manifest der Zarin”, 7,- Euro D. Weigum, “Damals auf der Krim”, 6,- Euro E. Imherr, “Verschollene Heimat an der Wolga”, 10,- Euro I. Walker, “Fatma” - eine historische Lebensgeschichte aus dem Kaukasus, 10,- Euro J. und H. Kampen, “Heimat und Diaspora”, Geschichte der Landsmannschaft, 8,- Euro Anton Bayr, “Vergessene Schicksale”, 17,- Euro G. Prehn, “Otto Flath. Ein Bilder-Zyklus zum Neuen Testament”, 24,80 Euro G. Orthmann, “Otto Flath, Leben und Werk”, 5,- Euro W. Mangold: “Rußlanddeutsche Literatur”, 7,- Euro J. Warkentin, “Geschichte der rußlanddeutschen Literatur”, 8,- Euro Rosalia Prozel, “Weißer Tee”, 5,- Euro N. Däs, “Alle Spuren sind verweht. Rußlanddeutsche Frauen in der Verbannung”, 10,- Euro N. Däs, “Der Schlittschuhclown”, 8,- Euro N. Däs, “Kochbuch der Deutschen aus Rußland”, 10,- Euro N. Däs, “Laßt die Jugend sprechen”, 5,- Euro N. Däs, “Rußlanddeutsche Pioniere im Urwald”, 9,- Euro N. Däs, “Wölfe und Sonnenblumen”, 10,- Euro R. Keil, “Rußland-Deutsche Autoren, 1964-1990”. 7,- Euro V. Heinz, “In der Sackgasse”, 13,- Euro V. Harsch, “Aus der Lebensbeichte meiner Mutter”, 4,- Euro

Dr. Karl Stumpp, "Die Auswanderung aus Deutschland nach Rußland in den Jahren 1763-1862", 1020 S. 48,- Euro Alfred Eisfeld (Herausgeber), "Von der Autonomiegründung zur Verbannung und Entrechtung", Sonderband der Reihe "Heimatbücher der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., 292 Seiten, 10,- Euro M. Schumm, “Sketche und Kurzgeschichten”, 3 Euro I. Melcher, “Kurze Prosa”, 3,- Euro W. Hermann, “Das fremde Land in dir”, 7,- Euro G. Steinmüller, “Perlen der russischen Volksmedizin”, 6,- Euro Alexander Fitz, “Puteschestwie na semlju”, 5,- Euro F. Dortmann, “Olga von der Wolga”, Lieder im Volkston, 12,Euro O. Geilfuß, “Für alle Kinder”, Kinderlieder, 5,- Euro Liederbuch “Deutsche Volkslieder aus Russland”, 10,-Euro Kassette Nr. 1, “Bei uns, ihr Leit, ist Hochzeit heit”, 7,- Euro Kassette Nr. 2, “Ai, ai, was ist die Welt so schön”, 7,- Euro CD Nr. 1, “Bei uns, ihr Leit, ist Hochzeit heit”, 10,- Euro CD Nr. 2, “Ai, ai, was ist die Welt so schön”, 10,- Euro

GEDICHTE E. Fotteler, "Im winterlichen Park", 9,- Euro J. Warkentin, “Rußlanddeutsche Berlin-Sonette”, 5,- Euro W. Mangold, “Rund um das Leben”, 7,- Euro K. Lubomirski, “Propyläen der Nacht”, 10,- Euro Nelly Wacker, “Es eilen die Tage”, 7,- Euro A. Brettmann, Stimmen des Herzens, 10,- Euro

NEU A. Eisfeld, "Etappen eines langen Weges Beitrag zur Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland", 5,- Euro H. Exner, "Die Frauen von Janowka", eine wolhynische Familiengeschichte, 9,80 Euro H. Rahn, "Der Jukagire", 12,50 Euro "Andreas Prediger. Ich träume in Bildern", Katalog mit Werken des Künstlers, 28,- Euro Peter Dück “Kasachstan - Faszination des Unbekannten”, Bildband, 19,90 Euro. “Die Deutschen im Prikamje. XX. Jahrhundert”, drei Bände, 58,- Euro A. Dück, “Das Leben zu bestehen ist mehr als übers Feld zu gehen”, 19,80 Euro. R. Nachtigal: “Die Dondeutschen 1830 bis 1930”, deutsche und russische Ausgabe, je 17,- Euro

Richten Sie Ihre Bestellungen bitte an: Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. Raitelsbergstr. 49, 70188 Stuttgart Telefon: 0711-1 66 59 22 Telefax: 0711-2 86 44 13 E-Mail: Lmdr.versand@gmx.de 35

VOLK AUF DEM WEG Nr. 3 / 2012


PERSÖNLICHKEITEN

Prof. Dr. Reginald Zielke – Forscher und Brückenbauer Eine Würdigung zum 80. Geburtstag

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rofessor Dr. biol. Reginald Zielke aus dem sibirischen Nowosibirsk ist einer der wenigen Wissenschaftler deutscher Nationalität, denen es in der Sowjetunion gelang, eine beachtliche Karriere ohne jegliche „Parteiobhut“ zu machen. In jener Zeit fast unvorstellbar. Zielkes Stärken waren stets Charaktereigenschaften, die einen anderen ins Verderben führen würden: zielstrebiger Wille, rebellische Zivilcourage und überzeugende Kompromisslosigkeit. Wenn es um einen wissenschaftlichen Standpunkt ging, konnte Reginald Zielke auch schon mal mit dem Kopf durch die Wand gehen. Sein Lebenscredo war und ist radikal geblieben: Nur durch harte Arbeit und Talent kann man in der Wissenschaft erfolgreich sein. Und so hatte er dank seinem Forschungseifer, seinem Talent und seiner Leidenschaft für die Sache immer wieder Schutzengel in Gestalt älterer Kollegen, die für den jungen Rebellen gelegentlich ein gutes Wort einzulegen wussten. Sein Leben hat der Wissenschaftler von Weltruf in dem Buch „Mein Leben unter Kommunisten. Eine biographische Erzählung“ aufgezeichnet, das mit Unterstützung der Universität Göttingen sowie der Familien Zielke und Heinz (Übersetzung aus dem Russischen) 2008 vom „Freundeskreis Landkreis Landshut - Rayon Nowosibirsk e.V.“ herausgegeben wurde. Reginald Zielke wurde am 13. April 1932 im deutschen Dorf Rosental, 80 Kilometer südlich von Omsk in Sibirien, geboren. Ein Jahr zuvor hatte sein Vater Alexander Zielke, Deutschlehrer und Dichter, eine Stelle bekommen. 1938 wurde der Vater als „Volksfeind“ vom NKWD verhaftet und für neun Monate in einer Todeszelle eingesperrt. Kaum war er, geistig und physisch gebrochen, heimgekehrt, musste er zur Zwangsarbeit im Nordural. Als Kind eines „Volksfeindes“ wurde man damals schuldlos an den Pranger gestellt. Für den zehnjährigen Reginald war das vielleicht die erste Feuertaufe, die seinen rebellischen Charakter fürs Leben prägte. Eine zweite bestand er, als die Mutter nach der Mobilisierung seines Vaters allein mit fünf Kindern geblieben war und die Sorge für die Familie zusammen mit ihrem Ältesten zu tragen hatte. Solche Zerreißproben warteten auf Reginald Zielke in der Kriegs- und Nachkriegs36

VOLK AUF DEM WEG Nr. 5 / 2012

Prof. Dr. Reginald Zielke

zeit immer wieder: Als elfjähriger Schafhirt verteidigte er die Kolchosherde gegen Wölfe, als Rinderhirt melkte er heimlich - bei Strafandrohung von zwanzig Jahren Gefängnis - eine Kuh und rettete dadurch die kleineren Geschwister vor dem Hungertod, und er stand seinen Mann als Bullentreiber beim Feldpflügen. Schon früh reifte in ihm die Entscheidung heran, an einer Hochschule zu studieren. In den damaligen Verhältnissen ein fast unerreichbares Ziel für Kinder der „schuldigen“ Deutschen. Von klein auf musikalisch und schauspielerisch veranlagt, träumte er davon, einmal Schauspieler und Regisseur zu werden, trat auch als leidenschaftlicher Theaterlaie auf, Berufsschauspieler wurde er allerdings nicht. Aber Kolchosagronom und bald darauf Chefagronom in der Neuland-Sowchose im Gebiet Omsk. Bereits in den Studienjahren betrieb Zielke wissenschaftliche Forschungen auf dem Gebiet der Selektion, die damals als revolutionär galt. Aber erst nach langen Verhandlungen mit Parteibehörden aller denkbaren Ebenen durfte der junge Wissenschaftler und Deutsche zurück in die Alma Mater, wo er als Assistent und Lehrer in den Fächern Genetik und Selektion eingestellt wurde. 1967 promovierte Reginald Zielke in diesen Fächern und wurde Doktor der Landwirtschaftswissenschaften ersten Grades.

Am Sibirischen Forschungsinstitut für Landwirtschaft in Omsk baute er ein zytogenetisches Labor auf, in dem er mit verschiedenen Getreidesorten experimentierte. Im Mittelpunkt der Forschungen standen unter anderem trockenheitsresistente Weizensorten, die unter den extremen sibirischen Klimabedingungen ertragreich gedeihen können und heute in den meisten Regionen angebaut werden. 1978 berief man Dr. Zielke an die Landwirtschaftliche Akademie in Nowosibirsk, wodurch sich seine Forschungsmöglichkeiten zusehends erweiterten. In den Jahren 1978-1989 gründete und leitete er hier ein neues Labor für Genetik am Sibirischen Forschungsinstitut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung. 1984 erfolgte die Habilitation zum Doktor der Biologischen Wissenschaften, 1986 die Ernennung zum Professor für Genetik. Ab 1989 unterstützte Zielke die Gründung des Lehrstuhls für Pflanzenzüchtung und Pflanzengenetik an der Agraruniversität Nowosibirsk. Über ein Jahrzehnt war er Vorsitzender des Wissenschaftsrates der Agraruniversität. Mehrere Monographien und über 100 wissenschaftliche Abhandlungen zu Problemen der Genetik und Selektion hat er veröffentlicht. Mit dem Beginn der Perestroika wurden rege Beziehungen zu ausländischen Forschungsinstituten möglich. Prof. Dr. Zielke baute zahlreiche Kontakte zu Wissenschaftlern und Universitäten in Deutschland, Schweden und der Schweiz auf. Er war in diesen Ländern mehrmals zu Besuch, und ausländische Kollegen holten in Nowosibirsk neue Erfahrungen. Sein zweites Zuhause fand Zielke Anfang der 1990er Jahre an der Humboldt-Universität in Berlin. Es gelang ihm, zahlreiche Seminare und wissenschaftliche Symposien in Nowosibirsk und Moskau, Berlin und München anzuregen. Gemeinsam mit öffentlichen und privaten Partnern aus Deutschland entwickelte Zielke in Nowosibirsk ein „Deutsches Zentrum“, von dem aus er über mehr als zehn Jahre Studien- und Ausbildungsprogramme in Deutschland für junge Landwirte und Studenten vornehmlich russlanddeutscher Abstammung organisierte. Seit 2007 ist Reginald Zielke Mitglied der Internationalen Akademie für Agrarbildung. Für dieses wichtige „Brückenbau“Engagement wurde dem russlanddeutschen Gelehrten aus Sibirien 1998 der


PERSÖNLICHKEITEN Ehrendoktortitel dieser Universität verliehen - in der Geschichte der Deutschen aus Russland ein einmaliges Phänomen. Ende der 1980er Jahre erhielt die Autonomiebewegung der Deutschen in der damaligen Sowjetunion neuen Wind in die Segel. Als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der „Wiedergeburt“-Gesellschaft der Deutschen in Russland war Zielke davon überzeugt, seinen Landsleuten gewissenhaft zu dienen. Leider entwickelten sich die politischen Verhältnisse nicht nach der „rationalen Logik“ und dem „gesunden Menschenverstand“, was letzten Endes eine gewaltige Ausreisewelle in die Bundesrepublik Deutschland heraufbeschwor. In seinem Buch lässt Zielke keinen Zweifel daran, dass Russland mit dieser Auswanderung einen unwiederbringlichen wirtschaftlichen und kulturellen Verlust erlitten hat. Enttäuscht von den kläglichen Ergebnissen, distanzierte sich Zielke von

der großen Politik, engagierte sich jedoch nach wie vor in Nowosibirsk. 1999 entschloss er sich, mit seiner Familie nach Deutschland zu übersiedeln, wo seine sieben Geschwister mit ihren Familien leben. Voll bei der Sache kann der Wissenschaftler jedoch nur in Nowosibirsk sein. Mit Studenten in der Aula, in wissenschaftlichen Diskussionen mit Kollegen, im Forschungslabor oder wenn er mit jüngeren Kollegen aus seiner „Forschungsschule der jungen Wissenschaftler“ an neuen Forschungsmethoden tüftelt - da ist er in seinem Element. Auch mit fast 80 ist Prof. Dr. Zielke Lehrstuhlleiter an der Universität und tritt vor Studenten mit Lesungen auf. Inzwischen ist außerdem ein neues Buch entstanden – eine Reflexion des eigenen Lebens als Privatperson und Wissenschaftler und seiner Zeit. Nina Paulsen

Johanna Jenn zum 87. Geburtstag

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kraine/Sowjetunion, Kaukasus, Kasachstan und Bundesrepublik Deutschland. Ich musste in meinem Leben 15-mal den Lebensort wechseln – übersiedelt, deportiert, mobilisiert, geflohen und freiwillig nach Deutschland ausgesiedelt. Ich lebte in Häusern, Baracken, Erdhütten, Schilfkaten, im eigenen Haus und einer Mietwohnung. In Deutschland mussten wir viel Neues erfahren.“ So beschreibt die in Berdjansk, Ukraine, geborene Johanna Jenn ihre Lebensstationen von 1925 bis 1994. Hinter diesen knappen Zeilen verbirgt sich ein Leben voller dramatischer und tragischer Tiefen, aber auch hoffnungsvoller Höhen. 1992 kam Johanna Jenn zusammen mit ihrem Mann Karl und fünf Kindern nach Deutschland; heute wohnt sie in Meppen, Niedersachsen. All diese Jahre bemühte sie sich um die Vermittlung eines besseren Verständnisses für ihre russlanddeutschen Landsleute in der bundesdeutschen Gesellschaft. Am 6. April 2012 wurde sie 87. Im Zuge der politischen Repressionen in der Sowjetunion wurde Jenns Vater 1938 von zu Hause abgeholt und erschossen. 1941 ging es in Viehwaggons und unter schlimmsten Umständen über 1.000 Kilometer in die kasachische Steppe, in die Verbannung. 1942 kam Johanna in ein Arbeitslager. Diese und andere Erlebnisse, all ihren Schmerz und ihre Gedanken zu vielen Aspekten der Geschichte und Gegen-

Johanna Jenn

wart der Russlanddeutschen hat sie sich mit den Büchern „Unsere alte und neue Heimat“ und „Die Geschichte meiner Familie über mehrere Generationen. Ein russlanddeutsches Schicksal“ (zu bestellen unter 05931-980531) von der Seele geschrieben. Die Bücher sind nicht nur emotionale und persönliche Berichte über die Geschichte der eigenen Familie, sondern enthalten auch historische Daten zu verschiedenen Abschnitten des deutschen Lebens in Russland bzw. der Sowjetunion, historische Dokumente und Zeitungsartikel. Die Inhalte werden durch eigene Zeichnungen sowie Beschreibungen von Dörfern, Kirchen und Orten in der Ukraine und an der Wolga vervollständigt. In ihren Zeichnungen „Wanderwege der Deutschen aus Russland in Bildern“ hält Jenn die wichtigsten Stationen ihres Lebens und das ihrer Familie fest, stellvertretend für die Leiden der ganzen Volksgruppe der Russlanddeutschen. Daraus ist eine Ausstellung mit zahlreichen Bildern

Reiches deutsches Kulturerbe im Osten

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m Beisein von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ist auf dem BdV-Jahresempfang am 20. März die Ausstellungstrilogie „Heimatweh“ der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen eröffnet worden. Dazu erklärt der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Klaus Brähmig: "Die CDU/CSUBundestagsfraktion begrüßt es außerordentlich, dass die Bundeskanzlerin das reiche deutsche Kulturerbe im Osten als Teil unserer Identität betont hat: Dieses Erbe – mit einer einzigartigen Klaus Brähmig Bindekraft für Europa – zu erforschen und jungen Menschen zu vermitteln, sei eine wichtige Aufgabe. Die Kanzlerin erinnerte eindrücklich an das von den Vertriebenen erlebte Unrecht und machte deutlich, dass es eine Frage der Menschlichkeit sei, das Leid der Zeitzeugen ernst zu nehmen und diese Erinnerungen weiter in die Zukunft zu tragen. So bekräftigte die Kanzlerin die nationale Bedeutung der Bundesvertriebenenstiftung, in der künftig schwerpunktmäßig das millionenfache Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen dokumentiert werden soll. Dieses Projekt werde eine Lücke in der deutschen Geschichtsaufarbeitung schließen. Die Bundesregierung werde darauf achten, so die Kanzlerin, dass die Arbeit an der im Berliner Deutschlandhaus geplanten Dokumentationsstätte Schritt für Schritt weitergehen werde." und Informationen entstanden, die seit Jahren durch das Emsland wandert und insbesondere den jungen Menschen das Schicksal der Deutschen aus Russland näher bringt. 2009 würdigte Christian Wulff als damaliger Niedersächsischer Ministerpräsident Johanna Jenns beispielhaftes Engagement mit dem Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens. Die Landsmannschaft wünscht Johanna Jenn noch viele gesunde, glückliche Jahre im Kreise ihrer Familie. VadW 37

VOLK AUF DEM WEG Nr. 3 / 2012


NACHRUF

Die deutsche Muttersprache - „Sie war mein Stolz, mein Leid, mein Traum, mein Trauma...“

Johann Warkentin: Würdigung und Nachruf

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it Johann Warkentin, der am 9. April 2012 im 92. Lebensjahr (am 11. Mai wäre er 92 geworden) in Berlin verstorben ist, ist ein schicksalhafter Zeitabschnitt der russlanddeutschen Nachkriegsliteratur zu Ende gegangen: Nur noch einige wenige Zeitzeugen und Mitwirkende jener Jahrzehnte sind unter uns. Sie war mein Stolz, mein Leid, mein Traum, mein Trauma/ mein Notanker, mein Schirm im freien Fall -/ …sie war mein Seelentaumel,/ die deutsche Muttersprache, als wir kaum noch/ ein wenig Luft bekamen, denn brutal/ hielt Stalin seinen tabakgelben Daumen/ an unsere Kehle damals festgekrallt... Dieses leidenschaftliche Bekenntnis zur deutschen Muttersprache war nicht nur das Leitmotiv vieler Werke Warkentins, sondern es war neben dem emsigen Kampf um ein besseres Schicksal seiner Volksgruppe, dort wie hier, sein Lebenssinn, sein Lebenscredo. Johann Warkentins Passion blieb auch im „Land der Väter, das uns Weitversprenkten die Muttersprache gütig wiederschenkte...“ das Hegen und Pflegen der deutschen Muttersprache – der eigentlichen Säule der Integration hierzulande. Für sein Engagement für die politische, geistige und gesellschaftliche Integration der russlanddeutschen Spätaussiedler in Deutschland wurde er 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Ab 1981 lebte der renommierteste russlanddeutsche Dichter, Literaturkritiker, Sprachforscher, Nachdichter, Essayist und Lektor, Autor zahlreicher Bücher und Abhandlungen, nicht zuletzt zur russlanddeutschen Literatur, in Berlin. An der Bergung dieser umstrittenen russlanddeutschen Literatur aus den Trümmern der Nachkriegszeit war er maßgebend beteiligt. Der 1920 auf der Krim geborene Warkentin besuchte eine deutsche Schule in Spat, studierte bis Anfang des deutsch-sowjetischen Krieges 1941 Anglistik in Leningrad, diente im ersten Blockadewinter als Militärdolmetscher, wurde deportiert, leistete noch vier Jahre (1942-1946) Zwangsarbeit als Holzfäller in der ostsibirischen Taiga und arbeitete anschließend als Sprachlehrer (Englisch, Deutsch, Latein) 38

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Johann Warkentin

an Schulen und Hochschulen in GornoAlataisk, Barnaul, Alma-Ata und Ufa. Sobald es ging, versuchten Warkentin und andere die während des „großen Schweigens“ 1941-1955 verschüttete deutsche Sprache in der Sowjetunion vom Boden aufzuheben. Als gewandter Schreiber und Journalist stand er an der Wiege der deutschsprachigen Nachkriegspresse in der Sowjetunion und prägte die Neubelebung der russlanddeutschen Literatur der Nachkriegszeit mit: zuerst als Redakteur der kurzlebigen „Arbeit“ (1955-1957; wurde wegen „autonomistischer“ Bestrebungen aufgelöst) und ab 1969 bis zur Übersiedlung nach Deutschland (Ostberlin) 1981 als Leiter des Literaturressorts der deutschsprachigen Wochenschrift „Neues Leben“ in Moskau. Auch als Mitverfasser von Lehrbüchern für die „Deutsche Literatur“ in Schulen mit muttersprachlichem Deutschunterricht in Ansiedlungsorten von Russlanddeutschen stand Warkentin in der Reihe derer, die sich bemühten, den Sprachverlust zumindest zu verlangsamen. Und er war in den 1960er Jahren in der vordersten Reihe der Autonomiebewegung zu finden, war 1965 Teilnehmer der Delegationen der Russlanddeutschen 1965 – auch da ging es um alles oder nichts. Letztendlich: Hautnah erlebte er die Enttäuschungen und Niederlagen, „die sonst irgendwo in der Provinz nicht so bemerkbar waren“: Entwurzelung, Sprach- und Identitätsverlust, gescheiterte Hoffnungen auf Gerechtigkeit.

Zu seinen zahlreichen Werken (Gedichte, Nachdichtungen, literarisch-kritischen Abhandlungen, Porträts und Würdigungen), die noch in der Sowjetunion, in Alma-Ata oder Moskau, erschienen waren, traten in Deutschland zahlreiche weitere Veröffentlichungen, zumeist in Buchform. Seine Integration in der DDR der 1980er Jahre verlief zwar in vielerlei Hinsicht anders als die der meisten russlanddeutschen Aussiedler im Westen. Trotzdem fand Johann Warkentin Parallelen. In seinen Publikationen, aber auch bei zahlreichen Lesungen und Vorträgen ging er als Zeitzeuge und Mitgestalter immer wieder den widersprüchlichen Befindlichkeiten der Russlanddeutschen hier und dort nach: kritisch und kompromisslos, unter Umständen auch provokant, ironisch-scharf bis satirisch-sarkastisch. So skizzierte er in „Russlanddeutsche Berlin-Sonette“ (1996, Stuttgart) die Geschichte der Russlanddeutschen, das Aussiedlertrauma, das geteilte und wieder zusammengefügte Deutschland – mit scharfem Humor, beißender Satire und rührender Lyrik. Das Werk – Schnappschüsse eines Beteiligten in SonettenForm – vermittelt, wie ein Russlanddeutscher dieses Land, sich selbst und Seinesgleichen sieht. Den Frust über die wechselvolle und hoffnungsträchtige Zeit in den Jahrzehnten nach dem Krieg in der Sowjetunion schrieb sich Warkentin mit der „Geschichte der russlanddeutschen Literatur“ (1999, Stuttgart) von der Seele. Aus persönlicher Perspektive aufgearbeitet, hält er einer ganzen Epoche der russlanddeutschen Literaturbewegung den Spiegel vor. Die zweisprachige Anthologie „Übersetzungen. Höhepunkte der russischen Lyrik“ (2000, Verlag BMV Robert Burau), in der die schönsten Schöpfungen des Nachdichters Warkentin zusammengefasst wird, zeigt ihn als Vermittler zwischen zwei großen Völkern und Kulturen, als Brückenbauer, der beide Ufer, beide Sprachen hervorragend kennt. Auch das Werk „Übersetzers Frust und Freud“ (2001, Verlag BMV Robert Burau) thematisiert die Eigenheiten und Ähnlichkeiten der Sprachen, beide Publikationen sind ein Versuch, die Aussagekraft des Deutschen und Russischen vergleichend zu messen. Mit dem Buch „Russlanddeutsche. Woher? Wohin? Von Katharina II. (der Gro-


NACHRUF Johann Warkentin ist von uns gegangen

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ns erreichte eine traurige Nachricht: Vom 8. auf den 9. April 2012 ist Johann Warkentin im Alter von knapp 92 Jahren von uns gegangen - ein großer Verlust für unsere Volksgruppe. Literatur war für ihn alles, er war Dichter und Literaturkritiker, Sprach- und Büchernarr, seine Leidenschaft in Sachen deutsche Muttersprache, Kultur und Literatur der Russlanddeutschen war unübertroffen. Wie kein anderer war er sich seines Berufs und seiner Berufung bewusst. Er war der Nestor der russlanddeutschen Schreibenden, ihr Literaturpapst. Ein streitbarer Geist. Der Bewunderte. Der Unbequeme aller Stümper und Hinterwäldler. Er schrieb Gedichte und Poeme, Artikel und Abhandlungen, redigierte und korrigierte, verfasste Lehrbücher und hielt Vorträge. Und alles, was er in Angriff nahm, ließ aufhorchen und hinterließ Spuren. Auf dem Gebiet der Nachdichtungen hat er internationale Bedeutung erlangt. Er hinterlässt eine Vielzahl von Nachdichtungen aus dem Russischen ins Deutsche, wo seine tiefen Sprach- und Literaturkenntnisse, seine vielseitige Belesenheit und sein ausgeprägtes lyrisches Talent zur vollen Entfaltung kamen. Leider ist sein Lebenswerk dem deutschen Publikum noch weitgehend unbekannt geblieben. Im Namen russlanddeutscher Literaturfreunde, Dichter- und Schriftstellerkollegen: Viktor Heinz, Wendelin Mangold, Waldemar Hermann

ßen) bis in die Gegenwart“ (2006, Verlag BMV Robert Burau; erste Auflage 1992 im Aufbau Taschenbuchverlag) setzte Johann Warkentin seinen jahrzehntelangen Kampf gegen die „Verhunzelung“ der deutschen Sprache fort. In der Muttersprache, in verschiedenen Mundartformen geläufig, fand die versprengte und totgeschwiegene Volksgruppe nach dem Krieg ihre eigentliche Heimat – verbannt aus dem öffentlichen Leben, „eingedämmt, beschränkt auf Kuhstall, Küche und Kämmerlein“. Und so ließ Warkentins nüchterner Blick auf das „Hier und Heute“ und die Frage „Russlanddeutsche – Wohin?“ kaum Kompromisse zu. Willst du Deutscher sein, so sprich auch Deutsch. „Wir Taiga- und Wüstendeutsche müssen endlich los von der Illusion, von der Einbildung,

dem kindischen Irrtum, unsere Restidentität wäre ein Wert an sich, ein bewahrenswertes Kulturgut... Wert hat nur, was interessiert – und wen kümmert, wen schert hierzulande unser bisschen Deutschtum! Nichts kann schädlicher sein, als auf eine ganz besondere russlanddeutsche Identität, auf ein Anderssein zu pochen.“ Zu den widersprüchlichen Befindlichkeiten der Russlanddeutschen, ihrer inneren Zerrissenheit und den Bemühungen, ihre Identität im Land der Vorfahren wieder zu finden oder neu zu entdecken, kehrte Warkentin auch in seinem letzten Werk „Spuren im losen Sand. Gesammelte Verse“ (2005, Verlag BMV Robert Burau) immer wieder zurück. In zahlreichen Gedichten und Nachdichtungen, die im Laufe seines Lebens entstanden waren, wurden unterschiedliche Standpunkte reflektiert, die er über Jahrzehnte mal im Verborgenen, mal im Meinungsstreit eingefangen hatte. In den Texten erläuterte er

die Entwicklungen und Ereignisse seines Lebens und der Volksgruppe aus seiner persönlichen Sicht. Ausschlaggebend - sprachlich wie inhaltlich - war die Art, wie Warkentin die Dinge hinterfragte. Seine mitunter herbe Tonart und verschlüsselten Gedankengänge ließen aufhorchen und provozierten zum Nachdenken, Mitdenken, Umdenken und Weiterdenken. Und immer wieder war für Johann Warkentin die deutsche Muttersprache sein „Traum“, sein „Trauma“, sein „Notanker“ und sein „Schirm im freien Fall“. Nina Paulsen, auch im Namen von Ida Bender, Johann Schellenberg, Waldemar Spaar, der Familie Kramer und vieler anderer, die Johann Warkentin kennen und schätzen lernten.

Trauer um Ferdinand Romme

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m gesegneten Alter von 91 Jahren ist am 12. April 2012 mit Ferdinand Romme einer der großen Förderer der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland verstorben. Ferdinand Romme, der zuletzt in Söllingen bei Karlsruhe (Baden-Württemberg) gewohnt hatte, wurde am 22. Mai 1920 an der Wolga geboren. Als Soldat der Roten Armee wurde er zu Beginn des deutschsowjetischen Kriegs 1941 an die Front versetzt, wo er in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet. Nach dem Krieg ließ er sich in Söllingen nieder und bemühte sich schon früh um Kontakte zu Deutschen aus Russland in seinem Wohnumfeld und lernte die Landsmannschaft kennen. In den ersten Jahren wie auch in den Jahrzehnten danach war er eines der maßgeblichen Mitglieder der baden-württembergischen Ortsgruppen Pforzheim und Karlsruhe, die bis heute unter größten und aktivsten Gliederungen der Landsmannschaft zu finden sind. In der Ortsgruppe Karlsruhe gehörte er über lange Jahre dem Vorstand an und war noch bis 2004 als Kassenprüfer tätig. Darüber hinaus war einer der Gründern der landsmannschaftlichen Ortsgruppen in Mannheim und Heidelberg. Mit Unterstützung seiner Frau Ruth, einer einheimischen Deutschen, unterstützte er seine Landsleute und die Landsmannschaft nach besten Kräften - auch finanziell, was in erheblichem Maße zur Verbesserung und Intensivierung der Vereinsarbeit beitrug. Ebenso wie Ferdinand Romme beteiligte sich auch seine Ehefrau, mit der er sechs

Ferdinand Romme

Kinder großgezogen hat, engagiert an der landsmannschaftlichen Arbeit. Die Tochter Inge war eine Zeitlang Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Karlsruhe, die sie immer noch unterstützt. Angesichts seiner vorbildlichen Verdienste war es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir Ferdinand Romme vor zwei Jahren anlässlich seines 90. Geburtstages besuchten und ihn in gebührender Weise ehrten. Wir haben mit ihm einen zuverlässigen Freund verloren! Seinen Nächsten drücken wir unser tief empfundenes Beileid aus. Im Namen aller Mitglieder der Landsmannschaft: Leontine Wacker, Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württemberg. 39

VOLK AUF DEM WEG Nr. 3 / 2012


NACHRUF

Albert Berns - sein Leben, seine Welt war Musik

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m Januar 2012 hörte sein Herz nach schwerer Krankheit auf zu schlagen. Albert Berns, Berufsmusiker, Komponist und brillanter Musikinterpret, hatte seit 1993 in Nienburg, Niedersachsen, gelebt. Die Nachricht von seinem Tod hat mich zutiefst erschüttert, die Seele tut weh, und das Herz weint. Musik war für Albert alles, sie begeisterte ihn sein ganzes Leben. Die Musik faszinierte ihn schon in der Kindheit, als die Familie Berns in Workuta lebte. Als kleiner Junge blätterte er damals eifrig in den Notenheften des Blasorchesters, das von den Eisenbahnarbeitern gegründet wurde. Sein Vater arbeitete in der Kohlengrube. Wenn er Zeit hatte, spielte er Balalaika „für die Seele“, wie er zu sagen pflegte. Die Mutter sang leise mit. Der musikalische Einfluss der Eltern blieb nicht folgenlos, denn alle vier Söhne blieben der Musik ihr Leben lang treu. So entstand ein kleines Familienensemble, es wurde abends gesungen und bei Festen. Als die Familie nach Kopejsk zog, absolvierte Albert eine Musikschule und arbeitete mit Kindern und Jugendlichen im Pionierpalast. Auch im Armeedienst lernte er Menschen kenne, die seine Leidenschaft für Musik teilten. Das bestätigte ihn noch mehr, einen richtigen Lebensweg gewählt zu haben. Albert Berns arbeitete mit großem Engagement sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen. Er leitete zwei Ensembles und komponierte Lieder. Seine erfolgreichen Auftritte auf der Bühne wurden vom Kultusministerium ausgezeichnet. Der größte Wunsch von Albert und seinen Musikern war, den Zuschauern Freude zu schenken. Darüber sagte er: „Etwas bekommen sie von mir, aber auch ich von ihnen.“ Was hat dem Leiter der beiden Ensembles geholfen, so erfolgreich zu arbeiten? Er war der Meinung, dass jede gute Sache zählt, wenn sie richtig ist. Die Selbständigkeit war für ihn kein Spiel, sondern eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit. Albert war von Natur aus ein ehrlicher, gewissenhafter Mensch, der anspruchsvoll gegen sich selbst war und dasselbe von anderen verlangte. Wie viele Lieder und Musikstücke hat er vorbereitet! Am besten drücken diese Worte es aus: „Und jedes Jahr wird zum Lied, wenn man in die Arbeit die Seele, die Tat, schöpferische Kraft und Ideen einbringt.“

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Albert Berns

Er konnte die anderen davon überzeugen, was er für wichtig und notwendig hielt, ohne viel zu reden, ohne Eile, nur durch Logik, Konsequenz und Taktgefühl. Nicht nur ein feines Gehör und ein besonderes Gefühl für Lieder besaß der Musiker, sondern er konnte auch die Möglichkeiten der Sänger erkennen. Als das Deutsche Schauspieltheater Temirtau ein Gastspiel in Kopejsk gab, gewann es sein Herz. Albert kam auf die Idee, ein deutsches Ensemble zu gründen und den Menschen mit deutscher Volksmusik Freude zu schenken. In der Gruppe „Kristall“, so der Name des Ensembles, versammelte Albert auch Teilnehmer, die talentiert waren, aber nicht unbedingt eine musikalische Ausbildung hatten. Der erste Auftritt fand 1987 im Dorf Dobrinka an der Wolga statt, wo sich damals vor 225 Jahren die ersten deutschen Kolonisten ansiedelten. Albert Berns war die Seele des Ensembles. Seine große Liebe zur Musik, sein sprühendes Engagement, seine Toleranz und großartige Geduld bei der Arbeit und im Umgang mit Menschen halfen ihm, in kürzester Zeit erstaunliche Fortschritte zu machen. Im Februar 1990 bekam „Kristall“ eine Einladung vom Deutschen Schauspieltheater nach Alma-Ata. Auch meine Gesangsgruppe „Morgenlicht“ aus Kasachstan war dabei. Es war ein unvergessliches Treffen, und so begann unsere Freundschaft. Das Schicksal führte uns oft zusammen (Festival der deutschen Kultur in Alma-Ata und Moskau, Unionsfestival der Volksmusik in Bolscheretschje, Omsk, Bundestreffen der Deutschen aus Russland in Stuttgart). Im Juni 1992 trafen wir uns beim Festival in Moskau, dann dank der Einladung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Stuttgart. In kleinen Hotelzimmern in Moskau und Stuttgart versammelten wir uns alle zum Singen. Albert

nahm sein Akkordeon, und wir hielten den Atem an. Er bezauberte uns mit seinem Spiel und seinem unwiderstehlichen Lächeln. Seine Finger flogen über die Tasten, die Augen strahlten vor Freude. Seine Improvisationen waren einmalig, wir konnten nur staunen. Ein großes Erlebnis war es, als die Gruppe „Kristall“ zu uns in das Dorf Sowetskoje, Nordkasachstan, kam. Gemeinsame Proben, Konzerte in verschiedenen Dörfern - die Zuschauer waren begeistert. Eine wunderschöne Zeit! Das Wichtigste - wir alle waren gute Freunde geworden. Das alles hatten wir Albert zu verdanken, weil er seine Musiker und die Sängerin Irina Stauch überredet hatte, nach Nordkasachstan zu kommen. Wir waren damals wie eine große Familie, teilten Freude und Sorgen. Ich bewunderte sein Talent, seine organisatorischen Fähigkeiten, seinen feinfühligen Umgang mit Menschen. Immer offen und hilfsbereit, widmete er sein ganzes Leben der Musik. Er komponierte auch hier in Deutschland Instrumentalmusik, die er auf seiner CD „Altstadtfest“ präsentierte. Seine Gedanken und Gefühle kann man spüren und teilen, wenn man diese Melodien hört. Mein Lieblingsstück ist „Die Ballade für die Enkelin“. 18 Jahre lang leitete Albert Berns den kirchlichen Frauenchor in Holtorf und den kirchlichen Posaunenchor in Marktlohe, arbeitete in der Musikschule und leitete den Chor der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Nienburg, seiner Heimatstadt hierzulande. Dem Engagement von Albert Berns ist es zu verdanken, dass die Qualität und die gesanglichen Leistungen der Sängerinnen weiterentwickelt und gesteigert werden konnten. Ab 2001 wurde das "Nienburger Doppelquartett" von Albert Berns geleitet, der eine besondere Vorliebe für Jazzmusik hatte und selbst vierstimmige Liedersätze für das Quartett schrieb. Die Sänger des "Doppelquartetts" betonen: „Wir haben schon viel von Albert Berns gelernt.“ Mit ihrer klassischen und modernen Musik sowie geistlichem Liedgut begeisterten sie immer ihre Zuschauer. „Mit ganz großer Treue, Hingabe, Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit hat er seine Arbeit getan", so charakterisierte ihn Pastor Horst Seivert von der kirchlichen Gemeinde. Die Mitglieder der Jazz-Band „Happy Jazz Paraders" werden Albert sicher am Klavier vermissen. Sie bildeten eine fröh-


ZUM GEDENKEN liche Truppe in Sachen Jazzmusik. Sich in fröhlicher Runde mit netten Menschen, bei guter Laune zu treffen, den Alltag zu vergessen und dabei getreu ihrer Devise: „Keep swinging!" herrlichen Jazz zu genießen – Albert war mit Herz und Seele dabei. Wie viel Kraft besaß dieser Mensch! Er arbeitete unermüdlich und kämpfte gegen seine heimtückische Krankheit an. Die Musik gab ihm die Kraft, und seine Ehefrau Nina unterstützte ihn und half, wo sie nur konnte. Auf seinen Wunsch lernte sie Akkordeon spielen und machte in seiner Akkordeongruppe mit. Darüber war Albert sehr glücklich, weil er einen Menschen gefunden hatte, der ihn verstand und seine Musikleidenschaft teilte. Als ich Albert fragte, ob er mir das Arrangement für meine Lieder schreiben könnte, bekam ich sofort die Antwort: "Ja! Ich helfe dir, Lina." Später hat er mir anvertraut, dass er Chemotherapie bekommt. Ich dachte: „Mein Gott! Der Mensch muss um sein Leben kämpfen, und ich komme da mit meinen Liedern!" Seine Frau Nina teilte mir mit, dass Albert noch in tiefer Trauer um seine kurz davor verstorbene einzige Tochter gewesen sei, diesen schweren Verlust nicht verarbeiten könne. Meine Lieder haben ihn abgelenkt; er stürzte sich Hals über Kopf in die Arbeit. Ich habe seine Hilfe gebraucht, er kam mir entgegen, wie immer. Auf meinen CDs „Spiel, Harmonika!" und „Mein Heimatdorf“ arrangierte er viele Lieder, dafür bin ich ihm unendlich dankbar! Es ist bewundernswert, wie tapfer und mutig er war, wie er um das Leben kämpfte, ohne zu klagen oder Mitleid zu suchen. Freunde und Musik gaben ihm diese Kraft. In meinem Lied „Schenk den Menschen Freude" sind Worte, die wunderbar zu Albert passen, weil er mit seiner Musik den Menschen fröhliche und glückliche Augenblicke schenkte. „...Schenk den Menschen Freude,/ Dann wirst du glücklich sein!/ Treu sei deinen Freunden,/ Dann bleibst du nie allein!“ Ich danke dem Schicksal, dass es mir die Möglichkeit gegeben hat, in meinem Leben einen so wunderbaren Menschen zu treffen. Wir alle, seine Freunde und Fans, werden ihn nie vergessen! Er bleibt in unseren Herzen, in unseren Erinnerungen, weil seine Musik weiterlebt. Es tut mir unendlich Leid, dass sein Herz viel zu früh aufgehört hat zu schlagen, er hätte uns noch so viel Freude mit seiner Musik schenken können. So viele Pläne und Träume konnte Albert nicht mehr verwirklichen. Aber es klingt die Musik, seine Musik. und da möchte man leben! Danke, Albert, für alles Schöne! Lina Neuwirt, Appetshofen, Bayern

Ein schweres Schicksal, ein schweres Leben Zum 15. Todestag meiner lieben Mama LUZIA BESTVATER geb. Neumann 24.5.1918 - 7.5.1997 Der Kampf des Lebens ist zu Ende,/ vorbei ist aller Erdenschmerz./ Nun ruhen aus die müden Hände,/ still steht ein gutes Mutterherz.

Mein Mama wurde im Dorf Elisowet-Pol, Pulinskij Kreis, Gebiet Kiew, geboren. Ihre Kindheit mit den Eltern in einem idyllischen Ort war schön. In dem Dorf wuchs alles, Weintrauben, Wassermelonen, Äpfel, Birnen und viel Gemüse. Sie war, wie auch alle anderen, ein fröhliches Mädchen. Doch ihre glückliche Kindheit dauerte nicht lange. 1927 ging sie zur Grundschule, die sie aber nur dreieinhalb Jahre lang besuchen konnte, bis 1931 eine Hungersnot ausbrach. Später, im Jahr 1939, zog die Familie in das Dorf Leninpol im Kaukasus, denn in der Familie waren sieben kleine Kinder und der Hunger zu groß. Es waren schlimme Zeiten für die ganze Familie, besonders für die älteste Tochter Luzia. Sie musste zu Hause bei der Arbeit kräftig mithelfen und hatte als junges Mädchen nicht viel Freizeit, um das Leben zu genießen. Mit 18 Jahren heiratete sie den jungen Burschen Theodor Amen, geb. 1914. Das junge Glück dauerte jedoch nicht lange, weil 1941 der Zweite Weltkrieg in die Sowjetunion kam. Theodor musste im September 1941 zur Arbeitsarmee. Im späten Herbst 1941 wurde Luzia mit ihrer kleinen Tochter Elvira nach Kasachstan deportiert. Es war eine schlimme, schwere Zeit für die junge Frau und das Kind. Manchmal hatten sie nichts zu essen, manchmal wären sie fast erfroren, aber es interessierte keinen, sie war auf sich allein gestellt. Mit dem Zug, dem Pferdegespann und zu Fuß kamen sie nach drei Monaten endlich im Gebiet Akmolinsk, Kasachstan, an bei Temperaturen von 40, 45 Grad unter Null. Hier wurden sie auch von keinem erwartet, wie man es ihr versprochen hatte. Um die kleine Tochter und sich zu ernähren, musste sie schwer arbeiten, als Melkerin, Züchterin bei den Kälbern und Putzfrau. Von ihrem Mann, der nicht wusste, wo seine Familie war, erhielt sie keine Nachricht. Sie sah ihn nie mehr wieder. Erst nach dem Krieg, viele Jahre später, erfuhr sie, das er 1943 verschollen war. 1950 heiratete sie ihren zweiten Mann Jakob Bestvater, der drei Kinder hatte und nach der Arbeitsarmee zurück nach Hause gekommen war. Seine Frau war in den Kriegsjahren verhungert.

Luzia Bestvater

Zusammen waren es nun fünf Kinder, eine große Familie mit vielen Problemen, aber Luzia meisterte alles bestens. In der Familie wurden noch sechs Kinder geboren, von denen jedoch drei schon sehr früh starben. Wie in vielen anderen Familien war auch das Leben meiner Mama nach dem Krieg mit viel Arbeit und Not verbunden. Man war in steter Sorge um das Essen, die Kleidung und die alltäglichen Dinge. 1964 verstarb unser Vater nach langer Krankheit. Und wieder lagen auf den Schultern unserer Mutter alle Sorgen um die Kinder, um den Haushalt, um das Geld, und wieder stand sie ganz allein da mit den Kindern, aber sie hat alles selbst gemeistert, alles konnte sie, ob es Frauenarbeit war oder Männerarbeit. Bis zur Ausreise nach Deutschland 1995 war ihr ganzes Leben ein harter Weg und ein Kampf ums Überleben. Jetzt aber war sie glücklich, endlich in Deutschland zu Hause zu sein und das Leben genießen zu können. Doch leider hatte das Leben große gesundheitliche Schäden hinterlassen, unsere Mutter war sehr krank. Immer wieder hat sie um ihre Gesundheit gekämpft, wollte mit ihren Kindern und Enkeln hier glücklich sein. Am 7. Mai 1997 hörte dann ihr gutes Mutterherz auf zu schlagen. Unsere Mama war eine sehr starke Frau, die uns Kinder durch das Leben führte und uns den Weg zeigte. Von ihr konnte man vieles lernen. In all den Jahren seit ihrem Tod lebt unsere liebe Mama in unseren Herzen. Irina Bestvater 41

VOLK AUF DEM WEG Nr. 3 / 2012


ZUM GEDENKEN JOHANN WARKENTIN geb. 11.5.1920 in Spat/Krim gest. 9.5.2012 in Berlin Raubt der Sturm ein Blatt vom Baume, reißt ein Stern ins Schwarz des Raumes seine momentane Spur, so vergehen sie für immer. Niemals kehrt erloschner Schimmer neu zurück in der Natur. Nur die Menschen überragen, kühn vom Schöpfergeist getragen, dieses grausame Gesetz, denn in dem, was sie gestalten, bleibt ihr Wesenszug erhalten unversehrt und unverletzt. Johann Warkentin

Wir trauern um unseren lieben Vater und Großvater. Du bleibst für immer in unseren Herzen. Lilli, Alexander, Lydia und Julia. GERTA SCHAUFLER geb. 16.4.1918 in Köppental/ Russland gest. 19.3.2012 in Netphen Wir haben Abschied genommen von meiner lieben Mutter und Schwiegermutter, unserer Oma und Uroma, meiner Schwester und unserer Tante. Wo du jetzt bist, dort ist Frieden, dort ist Licht. Du bleibst in unseren Herzen, wir vergessen dich nicht.

In Liebe und Dankbarkeit: Rudolf und Lidia Schaufler, Enkel, Urenkel, Bruder, Nichten und Neffen. In liebevoller Erinnerung. Zum 5-Jahres-Gedenken KATHARINA RONN geb. Waliser geb. 24.3.1923 in Landau/Odessa gest. 11.6.2007 in Nagold Wo du jetzt bist, dort ist Frieden, dort ist Licht. Du bleibst bei uns in unseren Herzen, wir werden dich nie vergessen.

In Liebe und Dankbarkeit: deine Tochter Katharina und Josef, deine Enkel Helene, Irene und Waldemar, Urenkel Angelika und Erika. 42

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Wir nehmen Abschied von meiner über alles geliebten Frau und Mutter unserer Kinder OLGA LEICHT geb. Reichert geb. 26.10.1929 in Lustdorf/Odessa gest. 9.3.2012 in Treschlingen/ Heilbronn Dein gutes Herz hat aufgehört zu schlagen, du wolltest doch so gerne bei uns sein. Gott, hilf uns, diesen Schmerz zu tragen, denn ohne dich wird alles anders sein. Was wir an dir verloren, versteht so mancher nicht. Nur die, die wirklich lieben, wissen, wovon man spricht. Dein Platz ist leer, groß ist der Schmerz und voller Trauer unser Herz. Wie schmerzvoll war’s, vor dir zu stehen, dein Leiden hilflos anzusehen. Du warst im Leben so bescheiden, schlicht und einfach lebtest du. Mit allem warst du stets zufrieden, hab Dank und schlaf in stiller Ruh.

Danke allen für ein stilles Gebet, eine stumme Umarmung, für das tröstende Wort, gesprochen oder geschrieben, für alle Zeichen der Liebe und Freundschaft, für Kränze, Blumen und Geldspenden. In Liebe und tiefer Trauer: dein Ehemann Ehrenfried, Sohn Karl, Schwiegertochter Rosa, Enkel Harry und Andreas. Zum Gedenken WILHELM SCHÜTZ geb. 10.11.1931 in Bauernheim/ Charkow gest. 10.3.2012 in Espelkamp Als Gott sah, dass der Weg zu lang und das Atmen zu schwer wurden, legte er seinen Arm um dich und sagte: „Komm heim, damit du bist, wo ich bin.“ Du bist erlöst von allen Schmerzen, der Abschied fällt uns allen schwer. Du bleibst bei uns in unseren Herzen, wir lieben dich und trauern sehr.

In Liebe und stiller Trauer: deine Frau Erna, deine Tochter Lilli mit Kindern und Ehemann, Sohn Alex, Sohn Jakob mit Frau Nelli und Kindern, deine Schwestern Elisabeth, Maria und Rosa. Danke an alle, die an unserer Trauerfeier teilgenommen haben.

Heilbronn Der Vorstand der Ortsgruppe Heilbronn trauert um OLGA LEICHT geb. Reichert geb. am 26.10.1929 in Lustdorf/Odessa. Am 20.5.1950 heiratete sie ihren Mann Ehrenfried. Mit ihm und zwei Söhnen kam sie 1978 nach Deutschland. Einer ihrer Söhne kam am 19.5.1979 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Diesen Schicksalsschlag hat sie nie ganz verkraftet. Trotz allem war sie voller Energie und Lebensfreude; ihre Hilfsbereitschaft hat uns alle beeindruckt. Olga Leicht war viele Jahre im Vorstand der Ortsgruppe Heilbronn tätig. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit wurde sie mit der bronzenen Ehrennadel der Landsmannschaft ausgezeichnet. Vom Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn erhielt sie ebenfalls eine Auszeichnung für ihr Engagement. Ob es Stricken, Nähen, Häkeln oder das Anfertigen von Puppen war - ihr gelang alles. Unsere Bastelstunden hat sie nie ausgelassen. Olga Leicht war für unsere Ortsgruppe eine wirkliche Bereicherung und ein stets gern gesehener Gast. Vor zwei Jahren wurde sie krank und von ihrem Mann gepflegt, bis sie von ihrem Leiden erlöst wurde. Vorsitzende Anette Stroh. Ein Mensch, der uns auf unserem Lebensweg mit seiner Liebe begleitet hat, bleibt uns für immer nah. LUDMILLA MEDER geb. Böse geb. 27.11.1939 in Hochstedt gest. 14.3.2012 in Stockelsdorf Ein Mutterherz hat aufgehört zu schlagen, du wolltest doch so gerne bei uns sein. Gott, hilf uns, diesen Schmerz zu tragen, denn ohne dich wird vieles anders sein. Es ist so schwer, dies zu verstehen, dass wir uns hier nicht wieder sehen. Nun hast du Ruh, uns bleibt der Schmerz. Schlaf wohl, du liebes Mutterherz.

In Liebe, Dankbarkeit und tiefer Trauer: dein Ehemann Ernst und deine Töchter mit Familien. Wir bedanken uns herzlich bei allen Verwandten, Freunden und Bekannten für die Anteilnahme an unserer Trauer.


ZUM GEDENKEN OSKAR MASER wurde am 12.9.1923 in Seebach bei Odessa geboren. Nach Abschluss einer deutschen Schule übersiedelte seine Familie nach Marienheim/Odessa. 1945 geriet er in amerikanische Gefangenschaft. Von Amerikanern den Russen überstellt, wurde er zur lebenslänglichen Verbannung nach Magadan/Sibirien verurteilt. Dort heiratete er das junge Mädchen Olga und gründete eine Familie. Später übersiedelte Oskar mit seiner Familie nach Workuta und als Rentner nach Poltawa in der Ukraine. 1990 wanderte er mit der Familie nach Deutschland aus. Mit seiner Frau Olga war er 64 Jahre verheiratet. Er freute sich über vier Enkel und drei Urenkel. Oskar Maser verstarb am 29.3.2012 in Hürth. Er war ein liebevoller Mann, großartiger Vater, Opa und Uropa. Er nahm uns unsere Sorgen liebevoll ab und sprach uns Mut zu. Er war ein talentierter Musiker. Sein Herz war das eines Künstlers: sensibel, einzigartig und von Schönheitssinn geprägt. Seine Seele war wie eine zart klingende Melodie des Himmels, deren Wärme wir immer noch bei uns spüren. Seine Familie.

Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.

GERTRUD SIEMENS geb. Aenis geb. 12.2.1920 gest. 7.4.2012 Allen, die sich in stiller Trauer mit uns verbunden fühlten und ihre liebevolle Anteilnahme auf so vielfältige Art zum Ausdruck brachten, danken wir von Herzen. Wir danken herzlichst allen Verwandten, Freunden, Nachbarn und Bekannten, die ihre Anteilnahme durch Wort, Schrift und Trauerspenden bekundet haben und sie auf ihrem letzten Weg begleiteten. Besonderen Dank der Praxis Dr. R. Stahn und Dr. G. Mischke für die langjährige Betreuung. Wir danken unseren Pfarrern Ch. Schorling und H.-M. Ahr für die geistliche Begleitung und herzliche Gestaltung der Trauerfeier sowie Herrn Häringer für die vielseitige Hilfe. Boris und Paul mit Familien. Zum Gedenken an HERBERT GÜNTER geb. 1.2.1934 in Nowosibirsk/ Sibirien gest. 21.3.2012 in Weiterstadt Du bist befreit von allen Schmerzen, das tröstet uns in unserem Leid. Du bleibst und lebst in unseren Herzen für immer und für alle Zeit.

Wir trauern um GERHART ALMENDINGER geb. 28.2.1926 in Luxemburg/Georgien gest. 31.3.2012 Es weht der Wind ein Blatt vom Baum, von vielen Blättern eines. Das eine Blatt, man merkt es kaum, denn eines ist ja keines. Doch dieses eine Blatt allein war Teil von meinem Leben, drum wird dies eine Blatt allein mir immer wieder fehlen.

Zum 5. Todestag am 9.4.2012 trauern wir auch um die Mutter OLGA ALMENDINGER geb. Wegner In Liebe und Dankbarkeit: eure Töchter Irene, Lili und Nelli mit Familien, sieben Enkel und acht Urenkel.

Wir trauern um ROSA GORR geb. Rohwein geb. 6.12.1923 in Schuck/Saratow gest. 26.4.2012 in Würzburg/Bayern Obwohl wir dir die Ruhe gönnen, ist doch voll Trauer unser Herz. Zusehen und nicht helfen können, das war für uns der größte Schmerz. Was du gegeben hast im Leben, dafür ist jeder Dank zu klein. Du hast gesorgt für deine Lieben, von früh bis spät - tagaus, tagein. Du warst bescheiden, fromm und schlicht in deinem Leben voller Pflicht. Nun ruhe sanft und schlaf in Frieden hab vielen Dank von deinen Lieben.

Ehemann Alexander und Kinder mit Familien Eisenbraun, Gorr und Wittenberg. 20-Jahres-Gedächtnis LEONIDA EURICH geb. Seebold geb. 19.5.1929 gest. 31.5.1992 Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern. Tot ist der, der vergessen ist. Das bist du, liebe Mama, trotz der 20 Jahre nicht.

Deine Mädels. Leg alles still in Gottes Hände: das Glück, den Schmerz, den Anfang und das Ende. O Herr, gib ihr die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihr.

IDA VOLLMER geb. 8.3.1937 in Großliebental/ Odessa gest. 9.3.2012 in Tübingen.

In Liebe und tiefer Trauer: deine Ehefrau mit Töchtern, Enkeln und Urenkeln. EMILIJA ALLERBORN geb. 1.9.1925 in Hölzen/Wolga gest. 26.3.2012 in Frankfurt/Main Wenn ihr mich sucht, dann sucht in euren Herzen. Wenn ihr mich dort findet, dann lebe ich in euch weiter. Dich leiden sehen, nicht helfen können, das war für uns der größte Schmerz.

In Liebe, Dankbarkeit und tiefer Trauer: dein Ehemann Alexander, Tochter Eugenie, Enkel Dimitri und Natalie.

Du hast gesorgt, du hast geschafft, bis dir die Krankheit nahm die Kraft. Du bist erlöst von allen Schmerzen, du bleibst bei uns in unseren Herzen.

In Liebe, Dankbarkeit und tiefer Trauer: deine Schwester Anna, Tochter Vera, Enkelin Ida, Nichten Nelli und Irene mit Familien. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Verwandten, Freunden und Bekannten für die Blumen, Kränze, Spenden und die liebevolle Anteilnahme an unserer Trauer. 43

VOLK AUF DEM WEG Nr. 3 / 2012


KULTUR

Johann Bär: „Ich fühle mich als Europäer...“

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er Lyriker, Liedermacher und Journalist Johann Bär ist in beiden Sprachen zu Hause. Seit Jahren publiziert er seine Gedichte und Lieder im Almanach „Russlanddeutsche Literaturkalender“, verschiedenen Anthologien und Literaturzeitschriften und hat einige Buchveröffentlichungen in Deutsch und Russisch aufzuweisen. Am 25. März 2012 ist er 50 Jahre alt geworden.

1962 in der Altairegion (Malinowoje osero), dem sibirischen Verbannungsort seiner Eltern, geboren, wuchs Bär ab 1969 in Kirgisien auf. 1982 zog er nach Usbekistan in die Stadt Fergana, wo er ab 1985 als freier Fotograf arbeitete. 1987 wurde ihm nach einigen Protestaktionen in Moskau und der Niederlegung der sowjetischen Staatsbürgerschaft die Ausreise nahe gelegt. 1989 wanderte Bär mit seiner Familie nach Deutschland aus; in Bonn fand er eine neue Heimat. In den Jahren 20002005 arbeitete er als Journalist, Redakteur und Verleger, seit 2005 ist er freiberuflicher Psychologe und Coach. Dichten bedeutet für Bär Lebensart; es ist nicht nur die Fähigkeit zu reimen - als Dichter muss man geboren sein. Er begann bereits 1980 lyrische Texte zu schreiben, zuerst auf Russisch. In Deutschland versucht er sich seit 1993 auch in deutscher Sprache. Die Antworten auf Fragen, die er in seinen Gedichten stellt, sucht er im Glauben und im Dialog mit sich und Gott. Auch der Konflikt um die Ausreise nach Deutschland erhält immer stärkeres Gewicht. Zerrissenheit, Hell-Dunkel-Kontraste, Weg und Orientierungssuche sind auch die zentralen Themen in seiner deutsch geschriebenen Lyrik der frühen 1990er Jahre: Ich hänge zwischen Tag und Nacht/ an einem Seil der fremden Wünsche. („Ikarus“) Johann Bärs literarisches Vorbild war schon immer die russische Dichterin Marina Zwetajewa; ihre Poesie hat ihn beeinflusst und beeindruckt. „Immer, wenn ich in Freiburg bin, besuche ich das gemütliche Familienrestaurant, Stammlokal der Zwetajews während ihrer Schwarzwaldaufenthalte“, erzählt er. Auch Anton Tschechow hat ihn beeinflusst, ebenso wie Milan Kundera, Martin Walser und andere. „Nach wie vor lese ich immer wieder Rainer Maria Rilke“, so Bär. Viele der in den 1990er Jahren entstandenen Gedichte beschäftigen sich mit dem Thema Fremdsein: Jetzt atme ich zusam44

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Johann Bär

men mit dem Wohlstand/ Schlaflosigkeit und Wut und manchmal Angst./ Du fliehst aus der Gefangenschaft und Fremde/ ins Fremde, wo du niemals bleiben kannst („Die Frage war so einfach“). Zwar dominiert der schwermütige Grundton, die Wortbilder sind aber abwechslungsreich und ausgereift: Stramm/ streckt/ der Sträfling/ seinen Köper/ dem frischen Wind entgegen/ Wer/ will/ wagen/ ihm die Freiheit/ zu träumen zu verbieten/ Lass/ lieber/ los/ was schon immer frei war. („Ausbruch“) Noch viel mehr an Schärfe gewinnen die deutsch verfassten Gedichte durch die Opposition von Begriffen und Wortbildern. Das Gut/ und Böse - wie die Schatten an der Leinwand/ ist schwarz auf weiß zu sehen/ was ich früher tat. („Nur Mut“) Die lyrischen Texte der letzten Jahre sind weicher gezeichnet. „Heute schreibe ich keine Gedichte im eigentlichen Sinne, sondern gereimte Entwürfe, Überlegungen oder Monologe, die manche als Gedichte bezeichnen. Die Gedichte vor meinem Leben in Deutschland waren voller Dramatik und Aussichtslosigkeit. Da sich mein Leben und meine Lebenshaltung verändert haben, haben sich auch die Texte verändert“, erzählt Bär. Das Leben mit all seinen Facetten gibt ihm Themen vor – sei es ein Besuch in einem italienischen Restaurant, ein Spaziergang im Park oder ironische Überlegungen über das eigene Alter. Das Leben sei mehr als die Suche nach dem Sinn des Lebens. „Sobald wir glauben, den Sinn erkannt zu haben, grenzen und engen wir unser Leben ein“, so die Erkenntnis des Dichters und Menschen Bär. Auch innerlich ist er längst angekommen. „Ich fühle mich als Europäer, die euro-

päische Kultur steht mir sehr nahe, auch meine heutige Weltanschauung basiert auf den Grundsätzen der christlichen europäischen Kultur“, sagt Bär. Nachdem er einen komplizierten Sich-Findungs-Prozess hinter sich hat, bezeichnet er sich selbst heute als Stoiker (Angehöriger der Stoa, Vertreter des Stoizismus – weit reichende Philosophie und Geisteshaltung, wobei man in Übereinstimmung mit sich selbst und der Natur lebt; Anm. der Red.). Wichtig für ihn ist auch, dass er ein glücklicher Familienvater ist. Seine Kinder (Sohn und Tochter) sind auch seine Freunde, mit denen er seine Gedanken und seine Weltanschauung teilen kann. VadW, Nadja Runde

Bonn: Herzlich willkommen zum literarischen Nachmittag mit Gitarrenmusik!

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m 5. Mai veranstaltet der Literaturkreis der Deutschen aus Russland mit Unterstützung des Vereins zur Förderung russlanddeutscher Wissenschaftler und Akademiker von 14 bis 16 Uhr in der Internationalen Begegnungsstätte in Bonn (Quantiusstr. 9, direkt hinter dem Hauptbahnhof) einen literarischen Nachmittag unter dem Motto „Komm, lieber Mai…“, der von Agnes Gossen-Giesbrecht moderiert wird. Im Programm: Präsentation neuer Bücher: „Literaturblätter der Deutschen aus Russland“, „Es war einmal. Liedgut der Deutschen aus Russland“, „Anziehungskraft“ - Gedichte und Prosa von Lalita Bauer, Erzählungen von Sylvia Hofmann und Martin Thielmann, Gedichte von Agnes Gossen-Giesbrecht und Ellen Frick. Den musikalischen Rahmen gestalten Dimitri German und Angelika Miller mit Liedern zur Gitarre.

Autorenseminar im St.-Hedwig-Haus Oerlinghausen

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om 18. bis 20. Mai 2012 veranstaltet der Literaturkreis der Deutschen aus Russland im St.-HedwigHaus Oerlinghausen (Hermannstr. 86) ein Autorenseminar mit der Wahl eines neuen Vorstandes. Im Programm unter anderem: • Lesung und musikalische Beiträge; • Lesung und Besprechung von Texten; • literarisch-musikalischer Abend mit eingeladenen Gästen unter dem Motto „Freie Wahl der Autoren“. Weitere Infos unter 05202/9165-11.


KULTUR

Artur Rosenstern: „Planet Germania“ Erfolgreiches Debüt eines jungen Autors

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rtur Rosenstern, „Planet Germania“, Schardt Verlag, Oldenburg 2012, 155 S., ISBN 978-3-89841-

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Artur Rosenstern, 1968 in Kasachstan geboren, reiste 1990 nach Deutschland aus und war zunächst als Privatmusiklehrer tätig. Nach dem Studium der Musik- und Medienwissenschaft sowie der Mittelalterlichen Geschichte arbeitete er u.a. für bekannte Musikverlage im Bereich Musikedition sowie als Übersetzer für die russische Sprache. Er veröffentlichte Kurzgeschichten in Anthologien und im Almanach "Literaturblätter der deutschen Autoren aus Russland (2011)". „Planet Germania“ ist das erste Buch des relativ jungen Autors Artur Rosenstern: Mit dem Untertitel „Über die Chance, fremd zu sein" erzählt es über zwei junge Einwanderer aus Kasachstan. „Lichtjahre sind manche Völker und einzelne Menschen voneinander entfernt, als lebten sie auf verschiedenen Planeten, als seien sie nicht gewillt zu verstehen, dass der Verstand, der uns gottgegeben ist, vor allem dazu da ist, um Brücken zueinander zu bauen und nicht ausgeklügelte Kriege gegeneinander zu führen", schreibt der Autor im Nachwort. Das Zitat ist auch der Schlüssel zum Titel und Inhalt seines Buches. Wie integriert man sich, ohne die fremde Sprache und Kultur zu kennen, wie wird man „etwas“, reich und erfolgreich? Und genügt das eigentlich, um glücklich zu sein? Auf dem Titelblatt des Buches sehen wir einen alten sowjetischen Koffer auf einem weißen Regal an einer Wand mit einer alten, etwas verschmutzten und rissigen Tapete mit Elefantenmuster. Elefanten sammelten unsere Großmütter als Glücksbringer. Und mit einem solchen Koffer, in dem sein Saxophon, eine Bratpfanne und ein Kochtopf zwischen den notwendigsten Sachen verstaut sind, kommt Andrej, ein junger Deutscher aus Kasachstan, auf der Suche nach seinem Glück und seiner Identität nach Deutschland. In der ersten Zeit sieht er Deutschland als Wunderland, in dem er sich sehr verloren fühlt und seinen eigenen Platz sucht. „Hascht du was, bischt du was, hascht du nichts, bischt du nichts", belehrt den Neuankömmling sein Onkel, der ihn am Flughafen abholt, im von den Vorfahren geerbten Dialekt. Dieser Satz bereitet Andrej schlaflose Nächte. Er möchte gern

„etwas“ werden in dieser Gesellschaft, und zwar ein echter "Wessi", und er träumt auch von einem flotten Auto. Die Passagen über das Arbeitsamt, in dem der mürrische Arbeitsvermittler keine Verwendung für den ehemaligen Zirkusmusiker hat, werden Tausenden russlanddeutscher Akademiker, deren Diplome in Deutschland nicht anerkannt wurden, sehr bekannt vorkommen. Rosensterns Schriftstellerkollege Alexander Reiser hat in seiner Erzählung „Dialog im Arbeitsamt" ein solches Gespräch als Dialog zwischen zwei Außerirdischen bezeichnet. Der Traum vom schönen Leben verschiebt sich um ein Jahr, bis Andrej beschließt, einen Sprachkurs zu besuchen, um perfektes Deutsch zu erlernen - vor allem auch, um das Wort "Hannover" richtig auszusprechen (nicht "Gannover") und seine Einwohner nicht als "Ganoven" zu bezeichnen. Gleichzeitig möchte er den Geheimnissen der deutschen Mentalität, des Deutschseins, auf die Spur kommen. Vorerst fühlt er sich genauso fremd wie sein ehemaliger Nachbar, der Kasache Murat, der auf verschlungenen Wegen ebenfalls nach Deutschland gekommen ist - mit dem Ziel, Millionär und später Präsident von Kasachstan zu werden. Am Anfang haben sie nur die Chance, fremd zu sein. Das ist eine der ersten Erfahrungen aller Einwanderer. Sie treffen sich im Sprachkurs und halten zusammen in dieser noch fremden Welt, in der sie sich unbedingt behaupten wollen.

Der abenteuerlustige und temperamentvolle Murat mit seinen Zielen und der Überzeugung „Geld ist alles" kann sich kaum in Deutsch verständigen, ist aber ständig auf der Suche nach kleinen Nebenjobs, die sich mit der Zeit ganz sicher als Goldgruben erweisen werden... Und wenn es Tomaten aus Kasachstan sind, die er später nach Deutschland importieren will, weil ihm die deutschen oder holländischen Tomaten nicht schmecken. Andrej ist geduldiger, nachdenklicher und bescheidener in seinen Wünschen, aber welcher junge Mensch träumt nicht von einem Wunder, einem schnellen Aufstieg in der neuen Welt? Wenn er auch nicht so begeisterungsfähig ist wie das Naturkind aus der kasachischen Steppe mit seinem ungebrochenen Optimismus und Unternehmungsgeist, lässt er sich doch immer wieder von Murat mitreißen, der immer neue „todsichere" Quellen des späteren „Reichtums" findet - irgendwelche überteuerten Versicherungs- oder Gesundheitsprodukte wie Merinoschafbetten oder wundersame Superkochtöpfe, die imstande sind, von ganz allein Speisen zuzubereiten. Andrej berichtet über diese Versuche, die immer wieder zum Scheitern verurteilt sind, mit feinem Humor und gesunder Skepsis. Dabei spricht er vielen Deutschen aus Russland aus dem Herzen. Viele von Artur Rosenstern beschriebene Situationen sind dieselben Fettnäpfchen, in die sie in den ersten Jahren in Deutschland getreten sind, deshalb lacht man auch gerne über sie. Der Autor ist ein guter Beobachter und beherrscht die Kunst, jede neue Szene mit humorvollen Details auszustatten und gleichzeitig tiefgründig zu analysieren. Das Buch von Artur Rosenstern ist lesenswert, in gutem, flüssigem Deutsch geschrieben, zum Lachen und Nachdenken geeignet, zum Lesen und Verschenken, aber auch, um die geschilderten Probleme öffentlich zu diskutieren. Das würde auch dem Wunsch des Autors entsprechen, der im Nachwort schreibt: „Sollte das Buch nur ein Stückchen zum Bau dieser (zwischenmenschlichen) Brücken, ein Sandkorn zur besseren Verständigung zwischen Deutschen und Russen beitragen, sollte es hier und da ein Lächeln entlocken, so hat es seinen Zweck erfüllt." Agnes Gossen-Giesbrecht, Mitglied des deutschen Schriftstellerverbandes 45

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KULTUR

Integrationspreis für den Musiklehrer Viktor Dukart

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ei der ersten Vergabe des Integrationspreises für den Landkreis Kelheim wurde der Deutsche aus Russland Viktor Dukart (54) geehrt. Mit ihm würdigte die Jury die Leistung eines Mannes, der sich seit 20 Jahren um den interkulturellen Dialog bemüht und für das Zusammenleben verschiedener Kulturen einsetzt. Die Jury entschied sich für den Musiklehrer aus Bad Abbach, obwohl es im Landkreis „viele Beispiele für gelungene Integration und Integrationsbemühungen gibt", so Martin Neumeyer (MdL), Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung und Vorsitzender des Integrationsarbeitskreises, bei der Preisverleihung am 25. März im Katholischen Pfarrsaal in Bad Abbach. Von ihm kam die Initiative zur Vergabe des Preises. Damit wird ein symbolkräftiges Zeichen für eine offene und integrationsfähige Gesellschaft gesetzt – immerhin hat ein Viertel der 12,5 Millionen bayerischen Bürger einen Migrationshintergrund. Bei dem Festakt spielten Viktor Dukarts Schüler. Der Bürgermeister von Bad Abbach, Ludwig Wachs (CSU), stimmte den Laudatoren Martin Neumeyer und Johannes Benz zu, mit Viktor Dukart den richtigen Preisträger gefunden zu haben. Durch sein beispielhaftes Engagement sei Dukart Werbeträger und Aushängeschild nicht nur für Bad Abbach, sondern auch für den gesamten Landkreis Kelheim. Dukart selbst hält es für selbstverständlich, dass er sich in diese Gesellschaft einbringt: „Man kann nicht nur für sich selbst leben und nichts für die Gesellschaft tun." Er freute sich über den Preis, der eine Anerkennung seiner Arbeit sei und ihm neue Kraft geben werde. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit und danke seinem Heimatort und dem Landkreis für die Unterstützung, die er bei seinen Projekten immer wieder erfahren habe.

Neuanfang in Deutschland Viktor Dukart kann auf viele Erfolge in seinem Leben zurückblicken – die private Musikschule Bad Abbach "PriMus" gehört dazu. Der Name Dukart ist hier ein Begriff, ob es nun um die Musik oder die Erfolge der Schüler und der Musikschule geht. Viktor und Rimma Dukart kamen mit ihrer Familie 1992 aus Kasachstan nach Deutschland. Ihre Vorfahren wurden in den 1940er Jahren aus dem Schwarzmeergebiet nach Kasachstan deportiert. Ein 46

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gefragter Lehrer war Viktor Dukart schon in Kasachstan. Er schloss sein Musikstudium mit Auszeichnung ab und arbeitete als Musiklehrer und Orchesterdirigent. In Deutschland fingen die Dukarts wie viele andere Deutsche aus Russland auch mit Sprachkurs und Aushilfsjobs an. Die Musik wollte Viktor Dukart jedoch nicht an den Nagel hängen, und so bewarb er sich überall als Musiklehrer. Als er in Bad Abbach mit einem Lehrauftrag für nur eine Stunde pro Woche begann, war die Musikschule noch in kommunaler Hand und nicht eben erfolgreich. Im September 1999 übernahm Dukart die Musikschule mit 100 Schülern, seitdem hat sich deren Zahl mehr als verdoppelt. Inzwischen haben die Talente aus Bad Abbach bei regionalen und landesweiten Musikwettbewerben ihr Können mehrfach unter Beweis gestellt und Spitzenplätze belegt. Jahreskonzerte und andere Auftritte der Musikschule mit anspruchsvoller Musik aller Stilrichtungen gehören längst zum festen Bestandteil des Kulturlebens in Bad Abbach und Umgebung. Auch Viktor Dukarts drei Kindern liegt die Musik im Blut. Karina Dukart unterrichtet Klavier in der Musikschule. Regina (Geige) und Gabriel (Akkordeon) sind mit Musik aufgewachsen und hatten den Vater als hauseigenen Musiklehrer. Beide haben sich inzwischen zu virtuosen Interpreten entwickelt. Und wenn Viktor Dukart mit seinen Kindern ein Konzert gibt, steht Hochwertiges auf dem Programm.

"Der Beste Musiklehrer der Welt“ Die mehr als 200 Schüler werden von zwölf qualifizierten Pädagogen unter dem Motto „Durch innovativen Musikunterricht und Spaß zum Erfolg“ unterrichtet. Das kann sich sehen lassen: Akkordeon, Blockflöte, Geige, Klavier, E-Gitarre, Gitarre, Keyboard, Melodica, Querflöte, Schlagzeug, Trompete, Klarinette und Saxophon, Chor, Gesang (Rock, Pop, Jazz) und musikalische Früherziehung. Ein Akkordeonorchester, ein Querflötenensemble und ein Gitarrenensemble vertreten die Musikschule bei Kulturveranstaltungen. Auf Qualität und Motivation legt Viktor Dukart viel Wert und schickt seine Schüler regelmäßig zu Musikwettbewerben wie „Jugend musiziert“, „Fränkischer Harmonikatag“, „Fröhliche Harmonika“ oder „Landesentscheid Deutscher Akkordeonmusikpreis“, wo sie ihr Können schon mehrmals unter Beweis stellten. Bei den verschiedensten Wettbewerben sind Dukarts Schüler mit Preisen über-

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häuft worden. Einige von ihnen sind richtige Profis und immer wieder ganz vorne mit dabei. So erspielten sich seine Schüler beim „Fränkischen Harmonikatag“ (Solnhofen 2006) knapp die Hälfte! Ein Beweis, dass er mit seiner Schule auf dem richtigen Weg ist, ist ein Sonderpokal von seinen Schülern mit der Inschrift „Viktor Dukart: Der beste Musiklehrer der Welt“.

Brücke für die Integration „Dukart genießt hier hohes Ansehen“, hob Johannes Benz in seiner Laudatio hervor, und Viktor Dukart betonte: „Bad Abbach ist meine Heimat geworden." Seine Familie und er fühlten sich hier wohl. Von Anfang hätte sie gemäß der Erkenntnis gelebt, dass sprachlicher Kontakt und Erfolg für die Integration wichtig sind. Viktor Dukart unterstützt Zuwanderer vor allem deshalb, damit sie hier „Halt und Heimat“ finden. Es geht ihm um die Einbeziehung benachteiligter Menschen. Dabei betont er immer wieder: „Ich mache nur ganz normal meine Arbeit." Seit einigen Jahren arbeitet er eng mit der Ortsgruppe Regensburg der Landsmannschaft zusammen und ist Teilnehmer vieler Kulturveranstaltungen. In seinen 20 Jahren in Deutschland hat Viktor Dukart bewiesen, dass er ein Projekt mit Energie und Akribie verfolgen kann. Eine Zeitlang wird der Musiklehrer jetzt auch Bauherr, denn derzeit errichtet er ein neues Schulgebäude in der Ortsmitte. Wir wünschen diesem Vorhaben gutes Gelingen! VadW


KULTUR

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„Auf Flügeln des Gesanges“

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er Hirsvogelsaal im Nürnberger Museum Tucherschloss mit der reich verzierten Wandvertäfelung gilt als bedeutendster Renaissance-Innenraum nördlich der Alpen und eignet sich hervorragend für kleine, aber feine Konzerte. Dem Nürnberger Kulturbeirat zugewanderter Deutscher gelang es mit der Wahl dieses Spielortes und mit Liedern von Georg Meyndt (1852-1903, einem der ersten und bedeutendsten siebenbürgischen Mundart-Liederdichter), am 25. März zahlreiche Zuhörer zu gewinnen. Kunstlieder, Arien und Gospels rundeten den Abend ab. Der Pop- und Gospelchor „Rhythm & More“ aus Seukendorf (Leitung: Tanja Lautermilch), der leidenschaftliche Sänger aus mehreren Herkunftsländern vereint, erntete begeisterten Beifall. Die studierte Chorleiterin stammt aus Frunse (Bischkek), der Hauptstadt von Kirgisien, lebt seit 1996 in Deutschland und leitet mehrere Chöre. Aus Kirgisien stammt auch die Sopranistin Katharina Jungkind, die ihre gesangliche Ausbildung in Dinkelsbühl begonnen und an der Hochschule für Musik in Freiburg Gesang studiert hat. Ihr Repertoire umfasst russische, deutsche, französische, englische und spanische Musikliteratur mit Werken insbesondere von Schubert, Rachmaninow und Tschaikowski. Stimmgewaltig, professionell und charmant sang sie sich in die Herzen der Zuhörer. Sie wurde von Veronika Eismont auf dem Klavier begleitet, die auch solo spielte. Die Pianistin ist in Russland geboren und unterrichtet am musischen Gymnasium Carolinum in Ansbach. Sie ist Mitglied des Damenorchesters „Salon Melange“ und tritt regelmäßig auf. Auch trug sie ihre Soli au dem Klavier (Tschaikowski und Chopin) berührend und virtuos vor. Bariton Christoph Reich wurde 1963 in Hermannstadt, Rumänien, geboren und singt seit seinem zwölften Lebensjahr regelmäßig in Chören. Beim Konzert trug er meisterhaft und mit viel Gefühl klassische Lieder vor, darunter das Lied „Auf Flügeln des Gesanges“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (Text: Heinrich Heine), das dem Abend den Namen gegeben hatte. Außerdem sang er Lieder seines Ururgroßvaters, des bereits erwähnten Georg Meyndt. Auf dem Klavier wurde er von seiner Mutter Ilse Maria Reich, bekannt als Organistin, begleitet. Im Anschluss an das Konzert, das von der Geschäftsführerin des Kulturbeirats, Melitta Zakel, organisiert wurde, erhielten die Künstler Frühlingsblumen. Die russlanddeutschen Künstler hatte Dr. Andreas Meier ausgesucht, der seine berufliche Musiklaufbahn in Frunse unter anderem als Dozent und Dekan begonnen hat. Seit 1993 leben

Die Teilnehmer des Konzertes im Nürnberger Hirsvogelsaal. Foto: Georg Hutter

die Meiers in Fürth bei Nürnberg und engagieren sich aktiv im öffentlichen Leben. Seit Beginn ist Dr. Meier als Musiklehrer und Therapeut im Bezirksklinikum Ansbach tätig. 1998-2006 leitete er das Akkordeonorchester in Oberasbach und machte es in Nordbayern bekannt. Viele seiner Musikschüler haben am Wettbewerb „Jugend musiziert” mit Erfolg teilgenommen. Seine Kinder Arthur (Studium Dipl.-Musikpädagoge, Altsaxophon) und Christine (Studium Dipl.-Musikerin, Violine; bekam den Talentpreis des Theatervereins Fürth) sind in die Fußstapfen des Vaters getreten. Vater und Geschwister spielen oft Solo oder bei Konzerten zu verschiedenen Anlässen in Fürth, Nürnberg und landesweit. Doris Hutter, Nürnberg / VadW

Vierter ECHO für Helene Fischer

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iermal konnte Helene Fischer inzwischen den ECHO, den begehrtesten deutschen Musikpreises, in der Kategorie „Deutschsprachiger Schlager” gewinnen: zweimal 2009, einmal 2010, und nun kam am 22. März 2012 der vierte ECHO dazu. Die Deutsche PhonoAkademie ehrt alljährlich die herausragenden Leistungen nationaler und internationaler Musiker. Mit ihrem letztjährigen Nummer-Eins-Album „Für einen Tag” gehörte Helene Fischer ohne Zweifel zu den erfolgreichsten Künstlern des Jahres 2011. Überreicht wurde der Preis vom Weltstar Barry Manilow. Helene Fischer nahm den Preis sichtlich gerührt entgegen und dankte in ihrer Rede vor allem ihrem treuen Publikum. Einige Wochen zuvor stand die russlanddeutsche Schlagersängerin bei der Verleihung der „Goldenen Kamera“ im Mittelpunkt der Gala und wurde in der Kategorie „Beste Musik National“ ausgezeichnet. Weltstar Michael Bolton hielt die Laudatio für sie. „Sie ist wunderbar, hat ein Riesentalent und den Preis mehr als verdient. Helene, vielen Dank, wie du dich unsere Herzen singst“, sagte der Sänger, der auf seiner neuen CD "Duette" vier Lieder mit Helene Fischer singt. VadW 47

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VOLK AUF DEM WEG erscheint monatlich, viermal im Jahr mit der Beilage "Heimat im Glauben". Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Der Mitgliedsbeitrag von 30,- Euro ist laut Satzung am Jahresanfang für das laufende Kalenderjahr im Voraus zu entrichten. Verleger und Herausgeber: Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. Raitelsbergstr. 49, 70188 Stuttgart Telefon: (0711) 1 66 59-0, Telefax: (0711) 2 86 44 13 E-Mail: Lmdr-ev@t-online.de, Homepage: www.deutscheausrussland.de Stuttgarter Volksbank AG, Konto-Nr.: 214758001, BLZ 600 901 00 Herstellung: PD Druck Augsburg Redaktion: Hans Kampen, Nina Paulsen Alle Beiträge geben die Meinung der Autoren wieder, die sich nicht unbedingt mit den Auffassungen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und der Redaktion decken muss. Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder Fotos kann keine Haft- oder Rücksendepflicht übernommen werden.

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Olga Philippi – mit Talent und Fleiß in den Beruf zurückgefunden

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or der Ausreise hat Olga Philippi sogar Kostüme im Auftrag des staatlichen Filmstudios kreiert, das historische Filme drehte. Auch in Deutschland hat sie sich nicht verloren, sondern hat gelernt, sich mit ihren Fähigkeiten einzubringen. Sie wohnt in Dingolfing (Bayern) und schneidert seit über fünf Jahren Kostüme für Kinderballetts und Theateraufführungen. Für die jungen Darsteller ist das Entstehen der Bühnenkostüme ein spannender Prozess; vor allem die Anprobe bereitet den Kindern und Jugendlichen viel Freude. Für die Designerin ist es eine akribische, zeitraubende Arbeit, aber auch immer wieder eine neue Herausforderung. Das Interesse für Modedesign erwachte in Olga Philippi bereits in der Schule; bis zum Abschluss wusste sie ganz genau, dass sie Modedesignerin werden wollte. Am besten gefällt ihr, dass sie über ihren Beruf Menschen helfen kann, in neue Rollen zu schlüpfen, in sich neue Seiten zu entdecken. 1995, als das Leben in Usbekistan unerträglich wurde, wanderten auch die Philippis nach Deutschland aus. Die Integration gestaltete sich schwieriger als gedacht. Bevor Olga Philippi zu ihrem Beruf zurückfand, musste sie sich mit Jobs am Fließband und Putzstellen begnügen. Dennoch: Den Traum, wieder als Modedesignerin zu arbeiten, hatte sie nie ganz aufgegeben. Alles begann mit der Zusammenarbeit mit der Ballettklasse der Musikschule, in der ihre Tochter tanzte. Bei einer Aufführung kam Olga Philippi die Idee, ihre Unterstützung als Kostümdesignerin anzubieten. Zwar kamen in ihr gleich auch Zweifel auf, ob sie es schaffen würde, Kostüme zu entwerfen, in denen man sich frei bewegen und tanzen könnte, mit den ersten Erfahrungen kehrte aber auch ihr Selbstbewusstsein zurück.

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Bastelstunde mit Olga Philippi.

In den fünf Jahren ihrer Zusammenarbeit mit der Ballettklasse hat Olga gelernt, die Kostüme genau so zu entwerfen und zu nähen, dass sie bequem beim Tanzen sind und durch Stoffwahl, schöne Farben und aufwendige Schnitte beeindrucken. Viel bedeutet dabei die jeweilige nationale Kulturtradition. So verwendete Olga für die Aufführung des russischen Märchens „Konjok-Gorbunok“ Elemente der russischen Folklore. Bevor ein Kostümentwurf entsteht, recherchiert sie in Publikationen und durchforstet Lexiken, schaut sich Tänze an und hört die jeweilige Musik. Kostüme, Tänze und Musik sollen schließlich eine Einheit bilden. Als kreativer Mensch beteiligt sich Olga Philippi auch an anderen Projekten in Dingolfing, darunter Interessenabende für Frauen, Treffen mit Autoren, Konzerte oder Abende der internationalen Küche. Auch die Modeabende, die von ihr ge-

staltet werden, sind immer etwas Besonderes. Im Integrationsprojekt „Nachbarschaftshilfe“ leitet Olga Philippi Bastelkurse für Kinder. „Zwar konnte ich mir früher kaum vorstellen, mit Kindern zu arbeiten, inzwischen klappt es jedoch richtig gut. Den Kindern macht es riesigen Spaß, sie würden am liebsten jeden Tag hierher kommen“, sagt Olga. Figuren aus Knete formen, malen oder aus dem Papier allerhand ausschneiden – unter ihrer Anleitung entstehen in den Kinderhänden kleine Kunstwerke. Auch ihre Familie zieht bei vielen Vorhaben kräftig mit. Sowohl der Mann als auch der Sohn und die Tochter unterstützen ihre Mutter mit Ideen oder bei Projekten. Beispielsweise helfen sie beim Basteln von Accessoires für die Ballettaufführungen oder von Modellen für die Bastelkurse. Nadja Runde, Dingolfing


VadW Mai 2012