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Theaterstück: Teil 2 (S. 15­20) Steffi: Aischa: Steffi:

Hallo, Aischa.  (zu Junge) Wer ist das?  Gehört er zu dir? Das ist Jussuf.  Er hat mitgekommen. Du meinst, er hat dich herbegleitet.  Komm doch rein, Aischa! (Beide gehen ins Haus)

Steffi: (auf der Seite, denkend) Warum kommt er einfach mit rein?  Er ist doch gar nicht  eingeladen! Vater: (schüttelt Aischas Hand) Das ist also Aischa, die Freundin von unserer Steffi.  Und wer ist der junge Mann? Aischa: Das ist mein Bruder Jussuf. Vater: (schüttelt Jussufs Hand) Guten Tag, Jussuf, komm nur rein! (Steffi scheint böse zu sein, führt Aischa zu ihrem Schlafzimmer) Aischa: Steffi: Aischa: Steffi: Aischa: Steffi: Aischa:

So viele Sachen!  So viele, viele Sachen.  Das gehört alles dir?  Du hast  ein Bett für dich allein und du hast sogar Schreibtisch! Natürlich, wo soll man denn sonst seine Hausaufgaben machen? Na, am Küchentisch. Und was meinst du mit Bett für mich allein?  Das versteh ich nicht. Bei mir schläft kleine Schwester Fatima mit im Bett.  Wir haben nicht so  viel Platz. Kann man denn da schlafen, mit noch jemandem in seinem Bett? Ja, kann man.  Ist manchmal schön.  Wir können Geschichten erzählen vor  dem Einschlafen und Witze machen. (später auf dem Grillplatz, nach dem Essen)

Vater: Deine Freunde scheinen ja ganz schön verwöhnt zu sein.  Die Würste haben ihnen  wohl nicht geschmeckt?  Nicht einen Bissen haben sie gegessen. Mutter: Ich glaube, wir hätten keine Schweinsbratwürste grillen sollen.  Soviel ich  weiß, dürfen sie doch kein Schweinefleisch essen. Vater: Du hast Recht.  Daran hab ich nicht gedacht.  Aber an ihrem Brot haben sie auch  nur ein bisschen geknabbert.  Und das war ja nun wirklich nicht aus  Schweinefleisch. Steffi: Das war ihnen bestimmt zu dunkel.  Aischa bringt immer nur so ein ganz dünnes  weißes Brot mit für die Pause. Vater: Ach, sie mögen nur Weißbrot!  Na, siehst du.  Hab ich ja gesagt: Die sind einfach  verwöhnt.


Theaterstück: Teil 3 (S. 21­25) Aischa:

Das ist mein Vater, meine Mutter, die kennst du schon, meine  Oma, das ist Jussuf… Steffi: (gibt ihm die zögernd Hand) Jaja, den kenn ich auch schon.  Aischa: Das ist kleine Schwester Fatima und große Schwester Leila  Jetzt kennst du alle. Steffi:Seid ihr aber viele!  Gut, dass ihr so einen großen Tisch habt.  Unserer  ist viel kleiner.  Wir sind ja auch nur drei. Aischa: Wir essen draußen. (Alle gehen zu einer Wiese zum Essen) Aischa: Gehen wir spazieren! Jussuf: Aber nur auf der Wiese, wo man euch sehen kann. Steffi:Dein Bruder spielt sich ganz schön auf!  Das mit den Männern und  Frauen bei euch finde ich sowieso doof… Aischa: Was ist doof? Steffi: Bei euch kriegen die Männer immer zuerst. Aischa: Ist doch gut in unsre Familie.  Sind nur zwei Männer.  Bleibt  viel übrig.  Im Libanon meine Tante hat fünf Söhne und zwei  Töchter.  Wenn da die sechs Männer gekriegt haben, bleibt für  die Mädchen immer nur ein kleiner Rest. Steffi:Und das lassen die sich gefallen? Aischa: (zuckt mit den Schultern) Ist eben so. Steffi:Das ist ungerecht.  Bei uns werden immer zuerst die Frauen bedient. Aischa: Aha.  Und das ist gerecht, ich verstehe. (lacht) Steffi:Na ja, jedenfalls ist es so herum besser.


Theaterstück: Teil 4 (S. 36­42) (Im Garten bei der Party) Mama: Können wir anfangen oder sollen wir auf Aischa warten? Marie­Luise:  Lieber anfangen.  Die kommt nie pünktlich.  Das ist bei denen so. Steffi: Nein, wir warten. Steffi: Aischa: Steffi:

(Aischas kommt mit Jussuf zur Party) (zu Aischa) Du bist eingeladen, Aischa.  Aber Jussuf nicht. Jussuf nicht? (Sie dreht sich um) Komm, Jussuf! Dann geh doch!  Geh nur wenn du so zickig bist!

(ein paar Tage später) Aischa: Ich will noch einmal mit dir reden. Steffi: Das wollte ich auch, die ganze Zeit schon.  Zuerst gehen wir zusammen  heim.  Und gleich heute Nachmittag, nach dem Essen... Aischa: (schüttelt den Kopf) Ich will doch verabschieden.  Weil du meine  best Freundin warst.  Wir fahren zurück in Libanon. Steffi: Zurück?  Für immer?  Aber warum denn? Aischa: Letzte Woche haben sie Jussuf geprügelt in der Stadt.  Sehr gehauen. Steffi: Einfach verhauen?  Sind die verrückt?  Warum denn? Aischa: Ich weiß nicht.  Vielleicht, weil er nicht deutsch ist.  Er hat nichts  gemacht. – Warum mögt ihr uns nicht?  Haben wir was getan? Steffi: Aber das stimmt doch nicht.  Das sind nur ein paar Spinner, die so was  tun. Aischa: Und warum hat ihm dann keiner geholfen?  Viele haben es  gesehn.  Mein Papa sagt: Er muss jetzt hier mehr Angst haben um  uns als in Libanon.  Jetzt ist hier Krieg.  Wir fahren bald, wir  verpacken schon. Steffi: Ich hab eine Wut!  Wut auf diese Spinner und Wut auf unseren doofen  Streit.  Wir hätten die ganze Zeit miteinander spielen können. Aischa: Warum  hast du mich weggeschickt an deinem Geburtstag? Steffi: Dich doch nicht!  Nur Jussuf.  Wir hatten ausgemacht, dass nur Mädchen  kommen dürfen.   Aischa: Hab ich nicht gewusst.  Bei uns dürfen Mädchen nicht allein zu  anderen gehen.  Muss immer Mutter oder Bruder dabei sein. 


Immer, immer!  Bruder von einem Gast wegschicken ist die  größte Beleidigung, die es gibt. Steffi: Das hab ich nicht gewusst.  Kannst du deinen Vater nicht überreden,  dass er dableibt?  (Aischa schüttelt den Kopf)  Komm!  Jetzt spiel  ich nur noch mit dir.  Jeden Nachmittag.


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